Rogier van der Weyden Der Bladelin

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Rogier van der Weyden Der Bladelin
Rogier van der Weyden
Der Bladelin-Altar
oder: Der Middelburger Altar. Um 1445.
Eichenholz; Mittelbild 91x89cm, Flügel je 91x40cm.
Der Maler
Rogier van der Weyden wurde 1400 in Tournai geboren. Seine malerische Ausbildung erhielt er dort
bei Robert Campin, zu dessen Werkstatt er seit 1427 gehörte. 1432 wurde er Meister in der Lukasgilde
in Tournai. Seit 1436 ist er als Stadtmaler von Brüssel bezeugt. 1450 reiste er nach Rom. Schon zu
Lebzeiten wurde er wegen seiner Malkünste berühmt und war an den Höfen vornehmer Fürsten beliebt.
Nach Jan van Eyck ist er der bedeutendste niederländische Maler der ersten Hälfe der 15.Jhs. In bis
dahin unbekannter Weise zeigt van der Weyden besonders in seinen Triptychen nicht nur das sakrale
Geschehen, sondern lässt durch die Plastizität seiner Figuren und der Architektur den Betrachter selbst
daran teil nehmen. Farblich gesehen bringen besonders Rot/Blau Kontraste seine Bilder zum Leuchten.
Am 18.6.1467 starb Rogier van der Weyden in Büssel. Seine ernsthafte, lebensnahe und detailtreue
Kunst, seine Figurenfindungen und Kompositionsprinzipien prägten die spätere Malerei.
Der Bladelin-Altar
gehört zu den Hauptwerken Rogier van der Weydens und zeigt seine volle Meisterschaft. Es handelt
sich um ein Triptychon, also ein dreiteiliges Altarbild. Das größere Mittelbild zeigt das Hauptgeschehen,
die beiden schmaleren Seitenflügel beziehen sich inhaltlich und kompositorisch darauf.
Beschreibung
Die Mitteltafel zeigt im Vordergrund ein zerfallenes Gebäude aus Steinen mit romanisch anmutenden
Fenstern. Unter dem Giebel kniet Maria im Mittelpunkt in einem weißen Kleid und blickt anbetend auf ihr
am Boden, auf ihrem blauen Umhang liegendes Kind. Nur sie und ihr Kind sind im Triptychon mit
goldenen Nimbus-Strahlen ausgezeichnet. Bildlich gesehen über, räumlich gesehen hinter dem Kind
knien drei kleine anbetende Engel, halb von einer großen Säule verdeckt, die das Gebälk abstützt. Vom
Betrachter aus gesehen links neben der Säule kniet der rot gewandete Josef, der eine kleine brennende
Kerze hält. Hinter den Engeln und Josef, weiter hinten im Stall stehen Ochse und Esel. Alternierend zu
Josef kniet anbetend auf der rechten Bildseite ein schwarz gekleideter Mann mit Schnabelschuhen.
Unten an der Bildkante befinden sich zwei Löcher im Boden, eins mit, eins ohne Gitter darüber. Im Hintergrund breitet sich eine grüne Landschaft bei Tageslicht aus. Rechts oben im Bild blickt man
auf eine Stadtarchitektur, links oben malte Rogier van der Weyden klein die Verkündigung des Engels
an die Hirten auf dem Felde.
Auf dem rechten Altarflügel sehen wir drei vornehm gekleidete, in einer Landschaft vor einem Berg
knieende Männer, offensichtlich die Magier, später wegen ihrer drei Geschenke für die drei Heiligen
Könige gehalten. Ihre Hüte haben sie abgelegt, bzw. halten sie in Händen. Sie blicken hinauf über die
Bergkuppe, über der ein kleiner Knabe mit Segensgestus schwebt, umgeben von einem rötlichgoldenen Strahlenglanz. Hinter dem Berg breitet sich eine weite Landschaft aus mit einem Fluss, weiter
hinten auch eine Stadt. Hinten am Flussufer sieht man Badende.
