Chlormadinonacetat enthaltende Mikropille verbessert
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Chlormadinonacetat enthaltende Mikropille verbessert
Chlormadinonacetat enthaltende Mikropille verbessert unreine Haut Ergebnisse der CEFIS (Chlormadinonacetat Ethinylestradiol For Impured Skin)-Studie M. Kerscher1, T. Reuther1, G. Schramm2 Moderne Mikropillen zeichnen sich besonders durch eine Reihe von Zusatznutzen aus. Den wichtigsten stellt die Verbesserung des Hautbildes dar. Für die Chlormadinonacetat-haltige Mikropille Belara wurde in klinischen, kontrollierten Studien bei leichter bis mittelschwerer Akne die Überlegenheit im Vergleich zu einer Levonorgestrel-haltigen Mikropille und zu Plazebo nachgewiesen. Erstmals wurde nun in einer an der Universität Hamburg durchgeführten klinischen Studie bei unreiner Haut inklusiv Objektivierung und Quantifizierung die Verbesserung des Hautbildes durch moderne biophysikalische Messmethoden gezeigt. Eine glatte, makellose Haut steht sehr häufig für Gesundheit, Attraktivität und Jugendlichkeit. Insbesondere Dermatosen im Bereich des Gesichts können eine erhebliche psychosoziale Belastung für die Betroffenen darstellen und mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität verbunden sein. Ein vor allem in der Adoleszenz bis hin zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts sehr häufiges Problem stellt die seborrhoeische, zu Akne neigende Haut dar (11). Dieser häufig als „unreine Haut“ bezeichnete Hautzustand manifestiert sich vor allem in talgdrüsenreichen Hautarealen mit Betonung von Stirn, Nase und Kinn („T-Zone“) und ist gekennzeichnet durch ein glänzendes, großporiges Hautbild mit einzelnen Komedonen, Papeln und Papulopusteln. Die klinische Ausprägung unreiner Haut kann stark variieren, Übergänge in Acne vulgaris sind fließend. Die 1 Universität Hamburg, Kosmetik und Körperpflege (FB 13) 2 Grünenthal GmbH, Aachen unreine Haut kann einer Acne vulgaris vorangehen oder nach Rückgang einer stärkeren Akne als Restzustand persistieren. Bei klinisch manifester Acne vulgaris führt die Gabe eines antiandrogen wirksamen oralen Kontrazeptivums (z.B. mit Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat) bei Frauen mit Kontrazeptionswunsch zu einer wesentlichen Besserung des Hautzustandes. Die antiandrogen wirksamen Wirkstoffe Chlormadinonacetat, Dienogest und Cyproteronacetat vermögen das klinische Erscheinungsbild von Seborrhoe und Acne vulgaris zu verbessern, zudem haben sie positive Effekte auf die androgenetische Alopezie der Frau und Hirsutismus (2, 4–6, 10, 17, 22, 25, 27, 29, 31, 32, 34, 35). In einer klinischen Studie von Worret und Mitarbeitern kam es nach sechsmonatiger Behandlung mit Chlormadinonacetat – einem Gestagen, das am Erfolgsorgan mit körpereigenen Androgenen konkurriert (3, 26) – und Ethinylestradiol enthaltenden Mikropillen bei über 80% der behandelten Patientinnen zu einer Verbesserung der Acne vulgaris im Gesichtsbereich (32). Nach zwölf Monaten war bei 59,4% der Patientinnen ein mindestens 50%iger Rückgang der Anzahl von Akneeffloreszenzen zu verzeichnen (32). Im Vergleich zu einem Ethinylestradiol- und Levonorgestrel-haltigen oralen Kontrazeptivum bestätigte sich eine signifikant bessere Wirkung der Kombination