Broschüre Juni 04
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Broschüre Juni 04
Liebe Freundinnen und Freunde der Cineoffensive ! Eine abgewrackte Strassenecke irgendwo in Harlem, ein schwerer Strassenkreuzer biegt zur einsetzenden Wah-Wah-Gitarre und den souligen Stimmen der “Supremes” um die Ecke - und irgendwie weiss man, gleich verwandelt sich die Szenerie in ein bleidurchtränktes Inferno... Solche Bilder sind die wohlbekannten Markenzeichen des in den 70er Jahren aufkommenden “Blaxploitation”-Genres, welches den Grundstein für ein von Afro-Amerikanischen Akteuren dominierten Schaffensbereich des amerikanischen Kinos markierte. Die Cineoffensive im Juli widmet sich unter dem Titel : “Black Cinema” schwerpunktmässig den Filmen des “Blaxploitation” sowie seiner Epigonen, die unter dem Etikett des “New Black Cinema” eingetopft wurden. Ein einleitender Text widmet sich der Definition dieser beiden Begriffe und bietet einen schönen Querschnitt von sehenswerten Filmen zu diesen Genres an. Dann folgen unsere ausgewählten Cineoffensive Filme mit ausführlichen Informationen, aus Layout Gründen ist die zeitliche Abfolge leider ein bischen verrutscht. Dafür als Mittelblatt unser erster - vorerst einteiliger Starschnitt zum herraustrennen und an die Wand hängen! Abgerundet wird die Broschüre wie immer vom Komplettprogramm - achtet auch auf die vielen anderen Termine im Juli, die dem “Black Cinema” gewidmet sind. ...euer Cineoffensive Team Unser Thema im Juli : “Der Politische Kampf... - und die Bombe?!” CINEOFFENSIVE... ...vernetztes Kino im Kiez : 1x im Monat verusive Filmreihen / Retrospektiven der besonderen Art in freien Kinos... ...und natürlich ist bei allen Veranstaltungen der EINTRITT FREI ! Gegen-Kultur zu machen, heisst für uns auch Alternativen zu schaffen zum bestehenden HollywoodMainstream-Verwertungslogik-Propaganda-Kino der „grossen“ Multiplexe und sonstiger Blockbuster. Alle in der CINEOFFENSIVE partizipierenden Projekte sind selbstverwaltet, unabhängig und wie sie wollen... Das Thema des jeweiligen Monats wird gemeinsam von allen Projekten festgelegt und jedes Projekt zeigt dann mindestens einen Film zum Thema. So entstehen unsere vielseitigen und verusiven Filmreihen, das Kernstück der CINEOFFENSIVE. Gemeinsam wird dann auch diese Broschüre erstellt, der “rote Faden” für die jeweilige Offensive, welche mit ausführlichen Filmkritiken und allgemeinen einführenden Texten zu inhaltlicher Diskussion anregen möchte; für die Projekte mit ihren Kinos ist sie zusätzlich gemeinsame Werbeplattform... So wie es mittlerweile in Berlin möglich ist an jedem x-beliebigen Wochentag lecker, gesund und sehr preiswert essen zu gehen - Mensch hat ja sogar jeden Tag die Qual der Wahl, in welchem leckeren Ambiente einzukehren - so ist auch zu bemerken, das es immer mehr freie Kinos und Menschen gibt, welche ein interessantes, kurzweiliges, spannendes oder wie auch immer geartetes gutes Filmprogramm dem kommerziellen Einheitsbrei vorziehen. Selbermachen statt Konsum und Jammern. CINEOFFENSIVE -die freie Kino-Vernetzung, jetzt auch bei DIR im Kiez! Für Kritik, Anregungen oder wenn auch du Teil sein willst: kontakt : [email protected] 1 Von "Blaxploitation" zum "New Black Cinema" Blaxploitation 1967 konnte sich der von den Bahamas stammende Sidney Poitier in dem Thriller "The Heat of the Night" als Hauptdarsteller in einem Mainstream-Film behaupten . Endlich wurde ein Schwarzer mal nicht als Sklave oder abgebrühter Verbrecher gezeigt. Ein Grundstein für das Blaxploitation-Genre war gelegt. Mit Melvin Van Peebles' "Sweet Sweetback's Baadasssss Song" (1971) wurde eine bedeutende, aber kurzlebige Ära afro-amerikanischen Filmschaffens eingeleitet: das Blaxploitation-Genre. Die Blaxploitation- Filme sind überwiegend Action-Krimis und Gangsterfilme mit einem schwarzen Helden als Protagonisten. Dieser lässt sich nicht in das weiße Establishment integrieren und geht als Sieger über das System hervor. Zum ersten mal brachten Filme das Lebensgefühl vieler Schwarzer zum Ausdruck: die Charaktere sprachen, kleideten und verhielten sich wie die Schwarzen in den großstädtischen Milieus. Gewalt ist ein zentrales Thema; der Held zögert nicht - im Gegensatz zu den Charakteren in den liberalen Filmen - physische Gewalt einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen. Auch ist er nicht mehr eine entsexualisierte Persona, denn Sexualität nimmt einen zentralen Punkt in seinem Leben ein; er präsentiert sich als omnipotenter Mann, der mit schwarzen als auch weißen Frauen schläft. Dass diese Darstellung zu Lasten der weiblichen Figuren geht und diese noch stärker zum Sexualobjekt degradiert werden, nehmen die Produzenten im Zuge einer Stärkung schwarzer Protagonisten in Kauf. Die Blaxploitation - Filme brachten die "Black power" und den "Black Pride" der ersten Jahre nach dem Feldzug der Bürgerrechtsbewegung zum Ausdruck, doch haben afro-amerikanische Intellektuelle und Organisationen die Produktionen heftig kritisiert: "[Es ist] eine Identifikation mit dem Aggressor, [ein] Symptom des Selbsthasses. Es ist fast so, als wenn ein Jude dafür zahlen würde, nach Auschwitz zu kommen". Ein weiterer Hauptgrund für die Entstehung des Blaxploitation war die kritische ökonomische Situation, in der sich die Filmstudios zu Beginn der 70er Jahre wiederfanden. Mit zunehmender Verbreitung des Fernsehens verringerte sich die Zahl der Kinogänger so drastisch, dass einige Studios wie MGM am Rande des Ruins standen. Aus diesem Grund wurden ökonomisch schlechter gestellte Gesellschaftskreise wie Afro- Amerikaner, die sich keinen Fernseher leisten konnten, als Zielpublikum anvisiert. Zur gleichen Zeit feierte Van Peebles' unabhängig produzierter Film "Sweet Sweetback's Baadassss Song" große Erfolge am amerikanischen Box-Office, was Hollywood natürlich sofort zu nutzen wusste; sprachen Filme wie "Shaft" (1971) oder "Superfly" (1972) doch vor allem Afro-Amerikaner an und waren gleichzeitig auch für Weiße interessant, da es sich meist um ActionKrimis handelte. In der Hoffnung, das schnelle Geld zu verdienen, produzierte die amerikanische Filmindustrie bis 1975 über 200 Blaxploitation- Filme, die mit niedrigstem Budget gedreht wurden. Dadurch, dass die Filme immer einfacher konzipiert und nur noch Fortsetzungen von mittelmäßigen Filmen geschaffen wurden, erlöschte sehr schnell das Interesse an diesem "schwarzen" Kino. 80er und New Black Cinema Gegen Ende der 70er Jahre tritt der Buddy-Movie seinen Siegeszug an und ist bis heute die beliebteste Art Film geblieben, in denen afro-amerikanische Akteure die Hauptrolle spielen. In Buddy-Movies agieren