HS14 - PHBern

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HS14 - PHBern
Organisatorisches / Anmeldung
Ich (Michèle, 20) habe mein 5. Semester in Odense, Dänemark verbracht. Ich
studiere im Profil VUS und deshalb wurde mir das fünfte Semester als das Beste für
ein Auslandsemester vorgeschlagen. Schon in meinem ersten Jahr habe ich durch
eine Infoveranstaltung der PH von der Möglichkeit erfahren, ein Erasmus-Semester
zu machen und war sofort davon begeistert. Ich habe nach dem Gymnasium direkt
mit der PH angefangen und fand deshalb eine Abwechslung sehr interessant.
Ausserdem liebe ich es, zu reisen und neue Länder und Kulturen kennen zu lernen.
An der Infoveranstaltung habe ich dann erfahren, dass die Semestergebühren der
PH normal weiterlaufen, ansonsten keine zusätzlichen Kosten anfallen und ich auch
noch monatlich von der PH finanziell unterstützt werde, weshalb ich mich dann
definitiv für ein Erasmus-Semester entschieden habe.
Nach der ersten Infoveranstaltung habe ich mich sehr dafür interessiert, mein
Semester in Stockholm oder Amsterdam zu verbringen. Leider wurde kurz vor meiner
definitiven Anmeldung die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP angenommen,
was einige Veränderungen mit sich brachte. Viele Schulen wollten nicht mehr mit der
Schweiz kooperieren und haben deshalb die Partnerschaft beendet. Meine beiden
Favoriten-Städte waren auch unter denjenigen, welche den Vertrag nicht verlängert
haben. Für mich war von Anfang an klar, dass ich ein Semester auf Englisch
machen will, um die Sprache zu gebrauchen und mich zu verbessern. Auch der
Norden war als Zielort ziemlich klar, weshalb sich dann aus der restlichen Auswahl
Dänemark herauskristallisiert hat. Meine erste Auswahl war Aarhus, Dänemark und
Odense meine zweite. Von der PH wurde mir ein Platz in Odense zugewiesen,
welchen ich ohne zu zögern angenommen habe.
Anreise
Das Semester in Odense hat am 18. August 2014 angefangen. Wir wurden von
unserer Gasthochschule darüber informiert, dass die erste Woche eine
Einführungswoche sein wird, um sich kennen zu lernen und sich am neuen Ort
einzuleben. Gemeinsam mit Sina, der anderen PH-Studentin, habe ich einen Flug für
den 16. August gebucht. Per Mail haben wir im Vornherein mit unseren Landlords
Kontakt aufgenommen und sie haben uns angeboten, uns in Odense am Bahnhof
abzuholen. Wir sind also mit dem Flugzeug von Genf nach Kopenhagen geflogen
und haben von dort aus den Zug (DSB) nach Odense genommen. Das Zugticket von
Kopenhagen nach Odense hat uns 320 DKK gekostet, was etwa 53 CHF beträgt.
Unterkunft
Die Unterkunft wurde uns von der Gasthochschule zugeteilt. Ich habe mich für das
Studentenwohnheim (Rasmus Rask) beworben, aber schliesslich wurde mir eine
Wohnung etwas ausserhalb der Stadt mit zwei MitbewohnerInnen angeboten. Sina
war eine dieser MitbewohnerInnen und der zweite war ein Student aus Ungarn. Die
Wohnung hatte einen separaten Eingang und die Miete war 1650 DKK (275 CHF)
pro Monat. Dies ist im Vergleich zu anderen Unterkünften eine der günstigsten und
ist auch sehr schön. Die Zimmer sind gross und die Wohnung sehr gemütlich. Auch
die Landlords sind sehr nett und haben uns sehr geholfen, uns einzuleben. Der
einzige Nachteil ist die Lage. Die Wohnung ist 8,5km von der Schule und 10km von
der Stadt entfernt und die Busverbindungen sehr schlecht.
Mir wurde dann per Zufall ein Zimmer bei einer Dame angeboten, bei welcher bereits
drei Studentinnen meiner Klasse gewohnt haben. Da ich jedoch nicht wusste, welche
Rechte und Pflichten ich habe (ich hatte keinen Vertrag) habe ich mich zuerst an
Soren Brolund gewendet, welcher für die Zuteilung der Unterkünfte verantwortlich
war. Er hat mir gesagt, dass ich alles mit meinen Vermietern und Mitbewohnern
abklären müsste, und falls diese einverstanden sind, sei ein Umzug kein Problem.
