nachdruck 14

Transcription

nachdruck 14
S Arbeitgeber
flüchten
Tarifverträge sind gut, richtig und wichtig.
Dies sagen sogar die Arbeitgeberverbände.
Nur zwei Kunststoffunternehmen aus Lippe
wollen das nicht wahr haben. Seite 2
Zeitung der IG Metall für die Beschäftigten in der lippischen Kunststoffindustrie
In der Tarifrunde fordert die IG Metall eine Erhöhung, die für die Beschäftigten spürbar ist
früher auf eine steigende Inflation zu reagieren.
Leistung steigt, Preise auch:
Beschäftigte wollen nicht
abgehängt werden
Geht es der Branche gut, soll dies auch
für die Beschäftigten gelten. Die IG Me-
tall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung für die
lippische Kunststoffindustrie. Diese Forderung hat die Tarifkommission in einer
Sitzung diskutiert und festgelegt.
Die Kündigung der Entgeltarife ist erfolgt, sie wird zum 30. September 2011
wirksam. Für die Zeit danach werden die
Karten neu gemischt. Der neue Tarifvertrag soll nach der Forderung der Tarifkommission der IG Metall eine Laufzeit
von 12 Monaten haben. Im Unterschied
zu längeren Laufzeiten ist es so möglich,
In Aktion
Die IG Metall Detmold ruft zum Aktionstag
am 1. Oktober nach Köln auf. Dort soll Druck
gemacht werden für die Übernahme nach der
Ausbildung. Seiten 2 und 3
Nr.14 September / Oktober 2011
6,5 Prozent mehr sind fair
«Die wirtschaftlichen Zahlen in der
Kunststoffindustrie sprechen für sich«,
erklärt Reinhard Seiler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Detmold und Verhandlungsführer in der Tarifrunde, »eine
Branche, die ihren Umsatz gegenüber
dem Vorjahr, das schon gut war, noch
einmal um mehr als 30 Prozent steigert,
boomt. Das merken auch die über 3.000
Beschäftigten, die derzeit viele Überstunden und Wochenendarbeit dafür leisten«.
S
»Wir können und wollen uns nicht von
der allgemeinen Einkommensentwicklung
abkoppeln lassen«, ergänzt Reinhard Seiler. Die Beschäftigten leisten in der gleichen Zeit immer mehr. Hinzu kommt:
gesamtwirtschaftlich liegt die Preissteigerungsrate über 2 Prozent. »Die Arbeitgeber können wir nur davor warnen, wieder
das allgemeine Klagelied der vergangenen
Jahre anzustimmen. Wenn durchgängig
alle Wirtschaftsexperten die Wichtigkeit
der Kaufkraft und Einkommenserhöhungen für die Binnenkonjunktur bestätigen,
sollten die Arbeitgeber der lippischen
Kunststoffindustrie ihre Glaubwürdigkeit
nicht ohne Not aufs Spiel setzen«, sagt
Reinhard Seiler. Eine klare Ansage: Die Tarifkommission will zügige Verhandlungen,
die Arbeitgeber sind gefordert, in der ersten Runde ein verhandelbares Angebot
vorzulegen. Dies ist ganz im Interesse der
Beschäftigten. Der erste Verhandlungstermin findet am 21. September 2011 in Bad
Salzuflen statt.
