Die Evolution des LEGO sortierens

Transcription

Die Evolution des LEGO sortierens
Die Evloution des LEGO sortierens
Nehmen wir mal an, man beendet seine "Dark Ages" und kauft sich ein Lego-Set. So wird es
sicher den meisten hier ergangen sein.
Phase 1
Das eine Set sortiert man natürlich nicht. Entweder lässt man es aufgebaut oder bewahrt die Teile
im Originalkarton auf.
Durch das eine Set wieder so richtig mit dem Lego-Virus infiziert, kauft man sich aber schon bald
das nächste. Dann noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Und noch ein großes. Da kommen
schon ein paar Steine zusammen. Und es werden sehr schnell sehr viel mehr, als man in seiner
Kindheit je hatte.
Phase 2
Also beginnt man, sein Lego zu sortieren. Zuerst mal nach Sets, immer schön in den Kartons.
Und die Sammlung wächst.
Phase 3
Irgendwann ist man es leid, die Kartons umzustapeln und schmeißt alle Legos zusammen in den
größten Karton. Oder, wenn man noch keinen Star Destroyer besitzt, in eine Curver-Kiste. Oder
in den Lego-Jeanssack, den man letztens bei ebay ersteigert hat.
Man gewöhnt sich allmählich an die Geräuschkulisse beim Bauen. Die, die nun mal entsteht,
wenn man in drei Kilo Steinen seine einzige transparent-rote 1x1-Platte sucht.
Und die Sammlung wächst: Man holt die Legos seiner Kindheit bei den Eltern aus dem Keller.
Phase 4
Die Sucherei nervt allmählich. Also beginnt man, sein Lego nach zwei Kategorien zu sortieren:
Normale Steine kommen in die eine Kiste, Andere Steine in eine zweite.
Und die Sammlung wächst.
Phase 5
So geht das nicht weiter, das ist ja alles durcheinander. Man akzeptiert, dass Legos ab einer
bestimmten Menge eben sortiert werden müssen und beginnt damit, die Steine nach Farbe zu
trennen.
Und die Sammlung wächst.
Phase 6
Die Sortierung nach Farben hat sich bewährt. Aber was macht man mit den Minifigs? Hände und
Köpfe abtrennen und in die gelbe Kiste stecken? Das kommt einem doch ein bisschen zu pingelig
vor. Also erweitert man sein Sortiersystem: Minifigs bekommen eine eigene Box. Räder ebenfalls.
Von denen hat man seit dem letzten Flohmarktkauf sowieso viel zu viele. Und die Grundplatten
lehnt man irgendwo an die Wand.
Und die Sammlung wächst.
Phase 7
Man kapituliert vor der Steinmenge, opfert einen Samstag und organisiert sich neuen Stauraum.
Curver-Kisten zum Beispiel, Frischhaltebeutel oder Kleinteilarchive aus dem Baumarkt. Da die
3033 gerade im Angebot ist, kauft man drei davon nach. Die ist eh nur halb voll, deshalb kann
man die blaue Box so gut zum Sortieren benutzen. Sehr gut, das hat jetzt System. Schließlich
hießen die Steinchen früher auch mal Lego System.
Und die Sammlung wächst.
Phase 8
Irgendwann ist man es ja schon leid, sich auf der Suche nach einem gelben AZMEP durch einen
halben Kubikmeter gelbe Basics zu wühlen. Da wäre es echt einfacher, wenn die Teile nach
Formen sortiert wären. Aber was das wieder an Zeit kostet! Die nutzt man dann doch lieber zum
Bauen und alles bleibt so, wie es ist.
Mal davon abgesehen, dass die Sammlung weiter wächst.