Dies habe ich gemacht und da der Umzug für niemanden ein Problem darstellte,
habe ich nach einem Monat meine Unterkunft gewechselt. Meine neue Unterkunft
war ein wenig teurer (2000 DKK =
330 CHF) aber auch deutlich näher
an Stadt und Schule. Ich hatte jetzt
mit dem Fahrrad (Dies ist ein Muss in
Odense!) nur 10 Minuten in die Stadt
und 15 Minuten in die Schule. Wenn
man ein Fahrrad kaufen will, was ich
als die beste Variante sehe, gibt es
eine super Seite auf Facebook, auf
welcher Occasion Fahrräder
Meine Mitbewohnerinnen
angeboten werden (The Cheapest
bikes in Odense). In der neuen Unterkunft hatte ich ein eigenes Zimmer und das
Badezimmer habe ich mit meiner Landlady geteilt. Die Küche haben wir alle benutzt,
aber glücklicherweise habe ich mich super mit meinen drei Mitbewohnerinnen
verstanden und wir haben immer gemeinsam gekocht, was ein Stau in der Küche
verhindert hat.
Studium
Da ich die Informationen über das Kursangebot an der Gasthochschule nicht
gefunden habe, habe ich im International Office der PH nachgefragt und Frau Tauch
hat mir das Programm gemailt. Das University College Lillebaelt bietet für ErasmusStudenten ein fixes Programm an,
welches drei Module umfasst:
Pedagogy, General Didactics und
School Practice. Alle drei Module
zusammen ergeben 31 ECTS Punkte.
Durch dieses Spezialprogramm ist man
in einer Internationalen Klasse zugeteilt,
welche nur aus Erasmus-Studenten
besteht. Dies habe ich als sehr positiv
erlebt, da alle in der gleichen Situation
Internationals
sind, alle sind sehr offen und man
kommt sofort in Kontakt. Ausserdem war die Einführungswoche im August sehr gut,
um einander kennen zu lernen. Diese Woche war aber nicht nur für die
Internationals, sondern für alle Studenten, welche neu mit dem Studium begonnen
haben. In meinem Jahr waren dies 8 dänische Klassen und die Internationals.
Innerhalb der Klasse musste in dieser Woche eine Aufgabe bestritten werden.
Ausserdem wurde viel Organisatorisches wie Anmeldung in der Gemeinde,
Schülerausweis, Orientierung in der Stadt, etc. gemacht. In dieser Woche wurden
alle Klassen von 4 Tutoren betreut, welche ältere Studenten der Schule sind und den
„Neuen“ helfen, den Einstieg zu finden. Einige Austauschstudenten sind erst später
angereist und haben diese Woche verpasst, was sehr schade war, denn diese
Woche war sehr hilfreich und hat den Klassengeist enorm aufgebaut!
Module
Ab der zweiten Woche hat dann das richtige Studium für alle begonnen. Wir hatten
zwei Lehrer, welche je ein Fach (Pedagogy & General Didactics) unterrichtet haben.
Jedes Fach hatten wir jeweils an zwei Halbtagen (4 Stunden) und mittwochs war
jeweils School Practice. Beide Fächer waren in 3 Module aufgeteilt, und zu jedem
Modul gehörte eine Gruppenarbeit. Dies war einmal eine schriftliche Arbeit, die
Gestaltung einer Website oder die Produktion eines Filmes.
Pro Gruppe waren je 4 Studenten aus vier unterschiedlichen Ländern, was die Arbeit
nicht immer leicht gemacht hat. Die Niveaus der Studenten waren teilweise sehr
unterschiedlich, was viel Geduld forderte. Das Niveau der Schweizer Studenten war
aber allgemein sehr gut. Die Sprache stellte keine Probleme dar und auch bei den
Gruppenarbeiten gab es keine Schwierigkeiten vom Niveau her.
Die Abwesenheitsregeln galten gleich wie an der PH. Man musste zu 85% anwesend
sein und ansonsten einen Auftrag erledigen.
Prüfungen
Am Ende der 3 Module, musste man in beiden Fächern ein Thema auswählen, zu
welchem man eine Arbeit verfassen wollte. Diese Arbeit umfasste jeweils 5 Seiten
und die Aufgabenstellung war sehr offen. Es ging darum, zum ausgewählten Thema
eine Fragestellung zu finden, Theorien zu suchen, welche der Beantwortung der
Frage dienen und schliesslich durch Analyse der Theorien eine Antwort zu finden.
Diese Arbeit konnte individuell, oder in ausgewählten Gruppen verfasst werden. In
einer 20-Minütigen, mündlichen Prüfungen, musste die Arbeit dann zuerst präsentiert
werden und schliesslich musste man sich den Fragen der Dozenten stellen.