8 vorwort
Liebe Kolleginnen, liebe
Kollegen,
unsere neueste
Ausgabe der
»Nachdruck«
steht ganz im Zeichen der anstehenden Tarifrunde in der Lippischen Kunststoffindustrie. Wie immer eine Zeit, in der
viel diskutiert wird, über die Forderungshöhe, über den Sinn und Zweck von Tarifverträgen und auch darüber, ob Tarifverträge heute überhaupt noch zeitgemäß
sind. Bei all diesen Diskussionen möchten
wir hier gerne auch einmal die Arbeitgeberseite zu Worte kommen lassen und zitieren
an dieser Stelle den Hauptgeschäftsführer
des Arbeitgeberverbandes Lippe, Marc-Henning Galperin aus einem Interview zum
Thema Tarifverhandlungen, das er Anfang
Juli der Lippischen Landes-Zeitung gegeben
hat. Zum Beginn einer Tarifverhandlung erklärte er: »Sie (die Gewerkschaft) sagt
dann, was sie an wirtschaftlichen Verbesserungen für ihre Mitglieder erreichen will. Wir
sagen dann, dass das nicht in die Landschaft passt«. Das klingt erst mal nicht so
gut, gehört aber wohl in die Abteilung Verhandlungstaktik. Weiter erzählt Marc-Henning Galperin der Zeitung: »Ein guter Tarifvertrag muss wachsen. Er wächst über die
Zeit und mit jedem Argument der jeweils
anderen Seite«. Klingt schon besser. Und
schließlich sagt er zum Ergebnis: »… es gibt
faire Bedingungen beim Lohn und der Streit
wird aus den Unternehmen herausgehalten«. Jawohl, Herr Galperin, so machen
wir’s.
Das Redaktionsteam
8 gregors fett-ecke
Risiko bitte selber tragen
Der Mineralölfirma BP und also auch ihrem
deutschen Zweig Aral wird nichts anderes
übrig bleiben als ihre angeblichen Kosten
für den unverkäuflichen Bio-Sprit E10 an
den Kunden weiterzugeben. So kündigt es
ein Pressesprecher in wehleidigem Ton an.
Das ist ein tolles Prinzip. Findet Gregor.
Weil BP den Bio-Sprit nicht im gewünschten Umfang verkaufen kann, kündigt sie an,
sich beim Verbraucher, also bei Gregor
schadlos zu halten. Die BP will sich durch
erhöhte Preise die Fehleinschäzung bezahlen lassen.
Quelle: Statistisches Bundesamt. Die Grafik zeigt, wie die Inflation
anzieht, 2011 lag sie immer über 2 Prozent. Besonders die Energiepreise
sind gestiegen.
Doch Gregor hat das Benzin weder bestellt
noch gekauft. Dann würde er die höheren
Preise gern tragen. Jedem Bäcker zahlt Gre-
gor die Brötchen, die er über den Tresen
gereicht bekommt. Er möchte ja auch morgen noch welche essen. Dafür braucht der
Bäcker eben Entgelt. Und Gregor, damit er
es dem Bäcker weiterhin geben kann ab
und zu etwas mehr, wie jetzt eben die geforderten 6,5 Prozent.
Aber dass BP ein Anrecht auf einen hohen
Gewinn hat, findet Gregor nicht. BP soll sein
Geschäftsrisiko selber tragen. Gregor jedenfalls mag es sich nicht aufhalsen lassen.
BP hat die Kosten für die von ihr verantwortete Umweltkatastrophe im Golf von
Mexiko zu tragen. Da sind Milliarden fällig.
Will sie sich vor denen auch drücken? Vom
Prinzip »Gewinne privat einstreichen – Verluste und Risiken von der Allgemeinheit
finanzieren lassen«, hat Gregor jedoch die
Nase gründlich voll.
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2
Zwei Arbeitgeber auf der Flucht
Ninkaplast ist Anfang des Jahres aus der Tarifbindung des Arbeitgeberverbandes ausgetreten. Nun will die Geschäftsführung
über einen Haustarifvertrag verhandeln. Ein ähnliches Bild bei Licefa, dort geht es um einen Anerkennungstarifvertrag
Bereits Anfang 2011 trat Ninkaplast aus
der Tarifbindung aus, heimlich, still und
leise. Der IG Metall als Tarifpartei und dem
Betriebsrat teilte die Unternehmensspitze
ihre Entscheidung erst im Sommer mit.
Nun nämlich will die Geschäftsleitung mit
der IG Metall einen Haustarifvertrag abschließen, mit dem die Beschäftigten auf
verschiedene tarifliche Leistungen für mehrere Jahre verzichten sollen.
Die Geschäftsleitung war sich auch nicht zu
schade, hinter dem Rücken der IG Metall
und der Beschäftigten aus der Tarifbindung
auszutreten und gleichzeitig Verhandlungen
über Abweichungen vom Tarifvertrag zu
führen. So geschehen im Frühjahr. Die Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis.
