Chaos, Hybris und Tragik

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Chaos, Hybris und Tragik
Chaos, Hybris und Tragik
Ist die fehlbare Freiheit des Menschen allein die Ursache
des Bösen in der Welt? Der tragische Mythos wie auch
das Symbol der Schlange in der Sündenfallgeschichte
verweisen auf ein vorgängiges Dunkel. Der Täter des
Bösen ist von daher immer zugleich auch Opfer, der das
Böse fortsetzt, das schon da ist: „Sündigen heißt nachgeben“, so der französische Philosoph Paul Ricoeur. Er
unterscheidet drei Grundtypen des Bösen: die tragische
Schuldhaftigkeit des endlichen Daseins als solchem, der
Hochmut im Sündenfall und die in der Welt herrschende
Macht des Chaos. Letztere bricht sich immer wieder neu
Bahn, vor hundert Jahren im Ausbruch des Ersten, vor
75 Jahren im Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Zur Hybris schreibt Nietzsche in seiner Streitschrift „Zur
Genealogie der Moral“ (1887): „Hybris ist heute unsere
ganze Stellung zur Natur, unsere Natur-Vergewaltigung
mit Hilfe der Maschinen und der so unbedenklichen Techniker- und Ingenieur-Erfindsamkeit; Hybris ist unsere Stellung zu Gott …, Hybris ist unsere Stellung zu uns, denn
wir experimentieren mit uns, wie wir es uns mit keinem
Tier erlauben würden, und schlitzen uns vergnügt und
neugierig die Seele bei lebendigem Leibe auf: was liegt
noch am ‚Heil’ der Seele!“
Für Augustinus ist der Gipfel der Hybris die Eigenliebe bis
hin zur Gottesverachtung, der Gipfel des Guten die Gottesliebe bis hin zur eigenen Geringschätzung. Johannes
Paul II. charakterisiert die „condition humain“ so: „Der
Mensch kann das Gute oder Böse tun, weil sein Wille frei,
aber auch fehlbar ist.“ Die Geschichte der Menschheit
erscheine als „‘Schauspiel‘ von Gut und Böse“. Das Böse
sei das Fehlen von etwas Gutem, doch fehlt es niemals
ganz: „Die Art, wie das Böse auf dem gesunden Boden
des Guten wächst und sich entwickelt, stellt ein Geheimnis dar.“ Gut und Böse erwachsen demselben Boden,
weshalb schon das Gleichnis vom guten Weizen und dem
bösen Unkraut (Mt 13,24-30) davor warnt, letzteres einfach auszureißen.
Etwas Licht in das dunkle Geheimnis des Bösen will die
diesjährige Philosophische Sommerwoche bringen, wozu
alle Interessenten herzlich eingeladen sind.
Zum Titelbild: Gasmaske aus dem Ersten Weltkrieg,
Sonderausstellung „Fastnacht der Hölle“ im Haus der
Geschichte Baden-Württemberg (Stuttgart).
Zur Teilnahme
Tagungskosten
- inkl. Verpflegung, Übernachtung und Theateraufführung
im Einzelzimmer
€ 325,00
im Doppelzimmer
€ 310,00
Studierende (nur DZ)
€ 234,00
ohne Übernachtung/Frühstück
€ 250,00
ermäßigt ohne Übernachtung/FR
€ 165,00
Es ist nur eine Teilnahme an der gesamten Tagung möglich!
Die Teilnehmerzahl ist auf max. 75 beschränkt
Anmeldung und Rückfragen
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
– Geschäftsstelle –
Assistenz: Martina Weishaupt
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640-729; Fax: +49 711 1640-829
E-Mail: [email protected]
Die Anmeldung zur Tagung erbitten wir schriftlich (Anmeldekarte, Fax, E-Mail) spätestens bis zum 24.07.2014. Sie
erhalten eine Anmeldebestätigung. Bitte kommen Sie nicht
unangemeldet zur Tagung! Bei Rücktritt von der Anmeldung
vom 24.07.-01.08.2014 (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen
den Tagungsbeitrag in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person
befreit von den Stornogebühren.
Tagungshaus und Anreise
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
– Tagungshaus Weingarten –
Kirchplatz 7, 88250 Weingarten
Tel: +49 751 5686 0; Fax: +49 751 5686 222
Anreise: Mit der Bahn bis Ravensburg, dann mit dem Bus
Linie 2 bis Weingarten „Post“, bei der Basilika geht es durch
den linken Torbogen zur Rückseite der Klosteranlage. Mit
dem PKW auf der B30 (Ulm – Friedrichshafen), Abfahrt
„Weingarten“, dann der Beschilderung „Kath. Akademie“
folgen (Ruftaste an der Schranke; Parkplätze von der Akademie ausgewiesen). Der Flughafen Friedrichshafen liegt
20 km entfernt; er ist unmittelbar an die Bahnlinie angeschlossen.
