SKF Arbeitshilfe 2 | Juni 2013 - Schweizerischer Katholischer

Transcription

SKF Arbeitshilfe 2 | Juni 2013 - Schweizerischer Katholischer
Impulse
SKF Arbeitshilfe
SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund
2 | Juni 2013
Einzeln und frei,
verbunden über Grenzen,
mit der Erde und dem Himmel verwandt,
weben wir Weisheit und Widerstand,
Werte und Wünsche,
weben weiter am Frauenband
FrauenBande-Lied, Refrain
Impulse-Thema
Teambildung
Methoden
Was wir aneinander haben
Neue Freiwillige finden
Lächeln!
Umgang mit Missverständnissen
Konflikte verstehen und lösen
Umgang mit Fehlern
Gut für sich selber schauen
Gegen die Resignation
.
.
.
.
.
.
.
.
Texte
FrauenBande-Lied
Werte verbinden
Deepika Singh
Liebe Frauen
Das Ganze wiegt weniger als die Summe seiner Teilchen,
hat Albert Einstein herausgefunden. Dies liegt an der Energie, die verbindet. Das
Phänomen kennen wir auch aus guter Zusammenarbeit: Gemeinsam geht es leichter.
Gemeinsam wird es noch einfacher, wenn wir diese Verbindung mit Lächeln stärken; am FrauenBandeTag 2013 haben dies Cornelia Schinzilarz (SKF-Referentin)
und Deepika Singh (SKF-Mitarbeiterin in Indien) zusammen eindrücklich vermittelt.
In der Physik wie auch beim Lächeln bleiben die Teilchen erhalten. Das Verbindende
ist ein Drittes.
Auf unsere Vereine und Verbände übersetzt: Einzeln und frei können wir Gemeinsames bilden: Verbindungen, Verwandtschaft, Weisheit und Widerstand, Werte und
Wünsche.
Das Gemeinsame überwindet Kulturgrenzen; die FrauenBande ist international.
Dafür haben wir im SKF einen Namen: Elisabethenwerk. Unsere Mitarbeiterinnen
vor Ort sind für Teams und Frauengemeinschaften verantwortlich wie wir. Deepika
Singh, die bei den ärmsten Inderinnen arbeitet, gibt uns in diesen Impulsen Einblick
in ihre Haltung und ihre Methoden der Teambildung.
Wir können einiges dafür tun, dass diese Verbindung zwischen uns stark ist, und es
uns als einzelne Teilchen gut geht.
Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Ihre Frauenbande und
sich selber stärken können.
Viel Energie wünscht
Regula Grünenfelder, SKF Bildung
Dein Lob, das mich freut und mir Flügel verleiht.
Mein Garten, der dir offen steht.
Dein Wort, das meinen Tag erhellt.
Mein Blick, der deine Freude teilt.
Dein Trost, der mein Herz erfüllt.
FrauenBande-Lied, 1. Strophe
Werte verbinden
Deepika Singh schreibt: : «Wir
sind alle so verschieden – auch
weltanschaulich und religiös.
Doch all unsere religiösen Werte
helfen den Armen, Witwen und
Hilflosen. Sie sind ein starkes
Fundament für Entwicklung,
Solidarität, für eine bessere Gesellschaft und unsere Offenheit
für Arme und weniger Glückliche,
weniger Gesunde und überhaupt
die Schöpfung. Die Werte sind
die stärksten Verbindungen, auch
über alle Religionen.
Vom indischen Fürsten Mughal
Emperor Akhbar (1542-1605)
wird berichtet: Gebäude entstanden mit verschiedensten Türen.
Diese mündeten alle in einen
grossen Raum. Dort fanden
gemeinsame interreligiöse Zeremonien statt.
Er pflegte eine Haltung: Offenheit und Respekt gegenüber
allen Weltanschauungen und
Religionen. Gott ist in jeder
Gemeinschaft und an jedem
Gottesdienstort. Gott ist nicht
da, weil Menschen die richtige
Religion haben, sondern weil sie
Gott anrufen.
Die Weltanschauungen und Religionen entstanden in verschiedenen Zeiten und unter ganz
unterschiedlichen Umständen.
Gott hat sie in ihrer Vielfalt ins
Leben gerufen, um sich darin
auszudrücken. Ich bin Christin,
ich sehe Gott in Jesus Christus.
Ich liebe alle Religionen als etwas
von Gottes Kommunikation mit
den Menschen.»
