blue hustler tv
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Zulassungsantrag der Sapphire Media International B.V. für das Fernsehspartenprogramm „Hustler TV Deutschland“ Aktenzeichen: KEK 520 Beschluss In der Rundfunkangelegenheit der Sapphire Media International B.V., vertreten durch die Geschäftsführerin Zsuzsanna Simon, Koningin Wilhelmina Plein 13 – Tower 1, 16th floor, Unit 3, 1062 HH Amsterdam, Niederlande, - Antragstellerin - wegen Zulassung zur Veranstaltung des bundesweiten Fernsehspartenprogramms „Hustler TV Deutschland“ hat die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) auf Vorlage der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) vom 13.08.2008 in der Sitzung am 07.10.2008 unter Mitwirkung ihrer Mitglieder Prof. Dr. Sjurts (Vorsitzende), Prof. Dr. Huber (stv. Vorsitzender), Albert, Prof. Dr. Dörr, Dr. Hege, Dr. Hornauer, Dr. Lübbert, Prof. Dr. Mailänder, Prof. Dr. Ring, Prof. Dr. Schneider und Dr. Schwarz entschieden: Der von der Sapphire Media International B.V. mit Schreiben vom 21.04.2008 bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) beantragten Zulassung zur Veranstaltung des bundesweit verbreiteten Fernsehspartenprogramms Hustler TV Deutschland stehen Gründe der Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen nicht entgegen. 2 Begründung I Sachverhalt 1 Gegenstand der Anmeldung Die Antragstellerin hat mit Schreiben vom 21.04.2008 bei der mabb die Zulassung des Spartenprogramms Hustler TV Deutschland beantragt. Die mabb hat den Antrag der KEK mit Schreiben vom 13.08.2008 zur medienkonzentrationsrechtlichen Prüfung vorgelegt. 2 Programmstruktur und -verbreitung 2.1 Die Antragstellerin plant täglich in der Zeit von 20:00 bis 05:00 Uhr, das Spartenprogramm Hustler TV Deutschland auszustrahlen. Dabei handelt es sich um ein Softerotikprogramm in deutscher Sprache mit Filmen, Serien und Kurzclips. XXX … Der Sendestart war ursprünglich im dritten Quartal 2008 geplant. 2.2 Das Programm Hustler TV Deutschland soll als Pay-TV über Kabel sowie als IPTV ausgestrahlt werden. Die Antragstellerin befindet sich diesbezüglich in Verhandlungen mit der Kabel Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Heidelberg, der Eutelsat visAvision GmbH („Eutelsat“, KabelKiosk), Köln, sowie der Deutsche Telekom AG („DTAG“, T-Home), Bonn. 3 Plattformverträge Aufgrund der noch andauernden Verhandlungen mit den einzelnen Plattformbetreibern über die jeweilige Ausgestaltung der Plattformverträge hat die Antragstellerin hinsichtlich der Verbreitung des Programms Hustler TV Deutschland bisher nur zwei Plattformverträge im Entwurf vorgelegt. Da mit dem Abschluss von Plattformverträgen eine Veränderung sonstiger Einflüsse im Sinne von § 29 Satz 1 RStV verbunden sein kann, ist die Antragstellerin verpflichtet, den Abschluss von Plattformverträgen der KEK gemäß § 29 Satz 1 RStV unverzüglich anzuzeigen und die Vereinbarung in Abschrift vorzulegen (§ 21 Abs. 2 Nr. 4 RStV). „Sonstige Einflüsse“ sind insbesondere die in § 28 Abs. 2 RStV benannten vergleichbaren Einflüsse auf 3 einen Veranstalter, u. a. vertragliche Vereinbarungen mit Dritten, die gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2, 2. Alt. RStV die Zurechnung des Programms zu Dritten begründen können. Plattformverträge über die Vermarktung von TV-Programmen können solche die Zurechnung begründenden Vereinbarungen enthalten. XXX … 4 Antragstellerin und Beteiligte 4.1 Gegenstand der Antragstellerin ist u. a. das Betreiben von Medien und Programmen im Zusammenhang mit Fernsehen, Radio, Kabelnetzen und anderen Übertragungswegen („management of media and programms on behalf of television, radio cabel net and other communication carriers“, XXX … Die Antragstellerin möchte in Wiesbaden eine Niederlassung gründen und von dort das Programm Hustler TV Deutschland veranstalten, d. h. die redaktionellen und programmlichen Entscheidungen treffen. In mehreren europäischen Ländern veranstaltet die Antragstellerin bereits die Erotikprogramme „Blue Hustler“ und „Hustler TV“. Das Programm Blue Hustler ist auch verschlüsselt im Kabelnetz von Unitymedia sowie im IPTV-Angebot Alice homeTV von HanseNet zu empfangen. An der Antragstellerin halten die Nection Holdings Ltd., Nicosia, Zypern, 42,5 % der Anteile sowie die Zangwill Enterprises Ltd., Limassol, Zypern, und Maria Torregrosa, London, je 18,5 % der Anteile. Darüber hinaus sind die Global Communications S.A.R.L., Luxemburg, mit 13,0 % und Stephanie Meyer, Luxemburg, mit 7,5 % der Anteile an der Antragstellerin beteiligt. 