Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Seite 24
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Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Seite 24
C10278 E 6 / 2014 Internationale Fachzeitschrift für die Fleischwirtschaft Martin Nether Geschäftsführer vpool Gruppe Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Seite 24 Titel Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? vpool Gruppe Mit über 70 Mitarbeitern an mehreren Standorten in Deutschland und im europäischen Ausland kümmert sich Poolingdienstleister vpool darum, dass Unternehmen aus der Fleisch- und Wurstwirtschaft ständig mit ausreichend Fleischkisten und Hygienepaletten versorgt werden. Damit bietet das Unternehmen aus dem mittelfränkischen Wörnitz einen einzigartigen Service, der den Transport einer ganzen Branche sicherstellt. Die Top Ten-Unternehmen der Branche arbeiten schon lange mit vpool zusammen und es werden immer mehr. Mittlerweile managed das Unternehmen rund 20 Prozent des gesamten Fleischkistenpools. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Euro-E-Fleischkiste. Allein in Deutschland sind über 100 Millionen davon unterwegs. In ganz Europa sind es schätzungsweise 400 Millionen. Mit seinem Service setzt vpool Standards und bestimmt den Transport von Fleisch- und Wurstwaren mit. Das Unternehmen ist vor gut zwei Jahren aus der Euroleergut-Gruppe hervorgegangen. Seitdem verantwortet Martin Nether die Geschäfte. Nach langjähriger Erfahrung im Pooling von Ladungsträgern, erlebt Nether derzeit die größte Diskussion mit, die je in der Fleisch- und Wurstwirtschaft hinsichtlich eines neuen Ladungsträgers geführt wurde: Die Einführung der hellblauen E-Performance-Fleischkiste. In fünf Jahren soll die neue Kiste die altbewährte rote Kiste abgelöst haben. Titel Martin Nether ist seit 2012 Geschäftsführer von vpool. Das Unternehmen ist aus der Euroleergut-Gruppe hervorgegangen, die seit über 15 Jahren zu den führenden Dienstleistungsunternehmen für Logistik, Disposition und Reinigung von Mehrwegtransportverpackungen gehört. Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether Braucht die Branche einen neuen Ladungsträger? Rot oder blau? Das ist die Frage, wenn es um die Zukunft eines einheitlichen Ladungsträgers in der Fleisch- und Wurstwirtschaft geht. Die rote Euro-E-Fleischkiste hat sich bis heute über Jahrzehnte bewährt. Allein in Deutschland sind schätzungsweise über 100 Millionen Exemplare unterwegs, in ganz Europa sind es über 400 Millionen. Jetzt soll sie ersetzt werden. Im Jahr 2013 hat die GS1 Germany zusammen mit Herstellern und weiteren Branchenteilnehmern die hellblaue E-Performance Fleischkiste vorgestellt. Jetzt haben sich Unternehmen mit der GS1 Germany in einem so genannten Code of Conduct darauf geeinigt, die neue Kiste ab Juli 2014 zu ordern. Ziel ist es, den Fleischkistenpool innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett auszutauschen. Die Euro-E-Fleischkiste soll es dann nicht mehr geben. Der Poolinganbieter vpool hat sich auf den neuen Ladungsträger bereits eingestellt, sieht die geplante Einführung der blauen Fleischkiste aber mit Skepsis. Ein Interview mit vpool Geschäftsführer Martin Nether. FleischMagazin: Herr Nether, hat die rote Euro-EFleischkiste ausgedient? FleischMagazin: Sie haben also Ihre Kunden bereits zu dem Thema befragt? Martin Nether: Bei der roten Euro-E-Fleischkiste handelt es sich um einen verlässlichen Ladungsträger, der die Branche bereits seit Jahrzehnten begleitet. Nether: Ja, selbstverständlich. Schließlich wollen wir ja wissen, inwiefern wir uns auf den neuen Ladungsträger einstellen müssen, damit wir auch weiterhin die Wünsche unserer Kunden erfüllen können. In erster Linie haben wir Geschäftsführer und leitende Angestellte im Leergutmanagement befragt. Viele unserer Kunden setzen auch in Zukunft noch auf die traditionelle rote Kiste und sehen auch gar keinen Grund, weshalb sie sie ersetzen sollten. Laut einer Umfrage, die vpool kürzlich in Auftrag gegeben hat, haben sich rund 60 Prozent der Befragten nur wenig mit dem Thema E-Performance blau auseinandergesetzt. 