DIE LILA EULE

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DIE LILA EULE
DIE LILA EULE
Lustspiel in 1 Akt
von
HORST MIERSEN
Plausus Theaterverlag
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53111 Bonn
Deutschland
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DIE LILA EULE
Lustspiel in 1 Akt
von
HORST MIERSEN
Regie- und Soufflierbuch
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Inhaltsangabe
In der „lila Eule“, einem ziemlich zwielichtigen Lokal, sollen eine temperamentvolle Russin und eine
bildhübsche Französin ihre Kundschaft verwöhnen. Die Herren haben die Ersparnisse ihrer
Ehefrauen geplündert und wollen einmal etwas ganz Außerordentliches erleben. Beim Betreten
der sehr dunklen Bar sitzen die beiden „Damen“ bereits auf dem Barhocker. Olga, die Berliner
Besitzerin, empfängt ihre ersten Gäste.
Aber nichts ist umsonst. Selbst das Streicheln der Ohrläppchen wird mit 5 Euro berechnet. Die vier
verschwinden natürlich auch nach oben in den Zimmern. Bis hier hin ist alles noch normal. Doch
als die Polizei kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Die Damen haben keinen Reisepass und
keine Arbeitserlaubnis...
Personen 3D/3H
Ottilie Lemke, Barchefin aus Berlin
Olga, Bardame aus Russland
Claire, Bardame aus Frankreich
Kurt Obermeier, Enttäuschter Ehemann
Hans Lang, Enttäuschter Ehemann
Paul Huber, Polizist
Bühnenbild 1 innen
Zeit: Gegenwart
Dekoration:
Das Stück spielt in einer Bar. Sehr dunkel mit rotem Licht. Eine Bar mit vier Barhockern.
Dauer: ca. 30 min
Rechts und links vom Zuschauer aus zu verstehen.
Vorspiel
(Hans und Kurt kommen durch den Saal. Am Publikum vorbei. Reden sehr laut und zum Teil mit
den Besuchern.)
Hans:
Also jeden Tag Schweinsbraten ist für mich nichts.
Kurt:
Das kann ich nicht sagen. Ich esse gerne Schweinsbraten.
Hans:
Ich meine doch nicht den richtigen Schweinsbraten. Mein Schweinsbraten ist doch nicht
das normale Fleisch. Ich meine das andere Fleisch.
Kurt:
Ach so. Du meinst das andere Fleisch. Du meinst das Fleisch im Bett.
Hans:
Genau. Und immer das gleiche. Das wird doch langweilig.
Kurt:
Du hast Recht. Manchmal darf ich noch nicht einmal mehr hinlangen. Dann heißt es:
Lass mich, ich bin so müde.
Hans:
Zu mir sagt meine: Heute nicht, meine Mutter liegt nebenan im Gästezimmer. Zu einem
Zuschauer: Ist es bei Ihnen auch so?
Kurt:
Und wenn ich mal darf. Schreit bestimmt eines der Kinder. Dann ist sie so schnell wie
der Schall raus aus dem Bett und rüber ins Kinderzimmer. Und wenn sie zurück kommt,
weckt sie mich. Ich denke, jetzt will sie zu mir. Denkste. Sie sagt: „Du schnarchst.“
Hans:
Und letztes Jahr im Urlaub an der See. Man sagt im Urlaub in Italien: „In der warmen
Sonne, da sprießen die Hormone.“ Aber was musste ich hören? Aua pass auf, lass
mich, ich habe einen Sonnenbrand.
Kurt:
Gestern durfte ich auch nicht rüberhuschen. Flüstert sie mir zu: „Heute ist erst der dritte
Tag.“
Hans:
Vorige Woche legt sie meine Hand zurück und sagt: „Gestern wolltest du nicht, heute
will ich nicht.“ Ich hatte den ganzen Tag im Garten rumgewühlt.
Kurt:
Zu einem Zuschauer: Haben sie einen Rat wie man das ändern kann? (Wenn der
Zuschauer nickt) Dann flüstern Sie mir den Rat ins Ohr. (Wenn der Zuschauer keinen
Rat weiß, dann laut) Dann sind Sie auch so ein armes Schwein wie ich.
(Sie gehen langsam bis zur Bühne und setzen sich vor den Vorhang. Oder bleiben vor der Bühne
stehen.)
Hans:
Hallo, ihr lieben Kerle. Weiß denn keiner einen Rat für uns arme Männer?
Kurt:
Oder dürft ihr nicht?
Hans:
Oder seid ihr zu feige?
Kurt:
Auf euch ist auch kein Verlass. Alles muss man selber machen.
Hans:
Also mein lieber Kurt. Dann bleibt es dabei. Wir gehen heute zur Eröffnung in die lila
Eule.
Kurt:
Jawohl, das machen wir. Wir gehen in die lila Eule. Da sollen ja Frauen sein, solche
Frauen, du weißt ja, solche Frauen. Die...
Hans:
Natürlich, solche Frauen. Da sollen sogar Französinnen und welche aus Russland dabei
sein und eine feurige Spanierin.
