Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz

Transcription

Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz
Strahlenschutz und
Überwachung
der Radioaktivität in
der Schweiz
Ergebnisse 2015
Radioprotection
et ­surveillance
de la radioactivité
en Suisse
Résultats 2015
2
Die Strahlenexposition der Schweizer Bevölkerung durch medizinische Anwendungen nimmt laut der 2015 veröffentlichten Erhebung
weiter zu. Die durchschnittliche effektive Dosis pro Person durch
radiologische Untersuchungen ist zwischen 2008 und 2013 von
1,2 mSv auf 1,4 mSv pro Jahr gestiegen, hauptsächlich wegen der
Verwendung von Computertomographen. Diese Zunahme geht zwar
mit qualitativ verbesserten Diagnosen und Behandlungen einher,
muss aber trotzdem eingedämmt werden. Das BAG will die Patientinnen und Patienten besser vor unnötiger Strahlung schützen. Künftig sollen klinische Audits dafür sorgen, dass weniger ungerechtfertigte radiologische Untersuchungen stattfinden. Das Projekt klinische
Audits wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen medizinischen
Berufsverbänden umgesetzt.
Bild: Brigitte Batt & Klemens Huber
Liebe Leserin, lieber Leser
Bis 2015 gab es in der Schweiz keine automatischen Messungen der
Radioaktivität im Flusswasser. Ab jetzt wird das vom BAG betriebene
Messnetz «URAnet aqua» die Radioaktivität in Aare und Rhein kontinuierlich messen und es ermöglichen, jede ungewöhnlich hohe Aktivität im Wasser zu erkennen, insbesondere unterhalb der schweizerischen Kernkraftwerke. Die Ergebnisse dieser Messungen sowie alle
Messungen der Radioaktivität in der Umwelt sind auf der neuen
Internet-Plattform www.radenviro.ch einsehbar.
Die Umsetzung des im Mai 2015 vom Bundesrat verabschiedeten
Aktionsplans Radium 2015–2019 erweist sich angesichts der bisher
durchgeführten Arbeiten als anspruchsvoll. Rund 90 Gebäude mit
insgesamt über 560 Wohnungen wurden bis Ende 2015 bereits untersucht.
Unsere Abteilung war 2015 noch in zahlreichen weiteren Bereichen
tätig. Im vorliegenden Bericht stellen wir Ihnen die prägenden Ereignisse des Jahres vor. Im Interview übergeben wir das Wort Philipp
Trueb und Nicolas Stritt. Die beiden Sektionsleiter vermitteln einen
Einblick in die Aufsicht in den Bereichen Medizin und Forschung.
Im Oktober 2015 wurde die revidierte Strahlenschutzverordnung
allen betroffenen Kreisen zur Stellungnahme vorgelegt. Es handelt
sich dabei um eine wichtige Etappe für alle in den Strahlenschutz
involvierten Akteure in der Schweiz: Wenn der Bundesrat die neue
Strahlenschutzverordnung verabschiedet hat, wird diese den regulatorischen Rahmen für die nächsten 20 Jahre festlegen. Diese Revision soll auch künftig ein hohes, international anerkanntes Strahlenschutzniveau sicherstellen.
Ende 2015 hat der Bundesrat die Gesetzesvorlage über den Schutz
vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall verabschiedet und dem Parlament überwiesen. Das vorliegende Gesetz
bietet unter anderem die Möglichkeit, starke Laserpointer zu verbieten und die Sicherheit in Solarien zu verstärken. Wir werden sehen,
ob der politische Wille in diese Richtung geht.
Sébastien Baechler
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Inhalt
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40 ff.
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Editorial
Interview: Grosse Herausforderungen bei der Aufsicht
Strahlenschutz in Medizin und Forschung
Intervention in einem radiologischen Notfall
Radiologische Ereignisse
Reportage: Solarien sachgerecht betreiben, um Hautkrebsrisiko zu senken
Überwachung der Umwelt
Bericht: Rascher Alarm bei Kontamination des Trinkwassers
Aktionsplan Radium 2015 - 2019
Aktionsplan Radon 2012 – 2020
Gesundheitsschutz vor nichtionisierender Strahlung und Schall
Strahlenbelastung der Bevölkerung 2015
Internationale Zusammenarbeit
Publikationen, weiterführende Informationen
Strahlenschutz: Aufgaben und Organisation
Französische Texte / Version française
Impressum
Grosse Herausforderungen bei der Aufsicht
Alle Produkte, Anwendungen und Anlagen mit ionisierender Strahlung,
die in Medizin und Forschung zum Einsatz kommen, stehen unter der
Aufsicht des Bundesamtes für Gesundheit. Zwei Sektionen der Abteilung Strahlenschutz teilen sich diese Aufsicht, die auf Grund der rasanten
Technologieentwicklung und Mengenausweitung in der Medizin heute
vor grossen Herausforderungen steht. Wie das BAG konkret mit dieser
Situation umgeht, kommt im Interview mit den beiden Sektionsleitern
Nicolas Stritt und Philipp Trueb zur Sprache.
Was sind die Hauptaufgaben Ihrer beiden
Sektionen?
Nicolas Stritt (NS): Die Sektion «Forschungsanlagen und Nuklearmedizin» beaufsichtigt den
Strahlenschutz in Grossforschungsanlagen am
CERN oder Paul Scherrer Institut (PSI), in den
nuklearmedizinischen Abteilungen der Spitäler
sowie an Schulen und Universitäten. Im Zentrum stehen der Umgang mit grossen Beschleunigern, mit «offenen» Strahlenquellen und mit
radioaktiven Stoffen, die sich ausbreiten und
Kontaminationen verursachen können, sowie
mit radioaktivem Abfall.
Philipp Trueb (PhT): Die Sektion «Strahlentherapie und medizinische Diagnostik» ist auf medizinische Geräte und Technologien spezialisiert,
die keine radioaktiven Materialien verwenden,
sondern, wie beispielsweise Röntgenanlagen,
selber ionisierende Strahlen erzeugen.
NS: Es gibt auch hybride Systeme wie PET/CT
und SPECT/CT. Bei diesen erhalten Patienten
radioaktive Stoffe gespritzt, währenddem
gleichzeitig radiologische Installationen eingesetzt werden. Bei solchen Anlagen legen wir
gemeinsam die Aufsichtsschwerpunkte fest
und führen die Inspektionen zusammen durch.
Ihre Aufgaben sind in den letzten Jahren
stetig gewachsen. Können Ihre Mitarbeiter noch flächendeckend alle Betriebe
besuchen oder müssen Sie Lücken in
Kauf nehmen?
PhT: Dass die Aufsicht nur über Inspektionen
stattfindet, ist ein falsches Bild. Wir nehmen die
Aufsicht auch administrativ wahr. So überprüfen
wir beispielsweise, ob Betriebe die vorgeschriebenen qualitätssichernden Massnahmen treffen. Dafür braucht es keine Besuche vor Ort.
NS: Mit dieser administrativen Aufsicht können
wir alle Betriebe erreichen. So setzen wir uns
beispielsweise mit Hilfe der Jahresmeldungen
der Betriebe ins Bild, wie viel Radioaktivität sie
umgesetzt haben. Klar ist, dass wir Schwerpunkte setzen müssen und nicht jedes Jahr in
alle Betriebe gehen können.
PhT: Wir verfolgen dabei den graded approach,
das heisst, dass wir physisch vor allem dorthin
gehen, wo die Risiken gross sind. Bei kleinen
Risiken hingegen ist die Aufsicht niederschwellig. Aber Aufsichtslücken, in denen gar nichts
passiert, die gibt es nicht.
Wo liegen die aktuellen Schwerpunkte?
NS: Ganz klar bei den hohen Risiken. Dieses
Jahr konzentrierten wir uns beispielsweise auf
Betriebe, die mit Zyklotron-Anlagen Radiopharmazeutika herstellen. Zudem haben wir die
Qualitätskontrollen bei Radiopharmazeutika für
die Nuklearmedizin angeschaut, da sich diese
Sparte sehr schnell entwickelt.
PhT: Dieses und letztes Jahr haben wir alle
Mammografie-Anlagen der Schweiz auditiert.
Mit diesen Schwerpunkten versuchen wir, einen
Überblick über ein bestimmtes Gebiet zu erhalten und daraus Folgerungen abzuleiten, die wir
anschliessend allen Betrieben vermitteln.
Wie gehen andere Länder mit diesen
Herausforderungen um? Gibt es Schweizer Spezialitäten?
PhT: Viele Strahlenschutzaspekte sind im Ausland und in der Schweiz deckungsgleich, aber
regulatorisch nicht identisch gelöst. So gibt es
Länder mit einer kleinen Aufsicht und Länder,
deren Aufsicht weit über die schweizerische Pra-
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xis hinausgeht. Speziell für die Schweiz ist sicher die Bewilligungspraxis bei den sogenannten «Röntgenfirmen», die im Gegensatz zum
Ausland hier eine Bewilligung für Handel, Installation und Wartung von Röntgenanlagen benötigen. Wir gewinnen durch diesen Zusatzaufwand
aber auch viel, da die Röntgenfirmen durch ihre
Wartungstätigkeit und die Durchführung der
geforderten Zustandsprüfungen einen wichtigen Teil des Strahlenschutzes abdecken. Diese
gute Umsetzung des graded approach erlaubt
es uns, uns auf die grossen Risiken zu konzentrieren.
PhT: Die moderne Technologie hat viele Änderungen bewirkt, z.B. dass moderne Anlagen
über eine geräteinterne Überwachung verfügen. Heute überprüfen wir, ob die betriebsinternen Prozesse gut organisiert sind und wie ein
Betrieb seine Qualität sicherstellt. Man kann
jede Anlage gut bedienen, aber man muss wissen wie. Heute sind der Ablauf einer medizinischen Untersuchung, die Bedienung der dazu
verwendeten Geräte und die Ausbildung des
Personals wesentlich komplexer. Aus diesem
Grund arbeiten heute im BAG vorwiegend akademisch ausgebildete Auditoren und Auditorinnen,
die solche komplexen Sachverhalte verstehen.
Die Forschung zum Strahlenschutz liefert
kontinuierlich neue Erkenntnisse, und
auch die Technologien in der Medizin
entwickeln sich rasant. Fliessen diese
Neuerungen in die Aufsichtstätigkeit ein?
PhT: Wir können unmöglich ein Wissensmanagement auf die Beine stellen, das alle diese
Neuerungen abdeckt. Wir hinken zwangsläufig
der Entwicklung immer hinterher. Wir versuchen, auf Trends einzusteigen, indem wir auch
Aufträge an Partner und Universitätsspitäler
geben, die neue Entwicklungen analysieren
sollen. Die gewonnenen Erkenntnisse führen zu
neuen Wegleitungen des BAG zur Verwendung
oder Inbetriebnahme neuer Geräte.
Abb. 1: Dr. phil. nat. Nicolas Stritt
NS: Wir haben im Gegensatz zum Ausland auch
eine beratende Funktion. Wir gehen vor Ort und
gewinnen so einen Überblick, aus der wir eine
«gute Praxis» ableiten und diese allen Betrieben
zur Verfügung stellen.
Hat sich die alltägliche Arbeit der Strahlenschutz-Inspektoren und -Inspektorinnen in den letzten Jahren verändert?
NS: Früher haben wir viel mehr technische Inspektionen der Geräte durchgeführt. Solche
Messungen stehen heute nicht mehr im Zentrum. Heute schauen wir vor allem auf die
Prozesse, die mit diesen Geräten verknüpft
sind, z. B. wie das Personal die Geräte und Anlagen bedient und mit welchen Geräteeinstellungen es Untersuchungen durchführt.
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Dr. phil. nat. N. Stritt absolvierte nach
seinem Physikstudium ein Doktorat in
experimenteller Physik an der Universität
Freiburg in Zusammenarbeit mit dem
Institut Laue Langevin in Grenoble (F). Er
besitzt ein Diplom in Medizinphysik der
ETH Zürich. Er arbeitet seit 2000 für das
BAG und leitet seit 2004 die Sektion Forschungsanlagen und Nuklearmedizin.
Dr. Philipp R. Trueb studierte Physik an
der Universität Basel und promovierte
dort in experimenteller Kernphysik. Zusätzlich absolvierte er an der ETH Zürich
ein Nachdiplomstudium in Medizinphysik. Ab 1999 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das BAG. Die Sektion Strahlentherapie und Medizinische
Diagnostik in der Abteilung Strahlenschutz des BAG leitet er seit 2007.
Behindert dieses Hinterherhinken nicht
die Innovation in der Diagnostik oder
Nuklearmedizin?
PhT: Das kann man so sehen. Aber: Dank unserer Arbeit werden neue Technologien von vorneweg strahlungsarm gebaut, so dass die Patientendosen sinken. Dies ist auf das gesteigerte
Bewusstsein von Herstellern und Anwendern
zurückzuführen, zu dem wir eben auch beitragen. Sie haben ein Interesse daran, dass ihre
neuen Geräte so wenig wie möglich strahlen.
NS: In der Nuklearmedizin ist es das Gleiche.
Man benutzt heute wesentlich empfindlichere
Detektoren, die mit kleinerer eingesetzter Radioaktivität die gleiche Bildqualität sicherstellen.
Die Innovation nicht zu behindern, ist allerdings
eine ständige Herausforderung für unsere Mitarbeitenden, die sich konstant zu den neuesten
Entwicklungen weiterbilden müssen.
PhT: Die Einsparung von Strahlendosen wird
allerdings durch die Mengenausweitung in der
Medizin wieder «aufgefressen», so dass die
Dosis der Gesamtbevölkerung insgesamt sogar
wächst. Grund dafür ist, dass es immer mehr
medizinische Indikationen für radiologische
Untersuchungen und Therapien gibt. Für die
Patienten sind die Einzeldosen pro Untersuchung in den letzten Jahren allerdings gesunken.
Was wird genau gemacht, damit die Dosen in der Diagnostik nicht ungebremst
steigen?
NS: Wir müssen zwischen Optimierung der
Strahlendosen und medizinischer Rechtfertigung unterscheiden. Die Rechtfertigung fällt
nicht unbedingt unter unsere Aufsichtstätigkeit,
da dies eine rein medizinische Fragestellung ist.
Wir fördern aber trotzdem die Diskussion über
die Rechtfertigung und wollen mit dem Projekt
«Klinische Audits» ein Gefäss für Fachleute
bilden, wo diese Fragen diskutiert werden können. So möchten wir die Mengenausweitung in
den Griff bekommen, damit nicht mehr und
mehr Röntgenaufnahmen gemacht werden.
Welches sind die hauptsächlichen Errungenschaften im Strahlenschutz, die auf
die Arbeit der Aufsichtsbehörden zurückzuführen sind? Was wäre verbesserungswürdig?
PhT: Wir haben grossen Erfolg mit unseren
Schwerpunktaudits. Sie sind zielführend, und
wir wissen dank ihnen, wie ausgewählte Bereiche der Radiologie funktionieren. Wir können
dieses Wissen an andere Interessierte weitervermitteln. Die Einführung des Konzepts der
diagnostischen Referenzwerte hat zudem dazu
geführt, dass das Dosisbewusstsein bei den
Anwendern enorm gestiegen ist.
NS: Dank unserer Audits und der Verbreitung
von Information zur guten Praxis im Strahlenschutz hat sich die Strahlendosis der Patienten
und des Personals reduziert. Verbesserbar wäre
der Erfahrungsaustausch unter den Betrieben
zum Schutz von Patienten und Personal. Wir
regen das bereits an, indem wir Schlussberichte
über Audits schreiben und diese an alle Betriebe
verteilen. Wir stellen diese Resultate auch an
Koordinationssitzungen und Kongressen vor.
Abb. 2: Dr. Philipp R. Trueb
Die Mitarbeitenden des BAG nehmen
neben Aufsichtsfunktionen auch Beratungsaufgaben bei Bewilligungsinhabern
wahr. Diese Beratung hat sicher Vorteile.
Haben diese verschiedenen Rollen aber
auch Nachteile?
NS: Wichtig ist, dass wir bereits bei der Beratung bzw. der Bauphase dabei sind, um neue
Projekte in die korrekte Richtung lenken zu können. Diese unterschiedlichen Rollen unserer
Behörde lassen sich gut trennen. Am Anfang
beraten wir und geben viele Empfehlungen ab.
Am Schluss erteilen wir aber eine Bewilligung,
die alle Anforderungen klarstellt.
PhT: Unsere Offenheit gegenüber den Betrieben wird ihrerseits mit Offenheit honoriert. So
erfahren wir auch, wo Probleme liegen und können diese gemeinsam anpacken.
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Die Verordnungen zum Strahlenschutzgesetz werden im Moment revidiert. Was
werden die hauptsächlichen Veränderungen im Aufsichtsbereich sein?
NS: In der Zukunft werden wir mehr Gewicht
auf die Sicherung radioaktiver Quellen legen.
Insgesamt ist der Einfluss der neuen Strahlenschutzverordnung auf die Aufsicht aber eher
klein, da wir schon heute mit Schwerpunktprogrammen risikoorientiert arbeiten.
PhT: Es gibt gewisse Anpassungen in der Aufsicht. Sie liegen eher auf der technischen Ebene
und betreffen neue Anforderungen an den
Strahlenschutz bei Lücken, die bis anhin noch
nicht abgedeckt waren. Neu wird die ganze Kette von der Strahlerzeugung bis zur Bildgebung
bewilligungspflichtig.
Gibt es Gebiete im Aufsichtsbereich, die
in Zukunft verstärkt durch Selbstdiagnose
von strahlenden Geräten oder durch elektronische Ferndiagnosen abgedeckt werden können?
PhT: Wir lesen schon heute nicht mehr nur technische Parameter bei Geräten ab, sondern stellen die Prozesse in den Vordergrund. Dies kann
nur durch einen Austausch von Mensch zu
Mensch, also mit Besuchen in den Betrieben,
erreicht werden. Solche Audits vor Ort werden
deshalb in Zukunft wichtiger werden. Die Strahlenschutzkultur eines Betriebes kann man nun
einmal einfach nicht durch die Lektüre eines
Qualitätsmanagement-Ordners erfahren.
NS: Es gibt oft Unterschiede zwischen dem,
was in Dokumenten steht und was in der Realität gelebt wird. Wir müssen vor Ort sein, um
sehen zu können, wie die Leute arbeiten und
wie die Strahlenschutzkultur gelebt wird.
Insgesamt gibt es wenige Unfälle durch
ionisierende Strahlung. Könnte es sein,
dass der Strahlenschutz zu stark reguliert
ist? Könnte ein Teil der Verantwortung an
die Betriebe abgetreten werden, um bei
den Behörden Ressourcen für die Lösung
der ganz grossen Probleme zu schaffen?
NS: Dieser Eindruck von wenigen Unfällen ist
nicht ganz richtig. Viele Vorfälle werden nicht
gemeldet, es besteht eine Dunkelziffer. Wir
wissen dies, da unsere Kultur der Transparenz
und Offenheit gegenüber den Betrieben langsam zu wirken beginnt. Wir erfahren deshalb
mehr über Zwischenfälle und Ereignisse. Es ist
ganz klar, dass die Aufsicht die Anzahl solcher
Fälle reduziert.
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PhT: Es wäre ein Trugschluss, bei einem funktionierenden Überwachungssystem, das Unfälle
verhindert, einen Abbau zu fordern! Wir wollen
aber sicher mehr Kompetenz an die Strahlenschutzsachverständigen in den einzelnen Betrieben delegieren. Durch die komplexen Anwendungen braucht es vermehrt kompetente Leute
vor Ort. Intern machen diese Leute dann die
grossen Würfe, welche die Strahlendosen minimieren. Im Vergleich zum Ausland geben wir
diesen Leuten sehr viel Verantwortung.
Zu guter Letzt: Wo liegen die Schwerpunkte in den nächsten Jahren?
PhT: Bei uns in der Aufsichtstätigkeit im Operationstrakt, wo viele mobile Röntgengeräte bei
chirurgischen Eingriffen verwendet werden, wo
sich viel Patienten und Personal aufhalten und
wo die Aufsichtstätigkeit bis anhin eher klein
war.
NS: Bei uns richten wir den Fokus auf spezielle
Therapien für Leber- und Prostatakrebs mit Radionukliden sowie die Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung.
Strahlenschutz in Medizin und Forschung
Patientiennen und Patienten sowie Personal in Medizin und Forschung
sollen bestmöglich vor Strahlenschäden geschützt sein – das ist eine
Hauptaufgabe im Strahlenschutz. Der enorme technologische Fortschritt
bei den bildgebenden Verfahren bringt zwar viele Vorteile, hat aber auch
die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bevölkerung erhöht. Das
BAG will Gegensteuer geben: Aufsichtsschwerpunkte haben zum Ziel,
den Einsatz ionisierender Strahlung in Zusammenarbeit mit den Betrieben zu optimieren. «Klinische Audits» sollen in Zukunft zusätzlich die
Rechtfertigung von Untersuchungen und Behandlungen stärker in den
Fokus rücken. In diesem Projekt, das Bestandteil der vom Bundesrat
verabschiedeten Gesamtschau «Gesundheit 2020» ist, ist 2015 die Pilotphase angelaufen.
Strahlenschutz in der Medizin
CT-Untersuchungen führen zu Anstieg der
Strahlenbelastung
Alle zehn Jahre lanciert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit dem Institut de
Radiophysique in Lausanne eine umfassende
Studie zur Strahlenbelastung der Bevölkerung
aufgrund medizinischer Anwendungen. Es vergleicht die schweizerische Praxis mit anderen
Ländern und ergreift wo nötig Massnahmen.
Die letzte grosse Umfrage war 2008. Jeweils
zwischen zwei umfangreichen Studien werden
die Daten aufgrund kleinerer Studien aktualisiert, letztmals im Jahr 2013. 2015 wurden die
analysierten Daten in einem Bericht publiziert.
Effektive Dosis (mSv)
1.4
0.40
1.2
0.40
1.0
0.8
0.6
0.64
0.72
0.80
0.4
0.2
0.0
1.00
Medizinische
Strahlenbelastung
aufgrund von CTUntersuchungen
0.58
0.28
1998
2003
2008
Medizinische
Strahlenbelastung
mit Ausnahme
von CT-Untersuchungen
2013
Abb. 3: Die medizinische Strahlenbelastung aufgrund
von CT-Untersuchungen steigt, bei den übrigen Anwendungen ist sie tendenziell sinkend.
Quelle: Institut de Radiophysique, Lausanne, 2015
Die Zwischenstudie von 2013 bestätigt einen
Trend: In der Schweiz nimmt die durchschnittliche Strahlenbelastung pro Einwohner aufgrund
medizinischer Anwendungen kontinuierlich zu,
innert 15 Jahren um 40%: von 1.0 auf 1.4 mSv/
Jahr (1998–2013; bei der grossen Umfrage von
2008 waren es noch 1.2 mSv). Diese deutliche
Zunahme ist auf den vermehrten Einsatz der
Computertomographie (CT) zurückzuführen. Die
Dosis aus CT-Untersuchungen beträgt gemäss
Zwischenerhebung 1.0 mSv im Jahr pro Einwohner – im Vergleich zu 0.8 mSv im Jahr 2008 oder
nur 0.28 mSv im 1998. Die Strahlenbelastung
aus den übrigen medizinischen Anwendungen
ist tendenziell gesunken, vgl. Abb. 3.
Im Schnitt wurde jeder und jede Einwohner/in
mehr als einmal pro Jahr radiologisch untersucht, laut Zwischenerhebung fanden schätzungsweise 10 Millionen Untersuchungen jährlich statt. Mit einem Anteil von 70.5% liefern die
312 Computertomographen in der Schweiz den
mit Abstand grössten Beitrag zur Strahlenbelastung. Dies ist bemerkenswert, weil nur knapp
10% der Untersuchungen CT-Aufnahmen sind.
Zahnmedizinische Röntgenaufnahmen sowie
die Radiographie bleiben die am häufigsten
angewandten Untersuchungsverfahren (mehr
als 85%). Sie tragen jedoch nur gut 10% zur
effektiven Dosis bei (vgl. Abb. 4, Häufigkeitsverteilung und Beitrag der Dosen).
9
Häufigkeitsverteilung
0,6%
0,6%
Beitrag Dosen
6,2%
0,4%
10,7%
6,8%
38,8%
0,8%
4,2%
0,9%
Zahnmedizinische Radiologie
Konventionelle Durchleuchtung
Interventionelle Diagnostik
Interventionelle Therapeutik
Radiographie
Mammographie
Computertomographie
47,4%
2,6%
9,6%
70,5%
Abb. 4: Häufigkeitsverteilung und Beitrag an den Strahlendosen aus verschiedenen radiologischen Untersuchungen.
IRA, 2015
Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz
damit im Mittelfeld. Gemäss dem Bericht des
wissenschaftlichen Komitees zu den Effekten
atomarer Strahlung der Vereinten Nationen
(UNSCEAR) aus dem Jahr 2008 betrug die
durchschnittliche medizinische Strahlenbelastung aller Länder mit Health-Care Level I
1.9 mSv/Jahr, wovon die Computertomographie
0.9 mSv/Jahr beitrug.
Projekt Klinische Audits in der Pilotphase
Es wird davon ausgegangen, dass viele Untersuchungen und Behandlungen mit ionisierender
Strahlung nicht gerechtfertigt sind. Mit der Einführung Klinischer Audits in der Radiologie, der
Radio-Onkologie und der Nuklearmedizin sollen
ungerechtfertigte Untersuchungen und Behandlungen mit ionisierender Strahlung minimiert
werden. Strukturen, Prozesse und Ergebnisse
werden in Form von «Peer Reviews» – als Begutachtungen unter Fachkollegen – systematisch
evaluiert und, wenn erforderlich, angepasst.
Während der laufenden Pilotphase haben Mediziner, Medizinphysiker und Fachpersonen für
Medizinisch-Technische Radiologie (MTRA)
Auditinhalte sowie Anforderungen an Qualitätshandbücher ausgearbeitet. Thematisch stehen
in der Radiologie die Abläufe und Arbeitsprozesse bei CT-Untersuchungen im Fokus, in der Nuklearmedizin diejenigen bei onkologischen PETCT-Untersuchungen. In der Radio-Onkologie soll
der gesamte Patientenpfad auditiert werden.
Experten europäischer Fachgesellschaften haben die Auditinhalte evaluiert, damit die Qualität
internationalen Standards entspricht. In allen
drei Fachbereichen wurden zudem Fachspezialisten zu externen Auditoren ausgebildet und
freiwillige Betriebe rekrutiert. Im Oktober 2015
hat im Kantonsspital Baden das erste Pilotaudit
stattgefunden. Bis im Frühjahr 2016 werden
weitere Betriebe in der deutschen und der französischen Schweiz folgen. Es ist geplant, die
Auditinhalte nach der Pilotphase zu überprüfen
und anzupassen, sowie die Betriebe zu befragen, die Auditberichte zu analysieren und den
finanziellen sowie zeitlichen Aufwand abzuschätzen. Zudem werden 2016 weitere externe
Auditoren ausgebildet und das Auditprogramm
schrittweise ausgebaut.
Diagnostische Referenzwerte in der Medizin
Das Konzept der diagnostischen Referenzwerte
(DRW) hat sich als effizientes und international
anerkanntes Hilfsmittel für die Optimierung
medizinischer Strahlenanwendung etabliert. Die
DRW werden empirisch hergeleitet und basieren auf einer Verteilung von einfach zu bestimmenden Dosisgrössen. In der Schweiz erhebt
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das BAG regelmässig die Dosen medizinischer
Strahlenexpositionen und leitet daraus nationale
DRW ab. Diese existierten bisher für die Radiographie, die interventionelle Radiologie und
Kardiologie sowie die Computertomographie.
Im Rahmen eines Schwerpunktprojektes wurden die DRW auch auf Hochdosisanwendungen
ausserhalb der klassischen Radiologie, wie die
Kardiologie und Urologie, ausgeweitet. In Zusammenarbeit mit dem Institut de Radiophysique (IRA) in Lausanne erfolgte eine umfassende Dosiserhebung der am häufigsten praktizierten Untersuchungen in den kardiologischen und
urologischen Abteilungen aller fünf Universitätsspitäler sowie einigen der grösseren Kantonsund Privatspitäler. Im Vergleich zu den bisher
publizierten DRW in der Kardiologie aus dem
Jahre 2008 schloss diese Erhebung auch während der letzten Jahre neu entwickelte Untersuchungstechniken ein, da die DRW möglichst
präzise die aktuelle Praxis widerspiegeln sollen.
In einem zweiten Schwerpunktprojekt richtete
sich der Fokus auf radiologische Untersuchungen in der Pädiatrie. Dies, weil Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine erhöhte Strahlensensibilität aufweisen und die Optimierung der
Strahlenanwendung in der Pädiatrie speziell
wichtig ist. Die Dosiserhebung erfolgte in enger
Zusammenarbeit mit dem Inselspital Bern und
dem IRA. Sie beschränkte sich auf die am häufigsten durchgeführten Untersuchungen in der
pädiatrischen Radiographie und neuroradiologischen Computertomographie. Die DRW für
diese Untersuchungen werden im Frühjahr/
Sommer 2016 festgelegt und anschliessend in
Form von Merkblättern auf der BAG-Webseite
publiziert.
Kontrolle der Mammographie-Anlagen
2015 führte das BAG sein Mammographie-Aufsichtsprogramm fort. Es auditierte insgesamt
über 220 Betriebe mit solchen Anlagen, damit
sind praktisch alle Geräte kontrolliert. Derzeit
existieren, auf die ganze Schweiz verteilt, 239
Betriebsbewilligungen, ausserdem hat das BAG
in diesem Jahr 65 neue Bewilligungen erteilt.
Dabei handelt es sich meist um Geräte der
jüngsten Generation, die ältere Anlagen ersetzen. Die Mehrheit des Geräteparks ist vollständig digitalisiert (Direktradiographiesysteme DR),
nur rund 10% der Geräte beruhen noch auf Speicherfoliensystemen (CR).
Kontrollpunkte waren die Gültigkeit der Betriebsbewilligung, die Konformität der Abschirmungen in den Räumlichkeiten, die Verwendung von Schutzmitteln sowie die Aufzeichnung
der angewendeten Dosen. Überprüft wurde
auch das Qualitätssicherungsprogramm.
Insgesamt sind die Ergebnisse gut und zeigen
eine hohe Qualität. In 35% der Fälle bestehen
jedoch Mängel bei den Strahlenschutzplänen,
die nicht immer der tatsächlichen Situation entsprechen. 65% der Anwender setzen die
Empfehlungen der BAG-Weisung Anwendung
von Schutzmitteln für Patienten um. In fast 60%
der Fälle wurden die Dosen, denen die Patientinnen ausgesetzt waren, in deren Krankengeschichte eingetragen.
Im Bereich Qualitätssicherungsprogramm entsprechen die von den Röntgenfirmen jährlich
durchzuführenden Wartungen mit Zustandsprüfung in 75% der Fälle den Vorschriften. Die am
häufigsten festgestellten Mängel waren fehlende Unterlagen zu den von den Herstellern vorgeschriebenen Wartungen sowie Verspätungen bei
der Meldung der Wartung ans BAG. Die wöchentlich von einer speziell ausgebildeten Person der Einrichtung durchzuführenden Konstanzprüfungen entsprachen zu 83% den Vorschriften. Die Lücken betreffen hauptsächlich
die Anwender, die gewisse Unsicherheiten beim
Verständnis und der Bedienung der verschiedenen Kontrollinstrumente zeigten. Was die an die
Patientinnen verabreichten Dosen betrifft, hält
sich die überwiegende Mehrheit der Betriebe
an die in den Europäischen Leitlinien formulierten Empfehlungen zur Qualitätssicherung in der
Mammographie (EPQC 4). Gewisse CR-Systeme weisen zwar höhere Werte auf als DR-Systeme, sie sind aber immer noch akzeptabel. Bei
der Bildqualität erfüllen 99% der Betriebe die
verlangten Anforderungen.
Ausbildungsmanko bei dosisintensivem
Röntgen in Hausarztpraxen
2014 hat das BAG in ca. 100 Arztpraxen stichprobenweise Inspektionen durchgeführt und festgestellt, dass mehr als 80 % der medizinischen
Praxisassistentinnen und Praxisassistenten
(MPA), die dosisintensive Röntgenaufnahmen
durchgeführt haben, nicht ausreichend ausgebildet waren. MPA dürfen mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis nur den Thorax und die
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Extremitäten röntgen. Um auf dieses Ausbildungsmanko aufmerksam zu machen, hat das
BAG sämtliche Arztpraxen angeschrieben und
über Weiterbildungsmöglichkeiten für dosisintensive Untersuchungen (Abdomen, Becken,
Hüften, Wirbelsäule, Schädel) informiert. MPA
dürfen solche Untersuchungen nur durchführen,
wenn sie den Weiterbildungskurs Sachkunde für
erweiterte Aufnahmetechniken absolviert haben. Der Inhalt dieser Ausbildung war auch in
der Vergangenheit nie in die Grundausbildung
(EFZ) integriert. Die Weiterbildung wird von der
SUVA in der Deutschschweiz und der ARAM in
der Romandie angeboten. Der Umfang des
Kurses beinhaltet 40 Theorie-Lektionen und eine
bestimmte Anzahl an dosisintensiven Untersuchungen, die die Teilnehmenden unter Anleitung
einer qualifizierten Person durchführen müssen.