Phase 9
Mittlerweile kostet die Sortiererei so viel Zeit, dass man nicht mehr alle Sets schreddert und
wegsortiert. Vielmehr bewahrt man einige separat auf. In ihren Kartons, so wie ganz am Anfang
der Lego-Sucht, oder in Plastiktüten aller Art. Okay, macht ja auch Sinn. Vor allem bei Sets aus
den Achtzigern. Nicht dass man die mit schnöden gerillten Fliesen wieder aufbauen muss oder
versehentlich ein paar rote Lokräder ins Biete-Forum stellt.
Herzlichen Glückwunsch, damit sind die Weichen gestellt. Jetzt sortiert man seine Legos schon
zweigleisig: Nach Teilen und als komplettes Set archiviert.
Und die Sammlung wächst.
Phase 10
Wieder mal sucht man einen der beiden Technic-Einer in der 40-Liter-Kiste mit den schwarzen
Teilen. Wühlender- und fluchenderweise fragt man sich, was denn so schwer daran sein kann,
die farbreinen Haufen auch nach Form zu sortieren. Man kauft sich also ein paar weitere
Kleinteile-Magazine im Baumarkt, leert Ferrero-Küsschen-Schachteln aus, klaut sich noch ein
paar Tupperdosen in der Küche und fängt an, Ordnung in die Sammlung zu bringen. Endlich mal.
Dauert auch gar nicht lange. Drei, vier Wochen vielleicht.
Während die Sammlung weiter wächst.
Phase 11
Geschafft! Man hat ein schönes, klares, ganz persönliches Sortiersystem. Hier die Platten, da die
Dachsteine, dort die AZMEPs und so weiter. Gut, zugegeben: Da sind auch eineinhalb Kilo
"irgendwie runde Teile". Die Windschutzscheiben liegen bei den Türen, weil das ja im Prinzip
auch Fenster sind. Und es gibt eine viel zu große Kiste mit diversen Kleinteilen. Das ist eigentlich
okay. Allerdings entspricht nicht eine einzige Kategorie dieses ganz persönlichen Systems der
Einteilung bei Partsref oder LDraw.
Übrigens: die Sammlung wächst weiter.
Phase 12
Man stellt fest, dass auf vielen Teilen zwar Lego draufsteht, sie aber schlecht einzuordnen sind
und teilweise reichlich Platz wegnehmen. Monorail-Stützen zum Beispiel, die riesigen Paneele
aus der Ice-Planet-Station oder RCX-Steine. Empfindlich sind gerade diese Sachen meistens
auch noch. Also schafft man sich ein weiteres Schubladensystem an. War aber sowieso fällig,
weil Ikea® die praktischen "Moppe"-Schränkchen aus dem Programm genommen hat.
Trotzdem ist noch Geld da, um die Sammlung weiter wachsen zu
lassen.
Phase 13
Eigentlich ist alles gut. Die Sammlung ist sauber verteilt in Nudelboxen und Star Wars-Eimern,
Kleinteilemagazinen und Curver-Kisten.
Aber das kann sich schnell ändern, die Sammlung wächst
schließlich weiter.
Phase 14
In all der Pseudo-Ordnung muss man feststellen, dass der größte Teil der Sammlung vor allem
aus einer Sammlung verschiedener Sortierzustände besteht:
• Sortierte Steine
• Vorsortierte, aber noch nicht wegsortierte Steine
• Eine Kiste mit Steinen, die man nicht wegsortieren, sondern verbauen will
• Vier Kilo Flohmarktware, anhand derer man ein mögliches neues Sortiersystem ausprobiert
• Steinsammlungen für Bauprojekte, bestehend aus vielen BOA-Käufen und wenig eigenen
Steinen
• Sets, die man bei ebay verkaufen will, sobald sich die beiden fehlenden Steine angefunden
haben
• Neue Sets; manche geöffnet, manche nicht
• Und das, was man so nebenbei dazukauft.
Und die Sammlung wächst.
Phase 15
Man stellt fest, dass einem der Unterschied zwischen den Kleinteilemagazinen von Hornbach und
denen von Aldi ebenso vertraut ist wie Setnummern aus den Achtzigern. Man bekommt
regelmäßig Newsletter von Curver, Leifheit und Emsa.
