Februar 2005

Transcription

Februar 2005
an.schläge02/2005
an.schläge
DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN februar
just do it
FrauenCafé
Am 12. Februar startet die neue Crew in
der Langegasse wieder voll durch
thema
ArmutsFalle
In Zeiten wie diesen bleibt immer mehr
Frauen immer weniger zum Leben
e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,–
an.schläge
an.spruch
Ausgewogen
Wenn Frau krank wird, ist sie selbst schuld und es wird teuer!
activism.is.about
Vision der Gleichheit
Vorarlberger Kulturarbeiterinnen fordern jetzt Veränderungen
interview.ursula struppe
„Mit Diplomatie und Beharrlichkeit“
Die Integrations- und Diversitätsbeauftragte über ihre Pläne
auf.takt
P.S.: Nicht vergessen: am 12. Februar öffnet das
Frauencafé wieder seine Pforten!
Die oder wir
arbeit
forum
thema
politik
Muslimische Frauen zwischen Emanzipation und Anpassung
an.sage
„NorwegerInnen voraus!“
Frauen, tut was gegen rassitische Sprüche an den Wänden!
thema.armut
Überleben statt Leben ...
Arbeiten bis zum Umfallen und doch zu wenig Geld zum Leben
forum.wissenschaft
Die andere Feministin?
Islamische Feministinnen habens auch heute nicht immer leicht
fliegende.frauen
Fliegerin, grüß mir die Sterne!
Fliegen ist Männersache, eine junge Pilotin hebt trotzdem ab
interview.erik schinegger
„Das erste Mal pissen“
Erik(A) – der Weg von der Schiweltmeisterin zum Schischulenbesitzer
ausstellung.ceija stojka
Raben zwischen Stacheldrähten
Wenn das Erinnern schmerzt und sich in der Kunst äußern muss
rettung.frauencafé
Do the frauencafé 05
Tot geglaubte leben häufig länger, so auch das Wiener Frauencafé!
an.klang
„Musik ist unsere Freundin“
Ausgelassen, glamourös, verspielt graue Stimmung austreiben
lese.zeichen
Verlust der Realität
Wie Kuratoren osteuropäische Künstlerinnen schubladisieren
ge.sehen
kultur
Wir sind wieder da, im neuen Jahr! Hoffentlich
seid Ihr gut gerutscht, mit neuen Kräften ausgestattet und aufs Neue motiviert – auf dass der
feministische Kampf gegen Patriarchat auch
2005 energisch weitergeht!
Die an.schläge-Planungen für den 8. März sind bereits voll im Gange: Wir wollen dieses Jahr der
Frau Gräfin die rote Karte zeigen, damit sie sich –
und da sind wir uns in der Redaktion und wohl
mit vielen von Euch einig – endlich gegen die Einkommensschere einsetzt und notwenige Maßnahmen vorantreibt, damit Frauen das gleiche
Geld für gleiche Arbeit erhalten!
Also einfach rote Karte ausschneiden und mit
den an.schlägen zur 8. März-Demo kommen! (Treffpunkt und Uhrzeit geben wir, sobald sie feststehen, bekannt.)
Was fehlende frauenpolitische Maßnahmen in
Österreich „bewirken“, zeigen Petras Kommentar
und Martinas Thema: „Dank“ der Kürzungen im
Sozialbereich wird eine gute Gesundheitsversorgung und eine fixe Erwerbsarbeit für viele Frauen
wohl bald zum Luxus.
Gabi hat mit der Romni Ceija Stojka über ihre
neue Ausstellung gesprochen, entstanden ist ein
berührendes Portrait auch über ihre Erinnerungen an die Zeit im KZ (Seite 34).
Aber es gibt auch einiges, das uns hoffen lässt:
Frau fliegt über den Wolken (Seite 28), wehrt sich
gegen den männlich dominierten Kulturbetrieb
(Seite 8), mit dem Frauencafé geht’s weiter (Seite
36) und wir begrüßen Paula als neue Koordinatorin von anriss.international!
Also, wir wünschen ein gutes, feministisches neues Jahr, das dank der „kulturplanerin.2005“ in diesem Heft vorausschauend verplant werden kann!
Eure an.schläge-Redaktion
holland.polarisiert
Heroine im Ruderleiberl
Hart oder zart oder gibt’s doch noch andere Actionheldinnen?
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an.an.schläge
an.schläge
Herausgeberinnen und Verlegerinnen:
CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik
Betrifft:„Kein Platz für Frauen? Über gewerkschaftliche
Betrifft: Bettina Nemeth,„HOSI Wien, (k)ein Platz für Lesben?“
A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76
Frauenpolitik“ in an.schläge 12 01/04 05
In an.schläge 11/04
Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: [email protected],
[email protected], www.anschlaege.at
Redaktionskollektiv: Renate Billeth/reb (Gesamtkoordination),
Werden Elefanten zu Gazellen? Lückenbüßerinnen? Nein!
Die „an.schläge, das feministische magazin“ werden
(...) ich bin Feministin, also Kämpferin
im Sinne des Frauenbefreiungskonzeptes, deshalb kämpfen wir darum,
dass Frauen durchgängige Erwerbsverläufe vorweisen können, doch die
Regierung verlängert sogar noch den
Bezug des Kindergeldes über die Dauer der Karenz hinaus, fehlende Kinderbetreuung machen die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie unmöglich,
partnerschaftliche Kinderbetreuung
ist nicht existent. Auch kinderlose
Frauen sind diesen Diskriminierungen
ausgesetzt, da ihnen a priori die „Gefahr“ einer möglichen Mutterschaft
unterstellt wird.
Die Vertretung der Interessen unserer weiblichen Mitglieder hat hohe
Priorität, manchmal ist es jedoch eine
Gratwanderung zwischen den Realitäten und Bedürfnissen von Frauen und
meinem Anspruch an Frauenpolitik.
Wir dürfen nie aus den Augen verlieren
mit welchen alltäglichen Problemen
Frauen am Arbeitsmarkt zu kämpfen
haben. (...)
Mittlerweile ist Frauenpolitik innerhalb der GPA gefestigt. Die Beteiligung von Frauen in den höchsten politischen Gremien liegt bei 43% und ist
durch die Quote sichergestellt. Natürlich gibt es noch eine Diskrepanz zwischen egalitärem Bewusstsein und individuellem Verhalten. Daher war der
nächste Schritt in Richtung Gleichstellung die Implementierung von Gender
Mainstreaming in der GPA, damit in Zukunft Gleichstellungspolitik nicht mehr
allein die Aufgabe von Frauen und der
Frauenabteilung ist, sondern auch
Männer Gewerkschaftspolitik für Frauen gestalten.
von „CheckArt. Verein für feministische Medien und
Sandra Frauenberger, Bundesfrauensekretärin der GPA
Martina Madner/MM (Gesamtkoordination), Karin Eckert/
keck,Verena Fabris/vab (web), Gabi Horak/GaH (Abos ),Kerstin Kellermann/kek, Petra Öllinger/PÖ, Helga Pankratz/pan
Inserate, PR: Lea Susemichel, [email protected]
Ständige Mitarbeiterinnen: Paula Bolyos/pabo (Koordination anriss.
international),Daniela Fohn/DF (Koordination anriss. kultur), Svenja Häfner/svh (Koordination anriss.arbeit), Sabine
Klein/bik (Koordination anriss.wissenschaft), Zoraida Nieto,
Eva Steinheimer/ESt (Koordination anriss.österreich)
Mitarbeiterinnen dieser Nummer:
Juliane Alton, Anne-Katrin Ebert,
Léontine Meijer, Katharina Nagele, Zoraida Nieto,Barbara
Oberrauter/oba, Ariane Sadjed, Bettina Surtmann,
an.sage: Christa Markom & Sabine & Klaudia
neu.land: Jasmina Jankovic’
heim.spiel: Eva Steinheimer
lesben.nest: Anahita Lucojannakis
ge.sehen: Angelika Pelikan
an.klang: Sonja Eismann & Ute Hölzl
plus.minus: Helga Pankratz
Cartoon: Jana Grabner
Unsere Werbung: Magdalena Blaszczuk
Cover: Johanna Brandstätter
Fotos: an.schläge-Archiv, Renate Billeth, Magdalena
Blaszczuk, Johanna Brandstätter, Clean Clothes
Campaign, Carola Derting, Anne-Katrin Ebert, Karin
Eckert, filmladen, firstchoicefilms, Carmen Fischer,
Michelle Hofmann, Gabi Horak, Joan Marcus, Léontine
Meijer, Inge Prader, projekttheater Vorarlberg, Fiona
Rukschcio, Eva Steinheimer, SUNWORK,Women’s
^
Cooperation, Jasmila Zbanic´
an.schläge Schrift: Martha Stutteregger
Grafisches Konzept: Beate Schachinger für
Layout: Andrea Gadler
Druck: Reha Druck, Graz
© an.schläge: Titel, Vorspänne und Zwischentitel von der
Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge
müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion
entsprechen. Kürzungen vorbehalten.
Offenlegung nach §25 Mediengesetz:
Als Aktivistin der HOSI Wien und ehemaliges Vorstandsmitglied dieses Vereins bin ich erstaunt, verwundert und
entsetzt über HOSI-Obfrau Bettina Nemeths kurzgeraffte Lesben-Geschichte
des Vereins. Auch nach mehrmaliger
Lektüre frage ich mich noch immer, ob
sie und ich tatsächlich Mitglieder des
gleichen Vereins sind.
Seit ich selbst in der HOSI aktiv
bin (...) – kenne ich die HOSI als politischen Verein aus Lesben und Schwulen.
Nicht erst die Konsequenzen von
AIDS in personeller Hinsicht haben
Schwule dazu motiviert, uns Lesben
gleichsam als Lückenbüßerinnen in den
1990ern nachrücken zu lassen. Auch
dieser Teil der Geschichterln Nemeths
ist unrichtig: Schon in den 1980ern waren wir Lesben in Führungsfunktionen
vertreten – nicht weil Not am Mann
war, sondern weil wir Frauen auch gefördert und gefordert wurden.
Auch wenn ein (Gast)Kommentar
die persönliche, politische (!) Meinung
der Autorin wiedergibt, hätte ich mir
gewünscht, dass sie seriös recherchiert,
statt halblustige Geschichterln ausgerechnet in einem feministischen Medium breitzutreten und so die geleistete
Arbeit ihrer Vorgängerinnen zu verleugnen. Nemeths Umgang mit der Lesbengeschichte des Vereins ist nicht nur
leichtfertig, sondern schädlich für künftige lesbenpolitische Aktivitäten generell. (...) Mit lesbisch-feministischen
Grüßen,
Gudrun Hauer, Wien
P.S. an die Redaktion: Zu einer professionellen Recherche gehört auch die richtige Schreibweise eines Vereins: nach wie
vor heißen wir „Homosexuelle Initiative
Wien“.
Politik“ herausgegeben. Sie verstehen sich als eine
feministische Medienstimme gegen den patriarchalen Zeitgeist und als Teil der Lesben- und Frauenbewegung.
Die an.schläge sind Mitglied der VAZ – Vereinigung
alternativer Zeitschriften und des feministischen
Medienverbands.
04 an.schlägefebruar 2005
an.schläge werden gefördert von:
FRAUEN
BURO
MAGISTRAT DER STADT WIEN
an.spruch
Petra Öllinger
Ausgewogen
Jahresbeginn. Gute Vorsätze. Einmal mehr der Versuch,
unsere inneren Schweinewuffis zu überlisten.Wenn
ich diversen Meinungsumfragen glauben sollte (was
selten der Fall ist, aber dieses Mal glaube ich sie doch,
weil sich die Aussagen mit jenen vieler meiner FreundInnen decken), dann müssten die ÖsterreicherInnen 2005 zu
einer der gesündesten Nationen hochlaufen: Mehr Sport, gesündere Ernährung, Ende des Qualmstängels.
Mit guten Vorsätzen plage ich mich nicht (mehr). Viel lieber küren ich und meine Schweinewuffis zum Jahresende
genüsslich unsere persönlichen DVIGWOKHs (Die Vermittlung
Inflationär Gebrauchter Wörter Ohne Kritische Hintergedanken). 2004 zählten unter anderem dazu: Anti-Aging,Wellness,
Gesundheitsprävention und ausgewogen. Mal ehrlich:Welche
träumt nicht davon, fit und faltenfrei jenseits der Hundert-JahreGrenze in die Grube zu springen? Diesen Wunsch kann sich jede einfach erfüllen.
A) ausgewogen futtern: strenge Vorschriften befolgen, am
besten nicht auf sich selbst hören, sondern Ernährungsgurus
fragen, die wahlweise Kohlenhydrate oder Fette oder Proteine
oder alles zusammen verbieten. B) ausgewogen bewegen, jedoch nicht den Wohnungsputz, das morgendliche Kinder-inden-Kindergarten-Bringen oder das Schleppen voll beladener
Einkaufssackerl mit gestylten Auftritten im Fitnesscenter verwechseln. C) ausgewogen schön bleiben: Hormone, Chemiecocktails auf die Haut, ins Haar, in den Bauch. Bei welcher sich
mit 25 Lachfalten um die Augen oder – ob dieser und anderer
Wahnsinnigkeiten – Zornesfurchen auf der Stirne zeigen, die
muss sich halt den Vorwurf gröbster Vernachlässigung und
Unverantwortlichkeit gefallen lassen. Und bitte keine Ausreden von wegen nicht gewusst, zu teuer, zu zeitintensiv.
Bei allem Sarkasmus, die Verantwortung für die eigene Gesundheit selbst zu übernehmen, ist grundsätzlich zu begrüßen. Und langfristig betrachtet ist Prävention weniger kostenintensiv (vor allem für die KRANKENkasse) als langwierige „Reparaturen“ in Form von teuren Medikamenten, langen Spitalsaufenthalten, Rehabilitationen, Therapien. Darum die logische
Schlussfolgerung: Am besten die Kassenbudgets für Prävention sukzessive kürzen oder Zuschüsse für Heilmittelbehelfe
streichen oder ... Auffallend ist überhaupt, dass beim Stichwort
Gesundheitsreform Einsparungspotentiale im Zentrum stehen.
Aber zurück zur persönlichen Verantwortung. Eigenvorsorge setzt bestimmte Kenntnisse voraus, zum Beispiel um gesundheitliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern.
Die – im übrigen nicht neue – Tatsache, dass Frauen anders
krank sind als Männer, sickert, wenn auch zögerlich, sowohl in
das Bewusstsein von Beschäftigten im Gesundheitsbereich als
auch in jenes der Betroffenen. Ein Beispiel aus dem Bereich der
Herzerkrankungen: Die unterschiedliche Symptomatik ergibt
sich nicht nur daraus, dass Frauen ihre „Beschwerden“ anders
formulieren als Männer, sondern manifestiert sich auch in körperlichen Differenzen. Anzeichen bei Frauen sind unter anderem Wirbelsäulenschmerzen, lang anhaltende Atemnot, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Brustkorbenge, die zeitweise in den
linken Arm oder in den Magen ausstrahlen – Symptome die
auf den ersten Blick nicht unbedingt eine Herzerkrankung vermuten lassen. Männer nennen da „handfestere“ Beschwerden
wie plötzliches Auftreten von Herzjagen oder Brustkorbbeschwerden mit Benommenheit. Zweifellos, frau braucht
Selbstbewusstsein und -vertrauen, damit ihre persönlichen Befindlichkeiten ernst genommen werden, auch und vor allem
wenn diese sich von medizinischen Lehrbüchern unterscheiden.
Eigenvorsorge setzt aber auch finanzielle Leistbarkeit voraus, und zwar schon bei alltäglichen Dingen wie gesunden
Lebensmitteln. Ein Einkauf im Bio-Handel ist für DurchschnittsverdienerInnen Luxus. Ein Schwenk vom Einkaufswagen in
„höhere“ Sphären – zum Gehaltszettel: Sozialversicherungsbeiträge wirken mit zunehmendem Einkommen über der Bemessungsgrundlage regressiv, je höher der Verdienst desto
geringer fällt in Relation dazu deren Anteil aus. Der Blick auf
die Einkommenssituation von Frauen zeigt somit deutlich,
wie komplex Fragen der Gesundheit auch mit beruflichen
Umständen verwoben sind. Die immer wieder von Wirtschaftsseite geforderte Senkung der Lohnnebenkosten tut ihr übriges,
um BrötchengeberInnen zunehmend aus ihrer sozialen Verantwortung zu entlassen. Eine der Folgen: sinkende ArbeitgeberInnenbeiträge für Sozialversicherungen – „ausgewogene“
Belastungen für Schlechtverdienende ...
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februar 2005an.schläge 05
österreichan.riss
Fo t o : C a r m e n Fi s c h e r
ausschreibung
SozialMarie2005
enquete
30 jahre Fristenregelung
Am 15. Jänner gabs in Wien eine von der Sozialistischen Jugend Österreichs
gemeinsam mit den SPÖ-Frauen, der Aktion Kritischer SchülerInnen und
dem VSStÖ organisierte Enquete zu „30 Jahre Fristenregelung“. Am Nachmittag diskutierten ExpertInnen und InteressentInnen in Arbeitsgruppen
zum Thema „Selbstbestimmung statt FremdbeHERRschung“. Am Abend
fand eine von SJ-Frauensprecherin Stefanie Vasold (Foto, links) moderierte
Podiumsdiskussion mit Barbara Prammer (Foto, Mitte), dem Leiter des Ambulatoriums Gynmed, Christian Fiala (Foto, rechts), der ehemaligen SPÖBundesfrauensekretärin Irmtraut Karlsson und Malgorzata Perkowska vom
polnischen Büro für Gleichbehandlungsfragen statt. Perkowska berichtete
über die Folgen der Wiederabschaffung der legalen Abtreibung in Polen
1993. Karlsson skizzierte den historischen Weg zur Fristenlösung und machte darauf aufmerksam, dass es sich dabei nur um eine Kompromisslösung
handelt, denn „mein Bauch gehört mir noch lange nicht!“. Und Prammer
präsentierte eine Umfrage, derzufolge achtzig Prozent der österreichischen
Frauen zwischen 18 und vierzig Jahren für die Beibehaltung der Fristenlösung sind. Einig waren sich die Diskutierenden über die nötige Einführung
von Schutzzonen rund um Kliniken, die Abtreibungen durchführen. Est
www.30-jahre-fristenregelung.at
Gedankenjahr 2005
Während wir noch nachdachten, ob „Pensionsharmonisierung“,„Hacklerregelung“
oder „Parallelgesellschaft“ das Unwort
2004 sei, präsentierte NR-Präsident Khol in
der ORF-Pressestunde schon das Unwort
2005: das „Gedankenjahr“, in dem, so Andreas Khol, der „Wiederaufbaugeneration“
gedankt wird, 1945 verhindert zu haben,
dass „die Russen“ in Österreich Fuß fassen!
Machen wir uns auf ein langes Jahr voll
schräger Geschichte(n)-Vermittlung gefasst.
06 an.schlägefebruar 2005
plus.minus
Die Unruhe Privatstiftung vergibt heuer unter dem Motto „SozialMarie
2005“ drei Preise (5.000-15.000 Euro) an SozialprojektbetreiberInnen,
die auf kreative und innovative Weise Hervorragendes geleistet haben.
Die Projekte sollen praxiserprobt, aber auch noch am Laufen sein. In
Frage kommen Projekte aus Österreich und solche, die nicht weiter als
300 Kilometer von Wien entfernt sind. Die Kriterien, nach denen die
Jury die PreisträgerInnen auswählen wird, sind u.a. die Innovativität der
Projektidee, der konkrete, nachhaltige Nutzen für die Zielgruppe, der
Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschätzung der Zielgruppe, die
Transparenz des Projektkonzeptes und die Kooperation mit anderen
Gruppen. Anträge können bis 12. März eingereicht werden. Die prämierten Projekte werden am 1. Mai öffentlich vorgestellt. Est
Anmeldeformulare: Unruhe Privatstiftung, 4., Mittersteig 13/6, T. 01/587 10 90 (Birgit Schörg)
[email protected]
lesben und schwule
Andere Gedanken!
Allerorts wird über das „Gedankenjahr 2005“ geschrieben und gelästert, geredet aber auch gelobt. Die HOSI Wien machte nun auf einen
Punkt aufmerksam, der bisher kaum beachtet wurde. Keine Rede ist
im Zusammenhang mit allen möglichen Jubiläumsfeiern nämlich davon, dass homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus immer noch
auf ihre Rehabilitierung und einen Rechtsanspruch auf Entschädigung
nach dem Opferfürsorgegesetz (OFG) warten. Bettina Nemeth, Obfrau
der HOSI Wien, bezeichnet die „unkritischen und selbstgefälligen Jubiläumsfeierlichkeiten“ als „hochgradig heuchlerisch“. Seit mehr als zwanzig Jahren laufen Bemühungen um die Anerkennung homosexueller
plus.minus Reaktionen und Anregungen an die Redaktion per Brief oder e-mail, mit dem Betreff:„plus.minus“
rezept I
rezept II
Ab in die Küche!
Deutsch reden mit Baby!
„Unsere Ernährung“. Unter diesem Titel ist der
Ratgeber einer gewissen Maria A. Wildner auf
dem Markt. Auf 345 Seiten verbreitert sie sich
darin erschreckend ewiggestrig über „falsche“
Lebensführung, die AIDS, Homosexualität,
Drogen- und Alkoholsucht erzeuge. Schuld seien Frauen, die Bildung, Beruf und Sex der Mutterschaft vorziehen, sowie die abnehmende
Bedeutung religiöser Werte. Ihr Credo: „Die
Frau zurück an den Herd“, sonst müssten die
leeren Schulklassen mit Kindern ausländischer
Familien gefüllt werden. Da seien sich die
Frauen aber wenigstens noch ihrer Verantwortung für Familie und Kinder bewusst. (–)
Genau auf diese Kinder und Mütter zielen die
rechten Rezepte gegen Österreichs schlechtes
Abschneiden in der Pisa-Studie ab: Ministerin
Gehrer schrieb das Debakel „mangelhaften
Deutschkenntnissen“ von „Ausländerkindern“
zu. Vizekanzler Gorbach schlug vor, die verpflichtenden Deutschkurse zu „evaluieren“. Und VPFraktionschef Molterer schmeckte das monatelang köchelnde Süppchen mit dem Vorschlag ab,
die Deutschkenntnisse von Ausländerkindern
schon im Vorschulalter zu prüfen und ihre Mütter im Rahmen des „Integrationsvertrags“ stärker in die Pflicht zu nehmen, damit sie mit den
Kleinen auch daheim schön Deutsch reden. (–)
an.rissösterreich
NS-Opfer. (Hintergrundberichte zum Thema finden sich zum Beispiel
auf: www.ausdemleben.at) Die HOSI fordert nun Solidarität mit dieser „vergessenen“ Opfergruppe und Proteste bei Gedenkveranstaltungen: „Wir rufen alle Menschen, die mit dieser nicht erfolgten Rehabilitierung nicht einverstanden sind, auf, ihre Solidarität dadurch zu bekunden, dass sie sich bei offiziellen Anlässen gut sichtbar einen großen rosa Winkel aus Stoff oder Papier an ihre Kleidung heften.“ Der
rosafarbene Winkel kennzeichnete in den Konzentrationslagern homosexuelle Häftlinge. Est
www.hosiwien.at
asylgesetz
So nicht!
Das Büro der neuen Innenministerin Liese Prokop versendete Anfang Jänner ein Papier, das als Diskussionsgrundlage für den Entwurf eines Asylgesetzes 2005 dienen sollte. Ein Sturm der Entrüstung brach los. Vor allem NGOs wie Asyl in Not oder SOS Menschenrechte, die Prokop auch in
die Diskussion mit einbeziehen möchte, lehnen den Entwurf selbst als
Diskussionsgrundlage ab. Auch die Grünen übten scharfe Kritik und die
SPÖ forderte eine Einbindung in die Gespräche. Die Liste der Beanstandungen, wie sie zum Beispiel Asyl in Not in einer Stellungnahme aufzählt,
ist lang. So gibt es im Bereich der Schubhaft schwerwiegende Verschlechterungen; es gibt die Möglichkeit der Beugehaft für Flüchtlinge, die sich
dem Verfahren entziehen oder von denen „anzunehmen ist“, dass sie sich
dem Verfahren entziehen werden. Weiters soll laut Asyl in Not die einzige
positive Errungenschaft des vorjährigen Gesetzes nun wieder abgeschafft werden: dass Traumatisierte und Folteropfer nicht abgeschoben
werden dürfen, sondern auf jeden Fall zum Asylverfahren zugelassen
werden müssen. Laut dem neuen Gesetzesentwurf gibt es Schutzbestimmungen für Traumatisierte nur mehr dann, wenn sie bereits zum Verfahren zugelassen sind. Bleibt abzuwarten, was die Diskussionen ergeben. Mittlerweile hat Prokop den Entwurf als „in jede Richtung abänderbar“ bezeichnet. Wir werden weiter darüber berichten. Est
verfassungskonvent
Unklarheiten
Der vom Konventsvorsitzenden Franz Fiedler kürzlich vorgelegte Verfassungsentwurf wirft viele Fragen auf. Während die „sexuelle Ausrichtung“ nun endlich als Nichtdiskriminierungskategorie in den Verfassungsentwurf aufgenommen worden ist, wird der Passus über die
Ehe von vielen als Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare gelesen.
So sieht etwa das Rechtskomitee Lambda im Artikel 59 einen klaren
Gegensatz zum EU-Recht: „Mit Erreichung des gesetzlich zu bestimmenden Alters haben Frau und Mann das Recht, eine Ehe einzugehen
und eine Familie zu gründen.“ In die gleiche Richtung argumentiert
die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer, die ein verfassungsrechtliches Einzementieren des Verbotes gleichgeschlechtlicher
Ehe fürchtet. Die HOSI Wien hingegen interpretiert oben zitierte Passage anders, nämlich in dem Sinn offen, dass der Entwurf vielleicht
eine Einschränkung auf gemischtgeschlechtliche Paare beabsichtigt,
diese aber nicht eindeutig formuliert habe. Die HOSI kritisiert vielmehr die im Verfassungsentwurf enthaltene Privilegierung der Ehe
überhaupt. Est
an.ruf
R e n a t e B i l l e t h s p r a c h m i t [r o * s a ] O b f r a u I n g r i d F a r a g
Nägel mit Köpfen
Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik hat das Wiener
Frauenwohnprojekt [ro*sa] vor kurzem als nachhaltiges Projekt im Bereich Partizipation ausgezeichnet. Worum geht es bei [ro*sa]? Soll hier ein
reiner Frauenwohnraum entstehen?
Die Idee hatte die Architektin Sabine Pollak. Im wesentlichen geht es darum, die Rechtsverhältnisse in Frauenhand zu haben. Genauer: die Verträge werden mit Frauen geschlossen. Ob Frau mit Kind, Mann, Frau oder allein einzieht, ist ihre Entscheidung. Ein weiterer Anspruch ist es, ein Generationen übergreifendes und integratives Wohnprojekt zu schaffen.
Habt ihr ein konkretes Objekt im Auge?
Da sind wir auch schon bei der großen Hürde! Es ist sehr schwer ein
leerstehendes Objekt dieser Größe (25-45 Wohnungen plus Gemeinschafträume) zu finden. Viele Objekte werden versteigert, aber da
brauchen wir gar nicht erst anfangen ...
Wie steht es um die Finanzierung?
Finanzen sind leider nicht unsere Stärke – die liegt eher bei der Partizipation. Bisher haben sich ein Investor und einige Bauträger interessiert gezeigt. Aber mehr ist daraus noch nicht geworden.
Und die Stadt Wien?
Für spezifische Frauenförderungen scheint die Zeit vorbei. Sowohl das
Büro der früheren Frauenstadträtin Brauner als auch der jetzigen Stadträtin Wehsely haben uns nur zu anderen Stellen „weitergeleitet“. Im Jänner sind wir erstmals zum Büro Faymann (Wohnungsstadtrat) durchgekommen – die zeigten sich interessiert! Mal sehen, ob daraus mehr wird.
Interessieren sich viele Frauen für das Wohnprojekt?
Der Verein [ro*sa] hat derzeit achtzehn Mitfrauen. Zusätzlich gibt‘s
fünfzig bis sechzig Interessentinnen. Sobald wir ein konkretes Objekt
gefunden haben, sind sie alle da, schätz ich.
Kann frau noch bei [ro*sa] mitmachen?
Wir freuen uns über jede Interessentin, vor allem wenn sie dem Verein beitritt. Das kostet monatlich acht Euro. Wir brauchen immer wieder ein bisschen Geld, denn um Nägel mit Köpfen zu machen, müssen
wir Fachleute konsultieren. Es kommen uns alle preislich entgegen,
aber kosten tut‘s trotzdem was!
Infos zu [ro*sa]: www.frauenwohnprojekt.info
februar 2005an.schläge 07
Co l l a g e : Fi o n a Ru k s c h c i o
activismisabout
Vision der Gleichheit
Die IG Kultur Vorarlberg fordert in einem Maßnahmenkatalog die Verbesserung der
Produktions- und Rezeptionsbedingungen für Künstlerinnen und Kulturarbeiterinnen.
Von Juliane Alton
Im Rahmen einer fast zweijährigen Arbeit hat die IG Kultur Vorarlberg bestehende Studien ausgewertet, Vorträge und
Workshops durchgeführt, Vorschläge für Maßnahmen entwickelt
und diese mit Künstlerinnen, Kulturarbeiterinnen und Kulturschaffenden in
Vorarlberg diskutiert. Initiatorin und inhaltliche Trägerin des Projekts ist Sabine
Benzer, IG Kultur-Vorstandsmitglied und
Geschäftsführerin des Theaters am
Saumarkt in Feldkirch.
1 Frauen in Vorarlberg. Situationsbericht 2003. Hg.: AK Vorarlberg,
ÖGB Frauen, Land Vorarlberg,
Frauenabteilung.
