norman rentrop
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Anzeige von Veränderungen von Beteiligungsverhältnissen bei der Fernsehveranstalterin n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH & Co. KG Aktenzeichen: KEK 142 Beschluss In der Rundfunkangelegenheit der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH & Co. KG, Taubenstraße 1, 10117 Berlin, vertreten durch die n-tv Nachrichtenfernsehen Beteiligungsgesellschaft mbH, diese vertreten durch die Geschäftsführer Dr. Helmut Brandstätter und Dr. Wolfgang Fischer, – Veranstalterin – wegen Veränderungen von Beteiligungsverhältnissen hat die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) auf Vorlage der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) vom 26.02.2002 in der Sitzung am 16.04.2002 unter Mitwirkung ihrer Mitglieder Prof. Dr. Mailänder (Vorsitzender), Prof. Dr. Dörr, Prof. Dr. Huber, Dr. Rath-Glawatz, Prof. Dr. Sjurts und Dr. Wagner entschieden: Die von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) mit Schreiben vom 26.02.2002 zur Beurteilung nach dem Rundfunkstaatsvertrag vorgelegten Ve ränderungen von Beteiligungsverhältnissen bei der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH & Co. KG werden nach den Vorschriften des Rundfunkstaatsvertrages über die Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen als unbedenklich (§§ 36, 35, 29 Satz 3 RStV) bestätigt. 2 Begründung I Sachverhalt 1 Gegenstand der Anmeldung 1.1 Mit Schreiben vom 12.02.2002 an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), dort eingegangen am 15.02.2002, hat die n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH & Co. KG („n-tv KG“) Veränderungen ihrer Gesellschafterverhältnisse angezeigt: Die Familie Nixdorf, die bislang über die Gesellschaften 2 M GmbH und Triple M GmbH in Höhe von insgesamt 18,89 % an der n-tv KG und ihrer Komplementärgesellschaft, der n-tv Nachrichtenfernsehen Beteiligungsgesellschaft mbH („n-tv GmbH“) beteiligt war, hat diese Anteile auf die Mitgesellschafter GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen mbH & Co. KG („GWF“) und DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur GmbH („DFA“) übertragen. Die Beteiligungs- veränderungen stehen unter der aufschiebenden Bedingung der medienrechtlichen Unbedenklichkeitsbestätigung und der fusionskontrollrechtlichen Prüfung. 1.2 Nach ihrem Vollzug werden an der n-tv KG die folgenden Beteiligungsverhältnisse bestehen: Erste Beteiligungsstufe: GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen mbH & Co. KG 47,33 % CNN Germany, Inc., Atlanta 25,54 % Time Warner Entertainment Germany GmbH & Co. Medienvertrieb OHG, Hamburg 24,27 % Verlagsgruppe Norman Rentrop 1,60 % Karl-Ulrich Kuhlo 0,75 % n-tv Nachrichtenfernsehen Beteiligungs GmbH & Co. Investitions KG 0,26 % DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur 0,25 % 3 Zweite Beteiligungsstufe: – GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen mbH & Co. KG: Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH 100,00 % – CNN Germany, Inc.: Turner Broadcasting System Deutschland GmbH 100,00 % Das Unternehmen gehört über weitere Beteiligungsstufen zu 78,10 % der AOL Time Warner, Inc. – Time Warner Entertainment Germany GmbH & Co. Medienvertrieb OHG: Time Warner Entertainment Company L.P. 100,00 % Die Time Warner Entertainment Company L.P. befindet sich über weitere Zwischengesellschaften zu 74,49 % gleichfalls im Eigentum der AOL Time Warner, Inc. – DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur: Rheinisch-Bergische Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH 51,00 % Media Contact Verlagsgesellschaft mbH 23,00 % Infobonn Text-, Informations- und Pressebüro GmbH 26,00 % Dritte Beteiligungsstufe: – Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH: Georg Dieter von Holtzbrinck 54,22 % Monika Schöller 21,64 % Stefan von Holtzbrinck 21,64 % Dr. Pierre Gerckens 2,50 % – Rheinisch-Bergische Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH: Gesellschafter des Unternehmens sind die Familienstämme Arnold, Betz, Droste, Alt und Ebel. 1.3 Die angezeigten Beteiligungsveränderungen ergeben sich aus dem Vollzug zweier Kauf- und Abtretungsverträge: 1.3.1 xxx ... 4 xxx ... 1.3.2 xxx ... 2 Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse 2.1 Veranstalterin Die n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH & Co. KG („n-tv“), Berlin, veranstaltet auf der Grundlage einer bis zum November 2006 befristeten Lizenz der MABB (Bescheid vom 27.10.1992 in der Fassung des Verlängerungsbescheides vom 13.10.1999) das gleichnamige bundesweite Fernsehspartenprogramm mit Schwerpunkt Information. Persönlich haftende, geschäftsführende Gesellschafterin ohne Kapitalanteil ist die ntv Nachrichtenfernsehen Beteiligungsgesellschaft mbH (xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx). Kommanditisten sind die GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen mbH & Co. KG mit nunmehr 47,33 % der Kapitalanteile, die Tochtergesellschaften von AOL Time Warner, das sind CNN Germany, Inc., Atlanta, und Time Warner Entertainment Germany GmbH & Co. Medienvertrieb OHG, Hamburg, mit gemeinsam 49,81 % der Anteile sowie der Verlag Norman Rentrop (1,6 %), Karl-Ulrich Kuhlo (0,75 %), die n-tv Nachrichtenfernsehen Beteiligungs GmbH & Co. Investitions KG (0,26 %) und die DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur mit nunmehr 0,25 % der Anteile. xxx ... 2.2 Beteiligte Unternehmen 2.2.1 GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen mbH & Co. KG (GWF) Alleinige Kommanditistin der GWF und alleinige Gesellschafterin der Komplementärin, der GWF Gesellschaft für Wirtschaftsfernsehen und Verwaltungsgesellschaft mbH, ist die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH. An dieser sind Georg Dieter von Holtzbrinck zu 54,22 %, seine Geschwister Monika Schöller und Stefan von Holtzbrinck jeweils zu 21,64 % und Dr. Pierre Gerckens zu 2,5 % beteiligt. Die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH veröffentlicht Wirtschaftszeitungen, Magazine und Fachzeitschriften; ihre 51%ige Tochtergesellschaft TV Media stellt die Wirtschaftsredaktion bei n-tv und produziert die Wirtschaftsformate des Senders; die Economy One AG betreut die Internet-Auftritte der Gruppe (Unternehmensangaben unter www.vhb.de). Die drei erstgenannten Gesellschafter sind zugleich Eigentümer der 5 Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG, die über Tochtergesellschaften u. a. zahlreiche Tageszeitungen (z. B. Mainpost, Südkurier, Saarbrücker Zeitung) und die Wochenzeitung Die Zeit verlegt. Die AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH, eine 100%ige Holtzbrinck-Tochtergesellschaft, produziert u. a. verschiedene Talkshow-Formate für n-tv. Über die AVE Gesellschaft für Hörfunkbeteiligungen mbH, eine weitere 100%ige Tochtergesellschaft, ist die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG darüber hinaus an zahlreichen Hörfunksendern beteiligt. 