Management des Sportpferdes - Schlütersche Verlagsgesellschaft

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Management des Sportpferdes - Schlütersche Verlagsgesellschaft
Fachzeitschrift für
Züchter und Tiermediziner
5. Jahrgang
Nr. 7
Schwerpunktthema dieser Ausgabe
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des Sportpferdes
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editorial
D
as Pferd ist vom Nutztier zum Freizeit- und
Sportpartner geworden. Diese Entwicklung
hat dazu geführt, dass auch die Ansprüche an das
Tier sich sehr verändert haben: Im Wettkampf
verlangen wir den Pferden je nach Sportart große
Kraft, Ausdauer, Konzentration und Geschicklichkeit ab.
Wer als Pferdebesitzer, Reiter oder Fahrer hohe
Leistungen fordert, muss gleichzeitig den Anforderungen an den Umgang mit Pferden im Sport
gerecht werden. Definiert werden diese in den
Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport, die vor
allem Tierschutzaspekte bei der Ausbildung und
im Training beschreiben. Der artgerechte Umgang
mit Freizeit- und Sportpferden erfordert ein großes
Wissen und Können des Reiters oder Fahrers in
allen Belangen des Trainings und bei Wettkämpfen.
Pferde haben ein spezifisches Sozial-, Bewegungs- und Fressverhalten. Ihre Bedürfnisse zu
berücksichtigen, ist nicht nur aus Tierschutzgründen unverzichtbar, sondern auch zum Erreichen von Höchstleistungen notwendig.
In dieser Ausgabe des pferdefokus widmen wir
uns als Schriftleitung, unterstützt von zahlreichen Fachleuten, vor allem der Diagnostik und
Therapie leistungsmindernder Probleme bei
sportlich genutzten Pferden – das Spektrum
reicht von typischen Erkrankungen über die
Kontrolle unerwünschten Sexualverhaltens bis
zum Überprüfen des Sattels. Darüber hinaus gibt
das vorliegende Heft zahlreiche Denkanstöße
zum tiergerechten Ausbilden und Füttern von
Sportpferden.
Dr. med. vet. Katja Roscher,
Dipl. ECEIM
PD Dr. med. vet. Ingrid
Vervuert
Management
des
Sportpferdes
Hohe Leistungen bringen
Pferde nur, wenn sie gesund
und gut ausgebildet sind.
Das richtige Futter,
eine tiergerechte Haltung
und die passende Ausrüstung
sichern eine gute Startposition.
Wir freuen uns, wenn das zusammengestellte
Wissen sowohl Pferdebesitzer als auch Pferdetierärzte im Umgang mit dem Sportpartner Pferd
unterstützt und zahlreiche Gespräche rund um
das Pferd im Sport anregt.
Katja Roscher
Ingrid Vervuert
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
3
Fütterung & Haltung
6–35
36–41
6
Lahmgelegt
36
Fit durch gutes Futter
Häufige Lahmheitsursachen
beim Sportpferd
Die Ernährung des Sportpferdes
Medizin
16
Ist es das Herz?
Kardiale Probleme
des Sportpferdes
21
Außer Atem
Dynamische Erkrankungen
der oberen Atemwege
29
Mehr als ein Muskelkater
Muskuläre Probleme
des Sportpferdes
4
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Pferde, die hohe Leistungen bringen, brauchen
viel Energie. Neben ausreichend Raufutter sorgen vor allem Getreide, Eiweiß und Fett für mehr
Power. Durch vermehrtes Schwitzen bei enormer
körperlicher Belastung kommt es zu Wasser- und
Elektrolytverlusten, die sinnvoll ausgeglichen
werden müssen. Bei intensiv genutzten Pferden
ist eine gut durchdachte Rationsgestaltung deshalb besonders wichtig.
inhalt Management des Sportpferdes
Zu dieser Ausgabe: Damit Sportpferde im Wettkampf gute Leistungen bringen, muss
mehr passen als der Sattel: Gesunde und richtig ausgebildete Tiere geben gerne ihr Bestes.
Titelfoto © Mikhail Kondrashov - Fotolia.com
ausbildung
& Sport
Ausbildung
Zucht
32 – 36
48–56
42
Hormone unter Kontrolle
48
Passt, wackelt und hat Luft
Möglichkeiten zur Kontrolle des
Sexualverhaltens bei Stute und Hengst
Satteldruckmessung zur
objektiven Überprüfung des Systems
Reiter-Sattel-Pferd
Typisches Dominanzverhalten, eingeschränkte
Rittigkeit und reduzierte Leistungsbereitschaft
– unerwünschtes Rosse- und Hengstverhalten
kann das Training und die erfolgreiche Teilnahme an Wettkämpfen erheblich erschweren. Doch
es gibt verschiedene Möglichkeiten, Geschlechtshormone bei Stute und Hengst zu regulieren und
so das Verhalten zu beeinflussen.
42–47
53
Pferdegerechtes Reiten
& Sport
Die Entwicklung des Pferdesports –
ein Widerspruch
zur klassischen Reitlehre
Spektrum
57–62
Doping im Pferdesport
Dopingproblematik bei Pferd und
Reiter aus juristischer Sicht
63–71
Marktplatz
71
Impressum
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
5
Foto: Melissa Schalke/fotolia.de
Medizin
Lahmgelegt
Häufige Lahmheitsursachen beim Sportpferd
Michael Röcken, Joachim Hahn, Tanja Witte
W Orthopädische Probleme gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Pferdes, die zur Sportuntauglichkeit eines Patienten
führen können. Dabei zählen Sehnen- und Gelenkerkrankungen zu den bekanntesten Lahmheit verursachenden Erkrankungen
des Bewegungsapparates, die sich vor allem bei Sportpferden unter Belastung manifestieren können. Mehrheitlich ist eine Vordergliedmaße von der Lahmheit betroffen. Dabei sind rund 95 Prozent dieser Lahmheiten unterhalb des Karpalgelenks lokalisiert, wohingegen am Hinterbein häufiger auch die oberen Gelenke wie das das Knie- und Sprunggelenk betroffen sind.
Sehnenschäden
Sehnenschäden gehören vor allem bei Renn–, Military- und Dressurpferden zu den häufigsten eine Lahmheit verursachenden Erkrankungen. Dabei kann die Heilung solcher Erkrankungen in Abhängigkeit von Lokalisation, Dauer der Erkrankung und Art der Behandlung mindestens drei bis zwölf Monate in Anspruch nehmen.
Dieser verzögerte Heilungsprozess der Pferdesehne ist darauf zurückzuführen, dass die Sehnen der Gliedmaßen die Aufgabe haben,
als Überträger der Muskelkraft in der Art eines elastischen Kraftüberträgers auf die in der Nähe des Hufes gelegenen anatomischen Strukturen einzuwirken.
Infolge einmaliger oder wiederholter traumatischer Einwirkungen
kommt es zu einer lokalen, entzündlichen Reaktion. Je hochgradiger diese Entzündungsreaktion ist, desto umfangreicher verändert
sich das Gewebe in der betroffenen Sehne. Infolge der geringen Versorgung des Sehnengewebes mit Blutgefäßen verläuft die Heilung
verzögert. Zunächst wird nur Ersatz- bzw. Narbengewebe gebildet,
welches vor allem initial nicht so elastisch und belastbar ist wie das
ursprüngliche Sehnengewebe. Dieser Sachverhalt ist verantwortlich
für die zum Teil hohe Rückfallrate bei Sehnenerkrankungen.
6
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Zumeist ist chronische Ermüdung der Auslöser
Schäden der oberflächlichen Beugesehne und des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne sowie des Fesselträgers sind bei Sportpferden in den meisten Fällen chronische Ermüdungsschäden. Rein
traumatische Schädigungen kommen vor, sind jedoch selten. Sind
Muskeln ermüdet, kann ihre stoßabsorbierende Wirkung reduziert
sein. Die passive Sehne, die den Knochen und Muskel verbindet,
kommt dabei noch mehr unter Zugspannung, was dazu führt, dass
sie sich übermäßig erwärmt. Da das betroffene Sehnengewebe nur
unzureichend durch die Blutzirkulation versorgt wird, führt dieser
Umstand zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Die
Folgen sind, dass sich toxische Stoffwechselprodukte ansammeln,
die zu einer Zelldegeneration und verringerter Kollagensynthese
führen. Diese mangelnde Elastizität führt automatisch zu einer verringerten Festigkeit. Weitere, auch nur geringe Arbeitsbelastungen,
können dann zum plötzlichen Zerreißen einzelner Fibrillen oder
sogar der gesamten Sehne führen. Dies löst eine entzündliche Gewebsreaktion aus, toxische Substanzen werden freigesetzt, die unter
anderem zu einer erhöhten Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße
führen können. Die Folgen davon sind verringerte Durchblutung,
Abbildung 1: Schematische
Darstellung der unteren
Gliedmaße:
oberflächliche Beugesehne
(grün), tiefe Beugesehne
(pink), Unterstützungsband der tiefen
Beugesehne (Ligamentum
accessorium, blau),
Fesselträger (Musculus
interosseus medius, gelb)
Zeichnung: Janine Brunner
Abbildung 2: Untersuchung der tiefen und
oberflächlichen Beugesehnen
Foto: Jürgen Althaus, Hermann Josef Genn: Die Kaufuntersuchung des
Pferdes. Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2011
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Schmerzen, Wärme und eine meist spindelförmige Verdickung. Sie werden als die
ersten klinischen Anzeichen der klassischen, produktiven Tendinitis gewertet.
Zentral bleibt das Gewebe abgestorben,
auch wenn die äußerlich sichtbaren klinischen Symptome bereits nach wenigen
Tagen abgeklungen sind. Die strukturelle Veränderung des Sehnengewebes
kann bei erneutem Training weitere neue
Schäden bis hin zu einem vollständigen
Sehnenriss zur Folge haben.
Ultraschall sichert die Diagnose
Es ist für den behandelnden Tierarzt mitunter schwierig, initial Grad und Größe der Verletzung einzustufen, da jedes
Pferd anders auf einen Schaden reagieren
kann. Neben dem Vorbericht – zum Beispiel Pferd zeigt Lahmheit nach einmali-
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
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Medizin
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ger, längerer Belastung auf weichem Boden – steht die Untersuchung
durch Betrachten und Betasten der verletzten Anteile an erster Stelle. Meist entwickeln sich die typischen Entzündungssymptome erst
nach Stunden.
Das Pferd wird im Schritt und Trab vorgeführt, um eine eventuelle
Lahmheit (gering-, mittel- oder hochgradig) oder totale Entlastung
feststellen zu können. Meist rufen Schäden an den Beugesehnen
sogenannte Stützbeinlahmheiten hervor, die beim Vorführen auf
weichem Boden verstärkt sein können. Das heißt, die betroffene
Gliedmaße wird kürzer belastet. Die extremste Form des Sehnenschadens ist der sogenannte Niederbruch. Hierbei kommt es,
meistens bei Galopprennpferden, nach totalem Zerreißen des Fesselträgers und eventuell auch weiterer Beugesehnen zum Durchtreten in der Fessel, sodass der Fesselkopf dabei durchaus den Boden
berühren kann. Häufig wird im Bereich der erkrankten Sehnen ein
Verlust der scharfen Kontur bemerkt. Das Betasten gibt Aufschluss
über vermehrten Umfang, Wärme oder Druckschmerzempfindlichkeit. Dadurch kann zwischen einem akuten und einem eher chronischen Sehnenschaden unterschieden werden.
Meist ist eine genaue Lokalisation einer Schädigung im betroffenen Sehnengewebe aber erst nach weitergehenden Untersuchungen
möglich. Die Diagnose wird an erster Stelle durch die Ultraschall­
untersuchung abgesichert. Hiermit können auch kleinere Schäden
des Gewebes sichtbar gemacht werden. Auch röntgenologische,
szintigraphische oder thermographische Untersuchungen werden
angewendet, sie sind aber dem Ultraschall unterlegen. Im Rahmen
der Ultraschalluntersuchung ist es außerdem möglich, das Ausmaß
und den Verlauf einer Schädigung, die Prognose und die Wahl der
Sehnenentzündung (Tendinitis)
Als Tendinitis wird jede krankhafte Störung bezeichnet,
bei der die Sehne und das die Sehnen umgebende lockere,
fibröse Bindegewebe (Peritendineum) entzündet sind.
Sehnenerkrankungen des Pferdes werden durch folgende
Faktoren begünstigt:
• Mangelhaftes Training und Konditionsmängel
• Muskelermüdung – unelastische Muskelfasern
übertragen die einwirkende Kraft ungedämpft auf die Sehne
•Bodenbeschaffenheit – tiefer, unebener, rutschiger
und harter Boden, je nach Dauer der Belastung
• Stellungsfehler
•Fehler beim Hufzubereiten und beim Hufbeschlag –
zu lange Zehen
•Ungleichmäßige Gewichtsbelastung – plötzliche Wendungen
• Übergewicht
• Aufzuchtfehler
• Erbliche Disposition
• Zu früher beziehungsweise ungeeigneter Einsatz des Pferdes
All diese Faktoren können in unterschiedlichem Ausmaß für
Sehnen­erkrankungen verantwortlich sein.
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Medizin
2
1
Abbildung 3 und 4: Ultraschall eines Defekts im Bereich der oberflächlichen Beugesehne
Therapieform zu benennen. Moderne Kernspinverfahren können
ebenfalls sehr gute diagnostische Hinweise liefern.
Oft ist eine Rückkehr in den Sport möglich
Grundsätzlich stehen unterschiedliche Therapieansätze für die Behandlung von Sehnenschäden zur Verfügung, die allerdings alle
zum Ziel haben, die ursprüngliche Belastbarkeit der Sehne wiederherzustellen. Allerdings verläuft die Sehnen- und Bandheilung sehr
langsam und bisherige Behandlungsformen sind vielfach unbefriedigend. Oftmals entsteht ein funktionell minderwertiges Ersatzgewebe anstatt gleichwertigem Sehnengewebe, was verhindert, dass die
ursprüngliche Belastbarkeit wiederhergestellt wird. So können trotz
intensivster tierärztlicher Bemühungen nach massiven Sehnenschäden nur schwach belastbare Sehnennarben entstehen, was zu einer
relativ hohen Rückfallrate führt. Die therapeutischen Maßnahmen
richten sich nach Art und Ausmaß sowie nach dem Alter der Sehnenerkrankung.
Im Rahmen der konservativen Therapie werden sowohl physikalische als auch medikamentöse Therapieformen gewählt. So werden
bei akuten Sehnenschäden zunächst entzündungshemmende Umschläge aufgebracht, die für ein Abschwellen sorgen und die Schmerzen lindern sollen. Eine ähnliche Wirkung können Eisbandagen oder
Dauerberieselung mit Kaltwasser haben. Ist die Hauptschwellung zurückgegangen, werden durchblutungsfördernde Mittel eingerieben.
Lokal innerhalb der Sehne wurden beziehungsweise werden
bisher überwiegend Wirkstoffe angewendet wie die Hyaluronsäure,
Chondroitinpolysulfat und andere, die zum Teil im Gemisch mit weiteren Substanzen an den Sehnenschaden deponiert werden.
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Chirurgische Methoden wie das Sehnensplitting, ein
Verfahren, bei dem mit einem Stilett Teile der Sehne und
ihrer Bindegewebshülle (Peritendineum) eröffnet werden,
erfahren in letzter Zeit eine Renaissance. Hierbei kommt es
sowohl zu einer Druckentlastung als auch zu einem durch
die Einblutung hervorgerufenen Einstrom heilungsfördernder Substanzen.
In den letzten Jahren wurden zudem verschiedene neuere Therapieansätze mit regenerativem Potenzial wie zellbasierte Substrate, Blutprodukte und Gerüstsubstanzen zur
Behandlung von Sehnen- und Banderkrankungen angewendet. Sie sollen zu einer Regeneration der geschädigten
Struktur führen sowie die Funktion und Struktur gegenüber
dem bindegewebigem Narbengewebe verbessern.
Eine Schlüsselrolle bei der Behandlung von Sehnen­
erkrankungen spielt jedoch die kontrollierte Bewegung.
Keine noch so intensive Therapie kann zum Erfolg führen,
wenn nicht ein entsprechendes Rehabilitationsprogramm
eingehalten wird. Dieses muss zusammen mit dem Tierarzt auf das jeweilige Pferd und den Umfang des jeweiligen
Sehnenschadens genauestens abgestimmt werden. Wiederholt durchgeführte Ultraschalluntersuchungen sollten den
Heilungsverlauf begleiten. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen das Pferd über Monate in der Box verweilen
musste, sind heute ein möglichst frühzeitig einsetzendes
Bewegungsprogramm sowie umfangreiche Physiotherapie­
maßnahmen angezeigt, um Verklebungen im Bereich der
erkrankten Sehnen zu vermeiden.
Die Prognose ist abhängig von der Art, Dauer und Ausdehnung des Sehnenschadens sowie vom Nutzungszweck
und Alter des Pferdes. In vielen Fällen kann wieder mit einer Sporttauglichkeit des Pferdes gerechnet werden, wenn
auch Primärursachen der Erkrankung wie tiefer Boden
oder Fehlstellungen erkannt und behoben werden. Wird
dies nicht beachtet, muss mit Rückfällen gerechnet werden.
Laut Literaturangaben liegt die Rückfallrate der Pferde, die
in den Sport zurückkehren, je nach Nutzungsrichtung zwischen 23 und 67 Prozent.
Bild: Peter Siegfried Glatzel (Hrsg.): Atlas der Ultraschalluntersuchung beim Pferd.
Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2011
Abbildung 5 und 6:
Ultraschall eines Sehnenschadens im Bereich
des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne
(Transversal-und Longitudinalschnitt),
1 = oberflächliche Beugesehne
2 = tiefe Beugesehne
3 = Unterstützungsband der tiefen Beugesehne
4 = Fesselträger
5 = Röhrbein
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Abbildung 7:
Übersichts­beugeprobe
aller Gelenke der linken
Hintergliedmaße
Foto: Jürgen Althaus, Hermann Josef
Genn: Die Kaufuntersuchung des
Pferdes. Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2011
Gelenkerkrankungen
Bei der Gelenkerkrankung handelt es sich um akut entzündliche beziehungsweise degenerative Veränderungen von Gelenkstrukturen,
die multifaktoriell bedingt sind, jedoch mehrheitlich durch traumatische Einwirkungen hervorgerufen werden. Während die akute Gelenkentzündung (Arthritis) mittels konservativer Verfahren meistens
erfolgreich therapiert werden kann, wird die Arthrose des Pferdes in
der Literatur als „zumeist unheilbar und folglich ursächlich für das
Ende des Sportlerlebens“ des betroffenen Patienten beschrieben.
Die degenerativen Gelenk­erkrankungen (Osteoarthrose, DJD) gehören dabei mit einem Anteil von ca. 60 Prozent zu den häufigsten
lahmheitsverursachenden Erkrankungen des Pferdes überhaupt.
Die hierbei involvierten Gelenkstrukturen sind der hyaline Knorpel,
der subchondrale Knochen, die Gelenkflüssigkeit und die Gelenkkapsel. Diese Strukturen unterliegen im Zuge eines chronischen
Entzündungsgeschehens klinisch verifizierbaren morphologischen
und strukturellen Veränderungen, sodass im Gegensatz zur Arthritis letztlich ein vollständiges Ausheilen therapeutisch nicht mehr zu
erzielen ist.
Schäden am Gelenk werden sichtbar
Die typischen klinischen Anzeichen einer Gelenkerkrankung sind
Lahmheit, vermehrte Wärme und Füllung, übermäßige Produktion
von Gelenkflüssigkeit sowie Schmerzreaktionen bei Beugung des
Gelenkes. Trotz klinisch sichtbarer Anzeichen ist eine genaue Untersuchung allerdings notwendig, um die exakte Lokalisation des
betroffenen Gelenkes bzw. der betroffenen Gelenkstrukturen eingrenzen zu können. Das diagnostische Verfahren der Wahl ist die
Anästhesie des vermeintlich betroffenen Gelenks.
Weiterführende Untersuchungsverfahren sind die Röntgen- und
bedarfsweise Ultraschalluntersuchung. Während auf den Röntgenbildern Knochenveränderungen sichtbar werden, zum Beispiel Sklerose, Lysis und osteophytäre Zubildungen, eignet sich die Ultraschalluntersuchung vorrangig, um Weichteilstrukturen in und um
die Gelenke wie Knorpel oder Bänder darzustellen. Bei Gelenk­
erkrankungen im Anfangsstadium sind die Veränderungen durch
eine Röntgenuntersuchung noch nicht immer nachweisbar. Als weiterführende Diagnostika sind je nach Zielsetzung die Szintigraphie
sowie die Computer- oder Magnet­resonanztomographie geeignet,
um frühzeitige Veränderungen an Knochen und Gelenken darstellen
zu können.
Um den Grad des Schadens am Knorpel selbst nachzuweisen,
kann das Gelenk mittels Endoskop (Arthroskopie) untersucht werden, wodurch Knorpelschäden visualisiert und morphologisch klas-
Abbildung 8 und 9: Arthroskopische Darstellung eines Knorpelschadens
sifiziert sowie die Prognose abgeschätzt werden können. Direkt im
Anschluss kann außerdem eine endoskopische Operation ausgeführt werden.
Eine Therapie kann den Verschleiß verzögern
Therapeutisches Ziel der Arthritis- bzw. Arthrosebehandlung ist es
einerseits, den Gelenkschmerz durch symptomatische Therapie-
verfahren zu lindern, um den Patienten wieder mobiler und leistungsfähiger zu machen. Andererseits soll der fortschreitende Gelenkverschleiß verzögert werden.
Im Regelfall erfolgt primär eine konservative Behandlung des
Gelenks. Hierzu zählen die medikamentöse, physikalische und orthopädische Therapie. Sollten die konservativen Behandlungen
nicht den erforderlichen Erfolg zeigen oder ist der Schaden im
Medizin
Abbildung 10:
gesunder Gelenkknorpel
Abbildung 11:
Knorpelerweichung
Gelenk so groß, dass diese Maßnahmen nicht greifen, können im
Bedarfsfall Operationen wie die Arthroskopie und final die Gelenkversteifung (Arthrodese) erwogen werden.
Für die symptomatische Therapie der Arthritis und Arthrose beim
Pferd stehen unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen zur
Verfügung. Heutzutage wird zwischen den Symptom Modifying
Osteoarthritic Drugs (SMOADs) und den Disease Modifying Osteo­
arthritic Drugs (DMOADs) unterschieden. Während die SMOADs
eine vorrangig entzündungshemmende und schmerzlindernde
Funktion haben, sollen die DMOADs den Knorpel schützen und regenerative Eigenschaften besitzen. Für die Arthrosebehandlung des
Pferdes ergeben sich hieraus folgende konservative Therapieansätze:
Als Initialtherapeutikum und als zeitlich limitiertes Begleittherapeutikum werden in der Praxis zumeist die in unterschiedlichen
Darreichungsformen (Tablette, Injektion in Muskel oder Vene) angebotenen nicht steroidalen Entzündungshemmer (engl. Non-Steroidal
Anti-Inflammatory Drugs, NSAIDs) angewandt. Sie haben neben einer fiebersenkenden und anti-entzündlichen auch eine schmerzlindernde Wirkung und sind die klinisch am häufigsten angewandten
Medikamente. Zu ihnen gehören unter anderem Wirkstoffe wie Phenylbutazon, Meloxicam, Flunixin-Meglumin, Carprofen und Metamizol. Das über die Jahrzehnte gebräuchlichste NSAID beim Pferd war
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Abbildung 12:
fortgeschrittener Knorpelschaden
ringeren Nebenwirkungen bevorzugt selektivere Wirkstoffe wie Meloxicam oder Firocoxib (sogenannte COX-2-Hemmer) eingesetzt.
