Sachsen-Anhalt Special 2013: Energieland Sachsen-Anhalt

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Sachsen-Anhalt Special 2013: Energieland Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt Special
Regionalwirtschaft
2. September 2013 • Ausgabe 2013
Energieland Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalts
Energieversorgungsbranche
2
Entwicklung in Sachsen-Anhalt bezüglich
Energieaufkommen
7
Primärenergieverbrauch
8
Bruttostromerzeugung
10
Endenergieverbrauch
11
Entwicklung erneuerbare Energien
14
Fazit
16
Dr. Eberhard Brezski
+49 511 361 2972
[email protected]
Natalja Kenkel
+49 511 361 9315
[email protected]
Energieland Sachsen-Anhalt – Mit vollem Wind voraus
Im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt hat sich die Energiewirtschaft in Sachsen-Anhalt zwischen 2000
und 2011 etwas verhaltener entwickelt. Dies bedeutet aber nicht, dass das Land keine Erfolge vorzuweisen hat. Im
Gegenteil: Sachsen-Anhalt ist seit 2006 Stromlieferant und hat in einem relativ hohen Ausmaß fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt. Für die Grundlastversorgung wird aber nach wie vor der Energieträger Braunkohle
gebraucht, da vor allem die energieintensive Industrie des Landes eine hohe Versorgungssicherheit benötigt. Weil
dieses Ziel im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen steht, wird eine Modernisierung von bestehenden Braunkohlekraftwerken im Hinblick auf weitere CO2-Reduzierungen von den Betreibern eingefordert. Eine wesentliche Herausforderung wird in diesem Zusammenhang die Verbesserung der Energieeffizienz sein, da Sachsen-Anhalt – im
Gegensatz zu Deutschland insgesamt – seit 2004 einen stark gestiegenen Primärenergieverbrauch auswies.
Die Chancen zur weiteren Entwicklung der Energiewirtschaft in Sachsen-Anhalt liegen im Bereich der erneuerbaren Energie, die eine zunehmend wichtige Rolle in der Energieversorgung spielt. Bereits heute hat Sachsen-Anhalt
das Ziel der Bundesregierung eines Anteils von 35% erneuerbare Energien an der Bruttostromerzeugung in 2020
übererfüllt. Den größten Beitrag hierzu liefert die Windkraft, während die Photovoltaik die höchsten Wachstumsraten aufweist. Chancen bestehen zudem im Bereich von Bioenergieanlagen. In 2010 wurden von der erzeugten
Biomasse in Höhe von 82.002 Terajoule immerhin 26.153 Terajoule verkauft. Die Nutzung der diversen Chancen
bei den einzelnen Energieträgern hängt natürlich – wie in Deutschland insgesamt – vor allem von der Weiterentwicklung bei Energiespeichern und Transportnetzen ab. Sachsen-Anhalt hat aus unserer Sicht eine gute Startposition zur Nutzung der Chancen.
Wir bitten um Beachtung der besonderen Hinweise auf den letzten Seiten dieser Studie.
SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Sachsen-Anhalts Energieversorgungsbranche1
Die nachfolgenden Aussagen zum Umsatz und zu den Betrieben machen zweierlei deutlich:
Struktur der
Energieversorgungsbranche
durch erneuerbare Energien
beeinflusst …
♦
Die erneuerbaren Energien sind ein wichtiger Treiber für die Energieversorgungsbranche.
♦
Die Branche wird durch die erneuerbaren Energien zunehmend kleinteiliger
und dezentraler organisiert. Dies resultiert aus der Struktur der erneuerbaren
Energieanlagen, die sich im Fall der Photovoltaikanlagen oft auf den Dächern
landwirtschaftlicher Betriebe und privater Eigenheime befinden oder im Fall
der Windenergie (insb. On-Shore) bzw. Bioenergie mit sehr wenigen Beschäftigten betrieben werden. Beschäftigungseffekte entstehen in diesen Segmenten vor allem bei Handwerksbetrieben (die u.a. Anlagen warten) und Anlagenbauern.
Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die Entwicklung der Branche und ihrer
Struktur durch die EEG-Förderung beeinflusst wurde und wird.
Umsatzentwicklung Energieversorgung Deutschland
Deutschland
Umsatzentwicklung
Umsatzentwicklung Energieversorgung
SachsenSachsen-Anhalt
463.933
411.069
13,0%
346.122 338.110
9,8%
369.491
5.782
6.736
6.510
6.637
2009
2010
2011
6.195
289.909
206.564
147.800 158.134
120.503 134.822
2000
2001
2002
2003
2004
2.376
2005
3.347
3.029
176.655
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2000
2.309
2001
2002
2.546
2.618
2003
2004
2.844
2005
2006
2007
2008
Quelle: Destatis, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Energieversorgungsbranche
in Deutschland wächst
dynamischer
dynamischer als in
SachsenSachsen-Anhalt …
Die Energieversorgungsbranche ist in Deutschland dynamisch gewachsen. Dieses
Wachstum ist nicht zuletzt auf die erneuerbaren Energien zurückzuführen. Die
diversen Novellierungen des EEG haben in der Regel einen mehr oder minder
großen Investitionsschub ausgelöst, der sich letztlich auch im Umsatz ausgewirkt
hat. So wurde z.B. im EEG 2004 die vorrangige Einspeisung erneuerbarer Energien
in das Netz geregelt, was eine rechtliche Besserstellung der Betreiber von EEGAnlagen gegenüber örtlichen Netzbetreibern erreichte. In Verbindung mit den
geänderten Einspeisevergütungen führte dies bereits 2005 zu einem Umsatzanstieg, der sich in 2006 aufgrund von Preissteigerungen noch einmal deutlich erhöhte. Auch nach 2006 zeigte sich die Branche – mit Ausnahme des Jahres 2008,
in welchem die Energienachfrage wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise rückläufig war – dynamisch wachsend. Dies kommt deutlich in dem CAGR2 von 13,0%
zwischen 2000 und 2011 zum Ausdruck.
Im Gegenteil hierzu zeigt sich die Entwicklung der Energieversorgungsbranche in
Sachsen-Anhalt deutlich verhaltener. Dies kommt in den Umsatzverläufen zwischen 2000 und 2006 sowie zwischen 2007 und 2011 zum Ausdruck. In beiden
zeitlichen Abschnitten gibt es nur moderate Bewegungen im Umsatz der Branche.
Der relativ hohe CAGR von 9,8% für den Zeitraum 2000 bis 2011 wird nahezu ausschließlich durch die Umsatzsteigerung von 72,8% in 2007 verursacht.
1
Branche besteht aus: Elektrizitätserzeugung, Elektrizitätsübertragung, Elektrizitätsverteilung, Elektrizitätshandel, Gaserzeugung, Gashandel
durch Rohrleitungen, Gasverteilung durch Rohrleitungen sowie Wärme- und Kälteversorgung.