Impulse 2 | 13
Anregung 1: Was wir aneinander haben
Nehmen Sie wahr (allein oder im Team), was die anderen Ihnen zur Verfügung stellen. Das Lob? Der Garten?
Ein gutes Wort? Ein Blick? Trost? Kaffee? Ein gutes Protokoll? Ein Extraeinsatz? Zuverlässigkeit? Sie können
sich diese Stärken oder Geschenke einen kurzen Moment vor einer Teamsitzung vergegenwärtigen. Oder Sie
laden zu Beginn der Teamsitzung dazu ein, dass jede für sich aufschreibt, was die anderen zur Verfügung
stellen. Denken Sie daran, auch die eigenen Beiträge wertschätzend zu vermerken. Vielleicht passt es, in
einer Teamsitzung einander zu erzählen, was wir aneinander haben.
Anregung 2: Neue Freiwillige finden
Wenig Erfolg bringt oft die Frage in die Runde: Wer möchte denn im Vorstand mithelfen, wir brauchen
dringend irgendjemanden. Erfolg versprechender ist es, im Voraus zu überlegen, welche Qualitäten wir als
Verstärkung im Team brauchen. Überlegen Sie dann, welche Frauen über diese Qualitäten verfügen und
sprechen Sie die möglichen Kandidatinnen darauf an. Für ein Gespräch lohnt es sich, ebenfalls zusammenzutragen: Welche Qualitäten sehen wir bei uns selber im Team? So wird eine Frau merken, was sie mit dem
Engagement bei Ihnen an Energie und Verbundenheit gewinnt.
Anregung 3: Lächeln!
Viele Menschen wachen morgens auf, und all ihre Sorgen und Probleme heben sofort die Köpfe. Dagegen ist
im Halbschlaf nur wenig auszurichten, ausser: Lächeln. Probieren Sie, beim Aufwachen für 30 Sekunden zu
lächeln. So ermächtigen Sie sich, den Tag in die eigenen Hände zu nehmen und sich nicht von den Sorgen
bestimmen zu lassen. Es wirkt! (s. S. 4, Material)
Deepika Singh: Es ist mir wichtig, mich schön zu kleiden, wenn ich die ärmsten Frauen in Indien besuche. So
sehen sie meine Wertschätzung für unsere gemeinsame Arbeit. Ausserdem begrüsse ich sie beim Ankommen mit einem Lächeln und schaue jede einzelne an. So habe ich mich schon längst vorgestellt, wenn die
Zusammenarbeit beginnt.
«Ich bin sehr gut darin, Menschen herauszufordern
und zu motivieren, zum Wohl eines grösseren Ganzen zu wirken.»
Deepika Singh arbeitet seit zehn Jahren, für das
Elisabethenwerk in Indien. Sie ist zuständig für
die Begleitung und Evaluation von Projekten in
den Teilstaaten Bihar, Jharkhand, Chhattisgarh und
Orissa. Deepika prüft Projektanträge, die beim EW
eingehen. Es handelt sich immer um Anträge zur
Ermächtigung benachteiligter Frauen, im speziellen
Dalits («Unterdrückte», ehemals Unberührbare aus
tiefsten Kasten) und Adivasi (indigene Volksgruppen). Zur Vorabklärung besucht Deepika jeweils
die Projektleitung und die betroffenen Frauen und
untersucht die Durchführbarkeit der geplanten
Ermächtigungsarbeit. Sie bespricht Projektziele und
Methoden, befragt die Frauen zu ihren Bedürfnissen
und berät die Projektleitung. Falls sie den Projektantrag befürwortet, empfiehlt sie der Programmver-
antwortlichen in der Schweiz, Damaris Lüthi, ihn der
Projektkommission vorzulegen. Diese entscheidet
über die Bewilligung des Projekts. Genehmigt sie
das Projekt, wird das Geld überwiesen, und die
Arbeit kann beginnen. Während der Umsetzung wird
die Projektleitung von Deepika Singh begleitet und
beraten. Nach Abschluss des Projekts verfassen
die Projektverantwortlichen einen Schlussbericht.
Dann reist Deepika Singh ins Projektgebiet und
Wir kommen zusammen für unseren Traum:
Geteiltes Brot ist Leben.
Wir stärken einander und wagen Streit.
Wir finden Geschwister und weiten Raum.
Wir schauen Gerechtigkeit.
