Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Seite 24

Transcription

Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Seite 24
C10278 E
6 / 2014
Internationale Fachzeitschrift für die Fleischwirtschaft
Martin Nether
Geschäftsführer
vpool Gruppe
Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether
Braucht die Branche
einen neuen Ladungsträger?
Seite 24
Titel
Braucht
die Branche
einen neuen
Ladungsträger?
vpool Gruppe
Mit über 70 Mitarbeitern an mehreren Standorten in
Deutschland und im europäischen Ausland kümmert sich
Poolingdienstleister vpool darum, dass Unternehmen aus
der Fleisch- und Wurstwirtschaft ständig mit ausreichend
Fleischkisten und Hygienepaletten versorgt werden. Damit
bietet das Unternehmen aus dem mittelfränkischen Wörnitz
einen einzigartigen Service, der den Transport einer ganzen
Branche sicherstellt. Die Top Ten-Unternehmen der Branche
arbeiten schon lange mit vpool zusammen und es werden
immer mehr. Mittlerweile managed das Unternehmen rund
20 Prozent des gesamten Fleischkistenpools. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Euro-E-Fleischkiste. Allein in
Deutschland sind über 100 Millionen davon unterwegs. In
ganz Europa sind es schätzungsweise 400 Millionen. Mit
seinem Service setzt vpool Standards und bestimmt den
Transport von Fleisch- und Wurstwaren mit.
Das Unternehmen ist vor gut zwei Jahren aus der Euroleergut-Gruppe hervorgegangen. Seitdem verantwortet Martin
Nether die Geschäfte. Nach langjähriger Erfahrung im Pooling von Ladungsträgern, erlebt Nether derzeit die größte
Diskussion mit, die je in der Fleisch- und Wurstwirtschaft
hinsichtlich eines neuen Ladungsträgers geführt wurde: Die
Einführung der hellblauen E-Performance-Fleischkiste. In
fünf Jahren soll die neue Kiste die altbewährte rote Kiste
abgelöst haben.
Titel
Martin Nether ist seit 2012
Geschäftsführer von vpool. Das
Unternehmen ist aus der Euroleergut-Gruppe hervorgegangen,
die seit über 15 Jahren zu den
führenden Dienstleistungsunternehmen für Logistik, Disposition
und Reinigung von Mehrwegtransportverpackungen gehört.
Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether
Braucht die Branche
einen neuen Ladungsträger?
Rot oder blau? Das ist die Frage, wenn es um die Zukunft eines einheitlichen Ladungsträgers in der Fleisch- und Wurstwirtschaft geht. Die rote Euro-E-Fleischkiste hat sich bis heute über Jahrzehnte bewährt. Allein in Deutschland sind
schätzungsweise über 100 Millionen Exemplare unterwegs, in ganz Europa sind es über 400 Millionen. Jetzt soll sie ersetzt
werden. Im Jahr 2013 hat die GS1 Germany zusammen mit Herstellern und weiteren Branchenteilnehmern die hellblaue
E-Performance Fleischkiste vorgestellt. Jetzt haben sich Unternehmen mit der GS1 Germany in einem so genannten Code
of Conduct darauf geeinigt, die neue Kiste ab Juli 2014 zu ordern. Ziel ist es, den Fleischkistenpool innerhalb der nächsten
fünf Jahre komplett auszutauschen. Die Euro-E-Fleischkiste soll es dann nicht mehr geben. Der Poolinganbieter vpool hat
sich auf den neuen Ladungsträger bereits eingestellt, sieht die geplante Einführung der blauen Fleischkiste aber mit Skepsis. Ein Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether.
FleischMagazin: Herr Nether, hat die rote Euro-EFleischkiste ausgedient?
FleischMagazin: Sie haben also Ihre Kunden bereits
zu dem Thema befragt?
Martin Nether: Bei der roten Euro-E-Fleischkiste
handelt es sich um einen verlässlichen Ladungsträger, der die Branche bereits seit Jahrzehnten begleitet.