08 an.schlägefebruar 2005
Urbanes Dorf. Für Leserinnen, die Vorarlberg nicht aus eigener Lebens- oder Leseerfahrung kennen, seien hier einige
eher pauschale Anmerkungen zu Land
und Leuten eingefügt: Vorarlberg ist zu-
gleich konservativ und zukunftsorientiert. Es besteht aus urbanen, wachsenden, eher offenen Räumen einerseits
(Rheintal) und aus weitläufigen Talschaften mit dörflicher Struktur andererseits, wo die Religion, eine Art calvinistischer Katholizismus, sozial prägend
ist. Der Bevölkerungsanteil, der nur über
einen Pflichtschulabschluss verfügt,
liegt in Vorarlberg höher als im österreichweiten Durchschnitt, der Anteil der
AkademikerInnen liegt niedriger, Frauen
sind traditionell schlechter ausgebildet
als Männer, wobei in den letzten zehn
Jahren eine Aufholjagd eingesetzt hat.1
Die Vorarlberger Kulturlandschaft ist
vergleichsweise dicht, ihre ExponentInnen und WortführerInnen sind jedoch
mit wenigen Ausnahmen Männer. Die
Ungleichbehandlung von Frauen und
Männern auch durch die Kulturabteilung des Landes Vorarlberg springt ins
Auge, weshalb das Land die Arbeit der
IG Kultur Vorarlberg finanziert hat und
Ende Januar 2005 die Vorschläge und
Maßnahmen übermittelt bekommt.
Als Beleg für die bestehende Ungleichheit hat Sabine Benzer die Vergabe von
Auszeichnungen des Landes Vorarlberg im Kulturbereich zwischen 1954
und 2002 ausgewertet. Diese spricht
eine überaus deutliche Sprache. Darüber hinausgehende Zahlen und statistisches Material zu sammeln und aufzubereiten, wäre Aufgabe des Landes
und wird als wichtige Maßnahme von
der IG Kultur vorgeschlagen. Obschon
das Land im Bereich der Besetzung der
aboutisactivism
* Budgetquoten sind einzuführen:
mindestens 50 Prozent der Mittel in jedem Förderbereich müssen Frauen zukommen.
* Vergabekriterien müssen neu definiert werden, wobei feministische und
antirassistische Gesichtspunkte dominieren und das Prinzip der SelbstrepräWissenstransfer. Wichtig für die Erarbeitung von praktischen Maßnahmen war sentation gewährleistet ist. Die Diskussion über die hinter Vergabekriterien
zunächst die Aufbereitung einer theostehenden Werte muss offen geführt
retischen Basis anhand von Studien4
werden.
und Vorträgen.5 In einer Reihe von
* Informationspflicht statt AmtsWorkshops ging es um den Austausch
verschwiegenheit, klare Fristen für die
von praktischem Wissen zwischen kulAbwicklung von Förderungen, öffentturschaffenden Frauen und Impulsgeliche Kommissionssitzungen und klaberinnen mit Expertinnenwissen. Die
re statistische Daten zu Förderung
Themenpalette reichte von feministischer und antirassistischer Kulturarbeit von Frauen im Kunst- und Kulturbebis zu Sozialversicherungs- und Vernet- reich.
* Abschaffung der Altersgrenzen im
zungsfragen.
Im Herbst 2004 schließlich wurden Zusammenhang mit bestimmten Fördie Maßnahmen formuliert und an kul- derungen. Sie schließen vor allem Frauturschaffende Frauen in Vorarlberg ver- en aus.
* Bei Begutachtung von Gesetzen
schickt, um sie vor Abschluss möglichst
und Gesetzesnovellen sind Interessenbreit diskutieren zu können.6
vertretungen zeitgerecht in BegutachZiel der Maßnahmen ist einerseits
tungsverfahren einzubinden
die Beeinflussung und Neudefinition
* Die Gesetze sind durch Verordvorhandener Strukturen (Fördergesetze
und Entwicklungspläne, Paritätische Be- nungen (Durchführungsbestimmungen) zu ergänzen, welche die Frauenförsetzung der Gremien, Förderrichtlinien
derung für die VerwaltungsbeamtInnen
usw.) im Sinne der Geschlechtergleichunmissverständlich festschreiben.
stellung, andererseits die Entwicklung
* Auch für staatlich kontrollierte
von spezifischen Maßnahmen für kultur- und kunstschaffende Frauen. Dazu Monopolbetriebe (z.B. Verwertungsgewird zunächst auf die Forderungen des sellschaften) müssen die Prinzipien der
Frauenvolksbegehrens rekurriert, deren Frauenförderung gelten.
* Eine menschenwürdige soziale
Umsetzung nach wie vor auf sich warAbsicherung ist leistbar und notwenten lässt. Zusätzlich wird die Umsetdig, 1.200 Euro Mindestgehalt für alle
zung von Gendermainstreaming auch
im Kulturbereich gefordert, wozu es vie- erwerbstätigen Menschen statt Lohnlerorts an der notwendigen inhaltlichen dumping und McJobs.
* Alle Erwerbstätigen sollen voll
Kompetenz fehlt, keineswegs an der
versichert sein, im Fall von KünstlerInformalen!
Diese Forderungen werden zusätz- nen ist die Übernahme eines QuasiDienstgeberInnenbeitrags durch Verlich zu jenen des BundesvernetzungswerterInnen und Staat erforderlich.
treffens kulturschaffender Frauen im
* Mindeststandards für KulturJuni 2004 als Voraussetzung und Basis
für die spezifischen Maßnahmen gese- schaffende, wenn sie geförderte Veranhen, die im Folgenden kurz zusammen- stalterInnen in Anspruch nehmen
* Aufgaben des AMS: Vermitteln,
gefasst sind:
Bezüge auszahlen und die gezielte Förderung von Arbeitsplätzen.
Forderungen.
* Verstärkte Unterstützung von kul* Die paritätische Besetzung von
turschaffenden Frauen in der AusbilJurys, Beiräten, Kommissionen muss
dung; Landesstipendien
verbindlich sein.
* Weiterbildungsscheck
* Bei Postenbesetzungen gilt es, vor
* Diskurs! Regelmäßige öffentliche
allem im Bereich leitender Funktionen
auf einen Frauenanteil von mindestens Diskussionsveranstaltungen zu Fragen
der Diskriminierung
50 Prozent zu kommen.
Kunstkommissionen2 bereits reagiert
und sich allgemein die Überzeugung
ausgebreitet hat, die Kommissionen seien überproportional weiblich besetzt,
ist auch da erst ein Anteil von 42 Prozent Frauen erreicht.3
* BeamtInnen mit GM-Kompetenz
ausstatten
* Starke Interessenvertretung
* Servicestelle für Beratung
* Mehr und bessere Arbeits- und
Präsentationsräume
* Technik-Pool einrichten
* Freie unabhängige Medien unterstützen
* Netzwerkbildung unterstützen
Diskriminierungsachsen. Viele der genannten
Maßnahmen erscheinen auf den ersten
Blick nicht als spezifische Maßnahmen
für kulturschaffende Frauen und Künstlerinnen.Tatsächlich handelt es sich bei der
Frauenstudie um ein Demokratieprojekt
im weitesten Sinn.Viele Forderungen versuchen nur, mehr Fairness und Transparenz herzustellen. Fairness und Transparenz nützen immer denjenigen am meisten, deren Startbedingungen schwieriger und deren Zukunftschancen
schlechter sind, weil sie als Einzelpersonen und als gesellschaftliche Gruppen
Benachteiligungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind. Die Autorinnen des
Maßnahmenkatalogs bekennen sich daher zu dem Faktum, dass die Umsetzung
nicht nur, aber vor allem kulturschaffenden Frauen und Künstlerinnen nützen
werden. Dies umso mehr im Zusammenhang mit der folgenden Überlegung:
Die Kritik in Zusammenhang mit
etablierten feministischen Forderungen
bezieht sich immer häufiger darauf,
dass die damit verbundenen Formulierungen und Repräsentationen einen
Herrschaftsgestus weißer heterosexueller bürgerlicher Frauen darstellen, die
den einen Punkt ihrer eigenen Diskriminiertheit ins Zentrum rücken und alle
anderen Diskriminierungsachsen – sexuelle Orientierung, Klassenherkunft
oder den Zugriff auf staatsbürgerliche
Rechte eines Landes – marginalisieren.
Gefordert ist nun eine erhöhte Aufmerksamkeit für diese unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionierungen.
Die damit verbundenen Fragen7
lauten:
Wie können Forderungen nach
Frauenförderung und Gleichbehandlungsmaßnahmen sich dezidiert dagegen sperren, rassistisch instrumentalisierbar zu sein? Wie kann feministische,
antirassistische Repräsentation, Darstellung und Herstellung von Wirklichkeit aussehen?
❚
2 Entsprechen den Beiräten z.B.
in der Kunstsektion des Bundeskanzleramts
3 Landeskulturbericht 2003
4 Folgende Studien wurden unter
anderen in die Arbeit einbezogen:
Zentrum für Kulturforschung (Hg.):
Frauen im Kultur- und Medienbetrieb II, Bonn, 1995; Deutscher Kulturrat (Hg.): Frauen in der Kultur, zwei
Untersuchungen: Repräsentanz von
Frauen in Verbänden und Organisationen des kulturellen Lebens / Frauen als Akteurinnen im kulturellen
Feld – Frauen in den Bereichen Kirche, Wissenschaft, Gewerkschaft,
Wirtschaft, Politik, Bonn, 1996; Marie-Luise Angerer: Frauen in der
österreichischen Medien- und Kulturindustrie, Wien, 1994; Kulturplattform Oberösterreich, Frauen – Kultur
/ Frauen, Bausteine und Beispiele zur
weiblichen Teilnahme am Kulturbetrieb, Elisabeth Vera Rathenböck,
Irene Faehndrick, Eva-Maria Kósa,
Brigitte Zehethofer, Ling, Linz 1997.
Almhofer, Edith, u.a., Die Hälfte des
Himmels, Chancen und Bedürfnisse
kunstschaffender Frauen in Österreich, Gumpoldskirchen 2000.
Harauer, Robert & Monika Mokre,
Elisabeth Mayerhofer, Klaus Draskowitsch, Frauen in Kunst-, Kultur und
Medienbetrieben in Österreich,
Wien 2000, Mediacult-Studie.
5 Vorgetragen haben unter anderen
Silvia Eiblmayr, Christina von Braun,
Stella Rollig, Hito Steyerl, Gerda
Haas, Anette Baldauf.
6 An vier Terminen in vier verschiedenen Bezirken des Landes (Dornbirn, Bregenz, Hittisau, Feldkirch)
fanden die Diskussionen statt.
7 Johanna Schaffer hat diese
Fragestellungen im Rahmen von
Workshop 3 formuliert.
februar 2005an.schläge 09
Fo t o : G a b i H o ra k
interviewursula struppe
„Mit Diplomatie und Beharrlichkeit“
Mit Ursula Struppe wurde eine Frau zur Leiterin der neuen Wiener Integrationsabteilung
bestimmt, die den Prozess von Beginn an begleitet hat. Gabi Horak traf sie zum
Begrüßungsinterview.
Wie steht es um Diversität
innerhalb der MA 17?
Die rund vierzig MitarbeiterInnen
sind zu fünfzig Prozent Frauen,
und die zwei Drittel MigrantInnen
kommen aus 16 Herkunftsländern.
„Für mich ist dabei aber die wahrnehmbarste Diversität von Kultur
die der Unternehmenskultur, wie
sie einerseits Magistrats-MitarbeiterInnen und andererseits WIFMitarbeiterInnen mitbringen“,
erzählt Ursula Struppe.
10 an.schlägefebruar 2005
Der Wiener Integrationsfonds
(WIF) ist Geschichte. Die Räumlichkeiten in der Mariahilfer
Straße wurden im September
2004 aufgelassen und ein
Großteil der WIF-MitarbeiterInnen arbeitet nun in der neu gegründeten Magistratsabteilung für Integrations- und
Diversitätsangelegenheiten (MA 17). Die
zuständige Stadträtin Sonja Wehsely
präsentierte zu Jahresbeginn die mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattete
Leiterin der Abteilung: Ursula Struppe
ist promovierte Theologin und seit Jahren im Integrationsbereich tätig, unter
anderem als Koordinatorin der „Land
der Menschen“-Initiative. Ihr helles Büro
liegt einen Stock unter dem des Frauenbüros – und diese räumliche Nähe soll
auch die inhaltliche Zusammenarbeit
begünstigen.
an.schläge: Wie ist die Idee zur neuen
Abteilung entstanden?
Ursula Struppe: Es hat eine Studie
des Europaforums Wien gegeben, die
europäische Städte im internationalen
Vergleich analysierte: Wie sie mit dem
Thema Diversität umgehen. Daraus
wurden Handlungsempfehlungen für
Wien abgeleitet. Von Oktober 2002 bis
Juni 2003 wurde dann in unterschiedlichen Modulgruppen zu verschiedenen Themen gearbeitet, was zu der
Entscheidung geführt hat, eine neue
Abteilung zu gründen.
Wie definiert die Integrationsabteilung ihre Aufgaben?
Sie soll ein Kompetenzzentrum
sein, das andere Abteilungen der Stadt
Wien dabei unterstützt, eine Qualitätsentwicklung in Richtung Diversitätsmanagement zu vollziehen. Dann geht es
natürlich weiterhin um die Unterstützung von MigrantInnen.
Werden alle Projekte des WIF weitergeführt?
Grundsätzlich ja. Teile der Beratungstätigkeiten werden jetzt vom Beratungszentrum für MigrantInnen, ehemals Modenapark, übernommen. Die
haben auch drei MitarbeiterInnen vom
WIF übernommen. Im Förderungsbereich werden im wesentlichen die Projekte des WIF weiter geführt und gemeinsam mit den Vereinen künftige
Zielsetzungen und Schwerpunkte überlegt. Beispielsweise, was auch im Geschäftsauftrag der MA 17 steht: Niederlassungsbegleitung entwickeln, damit
Menschen, die heute neu nach Wien
kommen, möglichst rasch selbstständig
zurecht kommen. Das hat eine sprachliche Komponente, aber natürlich nicht
ursula struppeinterview
nur. Es geht auch um Orientierung an
der österreichischen Wirklichkeit insgesamt, berufliche Orientierung, Nostrifikationsthematik. Das ist im Interesse
aller. Zuwanderung ist auf der einen
Seite Bereicherung, bringt aber auf der
anderen Seite natürlich auch Probleme –
für ZuwanderInnen wie auch für hier
Geborene. Auf die Frage: Wer braucht da
Unterstützung? gibt es die klassische
Antwort: Die ZuwanderInnen. Genauso
wichtig ist aber die Frage: Was braucht
die städtische Verwaltung, was braucht
eine alt eingesessene Wiener Wohnbevölkerung an Unterstützung, um mit
der Vielfalt umzugehen? Dabei muss
man alle Leute mitnehmen und darf es
nicht nur beschränkt lassen auf einen
Kreis von Leuten, die sowieso grundsätzlich antirassistisch sind. Sowohl
Aufnahmegesellschaft als auch ZuwanderInnen haben etwas zu leisten und
beide Seiten brauchen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen.
Wie wird die Zusammenarbeit mit
MigrantInnen-Organisationen funktionieren?
Die MA 17 muss eine Abteilung
sein, die auf der einen Seite die MigrantInnen und Communities kennt, in ständigem Dialog mit ihnen ist. Wir haben
MitarbeiterInnen, die direkt in den Bezirken arbeiten, die Vereine in dieser Region kennen. Das ist die eine Arbeitsebene. Die andere ist eine thematische:
Die MA 17 hat Kernbereiche, wo es auch
darum ginge – in einer Form, die man
überlegen und entwickeln muss – sich
mit ExpertInnen auszutauschen. Und
schließlich arbeiten wir auf Wiener Ebene mit großen Vereinen und Dachverbänden, etwa den Mitgliedern der Integrationskonferenz.
Und diese thematischen Kernbereiche wären?
Wohnen, Infrastruktur, Stadtteil;
Kinder, Jugend, Schule; Niederlassung,
Bildung, Beruf; Gesellschaft, Soziales,
Gesundheit. Diese Kernbereiche haben
die Aufgabe, die Situation in Wien zu
kennen, genauso wie internationale
Entwicklungen und Studien. Auf der anderen Seite sollen die Wiener Einrichtungen unterstützt werden. Projektförderungsanträge werden auch vom zuständigen Kernbereich-Team behandelt.
Es soll keine zentrale Förderungsstelle
geben. Thematische ExpertInnen, die
auch einen Überblick über Bedarf und
Angebot in Wien haben, sollen die Förderanträge einordnen können.
Wieso gibt’s keinen Kernbereich
Frauen – oder moderner: Gender?
Gender soll ja ein grundsätzliches,
reales, handlungsleitendes Prinzip sein
und keine Extra-Schiene. Etwa beim
Thema Bildung, konkret Sprachkursangebote: Da braucht es Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Niederschwelligkeit, um besonders die Bedürfnisse
von Frauen zu berücksichtigen. Das
Gender-Prinzip ist allein schon deshalb
garantiert, weil die Integrationsstadträtin zugleich auch Frauenstadträtin ist.
In welchen Kernbereich fallen Migrantinnenberatungsstellen, die sowohl
Rechtsberatung geben als auch Beratung
bei Gewalt in der Familie anbieten?
Im Moment behandeln wir ihre
Förderanträge im Kernbereich Gesellschaft. Frauenvereine bekamen schon
vom WIF einen großen Teil des Förderbudgets und das wird auch so bleiben.
Wieviel Budget für Förderungen
steht zur Verfügung?
Für Förderungen stehen 2,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist etwas
mehr als der WIF hatte. Nach unseren
Förderschwerpunkten haben wir uns
vor allem drei Dinge vorgenommen: interkulturelle Sensibilität und Kompetenz, Maßnahmen zur Niederlassungsbegleitung sowie Empowerment, Partizipation, Hilfe zur Selbsthilfe. Die Integrationsabteilung soll eher innovative
Projekte fördern und initiieren, auch in
Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen.
Wie schaut die Zusammenarbeit
mit dem Frauenbüro aus?
Das hat uns in vieler Hinsicht sehr
tatkräftig unterstützt, ist gewissermaßen unsere ältere Schwester, die
uns an der Hand genommen hat. Wir
haben uns etwa beim System der Förderungen sehr eng an ihrem System
orientiert.
In der Wirtschaft, in Organisationstheorien ist immer von „Gender- und
Diversitätsmanagement“ die Rede. Das
wird zusammen gedacht. Wie wird das
in Wien gehandhabt?
Im Prinzip ist das zwischen 3. und
4. Stock aufgeteilt: Die Gender-Ebene
beim Frauenbüro und Diversität in der
Integrationsabteilung. In der Definition
der Kompetenz der MA 17 ist Diversität
nicht im Sinne von Gender-Diversität
gemeint. Das ist der 4. Stock. Wir werden in dieser Frage deshalb weiter mit
unserer Schwester zusammenarbeiten.
Inwieweit müssen sich andere Abteilungen an die Empfehlungen des „Kompetenzzentrums“? Wieviel Macht hat die
MA 17?
Unsere Macht liegt im wesentlichen in unserer Fachkenntnis und Überzeugungskraft. Wir haben aber keine
Weisungsbefugnis. Es wird darum gehen, mit aller Diplomatie und Beharrlichkeit bei den MitarbeiterInnen der
Stadt Verständnis und Motivation zu
wecken. Das ist sicher keine einfache
Herausforderung.
Es wird auch Schwerpunktzentren
und Regionalstellen in ganz Wien geben.
Welche Aufgaben werden die haben?
Die Schwerpunktzentren werden
für die Region Ost bzw. West zuständig
sein. Sie sind nicht nur auf die geografischen Grenzen eines Bezirkes beschränkt
und werden gerade auch in jenen Bezirken arbeiten, wo es keine Regionalstellen gibt. Die Regionalstellen entsprechen den ehemaligen WIF-Außenstellen.
Im 20. Bezirk gibt es seit Herbst 2004
ein Büro von Bürgerdienst und MA 17
als gemeinsame Anlaufstelle für alle
BewohnerInnen des Bezirkes. Das ist
für die Stadt Wien ein innovatives Modell, dass zwei Abteilungen, die noch dazu unterschiedlichen Geschäftsgruppen
angehören, gemeinsam eine Stelle betreiben. Denn Integration kann nicht alleiniges Anliegen der MA 17 sein, so dass
wenn Maier mit Müller streitet der Bürgerdienst, aber wenn Maier mit Vozdebe
streitet, die Integrationsabteilung zuständig ist. Die Ethnisierung von Konflikten soll nicht strukturell begünstigt werden.
Der Begriff „Integration“ ist ja nicht
unumstritten.
Die Semantik mit beiden Begriffen
ist schwierig. Der Begriff Integration ist
schwierig, der Begriff Diversität genauso, weil man ihn ähnlich wie Mainstreaming oder Gender immer erklären muss.
Und so wie man Integration als Assimilationsaufforderung verstehen kann,
kann man Diversität missverstehen
als anything-goes. Gerade aus feministischer Perspektive ist das nicht unproblematisch: Nicht jedes Verhalten von
Männern gegenüber Frauen ist unkritisierbar, bloß weil es sich vermeintlich
auf eine Kultur stützt.
❚
Wiener Magistratsabteilung für
Integrations- und Diversitätsangelegenheiten (MA 17)
Friedrich-Schmidt-Platz 3, 3. Stock
T. 01/4000-81 510
Mo-Fr 8-16.00 Uhr
e-mail: [email protected]
www.integration.wien.at
februar 2005an.schläge 11
Fo t o : C l e a n C l o t h e s C a m p a i g n
internationalan.riss
Deutschland verfassten nun acht Frauenorganisationen eine Stellungnahme zur Umsetzung der Anweisungen der Aktionsplattform in Kapitel K „Frauen und Umwelt“. Die Organisationen aus den Bereichen Frauen, Gender bzw. Umwelt und Nachhaltigkeit kritisieren in ihrem Bericht
unter anderem den Mangel an weiblichen Führungskräften in Institutionen im Umweltbereich, die lückenhafte Umsetzung von Gender Mainstreaming, fehlende Integration der Genderperspektive in Politik und
Wissenschaft, schlechtere Bildungschancen von Frauen in Technik und
Naturwissenschaft und den erschwerten Zugang zu notwendigen Ressourcen. Die Stellungnahme mit den konkreten Forderungen ergeht an
zuständige Ministerien und Behörden, von denen rasches Handeln erwartet wird. pabo
Stellungnahme unter: www.genanet.de
deutschland schweiz
Lesestoff für Lesben
indonesien
Entlassung
Der aktuelle Appell der „Clean Clothes Campaign“ ruft zur Unterstützung einer Arbeiterin auf, die bereits 1999 aus der indonesischen Fabrik
„Tae Hwa“ entlassen wurde und die seitdem für ihre Wiedereinstellung kämpft. Der Grund: Frau Pakarti hatte sich für die Rechte der ArbeiterInnen und die Gründung einer Gewerkschaft eingesetzt, dabei unter
anderem auch sexuelle und verbale Gewalt an Frauen in der Fabrik angeprangert. Die offizielle Begründung der Kündigung lautete, Parkati habe
während der Arbeit Sandalen getragen, die ArbeiterInnen müssten jedoch barfuss arbeiten.
Der Hauptteil der Produktion von Tae Hwa sind Sportschuhe der
Marke FILA. Achtzig Prozent der 3.500 FabriksarbeiterInnen sind Frauen,
die zwölf bis 16 Stunden pro Tag zu einem Lohn arbeiten müssen, der ihre Lebenskosten nicht deckt. Um das notwendige Tagesziel zu erreichen,
arbeiten die Frauen oft etwa zwei zusätzliche Stunden unbezahlt. In einem Clean Clothes-Report über die Fabrik berichten Frauen von gewalttätigen Übergriffen, sexueller Belästigung und Beschimpfungen. Ein
Protestbrief für die Wiedereinstellung Parkatis kann über die Homepage
von Clean Clothes versendet werden. pabo
www.cleanclothes.org
deutschland
Zehn Jahre danach ...
Zehn Jahre nach der Weltfrauenkonferenz in Beijing zeigt sich, dass die
Ziele der Aktionsplattform „Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“, denen im Jahr 1995 188 Staaten zustimmten, noch lange nicht erreicht sind. Im Frühjahr wird bei der Sitzung der „UN-Commission on the
Status of Women“ die Umsetzung einer Überprüfung unterzogen. Für
12 an.schlägefebruar 2005
Für deutsche und schweizer Lesben gibt es wieder was zu lesen: zwei
neue Hefte sind auf dem Markt. „Lescriba“, ein lesbisches Literaturmagazin aus Deutschland, informiert ein wenig über die lesbische Literaturszene, hauptsächlich aber versammelt es literarische Texte und Gedichte von Leserinnen. Die erste Ausgabe ist Anfang Dezember 2004
erschienen und beinhaltet neben gelungenen Interviews mit Mirjam
Müntefering und Karin Ballauf vom Milena-Verlag von Leserinnen eingesandte Gedichte und Texte. Über Geschmack lässt sich bekanntlich
streiten – begrüßenswert ist auf jeden Fall die Möglichkeit für Frauen,
ihre Texte zu veröffentlichen. Für die Märzausgabe werden im Übrigen
noch lesbische Schreiberinnen gesucht.
„Skipper – Magazin für lesbische Lebensfreude“ aus der Schweiz
hat zwar einige recht spannende Artikel zu bieten, sonst aber wenig
Außergewöhnliches. Aus abgedruckten Gesprächen mit Leserinnen ist
zu erfahren, dass die Lesbenzeitschrift „die“ – deren Nachfolge „skipper“ antritt – zu „lesbisch“, zu „feministisch“ und überhaupt „nichts für
junge Lesben“ gewesen sei. Was junge Lesben wollen, ist aber weder
zu verallgemeinern (was ist schon jung?) noch muss es unbedingt dem
Mainstream entsprechen, dem sich das Magazin scheinbar annähern
möchte. Jede, die sich selbst ein Bild machen möchte, hat die Möglichkeit ein Exemplar anzufordern unter: www.lescriba.de bzw. [email protected] pabo
afrikanische union
Frauenrechte
Bereits am 28. Juli 2003 wurde das „Protokoll für Frauenrechte“ von 31
der 51 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU) beschlossen. Ratifiziert wurde es bisher erst von fünf Staaten. In dem Protokoll wird die
Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen gefordert. Die
Unantastbarkeit der Würde von Frauen oder das Recht auf persönliche
Entwicklung sind genauso in das Protokoll eingeflossen, wie Forderungen, gegen Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung vorzugehen. In Bezug auf Genitalverstümmelung heißt es beispielsweise im
Artikel 5 („Eliminiation of Harmful Practices“): „Staatliche Institutionen
müssen alle notwendigen gesetzlichen und andere Maßnahmen einleiten, um solche Praktiken abzuschaffen, einschließlich des Verbots aller
Formen von weiblicher Genitalverstümmelung“. Das Protokoll sieht
auch umfassende Rechte in Bezug auf Sexualität und Schwangerschaft
vor: „Staatliche Institutionen müssen das Recht auf Gesundheit von
Frauen sicherstellen, einschließlich sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung. Das beinhaltet das Recht die eigene Fruchtbarkeit zu kontrollieren, [...] das Recht zu entscheiden, ob Frauen Kinder bekommen
wollen, die Anzahl der Kinder und den Abstand der Geburten [...] wie
auch das Recht jede Form von Verhütung wählen zu können“. Frauenrechtsorganisationen sehen das Protokoll als großen Erfolg für afrikanische Frauen, kritisieren allerdings die schleppende Ratifizierung. Die
Aktionsgruppe Frauen der österreichischen Sektion von amnesty international kündigte in einer Aussendung eine Appellaktion an, in der die
afrikanischen Regierungen zu einer baldigen Ratifizierung aufgefordert
werden sollen. pabo
www.amnesty.at/ag-frauen
Frauenrechtsprotokoll auf www.pambazuka.org/petition/1/protocol.pdf
Fo t o : Wo m e n’s Co o p e ra t i o n
an.rissinternational
irland
sri lanka
Lesbian Lives
Spendenaufruf
Vom 11. bis 13. Februar findet in Dublin unter dem Motto „Thinking
About the Closet in Lesbian Lives, Studies and Activism“ die Konferenz „Lesbian Lives XII“ statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom
„Women’s Education, Research and Resource Centre“ am University
College Dublin. Geboten werden Vorträge, Workshops und Round Tables zu Themen aus den verschiedensten Bereichen, wie „Representations in Literature“, „Lesbian Motherhood“ oder „Queer Popular
Culture: Film and Television“. Vortragende sind unter anderem Bonnie Zimmermann von der San Diego State University, Sally R. Munt
von der University of Sussex sowie die Autorinnen Jackie Kay, Kimperly Dark und Louise Tondeur. Als Abendprogramm sind eine Drag
King Performance und eine „Lesbian Lives Conference Party“ geplant. pabo
www.ucd.ie/werrc/events/index2.html oder direkt bei den Organisatorinnen Mary McAuliffe,
Von der Flutwelle Ende Dezember war auch das Sozialprojekt „one
world foundation“ (owf) in Wathuregama, Katuwile und Galwehera in
Sri Lanka betroffen. Die von Kathrin Messner und Joseph Ortner Mitte
der 1990er Jahre gegründete Initiative führt Schulen und bietet auch
Fortbildung für Erwachsene an. Innerhalb der „one world foundation“
entstand im Jänner 2004 unter der Leitung von Gerda Thiemel die
„Women`s Cooperation“. Frauen können dort das Nähen und Flechten
mit Wetekeiya-Material (Mangrovenblätter) erlernen, wie auch das
Vermarkten ihrer Produkte lernen. Das Projekt soll auch in zwei weiteren Schulen der „one world foundation“ verwirklicht werden.
Glücklicherweise hat die Organisation keine Todesopfer zu beklagen, der Tsunami zerstörte allerdings achtzig Prozent der bereits fertiggestellten Einrichtungen, so auch sämtliche Schulgebäude. Die restlichen Einrichtungen sind schwer beschädigt. Nun geht es darum, den
Wiederaufbau einzuleiten, wozu dringend Geld benötigt wird. pabo
Linda Greene and Sonja Tiernan: [email protected]
www.owf.at, www.womenscooperation.at, Women’s Cooperation Sri Lanka, Ktonr. 10010 028 456, BLZ 14000 (BAWAG)
Kosten: 110,- Euro - inklusive Saturday night party! Weitere Information und Anmeldung unter:
wyber.space
www.bauchbeinpo
Auch Lesben brauchen Bewegung. Vor allem im Winter, wenn frau
ohnehin nicht viel mehr Sport betreibt, als sich vom Bürosessel zur
Kaffeemaschine und wieder zurück zu bewegen. Als entschiedene
Gegnerin langweiliger und übelriechender Fitnesscenter möchte ich
an dieser Stelle aber keine Figur trainierende, sondern ausschließlich
Spaß machende Bewegungsformen empfehlen:
Nicht nur – aber vielleicht besonders – in der Ballsaison zu empfehlen
sind die zahlreichen Tanzabende und -kurse der Frauentanzclubs
www.resisdanse.at und www.sistadance.at . Freundinnen der härteren Gangart können sich auf www.womensrugby.at einer der seltenen Frauenrugbygruppen anschließen. Und welche den Ball nicht in
die schlammige Erde treten, sondern lieber übers Netz schießen
möchte, melde sich bei marantana.lesbian.or.at oder bei
aufschlag.org. Letztere betreiben übrigens auch eine eigene Frauenfußballgruppe.