2 CAGR = Compound Annual Growth Rate = durchschnittliche jährliche Wachstumsrate
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Angesichts der im Jahr 2007 mit einem realen BIP-Wachstum von 2,3% vergleichsweise moderaten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes (Deutschland
3,3%) und der tendenziell rückläufigen Bevölkerung ist der Umsatzanstieg auf
den ersten Blick nicht erklärbar. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber eine Besonderheit des Landes. Sachsen-Anhalt ist seit 2006 Stromexporteur. Waren es 2006
noch 2.020 Terajoule die das Land verkaufte, so stieg die Menge in 2007 auf 7.927
Terajoule. Da zudem auch der Absatz anderer Energieträger (insb. Mineralölprodukte und Biomasse) anstieg, kam es zu diesem deutlichen Umsatzanstieg in
2007. In den Folgejahren entwickelten sich hingegen Preise3 und Mengen gegenläufig, was wiederum die auch bekannte moderate Umsatzentwicklung begründete.
Umsatzsprung 2007 durch
spezifische Situation
erklärbar …
In Summe kann damit festgehalten werden, dass die Umsatzentwicklung des Landes auf spezifische Gegebenheiten zurückzuführen ist.
Anzahl Unternehmen Energieversorgung
Deutschland
1.571
2,6%
1.217
2000
1.233
2001
1.270
2002
1.287
2003
1.278
2004
1.287
2005
1.293
2006
1.327
2007
1.325
2008
Anzahl Unternehmen Energieversorgung
SachsenSachsen-Anhalt
1.606
2,2%
88
1.405
2009
2010
2011
65
63
62
2000
2001
2002
67
69
69
68
2003
2004
2005
2006
75
77
2007
2008
2009
84
83
2010
2011
Quelle: Destatis, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Energiev
Energieversorgungsbranche
zeigt bei der Anzahl
Unternehmen kaum
Bewegung …
Die Anzahl der Unternehmen in der deutschen Energieversorgungsbranche ist
zwischen 2000 und 2011 mit einem CAGR von 2,6% nur moderat gewachsen.
Dieses moderate Wachstum ist zum einem auf Neugründungen im Rahmen von
erneuerbaren Energien und zum anderen auf die Re-Kommunalisierung von
Stadtwerken zurückzuführen. Letzteres dürfte allerdings den geringeren Beitrag
zur gestiegenen Anzahl der Unternehmen verursacht haben.
Ähnliches gilt für Sachsen-Anhalt, wo die Anzahl der Unternehmen sogar lediglich
mit einem CAGR von 2,2% gestiegen ist. Die Entwicklung verlief dabei – analog
zur Umsatzentwicklung – im Vergleich zu Deutschland gedämpfter. Auch in 2007
ist kein großer Anstieg bei der Anzahl der Unternehmen zu konstatieren, was jedoch angesichts der genannten Gründe für den Umsatzanstieg nachvollziehbar
ist.
Insgesamt hat sich die Anzahl der Unternehmen in der Energieversorgungsbranche nur moderat erhöht.
Die Besonderheiten der
erneuerbaren Energien wird
besser durch die Definition
des Betriebes nach
Umsatzsteuerstatistik
abgebildet …
3
4
Die oben dargestellte Entwicklung bei der Zahl der Unternehmen ist allerdings
keine umfassende Darstellung der Realität. Dies ergibt sich unmittelbar aus dem
Charakter vieler erneuerbare Energieanlagen. Bei Photovoltaikanlagen und Biogasanlagen handelt es sich vielfach um Energieanlagen, die im Umfeld von landwirtschaftlichen Betrieben oder auch im privaten Umfeld errichtet wurden. Diese
müssen zwar als Betrieb4 steuerlich und bei der Bundesnetzagentur angemeldet
werden. Sie haben aber nicht mindestens 20 Beschäftigte, so dass sie statistisch
nicht als Unternehmen erfasst werden. Ähnliches gilt auch für viele Windkraftanlagen.
Quelle: Destatis
Betrieb in diesem Sinne, sind alle mit einen steuerbaren Umsatz von EUR 17.500,00 pro Jahr aus Lieferung und Leistung (ohne Umsatzsteuer).
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Anzahl Betriebe nach Umsatzgröß
Umsatzgrößenklassen
ößenklassen in Deutschland 2011
Energieversorgungsbranche
in Deutschland
sehr kleinteilig …
649
328
147
55.228
10 Mio. 50 Mio.
50 Mio. 250 Mio.
> 250 Mio.
Betriebe
insgesamt
3.695
8.344
14.895
27.170
> 17.500
- 50.000
50.000 250.000
250.000
- 1 Mio.
1 Mio. 10 Mio.
Quelle: Destatis
Unter Berücksichtigung der
Betriebe für erneuerbare
Energien ergibt sich eine
ausgesprochen kleinteilige
Branchenstruktur …
Unter Berücksichtigung von Betrieben im Sinne der Umsatzsteuerstatistik lassen
sich die folgenden Aussagen treffen:
♦
In Deutschland stieg die Anzahl der Betriebe mit einem CAGR von 21,7% von
20.688 in 2006 auf 55.228 in 2011. Dies übertrifft die Anzahl der Unternehmen um den Faktor 34.
♦
Sachsen-Anhalt ist ebenfalls gewachsen, aber mit einer niedrigeren Wachstumsrate. Der CAGR betrug 16,9% und 2011 existierten 746 Betriebe im Sinne der Umsatzsteuerstatistik. Dies liegt ein 9-faches über der Anzahl der Unternehmen nach der engen Definition (83 Unternehmen).
♦
Sachsen-Anhalt hat im Durchschnitt größere Unternehmen, soweit es die
Anzahl der Beschäftigten angeht. In Sachsen-Anhalt hatten 2011 11,1% der
Energieversorgungsbetriebe zumindest 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In Deutschland betrug diese Quote lediglich 2,9%.
Insgesamt kann folgendes festgehalten werden: Auch die Anzahl der Betriebe
bestätigt die eher verhaltene Entwicklung der Energieversorgungsbranche in
Sachsen-Anhalt.
Energieversorgungsbranche
in SachsenSachsen-Anhalt
unterdurchschnittlich
unterdurchschnittlich
präsent …
Dafür spricht auch, dass in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Verteilung der
Betriebe auf die einzelnen Branchen Sachsen-Anhalt 2011 anteilig 35,3% (2010:
39,0%) weniger Betriebe in der Energieversorgungsbranche aufweist als Deutschland. Sie ist damit in Sachsen-Anhalt unterdurchschnittlich repräsentiert.5
Umsatz pro Energieversorgungsbetrieb6
Umsatz pro Energieversorgungsunternehmen
Sachsen-Anhalt
Deutschland
Sachsen-Anhalt
300
289
261
255
263
262
Deutschland
19,5
20
250
224
15,7
15
200
14,0
14,0
150
100
138
99
109
116
14,9
11,9
161
12,0
9,4
10
123
11,6
9,8
8,9
8,4
77
80
77
78
80
5
50
48
37
37
38
38
41
2002
2003
2004
2005
49
0
2000
2001
2006
2007
2008
2009
2010
2011
0
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Quelle: Destatis, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, NORD/LB, Angaben in Mio. EUR
5
6
Quelle: Destatis, eigene Berechnungen
Definition Betrieb folgt der Systematik der Umsatzsteuerstatistik, deren älteste veröffentlichte Zahlen sich auf 2006 beziehen.
