Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz
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Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz
Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz Ergebnisse 2015 Radioprotection et surveillance de la radioactivité en Suisse Résultats 2015 2 Die Strahlenexposition der Schweizer Bevölkerung durch medizinische Anwendungen nimmt laut der 2015 veröffentlichten Erhebung weiter zu. Die durchschnittliche effektive Dosis pro Person durch radiologische Untersuchungen ist zwischen 2008 und 2013 von 1,2 mSv auf 1,4 mSv pro Jahr gestiegen, hauptsächlich wegen der Verwendung von Computertomographen. Diese Zunahme geht zwar mit qualitativ verbesserten Diagnosen und Behandlungen einher, muss aber trotzdem eingedämmt werden. Das BAG will die Patientinnen und Patienten besser vor unnötiger Strahlung schützen. Künftig sollen klinische Audits dafür sorgen, dass weniger ungerechtfertigte radiologische Untersuchungen stattfinden. Das Projekt klinische Audits wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen medizinischen Berufsverbänden umgesetzt. Bild: Brigitte Batt & Klemens Huber Liebe Leserin, lieber Leser Bis 2015 gab es in der Schweiz keine automatischen Messungen der Radioaktivität im Flusswasser. Ab jetzt wird das vom BAG betriebene Messnetz «URAnet aqua» die Radioaktivität in Aare und Rhein kontinuierlich messen und es ermöglichen, jede ungewöhnlich hohe Aktivität im Wasser zu erkennen, insbesondere unterhalb der schweizerischen Kernkraftwerke. Die Ergebnisse dieser Messungen sowie alle Messungen der Radioaktivität in der Umwelt sind auf der neuen Internet-Plattform www.radenviro.ch einsehbar. Die Umsetzung des im Mai 2015 vom Bundesrat verabschiedeten Aktionsplans Radium 2015–2019 erweist sich angesichts der bisher durchgeführten Arbeiten als anspruchsvoll. Rund 90 Gebäude mit insgesamt über 560 Wohnungen wurden bis Ende 2015 bereits untersucht. Unsere Abteilung war 2015 noch in zahlreichen weiteren Bereichen tätig. Im vorliegenden Bericht stellen wir Ihnen die prägenden Ereignisse des Jahres vor. Im Interview übergeben wir das Wort Philipp Trueb und Nicolas Stritt. Die beiden Sektionsleiter vermitteln einen Einblick in die Aufsicht in den Bereichen Medizin und Forschung. Im Oktober 2015 wurde die revidierte Strahlenschutzverordnung allen betroffenen Kreisen zur Stellungnahme vorgelegt. Es handelt sich dabei um eine wichtige Etappe für alle in den Strahlenschutz involvierten Akteure in der Schweiz: Wenn der Bundesrat die neue Strahlenschutzverordnung verabschiedet hat, wird diese den regulatorischen Rahmen für die nächsten 20 Jahre festlegen. Diese Revision soll auch künftig ein hohes, international anerkanntes Strahlenschutzniveau sicherstellen. Ende 2015 hat der Bundesrat die Gesetzesvorlage über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall verabschiedet und dem Parlament überwiesen. Das vorliegende Gesetz bietet unter anderem die Möglichkeit, starke Laserpointer zu verbieten und die Sicherheit in Solarien zu verstärken. Wir werden sehen, ob der politische Wille in diese Richtung geht. Sébastien Baechler 3 Inhalt 3 5 9 18 19 22 24 26 28 30 32 34 36 37 38 40 ff. 80 4 Editorial Interview: Grosse Herausforderungen bei der Aufsicht Strahlenschutz in Medizin und Forschung Intervention in einem radiologischen Notfall Radiologische Ereignisse Reportage: Solarien sachgerecht betreiben, um Hautkrebsrisiko zu senken Überwachung der Umwelt Bericht: Rascher Alarm bei Kontamination des Trinkwassers Aktionsplan Radium 2015 - 2019 Aktionsplan Radon 2012 – 2020 Gesundheitsschutz vor nichtionisierender Strahlung und Schall Strahlenbelastung der Bevölkerung 2015 Internationale Zusammenarbeit Publikationen, weiterführende Informationen Strahlenschutz: Aufgaben und Organisation Französische Texte / Version française Impressum Grosse Herausforderungen bei der Aufsicht Alle Produkte, Anwendungen und Anlagen mit ionisierender Strahlung, die in Medizin und Forschung zum Einsatz kommen, stehen unter der Aufsicht des Bundesamtes für Gesundheit. Zwei Sektionen der Abteilung Strahlenschutz teilen sich diese Aufsicht, die auf Grund der rasanten Technologieentwicklung und Mengenausweitung in der Medizin heute vor grossen Herausforderungen steht. Wie das BAG konkret mit dieser Situation umgeht, kommt im Interview mit den beiden Sektionsleitern Nicolas Stritt und Philipp Trueb zur Sprache. Was sind die Hauptaufgaben Ihrer beiden Sektionen? Nicolas Stritt (NS): Die Sektion «Forschungsanlagen und Nuklearmedizin» beaufsichtigt den Strahlenschutz in Grossforschungsanlagen am CERN oder Paul Scherrer Institut (PSI), in den nuklearmedizinischen Abteilungen der Spitäler sowie an Schulen und Universitäten. Im Zentrum stehen der Umgang mit grossen Beschleunigern, mit «offenen» Strahlenquellen und mit radioaktiven Stoffen, die sich ausbreiten und Kontaminationen verursachen können, sowie mit radioaktivem Abfall. Philipp Trueb (PhT): Die Sektion «Strahlentherapie und medizinische Diagnostik» ist auf medizinische Geräte und Technologien spezialisiert, die keine radioaktiven Materialien verwenden, sondern, wie beispielsweise Röntgenanlagen, selber ionisierende Strahlen erzeugen. NS: Es gibt auch hybride Systeme wie PET/CT und SPECT/CT. Bei diesen erhalten Patienten radioaktive Stoffe gespritzt, währenddem gleichzeitig radiologische Installationen eingesetzt werden. Bei solchen Anlagen legen wir gemeinsam die Aufsichtsschwerpunkte fest und führen die Inspektionen zusammen durch. Ihre Aufgaben sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. Können Ihre Mitarbeiter noch flächendeckend alle Betriebe besuchen oder müssen Sie Lücken in Kauf nehmen? PhT: Dass die Aufsicht nur über Inspektionen stattfindet, ist ein falsches Bild. Wir nehmen die Aufsicht auch administrativ wahr. So überprüfen wir beispielsweise, ob Betriebe die vorgeschriebenen qualitätssichernden Massnahmen treffen. Dafür braucht es keine Besuche vor Ort. NS: Mit dieser administrativen Aufsicht können wir alle Betriebe erreichen. So setzen wir uns beispielsweise mit Hilfe der Jahresmeldungen der Betriebe ins Bild, wie viel Radioaktivität sie umgesetzt haben. Klar ist, dass wir Schwerpunkte setzen müssen und nicht jedes Jahr in alle Betriebe gehen können. PhT: Wir verfolgen dabei den graded approach, das heisst, dass wir physisch vor allem dorthin gehen, wo die Risiken gross sind. Bei kleinen Risiken hingegen ist die Aufsicht niederschwellig. Aber Aufsichtslücken, in denen gar nichts passiert, die gibt es nicht. Wo liegen die aktuellen Schwerpunkte? NS: Ganz klar bei den hohen Risiken. Dieses Jahr konzentrierten wir uns beispielsweise auf Betriebe, die mit Zyklotron-Anlagen Radiopharmazeutika herstellen. Zudem haben wir die Qualitätskontrollen bei Radiopharmazeutika für die Nuklearmedizin angeschaut, da sich diese Sparte sehr schnell entwickelt. PhT: Dieses und letztes Jahr haben wir alle Mammografie-Anlagen der Schweiz auditiert. Mit diesen Schwerpunkten versuchen wir, einen Überblick über ein bestimmtes Gebiet zu erhalten und daraus Folgerungen abzuleiten, die wir anschliessend allen Betrieben vermitteln. Wie gehen andere Länder mit diesen Herausforderungen um? Gibt es Schweizer Spezialitäten? PhT: Viele Strahlenschutzaspekte sind im Ausland und in der Schweiz deckungsgleich, aber regulatorisch nicht identisch gelöst. So gibt es Länder mit einer kleinen Aufsicht und Länder, deren Aufsicht weit über die schweizerische Pra- 5 xis hinausgeht. Speziell für die Schweiz ist sicher die Bewilligungspraxis bei den sogenannten «Röntgenfirmen», die im Gegensatz zum Ausland hier eine Bewilligung für Handel, Installation und Wartung von Röntgenanlagen benötigen. Wir gewinnen durch diesen Zusatzaufwand aber auch viel, da die Röntgenfirmen durch ihre Wartungstätigkeit und die Durchführung der geforderten Zustandsprüfungen einen wichtigen Teil des Strahlenschutzes abdecken. Diese gute Umsetzung des graded approach erlaubt es uns, uns auf die grossen Risiken zu konzentrieren. PhT: Die moderne Technologie hat viele Änderungen bewirkt, z.B. dass moderne Anlagen über eine geräteinterne Überwachung verfügen. Heute überprüfen wir, ob die betriebsinternen Prozesse gut organisiert sind und wie ein Betrieb seine Qualität sicherstellt. Man kann jede Anlage gut bedienen, aber man muss wissen wie. Heute sind der Ablauf einer medizinischen Untersuchung, die Bedienung der dazu verwendeten Geräte und die Ausbildung des Personals wesentlich komplexer. Aus diesem Grund arbeiten heute im BAG vorwiegend akademisch ausgebildete Auditoren und Auditorinnen, die solche komplexen Sachverhalte verstehen. Die Forschung zum Strahlenschutz liefert kontinuierlich neue Erkenntnisse, und auch die Technologien in der Medizin entwickeln sich rasant. Fliessen diese Neuerungen in die Aufsichtstätigkeit ein? PhT: Wir können unmöglich ein Wissensmanagement auf die Beine stellen, das alle diese Neuerungen abdeckt. Wir hinken zwangsläufig der Entwicklung immer hinterher. Wir versuchen, auf Trends einzusteigen, indem wir auch Aufträge an Partner und Universitätsspitäler geben, die neue Entwicklungen analysieren sollen. Die gewonnenen Erkenntnisse führen zu neuen Wegleitungen des BAG zur Verwendung oder Inbetriebnahme neuer Geräte. Abb. 1: Dr. phil. nat. Nicolas Stritt NS: Wir haben im Gegensatz zum Ausland auch eine beratende Funktion. Wir gehen vor Ort und gewinnen so einen Überblick, aus der wir eine «gute Praxis» ableiten und diese allen Betrieben zur Verfügung stellen. Hat sich die alltägliche Arbeit der Strahlenschutz-Inspektoren und -Inspektorinnen in den letzten Jahren verändert? NS: Früher haben wir viel mehr technische Inspektionen der Geräte durchgeführt. Solche Messungen stehen heute nicht mehr im Zentrum. Heute schauen wir vor allem auf die Prozesse, die mit diesen Geräten verknüpft sind, z. B. wie das Personal die Geräte und Anlagen bedient und mit welchen Geräteeinstellungen es Untersuchungen durchführt. 6 Dr. phil. nat. N. Stritt absolvierte nach seinem Physikstudium ein Doktorat in experimenteller Physik an der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Institut Laue Langevin in Grenoble (F). Er besitzt ein Diplom in Medizinphysik der ETH Zürich. Er arbeitet seit 2000 für das BAG und leitet seit 2004 die Sektion Forschungsanlagen und Nuklearmedizin. Dr. Philipp R. Trueb studierte Physik an der Universität Basel und promovierte dort in experimenteller Kernphysik. Zusätzlich absolvierte er an der ETH Zürich ein Nachdiplomstudium in Medizinphysik. Ab 1999 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das BAG. Die Sektion Strahlentherapie und Medizinische Diagnostik in der Abteilung Strahlenschutz des BAG leitet er seit 2007. Behindert dieses Hinterherhinken nicht die Innovation in der Diagnostik oder Nuklearmedizin? PhT: Das kann man so sehen. Aber: Dank unserer Arbeit werden neue Technologien von vorneweg strahlungsarm gebaut, so dass die Patientendosen sinken. Dies ist auf das gesteigerte Bewusstsein von Herstellern und Anwendern zurückzuführen, zu dem wir eben auch beitragen. Sie haben ein Interesse daran, dass ihre neuen Geräte so wenig wie möglich strahlen. NS: In der Nuklearmedizin ist es das Gleiche. Man benutzt heute wesentlich empfindlichere Detektoren, die mit kleinerer eingesetzter Radioaktivität die gleiche Bildqualität sicherstellen. Die Innovation nicht zu behindern, ist allerdings eine ständige Herausforderung für unsere Mitarbeitenden, die sich konstant zu den neuesten Entwicklungen weiterbilden müssen. PhT: Die Einsparung von Strahlendosen wird allerdings durch die Mengenausweitung in der Medizin wieder «aufgefressen», so dass die Dosis der Gesamtbevölkerung insgesamt sogar wächst. Grund dafür ist, dass es immer mehr medizinische Indikationen für radiologische Untersuchungen und Therapien gibt. Für die Patienten sind die Einzeldosen pro Untersuchung in den letzten Jahren allerdings gesunken. Was wird genau gemacht, damit die Dosen in der Diagnostik nicht ungebremst steigen? NS: Wir müssen zwischen Optimierung der Strahlendosen und medizinischer Rechtfertigung unterscheiden. Die Rechtfertigung fällt nicht unbedingt unter unsere Aufsichtstätigkeit, da dies eine rein medizinische Fragestellung ist. Wir fördern aber trotzdem die Diskussion über die Rechtfertigung und wollen mit dem Projekt «Klinische Audits» ein Gefäss für Fachleute bilden, wo diese Fragen diskutiert werden können. So möchten wir die Mengenausweitung in den Griff bekommen, damit nicht mehr und mehr Röntgenaufnahmen gemacht werden. Welches sind die hauptsächlichen Errungenschaften im Strahlenschutz, die auf die Arbeit der Aufsichtsbehörden zurückzuführen sind? Was wäre verbesserungswürdig? PhT: Wir haben grossen Erfolg mit unseren Schwerpunktaudits. Sie sind zielführend, und wir wissen dank ihnen, wie ausgewählte Bereiche der Radiologie funktionieren. Wir können dieses Wissen an andere Interessierte weitervermitteln. Die Einführung des Konzepts der diagnostischen Referenzwerte hat zudem dazu geführt, dass das Dosisbewusstsein bei den Anwendern enorm gestiegen ist. NS: Dank unserer Audits und der Verbreitung von Information zur guten Praxis im Strahlenschutz hat sich die Strahlendosis der Patienten und des Personals reduziert. Verbesserbar wäre der Erfahrungsaustausch unter den Betrieben zum Schutz von Patienten und Personal. Wir regen das bereits an, indem wir Schlussberichte über Audits schreiben und diese an alle Betriebe verteilen. Wir stellen diese Resultate auch an Koordinationssitzungen und Kongressen vor. Abb. 2: Dr. Philipp R. Trueb Die Mitarbeitenden des BAG nehmen neben Aufsichtsfunktionen auch Beratungsaufgaben bei Bewilligungsinhabern wahr. Diese Beratung hat sicher Vorteile. Haben diese verschiedenen Rollen aber auch Nachteile? NS: Wichtig ist, dass wir bereits bei der Beratung bzw. der Bauphase dabei sind, um neue Projekte in die korrekte Richtung lenken zu können. Diese unterschiedlichen Rollen unserer Behörde lassen sich gut trennen. Am Anfang beraten wir und geben viele Empfehlungen ab. Am Schluss erteilen wir aber eine Bewilligung, die alle Anforderungen klarstellt. PhT: Unsere Offenheit gegenüber den Betrieben wird ihrerseits mit Offenheit honoriert. So erfahren wir auch, wo Probleme liegen und können diese gemeinsam anpacken. 7 Die Verordnungen zum Strahlenschutzgesetz werden im Moment revidiert. Was werden die hauptsächlichen Veränderungen im Aufsichtsbereich sein? NS: In der Zukunft werden wir mehr Gewicht auf die Sicherung radioaktiver Quellen legen. Insgesamt ist der Einfluss der neuen Strahlenschutzverordnung auf die Aufsicht aber eher klein, da wir schon heute mit Schwerpunktprogrammen risikoorientiert arbeiten. PhT: Es gibt gewisse Anpassungen in der Aufsicht. Sie liegen eher auf der technischen Ebene und betreffen neue Anforderungen an den Strahlenschutz bei Lücken, die bis anhin noch nicht abgedeckt waren. Neu wird die ganze Kette von der Strahlerzeugung bis zur Bildgebung bewilligungspflichtig. Gibt es Gebiete im Aufsichtsbereich, die in Zukunft verstärkt durch Selbstdiagnose von strahlenden Geräten oder durch elektronische Ferndiagnosen abgedeckt werden können? PhT: Wir lesen schon heute nicht mehr nur technische Parameter bei Geräten ab, sondern stellen die Prozesse in den Vordergrund. Dies kann nur durch einen Austausch von Mensch zu Mensch, also mit Besuchen in den Betrieben, erreicht werden. Solche Audits vor Ort werden deshalb in Zukunft wichtiger werden. Die Strahlenschutzkultur eines Betriebes kann man nun einmal einfach nicht durch die Lektüre eines Qualitätsmanagement-Ordners erfahren. NS: Es gibt oft Unterschiede zwischen dem, was in Dokumenten steht und was in der Realität gelebt wird. Wir müssen vor Ort sein, um sehen zu können, wie die Leute arbeiten und wie die Strahlenschutzkultur gelebt wird. Insgesamt gibt es wenige Unfälle durch ionisierende Strahlung. Könnte es sein, dass der Strahlenschutz zu stark reguliert ist? Könnte ein Teil der Verantwortung an die Betriebe abgetreten werden, um bei den Behörden Ressourcen für die Lösung der ganz grossen Probleme zu schaffen? NS: Dieser Eindruck von wenigen Unfällen ist nicht ganz richtig. Viele Vorfälle werden nicht gemeldet, es besteht eine Dunkelziffer. Wir wissen dies, da unsere Kultur der Transparenz und Offenheit gegenüber den Betrieben langsam zu wirken beginnt. Wir erfahren deshalb mehr über Zwischenfälle und Ereignisse. Es ist ganz klar, dass die Aufsicht die Anzahl solcher Fälle reduziert. 8 PhT: Es wäre ein Trugschluss, bei einem funktionierenden Überwachungssystem, das Unfälle verhindert, einen Abbau zu fordern! Wir wollen aber sicher mehr Kompetenz an die Strahlenschutzsachverständigen in den einzelnen Betrieben delegieren. Durch die komplexen Anwendungen braucht es vermehrt kompetente Leute vor Ort. Intern machen diese Leute dann die grossen Würfe, welche die Strahlendosen minimieren. Im Vergleich zum Ausland geben wir diesen Leuten sehr viel Verantwortung. Zu guter Letzt: Wo liegen die Schwerpunkte in den nächsten Jahren? PhT: Bei uns in der Aufsichtstätigkeit im Operationstrakt, wo viele mobile Röntgengeräte bei chirurgischen Eingriffen verwendet werden, wo sich viel Patienten und Personal aufhalten und wo die Aufsichtstätigkeit bis anhin eher klein war. NS: Bei uns richten wir den Fokus auf spezielle Therapien für Leber- und Prostatakrebs mit Radionukliden sowie die Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung. Strahlenschutz in Medizin und Forschung Patientiennen und Patienten sowie Personal in Medizin und Forschung sollen bestmöglich vor Strahlenschäden geschützt sein – das ist eine Hauptaufgabe im Strahlenschutz. Der enorme technologische Fortschritt bei den bildgebenden Verfahren bringt zwar viele Vorteile, hat aber auch die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bevölkerung erhöht. Das BAG will Gegensteuer geben: Aufsichtsschwerpunkte haben zum Ziel, den Einsatz ionisierender Strahlung in Zusammenarbeit mit den Betrieben zu optimieren. «Klinische Audits» sollen in Zukunft zusätzlich die Rechtfertigung von Untersuchungen und Behandlungen stärker in den Fokus rücken. In diesem Projekt, das Bestandteil der vom Bundesrat verabschiedeten Gesamtschau «Gesundheit 2020» ist, ist 2015 die Pilotphase angelaufen. Strahlenschutz in der Medizin CT-Untersuchungen führen zu Anstieg der Strahlenbelastung Alle zehn Jahre lanciert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit dem Institut de Radiophysique in Lausanne eine umfassende Studie zur Strahlenbelastung der Bevölkerung aufgrund medizinischer Anwendungen. Es vergleicht die schweizerische Praxis mit anderen Ländern und ergreift wo nötig Massnahmen. Die letzte grosse Umfrage war 2008. Jeweils zwischen zwei umfangreichen Studien werden die Daten aufgrund kleinerer Studien aktualisiert, letztmals im Jahr 2013. 2015 wurden die analysierten Daten in einem Bericht publiziert. Effektive Dosis (mSv) 1.4 0.40 1.2 0.40 1.0 0.8 0.6 0.64 0.72 0.80 0.4 0.2 0.0 1.00 Medizinische Strahlenbelastung aufgrund von CTUntersuchungen 0.58 0.28 1998 2003 2008 Medizinische Strahlenbelastung mit Ausnahme von CT-Untersuchungen 2013 Abb. 3: Die medizinische Strahlenbelastung aufgrund von CT-Untersuchungen steigt, bei den übrigen Anwendungen ist sie tendenziell sinkend. Quelle: Institut de Radiophysique, Lausanne, 2015 Die Zwischenstudie von 2013 bestätigt einen Trend: In der Schweiz nimmt die durchschnittliche Strahlenbelastung pro Einwohner aufgrund medizinischer Anwendungen kontinuierlich zu, innert 15 Jahren um 40%: von 1.0 auf 1.4 mSv/ Jahr (1998–2013; bei der grossen Umfrage von 2008 waren es noch 1.2 mSv). Diese deutliche Zunahme ist auf den vermehrten Einsatz der Computertomographie (CT) zurückzuführen. Die Dosis aus CT-Untersuchungen beträgt gemäss Zwischenerhebung 1.0 mSv im Jahr pro Einwohner – im Vergleich zu 0.8 mSv im Jahr 2008 oder nur 0.28 mSv im 1998. Die Strahlenbelastung aus den übrigen medizinischen Anwendungen ist tendenziell gesunken, vgl. Abb. 3. Im Schnitt wurde jeder und jede Einwohner/in mehr als einmal pro Jahr radiologisch untersucht, laut Zwischenerhebung fanden schätzungsweise 10 Millionen Untersuchungen jährlich statt. Mit einem Anteil von 70.5% liefern die 312 Computertomographen in der Schweiz den mit Abstand grössten Beitrag zur Strahlenbelastung. Dies ist bemerkenswert, weil nur knapp 10% der Untersuchungen CT-Aufnahmen sind. Zahnmedizinische Röntgenaufnahmen sowie die Radiographie bleiben die am häufigsten angewandten Untersuchungsverfahren (mehr als 85%). Sie tragen jedoch nur gut 10% zur effektiven Dosis bei (vgl. Abb. 4, Häufigkeitsverteilung und Beitrag der Dosen). 9 Häufigkeitsverteilung 0,6% 0,6% Beitrag Dosen 6,2% 0,4% 10,7% 6,8% 38,8% 0,8% 4,2% 0,9% Zahnmedizinische Radiologie Konventionelle Durchleuchtung Interventionelle Diagnostik Interventionelle Therapeutik Radiographie Mammographie Computertomographie 47,4% 2,6% 9,6% 70,5% Abb. 4: Häufigkeitsverteilung und Beitrag an den Strahlendosen aus verschiedenen radiologischen Untersuchungen. IRA, 2015 Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit im Mittelfeld. Gemäss dem Bericht des wissenschaftlichen Komitees zu den Effekten atomarer Strahlung der Vereinten Nationen (UNSCEAR) aus dem Jahr 2008 betrug die durchschnittliche medizinische Strahlenbelastung aller Länder mit Health-Care Level I 1.9 mSv/Jahr, wovon die Computertomographie 0.9 mSv/Jahr beitrug. Projekt Klinische Audits in der Pilotphase Es wird davon ausgegangen, dass viele Untersuchungen und Behandlungen mit ionisierender Strahlung nicht gerechtfertigt sind. Mit der Einführung Klinischer Audits in der Radiologie, der Radio-Onkologie und der Nuklearmedizin sollen ungerechtfertigte Untersuchungen und Behandlungen mit ionisierender Strahlung minimiert werden. Strukturen, Prozesse und Ergebnisse werden in Form von «Peer Reviews» – als Begutachtungen unter Fachkollegen – systematisch evaluiert und, wenn erforderlich, angepasst. Während der laufenden Pilotphase haben Mediziner, Medizinphysiker und Fachpersonen für Medizinisch-Technische Radiologie (MTRA) Auditinhalte sowie Anforderungen an Qualitätshandbücher ausgearbeitet. Thematisch stehen in der Radiologie die Abläufe und Arbeitsprozesse bei CT-Untersuchungen im Fokus, in der Nuklearmedizin diejenigen bei onkologischen PETCT-Untersuchungen. In der Radio-Onkologie soll der gesamte Patientenpfad auditiert werden. Experten europäischer Fachgesellschaften haben die Auditinhalte evaluiert, damit die Qualität internationalen Standards entspricht. In allen drei Fachbereichen wurden zudem Fachspezialisten zu externen Auditoren ausgebildet und freiwillige Betriebe rekrutiert. Im Oktober 2015 hat im Kantonsspital Baden das erste Pilotaudit stattgefunden. Bis im Frühjahr 2016 werden weitere Betriebe in der deutschen und der französischen Schweiz folgen. Es ist geplant, die Auditinhalte nach der Pilotphase zu überprüfen und anzupassen, sowie die Betriebe zu befragen, die Auditberichte zu analysieren und den finanziellen sowie zeitlichen Aufwand abzuschätzen. Zudem werden 2016 weitere externe Auditoren ausgebildet und das Auditprogramm schrittweise ausgebaut. Diagnostische Referenzwerte in der Medizin Das Konzept der diagnostischen Referenzwerte (DRW) hat sich als effizientes und international anerkanntes Hilfsmittel für die Optimierung medizinischer Strahlenanwendung etabliert. Die DRW werden empirisch hergeleitet und basieren auf einer Verteilung von einfach zu bestimmenden Dosisgrössen. In der Schweiz erhebt 10 das BAG regelmässig die Dosen medizinischer Strahlenexpositionen und leitet daraus nationale DRW ab. Diese existierten bisher für die Radiographie, die interventionelle Radiologie und Kardiologie sowie die Computertomographie. Im Rahmen eines Schwerpunktprojektes wurden die DRW auch auf Hochdosisanwendungen ausserhalb der klassischen Radiologie, wie die Kardiologie und Urologie, ausgeweitet. In Zusammenarbeit mit dem Institut de Radiophysique (IRA) in Lausanne erfolgte eine umfassende Dosiserhebung der am häufigsten praktizierten Untersuchungen in den kardiologischen und urologischen Abteilungen aller fünf Universitätsspitäler sowie einigen der grösseren Kantonsund Privatspitäler. Im Vergleich zu den bisher publizierten DRW in der Kardiologie aus dem Jahre 2008 schloss diese Erhebung auch während der letzten Jahre neu entwickelte Untersuchungstechniken ein, da die DRW möglichst präzise die aktuelle Praxis widerspiegeln sollen. In einem zweiten Schwerpunktprojekt richtete sich der Fokus auf radiologische Untersuchungen in der Pädiatrie. Dies, weil Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine erhöhte Strahlensensibilität aufweisen und die Optimierung der Strahlenanwendung in der Pädiatrie speziell wichtig ist. Die Dosiserhebung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Inselspital Bern und dem IRA. Sie beschränkte sich auf die am häufigsten durchgeführten Untersuchungen in der pädiatrischen Radiographie und neuroradiologischen Computertomographie. Die DRW für diese Untersuchungen werden im Frühjahr/ Sommer 2016 festgelegt und anschliessend in Form von Merkblättern auf der BAG-Webseite publiziert. Kontrolle der Mammographie-Anlagen 2015 führte das BAG sein Mammographie-Aufsichtsprogramm fort. Es auditierte insgesamt über 220 Betriebe mit solchen Anlagen, damit sind praktisch alle Geräte kontrolliert. Derzeit existieren, auf die ganze Schweiz verteilt, 239 Betriebsbewilligungen, ausserdem hat das BAG in diesem Jahr 65 neue Bewilligungen erteilt. Dabei handelt es sich meist um Geräte der jüngsten Generation, die ältere Anlagen ersetzen. Die Mehrheit des Geräteparks ist vollständig digitalisiert (Direktradiographiesysteme DR), nur rund 10% der Geräte beruhen noch auf Speicherfoliensystemen (CR). Kontrollpunkte waren die Gültigkeit der Betriebsbewilligung, die Konformität der Abschirmungen in den Räumlichkeiten, die Verwendung von Schutzmitteln sowie die Aufzeichnung der angewendeten Dosen. Überprüft wurde auch das Qualitätssicherungsprogramm. Insgesamt sind die Ergebnisse gut und zeigen eine hohe Qualität. In 35% der Fälle bestehen jedoch Mängel bei den Strahlenschutzplänen, die nicht immer der tatsächlichen Situation entsprechen. 65% der Anwender setzen die Empfehlungen der BAG-Weisung Anwendung von Schutzmitteln für Patienten um. In fast 60% der Fälle wurden die Dosen, denen die Patientinnen ausgesetzt waren, in deren Krankengeschichte eingetragen. Im Bereich Qualitätssicherungsprogramm entsprechen die von den Röntgenfirmen jährlich durchzuführenden Wartungen mit Zustandsprüfung in 75% der Fälle den Vorschriften. Die am häufigsten festgestellten Mängel waren fehlende Unterlagen zu den von den Herstellern vorgeschriebenen Wartungen sowie Verspätungen bei der Meldung der Wartung ans BAG. Die wöchentlich von einer speziell ausgebildeten Person der Einrichtung durchzuführenden Konstanzprüfungen entsprachen zu 83% den Vorschriften. Die Lücken betreffen hauptsächlich die Anwender, die gewisse Unsicherheiten beim Verständnis und der Bedienung der verschiedenen Kontrollinstrumente zeigten. Was die an die Patientinnen verabreichten Dosen betrifft, hält sich die überwiegende Mehrheit der Betriebe an die in den Europäischen Leitlinien formulierten Empfehlungen zur Qualitätssicherung in der Mammographie (EPQC 4). Gewisse CR-Systeme weisen zwar höhere Werte auf als DR-Systeme, sie sind aber immer noch akzeptabel. Bei der Bildqualität erfüllen 99% der Betriebe die verlangten Anforderungen. Ausbildungsmanko bei dosisintensivem Röntgen in Hausarztpraxen 2014 hat das BAG in ca. 100 Arztpraxen stichprobenweise Inspektionen durchgeführt und festgestellt, dass mehr als 80 % der medizinischen Praxisassistentinnen und Praxisassistenten (MPA), die dosisintensive Röntgenaufnahmen durchgeführt haben, nicht ausreichend ausgebildet waren. MPA dürfen mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis nur den Thorax und die 11 Extremitäten röntgen. Um auf dieses Ausbildungsmanko aufmerksam zu machen, hat das BAG sämtliche Arztpraxen angeschrieben und über Weiterbildungsmöglichkeiten für dosisintensive Untersuchungen (Abdomen, Becken, Hüften, Wirbelsäule, Schädel) informiert. MPA dürfen solche Untersuchungen nur durchführen, wenn sie den Weiterbildungskurs Sachkunde für erweiterte Aufnahmetechniken absolviert haben. Der Inhalt dieser Ausbildung war auch in der Vergangenheit nie in die Grundausbildung (EFZ) integriert. Die Weiterbildung wird von der SUVA in der Deutschschweiz und der ARAM in der Romandie angeboten. Der Umfang des Kurses beinhaltet 40 Theorie-Lektionen und eine bestimmte Anzahl an dosisintensiven Untersuchungen, die die Teilnehmenden unter Anleitung einer qualifizierten Person durchführen müssen. Eine entsprechende Ausbildung (Sachkunde und Sachverstand dosisintensives Röntgen) wird auch von den Ärzten verlangt, die die Untersuchungen durchführen. Das Problem ist jedoch dort weniger dramatisch: Über 80% von ihnen verfügten über die notwendige Ausbildung. Für Ärzte ist gemäss Strahlenschutzverordnung und Abkommen mit der FMH der «Fähigkeitsausweis Dosisintensives Röntgen KHM» vorgesehen, der aus einem praktischen und einem theoretischen Teil besteht. Dazu gehört auch ein Strahlenschutzkurs, der vier Tage dauert (zwei Tage Theorie, zwei Tage Praxis). Nähere Informationen zu diesem Fähigkeitsausweis sind auf auf www.fmh.ch und auf www.radioprotection.ch (Typ A Bildgebung) zu finden. Sämtliche fünf Zyklotrone in der Radiopharmazie auditiert 2015 haben in allen fünf Zentren mit Zyklotron, die zur Produktion von Nukliden für die Nuklearmedizin dienen, Audits stattgefunden. Zyklotrone beschleunigen geladene Teilchen wie Protonen, um sie anschliessend auf Wassertargets zu schiessen. In diesen Targets entstehen radioaktive Nuklide, die als Markierstoffe, z. B. in der Krebsdiagnostik dienen. 