Natürlich muss frau nicht unbedingt lesbisch sein, um bei all dem Bewegungsspaß mitzumachen – aber es macht die Sache unter Umständen interessanter … reb
februar 2005an.schläge 13
Fo t o : E b e r t /M e i j e r
hollandpolarisiert
Die oder wir
Aktuelle Debatten rund um Emanzipation und Multikulturalität stellen in den Niederlanden
muslimische Frauen zunehmend vor eine schwierige Wahl. Von Anne-Katrin Ebert
und Léontine Meijer
Anfang November letzten Jahres wurde der niederländische
Regisseur und Kolumnist Theo
van Gogh auf offener Straße
durch Mohammed B., einen
Niederländer marokkanischer Herkunft,
ermordet. An die Leiche heftete der Täter ein fünfseitiges Bekennerschreiben,
das noch weitere Morddrohungen enthielt, auch gegen die Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali, die das Drehbuch zu van Goghs letztem Film „Submission“ schrieb. In diesem zehnminütigen Kurzfilm erzählen muslimische
Frauen über den Zwiespalt zwischen ihrer religiösen Identität und der Unter14 an.schlägefebruar 2005
drückung von Frauen im Islam. Die eindrücklichen Bilder zeigen eine Muslimin
mit durchsichtigem Schleier, auf deren
Körper frauenfeindliche Passagen aus
dem Koran kalligraphiert sind. Zu diesem Film inspiriert wurde Hirsi Ali
durch ihre Arbeit in Frauenhäusern und
als Dolmetscherin. Als der Film im Sommer 2004 im niederländischen Fernsehen gezeigt wurde, provozierte er heftige Kontroversen.
Polarisierung. Die Ermordung Theo van
Goghs löste starke Emotionen aus. Obwohl am gleichen Abend die amerikanischen Präsidentschaftswahlen stattfan-
den, beherrschte fortan nur noch ein
Thema die Medien. Erschütterte
FreundInnen des Regisseurs wurden im
Fernsehen interviewt und sprachen sich
eindringlich dafür aus, dass „wir“ uns
jetzt gegen „die“ wehren müssen. VizePremier Zalm bestätigte die Frage eines
Journalisten, dass in den Niederlanden
der „Jihad“ ausgebrochen sei und rief
seinerseits den „Krieg“ gegen Terror und
Muslimextremismus aus. Wenige Tage
später brannten an mehreren Orten in
den Niederlanden Moscheen, muslimische Schulen und Kirchen.
Damit erreichte die Polarisierung,
die schon seit längerem in der nieder-
polarisiertholland
ländischen Gesellschaft zu beobachten ist, einen neuen Höhepunkt. Nicht
zuletzt der am 6. Mai 2002 ermordete
Rechtspopulist Pim Fortuyn hatte in
seinen Reden immer wieder gegen die
vor allem aus Marokko eingewanderten „Allochtonen“ polemisiert, die sich
nicht der niederländischen Gesellschaft und deren Werten von Toleranz
und Freiheit anpassen wollten. Als Politiker war Fortuyn auch dadurch erfolgreich, dass er das niederländische
Selbstbild vom toleranten Miteinander
einerseits bestätigte und andererseits
in Abrede stellte: Freimütig erzählte er
in Interviews von seinen homosexuellen Abenteuern mit Marokkanern in
Darkrooms, forderte andererseits ein
Ende der Einwanderungspolitik und
erklärte die multikulturelle Gesellschaft für gescheitert.
Fortyns Erbe. Fortuyn inszenierte seine
Auftritte als Tabubruch gegen das herrschende, damals noch sozialdemokratische politische Establishment. Die
„Linkse kerk“ (die linke Kirche) habe mit
ihrem Beharren auf „political correctness“ die Realitäten im Lande aus den
Augen verloren und verhindere mit
ihrem Machtmonopol und ihrer Sprachzensur das offene Austragen der Konflikte. Fortuyn wurde kurz vor den Wahlen von einem Umweltaktivsten ermordet. Seine Partei, die Liste Pim Fortuyn
(LPF), errang ein überragendes Ergebnis
und zog in die Regierung ein, konnte in
der Folgezeit aufgrund innerer Streitigkeiten und dilettantischen Auftretens
diese Macht jedoch nicht konsolidieren.
Inzwischen ist die Partei Pim Fortuyns
wieder in der Opposition und auf ein
Minimum an Sitzen im Parlament reduziert, doch das Erbe Fortuyns hat die politische Landschaft der Niederlande und
die Diskussionskultur in den Medien
nachhaltig verändert.
Luken dicht. In ihrem Bemühen, Fortuyns
Vorwurf der übermäßigen „political correctness“ zu revidieren, überschlagen
sich seitdem die Parteien sämtlicher
Couleurs in kritischen – wenn nicht gar
negativen – Aussagen zu Einwanderungsfragen. Als am 19. Januar 2004 eine wissenschaftliche Kommission, die
noch auf Betreiben Fortuyns eingesetzt
worden war, über den Zustand der Integration von „Allochtonen“ in den Nie-
derlanden ihren Abschlussbericht vorlegte, war das Ergebnis so gar nicht
im Sinne der meisten PolitikerInnen.
Während die Kommission zu dem
Schluss kam, dass trotz offensichtlicher
Fehler der Politik das Miteinander der
Menschen im alltäglichen Leben gut
funktioniere und die Integration daher
als „in Teilen geglückt“ bewertet werden könne, beeilten sich PolitikerInnen
aller Parteien mit ihrer Ablehnung. Das
Kabinett erklärte in seiner offiziellen
Stellungnahme, entscheidend seien
nicht die geglückten, sondern die missglückten Fälle. Auch die oppositionelle
Sozialdemokratische Partei mahnte in
ihrer Stellungnahme, dass die Politik
viel mehr darauf gerichtet werden müsse, wer „rein darf“ und welche Rechte
und Pflichten diese MigrantInnen dann
erhalten und erfüllen müssten.
Doch nicht nur inhaltlich, auch im
Stil zeigt Fortuyns Feldzug gegen die
„political correctness“ Wirkung. Nach
dem Motto, alles muss erlaubt sein, entwickelte sich eine Streitkultur, in der Beschimpfungen und Beleidigungen an
der Tagesordnung sind. So gebrauchte
die renommierte Zeitung „De Volkskrant“ für einen Artikel auf der ersten
Seite das Schimpfwort „kut-Marokkanen“ (wörtlich Fotze-Marokkaner),
wenn auch in Anführungsstrichen, und
Theo van Gogh erklärte in seiner viel gelesenen Kolumne unter scheinheiligem
Verweis auf eine Koranstelle alle Muslime zu „Geitenneukers“ (Ziegenficker).
Die Provokation war van Goghs Markenzeichen. In den 1980er fiel er zunächst
mehrfach durch antisemitische Äußerungen auf und verschaffte sich das
Prädikat „ewiger Antisemit“. Als Ende
der neunziger Jahre anti-muslimische
Äußerungen immer mehr „en vogue“
wurden, sprang er auf den fahrenden
Zug auf.
Doch wie erklärt sich die Zusammenarbeit des Berufsprovokateurs Theo
van Gogh mit der Frauenrechtlerin und
Politikerin Ayaan Hirsi Ali? Und wie ist
die Debatte um die Rolle der Frau im
Islam in diesem Zusammenhang zu bewerten?
Anpassung. Ayaan Hirsi Ali wurde in den
Niederlanden durch ihren Artikel „Lasst
uns nicht im Stich, gönnt uns einen Voltaire“ in der Tageszeitung „Trouw“ im
November 2001 schlagartig berühmt.
Während sie anfänglich noch für eine
Aufklärung und Reform des Islams plädierte, verhärtete sich ihre Position im
Laufe der Zeit deutlich. So bezeichnete
sie den Islam als zurückgebliebene Religion und bescheinigte ihm grundsätzliche Reformunfähigkeit. In ihren Äußerungen machte sie zudem einen
grundsätzlichen Widerspruch zwischen
Multikulturalismus und Emanzipation
von Frauen aus. Für muslimische Frauen
verlaufe der einzige Weg zur Emanzipation über die Anpassung an die dominante westliche Kultur. Als Politikerin
sitzt Hirsi Ali seit Januar 2003 für die liberalkonservative Partei VVD im Parlament. Sie selbst sieht sich auch in einer
Kontinuität mit den islamkritischen
Äußerungen Pim Fortuyns. Hirsi Ali hat
viele AnhängerInnen und BewundererInnen in den Niederlanden, unter ihnen auch den niederländisch-jüdischen
Schriftsteller Leon de Winter – doch ihre
Position wirft durchaus Fragen auf.
Koloniale Strategie. Die Religionswissenschaftlerin und Feministin Leila Ahmed
zeigt in ihrem Buch „Women and Gender in Islam“ auf, dass das „emanzipatorische Argument“ eine beliebte Strategie der Kolonialmacht war und anscheinend auch immer noch sei, um
von MuslimInnen die Anpassung an
die angeblich überlegene Lebensweise
der EuropäerInnen einzufordern und
durchzusetzen. Vieles spricht dafür,
dass Ayaan Hirsi Alis Position in der
aktuellen niederländischen Debatte
genau so instrumentalisiert wird.
Durch diese Polarisierung werden
muslimische Frauen in den Niederlanden zunehmend gezwungen, sich zwischen westlicher Welt und Islam zu
entscheiden.
Indem die niederländische Regierung ihrerseits die Subventionen für
Projekte wie die Stiftung Yoesuf – ein
Zentrum für Islam und (Homo)sexualität – streicht, trägt auch sie zu dieser
Polarisierung bei und erschwert die Entwicklung einer Reformbewegung aus
dem Islam selbst heraus, die in Personen wie der kanadischen Lesbe und
Muslimin Irshad Manji bereits prominente FürsprecherInnen hat. Für die
Niederlande wäre es dringend notwendig, dass neben Hirsi Ali auch solche
Stimmen einen Platz in der Debatte bekommen.
❚
Stichting Yoesuf.
www.yoesuf.nl.
Leila Ahmed
www.hds.harvard.edu/faculty/
ahmed.html
Irshad Manjin
www.muslim-refusenik. com/
index.html
Kolumnen Theo van Goghs
(auf Niederländisch)
www.theovangogh.nl/indexc.html.
februar 2005an.schläge 15
A l l e Fo t o s : M a g d a l e n a B l a s zc z u k
themaarmut
Überleben statt Leben …
Warum auch in Österreich immer mehr Menschen trotz Arbeit von Armut bedroht sind,
hat Martina Madner in Erfahrung gebracht.
1 Die neuesten Zahlen zu Armutsgefährung und Armut werden im
Sozialbericht 2003/2004 veröffentlicht und sind laut Auskunft des
Ministeriums nach der Pressekonferenz am 27. Jänner auf
www.bmsg.gv.at zu finden.
16 an.schlägefebruar 2005
Die Frage, ab wann ein Mensch
arm ist, scheint leicht zu beantworten. EU-weit gilt ein
Mensch als von Armut bedroht, wenn er oder sie weniger als sechzig Prozent des mittleren
Einkommens in einem Land zur Verfügung hat. Wer darüber hinaus noch
qualitative Faktoren erfüllt, die in den
Sozialberichten der österreichischen
Bundesregierung mit berücksichtigt
werden, gilt in Österreich als arm:
wenn Sie zum Beispiel Probleme ha-
ben Ihre Heizungskosten zu bezahlen,
sich keine neue Kleidung kaufen und
es sich nicht leisten können, einmal
pro Monat jemanden nach Hause zum
Essen einzuladen. Nach Angaben der
Armutskonferenz leben in Österreich
4,9 Prozent aller Frauen, das sind etwa
200.000, in akuter Armut und fast
dreimal so viele an der Armutsgrenze.1
Michaela Moser ist Mitarbeiterin
der Armutskonferenz, einem Netzwerk
aus im Sozialbereich engagierten Organisationen, das u.a. Lobbying für von
Armut gefährdete Personen betreibt.
Moser sieht ein Problem darin, „dass es
sich bei diesen Zahlen um rein statistische Größen handelt“. Sie ziehen keinerlei Konsequenzen nach sich und die
Menschen, die als arm kategorisiert
werden, können deshalb nicht automatisch mit staatlicher Unterstützung
rechnen. „Mehr Bedeutung kommt
deshalb den ‚de-facto-Armutsgrenzen’
zu“, stellt Michaela Moser fest, „den
Ausgleichszulagenrichtsätzen bei Pensionistinnen und den Sozialhilfe-
armutthema
richtsätzen“. Ganze 662,99 Euro stehen der alleinstehenden Pensionistin
zu, die sogenannte „Mindestpension“.
Würde die Pension unter diesen Wert
fallen, gleicht der Staat aus. „200.000
Pensionisten, 140.000 Frauen ... müssen damit im Jubiläumsjahr 2005 unter der Armutsgrenze leben!“, ärgert
sich Pensionstenverbandspräsident (!)
Karl Blecha in einer Aussendung über
das Niveau der Mindestpensionen.
Die Sozialhilferichtsätze wiederum
sind von Bundesland zu Bundesland
und je nach Zusammensetzung des
Haushalts verschieden hoch. Während
2003 in Oberösterreich eine Alleinerzieherin mit einem zehnjährigen Kind
600 Euro Sozialhilfe bekam, erhielt sie
in Kärnten nur 447 Euro.2 Außerdem –
und das ist das Prekäre – liegen diese
Sätze unterhalb der EU-weiten Armutsgrenze. „Die sozialen Sicherungssysteme sind nicht armutsfest“, stellt
Michaela Moser fest. Die Folge ist, dass
Menschen, die einmal von Armut betroffen sind, trotz staatlicher Unterstützung arm bleiben, die Armutssituation also dadurch nicht entschärft
wird. Die Definition von Armut durch
die Armutskonferenz geht über das Finanzielle hinaus: „Armut ist ein Mangel an Verwirklichungschancen“, so
Moser. Arm sind nicht nur Menschen,
die sich Grundbedürfnisse wie Essen
oder Wohnen nicht leisten können,
sondern auch jene, die kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen
können.
Weg in die Armut. Oft ist der Weg in die
Armut gerade mal so lang wie der Geburtskanal. Denn Armut wird meist
von den Eltern vererbt. „Die Chancen
mancher Kinder sind so schon von
vornherein eingeschränkt. Nicht nur,
dass weniger Geld vorhanden ist, auch
der Zugang zu Bildung, zur Erwerbsarbeit, zu Infrastruktur – zum Beispiel im
Gesundheitsbereich – ist nicht so gegeben“, räumt Michaela Moser von der
Armutskonferenz mit dem Vorurteil
auf, wonach jedeR ihres oder seines
Glückes SchmiedIn ist: „Soziale Mobilität gibt es Österreich nicht so, wie
das oft behauptet wird.“ Ein gutes Bildungssystem, das Kinder schon früh
einbindet, wie etwa in den nordischen
EU-Ländern, verhilft ärmeren Menschen eher zum Auf- oder Ausstieg aus
der Armutssituation. Wird aber von politischer Seite her gespart und werden
staatliche Leistungen im Sozial-, Bildungs-, Gesundheits- oder Infrastrukturbereich gekürzt, sind arme Menschen davon als erste betroffen und
mit der sozialen Mobilität ist’s vorbei.
Während Personen mit mehr Einkommen Einsparungen privat ausgleichen,
sich etwa Medikamente selbst bezahlen oder mit ihrem eigenen PKW längere Fahrtstrecken zurücklegen können, sind ärmere auf eine kostenlose
staatliche Versorgung im Gesundheitsbereich und günstige öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. „Spart die
Post an Postämtern, ist das kein Problem für Menschen mit Auto“, erklärt
Michaela Moser, „wohl aber für jene,
die in einem kleinen Dorf ohne Auto
leben.“ Das zur Zeit von „weniger Steuern, mehr vom Leben“ gesprochen
wird, ist für sie auch nicht nachvollziehbar. „Klar kommt es darauf an,
wofür Steuern verwendet werden“,
meint sie und schon kommt das Aber:
„Weniger Steuern bedeutet auch weniger Mittel für den Staat. Weniger
Staat ist gleich weniger Sozialleistungen. Also nicht mehr, sondern für viele
weniger zum Leben.“
Risiko Arbeitlosigkeit. Da das österreichische ebenso wie die meisten Sozialsysteme Europas sehr stark auf die ökonomische Absicherung durch Erwerbsarbeit und auf finanzielle Unterstützung innerhalb einer Familie aufgebaut
ist, zählen manche Frauen schon allein
durch diese patriarchal geprägten
Strukturen zu armutsgefährdeten Risikogruppen. All jene, die von Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind oder dieser
nur eingeschränkt nachgehen können,
wie z.B. Alleinerzieherinnen, Pensionistinnen oder Migrantinnen, sind deshalb oft von Armut betroffen. „Das System geht vom männlichen Normalerwerbsarbeiter als Standard aus“, problematisiert Michaela Moser, „und
selbst unter Männern ist der illusorisch.“ Unfreiwillige Berufsunterbrechungen oder Wechsel nehmen in den
vergangenen Jahren zu. Das zeigen
auch die Arbeitslosenzahlen, die mit
Beginn dieses Jahres vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit veröffentlicht wurden. Demnach ist zwar
die Zahl der Beschäftigten im Ver-
gleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent in
ganz Österreich gestiegen, allerdings
auch die Zahl der arbeitslosen Personen um 0,4 Prozent auf 298.149 Personen. Während die Arbeitslosigkeit bei
Männern leicht – um 0,3 Prozent –
sinkt, ist sie bei Frauen um 1,8 Prozent
gestiegen. Bildung hilft da nur zum
Teil. Zwar sind Menschen ohne abgeschlossene Schulbildung (+3 Prozent)
und jene mit Pflichtschulabschluss
(+1,2 Prozent) auch verstärkt auf der
Suche nach einer Erwerbsarbeit, bei
den AkademikerInnen sind es aber sogar um 6,6 Prozent mehr Personen als
im Vorjahr. Verfälschend auf die Statistik wirkt sich aber auch die Zunahme
an Schulungen (um 19,9 Prozent) aus,
da Personen, die sich weiterbilden,
vorübergehend nicht in der Arbeitslosenstatistik aufscheinen, obwohl sie
arbeitssuchend gemeldet sind. Auch
Personen, die zwar auf Arbeitsuche
sind, sich aber nicht beim AMS melden, z.B. weil sie keine finanzielle Unterstützung zu erwarten haben, werden offiziell nicht als arbeitslos erfasst.
Arbeit gegen Armut? Aber selbst wenn
Frauen Arbeit haben, bedeutet das
nicht, dass sie damit vor Armut gefeit
sind. Denn Arbeiten bedeutet gerade
für Frauen nicht, dass das Gehalt auch
tatsächlich zum Leben reicht. Ingrid
Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und
Familie in der Arbeiterkammer Wien3
macht darauf aufmerksam, dass es
nach wie vor eine Einkommensschere
zwischen Männern und Frauen gibt.
Moritz zitiert aus der AK Zusammenfassung des Rechnungshofberichts
über die Durchschnittseinkommen
2002/2003, wonach bei den Bruttoeinkommen der unselbstständig erwerbstätigen Frauen um vierzig Prozent weniger verdienen als Männer. Bei den
ArbeiterInnen klafft die Schere noch
weiter auseinander: Während Arbeiterinnen 2003 durchschnittlich 9.500
Euro brutto im Jahr verdienten, hatten
Arbeiter ein durchschnittliches Jahresgehalt von 21.230 Euro. Arbeiterinnen
verdienten damit im Durchschnitt
nicht einmal halb soviel wie ihre Kollegen.
Nicht nur, dass der geringere Verdienst Frauen bei der aktuellen Gestaltung ihres Lebens einschränkt: Da
auch Arbeitslosengeld und Notstands-
2 Der AK-Mitarbeiter Gernot Mitter
setzt sich in der Zeitschrift „Arbeit
und Wirtschaft“ mit der politisch
diskutierten Abschaffung der Notstandshilfe auseinander.
www.arbeit-wirtschaft.at
3 Weitere Infos unter:
www.arbeiterkammer.at
februar 2005an.schläge 17
themaarmut
hilfe nach den Einkünften der letzten
Erwerbsarbeiten bemessen werden,
sind auch diese entsprechend niedriger. Michaela Moser von der Armutskonferenz weist zudem darauf hin,
dass „es keine Mindeststandards bei
Arbeitslosengeld und Notstandshilfe“
gäbe. Kein Wunder, dass eine von Karl
Wörister, Mitarbeiter der Abteilung Sozialpolitik der AK, erstellte Statistik ergibt, dass 2004 65 Prozent aller Arbeitslosengeld- und NotstandshilfebezieherInnen in Österreich weniger als
24 Euro pro Tag zur Verfügung haben –
das entsprach dem Richtsatz, unter
dem alleinstehende PensionistInnen
Ausgleichszahlungen erhalten, also
der Mindestpension. Ein Ausgleich ist
hier aber nicht vorgesehen.
Da der Staat zusätzlich, so Ingrid
Moritz, von einem gemeinsamen
Haushaltseinkommen – mit gleichmäßiger innerfamiliärer Verteilung der
Einkünfte – ausgeht, haben im vergangenen Jahr 13.000 Frauen in Österreich
keine Notstandshilfe bekommen, weil
der Partner zuviel verdient hat. Frauen
werden damit nicht nur vom Ehe- oder
Lebenspartner abhängig gemacht, es
ist offenbar Privatsache, ob und wie
diese „Versorgung“ stattfindet.
4 Näheres zu den ÖGB-Beratungsangeboten unter www.oegb.at
18 an.schlägefebruar 2005
(A)typische Beschäftigung. Dass Arbeit
nicht gleich Arbeit ist, liegt nicht nur
an den unterschiedlichen Berufen. Ob
und welchen „Schutz“ Arbeit vor Armut bieten kann, hängt sehr stark von
der Art des Beschäftigungsverhältnisses ab. Was früher als atypische Beschäftigung bezeichnet wurde, wird
immer mehr zum Normalzustand in
der Frauenbeschäftigung. AK-Mitarbeiterin Ingrid Moritz kann zum Beispiel
über eine hohe Teilzeitarbeitsquote bei
Frauen berichten: Während diese 2003
bei Männern nur bei 3,2 Prozent lag,
waren 31,7 Prozent der Frauen teilzeitbeschäftigt. Unter atypischer Beschäftigung wird aber noch mehr gefasst.
Elisabeth Rolzhauser, Leiterin des ÖGB
Beratungszentrums4, versteht darunter alle Beschäftigungsverhältnisse,
die vom Normalarbeitsverhältnis abweichen, also keine unbefristete Vollzeitarbeit mit regelmäßigen täglichen
und wöchentlichen Arbeitszeiten, betrieblicher Einbindung und sozialem
Schutz sind, z.B. freie DienstnehmerInnen, neue Selbstständige, geringfügig
Beschäftigte, LeiharbeiterInnen oder
Teilzeitbeschäftigte. Prekär ist, dass die
Anzahl der so beschäftigten Frauen,
außer bei Leiharbeit und neuer Selbstständigkeit, um ein Vielfaches höher
ist als jene der Männer. Eine ÖGB-Aufstellung weist für 2003 durchschnittlich 438.000 Frauen als Teilzeitarbeiterinnen mit einer unselbstständigen
Arbeit zwischen zwölf und 35 Stunden
aus, bei den Männern waren es nur
49.000. Insgesamt ist wegen der gespannten Arbeitsmarktlage – und damit liegt Österreich im internationalen
Trend – ein Anstieg dieser Art von Arbeitsverhältnissen zu verzeichnen.
ArbeitgeberInnen versuchen das Risiko
auf ArbeitnehmerInnen zu verlagern.
„Das senkt die Kosten. Bei Beschäftigungen per Werkvertrag entfallen die
Lohnnebenkosten, weil die ArbeitnehmerInnen selbstständig sind. Außerdem hat die Firma weniger Verwal-
tungsaufwand“, führt die Gewerkschafterin als Beweggründe an, weniger VollzeitarbeitnehmerInnen einzustellen. Die Risiken, die für die neuen
„Angestellten“ entstehen, sind je nach
Beschäftigungsart verschieden und
nicht immer auf den ersten – manchmal auch nicht auf den zweiten, dritten oder vierten – Blick zu durchschauen. Teilzeit- oder Leiharbeit sind
arbeitsrechtlich den Vollzeitjobs
gleichgestellt. Nachteilig ist aber die
fehlende Einbindung in den Betrieb,
was ein Weniger an Sicherheit und
Karrierechancen bedeutet und später
dann geringes Arbeitslosengeld oder
eine geringe Pension. Freie DienstnehmerInnen und auf Werkvertragsbasis Arbeitende sind weder arbeitslosenversichert, noch haben sie Anspruch auf Krankengeld, das Risiko
von Verdienstausfällen müssen sie
demnach selbst tragen. Es gibt kein
13. und 14. Monatsgehalt und auch
kein Mindesteinkommen. Aber auch
die neuen Selbstständigen haben mit
der Höhe des Einkommens zu kämpfen: „Während vor ein paar Jahren in
manchen Branchen noch zwanzig,
dreißig Euro als Stundensätze üblich
waren, erzählen uns die Leute in den
Beratungen, dass es heute oft nur
noch sieben Euro sind“, berichtet Rolzhauser.
Risiko Migration. Menschen, die nach
Österreich zugewandert sind, sind
nicht nur von diesen Armutsrisiken betroffen, sondern sehen sich noch zusätzlichen Problemen ausgesetzt, die
Armut bedingen können.
armutthema
„Weil die Erwerbsmöglichkeiten
sehr eng mit dem Status Migrantin
verbunden sind, sind Migrantinnen
noch mehr von Armut betroffen“,
weiß Luzenir Caixeta, Mitarbeiterin
des Sozial- und Forschungsbereichs
vom Verein MAIZ. Die Situation der
Frauen ist davon abhängig, ob sie sich
legal in Österreich aufhalten, ob sie eine Arbeitserlaubnis haben, aber auch
davon, ob sie mit einem Österreicher
verheiratet sind, weil Arbeits- und
Aufenthaltserlaubnis dann schneller
erlangt werden. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation durch
Heirat kann sich aber auch als trügerisch erweisen. In einer MAIZ-Studie
zu Hausarbeit und Pflege zieht eine
Hausarbeiterin das Resümee ihrer
Ehe: „Der Mann gab mir noch ein bisschen mehr Probleme, nicht ein bisschen mehr, sondern richtig mehr. Er
hat gern geschlagen, so bin ich ins
Krankenhaus gekommen ...“5
„Frauen ohne Aufenthaltsbewilligung oder Arbeitserlaubnis können
nur im informellen Sektor arbeiten“,
erklärt Caixeta, ihres Zeichens auch
Projektkoordinatorin der genannten
Studie, „in der Schattenwirtschaft sind
diese Frauen der Ausbeutung ausgeliefert.“ Die Studie zeigt auch, dass die
Frauen schlechte Arbeitsbedingungen
und beinahe jeden Lohn akzeptieren
müssen, darüber hinaus extremen Abhängigkeitsstrukturen, rassistischen
Zuschreibungen – wie „Sie sieht den
Schmutz, was ungewöhnlich ist für eine Indio!“ – und in Bewerbungssituationen auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.
Aber auch für Frauen mit österreichischer StaatsbürgerInnenschaft
ist es nicht einfach, soziale Leistungen
oder eine Erwerbsarbeit zu bekommen. „Zur sexualisierten kommt auch
noch die ethnisierte Diskriminierung
durch die Behörden“, weiß die MAIZMitarbeiterin, „je nach Herkunftsland
oder Hautfarbe ist sie unterschiedlich
stark.“ Frauen werden bei der Arbeitssuche durch manche AMS-BeraterInnen auf bestimmte Berufsgruppen
festgelegt, oft niedrig qualifizierte
und schlecht bezahlte Bereiche, z.B.
wieder in der Reinigungsbranche. „Da
ist es ziemlich egal, welche Qualifikation oder Berufsausbildung die Frauen
wirklich haben“, ärgert sich Luzenir
Caixeta, „argumentiert wird damit,
dass die Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind, oder dass es keine anderen Angebote gibt.“ Beratung oder
Information, welche Weiterbildung
möglich wäre, gibt es von solchen
AMS-BeraterInnen nicht. Sofern die
Frauen nicht selbst die Initiative ergreifen und Hilfe von anderen Beratungsstellen in familiären oder oft
auch nationalen Netzwerken erhalten,
bekommen sie wenig Unterstützung.
„Da fehlt oft der Wille“, meint Caixeta,
„Es ist vom Berater abhängig. Der
kann in der Praxis über die berufliche
Situation einer Person entscheiden.“
Da die Möglichkeiten Rechte durchzusetzen aber auch von den Deutschkenntnissen abhängig sind, ist es Beratungsstellen wie MAIZ sehr wichtig,
Deutschkurse anzubieten und zu vermitteln, da sie Frauen zu mehr Unabhängigkeit verhelfen und sie letztend-
lich so auch mehr Strategien gegen
Armut entwickeln können.
Auswege. „Es geht um allgemeine Fragen von Verteilungsgerechtigkeit“, so
Michaela Moser von der Armutskonferenz, „da ist ein gesellschaftlicher Umdenkprozess nötig.“ Nur so könne Armut bekämpft werden. AK-Mitarbeiterin Ingrid Moritz ergänzt, es müsse ein
Ausgleich zwischen notwendigen aber
unbezahlten Arbeiten wie Erziehungsarbeit, Pflege- oder Haushaltsarbeit
und Erwerbsarbeit geschaffen werden.
