Probelektion

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Probelektion
Eventmarketing
Lernheft 9
Argumentation von Events
Inhaltsverzeichnis:
9.1
Einleitung ...............................................................................................
2
9.1.1
Ethik und Werte .....................................................................................
2
9.2
Events und Trendforschung ..................................................................
4
9.2.1
Wer macht Trends? ...............................................................................
4
9.3
Der Sinn der Trendforschung ................................................................
5
9.3.1
Trenddiagnostik .....................................................................................
5
9.3.2
Die Macher der Trendforschung ............................................................
6
9.3.3
Semiotische Analysen ...........................................................................
7
9.3.4
Monitoring ..............................................................................................
7
9.3.5
Delphi-Studien .......................................................................................
8
9.3.6
Trendsportarten .....................................................................................
8
9.4
Das Phänomen der Adrenalin-Kicks .....................................................
12
9.5
Die westliche Welt .................................................................................
12
9.5.1
Die ewige Suche nach Perfektion..........................................................
14
9.5.2
Wie viel Risiko braucht der Mensch? ....................................................
14
9.5.3
Abenteuerlust.........................................................................................
15
9.5.4
Risiken ...................................................................................................
16
9.6
Selbstlernaufgaben ................................................................................
16
9.7
Zusammenfassung ................................................................................
17
9.8
Hausaufgabe .........................................................................................
18
9.9
Lösungen zu den Selbstlernaufgaben ...................................................
18
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DE-1074-00-00
Argumentation von Events
9.1
Lernheft 9
Einleitung
Die derzeitige wirtschaftliche Situation ist von sinkenden Gewinnen, Einsparung und
damit auch Freistellungen geprägt. Es ist schwierig, Events – die immer noch viel zu
sehr mit dem „Bespaßungsfaktor“ verbunden werden – intern und vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, wenn gleichzeitig Mitarbeiter entlassen werden.
Der Eventmanager wird sich auf dieses Thema einstellen müssen.
Das Thema „Trends“ schließt sich unmittelbar an: Wenn schon Events vor dem o.g.
Hintergrund geplant werden, dann sollen sie doch – zumindest aus der ersten
Kundensicht – so überragend sein, dass das „Rad neu erfunden wird“ und so die
Investition lohnend scheint.
Lernziele:
Sie können nach Durcharbeitung dieses Lernhefts
–
Hintergrundwissen über Werte der Menschen für die der Eventmanager Events
umsetzen.
–
Analysen der Trendforschung und Zusammenhang zum Eventmarketing
durchführen.
–
relevanten Spaß- und Abenteuerfaktoren zur Planung von Events anwenden.
Erklärung der Symbole
Selbstlernaufgaben
Hausaufgabe
Zusammenfassung
Hinweise/Tipps
Lösungen zu den
Selbstlernaufgaben
Notizen
Anhang
9.1.1
Ethik und Werte
„Wenn wir es schaffen, Moral und Ethik in unser wirtschaftliches Handeln mit
einzubeziehen, werden wir noch größeren Erfolg haben. Zu Deutsch: mehr Geld
verdienen.“ Daniel Goeudevert (Ehemaliger Vorstandvorsitzender VW)
Was wäre die Eventkultur ohne die Berücksichtigung von Ethik und Werten?
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Argumentation von Events
Lernheft 9
Das Thema „Ethik“
Jeder Eventmanager ist frei in seiner Entscheidung, ob er den Etat eines Pelzhandels
betreuen möchte, für welche Partei (in jedem Wahlkampf werden riesige Budgets
vergeben) gearbeitet werden soll und wo es Sinn macht, sich auch für ein sehr
geringes Honorar „aus dem Fenster zu lehnen“.
Wie unverschämt auch mit den Ideen und Konzepten der Eventmanager umgegangen
wird, verdeutlichen die vielen unbezahlten Agentur-Pitches (Agenturpräsentationen/
Agentur-Wettbewerbe) zur Auftragsvergabe. Es geht oft gar nicht um eine Auftragsvergabe, sondern darum möglichst viele gute Ideen in Kenntnis zu bringen, um sie
dann zu irgendeinem Zeitpunkt selbst zu realisieren oder anderweitig zu verwenden.
Die Eventmanager erfahren nur wenig über das, was mit den Konzepten später
geschiet; sie bekommen – wenn überhaupt!!- nur eine Absage.
Zum Thema „Werte“
Macht man sich die Mühe und hört Menschen „aktiv“ zu und beobachtet sie, so
wundert man sich zunehmend über den Umgang untereinander. In Zeiten ohne
E-Mails war ein Geschäftsbrief ohne höfliche Anrede und freundlichen Grüßen
undenkbar; überlegen Sie aber einmal wie unsere Mails aussehen...
Im Endeffekt urteilt der Mensch stets in allen seinen Handlungen oder Gedankenvorgängen und steht Emotionen wertend gegenüber. Er handelt, indem er ein
Werturteil fällt. Selbst wenn es sich später als irrational oder unpassend herausstellt,
ist es in dem Moment− in dem er handelt − für ihn „richtig", akzeptabel, für ein
bestimmtes Ziel ausschlaggebend oder unumgänglich. Jegliche „freie" Handlung ist
also bedingt durch das vorherige Werten.
Grundsätzlich gilt, dass Werte in der Persönlichkeitsstruktur der einzelnen Individuen
verankert sind. Um positive Gefühlserlebnisse zu haben, werden persönliche Opfer
gebracht und Anstrengungen unternommen (motivational). Werte stellen eine
Richtschnur und Leitlinie dar, an denen die Menschen ihr Leben in der Gesellschaft
orientieren. Werte sagen etwas darüber aus, was als Lebensinhalt wünschenswert ist,
was als wertvoll empfunden wird.
Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich in der westlichen Welt ein Einstellungswandel
angekündigt, bei dem das eigene Wohlbefinden wichtiger als die materielle Wohlstandssteigerung wurde. Zugleich wurde die individuelle Bedeutung der Lebensqualität wieder entdeckt. Die Lebensqualität zählt zu den höchsten Werten einer
modernen Gesellschaft. Das ist eine gute Grundvoraussetzung für die Welt der
Veranstaltungen und Events. Menschen wollen erleben, genießen, Abenteuer erleben.
Die menschliche Natur braucht ganz offensichtlich diesen Prozess zum Leben und
Überleben, da die Nichterfüllung dieser Wünsche unweigerlich zu Unzufriedenheit
führt. Zufrieden und glücklich sein sind nur andere Umschreibungen für Lebensqualität. Das Zufriedensein ist eher das Ergebnis einer verstandesmäßigen
Bewertung, während das Glücklichsein mehr einen Gefühlszustand beschreibt, der
aus positiven Erlebnissen und Erfahrungen herrührt.
