Coalition for Humane Immigrant Rights of Los Angeles
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Coalition for Humane Immigrant Rights of Los Angeles
PROMOS ‐ Erfahrungsbericht Gastinstitution: Coalition for Humane Immigrant Rights of Los Angeles Zeitraum: 01.05.2015 – 01.09.2015 Mein Name ist Kirsten M. und ich bin Bachelor- Studentin in den Studienfächern Kulturwissenschaft und Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Universität Bremen. In meinem Studium habe ich mich auf die Themen Migration und Rassismuskritische Bildungsarbeit spezialisiert und ein Praktikum bei Refugio Bremen absolviert. Durch dieses Praktikum und meiner freiwilligen Arbeit während dem Studium bei Projekten, die Geflüchtete in Bremen unterstützen, sowie der Gründung eines eigenes Projektes in dem Bereich, habe ich einen tiefen Einblick in die individuellen Situationen von Geflüchteten in Bremen bekommen. Interessant fand ich nun zu sehen wie die Situation von Migrant_innen in den U.S.A. ist und wie dort Organisationen arbeiten um die Menschen zu unterstützen. Nach dem ich meine Bachelorarbeit zum Thema kritische Perspektiven auf Willkommenskultur in Bremen abgeschlossen hatte, bin ich eine Woche später ins Flugzeug nach Los Angeles gestiegen und hab ein paar Tage später mein Freiwilligendienst bzw. Praktikum bei der Organisation Coalition for Humane Immigrant Rights of Los Angeles (CHIRLA) begonnen. Als kurze Randnotiz: Lasst euch mehr Zeit zwischen Bachelorarbeitsabgabe und dem nächsten Projektstart! Meinen Los Angeles Aufenthalt habe ich ein Jahr zuvor angefangen zu planen. Zunächst einmal war mir klar, dass ich ein weiteres Praktikum im Bereich Migration absolvieren wollte und das in Los Angeles. Somit habe ich angefangen im Internet zu recherchieren und im Endeffekt circa fünfundzwanzig Organisationen angeschrieben. Von vielen habe ich keine Antwort bekommen oder Absagen. Das war am Anfang sehr frustrierend! Nach dem ich schon fast aufgeben wollte kam eine E-Mail von einem Professor der UCSB (University of California Santa Barbara). Er schrieb, dass ich in seinem Institut kein Praktikum machen könne und empfiehl mir mich bei CHIRLA zu bewerben, weil diese exakt die Themen, die mich interessieren bearbeiten. Somit schrieb ich eine Mail mit meinem Lebenslauf zu einer Mitarbeiterin von CHIRLA. Wenig später bekam ich eine Antwort und das Praktikum wurde immer greifbarer. Zunächst haben wir zusammen abgestimmt, welcher Bereich der Organisation für mich in Frage kommt. Das Department Community Education klang für mich am spannendsten, somit entschied ich mich dafür. Ich bekam die Bestätigung, die ich für das Promos Stipendium benötigte und begann mit dem Bewerbungsprozess. Gleichzeitig solltet ihr euch auch um ein Visum kümmern, es gibt verschiedene Organisationen, die euch dabei unterstützen (meine war z.B. German American Chamber of Commerce California). Woher wusste ich von Promos? Ein guter Tipp ist einfach beim International Office nachfragen wer zuständig ist für Stipendien fürs außereuropäische Ausland! Dort bekam ich sehr ausführliche Informationen zum gesamten Bewerbungsprozess in entspannter und offener Atmosphäre. Zudem erfuhr ich, dass es noch eine andere Möglichkeit für ein Stipendium für mich gab, da ich mein reguläres Praktikum bereits absolviert hatte. Somit konnte ich mich parallel bei dem Programm Bremer Studien Fonds bewerben und bekam dort ebenfalls eine Förderung. Da ich für Promos auch angenommen wurde, kam ich meinem Plan ein paar Schritte näher. Allerdings reichte das Geld vorne und hinten