„Heute kommt es vor, dass Frauen
Ansprüche auf Arbeitslosengeld wegen
der Betreuungspflichten der Kinder verlieren“, erzählt Michaela Moser. Ein
Problem, das durch Flexibilität – nicht
von seiten der Frauen, sondern der
AMS-BetreuerInnen – und adäquate
Kinderbetreuung vor allem auch in
ländlichen Regionen gelöst werden
könnte. Ein Aufbrechen der patriarchalen Strukturen und des Haushaltsprinzips, wonach Frauen – angeblich – in
der Familie versorgt werden, ist dafür
Voraussetzung. Einig sind sich die ExpertInnen, dass der Staat sich nicht seinen Pflichten entziehen darf und u.a.
mit Transferleistungen auszugleichen
und umzuverteilen hat, Mindestlevels
für Einkommen und staatliche Leistungen garantieren muss. Angedacht wird
zum Teil auch eine soziale Grundsicherung.6
Der Staat solle nicht „Poor services
for poor people“ bieten, so Michaela Moser, vielmehr sollte es „auf soziale Rechte
einen Rechtsanspruch geben, zur Zeit
gibt es aber ein Gnadensystem.“
❚
5 MAIZ (Autonomes Integrationszentrum von und für Migrantinnen):
Österreichbericht im Rahmen des
EU-Projekts „Hausarbeit und Pflege:
Strategien der Vereinbarkeit in unterschiedlichen Haushalten unter
Berücksichtigung von Gender, Klasse
und Ethnizität“. Linz, März 2004
Weitere Infos: www.servus.at/maiz
6 Argumente für eine bedarfsorientierte Grundsicherung, aber auch
Termine und Aktionen der Armutskonferenz sind unter
www.armutskonferenz.at zu finden.
februar 2005an.schläge 19
nachrufsusan sonntag
Fundamentale
Ästhetin
Die US-amerikanische Philosophin, Kulturtheoretikerin und Literatin Susan Sontag ist am
28. Dezember des vergangenen Jahres
71-jährig in New York gestorben.
Ein Nachruf von Bettina Surtmann
teratInnen:Vor allem Elias Canetti und
Walter Benjamin verhalf sie durch ihr eigenes Interesse zu einer breiteren LeserInnenschaft in ihrer Heimat.
Nach ihrem Parisaufenthalt 1957-58
ließ sie sich scheiden und lebte von da an
mit Frauen zusammen. Die Fotografin
Anni Leibovitz wurde ihre Lebenspartnerin. Obwohl beide Frauen in der Öffentlichkeit standen, blieb ihr Privatleben
weitestgehend verborgen. Als Lesbe, als
politische Aktivistin verlangte sie eine radikale Dekonstruktion von Heterosexualität. Sie setzte sich aktiv für die EinhalWay of life. Sie zählte seit den 1960er Jah- tung der Menschenrechte ein, was ihr
ren zu den bedeutendsten Stimmen des den Titel „moralisches Gewissen Ameriliberalen Amerika. Ihre politischen Beob- kas“ einbrachte. Sie wäre nicht Susan
achtungen mündeten in scharfsinnigen Sontag, hätte sie sich nicht umgehend
Essays, die sich stehts kritisch gegen den gegen dieses Klischee ausgesprochen.
Nachdem Susan Sontag 1975 mit
„American Way of Life“ richteten. Ihr erder Diagnose Brustkrebs konfrontiert
stes Buch „Der Wohltäter“ (1963) wurde
auf Anhieb ein Bestseller und öffnete ihr worden war, beschäftigte sie sich in
die Tür in Amerikas Intellektuellenkreise. mehreren Essays sehr reflexiv mit ihrer
In der jüngsten Vergangenheit gehör- Krankheit („Krankheit als Metapher“).
te die Philosophin zu den schärfsten KritikerInnen der Bush-Regierung und nahm
Keine Antworten? Als Kunsttheoretikerin
sich diesbezüglich kein Blatt vor den
ließ sie mit der These aufhorchen, dass
Mund. Ihrer Erklärung, die Terroranschläge Kunst sicherlich keine „Aussagen“ zu
vom 11. September 2001 seien „die Konsetreffen habe und keine „Inhalte“ oder
quenzen von spezifischen amerikanischen Antworten geben müsse. Sie beschäftigAllianzen und Aktionen“ folgte ein Sturm
te sich intensiv mit dem Verhältnis zwider Entrüstung. Die USA – darunter verschen Wahrnehmung und Bild, aus dem
stand Susan Sontag hauptsächlich die
mehrere Werke hervorgingen:„Women“,
Metropolen, wo sich Multikulturalität und der Fotoband ihrer Lebensgefährtin AnFreiheit entfalteten. Alles andere war für
nie Leibovitz, für den sie ein kommentiesie lediglich Landschaft, die man durchrendes Essay verfasste,„On Photography“
queren müsse um von einer Stadt in die
(1977), für das sie den National Book Criandere zu gelangen. Sie liebte Europa und tics Circle Award gewann, und „Das Leibewunderte dessen KünstlerInnen und Li- den anderer betrachten“ (2003), in dem
Susan Sontag wurde 1933 in New
York geboren. Nach dem frühen
Tod ihres Vaters bescherte ihr die
zweite Heirat ihrer Mutter eine
Kindheit in Arizona und Los Angeles. Bereits mit 16 begann sie ihr Studium. Als erst 17-jährige Studentin heiratete sie den Historiker und Sozialpsychologen Phillip Rieff (26), zwei Jahre danach
kam ihr Sohn David auf die Welt. Sontag
studierte Philosophie und Literatur in
Berkeley, Chicago, Oxford und promovierte mit zwanzig an der Harvard University.
20 an.schlägefebruar 2005
sie den Mechanismen der Kriegsfotografie auf den Grund ging. Sontag führte in
vier Filmen Regie, ihre Vorbilder waren allesamt europäische Meister: Antonionis,
Bergman, Godard. In „Duett für Kannibalen“ (1969) steht alltägliche Gewalt im
Vordergrund, 1974 widmete sie sich in
„Promised Lands“ dem Israel-PalästinaKonflikt. Sie enttarnte Leni Riefenstahls
Werke als Nazi-Propaganda und machte
dadurch mühsame Rehabilitationsversuche der Regisseurin entgültig zunichte.
Susan Sontag suchte sich immer
neue Herausforderungen, eröffnete sich
selbst immer neue Themenfelder. So
führte sie der Krieg am Balkan zwischen
1993 und 1996 mehrmals nach Sarajevo,
wo sie an der Wiederherstellung brauchbarer Arbeitsbedingungen für KünstlerInnen mitarbeitete. Sie inszenierte in
der zu dem Zeitpunkt belagerten Stadt
Becketts „Warten auf Godot“ um zu zeigen, dass Kunst alle Widrigkeiten besiegen kann und unterstützte den Wiederaufbau von Spitälern und Schulen.
So wie sie kaum über sich selbst
schrieb, so blieb auch der Mensch Susan
Sontag kaum fassbar:„keiner kannte sie
wirklich“ (Eric Homberger, The Guardian).
Für ihren letzten Roman „In Amerika“ (2000) erhielt sie den renommierten
National Book Award (USA). In Deutschland wurde sie 2003 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Susan Sontag ist nach langer
Krankheit in einer New Yorker Krebsklinik
gestorben. Die Welt hat eine Mahnerin
und eine – wie sie sich selbst nannte –
„besessene Moralistin“ verloren.
❚
an.risswissenschaft
Mit den Händen sprechen
Mit „Hands up!“ findet von Februar bis Dezember 2005 erstmals in
Österreich ein Intensivlehrgang speziell für die österreichische Gebärdensprache statt. Der Lehrgang richtet sich vor allem an Arbeitssuchende, für deren berufliche Laufbahn die Gebärdensprache eine spezielle
Zusatzqualifikation darstellt, beispielsweise im Sozialbereich oder in der
Psychotherapie. Auch ein Einstieg in den Beruf des Gehörlosendolmetschings ist möglich, so die AnbieterInnen in einer Aussendung.
Der Kurs umfasst mehrere Module, die montags bis freitags jeweils
von 8.30 bis 16.00 Uhr stattfinden. Gelehrt werden dabei unter anderem
die Produktion und Rezeption österreichischer Gebärdensprache in Wort
und Grammatik, Fachgebärden, die neue Rechtschreibung, Kultur und Soziologie der Gehörlosen, Präsentations- und Kommunikationstechniken
sowie eine Einführung ins (Simultan-)Dolmetschen. Grundlegende Themen wie Arbeit und Soziales, Medizin sowie Aus- und Weiterbildung werden behandelt. Ebenso sind Exkursionen und Besuche in Institutionen geplant. Der Kurs wird vom AMS gefördert. oba
nur um Bildung. Das Bündnis kritisiert allgemein das Einsparungsdogma im Sozialbereich, während andere staatliche Bereiche wie das
Militär verschont bleiben. Bei den andauernden Angriffen stehen die
Chancen gut, dass es eine Studierendenbewegung ähnlich 1968 entsteht, die dann von FPÖVP-PolitikerInnen wohl kaum mehr ignoriert
werden kann. kana
Offene Treffen meist Samstags im Amerlinghaus, 7., Stiftgasse 8, www.gehrermussweg.at
Fo t o : G a b i H o ra k
lehrgang
Informationen zu Kursmodalitäten und Anmeldung: www.equalizent.com
symposium
Kunst? Gesellschaft? Spektakel!
Im Rahmen der Ausstellung „bildet to-do-stapel“ der Gruppe Monochrom
findet am 4. und 5. Februar in der Kunsthalle Exnergasse ein Symposium
zum Thema Spektakel-Kunst-Gesellschaft statt. Zentral behandelt werden
dabei die gesellschaftskritischen Thesen von Guy Debord und die Kunstkritik der Situationistischen Internationale, die in den letzten Jahren auch
im deutschen Sprachraum vermehrt an Bedeutung gewonnen haben.
Dies alles soll vor dem Hintergrund der gesellschaftskritischen Diskussionen der letzten zwanzig Jahre reflektiert und diskutiert werden.
Das Programm umfasst unter anderem Vorträge des AutorInnenkollektivs Negator, Erklärungsversuche des Künstlers Eiko Grimberg, Gesellschaftskritisches des Politikwissenschaftler Stephan Grigat und eine praktische Darstellung der Gegenwartsrelevanz situationistischer Kritik des
Künstlerkollektivs Monochrom. Die Ausstellung selbst läuft noch bis 26.
Februar in der Kunsthalle Exnergasse im WUK. oba
protest
Gehrer tritt zurück!
Geht es nach der gleichnamigen Plattform, soll diese Aufforderung
bald zur Schlagzeile über den tatsächlichen Rücktritt der Bildungsministerin Gehrer werden. Ein Bündnis aus der Aktion Kritischer SchülerInnen, AUGE, linken ÖH-Fraktionen, der Plattform ausländischer Studierender, revolutionär-linken und anderen Gruppen hat genug von zehn
Jahren verfehlter Bildungspolitik und rief deswegen zur Demo am 25.
Jänner auf. Aber auch danach wird weitergearbeitet. In Planung ist eine Aktion am 14. Februar, wenn Gehrer zur PISA-Studie spricht. Im Unterschied zu Studierendenprotesten der letzten Jahre wappnet sich
die Plattform „Gehrer tritt zurück“ nämlich für einen langfristigen
Kampf. Es geht aber nicht nur um Gehrer persönlich, auch wenn sie
für das Bündnis untragbar geworden ist, und ebensowenig geht es
förderpreise
Schaumayer-Preisträgerin
Zweimal jährlich vergibt die 1991 gegründete Dr. Maria SchaumayerStiftung Förderpreise zur Unterstützung von Frauenkarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft. Eingereicht werden können wissenschaftliche
Arbeiten, die nicht älter als zwei Jahre sind und mit sehr gut bewertet
wurden. Zu den Einreichkriterien zählt auch „hohe Wissenschaftlichkeit“, die nicht zuletzt durch zwei Gutachten bestätigt werden muss.
Ende Dezember wurden die dreißig Preisträgerinnen des zweiten Halbjahres präsentiert, unter ihnen eine junge Wissenschafterin, die an.schlägeLeserInnen bekannt vorkommen dürfte: Dipl.Ing. Marion Ettenauer (Foto)
wurde in den an.schlägen 5/02 als Feuerwehrfrau porträtiert, die 1996
in Niederösterreich Pionierarbeit geleistet hat. In ihrem Studium der
Technischen Chemie in Wien stieß sie keineswegs auf weniger Barrieren.
An der Donau Universität Krems erforschte sie für ihre Diplomarbeit
2003 die „extrakorporale Blutreinigung“ und war damit erneut auf kaum
bewandertem Terrain unterwegs. Mittlerweile forscht sie im gleichen
Labor an ihrer Dissertation, während es für den vierjährigen Sohn längst
selbstverständlich geworden ist, dass Mama ebenso wie Papa erst am
Ende eines Arbeitstages nach Hause kommt – nicht zuletzt Dank urgroßelterlicher Kinderbetreuung. Die Urkunde zum mit 350 Euro dotierten Förderpreis bekam einen Ehrenplatz im Hause Ettenauer und
natürlich gratulieren auch die an.schläge! GaH
februar 2005an.schläge 21
Fo t o : A r c h i v
wissenschaftforum
Die andere Feministin?
Wie funktionieren islamische Emanzipationsbewegungen und wie positionieren sich diese
zu europäischen Feminismen? Ariane Sadjed ging diesen Fragen nach.
Das Forum Wissenschaft veröffentlicht Beiträge junger Wissenschaftlerinnen aller Fachrichtungen, die über
feministische Themen diplomiert
und/oder dissertiert haben und ihre
Erkenntnisse mit den an.schläge
LeserInnen teilen möchten.
Angebote sind willkommen!
(mail an [email protected])
Ariane Sadjed studierte Psychologie
an der Uni Wien und schrieb ihre
Diplomarbeit über „Feministische
Strategien islamischer Frauen in
der deutschsprachigen Diaspora.
22 an.schlägefebruar 2005
Auf der Suche nach einer Position zur Situation islamischer
Frauen sieht man sich oftmals
zwei Gegenpolen gegenüber:
Kann man die Situation „der
Frau im Islam“ unterstützen oder muss
die patriarchale Unterdrückung angeprangert werden? Es stellt sich bei
näherer Betrachtung heraus, dass sich
die beiden Positionen nicht unbedingt
widersprechen müssen.
Koloniale Bilder. Dem heutigen Denken
Europas über „die islamische Frau“ liegt
ein Jahrhunderte altes Bild der arabischen Welt zugrunde, das im europäischen Raum tradiert wurde. Das Ver-
hältnis ist durch den Kolonialismus geprägt, in dem sich europäische Herrscher die Macht angeeignet hatten, andere Kulturen zu repräsentieren, zu definieren und Grenzen zu ziehen, während
die „Objekte“ des westlichen Interesses
selbst nicht zu Wort kamen. Der Westen
sah sich folglich in der Lage, einen Herrschaftsdiskurs über „den Orient“ als eigene Wissenschaft mit eigenen Lehrmethoden zu etablieren, der heute als
Orientalismus bezeichnet wird. Wissenschafterinnen, die diesen Diskurs kritisch untersucht haben, kommen zu
dem Ergebnis, dass „die orientalische
Frau“ in der Kunst und Wissenschaft Europas über die letzten zwei Jahrhunder-
te hinweg zu einem Objekt männlicher
Begierde konstruiert und gleichzeitig
wegen ihrer hoffnungslos unterdrückten Lage bemitleidet wurde. Der westliche Mann sah sich nun mit der Aufgabe
betraut, diese Opfer des orientalischen
Patriarchats zu befreien. Dabei dienten
Feminismen den europäischen Kolonialherren als Argument, mit dem der orientalische Mann als barbarisch dargestellt und seine Macht gebrochen werden konnte. Im eigenen Land wohlgemerkt wurden diese Feminismen von
denselben Kolonialherren vehement
bekämpft.
Auch innerhalb der feministischen
Bewegung wurden Unterdrückungs-
forumwissenschaft
mechanismen wirksam, die sich entlang
von Klassen und Ethnien festmachen
ließen. Die Entwicklung von Analysekategorien allein anhand von Maßstäben
Weißer Frauen der Mittelschicht ließ
Frauen aus der sogenannten „Dritten
Welt“ erneut nur als Objekte der Wissenschaft in Erscheinung treten. Diese
Tendenz in feministischen Wissenschaften spiegelt ein Herrschaftsverhältnis
wider, in dem Frauenwiderstand nur
dann wahrgenommen wird, wenn er
sich an Themen artikuliert, die westliche Frauen als wichtig empfinden. Stellen etwa Frauen in islamischen Ländern
allgemeine Forderungen nach Demokratie, Bildung oder politischen Rechten,
äußern sie sich gegen westliche Dominanz oder gegen ökonomische Ausplünderung und Abhängigkeit, wird ihr
Anliegen als nicht frauenspezifisch abgewertet.
Frauen treten so in der Position des
Subjekts der religiösen Rede auf. Damit
eignen sie sich das Werkzeug an, um ein
islamisches Bezugssystem zu nutzen
und zu kontrollieren.
Die Entscheidung für eine Artikulation von Forderungen innerhalb eines
islamischen Bezugssystems kann darüber hinaus im Lichte der ständigen Abwertung des säkularen Diskurses über
die Gleichberechtigung zwischen den
Geschlechtern als „elitär“ und „Weiß“,
als ein wirksames Mittel zur Selbstverteidigung gesehen werden.
Verteilung der Aufgabenbereiche wird
eng mit der Gleichwertigkeit dieser Unterschiede verknüpft. Rechte und Pflichten werden aus dem Koran abgeleitet,
was mit der Eigenschaft desselben begründet wird, jeder/m einzelnen zu ermöglichen, sich entsprechend ihrer/seiner Bedürfnisse zu entwickeln. Die
Grenzen zwischen starren und offenen
Festschreibungen der sozialen Rollen
sind dabei fließend.
Aktive Intervention. Durch Analyse ausgewählter Artikel konnte festgestellt werden, dass der Diskurs über die Rechte
Konzepte der Gleichberechtigung. Die islami- der Frau im Islam sehr präsent ist. Innovative Neu-Interpretationen der religiösche religiös-progressive Frauenzeitschrift HUDA1 wird von iranischen Frau- sen Schriften stellen grundlegende traditionelle Praktiken in Frage und foren in Deutschland herausgegeben. Sie
versteht sich als ein Forum, in dem ver- dern damit eine Neuorientierung. Diese
schiedene Meinungen aufeinander tref- Beispiele dienen Frauen als Beweise,
dass der Koran ursprünglich keine Vorfen und ausgetauscht werden können.
herrschaft von Männern über Frauen
Das Spektrum reicht daher von sehr
beabsichtigt hat und die Vormachtstelliberalen Texten zum Verhältnis von
Islamismus vs. Feminismus? Aus dem DisMann und Frau bis hin zu traditionalis- lung der Männer hier gebrochen werkurs über das Verhältnis der Frauen
zum Islamismus geht immer wieder die tischen Ansichten über die Rollenvertei- den muss.
Islamische Frauen sind weder nur
lung. Um einige Tendenzen des DiskurThese von der grundlegenden UnverOpfer noch alle fanatische Gläubige, wie
einbarkeit von weiblicher Emanzipation ses über die Stellung der Frau im Islam
feststellen zu können, habe ich im Rah- es in den Medien gerne vermittelt wird.
und Islamismus hervor. Dieser Diskurs
men meiner Diplomarbeit aus der Zeit- Betrachtet man das Verhältnis der Frauliefert jedoch weder eine Erklärung
en zum Islam als ein Bündel von Praktischrift HUDA einige Texte zu diesem
für die breite Anhängerinnenschaft
Thema ausgewählt und mittels der Me- ken, enthüllt sich vielmehr eine aktive
dieser Bewegung, noch lässt er ihr
thode der Kritischen Diskursanalyse un- weibliche Intervention, die soziale und
Handeln und ihre Rolle in der Bewepolitische Bestätigung hervorruft und eitersucht2.
gung erkennen.
Durch den Aufstieg des politischen
Durch die Analyse konnten folgen- nige etablierte Vorstellungen umstößt.
Die Unterdrückung von Frauen als
Islam wurde ein Raum geschaffen, inde inhaltliche Schwerpunkte ausgeein islam-spezifisches Phänomen zu benerhalb dessen sich ein Geschlechtermacht werden: Es herrscht eine starke
diskurs etablierte, der in seinen Zielen
Tendenz vor, den Islam als religiöse Leh- werten, ist eindimensional und bringt
nur Ausgrenzung mit sich. Um die Komfeministisch und hinsichtlich seiner
re von seinen Auslegungen zu unterplexität in Analysen über die Stellung
Sprache und Legitimationsquellen isla- scheiden. Neben den volkstümlichen
islamischer Frauen berücksichtigen zu
misch ist. Dieser islamische FeminisStrukturen, die in heute mehrheitlich
können, ist nicht zuletzt eine Grundhalmus wird zwar weiterhin sowohl von
islamischen Gesellschaften bereits vor
tung gefordert, welche die eigenen Vorder Mehrheit der Islamisten als auch
deren Islamisierung im Mittelalter
urteile reflektiert.
von Feministinnen angegriffen, da beidurch eine starke Männerherrschaft
Für die sogenannte Mehrheitsgede darin das genaue Gegenteil ihrer je- gekennzeichnet waren, wird der männsellschaft westlicher Kulturen liegt ofweiligen Grundsätze und Ideologien
liche Egoismus, durch den die alleinige
fensichtlich eine wesentliche Schwierigsehen. Durch die Entwicklung dieses
Interpretationsmacht des Koran beankeit darin, Widerstand gegen ihre Vorfeministischen Diskurses konnte jedoch sprucht wird, als die zweite Grundlage
stellungen von Emanzipation selbst als
patriarchale Unterdrückung wirkungsfür die heutige Unterdrückung von
emanzipatorisch anzuerkennen, merkt
voll angeprangert und GleichberechtiFrauen genannt.
die Psychologin Birgit Rommelspacher3
gung proklamiert werden. In diesem
Der zweite inhaltliche SchwerDiskurs wird der Kenntnis der religiösen punkt bezieht sich auf die Beziehung
treffend an. Vielmehr wird das eigene
Texte eine vorrangige Bedeutung zuge- von Männern und Frauen zueinander – Emanzipationskonzept selbst repressiv,
wiesen, da sie den Frauen ermöglicht,
vor allem in Ehe und Familie. In dieser
wenn es unabhängig von der Lebenslaihre eigene Interpretation zu entwickeln. Debatte wird die Unterschiedlichkeit
ge und kulturellen Traditionen die eigeZum ersten Mal findet eine Ablehnung der Geschlechter vertreten, die jedoch
nen Vorstellungen anderen überstülpen
der historischen Besetzung religiöser
eine völlige Wertegleichheit mit einmöchte und so im Namen von Freiheit
Angelegenheiten durch Männer statt,
schließt. Der hier vorherrschende Biolo- und Gleichheit eigentlich nichts anderes
formuliert als politische Forderung. Die gismus und die daraus hervorgehende
als Unterwerfung einfordert.
❚
1 www.huda.de
2 Der hier verwendete diskurshistorische Ansatz stellt eine Form der Kritischen Diskursanalyse dar und hat
sich für die sprachliche Untersuchung
ungleicher Machtverhältnisse, impliziter Ideologien und Ausgrenzungsmechanismen als fruchtbar erwiesen
(vgl. Martin Reisigl, Ruth Wodak 2001)
3 Birgit Rommelpacher: Anerkennung
und Ausgrenzung. Deutschland als
multikulturelle Gesellschaft. Campus
Verlag 2002, 19,90 Euro
februar 2005an.schläge 23
an.sage
„NorwegerInnen voraus!“
Was tun gegen rassistische Schmierereien an Haltestellen, Hausmauern und Telefonzellen? Christa Markom von ZARA und die an.schläge-Leserinnen Sabine & Klaudia
über mögliche Antworten auf Signale zunehmender Intoleranz.
Schmieraktionen bitte melden
bei: ZARA. Zivilcourage und
Anti-Rassismus Arbeit;
[email protected]
Kommentare müssen nicht
mit der Redaktionsmeinung
übereinstimmen.
Christa Markom
Sabine & Klaudia
„Neger raus“, Hakenkreuze und andere rassistische Beschmierungen prägen immer häufiger das Stadtbild in Wien. ZARA arbeitet
(unter anderem) für und mit Menschen, die nicht tatenlos mit
dem Bewusstsein leben wollen, dass Rassismus unwidersprochen bleiben kann. ZeugInnen, die sich gegen rassistische Beschmierungen wehren, versuchen die Bildung von rassistischen Stereotypen einzudämmen.
Für viele Menschen, die bei ZARA ihrem Unmut über rassistische
Schmierereien Ausdruck verleihen, ist es ein wichtiges Anliegen, dass
gegen diese Rassismen vorgegangen wird. Manche plädieren für breit
angelegte Übermalaktionen, andere verändern einzelne Buchstaben und
damit den Sinngehalt der Beschmierung. Ein weiterer Vorschlag ist, rassistische Beschmierungen entfernen zu lassen, aber an der selben Stelle
eine Anmerkung anzubringen, dass hier eine rassistischen Beschmierung entfernt wurde. Somit wird die Gegenaktion genauso sichtbar gemacht wie die rassistische Handlung selbst. Auch die STOPP-RASSISMUS-Aufkleber von ZARA wurden als Überdecker für Beschmierungen
verwendet. Die Problematik dieser Strategien besteht darin, dass alle
diese Aktivitäten selbst eine Sachbeschädigung darstellen. ZARA kann
solche Methoden daher nicht empfehlen.
Wird eine Beschmierung bei ZARA gemeldet, so müssen Ort und Inhalt möglichst genau angegeben werden (Straßenbahnwaggonnummer, Adresse, ...). Freiwillige HelferInnen von ZARA dokumentieren Inhalt,
Ort und Art der Beschmierung und organisieren, wenn möglich, auch eine fotografische Dokumentation. In einem nächsten Schritt wird bei den
zuständigen Behörden und/oder HausbesitzerInnen um Entfernung gebeten. Nach einiger Zeit erfolgt dann die Kontrolle, ob die Beschmierung
noch vorhanden ist. Gegebenenfalls muss der gesamte Ablauf von Neuem beginnen. Fälle von Beschmierungen gelten bei ZARA erst dann als
erledigt, wenn die Beschmierung tatsächlich entfernt wurde.
Die Bedeutsamkeit rassistischer Beschmierungen liegt in ihrer
enorm starken Symbolkraft. Rassistische Aussagen werden als solche
wahrgenommen und unter Umständen als freie Meinungsäußerungen
interpretiert. Die extreme Häufigkeit von rassistischen Schmierereien
und die Tatsache, dass diese oft sehr lange nicht gemeldet und daher
auch nicht entfernt werden, mag darüber hinaus eine Art Legitimation
in der Gesellschaft suggerieren. Die Art und Weise, wie Menschen unserer Gesellschaft durch diese rassistischen Beschmierungen entweder bestätigt oder gedemütigt und diskriminiert werden, macht deutlich, dass
Rassismus durch Sprache hergestellt wird und wirkt. www.zara.or.at
❚
In welcher Form muss sich rassistische Alltagspraxis manifestieren, bis wir sie bemerken? Rückblick auf die Gegenwart: Eigentlich
kannten wir das schon aus den 1930er Jahren. Eigentlich wussten
wir, dass die österreichische Mehrheitsbevölkerung schon mal „die
falschen Schlüsse gezogen“ hatte und es einen Konsens der damaligen
Mehrheitsangehörigen gab, davon abzusehen und sich aktiv daran zu
beteiligen, dass die Adressaten des faschistischen Kalküls verfolgt und
umgebracht wurden. Eigentlich hätten wir aus DIESER Geschichte doch
bloß mal den Schluss ziehen sollen, dass es NICHT vorbei war.
Dass es nicht explizit der Nazi-Faschismus zu sein schien, der ‚wieder auferstanden’ war, das beruhigte uns zu sehr. Wieder nur ein paar
unbedeutende Sprüche von Unverbesserlichen an ein paar Hauswänden? Und verschwommen rumorts doch aus wie nicht vorhandenem
Bewußtsein: da war doch was ... Wir hatten übersehen, dass die Stimmung wieder stieg gegen die neuen/alten Sündenböcke. Dass die Verfolgung längst schon wieder angelaufen war, längst schon Praxen willkürlicher Anhaltung, Verhaftungen, ja Folter, Mord in Schengenland im
Gange waren. Wenn auch in „zeitgemäßen“ Formen: Abschiebung, willkürliche Kontrolle von vermeintlichen ‚AusländerInnen’ – getarnt als
„Schutz der Bevölkerung“, Solidaritätsverbot, nachbarschaftliche Diffamierungen (‚Anrainerinitiativen’).
Wie lange pflegen wir auf wessen Kosten Alltagsignoranz?
Eingreifen in die Gegenwart: Rassistische Graffitis sind Repräsentationen, auf die sich eine rassistische Staatsgewalt in aller Öffentlichkeit
verlassen zu können scheint.
Also: Rassistische Wandbotschaften nicht mehr hinnehmen, nicht
mehr wochenlang daran vorbei laufen. Rassistische Übergriffe durch
die Staatsgewalt nicht mehr ignorieren. Spraydosen in HauswandGrau- und Gelbtönen können auch tagsüber benutzt werden. ZARA
([email protected]) dokumentiert rassistische Beschmierungen und
sorgt für deren Entfernung. Zur Zeit gibt es für Kommentare, Überschreiben, Streichen rassistischer Wandsprüche von ZARA, Standard
und Moment (einer neuen Zeitung von SOS-Mitmensch) den Anreiz,
jetzt die Besten „Umdeutungen“ prämiert zu bekommen (Bilder einsenden an [email protected]). Vielleicht braucht es einen
Wettbewerb, um uns in die Gänge zu bringen. Vielleicht genügt es
aber auch mitzubekommen, was geschieht. Und neben der Wohltätigkeit, politisches Eingreifen nicht nur zu erwägen. Es zu tun.
Es gibt eine Reihe von Widerstands-Praxen, die bereits erfunden sind. ❚
24 an.schlägefebruar 2005
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o Jahresabo (10 Hefte/32 e )
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Keine Sorge: Ein an.schläge-Abo endet automatisch. So ein Glück: Du kannst es jederzeit verlängern.
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Ein
An die Redaktion
an.schläge
DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN
Untere Weißgerberstr. 41
1030 Wien
an.rissarbeit
neuigkeiten
Pensionsversicherungszeiten
Frauen und Männer, die nach dem 31.12.1954 geboren wurden und ausschließlich aufgrund der Anrechnung des PartnerInneneinkommens keine Notstandshilfe erhalten, können seit 1. Jänner Arbeitslosen-Zeiten als
Pensionsversicherungszeiten geltend machen. Hierfür muss beim Arbeitsamt ein neuerlicher Antrag auf Notstandshilfe gestellt werden.