Die emotionale Ebene der Lebensqualität resultiert aus dem Bedürfnis nach
Abschalten und Abreagieren, nach Aufbauen und Auftanken. Man will sich vom
Leistungsdruck lösen, sehnt sich nach Ausgeglichenheit und Gelassenheit. Doch das
Wohl-Gefühl stellt sich nur vorübergehend ein. Aus Angst, in Lethargie zu verfallen,
entsteht schnell wieder der Anspruch „etwas erleben zu müssen“. Das Wissen um
diese natürlichen, menschlichen Abläufe wird Ihnen dabei helfen, erfolgreiche Events
umzusetzen – denn wir haben es immer mit Menschen zu tun.
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Argumentation von Events
9.2
Lernheft 9
Events und Trendforschung
Sicherlich befinden sich die Eventmanager mehr und mehr auf der Suche nach dem
„einmal-im-Leben-Ereignis“ für sich privat, aber auch als Wunschprojekt. Seit den
achtziger Jahren hat sich in der westlichen Wohlstandswelt eine Tendenz gebildet, die
das ganze Leben als Erlebnisprojekt begreift. Trotz gesellschaftlicher Krisensymptome, trotz Arbeitslosigkeit und sozialer Gleichgewichtsstörungen, gilt es das Leben
mit möglichst vielen Erlebniswerten auszustatten. Der Mensch befindet sich auf der
Glücksuche und stellt diese als existentiellen Basiswert an vorderste Front. Es
entsteht eine hektische Suche nach neuen Trends, nach neuen Inszenierungsmöglichkeiten des Ich, nach neuen Chancen des Ausdrucks. Nur die wenigsten können
sich „Kults“ und „Trends“ entziehen.
Ein Thema, welches jeden Eventmanager beschäftigen sollte, ist die Trendforschung.
Stets muss man die Augen aufhalten nach dem „ultimativen Kick“, nach „dem
Besonderen“. Was begeistert die Menschen? Denn alles das muss bei der Planung
des Eventmarketings und der Umsetzung von Events berücksichtigt werden. Der
Begriff „Trend“ hat vielerlei Gesichter. Allein die Fragen wer die Trends macht, wo sie
entstehen und ob man ihnen folgen sollte, lässt Experten seit Jahren aneinandergeraten.
Zunächst sollte man sich mit der Entstehungsgeschichte des Begriffes beschäftigen.
Für den Duden von 1961(!) ist ein Trend ein englisches Wort, das die „Grundrichtung
einer statisch erfassten Entwicklung“ bezeichnet. In den sechziger und siebziger
Jahren galt der Begriff vor allen in den Bereichen „Sexualität“ und „neuer Zärtlichkeit“
und wurde wiederum vom Trend „Seitensprung“ abgelöst. Im öffentlichen Diskurs
jedoch spielt die Trendkategorie erst seit Mitte der achtziger Jahre eine Rolle. Vor
allem in den großen Städten entwickelt sich ein kulturelles Umfeld, in dem der Begriff
im Zusammenhang mit schnellen Lifestyle-Wechseln verwendet wird. Trends gelten
gar schon als arrogante Codierung und bezeichnen eine kleine Gruppe von
Menschen, die über die neuesten Codierungen der Kultur und Mode genau informiert
sind. Der Lebensstil steht an vorderster Front.
9.2.1
Wer macht Trends?
Derselbe Begriff kann auf zwei völlig divergenten Ebenen gebraucht werden; die eine
Bedeutung zielt auf den Kontext der Mode, die andere auf gesellschaftliche Wertewandel- Prozesse. Zu Beginn der neunziger Jahre war es die Popkultur, die die
Trends steuerte; die Politik verlor in diesem Zuge ihre Rolle als gesellschaftsformende
Kraft. Weiterhin waren es die Designer und Rebellen, die die fortschreitende
Individualisierung gegenüber den Systemen vorantrieben. Der „Eigensinn der
Gesellschaft“ nahm in den Achtzigern deutlich zu und danach schritt er unaufhaltsam
weiter. Die Trends verlaufen „prozesshaft“ und für die Sozialwissenschaften, aber
auch für den einzelnen, bewirkt dieser Prozess den Verlust der Kontrolle.
Die Existenz einer „Trendgesellschaft“ bedeutet, dass wir kulturellen und sozialen
Kräften unterworfen sind, die wir weder kontrollieren noch in einfache Raster fügen
können. Ein Entziehen ist gänzlich unmöglich, insbesondere in der Eventbranche. Die
Zielgruppe möchte „trendy“ sein, möchte Teil der Trendgesellschaft sein. Trends
werden − so denken die meisten − von blasierten Trendsettern, Modeavantgardisten
oder Trendscouts geschaffen. Zunehmend versucht sich eine Abwehrfront zu bilden,
4
Argumentation von Events
Lernheft 9
es brüsten sich die sogenannten „Individualisten“, die sich von den anderen „die den
Trends nachrennen“ abheben möchten − ob es ihnen tatsächlich gelingt, bleibt offen.
Trends haben eine Sogwirkung, deren Stärke sich die wenigsten bewusst sind.
9.3
Der Sinn der Trendforschung
Trendforschung ist der Versuch Veränderungen zu erfassen, Dynamiken zu begreifen,
Ereignisse, Institutionen in Frage zu stellen. Verdeutlicht: Das Eigenleben der komplex
gewordenen Gesellschaft zu ergründen. Die Trendforschung versucht Begriffe
bereitzustellen, mit deren Hilfe wir in unserer unüberschaubaren Lebenswelt wieder
die Übersicht zurückgewinnen können. Der Trendforscher hat die Aufgabe, dem
verwirrenden Sachverhalt „moderne Gesellschaft“ eine sprachliche Zuordnung und
damit eine Reduktion der Vielfältigkeit abzuringen.
9.3.1
Trenddiagnostik
Einen Trend zu diagnostizieren ist nicht immer ganz einfach. Modetrends z. B. entwickeln eine unkalkulierbare Eigendynamik; entscheidend jedoch ist, ob das
Phänomen in mehreren Bereichen gleichzeitig erscheint. Die Lust an einer Sache
muss sich in vielen Sektoren unserer Alltagskultur bemerkbar gemacht haben, um als
Trend anerkannt zu werden. Manche Hinweise, mit denen eine Trendprognose
beginnt, stammen einfach aus einer Statistik (Beispiel: Die Heiratsquote fällt).
Ganz große Trends − die sogenannten Gesellschaftstrends − verlaufen auf einer ganz
anderen Ebene. Sie sind Ableitungen aus hochkomplexen Modellen: ihre Auswirkungen müssen sich vordergründig noch gar nicht zeigen. Im Grunde genommen sind
sie nichts anderes als die durch Analysen aus dem Bereich der Sozialwissenschaften
gewonnene Entwicklungstendenzen.