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Energieunternehmen in
SachsenSachsen-Anhalt erzielen
durchschnittlich geringere
Umsätze …
Die Energieversorgungsbranche hat in Sachsen-Anhalt 2011 Investitionen in Höhe
von 2,8% ihrer Umsätze getätigt (2010: 2,6%). Dies liegt etwas über dem bundesdeutschen Wert von 2,3% (2010: 2,7%). Die Investitionen haben sich aber nicht in
den Umsätzen pro Unternehmen signifikant ausgewirkt. Diese stiegen von EUR 78
Mio. in 2010 um 2,6% auf EUR 80 Mio. in 2011. In Deutschland erhöhten sie sich
im gleichen Zeitraum von EUR 262 Mio. um 10,3% auf EUR 289 Mio.
Diese Entwicklung ist eine Bestätigung der bisherigen Aussagen zur Branche. Es
zeigt sicher aber auch, dass die Branche in Deutschland 2011 einen durchschnittlich um EUR 208 Mio. höheren Umsatz erzielt als in Sachsen-Anhalt. Daraus folgt,
dass die Branche in Sachsen-Anhalt noch Produktivitätspotenziale aufweist.
Umsatz pro Betrieb liegt in
SachsenSachsen-Anhalt auf dem
deutschen Niveau …
Allerdings ist die geringe Eignung des Begriffs des Unternehmens im obigen Sinn
zur Abbildung der Strukturen der erneuerbaren Energien zu beachten. Daher wird
der Umsatz auch noch in Relation zur Anzahl der Betriebe laut Umsatzsteuerstatistik gesetzt. Danach wäre der Umsatz pro Betrieb in Sachsen-Anhalt von EUR 9,8
Mio. in 2006 deutlich auf EUR 19,5 Mio. in 2007 gestiegen, was – wie bereits dargelegt – auf den Verkauf von Energieträgern zurückzuführen war. Im weiteren
Verlauf ist dann der Wert in Sachsen-Anhalt – wie auch in Deutschland – gesunken. 2011 war er mit EUR 8,9 Mio. in Sachsen-Anhalt und EUR 8,4 Mio. in Deutschland nahezu identisch. Danach gäbe es also keine signifikanten Größenunterschiede zwischen Sachsen-Anhalt und Deutschland. Allerdings ist auch erkennbar,
dass der Umsatz pro Betrieb in Sachsen-Anhalt schneller sinkt, was auf zukünftig
unterdurchschnittliche Umsätze pro Betrieb hindeutet.
Beschäftigte Energieversorgung D (2003 = 100)
Beschäftigte Energieversorgung ST (2003 = 100)
170
130
Wärme- & Kälteversorgung
Gasversorgung
Energieversorgung insgesamt
Elektrizitätsversorgung
120
110
100
Gasversorgung
160
150
140
130
120
Energieversorgung insgesamt
Elektrizitätsversorgung
Wärme- & Kälteversorgung
110
90
100
90
80
80
70
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
70
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Beschäftigungswachstum in
der Branche korreliert nicht
mit Wachstum der
Betriebe …
Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der deutschen
Energieversorgungsbranche verdeutlicht, dass die Branche aufgrund der Entwicklungen bei den erneuerbaren Energien sehr kleinteilig strukturiert ist. Die Anzahl
der Beschäftigten ist von 215.451 in 2003 auf 237.519 in 2012 gestiegen. Der
CAGR liegt entsprechend bei 1,1%. Dies liegt deutlich unter der durchschnittlichen Wachstumsrate der Unternehmen von 2,6% bzw. der Betriebe mit 21,7%7
und entspricht den am Anfang der Studie geäußerten Erwartungen bezüglich der
Beschäftigungseffekte von erneuerbaren Energien.
In Sachsen-Anhalt zeigt sich diesbezüglich ein vergleichbares Bild. Die Beschäftigtenzahl stieg von 5.750 in 2003 auf 6.753 in 2012. Der CAGR liegt damit bei 1,8%.
Auch dieser Wert liegt deutlich unter der durchschnittlichen Wachstumsrate von
2,2% bei den Unternehmen und 16,9% bei den Betrieben. Allerdings bedeutet
dies auch einen relativ gesehen höheren Beschäftigungsaufbau in SachsenAnhalt.
7
Hierbei sind die unterschiedlichen Bezugszeiträume zu beachten. Aber auch bei einer Anpassung der Zeiträume würde sich an den Ergebnissen nichts ändern. Die Unterschiede wären nur noch deutlicher.
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Beschäftigungswachstum
vor allem in der
Gasversorgung …
Strukturell zeigt sich, dass der Beschäftigungsaufbau in erster Linie von der Gasversorgung getragen wird. Sowohl in Deutschland als auch in Sachsen-Anhalt hat
dieses Branchensegment deutlich zugelegt. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutliche Zunahme von Biogasanlagen in Deutschland und Sachsen-Anhalt ab 2007
zurückzuführen sein. In Deutschland wuchs die Anzahl von 3.500 in 2006 auf
7.515 in 2012.8 In Sachsen-Anhalt kletterte die installierte elektrische Leistung von
15 MW elektrisch in 2005 auf 165 MW elektrisch.9 Die Anzahl der Anlagen ist von
unter 100 auf 298 in 2012 gestiegen.10
Ein Unterschied existiert allerdings hinsichtlich der Wärme- und Kälteversorgung,
die in Deutschland stärker angewachsen ist als in Sachsen-Anhalt. Ein Grund hierfür könnte die langjährige Bekanntheit und Nutzung von Fernwärme in SachsenAnhalt sein. Allerdings ist dieses Branchensegment relativ klein. In SachsenAnhalt entfallen 9,4% der Beschäftigten auf die Wärme- und Kälteversorgung. In
Deutschland sind es 4,0%. Die Gasversorgung ist dagegen in Sachsen-Anhalt mit
einem Beschäftigtenanteil von 18,2% (D: 10,6%) deutlich wichtiger.
Insgesamt ist festzuhalten, dass sich die Beschäftigungsstruktur der Energieversorgungsbranche in Deutschland und Sachsen-Anhalt recht deutlich unterscheiden. In Deutschland kommt der Elektrizitätsversorgung mit einem Beschäftigtenanteil von 85,4% eine höhere Bedeutung zu als in Sachsen-Anhalt mit einem Anteil von 72,4%.
Beschäftigung in SachsenSachsenAnhalt
Anhalt offenbart
Produktivitätspotenziale …
Mit der positiven und im Vergleich zu Deutschland besseren Beschäftigungsentwicklung der Energieversorgungsbranche von Sachsen-Anhalt ist allerdings auch
ein negativer Produktivitätsaspekt verbunden. Da die Umsätze in Sachsen-Anhalt
im Zeitablauf vergleichsweise weniger stark gestiegen sind, hat das Land eine
schlechtere Produktivität – gemessen als Umsatz pro Mitarbeiter – als der bundesdeutsche Durchschnitt. Diese Kennzahl hat sich in Sachsen-Anhalt von EUR
0,44 Mio. 2003 auf EUR 1,01 Mio. in 2011 verbessert, was aber immer noch unter
dem bundesdeutschen Wert von EUR 1,98 Mio. in 2011 (2003: EUR 0,73 Mio.)
liegt. In Deutschland ist die Kennzahl mit einem CAGR von 13,3% gewachsen,
wohingegen sie in Sachsen-Anhalt mit einem CAGR von 10,9% angestiegen ist.