Neu ist nun, dass nach dem Ablehnungsbescheid das AMS den AntragstellerInnen eine Mitteilung über die Pensionsversicherungszeiten zuschickt. Für die Anerkennung ist jetzt eine Berufung gegen den ablehnenden Bescheid nicht notwendig. Falls jedoch die Anrechnung des
PartnerInneneinkommens angefochten werden soll, muss allerdings
weiterhin Berufung eingelegt werden. Die Zuerkennung erfolgt wie bei
der Notstandshilfe für maximal 52 Wochen und ist dann neuerlich durch
einen Antrag auf Notstandhilfe zu beantragen. Allerdings gelten die üblichen Bestimmungen für NotstandshilfebezieherInnen, wie arbeitslos,
arbeitsfähig, arbeitswillig sein, Kontrolltermine beim AMS einhalten, der
Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen, u.a. nicht zu vergessen sind
auch die Sanktionen bei Nichteinhalten, was den Verlust der Pensionsversicherungszeit für die Dauer der Sperrfrist bedeutet. Ob sich der Aufwand lohnt, soll jede selbst entscheiden. svh
haben sich ihr Leben auch ohne offizielle Erwerbsarbeit eingerichtet.
Mit dem speziell auf diese Problematik zugeschnitten Projekt „Mri Butimeine Arbeit“ sollte dem entgegengewirkt werden. Initiiert wurde dieses Projekt von der Caritas der Erzdiözese Eisenstadt mit dem Verein ROMA (Verein zur Förderung von Roma) als PartnerInnen, gefördert wurde
es als EQUAL-Projekt des Europäischen Sozialfonds. Die finanziellen Mittel kamen ausschließlich vom Europäischen Sozialfond und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA). Ende 2004 kam nun
das finanzielle Aus. Mit dem Projekt „Dureder Dschal – weiter geht es“
sollte die erfolgreiche Arbeit nicht nur fortgesetzt, sondern auch auf das
Südburgenland und Wien ausgeweitet werden. Doch eine neuerliche
Förderung als EQUAL-Projekt war aufgrund der Bewertung des Projektes
und dem Ausschluss von Anschlussförderung nicht möglich. Nun muss
nach anderen Geldquellen gesucht werden. Die Bemühungen laufen.
Hoffentlich mit Erfolg, denn „es soll weitergehen“. svh
steuertipps
Negativsteuer
Teilzeitbeschäftigte, Lehrlinge und geringfügig Beschäftigte zahlen bekanntermaßen aufgrund ihres niedrigen Einkommens keine Lohnsteuer.
Liegt das Einkommen dieser sogenannten KleinverdienerInnen – in den
meisten Fällen handelt es sich dabei immer noch um Frauen – über der Geringfügigkeitsgrenze, so müssen Abgaben an die Sozialversicherung gezahlt werden. Als sogenannte Negativsteuer können sich ArbeitnehmerInnen zehn Prozent der gezahlten Sozialversicherung, bis maximal 110 Euro
im Jahr, vom Finanzamt zurückholen. Auch geringfügig Beschäftigte, die
freiwillig kranken- und pensionsversichert sind, können diesen Anspruch
geltend machen. Hierfür muss nach Ablauf des jeweiligen Jahres eine sogenannte ArbeitnehmerInnen-Veranlagung gemacht werden. Der Antrag
kann übrigens bis fünf Jahre rückwirkend gestellt werden. AlleinverdienerInnen und AlleinerzieherInnen mit geringem oder keinem Einkommen
können zusätzlich Absetzbeträge als Negativsteuer beantragen. Mittwochs
zwischen 14 und 18.00 kann im Rahmen der Flexpower-Beratung des ÖGB
eine persönliche Beratung in Anspruch genommen werden. Eine Terminvereinbarung (T. 01/53444-404, e-mail: [email protected]) ist unbedingt
erforderlich. So Frauen: ran ans Geld! svh
Infos: www.oegb.at („Steuertipps für KleinverdienerInnen“)
förderung
Weitergehen soll‘s!
Der Bezirk Oberwart hat seit Jahren die höchste Arbeitslosenquote im
Burgenland. Besonders betroffen von dieser schwierigen Arbeitsmarktsituation ist hierbei die Volksgruppe der Roma. Gründe hierfür sind neben geringer schulischer und beruflicher Qualifikation auch Vorurteile
bei vielen ArbeitgeberInnen. Die Resignation ist groß und viele Roma
mädchenprojekte
Arbeitssuche
Fo t o : S U N WO R K
In Zusammenarbeit mit dem WUK organisiert die unabhängige und
gemeinnützige Frauenbildungsorganisation SUNWORK den Kurs MATADITA für Mädchen und junge Frauen zwischen 15 und 21 Jahren ohne
Ausbildungsplatz oder ohne konkrete Berufsvorstellungen. Sie haben
hier die Möglichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken herauszufinden, einen geeigneten Beruf zu entdecken und letztendlich einen
Ausbildungsplatz zu finden. Technisch-handwerkliche und IT-Berufe,
sowie der kaufmännische und der Dienstleistungsbereich stehen dabei
im Vordergrund. Hat Frau einen positiven Hauptschulabschluss, eine
Meldung beim AMS für Jugendliche in Wien, eine zweite Muttersprache
oder einfach Interesse an Handwerk, IT und Technik, so steht einer Anmeldung nichts mehr im Wege. Finanzielle Unterstützung bietet das
AMS. Nächster Infotag ist der 17. Februar von 10-12.00 Uhr. svh
MATADITA, 10., Triester Straße 114/2, T. 01/665 09 19, [email protected],
www.sunwork.at/projekte/mat.htm oder www.wuk.at
februar 2005an.schläge 27
Fo t o : M i c h e l l e H o f m a n n
fliegendefrauen
Fliegerin, grüß mir die Sterne!
Die Fliegerei ist noch immer Männersache. Trotzdem gibt es Frauen, die sich ihren Traum
den Himmel zu erobern nicht nehmen lassen. Mit der jungen Pilotin
Michelle Hofmann sprach Daniela Fohn.
Während der Vorbereitungen
zu diesem Interview versuchte
ich in verschiedenen Abteilungen der AUA (Austrian Airlines)
vergeblich, den zahlenmäßigen
Anteil von Pilotinnen im Unternehmen
zu erfahren und Auskünfte über Gleichbehandlungsfragen und Quotenregelung zu bekommen. Kurz vor Redaktionsschluss konnte mir eine Mitarbeiterin des durchwegs freundlichen AUATeams zumindest sagen, dass in der
gesamten AUA-Group, zu der auch die
28 an.schlägefebruar 2005
Tyrolean Airways gehören, derzeit 690
Piloten und 10 Pilotinnen tätig sind.
Quotenregelung gäbe es keine. Warum,
wollte niemand so recht sagen. Dass
diese Zahlen kein AUA-spezifisches Phänomen darstellen, sondern eine alle
(europäischen) Fluggroßunternehmen
betreffende Problematik widerspiegeln,
sei an dieser Stelle unterstrichen.
Eine für Frauen traurige Lage, wie
auch das nachfolgende Interview mit
der jungen Pilotin Michelle Hofmann
belegt, die allen Schwierigkeiten zum
Trotz ihre Ausbildung privat in den USA
absolvierte. Derzeit fliegt sie unentgeltlich und verdient ihren Lebensunterhalt
mit einem eigentlich typischen StudentInnenjob.
anschläge: Wie bist du auf die
Fliegerei gekommen?
Michelle Hofmann: Als ich sechs
Jahre alt war, hat der Lebensgefährte
meiner Mutter ein halbes Jahr in Paris
gelebt. Ich wollte ihn unbedingt besuchen, aber meine Mutter musste arbei-
frauenfliegende
ten und so bin ich alleine hinüber geflogen. Und wie andere Kinder mit sechs
Jahren, wenn sie allein im Flugzeug sitzen, panische Angst kriegen, wollte ich
unbedingt ins Cockpit, wo ich dann den
ganzen Flug und auch die Landung
über gesessen bin. Die Piloten haben
mich Räder drehen und Knöpfe drücken
lassen. Ich bin auf einem Jumpseat gesessen, hab dort gegessen und mit ihnen gequatscht. Ja und dann sind wir
auf die Landebahn zugeflogen. Es war
mitten in der Nacht und die Landebahn
war hell erleuchtet – die Folgelichter für
die Landung – und es war... Wow!
In der Schule hab ich dann damit
angegeben und gesagt, wenn ich mal
groß bin, werde ich Pilotin. Allerdings
hab ich mir später gedacht, die nehmen
mich ja nicht. Schon allein, weil ich eine
Frau bin!
Du bist jetzt 25. Haben sie nach deiner Matura noch keine Frauen genommen?
Doch, aber der Lauda hatte halt seine zwei Frauen, die AUA ihre ein, zwei
Frauen. Während der Oberstufe habe
ich ein Buch geschenkt bekommen mit
dem Titel: „Was willst du werden?“. Da
waren so typische Berufe drin, wie Arzt,
Pilot, Kindergärtnerin. Beim Piloten
stand drinnen: wenn du Pilot werden
willst, musst du dich bei der AUA bewerben. Und dann musst du dort Aufnahmsprüfungen und psychologische
Tests machen und das darfst du nur
einmal machen. Also wenn man da
nicht genommen wird, dann geht’s
eben nicht.
Und das ist tatsächlich so?
Ja. Das ist so ein psychologischer
Test, der nennt sich DLR-Test, wo du mit
den anderen Bewerbern fünf Sets, angefangen von IQ-Tests bis hin zu Gruppenspielen und psychologischen Einzelgesprächen, durchläufst. Psychische Selektion eben. Und nur wenn du diesen
DLR-Test bestehst, ein anerkannter Test
für die Fliegerei, dann kannst du bei der
AUA, Lufthansa oder sonst wo die Ausbildung machen. Und wie gut du warst,
entscheidet darüber, ob du die Ausbildung gezahlt, das Geld geborgt kriegst,
oder ob du alles selber zahlen musst.
Den Job hast du aber so gut wie sicher,
weil die AUA – vor allen anderen – Leute
nimmt, die sie selber ausgebildet hat.
Und so hab ich mir gedacht: Jetzt geh
ich dort hin und dann schaff ich’s
womöglich nicht. Also hab ich ein Jahr
Biologie studiert, ohne eine Prüfung abzulegen. Und so kam wieder das Gespräch mit meinen Eltern, wie man
noch Pilotin werden kann. Der beste
Freund meines Onkels, der Pilot in den
USA war, hat mir erzählt, wie die Ausbildung in den USA aussieht und so habe
mich entschlossen hin zu fahren und zu
schauen, ob mir das Fliegen überhaupt
liegt. Dann hab ich den Privatpilotenschein gemacht.
Den kann man in Österreich nicht
machen?
Schon, aber das hab ich damals
nicht gewusst. Ich hatte überhaupt keinen Einblick in die Fliegerei in Österreich. Das ist eine Branche, die überhaupt nicht so in der Öffentlichkeit
steht. Ich hab zwar schon gewusst, dass
man den Privatpilotenschein machen
kann, aber dass man den Berufs- und Linienpilotenschein in Österreich machen kann, hab ich erst später erfahren.
Für die USA sprachen mehrere Gründe.
Einerseits wollte ich weg und andererseits war es das eingegrenzte österreichische Fliegen, dem ich entgehen
wollte und von dem ich mittlerweile
auch weiß, dass es wirklich so ist, wie
die österreichische Bürokratie selbst. In
zehneinhalb Monaten hab ich die ganze
Ausbildung gemacht und bin natürlich
viel in den USA herum geflogen.
Dann bin ich zurück gekommen
und hab das österreichische Fliegen
kennen gelernt.
Und wie war das?
Ich war am Anfang total naiv und
enthusiastisch. Hab gedacht, da bewirbt
man sich wie bei jeder anderen Firma,
führt ein Bewerbungsgespräch und
kriegt dann einen Job oder auch nicht.
Von fünfzehn Bewerbungen haben dann
drei zurückgeschrieben. Zwei Absagen,
eine Evidenz. Danach hab ich mich bei
der Tyrolean Airways beworben. Hab das
ganze psychologische Auswahlverfahren
durchlaufen und bin am Ende an der
Gruppendiskussion „Soll Marihuana legalisiert werden, oder nicht?“ mit drei
anderen Bewerbern wegen meiner zu
lockeren Haltung gescheitert. Da bin ich
aus allen Wolken gefallen, hatte in Wahrheit aber eh keine Chance, weil diese Firma berühmt dafür ist, dass sie keine
Frauen nimmt. Der Flugbetriebsleiter hat
schon gemeint, eine Frau braucht sich
gar nicht bewerben. Natürlich nicht offi-
ziell, aber es gibt dort bisher, glaube ich,
auch nur eine Frau, weil sie mit einer Klage gedroht hat.
Ist es für Frauen allgemein schwieriger in der Fliegerei und wenn ja, woran
liegt das?
Ich glaub schon. Es gibt halt auch
sehr wenige. Das liegt einerseits daran,
dass nicht so viele Frauen die Ausbildung machen und andererseits natürlich daran, dass sie nicht genommen
werden. Im Gegensatz zu den USA, wo
das nicht so ist, hatte ich in Österreich
in der Flugschule immer das Gefühl, die
denken sich: „Ja ja, das Mädel...“, die
nehmen mich nicht ernst. Nur hat man
in Österreich in der Fliegerei allgemein
keine Chance, wenn man niemanden
kennt. Auch als Mann. Wenn man aber
jemanden kennt, glaube ich, dass Männer bessere Chancen haben.
Bei großen Firmen, wie der AUA
liegt es sicher in erster Linie an den typischen Geschichten, wie, dass Frauen
schwanger werden, in Karenz gehen,
dann vielleicht aufhören. Es liegt auch
daran, dass auf einer großen Linienmaschine die Typenberechtigung, die teilweise von den Firmen gezahlt wird und
die ein Vermögen kostet, innerhalb eines halben Jahres verfällt, wenn du
nicht mindestens 25 Stunden mit der
Maschine geflogen bist. Also müsste eine Frau, wenn sie ein Kind kriegt, wenigstens zweimal diese Typenberechtigung machen.
Und wie siehst du deine berufliche
Zukunft angesichts solcher Aussichten?
Mein Freund (auch Pilot, Anm.) und
ich haben die Idee gehabt, selbst eine
Fluggesellschaft zu gründen. Nach
Rumänien zu gehen. Hier in Österreich
möchte ich persönlich nicht fliegen,
auch wenn sich die Gelegenheit bietet.
Ich würde gern mit Leuten zusammen
arbeiten, die klare Standards einhalten.
Wo ich sagen kann, wenn das Wetter
schlecht ist, fliege ich nicht, ohne Gefahr einer Konsequenz. Das ist in Österreich alles nicht selbstverständlich. Ich
überlege natürlich, ob mir die Fliegerei
so wichtig ist, oder ob ich beruflich was
ganz anderes mache und sage, Fliegen
ist mein Hobby.
Was mich allerdings sehr interessieren würde, wäre für eine Organisation wie Ärzte ohne Grenzen zu fliegen.
Versorgungsfliegerei in anderen Ländern. Einfach sinnvolles Fliegen.
❚
februar 2005an.schläge 29
Fo t o : p r o j e k t t h e a t e r v o r a r l b e r g
kulturan.riss
Erst 1979 löste sie sich mit Kolleginnen aus der von Feministinnen
schärfstens kritisierten Machoband und gründete mit „Carambolage“
eine der ersten deutschen Frauenrockbands. Karriere im herkömmlichen
Sinn hat Britta nie gemacht. Wie viele Frauen, die versuchen ihren Idealen treu zu bleiben, war sie oft von Armut bedroht. In den letzten Jahren lebte sie mit ihrer Tochter auf einem Bauernhof und gab privaten
Schlagzeugunterricht. Am 14.12.2004 starb Britta Neander, erst 48jährig,
an den Folgen einer Herzoperation. DF
Britta im Netz: www.flittchen.de
lieder
Protest Song Contest 2005
theater
Frauen.Krieg.Lustspiel
Mit einer spannenden Produktion gastiert das Projekttheater Vorarlberg
vom 10.-19. Februar im dietheater Konzerthaus in Wien.
Das Stück „Frauen.Krieg.Lustspiel“ von Thomas Brasch beschäftigt
sich mit dem Mythos Krieg aus der Perspektive einer Freundinnenschaft, die auch feindliche Züge trägt. Es geht um zeitlosen Krieg, der
sich überall und jederzeit ereignen kann. Die Schauplätze der keiner
Dramaturgie folgenden Handlung bewegen sich zwischen Trojanischem
Krieg, Wäscherei, Erstem Weltkrieg, Deutschland und der Gegenwart.
Die beiden Hauptpersonen Rosa und Klara – dargestellt von Maria Hofstätter (bekannt aus dem Film „Hundstage“ von Ulrich Seidl) und Martina Spitzer – wehren sich in der Inszenierung von Susann Lietzow mit allen Mitteln gegen den Moloch Krieg und versuchen jede auf ihre Weise
damit fertig zu werden. Mit viel Humor und Witz wird aus Rückblenden
und Rollenwechseln ein alptraumhaftes Spiel vom Krieg von den beiden
charakterlich so unterschiedlichen Protagonistinnen – Rosa sinnlich-unbeschwert, Klara verklemmt und verbittert – gemeistert. Wegen des
großen Erfolges im Juni 2004 in Feldkirch wird das Stück nach der Wienpremiere durch Österreich touren – mit kleinen Abstechern nach Südtirol und Deutschland. Infos über die weiteren Stationen der Tournee
findet frau unter www.projekttheater.at. DF
Nach dem unglaublichen Erfolg des letztjährigen Protest Song Contests,
der anlässlich des 70. Jahrestags der Februar-Unruhen am 12. Februar 1934
veranstaltet wurde, dürfen wir uns auch heuer wieder auf eine interessante Auswahl engagierter Lieder von jungen MusikerInnen freuen. Nach einer ersten Vorauswahl durch die Fachjury werden die 25 besten Songs bei
einem öffentlichen Hearing präsentiert. Die verbleibenden zehn besten
Songs sind am 12. Februar im Rahmen der Protest Song Contest Schlussveranstaltung im Rabenhof Theater in Wien zu hören. Für alle, die nicht
dabei sein können, wird es von UTV einen Live-Mitschnitt im Internet geben. Bleibt zu hoffen, dass der Contest auch in diesem Jahr zum Renner
wird: 2004 waren bei der Endausscheidung im Rabenhof mehr als 600
ZuhörerInnen mit dabei. Damit wurde eine einzigartige Auftrittsmöglichkeit für junge talentierte MusikInnen fernab von Starmania und Mainstream geschaffen. Gut, dass es so etwas gibt! DF
12.2., 20.00, Rabenhof Theater, 3., Rabengasse 3, T. 01/712 82 82, Details zu den BewerberInnen und ihren Songs unter
www.protestsongcontest.at
10.-12.2, 14.-19.2, dietheater Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 01/587 05 04
Trauer um Britta
Britta Neander, die Schlagzeugerin der Band „Britta“ ist tot. Die Nachfolgeband der allen FM4-Hörerinnen wohl bekannten „Lassie Singers“
war 1997 als eine Art Hommage an die Wahlberlinerin gegründet worden.
Das Leben der Schlagzeugerin war ziemlich bewegt. Anfang der
1970er Jahre floh sie aus der deutschen Provinz in die brodelnde Szene
des geteilten Berlin. Hausbesetzungen, Straßen-Demos – die RAF war
gerade gegründet worden. Bei Rio Reiser, dem verstorbenen Bandleader
von „Ton, Steine, Scherben“ spielte sie ab 1974 Schlagzeug, sang Backvocals, organisierte die Touren und lebte mit der Band in einer Art Riesen-WG, die regelmäßig von der Polizei heimgesucht wurde.
30 an.schlägefebruar 2005
videokunst
As She Likes It
Fo t o : C a r o l a D e r t i n g
musik
Am 22. Februar präsentiert das Wiener Top Kino unter dem Titel „As She
Likes It“ Arbeiten österreichischer Videomacherinnen. Zur Tradition der
femininen Performancekunst fügen Mirjam Bajtala, Karoe Goldt, Barbara Musil, Karo Szmit und andere zeitgemäße Aspekte hinzu.
Carola Derting persifliert in ihrer Slapstick-Serie „True Stories“ perfektionistische Alltagsansprüche (Foto), während Sabine Marte sich mit
der üblichen Rolle der dienenden, hübschen Flugbegleiterin beschäftigt
an.risskultur
und in „Gras A/B“ die Idylle einer menschlichen Begegnung fragmentiert. In Doris Schmids Arbeit wird ein nüchternes Hotelzimmer zum
Schauplatz für das spektakuläre Ende einer einsamen Frau und Filmikone Mara Mattuschka zeigt erstmals eine Arbeit, bei der sie selbst
Regie führte, eine gelungene Zusammenarbeit mit dem Choreografen
Chris Haring. DF
heim.spiel
Eva Steinheimer
film
Sophie Scholl
Fo t o : f i l m l a d e n
Auf ins Jahr 2005
„Es wirkt lächerlich an einem Mädchen, wenn es sich um Politik kümmert“, schrieb Sophie Scholl im Juni 1940. Von ihrem politischen Engagement abgehalten hat sie das nie. Der Widerstand gegen die NS-Diktatur
bestimmte ihr Leben bis zuletzt, bis zu der Stunde, als sie sich gegen den
Verrat der „Weißen Rose“ entschied und dafür vor das Erschießungskommando geführt wurde. Die letzten sechs Tage ihres Lebens im Februar
1943 wurden nun für den deutschen Film „Sophie Scholl“ rekonstruiert,
in Österreich über Filmladen vertrieben. Im Gegensatz zu früheren Filmen über die „Weiße Rose“ und die Geschwister Scholl, wird hier das Leben der Sophie Scholl aus ihrer ganz persönlichen Perspektive nachgezeichnet. Das Drehbuch orientiert sich an Vernehmungsprotokollen und
Augenzeugenberichten und wurde großteils an Originial-Schauplätzen
in München gedreht. Die Widerstandskämpferin wird von Julia Jentsch
gespielt, die an den Münchner Kammerspielen schon Erfahrungen bei
der Verkörperung großer Frauenfiguren wie Elektra und Antigone sammeln konnte. Sie wurde 2002 von der Branchenzeitschrift „Theater heute“ als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. GaH
Fo t o : S t e i n h e i m e r p r i v a t
Topkino, 6., Rahlgasse 1, T. 01/208 30 00, www.topkino.at
Nun ist es also da, das neue Jahr. Lenni braucht jetzt erst mal Erholung
vom vielen Feiern. Immerhin hat er im letzten Monat sechs Mal Geburtstag und vier Mal Weihnachten gefeiert – und immer gab’s Geschenke. Zum Glück dauert es jetzt nicht mehr lange, bis wir in eine
größere Wohnung übersiedeln; die jetzige platzt nämlich aus allen
Nähten. (Was hauptsächlich an meinem vielen Kram liegt. Ich bin aber
schon eifrig am Ausmisten, weil mir davor graut, das alles in Kisten verpacken und übersiedeln zu müssen!) Was es sonst Neues gibt? Letzte
Woche hatte Lenni seinen ersten Tag in der Kindergruppe Rabennest.
Dort sind Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Das heißt, Lenni ist
momentan das Nesthäkchen.
Aber Schüchternheit ist nun nicht gerade eine Eigenschaft, die auf ihn
zutrifft. Anfangs wollte er zwar alles nur mit mir gemeinsam erkunden,
nach etwa einer Stunde hat er aber schon „Baba“ gerufen, wenn ich nur
nachgeschaut habe, was er gerade macht. Und nach Hause ging er nur
nach Einsatz aller Überredungskünste. Als wir dann am nächsten Morgen nicht gleich nach dem Aufstehen in die Kindergruppe aufgebrochen sind, gab’s riesiges Geschrei. Ich hoffe nur, die Begeisterung hält
an. Jetzt ist Lenni nämlich erst mal krank geworden und wir müssen
daheim bleiben.
Da haben wir es jetzt aber auch immer recht lustig, was vor allem an
der von Lenni neu entdeckten Möglichkeit der Kommunikation liegt:
dem Sprechen. Er quasselt quasi pausenlos. Alles davon hat eine Bedeutung – zumindest für ihn, denn ich versteh bei weitem nicht immer,
was er mir erzählt. Teilweise gebraucht er einfach Fantasiewörter, zum
Beispiel wenn er mit seinen Stofftieren spricht. Aber auch sonst sind
manche Wörter einfach unverständlich; dann wird er ganz wütend.
Muss ja auch frustrierend sein, wenn man ein Wort immer wieder wiederholt und nicht verstanden wird.
Seit neuestem telefoniert Lenni auch leidenschaftlich gern. Bisher
schwieg er ja beharrlich in den Hörer, aber jetzt fordert er mich schon
auf, endlich jemanden anzurufen, damit er berichten kann, was er gerade tut. Da gibt’s heuer bestimmt noch viel zu lachen!
www.filmladen.at
februar 2005an.schläge 31
Fo t o : f i r s t c h o i c e f i l m s ( 1 , 3 , 4 , 5 ) , Re n a t e B i l l e t h ( 2 )
interviewerik schinegger
1967 entpuppte sich Schiweltmeisterin Erika Schinegger als
Erik. Plötzlich wurde es peinlich
still um das junge Spitzentalent,
das aus dem Schikader gemobbt
und auch in der Kärntner
Heimatgemeinde nicht gerade
zimperlich behandelt wurde.
„Das erste Mal pissen“
Zur Premiere des Dokumentarfilms Erik(A) trafen Renate Billeth, Svenja Häfner und
Martina Madner den Kärntner Schischulenbesitzer und die ehemalige
Schiweltmeisterin Erik Schinegger
ja nicht gewusst, dass da was anderes
vorgeht in meinem Körper. Ich habe mit
siebzehn, achtzehn einfach gesehen,
dass ich in Frauenkleidern Defizite habe. Ich war richtig unglücklich – glücklich war ich im Renndress. Da war alles
salopp geschnitten, da war ich die Erika
Schinegger, da war ich die Nummer
eins. Zu Hause bin immer mehr in mich
gegangen. Wenn das nicht gekommen
an.schläge: Im Film Erik(A) schildert wär, irgendwann wär’s sicher zur Katastrophe gekommen.
Ihre ehemalige Teamkollegin und enge
Hatte Erik die gleiche Freundschaft
Freundin Olga Pall sehr emotional, wie
mit Olga Pall wie Erika?
traurig sie war, als ihre Freundin Erika
Nein, das hat mir ja so weh getan.
plötzlich weg war. Wie schnell war Erika
Von heut auf morgen waren alle Freundamals wirklich verschwunden?
dinnen weg. Ich war sechs Monate in
Schinegger: Ich hab versucht diesen Neustart so schnell wie möglich zu der Klinik, und die sind aus und ein gegangen, weil da auch das Sportmedizimachen, aber was prägt einen Menschen? Die Kindheit, die Erziehung – ich nische Institut ist, aber zu mir ist keine rein gekommen. Ich hab immer gebin zwanzig Jahre als Erika durchs Ledacht: Ich hab doch niemand was geben gegangen. Deswegen wird dieses
tan. Aber das hat Olga ja auch gesagt,
Leben, die Erika, nie wegzuleugnen
für sie war Erika die beste Freundin, und
sein. Bis zum vierzehnten Lebensjahr
sie hatte richtig Angst vor der ersten
war ich mir sicher, dass ich ein ganz
Begegnung mit Erik.
vollwertiges Mädchen bin. Ich hab jeWie wurde Erik Schinegger von der
den Tag auf das Wachsen der Brüste
gewartet und war traurig, wenn die an- Familie wahrgenommen?
Ich hab mit knapp achtzehn Jahren,
deren über Monatsblutung sprachen.
als Bauernmädel, mein eigenes Leben in
In der Pubertät hab ich Frauenkörper
die Hand genommen. Die Mutter hat
immer schöner gefunden als Männergesagt: Bitte mach das nicht! Sie traute
körper und ich hab gedacht, dass ich
hundertprozentig lesbisch bin. Ich hab sich das dem Vater gar nicht sagen und
Wir treffen Erik Schinegger
beim Frühstück in einem Hotel
am Wiener Spittelberg und
plaudern mit ihm über weibliche Sozialisation, die Entdeckung seiner Intersexualität und vieles andere mehr, das damals verdrängt
wurde und durch Kurt Mayers Film nun
endlich aufgearbeitet werden kann.
32 an.schlägefebruar 2005
auch den Geschwistern nicht. Vielleicht
hat der Vater im letzten Monat irgendwas gemerkt, richtig erst dann, als die
Mutter gesagt hat: So, jetzt kommt der
Erik nach Hause! Der Film ist auch eine
Aufarbeitung, für die Familie und für
den engsten Kreis.
So richtig reden mit der Familie
konnten Sie nicht?
Nein, wenn ich mit meiner Mutter
gesprochen habe, hat sie sofort geweint. Dann habe ich mir gedacht, ich
will andere nicht damit belasten. Ich
muss mit meinem Schicksal selbst fertig werden. Das war ja die große Leistung: Hinaustreten und dann diesen
Weg alleine gehen, ohne psychologische Betreuung. Dieses Getuschel und
immer wieder dieses Kränken, dieses
Anpöbeln: „Sag, wo hast denn deinen
Kittel heute?“
Am schlimmsten war der Kirchgang. Bei uns war alles so konservativ:
Frauen links, Männer rechts! Ich hab
von einem auf den anderen Tag auf die
andere Seite wechseln müssen. Alle haben sich umgedreht und richtig gegafft
– wie die Leute da geschaut haben... Ich
hab zwar immer Selbstsicherheit gezeigt, aber innerlich war ich nicht gefestigt. Daher war auch am Anfang dieser
Porsche so eine Stütze für mich. Aber
wehgetan hat es.
erik schineggerinterview
Ihre Geschwister kamen im Film
nicht zu Wort.
Wir sind jetzt viel zusammengesessen und haben stundenlang gesprochen. Es hat unsere Familie viel mehr
zusammengeschweißt. Mein Bruder
war ja damals erst sieben und meine
Schwester vierzehn. Sie hat erzählt, wie
schwer sie es in der Schule hatte, wie
oft sie die anderen gehänselt haben.
Bitte, auch meine erste Frau und meine
eigene Tochter! Sie ist aus dem Kindergarten nach Hause gekommen und
hat bitterlich geweint: „Papa, im Kindergarten haben sie gesagt, du bist ein
Weibl“. Sie haben nicht einmal Frau
gesagt.
Gab’s für Sie als junge Frau und
dann als junger Mann Rollenvorbilder?