26 FleischMagazin 6 / 2014 FleischMagazin: Welche Kisten nutzen diese Unternehmen derzeit? Nether: Da hat natürlich die rote Kiste die Nase vorn. Allein die Euro-E2-Fleischkiste wird von allen vpool Gruppe Befragten genutzt. Die weiße Performance-Kiste in der gleichen Größe wird dagegen nur zu einem geringen Anteil genutzt, und zwar hauptsächlich innerhalb der Edeka-Gruppe. FleischMagazin: Laut GS1 soll die neue Kiste die rote in fünf Jahren ersetzt haben. Für wie realistisch halten sie dieses Ziel? Nether: Für sehr ambitioniert. Die Migrationsgeschwindigkeit der hellblauen Kiste hängt in erster Linie von einem wirtschaftlich attraktiven Modell zur Ablösung der roten Kisten ab. Hier werden Unternehmen in erster Linie die Mehrkosten gegenüber den Vorteilen abwägen, die die blaue Kiste für ein Unternehmen tatsächlich mit sich bringt. Schließlich wird die neue Kiste in der Anschaffung um die 1,50 Euro bis 2 Euro teurer sein als die rote Fleischkiste. Nether: Um die Vorteile des GRAI Codes nutzen zu können, müssen Unternehmen noch in die passende Hard- und Software investieren, um die Codes auch lesen zu können. Rund 40 Prozent unserer befragten Kunden sehen hohe Zusatzinvestitionen in der Anschaffung der Identifikationstechnologie. Ein Großteil müsste dann noch in die Anpassung der Fördertechnik investieren. Die Branchenteilnehmer werden sich gut überlegen, ob sie in die neue Technik investieren, gerade wenn es sich um kleinere Betriebe handelt. Ich kann mir vorstellen, dass die blaue Kiste in erster Linie in den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen zum Einsatz kommt, wie Schlachtung, Zerlegung und Weiterverarbeitung. Das würde Sinn machen. Hier kommt auch der Vorteil der hellblauen Farbgebung zum Tragen, weil der Ladungsträger mit dem Fleisch direkt in Kontakt kommt. Aber hier kommen auch nur die ganz großen Akteure in Frage, die die Gehört die rote Euro-E-Fleischkiste bald der Vergangenheit an? FleischMagazin: Was sind denn die Vorteile der EPerformance Kiste gegenüber der Euro-E-Fleischkiste? hohen Investitionen für die EDV-Infrastruktur schultern können. Nether: Die beiden großen Unterschiede zur roten Kiste liegen in jedem Fall in der besseren Rückverfolgbarkeit durch eingelassene GRAI-Codes und in der neuen Farbgebung. Das Hellblau bietet einen guten Kontrast zur Ware, die transportiert wird. Verunreinigungen und Absplitterungen können besser erkannt werden. Ob diese Vorteile auch wirklich genutzt werden können, kommt immer darauf an, wo die neue Kiste zum Einsatz kommt. Eine weitere Gefahr für Mehrkosten liegt generell in der gleichzeitigen Nutzung von GRAI und den Klebeetiketten mit den aufgedruckten Barcodes. In der Praxis passiert es regelmäßig, dass die Etiketten nicht auf das für sie vorgesehene Noppenfeld landen, sondern auf der GRAI. Diese Erfahrung haben wir beim Handling mit der weißen E-Performance Kiste gesammelt. Einmal dort aufgeklebt ist eine rückstandslose Entfernung zur Wiederherstellung der Lesbarkeit sehr aufwendig und teuer. FleischMagazin: Sie gehen also davon aus, dass der neue Behälter nicht flächendeckend zum Einsatz kommt? FleischMagazin: Laut GS1 haben sich aber Unternehmen bereits im Rahmen eines so genannten Code FleischMagazin 6 / 2014 27 Titel of Conduct bereit erklärt, die neue Kiste ab Juli 2014 zu ordern … Nether: Das ist richtig. Dabei handelt es sich unter anderem um Edeka. Edeka nutzt bereits seit Längerem die weiße E-Performance-Kiste, die sich von der hellblauen Kiste nur in der Farbgebung unterscheidet. Als