nicht, da die Lebenserhaltungskosten in Los Angeles enorm hoch sind. Zum Glück hatte ich mich schon informiert und durch Nebenjobs beim Mädchenhaus Bremen und bei Refugio Bremen einiges an Geld gespart, welches letztendlich den viermonatigen Aufenthalt möglich machte. Tipp: Schaut rechtzeitig wie hoch die Lebenserhaltungskosten in eurer Wunschstadt sind! Hier wohne ich in einer Wohngemeinschaft in Silver Lake (Wohnungssuche bei Craigslist, Facebook Gruppen oder Airbnb) und kann mit dem Fahrrad zu meiner Arbeit fahren (Fahrradladen direkt im Echo Park gegenüber von Walgreens oder Craigslist). Da ich nicht die sicherste Autofahrerin bin habe ich mich dagegen entschieden mir ein Auto zuzulegen, würde es euch aber dringend empfehlen. Es gibt sehr viele Plätze in und außerhalb von L.A., die sehr schnell mit dem Auto zu erreichen sind, aber sehr schlecht mit Public Transport. Die Busse fahren hier Ewigkeiten, die Metro ist super, aber nicht in der ganzen Stadt vernetzt. Es gibt hier eine App, die Uber heißt, dort könnt ihr jederzeit ein Taxi bestellen (oder Lyft). Besorgt euch auf jeden Fall ein Smartphone vor eurem Aufenthalt! Meine Lieblingsplätze sind: Downtown (The Last Book Store, Grand Central Market), Echo Park (Stories Bookstore und Vintage Shops, Echo Park Tretbootfahren, Vista Hermosa Park) und Silver Lake (Silver Lake Reservoir zum Joggen und Sunset Boulevard zum Bummeln und Fisch Taccos essen). In ganz Los Angeles fühlt man sich eher wie in Mexiko, im Bus hört man mehr Spanisch als Englisch und alles ist auf mehreren Sprachen übersetzt. Es ist also sehr praktisch, wenn ihr beide Sprachen gern verbessern wollt. Außerdem gibt es super viele unterschiedliche Restaurants zu entdecken: El Salvador (probiert Pupusas), Mexiko (Taccos, Quesadillas), Guatemala, Peru, Kolumbien, Thailand und natürlich jede Menge Burger (mein Favorit sind definitiv die Veggie Burger!). An sich ist es hier sehr teuer, wenn man zu zweit ist lohnt es sich zu kochen, alleine ist der Aufwand mit Einkaufen etc. glaub ich genauso hoch, als ob man essen gehen würde. Die Einwohner_innen in L.A. sind verrückt nach Essen und mögen es viele unterschiedliche Sachen auszuprobieren. Probiert auch die Food Trucks und die Hot Dogs auf der Straße (zum Beispiel Echo Park, direkt bei Walgreens). Bedenkt das Los Angeles Gangland ist, zum Beispiel ist South Central sehr gefährlich. Schaut das ihr dort mit Locals hinfahrt. Ansonsten informiert euch bei Locals über aktuelle Veränderungen, Los Angeles ist sehr schnell im Gentrifizierungsprozess und Gangland wird manchmal schnell von Fancy Studios und Restaurants übernommen. Wenn ihr Interesse an den Gentrifizierungsprozessen in der Stadt habt, sprecht Leute in den Bars an. Viele Locals erzählen gern davon. Ansonsten habe ich mich hier manchmal als Frau allein nicht so sicher auf der Straße gefühlt, vor allen Dingen bei sexistischen Kommentaren reagiere ich in Deutschland normalerweise mit harten Gegenkommentaren und Mittelfinger, hier bin ich vorsichtiger, da du nie wissen kannst, was der Mensch bzw. in dem Fall Mann in der Tasche hat. Besorgt euch auf jeden Fall ein Konto der Deutschen Kredit Bank, so könnt ihr umsonst Geld abheben! Die Miete wird hier meistens bar bezahlt, alles andere mit der Kreditkarte. Das fängt schon mit dem Transport vom Flughafen zur Union Station an. Man steigt in den Bus und muss erst am Ende bezahlen (mit Kreditkarte), ihr braucht also kein Geld vorher umtauschen! Von der Union Station könnt ihr entweder mit der Metro weiterfahren (kauft euch vielleicht gleich ein