Die linke Altarseite erlaubt den Blick in einen spätmittelalterlichen Raum mit einem rot behangenem Bett
und mit einem hohen Fenster mit kreuzförmigen Fensterahmen (lateinische Kreuzform). Die unteren
hölzernen Fensterflügel sind geöffnet, so dass man die weite Landschaft sehen kann und Maria mit
ihrem Kind auf dem Schoß, die auf einem altarähnlichen Thron im Himmel schwebt, von goldenem
Schein umgeben. Auf dem gefliesten Fußboden des Raumes kniet ein vornehm gekleideter Mann, der
gerade seine goldgeschmückte Kopfbedeckung ablegt und eine Weihrauchgefäß schwenkt. Eine junge
Frau steht hinter ihm und scheint ihm die Erscheinung Marias zu erklären. Ganz rechts am Bildrand
stehen, vom Maler nur angeschnitten, drei Männer, die auf den am Boden Knieenden, bzw. auf die
junge Frau schauen.
Bedeutung
Wie bei vielen Gemälden des Mittelalters ist auch dieses Triptychon nicht zu verstehen ohne die
Zuhilfenahme von Schriften und Büchern, die damals sehr bekannt waren.
Fragen an das Bild:
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Warum trägt Maria hier ein weißes Gewand, nicht ein blau-rotes wie sonst meistens?
Warum hält Josef eine Kerze in der Hand?
Warum liegt das Neugeborene auf dem Fußboden und nicht wie auf anderen
Weihnachtsbildern in der Krippe?
Die Offenbarungen der Heiligen Birgitta von Schweden (1303 – 1373), im späten Mittelalter häufig
aufgeschrieben, weit verbreitet und bekannt, lesen sich wie eine Erklärung dieses Bildes: „Als ich an
des Herrn Krippe zu Bethlehem war, sah ich eine Jungfrau; dieselbe war ... mit einem weißen Mantel
und einem feinen Rocke bekleidet.“ Die Jungfrau hatte, so sieht es Birgitta in ihrer Vision, „überaus
schöne, wie goldene Haare, die ausgebreitet über ihren Schultern herab hängen ... Bei ihr befand sich
ein gar ehrbarer Greis, und beide hatten einen Ochsen und einen Esel bei sich. Als sie in die Höhle
eingetreten waren, band der Greis den Ochsen und den Esel an die Krippe, ging hinaus und brachte der
Jungfrau eine angezündete Kerze, befestigte dieselbe an der Wand und ging wieder hinaus, um nicht
persönlich bei der Niederkunft dabei zu sein. .... In einem Nu hatte Maria ihren Sohn geboren, von
welchem ein so großes, unaussprechliches Licht und Glanz ausgingen, dass die Sonne damit keinen
Vergleich aushielt, noch weniger jene leuchtende Kerze, welche der Greis aufgesteckt hatte, weil jener
göttliche Glanz den irdischen Schein der Kerze ganz vernichtet hatte. .... Ich sah sogleich das Kind
nackt und ganz leuchtend am Boden liegen. Sein Fleisch war ganz rein von jeglichem Makel und
Unreinheit. ... Auch Gesänge der Engel von wunderbarer Lieblichkeit und Süße vernahm ich. ... Sobald
die Jungfrau bemerkte, dass sie geboren hatte, beugte sie sogleich das Haupt, legte die Hände
zusammen, betete mit großer Ehrbarkeit und voll Ehrfurcht den Knaben an und sprach zu diesem:
„Willkommen, mein Gott, mein Herr und mein Sohn!“ .... Die Jungfrau erlitt bei der Geburt keinerlei
Veränderungen durch Verfärbung oder Schwachheit. Auch nahm an ihr die leibliche Kraft nicht ab, wie
es bei anderen gebärenden Weibern zu geschehen pflegt ...“
(Aus 13.Kap., 7.Buch der himmlischen Offenbarungen der Heiligen Birgitta. Hrsg. Ludwig Clarus, 3.Bd.2.Auflage, Regensburg 1888,
S.269-273)
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Wer ist der schwarz gekleidete Mann?
Welche Stadt ist über ihm zu sehen?
Es handelt sich um Pieter Bladelin, den Stifter des Triptychons, der es beim Maler bestellt und bezahlt
hat. Seine Kleidung und die langen Schnabelschuhe zeigen seine Würde und seinen Reichtum.
Überaus selbstbewusst lässt er sich hier vom Maler, sicher nach genauer Absprache mit ihm, direkt vor
der Gottesmutter in gleicher Größe malen, ihr noch näher als die heiligen drei Könige hinter ihm, von ihr
nicht getrennt wie auf der anderen Seite Josef durch die Säule!