aus 2,0 mg Chlormadinonacetat (CMA) und 0,03 mg Ethinylestradiol (EE). In der vorliegenden Studie wurden erstmals die Effekte eines oralen, monophasischen Kombinationspräparates (Belara) auf unreine Haut bei Frauen mit Kontrazeptionswunsch mittels klinischem Score und biophysikalischen In-vivo-Messparametern evaluiert. Material und Methoden FORTBILDUNG + KONGRESS HORMONALE KONTRAZEPTION An der prospektiven, offenen, monozentrischen, einarmigen klinischen Studie der Phase IV, die durch die Ethikkommission der Ärztekammer Hamburg genehmigt wurde, nahmen 44 Patientinnen im Alter von 18 bis 37 Jahren teil. Vor Aufnahme in die Studie fand eine Screeninguntersuchung zur Überprüfung der Ein- und Ausschlusskriterien statt. Die eingeschlossenen Patientinnen waren im Mittel 29 Jahre alt mit einem durchschnittlichen Gewicht von 66,5 kg, einer mittleren Größe von 170 cm und einem durchschnittlichen Bodymass-Index von 23,1 kg/m2. Jede Patientin nahm über einen Zeitraum von sechs Behandlungszyklen an 21 aufeinander folgenden Tagen etwa zur gleichen Zeit eine Tablette des niedrig dosierten, monophasischen Kontrazeptivums bestehend aus 2,0 mg CMA und 0,03 mg EE (CMA/EE) FRAUENARZT n 48 (2007) n Nr. 4 373 FORTBILDUNG + KONGRESS 374 unzerkaut ein, gefolgt von sieben einnahmefreien Tagen. Untersuchungen fanden zu Beginn der Studie (M1: Ausgangswert etwa fünf Tage vor Beginn eines Menstruationszyklus), nach zwölf Wochen (M2: 15.–21. Tag des dritten Einnahmezyklus) sowie nach 24 Wochen (M3: 15.–21. Tag des sechsten Einnahmezyklus) statt. Alle Messungen wurden nach einer mindestens 30minütigen Akklimatisierungsphase der Patientinnen bei konstanten Raumklimaverhältnissen von 20 °C Umgebungstemperatur und 50% Luftfeuchtigkeit im Hautfunktionslabor durchgeführt. Der klinische Hautzustand als primärer Zielparameter wurde mit einem Summenscore für „unreine Haut“ quantifiziert, der die Anzahl an Komedonen, Papeln/Papulopusteln sowie den Talgdrüsensekretionszustand berücksichtigte (s. Tab. 1). Zudem fand eine standardisierte Fotodokumentation des Gesichts mit Hilfe des Fotofindersystems statt (FotoFinder mediscope, TeachScreen Software GmbH, Bad Birnbach). Vor und nach Abschluss der sechs Behandlungszyklen wurde der Hautzustand durch die Patientinnen subjektiv beurteilt. In Ergänzung zu den klinischen Parametern wurden biophysikalische In-vivo-Messungen durchgeführt (s. Tab. 2). Diese Messungen erfolgten unter standardisierten Bedingungen an jeweils identischen Lokalisationen im Bereich der Stirn sowie im Bereich der linken und rechten Wange. Vor Beginn und am Ende der Studie wurde eine gynäkologische Untersuchung durch einen Facharzt/eine Fachärztin für Gynäkologie (Tast- und Spekulumuntersuchung der äußeren bzw. inneren Geschlechtsorgane mit zytologischem Abstrich nach Papanicolaou) durchgeführt, zudem wurden die Vitalparameter (Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz) erfasst und eine Blutuntersuchung (Hämatologie, klinische Chemie, Gerinnungsparameter, Hormonbestimmungen) FRAUENARZT n 48 (2007) n Nr. 4 Zusammensetzung des klinischen Summenscores Komedonen (Anzahl pro Subscores Gesichtshälfte) Papeln und/oder Papulopusteln (Anzahl pro Gesichtshälfte) 0 keine keine 1 2 3 1–3 4–6 7–10 1–3 4–6 7–10 Talgdrüsenaktivität (pro Gesichtshälfte) normale Talgdrüsenaktivität oder Sebostase geringe Seborrhoe mittelstarke Seborrhoe starke Seborrhoe Tab. 1: Der klinische Summenscore „unreine Haut“ berücksichtigte den Talgdrüsensekretionszustand sowie die Anzahl an Komedonen, Papeln und Papulopusteln. Biophysikalische Untersuchungen Parameter Gerät/Methode Hautoberflächenlipide Sebumeter (Sebumeter SM 810, Courage und Khazaka, Köln) pH-Meter (Skin-pH-Meter PH 900, Courage und Khazaka, Köln) Corneometer (CM 825, Courage und Khazaka, Köln) Evaporimeter (Tewameter TM 210, Courage und Khazaka, Köln) 20-MHz-Ultraschall (DUB 20, Taberna pro medicum, Lüneburg) 20-MHz-Ultraschall (DUB 20, Taberna pro medicum, Lüneburg) HautoberflächenpH-Wert Stratum-corneumHydratation transepidermaler Wasserverlust Hautdichte Hautdicke Tab. 2: In Ergänzung zu den klinischen Parametern wurden biophysikalische In-vivo-Messungen durchgeführt. vorgenommen. Als Verträglichkeitsparameter wurden gynäkologische Parameter, Vitalparameter, Laborwerte und das Auftreten unerwünschter Ereignisse ausgewählt. Die statistische Auswertung hatte explorativen Charakter. Die Daten wurden für die Intention-to-treat (ITT)- und die Per-Protocol (PP)Population ausgewertet. In den Diagrammen dargestellt sind Mittelwerte (MW) und Standardabweichungen (SD) bzw. MW und Min./Max. (bei klinischem Summenscore). Ein intraindividueller Vorher-Nachher-Vergleich (p1: M1 vs. M2; p2: M1 vs. M3) erfolgte deskriptiv mittels zweiseitigen Testverfahren (WilcoxonTest für klinischen Summenscore, TTest für alle anderen). Als Signifikanzniveau wurde p≤0,05 festgelegt, p≤0,001 galt als statistisch hoch signifikant. Ergebnisse 44 Patientinnen (mittleres Alter 29,0 Jahre) wurden in die Studie aufgenommen und erhielten die Studienmedikation (Safety Population, ITTPopulation). Insgesamt fünf Patientinnen wurden aufgrund schwerwiegender Protokollverletzungen aus der Per-Protocol-Population ausgeschlossen, sodass die PP-Gruppe 39 Patientinnen umfasste. Die nachfolgenden Ergebnisse beziehen sich alle auf die ITT-Gruppe, da sich diese von der PPGruppe nicht signifikant unterschied. n Klinischer Summenscore Bereits in den ersten zwölf Wochen nach Einnahme der Kombination aus Verbesserung des Summenscores (SC) im Vergleich zur Baseline (M1) 8 7 6 5,0 5 4 3,2 3 2 1 0 M2 M3 Abb. 1: Verbesserung des klinischen Summenscores (SC) nach sechs Behandlungszyklen mit CMA/EE im Vergleich zu Baseline M1 (SCM =14). n Porengröße Die Porengröße nahm im Verlauf der Studie deutlich ab (s. Abb. 3 und 4). Die Veränderungen waren bereits nach zwölf Wochen sowie nach 24 Wochen hoch signifikant (p<0,0001). Abb. 2: Klinischer Hautzustand vor (M1; links) und nach sechs Behandlungszyklen (M3; rechts) mit CMA/EE. n Hautoberflächen-Lipidgehalt (Sebumetrie) Der Gesamtgehalt der auf der Hautoberfläche befindlichen Lipide (s. Abb. 5) verringerte sich bereits nach drei Behandlungszyklen statistisch signifikant an der Stirn (p1=0,0028) und hoch signifikant an beiden Wangen (p1≤0,0001). Abbildung 5 zeigt den Verlauf der Talgmenge auf der Stirn nach drei und sechs Behandlungszyklen. n Hautoberflächen-pH-Wert Alle gemessenen pH-Werte lagen stets im hautphysiologischen Bereich. Geringe pH-Wertänderungen Frauen mit großporiger Haut 50 % 