Hinweis für unsere Gäste: Durch die Unterbringung von
Flüchtlingen im Gästehaus der Akademie müssen wir teilweise Zimmer in externen Hotels anbieten, wofür wir auf
Verständnis hoffen. Mit der Einrichtung eines Shuttleservice
wollen wir die damit entstehenden Unannehmlichkeiten so
gering wie möglich halten.
Philosophische Sommerwoche
Chaos, Hybris und Tragik
Die Fehlbarkeit der Freiheit und
das Problem des Bösen
4. bis 7. August 2014
Tagungshaus Weingarten
Montag, 4. August 2014
Ab 15.00 Uhr
Anreise und Kaffee
16.00 Uhr
Einführung in die Thematik
Dr. Klaus W. Hälbig, Akademiereferent
16.15 Uhr
Der Mord am Sonntag
TV-Krimis und das quasi-religiöse Spiel mit dem Bösen
Dr. Elisabeth Hurth, Wiesbaden
20.00 Uhr
Vorhölle und Gericht
Ikonographie der letzten Dinge von
den Anfängen bis zum Spätmittelalter
Dr. Marco Sorace, Aachen
Dienstag, 5. August 2014
9.00 Uhr
Gibt es das Böse, und wenn ja, was ist es?
Das Böse als Problem der Philosophie
Dr. Thomas Petersen, Heidelberg
11.00 Uhr
Das Böse in der Natur
Physische Übel - das „Zweckwidrige in der Welt“
(Immanuel Kant)
Dr. Thomas Petersen, Heidelberg
15.30 Uhr
„Mozart vergib deinem Mörder“
Zur Aufführung „Amadeus“ der
Klosterfestspiele Weingarten
Christof Küster, Regisseur
20.00 Uhr
Höllen im Diesseits
Von Goya bis zur Gegenwart
Dr. Marco Sorace, Aachen
Mittwoch, 6. August 2014
9.00 Uhr
Ist der Teufel böse?
Zur Personifizierung transzendenter Bedrohung
Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann, Berlin
11.00 Uhr
Abgetrennt von Gottes Einheit
Die Konzeption des Bösen in der Kabbala
Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann, Berlin
15.00 Uhr
Verkehrung des Guten
Die metaphysische Dimension des Bösen
Dr. Helmut Müller, Koblenz
17.00 Uhr
Der Weg des Menschen zwischen Schicksal und Freiheit
Perspektiven einer Theologie der Lebenskunst
Dr. Helmut Müller, Koblenz
20.30 Uhr
Amadeus von Peter Shaffer
Premiere des Bühnenkrimis der
Klosterfestspiele Weingarten
im Innenhof der Akademie
Donnerstag, 7. August 2014
9.00 Uhr
„Erlöse uns von dem Bösen“
Die Entdeckung des absolut guten
Gottes im Theodrama des Glaubens
Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden
11.00 Uhr
Vergebung der Sünden
Die Mitte des Christlichen
Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden
12.30 Uhr
Mittagessen und Ende der Tagung
Tagungsleitung
Dr. Klaus W. Hälbig
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
ReferentInnen
Dr. Gotthard Fuchs
(*1938), Studium der Philosophie, Theologie und Pädagogik, Priesterweihe 1963 in Paderborn, 1983 bis 1997
Direktor der Kath. Akademie der Diözesen Fulda, Limburg
und Mainz, Ordinariatsrat.
Dr. Elisabeth Hurth
(*1961), Studium der Amerikanistik, Germanistik und
kath. Theologie in Mainz und Boston, 1992 Promotion
in Mainz in Germanistik; Dozentin, Lerntherapeutin und
Publizistin.
Christof Küster
(*1969), Schauspielausbildung an der Hochschule für
Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main, Tätigkeiten als Schauspieler und Regisseur, seit 2008 künstlerischer Leiter des Studio Theater Stuttgart, 2012
Regiedebüt Klosterfestspiele.
Dr. Helmut Müller
Studium der Philosophie und Theologie in Bonn und
München, 1988 Promotion in München, seit 1992 Wiss.
Mitarbeiter am Institut für Kath. Theologie der Universität
Koblenz-Landau.
Dr. Thomas Petersen
(*1953), Studium der Philosophie und Germanistik,
1988 Promotion in Philosophie in Heidelberg, 1995
Habilitation; Privatdozent, Gastprofessuren und Professurvertretungen.
Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann
(*1946), Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft,
Geschichte und Theologie in Bochum, 1974 Dissertation
zum Thema „Maschine und Teufel“, 1981 Habilitation,
seit 1989 Professur für Philosophie in Berlin, 2013
Hamann-Forschungspreis.
Dr. Marco Sorace
(*1970), Studium der Katholischen Theologie und Kunstgeschichte in Bonn und Bochum, 2007 Dissertation zur
Theologie des Bildes, seit 2011 Referent an der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen.