Wiebke Schneider - Hochschule Hannover
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Wiebke Schneider - Hochschule Hannover
Vor einer Woche bin ich braun gebrannt, tiefen-seelen-entspannt und stolz auf mich selbst aus einem halbjährigen Auslandsaufenthalt in Spanien nach Deutschland zurück gekehrt. Der Anfang war nicht einfach, trotzdem habe ich ein wunderschönes halbes Jahr hinter mir, in dem ich viel über die Sprache und über das Land gelernt habe, viele unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichsten Nationen getroffen und lieben gelernt habe. Ich konnte eine tolle Stadt kennenlernen und für mich neu entdecken. Vorbereitung Am Ende des Jahres 2011 war es für mich sicher, dass ich im nächsten Sommersemester in Valencia studieren und für ein halbes Jahr dort leben würde. Sobald ich meine Zusage in der Hand hatte, habe ich mit den Vorbereitungen begonnen. Leider fallen die Klausuren am Ende des Semesters immer in die Phase der Vorbereitungszeit für das Auslandssemester, aber mit einer guten Organisation und Planung ist auch das zu überwältigen. Viele Fragen, die während der ganzen organisatorischen Angelegenheiten aufkamen, konnten auch oft im internationalen Büro beantwortet werden. Im Vorfeld sollte man dringend Spanisch-Kurse besuchen, um sich fit für das Auslandssemester zu machen. Ich habe 2009 einen Grundkursus in Spanisch absolviert und kurz vor meinem Auslandaufenthalt zwei Kompaktkurse belegt. Ich empfehle jedem, so viel Spanisch wie möglich zu lernen. Im Nachhinein wäre es für mich in vielen Situationen einfacher gewesen, wenn ich ein wenig mehr Spanisch gekonnt hätte. Ich habe es aber trotzdem mit wenig Spanisch-Kenntnis gut hinbekommen. Unterkunft Mit Hilfe eines Bekannten, der Spanisch spricht, habe ich von Deutschland aus eine Wohngemeinschaft in Valencia gesucht und gefunden. Über die Internetseiten www.easypiso.es und www.loco.es war es mir möglich, viele WGs im Vorfeld im Internet anzugucken und mit den Bewohnern über Skype in Kontakt zu treten. Das Angebot an Wohnungen ist riesig in Valencia! Keiner muss Angst haben, nichts zu finden. Von vielen Leuten habe ich gehört, dass man am besten eine oder zwei Wochen vor Studienbeginn nach Valencia fliegt und direkt vor Ort nach einer WG sucht. Dies hat natürlich den Vorteil Wohnungen, die nicht auf dem neuesten Stand sind und von denen es zahlreiche in Valencia gibt, aussortieren zu können. Leider kann man auf den Fotos im Internet oft nicht den wirklichen Zustand der Wohnung sehen. Trotzdem würde ich mir immer noch eine WG im Vorfeld aus dem Internet suchen, da man sich bei der Ankunft in Valencia um viele andere Dinge kümmern muss. Das Gefühl, bereits eine Wohnung zu haben, ist erleichternd und gibt mehr Sicherheit. Wenn man mit der Wohnung doch nicht so zufrieden ist, kann man sehr leicht andere WGs finden und das Zimmer wechseln. Da die EASD im Zentrum Valencias liegt, würde ich jedem den Stadtteil El Carmen ans Herzen legen. Schöne Altbauwohnungen, lebendige Atmosphäre und viele Ausgehmöglichkeiten sind typische Merkmale des Viertels. Leider ist es daher auch nicht ganz preisgünstig. Studium an der Gasthochschule Nach einer eher enttäuschenden Begrüßung an der Gasthochschule und einer darauf folgenden anstrengenden und verwirrten Einführungswoche, habe ich mich trotzdem an der Hochschule wohlgefühlt. Da ich am Anfang wenig Spanisch konnte, habe ich mich dafür entschieden, größtenteils praktische Kurse zu wählen. Für uns Erasmusstudenten bestand die Möglichkeit, zwischen allen Studienfächern zu wählen. Daher habe ich mich unter anderem für Schmuckdesign und Glastechnik entschieden. Im Nachhinein war diese Entscheidung die beste, da ich in diesen Fächern viel gelernt habe und neue Erfahrungen sammeln konnte. Viele Erasmusstudenten