12 Beim Betrieb einer solchen Anlage sind verschiedenste Strahlenschutzanforderungen zu berücksichtigen. Zunächst muss ein Zyklotron hinter dicken Mauern stehen, da im Betrieb intensive Neutronen- und Gammastrahlung entsteht. Die Neutronenstrahlung erzeugt kurzlebige Nuklide in der Luft, die kontrolliert über die Lüftung in die Umwelt abgegeben wird. Im so genannten Hotlabor, wo die erzeugten radioaktiven Stoffe weiterverarbeitet werden, müssen die Mitarbeitenden vor der Strahlung geschützt sein, indem u.a. Bleiabschirmungen verwendet werden. Die Abgaben an die Umwelt, die hauptsächlich über die Luft erfolgen, müssen unterhalb der gesetzlichen Immissionsgrenzwerte bleiben. Während der Audits konnten wir mit unseren Messungen feststellen, dass die Neutronenund Gammastrahlung ausserhalb der geschlossenen Bunker deutlich unterhalb der festgelegten Richtwerte lag. Die Betriebe haben die Wartungsarbeiten an den installierten Messsonden zur Überwachung der Dosisleistung und der Abgaben an die Umwelt nach Vorgaben vorgenommen. Die Abgaben an die Umwelt lagen innerhalb der vom BAG festgelegten Grenzen und die technischen Sicherheitseinrichtungen genügten überall den behördlichen Vorgaben. Nicht planmässige Abgaben von Radioaktivität an die Umwelt oder Kontaminationen von Mitarbeitenden waren in den beobachteten und gemeldeten Fällen in der Regel auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Als Massnahme forderte das BAG in zwei Fällen eine bessere interne Ausbildung. In einem Punkt musste das BAG jedoch in vier von fünf Zentren Massnahmen bezüglich der kontinuierlichen Entsorgung der Abfälle erlassen: Überall im Bunker waren dort langlebige radioaktive Abfälle, die insbesondere an Komponenten des Zyklotrons (z. B. Targetfolien) entstehen, vorschriftswidrig zwischengelagert worden. Gemäss Strahlenschutzverordnung ist radioaktiver Abfall aber spätestens drei Jahre nach seiner Entstehung zu entsorgen, was aber unterlassen wurde, so dass sich der radioaktive Abfall anhäufte. Audit «Zubereitung und Qualitätskontrolle von Radiopharmazeutika» Das BAG leitet seit 2014 eine Audit-Kampagne zur Zubereitung und Qualitätskontrolle von Radiopharmazeutika aus Technetium-99m-Kits (99mTc). Bisher hat es 47 der 50 Zentren für Nuklearmedizin, die solche Produkte in der Schweiz zubereiten, auditiert. Da 99mTc das am häufigsten verwendete Radioisotop ist, verschaffte diese Kampagne eine gute Gesamtsicht über die Zubereitung von Radiopharmazeutika im Rahmen herkömmlicher bildgebender Verfahren der Nuklearmedizin. Die Audits haben gezeigt, dass Zubereitung und Qualitätskontrolle von Radiopharmazeutika insgesamt gewissenhaft und in konformer Weise erfolgen. Die Infrastruktur entspricht sowohl im Hinblick auf den Strahlenschutz als auch auf die aseptischen Zubereitungsbedingungen den gesetzlichen Vorschriften. Diese Bestimmungen wurden mit der Fassung vom 1. Januar 2008 der StSV mit einer Frist für die Umsetzung von vier Jahren eingeführt. Die technische Funktionsfähigkeit der Mikrobiologischen Sicherheitswerkbänke (MSW), in denen die 99mTc-Kits angewendet werden, ist eine Voraussetzung für die geforderten aseptischen Bedingungen. Deshalb wurde bei den Audits die in der Weisung «Anforderungen an die Zubereitung von Radiopharmazeutika» (L-1006) beschriebene Durchführung der jährlichen Zustandskontrolle geprüft. In den meisten Fällen war diese Zustandskontrolle, die geeignete Zubereitungsbedingungen sicherstellt, ausgeführt worden. Dagegen wurden gewisse Mängel festgestellt bei der Durchführung der Arbeitsschritte unter aseptischen Bedingungen, die während der Zustandskontrolle erfolgen und die Herstellung qualitativ hochstehender radiopharmazeutischer Fertigprodukte gewährleisten. Um die mangelnde Ausbildung in diesem Bereich wettzumachen, organisiert das BAG seit 2014 in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Radiopharmazie / Radiopharmazeutische Chemie (SGRRC) und dem Institut de radiophysique (IRA) theoretische und praktische Kurse, die auf die Bedürfnisse der nuklearmedizinischen Zentren abgestimmt sind. Wegen der grossen Nachfrage konnten nicht alle Fachkräfte, die 99mTc-Kits anwenden, diese Kurse vor der Durchführung der Audits besuchen. Damit alle betroffenen Personen eine Abb. 5: Zubereitung eines Radiopharmakons in einer Mikrobiologischen Sicherheitswerkbank (MSW) der Klasse II angemessene Ausbildung erhalten, werden die Kurse in den kommenden Jahren weitergeführt. Eine weitere durch die Auditkampagne aufgedeckte Verbesserungsmöglichkeit betrifft die Durchführung von Qualitätskontrollen, um die Übereinstimmung der radiopharmazeutischen Fertigprodukte mit den von den Herstellern in der Fachinformation dargestellten Eigenschaften zu prüfen. Da die Zuverlässigkeit gewisser in dieser Fachinformation beschriebenen Kontrollmethoden kontrovers diskutiert wird und das dazu erforderliche Material schwer zu beschaffen ist, wurden allgemein anerkannte alternative Methoden angewendet. Eine Arbeitsgruppe, zu der Vertreter der betroffenen Hersteller und Mitglieder der SGRRC gehören, stellt sicher, dass zuverlässige Methoden zur Qualitätskontrolle unter Einhaltung der gesetzlich bindenden Bestimmungen des Herstellers angewendet werden. Dank der Audits konnten die Punkte, wo Verbesserungen möglich sind, identifiziert und Korrekturen angeordnet werden. So werden qualitativ hochstehende Leistungen der Nuklearmedizin in der Schweiz garantiert. 13 Forschung am CERN und am Paul Scherrer Institut CERN: Gemeinsamer Besuch zum Thema LINAC 4 und Genehmigung der Studie zu den radioaktiven Abfällen Das CERN, Frankreich und die Schweiz arbeiten auf der Grundlage der tripartiten Vereinbarung vom 16. September 2011 zusammen, um die Qualität der Strahlenschutz- und Sicherheitsmassnahmen bei Anlagen des CERN zu gewährleisten. Es finden regelmässig tripartite Treffen statt zwischen dem CERN und den Strahlenschutz-Behörden der beiden Gastländer (Autorité de sûreté nucléaire ASN in Frankreich und BAG). Bei diesen Treffen stellt das CERN die strategischen und rechtlichen Entwicklungen im Bereich Strahlenschutz vor. Dazu gehören beispielsweise die Planung neuer Anlagen, die ionisierende Strahlen produzieren, Änderungen von Regelungen zur Sicherheit oder zum Strahlenschutz oder auch Ergebnisse von Kontrollmessungen. Bei gemeinsamen Besuchen kann ausserdem die Umsetzung von Strahlenschutzoder Sicherheitsmassnahmen bei Anlagen oder bei bestimmten Themen geprüft werden. Die technischen Meetings ermöglichen die Entwicklung und Umsetzung pragmatischer Lösungen für Probleme, die sich aus den technischen Besonderheiten der CERN-Anlagen ergeben, unter Berücksichtigung der Gesetze und Bestimmungen beider Gastländer. Abb. 6: Tunnel des LINAC 4 mit dem Driftröhren-Modul (Drift Tube Linac, DTL), Quelle: CERN 14 2015 prägten zwei Ereignisse die Zusammenarbeit mit dem CERN: die Genehmigung der Studie zu den radioaktiven Abfällen und der gemeinsame Besuch zum Thema LINAC 4. Die tripartite Vereinbarung legt fest, dass die Entsorgung der radioaktiven Abfälle des CERN gemäss bestehender Kanäle für die Abfallentsorgung zwischen der Schweiz und Frankreich aufgeteilt wird. Die gesetzlichen Bestimmungen des betreffenden Landes sind dabei einzuhalten. Das CERN hat zu diesem Zweck eine «Abfallstudie» ausgearbeitet, welche die Entsorgungskanäle für die einzelnen Abfallarten festlegt, die in den Anlagen vor Ort anfallen. Das Ziel dieser Studie ist eine ausgewogene Aufteilung der radioaktiven Abfälle zwischen den beiden Gastländern unter Berücksichtigung von Menge, Aktivität und Toxizität. Sie legt ausserdem die aus technischer und wirtschaftlicher Sicht günstigsten Entsorgungskanäle fest. Die Wahl der Abfallentsorgungskanäle wurde von Frankreich und der Schweiz nach der Prüfung im Rahmen der tripartiten Zusammenkunft gutgeheissen. 2015 wurde die erste Fassung der «Abfallstudie« des CERN gemeinsam von ASN und BAG genehmigt. Diese Studie präsentiert ein Inventar und eine Klassifizierung der radioaktiven Abfälle des CERN sowie eine Prognose zu den zukünftigen radioaktiven Abfällen. Auf der Grundlage dieser Daten kann der Bund anschliessend die Verpackung, Zwischenlagerung und Endlagerung der Abfälle planen (siehe Kapitel «Radioaktive Abfälle»). Der Komplex der verschiedenen Beschleuniger des CERN besteht aus einer Kette von Teilchenbeschleunigern mit zunehmend hoher Energie. Gegenwärtig werden mit dem LINAC 2 (Linearbeschleuniger 2) zuerst Protonen auf 50 MeV beschleunigt. Nach der für 2017–2018 vorgesehenen Abschaltung wird der LINAC 4 die Ionen auf eine Energie von 160 MeV bringen, bevor sie in den Vorbeschleuniger des PS (Proton Synchrotron) eingespiesen werden. Damit wird der LINAC 4 die neue Protonenstrahl-Quelle des LHC (Large Hadron Collider). Die Vorbereitung des Sicherheitsdossiers zum LINAC 4 war Gegenstand zahlreicher Diskussionen zwischen dem CERN, der ASN und dem BAG. Diese Dossiers umfassen die technischen Spezifikationen der Infrastruktur im Zusammenhang mit dem Strahlenschutz und der radiologischen Sicher- heit, die organisatorischen Bestimmungen, die einen sicheren Betrieb der Anlage gewährleisten, sowie die Analyse der grössten Risiken und ihrer Prävention. Anlässlich des gemeinsamen Besuchs des Tunnels des LINAC 4 in dessen Startphase und des Gebäudes, das die damit zusammenhängende Infrastruktur birgt, konnten die ASN und das BAG feststellen, dass die Strahlenschutzmassnahmen im Betrieb und die internen Auditabläufe angemessen umgesetzt sind. Paul Scherrer Institut: grosse Bauprojekte Das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen AG gehört zu den grössten Forschungszentren der Schweiz. Es betreibt grosse Beschleunigeranlagen wie den Protonenbeschleuniger mit den dazugehörigen Strahllinien und Experimenten (u.a. die Spallations-Neutronenquelle SINQ), den medizinischen Protonenbeschleuniger COMET oder die Swiss Light Source (SLS). Die Beschleunigeranlagen und Forschungslabors fallen in den Aufsichts- und Bewilligungsbereich des BAG, die Kernanlagen gehören zum Zuständigkeitsbereich des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI). Das BAG überprüft im Rahmen seiner Aufsichtstätigkeit, dass die Grenzwerte für ionisierende Strahlung am PSI eingehalten werden und garantiert so die Sicherheit der Bevölkerung, des Personals am PSI und der Umwelt. Zudem begleitet es die grossen Bauprojekte des PSI. Das PSI hat zwischen August und Oktober 2015 die Protonenbestrahlungsanlage Gantry 3 fertig gebaut. Das PSI ist das einzige Zentrum in der Schweiz, das Therapien mit Protonen anbietet und es erweitert mit der Gantry 3 die bestehenden Anlagen OPTIS, Gantry 1 und Gantry 2 um eine weitere Bestrahlungsstation. Vorausgesetzt, die technischen Abnahmetests verlaufen erfolgreich, werden wahrscheinlich 2016 die ersten Patienten behandelt werden können. Für die technische Inbetriebnahme der Gantry 3 hat das BAG die bestehende Bewilligung für den Protonenbeschleuniger COMET erweitert. Für die Anwendung am Menschen wird das PSI jedoch eine separate Bewilligung für die Gantry 3 beantragen müssen. Die Arbeiten bei der Free Electron Laser-Anlage (SwissFEL) sind 2015 weit fortgeschritten. Diese rund 700 Meter lange Anlage wird es erlauben, sehr kurze Pulse von Röntgenstrahlung mit Lasereigenschaften zu erzeugen. Dies wird den Forschenden am PSI Einblicke in das Innere von Materialien erlauben. Ähnliche Anlagen sind in den USA (LCLS) und Japan (SACLA) bereits in Betrieb bzw. werden zurzeit in Deutschland (European XFEL) und Südkorea (PAL-XFEL) gebaut. Das BAG hat dieses Grossprojekt von Anfang an begleitet, so dass das Bewilligungsverfahren für die Inbetriebnahme der SwissFEL Anlage erleichtert wurde. Erste Tests sollen bereits Anfang 2016 erfolgen, der Normalbetrieb ist ab Herbst 2017 vorgesehen. Zwischen Dezember 2014 und Mai 2015 stand der Protonen-Ringbeschleuniger still, um die jährlichen Revisionsarbeiten in sonst nicht zugänglichen Bereichen durchzuführen. Da für die Mitarbeitenden des PSI und externer Firmen während dieser Zeit jeweils die dosisintensivsten Arbeiten anfallen, hat das PSI vorgängig einen detaillierten Strahlenschutzplan verfasst. Damit können die verschiedenen Aufgaben optimiert werden. Das BAG hat diesen Strahlenschutzplan gutgeheissen und die Anlage während der Revision mehrmals inspiziert. Die Kollektivdosis für die 143 beteiligten Personen betrug 41.42 Personen-mSv und lag damit 15% unter dem erwarteten Wert. Während der Revision fielen gut 13.4 Tonnen Abfall an, davon liessen sich rund 10.7 Tonnen gemäss den gesetzlichen Bestimmungen freimessen und als inaktiv entsorgen. Das PSI hat begonnen, das Konzept für die Konditionierung und Entsorgung seiner betriebseigenen Abfälle aus den Beschleunigeranlagen zu revidieren. Eine Minimierung der Menge radioaktiver Abfälle steht dabei im Vordergrund. 15 Radioaktive Abfälle Dem Bund obliegt die Aufgabe, radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung zu entsorgen. Davon ausgenommen sind die Abfälle aus dem Betrieb von Kernkraftwerken. Jedes Jahr organisiert das BAG eine Sammelaktion für diese Abfälle, die anschliessend behandelt und im Bundeszwischenlager (BZL) in Würenlingen gelagert werden. In Zukunft werden all diese Abfälle für die Endlagerung in ein geologisches Tiefenlager verbracht werden, für das zurzeit die Auswahlverfahren laufen. Die Inbetriebnahme des Lagers für Abfälle schwacher und mittlerer Aktivität, zu denen die meisten vom Bund gesammelten Abfälle gehören, ist für 2050 vorgesehen. Sammelaktion für radioaktive Abfälle Anlässlich der Sammelaktion für radioaktive Abfälle 2015 haben 26 Unternehmen radioaktive Abfälle abgegeben. Grösstenteils handelte es sich dabei um Tritium (H-3), mit einer Gesamtaktivität von 2,2 · 1015 Becquerel und einem Bruttovolumen von insgesamt 4,7 m3 (brutto, vor allem Tritium). Gewisse Abfälle mit Tritium und Kohlenstoff-14 konnten mit Bewilligung des BAG, in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen zum Strahlenschutz, namentlich gemäss Artikel 83 der Strahlenschutzverordnung, verbrannt werden. Die Wiederverwendung oder Rezyklierung hoch radioaktiver geschlossener Strahlenquellen (insbesondere mit Americium-241, Krypton-85, Caesium-137 oder Cobalt-60) ist eine sinnvolle Alternative zur Elimim3 25 20 15 10 5 2015 2014 2013 2011 2012 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2001 2002 2000 1974-99 0 Abb. 7: Jährliches Volumen radioaktiver Abfälle bei den Sammelaktionen des Bundes (1974–1999: durchschnittlich geliefertes Volumen in Fässern pro Jahr, ab 2000 geliefertes Bruttovolumen der Abfälle) 16 nierung als radioaktive Abfälle. Zudem lässt sich, wenn möglich und sinnvoll, auch nach einer Dekontamination sowie der Abklinglagerung von Abfällen in Betrieben Material freigeben. Abbildung 7 zeigt die Entwicklung des Volumens der vom Bund über die letzten vierzig Jahre gesammelten radioaktiven Abfälle. Finanzierung der Entsorgung Die ans Bundeszwischenlager (BZL) gelieferten radioaktiven Abfälle gehen in die Verantwortung des Bundes über, der ihre langfristige Entsorgung sicherstellt. Gemäss den aktuellen Schätzungen belaufen sich die Kosten für die Entsorgung der gesamten Abfälle, für die der Bund verantwortlich ist, auf fast 1,4 Milliarden Franken, verteilt über den Zeitraum 2011–2100. Ein Teil dieser Kosten wird über die Gebühren finanziert, die bei den Produzenten der Abfälle erhoben werden. Ein weiterer Teil wird erst ab 2060 entstehen, wenn das geologische Tiefenlager in Betrieb ist. Die Schätzungen rechnen mit einem noch zu finanzierenden Restbetrag von 857 Millionen Franken für den Zeitraum 2015 bis 2060. Dieser Betrag wird zu gleichen Teilen vom Bund und vom ETH-Bereich getragen, zu dem auch das PSI gehört. Die im Jahr 2000 vorgenommenen Schätzungen hatten mit Entsorgungskosten zwischen 300 und 360 Millionen Franken für den Zeitraum 2000–2040 gerechnet. Damals versprach das Projekt Wellenberg eine relativ schnelle Einrichtung eines Lagers für Abfälle schwacher und mittlerer Aktivität. Das Projekt wurde jedoch 2002 abgelehnt. Die massive Kostenzunahme hängt in erster Linie mit den höheren Kosten des geologischen Tiefenlagers und der Entsorgungsprozesse zusammen. So haben das lange Auswahlverfahren und die hohen Anforderungen an die Sicherheit Auswirkungen auf die prognostizierten Kosten. Im April 2015 nahm der Bundesrat die neuen Zahlen zur Kenntnis. Er beauftragte die betroffenen Departemente, bis 2018 eine neue Kostenschätzung vorzulegen. Abb. 8: Schwerverkehrskontrolle am Zoll in Thayngen Illegale und unbeabsichtigte Einund Ausfuhren radioaktiver Stoffe Erste Routinemessungen mit mobilem Messportal Funde von radioaktiv kontaminiertem Edelstahl sowie Einfuhren kontaminierter Container nach dem Reaktorunfall in Fukushima haben gezeigt, dass der Warenverkehr auf mögliche illegale und unbeabsichtigte Ein-/Ausfuhren radioaktiver Stoffe überwacht werden muss. Das BAG hat dazu 2012 ein mobiles Messportal beschafft, bis 2014 getestet und optimiert. Durch das Messportal passieren Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 km/h. Wird dabei die Alarmschwelle für Radioaktivität überschritten, muss das Fahrzeug anhalten, um die Strahlenquelle mit einem empfindlichen Dosisleistungsmessgerät lokalisieren und ihr Radionuklid spektrometrisch identifizieren zu können. Anzahl kontrollierter Erstfeld Thayngen Basel 5100 1800 185 31 69 4 sich jedoch um natürliche radioaktive Stoffe, die keine illegalen Transporte darstellen. Natürliche radioaktive Stoffe sind beispielsweise in Baumaterialien (Ziegelsteine, Zement, Granit), keramischen Erzeugnissen (Fliesen, Filter, Isolatoren) sowie Chemikalien (Kaliumchlorid) enthalten und stellen in dieser Form für Mensch und Umwelt keine Gefahr dar. Das BAG will künftig regelmässig solche Schwerpunktskontrollen durchführen. Die Grundlagen dafür sollen in der laufenden Revision der Strahlenschutzverordnung festgelegt werden. Fahrzeuge (Portalmonitor) Anzahl Alarme Abb. 9: Anzahl Messungen an drei Standorten und ausgelöste Alarme (2015) 2015 wurden erstmals drei Routine-Schwerpunktmessungen während je einer Woche an verschiedenen Standorten durchgeführt (Schwerverkehrszentrum Erstfeld, Zoll Basel Freiburgerstrasse und Zoll Thayngen) und dabei über 7000 Fahrzeuge kontrolliert. Bei über 100 Ladungen konnte schwache Radioaktivität detektiert werden, bei allen Funden handelte es 17 Intervention in einem radiologischen Notfall Um für Krisen im Strahlenschutz gewappnet zu sein, sind umfassende Vorbereitungsmassnahmen nötig und ein Engagement auf nationaler und internationaler Ebene. 18 Massnahmen auf nationaler Ebene Die interdepartementale Arbeitsgruppe IDA NOMEX wurde 2011, nach der Katastrophe von Fukushima, ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe bestand in der Überprüfung der Notfallschutzmassnahmen bei Extremereignissen in der Schweiz. Den von der Arbeitsgruppe verfassten Bericht hat der Bundesrat 2012 zur Kenntnis genommen und verschiedene Bundesstellen mit der Erarbeitung von insgesamt 56 organisatorischen und gesetzgeberischen Massnahmen beauftragt. Seither sind zahlreiche Massnahmen umgesetzt worden. Das BAG, das in verschiedenen Bereichen betroffen war, setzt einen Teil der Massnahmen im Rahmen der laufenden Revision der Strahlenschutzverordnung um. Zusätzlich hat es 2015 bei der Revision des Notfallschutzkonzepts bei einem KKW-Unfall mitgearbeitet. Am 1.7.2015 hat der Bundesrat dieses neue Konzept zur Kenntnis genommen. Es wurde auf der Basis des neuen Referenzszenarios (A4) ausgelegt [1]. Dieses Referenzszenario basiert auf einem sehr schweren Störfall der INES Kategorie 7 und bietet die Möglichkeit, den Notfallschutz in der gesamten Schweiz entsprechend vorzubereiten. Als nächster Schritt werden nun die erforderlichen Anpassungen der rechtlichen Grundlagen erarbeitet. Internationales Engagement Auf internationaler Ebene engagierte sich die Abteilung Strahlenschutz im Berichtsjahr vielfältig: So nahm sie aktiv an den Arbeiten der Vereinigung europäischer Strahlenschutzbehörden (HERCA) teil. Zudem war sie auch eng in die Tätigkeiten der europäischen Plattform NERIS (European Platform on preparedness for nuclear and radiological emergency response and recovery) und beim WHO-Netzwerk REMPAN (Radiation Emergency Medical Preparedness and Assistance Network) eingebunden. Auch am europäischen Projekt PREPARE (Platform for European Preparedness Against (Re-)emerging Epidemics) war die Abteilung Strahlenschutz beteiligt. Sie verfolgt ausserdem die Überlegungen, die im Rahmen des französischen Ausschusses CODIRPA (Comité directeur pour la gestion de la phase post-accidentelle) geführt werden. Aufgrund der bisherigen Bemühungen hat sich gezeigt, dass noch viel zu tun bleibt, wenn wir in unserem Land gegen die Folgen eines nuklearen Unfalls gewappnet sein wollen, insbesondere im Hinblick auf den Schutz der Bevölkerung und den Einbezug aller Beteiligten, die sich mittel- und langfristig in den betroffenen Gebieten befinden würden. 2015 beteiligte sich das BAG an einer Gesamtnotfallübung (GNU), bei der ein Unfall im Kernkraftwerk Gösgen angenommen wurde. Auch wenn die Abteilung Strahlenschutz bei dieser Übung nicht stark involviert war, war es eine Gelegenheit, das Funktionieren eines begrenzten Notfallteams im neuen BAG-Verwaltungsgebäude zu testen. Die aktuelle Infrastruktur bietet moderne, auf die relevanten Aufgaben des Krisenmanagements abgestimmte Funktionen. Diese sollten bei einer grösser angelegten Übung mit stärkerer Beteiligung der Notfallteams für radiologische Ereignisse noch getestet werden. [1] Das ENSI hat im Zuge der IDA NOMEX Aufträge diverse Ereignisszenarien erarbeitet (Szenarien A1 – A6). Diese verschiedenen Szenarien sind einerseits mit Eintretenswahrscheinlichkeiten belegt worden und andererseits zeigen sie auch die entsprechenden radiologischen Auswirkungen für die Schweiz. Radiologische Ereignisse Das BAG hat den Auftrag, die Bevölkerung, insbesondere auch Patienten und beruflich strahlenexponiertes Personal sowie die Umwelt vor ionisierender Strahlung zu schützen. Kommt es trotz den Vorsichts- und Schutzmassnahmen zu meldepflichtigen Ereignissen mit ionisierender Strahlung oder tauchen radiologische Altlasten auf, ist es Aufgabe des BAG, diese zu untersuchen und zu bewerten sowie darüber zu informieren. Das 2015 verabschiedete Kommunikationskonzept zu radiologischen Ereignissen definiert das Vorgehen für eine transparente und koordinierte Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich. Neues Kommunikationskonzept für radiologische Ereignisse Nach der Meldung eines radiologischen Ereignisses erfolgt immer eine sorgfältige Analyse im BAG. Die zuständigen Expertinnen und Experten evaluieren mögliche Folgen, prüfen die vorgeschlagenen Korrekturmassnahmen und entscheiden über die Durchführung einer Inspektion vor Ort. Zudem ist das BAG – teilweise in Zusammenarbeit mit den betroffenen Betrieben oder Behörden – verpflichtet, angemessen zu informieren. ven Risikokategorie und der wahrgenommenen Bedrohung festgelegt. Erfahrungsgemäss schrecken Themen wie radioaktiver Abfall oder radioaktive Verschmutzung die Bevölkerung stark auf, auch wenn das Gesundheitsrisiko – im jeweiligen Fall – objektiv gesehen sehr klein ist. Weitere Faktoren wie medialer Druck oder politische Sensibilität können die Kommunikationsstrategie zusätzlich beeinflussen. Prinzipiell erscheint jedes gemeldete Ereignis neu in statistischer Form im Jahresbericht der Abteilung Strahlenschutz (vgl. nächstes Kapitel). Mit dem 2015 verabschiedeten Kommunikationskonzept für radiologische Ereignisse ist es gelungen, klare Richtlinien für diese Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen. Die starke Medienpräsenz nach den Radiumfunden in Biel im Juni 2014 hatte Lücken in der bisherigen Informationspolitik aufgezeigt. Neu ist nicht mehr nur das objektiv festgestellte Risiko (z. B. aufgrund der INES-Skala) ausschlaggebend für die Art der Information über Ereignisse, sondern auch das sogenannte «öffentliche Interesse». Das bewertete Risiko wird künftig in eine von drei Kategorien eingeteilt (gering, mittel oder hoch), basierend auf den folgenden drei Kriterien: Art des Ereignisses, Anzahl betroffener Personen und Häufigkeit des Auftretens dieses Ereignisses. Die Kommunikationsweise (aktiv, passiv, über das BAG oder über den Urheber) sowie die Empfänger der Mitteilung (Öffentlichkeit, Behörden) werden schliesslich aufgrund der objekti- Statistik gemeldete Ereignisse 2015 2015 hat das BAG 34 Meldungen zu Ereignissen verschiedenster Ursachen erhalten. Abbildung 10 gibt einen Überblick über die betroffenen Bereiche. 10 Ereignisse traten in den Bereichen Umwelt, Betrieb und Bevölkerung auf, z. B. die «Unbeabsichtigte Abgabe von radioaktivem Iod an das Abwasser eines Spitals» oder die «Illegale Entsorgung von 200 Ionisationsrauchmeldern mit Bauschutt» (vgl. Kurzberichte im nächsten Kapitel). 10 weitere Ereignisse stammen aus Altlasten, herrenlosen Quellen oder Quellenverlusten. Radiologische Altlasten sind Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, die den heutigen gesetzlichen Anforderungen nicht mehr entsprechen, wie z. B. die Radiumfunde in Biel (vgl. Berichterstattung in diesem Bericht, Seiten 28, 29). In fünf der gemeldeten Fälle war 19 2 7 10 5 10 Patienten Beruflich strahlenexponierte Personen Umwelt, Betrieb und Bevölkerung Altlasten, herrenlose Quellen, Quellenverlust Transport Abb. 10: 34 gemeldete radiologische Ereignisse 2015 und betroffene Bereiche Personal betroffen, glücklicherweise gab es keine Grenzwertüberschreitung der Personendosis, vgl. dazu das Beispiel «Kontamination von Personen» im nächsten Kapitel. Von diesen Ereignissen wurde keines als INES 1 oder mehr eingestuft. In acht Fällen, die meistens Quellenfunde betreffen, erfolgte eine Meldung an die IAEO-Datenbank ITDB (Incident & Trafficking Database). Die sieben Ereignisse mit Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten traten in der Radioonkologie bzw. Strahlentherapie auf. Es sind in keinem der Fälle unmittelbare Schädigungen zu erwarten. Zwei der Ereignisse im medizinischen Bereich sind auf Level 2, zwei weitere auf Level 1 der provisorischen Skala INES Medical Rating Scale einzuordnen. Zwei dieser Ereignisse sind im folgenden Kapitel geschildert, «Durchschnittenes Iod-Seed» und «Leck in DosismonitorKammer eines Elektronenbeschleunigers». Kurzberichte zu fünf gravierenden Ereignissen: Unbeabsichtigte Abgabe von radioaktivem Iod an das Abwasser eines Spitals Die Therapie mit radioaktivem Iod (Iod-131) unterliegt der Strahlenschutzgesetzgebung, die verlangt, dass sich die hospitalisierten Patienten in speziell eingerichteten Zimmern aufhalten. Die entstehenden Abwässer dürfen nicht direkt in die Kanalisation gelangen. Sie müssen zurückgehalten und solange gelagert werden, bis die Aktivität des Iod-131 unter die für das Spital bewilligte Abgabelimite abgeklungen ist. 20 Im Juli 2015 hat ein Techniker eines Spitals wegen einer Fehlmanipulation Abwasser zu früh in die Kanalisation geleitet. Die Aktivität an Iod-131 lag deutlich über der bewilligten wöchentlichen Abgabelimite. Die darauf in der angeschlossenen Kläranlage wöchentlich durchgeführten Aktivitätsmessungen zeigten eine Konzentration von 0.5 Bq/l. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb des Immissionsgrenzwertes, der für öffentlich zugängliche Gewässer zulässig ist (10 Bq/l). Die radiologischen Konsequenzen für die Bevölkerung und die Umwelt waren gering. Um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, wurden der Vorfall gründlich analysiert und Massnahmen angeordnet. Illegale Entsorgung von Ionisationsrauchmeldern Im August 2015 erhielt das BAG die Meldung, dass über 200 Ionisationsrauchmelder (IRM) mit Bauschutt entsorgt worden waren. Das Funktionsprinzip solcher Rauchmelder beruht auf der Ionisierung der Luft durch eine radioaktive Quelle. Demontierte IRM gelten als radioaktive Abfälle und dürfen nicht mit dem normalen Abfall oder als Elektronikschrott entsorgt werden. Die Nachforschungen brachten keine konkreten Hinweise über den Verbleib der IRM. Die Feststellung dieser illegalen Entsorgung radioaktiver Quellen wurde zur Strafverfolgung an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet. Aufgrund solcher Entsorgungsereignisse haben das BAG und die Suva – in Zusammenarbeit mit dem Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen SES und der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF – einen Zeitplan zum Ersatz und der Entsorgung aller noch vorhandenen IRM festgelegt. Alle betroffenen Besitzer von Brandmeldeanlagen werden in der nächsten Zeit durch die Installationsfirma ihrer Anlage kontaktiert und über das Vorgehen informiert. Spätestens nach dem 31. Dezember 2018 dürfen IRM nur noch durch Brandmelder ohne radioaktive Quelle ersetzt werden. Es gibt heute optische Brandmelder, die ohne radioaktive Quelle genauso gute und für die meisten Anwendungen sogar bessere Ergebnisse erzielen. Kontamination von Personen Im April 2015 haben sich bei einer internen Schulung in einem Labor insgesamt zwölf Personen mit F-18 kontaminiert. Ursachen waren ein an der Aussenseite kontaminierter Bleitopf sowie die Missachtung von Verhaltensregeln («good practice»). Dies führte zu einer Verschleppung des F-18 innerhalb der kontrollierten Zone, zudem waren mehrere Türgriffe verunreinigt. Alle Personen wurden innerhalb von ein paar Stunden dekontaminiert, das Labor konnte am nächsten Tag wieder freigegeben werden. Eine Abschätzung der Extremitätendosis für die am stärksten betroffene Person ergab, dass die Dosis – im Verhältnis zum Grenzwert für Haut und Hände für beruflich strahlenexponierte Personen von 500 mSv pro Jahr – sehr klein war. Das Labor hat in Absprache mit dem BAG interne Massnahmen getroffen und Schulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Labors durchgeführt, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Durchschnittenes Iod-Seed Bei einer therapeutischen Anwendung (Implantation von I-125 Seeds in der Prostata) wurde irrtümlich ein Seed mittig durchschnitten, anstatt an der vorgesehenen Stelle des Seed-Fadens. Das eine Bruchstück konnte aufgefunden und sicher in einem Abschirmbehälter verwahrt werden. Das andere Fragment verblieb im Patienten. Vorsichtshalber wurde deshalb dessen Schilddrüse medikamentös blockiert. Weitere Abklärungen haben ergeben, dass der Patient keine unmittelbare Schädigung zu erwarten hat. Um diese Art Fehlmanipulation in Zukunft zu vermeiden, wird ein solcher Schnitt fortan nur nach Zustimmung einer beobachtenden Person durchgeführt. Die konsequente Anwendung des 4-Augen-Prinzips soll diese Fehlerquelle reduzieren bis ausschliessen. Abb. 11: Seed-Faden mit vorgesehener Schnittstelle (schwarz) und effektiver Schnittstelle durch Seed (rot) Leck in Dosismonitor-Kammer eines Elektronenbeschleunigers Aufgrund eines zu spät entdeckten Lecks im System der Dosismonitor-Kammer eines Elektronenbeschleunigers erhöhte sich die abgestrahlte Dosis langsam und unbemerkt über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die nachträgliche Auswertung der Daten zeigte, dass es bei insgesamt 15 StrahlentherapiePatienten zu einer erhöhten Dosisdeposition im Zielvolumen, im umliegenden Gewebe und auch bei Risikostrukturen gekommen ist (3-8%). Dennoch konnten nahezu alle Grenzwerte der Risikostrukturen eingehalten werden. Bei einem einzigen Patienten wurde der Grenzwert für die Niere um 1.3% überschritten. Aufgrund ausführlicher Abschätzungen erwartet man trotz Überschreitung des Grenzwertes keine negativen Auswirkungen für den Patienten. Auch bei den übrigen Patienten sind auf Grund der Dosiserhöhung keine Nebenwirkungen zu erwarten. Als Konsequenz aus dem Ereignis wurden das Protokoll für die tägliche Qualitätssicherung überarbeitet und die internen Abläufe verbessert. Neu muss der verantwortliche Medizinphysiker explizit auf jede relevante Messabweichung angesprochen werden. 21 Solarien sachgerecht betreiben, um Hautkrebsrisiko zu senken In der Schweiz erkranken jährlich mehr als 2000 Menschen an schwarzem Hautkrebs (Melanom). In keinem anderen europäischen Land ist diese Krebsart so verbreitet. Gemäss Studien sind rund 80% der Hautkrebserkrankungen auf übermässige UV-Strahlung zurückzuführen. Ungefähr ein Drittel der Personen sind bei der Diagnose unter 50 Jahre alt. UV-Strahlung wird vor allem von der Sonne, aber auch von künstlichen Quellen wie z. B. Solarien erzeugt. Das Hautkrebsrisiko steigt für Solarienbesucherinnen und -besucher markant, das zeigen Studien. Ausserdem können falsch betriebene Solarien zu einer erhöhten UV-Belastung führen, die gesundheitsgefährdend sein kann. Um die Schweizer Bevölkerung besser vor diesem Risiko zu schützen, will der Bundesrat den Betrieb öffentlicher Solarien rechtlich regeln. Abb. 12: Professor Dr. Ralph Braun, leitender Arzt an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich Solarien erhöhen das Hautkrebsrisiko In der Schweiz nutzen rund 8% der Bevölkerung Solarien aktiv. Studien zeigen, dass das Hautkrebsrisiko für Solarienbesucherinnen und -besucher annähernd doppelt so hoch ist wie für Personen, die sich nicht der künstlichen Sonne aussetzen. Laut Professor Dr. Ralph Braun, dem leitenden Arzt an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich, besteht kein 22 Zweifel, dass UV-Strahlung (d. h. auch der Besuch von Solarien) zu schwarzem Hautkrebs (Melanomen) führt. Allerdings ist dies schwer wissenschaftlich zu beweisen, weil zwischen der Krebsentstehung und der Diagnose Jahrzehnte verstreichen können. Die Strahlung in einem Solarium unterscheidet sich stark von jener der Sonne. Die Intensität der UV-B-Strahlen in Solarien ist zwar mit der Sonne vergleichbar, bei der UV-A-Strahlung (Wellenlänge grösser als 320 nm) hingegen gibt es grosse Unterschiede: So kann ein Solarium im Vergleich zur Sonne bis zu 15 Mal mehr UV-A abstrahlen. Dieser unnatürlich hohe und gefährliche Anteil an UV-A-Strahlen macht das künstliche Sonnenlicht in Bezug auf eine Hautkrebserkrankung so viel gefährlicher als das natürliche. Er lässt ausserdem die Haut vorzeitig altern; diese wird rau und runzlig und bildet tiefe Hautfalten. Jugendliche müssen geschützt werden Professor Braun erklärt, dass das Melanomrisiko erheblich ansteigt, wenn sich bereits junge Personen übermässiger UV-Strahlung aussetz- ten. Personen mit heller Haut seien besonders gefährdet. Eine Umfrage des GfS-Forschungsinstituts aus dem Jahr 2010 hat gezeigt, dass der Anteil Solarienbesucherinnen und -besucher in der Altersklasse der unter 36-Jährigen überdurchschnittlich gross ist, zudem gehen diese Personen trotz Risiko auch häufiger ins Solarium als ältere Personen. So sind knapp 70% der Solarienbesucherinnen und -besucher zwischen 16 und 25 Jahre alt. Die Umfrage ergab weiter, dass Personen mit ungünstigen Hauttypen das Solarium ebenso häufig nutzen wie weniger empfindliche Personen, aber zumindest weniger lange Bestrahlungszeiten wählen. Problematisch ist zudem, dass viele Solarienbesucherinnen und -besucher davon ausgehen, dass regelmässige Solarienbesuche die Abwehrkräfte der Haut gegenüber der UV-Strahlung verbessern. Auch wenn es der Haut gelingt, sich gegen solche Strahlungsbelastungen zumindest teilweise zu schützen, seien Hautverletzungen durch die UV-Strahlung nicht zu verhindern, sagt Professor Braun. Kontrollierte Nutzung von Solarien Das Inverkehrbringen von Solariengeräten ist heute im Bundesgesetz über die Produktesicherheit geregelt. Für die Kontrolle der Einhaltung der obligatorischen Sicherheitsvorgaben des Herstellers während dem Betrieb von Solarien gibt es jedoch keine rechtliche Regelung. Diese Lücke will der Bundesrat nun mit seinem Entwurf für ein Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (NISSG) schliessen. Vorgesehen ist, dass die Kantone kampagnenartige Stichprobenkontrollen durchführen, um sicherzustellen, dass die Solarienbetreiber die Kundschaft über die Gefahren genügend aufklären und die Sicherheitsanweisungen der Hersteller befolgen. So sollen die Betreiber gezwungen werden können, empfindlichen Personen unter 18 Jahren den Solarienzugang zu verweigern. Diese Massnahmen schützen Jugendliche und sollen das Verantwortungsbewusstsein der Solarienbetreiber erhöhen. Der Bundesrat hat dem Parlament den Gesetzesentwurf im Dezember 2015 vorgelegt, mit seinem Inkrafttreten ist also frühestens 2018 zu rechnen. Abb. 13: Im Kanton Waadt ist Minderjährigen der Zutritt zu Solarien bereits verboten Auf kantonaler Ebene haben bereits mehrere Kantone Massnahmen zu Solarien in ihrer Gesetzgebung umgesetzt. So hat der Kanton Basel-Landschaft eine gesetzliche Basis für die Kontrolle von Solarien geschaffen. Der Kanton Jura ist der erste Schweizer Kanton, der mittels einer Bestimmung im Gesundheitsgesetz 2013 den Zugang zu Solarien für Minderjährige verboten hat. Solarienbetreiber müssen zudem beim jurassischen Gesundheitsdienst eine Meldung machen. Auch der Kanton Neuenburg kennt diese Meldepflicht für Solarienbetreiber. Der Kanton Waadt hat im Rahmen der Revision seines Gesetzes über die Ausübung von Wirtschaftstätigkeiten 2014 ein Solariumverbot für Minderjährige eingeführt, das Kontrollen und nötigenfalls Sanktionen (siehe Abb. 13) vorsieht. 23 Überwachung der Umwelt Wie in den vorangehenden Jahren blieb die in der Umwelt gemessene Radioaktivität im Jahr 2015 unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten. Die wenigen Überschreitungen der Grenzwerte (Wildschweine) und der Toleranzwerte in (einheimischen und importierten) Lebensmitteln waren ausnahmslos auf frühere Kontaminationen zurückzuführen. Die in der Umgebung von Kernkraftwerken, Forschungszentren und industriellen Betrieben festgestellten Spuren künstlicher Radioaktivität belegen den normalen Betrieb dieser Einrichtungen und die Wirksamkeit der umgesetzten Überwachungsprogramme. URAnet – neues automatisches Messnetz Im Mai 2013 hat der Bundesrat entschieden, das Messnetz zur automatischen und kontinuierlichen Überwachung der Luft im Hinblick auf radioaktive Emissionen (RADAIR) zu erneuern und auf eine kontinuierliche Überwachung von Flusswasser auszudehnen. Das neue Messnetz trägt den Namen «URAnet» und besteht aus zwei Bereichen: die Überwachung der Luft einerseits (URAnet aero) und die Überwachung des Wassers andererseits (URAnet aqua). Der für die Überwachung des Flusswassers eingesetzte Teil des Messnetzes ist seit November 2015 in Betrieb (siehe Artikel Seite 26/27 des vorliegenden Berichts). Die Aerosolsonden sollen zwischen 2016 und 2017 ersetzt werden. Wichtigste Ergebnisse der Überwachung 2015 Die Messergebnisse aus der Umweltüberwachung zeigen, dass die natürliche Radioaktivität in der Schweiz überwiegt. Allerdings bestehen, hauptsächlich aufgrund der Geologie, regionale Abweichungen. Auch bei der künstlich erzeugten Radioaktivität, die in erster Linie vom Niederschlag atmosphärischer Kernwaffentests und vom Unfall in Tschernobyl stammt, lässt sich eine ungleichmässige Verteilung feststellen: In den Alpen und Südalpen sind beispielsweise die Werte von Cäsium-137 und Strontium-90 immer noch etwas höher als im Mittelland. 24 Obwohl die Cäsium-137-Konzentrationen seit 1986 stetig abnehmen, überschreiten sie in bestimmten Nahrungsmitteln noch immer die Toleranzwerte (z. B. einheimische oder eingeführte Wildpilze, Honig oder Heidelbeeren). Erneut wurden auch 2015 im Fleisch von Wildschweinen aus dem Tessin Überschreitungen des Grenzwerts festgestellt, der für Cäsium-137 in der Fremd- und Inhaltsstoffverordnung bei 1250 Bq/kg festgelegt ist. Seit 2013 führt der Kantonstierarzt systematisch Kontrollen der Radioaktivität bei allen Wildschweinen durch, die auf dem Gebiet des Kantons Tessin erlegt wurden. Die höchste Aktivität, die im Fleisch eines 2015 konfiszierten Wildschweins gemessen wurde, betrug 9900 Bq/kg, das entspricht dem höchsten seit Beginn der Kontrollen festgestellten Wert. Im Rahmen der Überwachung der Kernkraftwerke und der Forschungszentren (PSI, CERN) liessen sich mit den 2015 durchgeführten Messungen Spuren von Luftemissionen nachweisen. Festgestellt wurden namentlich erhöhte Kohlenstoff-14-Werte in Blättern in der Umgebung der Kernkraftwerke (maximale Erhöhung in der Grössenordnung von zehn Promillen gegenüber der Referenzstation beim Kernkraftwerk Leibstadt) oder erhöhte Konzentrationen von Isotopen mit kurzer Halbwertszeit (Natrium-24, Iod131), die in den Beschleunigern der Forschungszentren produziert werden. In den Flüssen wurden gelegentlich Spuren flüssiger Abgaben im Wasser und in den Sedimenten nachgewiesen, insbesondere Cobalt-Isotope flussabwärts des Kernkraftwerks Mühleberg. Leicht erhöhte Tritium-Konzentrationen (maximale Aktivität von 10 Bq/l) wurden in der Aare zwischen Mai und Juni nach der Revision des Kernkraftwerks Gösgen gemessen. Bei Weil am Rhein blieben die Tritium-Konzentrationen im Rhein unter 3 Bq/l. Die Abgaben künstlicher Radionuklide an die Umwelt blieben aber immer deutlich unter den Grenzwerten. In der unmittelbaren Umgebung von Unternehmen, die Tritium verwenden, war klar eine Kontamination der Umwelt (Niederschläge, Lebensmittel) festzustellen. Die gemessenen Werte blieben allerdings deutlich unter den Grenzwerten (gemessene maximale Konzentration von 730 Bq/l in den Niederschlägen bei Niederwangen, das heisst 6% des Immissionsgrenzwerts für Tritium in den öffentlich zugänglichen Gewässern). Gemäss den Bestimmungen des Aktionsplans Radium 2015–2019 muss bei Deponien, die mit Radium-226 kontaminierte Abfälle enthalten könnten, eine Überwachung der Radioaktivität Abb. 14: Online-Plattform mit den Messungen der Radioaktivität in Umweltproben – www.radenviro.ch Seit November 2015 lassen sich die Ergebnisse der Umweltüberwachung auf der neuen Internet-Plattform «Radenviro» des BAG abrufen (www.radenviro.ch/ de-CH). Die vollständigen und kommentierten Ergebnisse werden ausserdem jedes Jahr im «Jahresbericht Umweltradioaktivität und Strahlendosen» veröffentlicht, der auf der BAG-Website zur Verfügung steht. stattfinden. So soll der Schutz des Personals und der Umwelt vor der Remobilisierung von Abfällen oder einer Verbreitung der Kontaminationen sichergestellt werden. Es gab bereits Vorabklärungen: Im Hinblick auf eine Sanierung wurden namentlich in Biel und Teufen bereits Analysen im Sickerwasser von Altdeponien durchgeführt. Allfällige Sanierungen sind freilich in erster Linie aufgrund anderer Verschmutzungen als durch Radium (z. B. PCB, Schwermetalle, andere chemische Schadstoffe) erforderlich. 25 Rascher Alarm bei Kontamination des Trinkwassers Die schweizerische Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt hat sich 2015 nochmals verbessert. Neu betreibt das BAG ein automatisches Messnetz, das die Radioaktivität im Flusswasser von Aare und Rhein kontrolliert: Fünf Sonden überwachen kontinuierlich die Radioaktivität unterhalb der Schweizer Kernkraftwerke und liefern alle zehn Minuten Resultate. Bei erhöhten Werten können die Behörden rasch reagieren und z. B. die Trinkwasserversorgung unterbrechen. Über die Plattform www.radenviro.ch hat auch die Bevölkerung Zugang zu den Messresultaten. Erhöhte Werte künstlicher Radioaktivität gab es bis anhin keine. Das neue Messnetz «URAnet aqua» umfasst fünf Sonden, die unterhalb der Kernkraftwerke in der Aare und im Rhein in Radelfingen, Hagneck, Aarau, Laufenburg sowie in der Stadt Basel installiert wurden. Auslöser für diese zusätzliche Überwachung der Oberflächengewässer war die Reaktorkatastrophe in Fukushima Daiichi 2011, wo mit dem Lösch- und Kühlwas- Abb. 15: Standorte der NaI-Detektoren; Eawag-Stationen mit kontinuierlicher Probenahme für Spurenmessungen (Hagneck, Klingnau und Pratteln); Rheinüberwachungsstation RüS Weil am Rhein (Messungen Kantonslabor BS); Entnahmestellen von Trinkwasser im Bielersee und im Rhein (Pratteln und Basel) 26 ser grosse Mengen Radioaktivität ins Meer gelangten. In der Folge lancierten Schweizer Parlamentarier etliche politische Vorstösse, bei denen die Gefahren für das Trinkwasser im Fall eines KKW-Zwischenfalls im Zentrum standen. Im Mai 2013 hat der Bundesrat beschlossen, das automatische Messnetz zur Überwachung der Umweltradioaktivität des BAG zu erneuern und gleichzeitig auf die Überwachung der Flüsse auszuweiten. Entsprechende moderne Messsonden waren inzwischen auf den Markt gekommen und ermöglichten eine technisch zuverlässige, präzise – und relativ kostengünstige – Umsetzung des Vorhabens. Schweizer Trinkwasserversorger als Mitinitianten Die Stadt Biel deckt 70% ihres Trinkwasserbedarfs aus dem Bielersee, Basel bezieht sogar das gesamte Trinkwasser aus dem Rhein. Die Schweizer Trinkwasserversorger waren denn auch Mitinitianten des neuen Messnetzes für Flüsse, die für die Trinkwasserversorgung wichtig sind. Sie wollen, auch im Fall einer nur leichten Kontamination des Wassers, unverzüglich alarmiert werden. So können sie die Pumpen präventiv abschalten und eine Verunreinigung ihrer Anlagen verhindern. Lücke in der Überwachung geschlossen Mit den neu installierten Sonden konnte eine Lücke in der Überwachung der Oberflächengewässer geschlossen werden. Ein wichtiger Teil des bisherigen Überwachungsdispositivs sind die Stationen der Eawag für Spurenmessungen bei Hagneck, Klingnau und Pratteln (Abb. 15). Dort wird seit den 90er Jahren kontinuierlich Flusswasser gesammelt. Diese Proben werden jedoch nur monatlich ausgewertet und eignen sich deshalb nicht, um auf eine Erhöhung der Radioaktivität rasch reagieren zu können. Das zwischen 2013 und 2015 installierte neue Messnetz «URAnet aqua» liefert nun umgehend Resultate zu den Radioaktivitätskonzentrationen in Aare und Rhein an Standorten, die 5–27 km flussabwärts der KKW in Mühleberg, Gösgen, Beznau und Leibstadt liegen (Abb 15). Für eine von den KKW-Betreibern unabhängige und für den jeweiligen Flussabschnitt repräsentative Messung des Wassers erachtete das BAG diese Distanz als geeignet. In dieser Entfernung ist das Flusswasser weitgehend gemischt, und trotzdem bleibt genügend Zeit, um die weiter flussabwärts liegenden Trinkwasserwerke mit Flusswasserentnahme bei erhöhten Werten rechtzeitig zu informieren. Wichtig für die Standortwahl waren auch geeignete Stellen zur Montage der Sonden, welche dank der aktiven Unterstützung der angefragten Betriebe (Flusskraftwerke, Wasserversorger) und des BAFU schnell gefunden wurden. Die Sonden sind mit einem Natrium-Iodid-Detektor ausgerüstet (Abb. 16). Die Natrium-IodidKristalle registrieren im Umkreis von zirka einem Meter die Gammastrahlung von natürlichen Nukliden und künstlichen Radionukliden. Sie zeichnen alle zehn Minuten das Energiespektrum auf und mitteln es stündlich, um eine tiefere Nachweisgrenze zu erhalten. Alarm bei erhöhter Radioaktivität Alarm bei erhöhter Radioaktivität wird dank der kurzen Messintervalle umgehend über das Messnetz von MeteoSchweiz ausgelöst. Bei Überschreitung der unteren Meldeschwelle, die dem Toleranzwert für Trinkwasser entspricht, erhält das BAG eine Meldung. Bei Überschreitung des Grenzwertes für Trinkwasser (obere Meldeschwelle) wird die Nationale Alarmzentrale NAZ alarmiert, damit sie die notwendigen Schutzmassnahmen anordnen kann. Abb. 16: Die Natrium-Iodid-Kristalle an den Wassersonden registrieren im Umkreis von zirka einem Meter die Gammastrahlung von natürlichen Nukliden und künstlichen Radionukliden Keine Funde künstlicher Radionuklide bisher Die bisherigen Messungen zeigen eine Erhöhung der natürlichen Nuklide 214Bi und 214Pb sowie 40K bei Hochwasser, wenn viele Radonfolgeprodukte in die Flüsse gelangen. Weitere Peaks waren bisher nicht festzustellen, dh. die einzelnen Radionuklide liegen unterhalb der Nachweisgrenze. Die Tagesmittelwerte der Messungen sind auf der neuen Internet-Plattform des BAG «Radenviro» einsehbar (www. radenviro.ch). Die neu geschaffene Webseite zeigt die Resultate aller in der Schweiz überwachten Umweltproben wie Luft, Boden, Gras, Milch und Wasser. 27 Aktionsplan Radium 2015-2019 Im Mai 2015 hat der Bundesrat den Aktionsplan Radium 2015–2019 gutgeheissen; mit ihm soll das radiologische Erbe aus der Verwendung von Leuchtfarbe in der Uhrenindustrie bis in die 1960er-Jahre bewältigt werden. Die vier wichtigsten Stossrichtungen dieses Plans sind historische Nachforschungen zur Identifikation potentiell kontaminierter Gebäude, diagnostische Radiummessungen in diesen Gebäuden, die Sanierung im Falle einer Überschreitung des Grenzwerts von 1 Millisievert pro Jahr und die Überwachung von Deponien, die Radium-Abfälle enthalten könnten. Die vorrangigen Arbeiten hat die «Task force radium» bis Ende 2015 vorgenommen. Radium-Diagnostik Zwischen September 2014 und Dezember 2015 wurden bei 90 Gebäuden mit insgesamt 564 Wohnungen oder Gewerbeobjekten diagnostische Radiummessungen vorgenommen. Diese fanden gemeinsam mit den betroffenen Eigentümern bzw. Mietern und mit Unterstützung der kommunalen sowie kantonalen Behörden und der Suva statt. Es handelte sich in erster Linie um Gebäude, deren Adressen im Juni 2014 in den Medien publiziert worden waren. Auf Anfrage beunruhigter Bewohner wurden ausserdem 15 zusätzliche Gebäude kontrolliert. Abbildung 17 gibt einen Überblick über diese Messungen, die hauptsächlich das Juragebiet betrafen. Total Diagnostische Biel Die beauftragten Fachpersonen des BAG wenden ein standardisiertes Messprotokoll an, bei dem alle Innenräume und die ganze Parzelle systematisch nach einem Raster erfasst werden. Falls die Ortsdosisleistung einen Wert von 100 Nanosievert pro Stunde über dem lokalen Hintergrundrauschen überschreitet, werden die Maschen des Messpunktenetzes verengt. Ausserdem werden Bodenproben oder Abstriche entnommen, um die Stichproben im Labor zu analysieren. Aufgrund dieser Messergebnisse und von Expositionsszenarien berechnet das BAG die jährliche Dosis, der die Bewohner/innen ausgesetzt sind. Falls diese Dosis den für die Schweizer Bevölkerung tolerierten Grenzwert La Chaux-de-Fonds Andere Gemeinden Gebäude Insgesamt Gebäude Insgesamt Gebäude Insgesamt Gebäude Insgesamt 90 564 37 230 26 243 27 91 Messungen Einheiten* Einheiten* Einheiten* Einheiten* durchgeführt Keine Sanierung 66 erforderlich Sanierung abgeschlossen 29 Einheiten* 24 erforderlich Sanierungen 544 20 Einheiten* 7 Einheiten* 5 Gärten 18 8 7 Einheiten* 8 4 Gärten 6 5 Einheiten* 236 19 7 Einheiten* 8 3 Gärten 1 1 Einheit* 6 Einheiten* 5 Gärten 1 4 Gärten Abb. 17: Ergebnisse der zwischen September 2014 und Dezember 2015 durchgeführten Radium-Messungen * Wohnungen oder Gewerbeobjekte 28 85 Einheiten* Einheiten* Einheiten* 12 Gärten 8 223 1 Einheit* 1 Garten von 1 mSv/Jahr überschreitet, müssen die betreffenden Räume saniert werden. Bei Gärten ist eine Sanierung erforderlich, wenn der Schwellenwert von 1000 Becquerel/Kilogramm für die Radium-Konzentration im Boden überschritten wird. Aufgrund der bisher durchgeführten diagnostischen Messungen ist bei 24 Gebäuden (20 Wohnungen oder Geschäftsräume und 12 Gärten) eine Sanierung erforderlich. Die Messungen werden in den kommenden Jahren gemäss Aktionsplan Radium weitergeführt. Die Gesamtzahl der Gebäude in der Schweiz, in denen Radium-Leuchtfarbe für Uhrenateliers verwendet wurde, wird auf über 500 geschätzt. Das Historische Institut der Universität Bern wurde damit beauftragt, auf der Basis historischer Nachforschungen ein vollständiges Inventar dieser Gebäude zu erstellen. Radiumsanierungen Seit 2014 wurden 7 Wohnungen und 5 mit Radium kontaminierte Gärten in insgesamt 8 Liegenschaften saniert (siehe Abb. 17). Die sanierten Standorte befinden sich hauptsächlich in der Gemeinde Biel, einige auch in La-Chaux-deFonds und Tavannes. Die Sanierungen sollen die Radium-Kontamination so weit reduzieren, dass die verbleibende Exposition in Innenräumen unter 1mSv pro Jahr liegt, ohne unverhältnismässige Massnahmen und untragbare Kosten zu verursachen. Spezialisierte Unternehmen, die das Radiumrisiko kennen und verpflichtet sind, die Strahlenschutzvorschriften zu befolgen, führen die Sanierungsarbeiten aus. Das BAG, das gemeinsam mit der Suva die Arbeiten begleitet, legt die Vorgaben von Fall zu Fall fest. Die Sanierungsfirmen sind auf die Dekontamination von Gebäudestrukturen spezialisiert und verfügen über den notwendigen Sachverstand sowie über genügend Strahlenschutzfachkräfte. In Innenräumen sind insbesondere Böden mit Radium belastet, z. B. alter Parkett und damit verbundene Fliesen oder Teppiche. In gewissen Fällen sind auch die darunterliegende Unterkonstruktion und die Zwischenbodenschlacke kontaminiert (siehe Abb. 18). Nach Beendigung der Dekontaminationsarbeiten führt das BAG Kontrollmessungen durch. Anschliessend muss die Gebäudestruktur wieder hergestellt werden (Instandstellung), um den Standard vor den Bauarbeiten zu erreichen. Abb. 18 : Alter Holzboden und Zwischenbodenschlacke (schwarz) Abb. 19 : Sanierung eines mit Radium belasteten Gartens Fachgerechte Entsorgung der Sanierungsabfälle Die bei der Sanierung entstehenden Abfälle müssen im Hinblick auf ihre Entsorgung sortiert werden. Nicht-kontaminierte Abfälle können über den normalen Entsorgungsweg beseitigt werden. Mit Radium kontaminierte Abfälle werden an einem sicheren Ort zwischengelagert, bis sie in gesetzeskonformer Weise entsorgt werden können (Deponie oder Verbrennung nach Artikel 82/83 StSV). Zu diesem Zweck wurden in den Gemeinden Biel und La Chaux-deFonds Standorte für die zwischenzeitliche Lagerung eingerichtet. Das BAG hat den beiden Gemeinden die entsprechenden Bewilligungen erteilt und stellt einen Strahlenschutzexperten zur Verfügung. Durch Strahlenschutzmessungen stellt das BAG sicher, dass das Personal, das sich bei den Standorten der befristeten Lagerung aufhält bzw. die Bevölkerung in der Umgebung, keinen Strahlendosen ausgesetzt sind, welche die zulässigen Grenzwerte überschreiten. Die am stärksten kontaminierten Abfälle werden in luftdichte Fässer verpackt und im BAG gelagert; sie sollen bei der nächsten im Frühling 2016 vorgesehenen Sammelaktion ins Bundeszwischenlager (BZL) gebracht werden. 29 Aktionsplan Radon 2012–2020 Der Bundesrat hat 2011 den Aktionsplan Radon 2012–2020 gutgeheissen, mit dem in erster Linie die Strategie zum Schutz gegen Radon den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationalen Richtlinien angepasst werden soll. Im Jahr 2015 lag der Fokus des BAG auf der Revision der Strahlenschutzverordnung (StSV) in diesem Bereich und auf der Berücksichtigung der Radonproblematik in der Grundausbildung der Bauberufe und den Bauvorschriften. Revision der Verordnungen zum Strahlenschutz Im Oktober 2015 hat das Eidgenössische Departement des Innern die Revision StSV für vier Monate in die Vernehmlassung geschickt. Bestimmungen zum Radon sind in der StSV zu finden, aber auch in den Verordnungen des EDI über die Dosimetrie, über die Ausbildungen im Strahlenschutz und über die Gebühren. Der Entwurf sieht die Anpassung des Referenzwerts auf 300 Bq/m3 für die Radonkonzentration in Gebäuden (im Jahresdurchschnitt) vor. Behörden, die Baubewilligungen für Neu- und Umbauten erteilen, müssen die Bauherren konsequent über die Radonproblematik informieren. Bei Neubauten ist eine systematische Radonmessung zu Lasten des Eigentümers vorgesehen. Bei der Umsetzung von Korrekturmassnahmen wird ein abgestufter Ansatz verfolgt, wobei Neubauten, Schulen und Kindergärten prioritär saniert werden. BAG-Tagungen für alle Ausbildungsstufen im Baugewerbe Für die Umsetzung der Massnahme 6 «Ausbildung von Baufachleuten» im Radonaktionsplan 2012–2020 hat das BAG zwei Tagungen für das Baugewerbe organisiert. Am 13. März 2015 fand eine Tagung für die Verantwortlichen der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) statt. Das BAG konnte Vertreter von 18 Verbänden der Bauberufe begrüssen, die insgesamt 68 Berufsabschlüsse der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung vertraten. Am 6. November 2015 folgte die Tagung für Dozierende im Ingenieur- und Architekturwesen. Die Teilnehmenden vertraten zwei Hochschulen sowie zehn Fachhochschulen mit insgesamt 45 Ausbildungslehr- 30 gängen. Die Teilnehmenden dieser zwei Tagungen wurden über den heutigen Wissensstand rund um Radon informiert. Anhand von 27 konkreten Beispielen wurden mögliche Fehler bei Planung und Projektierung, Realisierung und Bewirtschaftung von Gebäuden erläutert. Erfolgreiche Praxisbeispiele zeigten auf, wie sich die Radonproblematik konsequent in die Ausbildung integrieren lässt. Radonmessungen Die Radongruppe METAS (Eidg. Institut für Metrologie) entwickelt Messprotokolle für verschiedene Gebäudetypen. Die Protokolle für Wohnund Aufenthaltsräume sowie für Schulen und Kindergärten konnten abgeschlossen werden. Die wichtigsten Veränderungen zur bisherigen Praxis in solchen Räumen sind der Verzicht auf eine saisonale Korrektur und die zwingende Festschreibung einer dreimonatigen Messdauer während der Heizperiode. Ab Inkrafttreten der revidierten StSV ist vorgesehen, diese Messprotokolle als Bestandteil der Anerkennungsverfügung einzusetzen. Im Rahmen des Projekts zur Erarbeitung eines Messprotokolls für Kurzzeitmessungen wurden die Testmessungen im Tessin abgeschlossen. Eine erste Analyse zeigt, dass die gewählte Strategie erfolgsversprechend ist. Bei richtig gewählter Messanlage ist es möglich, die Radonsituation in einem Gebäude innerhalb weniger Tage einzuschätzen. Eine Kurzzeitmessung kann zwar eine anerkannte Messung zur Bestimmung des Jahresmittelwertes nicht ersetzen, aber sie lässt eine gut begründete Aussage zum vorhandenen Radonpotential zu. Das Projekt soll bis Ende 2016 abgeschlossen werden. Bauliche Massnahmen zum Radonschutz Eine Arbeitsgruppe hat die Empfehlungen des BAG zum Radonschutz in Neubauten überarbeitet. Im Rahmen dieses Projekts sollen die Empfehlungen an die neuen Radonschutzbestimmungen der SIA-Norm 180 angepasst und die Methoden der internationalen Broschüre «Radon: Vorsorgemassnahmen bei Neubauten» Baufachleuten zur Beurteilung vorgelegt werden. Die Arbeitsgruppe besteht aus Vertretern des SIA, einem Bauphysiker, einem Architekten, einer Radonfachperson sowie Vertretern der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg. Die Publikation der revidierten Empfehlungen ist für 2016 vorgesehen. Da die technische Dokumentation vom BAG langsam in die Jahre gekommen ist und aufgrund der Revision der StSV sowieso angepasst werden muss, erarbeitet der Faktor Verlag ein neues Radonhandbuch, das die bisherige technische Dokumentation ersetzt und praktische Sanierungsbeispiele behandelt. Das Handbuch erscheint Anfang 2017. International: Workshop über Radon am Arbeitsplatz Die Implementierung der neuen EURATOMRichtlinie ist für die Radonproblematik am Arbeitsplatz kritisch. Aus diesem Grund organisierte das BAG vom 12. bis 14. Oktober 2015 einen Workshop zu diesem Thema. Er fand in den Räumlichkeiten der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf statt, in Zusammenarbeit mit den französischen und norwegischen Strahlenschutzbehörden (ASN und NRPA) und im Auftrag der europäischen Vereinigung HERCA (Heads of the Radiological Protection Competent Authorities). Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis der Artikel der europäischen Richtlinie zu erarbeiten und Empfehlungen herauszugeben. Es fehlt noch immer ein dosimetrischer Ansatz der ICRP für die Berechnung der Radonexposition von Arbeitnehmenden. Dieses Element ist für die Beurteilung von Dosis und Risiko im Zusammenhang mit Radon am Arbeitsplatz erforderlich. Prädiktive Analyse und Kartographie von Innenraum-Radonkonzentrationen in der Schweiz Das Institut de radiophysique (IRA) in Lausanne hat in Zusammenarbeit mit dem BAG im Rahmen einer Doktorarbeit ein Projekt für die Analyse und die Modellierung von Innenraum-Radon- Abb. 20: OdA Vertreter formulieren Anliegen und Wünsche ans BAG, 13. März 2015 Abb. 21: Beispiel zur Kommunikation der Wahrscheinlichkeit, einen bestimmten IRK-Wert bei gegebenen Gebäudecharakteristiken zu überschreiten konzentrationen (IRK) in der Schweiz durchgeführt. In der ersten Phase wurden IRK mit Bezug auf folgende Variablen analysiert [1]: Detektortyp, Gebäudekategorie, Fundament, Baujahr, mittlere Aussentemperatur während der Messung, Höhe und Lithologie. Alle Variablen zeigten einen signifikanten Zusammenhang mit IRK. Weiterhin wurde eine Methode zur automatischen Gruppierung geologischer Klassen entsprechend ihrer IRK-Charakteristik entwickelt [2]. Der zweite Teil des Projekts handelt von der Modellierung von IRK. Unter anderem wurde eine Methode entwickelt zur Kartographie der Wahrscheinlichkeit, und einem entsprechenden Vertrauensindex, den Referenzwert von 300 Bq/m3 zu überschreiten [3]. Abbildung 21 zeigt ein mögliches Szenario zur Veröffentlichung dieser Ergebnisse. Der User kann hierbei die Charakteristiken und Koordinaten seines Hauses eingeben, um die Wahrscheinlichkeit zu erhalten, über einer bestimmten IRK zu liegen. [1] Kropat G. & al., Major influencing factors of indoor radon concentrations in Switzerland, Journal of Environmental Radioactivity, Vol. 129, 2014, pages 7–22 [2] Kropat G. & al., Improved predictive mapping of indoor radon concentrations using ensemble regression trees based on automatic clustering of geological units. Journal of Environmental Radioactivity. Vol. 147, 2015, pages 51–62 [3] Kropat G. & al., Predictive analysis and mapping of indoor radon concentrations in a complex environment using kernel estimation: An application to Switzerland, The Science of the Total Environment, Vol. 505, 2015, pages 137–148 31 Gesundheitsschutz vor nichtionisierender Strahlung und Schall Laserpointer, kosmetische Laser oder Solarien sind Quellen nichtionisierender Strahlung (NIS), die bei unsachgemässer Verwendung gesundheitsgefährdend sein können. Blendattacken mit Laserpointern stellen z. B. für viele Berufsgruppen ein grosses Risiko dar. Messungen im Helikopter-Cockpit haben gezeigt, dass selbst die Strahlung von schwachen Laserpointern zu Expositionen führt, die auf Grund des heutigen Wissensstandes Blendungen verursachen könnten. Die Verwendung solcher Geräte ist in der Schweiz bis anhin nicht geregelt, hier soll das neue Bundesgesetz Abhilfe schaffen. Neues Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (NISSG) Der Schutz der Gesundheit vor nichtionisierender Strahlung (NIS) ist in der Schweiz nicht umfassend geregelt. Anders als in der Schweizer Strahlenschutzgesetzgebung, die umfassende Vorschriften für den Umgang mit ionisierender Strahlung vorsieht, sind nichtionisierende Strahlung und Schall in einer Vielzahl von Bundeserlassen geregelt. Sie betreffen mehrheitlich die Produktesicherheit, die Umwelt und die Arbeitssicherheit. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass zu diesen bestehenden Gesetzen ergänzende Regelungen benötigt werden, um die vorhandenen Gesundheitsgefährdungen, die vor allem während der Verwendung von NIS-Produkten auftreten, minimieren zu können. Ein neues Gesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall soll deshalb die bestehenden Regelungen ergänzen. Es tangiert weder die bestehenden Gesetze noch das Inverkehrbringen von Produkten, das gemäss den geltenden, an die EU angepassten Regelungen weiterhin gleich bleiben soll. Eine strenge Eingriffsverwaltung sieht das neue Gesetz nur in Ausnahmefällen für Produkte vor, welche die Gesundheit von Personen erheblich gefährden. Zudem soll das neue Gesetz die Grundlage schaffen, um zukünftige Technologien zu beobachten und allenfalls geeignete Massnahmen treffen zu können. 32 Das NISSG sieht folgende Massnahmen vor: • Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und Herstellervorgaben: Bei potenziell gefährlichen kosmetischen Anwendungen oder bei Solarien sollen stichprobenweise entsprechende Kontrollen möglich sein • Sachkunde: Falls Produkte ein hohes Gefährdungspotenzial aufweisen, kann der Bundesrat für deren gewerbliche oder berufliche Verwendung einen Sachkundenachweis fordern • Verbote: Falls die Gesundheit von Menschen durch keine anderen Massnahmen hinreichend geschützt werden kann, kann der Bundesrat für Produkte mit sehr hohem Gefährdungspotenzial umfassende Verbote hinsichtlich deren Einfuhr, Durchfuhr, Abgabe und Besitz verhängen. Momentan sind von einem möglichen Verbot nur starke Laserpointer betroffen • Massnahmen bei gesundheitsgefährdenden Expositionen: In Situationen, in denen gesundheitsgefährdende Expositionen auftreten (beispielsweise bei Veranstaltungen mit Lasern oder lauten Schallquellen), kann der Bundesrat Massnahmen festlegen, welche die Gesamtbelastung beschränken oder die Gesundheit der Menschen auf andere Weise schützen • Information: Der Bund kann im Rahmen des Geltungsbereichs des neuen Gesetzes adäquat und zielgerichtet über NIS informieren und sich die dazu notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen beschaffen. Bestrahlung von Helikopterpiloten durch Laserpointer Blendattacken mit Laserpointern stellen für viele Berufsgruppen ein grosses Risiko dar. Stark betroffen sind Helikopterbesatzungen, die in vollverglasten Cockpits arbeiten müssen. Eine der Aufgaben des neuen Gesetzes über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall ist es deshalb, solche Blendungen zu verhindern. Das METAS hat im Auftrag des BAG zu diesem Zweck die Bestrahlungsstärken im Cockpit eines Eurocopters EC 635 der Schweizer Armee gemessen, das durch Laserpointer in diversen Farben und aus praxisnahen Distanzen bestrahlt wurde. Zweck dieses Versuches war es, diese Bestrahlungsstärken mit den Daten bestehender amerikanischer Studien zu koppeln, welche die durch Laserstrahlen hervorgerufenen Blenderscheinungen bei Probanden in Anhängigkeit der Bestrahlungsstärke untersucht haben. Die Messungen haben gezeigt, dass die Strahlung der heute in der Schweiz zugelassenen Laserpointer der Klasse 3R im Cockpit Expositionen verursacht, die in Distanzen unter 100 Meter zu relevanten Sehbeeinträchtigungen bzw. in Distanzen unter 500 Meter zu relevanten Blendungen führen könnten. Aus Abb. 22 ist ersichtlich, dass die Streuung des Laserstrahles an der Scheibe des Cockpits einen grossen Einfluss auf die Strahlverteilung im Cockpit und die Bestrahlungsstärken im Auge von Pilotinnen und Piloten hat. Abb. 22: Expositionen im Cockpit eines Helikopters (grüner Laser) Neue Informationen zu LED-Lampen und LED-Leuchtmitteln LED- Lampen bzw. LED-Leuchtmittel eignen sich für energieeffiziente Innen- und Aussenbeleuchtungen. Sie stellen eine Alternative zu Energiespar- und Halogenlampen dar. LED-Lampen können aus technischen Gründen kein weisses Licht erzeugen, sondern strahlen gelbliche und blaue Lichtanteile ab, die zusammen gemischt-weisses Licht ergeben. Da blaues Licht ab einer bestimmten Stärke und Bestrahlungszeit ein Risiko für die Netzhaut des Auges darstellt, müssen Lampen den Grenzwert für die Blaulichtgefährdung einhalten. Dieser Grenzwert wird je nach Stärke des blauen Lichtanteils nach kürzerer oder längerer Bestrahlungszeit erreicht, bei langen Bestrahlungszeiten von über 10'000 Sekunden beträgt die zulässige Strahldichte 100 m-2 sr-1. Grundsätzlich stellen handelsübliche LED-Lampen bei sachkundiger Verwendung kein gesundheitliches Risiko dar. Dies gilt auch für empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder Personen, die sehr klare, keine oder künstliche Augenlinsen haben. Das BAG hat ein neues Faktenblatt mit Informationen veröffentlicht, die der Bevölkerung helfen können, LED-Lampen sachkundig einzusetzen. 33 Strahlenbelastung der Bevölkerung 2015 Der grösste Anteil an der Strahlenbelastung der Bevölkerung stammt vom Radon in Wohn- und Arbeitsräumen sowie von medizinischen Untersuchungen. Die Bevölkerung ist von diesen Strahlungsquellen unterschiedlich stark betroffen. Bei Personen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit mit Strahlen umgehen, gab es keine Überschreitung der Grenzwerte. Strahlendosen der Bevölkerung Die drei wichtigsten Ursachen für die Strahlenbelastung der Bevölkerung sind das Radon in Wohnungen, die medizinische Diagnostik sowie die natürliche Strahlung (Abb. 23). Für alle künstlichen Strahlenexpositionen (ohne Medizin) gilt für die allgemeine Bevölkerung ein Dosisgrenzwert von 1 mSv pro Jahr. Die berufliche Strahlenbelastung, insbesondere für Junge und Schwangere, ist durch besondere Bestimmungen geregelt. Strahlenbelastung durch Radon Radon-222 und seine Folgeprodukte in Wohnund Arbeitsräumen liefern den grössten Dosisbeitrag für die Bevölkerung. Diese Nuklide gelangen über die Atemluft in den Körper. Die internationale Strahlenschutzkommission ICRP schätzt das Lungenkrebsrisiko aufgrund von Radon etwa doppelt so hoch ein wie in den Jahren zuvor (ICRP 115, 2010). Folglich muss die durchschnittliche «Radondosis» für die Schweizer Bevölkerung auch nach oben korrigiert werden. Sie beträgt mit den neuen Risikofaktoren etwa 3.2 mSv pro Jahr statt den 1.6 mSv, die mit den alten Dosisfaktoren aus der Publikation ICRP 65 geschätzt wurden. Die Radonbelastung der Bevölkerung ist nicht einheitlich. Der angegebene Mittelwert leitet sich aus der durchschnittlichen Radonkonzentration von 75 Bq/m3 ab. mSv / Jahr 3,5 3 2,5 ICRP 115 2 1 0,5 ICRP 65 1,5 c 2008 2013 i t 0 Radon medizinische Diagnostik natürliche Radioaktivität übrige Abb. 23: Durchschnittliche Strahlendosen der Schweizer Bevölkerung in [mSv pro Jahr pro Person]. Die Belastung durch Radon muss nach der neuen Beurteilung durch die ICRP (ICRP 115, 2010) deutlich höher eingeschätzt werden als zuvor (ICRP 65). Der Wert für die medizinische Diagnostik beruht auf der Erhebung von 2008 bzw. auf der Zwischenerhebung von 2013. Die natürliche Exposition setzt sich aus terrestrischer Strahlung (t), Inkorporation (i) und kosmischer Strahlung (c) zusammen. Zu «übrige» gehören Kernkraftwerke und Forschungsanstalten sowie künstliche Radioisotope in der Umwelt. 34 Bestrahlung durch medizinische Diagnostik Die Dosis aufgrund medizinischer Anwendungen (Röntgendiagnostik) beträgt auf die gesamte Bevölkerung umgerechnet 1.2 mSv/Jahr pro Person (Auswertung der Erhebung 2008) bzw. 1.4 mSv/Jahr pro Person (Auswertung der Zwischenerhebung 2013). Mehr als zwei Drittel der jährlichen kollektiven Strahlendosis in der Röntgendiagnostik verursachen computertomografische Untersuchungen. Wie beim Radon ist die Belastung durch die medizinische Diagnostik ungleichmässig verteilt. Rund zwei Drittel der Bevölkerung erhalten praktisch keine Dosis durch Diagnostik, bei einigen wenigen Prozenten der Bevölkerung sind es mehr als 10 mSv . Übrige (künstliche) Strahlenquellen Zu den bisher erwähnten Strahlendosen kommt ein geringer Beitrag von ≤ 0.1 mSv pro Jahr aus den Strahlenexpositionen durch Kernkraftwerke, Industrie, Forschung, Medizin, Konsumgüter und Gegenstände des täglichen Lebens sowie künstliche Radioisotope in der Umwelt. Der radioaktive Ausfall durch den Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 und den oberirdischen Kernwaffenversuchen (1960er-Jahre) machen heute nur noch wenige Hundertstel mSv pro Jahr aus. Die Dosis durch die Ausbreitung von radioaktiven Stoffen nach dem Reaktorunfall in Fukushima ist in der Schweiz vernachlässigbar. Terrestrische und kosmische Strahlung Die Dosis aufgrund der terrestrischen Strahlung (d. h. Strahlung aus Boden und Fels) macht im Mittel 0.35 mSv pro Jahr aus und hängt davon ab, wie der Untergrund zusammengesetzt ist. Die Dosis durch kosmische Strahlung beträgt im Mittel etwa 0.4 mSv pro Jahr. Die kosmische Strahlung nimmt mit der Höhe über Meer zu, da dadurch die abschwächende Lufthülle der Erde dünner wird. In 10 km Höhe ist die kosmische Strahlung deshalb rund 100-mal stärker als auf 500 m über Meer. Aus diesem Grund ergibt ein Überseeflug (retour) eine Exposition von typischerweise rund 0.06 mSv. Das Flugpersonal kann eine Dosis von bis zu einigen mSv pro Jahr erhalten. Die Emissionen radioaktiver Stoffe über Abluft und Abwasser aus den Schweizer Kernkraftwerken, dem PSI und dem CERN ergeben bei Personen, die in unmittelbarer Nähe wohnen, Dosen von höchstens einem Hundertstel mSv pro Jahr. Radionuklide in der Nahrung Radionuklide gelangen auch über die Nahrung in den menschlichen Körper und führen zu Dosen von rund 0.35 mSv. Das Kalium-40 im Muskelgewebe liefert mit rund 0.2 mSv den grössten Beitrag. Weitere Radionuklide in der Nahrung stammen aus den natürlichen Zerfallsreihen von Uran und Thorium. Auch künstliche Radionuklide kommen in der Nahrung vor; hauptsächlich die Nuklide Cäsium-137 und Strontium-90 von den Kernwaffenversuchen der 1960er-Jahre und vom Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986. Die regelmässigen Ganzkörpermessungen an Schulklassen ergeben heute Dosen durch aufgenommenes Cäsium-137 von weniger als einem Tausendstel mSv pro Jahr. Berufliche Strahlenexposition Im Berichtsjahr waren in der Schweiz ca. 94’000 Personen beruflich strahlenexponiert. Diese Zahl steigt kontinuierlich (+30% seit 2004), ca. 75% dieser Personen arbeiten im medizinischen Bereich. Im Rahmen seiner Aufsichtstätigkeit untersucht das BAG in den Bereichen Medizin und Forschung alle Ganzkörperdosen über 2 mSv im Monat sowie alle Extremitätendosen über 10 mSv. Die meisten erhöhten Dosen gab es in den dosisintensiven Bereichen Nuklearmedizin und interventionelle Radiologie. Eine ausführliche Statistik ist dem Jahresbericht «Dosimetrie der beruflich strahlenexponierten Personen in der Schweiz» zu entnehmen, der im Sommer 2016 auf der BAG-Website publiziert wird. 35 Internationale Zusammenarbeit Der Strahlenschutz in der Schweiz muss internationalen Standards entsprechen, die enge Zusammenarbeit mit internationalen Gremien ist deshalb äusserst wichtig. Unsere wichtigsten Partner und Mitgliedschaften: Die Abteilung Strahlenschutz als Collaboration Center der Weltgesundheitsorganisation WHO Die WHO hat 2014 die Ernennung der Abteilung Strahlenschutz als Kooperationszentrum für Strahlenschutz und die öffentliche Gesundheit bestätigt. Das Mandat 2014–2017 umfasst folgende Aufgaben: • Vorbereitung und Durchführung von Gesundheitsmassnahmen in Notfallsituationen mit Strahlenbelastung • Entwicklung von Strategien zur Unterstützung des Aktionsplans Radon • Evaluation der Risiken von nichtionisierender Strahlung und Prüfung der entsprechenden Schutzmassnahmen • Engagement für den Strahlenschutz im medizinischen Bereich. Mit all diesen Arbeiten trägt das BAG auch zur Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften bei, die die Schweiz 2005 unterzeichnet hat. Das BAG vertritt die Schweiz zudem seit längerer Zeit in folgenden WHO-Projekten: WHO-Globale Initiative: Sie bezweckt, den Strahlenschutz in der Medizin zu verbessern. www.who.int/ionizing_radiation/about/med_exposure/en/index1.html WHO-Radon-Project: Das Projekt soll den Radon bedingten Lungenkrebs reduzieren. www.who.int/ionizing_radiation/env/radon/en/ WHO-Intersun: Ziel des Projektes ist es, die Gesundheitsschäden durch UV-Strahlung zu reduzieren. www.who.int/peh-uv WHO-EMF-Project: Das Projekt beurteilt Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder. www.who.int/peh-emf/en 36 Expertengruppe «Artikel 31 Euratom-Vertrag» Seit November 2014 nimmt das BAG als Beobachter an den Treffen und Diskussionen der Expertengruppe gemäss Artikel 31 des EuratomVertrags teil. Diese Gruppe hat den Auftrag, die von der Europäischen Kommission ausgearbeiteten Grundnormen im Zusammenhang mit dem Gesundheitsschutz vor den Risiken ionisierender Strahlung zu prüfen. Internationale Strahlenschutzkommission ICRP Ihre Empfehlungen zum Strahlenschutz sind in den meisten Staaten und auch in der Schweiz in nationales Recht umgesetzt. Prof. F. Bochud (Vorsitzender der KSR) vertritt die Schweiz im Komitee 4, das eine beratende Funktion für die Anwendung der ICRP-Empfehlungen hat. Die Vereinigung europäischer Strahlenschutzbehörden HERCA (Heads of the European Radiological Protection Competent Authorities) In HERCA sind fast alle europäischen Staaten mit dem Ziel vertreten, den Strahlenschutz in Europa zu harmonisieren, z. B. mit gemeinsam entwickelten Stellungnahmen zu relevanten Strahlenschutzthemen. HERCA ist die wichtigste Plattform für europäische Strahlenschutzbehörden, um Erfahrungen auszutauschen und die Strahlenschutzpraxis in den Mitgliedsländern zu verbessern. Bezüglich Radonproblematik hat das BAG u. a. in der HERCA-Arbeitsgruppe mitgewirkt, deren erster Workshop 2014 in Paris stattfand. Das BAG hat in Zusammenarbeit mit der französischen Atomsicherheitsbehörde ASN und den norwegischen Behörde NRPA den zweiten Workshop im Herbst 2015 in Genf organisiert. Im September 2016 organisiert das BAG einen Workshop für die Arbeitsgruppen Medical und Veterinary Applications. Europäisches ALARA Network Ziel dieses Netzwerkes ist es, die Strahlendosen der Bevölkerung durch optimierte Schutzstrategien «As Low As Reasonably Achievable» zu halten. www.eu-alara.net. Im Berichtsjahr bereitete die Abteilung Strahlenschutz den 16. European ALARA Network Workshop vor, zum Thema «ALARA in industrial radiography – How can it be improved», der vom 14.–16. März 2016 in Bern stattfindet. Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich Das BAG ist in der Deutsch-Schweizerischen Kommission für die Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen bzw. der Commission mixte franco-suisse de sûreté nucléaire et de radioprotection vertreten, um regelmässig Erfahrungen über Betrieb, Sicherheit, Überwachung und Umweltauswirkungen von Kernanlagen sowie über weitere Aspekte des Strahlenschutzes auszutauschen. Zusammen mit der französischen Aufsichtsbehörde ASN (Autorité de Sûreté Nucléaire) koordiniert das BAG die Überwachung der Radioaktivität in der Umgebung des CERN. Das BAG arbeitet ebenfalls im Komitee «Suivi des leucémies» der ASN mit. Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) Unter der Schirmherrschaft der IAEO organisierte das BAG 2015 gemeinsam mit dem Labor Spiez, das zum IAEONetzwerk ALMERA (Analytical Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity) gehört, einen Workshop zur In-situ-Gammaspektrometrie. Ausserdem beteiligte sich das BAG, als Unterstützung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI), an der von der IAEO organisierten 5. Überprüfungskonferenz zur Implementierung des internationalen Übereinkommens über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle. Das BAG leistete unter der Führung der IAEO auch einen Beitrag zur Ausarbeitung eines Leitfadens zum Umgang mit ausgedienten Strahlenquellen, mit dem die Bestimmungen des Verhaltenskodex für die Sicherheit und Sicherung radioaktiver Strahlenquellen präzisiert werden. Bei diesem Verhaltenskodex handelt es sich um internationale Richtlinien, die von zahlreichen Ländern anerkannt und unterstützt werden und mit denen die Sicherheit und Sicherung der Verwendung radioaktiver Strahlenquellen gefördert werden soll. Weiter arbeitete das BAG auch an der IAEO-Publikation «Protection of the Public against Exposure Indoors due to Radon and other Natural Sources of Radiation» mit, die 2015 erschienen ist. Schliesslich war es in einer Expertengruppe vertreten, die von der IAEO mit der IRRS-Mission «Integrated regulatory review service IRRS mission» beauftragt wurde. NERIS: The European Platform on Preparedness for Nuclear and Radiological Emergency Response and Recovery Das BAG engagierte sich stark an den Arbeiten der Plattform NERIS (www.eu-neris.net), insbesondere im Rahmen des Projekts PREPARE. Dieses Engagement mündete in die Einrichtung eines französisch-schweizerischen Panels zur Problematik des langfristigen Umgangs mit kontaminierten Lebensmitteln nach einem nuklearen Unfall. Kernenergieagentur NEA der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD Sie unterstützt ihre Mitgliedstaaten in technischen und rechtlichen Fragen bei der Entwicklung und friedlichen Nutzung der Kernenergie. Das BAG wirkt im Komitee für Strahlenschutz und öffentliche Gesundheit mit. Publikationen, weiterführende Informationen Rechtsgrundlagen Die schweizerische Strahlenschutzgesetzgebung bezweckt, Mensch und Umwelt vor gefährlichen ionisierenden Strahlen zu schützen. Sie umfasst alle Tätigkeiten, Einrichtungen, Ereignisse und Zustände, die eine Gefährdung durch ionisierende Strahlen mit sich bringen. Sie regelt den Umgang mit radioaktiven Stoffen und mit Anlagen, Apparaten und Gegenständen, die radioaktive Stoffe enthalten oder ionisierende Strahlen aussenden können. Die Gesetzgebung behandelt im Weiteren Ereignisse, die eine erhöhte Radioaktivität der Umwelt bewirken können. Dieser Jahresbericht erfüllt die von der Schweizer Strahlenschutzgesetzgebung geforderte Informationspflicht zur Personendosimetrie (Art. 55 StSV), Umweltradioaktivität (Art. 106 StSV) und Radonproblematik (Art. 118 StSV). Informationsmaterial Ausführliche Informationen über die Abteilung Strahlenschutz erhalten Sie auf der Webseite www.bag.admin.ch/themen/strahlung/index.html. Ionisierende Strahlung: BAG-Weisungen, BAG-Merkblätter, Formulare und Broschüren zu Röntgenanlagen, radioaktiven Stoffen, radioaktiven Abfällen, beruflich strahlenexponierten Personen, Radon. Nichtionisierende Strahlung und Schall: Broschüren und Faktenblätter zu Sonnenschutz, Solarien, Laser, elektromagnetischen Feldern und Schall im Freizeitbereich. Weiterbildung und Schule: Multimedia-DVDs zum Strahlenschutz in der Nuklearmedizin, in der zahnärztlichen Praxis, bei interventionellen Untersuchungen und beim Röntgen im Operationssaal, Schulmaterial zum Sonnenschutz und Schutz des Gehörs vor zu lautem Schall. Verbraucherschutz Newsletter Bestellen Sie unseren kostenlosen Verbraucherschutz-Newsletter, um das Neuste aus den Abteilungen Chemikalien und Strahlenschutz zu erfahren www.bag.admin.ch/themen/strahlung/03828/index.html?lang=de 37 Strahlenschutz – Aufgaben und Organisation Strahlung ist allgegenwärtig. Ihrem Nutzen in Medizin, Industrie und Forschung stehen Risiken für Mensch und Umwelt gegenüber. Zu hohe Strahlung, radioaktive Abfälle oder Radon bergen Risiken – sei es am Arbeitsplatz, in der Umwelt oder im Privatleben. Der Schutz vor diesen Risiken ist die zentrale Aufgabe der Abteilung Strahlenschutz. Über 40 Mitarbeitende, Physikerinnen, Geologen oder Ingenieurinnen und viele weitere Berufsgruppen, setzen sich in der Abteilung Strahlenschutz dafür ein, dass Strahlenexpositionen der Schweizer Bevölkerung, sofern gerechtfertigt, so niedrig wie möglich sind. Erste Priorität haben Massnahmen, die schwere Störfälle verhindern und hohe Dosen von Bevölkerung, Patientinnen und Patienten sowie beruflich strahlenbelasteten Personen vermeiden. Um diese Ziele umfassend und nachhaltig zu erreichen, verfügen wir über vielfältige Mittel. Bei der ionisierenden Strahlung sind die Strahlenschutzgesetzgebung und die damit verbundenen Vollzugsaufgaben unsere Basis. Die gesetzlichen Bestimmungen sollen Mensch und Umwelt in allen Situationen schützen, bei denen ionisierende Strahlen oder erhöhte Radioaktivität eine Gefahr darstellen. Die Überwachung der ca. 22'000 Bewilligungen für die Verwendung ionisierender Strahlung in Medizin, Industrie und Forschung ist eine zentrale Aufgabe unserer Abteilung. Bei der nichtionisierenden Strahlung und beim Schall legen wir das Schwergewicht unserer Tätigkeiten auf die Information der Bevölkerung via unsere Website und in der direkten Beratung. Eine gesetzliche Grundlage für diesen Bereich ist in Vorbereitung. Strahlenschutz funktioniert nicht ohne Zusammenarbeit mit anderen Stellen. Die Strahlenschutzgesetzgebung vollziehen wir zusammen mit verschiedenen Partnern in der Schweiz und international. Im nichtionisierenden Bereich nehmen wir an nationalen und internationalen Forschungs- und Präventionsprogrammen teil. All diese Partnerschaften ermöglichen es uns, gesundheitliche Risiken von Strahlung laufend neu zu beurteilen. 38 Unser Aufgabenportfolio umfasst (vgl. auch Organigramm, nächste Seite): • Bewilligungserteilung und Aufsicht in Strahlentherapie, Nuklearmedizin und radiologischer medizinischer Diagnostik. Im Fokus steht der Schutz von Patienten und Patientinnen sowie des medizinischen Personals • Bewilligungserteilung und Aufsicht in komplexen Forschungsanlagen wie CERN und PSI • Erarbeitung und Anpassung gesetzlicher Grundlagen gemäss neustem Stand von Wissenschaft und Technik, aktuell sind die Revision der Strahlenschutzverordnung sowie die Gesetzgebung im NIS- und Schallbereich • Überwachung beruflich strahlenexponierter Personen (ca. 94'000 Personen) • Bewilligung klinischer Studien mit radioaktiv markierten Pharmazeutika • Zulassung und Typenprüfungen radioaktiver Strahlenquellen • Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt • Betrieb eines akkreditierten Radioaktivitätslabors und Betrieb von Messnetzen • Evaluation der Dosen ionisierender Strahlung der Schweizer Bevölkerung • Realisierung des nationalen Radonprogramms sowie neu des Radium-Aktionsplans • Anerkennung von Strahlenschutz-Ausbildungen, Dosimetriestellen und Radonmessstellen • Information sowie Präventions- und Vorsorgeempfehlungen zu nichtionisierender Strahlung, um gesundheitsbeeinträchtigende optische, elektromagnetische oder akustische Belastungen von Personen zu verhindern • Bereithaltung eines Krisenmanagements, um bei radiologischen Ereignissen und Katastrophen unverzüglich eingreifen zu können • Unterstützung von Betrieben und Betroffenen bei Stör- und Zwischenfällen • Entsorgung radioaktiver Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung • Kommunikation und Information via Internet, Medien, Berichte und Broschüren. Krankenund Unfallversicherung Gesundheitspolitik Öffentliche Gesundheit Verbraucherschutz Chemikalien Strahlenschutz – Notfall / Krisenmanagement – Politische Geschäfte – Medien / Öffentlichkeitsarbeit Sébastien Baechler Sybille Estier (Stv) Koordinationsstelle Bewilligungen – Bearbeitung von Gesuchen und Bewilligungen – Drehscheibenfunktion gesamte Abteilung Patricia Grimm Maja Andjelkovic (Stv) Marianne Grossenbacher Agnes Oberli (extern) Shannen Simmler Samuel von Gunten (extern) Strahlentherapie und med. Diagnostik Forschungsanlagen und Nuklearmedizin Bewilligungen / Aufsicht: – Durchführung von Audits und Inspektionen – Optimierung der Strahlenbelastung von Patienten und Personal – Evaluation der medizinischen Strahlendosen der Bevölkerung – Festlegen der Diagnostischen Referenzwerte (DRW) für die Schweiz – Überwachung der radiologischen Anwendungen in der Strahlentherapie und med. Diagnostik – Überwachung der Installationsfirmen von radiologischen Apparaten – Beratung in Strahlenschutzfragen – Überwachung ionisierender Strahlung in Nuklearmedizin und Forschungsanlagen – Ausbildung im Strahlenschutz – Radioaktive Abfälle – Radiopharmazeutika / Klinische Studien Philipp Trueb Reto Treier (Stv) Jeanne Berg Michael Gasser (extern) Heinz Jung (extern) Marc Marconato Barbara Ott Thomas Theiler David Wittwer Nicolas Stritt Reto Linder (Stv) Fabien Devynck Thomas Flury Rolf Hesselmann Lorenzo Mercolli Gloria Perewusnyk Raphaël Stroude Christina Urscheler Nichtionisierende Strahlung und Dosimetrie Umweltradioaktivität Radiologische Risiken NIS: – Information, Forschung und Beurteilung zu nichtionisierender Strahlung und Schall – Schutz des Publikums vor Laserstrahlung und hohen Schallpegeln bei Veranstaltungen DOS: – Dosisüberwachung beruflich strahlenexponierter Personen – Führung des zentralen Dosisregisters – Aufsicht über Personendosimetriestellen – Erarbeitung Grundlagen der Dosimetrie – Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (Koordination nationales Überwachungsprogramm, Betrieb akkreditiertes Radioaktivitätslabor und Messnetze) – Evaluation der Strahlendosen der Schweizer Bevölkerung – Umsetzung nationales Radonprogramm und RadiumAktionsplan – Vorbereitung auf radiologische Ereignisse – Beurteilung internationale Entwicklung im Strahlenschutz – Verwaltungsstrafrecht Sybille Estier Philipp Steinmann (Stv) Pierre Beuret Giovanni Ferreri André Gurtner Thomas Marti Matthias Müller Christophe Murith Emanuel Christen (Stv) Fabio Barazza Walther Gfeller Martha Palacios Daniel Storch Beat Gerber (Stv) Raphael Elmiger Daniel Frei Martin Meier Salome Ryf Evelyn Stempfel Personen in grauer Farbe sind im Laufe 2015 ausgetreten 39 40 Radioprotection et surveillance de la radioactivité en Suisse Résultats 2015 Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz Ergebnisse 2015 41 42 L'exposition des patients aux rayonnements ionisants continue d’augmenter en Suisse, tel est le résultat de l’enquête publiée en 2015. La dose effective moyenne par habitant due aux examens radiologiques est passée de 1.2 mSv à 1.4 mSv par an entre 2008 et 2013, principalement en raison de l’utilisation des scanners à rayons X. Bien que cette augmentation concoure à améliorer la qualité des diagnostics et des soins, elle doit être maîtrisée. L’OFSP entend ainsi mieux protéger les patients contre les expositions inutiles en introduisant des audits cliniques avec pour but de réduire le nombre d’examens radiologiques injustifiés. Ce projet est mené en collaboration avec différentes sociétés professionnelles médicales. Photo: Brigitte Batt & Klemens Huber Chères lectrices, chers lecteurs Jusqu’en 2015, il n’existait aucun dispositif automatique de mesure de la radioactivité dans les eaux de rivière en Suisse. Désormais, le réseau « URAnet aqua », exploité par l’OFSP, mesure en continu le niveau de radioactivité de l’Aar et du Rhin et permet de détecter toute augmentation anormale de la radioactivité dans l’eau, notamment en aval des centrales nucléaires suisses. Les résultats de ces mesures, de même que tous les résultats des mesures de la radioactivité dans l’environnement, peuvent être consultés sur la nouvelle plateforme www.radenviro.ch. L’exécution du plan d’action radium 2015–2019 approuvé en mai 2015 par le Conseil fédéral s’avère une tâche d’envergure sur la base des travaux effectués à ce jour. Quelques 90 bâtiments regroupant plus de 560 appartements ont déjà fait l'objet d'un diagnostic jusqu’à fin 2015. De nombreuses autres activités ont occupé notre division en 2015. Dans ce rapport, nous vous présentons les événements marquants de l'année. Dans l’interview, nous avons donné la parole à Messieurs Philipp Trueb et Nicolas Stritt, tous deux responsables de section, qui nous décrivent les principaux enjeux de la surveillance dans les domaines de la médecine et de la recherche. En octobre 2015, les textes révisés des ordonnances sur la radioprotection ont été soumis pour prise de position à l’ensemble des milieux concernés. Il s’agit d’une étape importante pour tous les acteurs de la radioprotection en Suisse, car une fois approuvée par le Conseil fédéral, la nouvelle ordonnance sur la radioprotection fixera le cadre réglementaire pour les 20 prochaines années. Cette révision doit permettre de maintenir un niveau élevé de radioprotection en Suisse qui soit reconnue sur le plan international. Fin 2015, le Conseil fédéral a approuvé le projet de loi sur la protection contre les dangers liés au rayonnement non ionisant et au son et l’a transmis au Parlement. Cette loi permettra notamment d’interdire les pointeurs laser de forte puissance et de renforcer la sécurité dans les solariums. Reste à voir si la volonté politique ira dans ce sens. Sébastien Baechler 43 Contenu 43 45 49 58 59 62 64 66 68 70 72 74 76 77 78 79 80 44 Editorial Interview : Les grands défis de la surveillance Radioprotection dans la médecine et dans la recherche Intervention en cas d’urgence radiologique Evénements radiologiques Reportage : Exploiter correctement les solariums pour faire la peau aux mélanomes Surveillance de l'environnement Rapport : Système d’alerte réactif en cas de contamination de l’eau potable Plan d’action radium 2015–2019 Plan d’action radon 2012–2020 Protection sanitaire contre le rayonnement non ionisant et le son Exposition de la population aux rayonnements ionisants en 2015 Collaboration internationale Publications, informations complémentaires Radioprotection : tâches et organisation Organigramme Impressum Les grands défis de la surveillance Tous les produits, applications et installations impliquant l’utilisation de rayonnement ionisant, que ce soit en médecine ou dans la recherche, sont placés sous la surveillance de l’Office fédéral de la santé publique (OFSP). Deux sections de la division Radioprotection se partagent cette surveillance qui fait face aujourd’hui à de grands défis du fait de l’évolution rapide des technologies médicales et de l’augmentation du volume des prestations en médecine. Dans cette interview, les deux chefs de section, Nicolas Stritt et Philipp Trueb, nous expliquent comment l’OFSP gère cette situation. Quelles sont les tâches principales de vos sections ? Nicolas Stritt (NS) : La section « Installations de recherche et médecine nucléaire » surveille la radioprotection dans les installations d’envergure du CERN et de l’Institut Paul Scherrer (PSI), dans les départements de médecine nucléaire des hôpitaux ainsi que dans les écoles et les universités. L’accent est mis sur l’utilisation de grands accélérateurs, de sources de rayonnements non scellées, de substances radioactives qui peuvent se répandre et provoquer des contaminations, ainsi que sur les déchets radioactifs. Philipp Trueb (PhT) : La section « Radiothérapie et diagnostic médical » est spécialisée dans les technologies médicales n’utilisant pas de matériaux radioactifs, mais