43,2 40 30 20,5 9,1 10 0 Baseline nach 3 Zyklen nach 6 Zyklen Abb. 3: Rückgang des Anteils an Frauen mit großporiger Haut unter Behandlung mit CMA/EE. 240 226,9 220 201,5 200 196,0 180 160 M1 M2 M3 Abb. 5: Hautoberflächen-Lipidgehalt der Stirn vor Behandlung (M1), nach drei (M2) und sechs Behandlungszyklen (M3) mit CMA/EE. an den Wangen waren zu keinem Messzeitpunkt von statistischer Signifikanz (p1/2>0,05). Frauen mit großporiger Haut 20 Hautoberflächen-Lipide Talgmengen Stirn (µg/cm2) 2,0 mg CMA und 0,03 mg EE kam es zu einer deutlichen Verbesserung des klinischen Bildes der „unreinen Haut“. Nach 24 Wochen hatte sich der Summenscore weiter verbessert (s. Abb. 1). So verringerte sich der klinische Summenscore als primäres Zielkriterium statistisch hoch signifikant von durchschnittlich 14,0 (Min. 9–Max. 18) vor Behandlung (M1) auf 10,8 (4–18) nach drei Behandlungszyklen (M2) und auf 9,0 (0–17) nach sechs Zyklen (M3; p1 und p2<0,0001). Abbildung 2 zeigt beispielhaft einen klinischen Verlauf: Ausgangsbefund und Hautzustand nach sechs Zyklen mit CMA/EE. FORTBILDUNG + KONGRESS Summenscore Abb. 4: Fotografische Darstellung der Porengröße vor Behandlung (M1; oben) und nach sechs Behandlungszyklen mit CMA/EE (M3; unten) (FotoFinder mediscope). n Stratum-corneum-Hydratation Im Bereich beider Wangen kam es nach drei und sechs Behandlungszyklen mit 2,0 mg CMA/0,03 mg EE zu einer deutlichen Verbesserung der Hornschicht-Hydratation von etwa 38 auf über 50 (s. Abb. 6, S. 376). Statistische Tests bestätigten bereits nach zwölf Wochen einen signifikanten Anstieg (p1=0,0078 rechts, p1= 0,0163 links) und nach 24 Wochen einen hoch signifikanten Anstieg (p2<0,0001 beidseits). FRAUENARZT n 48 (2007) n Nr. 4 375 60 Stratum-corneum-Hydratation (Arbitrarische Einheiten) FORTBILDUNG + KONGRESS Hydratation der Hornschicht n M1 n M2 n M3 52,2 47,0 45,8 46,9 normale Haut 45,1 44,2 38,7 40 38,3 trockene Haut (30–45 AE) 30 Stirn rechte Wange linke Wange Abb. 6: Hydratation der Hornschicht bei Patientinnen mit unreiner Haut: vor Behandlung (M1), nach drei (M2) und nach sechs Behandlungszyklen (M3) mit CMA/EE (MW). n Transepidermaler Wasserverlust An der Stirn verringerte sich der transepidermale Wasserverlust (TEWL) als Marker der Barrierefunktion statistisch hoch signifikant von 19,2 g/m2/h (±SD 4,4) auf 16,5 g/m2/h (±3,6) nach drei Behandlungszyklen bzw. auf 15,5 g/m2/h (±3,5) nach sechs Zyklen (p1= 0,0002; p2<0,0001). Auch im Bereich beider Wangen zeigte sich ein deutlich verminderter TEWL nach zwölf und 24 Wochen (p1=0,0395 bzw. p2=0,0063 rechts und 0,0897 bzw. 0,1940 links). n Sonographische Hautdichte Der hochfrequente Ultraschall dokumentierte eine etwa gleich bleibende dermale Hautdichte ohne statistisch signifikante Veränderungen (p1/2>0,05). n Sonographische Hautdicke Die sonographisch gemessene Hautdicke an der Stirn verminderte sich nach drei Behandlungszyklen statistisch signifikant und blieb auch am Messtermin nach 24 Wochen auf diesem niedrigeren Niveau (p1=0,0437; p2=0,0271). Die Veränderungen an den Wangen waren weniger deutlich (rechts: p1=0,3601 bzw. p2=0,5960; links: 0,0017 bzw. 0,1521). n Verträglichkeit Das Prüfpräparat wurde über den gesamten Studienzeitraum von sechs 376 51,4 50 FRAUENARZT n 48 (2007) n Nr. 