DAK-Patientenbroschüre
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DAK-Patientenbroschüre
Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass sie selbst Verantwortung tragen für die eigene Gesundheit. Diese Broschüre klärt auf und unterstützt Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte in der täglichen Praxis. Darüber hinaus informiert sie über Ihr Recht auf Aufklärung ebenso wie über Ihr Weisungsrecht gegenüber dem Arzt oder Ihr Recht auf Einsicht in Ihre Krankenakten. Ihre Rechte als Patient W406-XXXX/0X.03 Verantwortung für die eigene Gesundheit DEUTSCHE ANGESTELLTEN KRANKENKASSE INHALT VORWORT Kleiner Exkurs: Die Versichertenkarte – rechteckig, praktisch, kostenlos? . . . . . . . . . . . . . Es ist Ihr Geld – und Ihre Gesundheit . . . . . . . . Privatabrechnung statt Behandlung mit DAK-Versichertenkarte? . . . . . . . . . . . . . . . . Auf der sicheren Seite – Behandlung mit der DAK-Versichertenkarte . . . 16 16 17 18 Dokumentationspflicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Einsicht in die Krankenakten . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Wenn die Einsicht verweigert wird . . . . . . . . . . 21 Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Ihr Recht auf Selbstbestimmung . . . . . . . . . . . . . 4 In der Arztpraxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Freie Arztwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hausbesuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Behandlungsvertrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 5 5 5 Im Krankenhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Krankenhausbehandlungsvertrag . . . . . . . . Die Entlassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Häusliche Krankenpflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das „Drumherum“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 7 7 8 9 Das gute Arzt-/Patientenverhältnis . . . . . . . . . . . Das Vertrauensverhältnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patientenfreundliche Atmosphäre und Organisation in der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . Die fachliche Kompetenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ihr eigenes Verhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Besuch in der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 10 Das Recht auf Wahrheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der richtige Zeitpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie viel Aufklärung braucht der Patient? . . . . . . Risikoaufklärung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Behandlungsalternativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Befund- und Diagnoseaufklärung . . . . . . . . . . . 12 12 12 13 13 13 11 11 11 11 Die „richtige“Therapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Weisungsrecht – der Patientenwille entscheidet 14 Ärztliche Therapiefreiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Schweigepflicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Entbindung von der Schweigepflicht . . . . . . . . . 23 Ausnahmen von der Schweigepflicht . . . . . . . . 23 Behandlungsfehler und Arzthaftung . . . . . . . . . . Was ist ein Behandlungsfehler? . . . . . . . . . . . . Wege zum Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Außergerichtliche Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . Zivil- und Strafprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sonderfall zahnprothethische Behandlung . . . . Beweislast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die DAK hilft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wer hilft weiter? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 23 24 24 24 25 25 25 27 Anhang: Ergänzende Informationen . . . . . . . . . . Themen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Organspende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patientenverfügung: Vorsorge für den Notfall . . Vorschlag für die Formulierung einer Patientenverfügung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einsicht in Krankenunterlagen . . . . . . . . . . . . . . Musterbrief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 31 31 31 32 33 33 Gesundheit ist ein hohes Gut. Zu Recht wird oft gesagt, dass ohne Gesundheit alles nichts ist. Gut und Geld stehen dahinter weit zurück. Eine gute, für alle bezahlbare medizinische Versorgung ist daher in unserer heutigen Gesellschaft unverzichtbar. Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass sie selbst Verantwortung tragen für die eigene Gesundheit. Sie verstehen sich nicht nur als mündige Staatsbürger, sondern auch als mündige Patienten1, die sich ein vertrauensvolles und partnerschaftliches Verhältnis zu Ihrem Arzt wünschen. Das ist Ihr gutes Recht – geschützt durch das Grundgesetz, in dem der Anspruch auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit verankert ist. Dieses Grundrecht haben zahlreiche Gesetzesvorschriften und die Rechtssprechung konkretisiert. In der „Patientencharta“ werden diese bestehenden Patientenrechte zusammen gefasst und leicht verständlich beschrieben. Diese Patientencharta wurde im breiten Konsens zwischen allen Beteiligten des Gesundheitswesens erarbeitet. Sie wird mitgetragen von Patienten- und Ärzteverbänden, den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern, den freien Wohlfahrtsverbände sowie den Gesundheits- und Justizministern. Am 24. Dezember 2002 wurde sie im Bundesanzeiger veröffentlicht. Ziel der Patientencharta ist es, Patienten und Ärzte über ihre Rechte und Pflichten zu informieren, damit die Patientenrechte geachtet werden und in der täglichen Praxis von allen berücksichtigt werden. Außerdem sollen Sie als Patient bei der Durchsetzung Ihrer Rechte unterstützt werden.Welche weit reichenden Rechte sich daraus für Sie als Patient ableiten, darüber will die DAK mit dieser Broschüre informieren: über Ihr Recht auf Aufklärung ebenso wie über Ihr Weisungsrecht gegenüber dem Arzt oder Ihr Recht auf Einsicht in Ihre Krankenakten. Damit Gesundheit das bleibt, was es ist: Ein hohes Gut, über das Sie selbstbewusst und gleichzeitig verantwortungsbewusst bestimmen können. Herausgeber: Deutsche Angestellten-Krankenkasse Nagelsweg 27–31, 20097 Hamburg Internet: www.dak.de DAKdirekt: 0 18 01 - 325 325 2 Autorin: Dipl.-Vw. Eva Günther, Conseco Consult, Bonn Gestaltung: Studio Szczesny, Hamburg Ihre Diese Broschüre wendet sich gleichermaßen an Frauen und Männer. Leider ist es nicht möglich, dies in der deutschen Sprache zum Ausdruck zu bringen, ohne den Sprachfluss zu stören. Deshalb ist „der Arzt“ auch „die Ärztin“, „der Patient“ auch „die Patientin“, usw. 3 Ihr Recht auf Selbstbestimmung In der Arztpraxis Der Patientenwille entscheidet. Das ist der Grundsatz für jede ärztliche Behandlung. Auch wenn der Arzt aus fachlicher Sicht eine andere Auffassung vertritt. Freie Arztwahl So will es das Grundgesetz, das Ihr Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit schützt. Die Folgen sind weit reichend: Jeder ärztliche Eingriff bedarf Ihrer ausdrücklichen Einwilligung. Ohne Ihre Zustimmung wird er zur Körperverletzung – und damit strafbar. Ausnahmen gelten nur in wenigen Fällen, zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit oder in Notfällen. Die Entscheidung, ob Sie zunächst einen Allgemeinarzt aufsuchen oder direkt einen Spezialisten zu Rate ziehen, liegt allein bei Ihnen. Auch ein Arztwechsel ist prinzipiell jederzeit möglich. Dabei spielt es keine Rolle, warum Sie wechseln wollen. Dennoch ist es empfehlenswert, dass Sie zunächst