Die Phasen:
Phase 1: In der ersten Phase betätigen sich Trendforscher als „Traumdeuter“ der
Gesellschaft. Erkennt man in der ungeheuren Vielzahl von Medien,
Kleidungsstücken, Werbebotschaften, Veranstaltungen usw. einen
wiederkehrenden Code, so wird er interpretiert und konkretisiert. Dafür sind
Erfahrung und eine gesunde Portion an Intuition unabdingbar.
Phase 2: Grundlage ist über Anzeichen zu verfügen, die auf das Vorhandensein
eines Phänomens hindeuten. Gestützt werden muss das Ganze am besten
durch entsprechende Statistiken, die die Rolle des Beweismaterials
übernehmen. Die Frage, die sich stellt, lautet: Gibt es Indizien dafür, dass
der ins Auge gefasste Trend sich in verschiedenen Schichten,
Altersgruppen, Bereichen der Gesellschaft ausbreitet?
Phase 3: Der ökonomische Prozess ist eine Kontrolle, ob sich der Trend auch
ökonomischen Prozessen, in Marketingkonzepte einfügen lässt. In dieser
Phase entscheidet sich auch um welche Trendart es sich handelt:
–
Allgemeiner Trend
–
Branchentrend
–
Trend auf Konsumentenebene
5
Argumentation von Events
Lernheft 9
Übersteht eine Idee/ein Phänomen den Gedankenweg dieser Phase, so muss es
„benannt“ werden. Man bezeichnet diese Prozedur als „naming“.
Phase 4: In der deutschen Sprache geht es zumeist um Werte, Tiefe und Ewigkeit
das ist ein Grund warum sich die deutsche Sprache so wenig für
Trendbegriffe eignet. Trendwörter müssen Einprägsamkeit und einen
interessanten Klang mitbringen, um wirken zu können. Doch schnell kann
man diese Wortneuschöpfungen missverstehen; so haben Tests
bewiesen, dass die Deutschen die einfachsten Slogans und Wörter nicht
richtig übersetzen können. Begriffe, wie „purifikation“, „compost“ oder
„modernism“, zeigen, dass es nicht ganz einfach ist, die richtige Bedeutung
zu definieren. Leichter wird es bei Trendbegriffen wie „basic“. Im Grunde
spiegelt dieser Begriff das Bedürfnis nach Schlicht- und Einfachheit wieder
und richtet sich gegen alle Formen von Stress. Der Begriff „basic“ hat
weiterhin auch etwas mit dem Überangebot der Waren zu tun. Der Begriff
wurde mit Kusshand aufgenommen und zumeist − so zumindest in der
„Bildungsschicht“− sogar verstanden. Es ist eine wahre Herausforderung
einen Trend zu benennen und dabei sind immer die ästhetischen
Spielregeln der Gesellschaft zu berücksichtigen.
9.3.2
Die Macher der Trendforschung
Die Methoden der Trendforschung allgemeingültig zu umschreiben, ist schwierig,
zumal das Spektrum an Agenturen und Einzelgängern in diesem Sektor mittlerweile
recht unübersichtlich geworden ist.
Trendpublizisten beispielsweise beschäftigen sich fast ausnahmslos mit sprachlichen
Experimenten und Begriffsbildungen. Nicht unüblich ist es, dass diese Personen
jährlich neue Bücher herausbringen. Erst der Erfolg des prognostischen Outputs
entscheidet, ob man es mit einem Profi zu tun hat und das kann erfahrungsgemäß
Jahre in Anspruch nehmen.
Trendkreative kristallisieren sich seit Beginn der Neunziger heraus. Sie diagnostizieren, bewerten und beleuchten Trends und setzen sie um. Das Erspüren von
Trends (Forecasting) lässt diese Agenturen den Ton angeben. Es spielt neben der
praktischen Erfahrung auch die Intuition eine große Rolle. Eine Rolle, die Frauen
besser beherrschen als Männer und somit stehen diese auch oft im Mittelpunkt der
Agenturen. Das entscheidende Qualifikationselement ist jedoch das Verständnis und
Einordnen von Symbolen, welche die Alltagskultur aussendet.
Nicht weit entfernt von den Trendkreativen befinden sich die Trend-Marketingconsulter, die im Gegensatz zu den Trendkreativen auf die Marketingebene
spezialisiert sind und zumeist in der Markenartikel- Industrie eingesetzt werden.
„Trendyness“ und „Hype“ stehen hier im Vordergrund.
Die Meinungs- und Marktforschungsinstitute mit Trendausrichtung bilden eine vierte
Gruppe. Benötigt wird ein Umfeld, in dem Menschen der verschiedenen Spezialgebiete und Denkrichtungen einen permanenten Dialog über unsere Gegenwart und
Zukunft führen können. Erst dieses Umfeld ermöglicht den Unternehmen, Trends zu
definieren. Jede dieser „Auseinandersetzungen“ muss die realistischen Möglichkeiten
genauso beleuchten wie das „Wünschbare“. Eine gesunde Kombination dieser
Faktoren ist überlebenswichtig und verhindert Kreativitätsblockaden.
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Argumentation von Events
9.3.3
Lernheft 9
Semiotische Analysen
Die Semiotik ist die Lehre von Zeichen und ihrer Deutung. Priorität hierbei hat die
Interpretation von Zeichensystemen, die uns tagtäglich begegnen. Zeichen können
verbaler Natur (Sprache, Schrift) oder aber nonverbaler Kultur (Bilder, Gestik, Mimik,
Verhalten, Körperhaltung, Kleidung etc.) sein. Zeichen transportieren und vermitteln
Bedeutungen. Als „Semiotiker“ muss man gleichsam sensibler Beobachter und
penibler Analytiker sein.
Semiotische Analysefelder sind:
–
Körperbilder
–
Medien
–
Gestik, Mimik
–
Sprache
–
Produkte
–
Musik
–
Kleidung
–
Wohnung
–
Verhalten
–
Emotionen
–
Einstellungen
–
Sehnsüchte
–
Werte
Grundsätzlich sollte man verinnerlichen, dass das wirklich Interessante an der
Analyse ist, echte „Nischen“ zu entdecken und nicht die Themenfelder zu bearbeiten,
die schon andere hinter sich gebracht haben. Es gilt eine wirkliche Recherchekraft an
den Tag zu legen. Wichtig ist, dass mit der Zeit ein Wissensfundus zur Verfügung
steht, auf den man jederzeit zurückgreifen kann.
9.3.4
Monitoring
Monitoring bezeichnet einen Prozess, der ein „Bewegungsbild“ einer bestimmten
gesellschaftlichen Gruppe zeigt. Im Grunde genommen also ein klassisches
Berufsfeld: Journalistische Arbeit/ Feldrecherche, doch es hat mehr Tiefe und verlangt
nach einem Querschnitt der Entwicklungsdynamik.
