Meine Blickrichtung - EGW Bern
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Meine Blickrichtung - EGW Bern
Sonntag, 15. November 2015 Kapelle Nägeligasse 9/11 Bern Predigt: Martin Kull, Niederwangen Meine Blickrichtung Einleitung: unser wichtigstes Orientierungsorgan a) Meine Blickrichtung bestimmt mein Leben b) Die Augen des Herzens c) Das Herz bewahren Schluss: Gebet Einleitung Kennen Sie das Gesellschaftsspiel „blinde Kuh“? Mit verbundenen Augen gilt es, jemanden einzufangen, der alles sieht. Als Kind habe ich dieses jeweils mit Vergnügen gespielt, vor allem in der Rolle desjenigen, der sich den andern zu entziehen versucht. Mit den Augen hat uns Gott ein Wahrnehmungs- und Sinnesorgan geschenkt, das uns auf einzigartige Weise Orientierung ermöglicht. Eigentlich phantastisch, was wir mit unseren Augen alles einfangen können. Und das nicht nur schwarz-weiss, sondern im ganzen Farbenspektrum. Persönlich habe ich die leuchtenden Farben der sich verfärbenden Bäume und der fallenden Blätter in diesem Herbst ausserordentlich bewundert. Mit den Augen gibt uns Gott jedoch auch eine Verantwortung. Abertausende von Bildern nehmen wir täglich durch diese Fenster, die Augen, auf. Da sind solche, die uns erfreuen und solche, die uns Angst machen. Bilder, die uns anziehen und andere, die uns abschrecken. Bilder hinterlassen gewisse Emotionen in uns. Etliche bleiben einfach in uns hängen. Welche lassen wir bewusst oder unbewusst in uns hinein und bei welchen verschliessen wir lieber die Augen? Wie gehen wir um mit dem, was wir sehen? Bilder beeinflussen unser Denken und Reden. Auch darin habe ich eine Verantwortung! Unter anderem haben wir einen Negativ- und einen Positivfilter. Es ist entscheidend, welchen Filter ich aufsetze. Wenn ich meinen Nachbarn anschaue, denke ich vielleicht: Ach was für eine krumme Nase! Nein, aber diese Brille, die steht ihm jetzt wirklich nicht. Dann haben wir den Negativfilter aktiviert. Oder aber ich kann ihm sagen: Einzigartig, wie Dich Gott geschaffen hat! Deine grauen, silbernen Haare stehen zu Dir! Oder: Dein Lachen gefällt mir! Dabei ist der Positivfilter zum Zug gekommen. Machen wir eine kleine MinutenÜbung: Schaue Deinen Nachbarn links und rechts mit dem Positivfilter an. Mache ihm ein Kompliment oder schenke ihm ein Lächeln! - - - 1 Min. Pause - - - Tut das nicht gut? a) Meine Blickrichtung bestimmt mein Leben Gewisse Bilder drängen sich uns auf. Wenn ich mein Fitnessprogramm absolviere, stehen vier Fernseher mit verschiedenen Programmen nebeneinander vor mir. Sie ziehen meinen Blick an und es fällt mir schwer, mich diesen Bildern zu entziehen. Doch ich weiss, dass ich die Möglichkeit habe, meine Blickrichtung zu steuern und nicht auf diese Bildervielfalt zu sehen; eine wahrhaft gute Übung für mich, die mich immer wieder herausfordert. Wenn ich mit meinen Enkelkindern spazieren gehe oder ein Bilderbuch ansehe, weisen sie mich oft auf kleine Details hin, die ich übersehe: Den kleinen Käfer oder die Weinbergschnecke am Boden, die bereits verwelkte Blume am Wegrand. Ein Steinchen auf dem Weg. Ja, wie oft übersehen wir Erwachsenen solche Kleinigkeiten. Unser Sehen ist auf gewisse Dinge trainiert, auf andere nicht. Als ich damals in der Drogentherapie mit neuen Klienten in die Stadt musste, war ihr Blick danach ausgerichtet, wo „Pfähle“ lauern. Pfähle sind in ihrer Sprache Polizisten. Verschiedene negative Erlebnisse mit ihnen, vielleicht aber auch das schlechte Gewissen, hat ihr Misstrauen verstärkt. Gleichzeitig suchte ihr Blick Szenen, wo möglicherweise Drogen im Spiel waren. Ihr Blick suchte die Umgebung nach Kriterien ab, die mir fremd waren bzw. sind. Was für Prägungen sind es, die Dein Leben begleiten? Was ich anschaue, wohin mein Blick gleitet und wo er hängen bleibt, prägt mein Leben. Das gilt nicht nur im visuellen Bereich, sondern auch im übertragenen Sinn. Meine Blickrichtung bestimmt mein Leben. Bist Du ein Mensch, der viel nach hinten schaut, indem Du dankst oder mit der Vergangenheit, der eigenen Geschichte haderst? Oder schaust Du oft seitlich auf erfolgreiche Kollegen? Freust Du Dich über Ihren Erfolg, ihr gutes Leben, oder wirst Du dabei neidisch? Oder schaust Du oft auf Dich selbst. Freust Du Dich dabei über Deinen Schöpfer, wie er Dich erschaffen hat, oder findest Dich unwürdig, schwach und