Insellösung hat sich die weiße Kiste für den Einzelhandelsriesen als nützlich erwiesen. Hard- und Software sind bereits vorhanden. Das Unternehmen kann also ohne größere Schwierigkeiten auf die hellblaue Kiste setzen. Das ist bei vielen anderen Unternehmen nicht so. Bei denen führt das Thema hellblaue Fleischkiste eher zur Verunsicherung. Die Handelsseite hat auch immer betont, dass sie den neuen Behälter zwar akzeptieren wird, aber unter der Voraussetzung, dass keine Mehrkosten entstehen. Konsequenterweise müsste dann die Fleischindustrie bereit sein, die Mehrkosten zu tragen, wenn es zu einer Umstellung kommen soll. Aber auch hier hat der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) bereits klar Stellung bezogen. Der VDF betrachtet es nicht als sinnvoll, dass die Marktteilnehmer die von der GS1 Germany erarbeitete Verpflichtungserklärung unterzeichnen. Der VDF sieht nicht ein, dass die Fleischwirtschaft bei Einführung der blauen Kiste die Kosten im überwiegenden Maße schultern muss. Zumal es keine Regelungen für einen finanziellen Beitrag von Seiten der Kistenempfänger für die Beschaffung der neuen, teuereren Kisten gibt. FleischMagazin: Wie sehen Ihre Kunden das? Nether: Laut unserer Kundenumfrage wollen über 70 Prozent der Unternehmen, die mit vpool zusammenarbeiten, auch weiterhin die Euro-E-Fleischkiste nutzen. Für sie ist die blaue Kiste keine Alternative. Sie rechnen sogar damit, dass die Preise für die rote Kiste bei Einführung der hellblauen fallen werden und das rote Modell in Zukunft sogar noch attraktiver sein wird. Alles in allem stehen viele Unternehmen dem Thema sehr skeptisch gegenüber. FleischMagazin: Skeptisch, inwiefern? Dass die Einführung der hellblauen Kiste insgesamt zu Mehrkosten führen wird, ohne überhaupt selbst eine gekauft zu haben. Fast 70 Prozent der Branchenteilnehmer, die wir befragt haben, befürchten in erster Linie hohe finanzielle Belastungen durch ein separates Bestandsmanagement, wenn die rote und die blaue Kiste parallel laufen werden. Beide Kistensorten müssen voneinander getrennt werden. Zusätzliche Fahrten für die Hin- und Rückführung und Lagerkosten würden entstehen. FleischMagazin: Stichwort Bestandsmanagement, inwieweit hat sich vpool als Fleischkistenpooler bereits auf die neue Kiste eingestellt? Nether: vpool ist einer der wesentlichen Treiber für nachhaltige Prozessverbesserungen, da die Vorteile für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gesehen werden. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass zwingend auch ein neuer Behälter eingeführt werden muss. Sollte dies aber der Fall sein, sind wir darauf vorbereitet. Das Unternehmen hat sich bereits in der Vergangenheit mit seinem Service auf Neuerungen, wie zum Beispiel die weiße E-Performance-Kiste, erfolgreich eingestellt. Mit unserem integrativen Poolingansatz bieten wir dem Markt ein optimales Lösungskonzept. vpool übernimmt das Leergutmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette, von der Schlachtung über die Zerlegung und Weiterverarbeitung bis in den Handel. Hierdurch wird ein prozessuales Schließen des Behälterkreislaufs erreicht. In diesen nachhaltigen Prozessansatz ließe sich, sofern vom Markt gewünscht, auch ein neuer Behälter integrieren. Heiner Harke vpool – das Unternehmen Headquarter: Am Kreisel 7 D-91637 Wörnitz Telefon: +49 9868 9822 0 Telefax: +49 9868 9822 20 E-Mail: [email protected] Internet: www.vpool.de 28 FleischMagazin 6 / 2014 Geschäftsführer: Martin Nether Standorte und Service-Center: Deutschland (Wörnitz, Aschaffenburg, Donauwörth, Hamm Westfalen, Klein Berßen, Steinfeld, Viersen) Italien (Verona, Calderara di Reno) Frankreich (Rennes) Polen (Łodz) Im April hat vpool bei seinen Kunden eine Umfrage zum Thema blaue Kiste durchgeführt. Die Ergebnisse sind unter www.vpool.de/news zu finden. vpool