Mitglied im Verband ja,
Tarifbindung nein
Ninkaplast ist weiter im Arbeitgeberverband verblieben, nur aus der Tarifbindungausgetreten. Einziges Ziel: Die Kosten zu
senken, indem die Beschäftigten schlechter
gestellt werden. Bereits in der Vergangenheit hat es bei Ninkaplast immer mal wieder Abweichungen vom Flächentarifvertrag
gegeben, selbstverständlich nach unten, verbunden mit dem Versprechen «Jetzt wird es
besser«. Bis heute ist aber noch nichts besser geworden.
Die IG Metall-Mitglieder bei Ninkaplast
haben so auch die Forderungen der Geschäftsleitung zurückgewiesen. Die Mitglieder sind empört darüber, dass die Geschäftsführung sie nicht früher informierte
und die Bezahlung drücken will.
Die IG Metall kann diesen Schritt des Arbeitgebers nicht nachvollziehen. Sie weist
die Beschäftigten darauf hin, dass sich erst
einmal nichts ändert. Alle Tarifverträge sind
in der Nachbindung. Das heißt nichts anderes, als dass alle Mitglieder der IG Metall
die derzeit im Betrieb beschäftigt sind, wei-
terhin Anspruch auf alle jetzigen tariflichen
Leistungen haben. Der Anspruch gilt allerdings nicht für neue Beschäftigte und auch
nicht für künftige Lohnerhöhungen.
Licefa: Beschäftigte arbeiten
erfolgreich, und sollen trotzdem
weniger bekommen
verarbeitenden Industrie in Lippe vereinbart werden, übernimmt. Die IG Metall
hat diese Forderung dem Arbeitgeber
schriftlich mitgeteilt.
Für die Beschäftigten ist eine Tarifbindung
wichtig, da nur über Tarifverträge verbindliche Arbeitsbedingungen auf Dauer festgeschrieben werden. »Die Kolleginnen und
Kollegen von Ninkaplast wollen nicht besser aber auch nicht schlechter als die Be-
Einen Tag danach, am 23. September verhandelt die Tarifkommission der IG Metall bei Licefa über einen Anerkennungsvertrag. Das Unternehmen ist bereits im
Frühjahr 2010 aus der Tarifbindung ausgetreten. Genauso wie Ninkaplast blieb Li-
Liecefa arbeitet mit außerordentlichem
Erfolg, und will nun ausgerechnet bei den
Beschäftigten, die diesen Erfolg erst möglich machen, sparen. Denn das Unternehmen erklärt sich in einer Stellungnahme
bereit, fast alle Tarifverträge der lippischen Kunststoffindustrie zu übernehmen,
außer der Lohn-und Gehaltsentwicklung.
Diesen Punkt will die Geschäftsführung
immer separat mit der IG Metall verhandeln.
Die Arbeitgeber wissen eigentlich: Tarifflucht lohnt sich nicht. Trotzdem
gibt es immer wieder einige, die es versuchen. Doch sie schneiden sich
ins eigene Fleisch. Zum einen gelten die Tarifverträge weiter, dies ist
rechtlich so geregelt. Zum anderen
muss das Unternehmen zwar die
Entgelterhöhungen der Branche
nicht mehr mitmachen, doch droht
die Belegschaft dann, abzuwandern. Dorthin, wo es mehr Geld gibt und die Beschäftigten mehr wert
geschätzt werden. Hinzu kommt, dass die Arbeitgeber Stress mit der
Belegschaft, dem Betriebsrat und der IG Metall bekommen.
schäftigten in den anderen Kunststoffbetrieben in Lippe behandelt werden«, sagt Svend
Newger, zuständiger Sekretär der IG Metall
Detmold. Deshalb fordert die IG Metall von
der Geschäftsleitung eine verbindliche Zusage über die zukünftige Tarifbindung für
die Dauer von mindestens fünf Jahren.
Für den 22. September 2011 ist der erste
Verhandlungstermin vereinbart worden.
Der ›Nachdruck‹ wird in der nächsten Ausgabe über den aktuellen Stand berichten.
cefa im Arbeitgeberverband. Erste Folge
für die Beschäftigten: Die Entgelterhöhung
2010 haben sie bereits nicht mehr erhalten. Inzwischen fehlen 4 Prozent tabellenwirksames Geld.