schuldig? Jochen Klepper, Theologe und Schriftsteller, mahnt uns in seinem Weihnachtsgedicht, wohin es sich zu schauen lohnt. Hier einige Strophen davon: Sieh nicht an, was du selber bist in deiner Schuld und Schwäche. Sieh den an, der gekommen ist, damit er für dich spreche. Sieh an, was dir heut widerfährt, heut, da dein Heiland eingekehrt, dich wieder heimzubringen auf adlerstarken Schwingen. Sieh nicht, wie arm du Sünder bist, der du dich selbst beraubtest. Sieh auf den Helfer Jesus Christ! Und wenn du ihm nur glaubtest, dass nichts als sein Erbarmen frommt und dass er dich zu retten kommt, darfst du der Schuld vergessen, sei sie auch unermessen. Glaubst du auch nicht, bleibt er doch treu. Er hält, was er verkündet. Er wird Geschöpf und schafft dich neu, den er in Unheil findet. Weil er sich nicht verleugnen kann, sieh ihn, nicht deine Schuld mehr an. Er hat sich selbst gebunden. Er sucht: du wirst gefunden! Sieh nicht mehr an, was du auch seiest. Du bist dir schon entnommen. Nichts fehlt dir jetzt, als dass du weißt: Gott selber ist gekommen! Und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, ein Fürst, der ewgen Frieden schafft. Dem Anblick deiner Sünden will er dich selbst entwinden. Wie schlecht auch seine Windeln sind, sei dennoch unverdrossen. Der Gottessohn, das Menschenkind liegt doch darin umschlossen. Hier harrt er, dass er dich befreit. Welch‘ Schuld ihm auch entgegenschreit – er hat sie aufgehoben. Nicht klagen sollst du: loben! Klepper weiss, dass wir in der alltäglichen Betriebsamkeit nur allzu gern Gott aus dem Blickfeld verlieren und stattdessen auf uns selbst fixiert sind, unsern Erfolg wie auch unser Scheitern. Könnte es sein, dass Du bildlich gesprochen beständig in den Spiegel schaust und gefangen bist in der Sorge um Dich selbst? Dann beginnst Du vielleicht zu glauben, dass Dein Wohl von Dir selbst abhängt und du daher alles von Dir selbst erwartest? Ob Du damit Dein Schicksal wohl selbst in den Griff bekommst und Dein Dasein sichern kannst? Wir wissen zwar alle, dass Jesus uns von den Sorgen befreien will, haben aber Misstrauen und behalten die Sorgen doch lieber bei uns selbst. René hat uns dies im letzten Gottesdienst mit dem aufspringenden Ball sehr plausibel vor Augen geführt. Du und ich, wir müssen lernen, uns von dem verkrampften Blick auf uns selbst zu lösen und uns radikal abzuwenden von den Sorgen, und uns vertrauensvoll hinzuwenden zu Jesus. Das ist die Blickrichtung, die uns letztlich frei werden lässt von uns selbst. David drückt es in Ps. 34.6 so aus: Die auf ihn blicken, werden strahlen und ihr Angesicht wird nicht erröten. In Psalm 17.15 sagt David: Ich will schauen Dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde. Du darfst Dich loslassen, weil seine Hand dich hält, auch wenn noch so viele negative Einflüsse Dich bestimmen mögen. Du darfst Dich ganz an Jesus, an Gott, festhalten. Wenn wir lernen, immer wieder auf ihn zu schauen, hat das unwillkürlich eine Rückwirkung auf uns selbst. Wir beginnen mehr und mehr die Dinge zu sehen, wie Jesus sie sieht. Wir werden Gott und damit Jesus in unserem Wesen wieder ähnlicher, wenn wir immer wieder auf ihn schauen. Wie heisst es doch im bekannten Lied der Jesusbruderschaft in Gnadental: Im Anschauen seines Bildes, da werden wir verwandelt in sein Bild! Lasst uns diese Verheissung miteinander singen! b) Die Augen des Herzens „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Kennt ihr die bekannte Geschichte vom „kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry? Der Fuchs verrät dem kleinen Prinzen auf seiner Reise zu den 7 Planeten sein Geheimnis. Und fügt bei: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Paulus hätte ergänzt: Man sieht mit dem Herzen nicht nur gut, sondern auch richtig und umfassend. Im Eph. 1.18 sagte er: „Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.