FrauenBande-Lied, 2. Strophe
Anregung 4: Umgang mit Missverständnissen
Deepika Singh: Jede Situation kann so verschieden aufgefasst werden! Wenn die unterschiedlichen Interpretationen zu Spannungen führen, dann
braucht es Raum, damit die individuellen Wahrnehmungen gehört und anerkannt werden können. Laden Sie beispielsweise dazu ein, dass jede
Frau, ohne unterbrochen zu werden, ihre Wahrnehmung mitteilt. Unterstützen Sie das Team und die einzelnen Frauen darin, die verschiedenen
Meinungen als wichtige Beiträge zum Ganzen zu erkennen. Reden Sie miteinander – nachdem alle gesprochen haben –, wie sich Ihr Verständnis
der Situation durch die Beiträge der Anderen verändert hat. Falls es ganz schwierig ist, sind heftige Emotionen beteiligt.
Vielleicht entschliessen Sie sich dann für ein SKF-Vorstandscoaching, das Sie im Konfliktfall ungeniert in Anspruch nehmen können (www.frauenbund.ch). Übrigens müssen Sie nicht zuwarten, bis Sie den ganz grossen Konflikt haben. Sie können auch einmal an einer Teamsitzung Ihre
Wahrnehmungen eines geglückten Anlasses teilen. Achten Sie darauf, welche neuen Aspekte sich Ihnen durch die Wahrnehmung der anderen
erschliessen.
Anregung 5: Konflikte verstehen und lösen
Deepika Singh: Formulierte Konflikte sind oft nicht die realen Konflikte. Schauen Sie behutsam, aber klar, worum es wirklich geht.
Konzentrieren Sie sich dann nicht auf das Problem, sondern auf Lösungen und die gemeinsame Sache, die Aufgabe für Menschen und die Gesellschaft. Meine Erfahrung sagt mir, dass dann Varianten und Möglichkeiten in den Blick kommen. Ich vertraue darauf, dass alle über die Mittel
verfügen, um ihre Probleme zu lösen. Mein Vertrauen unterstützt und fordert heraus.
Deepika im Dschungelgebiet von
Zentralindien, wo ein Staudamm
fruchtbaren Boden überflutet. Die
Frauen lernen, wie sie bei den
Behörden Entschädigungen oder Ersatz für ihre Landstücke beantragen
können.
evaluiert das Projekt. Aufgrund dieser Kontrolle empfiehlt sie, ob die
Zusammenarbeit mit dem Projektteam fortgesetzt werden soll.
Deepika wurde 1963 im nordindischen Rajasthan geboren und wuchs
zusammen mit acht Geschwistern auf. Ihre Mutter setzte durch, dass
sie als erstes Mädchen im Dorf die Schule besuchte. Neben einem
Masterstudium in Sozialarbeit kamen Weiterbildungen in Psychologie,
Kommunikation, Psychotherapie, themenzentrierter Interaktion, Kräutermedizin und Yoga. Die junge Frau arbeitete viele Jahre als Aktivistin
auf dem Lande und in den städtischen Slums. Später trat sie ins Kloster ein. Ihr Engagement vertrug sich nicht mit den Klosterregeln, deshalb verliess sie es nach 10 Jahren, fühlt sich aber ihren Mitschwestern immer noch verbunden. 1997 nahm sie als Vertreterin Indiens an
einer internationalen Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung in Südkorea teil. Sie setzte sich zusammen mit Amnesty International und Asia
Watch für Menschenrechte ein, engagierte sich für ein Atomwaffenfreies Indien und war regionale Koordinatorin Rajasthans und später
Maharashtras für INAG (Indian Network of Action Groups) und vertrat
diese auch an der UNO-Menschenrechtskonferenz in Genf. Deepika
Singh arbeitet neben ihrem Engagement für das Elisabethenwerk seit
zehn Jahren für ICOR (Institute of Community Organization Research)
als Koordinatorin für Gemeinwesen-Entwicklung. In dieser Funktion
ist sie u.a. verantwortlich für Forschung, Evaluationen, Publikationen,
Weiterbildungen für Basis-AktivistInnen und ihre TrainerInnen, sowie
die Vernetzung mit verschiedenen NGOs.