DMOADs werden in der Pferdepraxis wegen ihres Wirk­mechanismus und den geringeren Nebenwirkungen bevorzugt direkt ins
Gelenk appliziert, während sie – soweit verfügbar – zusätzlich als
Begleit- und Langzeittherapeutikum zum Einnehmen über das Maul
gegeben werden. Zur Gruppe der DMOADs werden auch die Kortikosteroide gezählt, da sie neben ihrer stark anti-entzündlichen und
schmerzlindernden Wirkung sowohl knorpeldestruktive Mediatoren
(IL-1 und TNF-) als auch die Freisetzung spezieller Enzyme (Matrix-Metalloproteasen, MMPs) hemmen. Unter der Vielzahl der zur
Verfügung stehenden Kortikosteroide werden die synthetischen Kortikosteroide wie Betamethasonacetat, Methylprednisolonacetat oder
Triamcinolonacetonid beim Pferd am häufigsten direkt ins Gelenk
appliziert. Der Wirkgruppe der DMOADs ebenfalls zuzurechnen
sind die Hyaluronsäure oder auch Hyaluronan, die polysulfatierten Glykosaminoglykane sowie das Polyacrylamid Hydrogel. Diese
werden bei der Osteoarthrose als Einzeltherapeutikum, meist aber
aufgrund der länger anhaltenden Wirkung in Kombination mit Wirkstoffen wie Kortikosteroiden oder NSAIDs eingesetzt.
Daneben gibt es noch das relativ junge Feld der Regenerativen
Medizin. Diese befasst sich unter anderem mit der „Heilung“ der
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len und Gewebe. Dies soll sowohl durch den biologischen
Ersatz gezüchteter Gewebe erreicht werden als auch indem
körpereigene Regenerations- und Reparaturprozesse mittels Wachstumsfaktoren angeregt werden.
Zu den auf biomolekularer Forschung basierenden Therapeutika, die auf den körpereigenen Reparationsmechanismen beruhen, zählen das Autologe Conditionierte Serum
(IRAP), das Platelet-Rich-Plasma wie auch die Mesenchymalen Stammzellen. Hier gibt es bereits erste klinische Erfahrungen für die Translation experimenteller Therapien
bei Knorpel- und Knochendefekten. Für die Zukunft wird
aber angestrebt, auch die Arthrose mit Hilfe der regenerativen Medizin behandeln zu können. Als neuere Felder auf
dem Gebiet der Arthroseforschung sind abschließend noch
das Züchten von Gewebe- und Zellverbänden (Tissue Engineering) und die Gentherapie zu nennen. Zwar befindet sich
die Mehrzahl der modernen Therapieverfahren im Moment
noch in der Erprobungsphase, sie zeigten aber in ersten Studien bereits vielversprechende Erfolge. W
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Über die Autoren
Professor Dr. med. vet. Michael Röcken ist Fachtierarzt für Chirurgie für Kleintiere und Pferde
sowie Fachtierarzt für Pferde. Er leitet seit 1998
die Tierärztliche Klinik für Kleintiere und Pferde in
Starnberg. Neben seiner klinischen Tätigkeit forscht
Michael Röcken insbesondere auf dem Gebiet der
minimalinvasiven Chirurgie beim Pferd sowie zur
Entwicklung von regenerativen Therapien.
Dr. med. vet. Joachim Hahn ist Fachtierarzt für
Pferde­chirurgie, Dr. med. vet. Tanja Witte ist Fachtierärztin für Reproduktionsmedizin. Beide sind seit
2011 an der Tierklinik Starnberg beschäftigt.
bis Zwergpony.
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Ist es das Herz?
Kardiale Probleme des Sportpferdes
Nora Gembicki Rebelo
W In den meisten Fällen werden Herzgeräusche oder ein veränderter Herzrhythmus beim Sportpferd zufällig festgestellt, überwiegend
beeinträchtigen sie weder das Allgemeinbefinden des Pferdes, noch seine Leistung. Nur selten muss von einer weiteren sportlichen Nutzung eines Pferdes abgeraten werden. Dennoch sollten Herzprobleme unbedingt abgeklärt und regelmäßig kontrolliert werden, denn
Symptome einer Herzschwäche treten beim Pferd in der Regel erst im Endstadium der Erkrankung auf. Schon zuvor kann das Risiko für
Pferd und Reiter groß sein.
Pferde verfügen grundsätzlich über einen extrem leistungsfähigen Herz-Kreislauf-Apparat: Ihre Herzfrequenz ist in Ruhe mit 28–
40 Schlägen pro Minute sehr langsam, kann sich aber bei maximaler
Belastung auf über 200 Schläge pro Minute steigern. Dies führt jedoch auch dazu, dass Herzprobleme sehr lange kompensiert werden
können: Das Herz kann eine bestehende Fehlfunktion so gut ausgleichen, dass sie für den Besitzer nicht offensichtlich wird. Von außen
erkennbare Anzeichen einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) treten erst bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen auf.
Die Symptome sind anfangs möglicherweise nur bei Belastung
feststellbar und äußern sich zum Beispiel als Leistungs­abfall. Mit zunehmendem Schweregrad kommt es auch in Ruhe zu Auffälligkeiten
wie Mattigkeit, Wassereinlagerungen an Unterbrust und Unterbauch
(Ödemen, Abb. 1), einer Pulsation im Bereich der Halsvenen oder gestauten Venen (Abb. 2), einer angestrengten Atmung, Husten sowie
Gewichtsverlust. Bei plötzlich auftretenden Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) oder wenn es innerhalb kurzer Zeit zu einer gravierenden Herzerkrankung kommt, die nicht kompensiert werden
kann, können auch Unwohlsein bis hin zu Koliksymptomen hinzukommen. Beim Abhören des Herzens kann meist eine kompensatorisch deutlich erhöhte Herzfrequenz festgestellt werden. Eine solche
klinisch manifeste Herzschwäche ist immer als lebensbedrohlicher
16
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Zustand anzusehen. Glücklicherweise kommt es aber nur in wenigen Fällen zu einem so dramatischen Verlauf.
Herzproblemen auf den Grund gehen
Nicht selten fällt bei Pferden beim Abhören des Herzens ein Herzgeräusch oder eine Herzarrhythmie ohne weitere Symptome auf,
häufig als Zufallsbefund bei der Untersuchung vor einer Impfung
oder Zahnbehandlung. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der
Fälle um Veränderungen, die nicht klinisch relevant sind, das heißt,
die das Allgemeinbefinden oder die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen. Vereinzelt sind solche Befunde jedoch auch Anzeichen
einer gravierenden Erkrankung des Herzens. Da Veränderungen am
Herzen stets eine potenzielle Gefahr für den Reiter beziehungsweise Fahrer oder Voltigierer darstellen, sollte aus tierärztlicher Sicht
immer zu einer eingehenden Untersuchung des Herz-KreislaufSystems bei einem spezialisierten Tierarzt beziehungsweise in einer
entsprechend ausgestatteten Klinik geraten werden.
Zu einer kompletten Herzuntersuchung gehört stets eine klinische Untersuchung des Pferdes in Ruhe sowie gegebenenfalls unter
und nach Belastung mit Bestimmung der Wiederberuhigungszeit.
Abbildung 1:
Wassereinlagerungen an
Unterbrustund Unterbauch
(Ödem) bei
Herzschwäche
Abbildung 2: Gestaute Halsvene bei Herzschwäche
Abbildung 3: Schematische Darstellung eines
Elektrokardio­gramms (EKG). Ein EKG zeichnet
die elektrische Aktivität des Herzmuskels in
Form einer Kurve auf.
Darunter versteht man die Zeitspanne bis zum Wiedererreichen der
Ruheherzfrequenz. Sind bereits in Ruhe Anzeichen einer Herzinsuffizienz feststellbar, darf das Tier natürlich nicht belastet werden. Weiterhin wird insbesondere beim Vorliegen von Herzgeräuschen eine
Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt. Dies erfordert
eine entsprechende technische Ausstattung (spezielles Ultraschallgerät mit geeignetem Schallkopf und Software) sowie einen erfahrenen Untersucher. Zudem sollte meist ein Elektrokardiogramm (EKG,
Abb. S. 16 und Abb. 3) angefertigt werden, teils auch unter Belastung
bzw. als Dauer-EKG, in der Regel über 24 Stunden. In einigen Fällen sind auch labordiagnostische Untersuchungen angezeigt wie die
Bestimmung von Entzündungsparametern, Elektrolyten und Troponin I. Insgesamt ist daher der Zeitaufwand für eine Herzabklärung
nicht unerheblich, Pferdebesitzer sollten auch im unkomplizierten
Fall mindestens ein bis zwei Stunden einplanen.
Herzgeräusch – was steckt dahinter?
Wird das Herz eines gesunden Pferdes abgehört, sind in der Regel
zwei Herztöne feststellbar: der erste (Muskelton) und der zweite
Herzton (Klappenton). Meist nicht zu hören ist der dritte Herzton, der
beim Einstrom des Blutes in die Hauptkammern entsteht. Der vierte
Herzton (Vorhofton) ist meist gemeinsam mit dem ersten zu hören,
teilweise jedoch auch kurz zuvor, sodass ein sogenannter gespaltener erster Herzton resultiert (Abb. 4). Ein Herzgeräusch ist ein herzsynchrones, zusätzlich zu den normalerweise hörbaren Herztönen
auftretendes Geräusch. Dabei kann es sich um ein krankhaftes oder
um ein funktionelles Geräusch handeln. Funktionelle Geräusche
sind meist in der Phase feststellbar, in der sich die Herzmuskulatur
anspannt und das Blut aus dem Herzen in die großen Gefäße treibt
(Systole). Diese Geräusche treten zum Beispiel in Zusammenhang
mit anderen Erkrankungen wie Kolik, Fieber oder Anämie auf sowie
vorübergehend bei Aufregung oder Belastung. Sind sie nach Heilung
der Grunderkrankung oder beim Abhören in Ruhe verschwunden,
ist eine krankhafte Veränderung am Herzen unwahrscheinlich.
In einer Untersuchung aus England an über 1000 Pferden und Ponys verschiedener Rassen und Altersgruppen konnten Stevens und
Mitarbeiter 2009 bei ca. 20 Prozent der Tiere ein Herzgeräusch feststellen.
Undichte Herzklappen
Die häufigste Ursache für Herzgeräusche beim erwachsenen Pferd
sind Herzklappen, die nicht richtig schließen (Herzklappeninsuffizienzen). Da beim Abhören keine oder nur eingeschränkte Aussagen über den Schweregrad der zugrundeliegenden Veränderung
getroffen werden können, sollten Herzgeräusche stets mittels Herzultraschall abgeklärt werden, gegebenenfalls in Kombination mit
weiteren Untersuchungen.
Alle vier Herzklappen können von einer Insuffizienz betroffen
sein, wobei die Häufigkeit des Auftretens je nach untersuchter Pferdepopulation variiert. Ursache sind degenerative oder entzündliche
Herzklappen
Die vier Herzklappen wirken im Herz als Ventile und
verhindern einen Rückstrom des Blutes in die falsche
Richtung. Die Klappen zwischen Herzvorhof und Herzkammer werden links als Mitralklappe und rechts als
Trikuspidalklappe bezeichnet. Die Klappe zwischen
rechter Kammer und Lungenarterie heißt Pulmonalklappe, die zwischen linker Kammer und Aorta Aortenklappe.
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
17
Medizin
AV-Block: Störung der Erregungsleitung
Die Pumptätigkeit des Herzens wird durch elektrische
Signale gesteuert, die den Rhythmus der Vorhof- und
Kammerkontraktionen vorgeben.
Die Erregung wird im Sinusknoten in der Wand des
rechten Vorhofs gebildet. Über die Vorhofmuskulatur
gelangt die Erregung zum AV-Knoten und von dort in
die Muskulatur der Herzkammern.
Von einem AV-Block ist die Rede, wenn die Erregung
vom AV-Knoten nur verzögert weitergeleitet wird (AVBlock 1. Grades) oder wenn die Weiterleitung unterbrochen ist: zeitweise (AV-Block 2. Grades) oder dauerhaft
(AV-Block 3. Grades).
Prozesse an den Herzklappen, die zu einer verminderten Elastizität
und damit Schlussunfähigkeit der Herzklappen führen. Bei Warmblutpferden sind meist Mitral- und/ oder Aortenklappe betroffen, bei
Vollblütern (Rennpferden) deutlich häufiger die Trikuspidalklappe.
Isolierte Pulmonalklappeninsuffizienzen treten nur selten auf. Das
Abhören des Herzens ermöglicht meist bereits eine Vermutung, welche Klappe(n) betroffen ist (sind). Mittels Herzultraschall muss dieser Verdacht bestätigt werden, zudem kann der Schweregrad unter
anderem anhand des Ausmaßes des krankhaften Rückflusses sowie
möglicher Folgeerscheinungen wie vergrößerter Herzkammern oder
Vorhöfe beurteilt werden.
Die Entscheidung, ob ein betroffenes Pferd weiter als Reitpferd,
zum Fahren oder Voltigieren genutzt werden kann, hängt jedoch
nicht allein von den Ergebnissen der Ultraschalluntersuchung ab.
Die klinische Untersuchung in Ruhe, gegebenenfalls ein EKG sowie
eine Untersuchung während und nach Belastung inklusive der Wiederberuhigungszeit fließen hier mit ein. Letztere allerdings nur, wenn
aufgrund der Untersuchung in Ruhe nichts gegen eine Belastung des
Pferdes spricht: Es sollte keine Anzeichen einer klinisch manifesten
Herzschwäche geben, die Herzfrequenz in Ruhe muss unauffällig sein.
Eine Aussage darüber, wie lange genau eine detektierte Herzklappeninsuffizienz schon besteht, lässt sich nicht treffen. Meist sind
isolierte gering- bis mittelgradige Insuffizienzen der Herzklappen,
bei denen die Dimensionen der Herzkammern und -vorhöfe nicht
verändert sind, hinsichtlich einer weiteren Leistungsfähigkeit weniger kritisch (Goltz, 2006; Imhasly et al., 2010). Trotzdem lässt sich die
individuelle Prognose nur mittels regelmäßiger Ultraschalluntersuchungen im Verlauf der Erkrankung einschätzen – je nach Schweregrad der Befunde im Abstand von mehreren Monaten bis Jahren.
Obwohl bei etwa einem Fünftel der Pferde Herzgeräusche als Anzeichen von Klappenveränderungen feststellbar sind, ist die Sterblichkeit (Mortalität) bei mittelalten bis alten Pferden mit Mitral- und/
oder Aortenklappeninsuffizienzen nicht höher als bei herzgesunden
Pferden (Stevens et al., 2009).
Eine Therapie kann Herzklappeninsuffizienzen beim Pferd nicht
beseitigen. Die Gabe des ACE-Hemmers Quinapril konnte bei Pferden mit Mitralklappeninsuffizienz den Schweregrad der Insuffizienz
zwar moderat reduzieren, auf vergrößerte Herzdimensionen hatte die
Therapie in einer Studie von Gehlen und Mitarbeitern aus dem Jahr
2003 jedoch keinen Einfluss. Die benötigte Dosis liegt bei 0,22 mg/
kg einmal täglich in Form von Tabletten. Es ist zu beachten, dass es
sich dabei um eine Dauertherapie handelt mit entsprechenden Kos-
18
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Abbildung 4: Schematische Darstellung der zeitlichen Abfolge der Herztöne. In der Herzaktion
wechseln sich die Phasen der Herzkontraktion
(Systole) und -entspannung (Diastole) ab.
ten (ca. 1,15 €/Tag für ein 600-kg-Pferd) und Konsequenzen: Quinapril
ist dopingrelevant. Zudem ist der ACE-Hemmer für das Pferd nicht
zugelassen und darf somit nur an Pferde verabreicht werden, die im
Pferdepass als nicht zur Schlachtung bestimmt gekennzeichnet sind.
Angeborene Missbildungen
In Einzelfällen können auch angeborene Herzmissbildungen, wenn
es sich nicht um gravierende Defekte handelt, erst beim ausgewachsenen Pferd anhand eines Herzgeräusches entdeckt werden. Missbildungen sind beim Pferd grundsätzlich selten, am häufigsten ist
ein Defekt in der Herzscheidewand im Bereich der Herzkammern,
ein sogenannter Ventrikelseptumdefekt. Auch in solchen Fällen ermöglicht die Ultraschalluntersuchung zum einen eine eindeutige
Diagnose, zum anderen kann die Größe des Defektes sowie die Geschwindigkeit und Richtung des Blutflusses durch den Defekt ermittelt werden. So lässt sich eine Aussage zum Schweregrad treffen und
darüber, ob die Missbildung sich möglicherweise auf die Belastbarkeit des Pferdes auswirkt.
Herzarrhythmie – gestörter Rhythmus
Der zweithäufigste Grund, weshalb Pferde zur Herzuntersuchung vorgestellt werden, ist ein unregelmäßiger Herzrhythmus. Auch hier ist
zunächst eine gründliche klinische Untersuchung in Ruhe wichtig.
Sehr viele gesunde Pferde zeigen in Ruhe, das heißt bei Herzfrequenzen im (unteren) Normalbereich sogenannte Bradyarrhythmien.
Dies sind Rhythmusstörungen, die mit einer verlangsamten Herztätigkeit einhergehen. Ursache dafür ist der beim Pferd starke Einfluss
des Parasympathikus, des Anteils des vegetativen Nervensystems,
dessen Wirkung in Ruhe überwiegt. Dementsprechend müssen solche Arrhythmien verschwinden, wenn die Herzfrequenz bei Aufregung oder körperlicher Belastung über die Ruhefrequenz steigt. Die
häufigste nicht krankhafte Rhythmusveränderung ist der sogenannte
Atrioventrikuläre-(AV)-Block 2. Grades (Abb. 5), der beim Abhören
durch regelmäßige „Aussetzer“ gekennzeichnet ist. Das heißt, nach
ein paar regelmäßigen Herzaktionen setzt ein Schlag aus, dies wiederholt sich in (relativ) regelmäßigen Abständen. Bei über 40 Prozent der
gesunden Pferde kann unabhängig von Alter oder Trainingszustand
im Rahmen eines 24-Stunden-EKGs ein AV-Block 2. Grades festgestellt
werden. Weitere nicht krankhafte Arrhythmien sind zum Beispiel Sinusbradykardie, Sinusarrhythmie sowie der Sinuatriale Block.
Abbildung 5:
AV-Block 2. Grades
Abbildung 6:
Vorhofflimmern;
* Flimmerwellen
Arrythmien können lebensbedrohlich sein
Verschwinden Rhythmusstörungen bei steigender Herzfrequenz
nicht, ist die Herzfrequenz in Ruhe dauerhaft zu hoch oder (seltener) zu niedrig und zeigt das Pferd möglicherweise sogar weitere
Anzeichen einer Herzschwäche, ist von einer krankhaften Veränderung auszugehen. In diesem Fall sollte das Pferd zeitnah, möglichst
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innerhalb weniger Tage, weiterführend untersucht werden. Erforderlich sind ein EKG in Ruhe, gegebenenfalls auch während und nach
Belastung bzw. als Dauer-EKG sowie meist auch ein Herzultraschall.
Ein solches Pferd sollte bis zum Abschluss der Untersuchungen nicht
mehr belastet werden, da es sich bei als krankhaft einzustufenden
Herzrhythmusstörungen um eine potenziell lebensbedrohliche Er-
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Abbildung 7: Supraventrikuläre Extrasystole
Seltene Herzprobleme
Sehr selten kommt es beim
Pferd zu akuten entzündlichen Prozessen im Bereich des
Herzmuskels oder des Herzbeutels, welche sich ebenfalls
durch Anzeichen einer Herzschwäche bemerkbar machen.
Daneben zeigen solche Pferde
meist ein deutlich gestörtes
Allgemeinbefinden und Fieber.
Neben Herzultraschall und EKG
ist in diesen Fällen eine Blutuntersuchung zur Bestimmung
der Entzündungsparameter
und des kardialen Troponin I
als Marker für Herzmuskelschäden hilfreich.
Abbildung 8: Ventrikuläre Extrasystolen
Abbildung 9: Ventrikuläre Extrasystolen, * Salve
krankung handelt, die in Einzelfällen durchaus ein plötzliches Kollabieren des Tieres zur Folge haben kann.
Mögliche Ursachen für krankhafte Herzrhythmusstörungen sind
zum Beispiel
• vergrößerte Vorhöfe oder Herzkammern aufgrund von Klappenerkrankungen oder angeborenen Herzdefekten
• akute oder chronische Veränderungen des Herzmuskels (entzündlich oder degenerativ)
• Störungen der Elektrolytkonzentrationen
• Sauerstoffmangel
• toxisch wirkende Substanzen (körpereigene oder von außen zugeführt).
Häufig kann jedoch keine zugrundeliegende Ursache gefunden werden.
Aufgrund der vielfältigen möglichen Auslöser sollte stets eine vollständige internistische Untersuchung erfolgen. Anhand des Vorberichts
sollte versucht werden, den Zeitpunkt des ersten Auftretens einer Herzarrhythmie ungefähr herauszufinden. Oft ist dies jedoch nicht möglich.
Vorhofflimmern
Die häufigste und klinisch bedeutsamste krankhafte Rhythmusstörung beim Pferd ist das Vorhofflimmern (Abb. 6). Dabei kommt es zu
einer sogenannten kreisenden Erregung im Bereich der Vorhöfe, das
heißt es laufen ungerichtete elektrische Erregungen über die Vorhöfe. Die normale Vorhofkontraktion fehlt und der Herzrhythmus wird
sehr unregelmäßig. Beim Abhören zeigt sich dies als völlig chaotische Arrhythmie, auch der an Arterien fühlbare Puls ist charakteristisch unregelmäßig und ungleichmäßig. Das Vorhofflimmern kann
ein Zufallsbefund sein, gerade bei nur leicht oder moderat belasteten
Tieren. Häufig berichten Besitzer jedoch von einem gewissen Leistungsabfall, in einigen Fällen zeigen sich die oben beschriebenen
Symptome einer Herzschwäche.
Es stehen zwei verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, um ein Vorhofflimmern zu behandeln. Zum einen kann medikamentös mittels Chinidin behandelt werden. Dabei muss mit teils
erheblichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen gerechnet werden, was eine kontinuierliche Intensivüberwachung des Patienten
erfordert, auch mittels Dauer-EKG. Zum anderen besteht seit einigen
Jahren die Möglichkeit einer transvenösen elektrischen Kardiokonversion. Dabei werden spezielle Herzkatheter über die Halsvene bis
20
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
ins Herz vorgeschoben und anschließend unter Vollnarkose mittels
Elektroschocks versucht, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wieder herzustellen. Diese Therapie wird bislang nur in sehr
wenigen spezialisierten Universitätskliniken – zum Beispiel in Belgien und in der Schweiz – angeboten. Bei beiden Behandlungsformen
kann ein erfolgreicher Ausgang nicht garantiert werden. Die Prognose hängt von der Dauer des Vorhofflimmerns, von der Herzfrequenz
in Ruhe und von den mittels Ultraschall erfassten Veränderungen am
Herzen ab. Für eine relativ gute Prognose sprechen:
• eine Dauer von unter drei Monaten (lediglich anhand des Vorberichts zu ermitteln)
• keine oder eine nur mäßige Erhöhung der Herzfrequenz in Ruhe
(< 60/Minute)
• höchstens leicht vergrößerte Vorhöfe
Allerdings muss auch in diesen Fällen mit einer Rezidivrate von ca.
25 Prozent gerechnet werden, das heißt bei einem Viertel der erfolgreich behandelten Pferde tritt das Vorhofflimmern erneut auf.
Natürlich kommen beim Pferd auch weitere krankhafte Herzrhythmusstörungen vor, allerdings deutlich seltener als das Vorhofflimmern. Dazu zählen zum Beispiel Extrasystolen, also Herzschläge, die
zusätzlich zu den normalen Herzaktionen auftreten und im Bereich
der Vorhöfe (supraventrikulär; Abb. 7) oder im Bereich der Herzkammern (ventrikulär) entstehen können. Sie können sowohl vereinzelt
(Abb. 8), als auch gehäuft oder in Salven (Abb. 9) auftreten. Selten
werden auch gravierende Störungen der Erregungsleitung festgestellt, wie ein AV-Block 3. Grades, bei dem die Überleitung der Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern komplett unterbrochen ist.