Der Produktivitätsanstieg hat sich folglich vergrößert.
Trotz des Wachstums beim Umsatz pro Beschäftigten weist Sachsen-Anhalt diesbezüglich nach wie vor eine Produktivitätslücke auf, die sich mittelfristig gegebenenfalls auf die Wettbewerbsfähigkeit der Energiewirtschaft des Landes auswirken
kann.
8
Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Quelle: www.foederal-erneuerbar.de
10
Quelle: Fachverband Biogas e.V.
9
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Entwicklungen in Sachsen-Anhalt11 bezüglich…
Energieaufkommen
2010 wurden 23,6% des
sachsensachsen-anhaltinischen
anhaltinischen
Energieaufkommens im
Land gewonnen …
887.468
209.421
677.205
Zulieferung
842
Bestandsentnahme
364.148
Gewinnung
in SachsenAnhalt
Energieaufkommen
Lieferung
174
523.494
Bestandsaufbau
Primärenergieverbrauch
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Der Anteil der eigenen
Gewinnung von Energie ist
gestiegen …
Der Anteil der eigenen Gewinnung von Energie am Primärenergieverbrauch in
Sachsen-Anhalt ist von 31,7% im Jahr 2005 auf 34,9% im Jahr 2010 gestiegen.
Diese Steigerung ist in erster Linie auf die erneuerbaren Energien zurückzuführen,
wie die folgenden Aussagen verdeutlichen:
♦
Erneuerbare Energien: Mit 102.323 Terajoule an erneuerbaren Energieträgern
in 2010 machen diese bereits 11,5% des gesamten Energieaufkommens aus.
Mit 80,1% entfällt der weitaus größte Teil auf Biomasse. Die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energieträgern ist von 9.861 Terajoule in 2003 auf
102.323 Terajoule in 2010 gestiegen. Dies ist ein Plus von 937,7%.
♦
Rohbraunkohle: An zweiter Stelle befindet sich die Braunkohle mit einer erzeugten Energie von 73.928 Terajoule im Jahr 2010. Ihr Anteil am Energieaufkommen sank von 80,6% in 2003 auf 35,3% in 2010.
♦
Erdgas: Erdgas trägt mit 6.097 Terajoule nur mit 2,9% zur Energiegewinnung
in Sachsen-Anhalt bei.
Die Entwicklung bei den erneuerbaren Energien hat folglich dazu geführt, dass
Sachsen-Anhalt einen zunehmenden Anteil seines Primärenergieverbrauchs im
Land selbst gewinnt. Dabei wurden in erster Linie fossile Energieträger durch
erneuerbare ersetzt. Gleichwohl nahm die eigene Energiegewinnung im Land
auch absolut zu. Sie erhöhte sich von 155.589 Terajoule in 2005 um 17,2% auf
182.348 Terajoule in 2010.
Entwicklung Energiegewinnung
Energiegewinnung (2003
(2003 = 100)
1.100
erneuerbare Energien
1.000
900
800
700
600
500
sonstige Energieträger
400
300
200
Braunkohle
100
Erdgas
0
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Struktur der im Land generierten Energieträger
100%
90%
80%
Braunkohle
70%
60%
Erdgas
50%
40%
erneuerbare Energien
30%
20%
10%
sonstige Energieträger
0%
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Quelle: Energiebilanz 2010 des Landes Sachsen-Anhalt
11
Basis sind die Energiebilanzen des Landes.
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Fossile Energieträger
rückläufig; erneuerbare
Energien auf dem VorVormarsch …
Insgesamt ist die Gewinnung fossiler Energieträger in Sachsen-Anhalt seit 2003
(125.366 Terajoule) um 36,2% zurückgegangen, hat sich aber seit 2007 auf einem
gegenüber 2003 bescheidenen Niveau von gut 80.000 Terajoule stabilisiert. Gegenüber 2003 ist dies ein Rückgang von ca. 36,2%. Mit einem Anteil von 35,3%
an den gewonnenen Energieträgern in 2010 ist die Braunkohle jedoch immer
noch von hoher Bedeutung für Sachsen-Anhalts Energiebilanz; ein Energieträger,
der bei der Stromerzeugung rd. 60% mehr CO2 emittiert als z.B. Erdgas. Gleichwohl ist die Substitution der fossilen Energieträger durch die erneuerbaren gut
erkennbar, auch wenn die Energiewende nach wie vor ein eher mittel- bis langfristiger Prozess ist.
Die wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien kommt nicht zuletzt in
ihrem überproportionalen Wachstum zum Ausdruck. Ihr Anteil an der Energiegewinnung stieg von 7,3% in 2003 auf 48,9% in 2010. Angesichts der Entwicklung
der Anzahl von Betrieben in der Energieversorgung dürfte sich der Anteil der erneuerbaren Energien seit 2010 noch einmal erhöht haben. Dies gilt insbesondere
vor dem Hintergrund, wonach die Energiewende erst nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 ins Leben gerufen wurde und mit dieser auch die Förderung eines verstärkten Ausbaus der erneuerbaren Energien einherging.
Auch sonstige Energieträger, hinter denen unter anderem biogene und nichtbiogene Abfälle stehen, sind im Zeitablauf stark gestiegen. Ihr Anteil an der Energiegewinnung stiegt von quasi Null in 2003 auf 12,9% in 2010.
Angesichts dieser Entwicklung kann bereits an dieser Stelle festgestellt werden,
dass sich Sachsen-Anhalt zunehmend zu einem Land der erneuerbaren Energien
entwickelt.
Primärenergieverbrauch
Primärenergieverbrauch in
SachsenSachsen-Anhalt deutlich
gestiegen …
Der Primärenergieverbrauch in Sachsen-Anhalt entwickelte sich im Vergleich
zum deutschlandweiten Verbrauch anders. Während in Deutschland der Verbrauch im Betrachtungszeitraum insgesamt sank, erhöhte sich der Verbrauch in
Sachsen-Anhalt vor allem in 2005 und 2006 recht deutlich und blieb auch anschließend auf diesem relativ hohen Niveau. Diese Entwicklung ist insoweit interessant, da sie nicht zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und zur Bevölkerungsentwicklung (2000 bis 2011: durchschnittlich -1,9% p.a.) passt. Allerdings
verläuft der Primärenergieverbrauch weitgehend analog zum ebenfalls in allen
Segmenten (Haushalte, produzierendes Gewerbe, Verkehr etc.) gestiegenen
Endenergieverbrauch.
Struktur Primärenergieverbrauch12
Primärenergieverbrauch 2000 - 2011 (2000 = 100)
120
Primärenergieverbrauch Sachsen-Anhalt
45
115
40
110
35
30
105
100
Erdgas
Mineralöle
25
Primärenergieverbrauch Deutschland
95
90
85
80
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
20
15
Braunkohle
erneuerbare Energieträger
10
5
Steinkohle
0
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V., Energiebilanz 2010 Sachsen-Anhalt
12
Darstellung etwas verfälscht, da in den Jahren 2003 bis 2007 keine Angaben zu Steinkohle, in den Jahren 2003 bis 2009 keine Angaben zum
Mineralöl und 2003 keine Angabe zu erneuerbare Energieträger. Für die Darstellung wurden die letzten bekannten Zahlen konstant gesetzt.