Ihren Hausarzt konsultieren. Denn er ist der Arzt Ihres Vertrauens, der Sie meist schon über einen langen Zeitraum begleitet und Ihre Situation daher in der Regel am besten beurteilen kann. Wechseln Sie innerhalb eines Quartals möglichst nur mit Überweisung. Hausbesuche Immer wieder taucht die Frage auf, ob Ärzte zum Hausbesuch verpflichtet sind. Das hängt in erster Linie von der Schwere der Krankheit ab. Dies muss der Arzt beurteilen. Eine generelle Verpflichtung, Krankenbesuche abzustatten, besteht nicht. Auch nicht für den Hausarzt. Wenn aber gravierende Krankheitssymptome vorliegen, muss sich der Arzt persönlich ein Bild von Ihrem Befinden machen. Sollte er sich dennoch weigern, kann er sich möglicherweise sogar strafbar machen. Vorsicht ist bei „Notdiensten“ von privaten Anbietern geboten. Die DAK kann diese Kosten nicht erstatten. Lassen Sie sich im Ernstfall nicht mit einer telefonischen Beratung „abspeisen“. Seien Sie hartnäckig. Eine Ferndiagnose allein reicht keinesfalls aus. Behandlungsvertrag In juristischer Hinsicht vereinbaren Sie mit dem Arzt einen Dienstvertrag. Was die meisten nicht wissen: Ein Vertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden. Der Beginn der Behandlung, manchmal schon ein Telefonat, genügt. Mit diesem Vertrag verpflichtet sich der Arzt, Sie nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln. Das bedeutet insbesondere, die neuesten medizinischen Erkenntnisse anzuwenden. Es bedeutet aber auf keinen Fall eine Erfolgsgarantie auf Heilung. 4 5 Im Krankenhaus Als Mitglied der DAK haben Sie Anspruch auf vollstationäre Aufnahme in einem der über 2.000 Vertragskrankenhäuser. Dazu gehören die meisten Krankenhäuser wie die Hochschulkliniken oder die Krankenhäuser, die in den Krankenhausplan der Bundesländer für die Versorgung der Bevölkerung aufgenommen sind. Privatkliniken dagegen sind in der Regel für die Behandlung von Krankenkassenpatienten nicht zugelassen. Bei nicht zugelassenen Krankenhäusern ist es weder der DAK noch anderen Krankenkassen gestattet, die Behandlungskosten zu übernehmen. Ihr Arzt wird Sie normalerweise in eine der nächstgelegenen Kliniken einweisen. Wenn Sie die Behandlung in einem anderen Krankenhaus wünschen, können zusätzliche Ausgaben wie höhere Fahrt- oder Klinikkosten anfallen. Diese Mehrkosten können Ihnen unter Umständen in Rechnung gestellt werden. Sprechen Sie daher diese Fragen auf jeden Fall mit Ihrer Geschäftsstelle ab - und zwar schon vor Behandlungsbeginn. So vermeiden Sie, dass es nachträglich zu Problemen kommt. Wenn nach Prüfung durch das Krankenhaus nur eine teil-, vor- oder nachstationäre Behandlung erforderlich ist, können nur diese Kosten erstattet werden. Manchmal ist auch eine ambulante Behandlung in Verbindung mit häuslicher Krankenpflege ausreichend. Viele Krankenhäuser haben mittlerweile die Erlaubnis, bestimmte Operationen ambulant zu erbringen. Das hat sich insbesondere bei Fällen wie Eingeweidebrüchen, grauem Star oder Hammerzehen bewährt. Diese Behandlungsform wird gern von Menschen angenommen, die nicht über Nacht in der Klinik verbleiben wollen. Wegen ihres Versorgungsauftrages haben Krankenhäuser eine Aufnahme- und Behandlungspflicht. Eine Ablehnung darf nur in Ausnahmefällen erfolgen, zum Beispiel wenn trotz eingehender Prüfung kein Platz zu finden ist. Der Krankenhausbehandlungsvertrag Mit der Unterschrift auf dem Aufnahmeformular schließen Sie mit dem Krankenhaus einen Vertrag. Damit erkennen Sie die Krankenhausbedingungen an. Nicht alles, was Ihnen vorgelegt wird, ist auch rechtens. Das gilt z.B. für Standardklauseln, wonach Sie auf Aufklärung verzichten, ebenso wie für den Ausschluss einer Haftung bei Fahrlässigkeit oder eine nachträgliche Erhöhung der Pflegekosten. Krankenhausbedingungen, ohne Rechtsgrundlage, haben keine Gültigkeit. Lesen Sie „das Kleingedruckte“ vor der Unterschrift möglichst sorgfältig durch. Streichen Sie Klauseln, die Ihnen unzumutbar erscheinen. Bitten Sie ggf. einen Angehörigen oder einen Freund um Hilfe.. Lassen Sie sich immer eine Kopie des Vertrages aushändigen. Der Krankenhausaufenthalt und die Entlassung Während Ihres Krankenhausaufenthalts sollten Sie sich nicht scheuen zu fragen. Nutzen Sie beispielsweise die Visite, um sich nach dem Behandlungsstand und den nächsten geplanten Aktionen zu erkundigen. Lassen Sie sich erklären, welche Medikamente Ihnen verabreicht werden und ob Sie Hilfsmittel wie spezielle WCSitze beanspruchen können, die Ihnen im Krankenhaus oder zu Hause das Leben erleichtern. Drängen Sie frühzeitig darauf, dass die Weichen gestellt werden für eine Behandlung nach dem Krankenhausaufenthalt, also zum Beispiele eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahme oder Pflege. Fragen Sie im Zweifel bitte bei Ihrer DAK-Bezirksgeschäftsstelle nach, ob die Behandlungskosten für den geplanten stationären Aufenthalt durch die DAK übernommen werden können. Sollte das nicht der Fall sein, nennt Ihre DAK Ihnen entsprechende Alternativen. So vermeiden Sie, dass es nachträglich zu Problemen kommt. Zur richtigen Auswahl einer Entbindungsklinik gibt die umfangreiche DAK-Broschüre „Schwangerschaft“ nützliche Hinweise. Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie auch in der Praxis oder in der Tagesklinik behandelt werden können. Durch häusliche Pflege kann für ältere Menschen häufig ein Krankenhausaufenthalt vermieden werden. Ihre DAK informiert Sie gerne über Hilfsangebote und Leistungen. Weitere Angaben erhalten Sie außerdem im Abschnitt „Häusliche Krankenpflege“. 6 7 IM KRANKENHAUS Eine vollstationäre Behandlung im Krankenhaus darf nur so lange erfolgen, wie sie medizinisch notwendig ist und nicht durch andere Behandlungsformen im Krankenhaus selber oder durch einen ambulanten Arzt ersetzt werden kann. Sobald Sie sich für gesundheitlich wiederhergestellt fühlen, sollten Sie den Arzt auf eine mögliche Entlassung ansprechen. Denn meist stellt der Krankenhausaufenthalt für die Patienten eine Belastung dar. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie länger im Krankenhaus verweilen sollen, als es für Ihre Genesung notwendig wäre, sollten Sie sich ebenfalls an den zuständigen Arzt wenden. Bitten Sie den Arzt um eine Erklärung, welche Gründe gegen eine Entlassung sprechen. Erkundigen Sie sich, ob Nachuntersuchungen bzw. –behandlungen ohne einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus erfolgen können. Lassen Sie sich nicht dadurch verunsichern, dass Sie eine Erklärung unterschreiben müssen, wonach die Entlassung auf eigene Gefahr und gegen ärztlichen Rat erfolgt. Haken Sie ebenso nach, wenn Sie während Ihres Krankenhausaufenthalts das Gefühl haben, dass Sie unnötig lange auf Untersuchungen oder Behandlungen warten müssen oder wenn sich eine Nachsorge unerwartet verschiebt. Fragen Sie nach den Gründen und lassen Sie sich bei Problemen von Ihrer DAK unterstützen. Das „Drumherum“ Eine Klinik ist kein „Luxushotel“ und frühes Wecken, die Lautstärke von Bettnachbarn oder Besuchern können genau so unangenehm sein, wie Personal unter Zeitdruck oder ein fades Essen. So unvermeidlich manches sein mag, alles müssen Sie nicht hinnehmen. An die Hausordnung jedoch müssen sich Patienten und Ihre Besucher sich halten. Sprechen Sie Probleme offen und sachlich an. Oft lässt sich so mit den Betroffenen eine einvernehmliche Lösung finden. Die Krankenschwester kann als nächster Ansprechpartner behilflich sein. Wenn Sie auf taube Ohren stoßen, können Sie sich an die Stationsschwester oder den Oberarzt wenden oder sich notfalls bei der Krankenhausverwaltung