Und große Kisten vom Lego Shop@Home.
Phase 16
Das schöne Sortiersystem erodiert mit der Menge an Steinen. Da ist zum Beispiel die Schublade
mit den roten Zäunen: die ist mittlerweile so voll, dass die Teile schon hinten durch fallen.
Vielleicht sollte man sie in drei Kategorien aufteilen: 2x4, 1x4 und Pforten. Drei Schubladen hat
man aber nicht mehr frei. Also füllt man alle in eine große Moppe-Schublade um, aus der man
gerade die gelben Dachsteine in eine 3033 geschüttet hat, deren Inhalt man erstmal in einem
Pappkarton zwischenlagert. Wirklich gut genutzt ist die Schublade mit den roten Zäunen aber
nicht. Also schmeißt man die weißen gleich noch dazu. Die schwarzen allerdings nicht, weil man
von denen nach all der Sammlerei immer noch nicht mehr als vier Stück besitzt.
Man ahnt, dass man irgendwann für jedes Teil eine eigene Box oder Schublade haben wird und
ertappt sich dabei, 30 grüne Rund-Einer bei BOA mitzubestellen, um eine eigene Schublade zu
rechtfertigen.
Die Sammlung wächst währenddessen weiter.
Phase 17
Man öffnet nach langer Zeit mal wieder die zweite Schublade von rechts im dritten Sortierkasten
von unten.
Weiße 2x8-Platten? Sind die nicht nicht in der Box mit der 4,5V-Eisenbahn? Sind Sie. Auch.
Man braucht erstmal einen Schnaps, weil man vermutet, dass man bereits viel mehr als die vier
schwarzen Zäune besitzt. Und Lampensteine. Und 33-Grad-Dachecken.
Und die Sammlung wächst.
Phase 18
Der / die LGP ist übers Wochenende verreist. Man nutzt die Zeit, die Wohnung umzuräumen - in
der leisen Hoffnung, das Sortiersystem in einem einzigen Raum konzentrieren zu können. Man
kauft im Baumarkt gut gelaunt einige Dübel und Farbe. Und im TRU nebenan einen Stapel Star
Wars-Sets, weil gerade 3 für 2-Aktion ist.
Zuhause trifft man gerade noch den Postboten mit zwei S@HKisten auf der Sackkarre.
Phase 19
Man surft mal bei Peeron vorbei und verwirft ob der Masse an verschiedenen Teilen den Plan, für
jedes Teil eine eigene Schublade zu eröffnen. Das lohnt auch bei LL928-Steinen oder schwarzen
1x2 mit Kabelaussparung nicht wirklich. Also kommt wieder zusammen, was mal auseinander
gehörte. Eine Nudelbox voller Rund-Einer, eine Curver-Kiste für die Dachsteine und so weiter.
Allerdings wirft man nur Teile zusammen, die man in ähnlichen Mengen besitzt. Jedenfalls sollte
man das. Im Affekt hat man jedoch die transparenten Rund-Einer mit in die Nudelbox
geschmissen. Fünf Stück besitzt man davon. Und opfert einen Abend, um sie wieder aus der
Masse rauszupulen.
Da hat man also ein neues Sortiersystem. Darauf basierend, wie lange es dauert, ein bestimmtes
Teil zu finden. Klingt genial.
Die Sammlung wächst währenddessen weiter.
Phase 20
Man baut Excel-Listen, weil man sich seine eigenen Kategorien nicht mehr merken kann. Die
Listen heftet man allerdings nicht in den Ordner mit der Paperware, weil es da irgendwie falsch
abgelegt wäre. Einmal am PC sitzend, fertigt man kleine Schildchen für die Schubladen an.
Bebildert mit jpgs von Peeron. Und veraltet, bevor man überhaupt das erste angebracht hat.