ein Schwarzer und ein Weißer nebeneinander. Meist kommen beide nicht miteinander zurecht, werden dann aber im Verlauf eines gemeinsam erlebten Abenteuers unzertrennlich. Durch den Crossover- Appeal des Freundschaftsprinzips wie es z.B. die "Lethal Weapon"-Serie mit Danny Glover und Mel Gibson und fast alle Eddie Murphy-Filme praktizieren, haben sich die Studios eine Möglichkeit geschaffen, eine sehr breite Publikumsschicht anzusprechen. Gleichzeitig spiegeln diese Filme die politische Situation der Reagan-Ära wider, die dem weißen Mittelstand suggerierte, dass die Diskriminierung von Afro-Amerikanern der Vergangenheit angehöre. Dass aber nie eine Liebesbeziehung zwischen Schwarz und Weiß eingebracht wird, zeigt wieder einmal die Doppelmoral Hollywoods. Immer mehr Schwarze wurden zu Stars aufgebaut, so allen voran Eddie Murphy, Whoopi Goldberg und Richard Pryor. Parallel dazu wurden immer mehr afro-amerikanische Schauspieler als Nebendarsteller eingesetzt, deren Rollen die eines Sidekicks oftmals überstiegen. Auch die schwarzen Regisseure bekamen in den späten 80ern mehr Arbeit, wobei sie sich ihre 2 Arbeitsplätze selbst schufen. Mit "She's Gotta Have It" (1986) wurde der Regisseur und Schauspieler Spike Lee zum Begründer des New Black Cinema, das in den frühen 90ern seine größten Erfolge feiern konnte. Die Thematik des unabhängigen schwarzen Films ist nicht sehr breit gefasst. Ghettofilme sind die gängigste Form dieser "vague noir". Thematisiert werden darin Drogenprobleme, Sex und Gewalt, aber auch Rassismus und die Chancenlosigkeit in einer Gesellschaft, die ein Entkommen aus dem Sumpf des Elends nicht zulässt. Dabei muss man unterscheiden zwischen den "reinen" Ghettofilmen und den Action- Filmen mit Ghettokulisse, in welchen das Ghetto als Mittel der Authentizität und nicht um Sozialkritik zum Ausdruck zu bringen, genutzt wird. Die Gefahr des New Black Cinema ist die, dass durch die negative, pessimistische Darstellung der Schwarzenviertel in den Medien ein verzerrtes, von Drogen und Gewalt geprägtes, Bild der afro- amerikanischen Bevölkerung entsteht. Der Weg weg von den Stereotypen hat lange gedauert und ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Es scheint im Glanz des New Black Cinema, als ob es endlich einen unabhängigen schwarzen Film gibt. Es lässt sich aber zunehmend eine Tendenz dahingehend erkennen, dass man wieder weniger Independent- Produktionen dreht, dafür aber immer mehr Afro-Amerikaner im Mainstream-Sektor einsetzt. Mittlerweile haben afro-amerikanische Schauspieler wie Will Smith, Wesley Snipes, Samuel L. Jackson und die Oscar-Preisträger Denzel Washington und Halle Berry Gagen ergattern können, die denen ihrer weißen Kollegen in nichts nachstehen. Trotzdem lässt die Quantität schwarzer Schauspieler nicht den Schluss zu, dass eine Gleichberechtigung erreicht worden ist. Kommentierte Filmauswahl zum Black Cinema: IN DER HITZE DER NACHT USA 1966, 110 min, R: Norman Jewison, mit: Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates In einer Kleinstadt im Süden der USA wird ein durchreisender Schwarzer eines Mordes verdächtigt, erweist sich aber als hochqualifizierter Polizeidetektiv und hilft dem vorurteilsbelasteten Polizeichef bei der Aufklärung des Verbrechens. Der Film verklammert Kriminalspannung mit der Rassenproblematik. WENN ES NACHT WIRD IN MANHATTAN USA 1969, 90 min, R: Ossie Davis, mit: Godfrey Cambridge, Raymond St. Jacques Für die Bewegung "Zurück nach Afrika" hat der schwarze Reverend O'Malley in Harlem 87000 Dollar an Spenden gesammelt. Doch der ehemalige Sträfling Calhoun macht sich mit dem Zaster aus dem Staub. Nun heften sich Gottesmann und Polizei an die Fersen des Diebs … Ossie Davis war einer von Hollywoods schwarzen Stars, ehe er mit dieser Verfilmung eines Chester-Himes-Romans sein Regiedebüt vorlegte. Süffisant nahm er die Scharlatanerien der schwarzen Priester auf die Schippe, huldigte dem eigentlichen Star, Harlem, und lieferte damit ein frühes Highlight des Black Cinema. Spike Lee war beeindruckt: Er engagierte Ossie Davis später für drei seiner Filme. SUPERFLY USA 1972, 90 min, R: Gordon Parks Jr., mit: Ron O'Neal, Carl Lee Blaxploitation-Klassiker, was nicht zuletzt dem coolen Soundtrack von Curtis Mayfield zu danken ist. Priest und Eddie wollen sich mit einem letzten großen Ding aus dem Koks-Geschäft verabschieden. Aber der Ausstieg aus der Szene ist nicht leicht, und dann kommen die Kumpels auch noch den falschen Leuten aus der Oberliga ins Gehege... Ein rasanter, trashiger, kleiner Film, gedreht zu einer Zeit, in der "political correctness" noch ein Fremdwort war. EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES USA 1973, 90 min, R: Jack Starret, mit: Tamara Dobson, Shelley Winters Sie hat schöne Augen und stahlharte Handkanten: Die schwarze Spezialagentin Cleopatra Jones (Ex-Model Tamara Dobson) trifft auf das verkommene "weiße" Amerika in Gestalt einer fetten, alten Rauschgifthändlerin. Scharfgezeichnete Charaktere und einen raffinierten Plot sucht man vergebens. Dafür kommen Liebhaber von Prügelkarate und irrer Seventies-Klamotten auf ihre Kosten. "New Black Cinema" : NEW JACK CITY USA 1991, 92 min, R: Mario Van Peebles, mit: Wesley Snipes, Ice-T, Mario Van Peebles Crack ist billig, deshalb verbreitete es sich seit Anfang der 80er Jahre vor allem in den schwarzen Elendsvierteln der amerikanischen Großstädte wie ein Flächenbrand und veränderte das Gesicht ganzer Stadtteile nachhaltig. Reich gemacht hat Crack eine Menge kleiner, äußerst skrupelloser Dealer aus den Slums. Das New Yorker Magazin Village Voice prägte erstmals den Begriff "New Jack" für diese neue, schwarze Gangsterszene mit ihren dicken Schlitten, extravaganten DesignerKlamotten, ihrem Lifestyle und der dazugehörigen Musik. "Eine New Jack City gibt es in jeder Großstadt dieses Landes", verkündet der Filmvorspann. Mario Van Peebles sorgte mit seinem Regiedebüt in den USA für heftige Kontroversen. In einigen Städten kam es bei den Vorführungen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Zuschauern, ein Jugendlicher wurde dabei getötet. Dabei beinhaltet dieser Film eine klare Absage an Drogen und Gewalt, indem er mit schonungsloser Härte und mit Unterstützung eines exzellenten Soundtracks den harten Alltag und die Explosion der Gewalt in den Ghettos widerspiegelt. Gefilmt wurde 3 mit vielen Bewohnern als Statisten in den Straßen von Harlem. BOYZ N THE HOOD USA 1991, 112 min, R: John Singleton, mit: Cuba Gooding Jr., Ice Cube, Morris Chestnut, Laurence Fishburne, Tyra Ferrell Die Story eines schwarzen Teenagers im schwarzen Ghetto des südlichen Zentrums