Umsatz steigt, doch angeblich
gibt es nichts zu verteilen
Beim ersten Verhandlungstermin, der
lange auf sich warten ließ, teilte die Geschäftsführung mit, dass die Umsätze
stark steigen, dennoch sehe man keinen
Verhandlungsspielraum. Mit anderen
Worten: Die Beschäftigten sollen leer ausgehen oder mit einer minimalen Lohnerhöhung abgespeist werden. Die Position
der Tarifkommission ist klar: Die Kolleginnen und Kollegen bei Licefa wollen
sich nicht schlechter stellen als in der lippischen Kunststoffindustrie durch Tarifvertrag vereinbart. Vor dem Verhandlungstermin am 23. September erhalten
die Beschäftigten Informationen auf einer
Betriebsversammlung.
In dem Anerkennungstarifvertrag soll nun
geregelt werden, dass der Arbeitgeber die
Entgelterhöhungen, die in der kunststoff-
Endgültiges Aus
Elektronischer Entgeltnachweis Elena kommt nach Protesten nicht
Die Bundesregierung beerdigt nach fast
zweijährigem Streit das Verfahren zum
elektronischen Entgeltnachweis (Elena).
Das Wirtschafts- und das Arbeitsministerium haben sich verständigt, das Verfahren schnellstmöglich einzustellen.
gierung: Zu unsicher, zu umfänglich, zu
teuer. Die Bundesregierung gibt nun auf.
Der für das Verfahren notwendige datenschutzrechtliche Sicherheitsstandard sei
«in absehbarer Zeit nicht flächendeckend«zu erreichen.
Das einst so ehrgeizige Projekt, über das
wir mehrfach im ›Nachdruck‹ berichteten,
sollte den Lohn und weitere Daten, und
noch einiges mehr, zentral an einer Stelle
speichern. IG Metall und Datenschützer
wendeten sich gegen das Projekt der Re-
Die Daten, die bisher von den Arbeitgebern an die zentrale Speicherstelle übermittelt wurden, und das sind circa 60 Millionen Bescheinigungen pro Jahr, sollen
nun umgehend gelöscht werden.
Am Samstag, 1. Oktober, startet der große Aktionstag der IG Metall: Laut und stark für Zukunft
und Perspektiven. Alle Aktionen finden in Köln statt. Los geht es um 12 Uhr mit einer Auftaktaktion, anschließend folgt ein Sternmarsch ins Stadtzentrum. Auf dem Neumarkt folgt die
Hauptkundgebung, anschließend die große Demo über den Rhein Richtung Lanxess-Arena.
Dort findet ab 16.30 Uhr das «Laut und stark«-Festival statt.
Jede Menge Aktion. Hinfahren, mitmachen. Mitgliederpreis 10 Euro, Nichtmitglieder 35 Euro.
Tickets und weitere Infos bei der IG Metall Detmold, fon: 05231. 99 190
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Gute Lage setzt sich fort
8 recht praktisch
Die Auftragslage in der lippischen Kunststoffindustrie ist überwiegend gut. Im Coko-Werk gibt
es Ärger mit den Überstunden im Angestellenbereich, die Geschäftsführung blockiert
Teilzeitwunsch geht öfters
Bei Honasco in Bad Salzuflen wurde im
Sommer fleißig von Montag bis Sonntag
produziert, in einigen Abteilungen sind zusätzlich Überstunden angefallen. Es gab in
den vergangenen drei Monaten eine Neueinstellung. Die Zahl der Leiharbeiter ist
mit circa 55 konstant hoch. Klar ist nun
auch, dass der Standort Bad Salzuflen bleiben wird. Die Geschäftsführung hat ein
neues Grundstück dazu erworben, ein
Neubau soll die bisherigen Produktionsflächen ersetzen.
