Chiapas und Oaxaca
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Chiapas und Oaxaca
14 REISE Samstag/Sonntag, 4./5. April 2009 Rhein-Neckar-Zeitung / RNZ Magazin / Nr. 79 Rebellischer Süden Auf den Spuren der Maya und Zapoteken in Chiapas und Oaxaca in Mexico / Von Geraldine Friedrich In Pyramiden getürmt bietet eine Indio frau ihre Mangos feil, wenige Stände wei ter liegen gerupfte Hähnchen akkurat ne beneinander. Es herrscht Betrieb auf dem städtischen Markt, dem „Mercado Muni cipal“, in San Cristóbal de las Casas in Chiapas Südmexiko, die Gassen sind eng. Eine Touristin zückt ihre Kamera, fo tografiert besagte Hähnchen und erntet – zack – von hinten einen leichten Tritt ge gen ihr Knie. Die Marktfrau fuchtelt em pört mit den Händen. Sie mag es nicht, wenn sie oder ihre Waren fotografiert werden. Sie glaubt, wie alle Indios, dass durch das Fotografieren Menschen als auch Gegenstände ihrer Seele beraubt und damit wertlos werden. Größere Grup pen westlicher Touristen mit Kameras werden daher stets misstrauisch beäugt, denn sie kaufen meist nichts, schauen nur und fotografieren auch noch. Wer experimentierfreudig ist, sollte sich jedoch dort die in Fett gebackene Ameisen nicht entgehen lassen. Deren Ge schmack erinnert an Geräuchertes. Auch Chapulines – gegrillte Heuschrecken – ste hen auf der Speisekarte. San Cristóbal de las Casas, auf 2200 Meter gelegen, ist ei ne typische mexikanische Kolonialstadt, im 16. Jahrhundert gegründet von den Spaniern. Die Mehrheit der Bevölkerung besteht jedoch aus Mayas, die bereits vie le Jahrhunderte vor der Stadtgründung vom Flachland in das Hochland zogen. Übrigens ist Maya lediglich ein Sammel begriff für verschiedene Völker, von de nen jedes seine eigene Sprache hat, heute sprechen immerhin noch fünf Millionen Mexikaner eine der 70 Mayasprachen. „Subcommandante Marcos“ als Stoffpuppe Auch ist der Begriff „Indio“ aus deren Perspektive ein Schimpfwort. Wer vor Ort mit Einheimischen Kontakt hat, soll te immer von „Indigenas“ sprechen. Ne ben dem Markt ist in San Cristóbal vor al lem der Hauptplatz mit der Kathedrale sehenswert. Ein Blick auf die mit einer kunstvollen Außenfassade verzierte Ba rockkirche Santo Domingo lohnt am Abend oder in der Nacht. Von ihr er streckt sich auch die verkehrsberuhigten Straße „20 de Noviembre“ nach Süden, auf der sich gut schlendern lässt. Bars und jede Menge LowBudgetUn terkünfte haben San Cristóbal de las Ca sas zum Anziehungspunkt des alternati ven Publikums werden lassen. Die Stadt gilt als Heimat der Zapatisten, also jener Rebellen, die zur Zeit der mexikanischen Revolution für die besitzlosen Landarbei ter kämpften und deren Nachfolgerorga nisation EZLN (deutsch: „Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung“), sich auf Emiliano Zapata beruft, um sich heu te schwarz vermummt für die Rechte der indigenen Bevölkerung einzusetzen. Und wie es häufig so ist: Orte, die zuerst von Rebellen, Künstlern und Rucksacktouris ten bevölkert werden, wandeln sich zeit versetzt zum beliebten Ziel besser betuch ter Reisender. Inzwischen gibt es die Galionsfigur der EZLN, „Subcomandante Marcos“, als Souvenir auf fast allen Märkten Chia pas zu kaufen – als Stoffpuppe. Trotz der wachsenden Touristenströme lohnt sich der Besuch der mittelalterlichen Stadt. Bei der Anfahrt von Tuxtla Gutierrez, Verkehrsknotenpunkt und Hauptstadt Chiapas, ist allerdings Geduld gefragt: Allein für die 80 Kilometer Serpentinen Blick auf das mitten im Dschungel Chiapas gelegene Palenque: Bisher wurden erst etwa fünf Prozent der historischen Bauten freigelegt. Fotos: Geraldine Friedrich Eine Marktfrau in den Hallen von Oaxaca. Farbenträchtig: Holztiere als Mitbringsel. highway benötigt man zwei Stunden. Als Abstecher vor oder nach San Cris tóbal empfiehlt sich eine etwa zweistündi ge Bootstour auf dem Canon del Sumide ro: Man schippert mit einem Schnellboot auf einem 25 Kilometer langen Stausee entlang, der wie eingeklemmt zwischen 1000 Meter hohen Felswänden liegt. Nur Kenner können auf dem See fahren, da die Reste überfluteter Baumwipfel noch gefährliche Hindernisse von unten dar stellen. Die Fahrt lädt ein die Vogelwelt zu studieren und