der Innenarchitektur waren mit den Hauptprojekten sprachlich sehr überfordert und vom Wissen unterfordert. Um sein Wissen im Bereich der Innenarchitektur zu erweitern gibt es meiner Meinung nach bessere Hochschulen als die EASD. Die Dozenten und Kommilitonen an der Schule waren sehr hilfsbereit und geduldig mit mir. Da ich am Anfang kaum ein Wort verstanden habe und meine Gegenüber über so gut wie keine Englisch-Kenntnisse verfügten, lief Vieles zunächst nur über Handsprache und einen Mix aus Spanisch und Englisch ab. Dies war nicht immer einfach, ab und zu aber auch sehr amüsant. Alltag-Freizeit Einen Alltag in Valencia gab es für mich kaum. Dadurch, dass ich zahlreiche praktische Kurse gewählt hatte, musste ich nach dem Unterricht nicht viel nach- oder vorbereiten. Somit konnte ich mich auf das Lernen der Sprache und dem Kennenlernen des Lebensstils der Spanier konzentrieren. Valencia ist eine Stadt mit unendlich vielen Möglichkeiten im Bereich der Freizeitaktivitäten. Der hunderte meterlange Strand und das ausgetrocknete Flussbett „Turia“ ermöglichen viele Sportaktivitäten. Außerdem bieten sich die tollen Gebirgslandschaften im Umland von Valencia bestens an, um ein Wochenende wandern oder klettern zu gehen. Die Städte Barcelona und Madrid lassen sich ebenfalls mit Bus oder Bahn innerhalb von kürzester Zeit erreichen und laden zu einem Städtetrip an einem freien Wochenende ein. Mit der Fluggesellschaft „Rynair“ lassen sich auch weitere Städte schnell und günstig erreichen. Einen Kurztrip nach Marrakesch oder Andalusien sind ohne großen Aufwand und Kosten möglich. Das Partyleben in Valencia kommt natürlich in einer Stadt mit vielen Erasmusstudenten ebenfalls nicht zu kurz. Viele Partys finden entweder im El Carmen, im Studentenviertel Blasco Ibanez oder direkt am Strand beziehungsweise im Hafen statt. Für jeden Party-Gänger lässt sich also fast jeden Tag etwas finden. Fazit Am Anfang habe ich mich sehr schwierig getan und große Probleme mit der spanischen und englischen Sprache gehabt. In vielen Situationen konnte ich dadurch nicht ich selbst sein und hatte Schwierigkeiten, mich auszudrücken. Aber nach der Anfangsphase habe ich mich sprachlich immer mehr entwickelt und zunehmend Gefallen an der Sprache und dem Leben dort bekommen. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass die Uhr in Spanien anders tickt als in Deutschland. Längeres Warten auf den Dozenten oder die Freunde sowie ausfallende Kurse wegen Demonstrationen gehören genauso zum Lebensstil dazu wie gemeinsames Kochen ab 22 Uhr, Discobesuche ab 3 Uhr morgens und die berühmte Siesta zwischen 14 und 19 Uhr. Leider habe ich auch schlechte Erfahrungen im Bereich der Kriminalität sammeln müssen, wenn auch nur wenige. Während den „Fallas“ in Valencia, eines der größten Volksfeste in Spanien, wurden mir in der „Turia“ mein Portmonee und mein Handy gestohlen. Die Polizisten haben mir danach erzählt, dass die Taschendiebe speziell zu den Fallas angereist kommen, um vor allem die Touristen zu beklauen. Passt auf Taschendiebe auf! In diesem halben Jahr habe ich nicht nur allerhand über mich selbst, über meine Stärken und Schwächen gelernt, sonder auch ganz viel über menschliche, soziale Beziehungen untereinander. Die Personen, die ich in diesem Zeitraum kennen gelernt habe, haben meinen Horizont erweitert und das Leben im Ausland für mich attraktiver gemacht. Mir sind viele Dinge bewusst geworden, die ich in Deutschland nun ändern oder erst recht beibehalten will. Abschließend kann ich sagen, dass ich jedem ein Auslandssemester empfehlen würde. Die Chance, auf diese Art sich selbst, das Land mit den Menschen und die Kultur kennen zu lernen, bekommt man nicht oft im Leben. Für mich war der Aufenthalt in Spanien eine meiner besten Zeiten in meinem Leben!