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Primärenergieverbrauch durch Die Steigerungen im Primärenergieverbrauch und dessen relativ stabil hohes
Niveau dürften wahrscheinlich auf eine im bundesdeutschen Vergleich – wie die
geringere Energieeffizienz
beiden nachfolgenden Abbildungen zeigen – geringere Energieeffizienz im Verbedingt …
brauch und eine eher energieintensive Industrie zurückzuführen sein. Diese Lücke im Vergleich zu Deutschland dürfte sich auch nicht kurzfristig schließen.
Primärenergieverbrauch je Einwohner in GWh
Primärenergieverbrauch je Einheit nominales BIP
10,3
223
-22,1%
174
-44,7%
5,7
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt
Deutschland
Deutschland
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanz e.V., Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, NORD/LB
Erneuerbare Energien
gewinnen in SachsenSachsen-Anhalt
deutlich an Bedeutung …
Biomasse steht beim
Primärenergieverbrauch von
erneuerbaren Energien in
SachsenSachsen-Anhalt im
Vordergrund …
Die Struktur des Primärenergieverbrauches in Sachsen-Anhalt ist dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil der erneuerbaren Energien kontinuierlich zunimmt:
♦
Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg von 1,1% in 2000 auf rund
14,5% in 2010 und nähert sich der Größenordnung Braunkohle, die auf einen Anteil von 16,6% kommt.
♦
Erdgas bleibt mit 37,0% der wichtigste Energieträger in Sachsen-Anhalt und
wird damit seiner Bedeutung als Brückentechnik gerecht.
♦
Die Mineralöle kommen auf 28,3%, haben sich aber sukzessive verringert.
♦
Braunkohle liefert eine relativ stabile Portion zum Primärenergieverbrauch.
Sie soll wegen ihrer Bedeutung zur Deckung der Grundlast auch weiterhin
genutzt werden, allerdings bei paralleler Vorgabe von Effizienzsteigerungen.13
80.000
70.000
60.000
Klär- & Deponiegas
Wasserkraft
Windkraft
Solarenergie
50.000
40.000
30.000
Biomasse
20.000
10.000
sonstiges
0
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Angaben in Terajoule
13
Quelle: EuPH / DCTI
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Bedeutung der erneuerbaren
Energien dürfte auch
weiterhin zunehmen …
Es ist davon auszugehen, dass sich die Struktur des Primärenergieverbrauchs seit
2010 weiter zugunsten der erneuerbaren Energien verschoben hat. Die Entwicklung der Anzahl von Energieversorgungsbetrieben lässt vermuten, dass viele kleinere, dezentrale Energieanlagen (insb. Photovoltaik und Biomasse) entstanden
sind, was sich auf die Strukturen des Primärenergieverbrauchs entsprechend
auswirken sollte. Dies wird auch durch Prognosen für das Jahr 2011 bestätigt, die
eine Steigerung der erneuerbaren Energien um 13,8% erwarten, während der
Primärenergieverbrauch lediglich um 0,8% steigen soll.
Größte Energieträger bei den erneuerbaren Energien sind die Biomasse, die
Windkraft und – wenngleich derzeit noch auf einem relativ niedrigen Niveau – die
Solarenergie. Die Bedeutung dieser drei Energieträger wird auch zukünftig noch
zunehmen. Dies gilt insbesondere auch für Biomasse, von der Sachsen-Anhalt in
2010 immerhin 26.153 Terajoule verkauft. Dies bedeutet, dass 68,0% der im Land
gewonnenen Biomasse für den Primärenergieverbrauch genutzt wurden, 31,9%
verkauft wurden und 0,1% einer Bestandsaufstockung zuflossen. Bei der Biomasse hat Sachsen-Anhalt – unter Vernachlässigung anderer Faktoren, wie z.B. Speicherung und Transport von Energie – folglich noch zusätzliche Nutzungspotenziale im Primärenergieverbrauch.
Bruttostromerzeugung
Entwicklung der
Bruttostromerzeugung
bestätigt deutlich
wachsende Bedeutung
erneuerbarer Energien …
Der Anteil erneuerbarer
Energien an der
Bruttostromerzeugung ist auf
39,0% gestiegen …
Die Bruttostromerzeugung ist von 13.173 GWh in 2000 um 76,0% auf 23.180 GWh
in 2011 angewachsen. Wichtigster Energieträger sind seit 2010 die erneuerbaren
Energien, die in 2011 einen Anteil von 39% (2010: 34,6%) erreicht haben.14 Zwischen 2000 und 2011 sind die erneuerbaren Energien von 760 GWh auf 9.043
GWh angewachsen, was einem Plus von 1.090,5% entspricht. Lediglich die sonstigen Energieträger, hinter denen sich Verwertung nicht-biogener Abfälle oder
Pumpspeicherwerke verbergen, erzielten ein ähnlich starkes Wachstum. Allerdings haben diese lediglich einen Anteil von 4,6% an der Bruttostromerzeugung
und damit eine weitaus niedrigere Bedeutung. Hieraus wird bereits ersichtlich,
dass die erneuerbaren Energien für den Energiemix in Sachsen-Anhalt immer
wichtiger werden.
1.300
1.200
sonstige Energieträger
erneuerbare Energien
1.100
1.000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
Braunkohle
Erdgas
Mineralöle
0
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, 2000 = 100
14
Sachsen-Anhalt hatte damit bereits 2011 das von der Bundesregierung für 2020 formulierte Ziel eines Anteils von 35% übertroffen.
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Die fossilen Energieträger
Energieträger
verlieren dagegen an
Bedeutung …
Die fossilen Energieträger haben sich dagegen in ihren absoluten Größen in GWh
eher stabil gezeigt, aber an Bedeutung verloren. Auf Braunkohle entfallen 2011
7.400 GWh (2000: 6.106 GWh), was einen Anteil von 31,9% entspricht. Sie ist damit hinter den erneuerbaren Energien der wichtigste Energieträger. Hierin kommt
auch die Bedeutung dieses Energieträgers zur Deckung der Grundlast zum Ausdruck. Allerdings ist auch zu konstatieren, dass der Anteil der Braunkohle von
46,3% in 2000 auf 31,9% in 2011 gesunken ist.
Ähnliches gilt auch für das Erdgas, dessen Anteil von 41,0% in 2000 auf 21,7% in
2011 gesunken ist. In GWh entfielen 2011 auf das Erdgas 5.029 GWh (2000: 5.404
GWh). Daneben sind auch die Mineralöle rückläufig, die aber auch nur einen Anteil
von 2,8% (2000: 6,2%) haben.
Energiewende wird in
SachsenSachsen-Anhalt deutlich
sichtbar …
Insgesamt kann damit festgehalten werden: Die erneuerbaren Energien werden
zunehmend zur Deckung des steigenden Energieverbrauchs und zur Kompensation von fossilen Energieträgern genutzt. Diese Strukturverschiebung verdeutlicht
nachdrücklich die Energiewende. Für 2012 ist von einem weiteren Anstieg der
erneuerbaren Energien auszugehen, da erst in 2011 die Energiewende verkündet
und mit entsprechenden Förderungen versehen wurde. Allerdings kommt in diesen Zahlen auch zum Ausdruck, dass fossile Energieträger immer noch zur Sicherstellung der Grundlast benötigt werden. In Sachsen-Anhalt kommt diese Rolle der
Braunkohle zu.