Monatsticket, ebenfalls mit Kreditkarte am Automaten) oder ihr installiert die Uber App und fahrt damit. Allerdings ist es super, wenn ihr einen Code für die Uber und Lyft App habt von jemanden, der es schon benutzt. Somit könnt ihr die erste Fahrt umsonst fahren! Meine erste Unterkunft war über Airbnb, es ist besser wenn ihr hier vor Ort ein Zimmer sucht. Wir haben innerhalb von einer Woche ein Zimmer gefunden. Dafür ist es auch schon praktisch ein Auto zu haben, also wenn ihr sicher im Fahren seid, einfach direkt am Flughafen ein Auto mieten! Mit dem Auto kann man wie gesagt sehr viele Plätze außerhalb von L.A. erkunden. Zum Beispiel die Santa Monica Mountains direkt an der Stadt, oder Topanga, Malibu Beaches, Joshua Tree Park (ein Wochenende campen), Griffith Park bei Nacht (mit Observatorium). Bedenkt aber unbedingt die Rush Hours! Es ist kein Spaß hier im Verkehr stecken zu bleiben. Als Praktikantin/ Freiwillige kann ich euch nur unbedingt empfehlen euch als Volunteer bei einer Organisation anzumelden. Auch wenn ihr ein Praktikum macht, schaut auch bei anderen politischen Organisationen vorbei. Zum Beispiel bei CHIRLA oder beim LGBT Center of Los Angeles, Carecen, Jewish Family Service of Los Angeles, AwareLA und viele mehr! Somit könnt ihr Los Angeles von einer ganz anderen Seite kennenlernen und erfahrt sehr viel über Menschen und soziale Konflikte in der Stadt und im Land. Mein Praktikum bei CHIRLA ist sehr interessant und spannend. Die Organisation arbeitet hauptsächlich mit spanischsprachigen Immigranten aus Mittel- und Lateinamerika. Viele von ihnen leben hier „undocumented“, also ohne Papiere! CHIRLA unterstützt sie in ihren unterschiedlichen Lebenslagen (z.B. housing, domestic violence, work permit, fear of deportation, know your rights) und empfiehlt auch viele andere Organisationen. Es gibt hier sehr viele „undocumented people“ in L.A. Seit einiger Zeit gibt es ein Programm „Defered Action of childhood arrivals (DACA)“, somit können Jugendliche, die keine Papiere haben hier legal arbeiten und sind geschützt vor Abschiebungen. CHIRLA kämpft dafür, dass auch ihre Eltern und älteren Geschwister mit anderen Programmen diese Rechte bekommen. Das Ziel ist es eine umfassende „Immigration Reform“, die Migrant_innen erlaubt legal im Land zu wohnen, arbeiten und zu leben. Dafür organisieren sie Proteste und Anhörungen im Gerichtsaal der Stadt. Am ersten Mai gab es eine riesige Marsch für Immigrant Rights, dort habe ich zum ersten Mal meine Organisation kennengelernt. Hier ein paar Eindrücke von meinem Freiwilligendienst: Protest vor der City Hall für „Immigration Rights“ zusammen mit anderen Organisationen Social Justice Art by Favianna Rodriguez (Poster im Büro bei CHIRLA) 1. Mai Protest für “Immigration Rights” mit Angelica Salas (Executive Director of CHIRLA) am Mikrofon “Staff meeting” im Konferenzraum, Büro CHIRLA Insgesamt kann ich euch einen Aufenthalt in Los Angeles sehr empfehlen, die Stadt hat ihre Ecken und Kanten und kann einen manchmal ganz schön „auffressen“ mit ihrer enormen Größe. Allerdings lernt man sehr viel über die Gesellschaft und auch über seine eigene Position in der Gesellschaft, wenn man es zulässt und sich informiert! Auch ein Praktikum bei CHIRLA kann ich sehr empfehlen, es gibt viele Möglichkeiten sich bei der Organisation einzubringen, auch für andere Studiengänge wie zum Beispiel BWL, Mediendesign, Kommunikationswissenschaften. Checkt doch mal die Website und schaut euch die verschiedenen Departments an: http://www.chirla.org/ Support Human Rights! Schreibt mir wenn ihr Fragen habt!