Der Nauener 02

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Der Nauener 02
Der Nauener
Kiezblatt rund um den Nauener Platz – Initiative Nauener N e u !
-Ausgabe 02/07
ExWoSt – Wer, wie, was, wann?
Workshop im Haus der Jugend
Schon wieder hat jemand „Ex-Wurst“ gesagt. Die
Abkürzung für das Bundesprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, „ExWoSt“,
bleibt sperrig.
Dass dieses Programm dem Nauener Platz in den
nächsten zwei Jahren ein neues Gesicht bescheren
wird, hat sich in den Köpfen der Bürger, die an den
verschiedenen Beteiligungsrunden teilgenommen
haben oder zu den Nauener Neu-Sitzungen kommen, bereits verankert. Aber wie genau verläuft
der Weg von einem abstrakten Begriff zu einem
neugestal-teten Platz im Kiez? Passiert da überhaupt etwas? Sehen kann man jedenfalls noch
nichts.
So könnte es aussehnn: Fotomontage mit Sitzskulpturen
Das Problem ist: wenn man das Endergebnis sehen kann, ist das Projekt bereits gelaufen. Die
spannende Phase ist jetzt, wo die Weichen für die
Zukunft gestellt werden und eine Beteiligung noch
möglich ist. Es passiert eine ganze Menge und verschiedenste Akteure sind beteiligt. Aber wie funktioniert das alles und wo findet eine Anwohnerinitiative dabei ihren Platz? Um solche Fragen zu
klären, fand am 20. Februar im Haus der Jugend
ein Workshop zum Thema statt.
Moderator Holger Scheibig rekapitulierte noch einmal die Zielsetzungen von ExWoSt: Vernetzung von
Städtebau und Planung im sozialen Bereich, kinderfamilien- und seniorenfreundliche Gestaltung des
Quartiers, Stabilisierung des Wohnquartiers durch
Beteiligung von Anwohnern aller Altersgruppen,
dadurch Schaffung eines „Identitätsorts“.
Deshalb ist die Planung des Platzes nicht nur Aufgabe der Landschaftsplanerin und des Lichtplaners
– mit am Tisch sitzen auch Vertreter der Bezirksämter Jugend, Umwelt +Natur und des Straßenund Grünflächenamts. Und Menschen, die sich gezielt um eine Beteiligung der Bürger kümmern sollen. Und schließlich die Bürger selber, in Form der
Initiative Nauener Neu.
Aber wie genau können Bürger denn nun mitmischen? Wie kann man bei den Anwohnern ein Interesse fürden Prozess wecken? Ein Blick auf ähnliche
Projekte in anderen Städten bietet eine Fülle von
Möglichkeiten. Da wurden Internetseiten über das
Quartier erstellt, die ansässigen Unternehmer zu
Stammtischen eingeladen, oder einfach der öffentliche Raum mit knallbunten Sitzskulpturen wohnlicher gestaltet.
Anderswo gibt es sie schon: die mobile Cafébar
Was könnte zu unserem Kiez passen? Wie wäre es
mit einem Grillparty? Sogar mit einem ganzen
Hammel aus dem Erdlochgrill? Oder ein mobiles
Wohnzimmer? Wohlmöglich mit einem mobilen
Kaffee-Ausschank? Ein Boule-Turnier? Eine Infowand? Ein Hundeschlittenrennen? Kinder auf Bauzäune oder aufs Straßenpflaster malen zu lassen,
ist ein Klassiker. Ein klassisches Konzert im Sandkasten hingegen bekommt man nicht alle Tage zu
hören.
Der Prozess lebt von den Menschen, die mittun.
Ideen und Engagement sind jederzeit willkommen.