Endenergieverbrauch
Endenergieverbrauch des
Verarbeitenden Gewerbes
verdeutlicht industrielle
Entwicklung …
Der Endenergieverbrauch in Sachsen-Anhalt ist zwischen 2001 und 2010 von
275.808 Terajoule um 15,5% auf 318,593 Terajoule gewachsen. Maßgeblich hierzu beigetragen hat das verarbeitende Gewerbe, welches im gleichen Zeitraum ein
Wachstum von 55,2% aufwies. Der Endenergieverbrauch der Industrie stieg von
84.704 Terajoule in 2001 auf 131.484 Terajoule in 2010. Hierin kommen deutlich
die industrielle Entwicklung des Landes und der energieintensive Charakter großer Teile der Industrie zum Ausdruck. Dementsprechend ist auch der Anteil des
verarbeitenden Gewerbes am Endenergieverbrauch von 30,7% in 2001 auf 41,3%
in 2010 gestiegen.
Dagegen weist der Verkehr einen Rückgang am Endenergieverbrauch auf. Von
63.345 Terajoule in 2001 fiel der Verbrauch um 8,5% auf 57.992 Terajoule in
2010. Diese Entwicklung ist auf Energieeffizienzsteigerungen zurückzuführen.
Insgesamt entfiel auf diesem Verbrauchsbereich ein Anteil von 18,2% in 2010.
Endenergieverbrauch vor
allem im Verarbeitenden
Gewerbe kontinuierlich anangestiegen …
160
Verarbeitendes Gewerbe
150
140
130
120
110
Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen
100
Verkehr
90
80
70
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, 2001 = 100
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Endenergieverbrauch der
Haushalte und des
Dienstleistungsektors hat
sich anders entwickelt als
vermutet …
Die Haushalte stellen mit einem Anteil am Endenergieverbrauch von 40,5% die
zweitgrößte Verbrauchergruppe. Allerdings ist ihr Anteil rückläufig. In 2001 lag er
noch bei 46,3%. In absoluten Zahlen stieg der Verbrauch von 127.758 Terajoule in
2001 auf 129.118 Terajoule in 2010. Hierin kommt zweierlei zum Ausdruck: Zum
einem verliert die Gruppe „Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen“ an
Bedeutung und zum anderen wäre angesichts der relativ geringen Bedeutung des
Dienstleistungssektors für Sachsen-Anhalt sowie dessen rückläufiger Bevölkerungsentwicklung ein kontinuierlich sinkender Endenergieverbrauch in diesem
Sektor zu erwarten gewesen. Insoweit bleibt es bei der Aussage, dass das Land ein
Energieeffizienzproblem hat.
Endenergieverbrauch nach Energieträgern15
Endenergieverbrauch verarbeitendes Gewerbe
9.863
Braunkohle
Mineralöle
0
6.759
3.684
79.799
106.416
103.384
Erdgas
8.165
87.130
30.740
2.896
Steinkohle
Braunkohle
Mineralöle
9.414
Erdgas
34.160
7.885
52.106
13.267
erneuerbare Energieträger
Strom
49.673
52.885
erneuerbare Energieträger
Strom
20.395
Fernwärme
28.147
30.257
Fernwärme
11.139
8.485
2001
2010
1999
2010
569
0
34.312
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Erneuerbare Energien beim
Endenergieverbrauch immer
immer
bedeutsamer …
Wie beim Primärenergieverbrauch und bei der Bruttostromerzeugung spielen die
erneuerbaren Energien auch beim Endenergieverbrauch eine zunehmende Rolle.
So stieg ihre Nutzung im Zeitraum von 2001 bis 2010 von 569 Terajoule auf
30.740 Terajoule. Allerdings ist der Anteil am Endenergieverbrauch mit 9,6% im
Vergleich zu den anderen Energieträgern noch immer relativ gering. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien seit 2010
noch einmal zugenommen hat. Außerdem ist zu beachten, dass die erneuerbaren
Energien auch bei der Stromerzeugung und Wärmeerzeugung verwendet werden.
Die bedeutendsten Energieträger sind hier Erdgas mit einem Anteil von 32,5%,
Mineralöle (einschließlich Flüssiggas) mit 25,0%, Strom mit 16,6% und Fernwärme mit 9,5%. Die Bedeutung der Energieträger Erdgas, Fernwärme und Strom hat
zwischen 2001 und 2010 zugenommen. Erdgas stieg um 18,7%, die in SachsenAnhalt seit langem bedeutsame Fernwärme um 7,5% und Strom um 6,5%. Auch
die für die Grundlast wichtige Braunkohle hat zwischen 2001 und 2010 um 45,9%
zugelegt, wohingegen die Bedeutung der Mineralöle deutlich zurückgegangen ist.
Im verarbeitenden
verarbeitenden Gewerbe
haben die erneuerbare
Energien die Braunkohle
läng
längst überholt …
Auch innerhalb des verarbeitenden Gewerbes gewinnen erneuerbare Energieträger immer mehr hinzu, auch wenn ihr Anteil am Verbrauch nur 10,1% ausmacht.
Sie haben aber bereits die Braunkohle überholt, deren Anteil am Verbrauch nur
noch 6,2% beträgt. Weitaus wichtiger sind Erdgas mit 39,6%, Strom mit 26,1%
und Fernwärme mit 6,5%. Allerdings ist der Verbrauch von Mineralöl deutlich
zurückgegangen.
Die Vorrangstellung der fossilen Energieträger im Verarbeitenden Gewerbe dürfte
auf die dort hohe Bedeutung der Versorgungssicherheit zurückzuführen sein.
15
In 2001 ist in den Tabellen keine Angabe bei den Mineralölen zu finden, deshalb wurde hier behelfsmäßig der Wert der letzte vorhergehende
Wert aus dem Jahr 1999 eingesetzt. In den betreffenden Jahren existierten keine Angaben für Steinkohle, so dass diese nicht berücksichtigt
wurden.
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Endenergieverbrauch Haushalte etc.
Steinkohle
Braunkohle
Mineralöle
261
201
1.698
1.230
23.658
32.547
Endenergieverbrauch Verkehr
sonstige
erneuerbare Energien
5,5% 5,8%
Ottokraftstoffe
31,9%
50.868
Erdgas
52.834
407
erneuerbare Energieträger
14.270
Strom
25.038
16.652
Fernwärme
15.441
21.772
2001
2010
56,8%
Dieselkraftstoffe
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
Im Bereich Haushalte,
Gewerbe, Handel,
Dienstleistungen haben die
erneuerbaren Ene
Energien den
höchsten Anteil unter den
Verbrauchsgruppen …
Im Bereich Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen ist der Anteil der erneuerbaren Energien stark gewachsen. Im Zeitraum von 2001 bis 2010 stieg der
Verbrauch um 3.406,1% von 407 Terajoule auf 14.270 Terajoule. Allerdings ist das
im Gesamtkontext des Endenergieverbrauchs dieses Bereiches noch ein relativ
geringer Anteil von 11,1%.