4 Einnahmezyklen sehr gut vertragen. Im Verlauf der Studie wurden insgesamt 34 unerwünschte Ereignisse (UE) bei 25 Patientinnen dokumentiert. Dabei handelte es sich vor allem um Infektionen während der Wintermonate. UEs in vermutetem Kausalzusammenhang mit der Studienmedikation, wie Kopfschmerzen (n=1), Übelkeit (n=1) und Hypertonie (n=1), traten nur bei einzelnen Patientinnen auf. Schwerwiegende UEs traten während der Studie nicht auf. Diskussion In der vorliegenden Studie wurde eine signifikant positive Wirkung eines Ethinylestradiol- und Chlormadinonacetat-enthaltenden, monophasischen oralen Kontrazeptivums bei Frauen mit unreiner Haut nachgewiesen. Klinisch zeigte sich in der differenzierten Beurteilung durch einen Hautfacharzt eine deutliche Besserung des Hautzustandes (primärer Zielparameter) bereits nach zwölf Wochen und weiter nach 24 Wochen. Auch die Porengröße war deutlich reduziert. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Patientinnen (>85%) zum Studienende eine sehr gute oder gute Besserung ihrer unreinen Haut beobachtet hatte. Ätiopathogenetisch beteiligt an der Entstehung unreiner Haut wie auch der Acne vulgaris ist neben anormaler follikulärer Keratinisierung der Talgdrüsen, Besiedlung mit Propionibacterium acnes und individuell unterschiedlich ausgesprägter Entzündungsbereitschaft auch eine übermäßige Produktion von Sebum (19, 21). Hormonelle Faktoren, insbesondere Androgene spielen bei der Induktion der Seborrhoe eine besondere Rolle, da Dihydrotestosteron, das intrazellulär durch die 5α-Reduktase aus Testosteron gebildet wird, die Talgdrüsenaktivität stimuliert (21, 36). Antiandrogene und Östrogene hemmen die Aktivität der dermalen Talgdrüsen durch unterschiedliche Mechanismen (15, 18). Der Wirkmechanismus antiandrogen wirksamer Gestagene wie Chlormadinonacetat beruht auf einer Kompetition am Androgenrezeptor. Die „antiandrogenen“ Eigenschaften des Östrogens und vor allem des CMA hingegen werden auf eine zentrale Hemmung der Gonadotropinausschüttung und folglich erniedrigte Testosteronsekretion zurückgeführt. Darüber hinaus verursachen Östrogene über einen Anstieg des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) eine erniedrigte Konzentration freien Testosterons (14). Auch für andere Wirkstoffe mit antigonadotropiner, SHBG-erhöhender und folglich die Konzentration freien Testosterons verringernder Wirkung, etwa Gestoden, konnte eine klinische Wirkung bei Acne vulgaris nachgewiesen werden (20). Die biophysikalische Objektivierung des Hautoberflächen-Lipidgehaltes bestätigte eine signifikante Senkung nach drei Behandlungszyklen sowohl an der Stirn als auch im Bereich beider Wangen. Während im Bereich der Wangen nach weiteren drei Therapiezyklen ein leichter Anstieg der Sebumetriewerte zu verzeichnen war, kam es im Bereich der Stirn zu einem weiteren Rückgang der Werte. Bei beiden Lokalisationen verbesserte sich Entsprechende Ergebnisse findet man in verschiedenen Studien, die zeigen, dass der Sebumgehalt im Bereich des Gesichts bei Aknepatienten zwar erhöht ist, die gemessenen Sebumwerte jedoch nicht mit der Anzahl klinischer Akneläsionen korrelieren (33). So wird heute die lange propagierte Theorie der Sebumüberproduktion als wesentlichem pathogenetischem Faktor