Als Frau war es bestimmt die Olga
Pall, als Mann hab ich keinen gehabt,
weil ich mit den Männern weniger zu
tun hatte. Ich hab da meine Philosophie
selber zusammengetragen. In der Klinik
hab ich mir alles so schön vorgestellt:
Erste Begegnung, erste Liebeserklärung,
wenn ich so hinaustrete in die weite
Welt. Aber es hat sich vieles anders ergeben, als ich es vorher gedacht habe...
Normalerweise wächst man ja ins
„Mannsein“ langsam rein.
Das war ja das. Ich hatte keine Vorlaufzeit. Und dann musst du hinaustreten und wirst beobachtet. Jeder weiß,
was mit dir passiert ist. Ich war zum einen Supermacho, aber trotzdem auch
oft genug wieder rückfällig geworden.
Vom Rollenspiel her, dass ich wieder gemeint habe, ich bin eine Frau.
Wie lange hat es gedauert, bis die
Umgebung Sie als Mann akzeptiert hat?
Ich muss sagen, dass ich geglaubt
habe, ich könnte mich mit dem Skifahren bestätigen. Die Möglichkeit war
dann nicht mehr. Und dann habe ich’s
doch versucht mit heiraten, weil ich
gedacht hatte, dann hört das Gemunkel auf. Aber das hat nicht aufgehört.
Als die Tochter zur Welt kam, war das
dann der endgültige Beweis. Ab da hat
mir das auch nicht mehr wehgetan. Es
passiert immer noch, dass die Leute
hinter mir mal tuscheln. Jetzt kann ich
mich darauf einlassen und kläre sie
auf.
Hat es Vorteile, wenn Mann schon
mal als Frau gelebt hat?
Ich muss sagen, gerade in meinem
Beruf, wo ich mit Kindern arbeite, gibt
es nichts Besseres. Und ich bin auch
froh, dass ich diese Ader habe. Ich bin
überhaupt ein bisschen auf der sozialen
Seite. Ich habe vor 13 oder 14 Jahren diesen großen Kampf gehabt, wo ich hier
Flüchtlinge in meinem Gasthof aufgenommen habe. Ich hab mich durchgesetzt gegenüber der Gemeinde und
dem Bürgermeister. Es prägt einen, dieses Beschützen. Mit 13 war ich das
Christkind und nicht mehr meine Mutter. Das war mir das Schönste; ich hab
selber die Packln eingekauft, die Mutter
hat mir das Geld gegeben. Sie hat sich
mehr um die Arbeit gekümmert. Mir
war das eine Freude, anderen eine Freude zu bereiten. Und ich bin sicher, putzen kann ich heute noch.
Tun Sie´s auch?
Ja. Ich putze immer wieder nach im
Betrieb. Da (deutet auf die Decke über
der Hotelbar), schauen Sie, da oben ist
eine Spinnwebe und unter den Bänken
ist Dreck. Ich bin mir sicher, das sieht ein
normaler Mann so nicht. Aber das ist
auch wichtig im Leben. Das ist ein Vorteil.
Das Putzen, kommt das von der Erziehung zur Mädchenarbeit?
Das ist, weil ich sehr viel geputzt
habe. Zwischendurch wäre ich so gerne
mit dem Traktor gefahren und hätte
gerne einen Traktor zu Weihnachten geschenkt bekommen – und hab wieder
einer Puppe gekriegt. Die hab ich dann
zu Weihnachten gegen die Wand geschmissen...
Nach dem Ergebnis der Geschlechtsfeststellung, warum haben Sie sich dazu
entschlossen, als Mann weiter zu leben?
Ich hatte zwei Möglichkeiten. Mir
wurde gesagt, ich könne mit meiner
Goldmedaille glorreich bis ans Lebensende als Erika Schinegger leben, mit
plastischen Eingriffen und mit einer
Hormonbehandlung könne man so einiges machen. Es ging ja immer um die
Goldmedaille. Nur Professor Marberger
hat gesagt: laut unseren Tests gibt es
nur einen Weg, es kommt jetzt darauf
an, ob du mit zwanzig Jahren Manns
genug bist, diesen Weg zu gehen. Ich
hätte nie gedacht, dass der Weg total
auf die andere Seite gehen wird. Als ich
dann erfahren habe, das gibt’s, habe ich
wieder Licht gesehen.
Hatten Sie eigentlich zuvor jemals
einen nackten Mann gesehen?
Nein. Keinen. Und dann bin ich das
erste Mal pissen gegangen. Das war
für mich der Wahnsinn. Ich habe es in
meinem Tagebuch groß drin: heute
das erste mal pissen. Das war ja das
Schlimme, dass ich da gleich in diese
Rolle rein musste und auch immer beobachtet wurde. Wann machst du einen Fehltritt? Das war’s. Und ich glaube, erst im nachhinein kann ich sagen,
das war fahrlässig, grob fahrlässig war
das sogar von verschiedenen Seiten, da
hätten sie was machen müssen. Normalerweise kann man keinen so raus
lassen.
❚
Erik(A). A 2005, Regie: Kurt Mayer.
Mit Erik Schinegger, Karl Schranz,
Olga Scartezzini-Pall, Traudl HecherGörgl, u.a. Musik: Olga Neuwirth
www.firstchoicefilms.at
Das komplette Interview mit
Erik Schinegger ist auf
www.anschlaege.at nachzulesen.
februar 2005an.schläge 33
Fo t o s : G a b i H o ra k
ausstellungceija stojka
Raben zwischen Stacheldrähten
Im Jüdischen Museum Wien hängt bis März eine der seltenen Ausstellungen der Romni
Ceija Stojka. Sie malt das „Leben“, Erinnerungen aus der Zeit im KZ und an all jene,
die dort nicht mehr lebend entkamen. Ein Leben zwischen Blumenwiesen und
schwarzen Raben. Von Gabi Horak
Die Wohnung hat sich seit meinem letzten Besuch vor zwei
Jahren kaum verändert. Der
knarrende Boden ist ausgelegt
mit Teppichen verschiedener
Farben und Größen, darauf stehen alte
Möbel mit selbstgehäkelten Decken
und Polsterbezügen. Statt kahlen Wänden umgrenzen reich behängte Mauern
die Zimmer: neben Marienbildern und
Kinderzeichnungen auch riesige Gemälde – Blumen, Menschen, Farben.
Diese prächtigen Bilder haben
mich schon vor Jahren fasziniert, als
mich Ceija Stojka zu sich nachhause
eingeladen hatte, um über ihr Leben
zu sprechen. Inzwischen sind wir beide
34 an.schlägefebruar 2005
älter geworden, Ceija Stojkas Überlebensgeschichten sind aber so präsent
wie nie.
kann, Erinnerungen auf Leinwand zu
bringen.
Einer Verwandten ist es zu verdanken, dass die beeindruckendsten Bilder
von Ceija Stojka nun in einer AusstelIm Verborgenen. Die Leidenschaft zum
Malen hat sich langsam entwickelt. Zu- lung zu sehen sind. Sie hat im vergangenen Frühjahr mehrere Museen angeerst half Ceija Stojka ihren Enkeltöchschrieben, und das Jüdische Museum
tern bei Bildern für die Schule. 1989
wurde sie dann nach Japan eingeladen, Wien war das einzige, das geantwortet
hat. Knapp ein Jahr später, im Dezemwo sie auch viel Zeit mit Schulkindern
verbrachte. „Die haben gesagt: Ach, Cei- ber, wurde nun die Ausstellung am Judenplatz mit einem großen Fest und
ja, lass doch irgend etwas von dir da,
hunderten EhrengästInnen eröffnet.
das wir später streicheln können.“ Sie
„Damit widmet das Jüdische Museum
versprach, zuhause ein Bild zu malen
und nach Japan zu schicken. Dieses Ver- erstmals eine Ausstellung einer Angehörsprechen hat sie natürlich gehalten und igen einer österreichischen Volksgruppe, deren Schicksal, Kultur und Tradition
dabei entdeckt, wie befreiend es sein
ceija stojkaausstellung
bisher zumeist im Verborgenen geblieben ist“, erklärte Museumsdirektor Karl
Albrecht-Weinberger.
1988 war Ceija Stojka mit ihrem
Buch „Wir leben im Verborgenen“ als erste Romni an die Öffentlichkeit getreten
und gab damit den Anstoß für die Roma-Bewegung in Österreich. In dieser
Zeit begann sie auch zu malen und das
Liedgut der Rom-Lowara zu sammeln.
Ohne Pinsel. Sie kann ihre Bilder gar nicht
mehr zählen. Das muss sie auch nicht,
denn Ceija Stojka geht es nicht darum, eine Werkschau zu hinterlassen, die wegen
ihrer außergewöhnlichen Mal- oder Farbtechnik die Kunstschulen beschäftigt.„Ich
hab nie gelernt, mit Farbe umzugehen,
hab nicht die geringste Vorstellung, wie
man sie wirklich mixt“, sagt sie.
Wenn sie sich einen Himmel mit
rosa, gelbem und blauen Schimmer vorstellt, dann nimmt sie die einzelnen
Farben in die Hand, bearbeitet sie ohne
Pinsel, verteilt sie mit dem kleinen Finger. „So entstehen die Gefühle, die ich
für meine Welt brauche.“ Und um diese
Gefühle geht es. Stojka malt ausschließlich Szenen aus ihrer eigenen Vergangenheit, Bilder des Schreckens aber
auch solche mit schönen Erinnerungen.
Sie malt keine aktuellen Szenen, Fabriken, Skulpturen, Frauen. „Die gehören
mir alle nicht! Ich kann Bäume malen,
Blumenwiesen, denn die Natur gehört
jedem.“ Diesen farbenfrohen Bildern ist
in der Ausstellung am Judenplatz viel
Platz gewidmet: Ein Meer von Blumen
füllt die linke Wand, Blumen im Wind,
Blumen bei Nacht, Blumen beim Vergehen und Aufblühen.
Die Botschafter. „Die Erinnerungen sind
im Bauch und im Herzen. Das tut weh
und muss raus.“ Deshalb beschäftigt
sich ein großer Teil der Bilder mit den
schlimmsten Jahren in Ceija Stojkas Leben: Dem Überleben in den Konzentrationslagern Auschwitz, Ravensbrück
und Bergen-Belsen. Jede Bewegung der
Wärter ist ihr ins Gedächtnis gebrannt,
jedes Gesicht, auch wenn sie es nicht
malen kann. „Ich male nur Umrisse, die
schlimmen Züge“, erklärt sie.
Und auf beinahe jedem Bild ist ein
schwarzer Rabe zu entdecken: Hoch in
der Luft oder zwischen Stacheldrähten.
Ceija war zehn Jahre alt, als sie nach
Auschwitz deportiert wurde, und da
waren die schwarzen Raben ihre Botschafter: „Ich hab sie geschickt, sie mögen zum lieben Gott fliegen und die
Freiheit bringen. Dafür sind sie meine
Freunde und ich male sie heute auf fast
jedes Blatt.“ Auch auf die mit den Gedichten: „Der schwarze Rabe / fliegt von
einem Ort / zum andern Ort / und lässt
die Grüße fallen“. Diese Zeile stammt
aus ihrem jüngsten Buch, dem Gedichtband „Meine Wahl zu schreiben – Ich
kann es nicht“.
soll nie wieder erwachen. Auschwitz ist
im Tiefschlaf.“
Während Ceija Stojka von den Totenhaufen im KZ erzählt, läuft im Hintergrund der Fernseher: Bilder von der
Flutkatastrophe in Südostasien. „Vielleicht können sich die Leute nun vorstellen, wie Menschen aussehen, wenn
sie monatelang nicht unter der Erde
sind, sondern im Wasser oder in der Luft
hängen.“ So etwas kann man nicht vergessen, meint sie, auch nicht sechzig
Jahre danach.
Es ist an der Zeit. Österreich soll in diesem
Jahr ganz im Zeichen des „Gedenkens“
an sechzig Jahre „Befreiung“ vom Nationalsozialismus stehen. Ceija Stojka
wurde zur Teilnahme an mehreren Veranstaltungen eingeladen, hat sich nun
für Bergen-Belsen entschieden, wo sie
1945 auch befreit wurde. Dort und in
Auschwitz und Ravensbrück gibt es
Im Tiefschlaf. Beim Malen macht Ceija Sto- auch ständige Ausstellungen mit ihren
Bildern.
jka manchmal auch mehrere Wochen
Und was wünscht sich eine aus
Pause, wie zuletzt nach dem Tod der Gedem Konzentrationslager befreite Frau
schwister Karl und Monika. Das Schreiben kann sie jedoch kaum einen Tag las- im „Gedenkjahr“? „Es gibt noch ein paar
sen. „Es ist ganz wichtig, dass etwas von Überlebende und denen muss die Angst
genommen werden: Dass sie Auschwitz
uns dagelassen wird.“ Und sie erzählt,
nie wieder riechen müssen. Natürlich
dass die Künstlerin Karin Berger wieder
sind sechzig Jahre eine lange Zeit, aber
kommt und filmt – nicht für einen konkreten Film, sondern einfach, um die Er- nicht für uns. Für uns ist es unmittelbar,
innerungen festzuhalten. „Ich werde im wir riechen es noch, spüren noch immer
die Befehle.“
Mai 72 Jahre alt und da will man schon
Deshalb sammelt sie Material, bevorbeugen:Wenn Ceija Stojka mal nicht
sucht Schulklassen, liest aus ihren
mehr ist, dass es Material gibt.“
Es gäbe so vieles, das könne sie gar Büchern und hört nicht auf zu schreiben und zu malen. Die Ausstellung im
nicht auf einmal erzählen. „Ich kann
Jüdischen Museum soll nicht die letzte
mich erinnern an die Skelette, die nach
der Befreiung aus Bergen-Belsen heraus gewesen sein. Und ihren zwei Urenkeln
mit vier Jahren und 15 Monaten wünscht
kamen. Alles lief durcheinander. Dann
sie, dass sie in die Schule gehen können,
sieht man tote Pferde auf einer Wiese
„ohne dieses Schimpfen“. „Wir sind heuliegen und Menschen schlürfen das
Blut.“ Die Erinnerung an solche Szenen te so bunt in Österreich, es sind Menschen aus fast allen Ländern bei uns.
fällt Ceija sichtlich schwer, trotzdem
bemüht sie sich, sie in Worte zu fassen. Es wäre schon Zeit, dass man den Menschen anschaut und nicht wo er herDenn bei aller Überwindung steht ein
kommt.“
❚
Gedanke im Vordergrund: „Auschwitz
ceija stojka. leben!
Bis 6. März im Jüdischen Museum
Wien, 1., Judenplatz 8
So-Do 10-18.00, Fr 10-14.00
Buchtipp:
Ceija Stojka: Meine Wahl zu
schreiben – Ich kann es nicht.
Gedichte in Romanes und Deutsch
Lyrik der Wenigerheiten 2003
februar 2005an.schläge 35
Fo t o : J o h a n n a B ra n d s t ä t t e r
rettungfrauencafé
Die Baustelle Frauencafé soll bis
12. Februar in neuem Glanz erstrahlen
Do the frauencafé 05
Ein fast tot geglaubter Frauenort soll wieder Ausgangspunkt für feministisches Handeln in
Wien werden. Ein Rück- und Ausblick von Renate Billeth
„warum geh ich doch immer
wieder ins frauencafé? es ist
das einzige und doch nicht
mein eigentum. es ist mein salon. mein wohnzimmer. meine
küche. mein lesesaal. mein film. meine
prüfung. mein sodom. mein gomorrah.
mein mekka. mein mariazell.“
1981 hat eine Besucherin dem Wiener Frauencafé diese anonyme Liebeserklärung hinterlassen. Beinahe wäre
zukünftigen Frauengenerationen eine
Wallfahrt ins Mariazell der Neuen Frauenbewegung versagt geblieben. Wenn
nicht eine kleine Gruppe unermüdlicher... – aber alles der Reihe nach!
Alle Infos: www.frauencafe.at
36 an.schlägefebruar 2005
Herstory. 1977, als Frauen sich gerade jene Räume erkämpfen, die wir heute
mit aller Kraft verteidigen müssen,
schließen sich 14 Frauen zum „Verein
zur Förderung von Frauenkultur“ zusammen. Die Vereinsräumlichkeiten
werden in der Lange Gasse 11 in Wien
in Betrieb genommen – das „Wiener
Frauencafé“ wird zur Drehscheibe für
feministische Künstlerinnen und Aktivistinnen. Elfriede Jelinek nimmt im
Wohnzimmer der Wiener Frauenbewegung ebenso gerne Platz wie Elfriede
Gerstl. Frauen aus der „Subszene“ finden dort genauso ihr Mekka wie Migrantinnen aus Osteuropa. Diese sehr
heterogene Besucherinnenschaft spiegelt sich auch im Veranstaltungsangebot wider.
Fünf Jahre lang ist das Frauencafé
Lesesaal und beherbergt in einem der
Räume die Frauenbuchhandlung, die
1982 ins Nachbarlokal und später in die
Zieglergasse übersiedelt, wo die Buchhandlung Frauenzimmer noch heute zu
finden ist.
Krisen. In den 1980ern entfacht die zunehmende Professionalisierung innerhalb der Frauenbewegung einen Streit
zwischen Verfechterinnen absoluter
Autonomie und jenen Frauengruppen,
die (partei-)politisch gebunden und fi-
nanziert sind. Den Frauen der Alternativen Liste (Vorläuferin der Grünen) wird
der jour fixe im Frauencafé verwehrt.
Ein Ausschluss, den Café-Mitbegründerin Erica Fischer aufs Heftigste kritisiert.
In den 1990er Jahren bekommt das
Wiener Frauencafé zahlreiche kleinere
und größere Schwestern. Die Frauenszene verlagert sich zum Teil auf andere
Orte, manch eine entdeckt ihr Biedermeier, die Gästinnenzahlen sinken.
Das bekommt auch Eva Prinz zu
spüren. Sie ist in den vergangenen fünf
Jahren (ohne das Engagement der anderen Frauen schmälern zu wollen) der
Motor, der das in die Jahre gekommene
Vehikel am Laufen hält. Mit unermüdlichem Einsatz und bisweilen bis an die
Grenzen des Machbaren schupft Eva
Prinz den Laden vom Einkauf über den
Bardienst, die Abrechnung bis hin zur
Veranstaltungsorganisation. Wen wundert es, dass sie schließlich einfach
genug hat ...
frauencaférettung
Baustelle. Bevor die neue Ära beginnt,
werden die Räumlichkeiten erst einmal
generalüberholt. Violetta, Hilde, Conny
und Gabriele stehen inmitten einer
Schutthalde, die schon in wenigen Wochen beseitigt sein soll. Warum sie sich
das antun? „Wenn einer das Stammlokal zug’sperrt wird, da muss sie doch
was unternehmen“, kommt als scherzende Antwort. Unternommen haben
sie einiges: Kaum ein Stein ist auf dem
anderen geblieben, die Mauer zwischen
den beiden straßenseitigen Räumen
wurde bis auf zwei Träger abgetragen,
damit die zukünftige Besucherin ihren
Blick besser schweifen lassen kann, ihr
die Sicht zur geplanten Bühne nicht
verstellt wird und auch bei (hoffentlich)
vollem Haus keine gegen die Wand
gedrückt wird. Auch das Nadelöhr auf
dem Weg zur Toilette wurde kurzer
Hand erweitert. Unterstützt werden
die Neo-Bauarbeiterinnen von Freiwilligen wie Zora (den Leserinnen als
an.schläge-Autorin bekannt), die seit
zwei Wochen jede freie Minute in der
Blaufrau verbringt. Der ursprünglich
geplante Eröffnungstermin wurde inzwischen verworfen, bis zum nun offiziellen Neustart am 12. Februar soll
das Frauencafé retrospektive wie futuristische Formelemente verpasst
bekommen und in neuem Glanz erstrahlen.
Just do it! „Do the Frauencafé“ lautet
das Motto der Betreiberinnen, die davon träumen, dass dieser Ort wieder
„proudness“ ausstrahlt. Gabriele wünscht
sich, dass auf den knapp 60m2 wieder
mehr Raum für Exzentrik entsteht. „sodom und gomorrah“ – wer weiß? Die
Eröffnungsgästin „Clitoressa“ lässt zumindest für den 12. Februar einiges erwarten. Unter dem Motto „Feminismus
krönt“ können sich exaltierte Exhibitionistinnen als (zeitlich begrenztes) Pinup mit Krone fotografieren, auf Transparentfolie hochziehen und in die Auslage hängen lassen. Na ja! Aber nicht
nur sinnlicher soll das Frauencafé werden, sondern auch politischer, künstlerischer und vernetzter. Auf ihrer im
Höchstleistungstempo fertiggestellten
Webpage präsentieren die fabulösen
Vier ihre umfangreichen Pläne und rufen alle frauenbewegten Frauen zur aktiven Beteiligung an der Zukunft des
gemeinsamen ideellen Eigentums auf.
Für den Aufbau und die Gestaltung eines permanenten Herstory-Museums
werden junge Frauen gesucht, die sich
durch Fotos und andere Dokumente
knapp dreier Jahrzehnte feministischer
Geschichte schmökern wollen. Ein „Salon“-Projekt soll den philosophisch-literarischen Diskurs neu beleben und
Künstlerinnen aus allen Ecken können
das Frauencafé zukünftig bespielen, besingen, bemalen oder auch visuell bestrahlen – es soll wieder ein Programm
geben, das weit über ein „Bilder-an-dieWand-Hängen“ hinaus geht.
An den Öffnungszeiten wird sich
vorläufig nur wenig ändern und auch
das gastronomische Angebot bleibt
überschaubar. Kleinigkeiten wird es geben, verspricht Conny, Toast und leckere
Suppen – ab und zu soll es ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück geben. All
das klingt vielversprechend. Nun muss
frau bloß noch hingehen – und zwar
nicht nur am 12. Februar!
❚
lesben.nest
Fo t o : w w w. t u n t e n b a l l . a t
Schock. Ein Geheimnis ist es längst nicht
mehr, dass es um das Frauencafé schlecht
steht. Immer mehr Frauenorte veranstalten Solifeste für Eva Prinz und ihr
Café, die rettenden Besucherinnenanstürme auf das kleine Lokal im 8. Bezirk
bleiben aber aus.
Im Herbst vergangenen Jahres ist
es dann so weit: Eva Prinz kündigt ihren
Rückzug aus dem Frauencafé an, zum
Entsetzen der Frauenbewegung. Auch
wenn die meisten von uns schon viel zu
lang nicht mehr dort waren, ein Leben
ohne das Frauencafé kann und will sich
kaum eine vorstellen. „Save the Frauencafé“ lautet der Unterstützungsaufruf,
mit dem Maria Amschl, Susanne Hajdu
und Diana Voigt den ältesten Frauenort
Wiens doch noch zu retten versuchen.
Mehr als 150 Frauen melden sich binnen kürzester Zeit und erklären sich zu
einer einjährigen Mitfrauen- und Förderinnenschaft in unterschiedlicher finanzieller Höhe bereit. Mit den Geldern soll
die Weiterexistenz des Frauencafés vorerst ermöglicht werden.
Vier altbekannte Gesichter trauen
sich letztlich drüber und nehmen die
Prüfung an: Violetta Avaznia, Hilde
Grammel, Conny Lichtenegger und Gabriele Szekatsch stürzen sich Hals über
Kopf in eine neue Ära des Frauencafés
und bis auf weiteres in eine achtzig
Stunden Woche.
Anahita
Viva la Diva
Es ist ja wirklich sehr nett, dieses Internet. Frau telefoniert
mit einer Unbekannten, die sie ebendort kennen gelernt hat
und welche auch sehr nett zu sein scheint und erzählt vom
Grazer Tuntenball. Die Internette weiß nicht, wovon die Rede
ist, aber da sie ja selbstverständlich online ist, klickt sie sich
einfach ein auf www.tuntenball.at und liest dort: „Alles über
den Ball der Bälle: Am 19. Februar ab 20 Uhr ist es soweit. Im
Grazer Congress startet der Tuntenball 2005 – diesmal speziell für Diven und für alle, die es noch werden wollen! Das
schrillste Highlight der heimischen Ballsaison wird mit einer
Polonaise von Die Tanzschule eröffnet. Tanzmusik liefert die
Big Band Franz Schober. Beniese Bennett, Österreichs Shirley
Bassey, konnte für einen Starauftritt gewonnen werden. Das
Trio Fürchtet Euch Nicht Quartett lässt die Ballgäste über das
Parkett schweben, und die Gruppe Oudayas verführt im Orientalischen Salon in Tausend und eine Nacht. Die Tuntendisco
sorgt für ausgelassenes Disco-Feeling.“
Ja! Ich hab ein Date. Es lebe der Tuntenball, es lebe das Leben... aber halt! Da war doch noch was? Ah genau, ich habe
mir doch beim Silvester-Hexenritual fest vorgenommen,
mich nur noch auf mich selbst und meine eigene Frauenkraft
zu konzentrieren und dieses Jahr der Göttin der Arbeit und
Karriere zu widmen... Doch diese Frau scheint etwas Besonderes zu sein, mit beiden Beinen im Leben zu stehen, zu wissen, was sie will – außerdem ist sie noch verdammt attraktiv
und intelligent obendrein. Verflixt! Vielleicht könnt es sich
mit ein bisschen gutem Zeitmanagement irgendwie ausgehen, diese interessante Person kennen zu lernen und meinen
eigenen Weg nicht zu verlassen. Irgendwie... nur wie? Mit
Stress, Abstrichen bei geliebten Eigenheiten und Kompromissen, die ich so sehr hasse... Es war zwar ein Mann, der sagte:
„Die Frau, die mich aushält, muss erst geboren werden. Aber
ich bitte Dich, komm zur Welt!“ – aber ich kann ihn jetzt
trotzdem gut verstehen.
februar 2005an.schläge 37
an.klang
„Musik ist unsere Freundin“
Wir können und wollen nicht ohne: Sonja Eismann und Ute Hölzl haben
sich durch die Neuerscheinungen des letzten Monats gehört.
Das ist doch genau der richtige
Titel, um graue Wintermonate
zumindest schon mal aus den
Gedanken zu verbannen: „Gray
Will Fade“ (Double Dragon Music) heißt das erste Soloalbum der AshGitarristin Charlotte Hatherley, auf der
sie mit aufgeräumten Indiepopsongs
Aufbruchsstimmung verbreitet. Mit
mindestens so viel Verve prescht die
Engländerin über schwungvollen Background-Chören und ausgelassenenen
Synthies mit verzerrter Gitarre nach vorn.
Auch wenn der erste Song „Kim Wilde“
eine Hommage an eine weibliche
1980er-Jahre-Ikone ist, so klingen die insgesamt zehn nie nach Atem schnaufenden Popkracher in manchen Momenten
doch deutlich nach den hypermelodiösen Teeniebopper-Hits aus den 60ern.
Bedeutend ruhiger geht es bei der
Berlinerin Masha Qrella zu, die zwar wie
Charlotte Hatherley auch in Bands –
Contriva, Mina und seit neuestem auch
NMFarner – spielt, mit „Unsolved Remained“ (Morr Music) aber bereits ihr
zweites Soloalbum vorlegt. Wie schon
auf ihrem 2002 erschienenen Debüt
„Luck“, das die Kritik verzückte, regiert
auch auf dem Zweitling die beinahe minimalistische, wunderbar spröde Reduktion auf das Wesentliche. Während
„Luck“ als Nebenbeschäftigung und
beinahe heimlich entstand, hat sich die
Musikerin nun unter den erwartungsvollen Augen ihrer Fans ganz bewusst
ans Werk gemacht. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass, Drum-Loops, zarten KeyboardSounds und Mashas unvergleichlicher
38 an.schlägefebruar 2005
Stimme, die gleichzeitig meilenweite
Distanz und zuckrige Sanftheit ausstrahlen kann, baut die Multi-Instrumentalistin weiter an ihrem Entwurf
von zutiefst melancholischen Popsongs,
die durch ihre Sparsamkeit und Zurückgenommenheit eine fast sphärische
Schönheit ausstrahlen.
Um eine Form von Schönheit geht
es auch bei den zwei Re-Issues der Disco-Ikone Cristina, die zu Beginn der
1980er Jahre in den Hochzeiten von
New Yorks Disco- und New-Wave-Szene
auf dem Plattenlabel ihres Ehemannes
zwei Platten veröffentlichte, die nun auf
ebendiesem Label wieder neu herauskommen: „Doll In The Box“ und „Sleep
It Off“ (Ze Records). Doch die Schönheit
dieser vergessenen Szene-Diva, die stets
als unwissend-wissende Kindfrau mit
der schrägen Stimme inszeniert wurde,
kreist eher um einen ganz oberflächlichen Glitzer, der beständig von ironischen Texten über Geldknappheit und
beschmutzte Glamour-Outfits torpediert wird. Cristina Monet, deren erstes
Album 1980 von Kid Creole produziert
wurde, war nicht die wilde, unverbildete
Clubgängerin, sondern eine ehemalige
Harvard-Studentin, die Theaterrezensionen für die Village Voice schrieb. Nachdem ihr mit den beiden Alben – das
zweite wurde deutlich düsterer, waviger
als das gefällige erste – nur eine knappe
halbe Dekade Ruhm vergönnt war, ist es
nun an uns, diese schillernde Figur neu
zu entdecken.
Drei Jahre hat’s gedauert, aber jetzt
gibt es wieder was Neues von Stereo
Total: das sechste Album im – immerhin
– zehnten Jahr der Bandgeschichte. „Do
the Bambi“ heißt das neue Werk der Berliner SoundbastlerInnen Brezel Göring
und Francoise Cactus, das eklektisch und
verspielt an die bisherigen Werke anschließt. Und die Erwartungen nicht enttäuscht, weil mit bewährten Zutaten angerührt: Ein paar Teile französischer
Chanson, ein wenig Punkrock, etwas Rock
‘n’ roll, viele alte und selbstgebaute Instrumente und zum Schluss noch ein
paar Löffel Deutsch, Französisch, Englisch, gut verrührt mit Ironie, Trash, Minimalismus und guten Texten.„Musik ist
unsere Freundin“, singt Francoise Cactus
„Troglodyten“ (wer, außer Stereo Total
kommt auf solche Lied-Titel?) und spricht
uns damit aus dem Herzen.