Der wichtigste Energieträger ist hier Erdgas mit 39,4%, dessen Verbrauch im Analysezeitraum leicht zurückgegangen ist. Dagegen hat Mineralöl deutlich an Bedeutung verloren, wobei sein Anteil immer noch bei 18,3% liegt. Ursächlich für
diese rückläufige Entwicklung ist die zunehmende Substitution von Mineralöl
durch erneuerbare Energien.
Einen gestiegenen Energieverbrauch (+41,0%) weist die Fernwärme auf, wofür
auch eine zunehmende Nutzung von Blockheizkraftwerken ursächlich sein dürfte.
Dagegen verzeichnet Strom einen um 33,5% rückläufigen Verbrauch. Die Gründe
hierfür sind u.a. eine verbesserte Energieeffizienz vieler Geräte und die rückläufige Bevölkerung. Anteilig sind Strom für 12,9% und Fernwärme für 16,9% des
Endenergieverbrauchs verantwortlich.
Auch im Verkehr steigt der
Energieverbrauch aus
erneuerbaren Energien ...
Der Endenergieverbrauch im Verkehr wird von Otto- und Dieselkraftstoffen beherrscht. Auf beide zusammen entfällt ein Anteil von 88,7% am Endenergieverbrauch im Verkehr in 2010. Gegenüber 2001 hat sich der Anteil jedoch verringert.
In 2001 lag der Anteil bei insgesamt 95,7%.
Dabei sind ausschließlich Ottokraftstoffe zurückgegangen. Deren Verbrauch fiel
von 30.132 Terajoule in 2001 um 38,5% auf 18.530 Terajoule in 2010. Dies dürfte
zu einem geringen Anteil auf die Substitution durch erneuerbare Energien und
zum einem größeren Teil durch die verbesserte Energieeffizienz moderner Motoren und den Bevölkerungsrückgang zurückzuführen sein. Grund für den Anstieg
bei den Dieselkraftstoffen, die zwischen 2001 und 2010 um 2.483 Terajoule bzw.
8,2% wuchsen, dürfe dagegen die zunehmende Bedeutung der Logistikbranche
in Sachsen-Anhalt sein.
Unabhängig davon haben auch im Verkehr die erneuerbaren Energien zugelegt.
Sie stiegen von 162 Terajoule in 2001 auf 3.203 Terajoule in 2010. Mit einem Anteil von 5,5% sind sie aber immer noch ein vergleichsweise unbedeutender Energieträger im Verkehr.
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Entwicklung erneuerbarer Energien in Sachsen-Anhalt
SachsenSachsen-Anhalt bei
erneuerbarer Energie auf
zweiten Platz bei den neuen
Ländern …
Bezogen auf die erneuerbaren Energien zeigt sich, dass Sachsen-Anhalt bei den
Bundesländern einen Platz im vorderen Mittelfeld hat. Nur Bayern, Niedersachsen,
Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg haben mehr installierte EE-Leistung. Bemerkenswert ist dabei, dass Sachsen-Anhalt nur relativ wenige EE-Anlagen hat, so dass diese im Durchschnitt größer sind als insbesondere
die Anlagen in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Insgesamt gesehen liegt das Bundesland damit bezüglich der Nutzung von erneuerbaren Energien auf dem zweiten Platz unter den neuen Bundesländern und
im vorderen Mittelfeld unter allen Bundesländern. Dies kommt auch darin zum
Ausdruck, dass in Sachsen-Anhalt 2011 40,9% der Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Im Bund liegt der Anteil bei 20,0%. Bezogen auf den Stromverbrauch bedeutet dies einen Anteil von 66,6%.16
Die in 2011 installierte Gesamt-Leistung von 4.905 MW an erneuerbarer Energie
teilt sich wie folgt auf:17
♦
Windenergie: 3.707,9 MW
♦
Photovoltaik:
822,6 MW
♦
Biomasse:
353,4 MW
♦
Wasser:
25,0 MW
♦
Dep.-/Klärgas:
15,8 MW
Sachsen-Anhalt hat damit bereits 2010 das Ziel eines Anteils der erneuerbaren
Energien von 35,0% an der Bruttostromerzeugung im Jahre 2020 übererfüllt. Die
Produktion von erneuerbarer Energie ist im Land höher als der Verbrauch. Von
den 102.336 Terrajoule Energieaufkommen aus erneuerbarer Energie wurden
2011 35,6% (26.153 Terajoule) weiter veräußert.18 Insoweit kann Sachsen-Anhalt
als ein Wegebereiter für die Energiewende gesehen werden. Zugleich verdeutlicht
dies aber auch die Problematik der Speicherung und des Transports von erneuerbaren Energien in Form von z.B. Strom. Eine Lösung für diese Problemstellungen
ist umso wichtiger, je höher der Anteil der erneuerbaren Energien wird.
SachsenSachsen-Anhalt liegt 2011
bezüglich der installierten
EEEE-Leistung auf den 6. Platz
in Deutschland …
EE-Leistung (MW)
EE-Anlagen
383.459
400.000
12.000
10.106
350.000
10.000
300.000
250.000
8.000
219.639
200.000
6.000
156.585
150.000
4.000
104.620
75.612
60.286
Thüringen
Schleswig-Holstein
Sachsen-Anhalt
Sachsen
Nordrhein-Westfalen
Niedersachsen
Mecklenburg-Vorpommern
Saarland
31.467
24.423
2.000
16.973
16.867
15.875
0
10.316
Hessen
Hamburg
21.796
1.452 2.142
Bremen
Bayern
Baden-Württemberg
0
Berlin
4.087
Brandenburg
50.000
Rheinlad-Pfalz
100.000
Quelle: BDEW
16
Quelle: Erneuerbare Energien und Energiestruktur in Sachsen-Anhalt
Quelle: BDEW
18
Quelle: Energiebilanz 2010 Sachsen-Anhalt
17
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Entwicklung Windenergie (installierte Leistung MW)
Entwicklung Photovoltaik (installierte Leistung MW)
3.811
1.471
9,9%
2.786
3.354
3.509
3.642
3.014
2.533
898
108,2%
2.201
1.854
1.632
450
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
11
18
29
48
94
2
2003
2004
2005
2006
2007
2008
181
2009
2010
2011
2012
Quelle: www.foederal-erneuerbar.de
SachsenSachsen-Anhalt bei der
Windenergie auf einem
Podiumsplatz …
Zwischen 2003 und 2012 wurden in Sachsen-Anhalt 2.516 MW neu installiert. Die
elektrische Leistung wuchs dabei von 1.532 MW in 2003 auf 3.811 MW in 2012.
Dies entspricht einem CAGR von 9,9%. Mit den zuletzt installierten 3.811 MW entfällt auf Sachsen-Anhalt ein Anteil von 12,2% der in Deutschland installierten Leistung. Das Land ist damit der drittgrößte Produzent von Windenergie in Deutschland. Nur Niedersachsen und Brandenburg produzieren mehr Windenergie.19 Die
Windenergie ist damit auch die Basis für die Energiewende in Sachsen-Anhalt.