von Los Angeles. Aufwachsend zwischen täglicher Gewalt, Rauschgift und Polizeiaktivität, bereitet ihn die Erziehung durch einen klugen, freundschaftlichen Vater auf eine Abwendung von dem Teufelskreis der Gewalttätigkeit vor. Ein mit Blickrichtung auf die Betroffenen gemachter Erstlingsfilm, der sich nicht scheut, eine Botschaft zu vermitteln, und der die richtige Sprache findet, um in den amerikanischen Ghettos gehört zu werden. Für ein nicht-amerikanisches Publikum eine gute Lektion zur Korrektur des AmerikaBildes. MENACE II SOCIETY USA 1993, 93 min, R: Allen Hughes; Albert Hughes, mit: Samuel L. Jackson; Charles S. Dutton; Tyrin Turner; Larenz Tate; Jada Pinkett Smith Der 18-jährige Cain (Tyrin Turner) wächst mitten in Watts auf, einem berüchtigten Schwarzenviertel von Los Angeles. Zusammen mit seinen Kumpels lebt er in einer gewalttätigen kriminellen Welt ohne Zukunftsperspektiven. Einen Ausweg scheint es für Cain vorerst nicht zu geben... Der Film beschreibt überaus authentisch die miserablen Lebensbedingungen unter denen junge Schwarze in den amerikanischen Großstadtghettos aufwachsen. Gängige Moralvorstellungen treten dabei schnell außer Kraft: Gewalt ist cool, Drogen sind cool, Waffen sind Cool und Frauen allesamt 'Bitches', nach diesen Maximen handelnd führen die jugendlichen Schwarzen meist ein kurzes Leben oder landen mit fast 100%iger Sicherheit früher oder später im Knast. Der ausweglose Teufelskreis spiegelt sich auch in gesellschaftlichen Statistiken wieder: Mord ist in den USA immer noch die Haupttodesursache für schwarze Männer zwischen 15 und 30. In einer Stelle des Films sagt der unberechenbare O-Dog "Ich bin der amerikanische Albtraum: Jung, schwarz und mir ist alles scheißegal." Dieser Satz trifft erstklassig die Grundeinstellung der jungen Ghettobewohner und hat in den USA die Diskussion um Rassendiskriminierung angestachelt. Allein dies ist natürlich ein großer Verdienst der beiden Regisseure, die den Film im Alter von gerade mal 21 Jahren fertiggestellt haben. Zuweilen fühlt man sich angesichts der unglaublichen Brutalität und den als Identifikationsfiguren gänzlich ungeeigneten Charakteren wie vor dem Kopf gestoßen, doch andere Emotionen sind für Menace II Society auch nicht angebracht. ROSEWOOD USA 1996, 136 min, R: John Singleton, mit: Jon Voight, Ving Rhames Eine junge Weiße beschuldigt gegen besseres Wissen einen Schwarzen der brutalen Misshandlung und löst damit einen Lynch-Feldzug gegen den von Farbigen bewohnten Nachbarort aus. Dramatisierung historischer Ereignisse aus dem Jahr 1923. Erst siebzig Jahre später findet ein Prozess statt, in dem den Opfern von Rosewood Entschädigung zugesprochen wird. Während der Verhandlung kommt endlich die ganze Wahrheit über die Ereignisse jener Nacht ans Tageslicht. Regisseur John Singleton gelingt eine überraschend differenzierte Darstellung der Rassismusproblematik. RIOT - TAGE DES TERRORS USA 1996, 92 min, R: Galen Yuen, Richard Dilello, David C. Johnson, Alex Munoz, mit: Luke Perry, Mario Van Peebles, Mako, Dante Basco, Melvin Van Peebles Der Versuch einer Dramatisierung der Ergeignisse vom 29. April 1992, als in Los Angeles nach dem Freispruch gegen Polizisten, die einen Schwarzen mißhandelt hatten, schwere Unruhen ausbrachen. Personen aus verschiedenen Ethnien treffen an jenem Tag schicksalhaft aufeinander, darunter ein friedlicher Koreaner und sein Sohn, die von einer HispanoGang angegriffen werden, und ein weißer Polizist, der in eine Auseinandersetzung zwischen Asiaten und Schwarzen gerät. GRIDLOCK'D USA 1996, 91 min, R: Vondie Curtis-Hall, mit: Tim Roth, Tupac Shakur, Thandie Newton Ein weißer und ein schwarzer Musiker beschließen in der Neujahrsnacht, sich einem Drogenentzugsprogramm zu unterwerfen, nachdem die Leadsängerin ihres Trios mit einer Überdosis ins Koma fiel. Damit aber beginnt eine Odyssee durch eine herzlose Behördenwelt, der sich bald auch zwei Killer und die Polizei Detroits anschließen. Schwarze Komödie voller Selbst-Ironie und Sarkasmus, die von hervorragenden Schauspielern und einem packenden Inszenierungsstil getragen wird. Die bedingungslose Freundschaft der beiden Männer wird ebenso sensibel wie psychologisch stimmig skizziert. JACKIE BROWN - RUM PUNCH USA 1997, 154 min, R: Quentin Tarantino, mit: Pam Grier, Robert Forster, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert De Niro Eine in die Jahre gekommene, immer noch attraktive schwarze Stewardess gerät zwischen die Fronten, als sie für einen skrupellosen Waffenhändler Geld schmuggelt und dabei in die Hände der Polizei gerät. Mit Hilfe eines kleinen Anwalts, der sie gegen Kaution aus dem Gefängnis holt, versucht sie, die Parteien auszutricksen, um selbst ans große Geld zu kommen. Quentin Tarantino setzte Pam Grier, der Ikone des schwarzen 70er-ActionKinos ("Foxy Brown"), ein Denkmal. Das Resultat ist kein zweiter "Pulp Fiction", aber großes Kino mit Stil und Seele. Die Buchvorlage stammt übrigens aus der Feder von Kultautor Elmore Leonard ("Out of Sight"). SHAFT - NOCH FRAGEN? USA 2000, 99 min, Regie: John Singleton, mit: Samuel L. Jackson, Vanessa L. Williams, Christian Bale "Too black for the uniform, too blue for the brothers" - auch der neue, von Samuel L. Jackson mit routinierter Präsenz 4 gespielte Shaft leidet unter dem Dilemma seines Urbildes. Kein Remake, sondern -manchmal selbstironische- Fortsetzung knüpft SHAFT an das genussvolle Zelebrieren der Überlegenheit des schwarzen Mannes an, weiß aber immer um die sozialen Grenzen dieses Heldentums. Will er Verbrecher jagen und "seine Leute" nicht verraten, muss er sich offenbar als Einzelkämpfer durchschlagen. Außergesetzliche Gewalt, provozierte Taten und gefälschte Beweise sind hier mitunter legitime Methoden des good guys, anders gehe es nicht wird suggeriert, denn die Polizei ist überfordert und überdies korrupt. Diese Diagnose ist, ebenso wie die zynische Grundierung vieler Dialoge, mehr als bloße Pose und Herbeizitieren alter Stimmungen. "It's Guiliani time!" ruft Shaft sarkastisch und bestätigt damit, dass es nicht nur um Fantasien des Unterhaltungskinos geht. Zugleich verflüssigt Singleton die Perspektiven, zeigt wie Shaft auch Weiße beschützt, zeigt auch in aller Härte schwarze Amerikaner als Opfer (aber nicht wehrlose) und macht zum Thema, dass sich Schwarze gerade im New York Guilianis in bestimmten Vierteln längst nicht mehr sicher fühlen können, und sei es, weil ihnen eine falsche Bewegung schnell eine Polizeikugel einträgt. Diese andere Seite liegt auch im Aufzeigen alltäglicher Rassismen, im Portrait des weißen Mörders. Black Panther / Black Power: PANTHER USA 1995, 124 