4.2 Alleingesellschafter der Nection Holdings Ltd. ist Zbigniew Krzysztof Wronski, London. 4.3 Sämtliche Anteile an der Zangwill Enterprises Ltd. werden von dem Zangwill Trust gehalten. XXX … 4.4 Sämtliche Anteile der Global Communications S.A.R.L hält der Grabiec Family Trust. XXX … 4 4.5 Weitere Medienbeteiligungen der an der Antragstellerin unmittelbar oder mittelbar beteiligten Gesellschafter bestehen nach Angaben der Antragstellerin nicht. 4.6 Beteiligungsübersicht 42,5 18,5 18,5 13 7,5 Nection Holdings Ltd. Zangwill Enterprises Ltd. 100 Zbigniew Krzysztof Wronski 100 Zangwill Trust Maria Torregrosa Global Communications S.A.R.L. 100 Grabiec Family Trust Stephanie Meyer Hustler TV Deutschland Sapphire Media International B. V. II Verfahren Die Vollständigkeitserklärung der Antragstellerin liegt vor. Vor der Entscheidung der Kommission wurde der mabb Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. III Medienkonzentrationsrechtliche Beurteilung 1 Bestätigungsvorbehalt Nach § 20 Abs. 1 Satz 1 RStV bedürfen private Veranstalter einer Zulassung. Fragestellungen der Sicherung der Meinungsvielfalt werden von der KEK nach Vorlage durch die zuständige Landesmedienanstalt gemäß § 37 Abs. 1 Satz 1 RStV beurteilt. 5 2 Zurechnung von Programmen 2.1 Das Programm Hustler TV Deutschland wird der Antragstellerin und der Nection Holdings Ltd. zugerechnet, § 28 Abs. 1 Satz 1, 1. Alt. bzw. 2. Alt. RStV. Darüber hinaus ist das Programm auch Zbigniew Krzysztof Wronski gemäß § 28 Abs. 1 Satz 2 RStV i. V. m. §§ 15, 16 Abs. 1 AktG zuzurechnen. 2.2 Zurechnung zu Plattformbetreibern 2.2.1 Nach § 28 Abs. 2 Satz 1 RStV steht einer Beteiligung nach § 28 Abs. 1 RStV gleich, wenn ein Unternehmen auf einen Veranstalter einen vergleichbaren Einfluss ausüben kann. Ein solcher kann sich gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 RStV ergeben, wenn das Unternehmen aufgrund vertraglicher Vereinbarungen eine Stellung innehat, die wesentliche Entscheidungen des Veranstalters über die Programmgestaltung von seiner Zustimmung abhängig macht. 2.2.2 Die KEK hat vor diesem Hintergrund mehrere auf Pay-TV-Plattformen von Dritten veranstaltete Programme gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 RStV dem Plattformbetreiber zugerechnet, weil der jeweilige Plattformvertrag dem Veranstalter wesentliche Abweichungen des Programms von einem vertraglich vereinbarten Sendekonzept ohne Zustimmung des Plattformbetreibers untersagt (vgl. Beschluss i. S. Kinowelt TV, Az.: KEK 204, III 2.2, und i. S. Just Four Music, Az.: KEK 411, III 2.5 mit weiteren Nachweisen). Sofern dagegen der Plattformvertrag keinen solchen Zustimmungsvorbehalt vorsieht und keine inhaltlichen Vorgaben für die Programmgestaltung enthält, die über eine allgemein gehaltene Bezeichnung des Genres, ggf. die Pflicht des Veranstalters zur Qualitätssicherung und gewisse quantitative Mindestanforderungen hinausgehen (insbesondere: weder ein vertraglich vereinbartes Sendeschema, das den zeitlichen Ablauf des Programms vorgibt, noch sonstige konkrete Regelungen zu Inhalt und Ablauf des Programms), wird das Drittprogramm dem Plattformbetreiber nicht zugerechnet (vgl. Beschluss i. S. Kinowelt TV, Az.. KEK 204, III 2. 2, und i. S. MTV Entertainment, Az.: KEK 449, III 2.2.4 mit weiteren Nachweisen). 2.2.3 In den von der Antragstellerin vorgelegten Entwürfen von Plattformverträgen mit Eutelsat und der DTAG ist jeweils die unveränderte, vollständige und zeitgleiche Weiterverbreitung des Programms Hustler TV Deutschland vorgesehen. XXX … Bei diesen Vertragsgestaltungen ergeben sich mithin keine Anhaltspunkte dafür, dass 6 wesentliche Programmentscheidungen der Antragstellerin von der Zustimmung der Plattformbetreiber abhängig wären. Folglich kommt eine Zurechnung des Programms gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 RStV nicht in Betracht. 3 Vorherrschende Meinungsmacht Das Programm Hustler TV Deutschland hat mangels Ausstrahlung noch keine Zuschaueranteile. Angaben zu den Zuschaueranteilen des Programms Blue Hustler liegen nicht vor. Nach dem dargelegten Sachverhalt gibt es keine Anhaltspunkte für die Entstehung vorherrschender Meinungsmacht. Der beantragten Zulassung des Programms Hustler TV Deutschland stehen Gründe der Sicherung der Meinungsvielfalt daher nicht entgegen. (gez.) Sjurts Lübbert Huber Mailänder Albert Ring Dörr Hege Schneider Hornauer Schwarz