Nether: Ja, selbstverständlich. Schließlich wollen wir
ja wissen, inwiefern wir uns auf den neuen Ladungsträger einstellen müssen, damit wir auch weiterhin
die Wünsche unserer Kunden erfüllen können. In
erster Linie haben wir Geschäftsführer und leitende
Angestellte im Leergutmanagement befragt.
Viele unserer Kunden setzen auch in Zukunft noch
auf die traditionelle rote Kiste und sehen auch gar
keinen Grund, weshalb sie sie ersetzen sollten. Laut
einer Umfrage, die vpool kürzlich in Auftrag gegeben
hat, haben sich rund 60 Prozent der Befragten nur
wenig mit dem Thema E-Performance blau auseinandergesetzt.
26 FleischMagazin 6 / 2014
FleischMagazin: Welche Kisten nutzen diese Unternehmen derzeit?
Nether: Da hat natürlich die rote Kiste die Nase
vorn. Allein die Euro-E2-Fleischkiste wird von allen
vpool Gruppe
Befragten genutzt. Die weiße Performance-Kiste in
der gleichen Größe wird dagegen nur zu einem geringen Anteil genutzt, und zwar hauptsächlich innerhalb der Edeka-Gruppe.
FleischMagazin: Laut GS1 soll die neue Kiste die rote
in fünf Jahren ersetzt haben. Für wie realistisch halten
sie dieses Ziel?
Nether: Für sehr ambitioniert. Die Migrationsgeschwindigkeit der hellblauen Kiste hängt in erster
Linie von einem wirtschaftlich attraktiven Modell
zur Ablösung der roten Kisten ab. Hier werden Unternehmen in erster Linie die Mehrkosten gegenüber den Vorteilen abwägen, die die blaue Kiste
für ein Unternehmen tatsächlich mit sich bringt.
Schließlich wird die neue Kiste in der Anschaffung
um die 1,50 Euro bis 2 Euro teurer sein als die rote
Fleischkiste.
Nether: Um die Vorteile des GRAI Codes nutzen zu
können, müssen Unternehmen noch in die passende
Hard- und Software investieren, um die Codes auch
lesen zu können. Rund 40 Prozent unserer befragten
Kunden sehen hohe Zusatzinvestitionen in der Anschaffung der Identifikationstechnologie. Ein Großteil
müsste dann noch in die Anpassung der Fördertechnik investieren. Die Branchenteilnehmer werden sich
gut überlegen, ob sie in die neue Technik investieren,
gerade wenn es sich um kleinere Betriebe handelt.
Ich kann mir vorstellen, dass die blaue Kiste in erster
Linie in den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen
zum Einsatz kommt, wie Schlachtung, Zerlegung
und Weiterverarbeitung. Das würde Sinn machen.
Hier kommt auch der Vorteil der hellblauen Farbgebung zum Tragen, weil der Ladungsträger mit dem
Fleisch direkt in Kontakt kommt. Aber hier kommen
auch nur die ganz großen Akteure in Frage, die die
Gehört die rote Euro-E-Fleischkiste bald der Vergangenheit an?
FleischMagazin: Was sind denn die Vorteile der EPerformance Kiste gegenüber der Euro-E-Fleischkiste?
hohen Investitionen für die EDV-Infrastruktur schultern können.
Nether: Die beiden großen Unterschiede zur roten
Kiste liegen in jedem Fall in der besseren Rückverfolgbarkeit durch eingelassene GRAI-Codes und in
der neuen Farbgebung. Das Hellblau bietet einen
guten Kontrast zur Ware, die transportiert wird. Verunreinigungen und Absplitterungen können besser
erkannt werden. Ob diese Vorteile auch wirklich genutzt werden können, kommt immer darauf an, wo
die neue Kiste zum Einsatz kommt.