2.2.2 DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur Die DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur ist ein mit einem eigenen Korrespondentennetz ausgestattetes Dienstleistungsunternehmen, das zahlreiche Fernsehveranstalter mit Nachrichten und Magazinbeiträgen beliefert. Sie hält eine 50%ige Beteiligung an der Veranstalterin des Programms CNN Deutschland, der CNN Deutschland GmbH & Co. KG, und ist an den Ballungsraumsendern FAB Fernsehen aus Berlin GmbH und Saar TV Fernsehen GmbH & Co. KG beteiligt. Darüber hinaus ist die DFA Mehrheitsgesellschafterin der NBC (Europe) Ltd. Die DFA-Gesellschafterin Rheinisch-Bergische Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH verlegt die Rheinische Post und hält nach Presseberichten 30 % der Anteile am Veranstalter des Regionalfernsehprogramms tv.nrw (epd medien 19.01.2002). Darüber hinaus halten sie und ihr Mutterunternehmen, die Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbH, verschiedene Hörfunkbeteiligungen. 2.2.3 AOL Time Warner, Inc. Muttergesellschaft sowohl der CNN Germany, Inc. als auch der Time Warner Entertainment Germany ist nach dem Zusammenschluss von Time Warner und Turner Broadcasting (CNN) im Jahre 1995 über mehrere Beteiligungsstufen der amerikanische Medienkonzern AOL Time Warner, Inc., USA („AOL Time Warner“). Nach dem Kenntnisstand der KEK hat derzeit kein Unternehmen und keine Unternehmensgruppe einen beherrschenden Einfluss auf AOL Time Warner. Die Unternehmensgruppe AOL Time Warner hält im bundesweiten Fernsehen neben ihrer Beteiligung an n-tv über die Warner Music Germany Entertainment GmbH und die Warner Music Germany Beteiligungs GmbH eine Beteiligung in Höhe von 15,3 % der Kapitalanteile und 30,8 % der Stimmrechte an der VIVA Media AG, der Muttergesellschaft der VIVA Fernsehen GmbH, die das bundesweite Musikspartenprogramm VIVA veranstaltet, sowie über die Warner Music Germany Beteiligungs GmbH eine unmittelbare 49%ige Beteiligung an der VIVA Plus Fernsehen GmbH, 6 die das Musikspartenprogramm VIVA Plus veranstaltet (vgl. Beschluss der KEK vom 19.03.2002 i. S. VIVA und VIVA Plus, Az.: KEK 139/140). Zudem hält AOL Time Warner über Zwischengesellschaften 100 % der Anteile an dem internationalen Nachrichtenkanal CNN sowie 50 % der Anteile an der CNN Deutschland GmbH & Co. KG, die das in Deutschland zugelassene Informationssparten- und Fensterprogramm CNN Deutschland veranstaltet. CNN Deutschland umfasst drei 15minütige, deutschsprachige Programmteile, die im Rahmen des englischsprachigen Hauptprogramms CNN International verbreitet werden. 2.2.4 Verlagsgruppe Norman Rentrop Zur Verlagsgruppe Norman Rentrop zählen zahlreiche Fachverlage aus dem Wirtschaftsbereich, darunter die Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Gesellschafter Norman Rentrop ist zugleich Gesellschafter und Stifter der gemeinnützigen RentropStiftung gGmbH, die eine Zulassung für das Programm Bibel TV besitzt (vgl. Beschluss der KEK i. S. Bibel TV vom 20.11.2001, Az.: KEK 131). 2.2.5 Die übrigen Gesellschafter Die verbleibenden Anteile an n-tv halten die n-tv Nachrichtenfernsehen Beteiligungs GmbH & Co. Investitions KG und der Gründungsgesellschafter Karl-Ulrich Kuhlo. II Verfahren Die gemäß § 21 Abs. 2 Nr. 5 RStV erforderliche Vollständigkeitserklärung der Veranstalterin liegt vor. Die MABB hatte vor der Entscheidung der Kommission Gelegenheit zur Stellungnahme. III Medienkonzentrationsrechtliche Beurteilung 1 Bestätigungsvorbehalt der KEK Nach beiden dargestellten vertraglichen Vereinbarungen ist der Rechtsübergang der an GWF und DFA verkauften Anteile an der n-tv KG und der n-tv GmbH unter die aufschiebende Bedingung der medienrechtlichen Freigabe gestellt. Damit wird den Anforderungen des § 29 Satz 1 und 4 RStV genügt. 