Die Entscheidung, ob und welche Therapie im Fall einer der aufgeführten Arrhythmien erforderlich beziehungsweise sinnvoll ist, muss
im Einzelfall anhand der individuellen Befunde getroffen werden. W
Literatur bei der Autorin
Über die Autorin
Dr. Nora Gembicki Rebelo ist als Tierärztin in der Inneren
Medizin der Klinik für Pferde der Justus-Liebig-Universität
Gießen tätig. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Kardiologie. Zudem befindet sie sich in der Ausbildung zum Diplomate des
European College of Equine Internal Medicine (ECEIM).
Endoskopische Untersuchung unter Belastung
auf dem Laufband
Foto: Abteilung Sportmedizin, Departement für Pferde,
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
Außer Atem
Dynamische Erkrankungen
der oberen Atemwege
Katja Roscher
W Nach den Erkrankungen des Bewegungsapparates sind Erkrankungen der oberen Atemwege neben der chronisch obstruktiven Bron-
chitis (COB) eine häufige Ursache für eine Leistungs­minderung bei Sportpferden. Besonders das Kehlkopfpfeifen und die sogenannte
„Dorsalverlagerung des weichen Gaumens“ (DDSP) können unter Belastung zu Atembeschwerden und zumeist einem äußerlich wahrnehmbaren Atemgeräusch (Stridor) führen und damit die sportliche Leistung einschränken. Da etliche Pferde in Ruhe keinerlei endoskopische Veränderungen zeigen oder unter Belastung weitere dynamische Veränderungen auftreten, ist eine Belastungsendoskopie auf dem
Laufband oder unter dem Reiter bzw. vor dem Sulky in vielen Fällen für eine vollständige Diagnostik unerlässlich.
Der Weg zur Diagnose
Tritt ein äußerlich hörbares Atemgeräusch auf, ist im Rahmen der
Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) des Pferdes besonders
wichtig, wie lange dieses Geräusch schon besteht, ob es ausschließlich unter bestimmten Bedingungen auftritt und ob bereits ein
operativer Eingriff durchgeführt wurde. Neben einer vollständigen
klinischen Untersuchung des Patienten liegt das Augenmerk darauf,
ob sich am Larynx Asymmetrien oder gegebenenfalls Narben ertasten lassen.
Belastungsprobe
Im Anschluss an die klinische Untersuchung wird das Pferd während
und nach körperlicher Belastung untersucht, eventuell auch unter
dem Sattel, vor dem Sulky oder auf dem Laufband. Je nach Trainingszustand wird es ca. 15 Minuten im Trab und Galopp bewegt.
Geachtet wird hierbei zunächst auf das Auftreten von Geräuschen,
einer Atemstörung (Dyspnoe) sowie einer abnormen Haltung von
Kopf und Hals. So kann beispielsweise das Vorstrecken des Kopfes
eine Reaktion auf eine Einengung der oberen Atemwege sein. Im
ausgebundenen Zustand oder auch unter dem Reiter kann sich dies
als Kopfschlagen oder „Gegen-die-Hand-Gehen“ äußern. Atemgeräusche werden unterschieden nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens
(Ein-, Ausatmung oder beides), der Lautstärke, der Qualität (z. B.
Pfeifen, Schnarchen) und der Kontinuität.
Nach der Belastung sollte bei gesunden Pferden innerhalb von
15–20 Minuten die Ruheatemfrequenz wieder erreicht sein.
Endoskopie
Die Endoskopie stellt das wichtigste Diagnostikum bei Erkrankungen der oberen Atemwege dar. Dank moderner Technik sind die Untersuchungen auch vor Ort im Stall möglich, beim Einsatz von Videochip-Endoskopen werden die Bilder hierbei auf einen Bildschirm
übertragen und sind so auch für den Pferdebesitzer zugänglich.
Eine Sedation der Patienten ist in der Regel nicht notwendig.
Zudem bewirken die dafür eingesetzten Wirkstoffe eine Muskelentspannung, die eine Lageveränderung von Strukturen im Pharynx
und Larynx nach sich ziehen kann. Wie die Endoskopie am sedierten
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
21
Abbildung 1 (links): Schematische
Darstellung Kopf: ventrale Conche (1),
dorsale Conche (2), Gaumen (3),
Gaumelsegel (4), Pharynx (5), Aryknorpel
(6), Epiglottis (7), Trachea (8),
Ösophagus (9), Maulhöhle (10), Zunge (11)
Pferd zu beurteilen ist, wird in der Pferdemedizin daher nach wie vor
kontrovers diskutiert.
Abbildung 2 zeigt das endoskopische Bild bei einem gesunden
Pferd. Beurteilt werden die Lage und das Aussehen der Epiglottis,
der beiden Aryknorpel sowie der Stimmfalten. Bei den beiden Letzteren ist entscheidend, dass sie symmetrisch sind und sich synchron
bewegen. Da sich das Endoskop aus anatomischen Gründen – es
kommt immer leicht schräg aus dem unteren Nasengang – meist
nicht hundertprozentig frontal zum Larynx befindet, erscheint dieser
besonders auf Standbildern häufig geringgradig asymmetrisch.
Zwischen dem Nasen-Rachen-Raum und dem Mittelohr besteht bei allen Säugetieren eine Verbindung (Eustachische Röhre).
Beim Pferd besitzt diese Röhre auf beiden Seiten eine umfangreiche Auswölbung, den sogenannten Luftsack. Abbildung 4 zeigt eine
Übersicht aus dem Pharynx mit den beiden sogenannten Luftsackklappen, welche die Eustachische Röhre und somit den Zugang zum
Luftsack bedecken. Während des Schluckaktes bewegen sich die
Klappen ins Innere des Pharynx (Abb. 5). Die Aufgabe des Luftsackes
ist bis heute ungeklärt, diskutiert wird unter anderem ein Kühleffekt
auf den arteriellen Blutfluss zum Gehirn (über die Arteria carotis
interna). In der Diagnostik von dynamischen Erkrankungen der
oberen Atemwege ist eine endoskopische Untersuchung beider Luftsäcke (Abb. 6) häufig angezeigt, da bei Erkrankungen des Luftsackes
Nerven geschädigt werden können. Dies kann wiederum die Funktion von Pharynx und Larynx stören. Als Beispiel seien hier der Nervus
glossopharyngeus (Abb. 6/3) sowie der Nervus hypoglossus genannt,
welche unter anderem die Funktion von Zungen- und Pharynxmuskulatur steuern. Am oberen hinteren Ende des Pharynx befindet sich
eine Ausstülpung der Pharynxschleimhaut, der sogenannte Recessus
pharyngeus (Abb. 4/4), dessen hinteres Ende bei einzelnen Individuen gelegentlich nicht zu erkennen ist.
Belastungsendoskopie
Die Mehrzahl der dynamischen Erkrankungen der oberen Atemwege
tritt erst bei hohen Belastungen und bei Reitpferden möglicherweise lediglich bei bestimmten Kopfhaltungen (Abb. 7) auf. Häufig verschlechtert sich eine funktionelle Störung unter der Belastung durch
die großen Luftdruckunterschiede zwischen Ein- und Ausatmung
besonders im nicht knöchern gestützten Pharynx, aber auch im Larynx. In diesen Fällen ist eine eindeutige Diagnostik nur im Rahmen
22
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Abbildung 2:
Endoskopische
Ansicht des
Kehlkopfes:
Aryknorpel (1),
Epiglottis (2),
Plica aryepiglottica (3),
Stimmfalte (4),
Gaumensegel
(5), Trachea (6),
Arcus palatopharyngeus (7)
Abbildung 3:
Verschluss der Rima
glottis beim Schlucken: Aryknorpel (1),
Stimmfalte (2)
einer Endoskopie während der Belastung möglich. Diese kann entweder auf einem Hochgeschwindigkeitslaufband (bis 16 m/s, Abb.
S. 21) oder unter dem Sattel durchgeführt werden. Letzteres ist besonders dann sinnvoll, wenn die Problematik des Pferdes vor allem
bei bestimmten Kopfhaltungen unter dem Reiter auftritt (Abb. 7). Bei
gesunden Pferden konnte gezeigt werden, dass allein die gebeugte
Kopfhaltung zu einer Abnahme des Durchmessers der luftführenden
Wege besonders im Pharynx führt (Cehak et al., 2010). Für die endoskopische Untersuchung unter dem Sattel stehen seit einigen Jahren
zuverlässige drahtlose (telemetrische) Videoendoskopiesysteme zur
Verfügung (Abb. 8). Zudem hat der Untergrund einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Atemproblematik, sodass die telemetrische
Untersuchung in vielen Fällen die bessere Methodik darstellt.
Andere bildgebende Verfahren
Eine hilfreiche Ergänzung zur bisher beschriebenen Diagnostik liefert
der Ultraschall des Larynx über die Hautoberfläche. Hierbei können
besonders Strukturen des Larynx wie zum Beispiel Muskeln dargestellt und beurteilt werden, welche endoskopisch nicht sichtbar sind.
Andere bildgebende Verfahren wie Röntgen oder auch Computerund Kernspintomographie sind aufgrund ihrer statischen Bilder für
die Diagnostik der funktionellen, dynamischen Erkrankungen wenig
geeignet.
Die Blutgasuntersuchung
ist wenig hilfreich
Die Untersuchung des Sauerstoff­gehaltes des arteriellen Blutes in Ruhe mittels Blutgasuntersuchung spielt
in der Diagnostik von dynamischen Erkrankungen der
oberen Atemwege praktisch keine Rolle, da es erst unter höheren Belastungen zu Atemstörungen und somit
Veränderungen des Sauerstoffgehaltes kommt. Eine
Untersuchung des arteriellen Blutes nach der Belastung
ist aufgrund der großen Spannweite der Messergebnisse auch bei gesunden Pferden ohne diagnostische
Bedeutung.
Kleine Dosis,
große Wirkung
Abbildung 4: Endoskopische Ansicht des Rachens:
rechte Luftsackklappe (1),
linke Luftsackklappe (2),
Larynx (3), Recessus pharyngeus (4
Abbildung 5:
Öffnung der
Luftsackklappe (*)
während des
Schluckaktes
Abbildung 6: Endoskopische
Ansicht des linken Luftsacks:
Zungenbein (1),
Arteria carotis interna (2),
Nervus glossopharyngeus
(3), Arteria maxillaris (4)
Ein geschädigter Nerv führt zum
Kehlkopfpfeifen
Beim Warmblut ist die linksseitige Hemiplegie (halbseitige Lähmung) des Larynx (Hemiplegia laryngis sinistra), die häufigste dynamische Erkrankung der oberen Atemwege. Bei Vollblütern steht
sie hinter der Dorsalverlagerung des weichen Gaumens (DDSP) an
zweiter Stelle.
Unter Belastung zeigen die betroffenen Pferde typischerweise ein
Atemgeräusch beim Einatmen, bei hochgradigen Erkrankungsformen
auch beim Ausatmen. Die Unterscheidung der Atemphasen ist besonders im Galopp einfach: beim Absprung und in der Schwebephase atmet das Pferd ein, beim Wiedererreichen des Bodens aus. Meist ist das
Geräusch besser hörbar, wenn die Pferde ausgebunden longiert oder
Inhalationstherapie
für dämpfige Pferde
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Glossar:
Anatomische Grundlagen
Conche: Nasenmuschel
Pharynx: Rachen
Larynx: Kehlkopf
Trachea: Luftröhre
Epiglottis: Kehldeckel
Rima glottis: Stimmritze
Aryknorpel: Stellknorpel
Ösophagus: Speiseröhre
Artikel-Nr. 2040
Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten
können Pferde ausschließlich über die Nüstern
atmen. Die Atemluft gelangt hierbei an der
unteren (Abb. 1/1) und oberen (Abb. 1/2)
Conche vorbei in den Pharynx und von dort
über den Larynx in die Trachea (Abb. 1/8). Der
knöchern gestützte Gaumen (Abb. 1/3) sowie
das Gaumensegel (Abb. 1/4, Abb. 2/5) trennen
die Nasen- von der Mundhöhle (Abb. 1/10).
Die Epiglottis (Abb. 1/7, Abb. 2/2) ist durch ihre
Lage auf dem Gaumensegel dafür verantwortlich, dass keine Luft aus der Mundhöhle in die
Trachea gelangen kann. Die Rima glottis bzw.
die Trachea wird während des Schluckaktes
durch den Zusammenschluss der beiden
Aryknorpel (Abb. 1/6, Abb. 3/1) und der beiden
Stimmfalten (Abb. 3/2) sowie das Zurückklappen der Epiglottis verschlossen und Wasser
und/oder Futter können durch den Ösophagus
(Abb. 1/9) in den Magen transportiert werden.
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Tabelle 1: Endoskopische Klassifizierung der Larynxfunktion bei
unsedierten Pferden in Ruhe (nach Hackett et al., 1991)
Grad
Definition
I
beide Aryknorpel bewegen sich synchron;
maximale Abduktion wird erreicht
II
linker Aryknorpel bewegt sich langsamer/weniger im Vergleich zum
rechten bzw. flattert in allen Phasen der Atmung;
maximale Abduktion des linken Aryknorpels beim Schlucken oder
Verschluss der Nüstern wird erreicht
III
linker Aryknorpel bewegt sich langsamer/weniger im Vergleich zum
rechten bzw. flattert in allen Phasen der Atmung;
maximale Abduktion des linken Aryknorpels beim Schlucken oder
Verschluss der Nüstern wird nicht erreicht
IV
(Abb. 9)
linker Aryknorpel hängt unbeweglich in oder dicht neben der Mitte des
Larynxlumens;
keine substanzielle Bewegung beim Schlucken oder Verschluss der Nüstern
Abb. 7 (rechts): Beugehaltung
des Pferdekopfes unter dem
Reiter (relative Aufrichtung)
Tabelle 2: Endoskopische Klassifizierung der Larynxfunktion
bei unsedierten Pferden in Ruhe (Havemeyer Workshop, Anon 2003)
Grad
Beschreibung
I
beide Aryknorpel bewegen sich synchron;
maximale Abduktion wird erreicht
II
Aryknorpel bewegen sich nicht synchron und/oder
Larynx ist gelegentlich asymmetrisch;
maximale Abduktion wird erreicht und gehalten
1. Asynchronität vorrübergehend
III
Aryknorpel bewegen sich nicht synchron und/oder
sind asymmetrisch;
maximale Abduktion wird nicht erreicht und
gehalten
1. Asynchronität überwiegt; maximale Abduktion des linken
Aryknorpels beim Schlucken oder Verschluss der Nüstern
wird erreicht aber nicht gehalten
2. Asynchronität offensichtlich;
maximale Abduktion wird nie erreicht
3. noch geringe Bewegungen des Aryknorpels;
maximale Abduktion wird nie erreicht
IV
Vollständige Unbeweglichkeit des Aryknorpels und
der Stimmfalte
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Unterkategorie
2. Asynchronität überwiegt; maximale Abduktion des linken
Aryknorpels beim Schlucken oder Verschluss der Nüstern
wird erreicht und gehalten
durchs Genick geritten werden (Abb. 7). In der Regel handelt es sich um
ein klassisches gleichbleibendes Pfeifgeräusch, das Kehlkopfpfeifen.
Ursache der linksseitigen Hemiplegie ist eine Schädigung des
Nervs, der die Muskeln des Larynx versorgt (Nervus laryngeus recurrens, daher englisch: Recurrent Laryngeal Neuropathy, RLN). Die
Nervenschädigung führt dazu, dass sich Anteile der Kehlkopfmuskulatur (Musculus cricoarytenoideus dorsalis) zurückbilden (Atrophie).
Je nach Grad der Muskelatrophie kann sich der Aryknorpel nur eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen (Abb. 9). Dies führt wiederum zu einem Spannungsverlust der Stimmfalte/-tasche und dem
charakteristischen, pfeifenden Ton. Durch die fehlende oder gar aufgehobene Beweglichkeit des Aryknorpels wird der Durchmesser der
luftführenden Wege im Bereich des Larynx reduziert, wodurch unter
hohen Belastungen die Sauerstoffversorgung der Lunge sinkt. Die Folge ist ein – gelegentlich plötzlich auftretender – Leistungsabfall.
Die Ursache für die Nervenschädigung ist nicht bekannt. Diskutiert wird jedoch seit vielen Jahren eine erbliche Komponente, denn
Abbildung 8: Belastungsendoskopie
mit telemetrischem Videoendoskop
Foto: Optomed
Nachkommen betroffener Hengste erkranken häufiger als Pferde,
deren Väter nicht betroffenen sind. Ein Gentest zum Nachweis der
Veranlagung existiert jedoch nicht.
Diagnostik
Erfahrene Untersucher können beim Betasten der Kehlkopfmuskulatur die linksseitige Atrophie ermitteln, dies jedoch erst bei weit fortgeschrittenen Formen. Die Diagnose wird in der Regel im Rahmen
einer Endoskopie gestellt. Zur Einteilung des Schweregrades wurden
in der Vergangenheit verschiedene Systeme vorgeschlagen, wobei in
der Praxis bei der Endoskopie in Ruhe meist ein einfaches System
mit vier Schwere-graden verwendet wird (Tab. 1). Diese Klassifizierung wurde 2003 im Rahmen eines Havemeyer-Workshops durch
Unterteilung in weitere Subformen modifiziert (Tab. 2).
Besonders bei einer in Ruhe gering bis mäßig ausgeprägten funktionellen Störung (Grad II.2, III.1 und III.2) sowie bei Pferden mit
Leistungsmangel, Atemgeräusch unter Belastung und unauffälliger
Endoskopie in Ruhe ist eine endoskopische Untersuchung unter
Belastung unbedingt anzuraten. Für die Beurteilung kommt hier ein
einfaches dreistufiges Klassifizierungssystem zum Einsatz (Tab. 3).
Bei einigen Pferden treten unter Belastung zudem weitere dynamische Funktionsstörungen auf, was die Prognose für das Tier sowie die
Wahl der geeigneten Therapie entscheidend beeinflussen kann.
Eindeutiger Nachweis der Erkrankung, ein sogenannter Goldstandard, ist das Vorhandensein der nerval bedingten Atrophie der linksseitigen Kehlkopfmuskulatur. Bislang war dies jedoch lediglich am
toten Tier möglich. In der internationalen Literatur wurde kürzlich ein
Verfahren zur Biopsie des Musculus cricoarytenoideus lateralis am
stehenden Pferd beschrieben, welches möglicherweise in der Frühdiagnostik der RLN zum Einsatz kommen könnte, wenn die klinische
Symptomatik (noch) gering ausgeprägt ist (O‘Neill et al., 2013).
Therapie
Zum Beseitigen des Tones bei geringgradigen Formen der RLN kann
die linke Stimmtasche allein (Ventrikulektomie, Abb. 10) oder in
Kombination mit Anteilen der Stimmfalte (Ventrikulo­chordektomie)
entfernt werden. Die rechte Stimmtasche wird von einigen Operateuren hierbei ebenfalls entfernt. Früher musste hierfür der Larynx
von außen operativ eröffnet werden. Dank moderner Technik kann
die Therapie heute auch endoskopisch mittels Laser durchgeführt
werden. Zu beachten ist, dass die Operation lediglich den unter
Medizin
Abbildung 10: Endoskopisches Bild nach
Ventrikulektomie mit
entspechendem Narbengewebe (*)
Abbildung 9:
Hemiplegia laryngis
sinistra Grad IV
Tabelle 3: Endoskopische Klassifizierung der Larynxfunktion bei
Pferden unter Belastung (nach Rakestraw et al. 1991)
Grad
Definition
A
maximale Abduktion beider Aryknorpel
während der Inspiration
B
maximale Abduktion des linken Aryknorpels
während der Inspiration nicht möglich
C
keine Abduktion des linken Aryknorpels
während der Inspiration mit Kollabieren
in die Gegenhälfte der Rima glottis
Belastung auftretenden Ton beseitigt und in der Regel nicht die Störungen des Luftstroms. Als alleinige Therapie ist sie somit nur bei
milden Formen der RLN erfolgversprechend.
Um den physiologischen Luftstrom zu verbessern bzw. wiederherzustellen, muss die Rima glottis durch eine Operation am Kehlkopf (Laryngoplastik) weitgestellt werden. Dies geschieht in der
Regel durch operative Fixation des linken Aryknorpels mittels eines
sich nicht auflösenden Fadens (Operation nach Marks). Das Training
der Pferde kann in der Regel bereits vier Wochen nach der Operation wieder aufgenommen werden. Die Abbildungen 11 und 12 zeigen das endoskopische Bild einige Monate nach der Operation. Die
Therapie verlangt viel Erfahrung vom operierenden Chirurg: Wird
der Aryknorpel in zu starker Weitstellung fixiert, kann der Schluckakt
nach der Operation gestört sein, was wiederum dazu führen kann,
dass Futterbestandteile eingeatmet werden. In der Folge kann eine
häufig tödlich endende Lungenentzündung entstehen.
Durch die Operation in Kombination mit ein- oder beidseitiger
Ventrikulektomie kann die ursprüngliche Leistungsfähigkeit in der
Regel vollständig wiederhergestellt werden. Dies gilt jedoch vermutlich nicht für Höchstleistungen im Galopprennsport und möglicherweise auch im internationalen Vielseitigkeits- und Distanzsport.
Weitere, seltener durchgeführte Therapieverfahren sind beispielsweise die Entfernung des Aryknorpels oder kombinierte NervMuskel-Transplantationen. Daneben wurde kürzlich eine experimentelle Therapie in Form einer Elektrostimulation des Nervus laryngeus recurrens beschrieben, durch welche die Muskelfunktionen
des Larynx wiederhergestellt werden sollen (Ducharme et al., 2010).
Dorsalverlagerung des weichen Gaumens
Bei Vollblütern ist die Dorsalverlagerung des weichen Gaumens
(Dorsal Displacement of the Soft Palate, DDSP) die häufigste Ursache für dynamische Erkrankungen der oberen Atemwege. Bis zu
20 Prozent der Population sind betroffen. In der Regel zeigt sich ein
relativ plötzlicher Leistungsabfall während der Belastung, meist in
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
der Höchstbelastung. Bei ca. 70 Prozent der betroffenen Pferde ist
zu diesem Zeitpunkt – gelegentlich schon kurz vorher – ein schnarchendes oder gurgelndes Atemgeräusch besonders beim Ausatmen
deutlich zu hören. Einige Pferde zeigen während der Höchstleistung
zudem eine Maulatmung: Da beim DDSP die Epiglottis nicht mehr
auf, sondern unter dem Gaumensegel liegt (Abb. 13, vgl. Abb. 2),
kann das Pferd eingeschränkt über die Maulhöhle atmen. Das Atemvolumen ist hierbei jedoch für Höchstleistungen nicht ausreichend.
Als Ursache für das DDSP wird eine Muskelschwäche diskutiert,
da der weiche Gaumen sowie der gesamte Rest des Pharynx keinerlei
knöcherne oder – wie Anteile des Larynx – knorpelige Unterstützung
besitzen. Durch die unter hohen Belastungen stark schwankenden
Druckunterschiede wird das Gaumensegel nach dorsal über die Epiglottis gezogen. Ähnlich wie bei der RLN wird als Ursache der Muskelschwäche eine nervale Störung vermutet. Aus diesem Grund sollten
bei betroffenen Pferden auch die Luftsäcke untersucht werden. Darüber hinaus kann eine stark entzündete Rachenschleimhaut (Pharyngitis) ein DDSP verursachen, welches meist vollständig verschwindet,
wenn die Entzündung abgeheilt ist. In seltenen Fällen können auch
ein missgebildetes Gaumensegel, eine kleine Gaumenspalte (Abb. 14)
oder eine Zyste an der Unterseite des Kehldeckels (Subepiglottiszyste) ein DDSP verursachen. Im Fall einer Sub­epiglottiszyste muss die
Unterseite der Epiglottis gegebenenfalls von der Maulhöhle aus untersucht werden. Nicht zuletzt ist ein DDSP häufig bei sedierten Pferden
zu beobachten. Bei diesen ist es in der Regel klinisch ohne Bedeutung,
sofern es nach einem (provozierten) Schluckakt verschwindet.
Die Diagnostik des DDSP kann schwierig sein, da ca. 40 Prozent der
betroffenen Tiere die Erkrankung lediglich in der Hochleistung und
auch hier nicht unbedingt permanent zeigen. Das klassische endoskopische Bild (Abb. 13) ist somit in Ruhe nicht vorhanden. Hier kann
allein die Belastungsendoskopie die Diagnose absichern. In einigen
Studien wurde nachgewiesen, dass ein DDSP bei einer Belastungsuntersuchung auf dem Laufband häufiger auftritt als unter realen Bedingungen, sodass hier die Möglichkeit einer Fehlinterpretation besteht.