min, R: Mario Van Peebles, mit: Kadeem Hardison, Bokeem Woodbine Aufwendig inszenierter Spielfilm über die Blütezeit der 1966 als Nachbarschaftshilfe in Kalifornien gegründeten und danach schnell zur politisch ernstzunehmenden Gruppierung heranreifenden "Black Panther Party for Self Defense". Weitgehend den historischen Fakten und Figuren folgend. ALL POWER TO THE PEOPLE - DIE SCHWARZEN PANTHER Doku, USA 1996, 116 min, R: Lee Lew-Lee Dokumentation, die die Geschichte der schwarzen US-Bürgerrechtsbewegung "Black Panther" nachzeichnet, von ihren Anfängen als Untergrundorganisation in den 60er Jahren über ihre Ächtung durch das FBI in den 70ern bis zu ihrer Zerschlagung. Zahlreiche Bild- und Textdokumente, auch aus CIA- und FBI-Archiven, wurden verwertet; zu Wort kommen Augenzeugen wie Bobby Seale, ehemaliger Führer der Bewegung. ANGELA DAVIS - EINE LEGENDE LEBT Doku, BRD 1998, 79 min, R: Christel Priemer, Ingeborg Weber Dokumentarisches Porträt der Afroamerikanerin Angela Davis, die Anfang der 70er Jahre zu einem Symbol für den Kampf der Schwarzen um Menschenrechte wurde. Als sie wegen angeblicher terroristischer Akte zum Tode verurteilt werden sollte, kam es zu einer weltweiten Solidaritätskampagne, an deren Ende ein Freispruch stand. Der Film zeigt, was aus der Kultfigur von einst geworden ist. HINTER DIESEN MAUERN - MUMIA ABU-JAMAL Doku, BRD 1996, 70 min, R: Heike Kleffner, Jule Buerjes Dokumentation über die Lage des schwarzen Journalisten Mumia Abu-Jamal, der wegen vermeintlichen Polizistenmordes in Pennsylvania zum Tode verurteilt wurde. Nach 18 Jahren wurde der Hinrichtungstermin ausgesetzt, da geprüft werden soll, ob beim damaligen Verfahren die Rechte des Angeklagten verletzt wurden. Der Film lässt Verfahrensbeteiligte und Weggefährten zu Wort kommen und zeigt ein Gespräch mit dem Verurteilten; Archivmaterial ergänzt die Aussagen. Nach dem Abklingen des Blaxploitation waren es lange Zeit eigentlich nur Spike Lee und Mario van Peebles, die die Fahne des Black Cinema hochhielten, bis Anfang der 90er Carl Franklin und vor allem mit die Hughes Brüdern und John Singleton mit ihren sog. Hood-Movies neuen Wind in das Kino brachten. Von diesem Inspirationsschub ist heute wenig übrig geblieben. Filme wie FAMILIENSACHE, SCARY MOVIE oder eben auch der neue SHAFT lassen nicht mehr erkennen, dass ihre Regisseure schwarz sind. In Amerika wird diese Tatsache als wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung und Normalisierung im Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen gewertet. So wünschenswert diese Annäherung im gesellschaftlichen Sinne auch ist, so tragisch ist sie im filmischen. Durch diese Verallgemeinerung wird der neue SHAFT austauschbar und könnte ohne Verlust der Glaubwürdigkeit ebensogut von Bruce Willis oder Mel Gibson verkörpert werden. Dass der Film peinlich bemüht ist, die multikulturelle Mischung eines Tommy Hilfiger Werbespotts einzuhalten (ein schwarzer und ein weißer Bösewicht, ein schwarzer und ein weißer korrupter Polizist, eine schwarze und ein weißer guter Polizist) mag zwar politisch korrekt sein, ist schlussendlich genauso unrealistisch, wie das eindimensionale Nur-Schwarz bzw. Nur-Weiß der früheren Jahre. [©Torsten Schäfer] Viele der hier genannten Filme sind in den Archiven der "Cineoffensive" zu finden. Anfragen an unsere Mail-Adresse <[email protected]>. 5 So. 20.06.2004 in der kvu KvU präsentiert : Sweet Sweetback´s Baadasssss Song USA 1971, 97 Min., R: Melvin Van Peebles, D: Melvin Van Peebles, Simon Chuckster, Hubert Scales Der Kleinkrimminelle "Sweetback" muss zusehen, wie ein junger schwarzer Politaktivist von weißen Polizisten brutal zusammengeprügelt wird. Er kommt ihm zu Hilfe und wird den Rest des Films gejagt - aber nie gefasst. Erst auf seiner Flucht quer durch Amerika fängt er an, sich mit "seinen schwarzen Brüdern und Schwestern" zu solidarisieren und wird zur Heldenfigur im Kampf der Afroamerikaner gegen die Weißen. Van Peebles greift Klischees und Stereotypen auf und dreht sie offensiv um: So verfügt der junge Antiheld Sweetback beispielsweise über ausgeprägte sexuelle Fähigkeiten. Dieser enormen "schwarzen Potenz" verdankt er nicht nur seinen Namen, sondern wird auch durch sie gerettet, als er in die Gewalt einer Rockergang gerät. Seinen ersten Spielfilm machte der heute 72 Jährige Melvin Van Peebles, der eigentlich Astronomie studiert hatte, 1967 in Frankreich. 1968 wurde "La Permission" als französischer Beitrag beim San Francisco Film Festival gezeigt. 1970 drehte er in den USA den Film "Watermelon Man", in dem ein weißer Rassist eines morgens mit schwarzer Haut aufwacht. "Sweet Sweetback" entstand als Independent-Produktion mit einem Budget von 50.000$, die von Bill Cosby stammten. Melvin Van Peebles übernahm selbst Hauptrolle, Regie, Buch, Schnitt und Musik. Der Film spielte mehr als 14 Mio.$ ein. Melvin's Sohn Mario Van Peebles, selbst ein halbwegs erfolgreicher Hollywood-regisseur ("New Jack City"), drehte letztes Jahr eine Hommage an seinen Vater: "Gettin' the Man's Foot Outta Your Baadasssss!" lief dieses Jahr bei der Berlinale. Kritiker behaupten, Mario Van Peebles verabeite in diesem eigenen Film ein Kindheitstrauma, da sein Vater den damals 13 Jährigen Mario in "Sweet Sweetback" eine Sexszene spielen ließ. Der Film erzählt auf selbstironische Art die Entstehungsgeschichte des "Sweet Sweetback": Melvin Van Peebles (gespielt von Mario Van Peebles) ist ein schwarzer Schauspieler in Hollywood und hat eines Tages Anfang der 70er plötzlich die Vision einen Film herzustellen, der die Ungerechtigkeit der Schwarzen anprangert. Natürlich lassen alle potentiellen (weißen) Produzenten das Projekt sofort wie 6 eine heiße Kartoffel fallen, sobald sie erfahren, worum es in dem Film thematisch gehen soll... Tatsächlich war die Produktion des ersten Blaxploitation-Filmes nahezu ein Abenteuer, da niemand zuvor einen Film speziell für ein schwarzes Publikum hergestellt hatte. Es war sogar so, dass damals in der allerersten Vorstellung nur zwei Personen saßen, von denen eine bereits vor dem Ende ging. Große Blätter wie "TIME-Magazine" weigerten sich, eine Review des Streifens zu schreiben; Mitglieder der Black-Panther-Partei hingegen bekamen ihn als Pflichtprogramm verordnet. Trotz allem wurde der Film 1971 die erfolgreichste Independent-Produktion des jahres und war auf Platz 1 der Kinocharts. "Melvin Van Peebles war 1971 nicht weniger als eine Revolution. Ein Film von einem schwarzen Regisseur mit einem schwarzen Hauptdarsteller (dem Regisseur), in dem Weiße die Hucke voll bekamen, ohne daß die Schwarzen dafür büßen müssen. Eine wilde