Faltblatt zur Ausstellung
Transcription
Faltblatt zur Ausstellung
Begleitprogramm 13. Juni 2013, 19.00 Uhr Lesung aus unveröffentlichten Lebenserinnerungen von Georg Kötschau 15. Juni 2013, 15.00 Uhr Henry van de Veldes Schüler in Jena Öffentliche Führung mit Constanze Roth (Kunsthistorikerin) 4. Juli 2013, 19.00 Uhr Die Schauspielerin Saskia Taeger liest aus Briefen von Helene Czapski-Holzman. Jugendstil träume 20. Juli 2013, 15.00 Uhr Öffentliche Führung 15. August 2013, 19.00 Uhr Aufbruch in die Moderne – Jenas Kunstszene zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vortrag von Doris Weilandt (Kunsthistorikerin) 17. August 2013, 15.00 Uhr Öffentliche Führung Museumspädagogische Angebote Natur & Kunst – Die Epoche des Jugendstils Interaktive Führung durch die Ausstellung mit Kreativmodul in der Museumswerkstatt Modul 1 In der Museumswerkstatt nähern sich die Kinder kreativ dem Jugendstil, indem sie eigene kleine Tongefäße mit Motiven aus der Pflanzen- oder Tierwelt formen. 5–11 Jahre Modul 2 Die Schüler/innen erhalten die Gelegenheit, nach dem Vorbild der Natur, einen eigenen Design- bzw. Dekorentwurf für ein selbst gewähltes Material zu gestalten. Ab 12 Jahre STADTMUSEUM JENA Markt 7 · www.stadtmuseum.jena.de T: 03641 49 82 61 · F: 03641 49 82 55 Di, Mi, Fr 10 – 17 Uhr · Do 15 – 22 Uhr · Sa, So 11 – 18 Uhr Buchen Sie Ihr Jugendstil-Wochenende: Van-de-Velde-Arrangement: www.jena.de/tourist-info Ruhe auf der Weide. Aquarell von Helene Czapski-Holzmann, 1919. Kunstsammlung Jena Vase. Unsigniert, um 1900. Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Titelbild: Tablett. J.P. Kayser Sohn, Entwurf von Hugo Leven, Krefeld 1898–1900 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich DOPPELAUSSTELLUNG 30. MAI – 1. SEPTEMBER 2013 STADTMUSEUM JENA Jugendstilträume Henry van de Veldes Schüler aus Jena Um 1900 entstand in Europa eine Reihe von teilweise divergierenden Strömungen, welche die bisher im Historismus gängige Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder ablehnten. Neue künstlerische Ideen und Einflüsse, beispielsweise aus der japanischen und orientalischen Kunst, gewannen an Bedeutung. Die Kunstrichtung des Jugendstils (franz. Art Nouveau) entwickelte sich seit den 1880er Jahren und setzte sich mit ihrem Triumph auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 endgültig durch. Die Künstler des Neuen Stils führten und propagierten ein von der Kunst durchdrungenes Leben. Das große Ziel war die Schaffung eines neuen, ins alltägliche Leben wirkenden Gesamtkunstwerks aus Architektur, bildender und darstellender Kunst, aus Handwerk und Lebensgestaltung. Gerade der angewandten Kunst kam eine besondere Bedeutung zu. Dinge des täglichen Lebens sollten ästhetisch ansprechend und zugleich funktional und qualitativ hochwertig sein. Auch wenn einige Jugendstilerzeugnisse nur für eine wohlhabende Elite erschwinglich waren, befriedigten zahlreiche Fabriken mit dekorativen Möbeln, Keramiken, Metallarbeiten und Glaswaren die Nachfrage breiter Schichten nach dem Neuen Stil. Das Stadtmuseum Jena zeigt im Van-deVelde-Jahr 2013 eine Doppelausstellung: Die Sammlung Giorgio Silzer und die Werke der Schülerinnen und Schüler Henry van de Veldes aus Jena. Der zweite Teil der Doppelausstellung beschäftigt sich mit den Jenaer Schülerinnen und Schülern Henry van de Veldes. Der Einfluss der Kunstgewerbeschule Weimar, die 1908 von dem bedeutenden Architekten und Gestalter Henry van de Velde eröffnet wurde, schlug sich nicht nur in der notwendigen Neugestaltung des hiesigen Kunsthandwerks nieder, sondern hinterließ auch in den künstlerischen Werken der bei van de Velde ausgebildeten Schüler weitreichende Spuren. Die Grundidee der Kunstgewerbeschule bestand darin, eine neue Generation von Zeichnern und Modelleuren heranzubilden, die in technischen und künstlerischen Fachkursen den „Stil der neuen Zeit“ erlernen sollten. Hierbei ging es van de Velde vor allem um die Überwindung veralteter Gestaltungsprinzipien und die Einführung eines modernen Lehrbetriebes. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Lebenswege dreier Schülerinnen und Schüler van de Veldes: Die Jenaer Malerin Helene Czapski-Holzman (1891–1968) besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule van de Veldes und war anschließend Meisterschülerin von Erich Kuithan an der Zeichenschule in Jena. Obwohl sie ein von schweren Schicksalsschlägen geprägtes Leben zu meistern hatte, hinterließ sie ein beeindruckendes Oeuvre. Der Maler Georg Kötschau (1889–1976) schuf in Jena über Jahrzehnte ein facettenreiches Werk und entwickelte sich zu einem renommierten Portraitmaler. Die exzellente Schmuckgestalterin und Fotografin Anna Romstedt (1897–1993) war später in der Fotoabteilung der Zeiss-Werke angestellt. Viele der Exponate aus der Frühzeit der Künstler sind erstmalig in einer Jenaer Ausstellung zu sehen. Pfingsttreffen des Wandervogels auf dem Johannisberg bei Lobeda Zeichnung von Georg Kötschau, um 1915 Stadtmuseum Jena Leuchter, WMF, Geislingen, um 1900 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Brosche, Entwurf Anna Romstedt, um 1915 Stadtmuseum Jena Anbietschale, Porzellanmanufaktur Sèvres, 1902 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Schreibtischgarnitur „Liebespaar“ Entwurf Émile Müller, 1900 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Die Sammlung Giorgio Silzer Das Stadtmuseum Jena präsentiert im ersten Teil eindrucksvolle Exponate aus einer der größten Privatsammlungen zum Jugendstil. Der aus Oberschlesien stammende, 1920 geborene Geigenvirtuose und langjährige Konzertmeister der Deutschen Oper Berlin, Giorgio Silzer, trug im Laufe seiner Sammeltätigkeit eine umfangreiche Kollektion von kunsthandwerklichen Exponaten, vor allem aus der Zeit des Jugendstils, zusammen. Vertreten sind Gebrauchsgeräte und Ziergefäße aus Keramik, Glas, Zinn und Silber aus den renommiertesten Werkstätten Europas. Die Schöpfer der eindrucksvollen Sammlung von Silberbestecken sind namhafte Künstler und Gestalter: Peter Carl Fabergé, Heinrich Vogeler, Albin Müller, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich und Henry van de Velde repräsentieren das ganze Spektrum der Formensprache des Jugendstils – von floral über linear und figurativ bis zu abstrakt. Daneben zeigt die Ausstellung im Bereich der Metallarbeiten eine repräsentative Auswahl an Zinnarbeiten der deutschen Firmen J. P. Kayser, Gerhardi & Cie., Orivit und hochwertige, teilweise überschwänglich dekorierte Haushaltswaren der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF). Die Zinnarbeiten der Sammlung zeigen exemplarisch, dass der Jugendstil auf Dekore aus der Tier- und Pflanzenwelt zurückgreift – sowohl in einer verspielten, teilweise sogar antiquierten, als auch in einer formalisierten, abstrakten Formensprache. Dem Höhepunkt europäischer Jugendstil-Keramikkunst begegnet der Besucher in den Arbeiten der französischen Kunsthandwerker. Neben organisch-naturalistischen Luxuskeramiken der Porzellanfabrik Sèvres zeigen individuelle und fantasievolle Arbeiten des Kugelvase Johann Loetz Witwe, Klostermühle, um 1900 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Karaffe, Orivit, Köln, um 1900 Museum Bautzen, Foto: Daniela Schleich Kunsttöpfers Théodore Deck und seiner Nachfolger Pierre Adrien Dalpayrat, Taxile Doat und Clément Massier die experimentelle Ausrichtung des Jugendstils anhand der Erprobung neuartiger Glasuren in lebhaften Farbtönen. Beispielhaft für die deutsche Keramik, die verhaltener und konservativer ausfällt, stehen die mit Schlickermalerei dekorierten Vasen des Badeners Max Laeuger. Dass der Jugendstil zu Recht als Gläserne Epoche bezeichnet wird, verdeutlichen bemerkenswerte Glasarbeiten. Ob floral, linear oder geometrisch geformt zeigen auch die Glaserzeugnisse die verschiedenen Spielarten des Jugendstils. Vertreten ist der französische Art Nouveau mit fantasievollen Arbeiten von Émile Gallé, dessen florale Kreationen von japanischer Kunst und Botanik geprägt sind, aber auch mit exklusiven Erzeugnissen und anspruchsvoller Massenware der Cristallerie der Gebrüder Daum in Nancy, der nach Gallés Tod künstlerisch tonangebenden Glasmanufaktur Frankreichs. Neben den französischen Exponaten des Art Nouveau präsentiert die Ausstellung herausragende Beispiele von namhaften deutschen, österreichischen und böhmischen Glashütten. Glasarbeiten in lebendigen, irisierenden Farben nach dem Vorbild der Natur von den führenden Unternehmen Böhmens, Johann Loetz Witwe und Wilhelm Kralik Sohn, sind ebenso vertreten wie irisierende Glasvasen mit dem typischen Netzdekor der böhmischen Manufaktur Pallme-König & Habel. Die Ausstellung eröffnet dem Besucher nicht nur die stilistische Vielfalt des Jugendstils, sondern präsentiert zudem eindrucksvoll die Experimentierfreude, Phantasie und ästhetische Gestaltungskraft der Protagonisten des Jugendstils. Ausgewählte, herausragende Exponate lassen schon den Keim der darauffolgenden Kunstströmungen erkennen. Dorfplatz, Ölgemälde von Helene Czapski-Holzmann, 1920 Kunstsammlung Jena