Da zudem die Symptome häufig lediglich bei maximaler Leistung auftreten, ist eine Untersuchung vor Ort unter realen Bedingungen (zum
Beispiel auf der Rennbahn) notwendig. Aus diesem Grund ist eine telemetrische Untersuchung dieser Pferde vorzuziehen.
Im Unterschied zur dynamischen Erkrankung DDSP äußert sich
eine permanente Verlagerung des Gaumensegels weniger durch einen Leistungsmangel, sondern vor allem durch eine Schluckstörung.
Dabei treten in Zusammenhang mit der Futteraufnahme Husten und
Nasenausfluss mit Futterbestandteilen auf. Durch die Schluckstörung gelangen Futterbestandteile in die Luftröhre und in der Regel
auch in die tiefen Atemwege, was eine meist tödlich endende Lungenentzündung verursacht.
Therapie
Zahlreiche Therapieverfahren wurden bislang beschrieben. Als vielversprechendste Therapie gilt heutzutage das Tie forward (engl.: nach vor-
Abbildung 11 (links):
Endoskopische Ansicht des
Kehlkopfes nach Laryngoplastik: Inspiration,
Abbildung 12 (rechts):
Exspiration
Abbildung 13:
DDSP: Aryknorpel
(1), Gaumensegel
(2), Stimmfalte (3)
ne ziehen). Hierbei wird operativ der Larynx mittels Fäden in Richtung
des Pharynx gezogen (dorso-rostral, Fixation am Basishyoid), sodass
für die Epiglottis eine größere Auflagefläche auf dem Gaumensegel erreicht wird. Bereits 14 Tage nach der Operation kann bei den Pferden
das Training wieder aufgenommen werden. Nur bei ca. sechs Prozent
der Patienten tritt das DDSP nach einer Operation erneut auf. Damit ist
die Rezidivrate sehr gering. Das Operationsverfahren wird seit Kurzem
auch in der Therapie der kleinen Gaumenspalte eingesetzt, wobei der
Erfolg aufgrund geringer Fallzahlen derzeit noch unsicher ist.
Um das bei einigen Pferden schlaff erscheinende Gaumensegel
zu stabilisieren, können festigende Substanzen in das Gaumensegel
injiziert oder mittels Lasertherapie eine narbige Versteifung des hinteren Randes des Gaumens provoziert werden (Abb. 15).
Eine gegebenenfalls vorhandene Subepiglottiszyste lässt sich zumeist endoskopisch mittels Laser- oder Elektrochirurgie entfernen.
Dynamischer Pharynxkollaps
Das Kollabieren des Pharynx ist bei bis zu zwölf Prozent der Sportpferde Ursache für einen Leistungsmangel. Hierbei können beim
Einatmen entweder einzelne Anteile wie das Pharynxdach, die Seitenwände, das Gaumensegel oder alle Bestandteile ins Innere des
Pharynx vorfallen. Als Ursache für den Kollaps wird wie beim DDSP
eine nervale Schädigung diskutiert, welche eine Muskelschwäche
verursacht. Die betroffenen Pferde fallen ebenfalls durch einen
plötzlichen Leistungsabfall unter Hochleistung auf, wobei ein gege-
Abbildung 14:
Kleine Gaumenspalte
Abbildung 15:
Laserchirurgie des
kaudalen Randes
des Gaumensegels
benenfalls äußerlich wahrnehmbares Geräusch jedoch – im Unterschied zum DDSP – in der Regel beim Einatmen zu hören ist.
Da der Kollaps ausschließlich bei Belastung auftritt, kann er lediglich im Rahmen einer Belastungsendoskopie diagnostiziert werden. Bei Reitpferden kann die gebeugte Kopfhaltung (Abb. 7) von
entscheidender Bedeutung für das Auftreten des Kollaps sein, aus
diesem Grund ist hier zumeist eine telemetrisch-endoskopische Untersuchung unter dem Reiter notwendig.
Entzündliche Veränderungen von Nerven können am Entstehen
des Pharynxkollaps beteiligt sein, womit eine entzündungshemmende Therapie ein möglicher Ansatzpunkt ist. Chirurgische Therapieverfahren existieren nicht.
Dynamischer Larynxkollaps
Wichtigste Ursache für das Kollabieren des Larynx unter Belastung
ist die oben beschriebene Hemiplegia laryngis. Neben der klassischen Form, verursacht durch eine Nervenschädigung des N. laryngeus recurrens, können auch andere Nervenschädigungen das
Krankheitsbild verursachen. Darüber hinaus kann natürlich auch
die rechte Larynxseite betroffen sein.
Des Weiteren können sich prinzipiell alle Strukturen des Kehlkopfs in Richtung des Larynxinneren verlagern und einen Kollaps
verursachen: beispielsweise die Plica aryepiglottica (Abb. 2/3), die
dorsalen Anteile der Aryknorpel (Processus corniculatus) oder die
Epiglottis (Epiglottis-Retroversion). Darüber hinaus kann eine voll-
Medizin
Abbildung 16: Beginnendes Entrapment
der Epiglottis durch die
Plica aryepiglottica (*)
Abbildung 17:
Granulom linker Aryknorpel
ständige, einstülpende Verlagerung der Plica aryepiglottica über die
Epiglottis (Entrapment, Abb. 16) oder ein Vorfall des Arcus palatopharyngeus (Abb. 2/7) einen dynamischen Verschluss des Larynx
hervorrufen. In seltenen Fällen können eine oder beide Stimmfalten
(Abb. 2/4) eine isolierte Lähmung aufweisen sowie Granulationsgewebe am Aryknorpel (Abb. 17) oder der Epiglottis (Abb. 18) den Innenraum des Larynx einengen.
Unter Belastung auftretende Geräusche sind bei allen Veränderungen in der Regel während des Einatmens hörbar.
Therapie
Lediglich Entrapment und Granulationsgewebe an Aryknorpel oder
Epiglottis sind therapeutisch zu beseitigen. In beiden Fällen kommt
heutzutage besonders die Laserchirurgie zum Einsatz. Granulationsgewebe an der Epiglottis kann in der Regel mittels systemischer oder
Abbildung 18:
Granulationsgewebe
an der Epiglottis
lokaler entzündungshemmender Medikation therapiert werden.
Therapeutische Verfahren wie die als Therapie des Kehlkopfpfeifens
beschriebene Laryngoplastik oder die Ventrikul(ochord)ektomie beseitigen die dynamische Einschränkung in den meisten Fällen nicht. W
Literatur bei der Autorin
Über die Autorin
Dr. med. vet. Katja Roscher ist als Tierärztin in der Inneren
Medizin der Klinik für Pferde der Justus-Liebig-Universität
Gießen tätig. Sie ist Diplomate des European College of
Equine Internal Medicine (ECEIM) sowie Fachtierärztin für
Pferde. Ihr Forschungs­schwerpunkt ist die Hämostaseologie
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Die Autorin
Prof. Dr. Heidrun Gehlen,
Klinik für Pferde, FU Berlin.
Sie ist Fachtierärztin für
Pferde, Zusatzbezeichnung
für Innere Medizin des
Pferdes, sowie Diplomate des
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Muskuläre Probleme des Sportpferdes
Katja Roscher und Ingrid Vervuert
W Fast jeder Pferdebesitzer hat es schon einmal erlebt: Während oder kurz nach dem Reiten zeigt das Pferd plötzlich Bewegungsunlust,
verweigert vielleicht sogar jegliche Bewegung, schwitzt stark und die Atemfrequenz ist erhöht. Gelegentlich kommen kolikartige Symptome hinzu. Dieser typische Verlauf einer durch Belastung ausgelösten schweren Muskelerkrankung ist bekannt, seit die Tiere zur Arbeit
und zum Transport eingesetzt werden: der Kreuzverschlag oder im englischen Sprachgebrauch das Tying-up. Hauptmerkmal der Erkrankung ist eine durch Belastung ausgelöste Zerstörung von Zellen der Skelettmuskulatur (Rhabdomyolyse). Vorbeugen lässt sich vor allem
durch ein spezielles Bewegungsmanagement und die richtige Fütterung.
Chronisch wiederkehrende Belastungsmyopathien müssen von
Problemen unterschieden werden, die nur gelegentlich bei übermäßig belasteten oder nicht adäquat trainierten Pferden auftreten.
Während bis vor ca. 20 Jahren von einer einzigen Ursache für eine
chronische Belastungsmyopathie ausgegangen wurde, sind heute
zumindest bei zwei Formen genauere Ursachen bekannt.
Die sogenannte RER (engl.: recurrent exertional rhabdomyolysis)
bei Vollblütern wird vermutlich durch eine autosomal dominante
Erbkrankheit (siehe Glossar) verursacht, welche zu einer Störung der
Kalziumregulation der Muskulatur führt. Die RER tritt in der Regel
sporadisch auf, häufig in Kombination mit weiteren Stressfaktoren
wie einer erhöhten Nervosität der Pferde oder einer sehr hohen Fütterungsintensität. Weltweit sind ca. fünf bis sieben Prozent der Population betroffen. Ein spezifischer Gendefekt konnte bislang nicht
nachgewiesen werden. Neuere Untersuchungen diskutieren das Auftreten der gleichen Erkrankung auch bei Trabern.
Eine andere Form der Muskelerkrankung wurde vor etwa 20 Jahren
erstmals bei Quarter Horses als Polysaccharid-Speicher-Myopathie
(PSSM) beschrieben. Hier liegt die Ursache in einer abnormen Speicherung von Kohlenhydraten in der Muskulatur, wobei der genaue
Zusammenhang zur Zerstörung der Muskelzelle nach wie vor nicht
bekannt ist. Seit dieser Zeit konnte die abnorme Speicherung bei
zahlreichen anderen Rassen wie Kaltblütern, aber auch Ponys und
Warmblütern gezeigt werden. Bei Quarter Horses, Kaltblütern und
einigen anderen Rassen – jedoch nicht bei Vollblütern oder Arabern
– verursacht ein autosomal dominant vererbter genetischer Defekt die
Erkrankung. In diesen Fällen spricht man auch von PSSM Typ 1. Bei
bestimmten Kaltblutrassen (Belgier, Percherons) sind bis zu 70 Prozent der Pferde betroffen, bei Quarter Horses immerhin fast zehn Prozent. Wie häufig die Mutation bei Warmblütern vorkommt, ist nicht
bekannt, jedoch konnte bei erkrankten Tieren in fast 50 Prozent der
Fälle eine PSSM als Ursache diagnostiziert werden (Hunt et al., 2008).
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29
8000
Glossar
Autosomal dominante und autosomal rezessive
Vererbung: Gene und damit Erbinformationen sind
größtenteils in Chromosomen enthalten. Wird ein Merkmal autosomal vererbt, befindet sich die Erbinformation
nicht auf einem Geschlechtschromosom, sodass autosomal vererbbare Erkrankungen bei beiden Geschlechtern
vorkommen können.
3000
U/l
2000
1000
Ta
ge
20
10
Ta
ge
0
6
12 h
24 h
h
2
Ta
ge
5
Ta
ge
Belastungsmyopathie: Durch Belastung ausgelöste
Muskelerkrankungen werden als „Feiertagskrankheit“ oder
„Verschlagen der Pferde“ bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Aufzeichnungen erwähnt. Andere geläufige
Begriffe sind Kreuzverschlag, Lumbago, Schwarze Harnwinde oder Tying-up. Hauptmerkmal der Erkrankung ist
eine durch Belastung ausgelöste Zerstörung von Zellen der
Skelettmuskulatur (Rhabdomyo­lyse).
4000
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Verlaufes
der Plasmakonzentrationen von Muskelenzymen nach einer
Rhabdomyolyse (rot: CK, blau: LDH, grün: AST).
Jedes Chromosom (außer den Geschlechtschromosomen)
ist bei gesunden Individuen in jeder Körperzelle doppelt
vertreten. Von jedem Elternteil stammt eines der Chromosome. Bei rezessiver Vererbung muss ein Individuum von
beiden Elternteilen veränderte Chromosomen bekommen,
damit es erkrankt. Wird eine Erkrankung dominant vererbt,
genügt bereits ein verändertes Chromosom, um die Erkrankung zu verursachen.
Homozygoter/heterozygoter Merkmalsträger: Bei den
meisten autosomal dominant vererbten Erkrankungen
erhöht eine Veränderung beider Chromosomen (homozygot) den Schweregrad der Erkrankung im Vergleich zu
Individuen, welche nur auf einem Chromosom die Genveränderung aufweisen (heterozygot). Homozygote Merkmalsträger geben die Erkrankung zudem zu 100 Prozent an
ihre Nachkommen weiter. Bei heterozygoten Merkmalsträgern beträgt die Wahrscheinlichkeit 50 Prozent, wenn
das andere Elternteil gesund ist, und 75 Prozent, wenn
beide Elternteile heterozygote Träger sind.
Abbildung 2: Typische Braunfärbung des Urins bei Myolyse
(rechts) im Vergleich zum Urin gesunder Pferde (links)
Unter PSSM Typ 2 versteht man eine Form abnormer Kohlenhydratspeicherung ohne den genetischen Defekt, die Ursache ist hier
noch gänzlich unbekannt. Im Unterschied zur PSSM Typ 1 können
bei dieser Form in seltensten Fällen auch ohne Belastung Skelettmuskelzellen zerstört werden.
Bei beiden Formen treten die ersten klinischen Symptome in der
Regel im Alter von zwei bis drei Jahren auf, in seltenen Fällen bereits
bei Jährlingen. Bei schweren Verlaufsformen treten die typischen klinischen Symptome bereits bei leichter Belastung auf. Bei milderen
Verläufen kann das einzige Symptom eine mangelnde Leistungsbereitschaft der Pferde sein, welche sich auch durch Training nicht
oder wenig beeinflussen lässt. Seltener kommt es hier zu Ganganomalien oder Muskelschwund.
Eine Belastungsmyopathie feststellen
Muskelenzyme im Blut
Werden Muskelzellen zerstört, werden unter anderem Enzyme freigesetzt, deren Konzentration im Blut sich in der Folge erhöht. So
kann eine Blutuntersuchung Hinweise auf Muskelschäden geben.
30
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Allerdings sind besonders bei den leichteren Verlaufsformen der
PSSM Typ 1 (heterozygote Träger) die Werte in Ruhe meist nicht erhöht.
Das einzige Enzym, das spezifisch nur in der Skelettmuskulatur
vorkommt, ist die Creatin-Kinase (CK). Bei gesunden Pferden entspricht die CK-Konzentration im Blutplasma etwa dem Gehalt von
1 g Muskelmasse (ca. 300 U/l). Werden nur 20 g Muskelmasse zerstört, erhöht sich die Plasmakonzentration bereits um das Vier- bis
Fünffache (Volfinger et al., 1994). Selbst bei gut trainierten Pferden
erhöhen extreme Belastungen – beispielsweise im Rahmen einer
Vielseitigkeitsprüfung – die Plasmakonzentration auf bis zu 5000 U/l,
ohne dass klinische Symptome einer Muskelschädigung auftreten.
So sind bei schweren Verlaufsformen einer Rhabdomyolyse Plasmakonzentrationen ab dem mittleren fünfstelligen Bereich aufwärts zu
erwarten. Allerdings sind selbst Erhöhungen der Konzentrationen
auf etwa 10 000 U/l bereits nach ca. zehn Stunden fast vollständig
verschwunden (sofern die Myolyse nicht weiter besteht), da die CK
im Plasma bei Pferden eine extrem kurze Halbwertszeit hat.
Neben der CK enthält die Skelettmuskelzelle auch die Enzyme
Aspartat-Aminotransferase (AST) und Laktatdehydrogenase (LDH).
Da aber beide auch in anderen Körperzellen vorkommen, ist eine er-
höhte Konzentration im Blut nicht immer auf einen Muskelschaden
zurückzuführen. So beinhalten beispielsweise rote Blutkörperchen
eine große Konzentration an LDH, wodurch eine entnahme- oder
transportbedingte Zerstörung der Erythrozyten eine deutliche Erhöhung der Konzentration in der Blutprobe zur Folge hat. Die AST
hat bei Pferden eine sehr lange Plasmahalbwertszeit von ca. sieben
bis zehn Tagen, sodass die Konzentration nach einem Muskelschaden bis zu drei Wochen erhöht bleibt. Die Konzentration der LDH im
Blutplasma ist nach einem Muskelschaden für wenige Tage erhöht.
Aufgrund der unterschiedlichen Plasmahalbwertszeiten entsteht
bei einer Zerstörung von Muskelzellen ein typisches Verlaufsprofil
der Enzymkonzentrationen (Abb. 1).
zu irreversiblen Nierenschäden führen können. Grundsätzlich können neben Myoglobin auch Hämoglobin (der Farbstoff der roten
Blutkörperchen), die roten Blutkörperchen selbst oder seltener auch
Pflanzenfarbstoffe den Urin braun verfärben. Geringe, mit bloßem
Auge nicht sichtbare Mengen Myoglobins, Hämoglobins oder roter
Blutkörperchen sind mit Urinteststicks nachweisbar. Diese sind allerdings extrem sensitiv, sodass bereits geringe Mengen Myoglobin,
welche einer Schädigung von lediglich 200 g Muskelmasse entsprechen, zu einer deutlich positiven Reaktion (4+) des Testfeldes führen
(Abb. 3). Dies bedeutet, dass bei klinisch manifesten Belastungsmyopathien dieser Grad der Reaktion zu erwarten ist.
Muskelfarbstoff im Urin
Leichte Bewegung führt bei Pferden mit schwerer Verlaufsform einer
Belastungsmyopathie bereits zu den typischen klinischen Symptomen. Bei leichteren Verlaufsformen treten diese in der Regel nicht
oder nur in sehr geringer Ausprägung auf. Unter Umständen kann
ein Leistungsmangel hier das einzige Symptom sein. Im Unterschied
zu gesunden Pferden sind die Plasmakonzentrationen der Muskelenzyme nach Belastung bei diesen Patienten jedoch deutlich erhöht.
Bei den meisten Protokollen werden die Pferde zunächst zwei Minu-
Bei der Zerstörung von Muskelzellen wird neben Enzymen auch ein
Muskeleiweiß freigesetzt, der Farbstoff Myoglobin. Im Blut ist Myoglobin nur extrem kurz nachzuweisen. Der Farbstoff wird jedoch
über die Niere ausgeschieden und färbt den Urin in hohen Konzentrationen bei schweren Verlaufsformen einer Rhabdomyolyse innerhalb von Stunden braun (Abb. 2). Der Farbstoff selbst ist zudem
stark toxisch für die Nieren, sodass schwerwiegende Muskelschäden
Submaximaler Belastungstest
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
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Medizin
Abbildung 3:
Urinstick mit
Verfärbung (4+)
des Testfeldes für
Myo-, Hämoglobin
oder Erythrozyten
(Pfeil) im Vergleich
zum Ergebnis
bei physiologischem Urin (oben)
ten im Schritt, anschließend 13 Minuten im Trab bewegt. Bei Pferden
in sehr schlechtem Trainingszustand empfiehlt sich eine Belastung
über 15 Minuten in Zweiminutenintervallen abwechselnd in Schritt
und Trab. Zeigt das Pferd Steifheit oder Bewegungsunlust, kann die
Belastung zunächst für eine Minute stehend unterbrochen werden.
Tritt die Steifheit danach wieder auf, sollte der Test abgebrochen
werden.
Bei gesunden Pferden und vielen Pferden mit einer leichten Verlaufsform der PSSM (vor allem Typ 2) liegen die Plasmakonzentrationen vor Beginn der Belastung im Referenzbereich. Bei gesunden
Pferden liegt die Konzentration der CK vier Stunden nach der Belastung unter 800 U/l (oder der Ausgangswert ist maximal zwei- bis
dreifach erhöht), die AST sollte maximal um 50 Prozent des Ausgangswertes erhöht sein.
Untersuchung von Muskelgewebe
Bei Verdacht auf eine belastungsinduzierte Muskelerkrankung kann
Muskelgewebe entnommen und untersucht werden (Biopsie). Der
geeignete Ort zur Entnahme ist die lange Sitzbeinmuskulatur (seitlich des Schweifes), wobei die Biopsie mindestens die Größe eines
Zuckerwürfels haben sollte. Der Umgang mit der Biopsie unterscheidet sich grundlegend von anderen Biopsien, sodass eine Durchführung in der Praxis schwierig bis unmöglich ist. Hierbei sei nur kurz
erwähnt, dass Muskelbiopsien beispielsweise möglichst nicht in
Formalin fixiert werden sollten. Aufgrund der pferdespezifischen
Besonderheiten dieser Biopsien empfiehlt sich die Untersuchung in
einem darauf hochspezialisierten Labor, zum Beispiel am Royal Veterinary College in London, was die Durchführbarkeit in der Praxis
zusätzlich erschwert.
Zum Nachweis einer Störung der Kalziumregulation bei der RER
von Vollblütern müssen Biopsien der Zwischenrippenmuskulatur einem speziellen Test (Koffein- oder Halothan-Muskelkontrakturtest)
unterzogen werden, welcher jedoch in der Routinediagnostik nicht
zur Verfügung steht.
Gentest
Vor einigen Jahren gelang einer Arbeitsgruppe der Universität von
Minnesota die Identifikation des für PSSM Typ 1 verantwortlichen
Gendefekts und in der Folge die Entwicklung eines spezifischen
Gentestes. Die aufwändige Untersuchung einer Muskelbiopsie ist in
diesem Fall somit nicht notwendig. Der Test wird mittlerweile auch
in Deutschland in einigen Laboren durchgeführt, es werden entweder Haare inklusive Wurzeln oder eine Blutprobe benötigt.
Der Test kann nicht nur die Erkrankung nachweisen, sondern
auch homo- und heterozygote Merkmalträger (siehe Glossar) unterscheiden. Dies ist besonders für einen eventuell geplanten Zuchteinsatz des betroffenen Tieres von Bedeutung.
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Akute Muskelschäden behandeln
Pferde mit akuten klinischen Symptomen einer Rhabdomyolyse sollten
möglichst schnell an einen warmen, trockenen Ort gebracht werden,
wobei Bewegung nach Möglichkeit gänzlich zu vermeiden ist. Hier
empfiehlt sich gegebenenfalls der Transport mit einem Pferdehänger
oder –transporter zum nächstgelegenen Stall, längere Fahrtstrecken
sollten jedoch ebenfalls vermieden werden. Aufgrund der stark nierentoxischen Eigenschaften des bei schweren Verlaufsformen mit dem
Urin massenhaft ausgeschiedenen Myoglobins sollte die Nierenfunktion durch Infusionen unterstützt werden. Hierbei kann ein gestörter
Flüssigkeit- und Elektrolythaushalt ebenfalls ausgeglichen werden.
Viele Patienten zeigen deutliche Schmerzen, doch in Anbetracht
der durch das Myoglobin möglicherweise bereits vorgeschädigten
Niere sollten für die Niere toxische Wirkstoffe wie Flunixin und Phenylbutazon unbedingt vermieden werden. Ist ein Pferd mit Myolyse
zudem mittel- bis hochgradig ausgetrocknet, sollte auf die Anwendung bestimmter Schmerzmittel (nichtsteroidale Antiphlogistika)
vollständig verzichtet werden, bis Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt
stabilisiert sind.
Zur schmerzhemmenden Therapie können Beruhigungsmittel
(Acepromazin, α2-Agonisten) und Opioide (Butorphanol als Dauertropf ) eingesetzt werden. Aufgrund der kreislaufdepressiven Eigenschaften sollten Beruhigungsmittel bei mittel- bis hochgradiger
Austrocknung (Dehydratation) allerdings mit äußerster Vorsicht angewandt werden.
Durch Fütterung und Training
vorbeugen
Eine optimierte Fütterung, unterstützt durch ein spezielles Bewegungsmanagement, kann das Wiederauftreten belastungsinduzierter Muskelprobleme deutlich vermindern oder bei leichteren
Verlaufsformen vollständig verhindern. In letzterem Falle ist sogar
ein Einsatz im Hochleistungssport möglich – mit Ausnahme des Distanz- oder Vielseitigkeitssports.