Mischung aus Sex, Crime und Black Power. Keiner aus dem Establishment - mit der rühmlichen Ausnahme Bill Cosbys - wollte sich damit die Finger schmutzig machen, entsprechend heroisch die Leistung von Melvin Van Peebles, der für seinen Film durch die Hölle gegangen ist." (E. Knörer, Telepolis) Melvin Van Peebles über "Sweet Sweetback": "Wenn man einen politischen Film macht, nimmt man normalerweise einen Helden, der politisch korrekt ist. So kann man sich mit ihm aber gar nicht identifizieren. Sweetback's erste politische Tat ist, daß er einen Polizisten umbringt - aus Versehen, nicht weil er den dialektischen Materialismus studiert hat. Er ist nur ein Streetkid und flippt einfach aus. Erst im Lauf des Films erlangt er allmählich politisches Bewusstsein. Und das Publikum nimmt an der Politisierung teil. (...) Der Film galt damals schon als sexistisch und gewalttätig, aber komischerweise nur bei Weißen. Im schwarzen Ghetto sieht und hört man eben dauernd solche Dinge, wie sie in "Sweetback" vorkommen. Was den Sexismus betrifft: Ich habe den Mythos vom schwarzen Mann als sexuelles Untier genommen, und vom Kopf auf die Füße gestellt. Natürlich lebt der Protagonist davon, als Zuhälter schwarze Frauen auszubeuten. Das zu kritisieren , ist, als würde man einen Western tierfeindlich nennen, weil in ihm Pferde geritten werden." Filmography Pickup Men for Herrick (short, 1957), Sunlight (short, 1957), Cinq cent balles (short, 1963), The Story of a Three-Day Pass (“La Permission”, 1967), Watermelon Man (1970), Sweet Sweetback's Baadasssss Song (1971), Don't Play Us Cheap (1973), Identity Crisis (1989), Vroom Vroom Vroooom (segment from Tales of Erotica, 1996), Gang in Blue (1996), Le Conte du ventre plein (also known as Bellyful, 2000) KvU Kremmener Str. 9-11 10437 Berlin U2 Eberswalder Str., Tram 20 7 www.kvu-berlin.de Beginn : 20.30 Uhr So. 20.06.2004 K85 präsentiert : Clockers USA, 1995 129 min, R.: Spike Lee mit: Harvey Keitel, Mekhi Phifer, John Turturro, Delroy Lindo Strike ist jung, schwarz und ein Clocker, sprich ein Dealer, der bei seinem Mentor Rodney bis zu 1.500$ in der Woche verdient. Sein Bruder Victor ist das genaue Gegenteil: Er hat zwei Kinder und arbeitet ganz legal. Als ausgerechnet dieser den Mord an einem Drogen-Dealer gesteht, wird der Cop Rocco (Harvey Keitel) mißtrauisch und vermutet hinter dem Mord Strike... Richard Price, ein brillanter Autor und Drehbuchschreiber, verkaufte seinen Roman "Söhne der Nacht", in dem das abgefuckte Leben eines jungen Dealers beschrieben wird, für 1,9 Millionen Dollar an Martin Scorsese. Da dieser mit "Casino" beschäftigt war, übertrug er die Regie an Spike Lee. Lee, Meister von politisch unkorrekten Mainstream-Filmen ("Do the Right Thing"), verwandelte die Milieustudie, eindeutig das Metier des großen Scorsese, in ein Sozialdrama. "Clockers" ist die Bezeichnung für die Drogendealer, die in der eigenen Nachbarschaft agieren, für die Jungs die 24/7 für Stoff sorgen. Die inhaltliche Klammer des Films ist der Mord an Daryl. Rocco versucht den Mord aufzuklären, und gibt sich nicht damit zufrieden, daß Victor sich schnell der Polizei stellt. Victor ist zu harmlos, zu brav. Vielmehr vermutet Rocco den Bruder Strike dahinter, der bereits ein entsprechendes Vorstrafenregister hat. Dieser Film treibt den Fall eigentlich nur nebenbei weiter. Vielmehr nimmt er sich der Personen und der Situationen an. Man beobachtet wie sich Rocco, eigentlich ohne jeden tieferen Grund, in diesen Fall festbeisst. Man sieht wie Strike, ein normaler "Clocker", der von Hause aus ein eher passiver Mensch ist, durch den Sog der Ereignisse aufgesogen wird. Und dann ist da noch Tyrone, ein kleiner Junge in der Nachbarschaft, dessen Schicksal sich ebenfalls massiv ändern wird. Abgesehen von Rocco, sind alle Personen nur passiv, gehen ihrem Alltagstrott nach. Die Bewegungen der Schicksale sind sehr langsam. Aber Rocco mischt alles auf, bringt Beschleunigung und Bewegung in die Schicksale, und forciert Geschehnisse, die das Gleichgewicht der Strasse durcheinanderbringen... und das nicht immer zum Guten! Diese Passivität ist auch Ausgangspunkt für die Umsetzung von Spike Lee. Die Geschichte wirkt wie nebenbei erzählt. Man fühlt sich eher als Bewohner der aus dem Fenster guckt, und an dem die Geschehnisse vorbeiziehen. Es ist der immer wieder auftretende Kontrast zwischen Unaufgeregtheit und bitterbösen Ereignissen, der beisst. Bereits die ersten Minuten des Films sind ein Schlag in die Fresse, den man erst mit Minuten Verzögerung bemerkt. Die Titelsequenz von "Clockers" zeigt eine Reihe von Großaufnahmen von ermordeten, jungen Schwarzen. Man sieht Einschußlöcher, Blutlachen, aufgeschlitzte Hälse. Das Ganze unterlegt mit smoother Black Music. Einige Filmminuten später wird Daryl erschossen. Die Art und Weise wie die herbeigerufenen Polizisten, u.a. Rocco die Leiche behandeln, durchsuchen und abfertigen, ist mit das Härteste was ich bislang gesehen habe. "Clockers" ist bemerkenswert, weil er trotzdem ambivalent bleibt. Weil er keine Verurteilung betreibt, sondern grosso modo neutral bleibt. Jedem Zuschauer bleibt es selbst überlassen seine Schlüsse über die Personen zu ziehen. Nur dann und wann liefert Spike Lee deutliche Fingerzeige, ohne Personen zu verurteilen. Es ist schon fast eher wie "Der 7. Sinn", der vor bestimmten Situationen warnen will. Es taucht auch hier massiv das Thema der "Familie" auf, die als Rettung vor dem Absturz dient. Der Aufruf zur Eigeninitiative, dazu, die Leute eben nicht sich selbst zu überlassen. Immer wie8 der streut Spike Lee solche Leute in seinen Filmen ein, in diesem Fall die Mutter von Tyrone (mal wieder eine kongeniale Frauenfigur bei Spike Lee!), und ein schwarzer Polizist der in der Gegend wohnt. Aber auch das ein Beispiel für die Spike Lee'sche Ambivalenz. Der "Pate" der Gegend, der örtliche Drogenbaron, nimmt sich seiner Leute wie ein Vater an. Die andere Seite der Medaille. Das macht deutlich, wieso für Leute wie Strike der Übergang von Gut zu Böse so problemlos verläuft. Am Ende steht die eigene Existenz, und der wird sowohl von Familie, als auch Drogenboß geholfen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden. "Clockers" ist ein merkwürdiger Film. Kein Film den man mit lauthalser Stimme anpreisen möchte. Kein Film mit "Boah-Effekt", wo man mit offenen Mund die geniale Konstruktion bestaunt. Und doch: der Film ist genial konstruiert, der Film hinterlässt Wirkung, der Film ist exzellent fotographiert. Der Film sollte natürlich und ausschließlich im O-Ton gesehen werden, der Slang ist ein Muss! Harvey Keitel hält eine ca. einmütige dauernde Rede, in