Bei Linpac in Bad Salzuflen ist die Auftragslage mäßig. Zwei Kollegen wurden
neu mit einem Zeitvertrag angestellt, seit
August ist ein Auszubildender im Bereich
Kunststoffformgeber im Betrieb. Im Sommer arbeiten 8 bis 12 Studierende im Betrieb. Insgesamt sei in den vergangenen
Wochen nicht viel los gewesen, da Urlaubszeit war, berichtet der Betriebsrat.
Nichts Neues gäbe es auch zum Thema
Verkauf.
Bei Brandt ETK in Lage ist die Auftragslage
nach Einschätzung des Betriebsrates mittelmäßig, es kämen eher weniger Aufträge
herein. Zum1. August gab es ein Jubi-
läum: Der Betriebsratsvorsitzende Detlef
Theimann ist seit 25 Jahren im Betrieb.
Herzlichen Glückwunsch!
Bei Licefa in Bad Salzuflen gibt es vier neue
Kollegen, allerdings mit befristeten Verträgen ausgestattet. Zwei weitere Auszubildende sind gestartet. Die Zahl der Leiharbeiter ist konstant. Die Auftragslage sei
gut, berichtet der Betriebsrat.
Auch bei Gerdes im Extertal ist die Auftragslage gut. Überstunden fallen vor
allem bei den Einrichtern an. Die Beschäftigung ist konstant, auf 220 Stammbeschäftigte kommen rund 50 Leiharbeiter.
Vier neue Auszubildende sind in den Betrieb gekommen. Der Betriebsrat hat beim
Thema Lohngruppen nach langen Verhandlungen mit der Geschäftsführung eine
Einigkeit erzielt. Die Lohngruppen sind
nun bei vielen Beschäftigten angehoben
worden. Die mit der Geschäftsführung abgeschlossene Betriebsvereinbarung hat
eine Laufzeit bis Ende 2012. Danach
kommt das Thema Lohngruppen erneut
auf den Tisch. Erfreulich: In 2011 feierten
bisher acht Mitarbeiter ihr Jubiläum, sie
sind 25 Jahre im Unternehmen tätig.
Im Coko-Werk in Bad Salzuflen findet
Mehrarbeit sowohl täglich als auch an den
Samstagen statt. Aktuell sind 483 Mitarbeiter beschäftigt, die Zahl der Leiharbeiter liegt bei 46 Personen. Neun Auszubildende haben am 1. August begonnen. Der
Betriebsrat hat sie bei einer Veranstaltung
herzlich begrüßt.
Der Betriebsrat bemängelt, dass es noch
immer nicht zu einer Lösung für die Überstunden im Angestelltenbereich gekommen sei. «Wir sind nicht mehr bereit, diese
Verschleppung der Verhandlungen zu tolerieren«, sagt der Betriebsratsvorsitzende
Martin Brummremann, «wir sind sehr verärgert. Man zwingt uns dazu, nun vielleicht doch die Einigungsstelle anzurufen.
Das wollen wir nicht. Wir hoffen auf die
Einsicht beim Arbeitgeber«. Ein Betrieb
müsse mehr bieten als vernünftige Löhne
und Gehälter, berichtet der Betriebsrat
weiter. Da gäbe es Verbesserungsbedarf,
einige Mitarbeiter würden sich aktuell mit
Abwanderungsgedanken tragen.
Die Auszubildenden von Honasco vergnügten sich bei einem Ausflug im Heidepark
Pizza oder Steak mit Bratkartoffeln zum
Frühstück sind nicht gerade jedermanns
Sache. Aber beim diesjährigen Ausflug der
Honasco-Auszubildenden werden einige
Kollegen im Bonny’s Dinner gegen 9 Uhr
mit solchen Nahrungsmitteln auf ihren
Tellern gesehen. So oder auch anders gestärkt geht es weiter zum eigentlichen Ziel
des Ausflugs, den Heidepark in Soltau.
Zwischendurch nimmt der ein oder andere
auch mal einen kleinen Snack zu sich,
trotz der Herausforderungen und Anstrengungen kommt aber keine Müdigkeit
auf. Weiter geht es mit der laut Eigenwerbung des Freizeitsparks schnellsten und
Einem Teilzeitwunsch muss unter Umständen auch dann stattgegeben werden, wenn
die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit
dazu führt, dass nicht im betriebsüblichen
Wechsel in Vormittags- und Nachmittagsschicht gearbeitet wird. Das hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein in
einem einstweiligen Verfügungsverfahren
mit Urteil entschieden.