beschweren. Unterstützung finden Sie auch bei den Patienten-Fürsprechern, die es allerdings nicht in allen Kliniken gibt. Häusliche Krankenpflege Wenn ein Krankenhausaufenthalt vermieden oder verkürzt werden kann, kommt Ihre DAK bis zu 4 Wochen für die häusliche Krankenpflege auf. Nach einer Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung werden in begründeten Einzelfällen auch für einen längeren Zeitraum Leistungen gewährt. Dies umfasst die erforderliche Behandlungs- und Grundpflege sowie die hauswirtschaftliche Versorgung. Voraussetzung ist, dass Sie im eigenen oder im Haushalt Ihrer Familie versorgt werden und Sie niemanden haben, der die Krankenpflege zu Hause durchführen kann. Wichtig ist dies vor allem für ältere Kranke. Die Entscheidung über die medizinische Notwendigkeit trifft Ihr Arzt. Er stellt eine Verordnung aus, die Sie der DAK zur Genehmigung vorlegen. Vielfältige Hilfeleistungen, von Pflegehilfsmitteln bis hin zur häuslichen Pflegehilfe und Pflegegeld, erhalten Sie außerdem bei Pflegebedürftigkeit. Die DAK-Broschüren „Pflegeversicherung“ und „Pflege zu Hause“ informieren ausführlich über Leistungen und geben praktische Hinweise und Anregungen. 8 9 Das gute Arzt-/ Patientenverhältnis Patientenfreundliche Atmosphäre und Organisation in der Praxis Die fachliche Kompetenz Eine angenehme Atmosphäre in der Praxis und eine gute Organisation können ebenfalls dazu beitragen, dass Sie sich wohlfühlen. Mögliche Hinweise sind: Als Laie sollten Sie dem Arzt nicht „ins Handwerk pfuschen“. Aber es gibt Anhaltspunkte, die als Leitfaden für Ihre Beurteilung dienen können: kurze Wartezeiten; „Den Richtigen“ zu finden, fällt nicht nur in der Partnerschaft schwer. Auch bei der Arztwahl spielen vielfältige, zum Teil ganz persönliche und kaum messbare Faktoren eine Rolle. Neben der fachlichen Qualifikation muss die menschliche Seite stimmen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt vertrauen. Denn immer wieder müssen sensible Fragen angesprochen werden. Außerdem kann man als kranker Mensch besonders empfindlich sein und ein verstärktes Bedürfnis haben, sich gut aufgehoben zu fühlen. Bei Ihrer Suche können Sie die „Gelben Seiten“ zu Rate ziehen. Behilflich sein können auch Kassenärztliche Vereinigungen, die Ärztekammer oder ein Arzt Ihres Vertrauens, außerdem gute Freunde oder Selbsthilfegruppen. Letztlich aber können nur Sie selbst entscheiden. Zu allererst sollten Sie daher überlegen, welche Gesichtspunkte für Sie selbst wichtig sind. Dazu wollen wir Ihnen hier einige Anregungen geben. Das Vertrauensverhältnis Verlassen Sie sich ruhig auf Ihr Gefühl, wenn Sie „Ihren“ Arzt suchen: Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Arzt Sie als Mensch achtet und als mündigen Patienten und gleichberechtigten Partner akzeptiert? Informiert er Sie ausführlich und verständlich über die Diagnose und unterschiedliche Therapiemöglichkeiten? Berücksichtigt er Ihre Wünsche bei der Wahl der Therapie? Ihr Arzt nimmt sich ausreichend Zeit für komplizierte Behandlungen oder für die Besprechung von wichtigen persönlichen Problemen; die Praxis ist ansprechend eingerichtet; die Angestellten sind freundlich und hilfsbereit. Berücksichtigt Ihr Arzt bei der Diagnose und Behandlung Ihre persönlichen Lebensumstände zu Hause und am Arbeitsplatz? Arbeitet Ihr Arzt mit anderen medizinischen Fachleuten zusammen? Überweist er Sie an Spezialisten oder holt dort fachlichen Rat ein, wenn er an seine eigenen Grenzen stößt? Prüft Ihr Arzt den Behandlungserfolg und erkundigt er sich nach Nebenwirkungen der verschriebenen Medikamente? Lässt er Ihnen ausreichend Bedenkzeit? Ihr eigenes Verhalten Vergessen Sie nicht Ihr eigenes Verhalten. Respekt Ihrerseits gegenüber dem Arzt, eine wahrheitsgemäße Darstellung Ihrer Erkrankung oder eine offene Rückmeldung über den Erfolg der Behandlung und Ihre Reaktionen tragen mit Sicherheit zu einer vertrauensvollen Beziehung bei. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt auch über sonstige von Ihnen angewandte Medikamente z.B. homöopathische oder frei verkäufliche nicht vom Arzt verordnete Mittel. So können Komplikationen vermieden werden. Denken Sie auch darüber nach, wie Sie Ihren Heilungsprozess selbst aktiv unterstützen können. Eine Umstellung der Ernährung oder eine Änderung Ihres Verhaltens im Alltag (zum Beispiel durch mehr Bewegung) kann vielfach nützlich sein. Der Besuch in der Praxis Der Arzt ist verpflichtet, die vereinbarten Termine einzuhalten. Länger als 30 Minuten sollte die Wartezeit nicht dauern. Andernfalls müssen Sie informiert werden, zum Beispiel, wenn ein akuter Notfall behandelt werden muss. Fragen Sie bei langen Wartezeiten nach und drängen Sie notfalls auf eine zügige Behandlung. Umgekehrt sollten auch Sie pünktlich sein. Können Sie aber einen Termin nicht wahrnehmen, hat der Arzt normalerweise keinen Anspruch auf ein Honorar. Dennoch sollte es für Sie selbstverständlich sein, den Termin abzusagen. Wie reagiert er, wenn Sie Fragen haben, wenn Sie Zweifel oder eine andere Meinung äußern? 10 11 Das Recht auf Wahrheit Als Patient haben Sie Anspruch auf angemessene Aufklärung und Beratung. Denn nur wenn Sie Bescheid wissen über Ihre Krankheitsdiagnose, über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, ihre Heilungsaussichten und Risiken, können Sie verantwortungsbewusst entscheiden. Und nur wenn Sie einwilligen, ist der medizinische Eingriff keine Körperverletzung. Eine Aufklärung ist daher Pflicht. Als Grundsatz gilt, dass der Arzt die Wahrheit sagen muss – auch ungefragt. Der richtige Zeitpunkt Einen besonders hohen Stellenwert hat die Aufklärung über die Risiken einer Maßnahme. Es leuchtet ein, dass Sie vor Operationen und wissenschaftlichen Versuchsbehandlungen umfassend aufgeklärt werden müssen. Sie müssen informiert werden über die Notwendigkeit der Behandlung und die Schwere des Eingriffs. Die Risiken müssen detailliert erklärt werden. Auch seltene Risiken müssen erwähnt werden, vor allem wenn sie schwerwiegende Folgen haben können. Bescheid wissen müssen Sie außerdem über mögliche Komplikationen und die Misserfolgsquote. Die beste Aufklärung wird allerdings zur Farce, wenn sie sozusagen erst auf dem Operationstisch erfolgt. Daher muss die Information rechtzeitig erfolgen – Notfälle ausgenommen. Die Frist muss ausreichen, um zusätzliche Informationen einzuholen und Alternativen zu prüfen. Behandlungsalternativen Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Ihre Entscheidung. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu. Holen Sie notfalls eine zweite ärztliche Meinung ein. Wie viel Aufklärung braucht der Patient? Zunehmend werden Merkblätter für die Patientenaufklärung eingesetzt. Nun macht es ohne Zweifel Sinn, wiederkehrende und komplizierte Sachverhalte schriftlich zu erläutern. Aber nicht alles ist auf Anhieb verständlich. Vor allem sind persönliche Ängste und Sorgen meist nicht mit einem Faltblatt abgetan. Die Rechtsprechung verlangt, dass Sie in der Lage sind, sich ein genaues Bild zu machen über Ihre Krankheit und die Bedeutung einer vorgeschlagenen Behandlung für Sie. Im Einzelfall kann das ganz unterschiedlich aussehen. Je notwendiger und dringlicher ein Eingriff ist, desto weniger Ansprüche werden an die Aufklärung gestellt. Die Gerichte vertreten hier eine klare Auffassung: Merkblätter und Formulare allein reichen nicht aus. Der Arzt muss sie in einem persönlichen Gespräch aufklären. Grundsätzlich ist die Aufklärung des Patienten eine ärztliche Aufgabe. Bestehen Sie darauf, dass Sie Ihre Fragen und Ängste im Gespräch mit dem Arzt klären können. Bitten Sie um eine Kopie der Merkblätter. 