der ca. 48mal das Wort "Fuck" vorkommt. Filme von Spike Lee (Auswahl): SHE'S GOTTA HAVE IT (1986) Die Geschichte einer jungen Frau in Brooklyn, die zwischen drei Liebhabern schwankt und sich zuletzt für keinen von ihnen entscheidet. Ein Low-Budget-Film mit ausschließlich schwarzen Darstellern, der sein Thema dank vielschichtigerErzähltechnik, Humor und origineller Bildsprache nahezu poetisch behandelt. JUNGLE FEVER (1991) Die Beziehung eines schwarzen Architekten zu einer weißen Sekretärin italienischer Abstammung löst im Verwandten- und Freundeskreis heftige, von rassistischen Vorurteilen motivierte Reaktionen aus. Vor dem Hintergrund eines kulturellen Nationalismus entwirft Regisseur Spike Lee ein schier ausweglos erscheinendes Bild afroamerikanischer Existenz in einer von Rassenproblemen, Rauschgift und Verbrechen bedrohten Umwelt. MALCOLM X (1992) Leben und Tod des Black-Muslim-Führers Malcolm X, der nach einer Gangsterkarriere in den 40er Jahren im Gefängnis zum Islam bekehrt und nach seiner Entlassung zum wirkungsvollsten Prediger der "Nation of Islam"-Organisation wird. Er fordert die totale Trennung von Weißen und Schwarzen und deren Rückbesinnung auf ihre afrikanischen Ursprünge. Umstrittenster Film von Spike Lee, der damit überall aneckte. CROOKLYN (1994) Das Leben einer siebenköpfigen schwarzen Familie im Brooklyn der frühen 70er Jahre, gesehen mit den Augen der zehnjährigen Tochter. Nach dem Krebstod der Mutter zieht das Mädchen sich ganz in sich selbst zurück, ehe es sich entschließt, seinen Beitrag zum Zusammenhalt der Familie zu leisten. Spike Lee erinnert sich an den Ort seiner eigenen Kindheit. GET ON THE BUS -- AUF ENGSTEM RAUM (1996) Eine gemischte Gruppe Schwarzer macht sich 1995 von Los Angeles auf, um am "Million Men March" gegen rassistische Diskriminierung in Washington teilzunehmen. Während der gemeinsamen Busfahrt treten Spannungen auf: Ein desillusionierter alter Mann, ein Polizist, dessen Mutter eine Weiße ist, ein schwules Paar, ein Filmstudent und ein ehrgeiziger Schauspieler diskutieren über Gott und die schwarze Welt. Nach einer Panne sitzt ein weißer Jude am Lenker, der glaubt, der Initiator des Marsches sei ein Antisemit. FOUR LITTLE GIRLS - VIER KLEINE MÄDCHEN(1997) Am Morgen des 15. September 1963 erschüttert eine Explosion die Baptistenkirche in Birmingham, Alabama. Vier Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren kommen ums Leben. Erst 15 Jahre später wird ein Ku-Klux-Klan-Rädelsführer des Verbrechens angeklagt und verurteilt. Der engagierte Dokumentarfilm beschreibt die Spuren, die der hinterhältige Anschlag auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung in der amerikanischen Gesellschaft hinterließ, und läßt Betroffene ebenso zu Wort kommen wie Politiker und Bürgerrechtler. Spike Lee HE GOT GAME - SPIEL DES LEBENS (1998) Ein schwarzer High-School-Absolvent und Nachwuchsstar im Basketball kann sich vor Angeboten nicht retten. Mit seiner Wahl für das liebste College-Team des Gouverneurs könnte er sogar seinen Vater aus dem Gefängnis holen - wäre da nicht zuerst ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt zu bewältigen... Kritik an der "Verführung" junger Schwarzer durch die totale Kommerzialisierung des Sports. BAMBOOZLED - IT'S SHOWTIME (2000) Ein schwarzer Drehbuchautor entwickelt für eine amerikanische Fernsehstation eine erfolgreiche moderne Variante der MinstrelShow, in der Schwarze als tanzende Witzfiguren vorgeführt werden. Spike Lees Satire wirft diskussionswürdige Fragen zu Übervorsicht und Leichtfertigkeit im Umgang mit belasteten Bildern und Begriffen auf. VideoKino K85 auf der Laster&Hänger Burg Revaler Str./F.-Hain S-/U-Bhf. Warschauer Str. 9 Beginn : 22.00 Uhr Di. 22.06.2004 im Videokino Bödikerstr. Videokino Bödikerstr. präsentiert : Lumumba Regie: Raoul Peck, Kongo (2000) Drehbuch: Raoul Peck, Pascal Bonil Kamera: Bernard Lutic, Montage: Jacques Comets Originalsprache: französisch, deutsch untertitelt, 115 Minuten Der Film nimmt das Ende vorweg: 3 Männer fahren durch die Nacht, um irgendwo in der Steppe die Leiche des ermordeten Patrice Lumumba verschwinden zu lassen. In der anschliessenden Rückblende wird das kurze Leben des charismatischen kongolesischen Freiheitskämpfers erzählt: 1960 erlangt Kongo die Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Belgien, und der erst 36jährige Autodidakt Lumumba wird erster Präsident der neuen, noch labilen Demokratie. Kaum zwei Monate im Amt, fällt der brillante Redner und idealistische Prophet eines freien, geeinten Afrika jedoch einem politisch motivierten Mord zum Opfer, dessen Umstände lange Zeit nicht aufgeklärt wurden, bis 2001 Belgien nach 41 Jahren seine Schuld am Mord eingesteht. Der Film, eine Fiktion basierend auf einer wahren Geschichte, beleuchtet den privaten und politischen Werdegang Lumumbas vom gefolterten Gefängnisinsassen bis zum gefeierten, jedoch nie unumstrittenen Staatsoberhaupt. Als eine leicht zum Pathos neigende Hagiographie eines Leaders, der zum Mythos und Märtyrer für Afrika geworden ist, vermag der Film nicht in jeder Hinsicht zu überzeugen. Betrachtet man ihn aber darüber hinaus als Illustration des komplexen politischen Prozess der Demokratisierung; als Geschichte eines Mannes, der in der Wirrnis eines post-kolonialen Staates an den Intrigen, Ränkespielen und Machtgelüsten verschiedenster nationaler und internationaler Interessengruppen scheitert, dann wird er zum aufschlussreichen Lehrstück. Ein spannendes und in jedem Fall sehenswertes Dokument über die jüngere afrikanische Geschichte, über ein Land auf dem hindernisreichen Weg zur Demokratie. Zum Regisseur: Raoul Peck wurde 1953 in Port-au-Prince auf Haiti geboren. Da sein Vater eine Stelle im früheren Belgisch-Kongo annahm, lebte die Familie einige Jahre in Kinshasa. Nach langen Aufenthalt in Zaire, Frankreich, USA und Deutschland beendete Peck sein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Er ist zudem ausgebildeter Wirtschaftsingenieur, Journalist und Fotograf. Mit einem Dokumentar- und einem Spielfilm zu Lumumba, dem ersten Präsidenten des unabhängigen Kongo, hat sich Peck intensiv mit seiner afrikanischen Heimat auseinander gesetzt, während er auf Haiti zwischenzeitlich in die Politik eingestiegen war und als Kulturminister arbeitete. Videokino Bödikerstrasse S-Bhf. Ostkreuz Bödikerstr. 9 / HH Beginn : 21.00 Uhr 10 F.