La Jolla 2013 - Medizinische Universität Graz
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La Jolla 2013 - Medizinische Universität Graz
1. Fächergruppe/Notfallmedizin im Scripps Green Hospital Die Idee eine Fächergruppe oder eine Famulatur im Scripps Green Hospital in La Jolla, Südkalifornien, zu absolvieren entstand bei einem Besuch meiner kalifornischen Verwandten vor etwa zwei Jahren. So begann ich auf der Internetseite des Krankenhauses meine Recherche und schickte eine Anfrage an die zuständige Sekretärin für graduate medical education (GME). Da diese E-Mails unbeantwortet blieben, nahm ich schließlich das Angebot meiner Verwandten für mich persönlich nachzufragen in Anspruch. Dies gestaltete die Organisation um vieles einfacher und die zuständige Sekretärin war ausgesprochen hilfsbereit. Die für die Anmeldung notwendigen Dokumente waren mein Lebenslauf, ein Anmeldeformular, welches auf der Internetseite zu finden ist, ein „Letter of Support“ des Studienrektors, der Voranrechnungsbescheid, die Versicherungsbestätigung der ÖH, eine Bestätigung für Krankenund Unfallversicherung, Impftiter für Hepatitis, Mendel-Mantoux-Test oder Lungenrötgen und eine Bestätigung für die Grippe-Impfung. Ich entschloss mich zu einer 5 wöchigen Famulatur in der Outpatient Clinic für Internal Medicine, welche wie ich später erfahren sollte in etwa unseren Allgemeinmedizinpraxen entspricht, allerdings im Krankenhaus lokalisiert ist und somit etwas mehr therapeutische sowie diagnostische Möglichkeiten hat. Des Weiteren bewarb ich mich für eine Famulatur im Urgent Care Center des Krankenhauses. Als ich wenig später die Kontaktadressen meiner vorgesehenen Metoren Dr Wetherhold bzw. Dr Saucedo zugesendet bekam war ich sehr positiv überrascht, da ich keine persönliche Betreuung erwartet hatte, sondern vom österreichischen Standard ausgegangen war. Am 15. Juli begann ich dann die Famulatur in der Outpatient Clinic welche zwar ausgesprochen zeitaufwändig, dafür aber auch sehr lehrreich war. Außer mir absolvierten noch zwei PhysicianAssistant Studenten ihr Praktikum mit Dr. Wetherhold. Die ersten beiden Tage sah ich PatientInnen gemeinsam mit Dr. Wetherhold und ab dem dritten Tag durfte ich Anamnesegespräche und physikalischen Status alleine durchführen. Nachdem ich einen Patienten gesehen hatte, ging ich zum Doktor berichtete ihm meinen Befund, äußerte meine Verdachts- bzw. Differentialdiagnosen und besprach Therapiemöglichkeiten bzw weiterführende Diagnostik mit meinem Mentor. Für Fragen stand er immer zur Verfügung und war gerne bereit mir Untersuchungstechniken mit denen ich weniger vertraut war beizubringen. Um 7:00 kam ich in die Klinik und sah die Krankengeschichten der für den Tag vorgesehenen Patienten durch. Um ca 8:00 kamen dann die ersten Patienten und bis zum Abend hatte dann jeder von uns drei Studenten 5-10 PatientInnen gesehen. Nach einer kurzen Fragerunde verabschiedete sich der Doktor dann und wir hatten noch die Dokumentation der Fälle übrig. Da ich noch nie zuvor Arztbriefe geschrieben hatte und ich dies außerdem auf Englisch zu tun hatte dauerte es zu Beginn meistens bis 20:00 oder auch länger bis ich alle Fälle abgeschlossen hatte und nach Hause gehen durfte. Alle Berichte wurden von Doktor Wetherhold durchgelesen, fallweise ergänzt und freigegeben. In der Outpatient Clinic reichten die Fälle von der jährlichen Gesundenuntersuchung, welche bei Damen auch die gynäkologische Untersuchung und bei Herren die rektale Untersuchung miteinschloss, über die Betreuung chronische Krankheiten bis hin zur akuten Lungenembolie und Schlaganfall deren Betreuung dann aber an die Urgent Care oder die Stationen weitergeleitet wurde. Wir Studenten durften auch an der „Noon-Conference“ der Residents für Interne Medizin teilnehmen was einem circa halbstündigen Vortrag über Praktikumsbericht Scripps Green Hospital 2013 Linda Sophie Gruber 0833040 diverse Themen mit anschließender Falldiskussion entsprach. Außerdem wurde dort für uns auch immer gratis Essen zur Verfügung gestellt. Binnen fünf 5-Tage-Wochen kam ich also auf um die 300 Stunden