bei der Entstehung von Akneeffloreszenzen zunehmend in Frage gestellt und weitere Faktoren, etwa proinflammatorische Prozesse, werden in die Theorie der pathogenetischen Frühphase der Akne integriert (37). Ein weiterer sehr wichtiger Parameter der Hautphysiologie ist der Hautoberflächen-pH-Wert, der nicht nur für die Aufrechterhaltung der epidermalen Barrierefunktion wichtig ist, sondern auch die Regulation der kutanen Keimbesiedlung beeinflussen kann (8, 23, 24). Es ist bekannt, dass neben ekkriner Sekretion und zahlreichen anderen internen und externen Faktoren auch die Sebumproduktion einen Einfluss auf den Hautoberflächen-pH-Wert nimmt (8, 23, 24). In einer kürzlich publizierten Studie konnte gezeigt werden, dass für viele Hautlokalisationen eine negative Korrelation zwischen Sebumgehalt und pH-Wert besteht (12). Die Kinetik des Hautoberflächen-Lipidgehaltes spiegelt sich auch in unserer Untersuchung invers zum Profil des Hautoberflächen-pH-Werts wider, der zunächst angestiegen war, um in den folgenden Wochen mehr oder minder auf Ausgangswerte zurückzugehen. Des Weiteren wurde in unserer Untersuchung erstmals gezeigt, dass die Einnahme von CMA/EE den Hautoberflächen-pH-Wert im hautphysiologischen Bereich belässt. Ein weiterer physiologischer Zusammenhang besteht zwischen dem Gehalt hauteigener Lipide und der Barrierefunktion der Haut. So kann es durch Herauswaschen von auf der Hautoberfläche und interzellulär gelagerten Lipiden zu einer Verschlechterung der kutanen Barrierefunktion kommen. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) ist ein sensitiver Parameter der epidermalen Barrierefunktion, und ein erhöhter Wert kann auf eine Beeinträchtigung der Hautbarriere hindeuten. In unserer Studie konnten wir eine signifikante Senkung des TEWL unter Therapie verzeichnen, d.h. eine Verbesserung der Hautbarrierefunktion bei gleichzeitig reduzierter Sebumproduktion. Dies könnte auf den nachgewiesenen Einfluss von Sexualhormonen auf die Aktivität dermaler Talgdrüsen, nicht aber auf die Produktion der interzellulären Lipide in den keratinozytären Odland-Körperchen zurückzuführen sein. Auch die Reduktion der Porengröße könnte zu einer Verminderung des TEWL beigetragen haben. Sexualhormone haben jedoch nicht nur Einfluss auf die Talgproduktion der Haut, sondern auch auf weitere potenziell die epidermale Barriere beeinflussende Faktoren, etwa die Corneozytenoberfläche (9). So haben prämenopausale Frauen, die eine vergleichsweise hohe Konzentration an Sexualhormonen haben, kleinere Corneozyten als nicht hormonsubstituierte postmenopausale Frauen wie auch Männer (9). Zur Senkung des TEWL in unserer Studie passend, konnten wir an den Wangen eine signifikante Erhöhung der Stratum-corneum-Hydratation messen, die die beschriebene inverse Beziehung zwischen TEWL und Hornschichthydratation (28) stützt. Mit einer isolierten Verminderung der Hautdicke an der Stirn, möglicherweise durch die Reduktion der Talgdrüsen, und gleich bleibenden Ergebnissen bezüglich der Hautdicke im Bereich der Wangen sowie etwa gleich bleibenden Hautdichtewerten konnten die Ultraschalluntersuchungen in unserer Studie keine relevanten Änderungen objektivieren, wenngleich eine Beziehung zwischen hormonellen Faktoren und Hautdichte