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Beratungsgesellschaft Schallimmissionsschutz, Technische Akustik GSA Ziegelmeyer GmbH Schallschutzprüfstelle Gutenbergring 60 65549 Limburg an der Lahn Telefon: (0 64 31) 55 41 Telefax: (0 64 31) 5 24 53 E-Mail: [email protected] Reinhard Ziegelmeyer St. gepr. Techniker Schallschutz im Städtebau Gewerblicher Schallimmissionsschutz Sport- und Freizeitanlagen Schallschutz am Arbeitsplatz Bau- und Raumakustik SCHALLSCHUTZTECHNISCHE STELLUNGNAHME Sachbearbeiter: Reinhard Ziegelmeyer Datum: 02. August 2013 P 11063 UMWIDMUNG EINER SPORTHALLE (MILLER-HALL) IN EINE VERANSTALTUNGSHALLE AN DER VOLKSHALLE IN GIESSEN HIER: SCHALLTECHNISCHE VORPRÜFUNG ZUR ERRICHTUNG VON PKW-STELLPLÄTZEN IN EINER „TIEFGARAGE“ AUFTRAGGEBER: PLANUNGSBÜRO: Methi Özyigit Bahnhofstr. 35 Zipse GmbH Architektur, Bauleitung, Beratung Seltersweg 26 35576 Wetzlar 35390 Gießen Seite 2 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 1. GSA Ziegelmeyer GmbH SITUATION UND AUFGABENSTELLUNG Im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens/Aufstellung des Bebauungsplanes „Dulles-Siedlung“ ist die Frage der Unterbringung der für den Betrieb der „Miller-Hall“ benötigten Stellplätze noch nicht abschließend geklärt. Der 2. Entwurf des Bebauungsplanes Nr. GI 03/07, 2. Änderung, sieht die Ausweisung von Pkw-Stellplätzen zwischen Fröbelstraße und der Sportanlage in einer hier planerisch vorgesehenen MI-Fläche MI 2 (Mischgebiet nach BauNVO) vor. In diesem Zusammenhang treten jedoch noch Bedenken bezüglich der immissionsrechtlichen Bewertung der aus der Nutzung des Pkw-Stellplatzes zur Nachtzeit auftretenden Geräuschimmissionen in die nördlich der Fröbelstraße vorgesehene MI 3-Fläche auf. Es bestehen Überlegungen nunmehr dahingehend, auf die Möglichkeit der Stellplatznutzung in der vorgesehenen Parkfläche in MI 2 zu verzichten und alternativ hierzu in einer neu zu schaffenden überdachten Garagenebene (in Tieflage) zwischen Miller-Hall und westlich angrenzender Bebauung 50 Stellplätze auszuweisen. Diese Fläche war aufgrund der zu erwartenden Immissionsprobleme zu der benachbarten Bebauung hin von der Nutzung während der Nachtzeit bisher ausgeschlossen (Beschrankung). Für das nunmehr aufliegende Planungskonzept soll im Sinne einer schalltechnischen Voruntersuchung geprüft werden, inwieweit eine Nutzung dieser Stellplätze zur Nachtzeit möglich ist. Die Untersuchungsergebnisse dienen der weiteren Entscheidungsfindung hinsichtlich der Ausweisung der für den Betrieb der Miller-Hall erforderlichen Stellplätze. Seite 5 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 2. GSA Ziegelmeyer GmbH BERECHNUNGSVERFAHREN Die Berechnung der Geräuschemissionen und die entfernungsabhängige Pegelminderung der Geräuschemissionen von Kraftfahrzeugen (Parkplatzverkehr) wurde nach der „Parkplatzlärmstudie“ des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, 6. Auflage 2007, beschriebenen Verfahren durchgeführt. Zur Berechnung der flächenbezogenen Schallleistungspegel für Parkplätze wurde die in Kapitel 8.2.1 der Parkplatz-Lärmstudie (zusammengefasstes Verfahren) genannte Formel verwendet: LW’’ = LWO + KPA + KI + KD + KStrO [10 log (B x N) - 10 log (S/1m²)] in dB(A) Hierin bedeuten: LW’’ LWO KPA KI KD KStrO B N S = Flächenbezogener Schallleistungspegel aller Vorgänge auf dem Parkplatz einschließlich Durchfahrtanteil = 63 dB(A) = Ausgangsschallleistungspegel für eine Bewegung/h auf einem P+R-Parkplatz = Zuschlag für die Parkplatzart, hier: +3 dB(A) analog Parkplätzen mit Gaststätteneinfluss = Zuschlag für die Impulshaltigkeit +4 dB = 2,5 x log (f x B - 9) (f = 1,0) = Zuschlag für Fahrbahnoberflächen, hier: ebenes Pflaster = Bezugsgröße (1 Stellplatz) = Bewegungshäufigkeit (Bewegungen je Einheit der