§
Geklagt hatte eine Alleinerziehende. Nach
der Elternzeit fand sie einen Kita-Platz von
7 bis 16 Uhr, allerdings nur für drei Tage in
der Woche. Sie teilte dem Arbeitgeber mit,
sie wolle dienstags bis donnerstags eine
Teilzeittätigkeit von 9 bis 14.30 Uhr. Der
Arbeitgeber lehnte ab, diese Arbeitszeit
ließen sich nicht mit dem betrieblichen
Schichtsystem in Einklang bringen.
Das Landesarbeitsgericht gab in dem einstweiligen Verfügungsverfahren der Arbeitnehmerin Recht. Der Arbeitgeber dürfe den
Teilzeitwunsch nicht mit dem bloßen
Hinweis ablehnen, in seinem Betrieb müssten alle Beschäftigten im Schichtbetrieb
arbeiten und die Nachmittagsschicht bis
mindestens 18 Uhr abdecken. Das Gericht
verlangte vom Arbeitgeber, den Beweis zu
liefern, dass das Teilzeitverlangen nicht
durch zumutbare Änderung der Betriebsabläufe oder den Einsatz einer Ersatzkraft ermöglicht werden könne, was dieser aber
weder darlegen noch beweisen konnte.
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
am 15.12.2010, Az. 3 SaGa 14/10
Attraktionen ohne Ende
Dort ist Spaß angesagt, nur unterbrochen
von einigen heftigen Wartezeiten. Wer mit
der Krake fahren will, muss sich zuvor eineinhalb Stunden in Geduld üben. Weiter
geht es mit dem Big Loop, doppelte Korkenzieher mit 60 Stundenkilometern, herrlich. Danach Wildwasserbahn, inklusive
ein wenig Nässe, und der große Turm mit
dem vielversprechenden Namen Scream.
Die Zahlen sprechen für sich: Höhe 103
Meter, freier Fall aus 71 Metern und eine
Geschwindigkeit von fast 100 Stundenkilometern. Kurzum: Eine Mutprobe, die es
in sich hat!
3
höchsten Holzachterbahn Europas. Auch
dort wird es mit 120 Stundenkilometern
richtig schnell. Honasco-Azubis schwärmen anschließend von einem ganz geschmeidigen Fahrgefühl, wenn der Zug
aus rund 60 Metern Höhe in steilstem
Winkel in die Tiefe rauscht.
Trotz des einsetzenden Regens haben alle
ihren Spaß bis zum Schluss. Die Kolleginnen und Kollegen sind begeistert. »Das
war ein Super- Erlebnis, immer gerne wieder, wir hatten noch so viele Attraktionen
vor uns die wir an diesem einem Tag gar
nicht mehr schaffen konnten«, sagt die
Mitarbeiterin des Betriebsrats Dajana
Nüsse-Klamann. Bei einigen Kollegen fielen auf der Rückfahrt dann doch die
Augen zu, vielleicht träumten sie von steilen Abfahrten.
Die IG Metall fordert für junge Menschen: sichere Zukunft,
statt Unsicherheit. Gute Bildung und Chancen für alle. Und
keine prekären Jobs. Sondern: Arbeit – sicher und fair. Es geht
um eine Perspektive für die Junge Generation: Die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Um die Beteiligung an Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen. Eines der nächsten Ziele:
Bei der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie soll die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung
erreicht werden.
Krank melden
beim Arbeitgeber
Spricht ein Arbeitnehmer mit dem Betriebsrat über eine Erkrankung oder deren Fortdauer, ersetzt dieses Gespräch nicht die
Pflicht, eine Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber anzuzeigen. Beschäftigte sollten
also sicher stellen, dass der Arbeitgeber
unverzüglich von einer Arbeitsunfähigkeit
informiert wird.