bzw. -dicke zumindest in der Postmenopause gut bekannt ist. So bewirkt eine postmenopausale Östrogensubstitution bei Frauen eine Erhöhung der Hautdichte und -dicke und auch Testosteron ist dafür bekannt, dichter gepacktes Kollagen zu verursachen (1, 16, 30). Bei dem Kollektiv mit einem Durchschnittsalter von 29,0 Jahren zeigten die Daten der 20-MHzSonographie keine Einlagerung von Wasser im Bereich der Dermis, einer häufig geäußerten Befürchtung bei der Auswahl eines hormonalen Verhütungsmittels. Eine interstitielle Wassereinlagerung in der Dermis ist im bildgebenden Verfahren des hochfrequenten Ultraschalls mit einer erhöhten Hautdicke und verminderten Hautdichte verbunden (7, 13). Fazit Zusammenfassend hat die Kombination aus dem antiandrogen wirkenden Chlormadinonacetat und Ethinylestradiol, bei sehr guter Verträglichkeit, zu einer signifikanten Verbesserung des Hautzustandes „unreine Haut“ bei Frauen mit Wunsch nach hormoneller Kontrazeption geführt. Neben dem schnellen Rückgang der Seborrhoe und der Anzahl der Akneeffloreszenzen waren insbesondere die Stabilisierung der epidermalen Barriere mit verbesserter Feuchtigkeitsversorgung des Stratum corneum sowie der Rückgang der Porengröße dermatologisch bedeutsame Aspekte, da das dermatokosmetische Management kaum Möglichkeiten bietet, die Porengröße nachhaltig zu reduzieren. Aus der Abheilung der Effloreszenzen und Verkleinerung der Poren resultiert ein insgesamt verbessertes Hautbild. FORTBILDUNG + KONGRESS der Summenscore zwischen M2 und M3 signifikant. Wenngleich diese erste Studie explorativ angelegt war, zeigen die Ergebnisse, dass die Einnahme des Kontrazeptivums mit dem Antiandrogen Chlormadinonacetat (CMA/EE) bei Frauen mit Wunsch nach hormoneller Kontrazeption eine zentrale Säu- FRAUENARZT n 48 (2007) n Nr. 4 377 FORTBILDUNG + KONGRESS 378 le in der Behandlung der unreinen Haut darstellen kann. In weiteren Studien ist eine vergleichende Untersuchung der Wirksamkeit und Verträglichkeit verschiedener Kontrazeptiva, für die bei Acne vulgaris eine positive Wirkung belegt ist, auch bei unreiner Haut wünschenswert, um den Wirkstoff bzw. die Wirkstoffkombination mit dem besten therapeutischen Index zu identifizieren. Danksagung: Für die ausgezeichnete Zusammenarbeit danken wir den Frauenärzten/Frauenärztinnen Dr. Petra Feld-Wiegand, Dr. Elke GroosWelck, Dr. Annette Kleinkauf-Houcken, Dr. Jürgen König, Dr. Christina Kühler-Obbarius, Dr. Marlies Reinert, Dr. Katrin Schaudig, Dr. Dorothea Schnieber, Dr. Anneliese Schwenkhagen und Dr. Christine Sprotte. Literatur 1. Baran R: Cosmetics for men. In: Baran R, Mai HI (eds): Textbook of cosmetic dermatology. 2nd ed. Martin Dunitz, London, 1998, 495–503. 2. Bitzer J: Belara – proven benefits in daily practice. Eur J Contracept Reprod Health Care 10 (2005) Suppl 1, 19–25. 3. Bouchard P: Chlormadinone acetate (CMA) in oral contraception—a new opportunity. Eur J Contracept Reprod Health Care 10 (2005) Suppl 1, 7–11. 4. Breckwoldt M, Wieacker P: Hirsutismus. In: Bettendorf G, Breckwoldt M (Hrsg.): Reproduktionsmedizin. Fischer, Stuttgart, 1989, 483–487. 5. Breckwoldt M, Zahradnik RP, Wieacker P: Hirsutism. In: Orfanos CE, Rapple R (eds): Hair and hair diseases. 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