Eine weitere Gefahr für Mehrkosten liegt generell
in der gleichzeitigen Nutzung von GRAI und den
Klebeetiketten mit den aufgedruckten Barcodes. In
der Praxis passiert es regelmäßig, dass die Etiketten
nicht auf das für sie vorgesehene Noppenfeld landen, sondern auf der GRAI. Diese Erfahrung haben
wir beim Handling mit der weißen E-Performance
Kiste gesammelt. Einmal dort aufgeklebt ist eine
rückstandslose Entfernung zur Wiederherstellung
der Lesbarkeit sehr aufwendig und teuer.
FleischMagazin: Sie gehen also davon aus, dass der
neue Behälter nicht flächendeckend zum Einsatz
kommt?
FleischMagazin: Laut GS1 haben sich aber Unternehmen bereits im Rahmen eines so genannten Code
FleischMagazin 6 / 2014
27
Titel
of Conduct bereit erklärt, die neue Kiste ab Juli 2014
zu ordern …
Nether: Das ist richtig. Dabei handelt es sich unter
anderem um Edeka. Edeka nutzt bereits seit Längerem die weiße E-Performance-Kiste, die sich von
der hellblauen Kiste nur in der Farbgebung unterscheidet. Als Insellösung hat sich die weiße Kiste
für den Einzelhandelsriesen als nützlich erwiesen.
Hard- und Software sind bereits vorhanden. Das Unternehmen kann also ohne größere Schwierigkeiten
auf die hellblaue Kiste setzen.
Das ist bei vielen anderen Unternehmen nicht so.
Bei denen führt das Thema hellblaue Fleischkiste
eher zur Verunsicherung. Die Handelsseite hat auch
immer betont, dass sie den neuen Behälter zwar akzeptieren wird, aber unter der Voraussetzung, dass
keine Mehrkosten entstehen. Konsequenterweise
müsste dann die Fleischindustrie bereit sein, die
Mehrkosten zu tragen, wenn es zu einer Umstellung
kommen soll.
Aber auch hier hat der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) bereits klar Stellung bezogen. Der VDF
betrachtet es nicht als sinnvoll, dass die Marktteilnehmer die von der GS1 Germany erarbeitete Verpflichtungserklärung unterzeichnen. Der VDF sieht
nicht ein, dass die Fleischwirtschaft bei Einführung
der blauen Kiste die Kosten im überwiegenden Maße
schultern muss. Zumal es keine Regelungen für einen
finanziellen Beitrag von Seiten der Kistenempfänger
für die Beschaffung der neuen, teuereren Kisten gibt.
FleischMagazin: Wie sehen Ihre Kunden das?
Nether: Laut unserer Kundenumfrage wollen über
70 Prozent der Unternehmen, die mit vpool zusammenarbeiten, auch weiterhin die Euro-E-Fleischkiste nutzen. Für sie ist die blaue Kiste keine Alternative. Sie rechnen sogar damit, dass die Preise für
die rote Kiste bei Einführung der hellblauen fallen
werden und das rote Modell in Zukunft sogar noch
attraktiver sein wird. Alles in allem stehen viele Unternehmen dem Thema sehr skeptisch gegenüber.
FleischMagazin: Skeptisch, inwiefern?
Dass die Einführung der hellblauen Kiste insgesamt
zu Mehrkosten führen wird, ohne überhaupt selbst
eine gekauft zu haben. Fast 70 Prozent der Branchenteilnehmer, die wir befragt haben, befürchten
in erster Linie hohe finanzielle Belastungen durch
ein separates Bestandsmanagement, wenn die rote
und die blaue Kiste parallel laufen werden. Beide
Kistensorten müssen voneinander getrennt werden.
Zusätzliche Fahrten für die Hin- und Rückführung
und Lagerkosten würden entstehen.
FleischMagazin: Stichwort Bestandsmanagement,
inwieweit hat sich vpool als Fleischkistenpooler bereits auf die neue Kiste eingestellt?