SachsenSachsen-Anhalt bei der
Photovoltaik im Mittelfeld …
Zwischen 2003 und 2012 wurden in Sachsen-Anhalt Photovoltaikanlagen mit einer
Leistung von 1.469 MW neu eingerichtet. Die elektrische Leistung wuchs dabei
von 2 MW in 2003 auf 1.471 MW in 2012. Dies entspricht einem CAGR von 108,2%.
Bezogen auf Deutschland hat das Land einen Anteil von 4,5% an der gesamten
installierten Leistung. Sachsen-Anhalt liegt damit auf den achten Platz in Deutschland. Innerhalb der neuen Bundesländer hat lediglich Brandenburg mit 2.591 MW
mehr Photovoltaik am Netz.20
Biomasse in SachsenSachsen-Anhalt
gewachsen …
353
297
25,9%
85
56
2003
221
97
43
2004
259
k.A.
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Quelle: www.foederal-erneuerbar.de
SachsenSachsen-Anhalt bei der
Biomasse im Mittelfeld …
Auch bei der Biomasse liegt Sachsen-Anhalt im vorderen Mittelfeld. Die Leistung
(ohne Abfälle) ist von 56 MW in 2003 auf 353 MW in 2011 angewachsen. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 25,9%. Bezogen auf
die in Deutschland insgesamt installierte Leistung hat das Land einen Anteil von
6,5%. Hinsichtlich der neuen Länder produziert nur Brandenburg mehr BiomasseLeistung. Allerdings hat mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern (171,3 kW)
kein Land mehr elektrische Biomasseleistung pro 1.000 Einwohner angeschlossen
als Sachsen-Anhalt mit 152,6 kW.21
19
Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.
Quelle: www.foederal-erneuerbar.de
21
Quelle: www.foederal-erneuerbar.de
20
NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Fazit
SachsenDie Energiewirtschaft ist in Sachsen-Anhalt nur bedingt eine Wachstumsbranche.
Sachsen-Anhalts
Energiewirtschaft wächst
Sie wächst zwar in Bezug auf die Anzahl der Betriebe und – in einem geringeren
eher unterdurchschnittlich … Ausmaß – auch bei den Beschäftigten, doch mit einer weitaus niedrigeren Dynamik als in Deutschland insgesamt. Da dies gleichermaßen für den Umsatz gilt,
resultiert hieraus zweierlei: Erstens, der Umsatz pro Betrieb ist schneller gesunken
als im deutschen Durchschnitt. Zweitens, der Umsatz pro Beschäftigten induziert
eine Produktivitätslücke.
Mit Blick auf die erneuerbaren Energien und dem Aspekt, dass Sachsen-Anhalt
bereits seit 2006 Strom exportiert, sind aber auch ausgesprochen positive Entwicklungen zu konstatieren. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Verbraucher hiervon nicht profitieren, da die Netzkosten höher sind als in alten Bundesländern.22
… mit den erneuerbaren
Energien als
Wachstumstreiber …
Besonders prägnant für die Entwicklung der Energiewirtschaft in Sachsen-Anhalt
ist, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch nahezu
kontinuierlich gestiegen ist und mittlerweile bereits einen Anteil von 14,6% erreicht hat. Dieser liegt über dem deutschen Wert von 9,9%.23 In Bezug auf den
Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung hat das Land
bereits in 2010 die Zielvorgabe der Bundesregierung für 2020 mehr als erfüllt.
Insoweit kann Sachsen-Anhalt mit einiger Berechtigung als Land der erneuerbaren
Energien bezeichnet werden.
Dafür spricht auch die Verleihung des Bundesländerpreises für erneuerbare
Energien „Leitstern 2012“ in der Kategorie „technologischer und wirtschaftlicher
Wandel“ an Sachsen-Anhalt.24 Dies wurde mit dem besonders hohen Anteil an der
Wertschöpfung zum Ausbau erneuerbarer Energien begründet. Angesichts der
Entwicklungen in der Solarindustrie dürfte diesbezüglich bereits eine Konsolidierung eingetreten sein.
… und mit
Herausforderungen.
Allerdings steht die Branche in Sachsen-Anhalt auch vor Herausforderungen.
Zum einem müssen vor allem die Betriebe in Sachsen-Anhalt ihre Energieeffizienz
verbessern. Diese liegt deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt und
hat das hohe Niveau des Primärenergieverbrauchs wesentlich mitbeeinflusst.
Zum anderen muss gerade in Sachsen-Anhalt, das einen Überschuss bei den erneuerbaren Energien produziert, die Problematik der Speicherung und des Transports vom Ort der Erzeugung hin zum Ort des Verbrauchs diskutiert werden. Dies
gilt umso mehr, als es bislang an überzeugenden Lösungen fehlt und die Bürger
des Landes hiervon nicht profitieren. In diesem Kontext wäre es aus unserer Sicht
zudem gerade in Sachsen-Anhalt sinnvoll, wenn zukünftig auch die Energieerzeugung und der Energieverbrauch regional erfasst und analysiert werden würde. Aus
diesen Informationen könnte dann eine Basis für die Planung von Transportnetzen bzw. die Planung/Genehmigung neuer Anlagen unter Berücksichtigung des
demografischen Wandels gewonnen werden. Letzteres wäre insbesondere im
Hinblick auf eine sinnvoll gesteuerte dezentrale Energieversorgung wünschenswert.
22
Quelle: Ostdeutschland Verlierer der Energiewende, in: FAZ, Nr. 199, 23.8.2013, S. 9
Quelle: www.umweltbundesamt-daten-zur-umwelt.de
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Quelle: Bundesländervergleich Erneuerbare Energien 2012
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NORD/LB Regionalwirtschaft
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SachsenSachsen-Anhalt Special – 2. September 2013
Ansprechpartner in der NORD/LB
Sector & Regional Research
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Dr. Martina Noß
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Leitung Sector & Regional
Research / Luftfahrt
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Dr. Eberhard Brezski
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Regionalwirtschaft
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Natalja Kenkel
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Regionalwirtschaft
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Claudia Drangmeister
+49 (511) 361-6564
Immobilien
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Karin Meibeyer
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Erneuerbare Energien
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Thomas Wybierek
+49 (511) 361-2337
Schifffahrt
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Martin Kerl
+49 (511) 361-8449
Support
[email protected]
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+49 (511) 361-2414
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Mike Kattner
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+49 (391) 589-1595
Sparkassen-Konsortial-Ost
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Sibylle Lochner
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Sparkassen-Konsortial-Ost
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+49 (391) 589-1580
Sparkassen-Konsortial-Ost
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Frank Herzberg
+49 (391) 589-1538
Sparkassen-Konsortial-Ost
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Structured Finance
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+44 (0)20 7972 6302
Leiter Finanzierungen
Energie
[email protected]
Bjoern Heinemeyer
+49 (511) 361-2388
Stellvertretender Leiter
Finanzierungen Energie
[email protected]
Henning Vogler
+49 (511) 361-6696
Finanzierungen Onshore
Wind Deutschland
[email protected]
Olaf Beyme
+49 (511) 361-9925
Finanzierungen Onshore
Wind Deutschland
[email protected]
Jürgen Machalett
+44 (511) 361-6330
Leiter Firmenkunden
[email protected]
Dr. Rüdiger Fuhrmann
+49 (511) 361-6201
Leiter Agrar-Banking
[email protected]
Firmenkunden
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