Hessisches Landesarbeitsgericht vom
18. Januar 2011 - 12 Sa 522/10
Großes Konzert mit
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4
«Mitreden und mitgestalten«
Babara Künemund kümmert sich um die Jugend. Sie unterstützt Auszubildende, sich erfolgreich in ihren Betrieben einzumischen
Warum und seit wann bist du für die
Gewerkschaft aktiv?
ten nach der Ausbildung gefordert, damals
noch für ein halbes Jahr. Wir sind dann
mit über 1000 Azubis aus ganz Nordrhein-Westfalen zum Verhandlungsort gefahren und haben dort den Hoteleingang,
wo die Tarifverhandlungen stattfanden,
blockiert und mit Urlaubskatalogen zugemauert. Als damalige Bezirksjugendausschuss-Vorsitzende durfte ich dann unsere
Forderung den Arbeitgebern noch einmal
vortragen. Heute ist die Übernahme der
Ausgebildeten in der Metall- und Elektroindustrie sogar mit einem Jahr tarifvertraglich festgeschrieben. Das hat mir ganz
deutlich gezeigt: Es geht, du kannst was
erreichen mit vielen.
Ich bin direkt zu Beginn meiner Ausbildung 1989 in die IG Metall eingetreten.
Aktiv dabei bin ich seit 1991, zuerst als
Jugend- und Auszubildenden-Vertreterin.
So richtig gepackt hat es mich bei meinem
ersten Wochenseminar. Das hat viel Spaß
gemacht und ich habe eine Menge gelernt.
Da hab ich festgestellt, es gibt auch im Arbeitsleben noch mehr als die reine Arbeit.
Ich konnte mich nun sachkundig für andere engagieren. Danach wurde ich im
Ortsjugend-Ausschuss aktiv und habe
dann 1998 mein Hobby IG Metall zu meinem Beruf gemacht.
Barbara «Babsi« Künemund ist seit 1998
politische Gewerkschaftssekretärin in der
IG Metall Verwaltungsstelle Detmold. Ihr
Schwerpunkt liegt bei der Jugend- und
Auszubildenden-Arbeit. Gelernt hat sie
Holzmechanikerin.
Konntest du als Aktive in der IG Metall etwas erreichen, etwas verändern?
Warum ist die JAV, die Jugend-Auszubildenden-Vertretung, auch heute
noch ein wichtiges Thema?
Anfang der 90er Jahre haben wir, die IG
Metall-Jugend, das erste Mal in der Metall- und Elektroindustrie die tarifvertraglich geregelte Übernahme der Ausgebilde-
Weil die Ausbildung durch die aktive Mitarbeit der JAVis immer besser wird, für die
Azubis und auch für die Betriebe. Ich kann
nur allen Azubis empfehlen, sich eine JAV
Petras Kürbiscreme-Suppe
zu wählen, bzw. sich selbst wählen zu lassen. Als «JAVi« hast du ganz andere Einblicke in einen Betrieb und kannst mitreden und mit gestalten. Und es wird auch
viel Spaß machen!
Was steht als nächstes im Jugendbereich an?
Zusammen mit dem Betriebsrat und der
Jugend-Auszubildenden-Vertretung begrüßen und informieren wir die neuen Azubis
unter anderem über ihre Gestaltungsmöglichkeiten im Arbeitsleben.
Und dann ist da natürlich der 1. Oktober.
Auf diesen Tag freue ich mich ganz besonders. An diesem Tag wollen wir uns mit
mehr als 15.000 Menschen aus ganz
Deutschland in Köln treffen. Es wird in
der Stadt die unterschiedlichsten Aktionen
zu unseren Forderungen geben. Ich kann
nur jedem empfehlen, mit dabei zu sein.
Vorsicht Cartoon!
Wir benötigen für 4 Pers.: 700g Kürbis, 1 Stange Staudensellerie (ca. 150g) , 1 El. Butter, ½ l
Fleischbrühe, ¼ l Milch, 1 Tl. Zitronensaft, 200g Garnelen, 1 Prise Zucker, Salz, schwarzer
Pfeffer aus der Mühle sowie einige Blätter Basilikum.