Nether: vpool ist einer der wesentlichen Treiber für
nachhaltige Prozessverbesserungen, da die Vorteile
für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gesehen werden. Das bedeutet aber nicht unbedingt,
dass zwingend auch ein neuer Behälter eingeführt
werden muss. Sollte dies aber der Fall sein, sind wir
darauf vorbereitet. Das Unternehmen hat sich bereits in der Vergangenheit mit seinem Service auf
Neuerungen, wie zum Beispiel die weiße E-Performance-Kiste, erfolgreich eingestellt.
Mit unserem integrativen Poolingansatz bieten wir
dem Markt ein optimales Lösungskonzept. vpool
übernimmt das Leergutmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette, von der Schlachtung
über die Zerlegung und Weiterverarbeitung bis in
den Handel. Hierdurch wird ein prozessuales Schließen des Behälterkreislaufs erreicht. In diesen nachhaltigen Prozessansatz ließe sich, sofern vom Markt
gewünscht, auch ein neuer Behälter integrieren.
Heiner Harke
vpool – das Unternehmen
Headquarter:
Am Kreisel 7
D-91637 Wörnitz
Telefon: +49 9868 9822 0
Telefax: +49 9868 9822 20
E-Mail: [email protected]
Internet: www.vpool.de
28 FleischMagazin 6 / 2014
Geschäftsführer: Martin Nether
Standorte und Service-Center:
Deutschland (Wörnitz, Aschaffenburg,
Donauwörth, Hamm Westfalen,
Klein Berßen, Steinfeld, Viersen)
Italien (Verona, Calderara di Reno)
Frankreich (Rennes)
Polen (Łodz)
Im April hat vpool bei seinen Kunden
eine Umfrage zum Thema blaue Kiste
durchgeführt. Die Ergebnisse sind unter www.vpool.de/news zu finden.
vpool Gruppe
Fleischkiste im Spitzenhöschen
Dass Werbung in der Fleischwirtschaft auch humorvoll
sein kann, zeigt die aktuelle Kampagne des Kistenpoolers.
W
enn Unternehmen in der Fleischwirtschaft oder der Logistik für ihre Produkte
und Serviceleistungen werben, bleiben Witz und Humor meist auf der Strecke.
Die Herstellung und der Handel mit Fleisch- und Wurstwaren und auch deren Distribution sind und bleiben ein seriöses Business und damit eine ernste Sache. Man
könnte meinen, in der Branche gäbe es nichts zu lachen. Das Unternehmen vpool ist
da anderer Meinung und beweist mit seiner aktuellen Werbekampagne das Gegenteil.
Wenn das Wörnitzer Unternehmen auf seinen Anzeigenmotiven für seinen Service
wirbt, wird schon mal das Wort ´mieten´ für jeden trotzdem immer noch verständlich
verdenglischt, zu ´meaten´: „Zu wenig Kiste? Meaten Sie den Rest doch dazu!, heißt
es dann. Als Eyecatcher dient eine halbe rote Kiste. Die Message ist eindeutig: Miete
doch statt zu kaufen. Insbesondere zu Saisonspitzen wie Ostern und Weihnachten,
aber auch zu sportlichen Highlights wie der diesjährigen Fußball WM, werden temporär mehr Kisten als sonst benötigt. Mieten spart nicht nur Lagerkosten außerhalb der
Spitzenzeiten, sondern erlaubt auch, nur das zu zahlen, was und wann es tatsächlich
gebraucht wird. Das Plakat bringt genau das auf den Punkt“, erklärt Diana Schindler,
Marketing Managerin bei vpool.
Genug Fleischkiste für alle. vpool bringt es humorvoll
auf den Punkt.