Freizeit
Von der Schule wurde ein zusätzlicher Kurs angeboten für die Internationals: Danish
Culture and Language. Dieser wurde von einer Studentin eines oberen Jahrganges
durchgeführt und war eine gute Möglichkeit, einiges über Dänemark zu erfahren und
ein wenig Dänisch zu lernen. Ausserdem hätte man zusammen mit den dänischen
Studenten einen Chor besuchen können.
Komitees
An der Schule gibt es verschiedene Komitees wie beispielsweise Sportkomitee,
Schülerzeitung, Partykomitee, Friday-Bar-Komitee, oder Theater-Komitee. Diese
haben sich in der Einführungswoche vorgestellt und man hatte die Möglichkeit, sich
einzuschreiben und einem solchen Komitee beizutreten. Da ich auch Kontakt zu
dänischen Studenten herstellen wollte, sah ich dies als eine wunderbare Möglichkeit
dafür und habe mich für das Party-Komitee eingeschrieben. Ich habe eine
Infoveranstaltung besucht und mich kurz vorgestellt und wurde schliesslich mit zwei
anderen Internationals Teil des Komitees. Diese
Gruppe organisierte jeweils die Feste an der Schule
und war verantwortlich für die Bar und den Auf- und
Abbau. Die dänischen Studenten haben und sehr gut
integriert und waren selbst auch daran interessiert,
Kontakt zu den Austauschstudenten zu haben. Alle
zusammen haben wir ein Wochenende in einem
anderen Ort verbracht, um uns besser kennen zu
lernen. Durch dieses Komitee habe ich sehr viele
Kontakte knüpfen können und es hat meinen
Party Komitee
Aufenthalt definitiv bereichert!
Jeden Freitag hat das Sport-Komitee ein Friday-Sport
organisiert. Dafür wurde eine Sportart bestimmt, welche am jeweiligen Tag gespielt
wurde. Die Teilnahme war für alle möglich und
ebenfalls eine gute Möglichkeit, dänische
Studenten kennen zu lernen. Über das
Semester verteilt gab es etwa 4 Turniere in
verschiedenen Sportarten, für welche man
sich anmelden konnte. Als Internationals
haben wir am Fussball-Turnier teilgenommen
und für das Volleyball Turnier haben wir ein
Team mit dem Party-Komitee gebildet.
Fussballturnier
Ausgang/Leute
Dänen feiern sehr gerne und trinken gerne Bier. Dies habe ich bereits in der ersten
Woche bemerkt. Es gibt also in Odense genügend Möglichkeiten, um zu feiern. In
der ersten Woche haben wir von unseren Tutoren ein Couvert erhalten, welches voll
war mit Gutscheinen und Flyern für Bars in der Stadt. Dadurch hatten wir bereits
einige Anregungen, wo wir uns an den Wochenenden aufhalten konnten. Da Odense
keine Grossstadt ist, kann man sich relativ schnell gut orientieren. Dies finde ich für
einen Aufenthalt von 4 Monaten sehr praktisch. Man fühlt sich schnell zu Hause und
kennt sich gut aus. Findet man jedoch einmal den Weg nicht, oder braucht Hilfe,
kann man jederzeit jemanden ansprechen. Die Leute in Dänemark sind sehr offen,
freundlich und hilfsbereit. Ich wurde oft in interessante Gespräche verwickelt und
erfuhr dadurch auch sehr viel über die Leute und das Land.
Sights
In der Stadt selbst gibt es keine
grossartigen Sehenswürdigkeiten.
Die Einheimischen sind jedoch
sehr stolz darauf, dass in ihrer
Stadt der Schriftsteller Hans
Christian Anderen geboren wurde
und dort auch eine Zeit lang gelebt
H.C. Andersen Quartier
hat. Er hat die bekannte
Geschichte „The little mermaid“
geschrieben. Das Haus, in welchem er gelebt hatte, befindet sich in einem
geschützten Quartier, welches meiner Meinung nach der schönste Teil der Stadt ist.
Es gibt auch ein Museum über ihn und seine Geschichten, welches man besuchen
kann.
In Odense gibt es einige schöne Pärke,
durch welche sich ein Spaziergang lohnt
und sehr nahe gibt es auch den Fjord,
welcher besonders im Sommer das Ziel
eines schönen Ausfluges darstellt.
Ausflüge
Während dem Semester hat man eine
Odense Fjord
Woche Ferien. Innerhalb der Klasse haben
wir für diese Woche einen Ausflug organisiert bei dem wir Dänemark ein wenig
erkunden wollten. Gemeinsam sind wir mit dem Zug nach Kopenhagen gefahren und
haben dort 2 Tage verbracht. An einem Tag
bin ich mit zwei meiner Mitbewohnerinnen
nach Malmö, Schweden gefahren (20min
mit dem Zug von Kopenhagen) und
gemeinsam haben wir dort die Stadt
erkundet. In Kopenhagen haben wir in
einem günstigen, aber super Hostel
übernachtet (CPH Downtown Hostel),
welches ich sehr gut weiterempfehlen kann.