Bezugsgröße und Stunde) = Gesamtfläche bzw. Teilfläche des Parkplatzes Für die Berechnungen wird eine vollständige Abfahrt der Tiefgaragenplätze einschließlich der vorgelagerten „ebenerdigen“ Parkplätze berücksichtigt. Dies entspricht einer Frequentierung der Stellplätze in der Lesensart der Parkplatzlärmstudie von N = 1 Fahrbewegungen/Stellplatz/h. Seite 6 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 GSA Ziegelmeyer GmbH Für die Schallabstrahlung im Ein- und Ausfahrtbereich kann ein flächenbezogener Schallleistungspegel gemäß der Parkplatzlärmstudie von LWA’’/1h = 50 dB(A) je Ein- oder Ausfahrtvorgang über eine gemeinsame Ein- und Ausfahrt entsprechend [LWA’’/1h = 50 dB(A) + 10 log B N] (B N = Anzahl der Fahrbewegungen/h) angesetzt werden. Liegen getrennte Ein- und Ausfahrtsbereiche vor, können folgende Ansätze berücksichtigt werden: - Einfahrtportal Ausfahrtportal LWA’’/1h = 47,9 dB(A), LWA’’/1h = 49,6 dB(A). Wird der Ein- und Ausfahrtsbereich schallabsorbierend ausgekleidet, kann der flächenbezogene Schallleistungspegel für den Schallaustrittsbereich um 2 dB(A) bei gemeinsamer Ein- und Ausfahrt oder um 4,4 dB(A) bzw. 1,5 dB(A) bei getrennter Ein- und Ausfahrt reduziert werden. Die Ein- und Ausfahrtstrecken werden durch Linienschallquellen nachgebildet, wobei gemäß den Regelungen der TA Lärm jeweils eine Fahrzeuglänge als anlagenbezogen im öffentlichen Straßenraum noch zu berücksichtigen ist. Die Schallemissionen über die Lüftungsfläche Fassade [Öffnungsanteil gemäß Planung] werden nach dem Berechnungsverfahren des Anhanges A.4.1 bis A.4.4 der Parkplatzlärmstudie berechnet. Die Bestimmung des Schallleistungspegels erfolgt nach dem Algorithmus für Parkplätze LW’’ = LWO + KPA + KI + KD + KStrO [10 log (B x N) - 10 log (S/1m²)] in dB(A) Zur Berechnung des Innenpegels Li wurden für Betonflächen mittlere Absorptionseffizienten von S = 0,03 und für eine schallabsorbierend verkleidete Eindeckung von S = 0,5 angesetzt. Offene Fassadenflächen wurden mit S = 1 in den Berechnungen berücksichtigt. Li Lw + 14 + 10 lg (0,16/A) in dB(A) mit A = Aw,ox · Wo + Aw,Bet · Bet + AD · somit Li ~ 69 dB(A). D + AB · Bet Seite 7 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 GSA Ziegelmeyer GmbH Die abgestrahlte Schallleistung ergibt sich nach VDI 2571, dann nach LW’’ = Li - R’w – 4 mit R’w = 0 dB für offene Fassadenabschnitte Die Schallausbreitungsberechnungen erfolgen für Linienschallquellen nach der RLS 90 und für Flächenschallquellen nach der TA Lärm/DIN ISO 9613-2 nach L(DW) = LW + Dc - (Adiv + Aatm + Agr + Abar + Amisc) Hierin bedeuten: LW Dc Adiv Aatm Agr Abar Amisc = = = = = = = Schallleistungspegel der Punktschallquelle Richtwirkungskorrektur Geometrische Ausbreitungsdämpfung Luftabsorptionsdämpfung Dämpfung durch Bodeneffekte Dämpfung durch Abschirmung Dämpfung aufgrund verschiedener anderer Effekte Pegelerhöhende Einflüsse durch Reflexionen an stehenden bzw. zukünftigen Gebäudefassaden wurden durch Berechnung der ersten Reflexion bei einem Reflexionsverlust von -1 dB an der Fassade berücksichtigt. Zur Prüfung der an den Öffnungsflächen der Tiefgarage auftretenden Spitzenpegel wurde in der Fassadenöffnung ein Schallleistungspegel von Türschlagen Kofferraum schließen LWAmax LWAmax 98 dB(A) 100 dB(A) nach /2/ angesetzt. /2/ Parkplatzlärmstudie, 6. Auflage, 2007, Kap. A.4.5, Maximalpegelkriterium Seite 9 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 3. GSA Ziegelmeyer GmbH BERECHNUNGSERGEBNISSE Die nachfolgende Tabelle zeigt für die in der Umgebung der Miller-Hall angeordneten Berechnungsaufpunkte die Berechnungsergebnisse für die Stellplatznutzung der währe nd der „Nachtzeit“ ["lauteste Nachtstunde"]. Hierbei wurde die vollständige Abfahrt von allen Stellplätzen nach Veranstaltungsende