Gruppe Fleischkiste im Spitzenhöschen Dass Werbung in der Fleischwirtschaft auch humorvoll sein kann, zeigt die aktuelle Kampagne des Kistenpoolers. W enn Unternehmen in der Fleischwirtschaft oder der Logistik für ihre Produkte und Serviceleistungen werben, bleiben Witz und Humor meist auf der Strecke. Die Herstellung und der Handel mit Fleisch- und Wurstwaren und auch deren Distribution sind und bleiben ein seriöses Business und damit eine ernste Sache. Man könnte meinen, in der Branche gäbe es nichts zu lachen. Das Unternehmen vpool ist da anderer Meinung und beweist mit seiner aktuellen Werbekampagne das Gegenteil. Wenn das Wörnitzer Unternehmen auf seinen Anzeigenmotiven für seinen Service wirbt, wird schon mal das Wort ´mieten´ für jeden trotzdem immer noch verständlich verdenglischt, zu ´meaten´: „Zu wenig Kiste? Meaten Sie den Rest doch dazu!, heißt es dann. Als Eyecatcher dient eine halbe rote Kiste. Die Message ist eindeutig: Miete doch statt zu kaufen. Insbesondere zu Saisonspitzen wie Ostern und Weihnachten, aber auch zu sportlichen Highlights wie der diesjährigen Fußball WM, werden temporär mehr Kisten als sonst benötigt. Mieten spart nicht nur Lagerkosten außerhalb der Spitzenzeiten, sondern erlaubt auch, nur das zu zahlen, was und wann es tatsächlich gebraucht wird. Das Plakat bringt genau das auf den Punkt“, erklärt Diana Schindler, Marketing Managerin bei vpool. Genug Fleischkiste für alle. vpool bringt es humorvoll auf den Punkt. Neben der sicheren Hin- und Rückführung sowie der Versorgung mit Fleischkisten, steht das Thema Hygiene und somit der Reinigungsservice des Unternehmens als weitere Kernkompetenz im Vordergrund. Auch beim Thema Kistenwäsche zielt vpool mit seiner Werbung mit viel Witz und Ironie aufs Herz. Hierzu wird der Euro-E-Fleischkiste eben mal ein Satz Spitzenunterwäsche verpasst. Die rote Kiste im Dessous, so sexy hat die Branche ihren beliebtesten Ladungsträger wohl noch nie gesehen und die Wirkung ist groß: „Erst haben wir gedacht, dass es doch sehr mutig sei mit soviel Ironie an die ganze Sache heranzugehen. Wir haben uns gefragt, ob die Kampagne auch von jedem verstanden wird. Doch in letzter Zeit werden wir immer wieder positiv auf die Motive angesprochen“, erklärt Diana Schindler. „Jeder, der es in der Branche mit Fleischkisten zu tun hat, fühlt sich von unseren Anzeigen verstanden und kann auch mal über die alltäglichen Probleme, die der offene Fleischkistenpool mit sich bringt, und seinem eigenen Ärger darüber, herzhaft lachen“, so die Marketing Managerin weiter. Ob Kistenschwund, Hygiene, Versorgung oder Forderungsmanagement, für jede Kernkompetenz gibt es ein witziges Motiv. Aber irgendwann ist dann für die Marketing Managerin auch mal Schluss mit lustig. Und zwar dann, wenn es darum geht, dem Ärger ein Ende zu setzen. Schließlich managed das Unternehmen rund 20 Prozent des gesamten Fleischkistenpools. Unternehmen verlassen sich darauf, dass sie immer mit genügend Ladungsträgern versorgt werden. „Bei allem Humor: Unternehmen, die auf unseren Service setzen, nehmen wir in jedem Fall ernst“, sagt Diana Schindler. Dem Ärger ein Ende setzen. Das Forderungsmanagement von vpool holt die Kisten der Kunden zurück. Cristin Schaepe Diana Schindler ist seit 2012 Marketing Managerin bei vpool Deutschland. Eyecatcher Fleischkiste im sexy Dessous. Bei vpool hat Kistenwäsche aber keinesfalls etwas mit Unterwäsche zu tun. FleischMagazin 6 / 2014 29 Titel Unternehmen setzen beim Ladungsträgermanagement auf Poolingdienstleister vpool Die Devise ist: ´WE POOL!