Neben der sicheren Hin- und Rückführung sowie der Versorgung mit Fleischkisten,
steht das Thema Hygiene und somit der Reinigungsservice des Unternehmens als weitere Kernkompetenz im Vordergrund. Auch beim Thema Kistenwäsche zielt vpool mit
seiner Werbung mit viel Witz und Ironie aufs Herz. Hierzu wird der Euro-E-Fleischkiste
eben mal ein Satz Spitzenunterwäsche verpasst. Die rote Kiste im Dessous, so sexy hat
die Branche ihren beliebtesten Ladungsträger wohl noch nie gesehen und die Wirkung
ist groß: „Erst haben wir gedacht, dass es doch sehr mutig sei mit soviel Ironie an die
ganze Sache heranzugehen. Wir haben uns gefragt, ob die Kampagne auch von jedem
verstanden wird. Doch in letzter Zeit werden wir immer wieder positiv auf die Motive
angesprochen“, erklärt Diana Schindler. „Jeder, der es in der Branche mit Fleischkisten
zu tun hat, fühlt sich von unseren Anzeigen verstanden und kann auch mal über die
alltäglichen Probleme, die der offene Fleischkistenpool mit sich bringt, und seinem eigenen Ärger darüber, herzhaft lachen“, so die Marketing Managerin weiter.
Ob Kistenschwund, Hygiene, Versorgung oder
Forderungsmanagement, für jede Kernkompetenz gibt es ein witziges Motiv. Aber irgendwann ist dann für die Marketing Managerin
auch mal Schluss mit lustig. Und zwar dann,
wenn es darum geht, dem Ärger ein Ende zu
setzen. Schließlich managed das Unternehmen
rund 20 Prozent des gesamten Fleischkistenpools. Unternehmen verlassen sich darauf,
dass sie immer mit genügend Ladungsträgern
versorgt werden. „Bei allem Humor: Unternehmen, die auf unseren Service setzen, nehmen
wir in jedem Fall ernst“, sagt Diana Schindler.
Dem Ärger ein Ende setzen. Das Forderungsmanagement von
vpool holt die Kisten der Kunden zurück.
Cristin Schaepe
Diana Schindler ist seit 2012 Marketing
Managerin bei vpool Deutschland.
Eyecatcher Fleischkiste im sexy Dessous. Bei vpool hat Kistenwäsche aber keinesfalls etwas mit Unterwäsche zu tun.
FleischMagazin 6 / 2014
29
Titel
Unternehmen setzen beim Ladungsträgermanagement auf Poolingdienstleister vpool
Die Devise ist: ´WE POOL!´
vpool arbeitet mit einem integrativen Poolingansatz und bietet dem Markt damit ein optimales Lösungskonzept. Die Wörnitzer übernehmen das Leergutmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette, von der Schlachtung über die Zerlegung und Weiterverarbeitung bis in den Handel. Mit dieser Vorgehensweise wird ein prozessuales Schließen des Behälterkreislaufs erreicht.
W
enn es um den Transport
von Fleisch- und Wurstwaren geht, sind die roten Euro-EFleischkisten in den Größen E1
bis E6 nicht mehr wegzudenken.
Doch beim falschen Ladungsträgermanagement können die Kisten richtig teuer werden. Entweder werden sie mit den falschen
Chemikalien gereinigt und gehen
schnell kaputt oder bleiben über
längere Zeit irgendwo unbeobachtet stehen und werden geklaut. Allein Kistenschwund und
Diebstahl kosten die Fleischwirtschaft jährlich über 20 Millionen
Euro.
Viele Unternehmen setzen deshalb auf den Poolingdienstleister vpool aus dem mittelfränkischen Wörnitz. Mit seinem
Kerngeschäft, dem Pooling der
roten E-Kisten und grauen H1Paletten für temperaturempfindliche Fleischprodukte ist
vpool Marktführer im Bereich
Logistik, Disposition, Reinigung und Bestandsführung
von
Mehrwegtransportverpackungen. Aktuell sind über
70 Mitarbeiter bei vpool beschäftigt. Bis heute ist das Unternehmen europaweit aktiv,
hauptsächlich in Deutschland,
Italien, Österreich, Polen, Spanien, Frankreich, aber auch in
Belgien, Luxemburg, Dänemark
sowie der Schweiz und in den
Niederlanden. Im Februar 2014
wurde in Italien eine eigenständige GmbH gegründet, die vpool
Italia S.r.l, im Mai 2014 die vpool
France S.A.R.L. Weitere werden
folgen. Die verstärkte Internationalisierung des Logistikexper-
ten war auch der Grund für die
Umbenennung. „vpool ist ein
Name, der über Grenzen hinweg
verstanden wird und das ausdrückt, was wir tun: WE POOL!“,
erklärt Geschäftsführer Martin
Nether.