in den Berechnungen berücksichtigt. Tabelle 1: Berechnungsposition Parkplatz – Tageszeit/Nachtzeit Immissionsposition Bezeichnung Gebiet IRW MI MI MI MI MI MI MI MI MI WA WA WA MI WA WA MI MI GEe GEe MI MI 45 45 45 45 45 45 45 45 45 40 40 40 45 40 40 45 45 --45 45 IP 1 IP 2 IP 3 IP 4a IP 4b IP 4c IP 5 IP 6a IP 6b IP 7a IP 7b IP 7c IP 8 IP 9 IP 10 IP 11 IP 12 IP a* IP b* IP c IP d Teil-Beurteilungspegel Frequentierung des Parkplatzes (abfahrender Verkehr) während der "lautesten Nachtstunde" EG 1. OG 2. OG/DG 36,6 [34,0] 37,3 [34,3] 37,8 [34,5] 35,7 [32,7] --33,3 [30,6] 36,0 [32,6] -38,9 [37,0] --32,9 [30,2] 34,2 [31,2] -36,9 [34,0] 40,7 [39,1] -35,9 [35,2] --31,6 [28,5] -36,1 [32,4] 33,6 [27,8] -39,2 [34,1] --39,9 [34,8] 31,6 [28,1] -39,1 [34,9] 32,5 [27,2] -38,9 [32,8] 36,7 [34,0] -39,6 [32,1] 34,4 [26,3] -36,3 [29,6] 26,7 [22,3] -33,6 [25,9] -42,5 [33,7] --39,6 [26,5] --47,1 [40,4] --46,5 [40,3] --40,7 [34,9] --44,4 [29,8] -- IRW = Immissionsrichtwert * Bei Ausschluss von Wohnnutzung in GEe kann auf die Anwendung des „Nachtrichtwertes“ bei der Beurteilung der Geräuschimmissionen durch die Genehmigungsbehörde verzichtet werden. […] Anteil Tiefgarage Seite 11 zur Schalltechnischen Vorprüfung/TG P 11063 4. GSA Ziegelmeyer GmbH BEURTEILUNG DER BERECHNUNGSERGEBNISSE Die Gegenüberstellung der Berechnungsergebnisse zu den Immissionsrichtwerten zeigt, dass bei Berücksichtigung zusätzlicher baulicher Schallschutzmaßnahmen (Schallschutzwände) die Einhaltung und Unterschreitung der jeweils heranzuziehenden Immissionsrichtwerte erreicht werden kann. Der Immissionsanteil, der sich aus der Tiefgarage ergibt, unterschreitet dabei an allen Punkten die Anforderungen > 5 dB – nur in der kumulierenden Wirkung mit den Geräuschimmissionen der „oberirdischen“ Stellplätze können in Höhe des immissionskritischst gelegenen Gebäudes Fröbelstr. 60 grenzwertige Ergebnisse auftreten. Pegelspitzen aus der Tiefgarage, die > 20 dB über dem Richtwert der Nachtzeit zum Liegen kommen, sind nicht zu prognostizieren. Zur Einhaltung und Unterschreitung der Immissionsrichtwerte werden weiterhin ergänzende Schallschutzmaßnahmen im Verlauf der Parkplatzgrenze „Fröbelstraße“ erforderlich. Die Schallschutzwand soll auch für diesen Planungsfall mindestens 3 m über Gelände Parkplatz zum Liegen kommen. Für den Berechnungspunkt IP 7 (Fröbelstr. 60) sind zur Einhaltung des Immissionsrichtwertes „Dachgeschoss“ entweder eine Schallschutzanlage im Verlauf der westlichen Grenze der geplanten Tiefgarage mit einer Höhe von h ~ 4,5 m über Niveau Parkplatz (ca. 3,2 m über Oberkante Tiefgaragendach) oder – alternativ – eine „Doppelschirmanlage“ mit einer Schallschutzwand im Verlauf der Grundstücksgrenze von h = 3,5 m (ca. 2,3 m über Oberkante Dach) und einer Schallschutzwand oberhalb der Tiefgarageneinfahrt mit einer Höhe von h ~ 2 m über Höhe Dach („Westernfassade“) erforderlich. Zur Reduzierung des verhaltensbezogenen Lärms der abgehenden Besucher zum Erreichen der Stellplätze Tiefgarage sollte erwogen werden, eine Zugangsmöglichkeit unter Benutzung des Hallenausgangs Westseite Miller-Hall in Form einer Unterführung herzustellen. Hierbei ist jedoch die Frage der Erreichbarkeit der Anlieferung zu prüfen. Die Berechnungen lassen erkennen, dass die Anordnung der Pkw-Stellplätze in einer Tiefgaragenebene auf dem Gelände der Miller-Hall unter Beachtung von weiteren Schallschutzmaßnahmen/Erörterung des verhaltensbezogenen Lärms zum Erreichen der Tiefgarage grundsätzlich darstellbar ist. DIESE SCHALLTECHNISCHE VORPRÜFUNG UMFASST 11 SEITEN SOWIE IN DER ANLAGE AUSZÜGE AUS DEN BERECHNUNGSPROTOKOLLEN. LIMBURG, DEN 02. AUGUST 2013 Zi/Ba GSA Ziegelmeyer GmbH Beratungsgesellschaft Schallimmissionsschutz, Technische Akustik, Bau- und Raumakustik Ziegelmeyer