2 Zurechnung von Programmen und Zuschaueranteile 2.1 Zurechnung von Programmen Nach § 28 Abs. 1 Satz 1 RStV sind einem Unternehmen sämtliche Programme zu- 7 zurechnen, die es selbst veranstaltet oder die von einem anderen Unternehmen veranstaltet werden, an dem es unmittelbar mit 25 vom Hundert beteiligt ist. Ferner sind ihm gemäß § 28 Abs. 1 Satz 2 RStV alle Programme von Unternehmen zuzurechnen, an denen es mittelbar beteiligt ist, sofern diese Unternehmen zu ihm im Verhältnis eines verbundenen Unternehmens im Sinne von § 15 AktG stehen. Dem zu beurteilenden Unternehmen sind darüber hinaus die Programme der Unternehmen zuzurechnen, die an ihm mit 25 von Hundert oder mehr beteiligt sind (arg. e §§ 28 Abs. 1 Satz 3 und 29 Satz 2 RStV). Einer Beteiligung nach § 28 Abs. 1 RStV steht die Einräumung eines verfügbaren Einflusses nach § 28 Abs. 2 RStV gleich. Das Fernseh-Spartenprogramm mit dem Schwerpunkt deutschsprachige Informationen n-tv ist neben der Veranstalterin ihrem Gesellschafterunternehmen GWF und ihren in der AOL-Time-Warner-Gruppe verbundenen Gesellschafterinnen CNN Germany, Inc. und Time Warner Entertainment Germany GmbH & Co. Medienvertrieb OHG zuzurechnen. 2.1.1 GWF ist Tochtergesellschaft der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH und dadurch Verbundunternehmen der Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG. Dieser Mediengruppe sind keine anderweitigen Programme im bundesweiten Fernsehen, dagegen Beteiligungen im Hörfunk und im Pressewesen zuzurechnen. 2.1.2 Der AOL-Time-Warner-Gruppe sind im bundesdeutschen Fernsehen außer dem Programm n-tv das weitere Nachrichten-Spartenprogramm CNN Deutschland und die beiden Musik-Spartenprogramme VIVA Plus (gemäß § 28 Abs. 1 Satz 1 und 2 RStV) wie VIVA (gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2 Ziffer 2 RStV) zuzurechnen (vgl. zuletzt Beschluss der KEK vom 19.03.2002 i. S. VIVA und VIVA Plus, Az.: KEK 139/140). Diese Programme sind ihrerseits auch wieder der Veranstalterin n-tv zuzurechnen (arg. e § 28 Abs. 1 Satz 3 und § 29 Satz 2 RStV). 2.2 Zuschaueranteile Das Programm n-tv erzielte im maßgeblichen Referenzzeitraum von Februar 2001 bis Januar 2002 einen Zuschaueranteil von 0,7 %. Weder CNN, VIVA noch VIVA Plus sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), Frankfurt/Main. Deswegen werden ihre Zuschaueranteile von der AGF/GfK-Fernsehforschung nicht veröffentlicht. Sie werden aber im Auftrag der AGF von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Nürnberg, gemessen. Unter Zugrundelegung der von der AGF/GfK-Fernsehforschung veröffentlichten Zuschau- 8 eranteile der Fernsehsender ARD (einschließlich ihrer Dritten Programme), ZDF, 3sat, arte, Kinderkanal, Phoenix, RTL Television, SAT.1, ProSieben, Kabel 1, RTL II, Super RTL, VOX, DSF, NEUN LIVE (vormals tm3), n-tv, Eurosport und der Schätzungen der KEK für die Pay-TV-Programme von Premiere World erreichten diese Sender in der Referenzperiode einen Zuschaueranteil von ca. 94,5 %. Für die restlichen Sender verbleibt ein Zuschaueranteil von ungefähr 5,5 %. Der auf CNN und die VIVA-Programme entfallende Anteil macht davon einen Bruchteil aus. 3 Vorherrschende Meinungsmacht Nach § 26 Abs. 1 RStV darf ein Unternehmen selbst oder durch ihm zurechenbare Unternehmen bundesweit eine unbegrenzte Zahl von Fernsehprogrammen veranstalten, solange