Alligatoren beim Rä keln auf den Sandbänken zu beobachten. Seine Hände sollte man daher lieber nicht zur Abkühlung ins Wasser tauchen, auch wenn die Sonne brennt. Mexiko ist groß, mehr als fünf mal so groß wie Deutschland um genau zu sein. Und wer sich für eine Reise in dieses ge schichtsträchtige Land entscheidet und nicht vollends fertig vom Fahrstress heim kehren möchte, sollte sich vor allem ein Ziel setzen: Weniger ist mehr. Dieses We niger könnte die Entscheidung für die Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas sein. Beide liegen in unmittelbarer Nachbar schaft, Chiapas grenzt am Süden bereits an den mittelamerikanischen Staat Gua temala. Und beide vereinen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Denkbarer Start durch Mexikos Sü den wäre die Mayastadt Palenque, dann weiter nach San Cristóbal fahren. An schließend über den Bundesstaat Oaxaca Richtung Mexiko City reisen, um auf dem Weg durch die Sierra Madre zehn Meter hohe Kandelaberkakteen zu bewundern. In Oaxaca wartet die gleichnamige Groß stadt mit tollen Kunst und Lebensmittel märkten auf, nur wenige Kilometer ent fernt liegen auf einem nahgelegenen Hü gel die spektakulären Überreste der Zapo tekenhauptstadt Monte Alban – alleine der Blick lohnt die Anfahrt. Auch Mitla, ein ehemals religiöses Zentrum der Zapo teken, etwa 50 Kilometer entfernt von Oa xaca City, lockt mit Ruinen von Gebäude gruppen, in denen Hohepriester früher Menschen opferten. Ein Muss ist das alte Palenque mit sei ner besonderen Architektur und seiner Direktflug mit Lufthansa ab 682 Euro, www.lufthansa.de. Gabelflug mit Continental und Air France ab 760 Euro, www.airfrance.de. I Pauschal reisen: Gebeco als auch Meiers Weltreisen bieten umfassende Mexikorundreisen, die Chiapas als auch Oaxaca enthalten, www.gebeco.de, www.meiers-weltreisen.de. I Übernachten: In San Cristóbal de las Casas: Doppelzimmer mit Frühstück in riesigen Zimmern für etwa 60 Euro im Hotel Villas Casas Morada, Telefon 00967 678 44 40, www.casamorada.com.mx. Das Hotel verfügt außerdem über ein vorzügliches und preisgünstiges Restaurant. In Oaxaca: Im Hotel Victoria, Doppelzimmer ab 45 Euro, Junior wildromantischen Lage inmitten des Dschungels. Die Stadt aus der klassi schen Mayaperiode verkörpert mit ihren Bauten genau das, was sich Europäer un ter einer Mayastätte vorstellen: Besucher können auf steilen Treppen Tempelpyra miden erklimmen, Grabstätten erkun den, aber auch einfach die Atmosphäre dieses sehr besonderen Orts in einer ruhi gen Ecke genießen. Am besten besucht man Palenque früh morgens, wenn der Haupteingang öffnet und die Reisebusse noch nicht da sind. Zudem lässt sich dann das Erklim men der Pyramiden bei schwülwarmen Temperaturen besser ertragen. Nicht mehr öffentlich zugänglich ist das Grab des Herrschers Pakal, dessen Kopfprofil mit extrem fliehender Stirn immer wie der als Motiv für Abbildungen und Skulp turen auch im gegenwärtigen Mexiko dient. Die Schädeldeformation, so weiß man heute, wurde dem Herrscher bereits als Säugling zugefügt, in dem Mediziner männer Stirn und Hinterkopf mit Holz brettchen bandagierten – zu sehen übri gens im Museum in Monte Alban. Das entsprach dem damaligen Schön heitsideal, heute wäre diese Behandlung undenkbar. Geblieben ist den Mayavöl kern die Leidenschaft Pyramiden zu bau en – wenn auch nur aus Früchten. Suite mit Blick auf die Stadt ab 70 Euro, Telefon 001 951 515 2633, www.hotelvictoriaoax.com.mx. INFORMATIONEN I Allgemeine Auskünfte erteilt das Mexikanische Fremdenverkehrsbüro in Frankfurt, Telefon 069 253509, www.visitmexico.com. I Anreise: Mexiko lässt sich sehr gut individuell bereisen, da es über ein hervorragendes Fernbusnetz verfügt. Es empfiehlt sich ein Flug nach Mexiko City oder ein Gabelflug Frankfurt – Mexiko City, Cancùn – Frankfurt. I Literatur: „Lonely Planet Mexiko“, dt. Ausgabe, 1. Auflage Februar 2007, Verlag Mairdumont, ISBN 978-3-8297-1575-1, 28,50 Euro. ANZEIGEN > RNZ-Urlaubsservice RNZ-Urlaubsservice Wo Sie auch Urlaub machen. Wir wünschen Ihnen beste Erholung und schöne Erlebnisse. Und informieren Sie gerne über alles Wichtige von zu Hause. 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