Stella Huwendiek
Der Nauener - Ausgabe 02/07
Startschuss für Weddinger
Marathon-Team
Kreativ im Kiez:
Atelier Jokar, Turiner Straße 7
22. Januar 2007, 9:00 Uhr S.O.S.-Berufsausbildungs-zentrum, Berlin, Edison Höfe: Ein Spaziergang im Schiller-Park. Mehr nicht. Es ist in Berlin 4° plus Grad kalt. Windstärke 4 oder 5 und Nieselregen. Aber es regnet nicht richtig. Es liegt kein
Schnee. Der ideale Montagmorgen, ein MarathonProjekt zu beginnen. Von heute bis Sonntag, den
30. September 2007, 9:00 Uhr sind es noch gut 8
Monate. Dann fällt der Startschuss zum Berlin Marathon. Zeit genug.
Der Wedding hat nicht gerade den Ruf, ein InBezirk für Kunst und Kultur zu sein. WeddingKultur, das sind Eckkneipen, Wulle und Satellitenfernsehen? Irrtum. Es regt sich etwas, an den erstaunlichsten Ecken. Darum wird es hier in loser
Folge Berichte über kreative Köpfe im Kiez geben.
Doch es bleibt genug zu tun. Bis zu 10 junge Frauen und Männer ab 16 Jahren aus dem Weddinger
Reinickendorfer/Pankstraßen-Kiez werden den Berlin Marathon laufen. Nur -, sie wissen es noch
nicht. Heute ist der Startschuss für Sportmuffel und
Ziellose gefallen.
„Marathon laufen?
42,195
km?
Unmöglich.
Ich
doch nicht“, sagt
M.,
einer
der
jungen
Männer,
während ich mit
ihm an einem der
folgenden
Laufmorgen im Schillerpark schon den Anderen vorauslaufe. M. läuft schneller als die Anderen. Er merkt
es gar. Er strengt sich überhaupt nicht an und
denkt nicht ans Laufen, aber er läuft. Genau das
will ich. So definiere ich meine Aufgabe als Coach.
Ich bin kein Sportlehrer, der Zensuren verteilt,
sondern ein Coach, der das Unvorstellbare möglich
machen will. Grundsätzlich weiss ich aus eigener
Erfahrung, dass man es als Sportmuffel schaffen
kann, innerhalb von knapp 6 Monaten durch kontinuierliches Lauftraining 2 bis 3 mal die Woche, den
Marathon locker und erfolgreich zu laufen. – Beim
ersten Mal ist Bestzeit garantiert – die persönliche.
Damit das Projekt seine Eigendynamik entwickeln
kann, ist es zunächst an das S.O.S.Berufsausbildungszentrum in den Edison Höfen
angedockt. Weitere Jugendliche dürfen sich melden
bei der Initiative Nauener Neu, am besten per email unter: [email protected]
Steve Wendt zum Beispiel. In der Turiner Straße 7,
zwischen Urnenfriedhof und Gartenzweridyll im
Hinterhof schweißt der 28jährige seine Stahlskulpturen. Er baut auch Animationsfiguren, Tiere und
Phantasiewesen, so pelzig-niedlich und gleichtzeitig
bedrohlich, dass sie besonders für Kinder unwiderstehlich sind. Kein Wunder, er hat jahrelang Erfahrung in Kunstprojekten mit Kindern und Jugendlichen gesammelt.
Gruselig: Stahlskulptur von Steve Wendt
Der Künstler hat viel vor: ab 2007 soll es in seinem
Atelier Lesungen und Puppentheater geben. Und
er hat einen Traum: eine Kinder-Kiez-Werkstatt, wo
Kinder und Jugendliche ihrer Kreativität freien Lauf
lassen können – ob beim Malen, Gestalten, Nähen
oder kreativem Schreiben. Dafür sucht er noch Unterstützung, Wir drücken ihm die Daumen.
Stella Huwendiek
Torsten Flüh
Der Nauener – Ausgabe 02/07
Wer mischt da mit?