Bei Vollblütern mit nachgewiesenermaßen gestörter Kalziumregulation der Muskulatur kann die Applikation von Dantrolen das
Risiko des Wiederauftretens eines Krankheitsschubes vermindern.
Der Wirkstoff ist zur Prophylaxe der PSSM und anderer Muskelerkrankungen nicht geeignet.
Schwachstellen überprüfen
Die Futterration des betroffenen Pferdes sollte zunächst insgesamt
überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. In der Praxis wer-
den häufig Blutuntersuchungen durchgeführt und zum Beispiel Eiweiß, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine überprüft, um
eine Aussage über die entsprechende Versorgung des Pferdes zu treffen. Auf die Blutbefunde im Einzelnen möchten wir an dieser Stelle
nicht eingehen, es sei aber darauf hingewiesen, dass die Befunde
häufig überbewertet werden und vielfach kein Zusammenhang zwischen den erhobenen Blutbefunden und der Versorgung mit Eiweiß,
Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen vorliegt.
Bei Pferden mit wiederholt auftretenden Muskelproblemen muss
daher unbedingt die Ration überprüft werden, um die Energie- und
Nährstoffversorgung zu erfassen. Viele Pferderationen weisen ein auffallend schlechtes Verhältnis von Rau- zu Kraftfutter auf, also einen
deutlichen Kraftfutterüberhang. Zum Teil ist die Energieversorgung
deutlich überhöht und es gibt weitere Engpässe wie einen Natriumund Chloridmangel, insbesondere bei hohen Schweißverlusten.
Die tägliche Raufutterzufuhr sollte generell ein Minimum von 1,5 kg
Heu/100 kg Körpermasse nicht unterschreiten, alternativ können Gras
bzw. Heu-, Gras- oder Maissilagen als Raufutter eingesetzt werden.
Stärkereiche Kraftfutter reduzieren
Bei belastungsbedingten Muskelerkrankungen sollte an erster Stelle
der Anteil des stärkereichen Kraftfutters in der Ration deutlich reduziert werden. Bei Pferden, die an PSSM leiden, müssen stärke- und
zuckerhaltige Futtermittel wie Getreide oder melassierte Ergänzungsfuttermittel komplett aus der Ration genommen werden. Bei
Pferden, die nicht an PSSM leiden, darf während arbeits­intensiven
Trainings- und Wettkampf­phasen ein Anteil an Getreide oder Kraftfutter von 0,7 kg/100 kg Körpermasse pro Tag, verteilt auf mindestens
drei Mahlzeiten, nicht überschritten werden.
An Pferde, die regelmäßig belastet werden können, kann als Energielieferant Fett in Form von Pflanzenölen oder Reiskleie verfüttert
werden. Fette bieten generell eine sehr hohe Energiedichte, führen
Mehr Muskelkraft durch Reiskleie?
Reiskleie ist ein Futtermittel mit rund 15 Prozent Fett.
Durch Fettextraktion wird das sogenannte Reiskeimöl
gewonnen.
Das Fett der Reiskleie und insbesondere des Reiskeimöls enthält γ-Oryzanol (Ferulasäure und Phytosterin).
γ-Oryzanol-Präparate werden damit beworben, dass
sie beim Humansportler die Muskelkraft verbessern und
Müdigkeit reduzieren sollen. Für das Sportpferd liegen
kaum Studien vor, allerdings ist das Verfüttern von
γ-Oryzanol dopingrelevant.
zu einer geringeren Wärmebildung im Stoffwechsel, verringern die
Glukoseaufnahme in die Skelettmuskulatur und scheinen einen positiven Einfluss auf das Verhalten zu besitzen: Sie können zum Beispiel bei Pferden die Nervosität und Ängstlichkeit verringern. Die
Fettfütterung hat deutlich positive Effekte auf das klinische Bild, beispielsweise verbessert sich die Muskelsteifheit. Daneben kann auch
der belastungsbedingte Anstieg der CK bei Pferden mit Belastungsmyopathie deutlich verringert werden. Auch wenn die positiven
Effekte des Austausches von Stärke gegen Fett zur Vorbeugung von
Muskelerkrankungen unbestritten sind, sind dem Einsatz von Fetten
dennoch Grenzen gesetzt. Fettmengen von mehr als zehn Prozent
in der Gesamtration führen zu einem deutlichen Abfluten von Fett
in den Dickdarm, welches dazu führt, dass die zelluloseabbauende
Mikroflora gehemmt wird.
Zahlreiche fettangereicherte und stärkereduzierte Mischfuttermittel sind im Handel erhältlich. Aufgrund der zum Teil hohen Mineralstoff- und Vitamingehalte ist der tägliche Einsatz in der Regel
jedoch auf 1–3 kg (in Abhängigkeit von der Arbeitsbelastung) zu limi-
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Medizin
Tabelle 1: Empfehlung zur Zusammensetzung eines
Ergänzungsfutters für Pferde mit PSSM
Energie und
Nährstoffe
Gehalte/kg
Energie
>11,8 MJ ME (umsetzbare
Energie)
Rohprotein
~120–130 g
Rohfett
>100 g
Stärke
<120 g
Ca
10 g
P
6g
Se
1 mg
Vitamin E
900 mg
tieren. Reiskleie (0,5–2 kg/Tag) als Einzelfuttermittel wird von Pferden vielfach schlecht akzeptiert, allerdings stehen auch mit Kräutern
aromatisierte Produkte zur Verfügung. Das in der Fettfraktion der
Reiskleie enthaltene γ-Oryzanol ist dopingrelevant, sodass entsprechende Zeiten für das Absetzen von Reiskleie- oder Reiskeimölprodukten vor Wettkämpfen zu beachten sind.
Alternativ können auch Pflanzenöle mit einer guten Akzeptanz
verfüttert werden, beispielsweise Sonnenblumenöl. Davon werden
nach langsamer Gewöhnung täglich 0,5–1 ml/kg Körpermasse auf
drei bis vier Mahlzeiten verteilt. Auch die gezielte tägliche Zulage
von Omega-3-Fettsäuren kann empfohlen werden. Dafür ist beispielsweise Leinöl in einer Dosierung von 0,2–0,5 ml/kg Körpermasse geeignet.
Elektrolyt- und Wasserdefizite vermeiden
Pferde verlieren bei intensiven Belastungen insbesondere an warmen, sonnigen Tagen 10–30 l Schweiß, sodass die Austrocknung ein
Equivet
häufiges Problem darstellt. Ungünstig ist darüber hinaus, dass Pferde nach der Belastung nur sehr zögerlich Wasser aufnehmen. Im
Schweiß gehen neben Wasser auch Elektrolyte wie Natrium, Kalium
und Chlorid verloren, was dazu führt, dass sich die Konzentrationen
an Elektrolyten, insbesondere an Natrium, durch die Schweißverluste nicht ändern oder sogar abnehmen. Ein Durstgefühl entsteht jedoch nur, wenn die Natriumkonzentration im Blut zunimmt.
Durch den Flüssigkeitsverlust schrumpfen die Zellen, was zu
Zellschäden im Skelettmuskel und zur Erschöpfung führen kann.
Vermutlich kann die Gabe von Elektrolyten in Kombination mit einer erhöhten Wasseraufnahme nach intensiven Belastungen dafür
sorgen, dass die Muskulatur kurzfristig besser durchblutet wird.
Bei starken Schweißverlusten sollte nichtjodiertes Speisesalz in einer vom Schweißverlust abhängigen Menge von 10–15 g/100 kg
Körpergewicht ergänzt werden. Werden pro Tag mindestens 1,5 kg
Heu/100 kg Körpermasse verfüttert, bedarf es in der Regel keiner gezielten Kaliumergänzung, da Kalium ausreichend im Raufutter vorhanden ist.
Besonderer Wert sollte darauf gelegt werden, dass Wasser uneingeschränkt verfügbar ist. Kritisch sind insbesondere längere Transportzeiten der Sportpferde, aber auch die Freilandhaltung im Sommer und Winter ohne permanenten Zugang zu Wasser. Sind Tränken, zum Beispiel Selbsttränken, vorhanden, bedeutet das noch
nicht, dass die Pferde freien Wasserzugang haben. Häufig ist die
Durchflussgeschwindigkeit durch verstopfte Ventile erheblich eingeschränkt, sodass für Sportpferde mit starken Schweißverlusten
nicht genug Wasser verfügbar ist. Deshalb sind Tränken und Wasserplätze zu kontrollieren, um den uneingeschränkten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser sicherzustellen.
Vitamin E und Selen ausreichend füttern
Vielfach wird in der Praxis eine knappe Selen- und/oder Vitamin EVersorgung im Zusammenhang mit Muskelerkrankungen diskutiert.
Die Bedeutung von Vitamin E und Selen im Muskelstoffwechsel ist
unbestritten. Allerdings ist eine knappe Selenversorgung in praxisüblichen Rationen für Sportpferde in Kombination mit dem Einsatz
von Mischfuttermitteln und/oder Mineralfuttermitteln eher selten,
Muskelschutz und Rittigkeit:
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34
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
orthosal®VITAMIN E
vielfach ist sie sogar übertrieben bis kritisch hoch. Die Vitamin EVersorgung in Sportpferderationen schwankt zwischen einer knappen und einer sehr hohen Vitamin E-Zufuhr. Untersuchungen zur
Selen- und/oder Vitamin E-Versorgung bei Pferden mit Muskelerkrankungen belegen nur in Einzelfällen eine knappe Selen- und Vitamin E-Versorgung. Ungeachtet der notwendigen bedarfsangepassten
Vitamin E-Versorgung von 2 mg Vitamin E/kg Körpermasse) wird für
Pferde mit Belastungsmyopathie vielfach eine bedarfsüberschreitende Versorgung von 4–6 mg Vitamin E/kg Körpermasse empfohlen.
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Die „Übersäuerung“ ist ein Mythos
Vielfach werden Belastungsmyopathien in der Praxis mit einer
„Übersäuerung aufgrund von Milchsäure (Laktat)“ in Verbindung
gebracht. Doch bei belastungsbedingten Myopathien kommt es
nicht zu einer vermehrten Anhäufung von Laktat in der Skelettmuskulatur. Dementsprechend hat die Gabe von puffernden Substanzen wie Natriumbikarbonat auch keine positiven Effekte. Die
Fütterung von puffernden Substanzen wird bei belastungsbedingten
Myopathien nicht empfohlen.
Regelmäßig trainieren
Regelmäßige Bewegung ist die Grundlage, um wiederholt auftretenden Muskelproblemen vorzubeugen. Untersuchungen der Universität Minnesota haben ergeben, dass bereits tägliche leichte Bewegung
im Trab über zehn Minuten das Risiko des Wiederauftretens deutlich
vermindern kann. Bei Reitpferden, besonders jenen mit PSSM Typ 2,
hat sich zudem ein verlängertes Aufwärmintervall und die Unterbrechung des Trainings durch Ruhe- und Dehnungszeiten von zwei bis
fünf Minuten als hilfreich erwiesen. Beim Management nach einer
akuten Episode einer PSSM sollten gemäß Empfehlung der Universität Minnesota folgende Grundsätze beachtet werden:
• Frühestens zwei Wochen nach der Fütterungsumstellung darf das
Pferd belastet werden.
• Es ist wichtiger, die Belastungsdauer zu begrenzen, als die Belastungsintensität. Das heißt, beginnen sollte die Belastung mit täglich maximal fünf Minuten wechselnd Schritt und Trab.
• Die Belastung muss langsam und kontinuierlich gesteigert werden, um zwei Minuten pro Tag.
• Jeder Tag ohne Belastung muss unbedingt vermieden werden.
• Ist eine Trainingsdauer von täglich 15 Minuten erreicht, können
die Trabintervalle verlängert werden. Ein Training im Galopp
sollte frühestens nach drei Wochen erfolgen. W
Literatur bei den Autorinnen.
Hilfreiche Links
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stehen Informationen des Neuromuscular
Diagnostic Laboratory der University of Minnesota
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
35
Fütterung
Foto: Carola Schubbel/fotolia.de
Fit durch
gutes Futter
Die Ernährung des Sportpferdes
Ingrid Vervuert
W Ein intensiver Einsatz im Sport erfordert eine gezielte und langfristige Fütterungsstrategie. Im Distanz- oder Fahrsport, bei Vielseitig-
keit, Springen oder Dressur im hohen Leistungssegment brauchen Pferde viel Energie. Während der Belastung rinnt zudem der Schweiß,
Wasser- und Elektrolytverluste müssen über die Fütterung ausgeglichen werden. Auch die Rationsgestaltung sollte gut durchdacht sein:
Durch eine Mindestmenge an Raufutter, eine Höchstmenge an Kraftfutter und eine angemessene Frequenz der Mahlzeiten können Gesundheitsprobleme vermieden werden.
Beim Training und im Wettkampf wird die zum Teil enorme
körperliche Belastung durch das komplexe Zusammenspiel
verschiedener Organsysteme ermöglicht. Bewegungsapparat, HerzKreislaufsystem, Atmungstrakt, Thermoregulation und das zentralnervöse System arbeiten zusammen und sichern so unter anderem
die Versorgung mit Energie und Elektrolyten.
Je nach Belastungsintensität steigt der Energieverbrauch bei
Sportpferden bis zum Dreifachen des Erhaltungsbedarfs. Durch das
Schwitzen entstehen erhebliche Elektrolytverluste, wobei sich der
Schweiß im Wesentlichen aus Chlorid, Natrium und Kalium zusammensetzt. Der Mehrbedarf an Eiweiß sowie den meisten Mengenund Spurenelementen ist hingegen nur gering bis mäßig.
Raufutter als Basis der Ration
Da die klassischen Rationsbestandteile Heu und Getreide einen
sehr hohen Energiebedarf abdecken können, ist eine ausreichende
Energiezufuhr beim Pferd prinzipiell unproblematisch. Um ein Pferd
ausreichend mit Raufutter zu versorgen, sollte seine Ration immer
36
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
auf Heu oder Weidegang basieren. Pro Tag stehen mindestens 1,5 kg
Heu pro 100 kg Körpermasse auf dem Speisezettel. Alternativ können
Heu- oder Grassilagen, zum Teil auch Maissilagen verfüttert werden.
Im Idealfall erhält das Pferd mehrstündigen bis ganztägigen Weidegang. Die meisten Freizeitpferde können mit Raufutter in Kombination mit einem Mineralfutter adäquat versorgt werden.
Bei sportlich intensiv genutzten Pferden sollte ein Heu gewählt
werden, welches relativ früh im Jahr, zu Beginn der Blüte, geschnitten
wird. So werden sie nicht übermäßig mit schwer verdaulicher Rohfaser
belastet. Insbesondere für Sportpferde liegt ein weiterer Vorteil einer
angemessenen Versorgung mit Raufutter darin, dass Elektrolyte und
Wasser im Dickdarm besser gebunden werden. So können temporäre
Schweissverluste aus diesem Reservoir besser kompensiert werden.
Doch bei der Raufutteraufnahme stehen nicht nur die Energieund Nährstoffversorgung im Vordergrund, sondern auch die kontinuierliche Beschäftigung und das erfüllte Kaubedürfnis der Pferde.
Bei Vollblütern mit knapper Raufutteraufnahme (weniger als 6,8 kg
Heu pro Tag) werden häufig Stereotypien wie Koppen und Weben
beobachtet. Darüber hinaus nehmen Pferde bei geringer Raufutterzufuhr deutlich mehr Einstreumaterialien und Kot auf.
Die Bereitstellung von
Energie für die Muskel­arbeit
700
600
vor Belastung
nach Belastung
500
400
300
200
100
Für mehr Power:
Getreide, Eiweiß und Fett
Traditionell werden beim Pferd Getreidesorten wie Hafer, Gerste
oder Mais als Energieträger in der Ration eingesetzt. Sie zeichnen
sich durch hohe Stärkegehalte aus, enthalten aber nur mittlere Konzentrationen an Protein. Als Einzelfuttermittel hat Hafer mit einem
Energiegehalt von rund 11 MJ umsetzbare Energie/kg in der Pferdefütterung immer noch die größte Bedeutung. Als Komponente im
Mischfutter wird Hafer zusehends von Gerste oder Mais verdrängt.
Hafer kann als ganzes Korn verfüttert werden. Die mechanische
Bearbeitung wie das Walzen oder Quetschen beeinflusst die Verdau-
Sprint 2000 m
Sprint 800 m
Sprint 4 x 620 m
Vielseitigkeit
Distanz 80 km
0
Distanz 100 km
(mmo/kg Trockenmasse)
Glukose/Glykogen in der Muskulatur
Abbildung 1: Glykogenverbrauch beim
Pferd im Verlauf unterschiedlicher
Belastungen (Literaturauswertung)
Die wesentlichen Energiequellen für
den Muskel sind Glukose und freie
Fettsäuren bzw. deren Speicherformen
Glykogen und Fette.
In der Muskelzelle wird die Energie
abhängig von der Belastungsintensität und -dauer unter Sauerstoffzufuhr
(aerob) oder ohne Sauerstoff (an­aerob)
gewonnen. Als Nebenprodukt der
anaeroben Energiegewinnung entsteht
Milchsäure (Laktat). Je nach Arbeitsintensität verbraucht der Körper zur
Energie­gewinnung während der Belastung bis zu 90 Prozent des Muskel­
glykogens (Abb. 1).
Die Energie für die Muskelarbeit wird
allerdings nur zu maximal 20–30 Prozent in Bewegung und zu über 70 Prozent in Wärme umgewandelt. Je nach
Luftfeuchtigkeit und Außentemperatur kann die Körper­innentemperatur
deshalb im Verlauf einer intensiven
Belastung bis auf 42 °C ansteigen. Um
den Körper vor dem Überhitzen zu
schützen, wird die Wärme über die
Atmung sowie die Schweißbildung
und -verdunstung der Haut abgeführt.
Dies führt zu erheblichen Wasser- und
Elektrolytdefiziten.
lichkeit der Stärke im Dünndarm nur unwesentlich, birgt aber die
Gefahr eines höheren Verderbs. Auf bearbeiteten Hafer sollte daher
nur bei besonderen Indikationen zurückgegriffen werden, zum Beispiel bei alten Pferden mit erheblichen Gebissveränderungen.
Wird Hafer in der Ration durch Gerste oder Mais ausgetauscht,
lässt sich bei identischer Futteraufnahme eine höhere Energiezufuhr
realisieren. Der Energiegehalt von 1 kg Hafer entspricht dem von
rund 0,9 kg Gerste oder 0,85 kg Mais. Jedoch müssen sowohl Gerste als auch Mais aufgrund einer geringeren Dünndarmverdaulichkeit der Stärke vor der Fütterung thermisch aufgeschlossen werden.
Angeboten werden unter anderem Gersten- oder Maisflocken. Eine
Eiweißergänzung ist häufig sinnvoll bei eher schlecht bemuskelten
Equivet Elektrolyte tTDIOFMMFSXJSLVOHTWPMMFS"VTHMFJDIEFS7FSMVTUFBO&MFLUSPMZUFOVOE7JUBMTUPòFO
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
37
Fütterung
Tabelle 1: Leistungssteigernde Substanzen?
Substrat
Wirkung
Leistungssteigerung
bzw. Beeinflussung des
Stoffwechsels
Q10
antioxidativ
Nein
Vitamin C
antioxidativ
Nein
Natrium Bikarbonat
Pufferung
Nein
L-Carnitin
Energiestoffwechsel
Nein
Aminosäuren
Energiestoffwechsel
Studien fehlen
Glukose
Energiestoffwechsel
Nur bei extrem hohen Gaben schnellerer
Glykogenaufbau nach Belastungen
Kreatinphosphat
Energiestoffwechsel
Nein
Lactanase
Verstoffwechselung
von Milchsäure
Studien fehlen
gamma-Oryzanol
Muskelstoffwechsel
Studien fehlen
Magnesium
Verhalten
Studien fehlen
Pferden, aber auch bei eiweißarmen Rationen, zum Beispiel wenn
sehr spät geerntetes Heu in Kombination mit Getreide verfüttert
wird. Hier sollten vor allem Futtermittel verwendet werden, die eine
gute Aminosäurenzusammensetzung aufweisen. Besonders geeignet sind Sojaextraktionsschrot, Trockenbierhefe, Luzerne oder auch
Kasein (Milchprotein). Kasein wird allerdings nur sehr ungern von
Pferden gefressen. Sogenannte „Milchaustauscher für Fohlen“ enthalten neben Kasein auch den für viele Pferde sehr schmackhaften
Milchzucker. Sie können in begrenzten Mengen an Sportpferde verfüttert werden (10–50 g/100 kg Körpermasse pro Tag).
Die Kraftfutteraufnahme kann zu gesundheitlichen Störungen
beim Sportpferd beitragen. Für das Verfüttern von Getreide oder
Mischfutter gilt, dass eine tägliche Aufnahme von mehr als 2,5 kg/
Tag ( bei etwa 600 kg Körpermasse) das Kolikrisiko auf das 4,8-fache
„Urkraft-Leinöl-Spezial
in der Sportpferdefütterung“
•eiweiß-&stärkefreierEnergielieferant
(derEnergiegehaltvon100gLeinöl≙ 300gHafer)
•fördertdieFließfähigkeitdesBlutes,beugtMuskel-
Schweiß­
zusammensetzung
beim Pferd:
5,5 g/l Chlorid
3,1 g/l Natrium
1,6 g/l Kalium
0,12 g/l Kalzium
0,05 g/l Magnesium
<10 mg/l Phosphor
11 mg/l Zink
5 mg/l Eisen
0,3 mg/l Kupfer
Spuren von Selen
erhöht. Liegt der tägliche Verzehr über 5 kg steigt das Risiko sogar
auf das 6,3-fache. Durch die Aufnahme großer Mengen von Stärke
aus dem Ergänzungsfutter oder Getreide können Dickdarmübersäuerungen, Koliken oder Hufrehe ausgelöst werden. Auch Magengeschwüre werden mit einer hohen Kraftfutteraufnahme in Verbindung
gebracht. Wegen der Häufigkeit von Magen-Darm-Störungen sollte
die Kraftfuttermenge pro Mahlzeit und Tag limitiert werden.
Bei sehr hoher Leistung wird eine maximale Kraftfutteraufnahme von 0,3 kg/100 kg Körpermasse pro Mahlzeit und maximal 1 kg
Kraftfutter/100 kg Körpermasse pro Tag empfohlen. Für Pferde mit
Muskelproblemen muss der Kraftfutteranteil weiter reduziert werden (siehe Artikel „Mehr als nur Muskelkater“, S. 29 ff.).
Neben dem Getreide verdienen Fette als Energiequelle in der
Fütterung besondere Aufmerksamkeit. Zum Einsatz kommen beim
Pferd Soja-, Sonnenblumen- und Maiskeimöl. Nach langsamer
Eingewöhnung sind maximale Tagesmengen von 100 ml/100 kg
Körpermasse möglich. Auch Leinöl (0,2–0,5 ml/kg/Tag) wird in der
Sportpferdefütterung häufig verwendet, denn es enthält einen großen Anteil entzündungshemmender Omega-3-Fettsäuren.
Obwohl Fette beim Pferd hochverdaulich sind, hat ihr Einsatz als
Mischfutterbestandteil oder Einzelfuttermittel Grenzen. Bei zu hohen Gaben können erhebliche Fettmengen in den Dickdarm abfließen und zu schweren Verdauungsstörungen führen. Die Fettmenge
in der Gesamtration sollte daher zehn Prozent pro Tag nicht überschreiten.
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Die hohen Schweißverluste des Pferdes bei intensiver Arbeit führen temporär zu einem hohen Flüssigkeits- und Elektrolytdefizit. Da
Abbildung 2: Durch Raufutter können Wasser
und Elektrolyte im Dickdarm besser gebunden werden.
Foto: Melve/fotolia.de
Gut versorgt?