Zubereitung: Das Fruchtfleisch von der Schale befreien entkernen und in kleine Stücke
schneiden. Den Sellerie putzen und ebenso in kleine Stücke schneiden. Die Butter in einen
großen Topf schmelzen und den Kürbis und den Sellerie andünsten. Nun die Fleischbrühe
sowie die Milch dazu gießen, und ¼ Stunde köcheln lassen. Die Suppe mit dem Mixer oder
Pürierstab fein pürieren, falls zu dick, noch etwas Milch zufügen.
Alles mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Garnelen zugeben und in der
Suppe erhitzen. Basilikumblätter zur Verzierung der Suppe verwenden. Guten Appetit!
__________
Impressum
IG Metall – Eine starke Gemeinschaft. Jetzt Mitglied werden!
›Nachdruck‹
Zeitung der IG Metall für die Beschäftigten
in der lippischen Kunststoffindustrie
*Vorname
*Name
*Geburtsdatum
Tag
*Land
*PLZ
*Wohnort
Telefon (
dienstlich
Monat
privat)
Redaktion: Silke Bäcker-Hanke, Martin Brummermann, Horst
*Geschlecht
M=männlich
W=weiblich
Jahr
Gromann, Susanne Herrmann, Elmar Kleine-Grauthoff, Jürgen
Küstermann, Beate Linke-Niehage, Matthias Mürkens, Svend
*Staats-
Newger, Dajana Nüsse-Klamann
E-Mail (
dienstlich
privat)
*Straße
*Hausnr.
beschäftigt bei/PLZ/Ort
Beruf/Tätigkeit/Studium/Ausbildung
Ich bestätige die Angaben zu meiner Person, die ich der IG Metall zum Zwecke der Datenerfassung im Zusammenhang mit meinem Beitritt zur Verfügung stelle. Ich bin darüber
informiert, dass die lG Metall zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben und unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Vorschriften personenbezogene Angaben über
mich durch organisatorische Personengruppen der IG Metall sowie mit Hilfe von Computern verarbeitet. Eine Weitergabe der Daten zu Marketingzwecken findet nicht statt.
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich widerruflich die IG Metall, den jeweils von mir nach § 5 der Satzung zu entrichtenden Mitgliedsbeitrag von 1 % des monatlichen
Bruttoverdienstes bei Fälligkeit zu Lasten meines angegebenen Girokontos einzuziehen. Diese Einzugsermächtigung kann ich nur schriftlich mit einer Frist von sechs Wochen
zum Quartalsende gegenüber der IG Metall widerrufen. Änderungen meiner Daten werde ich unverzüglich der IG Metall mitteilen.
Vollzeit*
Teilzeit*
befristet beschäftigt
Leiharbeitnehmer/in/Werkvertrag
Falls Leiharbeitnehmer/in: Wie heißt der Verleihbetrieb?
ab
bis
Bankverbindung
*Bruttoeinkommen
*Bank/Zweigstelle
*Kontoinhaber/in
geworben durch (Name, Vorname)
Beitrag
*BLZ
*Konto-Nr.
Mitglieds-Nummer Werber/in
*Ort/Datum/Unterschrift
Weitere Informationen unter
www.igmetall.de/beitreten
Stand: April 2010
angehörigkeit
*Pflichtfelder, bitte ausfüllen
Bitte abgeben bei IG Metall-Betriebsräten/-Vertrauensleuten, der IG Metall-Verwaltungsstelle oder schicken an: IG Metall-Vorstand, FB Mitglieder/Kampagnen,
60519 Frankfurt am Main
Die Beitrittserklärung können Sie bei Ihrem Betriebsrat, bei den Vertrauensleuten der IG Metall
und in der Verwaltungsstelle der IG Metall in Detmold, Gutenbergstr. 2, 32756 Detmold, abgeben.
Cartoon S.4: Harm Bengen
Fotos IG Metall, Archiv
Redaktionsleitung, Layout und Satz: Manfred Horn
Verantwortlich i.S.d.P.: Reinhard Seiler, IG Metall Detmold,
Gutenbergstr. 2, 32756 Detmold, fon 05231. 99 190,
eMail [email protected]
Druck: apm AG, Darmstadt
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IG Metall Detmold, Gutenbergstr. 2, 32 756 Detmold