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Argumentation von Events
9.3.5
Lernheft 9
Delphi-Studien
Das menschliche Hirn ist der beste Informationsträger. Spezialwissen, das sich im
Kopf eines Fachmanns oder einer Fachfrau über Jahre ansammelt, ist das kostbarste
Wissen überhaupt. Delphi-Studien ermöglichen eine schriftliche Form der Experteninteraktion. Eine Auswahl an Fachexperten wird mit verschiedenen Thesen
konfrontiert und zu einer Stellungnahme animiert. Die wiedereinkehrenden Expertisen
werden ausgewertet und koordiniert, bevor das Ergebnis nochmals den Experten
zukommt. Nach erneutem Rücklauf bildet sich eine Zusammenfassung aus geballtem
Fachwissen und diese gibt wichtige Aufschlüsse und Annahmen über die zukünftige
Gestalt und Ausprägung der Themen.
9.3.6
Trendsportarten
Ein Begriff, der sich durchgesetzt hat. Es folgt eine Übersicht über die Sportarten, die
im Trend der Zeit liegen.
–
American Football: Flagfootball
–
Baseball
–
Beachsport: Beach Minton, Beach-Basketball, Beach-Handball, Beach-Soccer,
Beach-Tennis, Beach-Volleyball, TAMbeach
–
Bergsport: Canyoning, Drachenfliegen, Klettern, Freeclimbing, Mountainbiking,
Trekking
–
Flugsport: Drachenfliegen, Paragliding, Skydiving, Ballonfahren
–
Kangoorobic
–
Kyodo
–
Pelota
–
Lacrosse/Intercrosse
–
Motorsport: Go-Kart, Motorrad, Motorschlitten
–
Radsport: BMX-Rad, Mountainbiking, (Trekking-Rad)
–
Richocet
–
Rollsport: Inline-Skating, Kickboarding, Mountainboarding, Rasenboarding,
Roller-Soccer, Skateboarding, Snakeboarding
–
Sandboarding
–
Sepaktakraw
–
Straßenrodeln
–
Wassersport: Cliff Diving, Kiteskiing, Rafting, Surfen, Tauchen, Trampofoil,
Wakeboarding, Wasserski, Windsurfen
–
Wintersport: Trick-Ski, Skeleton, Skiboarding, Snowboarding, SnowboardTrekking
Sicherlich ist die eine oder andere Wortschöpfung nicht bekannt. Als Eventmanager
müssen Sie jedoch ständig auf dem Laufenden sein, um möglicherweise diese
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Argumentation von Events
Lernheft 9
Trendsportarten in Ihre Veranstaltungsplanung einbeziehen zu können. Somit sollen
an dieser Stelle einige Sportarten erläutert werden.
Sepaktakraw: Zwei Mannschaften mit jeweils drei SpielerInnen versuchen, einen
Rattan- oder Synthetikball in einem Badmintonfeld mit den Füßen oder anderen
Körperteilen, nur Arme bzw. Hände sind tabu, so zu spielen, dass der Ball, ohne den
Boden im eigenen Feld zu berühren, unerreichbar ins gegnerische Feld geschlagen
wird. Drei Ballkontakte sind je SpielerIn bzw. maximal pro Team erlaubt. Ziel ist es,
ähnlich dem Volleyball, den Rattanball für die gegnerische Mannschaft unerreichbar in
das Feld zu schmettern. Mit einem Insidekick wird der Rattan- oder Synthetikball hoch
in die Luft gestellt, damit akrobatische Techniken (Salti, Scherenschläge, gedrehte
Fallrückzieher) für den Angriffschlag angewendet werden können.
Lacrosse: Lacrosse ist ein Mannschaftssport, der auf einem Rasen- oder Kunstrasenplatz gespielt wird. Ziel des Spiels ist, den Ball mit mit dem Schläger ("Stick") in das
gegnerische Tor zu schleudern. Die quadratischen Tore (1,83 m Seitenlänge) sind
dabei, ähnlich wie beim Eishockey, auf das Spielfeld eingerückt. Auf dem Spielfeld
befinden sich 2 x 10 Spieler: ein Torwart und je drei Verteidiger, Mittelfeldspieler und
Angreifer. Die dabei benutzten Schläger haben eine Länge von etwa 1 m (Angriff/
Mittelfeld) bzw. 1,8 m (Verteidigung) und bestehen aus Aluminium oder Holz. Der
Schlägerkopf besteht aus einem Plastikrahmen, in dem ein aus Leder geflochtenes
Netz gespannt wird.
Tamburello: Das TAMburello ist ein neues Spielgerät, das bereits viele Schulen und
Vereine in Deutschland für sich entdeckt haben. Ganz ohne aufwendige Vorbereitungen lässt sich das TAMburello drinnen und draußen vielseitig einsetzen und
bietet eine Reihe interessanter Spielformen für einen, zwei oder mehrere Spieler. Das
TAMburello hat eine auffällige, kreisrunde Form und ist mit einer Nylonmembran
bespannt. Es hat keinen Schaft wie gewöhnliche Schläger, sondern eine Lederlasche,
die den festen Griff und die direkte Nähe zur Schlagfläche ermöglicht. Der Ball kann
mit viel Gefühl und (durch die besondere Bespannung) ohne Kraftanstrengung
gespielt werden. Das TAMburello fördert so die Entwicklung der Motorik, vor allem
aber die Auge − Hand − Koordination.
Kyodo: Kyûdô (Kyû = Bogen, Dô = Weg) ist eine der klassischen japanischen
Kampfkünste, die sich aus den Waffentechniken der Samurai entwickelt haben. Mit
der Einführung der Feuerwaffen und ihrer in den folgenden Jahrzehnten schnell
zunehmenden Anwendung in der Kriegsführung verlor der Bogen seine zentrale
militärische Bedeutung als Kriegswaffe. Geübt wird mit dem ca. 2,20 m langen
japanischen Langbogen. Weitere äußerliche Besonderheiten sind die traditionelle
Kleidung und die zeremoniellen Bewegungsformen für Demonstrationen, Prüfungen
und Meisterschaften.
Pelota: Pelote Vasca ist eine Ballsportart, bei der zwei oder mehr Spieler einen
Kautschukball abwechselnd gegen eine Wand schlagen. Als Sportgerät dient die so
genannte Chistera, ein bogenförmig geschwungener Schläger mit einer Mulde, der es
ermöglicht, den mit sehr hohen Geschwindigkeiten fliegenden Ball zu fangen und zu
werfen. Die Wertung ist der des Tennis ähnlich.
Skeleton: Als Kinder fuhren wir schon gerne mit dem Kopf voran auf verschneiten
Hügeln hinunter. Skeleton-Piloten machen dies mit wachsender Begeisterung in der
Eisbahn: bäuchlings stürzen sie sich in den Eiskanal mit einer Spitzengeschwindigkeit
von bis ca. 120 km/h und das nicht mehr als 5 cm über dem Eis. Dieser Sport
verbindet Feingefühl mit aufregender Geschwindigkeit.