Eine entsprechende Ausbildung (Sachkunde
und Sachverstand dosisintensives Röntgen)
wird auch von den Ärzten verlangt, die die Untersuchungen durchführen. Das Problem ist
jedoch dort weniger dramatisch: Über 80% von
ihnen verfügten über die notwendige Ausbildung. Für Ärzte ist gemäss Strahlenschutzverordnung und Abkommen mit der FMH der «Fähigkeitsausweis Dosisintensives Röntgen
KHM» vorgesehen, der aus einem praktischen
und einem theoretischen Teil besteht. Dazu
gehört auch ein Strahlenschutzkurs, der vier
Tage dauert (zwei Tage Theorie, zwei Tage Praxis). Nähere Informationen zu diesem Fähigkeitsausweis sind auf auf www.fmh.ch und auf
www.radioprotection.ch (Typ A Bildgebung) zu
finden.
Sämtliche fünf Zyklotrone in der Radiopharmazie auditiert
2015 haben in allen fünf Zentren mit Zyklotron,
die zur Produktion von Nukliden für die Nuklearmedizin dienen, Audits stattgefunden. Zyklotrone beschleunigen geladene Teilchen wie Protonen, um sie anschliessend auf Wassertargets zu
schiessen. In diesen Targets entstehen radioaktive Nuklide, die als Markierstoffe, z. B. in der
Krebsdiagnostik dienen.
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Beim Betrieb einer solchen Anlage sind verschiedenste Strahlenschutzanforderungen zu
berücksichtigen. Zunächst muss ein Zyklotron
hinter dicken Mauern stehen, da im Betrieb
intensive Neutronen- und Gammastrahlung
entsteht. Die Neutronenstrahlung erzeugt kurzlebige Nuklide in der Luft, die kontrolliert über
die Lüftung in die Umwelt abgegeben wird. Im
so genannten Hotlabor, wo die erzeugten radioaktiven Stoffe weiterverarbeitet werden, müssen die Mitarbeitenden vor der Strahlung geschützt sein, indem u.a. Bleiabschirmungen
verwendet werden. Die Abgaben an die Umwelt, die hauptsächlich über die Luft erfolgen,
müssen unterhalb der gesetzlichen Immissionsgrenzwerte bleiben.
Während der Audits konnten wir mit unseren
Messungen feststellen, dass die Neutronenund Gammastrahlung ausserhalb der geschlossenen Bunker deutlich unterhalb der festgelegten Richtwerte lag. Die Betriebe haben die
Wartungsarbeiten an den installierten Messsonden zur Überwachung der Dosisleistung und der
Abgaben an die Umwelt nach Vorgaben vorgenommen. Die Abgaben an die Umwelt lagen
innerhalb der vom BAG festgelegten Grenzen
und die technischen Sicherheitseinrichtungen
genügten überall den behördlichen Vorgaben.
Nicht planmässige Abgaben von Radioaktivität
an die Umwelt oder Kontaminationen von Mitarbeitenden waren in den beobachteten und gemeldeten Fällen in der Regel auf menschliches
Fehlverhalten zurückzuführen. Als Massnahme
forderte das BAG in zwei Fällen eine bessere
interne Ausbildung.
In einem Punkt musste das BAG jedoch in vier
von fünf Zentren Massnahmen bezüglich der
kontinuierlichen Entsorgung der Abfälle erlassen: Überall im Bunker waren dort langlebige
radioaktive Abfälle, die insbesondere an Komponenten des Zyklotrons (z. B. Targetfolien) entstehen, vorschriftswidrig zwischengelagert worden. Gemäss Strahlenschutzverordnung ist
radioaktiver Abfall aber spätestens drei Jahre
nach seiner Entstehung zu entsorgen, was aber
unterlassen wurde, so dass sich der radioaktive
Abfall anhäufte.
Audit «Zubereitung und Qualitätskontrolle
von Radiopharmazeutika»
Das BAG leitet seit 2014 eine Audit-Kampagne
zur Zubereitung und Qualitätskontrolle von Radiopharmazeutika aus Technetium-99m-Kits
(99mTc). Bisher hat es 47 der 50 Zentren für
Nuklearmedizin, die solche Produkte in der
Schweiz zubereiten, auditiert. Da 99mTc das am
häufigsten verwendete Radioisotop ist, verschaffte diese Kampagne eine gute Gesamtsicht über die Zubereitung von Radiopharmazeutika im Rahmen herkömmlicher bildgebender
Verfahren der Nuklearmedizin.
Die Audits haben gezeigt, dass Zubereitung und
Qualitätskontrolle von Radiopharmazeutika
insgesamt gewissenhaft und in konformer Weise erfolgen. Die Infrastruktur entspricht sowohl
im Hinblick auf den Strahlenschutz als auch auf
die aseptischen Zubereitungsbedingungen den
gesetzlichen Vorschriften. Diese Bestimmungen
wurden mit der Fassung vom 1. Januar 2008 der
StSV mit einer Frist für die Umsetzung von vier
Jahren eingeführt.
Die technische Funktionsfähigkeit der Mikrobiologischen Sicherheitswerkbänke (MSW), in
denen die 99mTc-Kits angewendet werden, ist
eine Voraussetzung für die geforderten aseptischen Bedingungen. Deshalb wurde bei den
Audits die in der Weisung «Anforderungen an
die Zubereitung von Radiopharmazeutika» (L-1006) beschriebene Durchführung der jährlichen
Zustandskontrolle geprüft. In den meisten Fällen war diese Zustandskontrolle, die geeignete
Zubereitungsbedingungen sicherstellt, ausgeführt worden. Dagegen wurden gewisse Mängel festgestellt bei der Durchführung der Arbeitsschritte unter aseptischen Bedingungen,
die während der Zustandskontrolle erfolgen und
die Herstellung qualitativ hochstehender radiopharmazeutischer Fertigprodukte gewährleisten. Um die mangelnde Ausbildung in diesem
Bereich wettzumachen, organisiert das BAG seit
2014 in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Radiopharmazie / Radiopharmazeutische Chemie (SGRRC) und dem
Institut de radiophysique (IRA) theoretische und
praktische Kurse, die auf die Bedürfnisse der
nuklearmedizinischen Zentren abgestimmt sind.
Wegen der grossen Nachfrage konnten nicht
alle Fachkräfte, die 99mTc-Kits anwenden, diese
Kurse vor der Durchführung der Audits besuchen. Damit alle betroffenen Personen eine
Abb. 5: Zubereitung eines Radiopharmakons in
einer Mikrobiologischen Sicherheitswerkbank
(MSW) der Klasse II
angemessene Ausbildung erhalten, werden die
Kurse in den kommenden Jahren weitergeführt.
Eine weitere durch die Auditkampagne aufgedeckte Verbesserungsmöglichkeit betrifft die
Durchführung von Qualitätskontrollen, um die
Übereinstimmung der radiopharmazeutischen
Fertigprodukte mit den von den Herstellern in
der Fachinformation dargestellten Eigenschaften zu prüfen. Da die Zuverlässigkeit gewisser in
dieser Fachinformation beschriebenen Kontrollmethoden kontrovers diskutiert wird und das
dazu erforderliche Material schwer zu beschaffen ist, wurden allgemein anerkannte alternative
Methoden angewendet. Eine Arbeitsgruppe, zu
der Vertreter der betroffenen Hersteller und
Mitglieder der SGRRC gehören, stellt sicher,
dass zuverlässige Methoden zur Qualitätskontrolle unter Einhaltung der gesetzlich bindenden
Bestimmungen des Herstellers angewendet
werden.
Dank der Audits konnten die Punkte, wo Verbesserungen möglich sind, identifiziert und Korrekturen angeordnet werden. So werden qualitativ
hochstehende Leistungen der Nuklearmedizin
in der Schweiz garantiert.
13
Forschung am CERN und am
Paul Scherrer Institut
CERN: Gemeinsamer Besuch zum Thema
LINAC 4 und Genehmigung der Studie zu
den radioaktiven Abfällen
Das CERN, Frankreich und die Schweiz arbeiten
auf der Grundlage der tripartiten Vereinbarung
vom 16. September 2011 zusammen, um die
Qualität der Strahlenschutz- und Sicherheitsmassnahmen bei Anlagen des CERN zu gewährleisten. Es finden regelmässig tripartite Treffen
statt zwischen dem CERN und den Strahlenschutz-Behörden der beiden Gastländer (Autorité de sûreté nucléaire ASN in Frankreich und
BAG). Bei diesen Treffen stellt das CERN die
strategischen und rechtlichen Entwicklungen im
Bereich Strahlenschutz vor. Dazu gehören beispielsweise die Planung neuer Anlagen, die
ionisierende Strahlen produzieren, Änderungen
von Regelungen zur Sicherheit oder zum Strahlenschutz oder auch Ergebnisse von Kontrollmessungen. Bei gemeinsamen Besuchen kann
ausserdem die Umsetzung von Strahlenschutzoder Sicherheitsmassnahmen bei Anlagen oder
bei bestimmten Themen geprüft werden. Die
technischen Meetings ermöglichen die Entwicklung und Umsetzung pragmatischer Lösungen
für Probleme, die sich aus den technischen Besonderheiten der CERN-Anlagen ergeben, unter
Berücksichtigung der Gesetze und Bestimmungen beider Gastländer.
Abb. 6: Tunnel des LINAC 4 mit dem Driftröhren-Modul (Drift Tube Linac, DTL),
Quelle: CERN
14
2015 prägten zwei Ereignisse die Zusammenarbeit mit dem CERN: die Genehmigung der Studie zu den radioaktiven Abfällen und der gemeinsame Besuch zum Thema LINAC 4.
Die tripartite Vereinbarung legt fest, dass die
Entsorgung der radioaktiven Abfälle des CERN
gemäss bestehender Kanäle für die Abfallentsorgung zwischen der Schweiz und Frankreich
aufgeteilt wird. Die gesetzlichen Bestimmungen
des betreffenden Landes sind dabei einzuhalten. Das CERN hat zu diesem Zweck eine «Abfallstudie» ausgearbeitet, welche die Entsorgungskanäle für die einzelnen Abfallarten
festlegt, die in den Anlagen vor Ort anfallen. Das
Ziel dieser Studie ist eine ausgewogene Aufteilung der radioaktiven Abfälle zwischen den beiden Gastländern unter Berücksichtigung von
Menge, Aktivität und Toxizität. Sie legt ausserdem die aus technischer und wirtschaftlicher
Sicht günstigsten Entsorgungskanäle fest. Die
Wahl der Abfallentsorgungskanäle wurde von
Frankreich und der Schweiz nach der Prüfung im
Rahmen der tripartiten Zusammenkunft gutgeheissen. 2015 wurde die erste Fassung der «Abfallstudie« des CERN gemeinsam von ASN und
BAG genehmigt. Diese Studie präsentiert ein
Inventar und eine Klassifizierung der radioaktiven Abfälle des CERN sowie eine Prognose zu
den zukünftigen radioaktiven Abfällen. Auf der
Grundlage dieser Daten kann der Bund anschliessend die Verpackung, Zwischenlagerung
und Endlagerung der Abfälle planen (siehe Kapitel «Radioaktive Abfälle»).
Der Komplex der verschiedenen Beschleuniger
des CERN besteht aus einer Kette von Teilchenbeschleunigern mit zunehmend hoher Energie.
Gegenwärtig werden mit dem LINAC 2 (Linearbeschleuniger 2) zuerst Protonen auf 50 MeV
beschleunigt. Nach der für 2017–2018 vorgesehenen Abschaltung wird der LINAC 4 die Ionen
auf eine Energie von 160 MeV bringen, bevor sie
in den Vorbeschleuniger des PS (Proton Synchrotron) eingespiesen werden. Damit wird der
LINAC 4 die neue Protonenstrahl-Quelle des
LHC (Large Hadron Collider). Die Vorbereitung
des Sicherheitsdossiers zum LINAC 4 war Gegenstand zahlreicher Diskussionen zwischen
dem CERN, der ASN und dem BAG. Diese Dossiers umfassen die technischen Spezifikationen
der Infrastruktur im Zusammenhang mit dem
Strahlenschutz und der radiologischen Sicher-
heit, die organisatorischen Bestimmungen, die
einen sicheren Betrieb der Anlage gewährleisten, sowie die Analyse der grössten Risiken und
ihrer Prävention. Anlässlich des gemeinsamen
Besuchs des Tunnels des LINAC 4 in dessen
Startphase und des Gebäudes, das die damit
zusammenhängende Infrastruktur birgt, konnten die ASN und das BAG feststellen, dass die
Strahlenschutzmassnahmen im Betrieb und die
internen Auditabläufe angemessen umgesetzt
sind.
Paul Scherrer Institut: grosse Bauprojekte
Das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen AG
gehört zu den grössten Forschungszentren der
Schweiz. Es betreibt grosse Beschleunigeranlagen wie den Protonenbeschleuniger mit den
dazugehörigen Strahllinien und Experimenten
(u.a. die Spallations-Neutronenquelle SINQ),
den medizinischen Protonenbeschleuniger COMET oder die Swiss Light Source (SLS). Die
Beschleunigeranlagen und Forschungslabors
fallen in den Aufsichts- und Bewilligungsbereich
des BAG, die Kernanlagen gehören zum Zuständigkeitsbereich des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI). Das BAG überprüft im Rahmen seiner Aufsichtstätigkeit, dass
die Grenzwerte für ionisierende Strahlung am
PSI eingehalten werden und garantiert so die
Sicherheit der Bevölkerung, des Personals am
PSI und der Umwelt. Zudem begleitet es die
grossen Bauprojekte des PSI.
Das PSI hat zwischen August und Oktober 2015
die Protonenbestrahlungsanlage Gantry 3 fertig
gebaut. Das PSI ist das einzige Zentrum in der
Schweiz, das Therapien mit Protonen anbietet
und es erweitert mit der Gantry 3 die bestehenden Anlagen OPTIS, Gantry 1 und Gantry 2 um
eine weitere Bestrahlungsstation. Vorausgesetzt, die technischen Abnahmetests verlaufen
erfolgreich, werden wahrscheinlich 2016 die
ersten Patienten behandelt werden können. Für
die technische Inbetriebnahme der Gantry 3 hat
das BAG die bestehende Bewilligung für den
Protonenbeschleuniger COMET erweitert. Für
die Anwendung am Menschen wird das PSI
jedoch eine separate Bewilligung für die Gantry
3 beantragen müssen.
Die Arbeiten bei der Free Electron Laser-Anlage
(SwissFEL) sind 2015 weit fortgeschritten. Diese rund 700 Meter lange Anlage wird es erlauben, sehr kurze Pulse von Röntgenstrahlung mit
Lasereigenschaften zu erzeugen. Dies wird den
Forschenden am PSI Einblicke in das Innere von
Materialien erlauben. Ähnliche Anlagen sind in
den USA (LCLS) und Japan (SACLA) bereits in
Betrieb bzw. werden zurzeit in Deutschland
(European XFEL) und Südkorea (PAL-XFEL) gebaut. Das BAG hat dieses Grossprojekt von
Anfang an begleitet, so dass das Bewilligungsverfahren für die Inbetriebnahme der SwissFEL
Anlage erleichtert wurde. Erste Tests sollen
bereits Anfang 2016 erfolgen, der Normalbetrieb
ist ab Herbst 2017 vorgesehen.
Zwischen Dezember 2014 und Mai 2015 stand
der Protonen-Ringbeschleuniger still, um die
jährlichen Revisionsarbeiten in sonst nicht zugänglichen Bereichen durchzuführen. Da für die
Mitarbeitenden des PSI und externer Firmen
während dieser Zeit jeweils die dosisintensivsten Arbeiten anfallen, hat das PSI vorgängig
einen detaillierten Strahlenschutzplan verfasst.
Damit können die verschiedenen Aufgaben
optimiert werden. Das BAG hat diesen Strahlenschutzplan gutgeheissen und die Anlage während der Revision mehrmals inspiziert. Die Kollektivdosis für die 143 beteiligten Personen
betrug 41.42 Personen-mSv und lag damit 15%
unter dem erwarteten Wert. Während der Revision fielen gut 13.4 Tonnen Abfall an, davon liessen sich rund 10.7 Tonnen gemäss den gesetzlichen Bestimmungen freimessen und als inaktiv
entsorgen.
Das PSI hat begonnen, das Konzept für die Konditionierung und Entsorgung seiner betriebseigenen Abfälle aus den Beschleunigeranlagen zu
revidieren. Eine Minimierung der Menge radioaktiver Abfälle steht dabei im Vordergrund.
15
Radioaktive Abfälle
Dem Bund obliegt die Aufgabe, radioaktive
Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung zu
entsorgen. Davon ausgenommen sind die
Abfälle aus dem Betrieb von Kernkraftwerken.
Jedes Jahr organisiert das BAG eine Sammelaktion für diese Abfälle, die anschliessend behandelt und im Bundeszwischenlager (BZL) in
Würenlingen gelagert werden. In Zukunft
werden all diese Abfälle für die Endlagerung in
ein geologisches Tiefenlager verbracht werden,
für das zurzeit die Auswahlverfahren laufen. Die
Inbetriebnahme des Lagers für Abfälle schwacher und mittlerer Aktivität, zu denen die
meisten vom Bund gesammelten Abfälle
gehören, ist für 2050 vorgesehen.
Sammelaktion für radioaktive Abfälle
Anlässlich der Sammelaktion für radioaktive
Abfälle 2015 haben 26 Unternehmen radioaktive
Abfälle abgegeben. Grösstenteils handelte es
sich dabei um Tritium (H-3), mit einer Gesamtaktivität von 2,2 · 1015 Becquerel und einem Bruttovolumen von insgesamt 4,7 m3 (brutto, vor allem
Tritium). Gewisse Abfälle mit Tritium und Kohlenstoff-14 konnten mit Bewilligung des BAG, in
Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen zum Strahlenschutz, namentlich gemäss Artikel 83 der Strahlenschutzverordnung,
verbrannt werden. Die Wiederverwendung oder
Rezyklierung hoch radioaktiver geschlossener
Strahlenquellen (insbesondere mit Americium-241, Krypton-85, Caesium-137 oder Cobalt-60) ist eine sinnvolle Alternative zur Elimim3
25
20
15
10
5
2015
2014
2013
2011
2012
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2001
2002
2000
1974-99
0
Abb. 7: Jährliches Volumen radioaktiver Abfälle bei den Sammelaktionen des Bundes (1974–1999: durchschnittlich geliefertes Volumen
in Fässern pro Jahr, ab 2000 geliefertes Bruttovolumen der Abfälle)
16
nierung als radioaktive Abfälle. Zudem lässt sich,
wenn möglich und sinnvoll, auch nach einer
Dekontamination sowie der Abklinglagerung
von Abfällen in Betrieben Material freigeben.
Abbildung 7 zeigt die Entwicklung des Volumens
der vom Bund über die letzten vierzig Jahre
gesammelten radioaktiven Abfälle.
Finanzierung der Entsorgung
Die ans Bundeszwischenlager (BZL) gelieferten
radioaktiven Abfälle gehen in die Verantwortung
des Bundes über, der ihre langfristige Entsorgung sicherstellt. Gemäss den aktuellen Schätzungen belaufen sich die Kosten für die Entsorgung der gesamten Abfälle, für die der Bund
verantwortlich ist, auf fast 1,4 Milliarden Franken, verteilt über den Zeitraum 2011–2100. Ein
Teil dieser Kosten wird über die Gebühren finanziert, die bei den Produzenten der Abfälle erhoben werden. Ein weiterer Teil wird erst ab 2060
entstehen, wenn das geologische Tiefenlager in
Betrieb ist. Die Schätzungen rechnen mit einem
noch zu finanzierenden Restbetrag von 857
Millionen Franken für den Zeitraum 2015 bis
2060. Dieser Betrag wird zu gleichen Teilen vom
Bund und vom ETH-Bereich getragen, zu dem
auch das PSI gehört.
Die im Jahr 2000 vorgenommenen Schätzungen
hatten mit Entsorgungskosten zwischen 300
und 360 Millionen Franken für den Zeitraum
2000–2040 gerechnet. Damals versprach das
Projekt Wellenberg eine relativ schnelle Einrichtung eines Lagers für Abfälle schwacher und
mittlerer Aktivität. Das Projekt wurde jedoch
2002 abgelehnt. Die massive Kostenzunahme
hängt in erster Linie mit den höheren Kosten
des geologischen Tiefenlagers und der Entsorgungsprozesse zusammen. So haben das lange
Auswahlverfahren und die hohen Anforderungen an die Sicherheit Auswirkungen auf die
prognostizierten Kosten. Im April 2015 nahm der
Bundesrat die neuen Zahlen zur Kenntnis. Er
beauftragte die betroffenen Departemente, bis
2018 eine neue Kostenschätzung vorzulegen.
Abb. 8: Schwerverkehrskontrolle am Zoll in Thayngen
Illegale und unbeabsichtigte Einund Ausfuhren radioaktiver Stoffe
Erste Routinemessungen mit mobilem
Messportal
Funde von radioaktiv kontaminiertem Edelstahl
sowie Einfuhren kontaminierter Container nach
dem Reaktorunfall in Fukushima haben gezeigt,
dass der Warenverkehr auf mögliche illegale und
unbeabsichtigte Ein-/Ausfuhren radioaktiver
Stoffe überwacht werden muss. Das BAG hat
dazu 2012 ein mobiles Messportal beschafft, bis
2014 getestet und optimiert. Durch das
Messportal passieren Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 km/h. Wird dabei die
Alarmschwelle für Radioaktivität überschritten,
muss das Fahrzeug anhalten, um die Strahlenquelle mit einem empfindlichen Dosisleistungsmessgerät lokalisieren und ihr Radionuklid spektrometrisch identifizieren zu können.
Anzahl kontrollierter
Erstfeld
Thayngen
Basel
5100
1800
185
31
69
4
sich jedoch um natürliche radioaktive Stoffe, die
keine illegalen Transporte darstellen. Natürliche
radioaktive Stoffe sind beispielsweise in Baumaterialien (Ziegelsteine, Zement, Granit), keramischen Erzeugnissen (Fliesen, Filter, Isolatoren)
sowie Chemikalien (Kaliumchlorid) enthalten
und stellen in dieser Form für Mensch und Umwelt keine Gefahr dar.
Das BAG will künftig regelmässig solche Schwerpunktskontrollen durchführen. Die Grundlagen
dafür sollen in der laufenden Revision der Strahlenschutzverordnung festgelegt werden.
Fahrzeuge
(Portalmonitor)
Anzahl Alarme
Abb. 9: Anzahl Messungen an drei Standorten und
ausgelöste Alarme (2015)
2015 wurden erstmals drei Routine-Schwerpunktmessungen während je einer Woche an
verschiedenen Standorten durchgeführt
(Schwerverkehrszentrum Erstfeld, Zoll Basel
Freiburgerstrasse und Zoll Thayngen) und dabei
über 7000 Fahrzeuge kontrolliert. Bei über 100
Ladungen konnte schwache Radioaktivität detektiert werden, bei allen Funden handelte es
17
Intervention in einem radiologischen
Notfall
Um für Krisen im Strahlenschutz gewappnet zu sein, sind umfassende
Vorbereitungsmassnahmen nötig und ein Engagement auf nationaler und internationaler Ebene.
18
Massnahmen auf nationaler Ebene
Die interdepartementale Arbeitsgruppe IDA
NOMEX wurde 2011, nach der Katastrophe von
Fukushima, ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe
bestand in der Überprüfung der Notfallschutzmassnahmen bei Extremereignissen in der
Schweiz. Den von der Arbeitsgruppe verfassten
Bericht hat der Bundesrat 2012 zur Kenntnis
genommen und verschiedene Bundesstellen
mit der Erarbeitung von insgesamt 56 organisatorischen und gesetzgeberischen Massnahmen
beauftragt. Seither sind zahlreiche Massnahmen umgesetzt worden. Das BAG, das in verschiedenen Bereichen betroffen war, setzt einen
Teil der Massnahmen im Rahmen der laufenden
Revision der Strahlenschutzverordnung um.
Zusätzlich hat es 2015 bei der Revision des Notfallschutzkonzepts bei einem KKW-Unfall mitgearbeitet. Am 1.7.2015 hat der Bundesrat dieses
neue Konzept zur Kenntnis genommen. Es wurde auf der Basis des neuen Referenzszenarios
(A4) ausgelegt [1]. Dieses Referenzszenario
basiert auf einem sehr schweren Störfall der
INES Kategorie 7 und bietet die Möglichkeit,
den Notfallschutz in der gesamten Schweiz
entsprechend vorzubereiten. Als nächster
Schritt werden nun die erforderlichen Anpassungen der rechtlichen Grundlagen erarbeitet.
Internationales Engagement
Auf internationaler Ebene engagierte sich die
Abteilung Strahlenschutz im Berichtsjahr vielfältig: So nahm sie aktiv an den Arbeiten der Vereinigung europäischer Strahlenschutzbehörden
(HERCA) teil. Zudem war sie auch eng in die
Tätigkeiten der europäischen Plattform NERIS
(European Platform on preparedness for nuclear
and radiological emergency response and recovery) und beim WHO-Netzwerk REMPAN (Radiation Emergency Medical Preparedness and
Assistance Network) eingebunden. Auch am
europäischen Projekt PREPARE (Platform for
European Preparedness Against (Re-)emerging
Epidemics) war die Abteilung Strahlenschutz
beteiligt. Sie verfolgt ausserdem die Überlegungen, die im Rahmen des französischen Ausschusses CODIRPA (Comité directeur pour la
gestion de la phase post-accidentelle) geführt
werden. Aufgrund der bisherigen Bemühungen
hat sich gezeigt, dass noch viel zu tun bleibt,
wenn wir in unserem Land gegen die Folgen
eines nuklearen Unfalls gewappnet sein wollen,
insbesondere im Hinblick auf den Schutz der
Bevölkerung und den Einbezug aller Beteiligten,
die sich mittel- und langfristig in den betroffenen
Gebieten befinden würden.
2015 beteiligte sich das BAG an einer Gesamtnotfallübung (GNU), bei der ein Unfall im Kernkraftwerk Gösgen angenommen wurde. Auch
wenn die Abteilung Strahlenschutz bei dieser
Übung nicht stark involviert war, war es eine
Gelegenheit, das Funktionieren eines begrenzten Notfallteams im neuen BAG-Verwaltungsgebäude zu testen. Die aktuelle Infrastruktur bietet moderne, auf die relevanten Aufgaben des
Krisenmanagements abgestimmte Funktionen.
Diese sollten bei einer grösser angelegten
Übung mit stärkerer Beteiligung der Notfallteams für radiologische Ereignisse noch getestet werden.
[1] Das ENSI hat im Zuge der IDA NOMEX Aufträge diverse
Ereignisszenarien erarbeitet (Szenarien A1 – A6). Diese
verschiedenen Szenarien sind einerseits mit Eintretenswahrscheinlichkeiten belegt worden und andererseits
zeigen sie auch die entsprechenden radiologischen
Auswirkungen für die Schweiz.
Radiologische Ereignisse
Das BAG hat den Auftrag, die Bevölkerung, insbesondere auch
Patienten und beruflich strahlenexponiertes Personal sowie die
Umwelt vor ionisierender Strahlung zu schützen. Kommt es trotz
den Vorsichts- und Schutzmassnahmen zu meldepflichtigen Ereignissen mit ionisierender Strahlung oder tauchen radiologische Altlasten auf, ist es Aufgabe des BAG, diese zu untersuchen und zu bewerten sowie darüber zu informieren. Das 2015 verabschiedete Kommunikationskonzept zu radiologischen Ereignissen definiert das
Vorgehen für eine transparente und koordinierte Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich.
Neues Kommunikationskonzept für radiologische Ereignisse
Nach der Meldung eines radiologischen Ereignisses erfolgt immer eine sorgfältige Analyse im
BAG. Die zuständigen Expertinnen und Experten evaluieren mögliche Folgen, prüfen die vorgeschlagenen Korrekturmassnahmen und entscheiden über die Durchführung einer Inspektion vor Ort. Zudem ist das BAG – teilweise in
Zusammenarbeit mit den betroffenen Betrieben
oder Behörden – verpflichtet, angemessen zu
informieren.
ven Risikokategorie und der wahrgenommenen
Bedrohung festgelegt. Erfahrungsgemäss
schrecken Themen wie radioaktiver Abfall oder
radioaktive Verschmutzung die Bevölkerung
stark auf, auch wenn das Gesundheitsrisiko – im
jeweiligen Fall – objektiv gesehen sehr klein ist.
Weitere Faktoren wie medialer Druck oder politische Sensibilität können die Kommunikationsstrategie zusätzlich beeinflussen. Prinzipiell
erscheint jedes gemeldete Ereignis neu in statistischer Form im Jahresbericht der Abteilung
Strahlenschutz (vgl. nächstes Kapitel).
Mit dem 2015 verabschiedeten Kommunikationskonzept für radiologische Ereignisse ist es
gelungen, klare Richtlinien für diese Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen. Die starke Medienpräsenz nach den Radiumfunden in Biel im Juni
2014 hatte Lücken in der bisherigen Informationspolitik aufgezeigt. Neu ist nicht mehr nur das
objektiv festgestellte Risiko (z. B. aufgrund der
INES-Skala) ausschlaggebend für die Art der
Information über Ereignisse, sondern auch das
sogenannte «öffentliche Interesse». Das bewertete Risiko wird künftig in eine von drei Kategorien eingeteilt (gering, mittel oder hoch), basierend auf den folgenden drei Kriterien: Art des
Ereignisses, Anzahl betroffener Personen und
Häufigkeit des Auftretens dieses Ereignisses.
Die Kommunikationsweise (aktiv, passiv, über
das BAG oder über den Urheber) sowie die
Empfänger der Mitteilung (Öffentlichkeit, Behörden) werden schliesslich aufgrund der objekti-
Statistik gemeldete Ereignisse 2015
2015 hat das BAG 34 Meldungen zu Ereignissen
verschiedenster Ursachen erhalten. Abbildung
10 gibt einen Überblick über die betroffenen
Bereiche. 10 Ereignisse traten in den Bereichen
Umwelt, Betrieb und Bevölkerung auf, z. B. die
«Unbeabsichtigte Abgabe von radioaktivem Iod
an das Abwasser eines Spitals» oder die «Illegale Entsorgung von 200 Ionisationsrauchmeldern
mit Bauschutt» (vgl. Kurzberichte im nächsten
Kapitel). 10 weitere Ereignisse stammen aus
Altlasten, herrenlosen Quellen oder Quellenverlusten. Radiologische Altlasten sind Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, die den
heutigen gesetzlichen Anforderungen nicht
mehr entsprechen, wie z. B. die Radiumfunde in
Biel (vgl. Berichterstattung in diesem Bericht,
Seiten 28, 29). In fünf der gemeldeten Fälle war
19
2
7
10
5
10
Patienten
Beruflich strahlenexponierte Personen
Umwelt, Betrieb und Bevölkerung
Altlasten, herrenlose Quellen, Quellenverlust
Transport
Abb. 10: 34 gemeldete radiologische Ereignisse 2015 und betroffene Bereiche
Personal betroffen, glücklicherweise gab es
keine Grenzwertüberschreitung der Personendosis, vgl. dazu das Beispiel «Kontamination
von Personen» im nächsten Kapitel. Von diesen
Ereignissen wurde keines als INES 1 oder mehr
eingestuft. In acht Fällen, die meistens Quellenfunde betreffen, erfolgte eine Meldung an die
IAEO-Datenbank ITDB (Incident & Trafficking
Database).
Die sieben Ereignisse mit Auswirkungen auf
Patientinnen und Patienten traten in der Radioonkologie bzw. Strahlentherapie auf. Es sind in
keinem der Fälle unmittelbare Schädigungen zu
erwarten. Zwei der Ereignisse im medizinischen
Bereich sind auf Level 2, zwei weitere auf Level
1 der provisorischen Skala INES Medical Rating
Scale einzuordnen. Zwei dieser Ereignisse sind
im folgenden Kapitel geschildert, «Durchschnittenes Iod-Seed» und «Leck in DosismonitorKammer eines Elektronenbeschleunigers».