es dadurch keine vorherrschende Meinungsmacht erlangt. Gemäß § 26 Abs. 2 Satz 1 RStV wird vorherrschende Meinungsmacht vermutet, wenn die einem Unternehmen zurechenbaren Programme im Durchschnitt eines Jahres einen Zuschaueranteil von 30 % erreichen. Diese Schwelle wird von den der Veranstalterin und den an ihr beteiligten Unternehmen GWF und AOL Time Warner zuzurechnenden Programmen nicht erreicht. Eine geringfügige Unterschreitung im Sinne von § 26 Abs. 2 Satz 2 RStV kommt ebenfalls nicht in Betracht. Auch jenseits der Vermutungstatbestände bestehen keine Anhaltspunkte für die Entstehung vorherrschender Meinungsmacht. Durch das Ausscheiden der NixdorfFamilie und die Stärkung der Stellung der GWF bei der Veranstalterin werden keine medienkonzentrationsrechtlich relevanten Änderungen bewirkt, die eine von den letzten Beschlüssen i. S. n-tv (Beschlüsse der KEK vom 16.05.2000, Az.: KEK 077, und vom 19.06.2001, Az.: KEK 115) abweichende Beurteilung rechtfertigen. Zwar gewinnt die Verstärkung der Beteiligung der GWF an n-tv besonderes Gewicht im Hinblick auf die diagonalen Verflechtungen zwischen dem bundesweiten Fernsehen, der Presse, dem Hörfunk und dem Internet. Die Mediengruppe von Holtzbrinck bestimmt maßgeblich über die AVE Gesellschaft für Hörfunkbeteiligungen GmbH über weit gestreute Interessen im bundesweiten, regionalen und lokalen Hörfunk. Dazu kommt im multimedialen Verbund die Beteiligung an einer größeren Zahl von Verlagen von Tages- und Wochenzeitungen, deren Verbreitungsgebiete sich häufig mit denen der Hörfunksender überschneiden. Die so zu beobachtende Verflechtung zwischen Fernsehen, Hörfunk und Presse hat dazuhin einen Schwerpunkt in der Vermittlung von Wirtschaftsinformationen, wofür gerade die Direktbeteiligung an n-tv und die Gemeinschaftsverbindung zu CNN über die Beteiligungen an n-tv für das Fernsehen und die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH für die Wirtschaftspresse (Handelsblatt, Wirtschaftswoche) zu nennen sind. Soweit es um die Sicherung der 9 Meinungsvielfalt im bundesweiten Fernsehen geht, sind jedoch die deutschsprachigen privaten Spartenprogramme mit Schwerpunkt Information, denen u. a. n-tv, CNN Deutschland und N24 zuzurechnen sind, unter Berücksichtigung des Übergewichts der Informationsprogramme der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der Nachrichten-Programme der großen Vollprogramme wie RTL, SAT.1, ProSieben zu beurteilen. Jedenfalls ist die Aufstockung der Beteiligung der GWF an n-tv auch mit Blick auf die aufgezeigten Verflechtungen zwischen Fernsehen, Hörfunk und Presse nicht geeignet, eine vorherrschende Meinungsmacht zu begründen. Unberührt bleiben auch die Anforderungen des § 26 Abs. 5 RStV (10%-Klausel bei Spartenprogrammen mit Schwerpunkt Information). Die angezeigten Veränderungen der Beteiligungsverhältnisse haben deshalb keine für die Beeinflussung der Meinungsbildung relevanten Auswirkungen. Im Ergebnis stehen ihnen Gründe der Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen nicht entgegen. 4 Vorbehalt zur Zuschaueranteilsermittlung Bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Ermittlungsverfahren zur Bestimmung der Zuschaueranteile nach §27 RStV aufgrund der von der KEK ausgearbeiteten Ausschreibung durch die Landesmedienanstalten vorangebracht und letztlich eingerichtet ist, müssen für den Übergangszeitraum die vorhandenen Daten über Zuschaueranteile zugrunde gelegt werden (vgl. § 34 RStV). (gez.) Mailänder Rath-Glawatz Dörr Sjurts Huber Wagner