générant elles-mêmes des rayonnements ionisants, comme les installations radiologiques, par exemple. NS : Il existe des systèmes hybrides comme les PET/CT et les SPECT/CT dans lesquels des substances radioactives sont injectées aux patients et des installations radiologiques sont utilisées simultanément. Dans de tels cas, nos deux sections fixent les priorités et nous effectuons les inspections conjointement. Le nombre de vos tâches n’a cessé de croître ces dernières années. Vos collaborateurs peuvent-ils encore visiter les entreprises sur l’ensemble du territoire ou doivent-ils admettre l’idée qu’il subsiste des lacunes ? PhT : Il est faux de penser que la surveillance ne s’opère que par le biais des inspections. Nous procédons également par voie administrative. Nous vérifions par exemple que les entreprises prennent les mesures prescrites pour garantir la qualité. A cet effet, il n’est pas nécessaire d’effectuer une visite sur place. NS : Par la surveillance administrative, nous pouvons atteindre toutes les entreprises. Les déclarations annuelles des entreprises nous permettent par exemple de connaître les quantités de radioactivité utilisées. Il est clair que nous devons fixer des priorités et que nous ne pouvons pas nous rendre chaque année dans toutes les entreprises. PhT : Nos deux sections suivent en cela une approche graduée, c’est-à-dire que nous sommes physiquement présents surtout là où les risques sont élevés. En cas de risques mineurs, au contraire, la surveillance est simplifiée, mais on ne peut pas dire qu’il existe des domaines non surveillés. Quelles sont vos priorités actuelles ? NS : Nous mettons clairement l’accent sur les risques élevés. Cette année, nous nous sommes concentrés sur les entreprises fabriquant des produits radiopharmaceutiques à l’aide de cyclotrons. Nous avons aussi examiné les contrôles de qualité des produits radiopharmaceutiques pour la médecine nucléaire, domaine qui connaît un développement très rapide. PhT : Durant cette année et l’année précédente, nous avons audité toutes les installations de mammographie de Suisse. Avec ces priorités, nous essayons d’obtenir un aperçu d’un domai- 45 ne donné, afin d’en tirer des conclusions que nous communiquons ensuite à toutes les entreprises. Comment les autres pays font-ils face à ces défis ? Existe-t-il des spécificités helvétiques ? PhT : De nombreux aspects de la radioprotection sont semblables à l’étranger et en Suisse, mais ils ne sont pas réglementés de la même manière. Dans certains pays, la surveillance est plus réduite qu’en Suisse, alors que dans d’autres, elle est bien plus importante. Le système d’autorisations s’appliquant aux entreprises dites « à rayons X » est certainement spécifique à la Suisse ; celles-ci sont en effet soumises à autorisation pour le commerce, l’installation et la maintenance d’installations radiologiques, alors que cela n’est pas le cas à l’étranger. Ce surcroît de travail nous est toutefois bénéfique, car les entreprises concernées couvrent une part importante de la radioprotec- Le quotidien des inspecteurs de la radioprotection a-t-il changé ces dernières années ? NS : Auparavant, nous effectuions beaucoup plus d’inspections techniques des appareils. Aujourd’hui, de telles pratiques ne sont plus au centre de nos préoccupations. Nous nous intéressons surtout aux processus liés aux appareils et aux installations, notamment la manière dont le personnel les utilise, ainsi que les réglages effectués pour les examens. PhT : La technologie moderne a induit de nombreux changements ; ainsi les installations récentes disposent d’une surveillance interne à l’appareil. A l’heure actuelle, nous vérifions si les processus internes aux entreprises sont bien organisés et comment la qualité est garantie. Toute installation peut être utilisée correctement à condition de savoir comment. De nos jours, le déroulement d’un examen médical, l’utilisation des appareils nécessaires à cet effet et la formation du personnel sont nettement plus complexes. C’est la raison pour laquelle les auditeurs travaillant à l’OFSP sont aujourd’hui principalement des universitaires en mesure d’appréhender de telles situations. Après ses études de physique, Nicolas Stritt a effectué un doctorat en physique expérimentale à l’Université de Fribourg en collaboration avec l’institut Laue Langevin à Grenoble en France. Il est en possession d’un diplôme de physicien médical de l’EPFZ. Engagé à l’OFSP en 2000, il dirige depuis 2004 la section « Installations de recherche et médecine nucléaire ». Fig. 1 : Dr. phil. nat. Nicolas Stritt tion par leurs activités de maintenance et la réalisation des contrôles d’état exigés. Par cette mise en œuvre adéquate de l’approche graduée, nous pouvons nous concentrer sur les risques élevés. NS : Contrairement à ce qui se passe à l’étranger, nous exerçons également un rôle consultatif. Cette présence sur le terrain nous permet d’acquérir une vue d’ensemble et de mettre des « bonnes pratiques » à disposition de toutes les entreprises. 46 Philipp R. Trueb a étudié la physique à l’Université de Bâle où il a également passé son doctorat en physique nucléaire expérimentale. En outre, il a suivi une formation postgraduée en physique médicale à l’EPFZ. En 1999, il entre à l’OFSP comme collaborateur scientifique. Il y dirige la section « Radiothérapie et diagnostic médical » depuis 2007. La recherche liée à la radioprotection ne cesse de fournir de nouveaux résultats et les technologies médicales évoluent également très rapidement. Ces nouveautés sont-elles prises en compte dans cette surveillance ? PhT : Il nous est impossible de mettre sur pied une gestion des connaissances couvrant toutes les nouveautés. Nous sommes donc inévitablement en retard sur l’évolution. Nous suivons toutefois les tendances, notamment en mandatant des partenaires et des hôpitaux universitaires pour analyser les nouveaux développements. Les connaissances ainsi acquises conduisent à de nouvelles directives de l’OFSP sur la mise en service ou l’exploitation de nouveaux appareils. Ce retard n’entrave-t-il pas l’innovation en matière de diagnostic ou de médecine nucléaire ? PhT : On peut le voir ainsi. Néanmoins, grâce à notre travail, les nouvelles technologies sont conçues à faible rayonnement dès le départ, ce qui a pour effet de diminuer la dose aux patients. Cela est à mettre au crédit de la prise de conscience accrue des fabricants et des utilisateurs, à laquelle nous contribuons également. Ils ont intérêt à ce que leurs nouveaux appareils irradient le moins possible. NS : Il en est de même en médecine nucléaire. De nos jours, on utilise des détecteurs nettement plus sensibles, permettant d’obtenir une qualité d’image donnée en utilisant moins de radioactivité. De toute manière, suivre l’innovation constitue un défi constant pour nos collaborateurs, qui ne cessent de se former aux derniers développements. PhT : Ces économies de doses de rayonnement sont toutefois « gommées » par l’augmentation du volume des prestations en médecine, au point que la dose collective reçue par la population a même tendance à croître. Cela s’explique par l’augmentation des indications médicales pour des examens et thérapies radiologiques. Pour les patients, les doses individuelles par examen ont toutefois baissé ces dernières années. Que fait-on précisément pour éviter l’accroissement des doses utilisées dans les diagnostics ? NS : Nous devons faire la distinction entre l’optimisation des doses de rayonnement et la justification médicale. Cette dernière ne concer- ne pas nécessairement notre activité de surveillance, car la question est purement médicale. Nous encourageons cependant la discussion au sujet de la justification ; avec le projet des « audits cliniques », nous voulons créer un forum de spécialistes dans lequel ces questions peuvent être discutées. C’est ainsi que nous souhaitons maîtriser l’augmentation des prestations médicales afin d’éviter de procéder toujours davantage à des examens radiologiques. Quelles sont les principales avancées en matière de radioprotection à mettre au crédit du travail des autorités de surveillance ? Et que pourrait-on améliorer ? PhT : Nos programmes d’audits prioritaires rencontrent un franc succès. Ils vont dans le sens de nos objectifs et grâce à eux, nous savons comment fonctionnent certains domaines choisis de la radiologie. Nous pouvons transmettre ces connaissances à d’autres personnes ou institutions intéressées. L’introduction du concept de niveaux de référence diagnostiques a par ailleurs énormément fait avancer la prise de conscience des utilisateurs sur la question des doses. Fig. 2 : Dr. Philipp R. Trueb NS : La dose de rayonnement reçue par les patients et le personnel a pu être réduite grâce à nos audits et à la diffusion d’informations sur les bonnes pratiques en matière de radioprotection. L’échange d’expériences entre les entreprises à des fins de protection des patients et du personnel pourrait certes être amélioré, mais nous allons déjà dans ce sens en mettant nos rapports finaux d’audits à disposition de toutes les 47 entreprises. Nous présentons également ces résultats dans le cadre de séances de coordination et de congrès. Au-delà des tâches de surveillance, les collaborateurs de l’OFSP assument également des tâches de conseil auprès des détenteurs d’autorisation. Cela a certainement ses avantages, mais qu’en est-il des inconvénients ? NS : Il est important que nous soyons intégrés lors des phases de conseil et de construction afin de pouvoir orienter les nouveaux projets dans la bonne direction. Il s’agit là de rôles bien distincts de l’autorité : au départ, nous apportons des conseils et de nombreuses recommandations, puis nous délivrons une autorisation précisant toutes les exigences à la fin des travaux. PhT : De fait, notre ouverture à l’égard des entreprises est marquée par la réciprocité. Nous connaissons donc aussi les problèmes et pouvons les résoudre ensemble. Les ordonnances relatives à la loi sur la radioprotection sont actuellement en révision. Quelles seront les principales modifications en ce qui concerne la surveillance ? NS : Nous accorderons à l’avenir plus d’importance à la sécurité des sources radioactives. Mais, dans l’ensemble, la surveillance sera peu touchée par la révision de l’ordonnance sur la radioprotection, car nous orientons déjà nos actions en fonction des risques avec les programmes d’audits prioritaires. PhT : Il y aura certaines adaptations de la surveillance. Elles seront plutôt d’ordre technique et concerneront de nouvelles exigences permettant de combler les lacunes actuelles. Désormais, toute la chaîne allant de la production du faisceau à l’imagerie sera soumise à autorisation. Existe-t-il des domaines de la surveillance qui pourront à l’avenir être davantage couverts par des autodiagnostics des appareils émettant des rayonnements ou par des diagnostics à distance ? PhT : Aujourd’hui déjà, nous ne nous contentons pas de lire des paramètres techniques sur les appareils, mais mettons l’accent sur les processus. Cette approche ne peut être concrétisée que par des échanges entre personnes, et donc des visites en entreprise. En conséquence, les audits sur site prendront plus 48 d’importance à l’avenir. Il n’est pas possible d’appréhender la culture de radioprotection d’une entreprise par la simple lecture d’un classeur relatif à la gestion de qualité. NS : Il existe souvent des différences entre ce qui figure dans les documents et la réalité. Nous devons être sur place pour pouvoir constater comment les gens travaillent et comment la culture en matière de radioprotection est vécue. On dénombre dans l’ensemble peu d’accidents dus au rayonnement ionisant. Se pourrait-il que la radioprotection soit trop fortement régulée ? Pourrait-on transférer une part de la responsabilité aux entreprises afin de dégager des ressources pour résoudre les problèmes majeurs ? NS : L’impression qu’il y a peu d’accidents n’est pas tout à fait correcte. De nombreux incidents ne sont pas déclarés, il existe une zone d’ombre à ce sujet. Nous le savons parce que notre culture de la transparence et de l’ouverture à l’égard des entreprises commence lentement à porter ses fruits. Ainsi, nous en apprenons davantage à propos des incidents et des événements. Il ne fait aucun doute que la surveillance entraîne une réduction du nombre de ces cas. PhT : Il serait faux d’exiger des réductions dans un système de surveillance qui fonctionne et qui permet de prévenir les accidents ! Malgré cela, nous souhaitons déléguer davantage de compétences aux experts de la radioprotection des entreprises. Du fait de la complexité des applications, toujours plus de personnes compétentes sont nécessaires sur place. A l’interne, ces personnes prennent les mesures déterminantes pour la réduction des doses de rayonnement. Par rapport aux pays étrangers, nous confions une lourde responsabilité à ces personnes. Finalement, quelles seront les priorités ces prochaines années ? PhT : Notre section traitera en priorité la surveillance des blocs opératoires, domaine jusqu’ici peu couvert, malgré l’utilisation de nombreux appareils de radiographie mobile lors d’interventions chirurgicales ainsi que la présence de nombreux patients et d’un important dispositif en personnel. NS : Quant à notre section, elle mettra l’accent sur des thérapies par radionucléides des cancers du foie et de la prostate, ainsi que sur la gestion des déchets radioactifs produits par la médecine, l’industrie et la recherche. Radioprotection dans la médecine et dans la recherche Les patients ainsi que le personnel travaillant dans la médecine et dans la recherche doivent être protégés au mieux contre les dommages dus aux rayonnements ionisants ; c’est la mission principale de la radioprotection. Le gigantesque progrès technologique en imagerie médicale apporte certes de nombreux avantages, mais il conduit aussi à une augmentation de l’exposition moyenne de la population. L’OFSP veut contrer cette évolution : les programmes prioritaires de surveillance ont pour objectif d’optimiser l’utilisation des rayonnements ionisants, en collaboration avec les entreprises. Les « audits cliniques » doivent en outre contribuer à ce qu’à l’avenir l’accent soit davantage mis sur la justification des examens et des traitements. Ce projet, dont la phase pilote a démarré en 2015, fait partie de la stratégie globale « Santé 2020 » adoptée par le Conseil fédéral. Radioprotection dans la médecine Les examens CT conduisent à une augmentation de l’exposition aux rayonnements Tous les dix ans, l’OFSP lance une enquête globale sur l’exposition de la population aux rayonnements provenant d’applications médicales, en collaboration avec l’Institut de radiophysique (IRA) à Lausanne. Il compare la pratique suisse avec celle d’autres pays et prend des mesures si nécessaire. La dernière grande enquête a été 1.4 Dose effective (mSv) 0.6 0.0 2013 Exposition au rayonnement d’origine médicale due aux examens CT 0.64 0.72 0.80 0.4 0.2 1.00 0.40 1.0 0.8 Exposition au rayonnement d’origine médicale (sans les examens CT) 0.40 1.2 0.58 0.28 1998 2003 2008 Fig. 3 : L’exposition au rayonnement d’origine médicale augmente du fait des examens CT ; en ce qui concerne les autres applications, la tendance est à la baisse. Source : IRA, 2015 réalisée en 2008. Entre deux enquêtes globales, les données sont actualisées sur la base d’enquêtes à plus petite échelle. La dernière d’entre elles date de 2013 ; les données analysées ont été publiées dans un rapport en 2015. L’enquête intermédiaire de 2013 confirme une tendance : l’exposition moyenne aux rayonnements ionisants par habitant résultant d’applications médicales est en constante augmentation en Suisse. En effet, cette exposition moyenne est passée de 1 à 1,4 milliSievert (mSv) par an entre 1998 et 2013, soit une augmentation d’environ 40 % en 15 ans (lors de la grande enquête de 2008, elle était encore de 1,2 mSv). Cette nette augmentation est due à l’utilisation toujours plus fréquente de la tomodensitométrie (CT). Selon l’enquête intermédiaire de 2013, les doses délivrées lors d’examens CT s’élève à 1 mSv par an et par habitant, contre à 0,8 mSv en 2008 et seulement 0,28 mSv en 1998. L’exposi-tion due aux autres applications médicales a par contre tendance à baisser (figure 3). En moyenne, chaque habitant a bénéficié de plus d’un examen radiologique par an; selon l’enquête intermédiaire, le nombre annuel d’examens effectués a été estimé à environ 49 Fréquences Contribution en dose 0,6% 0,6% 6,2% 0,4% 10,7% 6,8% 38,8% 0,8% 4,2% 0,9% Dentaire Radioscopie conventionelle Interventionnel diagnostique Interventionnel thérapeutique Radiographie Mammographie Scannographie 47,4% 2,6% 9,6% 70,5% Fig. 4: Répartition de la fréquence et contribution aux doses de rayonnement des différents examens radiologiques, IRA 2015 10 millions. Les 312 tomodensitomètres (CT) de Suisse (état au 25 janvier 2016) constituent de loin la plus grande source d’exposition au rayonnement (70,5 %), et ce, malgré le fait que ces examens représentent à peine 10 % du nombre d’examens total. En revanche, les radiographies dentaires et médicales constituent encore les procédés les plus fréquemment utilisés (plus de 85 %), mais ne contribuent qu’au 10 % de la dose effective (figure 4). En comparaison internationale, la Suisse se situe dans la moyenne. Selon le rapport de 2008 du Comité scientifique des Nations Unies pour l’étude des effets des rayonnements ionisants (UNSCEAR), l’exposition médicale au rayonnement s’élève en moyenne à 1,9 mSv par an dans tous les pays disposant du système Health-Care Level I, la tomodensitométrie y contribuant à raison de 0,9 mSv par an. Phase pilote du projet des « audits cliniques » Un grand nombre d'examens et de traitements utilisant des rayonnements ionisants ne sont pas considérés comme justifiés. L'introduction « d'audits cliniques » en radiologie, en radiooncologie et en médecine nucléaire doit permettre de minimiser le nombre d’examens et de traitements utilisant des rayonnements ionisants qui sont injustifiés. Les structures, les processus et les résultats sont systématiquement évalués sous la forme d’expertises réalisées par des paires (peer reviews) et adaptés si nécessaire. 50 Durant la phase pilote actuellement en cours, des médecins, des physiciens médicaux et des techniciens en radiologie médicale (TRM) ont élaboré les contenus d’audits ainsi que les exigences concernant les manuels de gestion de qualité. Dans le domaine de la radiologie, l’accent est mis sur les processus de travail lors des examens CT. En médecine nucléaire, ce sont les examens oncologiques PET-CT qui sont prioritaires. En ce qui concerne la radio-oncologie, il est prévu d’auditer l’ensemble du parcours des patients pour plusieurs applications. Des experts d’associations professionnelles européennes ont évalué les contenus d’audits afin que leur qualité corresponde aux standards internationaux. Dans les trois domaines susmentionnés, des spécialistes ont été formés en tant qu’auditeurs externes et des centres volontaires ont été recrutés. Le premier audit pilote a eu lieu en octobre 2015 à l'Hôpital de Baden. D’autres centres de Suisse alémanique et de Suisse romande suivront jusqu’au printemps 2016. Après la phase pilote, il est prévu de réexaminer et d’adapter les contenus d’audits, ainsi que d’interroger les entreprises, d’analyser les rapports d’audits et d’estimer les investissements financier et temporel. D’autres auditeurs externes seront en outre formés en 2016 et le programme d’audits progressivement étoffé. Niveaux de référence diagnostiques en médecine Le concept de niveaux de référence diagnostiques (NRD) s’est imposé comme un outil efficace et internationalement reconnu pour l’optimisation des rayonnements utilisés en médecine. Les NDR sont déterminés empiriquement sur la base d’une distribution de valeurs de doses simples à déterminer. En Suisse, l’OFSP recense régulièrement les doses résultant d’expositions médicales et en déduit des NRD nationaux. Jusqu’à présent, des NRD ont été définis pour les domaines de la radiographie, la radiologie interventionnelle, la cardiologie et la tomodensitométrie. Dans le cadre d’un projet prioritaire, ces NRD ont été élargis à des applications à fortes doses en dehors de la radiologie classique, telles qu’utilisées en cardiologie et en urologie. Pour ce faire, l’OFSP a mené une vaste enquête, en collaboration avec l’Institut de radiophysique (IRA) de Lausanne, sur les doses liées aux examens les plus fréquents dans les départements de cardiologie et d’urologie des cinq hôpitaux universitaires, ainsi que de quelques grands hôpitaux cantonaux et privés. Comme pour les NRD de cardiologie déjà publiés en 2008, l’enquête a pris en compte les techniques d’examen récemment développées, les NRD devant refléter aussi précisément que possible la pratique actuelle. L’OFSP a mis sur pied un autre projet prioritaire concernant les examens radiologiques en pédiatrie. L’optimisation de l’utilisation des rayonnements en pédiatrie est en effet particulièrement importante, étant donné que les enfants présentent une plus grande sensibilité au rayonnement que les adultes. Le recensement des doses, effectué en étroite collaboration avec l’Hôpital de l’Ile de Berne et l’IRA, s’est limité aux examens les plus fréquemment utilisés en radiographie pédiatrique et en tomodensitométrie neuroradiologique. Les NRD relatifs à ces examens seront déterminés entre le printemps et l’été 2016, puis publiés sous la forme de notices sur le site internet de l’OFSP. Contrôle des installations de mammographie Durant l’année 2015, l’OFSP a poursuivi son programme de surveillance en mammographie. Dans ce cadre, il a audité plus de 220 services utilisant de telles installations. La quasi-totalité du parc a ainsi été contrôlée. On dénombre actuellement 239 autorisations d’exploitation réparties dans toute la Suisse. En outre, l’OFSP a délivré 65 nouvelles autorisations cette année, s’agissant dans la plupart des cas de remplacement d’anciens appareils par des machines de dernière génération. La grande majorité du parc est entièrement digitalisé (système à digitalisation directe DR); il subsiste toutefois 10% d’appareils reliés à des systèmes de reproduction d’image du type CR. Les critères de contrôle ont porté sur la validité de l’autorisation d’exploitation, la conformité des blindages des locaux, l’utilisation des moyens de protection ainsi que l’enregistrement des doses appliquées. Des sondages ont aussi été effectués en rapport avec la gestion du programme de contrôle de qualité. Globalement, les résultats sont plutôt bons et ont montré un niveau de qualité élevé. Cependant, il subsiste dans 35% des cas des lacunes dans la réalisation des plans de radioprotection, qui ne correspondent pas toujours à la réalité. Par ailleurs, 65% des utilisateurs mettent en œuvre les recommandations de la directive de l’OFSP concernant l’utilisation de moyens de protection pour les patientes. Quant aux doses appliquées aux patientes, elles sont enregistrées dans leur dossier médical dans près de 60% des cas. En ce qui concerne l’application d’un programme de contrôle de qualité dans les services, les révisions assorties d’un contrôle d’état, à réaliser chaque année par les installateurs, sont conformes à 75%. Parmi les lacunes constatées, on relève notamment un manque de documentation des révisions exigées par les constructeurs, ainsi que des retards dans l’annonce de révision à l’OFSP. Les contrôles de stabilité hebdomadaires à réaliser par une personne du service spécialement formée sont conformes à 83%. Les lacunes concernent principalement les utilisateurs, qui ont montré certaines incertitudes dans la compréhension et le maniement 51 des différents moyens de contrôle. Au niveau des doses appliquées aux patientes, la grande majorité des installations fonctionnent en dessous des recommandations édictées dans le guide européen relatif à l’assurance de qualité dans le domaine de la mammographie (EPQC 4). Certains systèmes CR montrent toutefois des valeurs plus élevées que les systèmes DR, tout en restant acceptables. Concernant la qualité d’image, 99 % des installations remplissent les exigences demandées. Déficit de formation pour la radiographie à fortes doses dans les cabinets médicaux Durant l’année 2014, l’OFSP a effectué des inspections par échantillonnage dans une centaine de cabinets médicaux et a constaté que plus de 80 % des assistant(e)s ayant effectué des examens radiologiques à fortes doses ne sont pas suffisamment formé(e)s. Avec le certificat fédéral de capacité, les assistant(e)s ne peuvent en effet radiographier que le thorax et les extrémités. L’OFSP a écrit à ce sujet à l’ensemble des cabinets médicaux et les a informés sur les possibilités de formation continue en matière d’examen à fortes doses (abdomen, bassin, hanche, colonne vertébrale et crâne). Les assistant(e)s ne peuvent effectuer de tels examens qu'après avoir suivi le cours de perfectionnement intitulé « Qualifications techniques pour la prise de clichés en radiologie conventionnelle élargie ». Le contenu de cette formation n’avait pas non plus été intégré par le passé dans la formation de base (CFC). La formation continue est offerte par la Suva en Suisse alémanique et par l’Asso-ciation romande des assistantes médicales (ARAM) en Suisse romande. Le programme du cours comprend 40 leçons théoriques et un certain nombre d’examens à doses intensives que les participants doivent réaliser sous la supervision d’une personne qualifiée. Une formation correspondante (qualifications techniques et expertise en matière de radiographie intensive) est également exigée des médecins effectuant les examens. Dans ce cas, le problème est cependant moins grave, étant donné que plus de 80 % d’entre eux disposent de la formation nécessaire. Le certificat « Qualification pour les examens radiologiques à fortes doses (CMPR) » est prévu pour les médecins conformément à l’ordonnance sur la radioprotection et en accord avec la Fédération des médecins suisses (FMH). La formation correspon- 52 dante comprend une partie pratique et une partie théorique, ainsi qu’un cours de radioprotection de quatre jours (deux jours de théorie et deux jours de pratique). De plus amples informations au sujet de ce certificat d'aptitude figurent sur les sites www.fmh.ch et www.radioprotection.ch (type A graphie). Audits des cinq cyclotrons de la radiopharmacie Durant l’année 2015, des audits ont été effectués dans les cinq centres disposant d’un cyclotron pour la production de nucléides utilisés en médecine nucléaire. Les cyclotrons accélèrent des particules chargées comme les protons, utilisées ensuite pour bombarder des cibles constituées d’eau. Dans ces dernières apparaissent des radionucléides servant de marqueurs, notamment dans le diagnostic en cancérologie. Diverses exigences posées par la radioprotection doivent être respectées lors de l’exploitation de telles installations. Le cyclotron doit être installé derrière des murs épais, car son fonctionnement génère d’intenses rayonnements neutronique et gamma. Le rayonnement neutronique provoque la formation, dans l’air, de nucléides à courte vie, qui font l’objet d’un rejet contrôlé dans l’environnement par la ventilation. Dans ce qu’on appelle le laboratoire chaud, lieu de traitement des substances radioactives générées, les collaborateurs doivent être protégés contre le rayonnement par l’utilisation, entre autres, de blindages en plomb. Les rejets dans l’environnement, principalement dans l’air, ne doivent pas dépasser les valeurs limites d’immission légales. Grâce à ses mesures lors des audits, l’OFSP a constaté que le rayonnement neutronique et gamma était nettement inférieur aux valeurs directrices en dehors de l’espace de confinement. Les entreprises ont effectué leurs travaux de maintenance sur les sondes de mesure installées pour la surveillance du débit de dose et des rejets dans l’environnement conformément aux directives. Les rejets dans l'environnement respectaient les valeurs maximales autorisées par l’OFSP. Quant aux installations techniques en matière de sécurité, elles répondaient aux prescriptions des autorités dans toutes les entreprises. Les cas observés et annoncés de rejets non prévus de radioactivité dans l’environnement ou de contaminations de collaborateurs étaient en règle générale dus à des erreurs humaines. Dans deux cas, l’OFSP a exigé que la formation interne soit améliorée. Dans quatre des cinq centres, l’OFSP a dû exiger la prise de mesures au sujet de l’élimination en continu des déchets. En effet, des déchets radioactifs à longue vie, se formant en particulier sur des composants du cyclotron (p. ex. des films cibles), on fait l’objet d’un stockage intermédiaire pendant trop longtemps dans l’espace de confinement, en contradiction avec les prescriptions. En vertu de l’ordonnance sur la radioprotection, les déchets radioactifs doivent être éliminés au plus tard trois ans après leur formation, ce qui n’a pas été fait, si bien que les déchets radioactifs se sont accumulés. Audit « Préparation et contrôle de qualité des produits radiopharmaceutiques » Depuis 2014, l’OFSP mène une campagne d’audit sur la préparation et le contrôle de qualité des produits radiopharmaceutiques en kit marqués au technétium-99m (99mTc). A ce jour, 47 des 50 centres de médecine nucléaire préparant ces produits en Suisse ont été audités. Cette campagne a permis d’obtenir une vision globale de la préparation des produits radiopharmaceutiques utilisés dans le cadre de l’imagerie traditionnelle en médecine nucléaire, le 99mTc étant le radioisotope le plus utilisé. Les audits ont montré que la préparation et le contrôle de qualité des produits radiopharmaceutiques sont globalement effectués de manière conforme et consciencieuse. Les infrastructures répondent aux exigences légales, en termes de radioprotection et de conditions de préparation aseptiques. Ces dernières ont été introduites dans la version du 1er janvier 2008 de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP) avec un délai de mise en œuvre de quatre ans. La fonctionnalité technique des postes de sécurité microbiologique (PSB) dans lesquels sont constitués les kits au 99mTc étant une condition du respect de l’asepsie, la réalisation du contrôle d’état annuel des PSB décrit dans la directive L-10-06 « Exigences relatives à la préparation de produits radiopharmaceutiques » a été vérifiée lors des audits. Dans la plupart des cas, ce con- Fig. 5: Préparation d'un produit radiopharmaceutique dans un poste de sécurité microbiologique (PSB) de type 2 trôle d’état a été effectué, garantissant ainsi