Pieter Bladelin lebte von 1410 bis 1472. Er war Steuereinnehmer in Brügge, Finanzminister Burgunds
und daher sehr vermögend. Er war Schatzmeister des Ordens vom Goldenen Vlies, Ritter, Vertreter des
Großkapitals und Ratgeber Philipps des Guten von Burgund. Er verwaltete die Geldmittel für den
Kreuzzug gegen die Türken.1440 sollte er Karl von Orleans aus der englischen Gefangenschaft
freikaufen. Durch seinen Reichtum hatte er also auch großen politischen Einfluss. Allerdings setzte er
seine Gelder auch für den Bau von Deichen ein (Bladelinpolder). Und er gründete eine neue Stadt
nordöstlich von Brügge: Middelburg, seine Stadt, die von 1448 bis 1464 hochgezogen wurde. Für den
Altar seiner Stadtkirche bestellte er bei Rogier van der Weyden dieses Triptychon als Schmuck – und
als politisches Vermächtnis. Heute befindet sich in Middelburg nur eine Kopie, das Original aber in der
Berliner Gemäldegalerie.
Bladelin ließ aber nicht nur sich selbst vor die Krippe malen, sondern er ging noch weiter: Indem er im
Hintergrund, über sich, die Stadt Middelburg und sein Schloß malen ließ, verlegte er das göttliche
Geschehen in sein Land, in seine Zeit!
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Wieso steht diese Säule so auffällig im Vordergrund?
In alten Bildern haben alle Gegenstände eine Bedeutung, so auch diese Säule. Direkt neben dem
Jesuskind weist sie schon auf die Passion hin: Dass der erwachsene Messias dereinst im Auftrag des
Pilatus gegeißelt werden wird. Diese Geißelung stellte man sich im Mittelalter an einer Geißelsäule vor,
die als solche auch das Gebundensein des Gottessohnes an seine Existenz zwischen Himmel und Erde
symbolisiert. Hier trägt die Säule eine ruinöse romanische Architektur: „Das Alte ist vergangen, siehe,
es ist alles neu geworden!“ Ochse und Esel dienen als (leider auch antijudaistisch verstandene)
Garanten dafür, dass dies Neugeborene der Herr der Welt ist (vgl. Jes.1,3). Die Zeit des Alten Bundes,
des Alten Testamentes ist nach mittelalterlich-christlichem Verständnis vorbei, die Zeit Christi und der
Kirche bringt Heiles, lichtvoll Neues. So wie die Zeit der Romanik vorbei und nun Gotik angesagt ist:
Middelburgs gotische Kirche im Hintergrund!
Rätselhaft sind die beiden Bodenlöcher am unteren Bildrand. Vielleicht sollen sie an eine Krypta, also
an das Reich der Toten erinnern, das dies Kind überwinden und besiegen wird. Vielleicht bedeutet das
Dunkle im Bild, also diese beiden Löcher und die höhlenartige Dunkelheit hinter Ochs und Esel im Stall
die Vergangenheit, und der lichtvolle Horizont über der neu gegründeten Stadt die glorreiche Zukunft,
die sich Bladelin erhofft? Das würde auch erklären, warum das Geschehen nicht wie sonst in der Nacht
sondern offensichtlich am helllichten Tag abspielt...
Der rechte Bildflügel
Im Neuen Testament steht nichts von der Anzahl der Weisen aus dem Morgenland. Doch wegen ihrer
drei königlichen Geschenke dachte man schon bald an drei Könige, denen man dann auch Namen gab:
Kaspar, Melchior und Balthasar. Noch später stellte man sie in den drei Lebensabschnitten Jugend,
mittleres Alter und im Alter dar. Und außerdem gab man einem von ihnen negroides Aussehen, um zu
zeigen, dass die Könige dreier Kontinente dieses Kind als ihren übergeordneten König der Welt
ansehen.
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Wer ist das Kind im Stern über dem Berg?
Warum sieht man im Hintergrund Badende?