Impulse 2 | 13
Anregung 6: Umgang mit Fehlern
Deepika Singh: Wenn jemand einen Fehler einsieht, dann reagiere ich mit Mitgefühl und biete Hilfe an. Organisationen, mit denen wir kooperieren,
machen oft einen grossen Fehler: Sie verstehen sich als Wohltäterinnen und nicht als Partnerinnen zur Befreiung und Ermächtigung. Da muss ich
oft sehr geduldig sein – so wie eine Mutter mit dem Kind, das gerade Laufen lernt. Wenn eine Organisation jedoch nicht einsehen kann, dass wir
für Ermächtigung arbeiten, dann müssen wir die Zusammenarbeit beenden.
Wie ist es bei Ihnen?
Wie gehen Sie mit Fehlern und Grenzen um?
Wie unterstützen Sie Frauen, den gemeinsamen Auftrag zu verstehen?
Wo sind die Grenzen, die durch die Werte gesetzt sind?
Können Sie eine Zusammenarbeit beenden, wenn diese Werte verletzt werden?
Anregung 7: Gut für sich selber schauen
Freiwilligenarbeit machen Frauen, weil sie Freude haben an einer Aufgabe und sie sinnvoll finden. Das ist gut so! Gestalten Sie Ihre Freiwilligenarbeit und die Ihrer Kolleginnen lustvoll und sinnvoll. Dabei helfen die Kantonalverbände und Angebote des Dachverbandes: Kostenlose
Kaderkurse (www.frauenbund.ch/Bildung), Vernetzung und Erfahrungsaustausch mit der SKF-FrauenBande etwa an FrauenBande-Tagen und dem
Schöpfungstag (ebenfalls: www.frauenbund.ch). Unterstützung erhalten Sie wie bereits erwähnt mit dem Vorstandscoaching ebenso wie mit dem
Tandem-Angebot (am gleichen Ort auf der Website), das Ihren Verein dabei unterstützt, vielfältiger zu werden.
Anregung 8: Gegen die Resignation
Deepika Singh: Resignation habe ich erst einmal erlebt in all den Jahren mit den ärmsten Frauen Indiens. Eine Kollegin war sehr stark und nutzte
Resignation als Waffe, um die Organisation unter Druck zu setzen. Es ist wichtig, dass Klarheit geschaffen wird, auch, wenn es um bittere Gefühle
geht. Dann können wir einer Person helfen, diese auszudrücken und gemeinsam hinzuschauen. Wir versuchen dabei, diese Frau zu verstehen.
Gefühle der Bitterkeit können sich durch Versöhnung wandeln. Wir können die betroffene Person nur dazu einladen. Was sie mit ihrer Bitterkeit
macht, wird schliesslich ganz allein sie entscheiden. Es verlangt oft viel Offenheit und Anstrengung. Manchmal gibt es für Bitterkeit aber auch
gute Gründe: Dann liegt es an der Organisation, sich zu ändern, und damit an uns, die Verantwortung zu tragen.
Material
Teambildung durch den SKF: www.frauenbund.ch:
• Kurskalender mit kostenlosen Kaderkursen zur Stärkung der Freiwilligen und der Teams
• Coaching für SKF-Vereine
• Tandem-Einsätze für Vereine, die sich öffnen wollen
Elisabethenwerk: Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten
(auch der Arbeit von Deepika Singh):
www.frauenbund.ch
Impulse 2 | 13
Humor:
Cornelia Schinzilarz u.a., Humor in der beruflichen, freiwilligen und
ehrenamtlichen Arbeit (die Broschüre kann bei der Autorin bestellt
werden: www.kickshop.ch).
FrauenBande-Lied:
Das Lied finden Sie als Gedicht, Vertonung und als Liedsatz auf
www.frauenbund.ch.
Text: Regula Grünenfelder und Jacqueline Keune, Vertonung: Fredi
Guntern
Zum Schluss
Impressum
Behüte das Feuer, beatme die Glut.
Lass tragen dich vom Hoffnungsnetz.
Lass werden und wirken, was Frieden schafft.
Trau deinem Wissen, trau deinem Mut.
Gesegnet ist deine Kraft.
FrauenBande-Lied, 3. Strophe
Herausgeberin SKF Schweizerischer
Katholischer Frauenbund
Kasernenplatz 1 | Postfach 7854
6000 Luzern 7 | 041 226 02 20
[email protected]
www.frauenbund.ch
Verfasserin Regula Grünenfelder,
SKF Bildung
Gestaltung grafikcontainer, Luzern
Druck Brunner Druck und Medien AG