Kurt:
Aber hoffentlich keine aus Thailand. Die sind so klein.
Hans:
Nur gut, dass wir die Keksdosen gefunden haben.
Kurt:
Ja, die Keksdosen mit den schönen Scheinchen. Ich habe mir davon ein paar unter den
Nagel gerissen und in meine Schweinsledernen gesteckt.
Hans:
Ich weiß nur nicht, warum du die Krachledernen angezogen hast. Das ist doch bei der
Arbeit, die wir vorhaben, viel zu umständlich.
Kurt:
Das ist doch wegen dem Vorspiel. Die vielen Knöpfe sind doch dafür wunderbar
geeignet.
Hans:
Hast du das Geld auch wirklich gut versteckt?
Kurt:
Aber klar doch, das würde selbst meine Frau Schwiegermutter nicht finden.
Hans:
Also dann los. Gehen wir uns amüsieren.
Kurt:
Jawohl gehen wir zur Eröffnung in die lila Eule.
Hans:
Aber ihr da unten dürft uns nicht verraten.
(Die beiden verlassen die Bühne.)
Vorhang
1. Akt
(Die Chefin steht hinter der Bar. Lila gekleidet mit großer Brille. Wenn möglich mit lila Perücke oder
Hut. Vor der Bar sitzen Olga mit dunkelschwarzer Perücke, langem Kleid mit Schlitz,
sehr hohen Schuhen und Claire mit roter Perücke und auch sehr aufreizend gekleidet.
Leise Musik.)
(Hans schiebt Kurt vor sich auf die Bühne. Beide schauen sich neugierig um.)
Ottilie:
Herein spaziert, mehne Herren. Mein verehrter Name ist Madame Ottilie Lemke aus
Berlin, wa. Ik bin hier die Chefin, wa. Det können se sicher an meene vornehme Art und
meene vornehme Aussprache erkennen, wa? Wir ham zwar noch nicht offerziejell
eröffnet, wa. Aber kieken se ma ruhig rinn, wa.
(Die beiden stehen ganz schüchtern an der Tür. Sie reiben sich die Augen, da es ja sehr dunkel
ist.)
Ottilie:
Aber treten sie ruhig näher heran, wir beißen nicht, wa. Die richtge Eröffnung ist erst
morgen, wa. Da kieken der Bürgermeister und der Landrat rinn. Ja, der janze
Jemeinderat will sick umschauen. Wat heißt hier umschauen. Morjen jibt et Sekt und
ehn Büfett. Da sind denn och die anderen Marjellchen da. Heute ist nur die rassige Olja
aus Rußland uffm Hocker da, wa. Dreh dir mal um Olja, damit dir die Herren mal
ankieken können, wa. Und die mit die roten Haare, det is die Claire aus Frankreich.
Mach mal winke winke, Claire.
(Hans und Kurt gehen ein Stück vor, dann wieder einen Schritt zurück.)
Ottilie:
Olga komm doch mal her, wa, der Herr ist zu schüchtern. Dem wern wa ma ehn Glas
Sekt einschenken, wa.
Kurt:
Ruft noch immer von der Tür: Und was kostet so ein Glas Sekt?
Olga:
Der jeht uffs Haus, meene Herren. (Sie steht aufreizend langsam vom Hocker auf und
geht auf Hans zu. Sie zieht ihr Kleid mit beiden Händen am Leib zurecht. Sie haucht
ihm mit heiserer Stimme zu.) Dobry wetscher mein Freund. Du kommen herr auf mein
Seite. Bekommen du ein Glas Sekt, zu machen mit mir nastarowje.
(Hans schaut sie an. Dreht sich zu Kurt um. Nimmt den Daumen hoch. Er reibt sich die Hände. Sie
setzen sich auf die Hocker.)
Hans:
Was ist denn das, dieses Nastarowje? Ist das was Unanständiges? Oder tut das weh?
Muss ich mich dafür ausziehen?
Olga:
Du machen Witze? Du nicht wissen was ist nastarowje? Ist was serr schönnes. Kannst
du machen mit Wodka und Wein.
Hans:
Aber ich trinke am liebsten nur Bier.
Kurt:
Und das nicht zu knapp. Er steht noch immer an der Tür.
Claire:
Rutscht ebenfalls vom Hocker, geht hüfteschwingend auf ihn zu. Nimmt ihn am Arm und
zieht ihn zu den beiden anderen Hockern. Allo Mon Cherie, isch bin die Claire. Du darfst
mir eben mit deine starke Arme und deine kräftige Ände auf den Ocker. Du Cavalier. Du
brauchst ein verre Champagner. Du siehst so, wie sagt man in Deutschland, so süß und
unschuldisch aus.
Hans:
Der und unschuldig. Der mag keine Kinder im Ort schlagen, weil er denkt eines könnte
von ihm sein.
Kurt:
Na gegen dich bin ich noch fast unschuldig.
Ottilie:
Olga:
(Schenkt den Vieren ein Glas Sekt ein) Dann man Prösterchen meine Herren, wa.
Zu Hans Wie heißt du eigentlich?