Sicher noch bekannter als die Offenbarungen der Birgitta von Schweden war im Mittelalter die Legenda
Aurea. Die „Goldenen Geschichten“ waren im Volk meist bekannter als der Text der Bibel, denn diese
wurde in der Kirche nur in lateinischer Sprache vorgelesen. Im Abschnitt „Christus- und
Marienlegenden, Epiphanie“ ist zu lesen, dass die Weisen für Nachkommen des Propheten Bileam
gehalten wurden. Sie kamen herbei, weil ihr Vorfahre Bileam prophezeit hatte: „Aufgehen wird ein Stern
aus Jakob und erheben wird sich ein Mann aus Israel“(Num.24,17) Der Kirchenvater Chrysostomos
berichtet, dass drei ausgewählte Nachfolger Bileams alle Jahre Monat für Monat auf einen Berg
stiegen, sich vorher rein wuschen (hier im Bild im Hintergrund in einem Fluss!), oben drei Tage im
Gebet blieben in der Hoffnung, dass Gott ihnen endlich den erwarteten Stern zeigen würde. “Als sie
aber einmal – und zwar am Tage der Geburt unseres Herrn - auf dem Berg weilten, erschien über ihnen
ein Stern, der die Gestalt eines allerschönsten Knaben hatte. Auf seinem Haupt leuchtete ein Kreuz,
das zu den Weisen mit den Worten sprach: „Geht schnell in das Land Juda, und ihr werdet dort den
König finden, den ihr sucht!“ Da machten sich jene alsbald auf ...“
Für Rogier van der Weyden scheint der Knabe im Stern das Christuskind selbst zu sein, denn es sieht
genau so aus wie jenes in der Mitteltafel, und es zeigt den Segensgestus Christi.
Der linke Bildflügel
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Wer sind diese Personen?
Warum schwebt Maria mit dem Kind dort im Himmel auf einem Altar?
Hätte man keine Kenntnis der Legenda Aurea, bliebe dieses Bild ein Rätsel. Dort aber heißt es im
Abschnitt „Geburt Jesu, Zeichen durch die reine Materie“: Kaiser Augustus, der zu jener Zeit über das
römische Weltreich herrschte, sollte sich auf Anraten seiner Gefolgsleute als göttlich erklären lassen.
„Da der Kaiser aber wusste, dass er sterblich war, wollte er in seiner Klugheit die Bezeichnung eines
Unsterblichen nicht beanspruchen. Weil ihn aber jene bedrängten, rief er die Sibylle herbei – das war
eine Prophetin – und wollte durch ihre Weissagung erfahren, ob einmal auf der Welt einer geboren
werden sollte, der größer wäre als er selbst. Als nun Augustus – gerade am Tag der Geburt unseres
Herrn – eine Beratung über die Angelegenheit angeordnet hatte und die Sibylle allein in der Kammer
des Kaisers ihrer Orakelgebung oblag, erschien mitten am Tage ein goldener Kreis um die Sonne, und
in der Mitte des Kreises eine allerschönste Jungfrau, die einen Knaben auf ihrem Schoß trug. Da wies
die Sibylle auf die Erscheinung, und als der Kaiser darüber in großes Erstaunen geriet, hörte er eine
Stimme, die zu ihm sprach: „Das ist der Altar des Himmels!“ Und die Sibylle sagte: „Dieser Knabe ist
größer als du; bete ihn daher an!“ Da der Kaiser also erkannte, dass dieser Knabe größer als er selbst
war, brachte er ihm Weihrauch dar und lehnte es ab, künftighin „Gott“ genannt zu werden.“
Sicher nicht ohne Absicht lässt Rogier van der Weyden den Kaiser durch ein Fenster mit einem dunklen
Kreuz auf die Erscheinung der Maria blicken, die im Licht dahinter schwebt: Der Weg zur Erlösung führt
durch die Schwärze des Kreuzes; eine geniale Bildfindung des Malers.
Die drei Männer rechts am Bildrand sind wohl des Kaisers Untergebene, die ihm den Vorschlag der
Gottgleichheit machen.
Komposition
Die Kompositonsskizze zeigt (grüne Linien), wie van der Weyden durch die Umrisslinien der Knieenden,
der Architektur und der Landschaft im Hintergrund ein großes Oval entstehen lässt, dass die beiden
Seitentafeln voll ins Bildgeschehen der Mitte mit hinein nimmt. Die beiden Flügel wiederum stützen mit
ihrer Lineatur die Gesamtkomposition nach außen hin alternierend ab.