“ Mit dem Herzen meint die Bibel das Innerste, den Kern unseres Wesens. Im Herzen fühlen und denken wir. Wenn Paulus den Wunsch ausdrückt nach erleuchteten Augen des Herzens, dann meint er, dass Gott durch seinen Heiligen Geist unser Innerstes erleuchten möge. Der Heilige Geist zeigt uns die Schau, welche Gott hat für mich und dich, ja für die ganze Welt. Mit „erleuchteten Augen des Herzens“ können wir hinter die Kulissen des äusseren Geschehens sehen. Wir sollen die ganze Wirklichkeit sehen, und nicht nur die täglichen Bilder, die uns begegnen und uns oft niederdrücken. Gott möchte uns diesen eingeschränkten Blickwinkel erweitern. Er möchte, dass wir einen vertieften Blick in die geistliche Wirklichkeit bekommen. Paulus öffnet das Geheimnis, wozu wir die Erleuchtung im Herzen brauchen: Wir sollen erkennen können, wozu wir berufen sind! Diese einzigartige Hoffnung sollen wir durch die erleuchteten Augen des Herzens erkennen: Die neue Genfer Übersetzung drückt es in 1. Eph. 18-19 so aus: 18 Er öffne euch die Augen des Herzens, damit ihr erkennt, was für eine Hoffnung Gott euch gegeben hat, als er euch berief, was für ein reiches und wunderbares Erbe er für die bereithält, die zu seinem heiligen Volk gehören, 19 und mit was für einer überwältigend großen Kraft er unter uns, den Glaubenden, am Werk ist. Mit erleuchteten Augen des Herzens sehen wir viel tiefer in Gottes Realität. Wenn unser Innerstes, unser Herz, blind ist für Gottes Welt, werden uns unweigerlich negative Dinge beherrschen. Wenn Gottes Geist uns aber die Augen öffnet für seine Wirklichkeit, erfahren wir eine neue Kraft, die uns aus dem Gefängnis unserer Gedanken und Gewohnheiten befreien wird. Wir werden die Welt und was um uns geschieht mit Gottes Augen sehen können, wenn wir darum bitten. Die Berufung zur Hoffnung bewirkt in uns eine neue Blickrichtung. Unser Dasein bekommt einen neuen Sinn. Wir werden Gottes Gedanken und seine Barmherzigkeit für Menschen empfinden können, die Schweres ertragen, und werden zu Hoffnungsträger für sie. Die bedrohlichen Seiten des Weltgeschehens können uns nicht mehr überwältigen, weil wir die wahren Machtverhältnisse erkennen können. Auch die gestrige Schreckensnachricht der Schiessereien der Terrormiliz Islamischer Staat in Paris bekommt in seinem Licht eine andere Gewichtung. So schrecklich diese Geschehnisse sind, sie können meine Blickrichtung auf unsern Gott nicht trüben. Vielmehr treiben sie mich in die Arme Gottes, der Herr über der Geschichte ist und bleibt. Gott hat alles unter Kontrolle. Mit dieser Gewissheit können wir ihn ihm zur Ruhe kommen. Er wird die Geschichte dieser Welt und auch unser Leben an das von ihm gesetzte Ziel bringen. c) Das Herz bewahren Unser Herz, ist immer wieder in Gefahr, auf Abwege zu kommen. Wir leben nach menschlichen Massstäben und geben Gedanken Raum, die aus unserem alten Wesen stammen. Wir hören auf Stimmen, die nicht mit Gottes Wort übereinstimmen. Wir drehen uns um uns selbst und verlieren im Alltag den Blick nach Gott. Unsere Blickrichtung braucht immer wieder Korrektur. Gott sucht unser Herz und möchte, dass wir uns zu ihm wenden. 1. Samuel 16.7 heisst es: Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht: Der Mensch sieht auf das Äussere, der HERR aber sieht auf das Herz. Dem Schriftgelehrten, der ich nach dem grössten Gebot fragte, antwortet Jesus: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit Deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüt. Matth. 22.37 Darauf kommt es also an, dass unser Herz ganzheitlich Gott zur Verfügung steht. Nicht etwa das Dienen steht an erster Stelle, sondern unser Beziehung. Lieben sollen wir ihn, ganzheitlich lieben. Meine Liebe soll ihm ganz gehören, ungeteilt. Mein Herz soll ihm allein gehören. Eine Beziehung lebt vom Austausch. Das ist bei Gott nicht anders. Er möchte mit mir im Gespräch bleiben. An meinem ganzen Leben möchte er Anteil nehmen; anderseits soll ich mich an ihm erfreuen, ihn ehren, ihm singen, ihn anbeten und sein Wort aufnehmen. Damit können wir unser Herz bewahren vor unlauteren Gedanken, Bitterkeit oder Groll. Möge Gott uns auf diesem Weg beistehen! Lasst uns gemeinsam Gott anrufen: Lebendiger Gott, Jesus Christus, unser Herr, Du hast uns nach Deinem Ebenbild geschaffen. Wir aber haben uns entfernt von Deiner Liebe. Du kennst unsere Herzen, unser Sinnen und Trachten, die oft andere Wege gehen, als Du das möchtest. Wir bitten Dich, verzeihe uns unsere Schuld Wir kommen zu Dir und geben Dir unsere Herzen neu. Lerne uns, von uns selbst wegzuschauen, hin auf Dich. Ja, erleuchte unsere Herzen neu. Lass uns die Hoffnung erkennen, zu der Du uns berufen hast, Lerne uns, mit dem Herzen zu sehen, so wie Du siehst, Damit wir ans Ziel kommen, das Du für uns bestimmt hast. Dir sei alle Ehre. Amen