12 Risikoaufklärung Versprechen mehrere medizinisch gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten denselben Erfolg, muss der Arzt die risikoärmere und kostengünstigere Behandlung auswählen. Dies gilt auch, wenn anstelle einer Operation eine konservative Behandlung möglich ist. Der Arzt muss den Patienten auch darüber informieren, welches bei seinem Gesundheitszustand die richtige Lebensweise ist. Gängige Meinung ist, dass die Wahl der Behandlungsmethode grundsätzlich Angelegenheit der Ärzte ist – vorausgesetzt, sie entspricht dem medizinischen Standard. Sie können sich als Patient nicht darauf verlassen, dass der Arzt Sie in jedem Fall unaufgefordert auf alternative Therapien aufmerksam macht. Kommen aber mehrere gleichwertige Behandlungen oder Methoden in Betracht, muss der Arzt Sie über Chancen und Risiken umfassend aufklären. Auch wenn Sie sich beim Arzt nach neuen und anderen Behandlungsmethoden erkundigen, besteht ein Anspruch auf vollständige und wahrheitsgetreue Auskunft. Befund- und Diagnoseaufklärung Eine ähnliche Situation auch bei Befund und Diagnose. Inwieweit der Patient, insbesondere im Hinblick auf schwere und psychische Erkrankungen aufgeklärt werden muss, wird kontrovers diskutiert. Vertreten wird teilweise sogar die Auffassung, dass eine Aufklärung über Befund und Diagnose im Normalfall nur auf ausdrückliche Nachfrage der Patienten gegeben werden muss. Die DAK rät Ihnen, immer dann auf einer umfassenden Aufklärung zu bestehen, wenn Sie die Diagnose in jedem Falle genau wissen wollen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach – zum Beispiel bei Unklarheiten bei der Diagnose oder ob es alternative Therapien gibt. 13 Die „richtige“ Therapie „Schlachtfeld Therapiewahl“ könnte man überspitzt formulieren. Denn bei der Entscheidung über die Behandlungsmethode treffen unterschiedliche Rechte und Pflichten, auf Arzt- und Patientenseite aufeinander – Konkurrenz nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich aber sind therapeutische Maßnahmen mit Ihnen als Patient abzustimmen. Jeder Behandlungsabbruch oder Behandlungswechsel sollte jedoch reiflich überlegt sein und nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen. Teil auch die sogenannten Außenseitermethoden, darf er ebenso ablehnen wie übermäßig teure Behandlungen und Medikamente. An Grenzen stößt Ihr Weisungsrecht, weil Ihnen meist die erforderlichen medizinischen Fachkenntnisse fehlen. Diese Lücke muss der Arzt durch die Aufklärung füllen. Wenn Sie von seinen Empfehlungen abweichen wollen, kann es vorkommen, dass der Arzt von Ihnen eine schriftliche Bestätigung verlangt. Sie dient der eigenen Absicherung, um nicht später möglicherweise mit dem Vorwurf des Behandlungsfehlers konfrontiert zu werden. Wichtig ist außerdem, dass es für Sie trotz Ihres Weisungsrechtes auch eigene Mitwirkungsverpflichtungen gibt. Wenn Sie z.B. Sozialleistungen beantragt haben oder erhalten, besteht die Verpflichtung, sich ärztlich untersuchen zu lassen, wenn dies für die Entscheidung über die Leistung erforderlich sind. Im Fall einer Krankheit oder Behinderung sind Sie in bestimmten Fällen verpflichtet, an Heilbehandlungen teilzunehmen, wenn zu erwarten ist, dass Ihr Gesundheitszustandes dadurch gebessert oder eine Verschlechterung verhindert wird. In einigen Fällen muss sich der Arzt nicht an Ihre Weisungen halten. Medizinisch unsinnige Maßnahmen, zum Ärztliche Therapiefreiheit Ihrem Weisungsrecht steht auf Arztseite die Therapiefreiheit entgegen. Das bedeutet, dass der Arzt die Methode anwenden darf, die seines Erachtens am geeignetesten ist. Beachten muss er den jeweiligen „Stand der medizinischen Wissenschaft“. Als wissenschaftlich abgesichert gelten in erster Linie die Methoden der Schulmedizin. Weicht der Arzt von den gängigen Verfahren ab, muss er dies im Einzelfall begründen können. Weisungsrecht – der Patientenwille entscheidet Da ist zunächst Ihr Weisungsrecht gegenüber dem Arzt, das sich aus Ihrem Selbstbestimmungsrecht, aber auch aus dem Behandlungsvertrag ableitet. Danach sind Sie „leistungsberechtigt“ und können festlegen, welche Dienste Sie in Anspruch nehmen wollen. Gegen Ihren Willen „läuft“ nichts. Sie haben das Recht zu entscheiden, welche Therapie angewendet werden soll. Sie müssen Vorschläge des Arztes nicht akzeptieren. Sie können eine Behandlung sogar ganz abbrechen – 14 auch gegen den ärztlichen Rat. Auch wenn eine Maßnahme medizinisch eindeutig geboten ist. Das Weisungsrecht gilt selbst bei Patienten, die ihren Willen nicht mehr äußern können. In diesen Fällen, beispielsweise bei Bewusstlosen, muss der Arzt versuchen, den mutmaßlichen Willen festzustellen. Hilfreich kann dabei eine Patientenverfügung sein. Ein Muster finden Sie im Anhang dieser Broschüre. Grenzen findet die Therapiefreiheit auch in Ihrem Selbstbestimmungsrecht. Schwierig wird es, wenn Sie sich mit dem behandelnden Arzt nicht einigen können. Der Arzt darf eine Behandlung ablehnen, wenn er von der betreffenden Methode nicht überzeugt ist. In diesem Fall muss die Weiterbehandlung durch einen anderen Arzt sichergestellt sein. Fragen Sie Ihren Arzt im Zweifelsfall, warum er eine bestimmte Behandlungsmethode vorschlägt. Erkundigen Sie sich, ob es andere Therapien gibt. Bitten Sie den Arzt, Ihnen die Vor- und Nachteile der einzelnen Alternativen zu erklären. Bilden Sie sich auf dieser Grundlage Ihre eigene Meinung. Holen Sie eine zweite Meinung ein, falls Sie im Zweifel sind. Dies gilt insbesondere bei schwierigen Entscheidungen wie einer Operation. 15 Kleiner Exkurs: Die Versichertenkarte – rechteckig, praktisch, kostenlos? Praktisch sind sie zweifellos, die kleinen Plastikkärtchen. Viele Patienten schätzen insbesondere, dass sie ohne Überweisung einen Spezialisten aufsuchen oder eine zweite Meinung einholen können. Aber – die neue Freiheit hat ihre Kehrseite: Seit Einführung der Chipkarte steigt die Zahl der Arztbesuche. Außerdem werden häufiger Fachärzte aufgesucht. Die Folge: Die Kosten schnellen in die Höhe – und damit Ihre Beiträge. Die neuen Möglichkeiten sollen Ihnen nicht verwehrt werden, im Gegenteil. Deshalb: Nutzen Sie Ihre DAK-Versichertenkarte verantwortungsbewusst. Bedenken Sie, dass jeder zusätzliche Arztbesuch Mehrkosten verursacht. Ein weiteres Problem sind „vagabundierende“ Karten. Das sind Karten, die unrechtmäßig verwendet werden. So kann eine verloren gegangene Karte durch eine andere Person missbräuchlich genutzt werden. Gehen Sie sorgfältig mit Ihrer DAK-Versichertenkarte um. Vergessen Sie nicht, dass die Chipkarte bares Geld wert ist, dass damit Arztleistungen „gekauft“ werden. Darin unterscheidet sie sich in keiner Weise von Ihren Scheck- und Kreditkarten. Und die hüten Sie doch wie Ihren Augapfel, oder? Es ist Ihr Geld – und Ihre Gesundheit Vermeidbare Kosten und auch Gesundheitsbelastungen entstehen durch überflüssige und doppelte Untersuchungen und Behandlungen. So halten Fachleute zahlreiche Röntgenaufnahmen für unnötig. In die Kritik geraten sind weiter Laborleistungen, radio-immunologische und Ultraschall- Untersuchungen, sowie die hohe Zahl der Herzkatheder-Untersuchungen. Achten Sie mit darauf, dass Doppeluntersuchungen vermieden werden. Fragen Sie nach, wenn Sie Zweifel haben, ob eine Untersuchung oder Behandlung wirklich medizinisch notwendig ist. Privatabrechnung statt Behandlung mit DAK-Versichertenkarte? Die Diskussion um Arzthonorare und „erschöpfte Budgets“ hat bei Patienten zur Verunsicherung geführt, weil sie fürchten, dass Leistungen gekürzt werden, dass Sie zuzahlen müssen oder Ihre gewohnten Medikamente nicht mehr verschrieben bekommen. In einzelnen Fällen ist es auch vorgekommen, dass Ärzte oder Zahnärzte Zuzahlungen verlangt haben, weil Leistungen angeblich nicht kostendeckend erbracht werden können oder haben „höherwertige“ Leistungen angeboten, die privat abgerechnet wurden. Lassen Sie sich nicht bange machen. Jeder gesetzlich Krankenversicherte hat einen Anspruch auf eine medizinisch angemessene Behandlung, und zwar ohne private Zuzahlung. Dazu sind die Vertragsärzte verpflichtet. Das Gesamthonorar, das sie dafür erhalten, ist ausreichend. Für die Aufteilung dieses Geldes auf die einzelnen Ärzte sind nicht die Krankenkassen verantwortlich; dafür sind vielmehr die Kassenärztlichen Vereinigungen, das ist die Selbstverwaltung der Ärzte, zuständig. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Ihr Arzt muss Sie immer nach dem neuesten Stand der medizinischen Erkenntnisse behandeln, ob mit DAK-Versichertenkarte oder auf Privatrechnung, ob mit oder ohne Zuzahlung. Eine gute medizinische Betreuung ist also in jedem Fall gewährleistet. Es kann jedoch vorkommen, dass Sie beispielsweise bei Arzneimitteln ein anderes Medikament erhalten, das die gleichen Substanzen enthält, aber zu einem niedrigeren Preis erhältlich ist. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Nur Sie als Patient können entscheiden. Es liegt allein an Ihnen, ob Sie sich eine Behandlung mit DAK-Versichertenkarte wählen oder Mehrkosten für besondere Behandlungen privat tragen wollen. Umgekehrt: Ärzte dürfen nicht auf einer Privatrechnung oder Zuzahlung bestehen oder gar eine Behandlung auf DAK-Versichertenkarte verweigern. Wenden Sie sich an Ihre DAK, wenn der Arzt Sie auf Privatrechnung behandeln will oder eine Zuzahlung verlangt. Lassen Sie alle Röntgenuntersuchungen in den „Röntgen-Pass“ eintragen. Denn alte Röntgen-Aufnahmen können vom weiterbehandelnden Arzt im Original angefordert werden. 16 17 DIE VERSICHERTENKARTE Auf der sicheren Seite – Behandlung mit der DAK-Versichertenkarte Mit der Behandlung auf DAK-Versichertenkarte sind für Sie wichtige Vorteile verbunden: Mit der Abrechnung der Leistungen haben Sie nichts zu tun und müssen die Rechnung nicht überprüfen. Dies erledigt die DAK für Sie. Sie müssen keine Vorauszahlungen leisten. Sie brauchen keine zusätzlichen Kosten zu befürchten. Bei einer Privatabrechnung oder Zuzahlung können Sie Ihre eigene Belastung nicht immer genau kalkulieren. Denn bei der Privatabrechnung rechnet der Arzt nach einer anderen Gebührenordnung ab und darf zudem ein Mehrfaches des einfachen Gebührensatzes berechnen. Die DAK darf Ihnen jedoch nur einen Betrag auf Basis der Ersatzkassengebührenordnung erstatten, den sie für die Behandlung auf DAK-Versichertenkarte gezahlt hätte. Die Differenz geht zu Ihren Lasten. In der Regel entstehen selbst bei der Berechnung nach dem einfachen Satz der Gebührenordnung erhebliche Eigenbelastungen. Zusätzliche Kosten kommen bei der Privatabrechnung auf Sie zu, wenn der Arzt Leistungen in Rechnung stellt, die medizinisch nicht notwendig sind. Auch sie darf die DAK nicht übernehmen. Unterschreiben Sie keine Erklärungen leichtfertig bei dem Behandler. Denn dies könnte einen privatrechtlichen Vertrag zur Folge haben, der Sie zur Zahlung von zusätzlichem Honorar verpflichtet. Sprechen Sie zuerst mit der DAK, wenn der Arzt eine Privatabrechnung oder Zuzahlung vorschlägt.Wir beraten Sie über zulässige Leistungen und Gebührensätze und informieren Sie über Folgen und Risiken einer Kostenerstattung. Dokumentationspflicht Der Arzt muss über die Behandlung Aufzeichnungen machen. Untersuchungen und Diagnosen müssen ebenso vermerkt werden wie therapeutische Schritte, verordnete Medikamente oder der Einsatz von Geräten. Bei Operationen muss der Verlauf detailliert protokolliert werden, einschließlich möglicher Zwischenfälle und der beteiligten Ärzte. Die Dokumentation dient als Grundlage für spätere Therapien, auch für weiterbehandelnde Ärzte. Doppeluntersuchungen, z. B. Röntgenaufnahmen, sollen vermieden werden. Sie hat aber auch Kontrollfunktion. Wenn in Zweifelsfällen andere Ärzte konsultiert werden sollen oder gar der Verdacht auf Fehlbehandlung besteht, ist die ärztliche Dokumentation für Patienten oft die einzige Möglichkeit, die Behandlung nachzuvollziehen und Beweismittel zu sammeln. Für die Dokumentation gelten deshalb strenge Maßstäbe. Sie muss vollständig und – zumindest für Fachleute - nachvollziehbar sein. Die Aufbewahrungsfrist beträgt im Normalfall 10 Jahre. Wenden Sie sich an die DAK, falls Unklarheiten bei der Arztrechnung bestehen. Begleichen Sie die Summe nicht vorab, damit Sie nicht auf überhöhten Kosten sitzen bleiben. 18 19 Einsicht in die Krankenakten Aber: Nicht alles muss der Arzt „herausrücken“. Das Einsichtsrecht beschränkt sich auf die medizinischen Sachverhalte. Dazu gehören unter anderem Diagnosen und Befunde, Verordnungen von Medikamenten, Operationsberichte, Röntgen- und Ultraschallaufnahmen. Persönliche Eindrücke über den Patienten darf der Arzt unkenntlich machen. Einschränkungen gelten auch gegenüber Dritten. Sie haben grundsätzlich nichts in den Krankenakten zu suchen. Mit folgenden Ausnahmen: Sie haben die Schweigepflicht aufgehoben; Die ausführlichste Aufzeichnung nützt wenig, wenn sie Ihnen vorenthalten wird. Hier ist die Rechtsprechung eindeutig: Patienten müssen Einsicht in die Krankenunterlagen erhalten. Eltern von minderjährigen Kindern haben ein Einsichtsrecht; Aber: Die Krankenakten sind nicht Ihr Eigentum. Sie dürfen sie daher nicht mit nach Hause nehmen. Sie haben aber einen Anspruch auf Kopien. bei Bewusstlosen haben vielfach die nahen Angehörigen ein Einsichtsrecht; Die Kosten dafür müssen Sie selber tragen. Im Fall von Röntgenaufnahmen kann das teuer werden. Die Alternative: ausleihen gegen Quittung oder anfordern lassen durch den weiterbehandelnden Arzt. Wenn Sie ein besonderes Interesse haben, weil sie etwa doppeltes Röntgen vermeiden wollen, muss Ihnen der Arzt die Originalaufnahme leihweise überlassen. Anspruch haben Sie außerdem auf eine Kopie der Röntgen-Anordnung, die Einzelheiten wie die untersuchten Körperpartien und die Strahlenbelastung enthält. nach dem Tode des Patienten können Erben Einsicht erhalten. Krankenunterlagen dürfen frühestens vernichtet werden, wenn die in der Berufsordnung für Ärzte vorgesehene Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren abgelaufen ist. Viele Krankenhäuser bewahren die Unterlagen jedoch zu Recht 30 Jahre auf, da sie noch innerhalb dieser Frist damit rechnen müssen, dass ein Patient Schadensersatzansprüche anmeldet. Wenn die Einsicht verweigert wird Lassen Sie sich nicht abweisen. Selbst wenn Ihnen der Inhalt zuvor in einem Gespräch erläutert wurde, haben Sie Anspruch auf Einsicht – nicht nur im Fall eines Rechtsstreits. Unzulässig ist es auch, nur Arztkollegen oder gar Rechtsanwälten Einblick zu geben. Bleibt der Arzt bei der ablehnenden Reaktion, sollten Sie die Dokumente schriftlich anfordern, ggf. per Einschreiben oder mit anwaltlicher Hilfe. Setzen Sie eine Frist. Sie können darauf verweisen, dass Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Einsicht haben (§ 810 BGB) und dass der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 23.11.1982 (NJW 1983, S. 328ff) sowie das Bundesverfassungsgericht am 16.9.1998 (NJW 1999,1777).Patienten ebenfalls das Recht zugesprochen haben, die Unterlagen in Kopie zu erhalten. Sie können schon darauf hinweisen, dass Sie notfalls gerichtliche Schritte einleiten werden. Einen Musterbrief finden Sie im Anhang dieser Broschüre. Wenden Sie sich an die zuständige Ärztekammer oder an die DAK. Wenn Sie die Unterlagen nicht persönlich einsehen wollen, weil das Verhältnis zum Arzt angespannt ist, können Sie eine Person Ihres Vertrauens mit einer Vollmacht beauftragen. 