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Argumentation von Events
Lernheft 9
Trampofoil: Zehn Jahre hat ein erfinderischer Schwede namens Alexander Sahlin an
seinem Trampofoil gebastelt, das ihn mit bis zu 20 km/h über das Wasser transportiert. Das wundersame Ding ist etwa 2,90 m breit und geht sofort unter, wenn man
sich darauf stellt. Erst wenn man auf ihm auf und ab hüpft, beginnt es sich langsam
fortzubewegen. Die Funktionsweise ist den Flugzeugen abgeschaut: bei der Auf- und
Ab- Bewegung erzeugen die Flügel im Wasser einen Auftrieb, gleichzeitig einen
Vortrieb. Damit ist aber nicht gleichzeitig für die Stabilität gesorgt, denn zum einen
muss man ständig in Bewegung bleiben oder mit dem Gerät ans Ufer zurückschwimmen, zum anderen sind Kurvenfahrten nur durch Gewichtsverlagerung zu
realisieren. Dabei nicht umzukippen, bedarf einiger Übung.
Sandboarding: Anders als beim Snowboarden düst man beim Sandboarden nicht
einen schneebedeckten Hang hinab, sondern einen Sandberg.Wichtig ist nur, dass
der Hang sehr steil ist, da der Widerstand des Sandes deutlich höher ist als der von
Schnee. Deshalb werden zum Sandboarden hauptsächlich relativ kurze und leichte
„Boards“ verwendet. Dadurch wird einem das Drehen erleichtert. Die Wurzeln des
Sandboardings sind im Süden der USA und in Brasilien zu finden. Schon Ende der
40er bzw. 50er Jahre kamen die ersten Vorreiter dieser Trendsportart auf die Idee,
abschüssige Sandhänge mit allen denkbaren „Boards“ herunterzurasen.
Kangoorobic: Kangoo Jumps sind sehr einfach zu bedienende Springstiefel für den
breiten Markt. Man kann damit bis zu 70 cm aus dem Stand springen und bis zu 2,5 m
lange Sprünge machen. Gedacht sind die Kangoo-Jumps für den Fitnessgebrauch
und für medizinische Anwendungen. Die Kangoo-Jumps sind aus einem Schuh und
den Federn aufgebaut. Der Schuh ähnelt einer Mischung aus Skischuh und Inlineschuh. Passend zu den Jumps wurde 1996 das erste „Kangoo’Robic Programm“ mit
innovativen Übungen beim Gebrauch der Kangoo Jumps entwickelt. Eine Vielzahl von
bekannten europäischen Fitness Clubs bieten heute schon „Kangoo’Robic Kurse“ an.
Snakeboarding: Das Einzige was ein Snakeboard und ein Skateboard gemeinsam
haben, sind die vier Rollen und der Untergrund auf dem sie laufen. Das Snakeboarding begeistert durch seine ungewöhnliche Art der Fortbewegung, in der sich
rhythmische Eleganz mit sportlicher Koordination verbindet. Beim Snakeboard bewegt
man das Brett durch Verlagerung des eigenen Körpergewichts und gleichzeitigem
gegeneinanderdrehen der Füße (schlangenförmig) voran. Daher auch der Name
„Snakeboard". Englisch: „Schlangenbrett".
Tambeach: Man nehme: die Tennisregeln, einen Tennisball, ein Tamburin als Schlaggerät, viel Sand, Sonne und vor allem Spaß. Dann verändere man die Originalregeln
und -geräte ein wenig. Heraus kommt Tambeach: schrill, trendy und ganz schön
anstrengend. Tambeach kann nahezu von jedem gespielt werden. Es ist schnell
erlernbar, wird aber nicht langweilig, da die Anforderungen steigerungsfähig sind.
Tambeach kann zu zweit oder mit mehreren Teilnehmern gespielt werden, auf
engstem Raum oder über die Länge des gesamten Strandes. Am wichtigsten ist der
Schläger, der aussieht wie ein Tamburin ohne Schellen. Er besteht aus einem runden
Kunststoffrahmen (26 bis 28 Zentimeter), der mit einer membranartigen Nylonhaut aus
kräftigem Fasergeflecht bespannt ist.
Am Rahmen des Schlägers ist eine Lasche zur Befestigung an der Hand angebracht.
Nun fehlt nur noch ein engmaschiges, 2,10 Meter hohes Netz, das die Spielfeldhälften
voneinander trennt und schon kann es losgehen! Mit dem Schläger jagt der Spieler
einen druckverminderten Tennisball direkt und volley (das heißt ohne Aufprall im
gegnerischen Feld) über das Netz, um den Gegner geschickt auszuplatzieren. Die
Kunst liegt in einer Verbindung aus Ballbeherrschung und konditioneller Überlegenheit.
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Argumentation von Events
Lernheft 9
Cliff diving: Vor fast 250 Jahren forderte einmal ein König von seinen Kriegern (als
Loyalitätsbeweis) den „lele kawa", einen Sprung von einem 20 Meter hohen Felsen
ins Wasser. Die Cliff diver von heute steigen noch einmal 5 Meter höher. Innerhalb
von drei Sekunden beschleunigen die Springer vom Absprung bis zum Eintauchen
von null auf 100 Stundenkilometer. Diese Geschwindigkeit erlaubt nur ein vollkommen
senkrechtes Eintauchen, sonst droht höchstes Verletzungsrisiko - und das nach
diversen Salti und komplizierten Schrauben.
Sky diving: Schon immer hat es den Mensch fasziniert den Körper hinter sich zu
lassen, sich körperlos zu fühlen, den Leib und damit alle verbundenen materiellen
Zwänge zu vergessen. Sky diving- kurz: Fallschirmspringen!
Wakeboarding: Wen wundert es: Wakeboarding wurde in den USA erfunden, wo
Wasserski schon seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Fans hat. In den
frühen 80er Jahren ließen sich Wellenreiter von einem Boot ziehen und nutzten die
Heckwelle (englisch: wake) als Schanze aus, um in die Luft zu springen. Aus diesen
Anfängen entwickelte sich später die Sportart Wakeboarding. Aus den zwei Wasserskiern wurde ein 1,30 bis 1,50 Meter langes Brett, auf dem die Wakeboarder quer
stehen. Meistens können sie das Brett in beide Richtungen fahren. Mitte der 90er
Jahre schwappte die Welle nach Deutschland über. Seitdem verdrängt sie mehr und
mehr das klassische Wasserski mit Slalomfahren, Schanzenspringen und kleineren
Tricks.
Kiteskiing: Skifahren oder Wasserski mit Unterstützung eines Fallschirms. Je nach
Windstärke wählt man die Größe des Drachens zwischen 4 qm und 16 qm. Zum
lässigen Dahingleiten ebenso geeignet, wie für kompromisslose Renneinsätze. Die
Schirme kombinieren einfache und komfortable Flugeigenschaften mit einem großen
Einsatzbereich. Schirm im Windfenster parken und ab geht die Post.