Das können vielleicht auch die
Lesbians on Ecstacy schaffen, die soeben ihr Debüt-Album „Lesbians on
Ecstacy“ (s/t, Alien8) veröffentlicht haben – eine weitere Band aus dem derzeitigen Pop-Wunderland Kanada, das
uns schon Künstlerinnen wie Feist und
Peaches oder die schwule Band Hidden
Cameras gebracht hat. Ihr Rezept: Gnadenlos den lesbischen Pop-Kanon (Melissa, kd oder Team Dresch) plündern,
schamlos zitieren, referenzieren oder
einfach nur covern – und direkt auf
den Dancefloor damit. „Don’t you
know, we’re talking ‘bout a revolution“,
singt Fruity Franky, unterstützt von
treibenden Beats, krachenden Bässen
und lärmenden Gitarren – der Dancefloor scheint sich in einem düsteren
Kellergewölbe zu befinden.
❚
lese.zeichen
Verlust der Realität
Die Videokünstlerin und Philosophin Marina Grzinic untersucht in
ihrem neusten Buch zeitgenössische Kunstpraktiken auf Strategien
wie Überidentifikation, Derealisation oder der Evakuierung
der Bilder. Von Kerstin Kellermann
„Der Fall der Berliner Mauer
wurde von einem westlichen
Standpunkt aus gerne als ‚Befreiung’ des Ostens von totalitären Systemen gesehen.
Doch dieses Ereignis initiierte auch einen rapiden Prozess der Auslöschung
unserer osteuropäischen Geschichte.
Wir befanden uns plötzlich in einem
Raum ohne Erinnerung und Identität.
Wir mussten dies als eine Art von
Null-Position annehmen“, schreibt
Marina Grizinic, die als Forscherin am
Institut für Philosophie der slowenischen Akademie für Wissenschaft und
Kunst arbeitet und momentan an der
Wiener Akademie der bildenden Künste die Klasse „Post-Konzeptuelle
Kunst“ leitet. (Die Klasse stellte gerade
in der Fluc-Mensa zum Thema „Medialisierung/Arbeit/Spatialisierung/
(Re)Politisierung“ aus.) Schon allein,
dass die Hauptstadt Ljubljana in
Österreich zumeist als „Laibach“ bezeichnet wird, wie die Stadt während
der Okkupation der Nazis benannt
wurde, beweist Grzinics These, denn
dieser Umstand zeugt von historischem Unwissen bzw. wohl betontem
Nicht-Wissen.
Die Kunst im so definierten
„Osten“ Europas existiert erstaunlicherweise nicht erst seit der Entdeckung durch westliche Kuratoren
(diese Rolle übernehmen nur Männer),
die von ihrem kritischen Auge ausgewählte Artefakte mit Hilfe von Ausstellungen in den FinanztransaktionsMarkt einbringen. Bei der Auswahl gehen diese Kuratoren zumeist von nicht
offen gelegten Kriterien aus, die – ihrer Meinung nach – genügen, um völlig unterschiedliche Kunstströmungen
und Zeitepochen zu durchforsten und
nach ihrem Gusto zu sortieren. Einzelne Kunstwerke werden ohne den gewachsenen Kontext verwendet, aus
ihrem politischen und sozialen Umfeld gerissen. Und neu interpretiert, in
eine Art fantastischer Genealogie des
einzelnen Kurators eingeordnet und
präsentiert.
Die Performance-Künstlerin Tanja
Ostojic untersuchte von 2001 bis 2003
in einer Projektserie die Rolle besagter
zumeist männlicher Starkuratoren
und zeigte kunstvoll auf, dass zumindest Harald Szeemann (der die große
Ausstellung „Blut und Honig“ für die
Sammlung Essl kuratierte) nicht im
Stande war, seine soziale Rolle als Kurator von seinen privatpersönlichen
Rollen zu trennen und das von ihm
selbst ausgesuchte Projekt „Guarding
Angel“, bei dem Tanja dem berühmten
Kurator in ihrer künstlerischen Rolle
auf Schritt und Tritt folgte, im Endeffekt unterlief. Grzinic zitiert in ihrer
Analyse von Ostojics Kunst den Philosophen Slavoj Zizek: „Wenn sich der
fantastische Rahmen auflöst, wird das
Subjekt einem ‚Verlust der Realität‘
unterzogen und beginnt Realität als
‚unwirkliches‘ alptraumhaftes Universum zu begreifen ... dieses alptraumhafte Universum ist nicht ‚reine Fantasie‘ sondern, im Gegenteil, das, was
von der Realität übrig bleibt, wenn die
Realität ihrer Unterstützung durch die
Fantasie beraubt wird.“ Marina Grzinic war die erste weibliche Kuratorin,
die sich auf Ostojic Kunst einließ. Es
entstand die Fotografie „Die Politik
von queeren kuratorischen Positionen:
Nach Rosa von Praunheim, Fassbinder
und Bridge Markland“. Grzinic interpretiert Ostojics „Strategien des Erfolges“ als total politisch, auch wenn es
in diesen „postpolitischen Zeiten“
schwierig zu verstehen ist, dass es „eine Art von grundlegendem sozialen
Vertrag gibt, der verhindert, dass elementare soziale Entscheidungen als
politische Entscheidungen gesehen
werden.“ Entscheidungen zum Thema
Kunst werden heutzutage sofort in einen Konflikt verschiedener Kulturen
uminterpretiert.
Ein dichtgedrängtes, spannendes
Buch, das schwer weg zu legen ist.
Nicht nur für Künstlerinnen.
Marina Grzinic: Situated Contemporary Art Practices.
Art, Theory and Activism from (the East) of Europe. ZRC-Publishing,
Revolver Archiv für aktuelle Kunst 2004
februar 2005an.schläge 39
lese.zeichen
Der Sumpf gehört den Mädchen!
zen, die sich kürzlich vor ihren Augen
vor die U-Bahn geworfen hat. Grund
genug hatte sie: Depressionen, ein Ekel
Es gibt unzählige Märchen über Prinals Ex-Mann und eine intrigante Vorzessinen, die Frösche, die behaupten
gesetzte. Diese will nach oben, um jePrinzen zu sein, küssen müssen. Diese
sind oft von bösen Hexen in solch gräss- den Preis, und macht Nägel mit Köpfen.
Menschen sollen sich freiwillig zur Alliche grüne Dinger verwandelt worden
ten- oder Flüchtlingsbetreuung melden,
und die Geschichte endet mit einem
um für ihre Pension Bonuspunkte zu
Kuss, damit der Prinz so wunderschön
sammeln. Sammeln kann auch Anna:
wie die Prinzessin wird, so dass einer
Beobachtungen im Menschen-runtervon zu viel Schönheit beinahe übel
wird. Die US-amerikanische Autorin E. D. Machen. Als auch noch Annas Lieblingskollegin Paula stirbt, ist ihr AufklärungsBaker hat sich in ihrem ersten Roman
eine Froschprinzessin erträumt, die alles talent nicht mehr zu bremsen.
Lisa Lercher, selbst in der Bundesandere ist: eine etwas trampelige Perverwaltung tätig, gelingen erneut Einson, die einen Prinz zum Heiraten aufblicke ins „frohe“ BeamtInnenschaffen,
gezwungen bekommt und deshalb erin langweilige Besprechungen und Anschrocken in den Sumpf flieht. Dort
lernt sie den sprechenden Frosch Eadric nas Zweifel, Unsicherheiten und Mut –
was sie zu einer sympathischen Akteukennen. Der Kuss aus Mitleid verwanrin macht. Dass ausgerechnet die Sedelt aber nicht ihn, sondern sie – und
zwar in einen Frosch. Konnte sie sich als kretärin als Dummchen mit Riesenbusen daherkommt, lässt die KlischeeMädchen nicht mit der PrinzessinnenRolle abfinden, versucht sie nun aus der Alarmglocken bimmeln. Aber die Realität ist wohl klischeehafter als uns lieb
Froschperspektive mit dem Frosch all
das an Abenteuern auszuleben, was sie ist. Ebenso beunruhigend: Auch wenn
sonst nicht erlebt hätte. Und am Ende ... die Handlung frei erfunden ist, solche
Das wird nicht verraten – nur soviel: Ge- grauslichen Arbeitssituationen spielen
sich tagtäglich wirklich ab. Wie gut,
heiratet wird nicht!
dass vorne im Buch steht „Jede ÄhnlichZoraida Nieto
keit mit lebenden oder toten Personen
ist unerwünscht und zufällig“...
E. D. Baker: Esmeralda, Froschprinzessin.
Beltz & Gelberg 2004, Euro, 12,90 (Ö)
Petra Öllinger
Lisa Lercher: Ausgedient.
Aktenschupfen
Anna Posch, bereits erprobte KrimiSpürnase aus „Der letzte Akt“, gerät
dieses Mal in einen Mobbing-Strudel,
der für zwei Kolleginnen tödlich, für
eine vor Gericht und für die Hauptverantwortlichen glimpflich und ohne
Karriereknick endet. Vom Krisentelefon
des Wiener Magistrats wird Anna in die
„Bürgersoforthilfe“ versetzt. Unangenehm, denn sie soll jene Kollegin erset-
40 an.schlägefebruar 2005
Milena Verlag 2004, Euro 12,- (Ö)
Nur nicht abstumpfen
Gudrun Salmhofer hat in ihrem Sammelband unterschiedliche Spielarten
von Sexismus zusammengetragen.
Frauen aus der Wissenschaft, dem
Kunstbereich, der Praxis und aus der
Beratungstätigkeit kommen zu Wort.
Die Beiträge geben einen Einblick, wo
wir dem alltäglichen Sexismus begegnen und wie sexistische Strukturen aus
psychoanalytischer Sicht funktionieren:
über Sexismen in der Sprache, über visuelle Gender-Manifestierungen im urbanen Raum, über Genderkonzepte in
der Bildpraxis und der IT-Branche, über
Sexismus im Kulturbereich und über
sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.
Bildbeispiele, persönliche Anekdoten
und Erfahrungsberichte von betroffenen Frauen lockern die zum Teil theoretisch gehaltenen Beiträge auf.
Sexismus ist Alltag und Alltag
birgt die Gefahr, träge zu werden, abzustumpfen und Frauendiskriminierung
nur noch ansatzweise wahrzunehmen.
Da war es gut, mal wieder ein Buch darüber in Händen zu haben – und bei dieser Thematik betroffen zu sein. Zum
Glück doch noch nicht abgestumpft.
Svenja Häfner
Gudrun Salmhofer (Hg): Sexismus. Übergriffe im Alltag.
Studienverlag Innsbruck 2004, Euro 12,- (Ö)
Leben mit der Erinnerung
„Die meisten Memoiren, die – mindestens bis vor 15 Jahren – über den Holocaust geschrieben wurden, stammen
von Männern.“ Schon in der Einleitung
greift Lucille Eichengreen einen geradezu neuralgischen Punkt in der historischen Aufarbeitung des Holocaust auf.
Die 1925 als Cecilie Landau in Hamburg
geborene Tochter polnisch-jüdischer Eltern kam nach Ermordung des Vaters
mit Mutter und Schwester in das Ghetto von Lodz, von wo aus sie als einzige
Überlebende ihrer Familie u.a. nach
Auschwitz deportiert wurde. Nach ihrer
Befreiung verließ sie Deutschland und
lebt heute als Lucille Eichengreen in
den USA. Seit Jahren beschäftigt sie sich
mit der Erforschung der Geschlechter-
rollen im Holocaust. Ein Thema, das in
Fachkreisen, z.B. wegen der Angst vor
Vermischung und Gleichsetzung von
Sexismus und Antisemitismus, gerne
vermieden wird.
Schon in „Rumkowski, der Judenälteste von Lodz“ beschrieb sie schonungslos den sexuellen Missbrauch
vieler Frauen durch den Judenältesten.
Und ohne viel Sentimentalität zieht
die meisterhafte Erzählerin auch in
ihrem neuesten Buch die LeserInnen in
die unfassbaren Schicksale ihrer Protagonistinnen hinein. Tatsachenberichte
über Frauen, die den Holocaust nicht
überlebt haben, aber auch über SSFrauen, die Täterinnen. Und über Frauen, die Glück gehabt haben. Wobei
„Glück“ nach einem Erlebnis wie Auschwitz sicher eine andere Dimension
erfährt.
tinnen selbst zum Zentralfriedhof (Sabine Naber „Tote Gesichter“) und wenn in
Lisa Lerchers „Entscheidungsmatch“ ein
Marmorpferd auf den Kopf des trinkenden und prügelnden Mannes knallt,
dann taucht auch hier im Hinterkopf
das Wort „vergönnt“ auf.
Ein tatkräftiges Buch, bei dem frau
vor allem eines sein kann: froh, dass die
Autorinnen das Schreiben als Ventil benutzen ...
neu.land
Petra Öllinger
Edith Kneifl (Hgin.): Tatort Wien. Kriminalgeschichten.
Milena Verlag 2004, Euro 15,90 (Ö)
J a s m i n a J a n k o v i c’
Erinnerungsreste
„Weil unsere Worte stärkere Bilder sind
als ihre Messer...“, brauchen wir Texte
wie die von Petra Ganglbauer, um die
täglichen Grausamkeiten zu begreifen.
Lucille Eichengreen: Frauen und Holocaust.
Kriegsbilder und MenschenrechtsverletErlebnisse, Erinnerungen und Erzähltes.
zungen, die uns via Fernsehen und PresDonat Verlag 2004, Euro 10,30 (Ö)
se serviert werden, sind der Untersuchungsgegenstand. Aktuelle Bilder vom
Sterben und Töten, die aber auch aus
vergangenen Jahren stammen könnten:
Tatkräftig
„Es riecht nach Erinnerungsresten“ –
und die sollten auch im Gedenkjahr
Die „Sisters in Crime“ haben nun auch
in Österreich zugeschlagen. 1986 in den 2005 nicht gut duften. Kriege werden
medial inszeniert, die ZuschauerInnen
USA von Sara Paretsky gegründet, um
auf die untragbare Situation von schrei- sitzen als MittäterInnen vor den Bildbenden Frauen aufmerksam zu machen, schirmen. Verschwinden die Bilder vor
den Augen, sind auch die Menschen dahaben die „kriminellen“ Schwestern
hinter aus dem Sinn: „Vergessenes auf
nach und nach auch in Europa Fuß
der Titelseite“. Petra Ganglbauer erzählt
gefasst. 18 Autorinnen der österreichivon Kriegen, in denen auch Helden sterschen Gruppe zeigen nun, wozu sie,
ben, Tote wie Puppen aussehen und
nein, ihre Figurinnen, fähig sind. Sehr
wohltuend: Keine Schwarz-Weiß-Moral, Noch-Lebende wie Puppen behandelt
kein erhobener Zeigefinger, keine toug- werden. Mädchen sitzen am Bildschirm
und beteiligen sich auf diesem „Spielhen DetektivInnen, kein Handschellenplatz für Mörderinnen“ am Cyberkill.
Klicken. Und vor allem: keine PseudoManchmal fängt sie auch Buntes ein,
Psychologie-TäterInnen-Profile, die den
aber: „dieses schöne, warme Licht
Anschein erwecken, das könne ihnen
nie passieren. Frauen wie wir werden zu durchdringt mich nicht, wohl aber diese
Mörderinnen. Das Beiseite-Schaffen von Unschärfe und das Zerschellen von Booprügelnden Männern, sexgeilen Vorge- ten an Küsten.“ Beklemmenden und befreienden Texten wie diesen kann ich
setzten oder uneinsichtigen Nachbarn
nicht widerstehen, denn den scheinbar
scheint oft die letzte noch verleibende
Chance, um einer ausweglosen Situati- übermächtigen Fernsehbildern können
on zu entkommen. Magda mausert sich gar nicht genug messerscharfe Worte
entgegengesetzt werden.
in Sissi Grubers „Die Geburt“ von der
gemobbten Angestellten zum Vamp –
Gabi Horak
und der Chef hat nicht lange was zu
stöhnen ... Ein Schönheitschirurg bePetra Ganglbauer: Manchmal rufe ich dorthin.
stellt die Rächerin einer seiner PatienMilena 2004, Euro 15,90 (Ö)
Daniela Fohn
Fo t o : U N I K U M
lese.zeichen
Aus dem Zusammenhang gerissen
Profil Nr. 2 vom 10.01.2005, S. 37: „Meinungsforscher orten
Gefahr in Verzug: In Österreich gibt es ernste Indizien für
eine neue Welle von Ausländerfeindlichkeit. (...) Bei der
Frage ,Angenommen, zur Sicherung des Pensionssystems
gäbe es zwei Möglichkeiten: später in Pension oder mehr
Zuwanderung – wofür würden Sie sich entscheiden?’ waren nur 20 Prozent für Zuwanderung, eine absolute Mehrheit von 52 Prozent war bereit, später in Pension zu gehen,
blieben nur die Ausländer draußen. Eine zweite Kontrollfrage erbrachte dasselbe Ergebnis: Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit würden die Österreicher eher eine Reduktion der Löhne hinnehmen als die Beschäftigung billiger Ausländer. (...) Im Sommer plädierten nur 35 Prozent
der Österreicher für ein Ausländerwahlrecht auf Gemeindeebene. Im August waren 38 Prozent der Österreicher
strikt gegen jede Zuwanderung, weitere 43 Prozent wollten diese nur nach strenger Selektion zulassen. (...) In derselben Umfrage meinten 57 Prozent, die österreichische
Asylpolitik müsse künftig „strenger“ werden; nur 19 Prozent waren für mehr Liberalität.“
Profil Nr. 3 vom 17.01.2005, S. 34:„So können Asylwerber dazu
verdonnert werden, sich einmal täglich bei der Polizei zum
Rapport einzufinden. (...) Kommt ein Asylwerber zu spät zu
einem Termin, droht eine „Beugestrafe von bis zu 726 Euro“ –
angesichts der wirtschaftlichen Lage von Asylwerbern ein
existenzbedrohendes Szenario. Vergisst ein Asylwerber den
Termin, kann er gar sechs Wochen lang in Beugehaft genommen werden. Laut Experten ist diese Bestimmung verfassungswidrig, weil innerhalb angemessener Zeit keine richterliche Kontrolle der Haft vorgesehen ist. (...) Künftig kann
die Fremdenpolizei Schubhaft verhängen, noch bevor ein
rechtskräftiger Ausweisungsbescheid ausgestellt ist.“
Profil Nr. 3 vom 17.01.2005, S. 11: „Der Ex-Innenminister ist
als neuer Billa-Chef im Gespräch.“
Tja, alles aus dem Zusammenhang gerissen. Klar, wie denn
sonst?! Natürlich, alles zusammenhanglos! Und die Erde ist
übrigens eine Scheibe.
februar 2005an.schläge 41
Fo t o s : A r c h i v
ge.sehen
Heroine im Ruderleiberl
Die Filmindustrie zitiert mit ihren Actionheldinnen zumeist platte Klischees. Eine Bestandsaufnahme von Angelika Pelikan
Seit den Anfängen des Films
wurden im Actiongenre einige
Helden geboren, groß gezogen
und in manchen Fällen sogar
zum Mythos hochgeadelt. Waren diese Helden in den vergangenen
Jahrzehnten überwiegend männlich, so
lassen sich spätestens seit den 1970er
Jahren auch vermehrt Actionheldinnen
finden.
Ob nun Jane Fonda in ihrer Paraderolle als Barbarella (1968) oder Milla Jovovich in den Resident Evil-Filmen
(2002/2004), Frauen finden endlich Einzug in das bis dato von Männern dominierte Genre.
Betrachtet man diese Rollen in ihrer Gesamtheit, dann lässt sich schnell
feststellen, dass die Actionheldin – im
Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen – nie eindeutig zu positionieren
und auch zu definieren ist. Sie ist geprägt von zwei Extremen. Auf der einen
Seite räkelt sich die Fleisch gewordene
und überaus erotische (Männer–?) Fantasie im sexy Outfit mit betont femininer Note. Die maskulin anmutende, distanzierte und rohe Heldin, die den
männlichen Actionhelden jederzeit das
Wasser reichen kann, repräsentiert auf
der anderen Seite genau das Gegenteil.
Hart oder zart. Pamela Anderson als Barb
Wire (1996) oder Halle Berry als Catwoman (2004) haben bewiesen, dass sie
ihren Feinden vorwiegend optische Rei42 an.schlägefebruar 2005
ze entgegensetzen. Diese aufreizende
Heldin wandelt durch die – von Kritikern und Publikum gleichermaßen –
nicht ernstgenommenen Filme, als würde sie einen Catwalk entlang stolzieren.
Sie zeichnet sich durch enge, figurbetonte und tief dekoltierte Kleidung aus,
die sie – immer perfekt gestylt – mit
scheinbar angeborener Leichtigkeit und
stets auf hochhackigen Schuhen auf
sinnlich-feminine Art im Kampf gegen
ihre (meist männlichen) Gegner zum
Besten gibt. Ihre Waffen benutzt sie auf
eine spielerisch-infantile, aber dennoch
überaus erfolgreiche Art.
Im krassen Gegensatz dazu können
RezipientInnen die am anderen Ende
der Skala angesiedelten Actionheldinnen bewundern. Bereits in Männerunterhemden aufgewachsen und mit den
übelsten verbalen Fertigkeiten ausgestattet, besitzt diese Heroine meist eine
militärische Ausbildung, den Hang zu
Glatzen und schmutzigen, verschwitzten Outfits, sowie eine körperliche Verfassung, die viele Berufssoldaten vor
Neid erblassen lassen würden. Ob nun
Demi Moore als G.I. Jane (1997) oder Sigourney Weaver in den Alien-Filmen
(1979-1997), diese Heldin ist stark, gefürchtet und nicht zu unterschätzen.
Was aber steckt dahinter? Ist die
Figur einer Actionheldin entweder nur
in einer unrealistisch betont sexuellanzüglichen Form, oder als „vermännlichte“ Heroine denkbar? Wo sind die
Durchschnittsfrauen, die realistischer
Weise eine Identifizierung mit der dargestellten Rolle ermöglichen? Wo die
Frauen, die an manchen Körperstellen
vielleicht etwas zu viel haben, Fehler zulassen und Mut zur Schwäche zeigen?
Hoffnungsschimmer. Seit ein paar Jahren
tritt nun eine neue Spezies an Actionheldinnen auf der Bildfläche in Erscheinung. Attraktive, intelligente und starke
Frauen geben zu verstehen, dass das
Actiongenre und seine Heldinnen eine
neue Ära antreten.
Alexa Woods zeigt es in Alien vs.
Predator vor. Die neuen Heldinnen sind
beruflich erfolgreich und Spezialistinnen auf ihrem Gebiet. Durch Extremsituationen (Katastrophen, Ermordung eines geliebten Menschen) werden sie zu
Heroinen, die keine sind und auch keine
sein wollen, aber gerade deswegen zu
solchen werden. Diese Frauen können
alles schaffen. Sie erlernen nebenbei die
Handhabung einer Waffe oder wie man
den mutmaßlichen Feind schnell und
unkompliziert beseitigt. Trotz oder gerade wegen der ursprünglich nicht zu diesem Genre passenden Herkunft sind
diese Heldinnen sensibel – ohne verweichlicht zu erscheinen – und außerordentlich weiblich – und das, ohne in
zu engen Shorts und mit einem Hauch
von verruchter Unanständigkeit hinternwackelnd und kamerawirksam von
Szene zu Szene zu laufen.
❚
Fo t o : I n g e P r a d e r
musik.tanz
an.künden
3.2., 20.00, Wien
drum´n balkan: BULGARA
Sargfabrik, 14., Goldschlagstraße 169,
Karten: T.01/249 24 od.
im Cafe-Restaurant Sargfabrik,
www.sargfabrik.at
10.-12.2., 20.30, Wien
Pilottanzt. Follow the Flow
Tanzquartier Wien, Halle G, 7.,
Museumsplatz 1,
T. 01/581 35 91,
www.tqw.at
17.2., 20.00, St. Pölten
Österreich tanzt. „4 Uraufführungen“.
Choreographie: Catherine Guerin
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected], www.bih.at
17.-19.2., 20.30, Wien
LES BALLETS C. DE LA B.
1-2-3/ Propositions
Tanzquartier Wien, Halle G, 7.,
Museumsplatz 1, T. 01/581 35 91,
www.tqw.at
19.2., 20.00, St. Pölten
Österreich tanzt. Tanz Company
Gervasi. 7 Interiors
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected], www.bih.at
19.2., 22.2., 10.30, St. Pölten
Österreich tanzt. tanztheater
homunculus. Red Caps/ Rotkäppchen
reloaded, für ein junges Publikum
ab 7 Jahren
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected] , www.bih.at
24.2., 20.00, St. Pölten
Österreich tanzt. Laroque Dance
Company – Helene Weinzierl.
TROPEA couch potatoes’ paradise
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected], www.bih.at
24.-26.2., 20.30, Wien
Tanz Company Gervasi.
Bell Bottoms
Tanzquartier Wien, Halle G, 7.,
Museumsplatz 1, T. 01/581 35 91,
www.tqw.at
26.2., 20.00, St. Pölten
Österreich tanzt. Tanz Atelier Wien.
Land – Body – SCAPE
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected], www.bih.at
1.3., 20.00, St. Pölten
Marianne Mendt präsentiert:
„Jazz-Mendt-Live“
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/211 30,
[email protected], www.bih.at
film
ab Jänner
Agnes und seine Brüder.
Mit Katja Riemann
in den österreichischen Kinos
ab Jänner
Schau mich an. R. Agnès Jaoui
in den österreichischen Kinos
ab 20.1., Wien
Things.Places.Years, Österreich/GB,
R. Simone Bader & Jo Schmeiser
Topkino, 6., Rahlgasse 1, T. 01/208 30 00,
www.topkino.at
ab Februar
Sophie Scholl. Mit Julia Jentsch
in den österreichischen Kinos
Zaramonie
Unter dem Motto „Mit Lebensfreude gegen Hass“ organisiert ZARA ein Benefizclubbing für Zivilcourage und gegen Rassismus: ZARA:MONIE, shake them & awake ‘em. Eröffnet wird die Veranstaltung von Lucy McEvil (Foto),
die Floors werden von H.A.P.P.Y. und Homoriental bespielt, zwischendurch gibt’s Mode- und Frisurenschauen.
Der Erlös der ZARA:MONIE kommt der Aufrechterhaltung der Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von
Rassismus zugute.
12.2., ab 21.00, Palais Auersperg, 8., Auerspergstrasse 8, www.zaramonie.at
22.2., Wien
As She Likes It. Female Performance
Videoart
Topkino, 6., Rahlgasse 1, T. 01/208 30 00,
www.topkino.at
t h e a te r . ka b a r e t t
1.-5., 16., 17. u. 22.-24.2., 20.00, Wien
HAUS, FRAUEN, SEX.
Von Margit Schreiner
Rabenhof Theater, 3., Rabeng. 3, Karten:
T. 01/712 82 82 od. www.rabenhof.at
1. u. 8.2., 19.30, Wien
Glück mit Gerlinde.
Mit Susanne Draxler
Theater Akzent, 4., Theresianumgasse 18,
T. 01/501 65 33-06, [email protected]
4.3., 19.30, Wien
Die Vagina Monologe. Mit Sonja
Kirchberger, Marianne Mendt und
Julia Stemberger
Ronacher, 1., Seilerstätte 9, Karten:
T.01/588 85 od. www.wien-ticket.at
5., 8., 9., 13., 15., 19., 20., 22. u. 24.2.,Wien
Der Held der Frauen.
R. Anna Maria Krassnigg
Schauspielhaus, 9., Porzellangasse 19,
T. 01/317 01 01, www.schauspielhaus.at
10.-12., 14.-16. u. 17.-19.2., 20.00, Wien
Frauen Krieg Lustspiel,
R. Susanne Lietzow
dietheater Konzerthaus, 3.,
Lothringerstraße 20, T. 01/587 05 04,
www.dietheater.at
12.2., 20.00, Wien
Protest Song Contest 05
Rabenhof Theater, 3., Rabeng. 3,
Karten: T. 01/712 82 82 od.
www.rabenhof.at
4.3., 20.00, St. Pölten
Stefanie Werger: „Frauen wollen nur
das Eine!“
Bühne im Hof, 3100 St. Pölten,
Linzer Straße 18, T. 02742/21130,
[email protected] , www.bih.at
s e m i n a r . w o rk s h o p
ab 3.2., 18.30-22.00, Wien
Sappho. Therapeutische Gruppe für
lesbische und bisexuelle Frauen.
Leiterin: Christine Swarowsky
6., Windmühlgasse 15/1/Tür 7, Kosten p. A.:
48,- Euro, Anm.: T. 01/585 69 66 od.
[email protected],
Termine : 3.2, 24.2., 17.3., 31.3., 14.4., 28.4.,
19.5., 2.6., u. 23.6.
5.2., 15-18.00, Salzburg
betrifft: Alleinerziehende. Kreativ
Konflikte mit Kindern lösen,
Offenes Treffen
St. Virgil Salzburg, 5026 Salzburg-Aigen,
Ernst-Grein-Straße 14, T. 0662/659 01,
www.virgil.at, [email protected]
9.2., 16-17.30, Graz
Verein Frauenselbsthilfe nach
Brustkrebs. Kochen mit Soja
Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98
10.2., 17-19.00, Graz
Selbsthilfegruppe: Angst- und
Panikattacken
Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98
10.2., 19.00, Graz
Ungewollt schwanger? Pille Danach,
die Spirale als Notfallverhütung und
Schwangerschaftsabbruch
Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98
12. u. 13.2., 9.00, Salzburg
Meine Seele ist eine leidenschaftliche
Tänzerin. Bettina Brentano ein bewegendes Frauenleben in der Romantik
St. Virgil Salzburg, 5026 Salzburg-Aigen,
Ernst-Grein-Straße 14, T. 0662/659 01,
www.virgil.at, [email protected]
ab 17.2., 17-19.30, Wien
frauengeschichte(n) und literat(o)uren.
schreibWERKstatt für Frauen mit
Anni Bürkl
VHS Urania, 1., Wiener Urania, 01/712 61 91-0,
[email protected],
Kosten: 67,50 Euro
ab 18.2., 18-20.00, Wien
Literaturgruppe „Mit allen Sinnen“.
Schreibwerkstatt mit Anni Bürkl
VHS Landstraße, 3., Hainburgerstr. 29,
T. 01/715 08 00, [email protected], vierzehntägig, Kosten: 48.- Euro für sieben Abende
ab 25.2., 18-20.00, Wien
Vom Duft des Doppelpunktes.
Schreibwerkstatt mit Petra Öllinger
VHS Landstraße, 3., Hainburgerstr. 29,
T. 01/715 08 00, [email protected], sieben
Abende: 11.3., 8.4., 22.4., 6.5., 3.6. & 17.6.,
jew. 18-20.00, Kosten insg.: 70.- Euro
v o r t r a g . d i s ku s s i o n
bis 3.2., ab 12.00, Salzburg
GESCHLECHT MACHT UNTERSCHIED.