des conditions de préparation optimales. En revanche, certaines lacunes ont été constatées dans la maîtrise des méthodes de travail en conditions aseptiques, qui vont de pair avec le contrôle d’état, afin de garantir des produits radiopharmaceutiques finaux de haute qualité. Pour pallier au manque de formation sur ce thème, l’OFSP organise depuis 2014 des cours théoriques et pratiques répondant aux besoins des centres de médecine nucléaire, en collaboration avec la Société suisse de radiopharmacie et chimie radiopharmaceutique (SSRCR), ainsi que l’Institut de radiophysique. En raison de l’importante demande, tous les techniciens préparant les kits au 99mTc n’ont pas pu assister à ces cours avant la réalisation des audits. Afin de permettre à l’ensemble des personnes concernées de recevoir une formation adéquate, les cours se poursuivront ces prochaines années. Un autre axe d’amélioration révélé par la campagne d’audits concerne la réalisation de contrôles de qualité permettant de vérifier la conformité du produit radiopharmaceutique final en fonction des caractéristiques décrites par le fabricant dans la notice d’information professionnelle. En effet, la fiabilité de certaines méthodes de contrôle décrites dans cette notice étant controversée et le matériel exigé difficile à acquérir, des méthodes alternatives communément acceptées ont été utilisées. Un groupe de travail incluant des représentants des fabricants con- 53 cernés et des membres de la SSRCR sera constitué, afin de s’assurer que des méthodes de contrôle de qualité fiables soient appliquées tout en respectant les exigences du fabricant faisant foi légalement. Grâce aux audits, les points susceptibles d’être améliorés ont été identifiés et pourront être corrigés afin d’assurer un haut niveau de qualité dans les soins apportés par la médecine nucléaire en Suisse. Recherche au CERN et à l’Institut Paul Scherrer CERN : visite conjointe sur le thème du LINAC 4 et homologation de l’étude déchets radioactifs Le CERN, la France et la Suisse ont mis en place une collaboration au moyen de l’accord tripartite du 16 septembre 2011, afin d’assurer la qualité des pratiques de radioprotection et de sûreté appliquées aux installations du CERN où sont utilisés des rayonnements ionisants. Des réunions tripartites sont régulièrement organisées entre le CERN et les autorités compétentes en matière de radioprotection des pays hôtes, soit l’Autorité de sûreté nucléaire (ASN) en France et l’OFSP en Suisse. Durant ces réunions, le CERN expose les évolutions stratégiques et réglementaires présentant des enjeux de radioprotection, par exemple la planification de nouvelles installations produisant des rayonnements ionisants, Fig. 6 : Vue du tunnel du LINAC 4 avec le module final à tubes de glissement (DTL), source : CERN 54 les changements relatifs aux règles de radioprotection et de sûreté, ou encore des résultats de mesures de contrôle. Des visites conjointes permettent par ailleurs d’examiner la mise en œuvre des mesures de radioprotection et de sûreté relatives à une installation ou à un thème précis. Quant aux réunions techniques, elles permettent le développement et la mise en place de solutions pragmatiques pour résoudre des problèmes liés aux spécificités techniques des installations du CERN, en prenant en considération la législation et la réglementation de chaque pays hôte. En 2015, la collaboration avec le CERN a été marquée par deux points forts : l’homologation de l’étude déchets et la visite conjointe sur le thème du LINAC 4. L’accord tripartite spécifie que les déchets radioactifs du CERN doivent être éliminés par la France et la Suisse selon les filières existantes, tout en respectant leur législation nationale. Le CERN a élaboré à cette fin une « étude déchets » qui précise les filières d’élimination prévues pour chaque type de déchet produit par les installations du site. Cette étude vise à assurer une répartition équitable des déchets entre les pays hôtes en fonction de la quantité, de l’activité et de la toxicité des déchets ; elle définit par ailleurs les filières les plus avantageuses du point de vue technique et économique. Le choix des filières d’élimination est approuvé par la France et la Suisse après examen en réunion tripartite. En 2015, la première version de « l’étude déchets » du CERN a fait l’objet d’une homologation conjointe par l’ASN et l’OFSP. Cette étude présente l’inventaire et la classification des déchets radioactifs du CERN, ainsi qu’une estimation des déchets radioactifs futurs. Sur la base de ces données, la Confédération peut ensuite planifier le conditionnement, l’entreposage et le stockage définitif des déchets (voir chapitre « Déchets radioactifs »). Le complexe d’accélérateurs du CERN est composé d'un enchaînement d’accélérateurs de particules permettant d'atteindre progressivement de hautes énergies. Actuellement, les protons sont initialement accélérés jusqu’à 50 MeV dans le LINAC 2 (accélérateur linéaire 2). Après l’arrêt technique prévu en 2017–2018, le LINAC 4 devrait porter les ions à l’énergie de 160 MeV avant leur entrée dans le Synchrotron injecteur du PS (Synchrotron à protons) ; il constituera ainsi la nouvelle source de faisceaux de protons du LHC (Grand collisionneur de protons). La préparation des dossiers de sécurité du LINAC 4 a fait l’objet de nombreuses discussions et échanges entre le CERN, l’ASN et l’OFSP. Ces dossiers comprennent les spécifications techniques des infrastructures liées à la radioprotection et à la sécurité, les règles organisationnelles assurant une exploitation sûre de l’installation, ainsi que l’analyse des risques majeurs et leur prévention. A l’occasion de la visite conjointe du tunnel du LINAC 4, lors de sa première phase de démarrage, et du bâtiment abritant les infrastructures associées, l’ASN et l’OFSP ont pu observer l’adéquation des mesures de radioprotection opérationnelle et de la démarche d’audit interne. Institut Paul Scherrer : grands projets de construction L’Institut Paul Scherrer (PSI) à Villigen (AG) fait partie des plus vastes centres de recherche de Suisse. Il exploite de grands accélérateurs, tels que le cyclotron, installation circulaire permettant d’accélérer des protons, avec les lignes de faisceaux et les expériences correspondantes. Parmi ces dernières, on peut par exemple citer la source de neutrons par spallation (SINQ), l’accélérateur médical de protons (COMET) et la source synchrotronique de lumière suisse (SLS). Les accélérateurs et les laboratoires de recherche relèvent de la compétence de l’OFSP en ce qui concerne la surveillance et les autorisations. Quant aux installations nucléaires, elles relèvent de l’Inspection fédérale de la sécurité nucléaire (IFSN). Dans le cadre de son activité de surveillance, l’OFSP s’assure que les limites concernant les rayonnements ionisants sont respectées en vue de garantir la sécurité de la population, du personnel du PSI et de l’environnement. En outre, l’OFSP accompagne les grands projets du PSI. Entre août et octobre 2015, le PSI a terminé la construction de l’installation d’irradiation par flux de protons Gantry 3. Le PSI est le seul centre de Suisse qui propose des thérapies aux protons et dans ce contexte, il dote sa gamme d’installations (OPTIS, Gantry 1 et Gantry 2) d’une nouvelle station d’irradiation. Les premiers patients pourront probablement être traités en 2016, à condition que les tests de réception soient conformes. Par ailleurs, l’OFSP a étendu l’autorisation existante pour l’accélérateur de protons COMET pour ce qui est de sa mise en service technique. S’agissant de l’application sur l’être humain, le PSI devra toutefois déposer une demande d’autorisation séparée pour Gantry 3. Les travaux concernant le laser à rayons X à électrons libres « SwissFEL » ont bien avancé en 2015. Cette installation de 700 mètres de longueur permettra aux chercheurs du PSI d’acquérir de nouvelles connaissances sur la structure interne de la matière, en produisant des impulsions extrêmement courtes de rayons X ayant les qualités propres au laser. Des installations analogues fonctionnent déjà aux EtatsUnis (LCLS) et au Japon (SACLA), d’autres sont actuellement en construction en Allemagne (European XFEL) et en Corée du Sud (PALXFEL). L’OFSP a accompagné ce projet d’envergure dès le début, si bien que la procédure d’autorisation s'en trouve facilitée. Les premiers tests seront effectués début 2016 ; il est prévu de démarrer son exploitation en automne 2017. Le cyclotron à protons a été arrêté entre décembre 2014 et mai 2015 pour réaliser les travaux annuels de révision dans des secteurs qui ne sont en principe pas accessibles. Les travaux effectués durant cette période impliquent les doses les plus élevées pour les collaborateurs du PSI et des entreprises externes, c’est pourquoi le PSI a établi au préalable un plan détaillé de radioprotection qui permet d’optimiser les tâches. L’OFSP a approuvé ce plan et inspecté l’installation à plusieurs reprises durant la révision. La dose collective pour les 143 personnes impliquées s’est élevée à 41,42 personnes-mSv, soit 15 % inférieure à la valeur attendue. Durant la révision, 13,4 tonnes de déchets ont été produites, dont 10,7 ont pu être libérées et éliminées comme déchets inactifs conformément aux dispositions légales. Le PSI révise actuellement le concept de conditionnement et d’élimination de ses déchets issus des accélérateurs de particules, principalement afin de minimiser les quantités de déchets radioactifs. 55 Déchets radioactifs La Confédération est chargée d'éliminer les déchets radioactifs provenant de la médecine, de l'industrie et de la recherche, à l'exception des déchets des exploitants des centrales nucléaires. L'OFSP organise chaque année une campagne de ramassage de ces déchets, qui sont ensuite traités et entreposés dans le dépôt intermédiaire fédéral (BZL) à Würenlingen. A l'avenir, la totalité des déchets devra être stockée définitivement dans un dépôt en couches géologiques profondes. La sélection des sites pour les dépôts est actuellement en cours. La mise en service du dépôt pour les déchets de faible et moyenne activité, dont la majeure partie des déchets de la Confédération fait partie, est prévue en 2050. Campagne de ramassage des déchets radioactifs Au cours de la campagne de ramassage de 2015, 26 entreprises ont livré des déchets radioactifs présentant une activité totale de 2.2 x 1015 becquerels (en majeure partie du tritium H-3) et un volume total de 4,7 m3 (volume brut). Par ailleurs, certains déchets contenant du tritium et du carbone-14 ont pu être incinérés avec l’autorisation de l’OFSP dans le respect des dispositions de l’article 83 de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP). La réutilisation ou le recyclage de sources radioactives scellées de haute activité s’avère être une alternative judicieuse à leur élimination comme déchets radioactifs. Cela concerne notamment les sources m3 25 20 15 10 5 2015 2014 2013 2011 2012 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2001 2002 2000 1974-99 0 Fig. 7 : Volume annuel collecté lors des campagnes de ramassage de la Confédération. Moyenne annuelle des volumes de fûts délivrés pour la période 1974–1999. Volume des déchets bruts depuis 2000. 56 d’américium-241, de krypton-85, de césium-137 ou encore de cobalt-60. Lorsque cela est possible et judicieux, la décontamination et l'entreposage de déchets pour décroissance en entreprises permettent ensuite de les libérer. La figure 7 indique l’évolution des volumes de déchets collectés par la Confédération durant les quarante dernières années. Financement de l'élimination Les déchets radioactifs livrés au dépôt intermédiaire fédéral (BZL) passent sous la responsabilité de la Confédération qui assurera, à terme, leur élimination. Selon les estimations actuelles, les coûts d'élimination de l'ensemble des déchets dont la Confédération a la responsabilité s'élèvent à près de 1,4 milliard de francs sur la période 2011–2100. Une partie de ces coûts est financée par des émoluments perçus auprès des producteurs de déchets. L’autre partie ne sera due qu'à partir de 2060, une fois le dépôt géologique en exploitation. Les estimations font état d'un montant restant à financer de 857 millions de francs pour la période 2015–2060. Ce montant est réparti à parts égales entre la Confédération et le domaine des EPF dont fait partie le PSI. Les estimations effectuées en l'an 2000 tablaient sur des coûts d'élimination oscillant entre 300 et 360 millions de francs pour la période 2000–2040. A l'époque, le projet Wellenberg prévoyait une réalisation relativement rapide d'un dépôt pour les déchets de faible et moyenne activité ; il fut toutefois refusé en 2002. La hausse constatée est liée en grande partie à l'augmentation des coûts du dépôt géologique ainsi qu'au processus d'élimination des déchets. En effet, la longue procédure de sélection des sites ainsi que les exigences élevées en matière de sécurité ont un impact sur les coûts estimés. En avril 2015, le Conseil fédéral a pris connaissance de ces nouveaux chiffres. Il a chargé les départements concernés de lui fournir une nouvelle estimation d'ici à fin 2018. Fig. 8 : Contrôle des poids lourds à la douane de Thayngen Importation et exportation illégales ou involontaires de substances radioactives Premiers contrôles de routine avec un portique de mesure mobile Des découvertes d’acier inoxydable contaminé ainsi que l’importation de containers contaminés après l’accident de réacteur de Fukushima ont montré que le trafic de marchandises devait être surveillé pour détecter d'éventuelles importations ou exportations illégales ou involontaires de substances radioactives. En 2012, l’OFSP a acquis un portique de mesure mobile qu’il a ensuite testé et optimisé jusqu’en 2014. Les véhicules le traversent à une vitesse maximale de 15 km/h. Si le seuil d’alarme de radioactivité est dépassé, le véhicule est arrêté pour permettre la localisation de la source de rayonnement à l'aide d'un instrument de mesure du débit de dose très sensible et l’identification du radionucléide par spectrométrie. Nombre de véhicules Erstfeld Thayngen Bâle 5100 1800 185 31 69 4 de plus de 7000 véhicules. Une faible radioactivité a été détectée dans plus de 100 chargements, mais celle-ci était due dans chaque cas à des substances radioactives naturelles dont le transport est tout à fait légal. Des substances radioactives naturelles sont présentes, par exemple, dans des matériaux de construction (briques, ciment, granit), des produits en céramique (carreaux, filtres, isolateurs), ainsi que des produits chimiques (chlorure de potassium), et ne présentent sous cette forme pas de danger pour l’être humain et l’environnement. A l’avenir, l’OFSP effectuera régulièrement des contrôles ciblés tout en les optimisant, en particulier en surveillant des voies d’importation supplémentaires. Dans cette optique, des mesures à l’aéroport de Zurich ainsi qu’un contrôle des colis postaux sont prévus. contrôlés (passage d’un portique de mesure) Nombre d’alarmes Fig. 9 : Nombre de mesures effectuées et d’alarmes déclenchées (2015) Pour la première fois en 2015, des contrôles de routine ont été menés pendant une semaine à Erstfeld (centre de compétence pour le trafic lourd), ainsi qu’aux douanes de Bâle (Freiburgerstrasse) et de Thayngen, impliquant le contrôle 57 Intervention en cas d’urgence radiologique Des mesures préparatoires d’envergure ainsi qu’un engagement national et international sont nécessaires afin de pouvoir faire face aux crises dans le domaine de la radioprotection. Mesures à l’échelon national Le groupe de travail interdépartemental IDA NOMEX a été créé en 2011 après la catastrophe de Fukushima. Sa tâche a consisté à réexaminer les mesures de protection d’urgence prévues en cas d’événements extrêmes survenant en Suisse. En 2012, le Conseil fédéral a pris connaissance du rapport rédigé par le groupe de travail et mandaté plusieurs services fédéraux pour l’élaboration de 56 mesures organisationnelles et législatives. Depuis, de nombreuses mesures ont déjà été mises en œuvre. L’OFSP, concerné à divers titres, transpose actuellement une partie des mesures dans le cadre de la révision de l’ordonnance sur la radioprotection. En outre, il a collaboré en 2015 à la révision du concept de protection d’urgence en cas d’accident dans une centrale nucléaire. En date du 1er juillet 2015, le Conseil fédéral a pris connaissance de ce concept, fondé sur le nouveau scénario de référence (A4) [1]. Le concept est basé sur un accident très grave de la catégorie 7 sur l’échelle INES et offre la possibilité de préparer de manière appropriée la protection d’urgence dans toute la Suisse. La prochaine étape consiste à élaborer les adaptations nécessaires des bases légales. En 2015, l’OFSP a également participé à l’exercice général d'urgence (GNU) mettant en scène un accident à la centrale nucléaire de Gösgen. Même si le déroulement du scénario n’a pas exigé un engagement conséquent pour la Division radioprotection, il a donné l’occasion de tester le fonctionnement d’une équipe de crise restreinte dans le nouveau bâtiment de l’OFSP. Les nouvelles infrastructures offrent des fonctionnalités modernes adaptées à la gestion de crise. Il conviendra de les mettre à l’épreuve lors d’un exercice de plus grande envergure et d’implication plus soutenue des équipes concernées par une situation d’urgence radiologique. 58 Engagement international Sur le plan international, l’année 2015 a été riche d’engagements pour la Division radioprotection, qui a activement pris part aux travaux de l’Association européenne des responsables des autorités compétentes en radioprotection (HERCA). Elle a aussi été fortement impliquée dans la plateforme européenne NERIS (European Platform on preparedness for nuclear and radiological emergency response and recovery) et le réseau REMPAN (Radiation Emergency Medical Preparedness and Assistance Network) de l’Organisation mondiale de la santé. La Division radioprotection a par ailleurs contribué au projet européen PREPARE (Platform for European Preparedness Against (Re-)emerging Epidemics). Elle suit également les réflexions menées dans le cadre du Comité directeur pour la gestion de la phase post-accidentelle (CODIRPA) en France. Le retour de l’investissement consenti montre qu’il reste du pain sur la planche si l’on entend être prêt à maîtriser les conséquences d’un accident nucléaire sévère dans notre pays, notamment en termes de préparation de la protection de la population et de l’implication des parties prenantes qui se trouveraient à moyen et long terme en territoires affectés. [1] Suite aux mandats d’IDA NOMEX, l‘IFSN a élaboré divers scénarios d’événements (scénarios A1 à A6). Ces scénarios ont été justifiés par des probabilités de survenance et montrent également les effets radiologiques correspondants en Suisse. Evénements radiologiques L’OFSP a pour mission de protéger des rayonnements ionisants la population, notamment les patients, les personnes professionnellement exposées aux radiations, ainsi que l’environnement. Malgré les mesures de prévention et de protection mises en œuvre, l’OFSP est parfois confronté à des événements radiologiques soumis à déclaration, ou encore à la découverte d’héritages radiologiques. Il est tenu d’étudier ces cas et de les évaluer, ainsi que d’en informer le public de manière appropriée. Le concept de communication adopté en 2015 au sujet des événements radiologiques comporte une marche à suivre claire afin d’assurer une information transparente et coordonnée du public. Nouveau concept de communication en matière d’événements radiologiques Tout événement de radioprotection annoncé fait l’objet d’une analyse minutieuse de la part de l’OFSP. Les experts concernés évaluent les conséquences radiologiques ainsi que les actions correctives proposées, et décident de la réalisation d’une inspection sur site. En outre, l’OFSP est tenu d’informer le public de manière appropriée, en partie en collaboration avec les entreprises ou les autorités concernées. Le « Concept de communication en cas d’événements radiologiques », adopté en 2015, a permis d’établir des directives claires en matière d’information du public. Le fort engouement médiatique suscité par les découvertes de radium en juin 2014 avait mis en évidence des lacunes dans la politique d’information appliquée jusqu’alors. Désormais, ce n’est plus seulement le risque objectivement constaté (p. ex. sur la base de l’échelle INES) qui détermine la manière d’informer au sujet des événements, mais également « l’intérêt public ». A l'avenir, le risque perçu sera évalué selon trois niveaux (faible, moyen ou élevé) en fonction de trois critères : la nature de l'événement, le nombre de personnes concernées et la fréquence de l'occurrence de l'événement. La manière de communiquer (active, passive, par l'OFSP ou par l'auteur) ainsi que les destinataires de la communication (public, autorités) sont définis en fonction des niveaux de risques objectif et perçu. L’expérience montre que des thèmes comme les déchets radioactifs ou les polutions radioactives dans l'environnement effraient la population, même si le risque sanitaire peut être parfois très faible d’un point de vue objectif. D’autres facteurs comme la pression médiatique ou la sensibilité politique peuvent également exercer une influence sur la stratégie de communication. Chaque événement annoncé figurera désormais dans le rapport annuel de la division Radioprotection sous la forme de statistique (cf. chapitre suivant). Statistiques des événements déclarés en 2015 Durant l’année 2015, l’OFSP a enregistré 34 déclarations d’événements aux causes diverses. La figure 10 donne un aperçu des domaines concernés. Parmi les dix événements concernant les domaines « Environnement, entreprises et population », on compte par exemple le « Rejet accidentel d’iode radioactif par les eaux usées d’un hôpital » ou l’« Elimination illégale de détecteurs de fumée à chambre d’ionisation » (voir brefs comptes rendus au chapitre suivant). De plus, dix autres événements figurent dans les domaines « Héritages radiologiques, sources orphelines ou pertes de source ». On entend par héritage radiologique une situation héritée du passé qui ne répond pas aux exigences actuelles de la législation en radioprotection, par exemple les découvertes de radium 59 2 7 10 5 10 Patients Personnes exposées dans l’exercice de leur profession Environnement, entreprise et population Héritages radiologiques, sources orphelines, pertes de source Transport Fig.10 : Domaines concernés des 34 événements radiologiques annoncés en 2015 faites à Bienne (voir compte-rendu à ce sujet dans le rapport annuel 2014 ainsi que dans le présent rapport en page 68). Du personnel était concerné dans cinq des événements annoncés. Heureusement, aucun dépassement de la valeur limite de dose pour les personnes professionnellement exposées aux radiations n'est à déplorer (voir à ce sujet l’exemple « Contamination de personnes » au chapitre suivant). Aucun des événements précités n’a été classé en INES 1 ou plus. Par contre, huit de ces événements, concernant principalement des découvertes de sources, ont été annoncés à la base de données ITDB (Incident & Trafficking Database) de l’Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA). Sept événements concernant des patients se sont produits en radio-oncologie ou en radiothérapie ; des préjudices directs ne sont toutefois pas attendus. Parmi ces événements, deux sont à classer au niveau 2 de l’échelle provisoire INES Medical Rating Scale, et deux autres au niveau 1. Deux de ces événements concernant le « Sectionnement d’un implant d’iode » et les « Fuites dans la chambre moniteur de dose d’un accélérateur de particules » sont décrits dans le chapitre suivant. Brefs comptes rendus de cinq événements graves : Rejet accidentel d’iode radioactif dans les eaux usées d’un hôpital La thérapie à l'iode radioactif (iode-131) est soumise à la législation sur la radioprotection qui stipule que, d'une part, les patients hospitalisés 60 doivent séjourner dans des chambres spécialement aménagées et, d'autre part, les eaux usées provenant de ces chambres ne doivent pas être rejetées directement dans les canalisations. Ainsi, ces eaux usées sont collectées dans des cuves et conservées jusqu'à ce que l'activité de l'iode-131 atteigne un niveau inférieur à la limite de rejet autorisée pour l'hôpital. En juillet 2015, suite à une erreur de manipulation, un technicien d’un hôpital a relâché prématurément ces eaux usées dans la canalisation avec une activité nettement supérieure à la valeur hebdomadaire autorisée. Les mesures hebdomadaires des eaux de la station d'épuration concernée, effectuées suite à ce rejet, ont mis en évidence une concentration d’iode-131 de 0,5 becquerels par litre (Bq/l), bien inférieure à la valeur limite d'immission dans les eaux accessibles au public fixée à 10 Bq/l. Les conséquences radiologiques pour la population et l'environnement ont donc été négligeables. Une analyse de cet incident a été réalisée afin de prendre les mesures nécessaires pour éviter d’autres cas similaires. Elimination illégale de détecteurs de fumée à chambre d'ionisation En août 2015, l’OFSP a été informé du fait que plus de 200 détecteurs de fumée à chambre d’ionisation avaient été éliminés avec des gravats. Ces détecteurs fonctionnent en ionisant l'air à l'aide d'une source radioactive. Les détecteurs de fumée à ionisation démontés sont considérés comme des déchets radioactifs et ne doivent donc pas être éliminés avec les ordures ménagères ou les déchets électroniques. Les recherches effectuées par la suite n'ont pas permis de déterminer précisément ce qu'il était advenu de ces détecteurs. Leur élimination non conforme a été communiquée au Ministère public de la Confédération en vue de poursuites pénales. Au vu de tels événements, l’OFSP et la Suva ont fixé un calendrier pour le remplacement et l'élimination de tous les détecteurs de fumée à chambre d’ionisation encore en fonction, en collaboration avec l'Association suisse des constructeurs de systèmes de sécurité (SES) et l'Association des établissements cantonaux d'assurance incendie (AEAI). Tous les propriétaires de détecteurs d'incendie concernés seront prochainement contactés par leur fournisseur et informés de la procédure à suivre. Après le 31 décembre 2018 au plus tard, les détecteurs de fumée à chambre d’ionisation devront obligatoirement être remplacés par des détecteurs d'incendie fonctionnant sans source radioactive. Il existe aujourd’hui des détecteurs d'incendie optiques dont les résultats sont tout aussi bons, voire meilleurs dans la plupart des applications, et ceci sans recourir à une substance radioactive. Contamination de personnes En avril 2015, douze personnes ont été contaminées avec du fluor-18 (F-18) dans un laboratoire au cours d’une formation interne. Un récipient de plomb dont la surface extérieure était contaminée est en cause, ainsi que le non-respect des règles de conduite (good practice). Du F-18 a été répandu dans la zone contrôlée ; plusieurs poignées de porte ont en outre été souillées. Toutes les personnes ont été décontaminées en l’espace de quelques heures et le laboratoire a pu être libéré le lendemain. Une estimation de la dose aux extrémités chez la personne la plus atteinte a indiqué que la dose était très faible par rapport à la valeur limite de 500 milliSievert (mSv) par an pour la peau et les mains, s’appliquant aux personnes exposées dans l’exercice de leur profession. Après discussion avec l’OFSP, le laboratoire a pris des mesures internes et effectué des cours de formation pour les collaborateurs du laboratoire afin d’empêcher que de tels cas ne se reproduisent. Sectionnement d’un implant d’iode Un implant a été coupé par erreur en son milieu, au lieu d’être coupé à l’endroit indiqué entre les deux implants successifs sur le fil, lors d’une application thérapeutique d’introduction d’implants d’iode-125 dans la prostate. L’un des fragments a pu être retrouvé et stocké en toute sécurité dans un récipient blindé. L’autre fragment est resté dans le patient. Par mesure de précaution, la glande thyroïde du patient a été bloquée à l’aide d’un médicament. Une étude plus approfondie du cas a montré que le patient ne doit pas s’attendre à une atteinte directe de son intégrité physique. Pour éviter ce type d’erreur à l’avenir, une telle coupure ne sera plus réalisée qu’avec l’accord d’un observateur. L’application conséquente du principe du double contrôle doit permettre de réduire, voire d’éliminer cette source d’erreur. Fig. 11 : Implant avec l’endroit à couper indiqué en noir et l’endroit effectivement coupé en rouge Fuites dans la chambre moniteur de dose d’un accélérateur linéaire à électrons Une fuite a été découverte trop tardivement dans la chambre moniteur de dose d’un accélérateur linéaire à électrons, ce qui a engendré une lente augmentation inaperçue de la dose délivrée durant plusieurs semaines. L’évaluation ultérieure des données a montré que la dose reçue par quinze patients était trop élevée dans le volume cible, dans les tissus environnants ainsi que dans des structures à risque (3 à 8 %). Toutefois, presque toutes les valeurs limites relatives aux structures à risque ont pu être respectées. La valeur limite relative aux reins a été dépassée de 1,3 % chez un seul patient. L’équipe chargée du traitement a conclu, suite à des estimations approfondies, qu’il ne fallait pas s’attendre à des effets négatifs sur le patient malgré le dépassement de la valeur limite. Chez les autres patients non plus, aucun effet secondaire induit par ce dépassement de dose n’est à craindre. A la suite de cet événement, le protocole relatif à l’assurance de qualité quotidienne a été réexaminé et les procédures internes améliorées. Désormais, le physicien médical responsable doit être averti explicitement de tout écart de mesure significatif. 