Kurzberichte zu fünf gravierenden Ereignissen:
Unbeabsichtigte Abgabe von radioaktivem
Iod an das Abwasser eines Spitals
Die Therapie mit radioaktivem Iod (Iod-131) unterliegt der Strahlenschutzgesetzgebung, die
verlangt, dass sich die hospitalisierten Patienten
in speziell eingerichteten Zimmern aufhalten.
Die entstehenden Abwässer dürfen nicht direkt
in die Kanalisation gelangen. Sie müssen zurückgehalten und solange gelagert werden, bis die
Aktivität des Iod-131 unter die für das Spital
bewilligte Abgabelimite abgeklungen ist.
20
Im Juli 2015 hat ein Techniker eines Spitals wegen einer Fehlmanipulation Abwasser zu früh in
die Kanalisation geleitet. Die Aktivität an Iod-131
lag deutlich über der bewilligten wöchentlichen
Abgabelimite. Die darauf in der angeschlossenen Kläranlage wöchentlich durchgeführten
Aktivitätsmessungen zeigten eine Konzentration von 0.5 Bq/l. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb des Immissionsgrenzwertes, der für öffentlich zugängliche Gewässer zulässig ist (10 Bq/l).
Die radiologischen Konsequenzen für die Bevölkerung und die Umwelt waren gering. Um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, wurden der
Vorfall gründlich analysiert und Massnahmen
angeordnet.
Illegale Entsorgung von Ionisationsrauchmeldern
Im August 2015 erhielt das BAG die Meldung,
dass über 200 Ionisationsrauchmelder (IRM) mit
Bauschutt entsorgt worden waren. Das Funktionsprinzip solcher Rauchmelder beruht auf der
Ionisierung der Luft durch eine radioaktive Quelle. Demontierte IRM gelten als radioaktive Abfälle und dürfen nicht mit dem normalen Abfall
oder als Elektronikschrott entsorgt werden. Die
Nachforschungen brachten keine konkreten
Hinweise über den Verbleib der IRM. Die Feststellung dieser illegalen Entsorgung radioaktiver
Quellen wurde zur Strafverfolgung an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet.
Aufgrund solcher Entsorgungsereignisse haben
das BAG und die Suva – in Zusammenarbeit mit
dem Verband Schweizerischer Errichter von
Sicherheitsanlagen SES und der Vereinigung
Kantonaler Feuerversicherungen VKF – einen
Zeitplan zum Ersatz und der Entsorgung aller
noch vorhandenen IRM festgelegt. Alle betroffenen Besitzer von Brandmeldeanlagen werden in
der nächsten Zeit durch die Installationsfirma
ihrer Anlage kontaktiert und über das Vorgehen
informiert. Spätestens nach dem 31. Dezember
2018 dürfen IRM nur noch durch Brandmelder
ohne radioaktive Quelle ersetzt werden. Es gibt
heute optische Brandmelder, die ohne radioaktive Quelle genauso gute und für die meisten Anwendungen sogar bessere Ergebnisse erzielen.
Kontamination von Personen
Im April 2015 haben sich bei einer internen Schulung in einem Labor insgesamt zwölf Personen
mit F-18 kontaminiert. Ursachen waren ein an
der Aussenseite kontaminierter Bleitopf sowie
die Missachtung von Verhaltensregeln («good
practice»). Dies führte zu einer Verschleppung
des F-18 innerhalb der kontrollierten Zone, zudem waren mehrere Türgriffe verunreinigt. Alle
Personen wurden innerhalb von ein paar Stunden dekontaminiert, das Labor konnte am
nächsten Tag wieder freigegeben werden. Eine
Abschätzung der Extremitätendosis für die am
stärksten betroffene Person ergab, dass die
Dosis – im Verhältnis zum Grenzwert für Haut
und Hände für beruflich strahlenexponierte Personen von 500 mSv pro Jahr – sehr klein war.
Das Labor hat in Absprache mit dem BAG interne Massnahmen getroffen und Schulungen für
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Labors
durchgeführt, um solche Vorfälle in Zukunft zu
verhindern.
Durchschnittenes Iod-Seed
Bei einer therapeutischen Anwendung (Implantation von I-125 Seeds in der Prostata) wurde
irrtümlich ein Seed mittig durchschnitten, anstatt
an der vorgesehenen Stelle des Seed-Fadens.
Das eine Bruchstück konnte aufgefunden und
sicher in einem Abschirmbehälter verwahrt
werden. Das andere Fragment verblieb im Patienten. Vorsichtshalber wurde deshalb dessen
Schilddrüse medikamentös blockiert. Weitere
Abklärungen haben ergeben, dass der Patient
keine unmittelbare Schädigung zu erwarten hat.
Um diese Art Fehlmanipulation in Zukunft zu
vermeiden, wird ein solcher Schnitt fortan nur
nach Zustimmung einer beobachtenden Person
durchgeführt. Die konsequente Anwendung des
4-Augen-Prinzips soll diese Fehlerquelle reduzieren bis ausschliessen.
Abb. 11: Seed-Faden mit vorgesehener Schnittstelle
(schwarz) und effektiver Schnittstelle durch Seed (rot)
Leck in Dosismonitor-Kammer eines Elektronenbeschleunigers
Aufgrund eines zu spät entdeckten Lecks im
System der Dosismonitor-Kammer eines Elektronenbeschleunigers erhöhte sich die abgestrahlte Dosis langsam und unbemerkt über
einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die
nachträgliche Auswertung der Daten zeigte,
dass es bei insgesamt 15 StrahlentherapiePatienten zu einer erhöhten Dosisdeposition im
Zielvolumen, im umliegenden Gewebe und auch
bei Risikostrukturen gekommen ist (3-8%).
Dennoch konnten nahezu alle Grenzwerte der
Risikostrukturen eingehalten werden. Bei einem
einzigen Patienten wurde der Grenzwert für die
Niere um 1.3% überschritten. Aufgrund ausführlicher Abschätzungen erwartet man trotz Überschreitung des Grenzwertes keine negativen
Auswirkungen für den Patienten. Auch bei den
übrigen Patienten sind auf Grund der Dosiserhöhung keine Nebenwirkungen zu erwarten.
Als Konsequenz aus dem Ereignis wurden das
Protokoll für die tägliche Qualitätssicherung
überarbeitet und die internen Abläufe verbessert. Neu muss der verantwortliche Medizinphysiker explizit auf jede relevante Messabweichung angesprochen werden.
21
Solarien sachgerecht betreiben, um
Hautkrebsrisiko zu senken
In der Schweiz erkranken jährlich mehr als 2000 Menschen an
schwarzem Hautkrebs (Melanom). In keinem anderen europäischen
Land ist diese Krebsart so verbreitet. Gemäss Studien sind rund
80% der Hautkrebserkrankungen auf übermässige UV-Strahlung
zurückzuführen. Ungefähr ein Drittel der Personen sind bei der Diagnose unter 50 Jahre alt. UV-Strahlung wird vor allem von der Sonne,
aber auch von künstlichen Quellen wie z. B. Solarien erzeugt. Das
Hautkrebsrisiko steigt für Solarienbesucherinnen und -besucher
markant, das zeigen Studien. Ausserdem können falsch betriebene
Solarien zu einer erhöhten UV-Belastung führen, die gesundheitsgefährdend sein kann. Um die Schweizer Bevölkerung besser vor diesem Risiko zu schützen, will der Bundesrat den Betrieb öffentlicher
Solarien rechtlich regeln.
Abb. 12: Professor Dr. Ralph
Braun, leitender Arzt an der
Dermatologischen Klinik des
Universitätsspitals Zürich
Solarien erhöhen das Hautkrebsrisiko
In der Schweiz nutzen rund 8% der Bevölkerung
Solarien aktiv. Studien zeigen, dass das Hautkrebsrisiko für Solarienbesucherinnen und -besucher annähernd doppelt so hoch ist wie für
Personen, die sich nicht der künstlichen Sonne
aussetzen. Laut Professor Dr. Ralph Braun, dem
leitenden Arzt an der Dermatologischen Klinik
des Universitätsspitals Zürich, besteht kein
22
Zweifel, dass UV-Strahlung (d. h. auch der Besuch von Solarien) zu schwarzem Hautkrebs
(Melanomen) führt. Allerdings ist dies schwer
wissenschaftlich zu beweisen, weil zwischen
der Krebsentstehung und der Diagnose Jahrzehnte verstreichen können.
Die Strahlung in einem Solarium unterscheidet
sich stark von jener der Sonne. Die Intensität
der UV-B-Strahlen in Solarien ist zwar mit der
Sonne vergleichbar, bei der UV-A-Strahlung
(Wellenlänge grösser als 320 nm) hingegen gibt
es grosse Unterschiede: So kann ein Solarium
im Vergleich zur Sonne bis zu 15 Mal mehr UV-A
abstrahlen. Dieser unnatürlich hohe und gefährliche Anteil an UV-A-Strahlen macht das künstliche Sonnenlicht in Bezug auf eine Hautkrebserkrankung so viel gefährlicher als das natürliche.
Er lässt ausserdem die Haut vorzeitig altern;
diese wird rau und runzlig und bildet tiefe Hautfalten.
Jugendliche müssen geschützt werden
Professor Braun erklärt, dass das Melanomrisiko erheblich ansteigt, wenn sich bereits junge
Personen übermässiger UV-Strahlung aussetz-
ten. Personen mit heller Haut seien besonders
gefährdet. Eine Umfrage des GfS-Forschungsinstituts aus dem Jahr 2010 hat gezeigt, dass
der Anteil Solarienbesucherinnen und -besucher
in der Altersklasse der unter 36-Jährigen überdurchschnittlich gross ist, zudem gehen diese
Personen trotz Risiko auch häufiger ins Solarium
als ältere Personen. So sind knapp 70% der
Solarienbesucherinnen und -besucher zwischen
16 und 25 Jahre alt. Die Umfrage ergab weiter,
dass Personen mit ungünstigen Hauttypen das
Solarium ebenso häufig nutzen wie weniger
empfindliche Personen, aber zumindest weniger lange Bestrahlungszeiten wählen. Problematisch ist zudem, dass viele Solarienbesucherinnen und -besucher davon ausgehen, dass
regelmässige Solarienbesuche die Abwehrkräfte der Haut gegenüber der UV-Strahlung verbessern. Auch wenn es der Haut gelingt, sich gegen
solche Strahlungsbelastungen zumindest teilweise zu schützen, seien Hautverletzungen
durch die UV-Strahlung nicht zu verhindern, sagt
Professor Braun.
Kontrollierte Nutzung von Solarien
Das Inverkehrbringen von Solariengeräten ist
heute im Bundesgesetz über die Produktesicherheit geregelt. Für die Kontrolle der Einhaltung der obligatorischen Sicherheitsvorgaben
des Herstellers während dem Betrieb von Solarien gibt es jedoch keine rechtliche Regelung.
Diese Lücke will der Bundesrat nun mit seinem
Entwurf für ein Bundesgesetz über den Schutz
vor Gefährdungen durch nichtionisierende
Strahlung und Schall (NISSG) schliessen. Vorgesehen ist, dass die Kantone kampagnenartige
Stichprobenkontrollen durchführen, um sicherzustellen, dass die Solarienbetreiber die Kundschaft über die Gefahren genügend aufklären
und die Sicherheitsanweisungen der Hersteller
befolgen. So sollen die Betreiber gezwungen
werden können, empfindlichen Personen unter
18 Jahren den Solarienzugang zu verweigern.
Diese Massnahmen schützen Jugendliche und
sollen das Verantwortungsbewusstsein der
Solarienbetreiber erhöhen. Der Bundesrat hat
dem Parlament den Gesetzesentwurf im Dezember 2015 vorgelegt, mit seinem Inkrafttreten
ist also frühestens 2018 zu rechnen.
Abb. 13: Im Kanton Waadt ist Minderjährigen der Zutritt zu Solarien
bereits verboten
Auf kantonaler Ebene haben bereits mehrere
Kantone Massnahmen zu Solarien in ihrer Gesetzgebung umgesetzt. So hat der Kanton Basel-Landschaft eine gesetzliche Basis für die
Kontrolle von Solarien geschaffen. Der Kanton
Jura ist der erste Schweizer Kanton, der mittels
einer Bestimmung im Gesundheitsgesetz 2013
den Zugang zu Solarien für Minderjährige verboten hat. Solarienbetreiber müssen zudem beim
jurassischen Gesundheitsdienst eine Meldung
machen. Auch der Kanton Neuenburg kennt
diese Meldepflicht für Solarienbetreiber.
Der Kanton Waadt hat im Rahmen der Revision
seines Gesetzes über die Ausübung von Wirtschaftstätigkeiten 2014 ein Solariumverbot für
Minderjährige eingeführt, das Kontrollen und
nötigenfalls Sanktionen (siehe Abb. 13) vorsieht.
23
Überwachung der Umwelt
Wie in den vorangehenden Jahren blieb die in der Umwelt gemessene Radioaktivität im Jahr 2015 unter den gesetzlich festgelegten
Grenzwerten. Die wenigen Überschreitungen der Grenzwerte (Wildschweine) und der Toleranzwerte in (einheimischen und importierten)
Lebensmitteln waren ausnahmslos auf frühere Kontaminationen
zurückzuführen. Die in der Umgebung von Kernkraftwerken, Forschungszentren und industriellen Betrieben festgestellten Spuren
künstlicher Radioaktivität belegen den normalen Betrieb dieser Einrichtungen und die Wirksamkeit der umgesetzten Überwachungsprogramme.
URAnet – neues automatisches Messnetz
Im Mai 2013 hat der Bundesrat entschieden, das
Messnetz zur automatischen und kontinuierlichen Überwachung der Luft im Hinblick auf
radioaktive Emissionen (RADAIR) zu erneuern
und auf eine kontinuierliche Überwachung von
Flusswasser auszudehnen. Das neue Messnetz
trägt den Namen «URAnet» und besteht aus
zwei Bereichen: die Überwachung der Luft einerseits (URAnet aero) und die Überwachung
des Wassers andererseits (URAnet aqua). Der
für die Überwachung des Flusswassers eingesetzte Teil des Messnetzes ist seit November
2015 in Betrieb (siehe Artikel Seite 26/27 des
vorliegenden Berichts). Die Aerosolsonden sollen zwischen 2016 und 2017 ersetzt werden.
Wichtigste Ergebnisse der Überwachung
2015
Die Messergebnisse aus der Umweltüberwachung zeigen, dass die natürliche Radioaktivität
in der Schweiz überwiegt. Allerdings bestehen,
hauptsächlich aufgrund der Geologie, regionale
Abweichungen. Auch bei der künstlich erzeugten Radioaktivität, die in erster Linie vom Niederschlag atmosphärischer Kernwaffentests und
vom Unfall in Tschernobyl stammt, lässt sich
eine ungleichmässige Verteilung feststellen: In
den Alpen und Südalpen sind beispielsweise die
Werte von Cäsium-137 und Strontium-90 immer
noch etwas höher als im Mittelland.
24
Obwohl die Cäsium-137-Konzentrationen seit
1986 stetig abnehmen, überschreiten sie in
bestimmten Nahrungsmitteln noch immer die
Toleranzwerte (z. B. einheimische oder eingeführte Wildpilze, Honig oder Heidelbeeren).
Erneut wurden auch 2015 im Fleisch von Wildschweinen aus dem Tessin Überschreitungen
des Grenzwerts festgestellt, der für Cäsium-137
in der Fremd- und Inhaltsstoffverordnung bei
1250 Bq/kg festgelegt ist. Seit 2013 führt der
Kantonstierarzt systematisch Kontrollen der
Radioaktivität bei allen Wildschweinen durch,
die auf dem Gebiet des Kantons Tessin erlegt
wurden. Die höchste Aktivität, die im Fleisch
eines 2015 konfiszierten Wildschweins gemessen wurde, betrug 9900 Bq/kg, das entspricht
dem höchsten seit Beginn der Kontrollen festgestellten Wert.
Im Rahmen der Überwachung der Kernkraftwerke und der Forschungszentren (PSI, CERN) liessen sich mit den 2015 durchgeführten Messungen Spuren von Luftemissionen nachweisen.
Festgestellt wurden namentlich erhöhte Kohlenstoff-14-Werte in Blättern in der Umgebung der
Kernkraftwerke (maximale Erhöhung in der
Grössenordnung von zehn Promillen gegenüber
der Referenzstation beim Kernkraftwerk Leibstadt) oder erhöhte Konzentrationen von Isotopen mit kurzer Halbwertszeit (Natrium-24, Iod131), die in den Beschleunigern der Forschungszentren produziert werden. In den Flüssen wurden gelegentlich Spuren flüssiger Abgaben im
Wasser und in den Sedimenten nachgewiesen,
insbesondere Cobalt-Isotope flussabwärts des
Kernkraftwerks Mühleberg. Leicht erhöhte Tritium-Konzentrationen (maximale Aktivität von 10
Bq/l) wurden in der Aare zwischen Mai und Juni
nach der Revision des Kernkraftwerks Gösgen
gemessen. Bei Weil am Rhein blieben die Tritium-Konzentrationen im Rhein unter 3 Bq/l. Die
Abgaben künstlicher Radionuklide an die Umwelt blieben aber immer deutlich unter den
Grenzwerten.
In der unmittelbaren Umgebung von Unternehmen, die Tritium verwenden, war klar eine Kontamination der Umwelt (Niederschläge, Lebensmittel) festzustellen. Die gemessenen Werte
blieben allerdings deutlich unter den Grenzwerten (gemessene maximale Konzentration von
730 Bq/l in den Niederschlägen bei Niederwangen, das heisst 6% des Immissionsgrenzwerts
für Tritium in den öffentlich zugänglichen Gewässern).
Gemäss den Bestimmungen des Aktionsplans
Radium 2015–2019 muss bei Deponien, die mit
Radium-226 kontaminierte Abfälle enthalten
könnten, eine Überwachung der Radioaktivität
Abb. 14: Online-Plattform mit den Messungen der Radioaktivität in Umweltproben –
www.radenviro.ch
Seit November 2015 lassen sich die Ergebnisse der Umweltüberwachung auf
der neuen Internet-Plattform «Radenviro» des BAG abrufen (www.radenviro.ch/
de-CH). Die vollständigen und kommentierten Ergebnisse werden ausserdem
jedes Jahr im «Jahresbericht Umweltradioaktivität und Strahlendosen» veröffentlicht, der auf der BAG-Website zur
Verfügung steht.
stattfinden. So soll der Schutz des Personals
und der Umwelt vor der Remobilisierung von
Abfällen oder einer Verbreitung der Kontaminationen sichergestellt werden. Es gab bereits Vorabklärungen: Im Hinblick auf eine Sanierung
wurden namentlich in Biel und Teufen bereits
Analysen im Sickerwasser von Altdeponien
durchgeführt. Allfällige Sanierungen sind freilich
in erster Linie aufgrund anderer Verschmutzungen als durch Radium (z. B. PCB, Schwermetalle, andere chemische Schadstoffe) erforderlich.
25
Rascher Alarm bei Kontamination des
Trinkwassers
Die schweizerische Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt
hat sich 2015 nochmals verbessert. Neu betreibt das BAG ein automatisches Messnetz, das die Radioaktivität im Flusswasser von
Aare und Rhein kontrolliert: Fünf Sonden überwachen kontinuierlich
die Radioaktivität unterhalb der Schweizer Kernkraftwerke und liefern alle zehn Minuten Resultate. Bei erhöhten Werten können die
Behörden rasch reagieren und z. B. die Trinkwasserversorgung unterbrechen. Über die Plattform www.radenviro.ch hat auch die Bevölkerung Zugang zu den Messresultaten. Erhöhte Werte künstlicher
Radioaktivität gab es bis anhin keine.
Das neue Messnetz «URAnet aqua» umfasst
fünf Sonden, die unterhalb der Kernkraftwerke
in der Aare und im Rhein in Radelfingen,
Hagneck, Aarau, Laufenburg sowie in der Stadt
Basel installiert wurden. Auslöser für diese zusätzliche Überwachung der Oberflächengewässer war die Reaktorkatastrophe in Fukushima
Daiichi 2011, wo mit dem Lösch- und Kühlwas-
Abb. 15: Standorte der NaI-Detektoren; Eawag-Stationen mit kontinuierlicher
Probenahme für Spurenmessungen (Hagneck, Klingnau und Pratteln);
Rheinüberwachungsstation RüS Weil am Rhein (Messungen Kantonslabor
BS); Entnahmestellen von Trinkwasser im Bielersee und im Rhein (Pratteln
und Basel)
26
ser grosse Mengen Radioaktivität ins Meer
gelangten. In der Folge lancierten Schweizer
Parlamentarier etliche politische Vorstösse, bei
denen die Gefahren für das Trinkwasser im Fall
eines KKW-Zwischenfalls im Zentrum standen.
Im Mai 2013 hat der Bundesrat beschlossen,
das automatische Messnetz zur Überwachung
der Umweltradioaktivität des BAG zu erneuern
und gleichzeitig auf die Überwachung der Flüsse auszuweiten. Entsprechende moderne
Messsonden waren inzwischen auf den Markt
gekommen und ermöglichten eine technisch
zuverlässige, präzise – und relativ kostengünstige – Umsetzung des Vorhabens.
Schweizer Trinkwasserversorger als Mitinitianten
Die Stadt Biel deckt 70% ihres Trinkwasserbedarfs aus dem Bielersee, Basel bezieht sogar
das gesamte Trinkwasser aus dem Rhein. Die
Schweizer Trinkwasserversorger waren denn
auch Mitinitianten des neuen Messnetzes für
Flüsse, die für die Trinkwasserversorgung wichtig sind. Sie wollen, auch im Fall einer nur leichten Kontamination des Wassers, unverzüglich
alarmiert werden. So können sie die Pumpen
präventiv abschalten und eine Verunreinigung
ihrer Anlagen verhindern.
Lücke in der Überwachung geschlossen
Mit den neu installierten Sonden konnte eine
Lücke in der Überwachung der Oberflächengewässer geschlossen werden. Ein wichtiger Teil
des bisherigen Überwachungsdispositivs sind
die Stationen der Eawag für Spurenmessungen
bei Hagneck, Klingnau und Pratteln (Abb. 15).
Dort wird seit den 90er Jahren kontinuierlich
Flusswasser gesammelt. Diese Proben werden
jedoch nur monatlich ausgewertet und eignen
sich deshalb nicht, um auf eine Erhöhung der
Radioaktivität rasch reagieren zu können.
Das zwischen 2013 und 2015 installierte neue
Messnetz «URAnet aqua» liefert nun umgehend Resultate zu den Radioaktivitätskonzentrationen in Aare und Rhein an Standorten, die
5–27 km flussabwärts der KKW in Mühleberg,
Gösgen, Beznau und Leibstadt liegen (Abb 15).
Für eine von den KKW-Betreibern unabhängige
und für den jeweiligen Flussabschnitt repräsentative Messung des Wassers erachtete das BAG
diese Distanz als geeignet. In dieser Entfernung
ist das Flusswasser weitgehend gemischt, und
trotzdem bleibt genügend Zeit, um die weiter
flussabwärts liegenden Trinkwasserwerke mit
Flusswasserentnahme bei erhöhten Werten
rechtzeitig zu informieren. Wichtig für die Standortwahl waren auch geeignete Stellen zur Montage der Sonden, welche dank der aktiven Unterstützung der angefragten Betriebe (Flusskraftwerke, Wasserversorger) und des BAFU
schnell gefunden wurden.
Die Sonden sind mit einem Natrium-Iodid-Detektor ausgerüstet (Abb. 16). Die Natrium-IodidKristalle registrieren im Umkreis von zirka einem
Meter die Gammastrahlung von natürlichen
Nukliden und künstlichen Radionukliden. Sie
zeichnen alle zehn Minuten das Energiespektrum
auf und mitteln es stündlich, um eine tiefere
Nachweisgrenze zu erhalten.
Alarm bei erhöhter Radioaktivität
Alarm bei erhöhter Radioaktivität wird dank der
kurzen Messintervalle umgehend über das
Messnetz von MeteoSchweiz ausgelöst. Bei
Überschreitung der unteren Meldeschwelle, die
dem Toleranzwert für Trinkwasser entspricht,
erhält das BAG eine Meldung. Bei Überschreitung des Grenzwertes für Trinkwasser (obere
Meldeschwelle) wird die Nationale Alarmzentrale NAZ alarmiert, damit sie die notwendigen
Schutzmassnahmen anordnen kann.
Abb. 16: Die Natrium-Iodid-Kristalle an den Wassersonden registrieren
im Umkreis von zirka einem Meter die Gammastrahlung von natürlichen
Nukliden und künstlichen Radionukliden
Keine Funde künstlicher Radionuklide bisher
Die bisherigen Messungen zeigen eine Erhöhung der natürlichen Nuklide 214Bi und 214Pb
sowie 40K bei Hochwasser, wenn viele Radonfolgeprodukte in die Flüsse gelangen. Weitere
Peaks waren bisher nicht festzustellen, dh. die
einzelnen Radionuklide liegen unterhalb der
Nachweisgrenze. Die Tagesmittelwerte der
Messungen sind auf der neuen Internet-Plattform des BAG «Radenviro» einsehbar (www.
radenviro.ch). Die neu geschaffene Webseite
zeigt die Resultate aller in der Schweiz überwachten Umweltproben wie Luft, Boden, Gras,
Milch und Wasser.
27
Aktionsplan Radium 2015-2019
Im Mai 2015 hat der Bundesrat den Aktionsplan Radium 2015–2019
gutgeheissen; mit ihm soll das radiologische Erbe aus der Verwendung von Leuchtfarbe in der Uhrenindustrie bis in die 1960er-Jahre
bewältigt werden. Die vier wichtigsten Stossrichtungen dieses Plans
sind historische Nachforschungen zur Identifikation potentiell kontaminierter Gebäude, diagnostische Radiummessungen in diesen
Gebäuden, die Sanierung im Falle einer Überschreitung des Grenzwerts von 1 Millisievert pro Jahr und die Überwachung von Deponien, die Radium-Abfälle enthalten könnten. Die vorrangigen Arbeiten
hat die «Task force radium» bis Ende 2015 vorgenommen.
Radium-Diagnostik
Zwischen September 2014 und Dezember 2015
wurden bei 90 Gebäuden mit insgesamt 564
Wohnungen oder Gewerbeobjekten diagnostische Radiummessungen vorgenommen. Diese
fanden gemeinsam mit den betroffenen Eigentümern bzw. Mietern und mit Unterstützung der
kommunalen sowie kantonalen Behörden und
der Suva statt. Es handelte sich in erster Linie
um Gebäude, deren Adressen im Juni 2014 in
den Medien publiziert worden waren. Auf Anfrage beunruhigter Bewohner wurden ausserdem
15 zusätzliche Gebäude kontrolliert. Abbildung
17 gibt einen Überblick über diese Messungen,
die hauptsächlich das Juragebiet betrafen.
Total
Diagnostische
Biel
Die beauftragten Fachpersonen des BAG wenden ein standardisiertes Messprotokoll an, bei
dem alle Innenräume und die ganze Parzelle
systematisch nach einem Raster erfasst werden. Falls die Ortsdosisleistung einen Wert von
100 Nanosievert pro Stunde über dem lokalen
Hintergrundrauschen überschreitet, werden die
Maschen des Messpunktenetzes verengt. Ausserdem werden Bodenproben oder Abstriche
entnommen, um die Stichproben im Labor zu
analysieren. Aufgrund dieser Messergebnisse
und von Expositionsszenarien berechnet das
BAG die jährliche Dosis, der die Bewohner/innen
ausgesetzt sind. Falls diese Dosis den für die
Schweizer Bevölkerung tolerierten Grenzwert
La Chaux-de-Fonds
Andere Gemeinden
Gebäude
Insgesamt
Gebäude
Insgesamt
Gebäude
Insgesamt
Gebäude
Insgesamt
90
564
37
230
26
243
27
91
Messungen
Einheiten*
Einheiten*
Einheiten*
Einheiten*
durchgeführt
Keine Sanierung
66
erforderlich
Sanierung
abgeschlossen
29
Einheiten*
24
erforderlich
Sanierungen
544
20 Einheiten*
7 Einheiten*
5 Gärten
18
8
7 Einheiten*
8
4 Gärten
6
5 Einheiten*
236
19
7 Einheiten*
8
3 Gärten
1
1 Einheit*
6 Einheiten*
5 Gärten
1
4 Gärten
Abb. 17: Ergebnisse der zwischen September 2014 und Dezember 2015 durchgeführten Radium-Messungen
* Wohnungen oder Gewerbeobjekte
28
85
Einheiten*
Einheiten*
Einheiten*
12 Gärten
8
223
1 Einheit*
1 Garten
von 1 mSv/Jahr überschreitet, müssen die betreffenden Räume saniert werden. Bei Gärten
ist eine Sanierung erforderlich, wenn der
Schwellenwert von 1000 Becquerel/Kilogramm
für die Radium-Konzentration im Boden überschritten wird. Aufgrund der bisher durchgeführten diagnostischen Messungen ist bei 24 Gebäuden (20 Wohnungen oder Geschäftsräume
und 12 Gärten) eine Sanierung erforderlich.
Die Messungen werden in den kommenden
Jahren gemäss Aktionsplan Radium weitergeführt. Die Gesamtzahl der Gebäude in der
Schweiz, in denen Radium-Leuchtfarbe für
Uhrenateliers verwendet wurde, wird auf über
500 geschätzt. Das Historische Institut der Universität Bern wurde damit beauftragt, auf der
Basis historischer Nachforschungen ein vollständiges Inventar dieser Gebäude zu erstellen.
Radiumsanierungen
Seit 2014 wurden 7 Wohnungen und 5 mit Radium kontaminierte Gärten in insgesamt 8 Liegenschaften saniert (siehe Abb. 17). Die sanierten
Standorte befinden sich hauptsächlich in der
Gemeinde Biel, einige auch in La-Chaux-deFonds und Tavannes.
Die Sanierungen sollen die Radium-Kontamination so weit reduzieren, dass die verbleibende
Exposition in Innenräumen unter 1mSv pro Jahr
liegt, ohne unverhältnismässige Massnahmen
und untragbare Kosten zu verursachen. Spezialisierte Unternehmen, die das Radiumrisiko kennen und verpflichtet sind, die Strahlenschutzvorschriften zu befolgen, führen die Sanierungsarbeiten aus. Das BAG, das gemeinsam mit der
Suva die Arbeiten begleitet, legt die Vorgaben
von Fall zu Fall fest. Die Sanierungsfirmen sind
auf die Dekontamination von Gebäudestrukturen spezialisiert und verfügen über den notwendigen Sachverstand sowie über genügend
Strahlenschutzfachkräfte.
In Innenräumen sind insbesondere Böden mit
Radium belastet, z. B. alter Parkett und damit
verbundene Fliesen oder Teppiche. In gewissen
Fällen sind auch die darunterliegende Unterkonstruktion und die Zwischenbodenschlacke kontaminiert (siehe Abb. 18). Nach Beendigung der
Dekontaminationsarbeiten führt das BAG Kontrollmessungen durch. Anschliessend muss die
Gebäudestruktur wieder hergestellt werden
(Instandstellung), um den Standard vor den
Bauarbeiten zu erreichen.
Abb. 18 : Alter Holzboden und Zwischenbodenschlacke (schwarz)
Abb. 19 : Sanierung eines mit Radium
belasteten Gartens
Fachgerechte Entsorgung der Sanierungsabfälle
Die bei der Sanierung entstehenden Abfälle
müssen im Hinblick auf ihre Entsorgung sortiert
werden. Nicht-kontaminierte Abfälle können
über den normalen Entsorgungsweg beseitigt
werden. Mit Radium kontaminierte Abfälle werden an einem sicheren Ort zwischengelagert,
bis sie in gesetzeskonformer Weise entsorgt
werden können (Deponie oder Verbrennung
nach Artikel 82/83 StSV). Zu diesem Zweck wurden in den Gemeinden Biel und La Chaux-deFonds Standorte für die zwischenzeitliche Lagerung eingerichtet. Das BAG hat den beiden
Gemeinden die entsprechenden Bewilligungen
erteilt und stellt einen Strahlenschutzexperten
zur Verfügung. Durch Strahlenschutzmessungen stellt das BAG sicher, dass das Personal,
das sich bei den Standorten der befristeten
Lagerung aufhält bzw. die Bevölkerung in der
Umgebung, keinen Strahlendosen ausgesetzt
sind, welche die zulässigen Grenzwerte überschreiten.
Die am stärksten kontaminierten Abfälle werden in luftdichte Fässer verpackt und im BAG
gelagert; sie sollen bei der nächsten im Frühling
2016 vorgesehenen Sammelaktion ins Bundeszwischenlager (BZL) gebracht werden.
29
Aktionsplan Radon 2012–2020
Der Bundesrat hat 2011 den Aktionsplan Radon 2012–2020 gutgeheissen, mit dem in erster Linie die Strategie zum Schutz gegen
Radon den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationalen Richtlinien angepasst werden soll. Im Jahr 2015 lag der Fokus
des BAG auf der Revision der Strahlenschutzverordnung (StSV) in
diesem Bereich und auf der Berücksichtigung der Radonproblematik
in der Grundausbildung der Bauberufe und den Bauvorschriften.