20 Weigert sich der Arzt unverändert, können Sie Ihr Recht vor Gericht einklagen. 21 Schweigepflicht Das Gesetz nimmt es mit der ärztlichen Schweigepflicht sehr genau. Unter die Geheimhaltungspflicht fallen selbst so scheinbar banale Fakten wie Ihr Name und ob Sie sich in Behandlung befinden. Zu Verschwiegenheit verpflichtet sind nicht nur die Ärzte, sondern auch das Praxispersonal, die Angestellten im Krankenhaus und bei den Krankenkassen. Selbst der eigenen Sprechstundenhilfe darf der Arzt nur die Informationen weitergeben, die sie für ihre Arbeit benötigt. Grundsätzlich gilt die Schweigepflicht gegenüber jedem Dritten, ob Arbeitgeber, Staat oder anderen Ärzten – selbst gegenüber den Angehörigen. Atteste für Behörden und Arbeitgeber dürfen nur die unbedingt notwendigen Daten enthalten. In Prozessen hat der Arzt ein Zeugnisverweigerungsrecht. Da die Krankenkassen sonst ihren gesetzlichen Aufgaben nicht nachkommen können, muss der Arzt der Krankenkasse bestimmte Daten auch ohne Schweigepflichtentbindung mitteilen, zum Beispiel die Diagnose. Entbindung von der Schweigepflicht Ausnahmen von der Schweigepflicht Aufgehoben werden kann die Schweigepflicht in den übrigen Fällen nur durch Ihre Einwilligung. Sie können den Arzt mündlich von der Schweigepflicht entbinden. Eindeutiger aber ist eine schriftliche Erklärung. Eine Einwilligung erteilen Sie automatisch bei einer Einstellungsuntersuchung oder wenn Sie einer Versicherung die Erlaubnis geben, Auskünfte über Ihren Gesundheitszustand einzuholen. In einigen Fällen, wie besonders ansteckenden Krankheiten, ist der Arzt darüber hinaus gesetzlich zur Meldung verpflichtet. Weitergegeben werden dürfen Informationen auch an den nachbehandelnden Arzt. Anders liegt der Fall, wenn eine Arztpraxis verkauft wird. Der neue Arzt darf Ihre Krankenakten nur mit Ihrem Einverständnis einsehen. Dazu genügt es, dass Sie zur Behandlung in der Praxis erscheinen. Wenn Mitmenschen gefährdet sind, sei es durch Straftaten, unberechenbares Verhalten im Straßenverkehr oder bei Kindesmisshandlung, muss der Arzt abwägen, ob der Schutz der unbeteiligten Dritten höherwertig ist und einen Bruch der Schweigepflicht rechtfertigt. Zunächst sollte allerdings der Patient aufgefordert werden, von sich aus Maßnahmen zu ergreifen. Nicht gebunden an die Schweigepflicht ist der Arzt auch bei der Verteidigung eigener Interessen – beispielsweise bei Honorarforderungen oder beim Vorwurf eines Behandlungsfehlers. 22 23 Behandlungsfehler und Arzthaftung Was ist ein Behandlungsfehler? Unter einem Behandlungsfehler wird ein Verstoß gegen ärztliche Pflichten verstanden. Meist wird der „medizinische Standard“ nicht eingehalten. Das bedeutet, dass von allgemein anerkannten Erkenntnissen und Behandlungsformen abgewichen wird. Der behandelnde Arzt oder der Krankenhausträger haften aber nur, wenn tatsächlich ein Schaden entstanden ist. Ein Behandlungsfehler kann aber auch vorliegen, wenn der Arzt Sie nicht ausreichend aufgeklärt hat. Sprechen Sie zunächst mit dem Arzt, wenn Sie den Verdacht auf einen Behandlungsfehler haben und unterrichten Sie hierüber Ihre Krankenkasse. Zivil- und Strafprozess Zivilprozesse sind langwierig und teuer. Der Vorteil liegt darin, dass hier nicht nur über das Vorliegen eines Behandlungsfehlers entschieden, sondern die Haftung, einschließlich der Höhe des zu leistenden Schadensersatzes, umfassend geklärt wird. Aber längst nicht jede Klage hat Erfolg. Das Prozessrisiko tragen Sie, wenn Sie keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben. Eine Strafanzeige sollte sehr sorgfältig überdacht sein. Weil ein Schuldspruch für den Arzt weit reichende berufliche Nachteile haben kann, legen die Gerichte sehr strenge Maßstäbe an. Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren sind sehr langwierig und können die eigenen Ansprüche wegen der Verjährungsvorschriften gefährden. Einfluss auf die Ermittlungen, zum Beispiel bei der Auswahl des Gutachters, hat der Patient nicht. Zur Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen ist eine Strafanzeige nicht zu empfehlen. Sonderfall zahnprothetische Behandlung Wenn Sie bei einer zahnprothetischen Versorgung den Verdacht auf einen Behandlungsfehler haben, müssen Sie zunächst den Zahnarzt zur Nachbesserung („Reparatur“) auffordern. Wenn dennoch keine Besserung eintritt, sollten Sie sich mit der DAK-Geschäftsstelle in Verbindung setzen. Sie kann im Bedarfsfall zur Abklärung ein Gutachterverfahren einleiten. Wege zum Recht Meist versuchen Patienten, Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld geltend zu machen. In der Regel wird hierfür ein ärztliches Gutachten erforderlich sein, das einen Behandlungsfehler bejaht. Ein solches Gutachten kann Ihre Krankenkasse für Sie kostenlos durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung erstellen lassen. Außergerichtliche Verfahren Um Ihre Ansprüche durchzusetzen, ist nicht unbedingt der Gang zum Gericht erforderlich – im Gegenteil. Der überwiegende Teil der Streitfälle wird außergerichtlich geregelt. Verfahren bei den Gutachter- und Schlichtungsstellen sind für Patienten kostenlos. Wenn Sie sich nur um eine geringe Summe streiten (bis 600 € bzw. 750 €), sind Sie in einigen Bundesländern sogar verpflichtet, zunächst einen Einigungsversuch ohne Gericht zu versuchen, bevor Sie eine Klage einreichen können. Suchen Sie möglichst frühzeitig Hilfe. Kostenlose Beratung erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse oder einer Patientenberatungsstelle. Beratungen durch Rechtsanwälte sind kostenpflichtig. Spätestens, wenn es um die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen geht, sollten Sie einen Anwalt hinzuziehen. Bitten Sie Ihren Anwalt, das weitere Vorgehen mit Ihrer Krankenkasse abzusprechen. 24 Verjährung Seit dem 1. Januar 2002 gelten neue Verjährungsvorschriften. Ihre Rechte können Sie nur noch drei Jahre geltend machen, während Sie in der Vergangenheit 30 Jahre Zeit hatten. Die Frist beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem Ihr Anspruch entstanden ist. Das muss nicht unbedingt das Jahr sein, in dem Sie behandelt wurden. Denn die Frist läuft erst dann, wenn Sie die so genannten anspruchsbegründenden Tatsachen kennen und die Person des Schuldners. Das ist dann wichtig, wenn sich beispielsweise die Adresse des behandelnden Arztes geändert hat, wenn Folgeschäden erst spät auftreten oder die Ursache eines Gesundheitsschadens zunächst nicht geklärt werden kann. Dann verhindert dieser so genannte kenntnisabhängige Verjährungsbeginn, dass Sie leer ausgehen. Aber auch hier gibt es Grenzen. Spätestens nach 30 Jahren verjähren Ihre Schadenersatzansprüche in jedem Fall. In manchen Fällen kann die Verjährung auch gehemmt sein. Das bedeutet, dass ein bestimmter Zeitraum nicht auf die Verjährungsfrist angerechnet wird. Davon ist auszugehen, solange Sie versuchen, sich mit dem Arzt oder Zahnarzt außergerichtlich vor einer der Gutachter- und Schlichtungsstellen der Ärzte- und Zahnärztekammern zu einigen. Völlig sicher ist die Rechtslage jedoch gegenwärtig nicht. Sie können aber auch mit dem Arzt oder seiner Haftpflichtversicherung vereinbaren, dass er auf die so genannte Verjährungseinrede verzichtet. Dann haben Sie auch nach Ablauf der Verjährungsfrist noch die Möglichkeit zu klagen. 