Die Vorstellungsrunde Å
Diesmal stellen wir vor:
Ute Riedel
Ute gehört praktisch zum lebenden Inventar des
Kinder- und Jugendbüros Berlin Mitte, auch wenn
sie ohne Inventarisierungsnummer ihren Dienst
versieht. Zu ihren Spezialgebieten gehören unter
anderem die Gestaltung von Kinderspielplätzen in
der Spielplatzkommission. In Zeiten knapper Finanzen kämpft sie unermüdlich wie jung Siegfried aus
Xanten gegen den Drachen, um die schmalen Ressourcen in den schmachtenden Kassen des Gemeinwesens.
scheinungsbild nicht mehr die gleiche Schnittmenge
erreicht.
Witwe Kriemhild rächt auf eindrucksvolle Art den
meuchlings hingestreckten Exehemann an König
Etzels Hunnenherberge. Die beachtliche Verlustquote würde nicht Utes charakterlicher Ausprägung
entsprechen, die das Kunstwerk fertig bringt eine
Aura der verbindlichen Mürrenhaftigkeit zu unterstützen.
Ihre Urlaube soll sie bevorzugt in Bingen am Rhein
verbringen, doch selbst soll der einäugige Hagen
von Tronje den Nibelungenschatz versenkt haben
von dem sie verbindlich glaubt, dass sie davon über
hundert Spielplätze bauen könnte und so sitzt sie in
ihrem Büro unverkennbar im Gesicht gezeichnet
durch die Abdrücke der Taucherbrille und plant
neue Plätze für unsere Kinder.
Tom Wibel, Koordinationsteam Nauener Neu!
Æ Angebote und Termine
bei Nauener Neu Å
Æ Dienstag, 13., 20 und 27. März, jeweils
von 14 bis 15 Uhr:
Offenes Treffen der Initiative Nauener Neu!
Jeder ist willkommen, Sie können immer dazu stoßen.
Wir sind dienstags bis 17.30 im Hause anzutreffen.
Æ Samstag, 7. April, 10 bis 14 Uhr: Kinder
und Familienflohmarkt am Haus der Jugend
Wie jeden ersten Samstag im Monat: Wer verkaufen
möchte, sollte sich vorher einen Tisch reservieren (200945454), Standgebühren nehmen wir natürlich nicht.
Allerdings war Siegfried nicht nur edlen Gemüts,
denn um seinen Kumpel König Gunther, der im
übrigen erhebliche Schwächen bei der Ablegung
des Sportabzeichens hatte, beim Aufreißen der
begehrten Brunhilde zu unterstützen, griff er zu
unlauteren Hilfsmitteln, die auch heute jede Dopingkontrolle überstehen würden.
Nachdem die nicht mehr ganz so frischen, aber
stellenweise sehr geschonten Jungfrauen sich vor
dem Ablegen der geistlichen Beichte, aber vermutlich mit Restposten von geistigen Getränken, auf
dem Domplatz zu Worms recht ordentlich in die
Haare kriegten waren alle Geheimnisse gelüftet.
Ute könnte sich gut mit der Seelenlage beider Walkürenmädels identifizieren obwohl ihr äußeres Er-
Æ Dienstag, 20. März, ab 15.30:
Dreckweg-Tag am Haus der Jugend. Wir räumen auf rund um den Nauener Platz. Tat-kräftige
Helfer von 6 bis 106 herzlich willkommen.
Info und Herausgeber: Initiative Nauener Neu, c/o Haus der
Jugend, Reinickendorfer Str. 54, 13347 Berlin
Tel. 030-2009 45454, www.nauenerneu.de,
[email protected]
Redaktion: Stella Huwendiek
V.i.S.d.PG: Tom Wibel, Verein Wedding Aktiv e.V.
Æ Nauener Neu ist eine Initiative von Bürgern, AnwohnerInnen
und jungen Menschen, die sich um die Verbesserung und Belebung des Nauener Kiezes kümmert! Å
Der Nauener – Ausgabe 02/07
SPASS MIT NAUMI
Eine Zeitungsseite nur für Kinder
All diese Kinder mit Kartenstapeln in der Hand...