´ vpool arbeitet mit einem integrativen Poolingansatz und bietet dem Markt damit ein optimales Lösungskonzept. Die Wörnitzer übernehmen das Leergutmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette, von der Schlachtung über die Zerlegung und Weiterverarbeitung bis in den Handel. Mit dieser Vorgehensweise wird ein prozessuales Schließen des Behälterkreislaufs erreicht. W enn es um den Transport von Fleisch- und Wurstwaren geht, sind die roten Euro-EFleischkisten in den Größen E1 bis E6 nicht mehr wegzudenken. Doch beim falschen Ladungsträgermanagement können die Kisten richtig teuer werden. Entweder werden sie mit den falschen Chemikalien gereinigt und gehen schnell kaputt oder bleiben über längere Zeit irgendwo unbeobachtet stehen und werden geklaut. Allein Kistenschwund und Diebstahl kosten die Fleischwirtschaft jährlich über 20 Millionen Euro. Viele Unternehmen setzen deshalb auf den Poolingdienstleister vpool aus dem mittelfränkischen Wörnitz. Mit seinem Kerngeschäft, dem Pooling der roten E-Kisten und grauen H1Paletten für temperaturempfindliche Fleischprodukte ist vpool Marktführer im Bereich Logistik, Disposition, Reinigung und Bestandsführung von Mehrwegtransportverpackungen. Aktuell sind über 70 Mitarbeiter bei vpool beschäftigt. Bis heute ist das Unternehmen europaweit aktiv, hauptsächlich in Deutschland, Italien, Österreich, Polen, Spanien, Frankreich, aber auch in Belgien, Luxemburg, Dänemark sowie der Schweiz und in den Niederlanden. Im Februar 2014 wurde in Italien eine eigenständige GmbH gegründet, die vpool Italia S.r.l, im Mai 2014 die vpool France S.A.R.L. Weitere werden folgen. Die verstärkte Internationalisierung des Logistikexper- ten war auch der Grund für die Umbenennung. „vpool ist ein Name, der über Grenzen hinweg verstanden wird und das ausdrückt, was wir tun: WE POOL!“, erklärt Geschäftsführer Martin Nether. Aber vpool steht noch für viel mehr – „virtuelles Pooling“. Pooling ist hier die gemeinsame Verwendung von Ladungsträgern. Durch ein ganzheitliches Bestands- und Bewegungsmanagement findet ein virtueller Ausgleich von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den Marktteilnehmern statt. So optimiert vpool physische Transporte oder vermeidet diese ganz. Das wiederum führt zu einer effizienteren Nutzung der Ladungsträger, vpool hat mittlerweile 12 Standorte in vier großen europäischen Ländern – acht in Deutschland, zwei in Italien und je einen in Frankreich und Polen. 30 FleischMagazin 6 / 2014 spart Logistikkosten und steigert dadurch die Profitabilität der Kunden. Mit diesem Konzept trägt vpool auch maßgeblich zu einem nachhaltigen Transport von Fleischund Wurstwaren bei. Durch die Vermeidung physischer Transporte verbessert sich natürlich auch die CO2-Bilanz. Zudem werden Verkehrswege wie Straßen und Autobahnen entlastet. Betrachtet man einen einzelnen Baustein dieses Prozesses, läuft dies folgendermaßen ab: vpool liefert die Euro-E-Fleischkisten an Schlacht- und Zerlegebetriebe, die ihre Ware darin an Händler und Lieferanten transportieren. Die leeren Kisten werden von vpool dort abgeholt, wo sie nicht mehr gebraucht werden, wieder aufbereitet und erneut in Umlauf gebracht. Ein zentrales IT-System ermöglicht das kundenübergreifende Bestands- und Bewegungsmanagement und dadurch eine erhöhte Prozesssicherheit für den Kunden. Darüber hinaus ist vpool als einziger Poolingdienstleister immer verfügbar, insbesondere zu Spitzenzeiten, wenn es mal besonders schnell gehen muss. Immer mehr Unternehmen setzen auf diesen einzigartigen Service und überlassen ihr gesamtes Ladungsträgermanagement den Spezialisten aus Wörnitz, so zum Beispiel auch der Kulmbacher Gewürzspezialist Raps. vpool Gruppe für Diskussionen unter den Marktteilnehmern. Laut einer Kundenumfrage, die vpool kürzlich durchgeführt hat, stehen ein Großteil der Unternehmen in der Fleisch- und Wurstwirtschaft der blauen Kiste mit Argwohn gegenüber und neigen stark dazu, auch weiterhin auf die altbewährte rote Kiste zu setzen. Das Unternehmen verfügt über ein großes und zuverlässiges Netzwerk aus verschiedensten Dienstleistern. Von