Flagfootball: Kaum ist das Interesse an American Football bei uns erwacht, schon
taucht in diesem Zusammenhang wieder etwas Neues auf: Flagfootball! Die Unterschiede zum klassischen Football sind nicht gravierend und doch präsent: es sind
weniger Spieler auf dem Feld, zumeist neun. Die Spieler tragen einen seltsamen
Gürtel mit Flatterbändern (Flaggen) dran. Es gibt keine Helme und Schutzpolster. Im
Grunde genommen geht es ausschließlich darum, dem Gegner die „Flaggen“
abspenstig zu machen.
Auch hier erweisen sich Grenzerlebnisse als ganz persönliche Herausforderungen.
Das Individuum ist auf der Suche nach Abenteuern, die es für sich und gegen sich
selbst besteht. Das Leben als Event gewinnt an Bedeutung. Ein Lebensmotto der
Risikogesellschaft könnte lauten: Ich will nicht sein wie andere. Ich brauche mehr!
Bewegung und Beschleunigung schaffen neue Empfindungsqualitäten und können
fast rauschartige Zustände auslösen, die auf den Körper einwirken und ihn entlasten.
Das Individuum ist und bleibt stets auf der Suche nach neuen Gefühlen als Ausgleich
und Ventil für den eigenen Lebensalltag.
Zusammenfassung:
Ein Bedürfniswandel manifestiert sich zuallererst in den Oberflächen unseres
täglichen Tuns. Alle nonverbalen Ausdruckformen verraten bereits sehr früh viel über
die Befindlichkeiten unserer Gesellschaft. Der Trend unserer Erlebnisgesellschaft hat
schnell bewiesen, dass Themen entdeckt, ausprobiert und wieder fallen gelassen
werden, das wird auch zukünftig so bleiben. Sogar katastrophale Negativ-Ereignisse,
sei es ein Erdbeben, eine große Firmenpleite, die Ermordung eines Politikers, können
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Argumentation von Events
Lernheft 9
in unserer Gesellschaft zu Kettenreaktionen führen und wieder entsteht ein neuer
Trend, den es „gestern“ noch nicht gab.
Trendforschung muss stets mit Vorsicht genossen werden. Fakt ist nun einmal, dass
die Zukunft nicht vorausgesagt werden kann, was nicht bedeutet, dass man keine
Aussagen über die Zukunft machen kann. Sicher ist weiterhin, dass es nicht auf die
eigentliche Zukunftsprognose ankommt, sondern auf die Qualität der Betrachtung. Es
ist nicht Aufgabe, Firmen und Trendsetter mit detaillierten Strategien zu versorgen,
sondern ihnen dabei zu helfen, eine komplexere Sichtweise darzubieten.
9.4
Das Phänomen der Adrenalin-Kicks
Der Reiz des Risikos hat seit jeher die Menschen begeistert, in den vergangenen
Jahren scheint das Phänomen jedoch Zuwachs bekommen zu haben. Gesucht wird
der „Kick“, der aus dem Alltag entfliehen lässt. Extremsportarten bieten neue
Varianten von Abenteuer und Risiko und üben auf Jugendliche und junge Erwachsene
einen großen Reiz aus. Der Deutsche Sportbund (DSB) zeigte sich ausgesprochen
verunsichert, als das Phänomen aufkam und schrieb in einem Bericht: „Der grenzenlose langweilige Alltag der Menschen weckt einen unstillbaren Erlebnishunger und
sorgt für einen Absurditäten-Katalog der Freizeitgestaltung“. Der Hype hält in allen
erdenklichen Bereichen unaufhaltsam an, ob es nun TV-Shows sind, in denen
hemmungslos mit den Ängsten von Menschen gespielt wird, die angeblich ganz heiß
auf Grenzerfahrungen sind oder die Adrenalin- Kicks, die man an jeder Ecke käuflich
erwerben kann.
Was ist das Besondere daran? Was bewegt die Menschen sich in Extremsituationen
zu begeben? Das lässt sich leicht beantworten: In Extremsituationen setzt der Körper
Beta-Endorphine frei, die Schmerzempfindlichkeit blockieren und Euphorie auslösen.
Dieses Feeling macht süchtig, die einen mehr, die anderen weniger. Verinnerlicht man
als Eventmanager, dass wir im Zeitalter der Extreme leben, so hat man definitiv
bessere Chancen einen perfekten Event organisieren zu können.
Die Eventbranche profitiert von der Sensationslust der Menschen, insbesondere nichtAlltägliches wird von den Medien breit getreten und in den Vordergrund gestellt.
Bereits durch die Medien hervorgehobene „Besonderheiten“ (wie „der heißeste
Sommer seit 1965“, „der kälteste Winter des Jahrhunderts“ etc.) werden als Ereignis
gefeiert. Das Wissen, dass bereits die bloße Veränderung von Quantitäten den
Menschen das Gefühl gibt, an einer Attraktion beteiligt zu sein, sollte sich jeder
Eventmanager zu Herzen nehmen.
9.5
Die westliche Welt
Insbesondere in den westlichen Wohlstandswelten leiden die Menschen unter dem
Mangel an Abwechslung. Die Sehnsucht nach Wohlbefinden nimmt einen ausgesprochen hohen Stellenwert ein, ein Grund warum Begriffe wie „Wellness“ in aller
Munde sind. Das Gefühl „Langeweile“ wird von Menschen als störend empfunden.
Auch hiervon profitiert die Eventbranche: Die Menschen neigen dazu, möglichst
schnell nach aktiven Reizen zu suchen. Da ein Großteil der westlichen Welt nach wie
vor im Überfluss lebt, in allen erdenklichen Bereichen abgesichert und versichert ist,
12
Argumentation von Events
Lernheft 9
ist es nicht verwunderlich, dass ein Gefühl der Gefahrlosigkeit die Menschen
provoziert, sich freiwillig Risiken und Gefahren auszusetzen. Die Angst vor der
Langeweile des Lebens ist seit jeher eine Antriebsfeder für Aktivität und Risikofreude.
Eine wichtige Rolle spielen die verschiedenen Formen der Langeweile aus
soziologischer Sicht:
Die situative Langeweile:
Vorübergehend eingeengt sein, in seiner persönlichen
Entfaltung gehindert. Als Beispiel lässt sich hier ein
STAU benennen.
Die existentielle Langeweile:
Der Alltag wird als inhalts- und sinnarm erlebt, es
entsteht ein Gefühl der Leere.
Die überdrüssige Langeweile:
Öde verlaufendes Leben ohne Highlights, alles wirkt
banal und kleinkariert. Nicht selten ist der „Überdruss“
daran schuld, dann langweilt alles.