Die Blickrichtungen (blaue Linien)sind in den Außenbildern nach oben gerichtet: Hier erfahren die
Handlungsträger, dass Gott Mensch werden wird. Im Mittelbild sind die Blicke der Erwachsenen nach
unten auf das am Boden liegende Kind gerichtet: So zeigt der Maler die stattgefundene Herabkunft
Gottes in diesem Kind. Dieses wiederum schaut immer auf die, die es anbeten, und zeigt so den echten
Kontakt mit den Gläubigen und die Erhörung ihrer Gebete.
Die drei Engel über dem Stall hat van der Weyden im Goldenen Schnitt in die Bildbreite gesetzt; sie
geben so den drei Teilen noch mehr Zusammenhalt.
Versuch einer Gesamtaussage
Bladelin lässt sich von Rogier van der Weyden in diesem Altarbild mit in den Kreis der Gottesmutter
und der Heiligen aufnehmen. Damit will er an die in der Kirche seiner Stadt versammelte Gemeinde
folgende Botschaft ausrichten: „Es gibt nur einen König und Kaiser, den ich über mir, eurem Herzog,
anerkenne: Jesus Christus, Gottes Mensch gewordener Sohn, der die Welt, auch meinen
Herrschaftsbereich, hell gemacht hat. Ich bin wie die biblischen Könige hier im Bild von Gottes Gnaden
in mein hohes Amt eingesetzt, also hört auf mich!“
Didaktische Vorschläge
Umzeichnung : Ulrike Neubauer, nach: Gemäldegalerie , 200 Meisterwerke, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, S.127.
Suchen und Finden in der Gemäldegalerie
Bei einem Besuch der Gemäldegalerie in der Adventszeit oder Anfang Januar gibt man den Schülern
verschiedene kleine Ausschnitte dieses Bildes in die Hand mit dem Auftrag, sie sollen genau das Bild
finden, zu dem dieser Ausschnitt gehört. Aus der S/W-Zeichnung könnte man das Sternenkind, Maria
auf dem himmlischen Thron, Ochs und Esel neben der Säule, Josefs Hand über der Kerze, die Stadt
im Hintergrund, die Hand der Sibylle auf der Schulter des Augustus nehmen. Man lässt die Schüler nur
auf der Nordseite der Galerie suchen. Wenn sie den Ausschnitt gefunden haben (ca 10-15Min.), sollen
sie vor dem Bild warten. Die Sch. lernen dabei aufmerksames Betrachten der Bilder. Schließlich landen
alle Sch. vor demselben Bild. Nun werden erste Eindrücke und Vermutungen zum Bild gesammelt.
(Stühle sind vorn in der Galerie abzuholen bei Raum I ). Dann werden die Texte aus der Bibel (Mt 2),
den Offenbarungen der Birgitta und der Legenda Aurea an die Sch. verteilt (in Gruppen, sich
gegenseitig vorlesend). Daraufhin erzählen die Sprecher der Gruppen den anderen, was sie gelesen
haben; im Gespräch wird Vorgelesenes im Bild fest gemacht. Die Sch. lernen so, dass mittelalterliche
Bilder sich nicht nur auf biblische, sondern auch andere damals bekannte Texte beziehen können.
Zurück in der Schule
könnten die jüngeren Sch. anstelle Bladelins sich selbst ins Bild malen und in die Seitenflügel, was
ihnen an Jesus (oder an Weihnachten) wichtig ist.
Das neu gestaltete Triptychon könnte auf Pappe geklebt werden (Rand lassen!), an den Seiten
zwischen den Tafeln angeknickt werden und so, mit einer Kerze davor, als Weihnachtsgeschenk
dienen.
Die älteren Schüler könnten zudem noch über den politischen Inhalt des Bildes diskutieren:
- Wie findet ihr es, dass der Herzog das biblische Geschehen in dieser Weise auf sich bezieht?
- Wie weit - oder ob überhaupt ! - dürfen Politiker Religiöses zu ihrer eigenen Machtdarstellung
benutzen? (Der US-Präsident Bush hat z.B. auch von der Kanzel in einer Kirche herab Reden
an sein Volk gehalten!)