25 BEHANDLUNGSFEHLER UND ARZTHAFTUNG Die DAK hilft Die DAK unterstützt Sie, wenn Sie einen Verdacht auf Behandlungsfehler haben. Wir können Ihnen insbesondere Informationen weitergeben, die wir im Rahmen Ihrer ärztlichen Behandlung erhalten haben. Diese Daten können Ihnen die Beweisführung erleichtern. Besondere Regelungen gelten außerdem für Gewährleistungsrechte. Sie können zwei Jahre geltend gemacht werden, wenn eine „Ware“ einen Mangel aufweist. Hierunter fällt zum Beispiel der Zahnersatz. Machen Sie Ihre Rechte möglichst frühzeitig geltend. Um sicher zu gehen, dass die Verjährungsfristen nicht ablaufen, sollten Sie bei Ihren Streitgegner einen Verjährungsverzicht einholen. Außerdem steht Ihnen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung mit seinem Sachverstand zur Verfügung, wenn geklärt werden soll, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. Gemeinsam mit der DAK sollten Sie außerdem prüfen, ob eine Zusammenarbeit mit Ihrem Anwalt möglich ist. Kosten aus Schadenersatzprozessen der Versicherten dürfen wir dagegen nicht übernehmen. Oftmals kann auch eine möglichst frühzeitige Information durch die Versicherten entscheidend dazu beitragen, dass ein Schadensfall aufgeklärt werden kann. Wichtig für Sie zu wissen: Der Schadenersatz an die Patienten hat auf jeden Fall Vorrang vor anderen Ansprüchen. Sie müssen daher nicht befürchten, dass Ihre Entschädigungsansprüche durch eine Zusammenarbeit mit der DAK eingeschränkt werden könnten. Erleichtern Sie der DAK ihre Aufgabe, Ihnen zu helfen durch frühzeitige Information und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bitten Sie die DAK um Prüfung, ob sie in der Gutachterfrage Hilfe leisten kann. Umgekehrt ist die DAK auf Ihre Mithilfe angewiesen. Sie kann Behandlungsunterlagen nur dann anfordern, wenn der Patient den Arzt von der Schweigepflicht entbunden hat. Wird die Übersendung verweigert, kann nur der Patient die Herausgabe erzwingen. Informieren Sie die DAK auch in Fällen, in denen Sie Verdacht auf einen Behandlungsfehler haben, aber selbst keine Ansprüche geltend machen wollen. Sie tragen so dazu bei, dass die DAK ihrerseits Forderungen durchsetzen und so Ausgaben sparen kann. Beweislast Wer hilft weiter? Verbraucherzentralen Juristisch gesprochen liegt die Beweislast auf Patientenseite. Sie müssen beweisen, dass ein Behandlungsfehler Ihre Gesundheit geschädigt hat. Zusätzlich müssen Sie nachweisen, dass der Fehler Ursache für den Schaden war. An diesen Hürden scheitern viele. In manchen Fällen allerdings wird Ihnen Beweiserleichterung gewährt, insbesondere bei Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers. Auch bei Schäden durch Arzneimittel gilt eine erleichterte Beweispflicht. Die DAK-Geschäftsstellen stehen Ihnen natürlich als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Die genauen Adressen der örtlich zuständigen Verbraucherzentralen finden Sie im Telefonbuch oder beim Patientenberatungsstellen klären Sie über Ihre Rechte auf, geben Broschüren heraus und können Sie bei der außergerichtlichen Durchsetzung Ihrer Ansprüche unterstützen. Die folgenden Kontaktadressen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind zum Stand des Redaktionsschlusses aktuell. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv). Nicht alle Verbraucherzentralen führen auch Patientenberatungen durch, erkundigen Sie sich bei der jeweiligen örtlichen Verbraucherzentrale danach, ob die gewünschte Beratung durchgeführt wird. Außerdem haben Sie als Patient einen Auskunftsanspruch gegenüber dem Pharmahersteller. Gute Karten haben Sie auch, wenn Sie in den ersten sechs Monate nach der Behandlung Ihre Gewährleistungsrechte geltend machen wollen. Denn wenn in dieser Zeit ein Fehler auftritt, wird zunächst davon ausgegangen, dass er schon bei der Behandlung bestanden hat. Wenn der Zahnarzt oder Arzt anderer Ansicht ist, muss er nachweisen, dass zum Beispiel der Zahnersatz fehlerfrei war. Die DAK haftet nicht für die Qualität und die Richtigkeit der Beratung von Patienten-Beratungsstellen. Wir haben möglichst bundesweit agierende Institutionen genannt, die ggf. auch an örtliche Initiativen weitervermitteln. Markgrafenstr. 66 10969 Berlin Tel. 030/25 800-0, Fax 030/25800-518 e-Mail: [email protected] Internet: www.vzbv.de (die Liste der Verbraucherzentralen finden Sie in der Rubrik Organisation > Links) Legen Sie – vor allem bei einem Krankenhausaufenthalt – ein Patiententagebuch an. Schreiben Sie auf, welche Behandlungen durchgeführt wurden. Notieren Sie, wer Sie behandelt hat. Vermerken Sie den Zeitpunkt. 26 27 BEHANDLUNGSFEHLER UND ARZTHAFTUNG Patientenstellen Die genauen Anschriften von regionalen Patientenberatungsstellen erhalten Sie bei der BundesArbeitsGemeinschaft der PatientInnenstellen (BAGP) c/o Gesundheitsladen München e.V. Auenstr. 31, 80469 München Tel. 089/77 25 65, Fax 089/725 04 74 e-Mail: [email protected] Internet: http://patientenstellen.de (Adressen in der Rubrik Kontakte) Patientenrechte im Internet Weitere Informations- und Beratungsangebote Beachten Sie bei der Recherche im Internet bitte, dass die Informationen je nach Anbieter von unterschiedlicher Qualität und teilweise auch kostenpflichtig sind. Hier sind einige Adressen genannt, die Ihnen weiter helfen können. NAKOS - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen www.dak.de Wilmersdorfer STr. 39, 10627 Berlin Tel. 030/31 02 89 60, Fax 030/31 01 89 70 eMail: [email protected] Internet: www.nakos.de Rechtsanwälte Örtliche Anwaltsvereine benennen Ihnen spezialisierte Anwälte in Ihrer Nähe. Die Adressen der örtlichen Anwaltsvereine können Sie dem Telefonbuch entnehmen oder über den Deutschen Anwaltsverein (Littenstr. 11, 10179 Berlin, Tel. 030/ 726152-0, Fax 030/726152-190, eMail [email protected], im Internet über www.anwaltverein.de) in Erfahrung bringen. Außerdem bietet der DAV telefonisch unter 01805/18 18 05 (0,12 €/Minute) und online unter www.anwaltauskunft.de eine Suchmöglichkeit nach Anwälten an. Bei Ihrer DAK finden Sie zahlreiche Informationen und weiterführende Links rund um Ihre Gesundheit und zu Patientenrechten www.medizinrecht.de Datenbank mit Urteilen zum Medizinrecht, allerdings sind nur die kurzen Zusammenfassungen kostenlos. Für den Abruf des vollständigen Urteils wird eine Gebühr erhoben. www.verbraucherzentrale-bremen.de Die Rubrik Gesundheit enthält eine „Kleines Lexikon der Patientenrechte“ und einen kommentierten Überblick über „Patientenrechte online“. www.vzhh.de Auch die Verbraucherzentrale Hamburg stellt in der Rubrik Gesundheit Informationen zu Patientenrechten und eine kommentierte Literaturliste bereit. Gutachter- und Schlichtungsstellen der Landesärztekammern Die Adressen der für Sie zuständigen Gutachterkommission bzw. Schlichtungsstelle teilt Ihnen die DAK auf Anfrage mit. Die Regressabteilungen der DAK verfügen über entsprechende Anschriftenlisten. 28 www.wernerschell.de Beiträge mit Informationen für Patienten und weiterführende Links finden sich vor allem unter „Patientenschutz“ und „Rechtsalmanach“. Außerdem werden Sie bei den Patientenberatungsstellen fündig. 