Häufig sollen Blutproben die Frage klären, ob ein
Sportpferd ausreichend mit Eiweiß, Elektrolyten oder
Spurenelementen versorgt ist. Die meisten Parameter
im Blut wie Eiweiß, Natrium, Chlorid oder Zink sind jedoch ungeeignet, um die entsprechende Versorgung zu
überprüfen. Allenfalls die Selenbestimmung im Plasma
bzw. Serum korrespondiert mit der aktuell aufgenommenen Selenmenge und Veränderungen in der Selenzufuhr werden innerhalb weniger Tage im Plasma bzw.
im Serum reflektiert. Die Rationsüberprüfung ist daher
besser geeignet, um den Versorgungsstatus des Sportpferdes zu kontrollieren.
weder Schweißmenge noch -zusammensetzung verändert werden
können, ist das Pferd auf die Zufuhr von Elektrolyten angewiesen.
Hohe Schweißmengen von beispielsweise 10 l ergeben Natriumchlorid-Verluste von rund 80 g bei einem 600 kg schweren Pferd. Die
massiven Elektrolytverluste über den Schweiß können zu Störungen
im Säuren-Basen-Haushalt und Muskelstoffwechsel führen. In der
Praxis werden üblicherweise Salzlecksteine mit 38 Prozent Natrium und 62 Prozent Clorid verwendet – in der Hoffnung, das Pferd
könne die Salzaufnahme bedarfsdeckend selber regulieren. Eine
Fehleinschätzung: Durch den Leckstein ist eine maximale Salzaufnahme von rund 10–20 g zu erwarten. Bei intensiver Arbeit mit hohen Schweißverlusten muss daher nicht jodiertes, nicht fluoriertes
Salz gezielt über das Futter ergänzt werden. Da viele Pferde das Salz
nicht freiwillig aufnehmen, kann es in schmackhaften Futtermitteln
wie Apfelmus, eingeweichten Grünmehlpellets oder Rübenschnitzeln „versteckt“ werden.
Ungeeignet zur Deckung des Salzbedarfs sind sogenannte Leckmassen, die neben Natriumchlorid weitere Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine enthalten und damit möglicherweise zu einer
unnötig hohen Zufuhr dieser Nährstoffe führen. Auch kommerzielle
Ergänzungsprodukte enthalten häufig nicht genügend Elektrolyte,
um die erheblichen Salzverluste über den Schweiß auszugleichen.
Grundsätzlich muss ein Pferd, das Salz erhält, immer Wasser zur
freien Verfügung haben, denn Salz verursacht Durst. In das Tränkwasser sollte das Salz zur Elektrolytversorgung nicht eingemischt
werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Pferde nicht ausreichend Wasser aufnehmen.
Die Kaliumversorgung ist selbst bei hohen Schweißverlusten in
der Regel unproblematisch. Über das Raufutter wird Kalium in ausreichenden Mengen aufgenommen. Magnesium, welches über den
Schweiß kaum verloren geht, ist in der Regel ebenfalls ausreichend
im Raufutter vorhanden. Nur in sehr wenigen Einzelfällen muss
beim Sportpferd gezielt Magnesium ergänzt werden.
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
39
Fütterung
Tabelle 2: Praktische Rationsbeispiele
Pferd mit leichter Arbeit, 600 kg, ca. 1 Stunde „lockeres“ Reiten pro Tag (z. B. Gelände, Reitplatz, Bodenarbeit),
Gesamtration inkl. Heu auf mindestens zwei Mahlzeiten verteilen
Menge/Tag
Futtermittel
12 kg
Heu (Mitte Blüte)
100 g
Vitaminiertes Mineralfutter (beachte Herstelleranweisung)
10-30 g
Viehsalz (z. B. im Sommer bei sichtbaren Schweißverlusten, einmischen z. B. in Apfelmus oder Grünmehl)
Salzleckstein
Pferd mit mittlerer Arbeit, 600 kg, ca. 1,5-2 Stunden Reiten pro Tag (z. B. Gelände, intensives Reiten auf dem Reitplatz),
Gesamtration auf mindestens drei Mahlzeiten verteilen
Menge/Tag
Futtermittel
10-12 kg
Heu (Beginn Blüte)
1,5-2,5 kg
Getreide (z. B. Hafer und/oder Maisflocken)
200 ml
Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl)
50-100 g
Sojaextraktionsschrot oder Trockenbierhefe
100 g
vitaminiertes Mineralfutter (beachte Herstelleranweisung)
20-50 g
Viehsalz (z. B. im Sommer bei sichtbaren Schweißverlusten, einmischen z. B. in Apfelmus oder Grünmehl)
Salzleckstein
Pferd mit mittlerer Arbeit, 600 kg, ca. 1,5-2 Stunden Reiten pro Tag (z. B. Gelände, intensives Reiten auf dem Reitplatz),
Gesamtration auf mindestens drei Mahlzeiten verteilen
Menge/Tag
Futtermittel
10-12 kg
Heu (Beginn Blüte)
1,5-2,5 kg
Ergänzungsfutter (z. B. Corn Müsli)
1 kg
Luzernehäcksel
100-200 ml
Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl)
20-50 g
Viehsalz (z. B. im Sommer bei sichtbaren Schweißverlusten, einmischen z. B. in Apfelmus oder Grünmehl)
Salzleckstein
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Abbildung 3: Pferde trinken gerne
von offenen Wasserflächen.
Foto: Sven Cramer/fotolia.de
Trotz der zum Teil erheblichen Wasserverluste nehmen Pferde
nach der Arbeit häufig spontan kein Wasser auf. Die Elektrolytkonzentrationen im Blut, insbesondere die Natriumkonzentration, ändern sich durch die Schweißverluste nicht oder nehmen sogar ab.
Ein Durstgefühl entsteht nur, wenn die Konzentration an Natrium im
Blut zunimmt. Ein spezielles Anliegen im Trainingsprogramm sollte demnach das Antrainieren der Wasseraufnahme während langer
Belastungen und danach sein. Dies verbessert den Wasserhaushalt
erheblich. Auch bei Transporten oder auf Turnieren, zum Beispiel
in Gastboxen, sollte stets auf eine kontinuierliche Wasserversorgung
geachtet werden.
Ergänzungspräparate sind kein Ersatz
Vor und nach der Arbeit gut versorgt
Besonders bei der Gabe großer Kraftfuttermengen ist es wichtig, die
Ration über den Tag auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen. Im Hinblick
auf die Energie- und Elektrolytversorgung gilt es als optimal, wenn die
Arbeit drei bis fünf Stunden nach der Kraftfuttergabe beginnt. Raufutter kann hingegen bis kurz vor der Belastung verfüttert werden.
Auch Wasser sollte dem Pferd bis unmittelbar vor Arbeitsbeginn
zur Verfügung stehen. Ein Wasserentzug erhöht nicht nur das Kolikrisiko, sondern hat auch negative Folgen für den Wasserhaushalt
während der Belastung.
Nach intensiver Arbeit sollte das Kraftfutter erst nach drei bis vier
Stunden vorgelegt werden. Heu oder Gras können hingegen zügig
verfüttert werden, sobald die Atem- und Herzfrequenz sich normalisiert haben.
Auf dem Markt sind viele Ergänzungsprodukte erhältlich, die leistungssteigernd wirken sollen (Tab. 1). Die meisten Substanzen zeigen in Untersuchungen allerdings keine Wirkung, so zum Beispiel
Kreatin als energiereiches Substrat oder Bikarbonat als Puffer gegen
Übersäuerung. Vielfach wurden die angebotenen Substanzen überhaupt nicht in Studien beim Pferd getestet – unter anderem Lactanasen zum Abbau von Milchsäure. Es würde den Rahmen des Artikels
sprengen, auf alle Substanzen näher einzugehen, zumal einige, zum
Beispiel gamma-Oryzanol, dopingrelevant sind. Letztlich kann kein
Ergänzungsprodukt eine raufutterreiche Fütterung, eine dem Lauftier Pferd angepasste Haltung und ein regelmäßiges Training ersetzen. W
Über die Autorin
Dr. med. vet. Ingrid Vervuert ist Privatdozentin am Institut für T­ ier­ernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der
Veterinär­medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.
Als Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik forscht
sie auf dem Gebiet der Fütterung von Pferden.
Besondere Schwerpunkte sind aktuell die Stärkefütterung
beim Pferd, das metabolische Syndrom, Mykotoxine und
Mineralstoffe in der Pferdefütterung.
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
41
© hemlep/fotolia.de
Zucht
Hormone unter Kontrolle
Möglichkeiten zur Kontrolle des Sexualverhaltens
bei Stute und Hengst
Jasmin Walter
W Das Sexualverhalten von Stuten und Hengsten kann ein erfolgreiches Training und die Teilnahme an Wettkämpfen erheblich erschwe-
ren, da sich Rosse- und Hengstverhalten häufig negativ auf die Leistungsbereitschaft der Tiere auswirken. Selbst das alltägliche Handling
kann zur Qual werden. So entsteht der Wunsch, die Geschlechtshormone zu regulieren und dieses Verhalten zu kontrollieren. Da gerade
die equinen Hochleistungssportler häufig ein wertvolles genetisches Potenzial besitzen, sollte das Unterdrücken unerwünschten Sexualverhaltens nicht nur frei von Nebenwirkungen, sondern auch reversibel sein.
Bei der Stute die Rosse unterdrücken
Typisches unerwünschtes Dominanzverhalten der Stute in der Rosse sind Schweifschlagen, übermäßiges Urinieren, Klitorisblitzen,
Quietschen, Schlagen oder einfach allgemeine Lustlosigkeit beim
Training. Ausgelöst wird das Rosseverhalten durch den Einfluss des
Sexualhormons Östrogen in Abwesenheit des Trächtigkeitshormons
Progesteron (Abb. 1). Die Rossesymptome sind von Stute zu Stute
unterschiedlich ausgeprägt. In der Regel sind sie gut kontrollierbar,
jedoch gibt es immer wieder Fälle, in denen die Rosse die Rittigkeit
enorm einschränkt.
Neben dem Verhalten wird auch das muskuläre System von den
Geschlechtshormonen beeinflusst. Die Muskulatur entspannt sich
unter dem Einfluss von Östrogen, sodass Erkrankungen des Bewegungsapparates sich verschlimmern können. Einige Stuten reagieren
bei rektalen Untersuchungen während der Rosse sensibel, wenn der
42
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Eierstock berührt wird. Dieser Schmerz kann bei starker Ausprägung
bis zu Koliksymptomen führen.
Stuten sind saisonal zyklische Tiere, was bedeutet, dass sie zumindest in freier Wildbahn im Winter eine Phase zyklischer Inaktivität
haben. Aber auch in dieser sexuellen Ruhephase wird gelegentlich
Rosseverhalten gezeigt. Dies ist auch ohne eine tatsächliche Aktivität
des Eierstocks möglich.
Bevor regulatorische Maßnahmen ergriffen werden, sollte ausgeschlossen werden, dass das unerwünschte Verhalten oder die Symptome zyklusunabhängig sind. Viele der Symptome können auch
nerval oder orthopädisch bedingt sein. Die typischen Verhaltensweisen während der Rosse können, wenn sie zyklusunabhängig auftreten, fälschlicherweise zur Diagnose einer Rosse führen. Ängstliche
Stuten können beispielsweise auch in Gefahrensituationen urinieren. Allgemein verleiten wiederkehrend auftretende Verhaltensprobleme dazu, eine Assoziation mit der Rosse herzustellen, da ohne
1
Hormonelle Regulation
2
Der Zyklus der Stute
Zwischenrosseintervall (14 - 16 Tage)
Ohne Signal eines einnistenden Embryos
wird von der Gebärmutter ein Hormon
(Prostaglandin) gebildet das den Gelbkörper
am 14. Tag nach dem Eisprung auflöst.
Es wird kein Progesteron mehr
gebildet und mit einem Follikel
aus der 2. Anbildungswelle
entsteht eine neue Rosse.
Auch während des
Zwischenrosseintervalles, unter dem
Einfluss von Progesteron, finden auf den
Eierstöcken Follikelanbildungswellen statt.
In der Regel kommt es hierbei nicht zu
Rossesymptomen oder zum Eisprung.
3
Rosse (5 - 7 Tage)
Ein Follikel setzt sich gegen
die weiteren heranwachsenden
Follikel der 2. Anbildungswelle
durch und reift zum sprungreifen Follikel heran. Ein bis
zwei Tage vor Ende der äußeren
Brunstsymptome findet der
Eisprung (Ovulation) statt.
Der Gelbkörper entsteht aus dem
gesprungenen Follikel. Er produziert das
Trächtigkeitshormon (Progesteron), welches
die Entwicklung der Rosse bis zur
Rückbildung des Gelbkörpers unterdrückt.
Abbildung 1 : Hormonelle Regulation der zyklischen Aktivität der Stute mit
Ansatzpunkten für die Unterdrückung unerwünschten Sexualverhaltens.
Abbildung 2: Der Eierstockszyklus der Stute. Während des Zyklusintervalls
von ca. 21 Tagen finden zwei Follikelanbildungswellen statt.
Abbildung 3: Gelbkörper auf dem Eierstock einer Stute. Der Gelbkörper
bildet Progesteron (Trächtigkeitshormon), das die Symptome einer
Verhaltensrosse unterdrückt.
gynäkologische Untersuchung nur die Interpretation des Verhaltens
zur Rosseansprache genutzt werden kann. In solchen Fällen ist es
hilfreich, die äußeren Rossesymptome im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung durch die Rosseanzeichen an den Genitalorganen (Follikel auf dem Eierstock, Radspeichenphänomen an der
Gebärmutter, offener Gebärmutterhals) bestätigen zu lassen. Sind
die Zyklusphasen nicht klar diagnostizierbar, sollten Hormonuntersuchungen (Östradiol-17β, Progesteron, Testosteron) durchgeführt
werden. Gelegentlich wird auch Hengstverhalten bei Stuten mit Rosseanzeichen verwechselt. Zeigt eine Stute Hengstverhalten, muss ein
Eierstocktumor mithilfe von Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke und Hormonanalysen ausgeschlossen werden.
Trächtigkeitshormon verabreichen
Eine sichere Option zum Unterdrücken der Rosse ist es, Sub­stanzen
zu verabreichen, die analog zum Trächtigkeitshormon Progesteron
wirken. Sie gaukeln der Stute hormonell eine vorhandene Trächtigkeit vor, was durch ein negatives Feedback auf die übergeordneten
Regulationszentren der Zyklussteuerung im Gehirn, Hypothalamus
und Hirnanhangsdrüse, erreicht wird (Abb. 1 und 2). In dieser Kategorie steht in Deutschland der für Pferde zugelassene Wirkstoff Altrenogest zur Verfügung. Es handelt sich hierbei um eine ölige Lösung,
die täglich oral verabreicht wird. Mithilfe dieses Wirkstoffes kann die
Rosse ohne Risiken für die weitere Fruchtbarkeit über einen längeren Zeitraum unterdrückt werden.
Die Dauermedikation ist jedoch aus Kostengründen oftmals keine befriedigende Option. Außerdem kann das Hormon Progesteron
einen negativen Einfluss auf die Abwehrkräfte in der Gebärmutter
haben und im Zusammenspiel mit anderen Faktoren, insbesondere
bei Stuten mit entsprechenden Vorerkrankungen, Infektionen und
Entzündungen des Geschlechtstraktes begünstigen. Als Alternative
zur kontinuierlichen Verabreichung kann eine kurzzeitige Behandlung drei bis vier Tage vor dem Wettkampf begonnen werden, um unerwünschte Effekte der Rosse während des Turniers zu verhindern.
Wer Altrenogest verabreicht, sollte Handschuhe tragen, da das
Arzneimittel über die Haut aufgenommen werden kann. Schwangere sollten jeglichen Kontakt vermeiden. Zu beachten bleibt, ob die
Turnierteilnahme unter dem hormonellen Einfluss von Altrenogest
nach Reglement der zuständigen Pferdesportvereinigung erlaubt ist.
Sowohl die Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der
Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) als auch das Regelwerk der
Fédération Equestre Internationale (FEI) erlauben den Turnierstart
von Stuten unter dem Einfluss von Altrenogest (zum Redaktionsschluss dieses Artikels). Die FEI fordert die Meldung der Medikation
vor dem Start mit einem eigens dafür vorgesehenen Formular in den
Veterinary Regulations.
Dem Gelbkörper eine Trächtigkeit vortäuschen
Eine Trächtigkeit vorzutäuschen ist eine weitere Möglichkeit, die
Stute unter einem ähnlichen Einfluss wie während der Trächtigkeit
zu halten. So kann die körpereigene Progesteronproduktion durch
den Gelbkörper (Abb. 3) aufrechterhalten werden. Wird eine Stute
trächtig, sendet der Embryo ein bisher noch nicht bekanntes Signal
aus, das die Rückbildung des Gelbkörpers verhindert.
Um die Rosse reversibel zu unterdrücken, können eine bis drei
Glas- oder Plastikmurmeln in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Warum genau sich die Zwischenrossephase bei dieser Methode verlängert, ist noch nicht schlüssig aufgeklärt. Es wird vermutet, dass
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
43
Zucht
Abbildung 4: Im Wettkampf
ist der Einsatz von Altrenogest bei Hengsten nach FNund FEI-Reglement verboten.
Foto: Gabriele Arndt/fotolia.de
die Kugeln entweder ein Stadium einer Scheinträchtigkeit hervorrufen oder aber eine entzündliche Reaktion verursachen. In etwa
40 (bis zu 75) Prozent der Fälle soll das Einsetzen der Murmeln zu
einer verlängerten Gelbkörperfunktion mit Progesteronproduktion
für 60–90 Tage führen. Weil es jedoch auch Untersuchungen gibt, in
denen kein Effekt auf das Rosseverhalten feststellbar war, zählt das
Einsetzen der Kugeln zu den weniger sicheren Methoden.
In der Regel wird innerhalb von 24 Stunden nach dem Eisprung
eine 35 mm große sterilisierte Glaskugel in den Gebärmutterkörper
eingesetzt. Auch mit wassergefüllten Plastikkugeln konnte ein ähnlicher Effekt erzielt werden. Das Einlegen zwischen Tag 2 und 4 nach
dem Eisprung resultierte laut einer 2008 in der Zeitschrift Animal
Reproduction Science veröffentlichten Studie bei 75 Prozent der Stuten in einer verlängerten Zwischenrossephase von durchschnittlich
57 Tagen. Die Behandlung hat in der Regel keine nachteiligen Effekte
auf die Gebärmutter. Es sollte jedoch vorher ausgeschlossen werden,
dass die Gebärmutterschleimhaut entzündlich verändert ist, da es
bei dem Eingriff ein gewisses Risiko einer bakteriellen Kontamination der Gebärmutter gibt. Die verlängerte Zwischenrossephase tritt
gelegentlich erst verzögert ein, sodass durchaus noch ein bis zwei
weitere Rossen stattfinden können. Ansonsten liegt das größte Risiko dieser Methode darin, dass die Rossesymptome eventuell nicht
erfolgreich durch die Therapie unterdrückt werden. Die Dauer der
Rosseunterdrückung ist ebenfalls nicht kalkulierbar: Neben individuell unterschiedlichen Reaktionen auf das Einsetzen kann es unbemerkt zum vorzeitigen Verlust der Murmeln kommen.
Entnommen werden die Murmeln in der Rosse, da hierzu der Gebärmutterhals optimal geöffnet sein sollte. Dieser ist jedoch in der
Regel nicht für die Hand passierbar, sodass die Kugeln vom Darm
aus (transrektal) in der Gebärmutter in Richtung Gebärmutterhals
und Scheide massiert werden. Wird eine Kugel nicht entnommen,
könnte sie für Jahre in der Gebärmutter liegen bleiben. Im Falle eines
Verkaufs der Stute weiß der neue Besitzer eventuell nichts von der
Murmel. Dies sollte bedacht werden, wenn eine Stute unfruchtbar ist
und die Ursachen abgeklärt werden. Auch kann das Zerbrechen der
Glasmurmeln ein gesundheitliches Risiko für die Stute darstellen.
Einen ähnlichen Effekt wie die Applikation von Kugeln haben
auch minimale Mengen (1 ml) pflanzlicher Öle wie Kokosnuss- und
Erdnussöl, die in die Gebärmutter eingelegt werden. Dieser Effekt
44
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
wurde erst 2010 im Rahmen einer von Wilsher und Allen im Equine Veterinary Journal veröffentlichten Studie über die Rolle von
Östrogenen bei der Erkennung der Frühträchtigkeit festgestellt. Im
Rahmen dieser Studie wurde ein Teil der untersuchten Stuten mit in
Kokosnussöl aufgelösten Östrogenen behandelt. Zur Kontrolle wurde eine zweite Gruppe nur mit Kokosnuss- und Erdnussöl behandelt.
Dabei wurde festgestellt, dass die beiden Öle auch ohne Zusatz des
Hormons zu einer verzögerten Rückbildung des Gelbkörpers führen.
Es wird spekuliert, dass die Fettsäuren dieser pflanzlichen Öle Einfluss auf die Prostaglandinproduktion nehmen.
Der Erfolg dieser Behandlung hängt stark vom Anwendungszeitpunkt ab. Erfolgsraten von über 90 Prozent wurden am zehnten Tag
nach dem Eisprung erreicht. Wichtig ist hierbei, dass der Zeitpunkt
des Eisprungs genau bestimmt wird, da die Erfolgsraten schon bei
der geringen zeitlichen Abweichung von zwei Tagen früher oder später deutlich sinken. Pflanzenöl in die Gebärmutter zu verabreichen,
erscheint somit als vielversprechende Möglichkeit zur Rosseverschiebung. Vorteile gegenüber dem Einsetzen von Murmeln in die
Gebärmutter scheinen bessere Erfolgsraten und das Wegfallen der
Entnahme der Kugeln zu sein. Ein Nachteil ist allerdings, dass der
genaue Zeitpunkt des Eisprungs festgestellt werden muss. Dies erfordert wiederholte Follikelkontrollen und verursacht somit zusätzliche
Kosten. Des Weiteren wurde der Einsatz dieser Methode unter Praxisbedingungen noch nicht untersucht.
Eine hormonelle Möglichkeit zur Hemmung der Gelbkörperrückbildung ist auch die Applikation von Oxytocin, einem Hormon
aus der Hirnanhangsdrüse, das an der Freisetzung von Prostaglandin F2α aus der Gebärmutterschleimhaut beteiligt ist (Abb. 1). Mit
einer Injektion von 60 IE Oxytocin einmal täglich zwischen Tag 7 bis
14 nach dem Eisprung zeigten 63 Prozent der Stuten in aktuell veröffentlichten Untersuchungen von Vanderwall und Kollegen (2012)
eine verlängerte Gelbkörperphase von mindestens 50 Tagen. Die
zweimal tägliche Verabreichung erbrachte nur geringfügig bessere
Erfolgsraten (71 Prozent) . Diese Methode ist somit zwar nicht ganz
so zuverlässig wie die Applikation von Pflanzenöl, allerdings scheint
sie vielversprechender als das Einsetzen von Murmeln in die Gebärmutter. Ein Vorteil ist, dass die Wirkung der Oxytocin-Behandlung jederzeit unterbrochen werden kann, indem der Stute ein analog dem
Prostaglandin F2α wirkendes Medikament verabreicht wird.
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Zucht
Gegen das zentrale, rossesteuernde Hormon impfen
Gonadotropin-Releasing Hormon (GnRH), freigesetzt aus dem
Gehirn, ist das zentrale Element, das die Entwicklung der Rossesymptome steuert. Die Impfung gegen GnRH, die sogenannte immunologische Kastration, ist eine elegante Lösung, um die zyklische
Aktivität zu unterdrücken. Die Injektion des Impfstoffes stimuliert
das Immunsystem, Antikörper gegen das Hormon zu produzieren,
und hat zur Folge, dass das im Blut zirkulierende körpereigene GnRH
von den Antiköpern ausgeschaltet wird. Dies stoppt die gesamte
hormonelle Regulation des Sexualzyklus an oberster, zentraler Stelle (Abb. 1). Für die Kontrolle des Rosseverhaltens bei Stuten, für die
kein späterer Zuchteinsatz geplant ist, gibt es allerdings lediglich in
Australien einen zugelassenen Impfstoff.