Die schöpferische Langeweile: Die Leere des Ganzen motiviert zu neuen Taten und
wird zu einem dynamischen Impuls.
Ein weiteres Phänomen der westlichen Welt wurde von dem amerikanischungarischen Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi untersucht und in einer Studie
festgehalten. Er wies nach, dass der Mensch − jenseits von Angst und Langeweile −
im Tun aufgeht. Er bezeichnet diesen Vorgang als „flow-Erleben“. Es ist ein Gefühlszustand, bei dem alle Sorgen ganz weit weg sind und er stellt sich ein, wenn die
Anforderungen einer Situation mit den Fähigkeiten einer Person im Gleichgewicht
stehen. Dies ist jedoch ausgesprochen selten der Fall. Fühlt sich jemand mit einer
Sache überfordert, übersteigen also die Anforderungen die eigenen Fähigkeiten, wird
die daraus resultierende Spannung als Angst erlebt. Fühlt sich jemand unterfordert,
kommt Langeweile auf. Beide Zustände verlangen nach Kompensation.
Ursachen und Auswirkungen der Langeweile:
–
Normdruck
–
gesellschaftlicher Leistungszwang
–
Konsumhaltung
–
Kontaktschwierigkeiten
–
materialisierte Lebenshaltung
–
TV- Gewöhnung/ Passivität
–
Lebensgestaltungsprobleme
–
fehlender Sinnbezug
Natürlich ist der Eventmanager kein Therapeut! Dennoch muss für die Planung von
erfolgreichen Events dieses Hintergrundwissen um die Menschen verstanden sein,
um in der Zukunft Raum für Risiken, absichtliche Ruhe und vor allem Besonderheiten
einzuplanen.
13
Argumentation von Events
9.5.1
Lernheft 9
Die ewige Suche nach Perfektion
Der Mensch ist auf der Suche nach:
–
Freiheit und Selbstbestimmung
–
Spaß am Tun und an einer Aufgabe
–
Lust am Leben und am Schaffen
–
Suche nach Grenz- und Erfolgserlebnissen
–
Stolz und Anerkennung
Diese Vorstellungen beschränken sich schon lange nicht mehr alleinig auf den Beruf.
Zunehmend verbinden die jüngeren Generationen ihre Qualifikationen mit Abenteuern, Sport und Hobby-Interessen und sind erfolgreich damit. Die Anforderungsprobleme bleiben dieselben: Leistungsanforderungen, Konkurrenzsituationen und
Erfolgserlebnisse. Für die älteren Generationen ist es oftmals einfach zu mühselig,
sich in diese neuen Welten einzudenken. Die jüngeren Generationen werden
wagemutiger und risikobereiter und möchten ihre Vorstellungen von einem perfekten
Berufsleben nicht erst nach Feierabend umsetzen.
Insbesondere angehenden Eventmanagern sollte bewusst sein, dass die Berufswahl
eine Menge mehr zu bieten hat als so manch stupider Bürojob. Diese Menschen
haben sich bewusst für die Welt der physischen Anreize entschieden.
9.5.2
Wie viel Risiko braucht der Mensch?
Es ist vor dem gesellschaftlichen Hintergrund irreführend, dass die Menschen
zunehmend nach Risiken Ausschau halten, um sich zu erproben und bewähren. Doch
wie viel Risiko braucht der Mensch? Offensichtlich gibt es ein tief verankertes
menschliches Bedürfnis, sich riskanten Situationen auszusetzen. Das Ziel muss sein:
Risikobereitschaft und Sicherheitsbedürfnis in eine Balance zu bringen. Wie der
Einzelne das für sich umsetzt, bleibt ihm selbst überlassen. „More risk− more fun“ ist
hier die Devise und somit sind die sogenannten Risikosportarten weiterhin auf dem
Vormarsch.
Risiko = Chance: Das macht die Herausforderung menschlichen Lebens aus. Wer das
Leben erfolgreich meistern will, muss auch das Risiko annehmen. Die neuen
Generationen schreien mehr nach Spannung als Entspannung. Es kommt zum
Ausdruck, dass die Menschen ein bestimmtes Aufregungs-, Spannungs- und
Konfliktniveau brauchen. Man kann sogar so weit gehen, dass jeder bestandene
Nervenkitzel eine wichtige Etappe in der Autonomieentwicklung darstellt. Fachleute
bezeichnen dies als „Thrill“. Der Begriff als solcher ist nach und nach zu einer
Maßeinheit für das Erlebniszeitalter der Zukunft geworden. Nach dem englischen
Psychologen Michael Balint lassen sich drei verschiedene „Thriller“ unterscheiden:
Aggressive Thriller: Sie bezeichnen ein Ventil für aufgestaute Aggressionen im Alltag,
denen man in seiner Freizeit, sei es in Form von Kirmesveranstaltungen, Sport oder
Home- Videospielen, freien Lauf lassen kann.
Thriller mit Gleichgewichtsstörungen: Hier spricht man von den immer heikler
werdenden Achter-, Looping-, Berg und Talbahnen, die uns in festen Parks oder auf
14
Argumentation von Events
Lernheft 9
Kirmesveranstaltungen angeboten werden, um einen Thrill in uns hervorzurufen. Das
Gleichgewicht wird durcheinander gebracht, wir werden gedreht und auf den Kopf
gestellt. Das Ziel ist eindeutig: atemberaubender Aufstieg, lustvoller Absturz. Thriller
mit Glücksspielcharakter: Das Spektrum reicht von Lotto über Pferdewetten bis hin
zum klassischen Spielkasino. Das ganze dient nur dem einen Zweck: sich einem
Wagnis auszusetzen, hoffen, bangen und darauf setzen, dass zu guter Letzt alles gut
wird.
Das „Thrilling“ gilt als neuer Erlebnistrend, der junge Menschen auf Trab bringt und in
Atem hält. Spannungen werden auf recht banale Art abreagiert und man lernt mit den
eigenen Ängsten umzugehen. Eine Aufgabe des Eventmanageres: Für jede
Eventkonzeption müssen neue Thrills gefunden oder geschaffen werden!
9.5.3
Abenteuerlust
Auch die sogenannten „Wildniserlebnisse“ sind ganz klar auf dem Vormarsch, bei
denen Naturgewalten für einen nachhaltigen Sinneseindruck sorgen. Um nur einige
Beispiele zu nennen:
–
wilde Wasserfälle
–
Kanutouren
–
Berg- und Gipfelerlebnisse
–
Wüstentouren, Jeepsafaris
–
Selbstfindungstrainings in der freien Natur
Auch hier spielt wieder der Begriff „Thrilling“ eine übergeordnete Rolle. Viel Spaß, ein
bisschen Angst, ein wenig Gefahr und kein bisschen Langeweile!