Revision der Verordnungen zum Strahlenschutz
Im Oktober 2015 hat das Eidgenössische Departement des Innern die Revision StSV für vier
Monate in die Vernehmlassung geschickt. Bestimmungen zum Radon sind in der StSV zu
finden, aber auch in den Verordnungen des EDI
über die Dosimetrie, über die Ausbildungen im
Strahlenschutz und über die Gebühren. Der
Entwurf sieht die Anpassung des Referenzwerts auf 300 Bq/m3 für die Radonkonzentration
in Gebäuden (im Jahresdurchschnitt) vor. Behörden, die Baubewilligungen für Neu- und Umbauten erteilen, müssen die Bauherren konsequent
über die Radonproblematik informieren. Bei
Neubauten ist eine systematische Radonmessung zu Lasten des Eigentümers vorgesehen.
Bei der Umsetzung von Korrekturmassnahmen
wird ein abgestufter Ansatz verfolgt, wobei Neubauten, Schulen und Kindergärten prioritär saniert werden.
BAG-Tagungen für alle Ausbildungsstufen
im Baugewerbe
Für die Umsetzung der Massnahme 6 «Ausbildung von Baufachleuten» im Radonaktionsplan
2012–2020 hat das BAG zwei Tagungen für das
Baugewerbe organisiert. Am 13. März 2015 fand
eine Tagung für die Verantwortlichen der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) statt. Das BAG
konnte Vertreter von 18 Verbänden der Bauberufe begrüssen, die insgesamt 68 Berufsabschlüsse der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung vertraten. Am 6. November
2015 folgte die Tagung für Dozierende im Ingenieur- und Architekturwesen. Die Teilnehmenden
vertraten zwei Hochschulen sowie zehn Fachhochschulen mit insgesamt 45 Ausbildungslehr-
30
gängen. Die Teilnehmenden dieser zwei Tagungen wurden über den heutigen Wissensstand
rund um Radon informiert. Anhand von 27 konkreten Beispielen wurden mögliche Fehler bei
Planung und Projektierung, Realisierung und
Bewirtschaftung von Gebäuden erläutert. Erfolgreiche Praxisbeispiele zeigten auf, wie sich die
Radonproblematik konsequent in die Ausbildung integrieren lässt.
Radonmessungen
Die Radongruppe METAS (Eidg. Institut für Metrologie) entwickelt Messprotokolle für verschiedene Gebäudetypen. Die Protokolle für Wohnund Aufenthaltsräume sowie für Schulen und
Kindergärten konnten abgeschlossen werden.
Die wichtigsten Veränderungen zur bisherigen
Praxis in solchen Räumen sind der Verzicht auf
eine saisonale Korrektur und die zwingende
Festschreibung einer dreimonatigen Messdauer
während der Heizperiode. Ab Inkrafttreten der
revidierten StSV ist vorgesehen, diese Messprotokolle als Bestandteil der Anerkennungsverfügung einzusetzen.
Im Rahmen des Projekts zur Erarbeitung eines
Messprotokolls für Kurzzeitmessungen wurden
die Testmessungen im Tessin abgeschlossen.
Eine erste Analyse zeigt, dass die gewählte Strategie erfolgsversprechend ist. Bei richtig gewählter Messanlage ist es möglich, die Radonsituation in einem Gebäude innerhalb weniger
Tage einzuschätzen. Eine Kurzzeitmessung kann
zwar eine anerkannte Messung zur Bestimmung des Jahresmittelwertes nicht ersetzen,
aber sie lässt eine gut begründete Aussage zum
vorhandenen Radonpotential zu. Das Projekt
soll bis Ende 2016 abgeschlossen werden.
Bauliche Massnahmen zum Radonschutz
Eine Arbeitsgruppe hat die Empfehlungen des
BAG zum Radonschutz in Neubauten überarbeitet. Im Rahmen dieses Projekts sollen die Empfehlungen an die neuen Radonschutzbestimmungen der SIA-Norm 180 angepasst und die
Methoden der internationalen Broschüre «Radon: Vorsorgemassnahmen bei Neubauten»
Baufachleuten zur Beurteilung vorgelegt werden. Die Arbeitsgruppe besteht aus Vertretern
des SIA, einem Bauphysiker, einem Architekten,
einer Radonfachperson sowie Vertretern der
Hochschule für Technik und Architektur Freiburg.
Die Publikation der revidierten Empfehlungen ist
für 2016 vorgesehen.
Da die technische Dokumentation vom BAG
langsam in die Jahre gekommen ist und aufgrund der Revision der StSV sowieso angepasst
werden muss, erarbeitet der Faktor Verlag ein
neues Radonhandbuch, das die bisherige technische Dokumentation ersetzt und praktische
Sanierungsbeispiele behandelt. Das Handbuch
erscheint Anfang 2017.
International: Workshop über Radon am
Arbeitsplatz
Die Implementierung der neuen EURATOMRichtlinie ist für die Radonproblematik am Arbeitsplatz kritisch. Aus diesem Grund organisierte das BAG vom 12. bis 14. Oktober 2015 einen
Workshop zu diesem Thema. Er fand in den
Räumlichkeiten der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf statt, in Zusammenarbeit mit
den französischen und norwegischen Strahlenschutzbehörden (ASN und NRPA) und im Auftrag
der europäischen Vereinigung HERCA (Heads of
the Radiological Protection Competent Authorities). Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis
der Artikel der europäischen Richtlinie zu erarbeiten und Empfehlungen herauszugeben. Es
fehlt noch immer ein dosimetrischer Ansatz der
ICRP für die Berechnung der Radonexposition
von Arbeitnehmenden. Dieses Element ist für
die Beurteilung von Dosis und Risiko im Zusammenhang mit Radon am Arbeitsplatz erforderlich.
Prädiktive Analyse und Kartographie von
Innenraum-Radonkonzentrationen in der
Schweiz
Das Institut de radiophysique (IRA) in Lausanne
hat in Zusammenarbeit mit dem BAG im Rahmen einer Doktorarbeit ein Projekt für die Analyse und die Modellierung von Innenraum-Radon-
Abb. 20: OdA Vertreter formulieren Anliegen und Wünsche ans
BAG, 13. März 2015
Abb. 21: Beispiel zur Kommunikation der Wahrscheinlichkeit, einen
bestimmten IRK-Wert bei gegebenen Gebäudecharakteristiken
zu überschreiten
konzentrationen (IRK) in der Schweiz durchgeführt. In der ersten Phase wurden IRK mit
Bezug auf folgende Variablen analysiert [1]: Detektortyp, Gebäudekategorie, Fundament, Baujahr, mittlere Aussentemperatur während der
Messung, Höhe und Lithologie. Alle Variablen
zeigten einen signifikanten Zusammenhang mit
IRK. Weiterhin wurde eine Methode zur automatischen Gruppierung geologischer Klassen entsprechend ihrer IRK-Charakteristik entwickelt [2].
Der zweite Teil des Projekts handelt von der
Modellierung von IRK. Unter anderem wurde
eine Methode entwickelt zur Kartographie der
Wahrscheinlichkeit, und einem entsprechenden
Vertrauensindex, den Referenzwert von 300 Bq/m3
zu überschreiten [3]. Abbildung 21 zeigt ein
mögliches Szenario zur Veröffentlichung dieser
Ergebnisse. Der User kann hierbei die Charakteristiken und Koordinaten seines Hauses eingeben, um die Wahrscheinlichkeit zu erhalten, über
einer bestimmten IRK zu liegen.
[1] Kropat G. & al., Major influencing factors of indoor radon
concentrations in Switzerland, Journal of Environmental
Radioactivity, Vol. 129, 2014, pages 7–22
[2] Kropat G. & al., Improved predictive mapping of indoor
radon concentrations using ensemble regression trees
based on automatic clustering of geological units. Journal of
Environmental Radioactivity. Vol. 147, 2015, pages 51–62
[3] Kropat G. & al., Predictive analysis and mapping of indoor
radon concentrations in a complex environment using kernel
estimation: An application to Switzerland, The Science of the
Total Environment, Vol. 505, 2015, pages 137–148
31
Gesundheitsschutz vor nichtionisierender
Strahlung und Schall
Laserpointer, kosmetische Laser oder Solarien sind Quellen nichtionisierender Strahlung (NIS), die bei unsachgemässer Verwendung gesundheitsgefährdend sein können. Blendattacken mit Laserpointern stellen z. B. für viele
Berufsgruppen ein grosses Risiko dar. Messungen im Helikopter-Cockpit
haben gezeigt, dass selbst die Strahlung von schwachen Laserpointern zu
Expositionen führt, die auf Grund des heutigen Wissensstandes Blendungen
verursachen könnten. Die Verwendung solcher Geräte ist in der Schweiz bis
anhin nicht geregelt, hier soll das neue Bundesgesetz Abhilfe schaffen.
Neues Bundesgesetz über den Schutz vor
Gefährdungen durch nichtionisierende
Strahlung und Schall (NISSG)
Der Schutz der Gesundheit vor nichtionisierender Strahlung (NIS) ist in der Schweiz nicht umfassend geregelt. Anders als in der Schweizer
Strahlenschutzgesetzgebung, die umfassende
Vorschriften für den Umgang mit ionisierender
Strahlung vorsieht, sind nichtionisierende Strahlung und Schall in einer Vielzahl von Bundeserlassen geregelt. Sie betreffen mehrheitlich die
Produktesicherheit, die Umwelt und die Arbeitssicherheit. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass zu diesen bestehenden Gesetzen
ergänzende Regelungen benötigt werden, um
die vorhandenen Gesundheitsgefährdungen,
die vor allem während der Verwendung von
NIS-Produkten auftreten, minimieren zu können.
Ein neues Gesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und
Schall soll deshalb die bestehenden Regelungen
ergänzen. Es tangiert weder die bestehenden
Gesetze noch das Inverkehrbringen von Produkten, das gemäss den geltenden, an die EU angepassten Regelungen weiterhin gleich bleiben
soll. Eine strenge Eingriffsverwaltung sieht das
neue Gesetz nur in Ausnahmefällen für Produkte vor, welche die Gesundheit von Personen
erheblich gefährden. Zudem soll das neue Gesetz die Grundlage schaffen, um zukünftige
Technologien zu beobachten und allenfalls geeignete Massnahmen treffen zu können.
32
Das NISSG sieht folgende Massnahmen vor:
• Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und
Herstellervorgaben: Bei potenziell gefährlichen kosmetischen Anwendungen oder bei
Solarien sollen stichprobenweise entsprechende Kontrollen möglich sein
• Sachkunde: Falls Produkte ein hohes Gefährdungspotenzial aufweisen, kann der Bundesrat für deren gewerbliche oder berufliche Verwendung einen Sachkundenachweis fordern
• Verbote: Falls die Gesundheit von Menschen
durch keine anderen Massnahmen hinreichend geschützt werden kann, kann der Bundesrat für Produkte mit sehr hohem Gefährdungspotenzial umfassende Verbote
hinsichtlich deren Einfuhr, Durchfuhr, Abgabe
und Besitz verhängen. Momentan sind von
einem möglichen Verbot nur starke Laserpointer betroffen
• Massnahmen bei gesundheitsgefährdenden
Expositionen: In Situationen, in denen gesundheitsgefährdende Expositionen auftreten (beispielsweise bei Veranstaltungen mit Lasern
oder lauten Schallquellen), kann der Bundesrat
Massnahmen festlegen, welche die Gesamtbelastung beschränken oder die Gesundheit
der Menschen auf andere Weise schützen
• Information: Der Bund kann im Rahmen des
Geltungsbereichs des neuen Gesetzes adäquat und zielgerichtet über NIS informieren
und sich die dazu notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen beschaffen.
Bestrahlung von Helikopterpiloten durch
Laserpointer
Blendattacken mit Laserpointern stellen für
viele Berufsgruppen ein grosses Risiko dar.
Stark betroffen sind Helikopterbesatzungen,
die in vollverglasten Cockpits arbeiten müssen.
Eine der Aufgaben des neuen Gesetzes über
den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall ist es deshalb,
solche Blendungen zu verhindern. Das METAS
hat im Auftrag des BAG zu diesem Zweck die
Bestrahlungsstärken im Cockpit eines Eurocopters EC 635 der Schweizer Armee gemessen,
das durch Laserpointer in diversen Farben und
aus praxisnahen Distanzen bestrahlt wurde.
Zweck dieses Versuches war es, diese Bestrahlungsstärken mit den Daten bestehender amerikanischer Studien zu koppeln, welche die durch
Laserstrahlen hervorgerufenen Blenderscheinungen bei Probanden in Anhängigkeit der Bestrahlungsstärke untersucht haben.
Die Messungen haben gezeigt, dass die Strahlung der heute in der Schweiz zugelassenen
Laserpointer der Klasse 3R im Cockpit Expositionen verursacht, die in Distanzen unter 100
Meter zu relevanten Sehbeeinträchtigungen
bzw. in Distanzen unter 500 Meter zu relevanten
Blendungen führen könnten. Aus Abb. 22 ist
ersichtlich, dass die Streuung des Laserstrahles
an der Scheibe des Cockpits einen grossen Einfluss auf die Strahlverteilung im Cockpit und die
Bestrahlungsstärken im Auge von Pilotinnen
und Piloten hat.
Abb. 22: Expositionen im Cockpit eines Helikopters (grüner Laser)
Neue Informationen zu LED-Lampen und
LED-Leuchtmitteln
LED- Lampen bzw. LED-Leuchtmittel eignen
sich für energieeffiziente Innen- und Aussenbeleuchtungen. Sie stellen eine Alternative zu
Energiespar- und Halogenlampen dar.
LED-Lampen können aus technischen Gründen
kein weisses Licht erzeugen, sondern strahlen
gelbliche und blaue Lichtanteile ab, die zusammen gemischt-weisses Licht ergeben. Da blaues Licht ab einer bestimmten Stärke und Bestrahlungszeit ein Risiko für die Netzhaut des
Auges darstellt, müssen Lampen den Grenzwert für die Blaulichtgefährdung einhalten. Dieser Grenzwert wird je nach Stärke des blauen
Lichtanteils nach kürzerer oder längerer Bestrahlungszeit erreicht, bei langen Bestrahlungszeiten von über 10'000 Sekunden beträgt die
zulässige Strahldichte 100 m-2 sr-1.
Grundsätzlich stellen handelsübliche LED-Lampen bei sachkundiger Verwendung kein gesundheitliches Risiko dar. Dies gilt auch für empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder
Personen, die sehr klare, keine oder künstliche
Augenlinsen haben.
Das BAG hat ein neues Faktenblatt mit Informationen veröffentlicht, die der Bevölkerung helfen
können, LED-Lampen sachkundig einzusetzen.
33
Strahlenbelastung der Bevölkerung 2015
Der grösste Anteil an der Strahlenbelastung der Bevölkerung stammt
vom Radon in Wohn- und Arbeitsräumen sowie von medizinischen
Untersuchungen. Die Bevölkerung ist von diesen Strahlungsquellen
unterschiedlich stark betroffen. Bei Personen, die in ihrer beruflichen
Tätigkeit mit Strahlen umgehen, gab es keine Überschreitung der
Grenzwerte.
Strahlendosen der Bevölkerung
Die drei wichtigsten Ursachen für die Strahlenbelastung der Bevölkerung sind das Radon in
Wohnungen, die medizinische Diagnostik sowie
die natürliche Strahlung (Abb. 23). Für alle künstlichen Strahlenexpositionen (ohne Medizin) gilt
für die allgemeine Bevölkerung ein Dosisgrenzwert von 1 mSv pro Jahr. Die berufliche Strahlenbelastung, insbesondere für Junge und
Schwangere, ist durch besondere Bestimmungen geregelt.
Strahlenbelastung durch Radon
Radon-222 und seine Folgeprodukte in Wohnund Arbeitsräumen liefern den grössten Dosisbeitrag für die Bevölkerung. Diese Nuklide gelangen über die Atemluft in den Körper. Die
internationale Strahlenschutzkommission ICRP
schätzt das Lungenkrebsrisiko aufgrund von
Radon etwa doppelt so hoch ein wie in den Jahren zuvor (ICRP 115, 2010). Folglich muss die
durchschnittliche «Radondosis» für die Schweizer Bevölkerung auch nach oben korrigiert werden. Sie beträgt mit den neuen Risikofaktoren
etwa 3.2 mSv pro Jahr statt den 1.6 mSv, die mit
den alten Dosisfaktoren aus der Publikation
ICRP 65 geschätzt wurden. Die Radonbelastung
der Bevölkerung ist nicht einheitlich. Der angegebene Mittelwert leitet sich aus der durchschnittlichen Radonkonzentration von 75 Bq/m3 ab.
mSv / Jahr
3,5
3
2,5
ICRP 115
2
1
0,5
ICRP 65
1,5
c
2008
2013
i
t
0
Radon
medizinische Diagnostik
natürliche Radioaktivität
übrige
Abb. 23: Durchschnittliche Strahlendosen der Schweizer Bevölkerung in [mSv pro Jahr pro Person]. Die Belastung
durch Radon muss nach der neuen Beurteilung durch die ICRP (ICRP 115, 2010) deutlich höher eingeschätzt
werden als zuvor (ICRP 65). Der Wert für die medizinische Diagnostik beruht auf der Erhebung von 2008 bzw. auf
der Zwischenerhebung von 2013. Die natürliche Exposition setzt sich aus terrestrischer Strahlung (t), Inkorporation
(i) und kosmischer Strahlung (c) zusammen. Zu «übrige» gehören Kernkraftwerke und Forschungsanstalten sowie
künstliche Radioisotope in der Umwelt.
34
Bestrahlung durch medizinische Diagnostik
Die Dosis aufgrund medizinischer Anwendungen (Röntgendiagnostik) beträgt auf die gesamte Bevölkerung umgerechnet 1.2 mSv/Jahr pro
Person (Auswertung der Erhebung 2008) bzw.
1.4 mSv/Jahr pro Person (Auswertung der Zwischenerhebung 2013). Mehr als zwei Drittel der
jährlichen kollektiven Strahlendosis in der Röntgendiagnostik verursachen computertomografische Untersuchungen. Wie beim Radon ist die
Belastung durch die medizinische Diagnostik
ungleichmässig verteilt. Rund zwei Drittel der
Bevölkerung erhalten praktisch keine Dosis
durch Diagnostik, bei einigen wenigen Prozenten der Bevölkerung sind es mehr als 10 mSv .
Übrige (künstliche) Strahlenquellen
Zu den bisher erwähnten Strahlendosen kommt
ein geringer Beitrag von ≤ 0.1 mSv pro Jahr aus
den Strahlenexpositionen durch Kernkraftwerke, Industrie, Forschung, Medizin, Konsumgüter
und Gegenstände des täglichen Lebens sowie
künstliche Radioisotope in der Umwelt. Der
radioaktive Ausfall durch den Reaktorunfall von
Tschernobyl im April 1986 und den oberirdischen Kernwaffenversuchen (1960er-Jahre)
machen heute nur noch wenige Hundertstel
mSv pro Jahr aus. Die Dosis durch die Ausbreitung von radioaktiven Stoffen nach dem Reaktorunfall in Fukushima ist in der Schweiz vernachlässigbar.
Terrestrische und kosmische Strahlung
Die Dosis aufgrund der terrestrischen Strahlung
(d. h. Strahlung aus Boden und Fels) macht im
Mittel 0.35 mSv pro Jahr aus und hängt davon
ab, wie der Untergrund zusammengesetzt ist.
Die Dosis durch kosmische Strahlung beträgt im
Mittel etwa 0.4 mSv pro Jahr. Die kosmische
Strahlung nimmt mit der Höhe über Meer zu, da
dadurch die abschwächende Lufthülle der Erde
dünner wird. In 10 km Höhe ist die kosmische
Strahlung deshalb rund 100-mal stärker als auf
500 m über Meer. Aus diesem Grund ergibt ein
Überseeflug (retour) eine Exposition von typischerweise rund 0.06 mSv. Das Flugpersonal
kann eine Dosis von bis zu einigen mSv pro Jahr
erhalten.
Die Emissionen radioaktiver Stoffe über Abluft
und Abwasser aus den Schweizer Kernkraftwerken, dem PSI und dem CERN ergeben bei Personen, die in unmittelbarer Nähe wohnen, Dosen von höchstens einem Hundertstel mSv pro
Jahr.
Radionuklide in der Nahrung
Radionuklide gelangen auch über die Nahrung in
den menschlichen Körper und führen zu Dosen
von rund 0.35 mSv. Das Kalium-40 im Muskelgewebe liefert mit rund 0.2 mSv den grössten
Beitrag. Weitere Radionuklide in der Nahrung
stammen aus den natürlichen Zerfallsreihen von
Uran und Thorium. Auch künstliche Radionuklide
kommen in der Nahrung vor; hauptsächlich die
Nuklide Cäsium-137 und Strontium-90 von den
Kernwaffenversuchen der 1960er-Jahre und
vom Reaktorunfall von Tschernobyl im April
1986. Die regelmässigen Ganzkörpermessungen an Schulklassen ergeben heute Dosen
durch aufgenommenes Cäsium-137 von weniger als einem Tausendstel mSv pro Jahr.
Berufliche Strahlenexposition
Im Berichtsjahr waren in der Schweiz ca. 94’000
Personen beruflich strahlenexponiert. Diese
Zahl steigt kontinuierlich (+30% seit 2004), ca.
75% dieser Personen arbeiten im medizinischen
Bereich.
Im Rahmen seiner Aufsichtstätigkeit untersucht
das BAG in den Bereichen Medizin und Forschung alle Ganzkörperdosen über 2 mSv im
Monat sowie alle Extremitätendosen über
10 mSv. Die meisten erhöhten Dosen gab es in
den dosisintensiven Bereichen Nuklearmedizin
und interventionelle Radiologie.
Eine ausführliche Statistik ist dem Jahresbericht
«Dosimetrie der beruflich strahlenexponierten
Personen in der Schweiz» zu entnehmen, der im
Sommer 2016 auf der BAG-Website publiziert
wird.
35
Internationale
Zusammenarbeit
Der Strahlenschutz in der Schweiz muss internationalen Standards entsprechen, die enge Zusammenarbeit mit internationalen Gremien ist
deshalb äusserst wichtig. Unsere wichtigsten
Partner und Mitgliedschaften:
Die Abteilung Strahlenschutz als Collaboration
Center der Weltgesundheitsorganisation WHO
Die WHO hat 2014 die Ernennung der Abteilung
Strahlenschutz als Kooperationszentrum für
Strahlenschutz und die öffentliche Gesundheit
bestätigt. Das Mandat 2014–2017 umfasst folgende Aufgaben:
• Vorbereitung und Durchführung von Gesundheitsmassnahmen in Notfallsituationen mit
Strahlenbelastung
• Entwicklung von Strategien zur Unterstützung
des Aktionsplans Radon
• Evaluation der Risiken von nichtionisierender
Strahlung und Prüfung der entsprechenden
Schutzmassnahmen
• Engagement für den Strahlenschutz im medizinischen Bereich.
Mit all diesen Arbeiten trägt das BAG auch zur
Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften bei, die die Schweiz 2005 unterzeichnet hat.
Das BAG vertritt die Schweiz zudem seit längerer Zeit in folgenden WHO-Projekten:
WHO-Globale Initiative:
Sie bezweckt, den Strahlenschutz in der Medizin
zu verbessern.
www.who.int/ionizing_radiation/about/med_exposure/en/index1.html
WHO-Radon-Project:
Das Projekt soll den Radon bedingten Lungenkrebs
reduzieren.
www.who.int/ionizing_radiation/env/radon/en/
WHO-Intersun:
Ziel des Projektes ist es, die Gesundheitsschäden
durch UV-Strahlung zu reduzieren.
www.who.int/peh-uv
WHO-EMF-Project:
Das Projekt beurteilt Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder. www.who.int/peh-emf/en
36
Expertengruppe «Artikel 31 Euratom-Vertrag»
Seit November 2014 nimmt das BAG als Beobachter an den Treffen und Diskussionen der Expertengruppe gemäss Artikel 31 des EuratomVertrags teil. Diese Gruppe hat den Auftrag, die
von der Europäischen Kommission ausgearbeiteten Grundnormen im Zusammenhang mit
dem Gesundheitsschutz vor den Risiken ionisierender Strahlung zu prüfen.
Internationale Strahlenschutzkommission
ICRP
Ihre Empfehlungen zum Strahlenschutz sind in
den meisten Staaten und auch in der Schweiz in
nationales Recht umgesetzt. Prof. F. Bochud
(Vorsitzender der KSR) vertritt die Schweiz im
Komitee 4, das eine beratende Funktion für die
Anwendung der ICRP-Empfehlungen hat.
Die Vereinigung europäischer Strahlenschutzbehörden HERCA (Heads of the European Radiological Protection Competent
Authorities)
In HERCA sind fast alle europäischen Staaten
mit dem Ziel vertreten, den Strahlenschutz in
Europa zu harmonisieren, z. B. mit gemeinsam
entwickelten Stellungnahmen zu relevanten
Strahlenschutzthemen. HERCA ist die wichtigste Plattform für europäische Strahlenschutzbehörden, um Erfahrungen auszutauschen und die
Strahlenschutzpraxis in den Mitgliedsländern zu
verbessern.
Bezüglich Radonproblematik hat das BAG u. a.
in der HERCA-Arbeitsgruppe mitgewirkt, deren
erster Workshop 2014 in Paris stattfand. Das
BAG hat in Zusammenarbeit mit der französischen Atomsicherheitsbehörde ASN und den
norwegischen Behörde NRPA den zweiten
Workshop im Herbst 2015 in Genf organisiert.
Im September 2016 organisiert das BAG einen
Workshop für die Arbeitsgruppen Medical und
Veterinary Applications.
Europäisches ALARA Network
Ziel dieses Netzwerkes ist es, die Strahlendosen der Bevölkerung durch optimierte Schutzstrategien «As Low As Reasonably Achievable»
zu halten. www.eu-alara.net. Im Berichtsjahr
bereitete die Abteilung Strahlenschutz den 16.
European ALARA Network Workshop vor, zum
Thema «ALARA in industrial radiography – How
can it be improved», der vom 14.–16. März 2016
in Bern stattfindet.
Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich
Das BAG ist in der Deutsch-Schweizerischen Kommission
für die Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen bzw. der
Commission mixte franco-suisse de sûreté nucléaire et de
radioprotection vertreten, um regelmässig Erfahrungen
über Betrieb, Sicherheit, Überwachung und Umweltauswirkungen von Kernanlagen sowie über weitere Aspekte
des Strahlenschutzes auszutauschen. Zusammen mit der
französischen Aufsichtsbehörde ASN (Autorité de Sûreté
Nucléaire) koordiniert das BAG die Überwachung der Radioaktivität in der Umgebung des CERN. Das BAG arbeitet
ebenfalls im Komitee «Suivi des leucémies» der ASN mit.
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO)
Unter der Schirmherrschaft der IAEO organisierte das BAG
2015 gemeinsam mit dem Labor Spiez, das zum IAEONetzwerk ALMERA (Analytical Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity) gehört, einen
Workshop zur In-situ-Gammaspektrometrie. Ausserdem
beteiligte sich das BAG, als Unterstützung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI), an der von
der IAEO organisierten 5. Überprüfungskonferenz zur
Implementierung des internationalen Übereinkommens
über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle. Das BAG leistete unter
der Führung der IAEO auch einen Beitrag zur Ausarbeitung
eines Leitfadens zum Umgang mit ausgedienten Strahlenquellen, mit dem die Bestimmungen des Verhaltenskodex
für die Sicherheit und Sicherung radioaktiver Strahlenquellen präzisiert werden. Bei diesem Verhaltenskodex handelt
es sich um internationale Richtlinien, die von zahlreichen
Ländern anerkannt und unterstützt werden und mit denen
die Sicherheit und Sicherung der Verwendung radioaktiver
Strahlenquellen gefördert werden soll. Weiter arbeitete
das BAG auch an der IAEO-Publikation «Protection of the
Public against Exposure Indoors due to Radon and other
Natural Sources of Radiation» mit, die 2015 erschienen ist.
Schliesslich war es in einer Expertengruppe vertreten, die
von der IAEO mit der IRRS-Mission «Integrated regulatory
review service IRRS mission» beauftragt wurde.
NERIS: The European Platform on Preparedness for
Nuclear and Radiological Emergency Response and
Recovery
Das BAG engagierte sich stark an den Arbeiten der Plattform NERIS (www.eu-neris.net), insbesondere im Rahmen des Projekts PREPARE. Dieses Engagement mündete
in die Einrichtung eines französisch-schweizerischen Panels zur Problematik des langfristigen Umgangs mit kontaminierten Lebensmitteln nach einem nuklearen Unfall.
Kernenergieagentur NEA der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD
Sie unterstützt ihre Mitgliedstaaten in technischen und
rechtlichen Fragen bei der Entwicklung und friedlichen
Nutzung der Kernenergie. Das BAG wirkt im Komitee für
Strahlenschutz und öffentliche Gesundheit mit.
Publikationen,
weiterführende
Informationen
Rechtsgrundlagen
Die schweizerische Strahlenschutzgesetzgebung bezweckt, Mensch und Umwelt vor gefährlichen ionisierenden Strahlen zu schützen.
Sie umfasst alle Tätigkeiten, Einrichtungen,
Ereignisse und Zustände, die eine Gefährdung
durch ionisierende Strahlen mit sich bringen.
Sie regelt den Umgang mit radioaktiven Stoffen
und mit Anlagen, Apparaten und Gegenständen, die radioaktive Stoffe enthalten oder ionisierende Strahlen aussenden können. Die Gesetzgebung behandelt im Weiteren Ereignisse,
die eine erhöhte Radioaktivität der Umwelt
bewirken können.
Dieser Jahresbericht erfüllt die von der Schweizer Strahlenschutzgesetzgebung geforderte
Informationspflicht zur Personendosimetrie (Art.
55 StSV), Umweltradioaktivität (Art. 106 StSV)
und Radonproblematik (Art. 118 StSV).
Informationsmaterial
Ausführliche Informationen über die Abteilung
Strahlenschutz erhalten Sie auf der Webseite
www.bag.admin.ch/themen/strahlung/index.html.
Ionisierende Strahlung: BAG-Weisungen,
BAG-Merkblätter, Formulare und Broschüren zu
Röntgenanlagen, radioaktiven Stoffen, radioaktiven
Abfällen, beruflich strahlenexponierten Personen,
Radon.
Nichtionisierende Strahlung und Schall:
Broschüren und Faktenblätter zu Sonnenschutz,
Solarien, Laser, elektromagnetischen Feldern und
Schall im Freizeitbereich.
Weiterbildung und Schule:
Multimedia-DVDs zum Strahlenschutz in der
Nuklearmedizin, in der zahnärztlichen Praxis, bei
interventionellen Untersuchungen und beim
Röntgen im Operationssaal, Schulmaterial zum
Sonnenschutz und Schutz des Gehörs vor zu lautem
Schall.
Verbraucherschutz Newsletter
Bestellen Sie unseren kostenlosen Verbraucherschutz-Newsletter, um das Neuste aus den
Abteilungen Chemikalien und Strahlenschutz zu
erfahren www.bag.admin.ch/themen/strahlung/03828/index.html?lang=de
37
Strahlenschutz – Aufgaben und
Organisation
Strahlung ist allgegenwärtig. Ihrem Nutzen in Medizin, Industrie und
Forschung stehen Risiken für Mensch und Umwelt gegenüber. Zu
hohe Strahlung, radioaktive Abfälle oder Radon bergen Risiken – sei es
am Arbeitsplatz, in der Umwelt oder im Privatleben. Der Schutz vor
diesen Risiken ist die zentrale Aufgabe der Abteilung Strahlenschutz.
Über 40 Mitarbeitende, Physikerinnen, Geologen oder Ingenieurinnen und viele weitere Berufsgruppen, setzen sich in der Abteilung Strahlenschutz dafür ein, dass Strahlenexpositionen
der Schweizer Bevölkerung, sofern gerechtfertigt, so niedrig wie möglich sind. Erste Priorität
haben Massnahmen, die schwere Störfälle verhindern und hohe Dosen von Bevölkerung, Patientinnen und Patienten sowie beruflich strahlenbelasteten Personen vermeiden.
Um diese Ziele umfassend und nachhaltig zu
erreichen, verfügen wir über vielfältige Mittel.
Bei der ionisierenden Strahlung sind die Strahlenschutzgesetzgebung und die damit verbundenen Vollzugsaufgaben unsere Basis. Die gesetzlichen Bestimmungen sollen Mensch und
Umwelt in allen Situationen schützen, bei denen
ionisierende Strahlen oder erhöhte Radioaktivität eine Gefahr darstellen. Die Überwachung
der ca. 22'000 Bewilligungen für die Verwendung ionisierender Strahlung in Medizin, Industrie und Forschung ist eine zentrale Aufgabe
unserer Abteilung.
Bei der nichtionisierenden Strahlung und beim
Schall legen wir das Schwergewicht unserer
Tätigkeiten auf die Information der Bevölkerung
via unsere Website und in der direkten Beratung. Eine gesetzliche Grundlage für diesen
Bereich ist in Vorbereitung.
Strahlenschutz funktioniert nicht ohne Zusammenarbeit mit anderen Stellen. Die Strahlenschutzgesetzgebung vollziehen wir zusammen
mit verschiedenen Partnern in der Schweiz und
international. Im nichtionisierenden Bereich
nehmen wir an nationalen und internationalen
Forschungs- und Präventionsprogrammen teil.
All diese Partnerschaften ermöglichen es uns,
gesundheitliche Risiken von Strahlung laufend
neu zu beurteilen.
38
Unser Aufgabenportfolio umfasst (vgl. auch
Organigramm, nächste Seite):
• Bewilligungserteilung und Aufsicht in Strahlentherapie, Nuklearmedizin und radiologischer
medizinischer Diagnostik. Im Fokus steht der
Schutz von Patienten und Patientinnen sowie
des medizinischen Personals
• Bewilligungserteilung und Aufsicht in komplexen Forschungsanlagen wie CERN und PSI
• Erarbeitung und Anpassung gesetzlicher
Grundlagen gemäss neustem Stand von Wissenschaft und Technik, aktuell sind die Revision der Strahlenschutzverordnung sowie die
Gesetzgebung im NIS- und Schallbereich
• Überwachung beruflich strahlenexponierter
Personen (ca. 94'000 Personen)
• Bewilligung klinischer Studien mit radioaktiv
markierten Pharmazeutika
• Zulassung und Typenprüfungen radioaktiver
Strahlenquellen
• Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt
• Betrieb eines akkreditierten Radioaktivitätslabors und Betrieb von Messnetzen
• Evaluation der Dosen ionisierender Strahlung
der Schweizer Bevölkerung
• Realisierung des nationalen Radonprogramms
sowie neu des Radium-Aktionsplans
• Anerkennung von Strahlenschutz-Ausbildungen, Dosimetriestellen und Radonmessstellen
• Information sowie Präventions- und Vorsorgeempfehlungen zu nichtionisierender Strahlung, um gesundheitsbeeinträchtigende optische, elektromagnetische oder akustische
Belastungen von Personen zu verhindern
• Bereithaltung eines Krisenmanagements, um
bei radiologischen Ereignissen und Katastrophen unverzüglich eingreifen zu können
• Unterstützung von Betrieben und Betroffenen
bei Stör- und Zwischenfällen
• Entsorgung radioaktiver Abfälle aus Medizin,
Industrie und Forschung
• Kommunikation und Information via Internet,
Medien, Berichte und Broschüren.
Krankenund Unfallversicherung
Gesundheitspolitik
Öffentliche
Gesundheit
Verbraucherschutz
Chemikalien
Strahlenschutz
– Notfall / Krisenmanagement
– Politische Geschäfte
– Medien / Öffentlichkeitsarbeit
Sébastien Baechler
Sybille Estier (Stv)
Koordinationsstelle
Bewilligungen
– Bearbeitung von Gesuchen
und Bewilligungen
– Drehscheibenfunktion
gesamte Abteilung
Patricia Grimm
Maja Andjelkovic (Stv)
Marianne Grossenbacher
Agnes Oberli (extern)
Shannen Simmler
Samuel von Gunten (extern)
Strahlentherapie
und med.
Diagnostik
Forschungsanlagen und
Nuklearmedizin
Bewilligungen / Aufsicht:
– Durchführung von Audits und Inspektionen
– Optimierung der Strahlenbelastung von
Patienten und Personal
– Evaluation der medizinischen Strahlendosen
der Bevölkerung
– Festlegen der Diagnostischen Referenzwerte
(DRW) für die Schweiz
– Überwachung der
radiologischen
Anwendungen in der
Strahlentherapie und
med. Diagnostik
– Überwachung der
Installationsfirmen
von radiologischen
Apparaten
– Beratung in
Strahlenschutzfragen
– Überwachung
ionisierender
Strahlung in
Nuklearmedizin und
Forschungsanlagen
– Ausbildung im
Strahlenschutz
– Radioaktive Abfälle
– Radiopharmazeutika /
Klinische Studien
Philipp Trueb
Reto Treier (Stv)
Jeanne Berg
Michael Gasser (extern)
Heinz Jung (extern)
Marc Marconato
Barbara Ott
Thomas Theiler
David Wittwer
Nicolas Stritt
Reto Linder (Stv)
Fabien Devynck
Thomas Flury
Rolf Hesselmann
Lorenzo Mercolli
Gloria Perewusnyk
Raphaël Stroude
Christina Urscheler
Nichtionisierende
Strahlung und
Dosimetrie
Umweltradioaktivität
Radiologische
Risiken
NIS:
– Information,
Forschung und
Beurteilung zu
nichtionisierender
Strahlung und Schall
– Schutz des Publikums
vor Laserstrahlung und
hohen Schallpegeln
bei Veranstaltungen
DOS:
– Dosisüberwachung
beruflich strahlenexponierter Personen
– Führung des zentralen
Dosisregisters
– Aufsicht über
Personendosimetriestellen
– Erarbeitung
Grundlagen der
Dosimetrie
– Überwachung der
Radioaktivität in der
Umwelt (Koordination nationales
Überwachungsprogramm, Betrieb
akkreditiertes
Radioaktivitätslabor
und Messnetze)
– Evaluation der
Strahlendosen der
Schweizer
Bevölkerung
– Umsetzung
nationales
Radonprogramm
und RadiumAktionsplan
– Vorbereitung auf
radiologische
Ereignisse
– Beurteilung
internationale
Entwicklung im
Strahlenschutz
– Verwaltungsstrafrecht
Sybille Estier
Philipp Steinmann
(Stv)
Pierre Beuret
Giovanni Ferreri
André Gurtner
Thomas Marti
Matthias Müller
Christophe Murith
Emanuel Christen (Stv)
Fabio Barazza
Walther Gfeller
Martha Palacios
Daniel Storch
Beat Gerber (Stv)
Raphael Elmiger
Daniel Frei
Martin Meier
Salome Ryf
Evelyn Stempfel
Personen in grauer Farbe sind
im Laufe 2015 ausgetreten
39
40
Radioprotection
et surveillance
de la radioactivité
en Suisse
Résultats 2015
Strahlenschutz und
Überwachung
der Radioaktivität in
der Schweiz
Ergebnisse 2015
41
42
L'exposition des patients aux rayonnements ionisants continue
d’augmenter en Suisse, tel est le résultat de l’enquête publiée en
2015. La dose effective moyenne par habitant due aux examens radiologiques est passée de 1.2 mSv à 1.4 mSv par an entre 2008 et
2013, principalement en raison de l’utilisation des scanners à rayons X.
Bien que cette augmentation concoure à améliorer la qualité des
diagnostics et des soins, elle doit être maîtrisée. L’OFSP entend ainsi
mieux protéger les patients contre les expositions inutiles en introduisant des audits cliniques avec pour but de réduire le nombre
d’examens radiologiques injustifiés. Ce projet est mené en collaboration avec différentes sociétés professionnelles médicales.
Photo: Brigitte Batt & Klemens Huber
Chères lectrices,
chers lecteurs
Jusqu’en 2015, il n’existait aucun dispositif automatique de mesure
de la radioactivité dans les eaux de rivière en Suisse. Désormais, le
réseau « URAnet aqua », exploité par l’OFSP, mesure en continu le
niveau de radioactivité de l’Aar et du Rhin et permet de détecter toute
augmentation anormale de la radioactivité dans l’eau, notamment en
aval des centrales nucléaires suisses. Les résultats de ces mesures,
de même que tous les résultats des mesures de la radioactivité dans
l’environnement, peuvent être consultés sur la nouvelle plateforme
www.radenviro.ch.
L’exécution du plan d’action radium 2015–2019 approuvé en mai 2015
par le Conseil fédéral s’avère une tâche d’envergure sur la base des
travaux effectués à ce jour. Quelques 90 bâtiments regroupant plus de
560 appartements ont déjà fait l'objet d'un diagnostic jusqu’à fin 2015.
De nombreuses autres activités ont occupé notre division en 2015.
Dans ce rapport, nous vous présentons les événements marquants
de l'année. Dans l’interview, nous avons donné la parole à Messieurs
Philipp Trueb et Nicolas Stritt, tous deux responsables de section, qui
nous décrivent les principaux enjeux de la surveillance dans les domaines de la médecine et de la recherche.
En octobre 2015, les textes révisés des ordonnances sur la radioprotection ont été soumis pour prise de position à l’ensemble des milieux concernés. Il s’agit d’une étape importante pour tous les acteurs de la radioprotection en Suisse, car une fois approuvée par le
Conseil fédéral, la nouvelle ordonnance sur la radioprotection fixera
le cadre réglementaire pour les 20 prochaines années. Cette révision
doit permettre de maintenir un niveau élevé de radioprotection en
Suisse qui soit reconnue sur le plan international.
Fin 2015, le Conseil fédéral a approuvé le projet de loi sur la protection contre les dangers liés au rayonnement non ionisant et au son et
l’a transmis au Parlement. Cette loi permettra notamment d’interdire
les pointeurs laser de forte puissance et de renforcer la sécurité dans
les solariums. Reste à voir si la volonté politique ira dans ce sens.
Sébastien Baechler
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Contenu
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Editorial
Interview : Les grands défis de la surveillance
Radioprotection dans la médecine et dans la recherche
Intervention en cas d’urgence radiologique
Evénements radiologiques
Reportage : Exploiter correctement les solariums pour faire la peau aux mélanomes
Surveillance de l'environnement
Rapport : Système d’alerte réactif en cas de contamination de l’eau potable
Plan d’action radium 2015–2019
Plan d’action radon 2012–2020
Protection sanitaire contre le rayonnement non ionisant et le son
Exposition de la population aux rayonnements ionisants en 2015
Collaboration internationale
Publications, informations complémentaires
Radioprotection : tâches et organisation
Organigramme
Impressum
Les grands défis de la surveillance
Tous les produits, applications et installations impliquant l’utilisation de
rayonnement ionisant, que ce soit en médecine ou dans la recherche,
sont placés sous la surveillance de l’Office fédéral de la santé publique
(OFSP). Deux sections de la division Radioprotection se partagent cette
surveillance qui fait face aujourd’hui à de grands défis du fait de
l’évolution rapide des technologies médicales et de l’augmentation du
volume des prestations en médecine. Dans cette interview, les deux
chefs de section, Nicolas Stritt et Philipp Trueb, nous expliquent comment l’OFSP gère cette situation.
Quelles sont les tâches principales de
vos sections ?
Nicolas Stritt (NS) : La section « Installations
de recherche et médecine nucléaire » surveille
la radioprotection dans les installations d’envergure du CERN et de l’Institut Paul Scherrer (PSI),
dans les départements de médecine nucléaire
des hôpitaux ainsi que dans les écoles et les
universités. L’accent est mis sur l’utilisation de
grands accélérateurs, de sources de rayonnements non scellées, de substances radioactives
qui peuvent se répandre et provoquer des contaminations, ainsi que sur les déchets radioactifs.
Philipp Trueb (PhT) : La section « Radiothérapie
et diagnostic médical » est spécialisée dans les
technologies médicales n’utilisant pas de matériaux radioactifs, mais générant elles-mêmes
des rayonnements ionisants, comme les installations radiologiques, par exemple.
NS : Il existe des systèmes hybrides comme les
PET/CT et les SPECT/CT dans lesquels des substances radioactives sont injectées aux patients
et des installations radiologiques sont utilisées
simultanément. Dans de tels cas, nos deux sections fixent les priorités et nous effectuons les
inspections conjointement.
Le nombre de vos tâches n’a cessé de
croître ces dernières années. Vos collaborateurs peuvent-ils encore visiter les
entreprises sur l’ensemble du territoire
ou doivent-ils admettre l’idée qu’il subsiste des lacunes ?
PhT : Il est faux de penser que la surveillance ne
s’opère que par le biais des inspections. Nous
procédons également par voie administrative.
Nous vérifions par exemple que les entreprises
prennent les mesures prescrites pour garantir
la qualité. A cet effet, il n’est pas nécessaire
d’effectuer une visite sur place.
NS : Par la surveillance administrative, nous
pouvons atteindre toutes les entreprises. Les
déclarations annuelles des entreprises nous
permettent par exemple de connaître les quantités de radioactivité utilisées. Il est clair que nous
devons fixer des priorités et que nous ne pouvons pas nous rendre chaque année dans toutes
les entreprises.
PhT : Nos deux sections suivent en cela une
approche graduée, c’est-à-dire que nous sommes physiquement présents surtout là où les
risques sont élevés. En cas de risques mineurs,
au contraire, la surveillance est simplifiée, mais
on ne peut pas dire qu’il existe des domaines
non surveillés.
Quelles sont vos priorités actuelles ?
NS : Nous mettons clairement l’accent sur les
risques élevés. Cette année, nous nous sommes concentrés sur les entreprises fabriquant
des produits radiopharmaceutiques à l’aide de
cyclotrons. Nous avons aussi examiné les contrôles de qualité des produits radiopharmaceutiques pour la médecine nucléaire, domaine qui
connaît un développement très rapide.
PhT : Durant cette année et l’année précédente,
nous avons audité toutes les installations de
mammographie de Suisse. Avec ces priorités,
nous essayons d’obtenir un aperçu d’un domai-
45
ne donné, afin d’en tirer des conclusions que
nous communiquons ensuite à toutes les entreprises.
Comment les autres pays font-ils face à
ces défis ? Existe-t-il des spécificités
helvétiques ?
PhT : De nombreux aspects de la radioprotection sont semblables à l’étranger et en Suisse,
mais ils ne sont pas réglementés de la même
manière. Dans certains pays, la surveillance est
plus réduite qu’en Suisse, alors que dans
d’autres, elle est bien plus importante. Le système d’autorisations s’appliquant aux entreprises dites « à rayons X » est certainement spécifique à la Suisse ; celles-ci sont en effet
soumises à autorisation pour le commerce,
l’installation et la maintenance d’installations
radiologiques, alors que cela n’est pas le cas à
l’étranger. Ce surcroît de travail nous est toutefois bénéfique, car les entreprises concernées
couvrent une part importante de la radioprotec-
Le quotidien des inspecteurs de la radioprotection a-t-il changé ces dernières
années ?
NS : Auparavant, nous effectuions beaucoup
plus d’inspections techniques des appareils.
Aujourd’hui, de telles pratiques ne sont plus au
centre de nos préoccupations. Nous nous intéressons surtout aux processus liés aux appareils
et aux installations, notamment la manière dont
le personnel les utilise, ainsi que les réglages
effectués pour les examens.
PhT : La technologie moderne a induit de nombreux changements ; ainsi les installations récentes disposent d’une surveillance interne à
l’appareil. A l’heure actuelle, nous vérifions si les
processus internes aux entreprises sont bien
organisés et comment la qualité est garantie.
Toute installation peut être utilisée correctement à condition de savoir comment. De nos
jours, le déroulement d’un examen médical,
l’utilisation des appareils nécessaires à cet effet
et la formation du personnel sont nettement
plus complexes. C’est la raison pour laquelle les
auditeurs travaillant à l’OFSP sont aujourd’hui
principalement des universitaires en mesure
d’appréhender de telles situations.
Après ses études de physique, Nicolas
Stritt a effectué un doctorat en physique
expérimentale à l’Université de Fribourg
en collaboration avec l’institut Laue Langevin à Grenoble en France. Il est en
possession d’un diplôme de physicien
médical de l’EPFZ. Engagé à l’OFSP en
2000, il dirige depuis 2004 la section
« Installations de recherche et médecine
nucléaire ».
Fig. 1 : Dr. phil. nat. Nicolas Stritt
tion par leurs activités de maintenance et la
réalisation des contrôles d’état exigés. Par cette
mise en œuvre adéquate de l’approche graduée,
nous pouvons nous concentrer sur les risques
élevés.
NS : Contrairement à ce qui se passe à
l’étranger, nous exerçons également un rôle
consultatif. Cette présence sur le terrain nous
permet d’acquérir une vue d’ensemble et de
mettre des « bonnes pratiques » à disposition
de toutes les entreprises.
46
Philipp R. Trueb a étudié la physique à
l’Université de Bâle où il a également
passé son doctorat en physique nucléaire
expérimentale. En outre, il a suivi une
formation postgraduée en physique médicale à l’EPFZ. En 1999, il entre à l’OFSP
comme collaborateur scientifique. Il y
dirige la section « Radiothérapie et diagnostic médical » depuis 2007.
La recherche liée à la radioprotection ne
cesse de fournir de nouveaux résultats et
les technologies médicales évoluent
également très rapidement. Ces nouveautés sont-elles prises en compte dans
cette surveillance ?
PhT : Il nous est impossible de mettre sur pied
une gestion des connaissances couvrant toutes
les nouveautés. Nous sommes donc inévitablement en retard sur l’évolution. Nous suivons
toutefois les tendances, notamment en mandatant des partenaires et des hôpitaux universitaires pour analyser les nouveaux développements. Les connaissances ainsi acquises
conduisent à de nouvelles directives de l’OFSP
sur la mise en service ou l’exploitation de nouveaux appareils.
Ce retard n’entrave-t-il pas l’innovation en
matière de diagnostic ou de médecine
nucléaire ?
PhT : On peut le voir ainsi. Néanmoins, grâce à
notre travail, les nouvelles technologies sont
conçues à faible rayonnement dès le départ, ce
qui a pour effet de diminuer la dose aux patients.
Cela est à mettre au crédit de la prise de conscience accrue des fabricants et des utilisateurs, à
laquelle nous contribuons également. Ils ont
intérêt à ce que leurs nouveaux appareils irradient le moins possible.
NS : Il en est de même en médecine nucléaire.
De nos jours, on utilise des détecteurs nettement plus sensibles, permettant d’obtenir une
qualité d’image donnée en utilisant moins de
radioactivité. De toute manière, suivre
l’innovation constitue un défi constant pour nos
collaborateurs, qui ne cessent de se former aux
derniers développements.
PhT : Ces économies de doses de rayonnement
sont toutefois « gommées » par l’augmentation
du volume des prestations en médecine, au
point que la dose collective reçue par la population a même tendance à croître. Cela s’explique
par l’augmentation des indications médicales
pour des examens et thérapies radiologiques.
Pour les patients, les doses individuelles par
examen ont toutefois baissé ces dernières années.
Que fait-on précisément pour éviter
l’accroissement des doses utilisées dans
les diagnostics ?
NS : Nous devons faire la distinction entre
l’optimisation des doses de rayonnement et la
justification médicale. Cette dernière ne concer-
ne pas nécessairement notre activité de surveillance, car la question est purement médicale.
Nous encourageons cependant la discussion au
sujet de la justification ; avec le projet des « audits cliniques », nous voulons créer un forum de
spécialistes dans lequel ces questions peuvent
être discutées. C’est ainsi que nous souhaitons
maîtriser l’augmentation des prestations médicales afin d’éviter de procéder toujours davantage à des examens radiologiques.
Quelles sont les principales avancées en
matière de radioprotection à mettre au
crédit du travail des autorités de surveillance ? Et que pourrait-on améliorer ?
PhT : Nos programmes d’audits prioritaires
rencontrent un franc succès. Ils vont dans le
sens de nos objectifs et grâce à eux, nous savons comment fonctionnent certains domaines
choisis de la radiologie. Nous pouvons transmettre ces connaissances à d’autres personnes
ou institutions intéressées. L’introduction du
concept de niveaux de référence diagnostiques
a par ailleurs énormément fait avancer la prise
de conscience des utilisateurs sur la question
des doses.
Fig. 2 : Dr. Philipp R. Trueb
NS : La dose de rayonnement reçue par les patients et le personnel a pu être réduite grâce à
nos audits et à la diffusion d’informations sur les
bonnes pratiques en matière de radioprotection.
L’échange d’expériences entre les entreprises à
des fins de protection des patients et du personnel pourrait certes être amélioré, mais nous
allons déjà dans ce sens en mettant nos rapports finaux d’audits à disposition de toutes les
47
entreprises. Nous présentons également ces
résultats dans le cadre de séances de coordination et de congrès.
Au-delà des tâches de surveillance, les
collaborateurs de l’OFSP assument également des tâches de conseil auprès des
détenteurs d’autorisation. Cela a certainement ses avantages, mais qu’en est-il
des inconvénients ?
NS : Il est important que nous soyons intégrés
lors des phases de conseil et de construction
afin de pouvoir orienter les nouveaux projets
dans la bonne direction. Il s’agit là de rôles bien
distincts de l’autorité : au départ, nous apportons des conseils et de nombreuses recommandations, puis nous délivrons une autorisation
précisant toutes les exigences à la fin des travaux.
PhT : De fait, notre ouverture à l’égard des entreprises est marquée par la réciprocité. Nous
connaissons donc aussi les problèmes et pouvons les résoudre ensemble.
Les ordonnances relatives à la loi sur la
radioprotection sont actuellement en
révision. Quelles seront les principales
modifications en ce qui concerne la surveillance ?
NS : Nous accorderons à l’avenir plus
d’importance à la sécurité des sources radioactives. Mais, dans l’ensemble, la surveillance sera
peu touchée par la révision de l’ordonnance sur
la radioprotection, car nous orientons déjà nos
actions en fonction des risques avec les programmes d’audits prioritaires.
PhT : Il y aura certaines adaptations de la surveillance. Elles seront plutôt d’ordre technique
et concerneront de nouvelles exigences permettant de combler les lacunes actuelles. Désormais, toute la chaîne allant de la production
du faisceau à l’imagerie sera soumise à autorisation.
Existe-t-il des domaines de la surveillance qui pourront à l’avenir être davantage couverts par des autodiagnostics des
appareils émettant des rayonnements ou
par des diagnostics à distance ?
PhT : Aujourd’hui déjà, nous ne nous contentons pas de lire des paramètres techniques sur
les appareils, mais mettons l’accent sur les processus. Cette approche ne peut être concrétisée que par des échanges entre personnes, et
donc des visites en entreprise. En conséquence, les audits sur site prendront plus
48
d’importance à l’avenir. Il n’est pas possible
d’appréhender la culture de radioprotection
d’une entreprise par la simple lecture d’un classeur relatif à la gestion de qualité.
NS : Il existe souvent des différences entre ce
qui figure dans les documents et la réalité. Nous
devons être sur place pour pouvoir constater
comment les gens travaillent et comment la
culture en matière de radioprotection est vécue.
On dénombre dans l’ensemble peu
d’accidents dus au rayonnement ionisant. Se pourrait-il que la radioprotection
soit trop fortement régulée ? Pourrait-on
transférer une part de la responsabilité
aux entreprises afin de dégager des ressources pour résoudre les problèmes
majeurs ?
NS : L’impression qu’il y a peu d’accidents n’est
pas tout à fait correcte. De nombreux incidents
ne sont pas déclarés, il existe une zone d’ombre
à ce sujet. Nous le savons parce que notre culture de la transparence et de l’ouverture à
l’égard des entreprises commence lentement à
porter ses fruits. Ainsi, nous en apprenons davantage à propos des incidents et des événements. Il ne fait aucun doute que la surveillance
entraîne une réduction du nombre de ces cas.
PhT : Il serait faux d’exiger des réductions dans
un système de surveillance qui fonctionne et qui
permet de prévenir les accidents ! Malgré cela,
nous souhaitons déléguer davantage de compétences aux experts de la radioprotection des
entreprises. Du fait de la complexité des applications, toujours plus de personnes compétentes sont nécessaires sur place. A l’interne,
ces personnes prennent les mesures déterminantes pour la réduction des doses de rayonnement. Par rapport aux pays étrangers, nous confions une lourde responsabilité à ces personnes.
Finalement, quelles seront les priorités
ces prochaines années ?
PhT : Notre section traitera en priorité la surveillance des blocs opératoires, domaine jusqu’ici
peu couvert, malgré l’utilisation de nombreux
appareils de radiographie mobile lors d’interventions chirurgicales ainsi que la présence de
nombreux patients et d’un important dispositif
en personnel.
NS : Quant à notre section, elle mettra l’accent
sur des thérapies par radionucléides des cancers du foie et de la prostate, ainsi que sur la
gestion des déchets radioactifs produits par la
médecine, l’industrie et la recherche.
Radioprotection dans la médecine et dans
la recherche
Les patients ainsi que le personnel travaillant dans la médecine et dans la
recherche doivent être protégés au mieux contre les dommages dus aux
rayonnements ionisants ; c’est la mission principale de la radioprotection. Le gigantesque progrès technologique en imagerie médicale apporte certes de nombreux avantages, mais il conduit aussi à une augmentation de l’exposition moyenne de la population. L’OFSP veut contrer cette
évolution : les programmes prioritaires de surveillance ont pour objectif
d’optimiser l’utilisation des rayonnements ionisants, en collaboration
avec les entreprises. Les « audits cliniques » doivent en outre contribuer
à ce qu’à l’avenir l’accent soit davantage mis sur la justification des examens et des traitements. Ce projet, dont la phase pilote a démarré en
2015, fait partie de la stratégie globale « Santé 2020 » adoptée par le
Conseil fédéral.
Radioprotection dans la
médecine
Les examens CT conduisent à une augmentation de l’exposition aux rayonnements
Tous les dix ans, l’OFSP lance une enquête globale sur l’exposition de la population aux rayonnements provenant d’applications médicales,
en collaboration avec l’Institut de radiophysique
(IRA) à Lausanne. Il compare la pratique suisse
avec celle d’autres pays et prend des mesures
si nécessaire. La dernière grande enquête a été
1.4
Dose effective (mSv)
0.6
0.0
2013
Exposition au
rayonnement
d’origine médicale due aux
examens CT
0.64
0.72
0.80
0.4
0.2
1.00
0.40
1.0
0.8
Exposition au
rayonnement
d’origine médicale (sans les
examens CT)
0.40
1.2
0.58
0.28
1998
2003
2008
Fig. 3 : L’exposition au rayonnement d’origine médicale
augmente du fait des examens CT ; en ce qui concerne
les autres applications, la tendance est à la baisse.
Source : IRA, 2015
réalisée en 2008. Entre deux enquêtes globales,
les données sont actualisées sur la base d’enquêtes à plus petite échelle. La dernière d’entre
elles date de 2013 ; les données analysées ont
été publiées dans un rapport en 2015.
L’enquête intermédiaire de 2013 confirme une
tendance : l’exposition moyenne aux rayonnements ionisants par habitant résultant d’applications médicales est en constante augmentation
en Suisse. En effet, cette exposition moyenne
est passée de 1 à 1,4 milliSievert (mSv) par an
entre 1998 et 2013, soit une augmentation
d’environ 40 % en 15 ans (lors de la grande enquête de 2008, elle était encore de 1,2 mSv).
Cette nette augmentation est due à l’utilisation
toujours plus fréquente de la tomodensitométrie (CT). Selon l’enquête intermédiaire de 2013,
les doses délivrées lors d’examens CT s’élève à
1 mSv par an et par habitant, contre à 0,8 mSv
en 2008 et seulement 0,28 mSv en 1998.
L’exposi-tion due aux autres applications médicales a par contre tendance à baisser (figure 3).
En moyenne, chaque habitant a bénéficié de
plus d’un examen radiologique par an; selon
l’enquête intermédiaire, le nombre annuel
d’examens effectués a été estimé à environ
49
Fréquences
Contribution en dose
0,6%
0,6%
6,2%
0,4%
10,7%
6,8%
38,8%
0,8%
4,2%
0,9%
Dentaire
Radioscopie conventionelle
Interventionnel diagnostique
Interventionnel thérapeutique
Radiographie
Mammographie
Scannographie
47,4%
2,6%
9,6%
70,5%
Fig. 4: Répartition de la fréquence et contribution aux doses de rayonnement des différents examens radiologiques, IRA 2015
10 millions. Les 312 tomodensitomètres (CT) de
Suisse (état au 25 janvier 2016) constituent de
loin la plus grande source d’exposition au rayonnement (70,5 %), et ce, malgré le fait que ces
examens représentent à peine 10 % du nombre
d’examens total. En revanche, les radiographies
dentaires et médicales constituent encore les
procédés les plus fréquemment utilisés (plus de
85 %), mais ne contribuent qu’au 10 % de la
dose effective (figure 4).
En comparaison internationale, la Suisse se
situe dans la moyenne. Selon le rapport de 2008
du Comité scientifique des Nations Unies pour
l’étude des effets des rayonnements ionisants
(UNSCEAR), l’exposition médicale au rayonnement s’élève en moyenne à 1,9 mSv par an dans
tous les pays disposant du système Health-Care
Level I, la tomodensitométrie y contribuant à
raison de 0,9 mSv par an.
Phase pilote du projet des « audits cliniques »
Un grand nombre d'examens et de traitements
utilisant des rayonnements ionisants ne sont
pas considérés comme justifiés. L'introduction
« d'audits cliniques » en radiologie, en radiooncologie et en médecine nucléaire doit permettre de minimiser le nombre d’examens et de
traitements utilisant des rayonnements ionisants qui sont injustifiés. Les structures, les
processus et les résultats sont systématiquement évalués sous la forme d’expertises réalisées par des paires (peer reviews) et adaptés si
nécessaire.
50
Durant la phase pilote actuellement en cours,
des médecins, des physiciens médicaux et des
techniciens en radiologie médicale (TRM) ont
élaboré les contenus d’audits ainsi que les exigences concernant les manuels de gestion de
qualité.
Dans le domaine de la radiologie, l’accent est
mis sur les processus de travail lors des examens CT. En médecine nucléaire, ce sont les
examens oncologiques PET-CT qui sont prioritaires. En ce qui concerne la radio-oncologie, il
est prévu d’auditer l’ensemble du parcours des
patients pour plusieurs applications. Des experts d’associations professionnelles européennes ont évalué les contenus d’audits afin que
leur qualité corresponde aux standards internationaux. Dans les trois domaines susmentionnés, des spécialistes ont été formés en tant
qu’auditeurs externes et des centres volontaires ont été recrutés. Le premier audit pilote a
eu lieu en octobre 2015 à l'Hôpital de Baden.
D’autres centres de Suisse alémanique et de
Suisse romande suivront jusqu’au printemps
2016. Après la phase pilote, il est prévu de réexaminer et d’adapter les contenus d’audits, ainsi
que d’interroger les entreprises, d’analyser les
rapports d’audits et d’estimer les investissements financier et temporel. D’autres auditeurs
externes seront en outre formés en 2016 et le
programme d’audits progressivement étoffé.
Niveaux de référence diagnostiques en
médecine
Le concept de niveaux de référence diagnostiques (NRD) s’est imposé comme un outil efficace et internationalement reconnu pour
l’optimisation des rayonnements utilisés en
médecine. Les NDR sont déterminés empiriquement sur la base d’une distribution de valeurs de doses simples à déterminer. En Suisse,
l’OFSP recense régulièrement les doses résultant d’expositions médicales et en déduit des
NRD nationaux. Jusqu’à présent, des NRD ont
été définis pour les domaines de la radiographie,
la radiologie interventionnelle, la cardiologie et
la tomodensitométrie.
Dans le cadre d’un projet prioritaire, ces NRD
ont été élargis à des applications à fortes doses
en dehors de la radiologie classique, telles
qu’utilisées en cardiologie et en urologie. Pour
ce faire, l’OFSP a mené une vaste enquête, en
collaboration avec l’Institut de radiophysique
(IRA) de Lausanne, sur les doses liées aux examens les plus fréquents dans les départements
de cardiologie et d’urologie des cinq hôpitaux
universitaires, ainsi que de quelques grands
hôpitaux cantonaux et privés. Comme pour les
NRD de cardiologie déjà publiés en 2008,
l’enquête a pris en compte les techniques
d’examen récemment développées, les NRD
devant refléter aussi précisément que possible
la pratique actuelle.
L’OFSP a mis sur pied un autre projet prioritaire
concernant les examens radiologiques en pédiatrie. L’optimisation de l’utilisation des rayonnements en pédiatrie est en effet particulièrement
importante, étant donné que les enfants présentent une plus grande sensibilité au rayonnement que les adultes. Le recensement des doses, effectué en étroite collaboration avec
l’Hôpital de l’Ile de Berne et l’IRA, s’est limité
aux examens les plus fréquemment utilisés en
radiographie pédiatrique et en tomodensitométrie neuroradiologique.
Les NRD relatifs à ces examens seront déterminés entre le printemps et l’été 2016, puis publiés sous la forme de notices sur le site internet
de l’OFSP.