Nach zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen zur Grund­
immunisierung sollte innerhalb von weiteren zwei Wochen eine
Aktivität der Eierstöcke erreicht werden, die der zyklisch inaktiven
Phase im Winter entspricht. Die zyklische Pause variiert in verschiedenen Untersuchungen zwischen 23 und 70 Wochen und zeigt, insbesondere bei älteren Stuten, starke individuelle Variationen. Soll die
Rosse langfristig unterdrückt werden, muss die Impfung regelmäßig
wiederholt werden. Insgesamt sind die Effekte auf das Rosseverhalten sehr zufriedenstellend, nur gelegentlich zeigen die Stuten trotz
Impfung und ovarieller Ruhephase noch Rosseverhalten.
In den meisten Fällen ist der Effekt der Impfung reversibel und
die Stuten können innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Impfung wieder trächtig werden. Vereinzelt kann die Zyklusruhe jedoch
schon nach der Grundimmunisierung für mehr als zwei Jahre anhalten. Der australische Impfstoff ist nur für Stuten zugelassen, die nicht
zur Zucht genutzt werden sollen, da eine irreversible Unterdrückung
der zyklischen Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann, insbesondere wenn die Impfung häufig wiederholt wird. Es bleibt somit
sorgfältig abzuwägen, ob die Stute nach dem Ende ihrer Sportkarriere als Zuchtstute genutzt werden soll.
Eine vorangegangene Impfung gegen GnRH ist in Ländern, in
denen diese zur Verfügung steht, eine mögliche Ursache für eine
mangelhafte zyklische Aktivität von Stuten nach einer Sportkarriere.
Erhöhte Antikörpertiter im Blut der Stute könnten hierfür einen zusätzlichen Hinweis geben.
Hormonelle Alternativen zur Impfung
Stoffe, die analog zu GnRH wirken, können die Hirnanhangsdrüse
gegenüber der GnRH-Wirkung desensibilisieren, wenn sie in hoher
Dosierung über einen längeren Zeitraum verabreicht werden. Damit
hemmen sie die Bildung und Freisetzung des Follikel stimulierenden
Hormons (FSH) und des Eisprung auslösenden Hormons (luteinisierendes Hormon, LH).
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Eingesetzt werden könnten hierfür beispielsweise DeslorelinImplantate, die üblicherweise angewendet werden, um den Eisprung
im Rahmen der künstlichen Besamung zu terminieren. Wurden zwei
oder drei Implantate gleichzeitig gesetzt, kam es in Studien mit variierendem Erfolg zur Unterdrückung der Eierstocksfunktion mit einem
verlängerten Zwischenrosseintervall von zirka 37 Tagen. Damit ist allerdings sowohl die Erfolgsrate niedriger als auch die Zyklusruhe kürzer als bei anderen Methoden zur reversiblen Rosseunterdrückung.
Die Rosse durch Kastration permanent unterdrücken
Eine nicht wieder rückgängig zu machende Lösung zur Unterdrückung des Rosseverhaltens ist die operative Entnahme der Eierstöcke (Ovariektomie). Danach gibt es selbstverständlich keinerlei
Möglichkeit, die Stute nach dem Ende ihrer aktiven Sportkarriere
züchterisch zu nutzen. Bei den klassischen chirurgischen Zugängen
in Rückenlage über einen Bauchschnitt oder über das Scheidendach
traten immer wieder schwerwiegende Komplikationen wie Blutungen, Wundinfektionen, Bauchfellentzündungen und Koliken auf.
Heutzutage gibt es zum Entfernen der Eierstöcke in manchen Kliniken jedoch schonende minimalinvasive Operationsverfahren. In
einer in der Zeitschrift Veterinary Surgery veröffentlichten Studie
wurden 157 Fälle rückblickend ausgewertet: Die Komplikationsrate
für dieses Verfahren lag bei nur noch 10,8 Prozent im Vergleich zu
25 Prozent bei den konventionellen Operationsverfahren. Zu tödlichen Zwischenfällen kam es nicht.
Nicht in allen Fällen tritt durch die Kastration der gewünschte
Effekt auf das Verhalten ein. 35 Prozent der Stuten nach Ovariektomie änderten ihr Verhalten nicht in gewünschter Weise, so eine
rückblickende Auswertung der Verhaltensänderungen in 23 Fällen,
die 1993 im Journal of the American Veterinary Medical Association
veröffentlicht wurde. Die Stute scheint sehr empfindlich auf geringe Mengen männlicher Sexualhormone (Androgene) zu reagieren,
die ständig von der Nebennierenrinde produziert werden. Dies kann
den erwünschten Erfolg der Kastration verhindern. Diese Hormonproduktion der Nebennierenrinde ließe sich durch Cortison (Dexamethason) unterdrücken, doch dies würde bei einem Turnierstart
als Doping gelten. Eine Option für Turnierpferde wäre in diesem Fall
das zusätzliche Verabreichen von Altrenogest, das analog zu Progesteron wirkt. Dies unterdrückt in der Regel sowohl bei unkastrierten
als auch bei kastrierten Stuten erfolgreich die Rosse.
Hengstverhalten temporär regulieren
Das Hengstverhalten erschwert den Umgang mit den Tieren nicht
nur für den Menschen, sondern schränkt auch die Haltung mit Artgenossen ein. Daher werden Hengste, die nicht für eine züchterische
Nutzung vorgesehen sind, in der Regel chirurgisch kastriert. Diese
Operation ist anders als die Kastration der Stute ein Routineeingriff,
die überwiegende Zahl der männlichen Pferde sind Wallache. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen Alternativen zur chirurgischen Kastration gesucht werden, sei es, weil die Fruchtbarkeit des
Hengstes erhalten bleiben soll oder weil der chirurgische Eingriff mit
zu großen Risiken verbunden wäre, beispielsweise aufgrund eines
erhöhten Narkoserisikos im fortgeschrittenen Alter.
Die Therapieansätze sind dabei ähnlich wie bei der Stute, da die
übergeordneten regulativen Zentren bei männlichen und weiblichen
Individuen analog zueinander die Ausschüttung der Geschlechtshor-
mone regulieren (Abb. 1). Auch bei Hengsten zeigt Altrenogest einen
positiven Einfluss auf unerwünschte sexuelle und aggressive Verhaltensmuster. Es soll das zentrale Nervensystem beeinflussen und daher
zusätzlich beruhigend auf die Tiere wirken, was den erfolgreichen Einsatz gegen aggressives Verhalten beim Wallach erklären könnte.
Allerdings ist der Wirkstoff in Deutschland nicht für den Einsatz
beim männlichen Tier zugelassen und die Dauermedikation wäre
ohnehin ein sehr kostspieliges Unterfangen. Unbedingt zu beachten
bleibt, dass der Einsatz von Altrenogest bei Hengsten im Wettkampf
sowohl nach FN- als auch FEI-Reglement verboten ist. Somit ist auch
die kurzfristige Therapie für den Turniereinsatz keine Option.
Auch die immunologische Kastration wurde im Rahmen von diversen Studien am Hengst getestet. Eine dreimalige Impfung mit
dem gleichen Impfstoff gegen GnRH, der in Australien zur Behandlung von Stuten zugelassen ist, in Abständen von vier und acht Wochen unterdrückte die Testosteron-Ausschüttung und reduzierte in
der Folge das sexuelle Verhalten für mindestens sechs Monate bei
vier von fünf behandelten Hengsten, so die Ergebnisse einer 2009 in
der Zeitschrift Animal Reproduction Science veröffentlichten Studie.
Eine verlässliche Unfruchtbarkeit wird durch die Impfung jedoch
nicht erreicht. Auch wenn die Hengste in der Regel nach der Impfung wieder zu ihrer früheren Fruchtbarkeitsleistung zurückkehren,
gibt es – wie bei der Stute – Fälle, in denen die Wirkung über den gewünschten Zeitraum hinaus anhält.
Zusammenfassend bleibt die chirurgische Kastration beim
Hengst sicher die Methode der Wahl, um dauerhaft Problemen mit
Artgenossen vorzubeugen, eine artgerechte Haltung zu ermöglichen
und das tägliche Handling und Training zu erleichtern.
Das individuell richtige Verfahren finden
Es steht somit eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um geschlechtsspezifische Verhaltensprobleme bei Stute und Hengst zu
beeinflussen. Keine davon garantiert jedoch einen Erfolg und ist in
jedem Fall geeignet. Die Entscheidung, welche Methode im Einzelfall die richtige ist, sollte gemeinsam von Besitzer und Tierarzt entschieden werden, nachdem die Symptome gründlich abgeklärt und
das Pferd klinisch, gynäkologisch oder andrologisch untersucht wurde. Bei der Entscheidung für eine der aufgeführten Methoden müssen insbesondere die arzneimittelrechtlichen Vorschriften sowie bei
Turnierpferden die Anti-Doping-Regularien der entsprechenden
Pferdesportvereinigungen beachtet werden.
Hat die gewählte Methode nicht den gewünschten Effekt, kann
dies auch daran liegen, dass die Tiere ihre ursprünglich noch hormonell verursachten Symptome in ihr Verhaltensrepertoire übernommen haben. In diesen Fällen muss auch erzieherisch eingegriffen
werden, damit antrainierte Verhaltensmuster wieder abgelegt werden. W
Literatur bei der Autorin.
Über die Autorin
Dr. med. vet. Jasmin Walter ist Oberärztin in der Klinik für
Reproduktionsmedizin der Vetsuisse-Fakultät Universität
Zürich. Sie ist Fachtierärztin für Reproduktionsmedizin und
Diplomate des European College of Animal Reproduction
(ECAR).
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
47
Ausbildung/Sport
Abbildung 1: Satteldruckmessmatte zwischen Sattel und
Pferderücken. Reiterin mit Datenloggersystem.
Passt, wackelt und hat Luft
Satteldruckmessung zur objektiven Überprüfung
des Systems Reiter-Sattel-Pferd
Katja Geser-von Peinen
W Schwache Leistung, Rittigkeitsprobleme oder Rückenbeschwerden: Die Ursache ist nicht selten ein schlecht passender Sattel. Die Pass-
form von Sätteln und ihren Unterlagen wird noch immer vorwiegend subjektiv am stehenden Pferd beurteilt. Durch eine Satteldruckmessung kann die Druckverteilung in der Bewegung dargestellt und objektiv beurteilt werden. So lassen sich die Abläufe unter dem Sattel
besser verstehen und Probleme aufzeigen. Die Ergebnisse aus der Wissenschaft können dabei helfen, für jedes Pferd-Reiter-Paar einen
individuell passenden Sattel zu finden.
Vor knapp zwei Jahrzehnten leistete die Tierärztin Joyce Harman Pionierarbeit zur Satteldruckmessung. Als eine der Ersten verwies sie
auf den Missstand einer schlechten Sattelpassform und deren Auswirkung auf die Rückengesundheit der Pferde. Sie war es auch, die
Sättel sehr passend mit Turnschuhen verglich. Bei diesem Beispiel
wird schnell klar, dass Anpreisungen wie „dieser Sattel passt allen
Pferden“ so wenig wahr sein können wie die Behauptung, dass es
einen Schuh gibt, der an alle Füße passt. Um bestehende Aussagen
über Sättel und Zubehör objektiv zu überprüfen, führte Harman erstmals Untersuchungen mithilfe einer elektronischen Druckmessmatte unter dem Sattel durch.
Der Druck unter dem Sattel
Zurzeit sind verschiedene Systeme zur Druckmessung erhältlich, die
grundsätzlich ähnlich funktionieren. Der größte Unterschied zwischen den Systemen sind die Art und Größe der Drucksensoren. An
der Pferdeklinik in Zürich wird seit 2002 mit dem System Pliance X
48
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
der Firma Novel GmbH aus München gearbeitet. Das System besteht
aus einer drucksensitiven Matte mit 256 druckempfindlichen Sensoren, die mit einem batteriebetriebenen Datenlogger verbunden sind
(Abb. 1). Dieser zeichnet die Messdaten auf und sendet sie gleichzeitig via Bluetooth auf einen Laptop. Die Daten können somit bereits
während der Messung beurteilt werden.
Bei Patienten, die aufgrund von Leistungsschwäche, Rittigkeitsproblemen oder Rückenbeschwerden an der Pferdeklinik in Zürich
vorgestellt werden, erfolgt eine ausführliche orthopädische Untersuchung mit Schwerpunkt auf Hals und Rücken. Auch der Sattel wird
untersucht, die Sattelpassform auf dem Rücken des möglichst gerade
stehenden Pferdes kontrolliert und schließlich der Druck unter dem
Sattel elektronisch gemessen. Dabei wird das Pferd auf beiden Händen in allen Gangarten geritten. Besonders wichtig ist die Messung
im Leichttraben. Durch das Aufstehen im Bügel konzentriert sich das
Reitergewicht im vorderen Drittel der Sattellage. Ist die Passform im
Bereich des Widerristes mangelhaft, wird dies in dieser Gangart und
Reitweise am besten sichtbar. Während der Messung sollte der Reiter
sowohl hinsichtlich seiner Bewegungssymmetrie und Haltung von
A
B
Abbildung 2:
Die Druckverteilung auf dem
Pferderücken bei
Messungen mit
zwei gleich schweren Reiterinnen
mit demselben
Pferd und Sattel.
A: Erfahrene Reiterin mit ruhigem,
geschmeidigem
Sitz.
B: Reiterin mit
unruhigem Sitz.
Rechts jeweils
die Skala mit den
dazugehörigen
Druchwerten. Der
Widerrist liegt in
allen Abbildungen
oben.
A
B
Abbildung 3: Repräsentatives Druckverteilungsmuster im
Moment der maximalen Vorführung des rechten Vorderbeins (A), dargestellt als dreidimensionale Grafik (B).
Becken und Schultergürtel als auch seiner Einwirkung auf das Pferd
beurteilt werden. Eine Messung der Sattelpassform ist nur dann
aussagekräftig, wenn das Pferd locker, gleichmäßig und in korrekter Haltung geht sowie der Reiter ruhig und losgelassen sitzen kann.
Stolpert ein Pferd oder buckelt es, steigt der Druck auch unter einem
passenden Sattel entsprechend an: Die Sattelpassform kann so nicht
beurteilt werden.
Gleiche Druckmuster können verschiedene Ursachen haben. So
ist zu einer korrekten Interpretation der Messresultate gleichermaßen Wissen über Sattel, Reitlehre und Biomechanik von Pferd und
Reiter nötig.
Pferd und Reiter beeinflussen den Druck
Die Gesamtkraft unter dem Sattel steigt mit der Geschwindigkeit und
der Dynamik der Gangart an. Im Schritt entspricht sie ungefähr dem
Körpergewicht des Reiters. Im Galopp konnten lokale Kraftspitzen
gemessen werden, die beinahe das 2,5-fache des Körpergewichtes
betrugen.
Das Körpergewicht, aber mehr noch der Sitz des Reiters beeinflussen direkt die Druckhöhe und -verteilung unter dem Sattel
(Abb. 2). Mithilfe synchronisierter Messungen von Satteldruck, Auffußungskräften des Pferdes sowie der Bewegung von Pferd und Reiter wurde erstmals die mechanische Interaktion zwischen Pferd und
Reiter untersucht: Im Schritt wird das Druckverteilungsmuster während eines Schrittzyklus hauptsächlich von der Bewegung des Pferdes beeinflusst. Im Trab bestimmt die vertikale Dynamik des Reiters
die Druckoszillationen. Alle Untersuchungen wurden auf weichem
Untergrund durchgeführt. Inwieweit die Bodenbeschaffenheit eine
Rolle spielt, wurde bisher nicht untersucht.
Von diesem Wissen kann auch abgeleitet werden, wie sich Druckstellen an verschiedenen Lokalisationen unter dem Sattel auf das Gangmuster des Pferdes auswirken. Beispielsweise wurde festgestellt, dass
der Druck im Widerristbereich abwechselnd links und rechts ansteigt,
weil die Muskulatur, die für die Vorderbeinbewegung verantwortlich ist,
im Moment der Vorführphase des jeweiligen Vorderbeins angespannt
wird (Abb. 3). Drückt ein Sattel in diesem Bereich, wirkt sich das negativ
auf die Vorhandmotorik aus. Das Pferd versucht den unangenehmen
Druck zu minimieren und verkürzt die Vorführphase der Vorderbeine.
Es kann zu einem kurzen Gang oder Stolpern kommen.
Wie viel Druck ist zu viel?
Die zentrale Frage ist nach wie vor, wie viel Druck der Pferderücken
erträgt, ohne Schaden zu nehmen. Doch die Frage nach einem oberen Grenzwert kann bis heute nicht abschließend beantwortet werden. In den durchgeführten Studien wurden einerseits verschiedene
Pferdetypen, andererseits Pferde mit unterschiedlich ausgeprägten
und lokalisierten Rückenbeschwerden untersucht. Probleme ähnlicher Ausprägung können zudem verschiedene Ursachen haben.
Schließlich reagieren nicht alle Pferde gleich empfindlich auf hohe
Druckbelastung oder eine ungünstige Verteilung der Kräfte. Erfahrungsgemäß weisen vor allem Vollblutpferde oder Pferde mit hohem
Vollblut­anteil im Allgemeinen eine tiefere Drucktoleranz auf.
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
49
Ausbildung/Sport
B
A
Abbildung 4: Trockene Stelle
in der Sattellage nach der Arbeit
(A) und zugehörige Messung
des Drucks unter dem Sattel
im Trab (B).
Islandpferde hingegen werden an der Pferdeklinik in Zürich selten wegen Sattelproblemen vorgestellt, obwohl sie häufig von im
Verhältnis zu ihrem Stockmaß großen und schweren Reitern geritten
werden. Durch eine umfangreiche Untersuchung von zwölf gesunden Islandpferden konnte gezeigt werden, dass die maximale Druckbelastung aufgrund der geringeren Oszillation im Trab und noch
ausgeprägter im Tölt deutlich geringer ist als bei Warmblutpferden.
Dennoch sind durchaus Mängel in der Sattelpassform zu finden, wie
eine Sattelkontrolle bei einer Gruppe Isländer zeigte, die an internationalen Turnieren teilnehmen und dementsprechend als gesund
galten. Nachdem die Sattelpassform optimiert wurde, verbesserte sich
die Druckverteilung deutlich. In einigen Fällen war für die Reiter sofort
ein deutlicher Unterschied in der Rittigkeit der Pferde festzustellen.
Druckschäden sind nicht nur direkt von der einwirkenden Kraft
abhängig, sondern auch von der Dauer der Belastung. So hat die
Passform speziell bei Sätteln von Distanzpferden, die mehrere Stunden geritten werden, einen sehr hohen Stellenwert. Anders als bei
einem Sattel, der nur wenig auf einem Pferd gebraucht wird, werden
hier auch kleinste Fehler nicht verziehen.
Der Zusammenhang zwischen Druckhöhe und Rückenschmerzen wurde bisher in drei Studien untersucht. Wiederholte Druckwerte über 34–36 kPa konnten einheitlich mit Rückenschmerzen in
Verbindung gebracht werden. Analog zu unseren Erfahrungswerten
zeigt eine Studie von Joyce Harman, dass der Druck passender Sättel
bei 25 kPa und tiefer liegt.
Am Widerrist passen viele Sättel schlecht
Die kritischste Stelle für die Passfom eines Sattels ist der Widerrist.
An der Pferdeklinik in Zürich werden die Sättel aller Pferde untersucht, die mit einem Rücken-, Rittigkeits- oder Trainingsproblem
vorgestellt werden. Bei über 70 Prozent dieser Pferde passte der Sattel am Widerrist nicht optimal.
Um genau für diesen Bereich Grenzwerte festzulegen, wurden in
Zürich die Daten von Patienten der letzten sechs Jahre rückblickend
50
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
untersucht und in dieser retrospektiven Studie spezifisch die unter
dem Kopfeisen gelegene Widerristregion betrachtet. Die Pferde wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe umfasste Patienten mit einer Druckstelle auf der Haut. Die betroffene Region war
geschwollen und hochgradig schmerzhaft. Die Pferde in der zweiten
Gruppe wiesen an derselben Stelle nach dem Reiten trockene Bereiche auf, während die übrige Sattellage nass geschwitzt war (Abb. 4).
Als Referenzgruppe diente eine Gruppe von gesunden Pferden mit
passenden Sätteln. Die mittleren und maximalen Druckwerte unterschieden sich in allen drei Gangarten deutlich (statistisch signifikant) voneinander. Je höher der Druck, desto ausgeprägter waren
die klinischen Symptome von Druckempfindlichkeit über trockene
Hautstellen bis hin zum Satteldruck.
Sättel, die im Schritt bereits lokale Druckspitzen über 38,9 kPa
oder einen durchschnittlichen Druck über 24 kPa aufwiesen, führten zu einem Satteldruck. Druck setzt sich aus Krafteinwirkung und
Zeit zusammen. Es spielt also eine Rolle, wie lange ein Pferd geritten wird. Alle Pferde, die in dieser Studie untersucht wurden, wer-
Trockene Hautstellen
durch zu hohen Druck
Aus der Dekubitusforschung in der Humanmedizin ist
bekannt, dass zu hoher Druck durch Kompression der
Kapillaren zu einer lokalen Mangeldurchblutung (Ischämie) führt. Die Folge ist das schmerzhafte Absterben
des Gewebes (Nekrose).
Wird das dichte Netz an Kapillaren verschlossen, das
die Schweißdrüsen umgibt, kann kein Schweiß mehr
produziert werden. Bei Pferden sind die trockenen Stellen aufgrund der Behaarung deutlich sichtbar. Analog
zu den Erkenntnissen der Humanmedizin sind diese
Stellen auch bei Pferden sehr schmerzhaft.
ohne
Sattelunterlage
Gelpad
Memoryschaum
Pad
Schafsfell
Abbildung 5: Vergleich der verschiedenen Sattelunterlagen am Beispiel
eines Pferdes im Linksgalopp. Die Asymmetrische Druckverteilung am
Widerrist ist bedingt durch die Asymmetrie der Gangart. Im Linksgalopp wird die linke Gliedmaße immer weiter vorgeführt als die rechte,
daraus resultiert dieses Druckmuster. Grafik: Matthias Haab, Universität Zürich
den zwischen einer und zwei Stunden pro Tag geritten. Wie schon
erwähnt, muss im Distanzsport also wahrscheinlich von tieferen
Grenzwerten ausgegangen werden.
Bei einer Beratung zum Sattelkauf kann so dem Kunden von Sätteln abgeraten werden, die diesen Grenzwert überschreiten. Das
schützt das Pferd und bewahrt den Besitzer vor einem Fehlkauf.
Bei schlechter Passform
hilft keine Sattelunterlage
Ebenso vielfältig wie das Angebot an verschiedenen Sätteln ist die
Auswahl der Unterlagen. Schon Joyce Harman untersuchte daher
in ihrer ersten Arbeit den Einfluss verschiedener Sattelunterlagen,
die auf dem Markt als „Lösung aller Probleme“ angepriesen wurden.
Wobei sich herausstellte, dass mehr als die Hälfte der Unterlagen die
Druckverhältnisse unter dem Sattel verschlechterten.
Auch heute kennen wir Anpreisungen, die viel versprechen: „Antislip Pad, damit rutscht ihr Sattel nicht mehr“ oder für Gelpads:
„Verteilt den Druck des Reitergewichts auf eine größere Fläche und
schont so die Rückenmuskulatur vor Verspannungen“. Zu Memoryschaum Pads heißt es „Gleichmäßige Unterpolsterung durch Memoryschaum.“ Doch ein korrekt angepasster Sattel rutscht nicht und
braucht kein Antislip Pad. Memoryschaum verändert sich sehr träge
und scheint nicht die richtige Wahl, um schnelle Druckveränderungen auszugleichen, wie sie beispielsweise am Widerrist durch die
Muskelkontraktionen bei der Vorderbeinbewegung entstehen.
In einer Studie mit zehn Pferden, jeweils demselben Reiter und
verschiedenen, häufig eingesetzten Sattelunterlagen – Keilkissen,
einem Gelpad und einem Lammfell – wurde deutlich, dass keine
Unterlage in der Lage war, den Druck eines nicht passenden Sattels
ausreichend abzusenken oder gar auszugleichen (Abb. 5). Bei den
Gelpads stieg der Druck vor allem im Trab und Galopp im Bereich
des Widerristes sogar dramatisch an. Das ist nachvollziehbar, denn
das Gel ist zu träge, um die schnellen Vorhandbewegungen, respek-
tive Muskelan- und -entspannung zuzulassen. Es verhält sich ähnlich wie Wasser: Taucht die Hand langsam ein, fühlt sich das Wasser
„weich“ an. Klatscht die Hand jedoch mit einer gewissen Geschwindigkeit auf die Wasseroberfläche, wird ein Widerstand spürbar –
eine Bauchlandung kann beim Sprung vom Dreimeterbrett sehr
schmerzhaft sein.