29 Anhang: Ergänzende Informationen Themen: Organspende Patientenverfügung: Vorsorge für den Notfall Einsicht in Krankenunterlagen (Musterbrief) Organspende Mit dem Transplantationsgesetz wurde 1997 eine gesetzliche Regelung für die Organspende im Todesfall geschaffen: Grundsätzlich dürfen Organe nur dann entnommen werden, wenn der Tote zu Lebzeiten zugestimmt hat. Umgekehrt ist eine Organentnahme verboten, wenn der Verstorbene erklärt hat, dass er kein Organspender ist. Wenn dem Arzt keine schriftliche Willenserklärung des Toten vorliegt, müssen die nächsten Verwandten nach dem Wunsch des Verstorbenen befragt werden. Ist den Familienangehörigen hierüber nichts bekannt, hängt es von ihrer Zustimmung ab, ob Organe entnommen werden dürfen. Legen Sie in einer Einverständniserklärung fest, ob Sie zur Organspende bereit sind. Dies kann eine formlose schriftliche Erklärung sein. Besser allerdings ist ein Spenderausweis. Dieser Entschluss kann jederzeit widerrufen oder eingeschränkt werden. Die eigene Familie sollte möglichst informiert werden. Patientenverfügung: Vorsorge für den Notfall Normalerweise ist ein Arzt verpflichtet, Leben um jeden Preis zu erhalten und gleichzeitig den Willen des Patienten zu berücksichtigen. Auch bei der Behandlung Sterbender muss der Arzt das Selbstbestimmungsrecht berücksichtigen. Sie können selbst über die Behandlung entscheiden und haben das Recht auf angemessene Betreuung, insbesondere schmerzlindernde Behandlung. Wer aber auf der Intensivstation liegt und nur noch von Apparaten am Leben gehalten wird, kann sich nicht mehr selbst äußern. Mit einer Patientenverfügung können Sie für diesen Fall festlegen, welche Behandlungen Sie wünschen. Entscheidend ist, dass die Patientenverfügung verlässlich ist. Setzen Sie Ihre Patientenverfügung daher schriftlich auf, am besten handgeschrieben. Wichtig ist, dass Sie möglichst genau angeben, welche medizinische Behandlung Sie in einer bestimmten Krankheitssituation wünschen. Ihr Arzt kann Sie in diesen Fragen beraten. Mustertexte, die viele Organisationen wie die Hamburger Ärztekammer herausgeben, können Anregungen geben, sollten aber an Ihre persönliche Situation angepasst werden. Lassen Sie von ein oder zwei unbeteiligten Personen (z.B. einem Arzt) durch Unterschrift bestätigen, dass Sie die Verfügung aus freiem Willen verfasst haben und sich über die Bedeutung Ihrer Entscheidung bewusst waren. Überprüfen Sie Ihre Patientenverfügung regelmäßig. Bestätigen Sie möglichst alle ein bis zwei Jahre durch Datum und Unterschrift Ihre damals getroffene Entscheidung oder aktualisieren Sie Ihre Wünsche. Informieren Sie Familienangehörige und Ärzte über die Patientenverfügung und bewahren sie so auf, dass sie leicht gefunden werden kann. Sie können auch Kopien oder eine Hinweiskarte bei sich tragen oder einer Vertrauensperson aushändigen. Einige Stellen wie das Deutsche Rote Kreuz hinterlegen die Verfügung gegen Gebühr in einem Zentralarchiv. Informationsbroschüren zum Thema Organspende erhalten Sie bei jeder DAK-Geschäftsstelle. 30 31 ERGÄNZENDE INFORMATIONEN ERGÄNZENDE INFORMATIONEN Einsicht in Krankenunterlagen – Musterbrief – Vorschlag für die Formulierung einer Patientenverfügung: Absender: Name Adresse Geburtsdatum An Krankenhaus oder Arzt oder Zahnarzt An meine Familie, meinen Arzt, meinen Pastor, meinen Rechtsanwalt oder eine andere Vertrauensperson Der/die Unterzeichnende ……………… versichert, dass er/sie im Falle eines unheilbaren Leidens nicht über einen unangemessen langen Zeitraum mit intensiv-medizinischen Maßnahmen am Leben erhalten werden will: Datum Einsicht in Behandlungsunterlagen Sehr geehrte/r …, seit … bin (oder: in der Zeit von … bis … war) ich bei Ihnen in Behandlung (oder: in Ihrem Krankenhaus in stationärer Behandlung). Ich möchte Sie bitten, mir die vollständigen Behandlungsunterlagen aus diesem Zeitraum in Kopie zu übersenden (oder: mir folgende Unterlagen zu übersenden – hier können Sie zum Beispiel folgende Dokumente anfordern: Krankenblätter und Befunde, Arztberichte und -briefe, Aufzeichnungen über die Verordnung von Medikamenten, Laborergebnisse, Fieberkurven, EKG, EEG, Röntgenunterlagen, Ultraschallaufnahmen, Operationsberichte, Entlassungsberichte). Die Kosten für die Kopien übernehme ich (oder: mir die … Unterlagen leihweise zum Kopieren zu überlassen). Bei Röntgenaufnahmen bitte ich um leihweise Überlassung im Original, um hohe Kopierkosten zu vermeiden. Mein Recht auf Einsicht in meine Krankenunterlagen ist durch Gesetz geregelt und durch Gerichtsurteile begründet: Nach § 810 BGB habe ich einen gesetzlichen Anspruch auf Einsicht in die Krankenunterlagen, da diese „eine im fremden Besitze befindliche Urkunde“ sind, die in meinem Interesse angelegt wurde. Auf die Überlassung von Röntgenbildern habe ich Anspruch (LG Aachen, Urteil vom 16.10.85, AZ 7 S 90/85). Die Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder klären, dass Betroffene Auskunft über Daten verlangen können, die zu Ihrer Person gespeichert sind. Ich gebe diese Erklärung nach sorgfältiger Überlegung und zu einer Zeit ab, da ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte bin. Für den Fall, dass ich aufgrund von Bewusstlosigkeit oder anderen körperlichen Beeinträchtigungen nicht mehr in der Lage sein werde, über meine persönlichen Belange zu entscheiden, soll diese Erklärung als meine letztwillige Verfügung gelten. – An dieser Stelle ist es ratsam, einen Hinweis auf die eigene Krankheit einzufügen – Diese Verfügung soll befolgt werden, wenn ich an einer schweren Krankheit oder Schädigung leide, von der angenommen werden muss, dass sie mir schwere Leiden verursachen und mir ein Leben bei Bewusstsein unmöglich machen wird. Sofern in einer solchen Situation nach ärztlichem Ermessen keine Aussicht auf meine Heilung oder zumindest die Verbesserung meines Gesundheitszustandes besteht, fordere ich, dass man mich sterben lässt. In diesem Fall sollen an mir keine lebensverlängernden intensiv-medizinischen Maßnahmen und Behandlungen mehr angewendet werden. Ich verlange weiterhin, mir dann die notwendigen Medikamente zu verabreichen, die mich von Schmerzen und großer Belastung befreien, auch wenn dadurch voraussichtlich der Augenblick meines Todes früher eintreten würde. Der Arzt/das Krankenhaus ist verpflichtet, Namen und ladungsfähige Anschriften der verantwortlichen Ärzte und die tatsächlichen Dienstzeiten mitzuteilen (OLG Düsseldorf, Urteil vom 28.7.83, AZ 8 U 22/83); AG Bochum, Urteil vom 20.3.85, AZ 43 C 489/84). Diese Erklärung ist von mir unterzeichnet und datiert in Gegenwart von zwei Personen, die auf mein Ersuchen hin durch ihre Unterschrift meine Willenserklärung bezeugen. Mehrere Gerichte haben das Patientenrecht bestätigt, Einsicht in die Behandlungsunterlagen zu nehmen bzw. Kopien von diesen zu erhalten (z.B. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 23.11.1982, NJW 1983, S. 328ff, BVerfG vom 16.9.1998, NJW 1999,1777). Meine Unterschrift: Ich darf Sie bitten, mir die Unterlagen mit einer Erklärung über deren Vollständigkeit (oder: mit einer Bestätigung über die Vollständigkeit und Richtigkeit der Unterlagen durch eine dafür autorisierte Person) innerhalb von drei Wochen ab Datum dieses Briefes zu übersenden. Name und Anschrift der beiden Zeugen: Datum: Für Ihre Bemühungen darf ich mich vielmals bedanken. Mit freundlichen Grüßen (Unterschrift) Name Quelle: Pressestelle der Ärztekammer Hamburg (Humboldtstr. 56, 22083 Hamburg, Tel. 040/22802-434, www.aerztekammer-hamburg.de/ patientenverfuegung.htm) Quelle: Der Musterbrief basiert auf dem Musterschreiben der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnen-Stellen. 33 Weitere Informationen zur Patientenverfügung erhalten Sie in der Broschüre „Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung“ der Verbraucherzentralen (4,80 €, zu bestellen bei der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf, Tel. 0211/3809-0, e-Mail [email protected]) 32