Contrôle des installations de mammographie
Durant l’année 2015, l’OFSP a poursuivi son
programme de surveillance en mammographie.
Dans ce cadre, il a audité plus de 220 services
utilisant de telles installations. La quasi-totalité
du parc a ainsi été contrôlée. On dénombre
actuellement 239 autorisations d’exploitation
réparties dans toute la Suisse. En outre, l’OFSP
a délivré 65 nouvelles autorisations cette année,
s’agissant dans la plupart des cas de remplacement d’anciens appareils par des machines de
dernière génération. La grande majorité du parc
est entièrement digitalisé (système à digitalisation directe DR); il subsiste toutefois 10%
d’appareils reliés à des systèmes de reproduction d’image du type CR.
Les critères de contrôle ont porté sur la validité
de l’autorisation d’exploitation, la conformité
des blindages des locaux, l’utilisation des moyens de protection ainsi que l’enregistrement
des doses appliquées. Des sondages ont aussi
été effectués en rapport avec la gestion du programme de contrôle de qualité.
Globalement, les résultats sont plutôt bons et
ont montré un niveau de qualité élevé. Cependant, il subsiste dans 35% des cas des lacunes
dans la réalisation des plans de radioprotection,
qui ne correspondent pas toujours à la réalité.
Par ailleurs, 65% des utilisateurs mettent en
œuvre les recommandations de la directive de
l’OFSP concernant l’utilisation de moyens de
protection pour les patientes. Quant aux doses
appliquées aux patientes, elles sont enregistrées dans leur dossier médical dans près de
60% des cas.
En ce qui concerne l’application d’un programme de contrôle de qualité dans les services, les
révisions assorties d’un contrôle d’état, à réaliser chaque année par les installateurs, sont
conformes à 75%. Parmi les lacunes constatées, on relève notamment un manque de documentation des révisions exigées par les constructeurs, ainsi que des retards dans l’annonce
de révision à l’OFSP. Les contrôles de stabilité
hebdomadaires à réaliser par une personne du
service spécialement formée sont conformes à
83%. Les lacunes concernent principalement
les utilisateurs, qui ont montré certaines incertitudes dans la compréhension et le maniement
51
des différents moyens de contrôle. Au niveau
des doses appliquées aux patientes, la grande
majorité des installations fonctionnent en dessous des recommandations édictées dans le
guide européen relatif à l’assurance de qualité
dans le domaine de la mammographie (EPQC
4). Certains systèmes CR montrent toutefois
des valeurs plus élevées que les systèmes DR,
tout en restant acceptables. Concernant la qualité d’image, 99 % des installations remplissent
les exigences demandées.
Déficit de formation pour la radiographie à
fortes doses dans les cabinets médicaux
Durant l’année 2014, l’OFSP a effectué des inspections par échantillonnage dans une centaine
de cabinets médicaux et a constaté que plus de
80 % des assistant(e)s ayant effectué des examens radiologiques à fortes doses ne sont pas
suffisamment formé(e)s. Avec le certificat fédéral de capacité, les assistant(e)s ne peuvent en
effet radiographier que le thorax et les extrémités. L’OFSP a écrit à ce sujet à l’ensemble des
cabinets médicaux et les a informés sur les
possibilités de formation continue en matière
d’examen à fortes doses (abdomen, bassin,
hanche, colonne vertébrale et crâne). Les
assistant(e)s ne peuvent effectuer de tels examens qu'après avoir suivi le cours de perfectionnement intitulé « Qualifications techniques pour
la prise de clichés en radiologie conventionnelle
élargie ». Le contenu de cette formation n’avait
pas non plus été intégré par le passé dans la
formation de base (CFC). La formation continue
est offerte par la Suva en Suisse alémanique et
par l’Asso-ciation romande des assistantes médicales (ARAM) en Suisse romande. Le programme du cours comprend 40 leçons théoriques et un certain nombre d’examens à doses
intensives que les participants doivent réaliser
sous la supervision d’une personne qualifiée.
Une formation correspondante (qualifications
techniques et expertise en matière de radiographie intensive) est également exigée des médecins effectuant les examens. Dans ce cas, le
problème est cependant moins grave, étant
donné que plus de 80 % d’entre eux disposent
de la formation nécessaire. Le certificat « Qualification pour les examens radiologiques à fortes
doses (CMPR) » est prévu pour les médecins
conformément à l’ordonnance sur la radioprotection et en accord avec la Fédération des médecins suisses (FMH). La formation correspon-
52
dante comprend une partie pratique et une
partie théorique, ainsi qu’un cours de radioprotection de quatre jours (deux jours de théorie et
deux jours de pratique). De plus amples informations au sujet de ce certificat d'aptitude figurent sur les sites www.fmh.ch et www.radioprotection.ch (type A graphie).
Audits des cinq cyclotrons de la radiopharmacie
Durant l’année 2015, des audits ont été effectués dans les cinq centres disposant d’un cyclotron pour la production de nucléides utilisés en
médecine nucléaire. Les cyclotrons accélèrent
des particules chargées comme les protons,
utilisées ensuite pour bombarder des cibles
constituées d’eau. Dans ces dernières apparaissent des radionucléides servant de marqueurs,
notamment dans le diagnostic en cancérologie.
Diverses exigences posées par la radioprotection doivent être respectées lors de l’exploitation de telles installations. Le cyclotron doit
être installé derrière des murs épais, car son
fonctionnement génère d’intenses rayonnements neutronique et gamma. Le rayonnement
neutronique provoque la formation, dans l’air, de
nucléides à courte vie, qui font l’objet d’un rejet
contrôlé dans l’environnement par la ventilation.
Dans ce qu’on appelle le laboratoire chaud, lieu
de traitement des substances radioactives générées, les collaborateurs doivent être protégés
contre le rayonnement par l’utilisation, entre
autres, de blindages en plomb. Les rejets dans
l’environnement, principalement dans l’air, ne
doivent pas dépasser les valeurs limites
d’immission légales.
Grâce à ses mesures lors des audits, l’OFSP a
constaté que le rayonnement neutronique et
gamma était nettement inférieur aux valeurs
directrices en dehors de l’espace de confinement. Les entreprises ont effectué leurs travaux
de maintenance sur les sondes de mesure installées pour la surveillance du débit de dose et
des rejets dans l’environnement conformément
aux directives. Les rejets dans l'environnement
respectaient les valeurs maximales autorisées
par l’OFSP. Quant aux installations techniques
en matière de sécurité, elles répondaient aux
prescriptions des autorités dans toutes les entreprises.
Les cas observés et annoncés de rejets non
prévus de radioactivité dans l’environnement ou
de contaminations de collaborateurs étaient en
règle générale dus à des erreurs humaines.
Dans deux cas, l’OFSP a exigé que la formation
interne soit améliorée.
Dans quatre des cinq centres, l’OFSP a dû exiger la prise de mesures au sujet de l’élimination
en continu des déchets. En effet, des déchets
radioactifs à longue vie, se formant en particulier sur des composants du cyclotron (p. ex. des
films cibles), on fait l’objet d’un stockage intermédiaire pendant trop longtemps dans l’espace
de confinement, en contradiction avec les
prescriptions. En vertu de l’ordonnance sur la
radioprotection, les déchets radioactifs doivent
être éliminés au plus tard trois ans après leur
formation, ce qui n’a pas été fait, si bien que les
déchets radioactifs se sont accumulés.
Audit « Préparation et contrôle de qualité des
produits radiopharmaceutiques »
Depuis 2014, l’OFSP mène une campagne
d’audit sur la préparation et le contrôle de qualité des produits radiopharmaceutiques en kit
marqués au technétium-99m (99mTc). A ce jour,
47 des 50 centres de médecine nucléaire préparant ces produits en Suisse ont été audités.
Cette campagne a permis d’obtenir une vision
globale de la préparation des produits radiopharmaceutiques utilisés dans le cadre de l’imagerie
traditionnelle en médecine nucléaire, le 99mTc
étant le radioisotope le plus utilisé.
Les audits ont montré que la préparation et le
contrôle de qualité des produits radiopharmaceutiques sont globalement effectués de
manière conforme et consciencieuse. Les infrastructures répondent aux exigences légales, en
termes de radioprotection et de conditions de
préparation aseptiques. Ces dernières ont été
introduites dans la version du 1er janvier 2008
de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP)
avec un délai de mise en œuvre de quatre ans.
La fonctionnalité technique des postes de sécurité microbiologique (PSB) dans lesquels sont
constitués les kits au 99mTc étant une condition
du respect de l’asepsie, la réalisation du contrôle d’état annuel des PSB décrit dans la directive
L-10-06 « Exigences relatives à la préparation de
produits radiopharmaceutiques » a été vérifiée
lors des audits. Dans la plupart des cas, ce con-
Fig. 5: Préparation d'un produit radiopharmaceutique dans un poste de sécurité
microbiologique (PSB) de type 2
trôle d’état a été effectué, garantissant ainsi des
conditions de préparation optimales. En revanche, certaines lacunes ont été constatées dans
la maîtrise des méthodes de travail en conditions aseptiques, qui vont de pair avec le contrôle d’état, afin de garantir des produits radiopharmaceutiques finaux de haute qualité. Pour
pallier au manque de formation sur ce thème,
l’OFSP organise depuis 2014 des cours théoriques et pratiques répondant aux besoins des
centres de médecine nucléaire, en collaboration
avec la Société suisse de radiopharmacie et
chimie radiopharmaceutique (SSRCR), ainsi que
l’Institut de radiophysique. En raison de l’importante demande, tous les techniciens préparant
les kits au 99mTc n’ont pas pu assister à ces
cours avant la réalisation des audits. Afin de
permettre à l’ensemble des personnes concernées de recevoir une formation adéquate, les
cours se poursuivront ces prochaines années.
Un autre axe d’amélioration révélé par la campagne d’audits concerne la réalisation de contrôles
de qualité permettant de vérifier la conformité
du produit radiopharmaceutique final en fonction des caractéristiques décrites par le fabricant dans la notice d’information professionnelle. En effet, la fiabilité de certaines méthodes de
contrôle décrites dans cette notice étant controversée et le matériel exigé difficile à acquérir,
des méthodes alternatives communément acceptées ont été utilisées. Un groupe de travail
incluant des représentants des fabricants con-
53
cernés et des membres de la SSRCR sera constitué, afin de s’assurer que des méthodes de
contrôle de qualité fiables soient appliquées
tout en respectant les exigences du fabricant
faisant foi légalement.
Grâce aux audits, les points susceptibles d’être
améliorés ont été identifiés et pourront être
corrigés afin d’assurer un haut niveau de qualité
dans les soins apportés par la médecine nucléaire en Suisse.
Recherche au CERN et à
l’Institut Paul Scherrer
CERN : visite conjointe sur le thème du
LINAC 4 et homologation de l’étude déchets
radioactifs
Le CERN, la France et la Suisse ont mis en place
une collaboration au moyen de l’accord tripartite
du 16 septembre 2011, afin d’assurer la qualité
des pratiques de radioprotection et de sûreté
appliquées aux installations du CERN où sont
utilisés des rayonnements ionisants. Des réunions tripartites sont régulièrement organisées
entre le CERN et les autorités compétentes en
matière de radioprotection des pays hôtes, soit
l’Autorité de sûreté nucléaire (ASN) en France et
l’OFSP en Suisse. Durant ces réunions, le CERN
expose les évolutions stratégiques et réglementaires présentant des enjeux de radioprotection,
par exemple la planification de nouvelles installations produisant des rayonnements ionisants,
Fig. 6 : Vue du tunnel du LINAC 4 avec le module final à tubes de glissement
(DTL), source : CERN
54
les changements relatifs aux règles de radioprotection et de sûreté, ou encore des résultats de
mesures de contrôle. Des visites conjointes
permettent par ailleurs d’examiner la mise en
œuvre des mesures de radioprotection et de
sûreté relatives à une installation ou à un thème
précis. Quant aux réunions techniques, elles
permettent le développement et la mise en
place de solutions pragmatiques pour résoudre
des problèmes liés aux spécificités techniques
des installations du CERN, en prenant en considération la législation et la réglementation de
chaque pays hôte.
En 2015, la collaboration avec le CERN a été
marquée par deux points forts : l’homologation
de l’étude déchets et la visite conjointe sur le
thème du LINAC 4.
L’accord tripartite spécifie que les déchets radioactifs du CERN doivent être éliminés par la
France et la Suisse selon les filières existantes,
tout en respectant leur législation nationale. Le
CERN a élaboré à cette fin une « étude déchets »
qui précise les filières d’élimination prévues
pour chaque type de déchet produit par les installations du site. Cette étude vise à assurer une
répartition équitable des déchets entre les pays
hôtes en fonction de la quantité, de l’activité et
de la toxicité des déchets ; elle définit par ailleurs les filières les plus avantageuses du point
de vue technique et économique. Le choix des
filières d’élimination est approuvé par la France
et la Suisse après examen en réunion tripartite.
En 2015, la première version de « l’étude déchets » du CERN a fait l’objet d’une homologation conjointe par l’ASN et l’OFSP. Cette étude
présente l’inventaire et la classification des
déchets radioactifs du CERN, ainsi qu’une estimation des déchets radioactifs futurs. Sur la
base de ces données, la Confédération peut
ensuite planifier le conditionnement, l’entreposage et le stockage définitif des déchets (voir
chapitre « Déchets radioactifs »).
Le complexe d’accélérateurs du CERN est composé d'un enchaînement d’accélérateurs de
particules permettant d'atteindre progressivement de hautes énergies. Actuellement, les
protons sont initialement accélérés jusqu’à 50
MeV dans le LINAC 2 (accélérateur linéaire 2).
Après l’arrêt technique prévu en 2017–2018, le
LINAC 4 devrait porter les ions à l’énergie de
160 MeV avant leur entrée dans le Synchrotron
injecteur du PS (Synchrotron à protons) ; il constituera ainsi la nouvelle source de faisceaux de
protons du LHC (Grand collisionneur de protons). La préparation des dossiers de sécurité
du LINAC 4 a fait l’objet de nombreuses discussions et échanges entre le CERN, l’ASN et
l’OFSP. Ces dossiers comprennent les spécifications techniques des infrastructures liées à la
radioprotection et à la sécurité, les règles organisationnelles assurant une exploitation sûre de
l’installation, ainsi que l’analyse des risques
majeurs et leur prévention. A l’occasion de la
visite conjointe du tunnel du LINAC 4, lors de sa
première phase de démarrage, et du bâtiment
abritant les infrastructures associées, l’ASN et
l’OFSP ont pu observer l’adéquation des mesures de radioprotection opérationnelle et de la
démarche d’audit interne.
Institut Paul Scherrer : grands projets de
construction
L’Institut Paul Scherrer (PSI) à Villigen (AG) fait
partie des plus vastes centres de recherche de
Suisse. Il exploite de grands accélérateurs, tels
que le cyclotron, installation circulaire permettant d’accélérer des protons, avec les lignes
de faisceaux et les expériences correspondantes. Parmi ces dernières, on peut par exemple
citer la source de neutrons par spallation (SINQ),
l’accélérateur médical de protons (COMET) et la
source synchrotronique de lumière suisse (SLS).
Les accélérateurs et les laboratoires de recherche relèvent de la compétence de l’OFSP en ce
qui concerne la surveillance et les autorisations.
Quant aux installations nucléaires, elles relèvent
de l’Inspection fédérale de la sécurité nucléaire
(IFSN). Dans le cadre de son activité de surveillance, l’OFSP s’assure que les limites concernant les rayonnements ionisants sont respectées en vue de garantir la sécurité de la
population, du personnel du PSI et de l’environnement. En outre, l’OFSP accompagne les
grands projets du PSI.
Entre août et octobre 2015, le PSI a terminé la
construction de l’installation d’irradiation par
flux de protons Gantry 3. Le PSI est le seul centre de Suisse qui propose des thérapies aux
protons et dans ce contexte, il dote sa gamme
d’installations (OPTIS, Gantry 1 et Gantry 2)
d’une nouvelle station d’irradiation. Les premiers patients pourront probablement être traités
en 2016, à condition que les tests de réception
soient conformes. Par ailleurs, l’OFSP a étendu
l’autorisation existante pour l’accélérateur de
protons COMET pour ce qui est de sa mise en
service technique. S’agissant de l’application sur
l’être humain, le PSI devra toutefois déposer une
demande d’autorisation séparée pour Gantry 3.
Les travaux concernant le laser à rayons X à
électrons libres « SwissFEL » ont bien avancé en
2015. Cette installation de 700 mètres de
longueur permettra aux chercheurs du PSI
d’acquérir de nouvelles connaissances sur la
structure interne de la matière, en produisant
des impulsions extrêmement courtes de rayons
X ayant les qualités propres au laser. Des installations analogues fonctionnent déjà aux EtatsUnis (LCLS) et au Japon (SACLA), d’autres sont
actuellement en construction en Allemagne
(European XFEL) et en Corée du Sud (PALXFEL). L’OFSP a accompagné ce projet
d’envergure dès le début, si bien que la procédure d’autorisation s'en trouve facilitée. Les
premiers tests seront effectués début 2016 ; il
est prévu de démarrer son exploitation en automne 2017.
Le cyclotron à protons a été arrêté entre décembre 2014 et mai 2015 pour réaliser les travaux
annuels de révision dans des secteurs qui ne
sont en principe pas accessibles. Les travaux
effectués durant cette période impliquent les
doses les plus élevées pour les collaborateurs
du PSI et des entreprises externes, c’est pourquoi le PSI a établi au préalable un plan détaillé
de radioprotection qui permet d’optimiser les
tâches. L’OFSP a approuvé ce plan et inspecté
l’installation à plusieurs reprises durant la révision. La dose collective pour les 143 personnes
impliquées s’est élevée à 41,42 personnes-mSv,
soit 15 % inférieure à la valeur attendue. Durant
la révision, 13,4 tonnes de déchets ont été produites, dont 10,7 ont pu être libérées et éliminées comme déchets inactifs conformément
aux dispositions légales.
Le PSI révise actuellement le concept de conditionnement et d’élimination de ses déchets
issus des accélérateurs de particules, principalement afin de minimiser les quantités de déchets radioactifs.
55
Déchets radioactifs
La Confédération est chargée d'éliminer les
déchets radioactifs provenant de la médecine,
de l'industrie et de la recherche, à l'exception
des déchets des exploitants des centrales
nucléaires. L'OFSP organise chaque année une
campagne de ramassage de ces déchets, qui
sont ensuite traités et entreposés dans le dépôt
intermédiaire fédéral (BZL) à Würenlingen. A
l'avenir, la totalité des déchets devra être
stockée définitivement dans un dépôt en
couches géologiques profondes. La sélection
des sites pour les dépôts est actuellement en
cours. La mise en service du dépôt pour les
déchets de faible et moyenne activité, dont la
majeure partie des déchets de la Confédération
fait partie, est prévue en 2050.
Campagne de ramassage des déchets
radioactifs
Au cours de la campagne de ramassage de
2015, 26 entreprises ont livré des déchets radioactifs présentant une activité totale de 2.2 x 1015
becquerels (en majeure partie du tritium H-3) et
un volume total de 4,7 m3 (volume brut). Par
ailleurs, certains déchets contenant du tritium et
du carbone-14 ont pu être incinérés avec
l’autorisation de l’OFSP dans le respect des
dispositions de l’article 83 de l’ordonnance sur
la radioprotection (ORaP). La réutilisation ou le
recyclage de sources radioactives scellées de
haute activité s’avère être une alternative judicieuse à leur élimination comme déchets radioactifs. Cela concerne notamment les sources
m3
25
20
15
10
5
2015
2014
2013
2011
2012
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2001
2002
2000
1974-99
0
Fig. 7 : Volume annuel collecté lors des campagnes de ramassage
de la Confédération. Moyenne annuelle des volumes de fûts délivrés
pour la période 1974–1999. Volume des déchets bruts depuis 2000.
56
d’américium-241, de krypton-85, de césium-137
ou encore de cobalt-60. Lorsque cela est possible et judicieux, la décontamination et l'entreposage de déchets pour décroissance en entreprises permettent ensuite de les libérer. La
figure 7 indique l’évolution des volumes de déchets collectés par la Confédération durant les
quarante dernières années.
Financement de l'élimination
Les déchets radioactifs livrés au dépôt intermédiaire fédéral (BZL) passent sous la responsabilité de la Confédération qui assurera, à terme,
leur élimination. Selon les estimations actuelles,
les coûts d'élimination de l'ensemble des
déchets dont la Confédération a la responsabilité s'élèvent à près de 1,4 milliard de francs sur
la période 2011–2100. Une partie de ces coûts
est financée par des émoluments perçus auprès
des producteurs de déchets. L’autre partie ne
sera due qu'à partir de 2060, une fois le dépôt
géologique en exploitation. Les estimations font
état d'un montant restant à financer de 857
millions de francs pour la période 2015–2060.
Ce montant est réparti à parts égales entre la
Confédération et le domaine des EPF dont fait
partie le PSI.
Les estimations effectuées en l'an 2000 tablaient sur des coûts d'élimination oscillant entre
300 et 360 millions de francs pour la période
2000–2040. A l'époque, le projet Wellenberg
prévoyait une réalisation relativement rapide
d'un dépôt pour les déchets de faible et moyenne activité ; il fut toutefois refusé en 2002.
La hausse constatée est liée en grande partie à
l'augmentation des coûts du dépôt géologique
ainsi qu'au processus d'élimination des déchets. En effet, la longue procédure de sélection
des sites ainsi que les exigences élevées en
matière de sécurité ont un impact sur les coûts
estimés. En avril 2015, le Conseil fédéral a pris
connaissance de ces nouveaux chiffres. Il a
chargé les départements concernés de lui fournir une nouvelle estimation d'ici à fin 2018.
Fig. 8 : Contrôle des poids lourds à la douane de Thayngen
Importation et exportation illégales ou involontaires de substances radioactives
Premiers contrôles de routine avec un
portique de mesure mobile
Des découvertes d’acier inoxydable contaminé
ainsi que l’importation de containers contaminés après l’accident de réacteur de Fukushima
ont montré que le trafic de marchandises devait
être surveillé pour détecter d'éventuelles importations ou exportations illégales ou involontaires
de substances radioactives. En 2012, l’OFSP a
acquis un portique de mesure mobile qu’il a
ensuite testé et optimisé jusqu’en 2014. Les
véhicules le traversent à une vitesse maximale
de 15 km/h. Si le seuil d’alarme de radioactivité
est dépassé, le véhicule est arrêté pour permettre la localisation de la source de rayonnement à l'aide d'un instrument de mesure du
débit de dose très sensible et l’identification du
radionucléide par spectrométrie.
Nombre de véhicules
Erstfeld
Thayngen
Bâle
5100
1800
185
31
69
4
de plus de 7000 véhicules. Une faible radioactivité a été détectée dans plus de 100 chargements, mais celle-ci était due dans chaque cas à
des substances radioactives naturelles dont le
transport est tout à fait légal. Des substances
radioactives naturelles sont présentes, par exemple, dans des matériaux de construction
(briques, ciment, granit), des produits en céramique (carreaux, filtres, isolateurs), ainsi que
des produits chimiques (chlorure de potassium),
et ne présentent sous cette forme pas de danger pour l’être humain et l’environnement.
A l’avenir, l’OFSP effectuera régulièrement des
contrôles ciblés tout en les optimisant, en particulier en surveillant des voies d’importation
supplémentaires. Dans cette optique, des mesures à l’aéroport de Zurich ainsi qu’un contrôle
des colis postaux sont prévus.
contrôlés (passage d’un
portique de mesure)
Nombre d’alarmes
Fig. 9 : Nombre de mesures effectuées et d’alarmes
déclenchées (2015)
Pour la première fois en 2015, des contrôles de
routine ont été menés pendant une semaine à
Erstfeld (centre de compétence pour le trafic
lourd), ainsi qu’aux douanes de Bâle (Freiburgerstrasse) et de Thayngen, impliquant le contrôle
57
Intervention en cas d’urgence
radiologique
Des mesures préparatoires d’envergure ainsi qu’un engagement
national et international sont nécessaires afin de pouvoir faire face
aux crises dans le domaine de la radioprotection.
Mesures à l’échelon national
Le groupe de travail interdépartemental IDA
NOMEX a été créé en 2011 après la catastrophe
de Fukushima. Sa tâche a consisté à réexaminer
les mesures de protection d’urgence prévues
en cas d’événements extrêmes survenant en
Suisse. En 2012, le Conseil fédéral a pris connaissance du rapport rédigé par le groupe de
travail et mandaté plusieurs services fédéraux
pour l’élaboration de 56 mesures organisationnelles et législatives. Depuis, de nombreuses
mesures ont déjà été mises en œuvre. L’OFSP,
concerné à divers titres, transpose actuellement
une partie des mesures dans le cadre de la révision de l’ordonnance sur la radioprotection. En
outre, il a collaboré en 2015 à la révision du concept de protection d’urgence en cas d’accident
dans une centrale nucléaire. En date du 1er juillet
2015, le Conseil fédéral a pris connaissance de
ce concept, fondé sur le nouveau scénario de
référence (A4) [1]. Le concept est basé sur un
accident très grave de la catégorie 7 sur l’échelle
INES et offre la possibilité de préparer de manière appropriée la protection d’urgence dans
toute la Suisse. La prochaine étape consiste à
élaborer les adaptations nécessaires des bases
légales.
En 2015, l’OFSP a également participé à
l’exercice général d'urgence (GNU) mettant en
scène un accident à la centrale nucléaire de
Gösgen. Même si le déroulement du scénario
n’a pas exigé un engagement conséquent pour
la Division radioprotection, il a donné l’occasion
de tester le fonctionnement d’une équipe de
crise restreinte dans le nouveau bâtiment de
l’OFSP. Les nouvelles infrastructures offrent des
fonctionnalités modernes adaptées à la gestion
de crise. Il conviendra de les mettre à l’épreuve
lors d’un exercice de plus grande envergure et
d’implication plus soutenue des équipes concernées par une situation d’urgence radiologique.
58
Engagement international
Sur le plan international, l’année 2015 a été riche
d’engagements pour la Division radioprotection,
qui a activement pris part aux travaux de l’Association européenne des responsables des autorités compétentes en radioprotection (HERCA).
Elle a aussi été fortement impliquée dans la
plateforme européenne NERIS (European Platform on preparedness for nuclear and radiological emergency response and recovery) et le
réseau REMPAN (Radiation Emergency Medical
Preparedness and Assistance Network) de
l’Organisation mondiale de la santé. La Division
radioprotection a par ailleurs contribué au projet
européen PREPARE (Platform for European
Preparedness Against (Re-)emerging Epidemics). Elle suit également les réflexions menées
dans le cadre du Comité directeur pour la gestion de la phase post-accidentelle (CODIRPA) en
France. Le retour de l’investissement consenti
montre qu’il reste du pain sur la planche si l’on
entend être prêt à maîtriser les conséquences
d’un accident nucléaire sévère dans notre pays,
notamment en termes de préparation de la protection de la population et de l’implication des
parties prenantes qui se trouveraient à moyen et
long terme en territoires affectés.
[1] Suite aux mandats d’IDA NOMEX, l‘IFSN a élaboré divers
scénarios d’événements (scénarios A1 à A6). Ces scénarios
ont été justifiés par des probabilités de survenance et
montrent également les effets radiologiques correspondants en Suisse.
Evénements radiologiques
L’OFSP a pour mission de protéger des rayonnements ionisants la
population, notamment les patients, les personnes professionnellement exposées aux radiations, ainsi que l’environnement. Malgré
les mesures de prévention et de protection mises en œuvre, l’OFSP
est parfois confronté à des événements radiologiques soumis à
déclaration, ou encore à la découverte d’héritages radiologiques.
Il est tenu d’étudier ces cas et de les évaluer, ainsi que d’en informer
le public de manière appropriée. Le concept de communication
adopté en 2015 au sujet des événements radiologiques comporte
une marche à suivre claire afin d’assurer une information transparente
et coordonnée du public.
Nouveau concept de communication en
matière d’événements radiologiques
Tout événement de radioprotection annoncé fait
l’objet d’une analyse minutieuse de la part de
l’OFSP. Les experts concernés évaluent les conséquences radiologiques ainsi que les actions
correctives proposées, et décident de la réalisation d’une inspection sur site. En outre, l’OFSP
est tenu d’informer le public de manière appropriée, en partie en collaboration avec les entreprises ou les autorités concernées.
Le « Concept de communication en cas d’événements radiologiques », adopté en 2015, a
permis d’établir des directives claires en matière d’information du public. Le fort engouement
médiatique suscité par les découvertes de radium en juin 2014 avait mis en évidence des lacunes dans la politique d’information appliquée
jusqu’alors. Désormais, ce n’est plus seulement
le risque objectivement constaté (p. ex. sur la
base de l’échelle INES) qui détermine la manière
d’informer au sujet des événements, mais également « l’intérêt public ». A l'avenir, le risque
perçu sera évalué selon trois niveaux (faible,
moyen ou élevé) en fonction de trois critères : la
nature de l'événement, le nombre de personnes
concernées et la fréquence de l'occurrence de
l'événement. La manière de communiquer (active, passive, par l'OFSP ou par l'auteur) ainsi que
les destinataires de la communication (public,
autorités) sont définis en fonction des niveaux
de risques objectif et perçu.
L’expérience montre que des thèmes comme
les déchets radioactifs ou les polutions radioactives dans l'environnement effraient la population, même si le risque sanitaire peut être parfois
très faible d’un point de vue objectif. D’autres
facteurs comme la pression médiatique ou la
sensibilité politique peuvent également exercer
une influence sur la stratégie de communication. Chaque événement annoncé figurera désormais dans le rapport annuel de la division
Radioprotection sous la forme de statistique (cf.
chapitre suivant).
Statistiques des événements déclarés en
2015
Durant l’année 2015, l’OFSP a enregistré 34
déclarations d’événements aux causes diverses. La figure 10 donne un aperçu des domaines
concernés. Parmi les dix événements concernant les domaines « Environnement, entreprises et population », on compte par exemple
le « Rejet accidentel d’iode radioactif par les
eaux usées d’un hôpital » ou l’« Elimination illégale de détecteurs de fumée à chambre d’ionisation » (voir brefs comptes rendus au chapitre
suivant). De plus, dix autres événements figurent dans les domaines « Héritages radiologiques, sources orphelines ou pertes de source ».
On entend par héritage radiologique une situation héritée du passé qui ne répond pas aux exigences actuelles de la législation en radioprotection, par exemple les découvertes de radium
59
2
7
10
5
10
Patients
Personnes exposées dans l’exercice de leur profession
Environnement, entreprise et population
Héritages radiologiques, sources orphelines, pertes de source
Transport
Fig.10 : Domaines concernés des 34 événements radiologiques annoncés en 2015
faites à Bienne (voir compte-rendu à ce sujet
dans le rapport annuel 2014 ainsi que dans le
présent rapport en page 68). Du personnel était
concerné dans cinq des événements annoncés.
Heureusement, aucun dépassement de la valeur limite de dose pour les personnes professionnellement exposées aux radiations n'est à
déplorer (voir à ce sujet l’exemple « Contamination de personnes » au chapitre suivant). Aucun
des événements précités n’a été classé en INES
1 ou plus. Par contre, huit de ces événements,
concernant principalement des découvertes de
sources, ont été annoncés à la base de données
ITDB (Incident & Trafficking Database) de l’Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA).
Sept événements concernant des patients se
sont produits en radio-oncologie ou en radiothérapie ; des préjudices directs ne sont toutefois pas attendus. Parmi ces événements, deux
sont à classer au niveau 2 de l’échelle provisoire
INES Medical Rating Scale, et deux autres au
niveau 1. Deux de ces événements concernant
le « Sectionnement d’un implant d’iode » et les
« Fuites dans la chambre moniteur de dose d’un
accélérateur de particules » sont décrits dans le
chapitre suivant.
Brefs comptes rendus de cinq
événements graves :
Rejet accidentel d’iode radioactif dans les
eaux usées d’un hôpital
La thérapie à l'iode radioactif (iode-131) est soumise à la législation sur la radioprotection qui
stipule que, d'une part, les patients hospitalisés
60
doivent séjourner dans des chambres spécialement aménagées et, d'autre part, les eaux
usées provenant de ces chambres ne doivent
pas être rejetées directement dans les canalisations. Ainsi, ces eaux usées sont collectées
dans des cuves et conservées jusqu'à ce que
l'activité de l'iode-131 atteigne un niveau inférieur à la limite de rejet autorisée pour l'hôpital.
En juillet 2015, suite à une erreur de manipulation, un technicien d’un hôpital a relâché prématurément ces eaux usées dans la canalisation avec
une activité nettement supérieure à la valeur
hebdomadaire autorisée. Les mesures hebdomadaires des eaux de la station d'épuration
concernée, effectuées suite à ce rejet, ont mis
en évidence une concentration d’iode-131 de
0,5 becquerels par litre (Bq/l), bien inférieure à la
valeur limite d'immission dans les eaux accessibles au public fixée à 10 Bq/l. Les conséquences radiologiques pour la population et l'environnement ont donc été négligeables. Une analyse
de cet incident a été réalisée afin de prendre les
mesures nécessaires pour éviter d’autres cas
similaires.
