Penetrierende Herzverletzungen
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Penetrierende Herzverletzungen
Kongress: Name: Abstract Nr.: Kategorie: Vortragssprache: Vortragsart: Erstautor: Coautoren: Abstracttitel: 93. Jahrestagung der Vereinigung der Bayerischen Chirurgen e.V. Holger Rupprecht 51 19 Thoraxchirurgie D V Prof. Dr.med. Holger Rupprecht, Klinikum, Fürth Penetrierende Herzverletzungen (K) Die verbesserte präklinische Versorgung und der rasche Transport führen dazu, dass vermehrt auch Patienten mit einer penetrierenden Herzverletzung lebend die Klinik erreichen. Meistens ist kein Kardiochirurg vor Ort und ein massiver Schock (z.B. Perikardtamponade) verbietet einen Transport in ein herzchirurgisches Zentrum. Jeder (Trauma-)Chirurg sollte einige „Damage control“Maßnahmen beherrschen, um zumindest die unmittelbare Lebensgefahr abwenden zu können. Anhand von 6 Patienten mit einem kardialen Penetrationstrauma in den Ventrikel (4mal Messerstich, 1mal Schussverletzung, 1mal Nagelperforation) werden einige „Notfall-Tipps“ für die Akutversorgung aufgezeigt. Nach der Thoraxeröffnung und Längsspaltung des Perikards werden kleinere Läsionen im Myokard zunächst digital komprimiert. Bei größeren Defekten lässt sich durch Okklusion mit einen Fogarty-, oder Blasenkatheter, die Blutung zunächst beherrschen. Nach Kreislaufstabilisierung kann dann die Perforation mit filzarmierten nicht-resorbierbaren Fäden (3-0) verschlossen werden. Speziell bei impaktierten Fremdkörpern oder Läsionen der Ventrikelhinterwand, führen Manipulationen besonders beim „kaltem“ Herzen ( schockbedingte Hypothermie) zu schweren Rhythmusstörungen bzw. zum Kammerflimmern. Diese Komplikation lässt sich durch eine „chemische Asystolie“, d.h. durch die iv.-Gabe von Adenosin (12 mg) im „Schuss“ verhindern. Die Blockade des AV-Knotens bedingt einen kurzfristigen Stillstand, so dass zum Beispiel ein Fremdkörper gefahrloser entfernt werden kann. Eine länger anhaltende Unterkühlung und Ischämie der intrathorakalen Organe („tödliche Trias“) führt zu einem Myokard, und nicht-kardialem Lungenödem. Ein Direktverschluss des Herzbeutels bzw. des knöchernen Thorax bedingt eine Perikardtamponade mit Pumpversagen bzw. eine respiratorische Insuffizienz mit Hypoxie. Deshalb muss das Perikard durch eine Patchplastik erweitert werden. Zusätzlich bleibt der Brustkorb „offen, wobei nur in die Haut eine banale Plastikfolie (sog. „Bogota bag“) eingenäht wird; damit lässt sich der intrathorakale Druck senken und ein thorakales Kompartmentsyndrom verhindern. Alle unserer Patienten konnten letztlich ohne Folgeschäden nach Hause entlassen werden. Penetrierende Herzverletzungen lassen sich primär fast immer mit den aufgezeigten Maßnahmen und ohne Herzlungenmaschine versorgen. Komplexere Herzschäden (z.B. Klappendefekt) werden nach dem Notfallmanagement sekundär in einer Kardiochirurgie versorgt.