Genderperspektiven für Organisationsentwicklung und Gemeindeberatung
St. Virgil Salzburg, 5026 Salzburg-Aigen,
Ernst-Grein-Straße 14, T. 0662/65901,
www.virgil.at, [email protected]
4.2., 19.00 u. 5.2., 14.30, Wien
Spektakel – Kunst – Gesellschaft. Guy
Debord und die Situationistische Internationale. Symposium im Rahmen der
Ausstellung „bildet to-do-stapel“
Kunsthalle Exnergasse, WUK, 9.,
Währingerstraße 59, 2. Stiege, 1. Stock
25.2., 19.00, Wien
Öffentlichkeiten des Prekariats. Screenings und Diskussion: A la deriva, por
los circuitos de la precariedad feminina.
Mit Christina Vega und Maggie Schmitt
Depot, 7., Breitegasse 3,
www.republicart.net
26.2., 19.30, Linz
Öffentlichkeiten des Prekariats. Screenings und Diskussion: A la deriva, por
los circuitos de la precariedad feminina.
Mit Christina Vega und Maggie Schmitt
MAIZ, 4040 Linz, Hofgasse 11,
www.republicart.net
februar 2005an.schläge 43
an.künden
a k t i v i t ä te n
a u s s te l l u n g
bis 7.2., Linz
Paula’s Home
Lentos Kunstmuseum Linz, 4020 Linz,
Ernst-Koref-Promenade 1,
T. 070/7070-3600, www.lentos.at,
tägl. außer Di 10-18.00, Do 10-22.00
bis 18.2.
That’s new! Fotografie
IG Bildende Kunst, 6., Gumpendorferstraße 10-12, T. 01/524 09 09
bis 20.2., Wien
Valie Export: Serien
Atelier Augarten, 2., Scherzerg. 1a,
T. 01/795 57-134, www.atelier-augarten.at,
Di-So 10-18.00
bis 26.2., Wien
FUNKY LESSONS
BAWAG Foundation, 1., Tuchlauben 7a,
www.bawag-foundation.at,
Mo-Sa 10-18.00 Uhr
bis 28.2., Linz
Monika Oechsler: Parallel States
Lentos Kunstmuseum Linz, 4020 Linz,
Ernst-Koref-Promenade 1,
T. 070/7070-3600, www.lentos.at,
tägl. außer Di 10-18.00, Do 10-22.00
bis 6.3., Wien
Ceija Stoika. Leben
Simon Wiesenthal-Raum, Museum
Judenplatz, 1., Judenplatz 8, Mo-Do
10-18.00, Fr 10-14.00, So 10-18.00,
T. 01/535 04 31, www.jmw.at
bis 27.3., Wien
Katya Sander
MUMOK Factory, 7., Museumsplatz 1,
T. 01/525 00, www.mumok.at,
Di-So 10- 18.00, Do 10-21.00
bis 3.4., Wien
Die Liebens. 150 Jahre einer Wiener
Familie
Jüdisches Museum Wien. 1.,
Dorotheergasse 11. T. 01/535 04 31,
www.jmw.at, So-Fr 10-18.00, Do 10-20.00
bis 24.4., Wien
Das neue Europa. Kultur des Vermischens und Politik der Repräsentation
Generali Foundation, 4., Wiedner Hauptstraße 15, T. 01/504 98 80, foundation.generali.at, Di-So 11-18.00, Do bis 20.00
11.2.-10.4., Klosterneuburg
VALIE EXPORT - Eine Werkschau
Sammlung Essl - Kunsthaus,
3400 Klosterneuburg, An der Donau-Au 1,
T. 02243/370 50,
www.sammlung-essl.at
25.2.-6.6., Linz
Just do it! Die Subversion der Zeichen
von Marcel Duchamp bis Prada
Meinhof
Lentos Kunstmuseum Linz, 4020 Linz,
Ernst-Koref-Promenade 1,
T. 070/7070-3600, www.lentos.at,
tägl. außer Di 10-18.00, Do 10-22.00
lesung
11.2., 20.00 bis 12.2., 9.00, Mattersburg
Die Märchennacht. Eine Lesenacht
von Andersen- und anderen
Märchen für Kinder von 8-11
Literaturhaus Mattersburg,
7210 Mattersburg, Wulkalände 2,
Anm.: T. 02626/677 10 13
24.2., 19.00, Wien
Sisters in Crime präsentieren:
Christine Grän: Marx, my love
(C. Bertelsmann) und Lisa Lercher:
Ausgedient (Milena Verlag)
Hauptbücherei am Gürtel, 7.,
Urban-Loritz-Platz 2a,
Veranstaltungssaal
44 an.schlägefebruar 2005
9.2., 19-24.00, Wien
Venus im Bade
Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169,
www. sargfabrik.at, Infos: T. 01/988 98-120
oder [email protected]
12.2., ab 14.00, Wien
LESBEN und SCHWULE SCHWIMMEN:
Vienna Valentine Turnier
Floridsdorferbad, 21., Franklinstraße 22,
Organisation: Sportverein Aufschlag, 6.,
Linke Wienzeile 102, [email protected],
Infos: austrogames.gay.or.at
16.2., 18-24.00, Wien
public bath house
Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169,
www. sargfabrik.at, Infos: T. 01/988 98-120
oder [email protected]
f i x te r m i n
Montag
Encountergruppe für Lesben und
Frauen, die sich DA nicht so sicher
sind
Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,
T. 01/895 84 40, e-mail: [email protected], jeden 2. und 4. Mo, 19.30-21.00,
Anm. erforderlich
Frauencafé
autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz,
Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00,
www. frauenzentrum.at,
jeden Mo 18.00-22.00
Freizeittreffpunkt des Rechtskomitees
Lambda für politisch und rechtlich
interessierte Schwule und Lesben
X-Bar, 6., Mariahilferstr. 45/Raimundpassage 2, jeden 1. Mo
Vereinscafé Anchorage. Das Cafè der
erfüllbaren Wünsche: Offen für alle
Frauen und Lesben
Autonomes FrauenLesbenzentrum,
6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,
T. 0512/580 839, www.frauenlesbenzentrum.at, ab 20.30
„Zwischen den Welten“ – Mamazonen.
Erfahrungsaustausch für lesbische
[Co]Mütter.
Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29,
T. 01/89 58 440, www.frauensache.at,
UKB: 3,6.-/Abend, Anmeldung erforderlich,
jeden 1. Mo 19.30
Dienstag
Frauenlaufgruppe Hollabrunn.
Mit Sylvia Möstl
Treffpunkt: Parkplatz des ATSV,
2020 Hollabrunn, jeden Di 9.00
Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA
4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/55 6 40,
[email protected], jeden Di 14.00-18.00
Dick und fit – Sport, Spiel und Körperspass. Leiterin: Karin Weingartmann
8010 Graz, Volksschule Brockmanng. 119,
Anm. erforderlich: T. 0316/83 79 98-30,
jeden Di 19.00-21.00
Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu
sehr lieben“
Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20,
T. 0316/716 02 20, [email protected],
jeden Di 19.30-21.00
Babykino. Für Mütter und Väter mit
Babys ein Film aus dem aktuellen
Angebot, bei dem Kleinstkinder in
den Kinosaal mitgenommen werden
können
Votivkino, 9., Währinger Straße 12,
T. 01/317 35 71, www.votivkino.at/1program/babyprog.htm, jeden Di 11.00
Literaturhaus Mattersburg, 7210
Mattersburg, Wulkalände 2,
jeden Mi 19.00. Anm.: T. 02626/677 10
Frauencafé
Jugend- u. Kulturhaus AGATHON,
3002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49,
Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20,
jeden 1. Mi
Mittwochs-Frauentratsch mit
Netzanschluss
Frauenberatungsstelle Freiraum,
2620 Neunkirchen, Wiener Str. 4/9,
T. 02635/611 25, e-mail: freiraumfrauen@
utanet.at, jeden 1. Mi im Monat
Transgendertreff
HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg,
Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/435 927-27,
www.hosi.or.at, jeden 2. und 4. Mi
ab 20.00
Dick und fit – Schwimmen.
Leiterin: Karin Weingartmann
Schwimmhalle ATG, 8010 Graz,
Kastellfeldg. 8, T. 0316/8379 98-30,
jeden Mi 17.00-18.00; Anm. erforderlich!
Frauen aller Länder-Café
Frauen aus allen Ländern,
6020 Innsbruck, Schöpfstrasse 4,
T. 0512/564 778, 14-18.00
Vereinscafé Anchorage. Das Cafè der
erfüllbaren Wünsche: Offen für alle
Frauen und Lesben
Autonomes FrauenLesbenzentrum,
6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,
T. 0512/ 580839, www.frauenlesbenzentrum.at, jeden Mi 20.30
Dein Körper – Deine Verbündete.
Leitung: Andrea Scheutz
(Psychotherapeutin)
Internet-Café für Frauen und Mädchen. Auch Anfängerinnen.
Kinderbetreuung
Geheimer Garten für Frauen
und Mädchen
Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29.
T. 01/895 84 40, e-mail: [email protected], jeden 2. Mi, 18.00-19.30,
Anm. erforderlich!
Jour Fixe für lesbische Frauen
über 50. Leitung: Andrea Scheutz
(Psychotherapeutin)
Gesprächsgruppe für Frauen in
Patchwork-Familien
Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8,
T. 01/581 09 60, Kosten: 1,50 Euro,
jeden Mi 18-20, keine Anm. erf.,
Kekse/Tee willkommen
Zeit!Raum, 15., Braunhirscheng. 33-37,
T. 01/895 72 67, jeden Mo 15-18.00
Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,
T. 01/895 84 40, e-mail: [email protected], jeden 1. und 3. Mo 19-20.30
„Lesbentutorium“ an der Uni Wien
UFO, 9., Berggasse 5/24, jeden Mo ab 19.00
Politisches Café im Frauencafé
autonomes Frauenzentrum,
4020 Linz, Humboldtstr. 43,
jeden 1. Mo ab 19.00
15., Reichsapfelg., Infos: Zeit!Raum
Stadtteilprojekt, T. 01/895 72 67,
www.zeitraum.co.at
Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,
T. 01/89 58 440, Anm. erf., 14-tägig
Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen
aller Altersgruppen
Autonomes Frauenzentrum, 9.,
Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock,
Info: T. 01/545 43 93
Mittwoch
Schreibwerkstatt für Frauen.
Mit Fini Zirkovich
Frauen-Treffpunkt
Frauenfest im U4
U4, 12., Schönbrunner Str. 222, jeden 1. Mi
im Monat, ab 22.00
Gesprächsgruppe für Frauen mit
sexuellen Gewalterfahrungen.
Leitung: Bettina Reisch
Räumlichkeiten des Notrufs, 17.,
Telefonische Anmeldung: T. 01/523 22 22,
www.frauenweb.at/notruf,
Dauer: 1 Jahr, 14–tägig,
Kosten: 16.- Euro/Termin
Lesben-Fußballgruppe AufschlagBALLerinas
PAHO-Halle, 10., Jura Soyfer G. 3,
Garderobe 2, aufschlag.gay.or.at,
Training jeden Mi 19.30-21.30
Lesbengruppe
HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40,
T. 01/216 66 04, www.hosiwien.at,
jeden Mi ab 19.00
Morgengruppe „Carpe diem“ –
Körpertherapeutisch orientierte
Jahresgruppe für Frauen.
Leiterin: Renate Frotzler-Dittrich
Verein „Frauen beraten Frauen“, 6.,
Lehárgasse 9/2/17, Voranm.:
T. 01/587 67 50, Kosten: 11,– Euro,
jeden Mi 9-10.30, Einstieg jederzeit
möglich
Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen und Frauen in Trennungssituationen
Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen, 1.,
Stephanspl. 6/V/30, jeden 1. u. 3. Mi,
18.00-20.00, Anm. Frauen beraten Frauen,
T. 01/587 67 50
Offenes Atelier für Frauen.
Kunsttherapeutin: Anna Rakos
18., Hofstattgasse 15/10, Info und
Anmeldung: T. 01/478 63 88, Kosten: 15 .-/
Abend (Material inbegriffen),
jeden 1. Mi von 19-21.00
Que(e)r-Beisl
Ernst Kirchweger Haus, 10., Wielandg. 2-4,
www.raw.at, jeden Mi, 18.30-24.00
Resis.danse. FrauenTanzClub.
Tanzabend
Café Standard, 5., Margaretenstraße 63,
Infos: www.resisdanse.at, ab 21.00
Donnerstag
HelpChat „Halt der Gewalt“
Der Helpchat www.haltdergewalt.at
bietet anonyme Hilfestellung,
jeden Do 20.00-23.00
Ungehalten – gehalten. Schwimmkurs für Frauen. Leiterin: Theresia
Blatnek-Wondraczek
Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910,
Galgenbergstr. 2, T. 2822/522 71-0,
Do 19.00-20.00
„Komm Oma – surf mit mir!“
Internet-Café für Jung und Alt
Frauentreff Rohrbach, 4150, Stadtplatz 16,
T. 07289/66 55, keine Anm. erf., Surfgebühr: 1,50 Euro/Stunde, jeden Do 15-18.00
Regenbogen Stammtisch
Gasthaus Zur Brücke, 4840 Vöcklabruck,
Vorstadt 18, T. 0699/1134 1214, ab 20.00
an.künden
Lesbenabend
HOSI Vereinszentrum, 5020 Salzburg,
Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/435 927-27,
www.hosi.or.at, jeden 3. Do ab 19.00
Offener Abend
Hosi-Lokal, 6020 Innsbruck, Innrain 100,
www.queertirol.com, T. 0512/562 403,
jeden Do 20.30
HOSI-Jugendabend
HOSI Wien, 2., Novaragasse 40,
jeden Do ab 19.00
Muttertag. Kostenlose Kinderbetreuung
Anm.: ega, 6., Windmühlg. 26,
T. 01/589 80–0, jeden Do 14-19.00
Psychotherapeutische Selbsterfahrungsgruppe für Frauen, Lesben und
Mädchen. Mit Barbara Tiwari
FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6,
Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54,
jeden Do 17.30-19.00
Schmökern, gustieren, plaudern, Tee
trinken, Bücher kaufen
Botschaft der besorgten Bürgerinnen, 1.,
Ballhausplatz 1a, jeden Do 17.00-19.00
Freitag
Treffpunkt für junge Lesben bis 25
HOSI Linz, 4020, Schubertstr. 36,
T. 0732/609 898, jeden 2. u. 4. Fr ab 20.00
Welser Frauen-Stammtisch –
gemütlicher Frauentreffpunkt
Schubert-Stüberl, 4600 Wels,
Schubertstr. 13, jeden 4. Fr ab 20.00
Frauencafé der Rosa-Lila-Pantherinnen – der Abend für Lesben und
Freundinnen
Feel Free, 8010 Graz, Rapoldg. 24,
www.rlp.homo.at/frauencafe, jeden Fr 1923.00, Info unter T. 0316/366 60-1
Frauen aller Länder-Café
Frauen aus allen Ländern, 6020 Innsbruck,
Schöpfstraße 4, T. 0512/564 778,
19-23.00
Vereinscafé Anchorage. Das Café der
erfüllbaren Wünsche: Offen für alle
Frauen und Lesben
Autonomes FrauenLesbenzentrum,
6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,
T. 0512/580 839, www.frauenlesbenzentrum.at, ab 20.30
Internet-Café von Frauen
für Frauen
abz wien.cybercenter, 6.,
Gumpendorfer Str. 83, T. 01/595 21 55,
jeden Fr 13-19.00, jeden letzten Fr
speziell für Mädchen
Offenes Treffen feministischer
Migrantinnen
Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8,
jeden 1. Fr
Resis.danse. FrauenTanzClub.
Tanzabend
HOSI Wien, 2., Novaragasse 40,
Infos: www.resisdanse.at, ab 21.00
Samstag
Club Anderwelt
6., Theobaldg. 10, jeden 2. Sa ab 22.00
Frauenclub...just the girls
FZ-Bar, 9., Währinger Str. 59/6,
Eingang Prechtlg., T. 01/402 87 54,
jeden 1. Sa ab 21.00
Das neue Europa.
Fo t o : J a s m i l a Z b a n i c´
Mit dem Untertitel „Kultur des Vermischens und Politik der Repräsentation“ weisen die AusstellungsmacherInnen
bereits auf das Spannungsfeld hin, indem sich nach dem Ende der Ost-West-Konflikte die Kunst im neuen Europa
entwickelt. Die Aspekte reichen von weiblichen Perspektiven auf die jugoslawischen Kriege (Jasmila Zbanic,
´ Videostill), über eine neue Kunst des Handelns (Oda Projesi) bis hin zu Rassismen in Sprache und Medien (Marlene
Streeruwitz) und anderen mehr.
^
Widerstandslesung. Künstlerische
Beiträge (lesen, spielen, singen,
feuerschlucken etc.) willkommen:
www.awadalla.at/content/
widerstandslesungen.html
^
Buchhandlung Frauenzimmer, 7.,
Zieglergasse 28, T. 01/522 48 92, e-mail:
[email protected], jeden Do bis 21.00
bis 24.4., Di bis So,11-18.00, Do bis 20.00, Generali Foundation, 4., Wiedner Hauptstr. 15, T. 01/504 98 80, foundation.generali.at
Homoriental. Der multikulturelle Club
für ein lesbisch/schwules Publikum
und FreundInnen
Club Massiv, 3., Untere Weissgerberstr. 37,
[email protected],
Clubmitgliedschaft/Nacht: 6,50 Euro,
jeden 2. Sa
Sonntag
HOSI Sonntagsbrunch @Café Steinschlag
Café Steinschlag, 5020 Salzburg,
Glockengasse 4, Frühstücksbuffet und
Kaffee/Tee, Kosten: 7,-/5,- Euro
(HOSI Mitglieder), jeden 3. So 11.00
Labrys Lounge
Café Barcelona, 8010 Graz, Reitschulg. 20,
Kontakt: Verein Labrys, Martina Kump,
www.labrys.gundl.at, e-mail: labrys@
gundl.at, jeden 1.So, 18.00
Sonntagsfrühstück für Alleinerzieherinnen
Eltern-Kind-Zentrum, 8010 Graz,
Bergmanngasse 10/1, T. 0316/378140,
e-mail: info@ekiz-graz-at,
www.ekiz-graz.at, So 9-12.00
Sonntagsfrühstück. Für Lesben und
interessierte Frauen
Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2,
T. 05574/455 38, e-mail: frauengetriebe@
aon.at, jeden 1. So ab 11.00
Frauenbadefreuden
Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169,
www.sargfabrik.at, Eintritt: 14.-. Bitte um
Anmeldung bis jeweils Samstag!
Per e-mail: [email protected] oder
T. 01/988 98-214, jeden 3. So
Rosa’s TanzBar. Tanzvergnügen für
Lesben und Schwule. Standard und
Latein-Tanz zu ausgesuchten
Lieblingsmelodien
Cheek2Cheek, 8., Lange Gasse 50,
Kosten: 5,- Euro, [email protected],
www.cheek2cheek.at, jeden 4. So ab 19.00
Selbsthilfegruppe Anonyme EssSüchtige
13., St. Veitg. 25, T. 0676/787 91 44,
jeden So 19.30
Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion,
Provokation, feministische Literatur,
veganes Buffet
E.K.H., 10., Wielandg. 2-4, jeden 1. So
Nach Vereinbarung
Aus. Weg. Beim nächsten Mal wird
alles anders? Beratung und Mediation
für schwule und lesbische Paare
aus.weg. 80469 München, Baaderstr. 36/4,
Infos: 0 15 20 / 2 99 11 43,
[email protected], www.aus-weg.de
Frauenberatung
Verein Frauen für Frauen Burgenland,
7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55,
7540 Güssing, Hauptstr. 26,
T. 03322/430 01
Frauenleserunde
Literaturhaus Mattersburg,
7210 Matterburg, Wulkalände 2,
Infos: 02626/677 10 12
Psychologische, juristische und
arbeitsmarktpolitische Beratung
sowie Sozialberatung für Frauen
Die Tür – Frauenservicestelle,
7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2,
T. 02626/626 70, 7000 Eisenstadt,
Joachimstr. 11/2, T. 02682/661 24
Beratung, Gruppen, Kurse, Vorträge
für Frauen. Auch muttersprachliche
Beratung
Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt,
Raugasse 16, T. 02622/825 96.
Mo, Do, Fr 9.00-12.00, Di 17.00-20.00
Beratung im Schwangerschaftskonflikt, bei Verhütungsfragen und
Essstörungen
ISIS, 5020 Salzburg, Willibald Hauthalerstraße 12, T. 0662/442 255
Ganzheitliche Beratung zu Wechseljahren, Brustveränderungen,
Myomen, u.a.m.
Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98,
kostenlos
Körper(Wohl-)Gefühle – Lerne, Dich in
Deinem Körper wohl zu fühlen.
Leiterin: Martina Rainer,
Shiatsu-Praktikerin
F.E.M, 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5771,
Kosten: 23,– Euro
Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz
Mädchenworkshop: Besuch bei der
Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch
Schwangerschaftstest zum Selbstkostenpreis (1,50 Euro), Hilfe zur
Selbsthilfe und Infos zu Schwangerschaftshilfen und/oder Schwangerschaftsabbruch
Medizinische Sprechstunde für
Mädchen und Frauen mit
Essstörungen
Telefon zum Ortstarif: 0810/810 400,
Mo, Do 16.00-19.00; Mi 9.00-12.00
Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98,
Mo-Mi und Fr 9-13.00, Do 15-19.00
Verhütung für Frauen.
Mit Monika Vucsak
Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,
Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, 5.- Euro
Arbeitsgruppe für Frauen mit
sexuellen Missbrauchserfahrungen
in der Kindheit
Frauen beraten Frauen, 1.,
Seitenstetteng. 5/7, Info: T. 0676/717 29 67
Beratung, Kurse, Information für
geistig oder mehrfach behinderte
Frauen und ihre Angehörigen
Verein Ninlil, 3., Untere Weißgerberstr. 41,
T. 01/714 39 39
Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen
Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
T. 01/476 15–5771; Erstgespräch kostenlos! Tel.
Beratung Di 10-12.00 u. Do. 14-16.00 unter
T. 01/476 15-5775 sowie unter [email protected]
Help – Schnelle Hilfe für junge Leute –
Alles muss man nicht alleine schaffen! Leiterin: Martina Nöster,
Kinder- u. Jugendpsychologin
F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 01/476 15-5772,
Erstgespräch kostenlos, weitere 4,– Euro
Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
T. 01/476 15–5771
Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
T. 01/476 15-5771
Schlank & glücklich?
F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
Workshop n. V., Anm./Info:
T. 01/476 15-5771
Sexualberatung – Was Sie schon
lange oder gerade jetzt dringend
besprechen wollten. Leitung: Julia
Kastenhuber, Psychologin
F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
T. 01/476 15-57 71,
Kosten: 10,– Euro /Einzel-oder
Paarberatung
Theaterworkshop „Liebe, Sex & Co“.
Leiterin: Martina Nöster,
Psychotherapeutin
F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,
T. 01/476 15-5772
r a d i o . f i x te r m i n
jeden 1. Mo 18-19.00
Khorschid Khanum – die persischsprachige Frauensendung
Radio Orange 94 MHz
(Telekabel Wien 92,7)
Di 18-19.00
ta mera – an Orten wie diesen.
Von Frauen für Frauen. Von Lesben
für Lesben
Radio Orange 94 Mhz
februar 2005an.schläge 45
an.künden
Fo t o : J o a n M a r c u s
4., 11., 18. u. 25.2., 21-24.00, Wien
Resisdanse Tanzabende. Übungsmöglichkeit in netter Atmosphäre.
women only
Hosi Wien, 2., Novaragasse 4,
Kosten: 1.50.-, www.resisdanse.at,
[email protected]
aus.blick
12.2., ab 21.00, Wien
ZARA:MONIE. Benefizclubbing für
Zivilcourage und gegen Rassismus.
Das Benefizclubbing kommt der Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen
von Rassismus zu Gute und steht
unter dem Motto: „Mit Lebensfreude
gegen Hass“
an.schläge
Palais Auersperg, 8., Auerspergstrasse 8,
www.zaramonie.at
13.2., Wien
XX-Workshop zur Vorbereitung
auf das Turnier LESBEN TANZEN:
XX Competition
Resis.danse – FrauenTanzClub, 2.,
Novaragasse 40, www.resisdanse.at,
[email protected]
18.2., 22.00, Wien
H.A.P.P.Y
WUK, Saal, 9., Währingerstr. 59,
T. 01/401 21 43, www.wuk.at
19.2., 20.00, Graz
Grazer Tuntenball – unter dem Motto:
„Viva la Diva“. Erstmalig werden 36
Frauen diesen schrillsten Ball von
Graz eröffnen. Grazer Congress,
Veranstalter: Verein Rosalila PantherInnen, Karten: 30,- Euro (RLP-Mitglieder: 10,- Euro), VVK: www.homo.at/
tuntenball/bestell.php
Die Vagina Monologe
Nachdem Stars wie Glenn Close, Jane Fonda, Whoopie Goldberg, Susan Sarandon und Meryl Streep die
Vagina Monologe bereits vorgetragen haben, wagt
sich nun auch österreichische Prominenz an das erfolgreiche Stück von Eve Ensler (Foto). Am 4. März
sind Sonja Kirchberger, Marianne Mendt und Julia
Stemberger damit im Wiener Ronacher zu sehen. Die
Berichte von 200 Frauen über ihre Vagina, vom sechsjährigen Mädchen bis zur 72-jährigen Frau, bilden die
Grundlage der Monologe – die Organisation V-day
organisiert die weltweite Aufführung, um damit
Frauenorganisationen zu unterstützen.
Nur am 4.3.! 19.30, Ronacher, 1., Seilerstätte 9, Karten: T.
01/588 85 oder www.wien-ticket.at
Mi 20.05-20.20
Das Frauenzimmer. Die Plattform für
eine frauenspezifische Information
Fr 19-20.00
SPACEfemFM. Frauenradio,
jeden 1., 3. u. 4. Fr
Mi 17-18.00
femme totale – feminist.
Radioprogramm
Fr 18-19.00
Abwechselnd: Dyketime – Radiomagazin für Lesben/Frauenforum
Freies Radio Salzburg, FM 94 MHz
radio helsinki , 92,6 MHz (Graz)
Mi 18-19.00
Abwechselnd: orangina Fanzine
zu Mädchennetzwerken in
der Subkultur/bauch.bein.po
Die Sendung für die ganze Frau
Radio Orange 94 MHz
Do 18-19.00
HOSI Lesbenradio ( jeden 1. Do),
La manifesta (2. Do), Görls linkup
(3. Do), Lourdes (4. Do)
Radio Orange 94 Mhz
Fr 16.30-17.30
SPACEfemFM. Frauenradio,
jeden 1. u. 3. Fr
Radio FRO, 105 MHz (Linz)
46 an.schlägefebruar 2005
Radio FRO. 105,0 MHz (Linz)
Radio Helsinki, 92,6 MHz (Graz)
Fr 18-19.00
Radio UFF. Das Radio des Unabhängigen Frauenforums
Radio Orange 94 MHz, jeden 1. Fr
Rosa-Lila PantherInnen im „feel free“,
8010 Graz, Rapoldgasse 24, T. 0316/36 66 01,
[email protected], www.rlp.homo.at
19.2., ab 21.00, Wien
ladyspace. Ladyfest–Solifest fürs EKH,
offen für Ladies of all Genders, live:
rhythm king and her friends (berlin) –
queer/feministische Bands und DJs
EKH, 10., Wiehlandgasse 2–4,
Solibeitrag: 5,– Euro
Cafe Standard, 5., Margaretenstraße 63/
Ecke Straußeng., Kosten: 1,50 Euro,
www.resisdanse.at,
[email protected]
thema
Schwerstarbeit
Auch wenn es die Regierung nicht wahrhaben will:
es gibt viel mehr Berufe, in denen Frauen Schwerstarbeit leisten, als öffentlich anerkannt wird. Die
an.schläge möchten deren Leistung sichtbar machen.
kultur
Das neue Europa
Eine interessante Ausstellung versucht eine kulturelle und politische Neudefinition von Europa. Vermischung und Zusammenwachsen der Kunst prallen
auf Rassismus und Dominanzverhalten.
25.2., 21-4.00, Wien
Linke Emanzen Fest, Veranstalterin:
Linke Emanzen Crew (Frauen von
Grüne Andersrum) und die Grünen
Frauen Wien, women only
Aera, Gonzagagasse 11/Ecke Werdertorgasse, Solifest für das Frauencafe,
Solibeitrag: 3,- Euro
diverses
12.2.,12.30-15.30 u.13.2.,14.30-17.30,Wien
Resisdanse: Tango (classico), ab Aufbau II, neue Figuren und Charakteristik des Tanzes
Cafe Standard, 5., Margaretenstraße 63/
Ecke Straußeng., Kosten: 36.- Euro,
www.resisdanse.at,
[email protected]
23.2., 19.00, Wien
Präsentation des Rosa Lila Tip
Jahresberichtes 2004
Rosa Lila Tip Lesbenberatung,
Rosa Lila Villa, 6., Linke Wienzeile 102,
T. 01/ 586 81 50,
Mo, Mi, Fr, 17-20.00
tanz.fest
2., 9., 16. u. 23.2., 21-24.00, Wien
Resisdanse Tanzabende.
Übungsmöglichkeit für ALLE
Tanzbegeisterten
im märz
Redaktionsschluss
Termine 3/05: 8.02.05
[email protected]
an.schläge gibts in folgenden Buchhandlungen
Kuppitsch
Morawa
Winter
Zentralbuchhandlung
Ebbe & Flut
Südwind
Frauenzimmer
Kunsthalle Shop
Prachner
Riedl
Averroes
Leporello
Löwenherz
Südwind
Yellow
Auhof
Kulturver. Waschaecht
Paracelsus
Leykam
1010
1010
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1030
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1090
1090
4040
4600
5020
8010
Schottengasse 4
Wollzeile 11
Landesgerichtsstr. 20
Schulerstr. 1-3
Radetzkystr. 11
Mariahilferstr. 8
Zieglergasse 28
Museumsquartier
Museumsquartier
Alser Str. 39
Schwarzspanierstr. 20
Liechtensteinstr. 17
Berggasse 8
Schwarzspanierstr. 15
Garnisongasse 7
Altenbergerstr. 40
Dragonerstr. 22
Steingasse 47
Stempfergasse 3
an.schläge
Nr. 02/05, februar 2005/19. Jahrgang, e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,– , P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M