Elimination illégale de détecteurs de fumée à
chambre d'ionisation
En août 2015, l’OFSP a été informé du fait que
plus de 200 détecteurs de fumée à chambre
d’ionisation avaient été éliminés avec des gravats. Ces détecteurs fonctionnent en ionisant
l'air à l'aide d'une source radioactive. Les détecteurs de fumée à ionisation démontés sont
considérés comme des déchets radioactifs et
ne doivent donc pas être éliminés avec les ordures ménagères ou les déchets électroniques.
Les recherches effectuées par la suite n'ont pas
permis de déterminer précisément ce qu'il était
advenu de ces détecteurs. Leur élimination non
conforme a été communiquée au Ministère
public de la Confédération en vue de poursuites
pénales.
Au vu de tels événements, l’OFSP et la Suva ont
fixé un calendrier pour le remplacement et
l'élimination de tous les détecteurs de fumée à
chambre d’ionisation encore en fonction, en
collaboration avec l'Association suisse des constructeurs de systèmes de sécurité (SES) et
l'Association des établissements cantonaux
d'assurance incendie (AEAI). Tous les propriétaires de détecteurs d'incendie concernés seront prochainement contactés par leur fournisseur et informés de la procédure à suivre. Après
le 31 décembre 2018 au plus tard, les détecteurs de fumée à chambre d’ionisation devront
obligatoirement être remplacés par des détecteurs d'incendie fonctionnant sans source radioactive. Il existe aujourd’hui des détecteurs
d'incendie optiques dont les résultats sont tout
aussi bons, voire meilleurs dans la plupart des
applications, et ceci sans recourir à une substance radioactive.
Contamination de personnes
En avril 2015, douze personnes ont été contaminées avec du fluor-18 (F-18) dans un laboratoire
au cours d’une formation interne. Un récipient
de plomb dont la surface extérieure était contaminée est en cause, ainsi que le non-respect
des règles de conduite (good practice). Du F-18
a été répandu dans la zone contrôlée ; plusieurs
poignées de porte ont en outre été souillées.
Toutes les personnes ont été décontaminées en
l’espace de quelques heures et le laboratoire a
pu être libéré le lendemain. Une estimation de la
dose aux extrémités chez la personne la plus
atteinte a indiqué que la dose était très faible par
rapport à la valeur limite de 500 milliSievert
(mSv) par an pour la peau et les mains, s’appliquant aux personnes exposées dans l’exercice
de leur profession. Après discussion avec
l’OFSP, le laboratoire a pris des mesures internes et effectué des cours de formation pour les
collaborateurs du laboratoire afin d’empêcher
que de tels cas ne se reproduisent.
Sectionnement d’un implant d’iode
Un implant a été coupé par erreur en son milieu,
au lieu d’être coupé à l’endroit indiqué entre les
deux implants successifs sur le fil, lors d’une
application thérapeutique d’introduction d’implants d’iode-125 dans la prostate. L’un des
fragments a pu être retrouvé et stocké en toute
sécurité dans un récipient blindé. L’autre fragment est resté dans le patient. Par mesure de
précaution, la glande thyroïde du patient a été
bloquée à l’aide d’un médicament. Une étude
plus approfondie du cas a montré que le patient
ne doit pas s’attendre à une atteinte directe de
son intégrité physique.
Pour éviter ce type d’erreur à l’avenir, une telle
coupure ne sera plus réalisée qu’avec l’accord
d’un observateur. L’application conséquente du
principe du double contrôle doit permettre de
réduire, voire d’éliminer cette source d’erreur.
Fig. 11 : Implant avec l’endroit à couper indiqué en noir et
l’endroit effectivement coupé en rouge
Fuites dans la chambre moniteur de dose
d’un accélérateur linéaire à électrons
Une fuite a été découverte trop tardivement
dans la chambre moniteur de dose d’un accélérateur linéaire à électrons, ce qui a engendré
une lente augmentation inaperçue de la dose
délivrée durant plusieurs semaines. L’évaluation
ultérieure des données a montré que la dose
reçue par quinze patients était trop élevée dans
le volume cible, dans les tissus environnants
ainsi que dans des structures à risque (3 à 8 %).
Toutefois, presque toutes les valeurs limites
relatives aux structures à risque ont pu être
respectées. La valeur limite relative aux reins a
été dépassée de 1,3 % chez un seul patient.
L’équipe chargée du traitement a conclu, suite à
des estimations approfondies, qu’il ne fallait pas
s’attendre à des effets négatifs sur le patient
malgré le dépassement de la valeur limite. Chez
les autres patients non plus, aucun effet secondaire induit par ce dépassement de dose n’est à
craindre.
A la suite de cet événement, le protocole relatif
à l’assurance de qualité quotidienne a été réexaminé et les procédures internes améliorées.
Désormais, le physicien médical responsable
doit être averti explicitement de tout écart de
mesure significatif.
61
Exploiter correctement les solariums
pour faire la peau aux mélanomes
Le mélanome (cancer de la peau) concerne chaque année plus de
2000 personnes en Suisse. Il s'agit donc du pays le plus touché par
cette maladie en Europe. Environ un tiers des personnes ont moins
de 50 ans au moment du diagnostic. Différentes études montrent
que dans près de 80 % des cas, la maladie découle d'une surexposition aux rayons ultraviolets (UV). Ces rayons, produits principalement
par le soleil, sont aussi émis artificiellement dans les solariums. Or,
selon plusieurs études, la clientèle des solariums encourt un risque
de cancer de la peau notablement plus élevé que le reste de la population. Par ailleurs, leur santé peut également être mise à mal par des
appareils ne fonctionnant pas correctement et émettant un rayonnement trop intense. Pour améliorer la protection de la santé dans ce
domaine, le Conseil fédéral a décidé de réglementer la gestion des
solariums publics.
Fig. 12 : Professeur Dr. Ralph
Braun, médecin chef à la Clinique
de dermatologie de l’Hôpital
universitaire de Zurich
Le solarium augmente le risque de cancer
de la peau
Près de 8 % des personnes vivant en Suisse
utilisent activement les solariums. Des études
scientifiques le prouvent : les personnes qui
pratiquent le solarium sont quasiment deux fois
plus nombreuses à développer un cancer de la
peau que celles qui ne s'exposent pas au soleil
artificiel. Selon le Professeur Dr. Ralph Braun,
médecin chef à la Clinique de dermatologie de
l’Hôpital universitaire de Zurich, le lien entre le
62
rayonnement UV (entre autres l’utilisation des
cabines de bronzage) et le développement d’un
mélanome ne fait aucun doute, malgré un
temps de latence pouvant atteindre des décennies entre la formation initiale du cancer et sa
déclaration, rendant ce lien difficilement démontrable d’un point de vue scientifique.
Le rayonnement absorbé en solarium se différencie très fortement du rayonnement solaire.
L’intensité des rayons UV-B du solarium est
comparable à celle du soleil. Par contre, celle
des UV-A (longueurs d'onde supérieures à 320
nm) peut être jusqu’à quinze fois plus élevée.
Cette part excessive des UV-A rend le solarium
plus dangereux que le soleil pour le développement du cancer. Elle entraîne en outre un vieillissement prématuré de la peau qui devient rugueuse et creuse des rides et des sillons profonds.
Les jeunes pris en sandwich
De l'avis du Professeur Braun, s'exposer dès le
plus jeune âge à de forts rayonnements UV
augmente considérablement le risque de développer un mélanome. Les personnes à peau
claire sont également plus sujettes à cette maladie. Un sondage mené en 2010 par l'institut GfS
montre que les personnes de moins de 36 ans
sont non seulement surreprésentées dans la
clientèle des solariums, mais aussi qu'elles s'y
rendent plus souvent que leurs aînés. Près de
70 % des clients âgés de 16 à 25 ans, par exemple, s'y rendent au moins une fois par mois. Il
ressort également du sondage que les personnes présentant un type de peau à risque accru
font des séances certes plus courtes, mais tout
aussi fréquentes que les autres clients.
En outre, il est préoccupant de constater qu’un
grand nombre de personnes (près de 40 % de la
clientèle des solariums âgée de 16 à 25 ans
notamment) pensent que des séances régulières au solarium renforcent la résistance de la
peau. Or, selon le Professeur Braun, la peau ne
peut se protéger que partiellement des rayons,
les lésions étant donc inévitables.
Vers une utilisation contrôlée des cabines
de bronzage
Actuellement, la mise sur le marché des appareils de bronzage utilisés en solarium est
réglée dans la loi sur la sécurité des produits.
Il n’existe pas de base légale pour contrôler le
respect des directives de sécurité contraignantes du fabricant liées à leur exploitation. Le Conseil fédéral a décidé de combler cette lacune au
travers du projet de loi sur la protection contre
les dangers liés au rayonnement non ionisant et
au son (LRNIS). Il est prévu d’instaurer des campagnes de contrôle par échantillonnage, en charge des cantons, afin de s’assurer que les exploitants de solariums informent suffisamment leur
clientèle sur les dangers encourus et respectent
les instructions de sécurité du fabricant. L’exploitant sera donc contraint de refuser l’accès au
solarium aux personnes de moins de 18 ans,
considérées comme une population sensible.
Cette mesure permettra de mieux protéger les
jeunes et de responsabiliser davantage les exploitants de ces installations. Le projet de loi a
été transmis au Parlement en décembre 2015 ;
son entrée en vigueur est programmée au plus
tôt en 2018.
Fig. 13 : L’accès au solarium est déjà interdit au moins de 18 ans dans le
canton de Vaud
Plusieurs cantons ont déjà fixé des dispositions
concernant l’exploitation de solariums dans leur
législation. Le canton de Bâle-Campagne s'est
doté d'une base légale pour pouvoir contrôler
les solariums. Le Jura est le premier canton
suisse à avoir interdit l’accès des solariums aux
personnes mineures par le biais d’une disposition introduite dans sa loi sanitaire en 2013. Les
personnes qui mettent à disposition du public
des appareils de bronzage doivent par ailleurs
s'annoncer au Service de la santé publique jurassien. Le canton de Neuchâtel a aussi instauré
une obligation d'annonce pour les solariums.
Quant au canton de Vaud, il a profité de la révision de sa loi sur l’exercice des activités économiques, entrée en vigueur en 2014, pour interdire l'accès au solarium aux personnes mineures
et pour permettre des contrôles assortis de
sanctions (figure 13).
63
Surveillance de l’environnement
Les concentrations radioactives mesurées dans l’environnement
sont restées inférieures aux limites légales durant l’année 2015. Les
quelques dépassements des valeurs limites (sangliers) et des valeurs
de tolérance constatés dans les denrées alimentaires (indigènes ou
importées) sont tous liés à d’anciennes contaminations. Les traces
de radioactivité artificielle décelée au voisinage des centrales nucléaires, des centres de recherche et des industries témoignent du
fonctionnement normal de ces installations ainsi que de l’efficacité
des programmes de surveillance mis en œuvre.
Nouveau réseau automatique de mesure
URAnet
En mai 2013, le Conseil fédéral a décidé que le
réseau automatique de l'OFSP permettant la
détection dans l’air d’immissions radioactives
dans les aérosols (RADAIR) devait être rénové
et étendu à la surveillance en continu des eaux
de rivière. La partie du réseau dédiée à la surveillance des eaux de rivière (URAnet aqua) est
opérationnelle depuis novembre 2015 (voir reportage en page 66 de ce rapport). Le remplacement des moniteurs d'aérosols (URAnet aero)
est, quant à lui, prévu entre 2016 et 2017.
Principaux résultats de la surveillance en
2015
Les résultats des mesures effectuées en 2015
dans les différents compartiments environnementaux montrent que la radioactivité naturelle
est largement prépondérante en Suisse, avec
des variations régionales, principalement liées
aux caractéristiques géologiques. La radioactivité d’origine artificielle, comme conséquence
des retombées des essais nucléaires atmosphériques et de l’accident de Tchernobyl, est,
elle aussi, répartie de façon inhomogène sur le
territoire : dans les Alpes et le sud des Alpes, les
valeurs relevées pour le césium-137 et le strontium-90 sont toujours légèrement supérieures à
celles du Plateau.
64
Bien que les concentrations en césium-137
diminuent régulièrement depuis 1986, quelques
dépassements des valeurs de tolérance sont
toujours régulièrement constatés dans certaines denrées alimentaires, comme les champignons sauvages (indigènes ou importées), le miel
ou les myrtilles. Des dépassements de la valeur
limite pour les denrées alimentaires, fixée à
1250 Bq/kg dans l'ordonnance sur les substances étrangères et les composants, ont à nouveau été enregistrés en 2015 dans la viande de
sangliers en provenance du Tessin. Depuis 2013,
le vétérinaire cantonal a mis en place un contrôle systématique de la radioactivité de tous les
sangliers chassés sur le territoire tessinois.
L’activité maximale enregistrée dans la viande
d’un sanglier confisqué en 2015 s’est élevée à
9900 Bq/kg, soit la plus élevée jamais enregistrée depuis le début des contrôles.
Dans le cadre de la surveillance des centrales
nucléaires et des centres de recherche (PSI,
CERN), les mesures effectuées en 2015 ont mis
en évidence des traces de rejets atmosphériques. Il s’agissait notamment de valeurs
accrues de carbone-14 dans les feuillages au
voisinage des centrales nucléaires (augmentation maximale, par rapport à la station de référence, de l'ordre de 100 pour mille aux environs
de la centrale de Leibstadt) ou d’isotopes de
courtes périodes (sodium-24, iode-131) produits
dans les accélérateurs des centres de recherche. Des traces de rejets liquides ont sporadiquement été détectées dans les eaux et les
sédiments de rivières, notamment des isotopes
de cobalt en aval de la centrale nucléaire de
Mühleberg. Des valeurs de tritium légèrement
accrues (activité maximale de 10 Bq/l) ont été
mesurées dans l’Aar entre mai et juin suite à la
révision de la centrale nucléaire de Gösgen.
Dans le Rhin, à Weil am Rhein, les concentrations mensuelles de tritium sont restées inférieures à 3 Bq/l. Les rejets à l'origine de la présence de ces radionucléides artificiels dans
l'environnement sont toutefois restés nettement inférieurs aux valeurs autorisées.
La surveillance mise en œuvre au voisinage des
entreprises utilisatrices de tritium a révélé un
marquage significatif de l'environnement (précipitations, denrées alimentaires), à proximité
immédiate de ces entreprises. Les concentrations enregistrées sont toutefois restées inférieures aux limites légales (concentration maximale de 730 Bq/l dans les précipitations à
Niederwangen, soit 6 % de la valeur limite
d'immissions pour le tritium dans les eaux accessibles au public).
Fig.14 : Plateforme de consultation en ligne des mesures de la radioactivité dans des
échantillons de l’environnement – www.radenviro.ch
Depuis novembre 2015, les résultats de
la surveillance de l’environnement peuvent être consultés en ligne sur la nouvelle plateforme internet «Radenviro»
de l’OFSP (www.radenviro.ch).
Les résultats complets et commentés
sont par ailleurs publiés chaque année
dans le rapport « Radioactivité de
l’environnement et doses de rayonnements en Suisse », disponible sur le site
internet de l’OFSP.
Conformément aux prescriptions du Plan
d’action radium 2015–2019, une surveillance de
la radioactivité dans les décharges pouvant potentiellement contenir des déchets contaminés
au radium-226 doit être mise en œuvre afin de
garantir la protection des travailleurs et de
l’environnement face à une éventuelle remobilisation des déchets et une dispersion de la contamination. Des analyses ont déjà été réalisées
dans les eaux d’infiltration d’anciennes décharges, notamment à Bienne et à Teufen, dans le
cadre d’études préliminaires en vue de
l’assainissement de ces sites. Si ces sites doivent être assainis, c’est toutefois en premier
lieu en raison de la présence d’autres polluants
que le radium, tels que PCB, métaux lourds ou
autres polluants chimiques.
65
Système d’alerte réactif en cas de
contamination de l’eau potable
La surveillance de la radioactivité dans l’environnement en Suisse
s’est encore améliorée en 2015. Désormais, l’OFSP exploite un
réseau de mesure automatique contrôlant la radioactivité dans l’Aar
et le Rhin : cinq sondes surveillent en continu la radioactivité en aval
des centrales nucléaires suisses et livrent des résultats toutes les
dix minutes. En cas d’augmentation du niveau de la radioactivité, les
autorités sont en mesure de réagir rapidement et, notamment,
d’interrompre l’alimentation en eau potable. La population a elle aussi
accès aux résultats de mesure via la plate-forme www.radenviro.ch.
Jusqu’à présent, aucune valeur élevée de radioactivité artificielle n’a
été enregistrée.
Le nouveau réseau de mesure « URAnet aqua »
comprend cinq sondes, qui ont été installées
dans l’Aar et le Rhin, en aval des centrales nucléaires, à Radelfingen, Hagneck, Aarau, Laufenburg ainsi qu’à Bâle. L’élément déclencheur de
cette surveillance supplémentaire des eaux de
Fig. 15 : Sites des détecteurs à iodure de sodium; stations IFAEPE avec
prélèvement continu pour les mesures de traces (Hagneck, Klingnau et
Pratteln); station de surveillance du Rhin Weil am Rhein (mesures du
laboratoire cantonal BS); points de soutirage d'eau potable dans le lac de
Bienne et dans le Rhin (Pratteln et Bâle)
66
surface a été la catastrophe de Fukushima en
2011, qui a causé des rejets de grandes quantités de radioactivité dans la mer par le biais des
eaux d’extinction et de refroidissement. Dans la
foulée, des parlementaires suisses ont lancé
bon nombre de motions se focalisant sur les
dangers encourus par l’eau potable en cas
d’incident dans une centrale nucléaire. En mai
2013, le Conseil fédéral a décidé de renouveler
le réseau de surveillance automatique de la
radioactivité dans l’environnement, géré par
l’OFSP, et de l’étendre par la même occasion
aux eaux des rivières. Des sondes de mesure
modernes étant apparues sur le marché, ce
projet a pu être réalisé avec une technique
fiable, précise et relativement peu coûteuse.
Les fournisseurs suisses en eau potable
co-initiateurs du projet
La ville de Bienne couvre 70 % de ses besoins
en eau potable par le lac de Bienne ; quant à la
ville de Bâle, elle tire toute son eau potable du
Rhin. Les fournisseurs suisses en eau potable
ont donc été co-initiateurs du nouveau réseau
de mesure dans certaines rivières contribuant à
leur approvisionnement. Ils souhaitent être
alertés immédiatement en cas de contamination de l’eau, même si elle n’est que légère. Il leur
est ainsi possible de déclencher les pompes à
titre préventif et d’empêcher une contamination
de leurs installations.
Comblement d’une lacune de la surveillance
L’installation des nouvelles sondes a permis de
combler une lacune dans la surveillance des
eaux de surface. Les stations de l’Eawag de
Hagneck, Klingnau et Pratteln (figure 15), qui
effectuent des mesures de traces, constituent
une part importante du dispositif de surveillance
appliqué jusqu’ici. Depuis les années 90, elles
collectent des eaux de rivière en continu. Toutefois, les échantillons ne sont évalués que mensuellement ; ils ne permettent donc pas de réagir rapidement à une augmentation de la
radioactivité.
Le nouveau réseau de mesure « URAnet aqua »,
installé entre 2013 et 2015, fournit en temps réel
des concentrations de radioactivité mesurées
dans l’Aar et le Rhin entre 5 et 27 km en aval des
centrales nucléaires de Mühleberg, Gösgen,
Beznau et Leibstadt (figure 15). L’OFSP considère ces distances comme appropriées pour
une mesure indépendante des exploitants de
centrale et qui soit représentative du tronçon de
rivière considéré. A ces distances, les eaux sont
en effet largement mélangées. En cas d’augmentation de la radioactivité, on dispose de
suffisamment de temps pour alerter les fournisseurs en eau potable qui traitent des eaux de
rivière situées encore plus en aval. La présence
d’un endroit approprié à la fixation des sondes a
aussi été déterminante dans le choix des sites,
qui ont d’ailleurs pu être rapidement trouvés
grâce au soutien des entreprises sollicitées
(centrales hydroélectriques, fournisseurs en eau
potable) et de l'OFEV.
Les sondes sont équipées d’un détecteur à
iodure de sodium (figure 16). Les cristaux
d’iodure de sodium enregistrent le rayonnement gamma des nucléides naturels et artificiels dans un rayon d’environ un mètre. Les
sondes consignent le spectre énergétique toutes les dix minutes et en font la moyenne toutes
les heures afin d’obtenir une limite de détection
plus basse.
Système d’alerte en cas d’augmentation
de la radioactivité
En cas d’augmentation de la radioactivité, une
alerte est immédiatement déclenchée via le
réseau de mesure de MétéoSuisse grâce aux
brefs intervalles de mesure. L’OFSP est informé
en cas de dépassement du seuil inférieur de
déclaration, qui correspond à la valeur de tolérance pour l’eau potable. Lorsque la valeur limite
pour l’eau potable est dépassée (seuil supérieur
de déclaration), la centrale nationale d’alarme
(CENAL) est alertée afin qu’elle puisse ordonner
les mesures de protection nécessaires.
Fig. 16 : Les cristaux d’iodure de sodium des sondes enregistrent le
rayonnement gamma des nucléides naturels et artificiels dans un rayon
d’environ un mètre
Aucun radionucléide artificiel détecté
jusqu’à présent
Les mesures effectuées jusqu’ici ont montré
une augmentation des nucléides naturels de
bismuth-214 et plomb-214 ainsi que de potassium-40 en cas de crues, lorsque de nombreux
produits de désintégration du radon parviennent
dans les rivières. Aucun autre pic n’a pu être
constaté jusqu’à présent, ce qui signifie que les
différents radionucléides se situaient en dessous du seuil de détection. Les valeurs moyennes journalières des mesures peuvent être
consultées sur la nouvelle plateforme internet
de l’OFSP « Radenviro » (www.radenviro.ch).
Cette plateforme consigne les résultats
d’analyse de tous les échantillons d’air, de sol,
d’herbe, de lait et d’eau prélevés dans l’environnement en Suisse.
67
Plan d'action radium 2015–2019
En mai 2015, le Conseil fédéral a approuvé le Plan d'action radium
2015–2019 afin de régler le problème des héritages radiologiques
liés à l’application de peinture luminescente au radium dans
l'industrie horlogère jusque dans les années 1960. Les quatre axes
principaux de ce plan sont la recherche historique des bâtiments
potentiellement contaminés, les mesures de diagnostic du radium
dans ces bâtiments, la réalisation d’un assainissement en cas de
dépassement de la limite de 1 milliSievert (mSv) par an et la surveillance des décharges pouvant contenir des déchets de radium. Les
actions prioritaires ont été réalisées par une « Task force radium »
jusqu’à fin 2015.
Diagnostics du radium
Entre septembre 2014 et décembre 2015, 90
bâtiments regroupant 564 appartements ou
objets commerciaux ont fait l'objet d'un diagnostic du radium, grâce à la collaboration des
propriétaires et des locataires concernés, ainsi
qu’avec le soutien des autorités communales et
cantonales et de la Suva. Il s’agit avant tout de
bâtiments dont l’adresse avait été publiée dans
les médias en juin 2014. Par ailleurs, 15 bâtiments supplémentaires ont été contrôlés sur
demande d’occupants inquiets. La figure 17
donne un aperçu des résultats de ces mesures,
principalement menées dans l’Arc jurassien.
Total
Diagnostics
bâtiments
détail
bâtiments
détail
bâtiments
détail
90
564
37
230
26
243
27
91
unités*
66
terminés
544
unités*
29
unités*
24
assainissement
Assainissements
20 unités*
7 unités*
5 jardins
18
unités*
8
12 jardins
8
223
unités*
7 unités*
5 unités*
unités*
19
unités*
8
4 jardins
6
236
7 unités*
1
1 unité*
4 jardins
85
unités*
8
3 jardins
Fig. 17 : Résultats des mesures de radium effectuées entre septembre 2014 et décembre 2015
*appartements ou objets commerciaux
68
Autres communes
détail
d’assainissement
Cas nécessitant un
La Chaux-de-Fonds
bâtiments
effectués
Cas sans nécessité
Bienne
Les experts de l’OFSP appliquent un protocole
de mesures standardisé qui prévoit le quadrillage systématique de tous les locaux intérieurs et
de la parcelle. Si le débit de dose ambiant dépasse la valeur de 100 nanoSievert par heure
au-dessus du bruit de fond local, le maillage des
points de mesures doit être resserré ; des
échantillons de terre ou des frottis sont par ailleurs prélevés en vue d’être analysés en laboratoire. L’OFSP évalue la dose annuelle pouvant
être reçue par les occupants de locaux intérieurs sur la base des résultats de mesure et de
scénarios d’exposition. En cas de dépassement
de la limite de dose de 1 mSv par an tolérée
6 unités*
5 jardins
1
1 unité*
1 jardin
pour la population suisse, les locaux concernés
doivent faire l’objet d’un assainissement. Pour
les jardins, un assainissement est requis en cas
de dépassement de la valeur seuil de 1000 becquerels par kilogramme (Bq/kg) pour la concentration en radium dans de la terre. Sur la base des
diagnostics réalisés jusqu’ici, un assainissement s’avère nécessaire dans 24 bâtiments
(soit 20 appartements ou objets commerciaux
et 12 jardins).
Fig. 18 : Vieux plancher en bois et gravats
intermédiaires (noir)
Les mesures se poursuivront durant les prochaines années dans le cadre du plan d’action radium. On estime à plus de 500 le nombre total de
bâtiments en Suisse abritant jadis des ateliers
de posage de peinture luminescente au radium.
L’Institut d’histoire de l’Université de Berne a
été mandaté pour dresser l’inventaire complet
de ces bâtiments dans le cadre d’une recherche
historique.
Assainissements liés au radium
Depuis 2014, 7 appartements et 5 jardins contaminés au radium situés dans 8 propriétés ont
été assainis. Ces bâtiments sont principalement
localisés dans la commune de Bienne, mais
aussi à La Chaux-de-Fonds et à Tavannes.
L’objectif des assainissements est de réduire la
contamination au radium de manière à garantir
que l’exposition résiduelle dans les locaux intérieurs soit inférieure à 1 mSv par an, sans toutefois nécessiter des mesures disproportionnées
et des coûts non supportables. Les travaux
d’assainissement sont réalisés par des entreprises spécialisées connaissant le risque lié au
radium et qui sont tenues de respecter les exigences de l’ordonnance sur la radioprotection.
Lors du suivi des travaux, l’OFSP prescrit les
règles à suivre au cas par cas en collaboration
avec la Suva. Les entreprises d’assainissement
sont spécialisées dans la décontamination de
structures de bâtiments et disposent des qualifications techniques requises, ainsi que du personnel spécialisé en radioprotection.
Dans les locaux intérieurs, la contamination se
situe généralement au niveau des sols, par exemple sur d’anciens parquets. Dans certains
cas, la construction sous-jacente ainsi que les
gravats utilisés pour le remplissage sont aussi
contaminés (figure 18). Au terme des travaux de
décontamination, l’OFSP effectue des mesures
de contrôle. Ensuite, la structure du bâtiment
est remise en état, afin d’atteindre le standard
avant travaux.
Fig. 19 : Assainissement d’un jardin
contaminé au radium
Elimination conforme des déchets
d’assainissement
Les déchets d’assainissement font l’objet d’un
tri en vue de leur élimination. Les déchets non
contaminés peuvent être éliminés par les filières conventionnelles. Quant aux déchets faiblement contaminés au radium, ils sont entreposés en lieu sûr dans l'attente de leur
élimination (mise en décharge ou incinération)
conformément aux articles 82 et 83 de
l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP).
Deux sites de stockage temporaires ont été
aménagés à cette fin dans les communes de
Bienne et de La Chaux-de-Fonds. L'OFSP
s'assure, par le biais de mesures de radioprotection, que le personnel séjournant sur les sites de
stockage temporaires ainsi que la population
des alentours ne sont pas exposés à des doses
de rayonnement dépassant les seuils admis.
Les déchets les plus contaminés sont conservés à l’OFSP dans des fûts hermétiques qu’il
est prévu d’acheminer vers le dépôt intermédiaire fédéral (BZL) lors de la prochaine campagne
de ramassage prévue au printemps 2016.
69
Plan d’action radon 2012–2020
Le Plan d'action national radon 2012–2020, approuvé par le Conseil
fédéral en mai 2011, vise principalement à adapter la stratégie de
protection contre le radon en Suisse selon les nouvelles connaissances scientifiques et les normes internationales. En 2015, l’OFSP a
mis l’accent sur la révision de l’ordonnance sur la radioprotection
(ORaP), ainsi que sur la prise en compte du radon dans la formation
des professionnels et dans les prescriptions de construction.
Révision des ordonnances relatives à la
radioprotection
La procédure d’audition de la révision des ordonnances relatives à la radioprotection a été
ouverte en octobre 2015. Les dispositions concernant le radon figurent dans l’ORaP, mais aussi dans les ordonnances du DFI sur la dosimétrie, la formation en radioprotection et les émoluments. Le projet de texte prévoit l’adoption
d’un niveau de référence de 300 Bq/m3 pour la
concentration en radon (en moyenne annuelle)
dans les bâtiments. Les autorités délivrant les
permis de construire pour des bâtiments neufs
et rénovés devront informer systématiquement
les maîtres d’ouvrage sur le thème du radon.
Une mesure du radon, à la charge du propriétaire, est envisagée dans les nouvelles constructions. Concernant la mise en œuvre de mesures
correctives, il est prévu d’appliquer une approche graduelle, les bâtiments neufs, les écoles et
les jardins d’enfants devant être assainis prioritairement.
Journées de l’OFSP pour tous les niveaux
de formation du secteur de la construction
L’OFSP a organisé deux journées pour la branche de la construction afin de mettre en œuvre
la mesure VI « Formation des professionnels »
du Plan d’action radon 2012–2020. La rencontre
du 13 mars 2015 était destinée aux responsables des organisations du monde du travail (OrTra). L’OFSP a pu compter sur la participation de
représentants de 18 associations professionnelles de la construction, couvrant 68 titres de formation professionnelle de base et supérieure.
La journée du 6 novembre 2015 était quant à elle
destinée aux enseignants des écoles d’ingénierie et d’architecture. Des représentants de 2
hautes écoles et 10 hautes écoles spécialisées
étaient présents, constituant un total de 45
70
filières de formation. A l’occasion de ces deux
rencontres, l’OFSP a informé les participants
sur l’état actuel des connaissances en matière
de radon. Les erreurs susceptibles de se produire dans les phases de planification et de réalisation d’un projet ainsi que lors de l’exploitation de
bâtiments ont été présentées en se basant sur
27 cas concrets. Des exemples de réussite
issus de la pratique ont par ailleurs permis de
montrer comment la problématique du radon
peut être intégrée de manière conséquente
dans la formation.
Mesures du radon
Le groupe radon de l’Institut fédéral de métrologie (METAS) a élaboré des protocoles de mesure pour différents types de bâtiments. Les travaux relatifs aux protocoles pour les locaux
d’habitation et de séjour ainsi que pour les
écoles et les jardins d’enfants ont pu être achevés. Les principales modifications par rapport à
la pratique actuelle dans de tels locaux consistent en l’abandon de la correction saisonnière et
à la fixation contraignante d’une durée de mesure de trois mois durant la période de chauffage.
Dès l’entrée en vigueur de l’ORaP révisée, il est
prévu que ces protocoles de mesure fassent
partie intégrante de la décision d’agrément délivrée aux services de mesure du radon.
Les mesures de test réalisées au Tessin dans le
cadre du projet d’élaboration d’un protocole
pour les mesures de courte durée sont arrivées
à leur terme. En première analyse, la stratégie
choisie semble prometteuse. En sélectionnant
correctement le dispositif de mesure, il est possible en quelques jours d’estimer la situation au
niveau du radon dans un bâtiment donné. Une
mesure de courte durée ne peut certes pas
remplacer une mesure agréée pour la détermi-
nation de la valeur moyenne annuelle, mais elle
permet d’estimer de manière fondée le radon
potentiellement présent. Le projet doit être
finalisé d’ici à fin 2016.
Mesures de construction liées à la protection
contre le radon
Un groupe de travail a été mis sur pied afin de
réviser les recommandations de l’OFSP concernant la protection contre le radon dans les
bâtiments neufs. Ce projet a pour but d’adapter
ces recommandations aux nouvelles dispositions de protection contre le radon de la norme
SIA 180 de 2014 et de confronter les méthodes
de prévention pour les nouvelles constructions à
l’avis de professionnels de la construction. Ce
groupe intègre des représentants de la SIA, un
physicien du bâtiment, un architecte, un consultant en radon, ainsi que la Haute Ecole d’ingénieurs et d’architectes de Fribourg. Il est prévu
de publier les recommandations révisées en
2016.