-Hain Mi. 30.06.2004 ZinemAA präsentiert : Do the Right Thing Drama / Kömödie, USA 1989 R: Spike Lee D: Danny Aiello, Ossi Davis, Ruby Dee, Spike Lee Sal und seine beiden Söhne sind die einzigen Weißen in dem Schwarzenviertel von Brooklyn. Der Grund für die Toleranz der schwarzen Nachbarn: Die drei Italo-Amerikaner betreiben sie eine erstklassige Pizzeria und Sals Pizza ist einfach die beste. Und wo käme man da hin, wenn es keine Pizza gäbe? Der schwarze Pizzaausträger Mookie hat immer alle Hände voll zu tun, so auch an diesem schwülen Tag, an dem es jede Menge Ärger zwischen der schwarzen Mehrheit, den Italienern, den koreanischen Obsthändlern und den anglo-amerikanischen Cops gibt. Doch Mookie findet immer wieder einen Weg, die Situation in den Griff zu kriegen, auch wenn seine hispanische Freundin heute besonders schwierig ist. Aus dem Radio sprudeln dauernd Meldungen über neue Hitzerekorde, und bald helfen weder Duschen noch aufgedrehte Hydranten, um die aufgestaute Hitze abzubauen. In den Straßen steigt die Aggression. Schließlich entwickelt sich aus einem harmlosen Anlaß eine Schlägerei, in deren Verlauf ein Schwarzer getötet wird. Da entladen sich Hitze und Frust der Bewohner in einer unaufhaltsamen Welle der Gewalt. Sals Laden wird überfallen und geplündert, schließlich angezündet. Es herrscht Bürgerkrieg... Realistisches, gewaltgeladenes Drama von Regisseur und Hauptdarsteller Spike Lee, in dem er Vorurteile und Klischees, die immer wieder zum Rassenhaß anregen, entlarvt. Lee spielt hier überzeugend mit dem Thema Rassismus, liefert Statements von Malcolm X und Martin Luther King und bewegt sich dabei gekonnt zwischen Rap und Jazz. Der Soundtrack stammt von Vater Bill Lee, Spikes Schwester Joie spielt seine Filmschwester Jade. Spike Lee gilt seit seinem Kinodebüt "She`s Gonna Have It" von 1986 als der Begründer des New Black Cinema. Die Welle erfolgreicher, farbiger Undergroundfilme verebbte bereits Mitte der 1990er Jahre, als viele vom New Black Hollywood sprachen. Regisseure wie Spike Lee und ihre bevoruzgten Schauspieler wie Denzel Washington, Wesley Snipes, Samual A. Jackson ... zu Stars geworden waren. ZinemAA Marienburger Str. 47 Tram 20 : Winsstr. / Tram 1 : Marienburger 11 P.-Berg Beginn : 21.00 Uhr Mi. 23.06.2004 Mouchette präsentiert : Coffy U.S.A. 1973, R.: Jack Hill Starring: Pam Grier, Booker Bradshaw, Robert Doqui, William Elliott, Allan Arbus, Sid Haig "You want me to crawl white motherfucker ... You wanna spit on me and make me crawl ... I'm gonna piss on your grave tomorrow." (Coffy) In den 70er Jahren begann die Karriere von Pam Grier. Mit COFFY wurde sie 1973 zum Star des schwarzen Kinos und mit FOXY BROWN manifestierte sie ein Jahr später ihren Status. Jack Hill bekam damals den Auftrag einen Film über den Rachefeldzug einer schwarzen Frau zu drehen. Die damals 24jährige Pam Grier war seine erste Wahl und ihr schrieb er also die Rolle der zornigen Coffy auf den Leib. Und sehr körperbetont füllt Ms Grier diese Rolle auch aus. "I don't do no leatherwork, man, no whips, ropes, chains,none of those fetish freaks ... just plain sex ... but for that I don't mind saying I am the very best in my business" (Coffy) Sie spielt eine Krankenschwester, deren jüngere Schwester dank Drogensucht in der Entziehungsklinik liegt. Pams Mission ist simpel - Elimination von Drogendealern. Die Ausführung hingegen verläuft nicht unbedingt ohne Komplikationen ... Viel mehr Kenntnisse über die Handlung ist nicht erforderlich, da diese so einfach wie möglich gestrickt ist. In das Genre Blaxploitation ist COFFY einzuordnen, da Sex und Gewalt vorherrschende Stilmittel sind (inkl. Catfight) - dass Frauen aller Hautfarben und Nationalitäten davon betroffen sind passte wohl in die damalige Zeit mit ihren Rassenkonflikten. Geschickt fängt dabei die Kamera das ein ums andere Mal die Oberweiten der Darstellerinnen ein. Ohne mit der Wimper zu zucken setzt Pam Grier alias Coffy ihre Waffen ein - als Prostituierte mit Sex Appeal schleust sie sich in die Organisation von Dealer King George ein um dann mit der Flinte aufzuräumen. Nicht ohne allerdings ein paar markige Sprüche abzulassen. "This is the end of your rotten life you motherfuckin' dope pusher" (Coffy) Mouchette Modersohnstr. 1 S-/U-Bhf. Warschauer Str. 12 F.-Hain Beginn : 22.00 Uhr Do. 24.06.2004 im Aufbruch Aufbruch Kino präsentiert : Foxy Brown USA 1974, Regie: Jack Hill, 89 min. Darsteller: Pam Grier, Antonio Fargas, Peter Brown Nach der Exekution ihres Undercover-Cop-Freundes durch den weißen Mob heftet sich Foxy Brown an die Fersen der Mörder. Die ersten Hinweise prügelt sie aus ihrem Bruder Link, dargestellt von dem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Antonio Fargas, heraus, der sich auf dubiose Geschäfte mit dem Mob eingelassen hat. Antonio Fargas (Cameo-Auftritt in SHAFT und zahlreiche Nebenrollen) hat als Kleinkrimineller Link in FOXY BROWN ebenso schlechte Karten wie in ACROSS 110th STREET (1972) und CLEOPATRA JONES (1973). Zu Beginn des Films kann er nur durch den entschiedenen Einsatz seiner Schwester in einer Last Minute Rescue-Aktion vor den Verfolgern gerettet werden. Als Foxy, nach der Ermordung ihres Freundes, Links Wohnungseinrichtung zu Kleinholz verarbeitet, fragt die weiße Geliebte ihren vor Schreck erstarrten Lover, für wen sich diese tobende Furie eigentlich hält. Völlig resigniert entgegnet Link: "She's my sister, and she's a whole lotta woman." Bevor Foxy im brachialen Finale die gegnerischen Gangster mit freundlicher Unterstützung eines schwer bewaffneten Neighborhood Committees überwältigt, fällt Link reichlich unspektakulär dem rächenden Mob in einem intimen Moment zum Opfer. Trotz seiner knapp bemessenen Rollen, die mehr wie markante Gastauftritte wirken, zeichnet sich Antonio Fargas stets durch seine Spielfreude und einen ausgeprägten Hang zur Improvisation aus. Nicht von ungefähr betont Fargas im Interview mit dem Blaxploitation-Chronisten Darius James die Bezüge zwischen seinem Schauspielstil und der Spontanität eines Jazzmusikers. Fargas verkörpert in den Blaxploitation-Filmen den Kleinganoven, der, obwohl seine Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt scheint, immer noch versucht, trotz allen Grimassenspiels, seine Würde zu behalten. In seinem manisch-expressiven Aufbegehren ähnelt er durchaus Eli Wallach, der in THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY (1966) vergeblich versucht, wenigstens einmal Clint Eastwood zuvorzukommen. Auf ähnliche Weise zieht Fargas gegenüber dem weißen Syndikat, mit dem er sich anlegt, permanent den Kürzeren. Der große Showdown bleibt letztendlich Pam Grier überlassen. Trotz ihres übergreifenden Kultstatus als schlagfertige, selbstbewußte Black Power-Legende präsentiert sich Pam Grier (Jahrgang 1949) in allen neueren Interviews erstaunlich down-to-earth. Sie verstehe sich nicht als Ikone. In