die ich in der Outpatient Clinic verbrachte und war immer sehr froh wenn ich nach Hause kam und schon ein Abendessen auf mich wartete. Die zweiten fünf Woche und die „eigentliche“ Fächergruppe 1/Notfallmedizin absolvierte ich dann im Urgent Care Center des Krankenhauses, welches zwar die Ausstattung eines Emergency Rooms hatte aus versicherungstechnischen Gründen jedoch als Urgent Care und nicht als E.R. gelistet war. Das Krankenhaus war somit nicht verpflichtet Traumapatienten ohne Versicherung zu behandeln, sondern nur Patienten die im Rahmen des Scripps Healthcare Systems versichert waren. Die Patienten wurden also mit Myokardinfarkten, Schlaganfällen, akuten Abdomen, Migräneattacken, Drogenintoxikationen, gynäkologischen und urologischen Notfällen etc. vorstellig, jedoch kamen keine Polytraumen in dieses Urgent Care Center. Wieder durfte ich Anamnese und physikalischen Status erheben und besprach dann weitere Diagnostik und Therapie mit meinem Mentor Dr. Saucedo. Auch alle anderen Mitglieder des Urgent Care Teams waren sehr engagiert und hilfsbereit. Die Kollegen sagten mir Bescheid wenn sie einen interessanten Fall hatten oder einen Eingriff durchführten und ließen mich auch durchaus Abszessspaltungen, Nähte und Untersuchungen durchführen. Wieder nahm ich an Morning und noon Conference teil wo ich auch Gelegenheit hatte mich mit anderen Medizinstudenten und Residents auszutauschen. Die Studenten studierten durchwegs an der UCSD – University of California San Diego – deren Campus sich nahe zum Krankenhaus befindet. Scripps Green ist allerdings nicht die Universitätsklinik, sondern nur Lehrkrankenhaus der UCSD. Während diesem Praktikum arbeitete ich nach dem Dienstplan meines Metors, nutzte aber auch die Angebote mit anderen Ärzten Dienste zu machen. Es handelte sich ausschließlich um zehn bzw. zwölf StundenDienste. Pro Woche arbeiteten wir 4 bis 6 Schichten und so kam ich auch innerhalb dieser 5 Wochen wieder auf ca. 280 Stunden. Mein Mentor legte besonderes Augenmerk darauf, dass ich mich, wenn ich ihm einen Fall berichtete, an den immer gleichen Ablauf hielt: History of present Illness –Past medical history- Social history-Current medication-Vitals-Physical examAssessment-Plan. Häufig gab mir Dr. Saucedo kleine „Hausaufgaben“ auf wobei ich über ein Thema nachlesen und ihm am nächsten Tag einen Überblick über meine neuerworbenen Kenntnisse geben musste. In der Arbeit mit verschiedenen Kollegen war es besonders interessant die Unterschiede in der Gesprächsführung und den Therapieschemen beobachten zu können. Mein Mentor Dr. Saucedo und ein weiterer Arzt im Team sprachen auch Deutsch was manchmal ganz hilfreich war. Andererseits musste ich geistig immer zwischen Deutsch und Englisch hin und herwechseln, was aber zu keinen Schwierigkeiten führte. Während meines Aufenthaltes war ich bei meinen Verwandten untergebracht und konnte eines ihrer Autos nutzen. Wäre dies nicht möglich gewesen so hätte dieses Praktikum vermutlich ein kleines Vermögen gekostet. Durch die Nähe des Campus gibt es auch einige Student-Dormitories nicht weit vom Krankenhaus über deren Kosten bin ich allerdings nicht informiert. Eine Verwandte die gerade ihr Studium begonnen hatte meinte sie zahle 600 $ pro Monat für ihr WGZimmer und dies sei eine der günstigeren Wohnmöglichkeiten. Der öffentliche Verkehr ist abgesehen von Downtown und einer Zugverbindung nach Los Angeles praktisch nicht vorhanden, was sich in einem unglaublichen Stau zu den Stoßzeiten niederschlägt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass ich fachlich wie auch menschlich unglaublich von diesem Praktikum profitiert habe. Die führe ich hauptsächlich auf die engagierte und motivierende Art Praktikumsbericht Scripps Green Hospital 2013 Linda Sophie Gruber 0833040 der Ärzte mit denen ich arbeiten durfte zurück. Scripps legt außerdem großen Wert auf eine gute Ausbildung seiner Studenten und Residents und so profitierte ich auch von den Vorlesungen, Fallbesprechungen und Seminaren während den Conferences. Praktikumsbericht Scripps Green Hospital 2013 Linda Sophie Gruber 0833040