Un nouveau « guide technique sur le radon »
traitant des exemples pratiques d’assainissement est en train d’être élaboré par le Faktor
Verlag, en remplacement du guide technique
actuel qui doit de toute manière être adapté en
raison de la révision de l’ORaP. Ce nouveau manuel paraîtra début 2017.
International – Atelier sur le radon au poste
de travail
L’implémentation de la nouvelle directive EURATOM s’avère critique pour le radon au poste de
travail; c’est pourquoi l’OFSP a organisé un atelier sur ce thème au Bureau international du travail du 12 au 14 octobre 2015 à Genève, en collaboration avec les autorités de radioprotection
française et norvégienne (ASN et NRPA) et sur
mandat de l’Association des responsables des
autorités compétentes en radioprotection en
Europe (HERCA). L’objectif était de dégager une
compréhension commune des articles de la
directive européenne et d’émettre des recommandations. L’approche dosimétrique de la CIPR
pour le calcul de l’exposition des travailleurs au
radon fait toutefois encore défaut.
Analyse prédictive et cartographie des concentrations de radon dans les locaux intérieurs en Suisse
L’Institut de radiophysique (IRA) à Lausanne a
réalisé, en collaboration avec l’OFSP, un projet
relatif à l’analyse et à la modélisation de la concentration en radon dans les locaux intérieurs
Fig. 20 : Des représentants
d’OrTra formulent des demandes
et des souhaits à l’intention de
l’OFSP, 13 mars 2015
Fig. 21 : Exemple de communication sur la probabilité de dépassement d’une CRI donnée, en
fonction de caractéristiques de
construction données
(CRI) en Suisse dans le cadre d’une thèse de
doctorat. Dans la première phase, la CRI a été
analysée en référence aux variables suivantes :
type de détecteur, catégorie de bâtiment, fondation, année de construction, température extérieure moyenne durant la mesure, altitude et
lithologie [1]. Toutes ces variables ont présenté
une relation significative avec la CRI. Par ailleurs, une méthode de groupement automatique des classes géologiques a été développée
en fonction de leurs caractéristiques liées à la
CRI [2].
La deuxième partie du projet était consacrée à la
modélisation de la CRI. Une méthode a été développée pour cartographier, avec un intervalle
de confiance donné, la probabilité de dépassement de la valeur de référence de 300 Bq/m3 [3].
La figure 21 montre un scénario possible pour la
publication de ces résultats. L’utilisateur peut
introduire les caractéristiques et les coordonnées de sa maison et obtenir ainsi la probabilité
de se situer au-dessus d’une certaine concentration de radon.
[1] Kropat G. & al., Major influencing factors of indoor radon
concentrations in Switzerland, Journal of Environmental
Radioactivity, Vol. 129, 2014, pages 7–22
[2] Kropat G. & al., Improved predictive mapping of indoor
radon concentrations using ensemble regression trees
based on automatic clustering of geological units. Journal of
Environmental Radioactivity. Vol. 147, 2015, pages 51–62
[3] Kropat G. & al., Predictive analysis and mapping of indoor
radon concentrations in a complex environment using kernel
estimation: An application to Switzerland, The Science of the
Total Environment, Vol. 505, 2015, pages 137–148
71
Protection sanitaire contre le rayonnement
non ionisant et le son
Les pointeurs laser, les lasers cosmétiques et les solariums sont des sources de rayonnement non ionisant (RNI). Ces appareils peuvent mettre la
santé en danger s'ils ne sont pas utilisés correctement. Les attaques au
pointeur laser aveuglant constituent un grand risque pour de nombreux
groupes professionnels. Des mesures effectuées dans des cockpits
d’hélicoptère ont montré que même le rayonnement de pointeurs peu puissants conduisait à des expositions pouvant, au vu des connaissances actuelles, entraîner des aveuglements. En Suisse, l’utilisation de tels appareils
n’était jusqu’à présent pas réglementée ; la nouvelle loi fédérale doit remédier à cette situation.
Nouvelle loi fédérale sur la protection contre
les dangers liés au rayonnement non ionisant
et au son (LRNIS)
En Suisse, la protection de la santé contre le
rayonnement non ionisant (RNI) n’est pas réglementée de manière globale, contrairement à
l’utilisation du rayonnement ionisant, régie par la
législation suisse sur la radioprotection. Le rayonnement non ionisant et le son sont réglementés dans un grand nombre de dispositions fédérales. Celles-ci concernent principalement la
sécurité des produits, l’environnement et la
sécurité au travail. Au cours des dernières années, il est apparu que des réglementations
complémentaires aux lois existantes étaient
nécessaires si l’on voulait minimiser les risques
sanitaires liés à l’utilisation des produits RNI.
Une nouvelle loi sur la protection contre les
risques liés au rayonnement non ionisant et au
son (LRNIS) doit donc compléter les règlementations en vigueur. Elle n’affecte ni les lois existantes ni la mise en circulation de produits, dont
les réglementations actuelles, adaptées à l’UE,
doivent rester inchangées. La nouvelle loi prévoit une intervention impérative uniquement
dans des cas d’exception pour des produits
présentant un risque sanitaire important. En
outre, elle doit constituer les bases pour
l’observation des technologies futures et, le cas
échéant, la prise de mesures nécessaires.
72
La LRNIS prévoit les mesures suivantes :
• Respect des directives sur la sécurité et des
instructions du fabricant : dans le cas des applications cosmétiques potentiellement dangereuses ou des solariums, des contrôles par
échantillonnage doivent être possibles
• Qualifications techniques : le Conseil fédéral
peut exiger un certificat de compétences pour
l'utilisation à des fins professionnelles ou commerciales d’un produit potentiellement dangereux
• Interdictions : si aucune autre mesure ne permet de protéger suffisamment la santé humaine, le Conseil fédéral peut interdire l’importation, le transit, la remise et la détention de
produits potentiellement très dangereux. Pour
l’heure, seuls les pointeurs laser de forte puissance sont concernés par une éventuelle interdiction
• Mesures en cas d’exposition à risque : dans
les situations d’expositions présentant un
risque pour la santé (par exemple lors de manifestations utilisant des lasers ou des sources
sonores élevées), le Conseil fédéral peut définir des mesures limitant les valeurs d’exposition ou protégeant la santé humaine d’une
autre manière
• Information : dans le cadre du champ d’application de la nouvelle loi, la Confédération peut
informer de manière adéquate et ciblée sur le
RNI et collecter les données scientifiques
nécessaires à cet effet.
Pilotes d’hélicoptère aveuglés par un pointeur laser
Les attaques au pointeur laser aveuglant constituent un grand risque pour de nombreux groupes professionnels. Les équipages d’hélicoptère devant opérer dans des cockpits en verre
sont fortement concernés. La nouvelle LRNIS
devra donc permettre d’empêcher de tels éblouissements. A cet effet, l’OFSP a mandaté
l’Institut fédéral de métrologie (METAS) pour
mesurer l’intensité de l’irradiation dans le cockpit d’un Eurocopter EC 635 de l’armée suisse.
Ce dernier a été irradié avec des pointeurs laser
de diverses couleurs et à différentes distances
proches de la pratique. Cette expérience avait
pour but de coupler les intensités d’irradiation
appliquées avec les données d’études américaines existantes, visant à examiner le niveau
d’éblouissement de personnes par des rayons
laser en fonction de l’intensité d’irradiation.
Les mesures ont montré que le rayonnement
des pointeurs laser de la classe 3R, aujourd’hui
autorisés en Suisse, provoque des expositions
pouvant entraîner des troubles significatifs de la
vue à des distances inférieures à 100 mètres et
induire des éblouissements significatifs à des
distances inférieures à 500 mètres. La figure 22
indique que la diffraction du rayon laser sur la
vitre du cockpit exerce une grande influence sur
la diffusion des rayons dans le cockpit et sur l’intensité de l’irradiation dans les yeux des pilotes.
Nouvelles informations concernant les
lampes et autres dispositifs d’éclairage à LED
Les lampes et autres dispositifs d’éclairage à
LED sont particulièrement économiques. Ils
constituent ainsi une alternative intéressante
aux lampes à économie d’énergie et aux lampes
halogènes pour l’éclairage intérieur comme
extérieur.
Fig. 22 : Expositions au laser vert dans le cockpit d'un hélicoptère
Les LED font appel à une technologie qui ne
permet pas de produire directement de la lumière blanche : pour que l’œil interprète leur lumière comme telle, les lampes à LED émettent
simultanément des composantes lumineuses
jaunes et bleues. Or, la lumière bleue peut endommager la rétine en cas d’exposition trop
longue ou d’intensité trop élevée. Il importe
donc que ces lampes n’induisent pas de dépassement de la valeur limite d’exposition à la lumière bleue, valeur qui sera atteinte plus ou moins
rapidement selon l’intensité du rayonnement
bleu émis. La luminance énergétique autorisée
est de 100 watt par mètre carré par stéradian (W
m-2 sr-1) pour des durées d’exposition supérieures à 10’000 secondes.
En condition d’utilisation normale, les lampes à
LED destinées au grand public ne présentent
pas de risque pour la santé, y compris pour les
populations sensibles, telles que les enfants
ainsi que les personnes au cristallin très clair,
sans cristallin ou pourvues d’un cristallin artificiel.
L’OFSP a publié une nouvelle fiche d’information
pouvant aider la population à utiliser correctement les lampes à LED.
73
Exposition de la population aux rayonnements ionisants en 2015
La plus grande partie de l’exposition de la population aux rayonnements est due au radon dans les habitations et sur les lieux de travail,
ainsi qu’aux examens médicaux. L’exposition à ces sources varie
largement d’un individu à l’autre. Durant l’année 2015, aucun dépassement de limites de dose n'a été observé chez les personnes exposées aux rayonnements dans l’exercice de leur profession.
Doses de rayonnement reçues par la population
L’exposition de la population provient principalement du radon dans les locaux intérieurs, du
diagnostic médical et de la radioactivité naturelle
(figure 23). La valeur limite de dose due à des
expositions artificielles (applications médicales
exceptées) est fixée à 1 milliSievert (mSv) par an
pour la population. L’exposition aux rayonnements dans le cadre professionnel est réglementée par des dispositions spécifiques, en
particulier pour les jeunes et les femmes enceintes.
Doses de rayonnement dues au radon
Le radon-222 et ses descendants radioactifs,
présents dans les locaux d’habitation et de travail, constituent la majeure partie de la dose de
rayonnement reçue par la population. Ces radionucléides pénètrent dans le corps par l’air respiré. La Commission internationale de protection
radiologique (CIPR) estime que le risque de
cancer du poumon dû au radon est environ deux
fois plus élevé que lors de son évaluation précédente (CIPR 115, 2010). En conséquence, la
dose moyenne de radon à laquelle la population
suisse est exposée doit être corrigée vers le
haut. Elle s’élève maintenant à 3,2 au lieu de 1,6
mSv par an, valeur qui avait été calculée sur la
base des anciens facteurs de dose figurant dans
la publication 65 de la CIPR. A noter toutefois
mSv / année
3,5
3
2,5
ICRP 115
2
1
0,5
ICRP 65
1,5
c
2008
2013
i
t
0
radon
diagnostic médical
la radioactivité naturelle
autres
Fig. 23 : Doses moyennes de rayonnement reçues par la population suisse [en mSv/an/ personne]. La dose
inhérente au radon est, selon la nouvelle évaluation de la CIPR (115, 2010), sensiblement revue à la hausse par
rapport à l’estimation de la CIPR 65. La dose induite par le radiodiagnostic médical se base sur l’enquête de 2008
et sur l’enquête intermédiaire de 2013. La dose provenant de la radioactivité naturelle résulte du rayonnement
terrestre (t), de l’incorporation (i) et du rayonnement cosmique (c). La rubrique « autres » englobe les centrales
nucléaires, les instituts de recherche ainsi que les radio-isotopes artificiels présents dans l’environnement
74
que la dose de rayonnement due au radon n’est
pas la même partout. La valeur moyenne est
calculée à partir de la concentration moyenne de
radon, à savoir 75 becquerels par mètre cube
(Bq/m3).
1986. Les mesures au corps entier régulièrement réalisées sur des collégiens ont montré
que les doses occasionnées par l’incorporation
de césium-137 étaient inférieures à un millième
de mSv par an.
Doses de rayonnement dues au diagnostic
médical
La dose moyenne reçue par la population par le
biais d’applications médicales (diagnostic radiologique) est de 1,2 mSv par an et par personne
selon l’évaluation de l'enquête de 2008 et de
1,4 mSv par an et par personne selon l’évaluation de l'enquête intermédiaire de 2013. Plus
des deux tiers de la dose collective annuelle en
radiodiagnostic sont dus aux examens de tomodensitométrie. Comme dans le cas du radon,
l’exposition par le diagnostic médical est très
inégalement répartie entre les personnes. Environ deux tiers de la population ne reçoit pratiquement aucune dose associée au radiodiagnostic, alors que la dose excède 10 mSv pour un
faible pourcentage de la population.
Autres sources de rayonnement (artificielles)
Aux doses de rayonnement mentionnées précédemment vient s’ajouter une faible contribution,
inférieure ou égale à 0,1 mSv par an, qui comprend l’irradiation due aux centrales nucléaires,
aux industries, à la recherche et à la médecine,
aux biens de consommation et aux objets usuels ainsi qu’aux radioisotopes artificiels présents
dans l’environnement. Notons que les doses
occasionnées par les retombées de l’accident
de Tchernobyl et par les essais nucléaires atmosphériques des années 1960, ne représentent plus aujourd’hui que quelques centièmes
de mSv par an. La dose associée à la dispersion
de substances radioactives après l’accident de
Fukushima est négligeable en Suisse.
Rayonnement terrestre et cosmique
Le rayonnement terrestre, c’est-à-dire le rayonnement provenant du sol et des roches, induit
une dose moyenne de 0,35 mSv par an et dépend de la composition du sol. La dose associée
au rayonnement cosmique s’élève en moyenne
à 0,4 mSv par an. Ce rayonnement augmente
avec l’altitude, car la couche d’air qui l’atténue
diminue. Il est environ 100 fois plus élevé à
10’000 mètres d’altitude qu’à 500 mètres. Ainsi,
un vol transatlantique (aller-retour) représente
une dose d’environ 0,06 mSv. Pour le personnel
navigant, la dose peut atteindre quelques mSv
par an.
Radionucléides dans les aliments
Des radionucléides naturels sont également
assimilés dans le corps humain par l’intermédiaire de l’alimentation et occasionnent une
dose moyenne d’environ 0,35 mSv par an, la
contribution la plus importante provenant du
potassium-40 fixé dans les tissus musculaires
(environ 0,2 mSv par an). En plus du potassium-40, les aliments contiennent des radionucléides issus des séries naturelles de désintégration de l’uranium et du thorium. On y trouve aussi
des radionucléides artificiels, principalement du
césium-137 et du strontium-90 provenant des
retombées des essais nucléaires atmosphériques effectués dans les années 1960 ainsi que
de l’accident de Tchernobyl, survenu en avril
Les doses reçues par les personnes habitant à
proximité immédiate des centrales nucléaires
suisses, du PSI ou du CERN ainsi que des hôpitaux, et qui sont attribuables aux substances
radioactives émises par ces installations dans
l’air et dans les eaux usées, atteignent au maximum un centième de mSv par an.
Exposition aux rayonnements dans le cadre
professionnel
En Suisse, environ 94’000 personnes ont été
exposées aux rayonnements dans l’exercice de
leur profession durant l’année sous revue. Le
nombre de personnes professionnellement
exposées au rayonnement ionisant est donc en
constante augmentation (+30% depuis 2004) ;
environ 75% de ces personnes travaillent dans
le domaine médical. Dans les secteurs de la
médecine et de la recherche, l’OFSP effectue
une analyse en cas de dépassement de 2 mSv
pour la dose mensuelle au corps entier, ou de
10 mSv pour la dose mensuelle aux extrémités.
C’est dans les domaines de la médecine nucléaire ainsi qu’en radiologie et en cardiologie
interventionnelles que les doses élevées ont
été les plus nombreuses.
Une statistique détaillée figure dans le rapport
annuel « Dosimétrie des personnes exposées
aux radiations dans l’exercice de leur profession
en Suisse », qui sera publié sur le site internet
de l’OFSP en été 2016.
75
Collaboration
internationale
La radioprotection en Suisse doit correspondre
aux standards internationaux. Une collaboration
étroite avec les organismes internationaux est
donc extrêmement importante. Nos principaux
partenaires et affiliations sont les suivants :
La Division radioprotection en tant que
« Collaboration center » de l’Organisation
mondiale de la santé (OMS)
L'OMS a confirmé en 2014 la désignation de la
Division radioprotection comme centre collaborateur pour la protection contre les rayonnements et pour la santé publique. Les termes de
référence du mandat 2014-2017 sont les suivants :
• préparation et gestion sanitaire en cas de situation d'exposition d'urgence
• développement de stratégies visant à renforcer le plan d'action radon
• évaluation du risque et mesures de protection
associées aux rayonnements non ionisants
• engagement en matière de radioprotection
dans le domaine médical.
Tous ces travaux visent également à renforcer
l’action de l’OFSP dans le cadre du règlement
sanitaire international signé par la Suisse en
2005.
L’OFSP représente la Suisse depuis de nombreuses années dans les projets suivants de
l’OMS :
WHO-Globale Initiative :
amélioration de la radioprotection en médecine.
www.who.int/ionizing_radiation/about/med_exposure/en/index1.html
WHO-Radon-Project :
réduction du cancer du poumon lié au radon.
www.who.int/ionizing_radiation/env/radon/en
WHO-Intersun :
réduction des effets nocifs des rayons UV.
www.who.int/peh-uv
WHO-EMF-Project :
évaluation des risques sanitaires liés aux champs
électromagnétiques. www.who.int/peh-emf/fr
76
Groupe d’experts de « l’article 31 du traité
Euratom »
Depuis novembre 2014, l’OFSP participe en qualité d’observateur aux réunions et aux discussions du groupe d’experts de « l’article 31 du
traité Euratom ». Ce groupe est chargé
d’examiner les normes de base relatives à la
protection sanitaire contre les dangers des radiations ionisantes élaborées par la Commission
Européenne.
Commission internationale de protection
radiologique (CIPR)
Ses recommandations sont reprises dans le
droit national de la plupart des états, notamment en Suisse. Le professeur François Bochud,
président de la Commission fédérale de radioprotection (CPR), représente la Suisse dans le
comité 4 qui exerce une fonction consultative
sur l’application des recommandations de la
CIPR.
Association des autorités européennes de
radioprotection (HERCA)
Les états européens sont pratiquement tous
représentés dans HERCA, avec comme objectif
d’harmoniser la radioprotection en Europe, par
exemple, par des prises de position communes
sur des thèmes de radioprotection. HERCA est,
pour les autorités de radioprotection européennes, la plate-forme la plus importante pour
échanger des expériences et pour améliorer la
pratique en matière de radioprotection dans les
pays membres. L’OFSP a en outre participé au
groupe de travail HERCA sur le radon, dont le
premier workshop a eu lieu en 2014 à Paris. Il a
organisé le deuxième workshop qui s’est tenu à
Genève à l’automne 2015 en coopération avec
l’ASN (France) et le NRPA (Norvège). En septembre 2016, l’OFSP organisera un workshop pour
le groupe de travail Medical and Veterinary Applications.
Réseau européen ALARA
L’objectif de ce réseau est de maintenir les doses reçues par la population à un niveau aussi
faible que raisonnablement possible (« As Low
As Reasonably Achievable ») par des stratégies
d’optimisation (www.eu-alara.net). Durant
l’année sous revue, la division Radioprotection a
préparé la 16ème manifestation « European
ALARA Network Workshop », portant sur le
thème « ALARA in industrial radiography - How
can it be improved », qui se tiendra à Berne du
14 au 16 mars 2016.
Collaboration bilatérale avec l’Allemagne et la France
L’OFSP est représenté dans la « Deutsch-Schweizerischen
Kommission für die Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen » et dans la Commission mixte franco-suisse de sûreté
nucléaire et de radioprotection afin de garantir un échange
d’expérience régulier portant sur l’exploitation, la sécurité,
la surveillance et les effets environnementaux des centrales nucléaires ainsi que sur d’autres aspects de la radioprotection. L’OFSP et l'Autorité de sûreté nucléaire (ASN) se
rencontrent régulièrement afin de coordonner la surveillance de la radioactivité aux alentours du CERN. L'OFSP
participe également au comité de suivi des leucémies,
piloté par l’ASN.
Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA)
En 2015, l’OFSP et le laboratoire de Spiez ont co-organisé
un atelier en spectrométrie gamma in situ sous l’égide de
l’AIEA en tant que membre du réseau ALMERA (Analytical
Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity).
Par ailleurs, l'OFSP a participé, en soutien à l’Inspection
fédérale de la sécurité nucléaire (IFSN), à la 5ème réunion
de revue de l'AIEA concernant l'implémentation de la Convention commune sur la sûreté de la gestion du combustible usé et des déchets radioactifs.
L'OFSP a également contribué, sous l’égide de l'AIEA, à
l'élaboration d'un guide concernant la gestion des sources
radioactives retirées du service, afin de préciser les exigences du Code de conduite sur la sûreté et la sécurité
des sources radioactives. Ce Code de conduite est un
guide international, reconnu et encouragé par de nombreux pays, visant à promouvoir la sûreté et la sécurité de
l'utilisation de sources radioactives.
L’OFSP a en outre participé à l’élaboration de la publication
de l’AIEA « Protection of the Public against Exposure Indoors due to Radon and other Natural Sources of Radiation »
parue en 2015. Il a également fait partie d’une équipe
d’experts mandatés par l’AIEA pour conduire une mission
IRRS (Integrated regulatory review service IRRS mission).
NERIS: The European Platform on Preparedness for
Nuclear and Radiological Emergency Response and
Recovery
L’OFSP s’est fortement impliqué dans les travaux de la
plateforme NERIS (www.eu-neris.net) notamment dans le
cadre du projet PREPARE. Cette implication s’est concrétisée par la réalisation d’un panel franco-suisse sur la problématique de la gestion à long terme de denrées alimentaires contaminées suite à un accident nucléaire.
Agence pour l’énergie nucléaire (AEN) de l’Organisation de coopération et de développement économiques (OCDE)
Elle soutient les états membres pour les questions techniques et juridiques en rapport avec le développement et
l’utilisation pacifique de l’énergie nucléaire. L’OFSP participe aux travaux du comité s’occupant des questions de
radioprotection et de santé publique.
Publications,
informations
complémentaires
Bases légales
En Suisse, la législation sur la radioprotection vise à protéger l’être humain et l’environnement contre les rayonnements ionisants. Elle s’applique à toute activité ou installation ainsi que tout événement ou situation pouvant
présenter un danger lié à des rayonnements ionisants.
Elle règle la manipulation de substances radioactives ainsi
que d’appareils, d’installations et d’objets contenant des
substances radioactives ou pouvant émettre des rayonnements ionisants. Elle concerne en outre les événements
susceptibles de provoquer une augmentation de la radioactivité dans l’environnement. Le présent rapport annuel
répond à l’obligation d’informer exigée par la législation
suisse sur la radioprotection en matière de dosimétrie
individuelle selon l’article 55 de l’ordonnance sur la radioprotection (ORaP), de radioactivité de l’environnement
selon l’article 106 de l’ORaP et de problématique du radon
selon l’article 118 de l’ORaP.
Documents d’information
Pour de plus amples informations sur la division Radioprotection, il est possible de consulter son site internet à
l’adresse : www.ofsp.admin.ch, thème : rayonnement,
radioprotection et son.
Rayonnement ionisant : Directives et notices de l’OFSP, ainsi
que formulaires et brochures sur les installations radiologiques,
les substances radioactives, les déchets radioactifs, les personnes exposées au rayonnement dans le cadre professionnel
et le radon.
Rayonnement non ionisant et son : Brochures et fiches
d’informations sur la protection solaire, les solariums, le laser,
les champs électromagnétiques et le son dans le domaine des
loisirs.
Perfectionnement et enseignement
• DVD sur la radioprotection en médecine nucléaire, dans les cabinets dentaires, lors des examens radiologiques interventionnels
et lors de l’utilisation d’installations à rayons X en salle d’opération.
• Matériel didactique sur la protection solaire et la protection de
l’ouïe contre les niveaux sonores trop élevés.
Newsletter Protection des consommateurs
Recevez gratuitement notre newsletter « Protection des
consommateurs » contenant les informations les plus récentes
issues des divisions Produits chimiques et Radioprotection :
www.ofsp.admin.ch, thème : rayonnement, radioprotection et
son (inscription dans le menu de droite).
77
Radioprotection: tâches et organisation
Les rayonnements sont omniprésents. Utiles en médecine, dans
l’industrie et la recherche, ils présentent aussi certains risques pour
l’être humain et l’environnement. Que ce soit dans le monde du
travail, dans la nature ou dans la vie privée, une forte exposition à des
radiations, à des déchets radioactifs ou au radon n'est pas sans danger. La division Radioprotection s’emploie donc à protéger la population des effets nocifs des rayonnements.
Plus de 40 collaborateurs, issus de nombreux domaines
professionnels, tels que la physique, la géologie et
l’ingénierie, s’engagent pour que les doses de rayonnements auxquelles est exposée la population suisse soient
justifiées et maintenues à un niveau aussi bas que possible. La première priorité est donnée aux mesures visant à
empêcher les accidents et à réduire les doses élevées
subies par la population, les patients ainsi que les personnes exposées aux rayonnements dans l’exercice de leur
profession.
En vue d’atteindre ces objectifs de façon complète et durable, nous disposons de moyens diversifiés. En ce qui
concerne les rayonnements ionisants, la loi sur la radioprotection et ses diverses ordonnances d’application sont
primordiales. Les dispositions légales visent à protéger
l’être humain et l’environnement dans toutes les situations dans lesquelles des rayonnements ionisants ou une
augmentation de la radioactivité présenteraient un danger.
Notre division s’emploie à surveiller les quelques 22’000
autorisations d’utiliser les rayonnements ionisants en
médecine, dans l’industrie et dans la recherche. Pour ce
qui est des rayonnements non ionisants (RNI) et du son,
nous mettons l’accent sur l’information de la population
par notre site internet et par le conseil direct. Une base
légale est en préparation dans ce domaine.
La radioprotection ne fonctionne pas sans appui externe.
Ainsi, nous mettons en application la législation en radioprotection en collaboration avec différents partenaires en
Suisse et à l’étranger. Dans le domaine des RNI, nous
participons à des programmes nationaux et internationaux
de recherche et de prévention. Toutes ces collaborations
nous permettent de réévaluer en continu les risques induits par les rayonnements sur la santé.
78
Notre catalogue comprend les tâches suivantes :
• Octroi d’autorisations et surveillance en radiothérapie,
en médecine nucléaire et en radiodiagnostic médical ; la
protection des patients ainsi que celle du personnel médical est au cœur de notre action
• Octroi d’autorisations et surveillance des installations
complexes de recherche telles que le CERN et le PSI
• Elaboration et adaptation des bases légales en fonction
des avancées de la science et de la technique, notamment à ce jour en vue de la révision de l’ordonnance sur
la radioprotection et de l’établissement de la législation
dans le domaine du RNI et du son
• Surveillance du personnel professionnellement exposé
aux radiations ionisantes (environ 94’000 personnes)
• Octroi d’autorisations pour des études cliniques utilisant
des produits radiopharmaceutiques
• Homologation et expertise de sources radioactives
• Surveillance de la radioactivité dans l’environnement
• Exploitation d’un laboratoire accrédité de mesure de la
radioactivité et gestion de réseaux de mesure
• Evaluation des doses de rayonnements ionisants reçues
par la population suisse
• Mise en œuvre des plans d’action pour le radon et le
radium
• Reconnaissance des formations en radioprotection, des
services de dosimétrie et des services de mesure du
radon
• Information, ainsi que recommandations de prévention
et de précaution, concernant le RNI pour éviter les expositions optiques, électromagnétiques ou acoustiques
potentiellement dangereuses pour la santé humaine
• Entretien d’un dispositif de gestion de crise pour pouvoir
intervenir sans retard en cas d’incidents radiologiques et
de catastrophes
• Assistance des entreprises et des personnes concernées lors d’une défaillance ou d’un accident
• Elimination des déchets radioactifs provenant de la médecine, de l’industrie et de la recherche
• Communication et information via internet, les médias,
les rapports et les brochures.
Assurance
maladie et
accidents
Politique
de la santé
Santé
publique
Protection
des consommateurs
Produits
chimiques
Radioprotection
– Urgence / Gestion
de crise
– Affaires politiques
– Médias / Relations
publiques
Sébastien Baechler
Sybille Estier (suppl.)
Service de coordination des autorisations
– Traitement des demandes
et des autorisations
– Plaque tournante de
l’ensemble de la division
Patricia Grimm
Maja Andjelkovic (suppl.)
Marianne Grossenbacher
Agnes Oberli (externe)
Shannen Simmler
Samuel von Gunten (externe)
Radiothérapie
et diagnostic
médical
Installations
de recherche
et médecine
nucléaire
Autorisations / Surveillance :
– Réalisation d'audits et d’inspections
– Optimisation de l’exposition des patients et
des professionnels
– Évaluation de l’exposition médicale reçue par
la population
– Détermination de niveaux de référence
diagnostiques (NRD) pour la Suisse
– Surveillance des
applications
radiologiques dans la
radiothérapie et le
diagnostic médical
– Surveillance des
entreprises installatrices d’appareils
radiologiques
– Conseil pour les
questions liées à la
radioprotection
– Surveillance du
rayonnement ionisant
en médecine
nucléaire et dans les
installations de
recherche
– Formation en
radioprotection
– Déchets radioactifs
– Produits radiopharmaceutiques / études
cliniques
Philipp Trueb
Reto Treier (suppl.)
Jeanne Berg
Michael Gasser
(externe)
Heinz Jung (externe)
Marc Marconato
Barbara Ott
Thomas Theiler
David Wittwer
Nicolas Stritt
Reto Linder (suppl.)
Fabien Devynck
Thomas Flury
Rolf Hesselmann
Lorenzo Mercolli
Gloria Perewusnyk
Raphaël Stroude
Christina Urscheler
Rayonnement
non ionisant
et dosimétrie
Radioactivité
de l’environnement
Risques radiologiques
RNI :
– Information, recherche
et évaluation sur le
rayonnement non
ionisant et le son
– Protection du public
contre les rayons laser
et des nuisances
sonores lors de
manifestations
DOS:
– Surveillance
dosimétrique des
personnes exposées
au rayonnement dans
l'exercice de leur
profession
– Gestion du registre
dosimétrique central
– Surveillance des
services de dosimétrie individuelle
– Elaboration de bases
concernant la
dosimétrie
– Surveillance de la
radioactivité dans
l’environnement
(coordination du
programme national
de surveillance,
exploitation du
laboratoire accrédité
d'analyse de la
radioactivité et des
réseaux de mesures)
– Evaluation des doses
de rayonnement
reçues par la
population suisse
– Mise en oeuvre
du programme
national radon et
du plan d’action
radium
– Préparation aux
événements
radiologiques
– Evaluation de
l’évolution au
niveau international en matière de
radioprotection
– Droit pénal
administratif
Sybille Estier
Philipp Steinmann
(suppl.)
Pierre Beuret
Giovanni Ferreri
André Gurtner
Thomas Marti
Matthias Müller
Christophe Murith
Emanuel Christen
(suppl.)
Fabio Barazza
Walther Gfeller
Martha Palacios
Daniel Storch
Beat Gerber (suppl.)
Raphael Elmiger
Daniel Frei
Martin Meier
Salome Ryf
Evelyn Stempfel
Les collaborateurs marqués
en gris ont quitté l'office en
cours d'année
79
Impressum
Konzeption, Redaktion und alle nicht
gezeichneten Texte: BAG
Alle nicht gezeichneten Fotos: BAG
Grafiken & Layout:
Christoph Grimm, Bern / Bruno Margreth, Zürich
Copyright: BAG, Mai 2015
Abdruck mit Quellenangabe erwünscht:
«Strahlenschutz BAG; Jahresbericht 2015«
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Direktionsbereich Verbraucherschutz
Abteilung Strahlenschutz
CH-3003 Bern
Tel. +41 (0)58 462 96 14
[email protected]
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www.bundespublikationen.admin.ch
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Photos sans légende / Photos
non signées : OFSP
Graphiques et mise en page :
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Copyright : OFSP, mai 2015
Indication de la source en cas de reproduction :
« Radioprotection OFSP ; rapport annuel 2015 «
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80
2016-VS-03