Aber vpool steht noch für viel
mehr – „virtuelles Pooling“.
Pooling ist hier die gemeinsame
Verwendung von Ladungsträgern. Durch ein ganzheitliches
Bestands- und Bewegungsmanagement findet ein virtueller
Ausgleich von Forderungen und
Verbindlichkeiten zwischen den
Marktteilnehmern statt. So optimiert vpool physische Transporte
oder vermeidet diese ganz. Das
wiederum führt zu einer effizienteren Nutzung der Ladungsträger,
vpool hat mittlerweile 12 Standorte in vier großen europäischen
Ländern – acht in Deutschland,
zwei in Italien und je einen in
Frankreich und Polen.
30 FleischMagazin 6 / 2014
spart Logistikkosten und steigert
dadurch die Profitabilität der
Kunden.
Mit diesem Konzept trägt vpool
auch maßgeblich zu einem nachhaltigen Transport von Fleischund Wurstwaren bei. Durch die
Vermeidung physischer Transporte verbessert sich natürlich
auch die CO2-Bilanz. Zudem werden Verkehrswege wie Straßen
und Autobahnen entlastet.
Betrachtet man einen einzelnen
Baustein dieses Prozesses, läuft
dies folgendermaßen ab: vpool
liefert die Euro-E-Fleischkisten
an Schlacht- und Zerlegebetriebe, die ihre Ware darin an
Händler und Lieferanten transportieren. Die leeren Kisten werden von vpool dort abgeholt, wo
sie nicht mehr gebraucht werden,
wieder aufbereitet und erneut in
Umlauf gebracht. Ein zentrales
IT-System ermöglicht das kundenübergreifende Bestands- und
Bewegungsmanagement und dadurch eine erhöhte Prozesssicherheit für den Kunden. Darüber hinaus ist vpool als einziger
Poolingdienstleister immer verfügbar, insbesondere zu Spitzenzeiten, wenn es mal besonders
schnell gehen muss. Immer mehr
Unternehmen setzen auf diesen
einzigartigen Service und überlassen ihr gesamtes Ladungsträgermanagement den Spezialisten
aus Wörnitz, so zum Beispiel auch
der Kulmbacher Gewürzspezialist Raps.
vpool Gruppe
für Diskussionen unter den
Marktteilnehmern. Laut einer
Kundenumfrage, die vpool kürzlich durchgeführt hat, stehen ein
Großteil der Unternehmen in der
Fleisch- und Wurstwirtschaft der
blauen Kiste mit Argwohn gegenüber und neigen stark dazu,
auch weiterhin auf die altbewährte rote Kiste zu setzen.
Das Unternehmen verfügt über ein großes und zuverlässiges Netzwerk aus verschiedensten Dienstleistern. Von Transport über Lagerung bis hin zur Bereitstellung von Ladungsträgern werden die Kunden dabei
unterstützt, ihre Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen.
Bereits 20 Prozent des gesamten
offenen Pools werden von vpool
gemanaged. In den vergangenen
drei Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz um knapp
20 Prozent steigern. Wenn es um
das Behälter- und Ladungsträgermanagement von Unternehmen
geht, bieten Poolingdienstleister
hohes Potenzial. So tragen sie
auf ihre Weise in vielen Branchen
dazu bei, dass Leerfahrten, zu
hohe Lagerbestände, Qualitätsprobleme, Versorgungsengpässe
und Ladungsträgerschwund reduziert werden.