Die dazu gefundenen Begriffe lassen das Ganze zum Kult aufleben:
–
Trekking statt Wandern
–
Rafting statt Schlauchbootfahren
–
Mountainbiking statt Fahrradfahren
–
Off-Road-Tour statt Autofahrt
–
Outdoor-Living statt Zelten
Betrachten wir den Bereich Incentive Events (Siehe Lernheft 4): Aus dem Erlebnistourismus kann schnell Risikotourismus werden. Der Ausnahmezustand wird dann
zum Normalzustand. Es gibt schon jetzt FAST nichts, was es nicht gibt. Eine
Sonderform des Risikotourismus lautet schon jetzt, dass Interessenten in Kampfflugzeugen mitfliegen können und auch Kriegsschiffreisen sind keine Utopie mehr.
Geradezu paradox ist es schon, dass Abenteuerlustige mittlerweile schon für
Strategien des konstruierten Unfalls bezahlen, wo das Urlaubsteam eine Unfallgarantie gibt, aus der sich der Urlauber selbst befreien muss. Nicht zu verachten sind
die Strategien des gesuchten Unfalls, wo sich Abenteuerlustige bewusst in Krisenund Kriegsgebiete begeben, auf der Suche nach dem totalen Erlebnis.
15
Argumentation von Events
9.5.4
Lernheft 9
Risiken
Die Thematik der Risiken und der Lebensfreude ist eng verknüpft. Sicherheit kann
man nicht für Geld kaufen. Sicherlich kann man jedoch versuchen, mögliche Gefahren
auf ein Minimum zu reduzieren und die Risiken unter Kontrolle zu halten. Dabei muss
zwischen zwei Risikoarten unterschieden werden:
–
dem objektiven Risiko
–
dem subjektiven Risiko
Bei den objektiven Risiken handelt es sich quasi um unvorhersehbare Ereignisse
(zum Beispiel in der freien Natur). Eine Lawine, ein plötzlicher Sturm oder ein
Steinschlag lassen sich nicht einkalkulieren. Auf diese Art von Risiken kann und muss
man sich vorbereiten, auch wenn man sie nicht vorhersehen kann.
Die subjektiven Risiken treten hingegen dann auf, wenn Risikosportler ihre Kräfte
falsch einschätzen und plötzlich nicht mehr kontrolliert auf Gefahren reagieren
können.
Warum immer mehr Menschen freiwillig Risiken eingehen, bleibt eine schwierige
Frage. Ob es einfach die Lust am Risiko ist, verborgene Sehnsüchte oder die
pausenlose Jagd nach dem ultimativen Kick: Jeder wird seine eigenen Hintergründe
haben. Psychologen, die sich näher mit Extremsportlern auseinandersetzten, stießen
zunehmend auf einen Typus, der sich dadurch charakterisieren ließ, dass er häufig
ein Gefühl von Leere empfand oder unter einer tiefreichenden Identitätsproblematik
litt. Es ist nicht selten, dass es sich bei Extremsportlern um sensible Menschen
handelt, obwohl man das Gegenteil erwartet. Extreme Menschen sind ganz
offensichtlich hin und her gerissen zwischen innerer Unruhe, zwischen der Suche
nach Identität und der Bereitschaft, Risiken einzugehen. Weiterhin spielt ein
vielfältiges Motivbündel zwischen Lust und Langeweile eine Rolle. Risikosportler
durchleben die gesamte Gefühlspalette, von großer Angst bis zu großer Freude.
9.6
Selbstlernaufgaben
1.
Nennen Sie typische „Trendmacher“.
2.
Erläutern Sie
3.
a.
Was bedeutet subjektives Risiko,
b.
objektives Risiko?
Welches sind die Ursachen und Auswirkungen der Langeweile, die der
Eventmanager kennen muss, um erfolgreich entgegenzuwirken?
16
Argumentation von Events
9.7
Lernheft 9
Zusammenfassung
Spaß im Extremsport heißt Freude haben am kalkulierten Risiko. Einfach Spaß haben
und auch einmal etwas Verrücktes tun, ist das Hauptmotiv einer Erlebnisgeneration,
die hier und heute lebt, erlebt und intensiv genießen will. Die körperliche Herausforderung, das Risiko und der Thrill machen Spaß, bereiten Lebensfreude und
machen schlichtweg Lust auf MEHR. Kommt einmal das Adrenalin in Gang, steigt
auch der Spaßpegel.
Lebensfreude bereiten:
–
Experimente
–
Angstlust
–
Alltagsflucht
–
das Überdrussphänomen, das Lust auf Abwechslung macht
–
die Flucht aus der Vollkasko-Gesellschaft
–
die Lust am Risiko
–
der ultimative Kick
–
Grenzerlebnisse
–
ein kalkulierbares Wagnis
–
die Verwirklichung eines Lebenstraums
Erlebnishunger lässt sich stillen durch:
–
gemeinsame Abenteuer
–
Wettkampf gegen Naturgewalten
–
intensives Naturerleben
Lebensbewältigung funktioniert durch:
–
die Bewältigung der eigenen Ängste
–
das Betrachten des Lebens als Herausforderung
–
das meistern beruflicher Stress-Situationen
Sicher dürfen wir nicht vergessen, dass es der Expremsport/Thrill-Gedanke vieler
Menschen ist, der aber dann in der Realität weniger umgesetzt wird. Sollte dies aber
durch ein Eventangebot in Aussicht gestellt werden, kann das schon wieder anders
aussehen. Denn das Eventangebot hat für den Teilnehmer den Vorteil: Er muss nicht
aufwendig etwas recherchieren und organisieren und der „Herdentrieb“ ist nicht zu
vergessen. Alles getreu dem Motto: „Was die anderen können, kann ich auch.“
17
Argumentation von Events
9.8
Lernheft 9
Hausaufgabe
1.
Beschreiben Sie die vier Phasen der Trenddiagnostik.
2.
Benennen Sie die drei „Triller“-Kategorien nach dem englischen Psychologen
Michael Balint und beschreiben Sie diese.
3.
Beschreiben Sie die Methoden: Semiotische Analyse, Monitoring, Delphi-Studen.
9.9
Lösungen zu den Selbstlernaufgaben
1.
Trendpublizisten, Trendkreative, Trend-Marketingconsulter, Meinungs- und
Marktforschungsinstitute
2.
a.
b.
objektive Risiken: unvorhersehbare Ereignisse, z. B. Lawine, ein plötzlicher
Sturm oder ein Steinschlag
subjektive Risiken: Risikosportler schätzen ihre Kräfte falsch ein und es kann
nicht mehr kontrolliert auf Gefahren reagieren
3.
•
Normdruck
•
gesellschaftlicher Leistungszwang
•
Konsumhaltung
•
Kontaktschwierigkeiten
•
materialisierte Lebenshaltung
•
TV-Gewöhnung/ Passivität
•
Lebensgestaltungsprobleme
•
fehlender Sinnbezug
18