ihren Filmen ging es ihr darum Charaktere darzustellen, die eigenständig und ohne die Hilfe eines starken Beschützers agieren. Ein Element, das ihre frühen BlaxploitationRollen als COFFY (1973), FOXY BROWN (1974) und FRIDAY FOSTER (1975) mit ihren aktuellen Auftritten als elder-stateswoman des schwarzen Actionkinos in JACKIE BROWN (1997) und ORIGINAL GANGSTAS (1996) verbindet. Das Markenzeichen Blaxploitation betrachtet Pam Grier in erster Linie als Marketing-Mittel, mit dem sowohl das schwarze, als auch das weiße Publikum erreicht werden sollen. Social Consciousness scheint ihr wichtiger zu sein als das wiedererwachte Interesse an ihren früheren Filmen. Rückblickend stellt sie fest: "Ich wünschte, es hätte mehr tiefergehende Botschaften in den Filmen damals gegeben. Ich war 20 Jahre alt, als ich ins Filmgeschäft geschleudert und durch die Starmaschine gezogen wurde. Aber diese 70er Jahre-Filme hielten fest, was in der Mode, Politik und Musik geschah. Nicht alles davon ist positiv, aber diese Filme wirken fast wie Geschichtsunterricht, eine Dokumentation dieser Zeit." Aufbruch Schliemannstr. 40 / HH Prenzlauer Berg U-Bhf. Eberswalder Str. 13 Beginn : 21.00 Uhr Do. 24.06.2004 Peliculoso präsentiert : Shaft USA 1071, Regie: Gordon Parks, 96 min Darsteller: Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Giof (...)Die Kamera bewegt sich zu alltäglichem Straßenlärm an Kinoanzeigen vorbei auf die Gegend um den Times Square zu. Doch die Werbung für verschiedene Mainstream-Filme interessiert nicht weiter. Der Titel des Films erscheint in roten Buchstaben und das unverwechselbare Isaac Hayes-Thema setzt ein. Das Black Cinema hat seinen eigenen neuen Mythos bekommen: Völlig unberührt vom restlichen Geschehen tritt eine massive Gestalt im braunen Leder-Trenchcoat aus einer Unterführung ans Tageslicht: John Shaft. Als er kurz darauf fast in ein fahrendes Taxi hineinläuft, murrt er nur: "Get out of my way." Die Kamera heftet sich aus einiger Distanz an seine Fersen. Den nächsten Störfaktor, einen kleinen Straßendealer, verjagt er, indem er ihm einfach seine Dienstmarke unter die Nase hält. Nach kurzem Small Talk mit einem Zeitungsverkäufer verklingt das Thema und Shaft läßt sich erst einmal die Schuhe putzen und Kaffee servieren. Richard Roundtree, der in SHAFT seine erste Hauptrolle spielte, übte sich zuvor neben einigen Theaterauftritten hauptsächlich als Model für das Hochglanzmagazin Ebony. Als Shaft überzeugt er daher auch nicht in erster Linie durch sein schauspielerisches Können, sondern durch seine Präsenz und die gekonnte Bildgestaltung von Gordon Parks Sen., der zuvor als Fotojournalist für Publikationen wie LIFE tätig war. Das Bild von New York, das in den ersten Minuten von SHAFT entworfen wird, verpflichtet sich nicht auf ein Abbild der Wirklichkeit, sondern präsentiert ein ästhetisiertes PulpUniversum mit John Shaft als überhöhter Ikone eines neuen schwarzen Selbstbewußtseins im Zentrum. In diesem Mikrokosmos mit einem schwarzen Paten (Moses Gunn) und einem Black Panther-orientierten Consciousness-Vertreter wird sogar noch der Dunst in den Straßenschluchten ästhetisch in Szene gesetzt. Genau diese manieristische Überstilisierung führte wahrscheinlich zur entschiedenen Ablehnung gegenüber SHAFT, sowohl durch Van Peebles als auch durch den Blaxploitation-Experten und Satiriker Darius James, der in seinem sehr empfehlenswerten Buch "That's Blaxploitation-Roots of the Baadasssss 'Tude" (New York, 1995) dem schwarzen Superdetektiv lediglich eine zynische Polemik mit dem bezeichnenden Titel "Shaft bites the Whopper" widmete. Das Kapitel beginnt mit der offensiv-ehrlichen Erklärung: "Ich will nicht über SHAFT schreiben. Warum? Ganz einfach. Ich hab nichts über diesen Wichser zu sagen." Um seine Ablehnung zu veranschaulichen, führt er eine der Pulp-Novels des Shaft-Erfinders Ernest Tidyman mit dem unsäglichen Titel SHAFT AMONG THE JEWS ins Feld. Darius James bietet dazu 14 auch direkt seinen polemischen Update an, in dem Shaft beim Sex mit einer Weißen plötzlich ein Ufo mit Minister Farrakhan (fundamentalistischer Vorsitzender der separatistischen Nation of Islam) an Bord aufsucht, der ihm den Auftrag erteilt, jüdische Geheimkonten ausfindig zu machen. Obwohl Darius James' witzige Haßtirade gegen eine der erfolgreichsten Blaxploitation-Serien, vor allem in Bezug auf die SHAFT-typischen Klischees, durchaus einige Punkte trifft, liegt genau in der gekonnten Überinszenierung der von ihm kritisierten Stereotypen bis heute der Reiz der SHAFT-Trilogie. Shaft, der wider Willen die Tochter des Paten von Harlem aus der Gewalt weißer Kidnapper befreien muß, kann problemlos schwarze Militante und Gangster zu seiner Unterstützung mobilisieren, ohne sich eindeutig mit einer der beiden Gruppierungen solidarisieren zu müssen. Außerdem trifft er bei seinen Ermittlungen immer vor dem weißen Kommissar ein, so daß dieser gegenüber Shaft ständig den Kürzeren zieht. In einer der originellsten Szenen des Films überlistet Shaft zwei weiße Gegenspieler, indem er sich als Onkel Tom-ähnlicher Barkeeper ausgibt, nur um kurz darauf einem der leichtgläubigen Verfolger eine Whiskey-Flasche überzuziehen und ihn dem wieder einmal später eintreffenden Kommissar auszuliefern. Die (...) gesellschaftlichen Konflikte tauchen bei SHAFT nur noch stark ironisiert auf. Shafts Freundin fragt ihn am Telefon, ob es Probleme gab, worauf dieser gelassen antwortet: "Keine, außer daß ich schwarz und arm geboren wurde." Als der träge Kommissar Shafts Hautfarbe mit einem schwarzen Kugelschreiber vergleichend feststellt, "Du bist gar nicht mal so schwarz.", hält dieser mit einem schiefen Grinsen seine Kaffeetasse neben den Kommissar und kommentiert lakonisch: "Und du bist gar nicht so weiß." Alle gesellschaftlichen Probleme werden in SHAFT entweder mit pointierten OneLinern oder durch Genre-Standards aufgelöst. Selbst eine Schußverletzung kann dem inzwischen in einen schwarzen Leder-Trenchcoat gekleideten Detektiv (der gleiche Kleiderwechsel wiederholt sich noch einmal im zweiten SHAFT-Film) nichts anhaben. Wenige Minuten später zieht er mit einem Begleittrupp aus Black Power-Vertretern und Gangstern los und stürmt das Hauptquartier der Kidnapper.(...) im Doppelprogramm mit: Foxy Brown USA 1974 Regie: Jack Hill Darsteller: Pam Grier, Antonio Fargas, Peter Brown Cineoffensive, die ultimative Kinovernetzung... ...dieser Film läuft zeitgleich (!) im Aufbruch Kino in der Schliemannstr. 40 im Prenzlauer Berg... ...ausführliche Filmbeschreibung, siehe 2 Seiten vorher... Peliculoso Köpenicker Str. 137 / HH Mitte Beginn : 21.00 Uhr S-Bhf. Ostbahnhof 15