In der Fleischwirtschaft sorgt
vpool dafür, dass es beim Ladungsträgerequipment der Kunden nicht zu Engpässen kommt.
Ganz besonders zu Spitzenzeiten
und wenn mal kurzfristiger Bedarf an Fleischkisten besteht,
wird vpool gerufen. Das Unternehmen sichert so die fortlaufende Produktion seiner Kunden.
Ein weiteres Grundproblem des
offenen Pools ist, dass häufig
Fleischkisten und H1-Hygienepaletten von Schlachtbetrieben,
Händlern und Lieferanten vorgehalten und nicht zeitnah und
rechtzeitig wieder freigestellt werden. Unternehmen der Branche
klagen bereits seit längerem, dass
es immer wieder zu Schwierigkeiten beim Tausch des Equipments kommt, wie unübersichtliche Abrechnungen, die Zeit und
Geld kosten oder beschädigte
Kisten und Paletten, die teuer ersetzt werden müssen. „In diesen
Fällen bietet vpool ein spezielles
Forderungsmanagement als zusätzlichen Service an“, erklärt Geschäftsführer Nether. „Indem wir
ihnen den lästigen Ärger rund um
das Handling der Ladungsträger
ersparen, können sich unsere
Kunden noch besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.“
Auch wenn es um Neuerungen in
der Branche geht, beweist vpool
Weitblick. Obwohl noch nicht
auf dem Markt, hat sich vpool bereits auf die Herausforderungen
des Managements der hellblauen Fleischkisten eingestellt. „Die
Erfahrungen mit dem weißen
E-Performance-Behälter haben
gezeigt, dass Kisten mit einer helleren Färbung auch gleichzeitig
anfälliger für Verschmutzungen
und Verfärbungen sind“, erklärt
Martin Nether. „Hierfür greifen
wir auf speziell entwickelte Reinigungsmittel zurück, die wir auch
bei der hellblauen Kiste anwenden können.“
Ob die hellblauen Kästen
dem traditionellen roten Ladungsträgern den Rang ablaufen werden, steht noch in
den Sternen. Bis jetzt ist noch
keine einzige der blauen Kisten im Umlauf. Ab Juli 2014 sollen die ersten geordert werden.
Laut GS1 Germany soll die rote
Kiste sogar in fünf Jahren durch
die blaue ersetzt worden sein.
Das Thema ist strittig und sorgt
Sollten sich Unternehmen aber
auf einen neuen Ladungsträger einigen, können – genau wie
die Euro-E-Fleischkisten – auch
die E-Performance-Behälter bei
vpool von Händlern, Lieferanten
und Herstellern direkt bezogen
werden. Die Poolingspezialisten
aus Mittelfranken tragen auf diese Weise in einem erheblichen
Maß dazu bei, dass der gesamte
Fleischkistenpool mit immer
neuem und qualitativ hochwertigem Material versorgt und aufgefrischt wird.
Doch häufig haben sich Unternehmen noch nicht mit den
Vorteilen des Poolings auseinandergesetzt und kümmern sich
selbst um ihr Ladungsträgermanagement. Oftmals wird in der
Branche Leergut als Nebensache, als geringer wertiges Gut
angesehen.
Dabei werden jährlich horrende
Beträge in die Wiederbeschaffung von Fleischkisten investiert,
die beispielsweise geklaut worden, durch ein falsches Handling
zu Bruch gegangen oder einfach durch Unachtsamkeit verschwunden sind. „Ich bin davon
überzeugt, dass bei vielen Markteilnehmern noch Einsparpotenziale auszumachen sind“, sagt
vpool-Geschäftsfüher Nether.
„Es lohnt sich immer, das Outsourcing des Behältermanagements an einen Poolbetreiber zu
untersuchen.“
Heiner Harke
FleischMagazin 6 / 2014
31