Und die Sammlung wächst.
Phase 21
Mittlerweile hat man ein mehrstufiges Sortiersystem, das kein Außenstehender kapieren würde.
Manche Teile finden nie ihren Weg in die passende Schublade, aber man hat es immerhin so
eingerichtet, dass man beim Sortieren fernsehen kann.
Während der Flohmarktkauf vom letzten Wochenende in der
Waschmaschine rotiert.
Phase 22
Back to the roots: Man sortiert wieder nach Farbe. Diesmal allerdings auch gleich nach Form.
Und freut sich über Flohmarktkisten, die dann doch fast nur Basics enthalten. Das schafft beim
Sortieren mehr weg. Jedenfalls, bis die Kiste mit den roten 2x2x1 mal wieder voll ist.
Das passiert schneller als man denkt, denn die Sammlung wächst
weiter.
Phase 23
Wenn also die Kiste mit den roten 2x2x1 mal wieder voll ist, macht man nicht gleich eine neue
Kiste dafür auf. Lohnt ja auch nicht. Dafür hat man jetzt Überschuss-Kisten.
Natürlich ist auch die Kiste relativ schnell voll, denn die
Sammlung wächst weiter.
Phase 24
Zugegeben: Man schmeißt das meiste Sortiergut direkt in die Überschuss-Kisten. In manchen
dieser Kisten finden sich Teile gleicher Farbe, in anderen Teile gleicher Form.
Das entscheidet man nach dem, was der Postbote gerade gebracht
hat.
Phase 25
Mittlerweile hat man ein Sortier- und Logistiksystem, an dem sogar der Lagerleiter von amazon
verzweifeln würde. Man sortiert nach Farben, nach Form, nach Seltenheit und Einsatzzweck.
Teilweise sogar nach Alter - wer würde die weißen Acetat-Zweier mit denen aus ABS
zusammenschmeißen? Wenn man schon mal dabei ist, kann man die vergilbten ja auch in eine
eigene Schublade stecken. Und die mit massivem Pin von den neuen mit hohlem Pin trennen. Mit
sowas verbringt man seine Wochenenden. Umgeben von Stapeln mit alphabetisch sortierten
Überschuss-Kisten und zwei Umzugskartons mit Legos, aus denen immerhin schon die Räder
und Fenster raussortiert sind.
Die drei neuen Umzugskartons mit den Legos der Nachbarschaft
verschweigen wir jetzt mal.
Phase 26
Der LGP kauft sich Bücher über Autismus, Hospitalismus und Ordnungszwang. Der Partner einen
Restposten Orient Expedition.
Phase 27
Man beginnt, selbst im eigenen Haus, an Neubauten mit großen Kellern zu denken.
Die Sammlung wächst währenddessen weiter.
Phase 28
Man träumt von automatischen Sortiersystemen mit Barcodes und langen Förderbändern. Und
ob so was in eine Dreizimmerwohnung passt.
Könnte klappen. Wenn man mal den Stapel Hogwarts aus dem
Flur räumen würde.
Phase 29
Man bemerkt, dass man lange nichts mehr gebaut hat. Sehr lange. Und wünscht sich die Zeit
zurück, als jeder Legostein erreichbar war, ohne dafür die Leiter und eine Taschenlampe holen zu
müssen.
Wo ist eigentlich die Leiter? Doch nicht hinter den Shop@HomeKartons?
Phase 30
Umgeben von Kisten, Kästen und Kleinteilemagazinen, die bis zur Decke reichen, nimmt man
sich ein Set, um es einfach mal aufzubauen. Klasse: Alle benötigten Teile in einem Karton. Man
hat eine Stunde Spaß und Ruhe. Schön, aus der Serie kauft man sich am nächsten Tag gleich
noch ein Set. Und noch eins. Und noch eins. Bis das ganze Arrangement so groß ist, dass es den
Basteltisch versperrt und dringend wegsortiert werden muss...