Kopenhagen - Nyhavn
Von Kopenhagen sind wir wiederum mit dem Zug nach Aarhus gefahren, welches die
zweitgrösste Stadt Dänemarks ist. In 3 Tagen haben wir Sight Seeing und viel
Shopping gemacht und haben unsere gemeinsamen Tage sehr genossen. Von
Aarhus ging es zurück nach Odense, wo wir die letzten freien Tage verbracht haben.
ESN organisiert jedes Jahr einen Ausflug
nach Lappland. An der Infoveranstaltung
haben wir jedoch erfahren, dass dieser im
Januar stattfinden wird, wenn unser
Erasmus-Semester bereits fertig ist. Eine
Mitstudentin wollte aber unbedingt nach
Lappland fahren, hat bei ESN nach der
Organisation gefragt, diese nach anderen
Husky-Schlittenfahrt in Lappland
Daten angefragt und konnte eine Reise
Ende November organisieren. 15 Leute aus der Klasse haben teilgenommen und mit
einem Car von 50 Personen sind wir quer durch Finnland ins finnische Lappland
gefahren. Wir haben 4 unvergessliche Tage im hohen Norden verbracht!
Hilfreiches
Einige Male bin ich mit Freunden von der Schule, oder mit Freunden, welche mich in
Dänemark besucht haben, nach Kopenhagen gefahren. Wir wurden in der Schule
darüber informiert, dass es eine sogenannte „Wild Card“ gibt, welche man auf der
Internetseite der Zuggesellschaft (dsb.dk) für 180DKK (30 CHF) bestellen kann. Mit
dieser hat man auf alle Zugtickets 50% Rabatt, ausser an Freitag und Sonntag nur
25%, da dies die Hauptreisetage sind. Diese Karte kann ich sehr empfehlen, vor
allem, wenn man während des Aufenthalts Dänemark ein bisschen erkunden
möchte.
Falls man in Odense Bus fahren will, sollte man auf jeden Fall eine „Green Card“
lösen. Diese funktioniert wie eine Pre-Paid Karte, auf welche man Geld einzahlen
kann und bei jeder Fahrt wird der entsprechende Betrag abgezogen. Auf diese
Weise kann man auch einiges an Geld sparen, denn eine normale Fahrt ohne Green
Card kostet jeweils 23 DKK (4CHF) und wenn man mit der Green Card bezahlt,
kostet sie nur 10 DKK (1.60 CHF). Die Karte kostet 50 DKK, welche jedoch als
Hinterlegung dienen und welche man zurückerstattet erhält, wenn man die Karte
zurückbringt. Am Bahnhof kann man sie bei 7-Eleven kaufen und aufladen.
Etwas weiteres, sehr hilfreiches ist eine dänische SIM-Karte. Diese haben wir in den
ersten Wochen gratis von ESN erhalten. ESN ist das Erasmus Network, welches
auch einige Veranstaltungen während dem Semester organisiert. Wir wurden zu
einer Infoveranstaltung eingeladen, an welcher das Network und die Veranstaltungen
vorgestellt wurden. Um die SIM-Karte gratis zu erhalten und um an den Events
teilzunehmen, muss man ESN Mitglied sein. An dieser Veranstaltung konnte man
sich anmelden und hat eine Mitgliederkarte erhalten.
Fazit
Ein Semester in Dänemark zu verbringen war die beste Entscheidung, die ich treffen
konnte. Kurz vor meiner Abreise war ich etwas unsicher, weil ich nicht wusste, was
mich erwarten würde. Doch bereits nach den ersten Tagen wusste ich, dass ich mich
richtig entschieden hatte.
Ich konnte mein Englisch täglich benutzen und dadurch auch verbessern. Dadurch,
dass ich mit drei Französinnen in einem Haus gewohnt habe, konnte ich sogar meine
Französisch-Kenntnisse verbessern. Ich konnte ein Land und dessen Kultur
kennenlernen und habe mich dadurch in einem fremden Land zu Hause gefühlt.
Besonders durch das Praktikum in der Dänischen Schule habe ich ein anderes
Schulsystem kennengelernt, was eine sehr spannende Erfahrung für mich war.
Ich würde die Entscheidung für ein Erasmus-Semester jederzeit wieder treffen und
bin froh, um all die Erfahrungen, welche ich dieser Zeit machen konnte.