61 Exploiter correctement les solariums pour faire la peau aux mélanomes Le mélanome (cancer de la peau) concerne chaque année plus de 2000 personnes en Suisse. Il s'agit donc du pays le plus touché par cette maladie en Europe. Environ un tiers des personnes ont moins de 50 ans au moment du diagnostic. Différentes études montrent que dans près de 80 % des cas, la maladie découle d'une surexposition aux rayons ultraviolets (UV). Ces rayons, produits principalement par le soleil, sont aussi émis artificiellement dans les solariums. Or, selon plusieurs études, la clientèle des solariums encourt un risque de cancer de la peau notablement plus élevé que le reste de la population. Par ailleurs, leur santé peut également être mise à mal par des appareils ne fonctionnant pas correctement et émettant un rayonnement trop intense. Pour améliorer la protection de la santé dans ce domaine, le Conseil fédéral a décidé de réglementer la gestion des solariums publics. Fig. 12 : Professeur Dr. Ralph Braun, médecin chef à la Clinique de dermatologie de l’Hôpital universitaire de Zurich Le solarium augmente le risque de cancer de la peau Près de 8 % des personnes vivant en Suisse utilisent activement les solariums. Des études scientifiques le prouvent : les personnes qui pratiquent le solarium sont quasiment deux fois plus nombreuses à développer un cancer de la peau que celles qui ne s'exposent pas au soleil artificiel. Selon le Professeur Dr. Ralph Braun, médecin chef à la Clinique de dermatologie de l’Hôpital universitaire de Zurich, le lien entre le 62 rayonnement UV (entre autres l’utilisation des cabines de bronzage) et le développement d’un mélanome ne fait aucun doute, malgré un temps de latence pouvant atteindre des décennies entre la formation initiale du cancer et sa déclaration, rendant ce lien difficilement démontrable d’un point de vue scientifique. Le rayonnement absorbé en solarium se différencie très fortement du rayonnement solaire. L’intensité des rayons UV-B du solarium est comparable à celle du soleil. Par contre, celle des UV-A (longueurs d'onde supérieures à 320 nm) peut être jusqu’à quinze fois plus élevée. Cette part excessive des UV-A rend le solarium plus dangereux que le soleil pour le développement du cancer. Elle entraîne en outre un vieillissement prématuré de la peau qui devient rugueuse et creuse des rides et des sillons profonds. Les jeunes pris en sandwich De l'avis du Professeur Braun, s'exposer dès le plus jeune âge à de forts rayonnements UV augmente considérablement le risque de développer un mélanome. Les personnes à peau claire sont également plus sujettes à cette maladie. Un sondage mené en 2010 par l'institut GfS montre que les personnes de moins de 36 ans sont non seulement surreprésentées dans la clientèle des solariums, mais aussi qu'elles s'y rendent plus souvent que leurs aînés. Près de 70 % des clients âgés de 16 à 25 ans, par exemple, s'y rendent au moins une fois par mois. Il ressort également du sondage que les personnes présentant un type de peau à risque accru font des séances certes plus courtes, mais tout aussi fréquentes que les autres clients. En outre, il est préoccupant de constater qu’un grand nombre de personnes (près de 40 % de la clientèle des solariums âgée de 16 à 25 ans notamment) pensent que des séances régulières au solarium renforcent la résistance de la peau. Or, selon le Professeur Braun, la peau ne peut se protéger que partiellement des rayons, les lésions étant donc inévitables. Vers une utilisation contrôlée des cabines de bronzage Actuellement, la mise sur le marché des appareils de bronzage utilisés en solarium est réglée dans la loi sur la sécurité des produits. Il n’existe pas de base légale pour contrôler le respect des directives de sécurité contraignantes du fabricant liées à leur exploitation. Le Conseil fédéral a décidé de combler cette lacune au travers du projet de loi sur la protection contre les dangers liés au rayonnement non ionisant et au son (LRNIS). Il est prévu d’instaurer des campagnes de contrôle par échantillonnage, en charge des cantons, afin de s’assurer que les exploitants de solariums informent suffisamment leur clientèle sur les dangers encourus et respectent les instructions de sécurité du fabricant. L’exploitant sera donc contraint de refuser l’accès au solarium aux personnes de moins de 18 ans, considérées comme une population sensible. Cette mesure permettra de mieux protéger les jeunes et de responsabiliser davantage les exploitants de ces installations. Le projet de loi a été transmis au Parlement en décembre 2015 ; son entrée en vigueur est programmée au plus tôt en 2018. Fig. 13 : L’accès au solarium est déjà interdit au moins de 18 ans dans le canton de Vaud Plusieurs cantons ont déjà fixé des dispositions concernant l’exploitation de solariums dans leur législation. Le canton de Bâle-Campagne s'est doté d'une base légale pour pouvoir contrôler les solariums. Le Jura est le premier canton suisse à avoir interdit l’accès des solariums aux personnes mineures par le biais d’une disposition introduite dans sa loi sanitaire en 2013. Les personnes qui mettent à disposition du public des appareils de bronzage doivent par ailleurs s'annoncer au Service de la santé publique jurassien. Le canton de Neuchâtel a aussi instauré une obligation d'annonce pour les solariums. Quant au canton de Vaud, il a profité de la révision de sa loi sur l’exercice des activités économiques, entrée en vigueur en 2014, pour interdire l'accès au solarium aux personnes mineures et pour permettre des contrôles assortis de sanctions (figure 13). 63 Surveillance de l’environnement Les concentrations radioactives mesurées dans l’environnement sont restées inférieures aux limites légales durant l’année 2015. Les quelques dépassements des valeurs limites (sangliers) et des valeurs de tolérance constatés dans les denrées alimentaires (indigènes ou importées) sont tous liés à d’anciennes contaminations. Les traces de radioactivité artificielle décelée au voisinage des centrales nucléaires, des centres de recherche et des industries témoignent du fonctionnement normal de ces installations ainsi que de l’efficacité des programmes de surveillance mis en œuvre. Nouveau réseau automatique de mesure URAnet En mai 2013, le Conseil fédéral a décidé que le réseau automatique de l'OFSP permettant la détection dans l’air d’immissions radioactives dans les aérosols (RADAIR) devait être rénové et étendu à la surveillance en continu des eaux de rivière. La partie du réseau dédiée à la surveillance des eaux de rivière (URAnet aqua) est opérationnelle depuis novembre 2015 (voir reportage en page 66 de ce rapport). Le remplacement des moniteurs d'aérosols (URAnet aero) est, quant à lui, prévu entre 2016 et 2017. Principaux résultats de la surveillance en 2015 Les résultats des mesures effectuées en 2015 dans les différents compartiments environnementaux montrent que la radioactivité naturelle est largement prépondérante en Suisse, avec des variations régionales, principalement liées aux caractéristiques géologiques. La radioactivité d’origine artificielle, comme conséquence des retombées des essais nucléaires atmosphériques et de l’accident de Tchernobyl, est, elle aussi, répartie de façon inhomogène sur le territoire : dans les Alpes et le sud des Alpes, les valeurs relevées pour le césium-137 et le strontium-90 sont toujours légèrement supérieures à celles du Plateau. 64 Bien que les concentrations en césium-137 diminuent régulièrement depuis 1986, quelques dépassements des valeurs de tolérance sont toujours régulièrement constatés dans certaines denrées alimentaires, comme les champignons sauvages (indigènes ou importées), le miel ou les myrtilles. Des dépassements de la valeur limite pour les denrées alimentaires, fixée à 1250 Bq/kg dans l'ordonnance sur les substances étrangères et les composants, ont à nouveau été enregistrés en 2015 dans la viande de sangliers en provenance du Tessin. Depuis 2013, le vétérinaire cantonal a mis en place un contrôle systématique de la radioactivité de tous les sangliers chassés sur le territoire tessinois. L’activité maximale enregistrée dans la viande d’un sanglier confisqué en 2015 s’est élevée à 9900 Bq/kg, soit la plus élevée jamais enregistrée depuis le début des contrôles. Dans le cadre de la surveillance des centrales nucléaires et des centres de recherche (PSI, CERN), les mesures effectuées en 2015 ont mis en évidence des traces de rejets atmosphériques. Il s’agissait notamment de valeurs accrues de carbone-14 dans les feuillages au voisinage des centrales nucléaires (augmentation maximale, par rapport à la station de référence, de l'ordre de 100 pour mille aux environs de la centrale de Leibstadt) ou d’isotopes de courtes périodes (sodium-24, iode-131) produits dans les accélérateurs des centres de recherche. Des traces de rejets liquides ont sporadiquement été détectées dans les eaux et les sédiments de rivières, notamment des isotopes de cobalt en aval de la centrale nucléaire de Mühleberg. Des valeurs de tritium légèrement accrues (activité maximale de 10 Bq/l) ont été mesurées dans l’Aar entre mai et juin suite à la révision de la centrale nucléaire de Gösgen. Dans le Rhin, à Weil am Rhein, les concentrations mensuelles de tritium sont restées inférieures à 3 Bq/l. Les rejets à l'origine de la présence de ces radionucléides artificiels dans l'environnement sont toutefois restés nettement inférieurs aux valeurs autorisées. La surveillance mise en œuvre au voisinage des entreprises utilisatrices de tritium a révélé un marquage significatif de l'environnement (précipitations, denrées alimentaires), à proximité immédiate de ces entreprises. Les concentrations enregistrées sont toutefois restées inférieures aux limites légales (concentration maximale de 730 Bq/l dans les précipitations à Niederwangen, soit 6 % de la valeur limite d'immissions pour le tritium dans les eaux accessibles au public). Fig.14 : Plateforme de consultation en ligne des mesures de la radioactivité dans des échantillons de l’environnement – www.radenviro.ch Depuis novembre 2015, les résultats de la surveillance de l’environnement peuvent être consultés en ligne sur la nouvelle plateforme internet «Radenviro» de l’OFSP (www.radenviro.ch). Les résultats complets et commentés sont par ailleurs publiés chaque année dans le rapport « Radioactivité de l’environnement et doses de rayonnements en Suisse », disponible sur le site internet de l’OFSP. Conformément aux prescriptions du Plan d’action radium 2015–2019, une surveillance de la radioactivité dans les décharges pouvant potentiellement contenir des déchets contaminés au radium-226 doit être mise en œuvre afin de garantir la protection des travailleurs et de l’environnement face à une éventuelle remobilisation des déchets et une dispersion de la contamination. Des analyses ont déjà été réalisées dans les eaux d’infiltration d’anciennes décharges, notamment à Bienne et à Teufen, dans le cadre d’études préliminaires en vue de l’assainissement de ces sites. Si ces sites doivent être assainis, c’est toutefois en premier lieu en raison de la présence d’autres polluants que le radium, tels que PCB, métaux lourds ou autres polluants chimiques. 65 Système d’alerte réactif en cas de contamination de l’eau potable La surveillance de la radioactivité dans l’environnement en Suisse s’est encore améliorée en 2015. Désormais, l’OFSP exploite un réseau de mesure automatique contrôlant la radioactivité dans l’Aar et le Rhin : cinq sondes surveillent en continu la radioactivité en aval des centrales nucléaires suisses et livrent des résultats toutes les dix minutes. En cas d’augmentation du niveau de la radioactivité, les autorités sont en mesure de réagir rapidement et, notamment, d’interrompre l’alimentation en eau potable. La population a elle aussi accès aux résultats de mesure via la plate-forme www.radenviro.ch. Jusqu’à présent, aucune valeur élevée de radioactivité artificielle n’a été enregistrée. Le nouveau réseau de mesure « URAnet aqua » comprend cinq sondes, qui ont été installées dans l’Aar et le Rhin, en aval des centrales nucléaires, à Radelfingen, Hagneck, Aarau, Laufenburg ainsi qu’à Bâle. L’élément déclencheur de cette surveillance supplémentaire des eaux de Fig. 15 : Sites des détecteurs à iodure de sodium; stations IFAEPE avec prélèvement continu pour les mesures de traces (Hagneck, Klingnau et Pratteln); station de surveillance du Rhin Weil am Rhein (mesures du laboratoire cantonal BS); points de soutirage d'eau potable dans le lac de Bienne et dans le Rhin (Pratteln et Bâle) 66 surface a été la catastrophe de Fukushima en 2011, qui a causé des rejets de grandes quantités de radioactivité dans la mer par le biais des eaux d’extinction et de refroidissement. Dans la foulée, des parlementaires suisses ont lancé bon nombre de motions se focalisant sur les dangers encourus par l’eau potable en cas d’incident dans une centrale nucléaire. En mai 2013, le Conseil fédéral a décidé de renouveler le réseau de surveillance automatique de la radioactivité dans l’environnement, géré par l’OFSP, et de l’étendre par la même occasion aux eaux des rivières. Des sondes de mesure modernes étant apparues sur le marché, ce projet a pu être réalisé avec une technique fiable, précise et relativement peu coûteuse. Les fournisseurs suisses en eau potable co-initiateurs du projet La ville de Bienne couvre 70 % de ses besoins en eau potable par le lac de Bienne ; quant à la ville de Bâle, elle tire toute son eau potable du Rhin. Les fournisseurs suisses en eau potable ont donc été co-initiateurs du nouveau réseau de mesure dans certaines rivières contribuant à leur approvisionnement. Ils souhaitent être alertés immédiatement en cas de contamination de l’eau, même si elle n’est que légère. Il leur est ainsi possible de déclencher les pompes à titre préventif et d’empêcher une contamination de leurs installations. Comblement d’une lacune de la surveillance L’installation des nouvelles sondes a permis de combler une lacune dans la surveillance des eaux de surface. Les stations de l’Eawag de Hagneck, Klingnau et Pratteln (figure 15), qui effectuent des mesures de traces, constituent une part importante du dispositif de surveillance appliqué jusqu’ici. Depuis les années 90, elles collectent des eaux de rivière en continu. Toutefois, les échantillons ne sont évalués que mensuellement ; ils ne permettent donc pas de réagir rapidement à une augmentation de la radioactivité. Le nouveau réseau de mesure « URAnet aqua », installé entre 2013 et 2015, fournit en temps réel des concentrations de radioactivité mesurées dans l’Aar et le Rhin entre 5 et 27 km en aval des centrales nucléaires de Mühleberg, Gösgen, Beznau et Leibstadt (figure 15). L’OFSP considère ces distances comme appropriées pour une mesure indépendante des exploitants de centrale et qui soit représentative du tronçon de rivière considéré. A ces distances, les eaux sont en effet largement mélangées. En cas d’augmentation de la radioactivité, on dispose de suffisamment de temps pour alerter les fournisseurs en eau potable qui traitent des eaux de rivière situées encore plus en aval. La présence d’un endroit approprié à la fixation des sondes a aussi été déterminante dans le choix des sites, qui ont d’ailleurs pu être rapidement trouvés grâce au soutien des entreprises sollicitées (centrales hydroélectriques, fournisseurs en eau potable) et de l'OFEV. Les sondes sont équipées d’un détecteur à iodure de sodium (figure 16). Les cristaux d’iodure de sodium enregistrent le rayonnement gamma des nucléides naturels et artificiels dans un rayon d’environ un mètre. Les sondes consignent le spectre énergétique toutes les dix minutes et en font la moyenne toutes les heures afin d’obtenir une limite de détection plus basse. Système d’alerte en cas d’augmentation de la radioactivité En cas d’augmentation de la radioactivité, une alerte est immédiatement déclenchée via le réseau de mesure de MétéoSuisse grâce aux brefs intervalles de mesure. L’OFSP est informé en cas de dépassement du seuil inférieur de déclaration, qui correspond à la valeur de tolérance pour l’eau potable. Lorsque la valeur limite pour l’eau potable est dépassée (seuil supérieur de déclaration), la centrale nationale d’alarme (CENAL) est alertée afin qu’elle puisse ordonner les mesures de protection nécessaires. Fig. 16 : Les cristaux d’iodure de sodium des sondes enregistrent le rayonnement gamma des nucléides naturels et artificiels dans un rayon d’environ un mètre Aucun radionucléide artificiel détecté jusqu’à présent Les mesures effectuées jusqu’ici ont montré une augmentation des nucléides naturels de bismuth-214 et plomb-214 ainsi que de potassium-40 en cas de crues, lorsque de nombreux produits de désintégration du radon parviennent dans les rivières. Aucun autre pic n’a pu être constaté jusqu’à présent, ce qui signifie que les différents radionucléides se situaient en dessous du seuil de détection. Les valeurs moyennes journalières des mesures peuvent être consultées sur la nouvelle plateforme internet de l’OFSP « Radenviro » (www.radenviro.ch). Cette plateforme consigne les résultats d’analyse de tous les échantillons d’air, de sol, d’herbe, de lait et d’eau prélevés dans l’environnement en Suisse. 67 Plan d'action radium 2015–2019 En mai 2015, le Conseil fédéral a approuvé le Plan d'action radium 2015–2019 afin de régler le problème des héritages radiologiques liés à l’application de peinture luminescente au radium dans l'industrie horlogère jusque dans les années 1960. Les quatre axes principaux de ce plan sont la recherche historique des bâtiments potentiellement contaminés, les mesures de diagnostic du radium dans ces bâtiments, la réalisation d’un assainissement en cas de dépassement de la limite de 1 milliSievert (mSv) par an et la surveillance des décharges pouvant contenir des déchets de radium. Les actions prioritaires ont été réalisées par une « Task force radium » jusqu’à fin 2015. Diagnostics du radium Entre septembre 2014 et décembre 2015, 90 bâtiments regroupant 564 appartements ou objets commerciaux ont fait l'objet d'un diagnostic du radium, grâce à la collaboration des propriétaires et des locataires concernés, ainsi qu’avec le soutien des autorités communales et cantonales et de la Suva. Il s’agit avant tout de bâtiments dont l’adresse avait été publiée dans les médias en juin 2014. Par ailleurs, 15 bâtiments supplémentaires ont été contrôlés sur demande d’occupants inquiets. La figure 17 donne un aperçu des résultats de ces mesures, principalement menées dans l’Arc jurassien. Total Diagnostics bâtiments détail bâtiments détail bâtiments détail 90 564 37 230 26 243 27 91 unités* 66 terminés 544 unités* 29 unités* 24 assainissement Assainissements 20 unités* 7 unités* 5 jardins 18 unités* 8 12 jardins 8 223 unités* 7 unités* 5 unités* unités* 19 unités* 8 4 jardins 6 236 7 unités* 1 1 unité* 4 jardins 85 unités* 8 3 jardins Fig. 17 : Résultats des mesures de radium effectuées entre septembre 2014 et décembre 2015 *appartements ou objets commerciaux 68 Autres communes détail d’assainissement Cas nécessitant un La Chaux-de-Fonds bâtiments effectués Cas sans nécessité Bienne Les experts de l’OFSP appliquent un protocole de mesures standardisé qui prévoit le quadrillage systématique de tous les locaux intérieurs et de la parcelle. Si le débit de dose ambiant dépasse la valeur de 100 nanoSievert par heure au-dessus du bruit de fond local, le maillage des points de mesures doit être resserré ; des échantillons de terre ou des frottis sont par ailleurs prélevés en vue d’être analysés en laboratoire. L’OFSP évalue la dose annuelle pouvant être reçue par les occupants de locaux intérieurs sur la base des résultats de mesure et de scénarios d’exposition. En cas de dépassement de la limite de dose de 1 mSv par an tolérée 6 unités* 5 jardins 1 1 unité* 1 jardin pour la population suisse, les locaux concernés doivent faire l’objet d’un assainissement. Pour les jardins, un assainissement est requis en cas de dépassement de la valeur seuil de 1000 becquerels par kilogramme (Bq/kg) pour la concentration en radium dans de la terre. Sur la base des diagnostics réalisés jusqu’ici, un assainissement s’avère nécessaire dans 24 bâtiments (soit 20 appartements ou objets commerciaux et 12 jardins). Fig. 18 : Vieux plancher en bois et gravats intermédiaires (noir) Les mesures se poursuivront durant les prochaines années dans le cadre du plan d’action radium. On estime à plus de 500 le nombre total de bâtiments en Suisse abritant jadis des ateliers de posage de peinture luminescente au radium. L’Institut d’histoire de l’Université de Berne a été mandaté pour dresser l’inventaire complet de ces bâtiments dans le cadre d’une recherche historique. Assainissements liés au radium Depuis 2014, 7 appartements et 5 jardins contaminés au radium situés dans 8 propriétés ont été assainis. Ces bâtiments sont principalement localisés dans la commune de Bienne, mais aussi à La Chaux-de-Fonds et à Tavannes. L’objectif des assainissements est de réduire la contamination au radium de manière à garantir que l’exposition résiduelle dans les locaux intérieurs soit inférieure à 1 mSv par an, sans toutefois nécessiter des mesures disproportionnées et des coûts non supportables. Les travaux d’assainissement sont réalisés par des entreprises spécialisées connaissant le risque lié au radium et qui sont tenues de respecter les exigences de l’ordonnance sur la radioprotection. Lors du suivi des travaux, l’OFSP prescrit les règles à suivre au cas par cas en collaboration avec la Suva. Les entreprises d’assainissement sont spécialisées dans la décontamination de structures de bâtiments et disposent des qualifications techniques requises, ainsi que du personnel spécialisé en radioprotection. Dans les locaux intérieurs, la contamination se situe généralement au niveau des sols, par exemple sur d’anciens parquets. Dans certains cas, la construction sous-jacente ainsi que les gravats utilisés pour le remplissage sont aussi contaminés (figure 18). Au terme des travaux de décontamination, l’OFSP effectue des mesures de contrôle. Ensuite, la structure du bâtiment est remise en état, afin d’atteindre le standard avant travaux. Fig. 19 : Assainissement d’un jardin contaminé au radium Elimination conforme des déchets d’assainissement Les déchets d’assainissement font l’objet d’un tri en vue de leur élimination. Les déchets non contaminés peuvent être éliminés par les filières conventionnelles. Quant aux déchets faiblement contaminés au radium, ils sont entreposés en lieu sûr dans l'attente de leur élimination (mise en décharge ou incinération) conformément aux articles 82 et 83 de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP). Deux sites de stockage temporaires ont été aménagés à cette fin dans les communes de Bienne et de La Chaux-de-Fonds. L'OFSP s'assure, par le biais de mesures de radioprotection, que le personnel séjournant sur les sites de stockage temporaires ainsi que la population des alentours ne sont pas exposés à des doses de rayonnement dépassant les seuils admis. Les déchets les plus contaminés sont conservés à l’OFSP dans des fûts hermétiques qu’il est prévu d’acheminer vers le dépôt intermédiaire fédéral (BZL) lors de la prochaine campagne de ramassage prévue au printemps 2016. 69 Plan d’action radon 2012–2020 Le Plan d'action national radon 2012–2020, approuvé par le Conseil fédéral en mai 2011, vise principalement à adapter la stratégie de protection contre le radon en Suisse selon les nouvelles connaissances scientifiques et les normes internationales. En 2015, l’OFSP a mis l’accent sur la révision de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP), ainsi que sur la prise en compte du radon dans la formation des professionnels et dans les prescriptions de construction. Révision des ordonnances relatives à la radioprotection La procédure d’audition de la révision des ordonnances relatives à la radioprotection a été ouverte en octobre 2015. Les dispositions concernant le radon figurent dans l’ORaP, mais aussi dans les ordonnances du DFI sur la dosimétrie, la formation en radioprotection et les émoluments. Le projet de texte prévoit l’adoption d’un niveau de référence de 300 Bq/m3 pour la concentration en radon (en moyenne annuelle) dans les bâtiments. Les autorités délivrant les permis de construire pour des bâtiments neufs et rénovés devront informer systématiquement les maîtres d’ouvrage sur le thème du radon. Une mesure du radon, à la charge du propriétaire, est envisagée dans les nouvelles constructions. Concernant la mise en œuvre de mesures correctives, il est prévu d’appliquer une approche graduelle, les bâtiments neufs, les écoles et les jardins d’enfants devant être assainis prioritairement. Journées de l’OFSP pour tous les niveaux de formation du secteur de la construction L’OFSP a organisé deux journées pour la branche de la construction afin de mettre en œuvre la mesure VI « Formation des professionnels » du Plan d’action radon 2012–2020. La rencontre du 13 mars 2015 était destinée aux responsables des organisations du monde du travail (OrTra). L’OFSP a pu compter sur la participation de représentants de 18 associations professionnelles de la construction, couvrant 68 titres de formation professionnelle de base et supérieure. La journée du 6 novembre 2015 était quant à elle destinée aux enseignants des écoles d’ingénierie et d’architecture. Des représentants de 2 hautes écoles et 10 hautes écoles spécialisées étaient présents, constituant un total de 45 70 filières de formation. A l’occasion de ces deux rencontres, l’OFSP a informé les participants sur l’état actuel des connaissances en matière de radon. Les erreurs susceptibles de se produire dans les phases de planification et de réalisation d’un projet ainsi que lors de l’exploitation de bâtiments ont été présentées en se basant sur 27 cas concrets. Des exemples de réussite issus de la pratique ont par ailleurs permis de montrer comment la problématique du radon peut être intégrée de manière conséquente dans la formation. Mesures du radon Le groupe radon de l’Institut fédéral de métrologie (METAS) a élaboré des protocoles de mesure pour différents types de bâtiments. Les travaux relatifs aux protocoles pour les locaux d’habitation et de séjour ainsi que pour les écoles et les jardins d’enfants ont pu être achevés. Les principales modifications par rapport à la pratique actuelle dans de tels locaux consistent en l’abandon de la correction saisonnière et à la fixation contraignante d’une durée de mesure de trois mois durant la période de chauffage. Dès l’entrée en vigueur de l’ORaP révisée, il est prévu que ces protocoles de mesure fassent partie intégrante de la décision d’agrément délivrée aux services de mesure du radon. Les mesures de test réalisées au Tessin dans le cadre du projet d’élaboration d’un protocole pour les mesures de courte durée sont arrivées à leur terme. En première analyse, la stratégie choisie semble prometteuse. En sélectionnant correctement le dispositif de mesure, il est possible en quelques jours d’estimer la situation au niveau du radon dans un bâtiment donné. Une mesure de courte durée ne peut certes pas remplacer une mesure agréée pour la détermi- nation de la valeur moyenne annuelle, mais elle permet d’estimer de manière fondée le radon potentiellement présent. Le projet doit être finalisé d’ici à fin 2016. Mesures de construction liées à la protection contre le radon Un groupe de travail a été mis sur pied afin de réviser les recommandations de l’OFSP concernant la protection contre le radon dans les bâtiments neufs. Ce projet a pour but d’adapter ces recommandations aux nouvelles dispositions de protection contre le radon de la norme SIA 180 de 2014 et de confronter les méthodes de prévention pour les nouvelles constructions à l’avis de professionnels de la construction. Ce groupe intègre des représentants de la SIA, un physicien du bâtiment, un architecte, un consultant en radon, ainsi que la Haute Ecole d’ingénieurs et d’architectes de Fribourg. Il est prévu de publier les recommandations révisées en 2016. Un nouveau « guide technique sur le radon » traitant des exemples pratiques d’assainissement est en train d’être élaboré par le Faktor Verlag, en remplacement du guide technique actuel qui doit de toute manière être adapté en raison de la révision de l’ORaP. Ce nouveau manuel paraîtra début 2017. International – Atelier sur le radon au poste de travail L’implémentation de la nouvelle directive EURATOM s’avère critique pour le radon au poste de travail; c’est pourquoi l’OFSP a organisé un atelier sur ce thème au Bureau international du travail du 12 au 14 octobre 2015 à Genève, en collaboration avec les autorités de radioprotection française et norvégienne (ASN et NRPA) et sur mandat de l’Association des responsables des autorités compétentes en radioprotection en Europe (HERCA). L’objectif était de dégager une compréhension commune des articles de la directive européenne et d’émettre des recommandations. L’approche dosimétrique de la CIPR pour le calcul de l’exposition des travailleurs au radon fait toutefois encore défaut. Analyse prédictive et cartographie des concentrations de radon dans les locaux intérieurs en Suisse L’Institut de radiophysique (IRA) à Lausanne a réalisé, en collaboration avec l’OFSP, un projet relatif à l’analyse et à la modélisation de la concentration en radon dans les locaux intérieurs Fig. 20 : Des représentants d’OrTra formulent des demandes et des souhaits à l’intention de l’OFSP, 13 mars 2015 Fig. 21 : Exemple de communication sur la probabilité de dépassement d’une CRI donnée, en fonction de caractéristiques de construction données (CRI) en Suisse dans le cadre d’une thèse de doctorat. Dans la première phase, la CRI a été analysée en référence aux variables suivantes : type de détecteur, catégorie de bâtiment, fondation, année de construction, température extérieure moyenne durant la mesure, altitude et lithologie [1]. Toutes ces variables ont présenté une relation significative avec la CRI. Par ailleurs, une méthode de groupement automatique des classes géologiques a été développée en fonction de leurs caractéristiques liées à la CRI [2]. La deuxième partie du projet était consacrée à la modélisation de la CRI. Une méthode a été développée pour cartographier, avec un intervalle de confiance donné, la probabilité de dépassement de la valeur de référence de 300 Bq/m3 [3]. La figure 21 montre un scénario possible pour la publication de ces résultats. L’utilisateur peut introduire les caractéristiques et les coordonnées de sa maison et obtenir ainsi la probabilité de se situer au-dessus d’une certaine concentration de radon. [1] Kropat G. & al., Major influencing factors of indoor radon concentrations in Switzerland, Journal of Environmental Radioactivity, Vol. 129, 2014, pages 7–22 [2] Kropat G. & al., Improved predictive mapping of indoor radon concentrations using ensemble regression trees based on automatic clustering of geological units. Journal of Environmental Radioactivity. Vol. 147, 2015, pages 51–62 [3] Kropat G. & al., Predictive analysis and mapping of indoor radon concentrations in a complex environment using kernel estimation: An application to Switzerland, The Science of the Total Environment, Vol. 505, 2015, pages 137–148 71 Protection sanitaire contre le rayonnement non ionisant et le son Les pointeurs laser, les lasers cosmétiques et les solariums sont des sources de rayonnement non ionisant (RNI). Ces appareils peuvent mettre la santé en danger s'ils ne sont pas utilisés correctement. Les attaques au pointeur laser aveuglant constituent un grand risque pour de nombreux groupes professionnels. Des mesures effectuées dans des cockpits d’hélicoptère ont montré que même le rayonnement de pointeurs peu puissants conduisait à des expositions pouvant, au vu des connaissances actuelles, entraîner des aveuglements. En Suisse, l’utilisation de tels appareils n’était jusqu’à présent pas réglementée ; la nouvelle loi fédérale doit remédier à cette situation. Nouvelle loi fédérale sur la protection contre les dangers liés au rayonnement non ionisant et au son (LRNIS) En Suisse, la protection de la santé contre le rayonnement non ionisant (RNI) n’est pas réglementée de manière globale, contrairement à l’utilisation du rayonnement ionisant, régie par la législation suisse sur la radioprotection. Le rayonnement non ionisant et le son sont réglementés dans un grand nombre de dispositions fédérales. Celles-ci concernent principalement la sécurité des produits, l’environnement et la sécurité au travail. Au cours des dernières années, il est apparu que des réglementations complémentaires aux lois existantes étaient nécessaires si l’on voulait minimiser les risques sanitaires liés à l’utilisation des produits RNI. Une nouvelle loi sur la protection contre les risques liés au rayonnement non ionisant et au son (LRNIS) doit donc compléter les règlementations en vigueur. Elle n’affecte ni les lois existantes ni la mise en circulation de produits, dont les réglementations actuelles, adaptées à l’UE, doivent rester inchangées. La nouvelle loi prévoit une intervention impérative uniquement dans des cas d’exception pour des produits présentant un risque sanitaire important. En outre, elle doit constituer les bases pour l’observation des technologies futures et, le cas échéant, la prise de mesures nécessaires. 