Transport über Lagerung bis hin zur Bereitstellung von Ladungsträgern werden die Kunden dabei unterstützt, ihre Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen. Bereits 20 Prozent des gesamten offenen Pools werden von vpool gemanaged. In den vergangenen drei Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz um knapp 20 Prozent steigern. Wenn es um das Behälter- und Ladungsträgermanagement von Unternehmen geht, bieten Poolingdienstleister hohes Potenzial. So tragen sie auf ihre Weise in vielen Branchen dazu bei, dass Leerfahrten, zu hohe Lagerbestände, Qualitätsprobleme, Versorgungsengpässe und Ladungsträgerschwund reduziert werden. In der Fleischwirtschaft sorgt vpool dafür, dass es beim Ladungsträgerequipment der Kunden nicht zu Engpässen kommt. Ganz besonders zu Spitzenzeiten und wenn mal kurzfristiger Bedarf an Fleischkisten besteht, wird vpool gerufen. Das Unternehmen sichert so die fortlaufende Produktion seiner Kunden. Ein weiteres Grundproblem des offenen Pools ist, dass häufig Fleischkisten und H1-Hygienepaletten von Schlachtbetrieben, Händlern und Lieferanten vorgehalten und nicht zeitnah und rechtzeitig wieder freigestellt werden. Unternehmen der Branche klagen bereits seit längerem, dass es immer wieder zu Schwierigkeiten beim Tausch des Equipments kommt, wie unübersichtliche Abrechnungen, die Zeit und Geld kosten oder beschädigte Kisten und Paletten, die teuer ersetzt werden müssen. „In diesen Fällen bietet vpool ein spezielles Forderungsmanagement als zusätzlichen Service an“, erklärt Geschäftsführer Nether. „Indem wir ihnen den lästigen Ärger rund um das Handling der Ladungsträger ersparen, können sich unsere Kunden noch besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.“ Auch wenn es um Neuerungen in der Branche geht, beweist vpool Weitblick. Obwohl noch nicht auf dem Markt, hat sich vpool bereits auf die Herausforderungen des Managements der hellblauen Fleischkisten eingestellt. „Die Erfahrungen mit dem weißen E-Performance-Behälter haben gezeigt, dass Kisten mit einer helleren Färbung auch gleichzeitig anfälliger für Verschmutzungen und Verfärbungen sind“, erklärt Martin Nether. „Hierfür greifen wir auf speziell entwickelte Reinigungsmittel zurück, die wir auch bei der hellblauen Kiste anwenden können.“ Ob die hellblauen Kästen dem traditionellen roten Ladungsträgern den Rang ablaufen werden, steht noch in den Sternen. Bis jetzt ist noch keine einzige der blauen Kisten im Umlauf. Ab Juli 2014 sollen die ersten geordert werden. Laut GS1 Germany soll die rote Kiste sogar in fünf Jahren durch die blaue ersetzt worden sein. Das Thema ist strittig und sorgt Sollten sich Unternehmen aber auf einen neuen Ladungsträger einigen, können – genau wie die Euro-E-Fleischkisten – auch die E-Performance-Behälter bei vpool von Händlern, Lieferanten und Herstellern direkt bezogen werden. Die Poolingspezialisten aus Mittelfranken tragen auf diese Weise in einem erheblichen Maß dazu bei, dass der gesamte Fleischkistenpool mit immer neuem und qualitativ hochwertigem Material versorgt und aufgefrischt wird. Doch häufig haben sich Unternehmen noch nicht mit den Vorteilen des Poolings auseinandergesetzt und kümmern sich selbst um ihr Ladungsträgermanagement. Oftmals wird in der Branche Leergut als Nebensache, als geringer wertiges Gut angesehen. Dabei werden jährlich horrende Beträge in die Wiederbeschaffung von Fleischkisten investiert, die beispielsweise geklaut worden, durch ein falsches Handling zu Bruch gegangen oder einfach durch Unachtsamkeit verschwunden sind. „Ich bin davon überzeugt, dass bei vielen Markteilnehmern noch Einsparpotenziale auszumachen sind“, sagt vpool-Geschäftsfüher Nether. „Es lohnt sich immer, das Outsourcing des Behältermanagements an einen Poolbetreiber zu untersuchen.“ Heiner Harke FleischMagazin 6 / 2014 31