Naumi wollte es genau wissen. Und hat Dennis
(13), Heinrich (9) und Myron (10) gefragt:
WIE IST DAS EIGENTLICH
MIT SAMMELKARTEN?
Dennis: Also, One Piece Karten hab ich nachgezählt, da hab ich so 423 Karten, meine Tauschkarten. Und insgesamt so 500. Ich hab auch YugiohKarten, da hab ich mehr, da hab ich so 800
Tauschkarten und insgesamt so 900 Karten.
Heinrich: Also, am Anfang hatte ich fast nur Yugioh-Karten, aber gefälschte. Das sieht man, weil bei
gefälschten Karten ist immer so ein gefälschtes
Holo, das glitzert dann, aber nicht nur in der Fläche, wo das Monster ist, sondern auch woanders.
Myron: Also ich mag bisschen Pokemon-Karten,
Diese Duel Master-Karten, die mag ich überhaupt
nicht, die kapier ich nicht und mag ich nicht
Naumi: Sind so viel Karten nicht teuer?
Wie kommt man denn an gute Karten?
Myron: Na, mit Tauschen kann man so richtig gewinnen, da kann man seine Yugioh-Karten-Karriere
anfangen, ohne Tauschen geht’s nicht, nur Kaufen,
das wär absurd, weil, das wär zu Geldverschwendung.
Heinrich: Ich war mal in meinem Schülerladen
und hab eine ganz schlechte Karte gekriegt und die
hab ich gegen zehn Karten getauscht, das hat sich
mir richtig rentiert, aber ich hab dann Ärger mit
meinen Erzieherinnen gekriegt, dass ich Kleinere
nicht so verkackeiern soll.
Dennis: Also, ich war auf der Suche nach seltenen
Karten und da hab ich bei Ebay Geheimnisse gekauft, wie man erkennt, ob Holokarten im Booster
sind. Die haben einen Euro gekostet. Das eine Geheimnis war, dass man ein Stück Alufolie auf die
Packung legen musste und dann mit dem Fingernagel drüberrubbeln musste, dann erscheint der
Name der Karte. Das hat funktioniert, aber ich habe es im Laden nicht ausprobiert. Und das andere
Geheimnis war, man muss die Packung so auf den
Tisch fallen lassen, wenn sie sich aufbläst, sind
gute Karten drin. Das stimmt auch.
Naumi: Werden Karten auch geklaut?
Dennis: Ja, ich war sogar live dabei, das
wurde an mir ausgetestet. Also, da hat ein Junge
meine Karten angeguckt und da hat er ein paar
hinfallen lassen und als ich sie aufgehoben hab, hat
er bis dahin ein paar Karten von mir in die Tasche
gesteckt.
Diese Karte ist in internationalen
Turnieren nicht zugelassen
Naumi: Was halten eure Eltern denn von
Sammelkarten?
Dennis: Sie finden das nicht gut, meine Mutter
wollte sie auch mal alle wegschmeißen, aber ich
hab sie dran gehindert, ich hab sie ihr weggenommen und versteckt.
Heinrich: Nichts! Sie finden es völlig absurd, dass
wir irgendwelche Karten sammeln, sie finden, das
ist Geldverschwendung, das finde ich zwar nicht,
aber was sie denken, das... kapier ich einfach
nicht. Aber ich geh ziemlich oft mit meiner Tante zu
Karstadt um Karten zu kaufen und sag meinen Eltern dann nicht, dass ich Karten gekauft habe.
(Naumi (denkt): Na, ob die wirklich nichts merken...?
Myron: Also, meine Eltern sagen nichts. Meine
Mutter spielt auch manchmal mit, weil, sie wollte
auch ein bisschen verstehen, was das überhaupt
für ein Zweck ist, von den Karten, also, wie man
damit spielt. Mein Vater hat auch schon angefangen. Verrückt, oder?
Der Nauener – Ausgabe 02/07