72 La LRNIS prévoit les mesures suivantes : • Respect des directives sur la sécurité et des instructions du fabricant : dans le cas des applications cosmétiques potentiellement dangereuses ou des solariums, des contrôles par échantillonnage doivent être possibles • Qualifications techniques : le Conseil fédéral peut exiger un certificat de compétences pour l'utilisation à des fins professionnelles ou commerciales d’un produit potentiellement dangereux • Interdictions : si aucune autre mesure ne permet de protéger suffisamment la santé humaine, le Conseil fédéral peut interdire l’importation, le transit, la remise et la détention de produits potentiellement très dangereux. Pour l’heure, seuls les pointeurs laser de forte puissance sont concernés par une éventuelle interdiction • Mesures en cas d’exposition à risque : dans les situations d’expositions présentant un risque pour la santé (par exemple lors de manifestations utilisant des lasers ou des sources sonores élevées), le Conseil fédéral peut définir des mesures limitant les valeurs d’exposition ou protégeant la santé humaine d’une autre manière • Information : dans le cadre du champ d’application de la nouvelle loi, la Confédération peut informer de manière adéquate et ciblée sur le RNI et collecter les données scientifiques nécessaires à cet effet. Pilotes d’hélicoptère aveuglés par un pointeur laser Les attaques au pointeur laser aveuglant constituent un grand risque pour de nombreux groupes professionnels. Les équipages d’hélicoptère devant opérer dans des cockpits en verre sont fortement concernés. La nouvelle LRNIS devra donc permettre d’empêcher de tels éblouissements. A cet effet, l’OFSP a mandaté l’Institut fédéral de métrologie (METAS) pour mesurer l’intensité de l’irradiation dans le cockpit d’un Eurocopter EC 635 de l’armée suisse. Ce dernier a été irradié avec des pointeurs laser de diverses couleurs et à différentes distances proches de la pratique. Cette expérience avait pour but de coupler les intensités d’irradiation appliquées avec les données d’études américaines existantes, visant à examiner le niveau d’éblouissement de personnes par des rayons laser en fonction de l’intensité d’irradiation. Les mesures ont montré que le rayonnement des pointeurs laser de la classe 3R, aujourd’hui autorisés en Suisse, provoque des expositions pouvant entraîner des troubles significatifs de la vue à des distances inférieures à 100 mètres et induire des éblouissements significatifs à des distances inférieures à 500 mètres. La figure 22 indique que la diffraction du rayon laser sur la vitre du cockpit exerce une grande influence sur la diffusion des rayons dans le cockpit et sur l’intensité de l’irradiation dans les yeux des pilotes. Nouvelles informations concernant les lampes et autres dispositifs d’éclairage à LED Les lampes et autres dispositifs d’éclairage à LED sont particulièrement économiques. Ils constituent ainsi une alternative intéressante aux lampes à économie d’énergie et aux lampes halogènes pour l’éclairage intérieur comme extérieur. Fig. 22 : Expositions au laser vert dans le cockpit d'un hélicoptère Les LED font appel à une technologie qui ne permet pas de produire directement de la lumière blanche : pour que l’œil interprète leur lumière comme telle, les lampes à LED émettent simultanément des composantes lumineuses jaunes et bleues. Or, la lumière bleue peut endommager la rétine en cas d’exposition trop longue ou d’intensité trop élevée. Il importe donc que ces lampes n’induisent pas de dépassement de la valeur limite d’exposition à la lumière bleue, valeur qui sera atteinte plus ou moins rapidement selon l’intensité du rayonnement bleu émis. La luminance énergétique autorisée est de 100 watt par mètre carré par stéradian (W m-2 sr-1) pour des durées d’exposition supérieures à 10’000 secondes. En condition d’utilisation normale, les lampes à LED destinées au grand public ne présentent pas de risque pour la santé, y compris pour les populations sensibles, telles que les enfants ainsi que les personnes au cristallin très clair, sans cristallin ou pourvues d’un cristallin artificiel. L’OFSP a publié une nouvelle fiche d’information pouvant aider la population à utiliser correctement les lampes à LED. 73 Exposition de la population aux rayonnements ionisants en 2015 La plus grande partie de l’exposition de la population aux rayonnements est due au radon dans les habitations et sur les lieux de travail, ainsi qu’aux examens médicaux. L’exposition à ces sources varie largement d’un individu à l’autre. Durant l’année 2015, aucun dépassement de limites de dose n'a été observé chez les personnes exposées aux rayonnements dans l’exercice de leur profession. Doses de rayonnement reçues par la population L’exposition de la population provient principalement du radon dans les locaux intérieurs, du diagnostic médical et de la radioactivité naturelle (figure 23). La valeur limite de dose due à des expositions artificielles (applications médicales exceptées) est fixée à 1 milliSievert (mSv) par an pour la population. L’exposition aux rayonnements dans le cadre professionnel est réglementée par des dispositions spécifiques, en particulier pour les jeunes et les femmes enceintes. Doses de rayonnement dues au radon Le radon-222 et ses descendants radioactifs, présents dans les locaux d’habitation et de travail, constituent la majeure partie de la dose de rayonnement reçue par la population. Ces radionucléides pénètrent dans le corps par l’air respiré. La Commission internationale de protection radiologique (CIPR) estime que le risque de cancer du poumon dû au radon est environ deux fois plus élevé que lors de son évaluation précédente (CIPR 115, 2010). En conséquence, la dose moyenne de radon à laquelle la population suisse est exposée doit être corrigée vers le haut. Elle s’élève maintenant à 3,2 au lieu de 1,6 mSv par an, valeur qui avait été calculée sur la base des anciens facteurs de dose figurant dans la publication 65 de la CIPR. A noter toutefois mSv / année 3,5 3 2,5 ICRP 115 2 1 0,5 ICRP 65 1,5 c 2008 2013 i t 0 radon diagnostic médical la radioactivité naturelle autres Fig. 23 : Doses moyennes de rayonnement reçues par la population suisse [en mSv/an/ personne]. La dose inhérente au radon est, selon la nouvelle évaluation de la CIPR (115, 2010), sensiblement revue à la hausse par rapport à l’estimation de la CIPR 65. La dose induite par le radiodiagnostic médical se base sur l’enquête de 2008 et sur l’enquête intermédiaire de 2013. La dose provenant de la radioactivité naturelle résulte du rayonnement terrestre (t), de l’incorporation (i) et du rayonnement cosmique (c). La rubrique « autres » englobe les centrales nucléaires, les instituts de recherche ainsi que les radio-isotopes artificiels présents dans l’environnement 74 que la dose de rayonnement due au radon n’est pas la même partout. La valeur moyenne est calculée à partir de la concentration moyenne de radon, à savoir 75 becquerels par mètre cube (Bq/m3). 1986. Les mesures au corps entier régulièrement réalisées sur des collégiens ont montré que les doses occasionnées par l’incorporation de césium-137 étaient inférieures à un millième de mSv par an. Doses de rayonnement dues au diagnostic médical La dose moyenne reçue par la population par le biais d’applications médicales (diagnostic radiologique) est de 1,2 mSv par an et par personne selon l’évaluation de l'enquête de 2008 et de 1,4 mSv par an et par personne selon l’évaluation de l'enquête intermédiaire de 2013. Plus des deux tiers de la dose collective annuelle en radiodiagnostic sont dus aux examens de tomodensitométrie. Comme dans le cas du radon, l’exposition par le diagnostic médical est très inégalement répartie entre les personnes. Environ deux tiers de la population ne reçoit pratiquement aucune dose associée au radiodiagnostic, alors que la dose excède 10 mSv pour un faible pourcentage de la population. Autres sources de rayonnement (artificielles) Aux doses de rayonnement mentionnées précédemment vient s’ajouter une faible contribution, inférieure ou égale à 0,1 mSv par an, qui comprend l’irradiation due aux centrales nucléaires, aux industries, à la recherche et à la médecine, aux biens de consommation et aux objets usuels ainsi qu’aux radioisotopes artificiels présents dans l’environnement. Notons que les doses occasionnées par les retombées de l’accident de Tchernobyl et par les essais nucléaires atmosphériques des années 1960, ne représentent plus aujourd’hui que quelques centièmes de mSv par an. La dose associée à la dispersion de substances radioactives après l’accident de Fukushima est négligeable en Suisse. Rayonnement terrestre et cosmique Le rayonnement terrestre, c’est-à-dire le rayonnement provenant du sol et des roches, induit une dose moyenne de 0,35 mSv par an et dépend de la composition du sol. La dose associée au rayonnement cosmique s’élève en moyenne à 0,4 mSv par an. Ce rayonnement augmente avec l’altitude, car la couche d’air qui l’atténue diminue. Il est environ 100 fois plus élevé à 10’000 mètres d’altitude qu’à 500 mètres. Ainsi, un vol transatlantique (aller-retour) représente une dose d’environ 0,06 mSv. Pour le personnel navigant, la dose peut atteindre quelques mSv par an. Radionucléides dans les aliments Des radionucléides naturels sont également assimilés dans le corps humain par l’intermédiaire de l’alimentation et occasionnent une dose moyenne d’environ 0,35 mSv par an, la contribution la plus importante provenant du potassium-40 fixé dans les tissus musculaires (environ 0,2 mSv par an). En plus du potassium-40, les aliments contiennent des radionucléides issus des séries naturelles de désintégration de l’uranium et du thorium. On y trouve aussi des radionucléides artificiels, principalement du césium-137 et du strontium-90 provenant des retombées des essais nucléaires atmosphériques effectués dans les années 1960 ainsi que de l’accident de Tchernobyl, survenu en avril Les doses reçues par les personnes habitant à proximité immédiate des centrales nucléaires suisses, du PSI ou du CERN ainsi que des hôpitaux, et qui sont attribuables aux substances radioactives émises par ces installations dans l’air et dans les eaux usées, atteignent au maximum un centième de mSv par an. Exposition aux rayonnements dans le cadre professionnel En Suisse, environ 94’000 personnes ont été exposées aux rayonnements dans l’exercice de leur profession durant l’année sous revue. Le nombre de personnes professionnellement exposées au rayonnement ionisant est donc en constante augmentation (+30% depuis 2004) ; environ 75% de ces personnes travaillent dans le domaine médical. Dans les secteurs de la médecine et de la recherche, l’OFSP effectue une analyse en cas de dépassement de 2 mSv pour la dose mensuelle au corps entier, ou de 10 mSv pour la dose mensuelle aux extrémités. C’est dans les domaines de la médecine nucléaire ainsi qu’en radiologie et en cardiologie interventionnelles que les doses élevées ont été les plus nombreuses. Une statistique détaillée figure dans le rapport annuel « Dosimétrie des personnes exposées aux radiations dans l’exercice de leur profession en Suisse », qui sera publié sur le site internet de l’OFSP en été 2016. 75 Collaboration internationale La radioprotection en Suisse doit correspondre aux standards internationaux. Une collaboration étroite avec les organismes internationaux est donc extrêmement importante. Nos principaux partenaires et affiliations sont les suivants : La Division radioprotection en tant que « Collaboration center » de l’Organisation mondiale de la santé (OMS) L'OMS a confirmé en 2014 la désignation de la Division radioprotection comme centre collaborateur pour la protection contre les rayonnements et pour la santé publique. Les termes de référence du mandat 2014-2017 sont les suivants : • préparation et gestion sanitaire en cas de situation d'exposition d'urgence • développement de stratégies visant à renforcer le plan d'action radon • évaluation du risque et mesures de protection associées aux rayonnements non ionisants • engagement en matière de radioprotection dans le domaine médical. Tous ces travaux visent également à renforcer l’action de l’OFSP dans le cadre du règlement sanitaire international signé par la Suisse en 2005. L’OFSP représente la Suisse depuis de nombreuses années dans les projets suivants de l’OMS : WHO-Globale Initiative : amélioration de la radioprotection en médecine. www.who.int/ionizing_radiation/about/med_exposure/en/index1.html WHO-Radon-Project : réduction du cancer du poumon lié au radon. www.who.int/ionizing_radiation/env/radon/en WHO-Intersun : réduction des effets nocifs des rayons UV. www.who.int/peh-uv WHO-EMF-Project : évaluation des risques sanitaires liés aux champs électromagnétiques. www.who.int/peh-emf/fr 76 Groupe d’experts de « l’article 31 du traité Euratom » Depuis novembre 2014, l’OFSP participe en qualité d’observateur aux réunions et aux discussions du groupe d’experts de « l’article 31 du traité Euratom ». Ce groupe est chargé d’examiner les normes de base relatives à la protection sanitaire contre les dangers des radiations ionisantes élaborées par la Commission Européenne. Commission internationale de protection radiologique (CIPR) Ses recommandations sont reprises dans le droit national de la plupart des états, notamment en Suisse. Le professeur François Bochud, président de la Commission fédérale de radioprotection (CPR), représente la Suisse dans le comité 4 qui exerce une fonction consultative sur l’application des recommandations de la CIPR. Association des autorités européennes de radioprotection (HERCA) Les états européens sont pratiquement tous représentés dans HERCA, avec comme objectif d’harmoniser la radioprotection en Europe, par exemple, par des prises de position communes sur des thèmes de radioprotection. HERCA est, pour les autorités de radioprotection européennes, la plate-forme la plus importante pour échanger des expériences et pour améliorer la pratique en matière de radioprotection dans les pays membres. L’OFSP a en outre participé au groupe de travail HERCA sur le radon, dont le premier workshop a eu lieu en 2014 à Paris. Il a organisé le deuxième workshop qui s’est tenu à Genève à l’automne 2015 en coopération avec l’ASN (France) et le NRPA (Norvège). En septembre 2016, l’OFSP organisera un workshop pour le groupe de travail Medical and Veterinary Applications. Réseau européen ALARA L’objectif de ce réseau est de maintenir les doses reçues par la population à un niveau aussi faible que raisonnablement possible (« As Low As Reasonably Achievable ») par des stratégies d’optimisation (www.eu-alara.net). Durant l’année sous revue, la division Radioprotection a préparé la 16ème manifestation « European ALARA Network Workshop », portant sur le thème « ALARA in industrial radiography - How can it be improved », qui se tiendra à Berne du 14 au 16 mars 2016. Collaboration bilatérale avec l’Allemagne et la France L’OFSP est représenté dans la « Deutsch-Schweizerischen Kommission für die Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen » et dans la Commission mixte franco-suisse de sûreté nucléaire et de radioprotection afin de garantir un échange d’expérience régulier portant sur l’exploitation, la sécurité, la surveillance et les effets environnementaux des centrales nucléaires ainsi que sur d’autres aspects de la radioprotection. L’OFSP et l'Autorité de sûreté nucléaire (ASN) se rencontrent régulièrement afin de coordonner la surveillance de la radioactivité aux alentours du CERN. L'OFSP participe également au comité de suivi des leucémies, piloté par l’ASN. Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA) En 2015, l’OFSP et le laboratoire de Spiez ont co-organisé un atelier en spectrométrie gamma in situ sous l’égide de l’AIEA en tant que membre du réseau ALMERA (Analytical Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity). Par ailleurs, l'OFSP a participé, en soutien à l’Inspection fédérale de la sécurité nucléaire (IFSN), à la 5ème réunion de revue de l'AIEA concernant l'implémentation de la Convention commune sur la sûreté de la gestion du combustible usé et des déchets radioactifs. L'OFSP a également contribué, sous l’égide de l'AIEA, à l'élaboration d'un guide concernant la gestion des sources radioactives retirées du service, afin de préciser les exigences du Code de conduite sur la sûreté et la sécurité des sources radioactives. Ce Code de conduite est un guide international, reconnu et encouragé par de nombreux pays, visant à promouvoir la sûreté et la sécurité de l'utilisation de sources radioactives. L’OFSP a en outre participé à l’élaboration de la publication de l’AIEA « Protection of the Public against Exposure Indoors due to Radon and other Natural Sources of Radiation » parue en 2015. Il a également fait partie d’une équipe d’experts mandatés par l’AIEA pour conduire une mission IRRS (Integrated regulatory review service IRRS mission). NERIS: The European Platform on Preparedness for Nuclear and Radiological Emergency Response and Recovery L’OFSP s’est fortement impliqué dans les travaux de la plateforme NERIS (www.eu-neris.net) notamment dans le cadre du projet PREPARE. Cette implication s’est concrétisée par la réalisation d’un panel franco-suisse sur la problématique de la gestion à long terme de denrées alimentaires contaminées suite à un accident nucléaire. Agence pour l’énergie nucléaire (AEN) de l’Organisation de coopération et de développement économiques (OCDE) Elle soutient les états membres pour les questions techniques et juridiques en rapport avec le développement et l’utilisation pacifique de l’énergie nucléaire. L’OFSP participe aux travaux du comité s’occupant des questions de radioprotection et de santé publique. Publications, informations complémentaires Bases légales En Suisse, la législation sur la radioprotection vise à protéger l’être humain et l’environnement contre les rayonnements ionisants. Elle s’applique à toute activité ou installation ainsi que tout événement ou situation pouvant présenter un danger lié à des rayonnements ionisants. Elle règle la manipulation de substances radioactives ainsi que d’appareils, d’installations et d’objets contenant des substances radioactives ou pouvant émettre des rayonnements ionisants. Elle concerne en outre les événements susceptibles de provoquer une augmentation de la radioactivité dans l’environnement. Le présent rapport annuel répond à l’obligation d’informer exigée par la législation suisse sur la radioprotection en matière de dosimétrie individuelle selon l’article 55 de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP), de radioactivité de l’environnement selon l’article 106 de l’ORaP et de problématique du radon selon l’article 118 de l’ORaP. Documents d’information Pour de plus amples informations sur la division Radioprotection, il est possible de consulter son site internet à l’adresse : www.ofsp.admin.ch, thème : rayonnement, radioprotection et son. Rayonnement ionisant : Directives et notices de l’OFSP, ainsi que formulaires et brochures sur les installations radiologiques, les substances radioactives, les déchets radioactifs, les personnes exposées au rayonnement dans le cadre professionnel et le radon. Rayonnement non ionisant et son : Brochures et fiches d’informations sur la protection solaire, les solariums, le laser, les champs électromagnétiques et le son dans le domaine des loisirs. Perfectionnement et enseignement • DVD sur la radioprotection en médecine nucléaire, dans les cabinets dentaires, lors des examens radiologiques interventionnels et lors de l’utilisation d’installations à rayons X en salle d’opération. • Matériel didactique sur la protection solaire et la protection de l’ouïe contre les niveaux sonores trop élevés. Newsletter Protection des consommateurs Recevez gratuitement notre newsletter « Protection des consommateurs » contenant les informations les plus récentes issues des divisions Produits chimiques et Radioprotection : www.ofsp.admin.ch, thème : rayonnement, radioprotection et son (inscription dans le menu de droite). 77 Radioprotection: tâches et organisation Les rayonnements sont omniprésents. Utiles en médecine, dans l’industrie et la recherche, ils présentent aussi certains risques pour l’être humain et l’environnement. Que ce soit dans le monde du travail, dans la nature ou dans la vie privée, une forte exposition à des radiations, à des déchets radioactifs ou au radon n'est pas sans danger. La division Radioprotection s’emploie donc à protéger la population des effets nocifs des rayonnements. Plus de 40 collaborateurs, issus de nombreux domaines professionnels, tels que la physique, la géologie et l’ingénierie, s’engagent pour que les doses de rayonnements auxquelles est exposée la population suisse soient justifiées et maintenues à un niveau aussi bas que possible. La première priorité est donnée aux mesures visant à empêcher les accidents et à réduire les doses élevées subies par la population, les patients ainsi que les personnes exposées aux rayonnements dans l’exercice de leur profession. En vue d’atteindre ces objectifs de façon complète et durable, nous disposons de moyens diversifiés. En ce qui concerne les rayonnements ionisants, la loi sur la radioprotection et ses diverses ordonnances d’application sont primordiales. Les dispositions légales visent à protéger l’être humain et l’environnement dans toutes les situations dans lesquelles des rayonnements ionisants ou une augmentation de la radioactivité présenteraient un danger. Notre division s’emploie à surveiller les quelques 22’000 autorisations d’utiliser les rayonnements ionisants en médecine, dans l’industrie et dans la recherche. Pour ce qui est des rayonnements non ionisants (RNI) et du son, nous mettons l’accent sur l’information de la population par notre site internet et par le conseil direct. Une base légale est en préparation dans ce domaine. La radioprotection ne fonctionne pas sans appui externe. Ainsi, nous mettons en application la législation en radioprotection en collaboration avec différents partenaires en Suisse et à l’étranger. Dans le domaine des RNI, nous participons à des programmes nationaux et internationaux de recherche et de prévention. Toutes ces collaborations nous permettent de réévaluer en continu les risques induits par les rayonnements sur la santé. 78 Notre catalogue comprend les tâches suivantes : • Octroi d’autorisations et surveillance en radiothérapie, en médecine nucléaire et en radiodiagnostic médical ; la protection des patients ainsi que celle du personnel médical est au cœur de notre action • Octroi d’autorisations et surveillance des installations complexes de recherche telles que le CERN et le PSI • Elaboration et adaptation des bases légales en fonction des avancées de la science et de la technique, notamment à ce jour en vue de la révision de l’ordonnance sur la radioprotection et de l’établissement de la législation dans le domaine du RNI et du son • Surveillance du personnel professionnellement exposé aux radiations ionisantes (environ 94’000 personnes) • Octroi d’autorisations pour des études cliniques utilisant des produits radiopharmaceutiques • Homologation et expertise de sources radioactives • Surveillance de la radioactivité dans l’environnement • Exploitation d’un laboratoire accrédité de mesure de la radioactivité et gestion de réseaux de mesure • Evaluation des doses de rayonnements ionisants reçues par la population suisse • Mise en œuvre des plans d’action pour le radon et le radium • Reconnaissance des formations en radioprotection, des services de dosimétrie et des services de mesure du radon • Information, ainsi que recommandations de prévention et de précaution, concernant le RNI pour éviter les expositions optiques, électromagnétiques ou acoustiques potentiellement dangereuses pour la santé humaine • Entretien d’un dispositif de gestion de crise pour pouvoir intervenir sans retard en cas d’incidents radiologiques et de catastrophes • Assistance des entreprises et des personnes concernées lors d’une défaillance ou d’un accident • Elimination des déchets radioactifs provenant de la médecine, de l’industrie et de la recherche • Communication et information via internet, les médias, les rapports et les brochures. Assurance maladie et accidents Politique de la santé Santé publique Protection des consommateurs Produits chimiques Radioprotection – Urgence / Gestion de crise – Affaires politiques – Médias / Relations publiques Sébastien Baechler Sybille Estier (suppl.) Service de coordination des autorisations – Traitement des demandes et des autorisations – Plaque tournante de l’ensemble de la division Patricia Grimm Maja Andjelkovic (suppl.) Marianne Grossenbacher Agnes Oberli (externe) Shannen Simmler Samuel von Gunten (externe) Radiothérapie et diagnostic médical Installations de recherche et médecine nucléaire Autorisations / Surveillance : – Réalisation d'audits et d’inspections – Optimisation de l’exposition des patients et des professionnels – Évaluation de l’exposition médicale reçue par la population – Détermination de niveaux de référence diagnostiques (NRD) pour la Suisse – Surveillance des applications radiologiques dans la radiothérapie et le diagnostic médical – Surveillance des entreprises installatrices d’appareils radiologiques – Conseil pour les questions liées à la radioprotection – Surveillance du rayonnement ionisant en médecine nucléaire et dans les installations de recherche – Formation en radioprotection – Déchets radioactifs – Produits radiopharmaceutiques / études cliniques Philipp Trueb Reto Treier (suppl.) Jeanne Berg Michael Gasser (externe) Heinz Jung (externe) Marc Marconato Barbara Ott Thomas Theiler David Wittwer Nicolas Stritt Reto Linder (suppl.) Fabien Devynck Thomas Flury Rolf Hesselmann Lorenzo Mercolli Gloria Perewusnyk Raphaël Stroude Christina Urscheler Rayonnement non ionisant et dosimétrie Radioactivité de l’environnement Risques radiologiques RNI : – Information, recherche et évaluation sur le rayonnement non ionisant et le son – Protection du public contre les rayons laser et des nuisances sonores lors de manifestations DOS: – Surveillance dosimétrique des personnes exposées au rayonnement dans l'exercice de leur profession – Gestion du registre dosimétrique central – Surveillance des services de dosimétrie individuelle – Elaboration de bases concernant la dosimétrie – Surveillance de la radioactivité dans l’environnement (coordination du programme national de surveillance, exploitation du laboratoire accrédité d'analyse de la radioactivité et des réseaux de mesures) – Evaluation des doses de rayonnement reçues par la population suisse – Mise en oeuvre du programme national radon et du plan d’action radium – Préparation aux événements radiologiques – Evaluation de l’évolution au niveau international en matière de radioprotection – Droit pénal administratif Sybille Estier Philipp Steinmann (suppl.) Pierre Beuret Giovanni Ferreri André Gurtner Thomas Marti Matthias Müller Christophe Murith Emanuel Christen (suppl.) Fabio Barazza Walther Gfeller Martha Palacios Daniel Storch Beat Gerber (suppl.) Raphael Elmiger Daniel Frei Martin Meier Salome Ryf Evelyn Stempfel Les collaborateurs marqués en gris ont quitté l'office en cours d'année 79 Impressum Konzeption, Redaktion und alle nicht gezeichneten Texte: BAG Alle nicht gezeichneten Fotos: BAG Grafiken & Layout: Christoph Grimm, Bern / Bruno Margreth, Zürich Copyright: BAG, Mai 2015 Abdruck mit Quellenangabe erwünscht: «Strahlenschutz BAG; Jahresbericht 2015« Weitere Informationen und Bezugsquellen: Bundesamt für Gesundheit BAG, Direktionsbereich Verbraucherschutz Abteilung Strahlenschutz CH-3003 Bern Tel. +41 (0)58 462 96 14 [email protected] www.bag.admin.ch, www.str-rad.ch BBL, Verkauf Bundespublikationen, CH-3003 Bern www.bundespublikationen.admin.ch BBL-Bestellnummer: 311.326.d ISBN: 978-3-906202-00-6 Impressum Conception, rédaction et textes non signés : OFSP Photos sans légende / Photos non signées : OFSP Graphiques et mise en page : Christoph Grimm, Berne / Bruno Margreth, Zurich Copyright : OFSP, mai 2015 Indication de la source en cas de reproduction : « Radioprotection OFSP ; rapport annuel 2015 « Informations supplémentaires et diffusion : Office fédéral de la santé publique (OFSP) Unité de direction Protection des consommateurs Division Radioprotection CH-3003 Berne Téléphone : +41 (0)58 462 96 14 [email protected] www.bag.admin.ch, www.str-rad.ch OFCL, Vente des publications fédérales, CH-3003 Berne www.publicationsfederales.admin.ch Numéro de commande OFCL : 311.326.f ISBN : 978-3-906202-00-6 80 2016-VS-03