An der Universität in Wien wurden ebenfalls verschiedene Unterlagen untersucht. Hier schnitt das Rentierfell am besten ab – dessen
Gebrauch ist hierzulande jedoch nicht sehr weit verbreitet. Es werden eher Reh- und noch häufiger Lammfelle verwendet, die ebenfalls
einen deutlich drucksenkenden Effekt haben. Bei der Verwendung
von dicken Unterlagen muss allerdings zwingend sichergestellt werden, dass genügend Platz unter dem Sattel vorhanden ist. Ansonsten
ist der Effekt ähnlich wie bei einem Fuß in dicker Wollsocke, der in
einen eleganten Lederschuh schlüpft, um nochmals Joyce Harman
zu zitieren.
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
51
Ausbildung/Sport
A
A
B
B
Abbildung 7: Satteldruckmessung eines Reiters mit
steifem rechten Sprunggelenk auf der linken (A) und
rechten (B) Hand. Beim Leichttraben entsteht in der
Phase des Aufstehens auf der rechten Hand ein hoher
Druck links am Widerrist (rote Markierung), da der Sattel
gegen den Widerrist gezogen wird.
Abbildung 6: Satteldruckmessung einer Reiterin mit Rücken- und Hüftbeschwerden im Galopp.
Auf der für sie einfacheren linken Hand (A) ist der Druck deutlich tiefer, verglichen mit der rechten Hand (B), der unbeweglicheren Seite. Hier wurde der Sattel im hinteren Teil so stark nach
links gezogen, dass das innere Polster auf der Wirbelsäule zu liegen kam (rote Markierung).
Ist ein Sattel also nicht zu eng, kann der Druck durch eine Lammfellschabracke nochmals deutlich abgesenkt werden. Erfahrungsgemäß fühlen sich vor allem sensible Pferde damit wohler und bewegen
sich freier. Die Unterlage sollte allerdings groß genug sein. Liegen die
Nähte des Lammfells unter dem tragenden Teil des Sattels, kann das
zu Druckstellen führen.
Bei Pferd und Reiter die schwache
Seite stärken
Der Reiter hat erheblichen Einfluss auf den unter dem Sattel entstehenden Druck. Ein geschmeidiger, ruhiger Sitz ist eine der wichtigsten Fähigkeiten eines guten Reiters. Kann er den Pferdebewegungen
nicht folgen, wird der Rücken des Pferdes unnötig belastet (Abb. 2).
Durch eine Messung können aber weit subtilere Bewegungen des
Reiters erfasst werden. Jeder der regelmäßig im Sattel sitzt, weiß um
seine und seines Pferdes stärkere und schwächere Seite. An der eigenen „Einseitigkeit“ und gegen die Händigkeit seines Pferdes sollte
jeder Reiter arbeiten, denn nur ein auf beiden Seiten ausgeglichener
Reiter kann sein Pferd korrekt gymnastizieren und fördern. Einseitige
Be- und Überlastungen, welche beispielsweise zu Rückenschmerzen
oder anderen orthopädischen Problemen führen können, werden so
präventiv verhindert. Die eigene Einseitigkeit sowie eigene orthopädische Probleme wirken sich dagegen drastisch auf die Einwirkung
des Reiters aus.
Beispielsweise führten Schmerzen im Kreuz und in der Hüfte bei
einer Reiterin zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung ihrer
rechten Seite. Im Galopp wird generell die höchste Anforderung an
52
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
die Bewegung der Hüfte gestellt. Auf der rechten Hand war es dieser
Reiterin nicht möglich, die rechte Hüfte vorzuschieben. Der Sattel
wurde so schief gezogen, dass er mit dem inneren Sattelpolster auf
die Wirbelsäule rutschte. Ein Druck in dieser Höhe und Lokalisation wird von Pferden generell schlecht toleriert. Auf der linken Hand
war der Druck vergleichsweise deutlich tiefer, da der Sattel aufgrund
der beweglichen linken Hüfte nicht schief gezogen wurde (Abb. 6).
Ein weiteres Beispiel ist ein Reiter mit steifem rechten Sprunggelenk. Im Alltag beeinträchtigte ihn die Problematik nicht. Es war
ihm jedoch unmöglich, beim Leichttraben im Absatz zu federn, was
bei der Phase des Aufstehens auf der Gegenseite am Widerrist einen
hohen Druck erzeugte, da der Sattel gegen den Widerrist gezogen
wurde (Abb. 7). Die Tatsache, dass er mit seinem Pferd im Distanzsport aktiv war, erschwerte die Situation deutlich. Die Asymmetrie
des Reiters führte dazu, dass das Pferd nach den ersten 30 km durch
die einseitig hohe Druckbelastung begann, eine Lahmheit zu zeigen,
welche jeweils zum Ausschluss des Paares führte.
Die Beispiele zeigen auch, dass die Beurteilung eines Pferd-ReiterPaares mit seinem Sattel immer eine sehr individuelle Angelegenheit
bleibt. Die Satteldruckmessung ist eine wertvolle Hilfe, um Probleme
objektiv einzuschätzen. Alleine betrachtet kann sie aber nicht die Lösung für ein Rücken-, Rittigkeits- oder Sattelproblem sein. W
Über die Autorin
Dr. med. vet. Katja Geser-von Peinen betreut in der Abteilung Sportmedizin der Vetsuisse Fakultät in Zürich leistungsschwache Pferde. In der Praxis wie auch in der Forschung
beschäftigt sie sich mit Sätteln und Reitern sowie deren
Einfluss auf die Gesundheit der Pferde.
(Foto: Kathrin Hester, in: Finger in der Wunde,
Wu Wei Verlag 2006, ISBN 3-930953-20-X)
Pferdegerechtes Reiten
Die Entwicklung des Pferdesports –
ein Widerspruch zur klassischen Reitlehre?
Gerd Heuschmann
W Im Mittelpunkt der klassischen Reitlehre stehen die Bedürfnisse des Pferdes und seine Losgelassenheit unter dem Sattel. Nur ein korrekt
ausgebildetes Pferd kann die geforderten Leistungen ohne Schaden für seine Gesundheit und ohne Risiko für Pferd und Reiter erbringen.
Insbesondere junge Pferde sollten daher immer unter dem Vorzeichen des richtigen Gleichgewichts ausgebildet und bewertet werden.
Anfang des letzten Jahrhunderts, am 29. Juni 1912, wurde die erste
Ausgabe der Heeres Dienstvorschrift 12 (H.Dv.12) veröffentlicht,
eine per Kabinettsorder von Kaiser Wilhelm II erlassene Reitvorschrift, die unser Ausbildungssystem bis heute maßgeblich beeinflusst. Die H.Dv.12 stellt erstmalig eine systematische Reitlehre
vor, die die Bedürfnisse des Pferdes und dessen daraus resultierende Leistungsbereitschaft und Fähigkeit klar in den Mittelpunkt
stellt.
Die „Richtlinien für Reiten und Fahren“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), besonders die letzte Ausgabe des ersten
Bandes vom Dezember 2012, entsprechen in ihren wesentlichen
Kernaussagen bis heute der H.Dv.12. Die FN hat den Richtlinien
Ende der 70er Jahre, quasi als Exzerpt dieser Erkenntnisse, die sogenannte „Skala der Ausbildung“ hinzugefügt, die kurz und systematisch den Ausbildungsgang in ein lineares System stellt, welches
didaktisch wertvoll die zentralen Elemente hervorhebt. Wie schon in
der H.Dv.12 beschrieben ist auch in den Richtlinien und der Skala
der Ausbildung eine Kernforderung die Losgelassenheit des Pferdes
unter dem Sattel.
Ohne schwingenden Rücken keine
Losgelassenheit
Zur Definition des Begriffes „Losgelassenheit“ ist früher wie heute
häufig zu hören oder lesen, es handele sich um die psychische und
physische „Entspanntheit“ des Pferdes während der Arbeit. Diese
Definition ist sicherlich nicht falsch, für die praktische Arbeit auf
dem Pferderücken jedoch nicht klar und präzise genug.
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
53
Ausbildung/Sport
A
B
Abbildung 1: Korrekt balancierte Pferde. A: Dehnungshaltung, B: Die relative Aufrichtung ist die Aufrichtung des Kopfes
und des Halses, die einhergeht mit dem zunehmend stärker werdenden Grad der Versammlung. Das Pferd richtet sich
umso mehr auf, je mehr es sich im Lumbosakralgelenk beugt (Rückengänger). Die Pfeile über dem Oberhals und der Kruppe zeigen die Auswirkungen eines sich selbst tragenden Pferdes auf den Rücken. Beim Rückengänger befindet sich der
Rücken im Gleichgewicht und schwingt. Die Halsposition und die frei bewegliche Hinterhand ermöglichen diesen balancierten Rücken. (Zeichnung Kaja Möbius, Buch: Finger in der Wunde, Wu Wei Verlag 2006, ISBN 3-930953-20-X)
Jeder Versuch, ein Pferd auszubilden, ohne seine Losgelassenheit
in den Mittelpunkt zu stellen, ist wertlos und findet mehr oder weniger
auf Kosten der Gesundheit des Pferdes statt. Aus tierärztlicher Sicht ist
sie daher im Grunde abzulehnen. Allerdings bedeutet die Abwesenheit
von Losgelassenheit noch nicht zwangsläufig eine Reiterei unter Zwang
– zum Beispiel bei den zahlreichen Anfängern und Freizeitreitern.
B. h. von Holleufer beschrieb den Zustand der Losgelassenheit
eines Pferdes unter dem Sattel in seinem Werk „Die Bearbeitung des
Reit- und Kutschpferdes zwischen den Pilaren“ aus dem Jahr 1896
als Erster schlüssig und praxisorientiert. Er nennt den schwingenden
Rücken als entscheidendes Kriterium eines losgelassenen Pferdes.
Er leitet daraus die sich ergebende korrekte Anlehnung, das hergegebene Genick mit dem kauenden Maul und alle folgenden Punkte
unserer heutigen Ausbildungsskala her.
Ein hergegebener, schwingender Rücken als Zentrum ist das natürliche Fundament für jeden weiteren Schritt bei der Pferdeausbildung. Nur ein schwingender Rücken lässt seinen Reiter sitzen
und führt zu einem hergegebenen Genick und der unverzichtbaren
Durchlässigkeit als weiterem Merkmal eines gut ausgebildeten Pferdes (Abb. 1 und 2).
Nur ein Pferd mit einem derartigen Fundament ist im Gleichgewicht. Jede Abwehrspannung gegen den Reiter ist aufgelöst, es ist
leistungsbereit und bleibt gesund. Auch kann nur ein solches Pferd
in Harmonie bis zur Spitze der Möglichkeiten ausgebildet werden
ohne körperlichen Schaden zu nehmen.
physischer Verspannung führen. Ein harmonisch und losgelassen
gehendes Pferd kann so niemals herangebildet werden.
Aus großer Rückenverspannung ergibt sich der sogenannte
„Schwebetrab“ oder „passageähnliche Trab“. Gemeint ist ein falsches
Schwingen mit festgehaltenem Rücken und daraus resultierendem
schwebendem, passageartigem Trab. Diese Gangmechanik, die allerdings nur mit viel Erfahrung erkannt werden kann, gefährdet die
Qualität der gesamten Ausbildung und gilt in der klassischen Literatur immer als Warnsignal.
Die Grundlage für ein korrekt gehendes Pferd liegt im Sitz des
Reiters und der Ausbildungs­philosophie, die hinter der praktischen
Trainingsplanung steht. Nur ein gelassener, erfahrener, selbstbewusster, psychisch entspannter Reiter kann einen geschmeidigen,
mit dem Pferderücken schwingenden Sitz entwickeln und so ein
taktmäßig gehendes und losgelassenes Pferd ausbilden. Er muss Zeit
haben und Rückschritte oder Stagnation in der Ausbildung gelassen
hinnehmen können, ohne emotional und mit Gewalt zu antworten.
Die Ausbildung sollte vielseitig sein und sich immer an den Bedürfnissen des Pferdes orientieren.
Ein Pferd, welches unter einem verspannten, schiebenden und
ziehenden Reiter geht, kann die eigentlich banale Grundlage der
Losgelassenheit niemals erreichen. Ein Buchtitel des FN-Verlages
von den Autoren Udo Bürger und Prof. Otto Zietzschmann aus dem
Jahr 1939 lautet: „Der Reiter formt das Pferd“. Dieser Titel gibt dem
Reiter die Verantwortung für den Zustand seines Pferdes.
Der Reiter formt das Pferd
Die schöne Silhouette als Gefahr
für junge Pferde
Ein in Spannung gehendes, durch mehr oder weniger physische reiterliche Einwirkung kontrolliertes Pferd wird hingegen immer Widerstand leisten. Dieser wiederum verlangt dem Reiter kontinuierliche
Zwangsmaßnahmen ab, um das Pferd zu kontrollieren. Ein negativer
Zirkel ist in Gang gebracht. Jeder erfahrene Pferdemensch, egal ob
Reiter oder nicht, weiß, dass die Applikation von dauerhaftem Zwang
auf ein Fluchttier immer einen entsprechenden Fluchtreflex bis hin
zu massiven Abwehrreaktionen auslöst. Dauerhafte Spannung zwischen Reiter und Pferd kann immer nur zu psychischem Stress und
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Der Pferdesport lebt nicht zuletzt von der ästhetischen Erscheinung
eines gut gerittenen Pferdes. Besonders im Dressursport spielt die
schöne äußere Silhouette eine große Rolle. Hinter dieser Erkenntnis
verbirgt sich eines der Hauptprobleme im Reitsport mit oft fatalen
Konsequenzen: Heutzutage reagieren Pferde in der Grundausbildung, die Remonten, in einem kleinen Detail anders auf das ungewohnte Reitergewicht als früher.
Ethische Grundsätze
des Pferdefreundes
Diese Grundsätze wurden von der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung (FN) im Jahr 1995
verabschiedet, um Fairness und Sauberkeit im
Umgang mit dem Pferd zu garantieren.
Abbildung 2:
Die Reiterin leitet eine Dehnungshaltung im Galopp
ein. Das Pferd ist vollständig im Gleichgewicht.
1. Wer auch immer sich mit dem Pferd
beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für
das ihm anvertraute Lebewesen.
(Foto: Kathrin Hester, Buch: Finger in der Wunde, Wu Wei Verlag
2006, ISBN 3-930953-20-X)
2. Die Haltung des Pferdes muss seinen
natürlichen Bedürfnissen angepasst sein.
3. Der physischen wie psychischen Gesundheit
des Pferdes ist unabhängig von seiner
Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.
Früher wie heute verspannt sich die Rückenmuskulatur jeder jungen Remonte als Reaktion auf das unerwartete Reitergewicht auf ihrem
Rücken beim Anreiten – eine mehr oder weniger ausgeprägte Abwehrspannung. Der maßgebliche Unterschied zwischen vielen Remonten
früherer Zeit und den meisten modernen jungen Pferden liegt in der
Reaktion des Halses und des Genicks auf dieses ungewohnte Gewicht.
Bei den Remonten früherer Zeit versteiften sich meistens der Hals
und das Genick derart, dass das Pferd die Nase nach vorne gegen die
Reiterhand streckte. Es entstand ein äußerst unattraktives Seitenbild,
verbunden mit einem sehr schlechten Reitgefühl. Damit war unmissverständlich klar, dass dieses Verhalten des Pferdes sowie dieses
Seitenbild nicht gewünscht und nicht sinnvoll sind. Ein so gegen den
Reiter gespannt gehendes Pferd musste zum Loslassen gebracht werden, um eine weitere Ausbildung zu ermöglichen.
Physiologisch reagieren moderne Pferde im Grunde ähnlich.
Durch die großen Zuchtfortschritte der Nachkriegszeit hat sich jedoch insbesondere die Rittigkeit der Pferde sehr verändert. Die Hälse
wurden länger, sind schöner ausgeformt und entsprechen meistens
schon früh dem Bild eines gerittenen Pferdes. Die sich daraus herleitende hohe Reiteignung ist für die jungen Pferde allerdings nicht
nur ein Segen. Denn anders als früher ergibt sich aus einer derart
schönen Reitpferdehalsung häufig schon beim Anreiten als Reaktion auf die Abwehrspannung im Rücken ein sogenanntes „Einrollen“
im Hals. Die Rückenverspannung des jungen Pferdes führt zu einer
für viele Betrachter und Reiter attraktiven Seitensilhouette. Dieser so
absolut aufgerichtete Hals gaukelt das schöne Bild eines weiter ausgebildeten, gut bemuskelten Pferdes vor (Abb. 3A). Der Reiter freut
sich meist über das Spiegelbild in der Reithalle, übersieht dabei aber,
dass er auf einer Remonte sitzt, die einen langen tiefen Hals braucht,
um mit entspanntem Rücken gehen zu können.
Eine gestörte Balance führt zu
Verspannung und Widersetzlichkeit
Häufig lassen die Reiter das junge Pferd heute sofort in diesem falschen Gleichgewicht gehen: Das nächste „Korrekturpferd“ ist gebo-
4. Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten,
unabhängig von dessen Rasse, Alter und
Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit
oder Sport.
5. Das Wissen um die Geschichte des Pferdes,
um seine Bedürfnisse sowie die Kenntnisse im
Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu
vermitteln und nachfolgenden Generationen
zu überliefern.
6. Der Umgang mit dem Pferd hat eine
persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade
für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets
zu beachten und zu fördern.
7. Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd
Sport betreibt, hat sich und das ihm anver­
traute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen.
Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche
Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
8.Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie
im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem
Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie
nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen
ist abzulehnen und muss geahndet werden.
9. Die Verantwortung des Menschen für das
ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch auf
das Lebensende des Pferdes. Dieser Verantwortung muss der Mensch stets im Sinne des
Pferdes gerecht werden.
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
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Ausbildung/Sport
A
B
Abbildung 3: Pferde mit gestörtem Gleichgewicht. Die Pfeile an Oberhals und Kruppe zeigen die falsche Einwirkung eines
zu kurzen Halses oder eines mechanisch überdehnten Halses auf den Rücken des Pferdes. A: Der Rücken geht nach unten
verloren. Dieser Balanceverlust wird als Schenkelgänger bezeichnet. B: Hyperflexion – Der Rücken wird überspannt und
geht nach oben verloren. Es wird der sogenannte Spannrückengänger dargestellt.
(Zeichnung Kaja Möbius, Buch: Finger in der Wunde, Wu Wei Verlag 2006, ISBN 3-930953-20-X)
ren, das vom Anfang seiner Reitpferdkarriere an mit steifem Rücken
gehen muss. Paul Stecken, Ausbilder und ehemaliger Leiter der
Westfälischen Reit- und Fahrschule, erfasst die gesamte Problematik, indem er fragt: „Wie wollen Sie den jungen Menschen von heute
erklären, dass sie die wundervollen Hälse unserer jungen Pferde am
Anfang nicht annehmen dürfen?“
Das sich selbst einrollende Pferd sieht im Spiegel zunächst gut
aus und verführt zu Zufriedenheit. Doch der verkürzte und verspannte Hals verhindert einen entspannten und damit schwingenden Rücken, also Losgelassenheit (Abb. 3B). Das Fluchttier Pferd
reagiert auf die verspannte Bewegungszentrale Rücken meistens
mit Flucht. Dieser Zustand veranlasst die meisten Reiter in falscher
Konsequenz, mehr am Zügel zu ziehen, um das Pferd zu verlangsamen, was wiederum den Hals noch mehr verkürzt, den Rücken
weiter verkrampft und vermehrtes Rennen bedingt. Der Einstieg
in die Welt der Korrekturpferde ist oft schon nach einigen Tagen
oder Wochen unter dem Sattel vollzogen. Schließlich enden derart
fehlbalancierte junge Pferde und ihre Reiter oft in einem mechanischen Zweikampf, der auf beiden Seiten die Verspannung und
Widersetzlichkeit kontinuierlich erhöht. Viele Reiter werden unzufrieden, frustriert, traurig oder wütend. Das Pferd ist dann das Ziel
der negativen Emotionen, obschon es in diesem Gesamtkontext
das absolut schuldlose Wesen ist.
Wissen um die korrekte Ausbildung
bewahren und verbreiten
Falsch ausgebildete Pferde sind heute im Freizeit- wie im Turniersport sehr häufig anzutreffen. Vielfach werden auf diese Weise
grundausgebildete Remonten sogar als Normalzustand angesehen
und das korrekt grundausgebildete junge Pferd ist gar nicht mehr bekannt. Viele Reiter sind tatsächlich der Meinung, junge Pferde unserer Zeit könnten nicht mehr mit offenem Genick und geschmeidigem
Rücken geritten werden. Reiter, die ihre Pferde nicht selbst anreiten,
sondern angerittene junge Pferde erwerben, müssen sorgfältig auswählen, um korrekt grundausgebildete Tiere zu finden.
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Das Missverständnis unserer Zeit ist aus Sicht des Autors in der
falschen Kommunikation der klassischen Reitlehre in und um den
Turnier- und Freizeitsport zu suchen. Junge Pferde dürfen in den
ersten beiden Jahren nicht aussehen wie fertig ausgebildete Pferde.
Ein weiteres Problem ist, dass das korrekt balancierte junge Pferd
auf Turnieren möglicherweise unbemerkt bleibt und nicht entsprechend gewürdigt wird.
Alle Turnierprüfungen, die drei-, vier- und zum Teil noch fünfjährige Pferde betreffen, sollten immer unter dem Vorzeichen des
richtigen Gleichgewichts bewertet werden. Pferde mit verspannten Rücken, eingerollten Hälsen oder steifen Genicken sollten
grundsätzlich komplett aus dem Kreis der platzierten Pferde ausgeschlossen werden. Dann wäre die Mehrzahl der steifen, schlecht
gerittenen Pferde wohl in wenigen Monaten von den Turnierplätzen
verschwunden.
Sehr zu begrüßen ist vor diesem Hintergrund der neu überarbeitete und im Dezember 2012 veröffentlichte Band 1 der „Richtlinien
für Reiten und Fahren“. Dort werden korrekte Pferdeausbildung erläutert sowie graphisch falsch balancierte Pferde dargestellt und entsprechend bewertet. Das Interesse an Wissen rund um die korrekte
Ausbildung wächst unaufhörlich. Auch immer mehr Richter stellen
sich hinter die klassische Reitlehre und sprechen Fehlverhalten an.
Zunehmend interessieren sich Tierärztinnen und Tierärzte für die
Prinzipien der klassischen Reitlehre. Der Zusammenhang dieser
Prinzipien mit der tierärztlichen Arbeit, insbesondere der Orthopädie, ist offensichtlich. W
Über den Autor
Dr. med. vet. Gerd Heuschmann ist praktischer Tierarzt für
Pferde an der Tierärztlichen Klinik Domäne Karthaus.
Er widmet sich vor allem der orthopädischen Diagnostik und
der Therapie schwieriger, lang andauernder Lahmheiten sowie der Trainingsanalyse und dem Training von Reitpferden.
Gerd Heuschmanns besonderes Interesse gilt der Korrektur
balance­gestörter Pferde.
Foto: Fotoimpressionen/fotolia.de
Doping im Pferdesport
Dopingproblematik bei Pferd und Reiter aus juristischer Sicht
Jens Adolphsen
W In den letzten Jahren und aktuell vor und während der Leichtathletik WM in Moskau stieg in der Bevölkerung die Sensibilität
für Doping – im humanen Leistungssport wie im Pferdesport. Betroffen sind hierbei nicht nur die Pferde, sondern auch die Reiter
und Fahrer. Der folgende Beitrag stellt die Grundlagen und Möglichkeiten der Dopingbekämpfung im Pferdesport dar, bezieht
dabei sowohl die nationalen als auch internationalen Regelwerke ein und erörtert insbesondere Fragen des Rechtsschutzes, wobei ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wiedergegeben wird.
Bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in London 2012
gab es keine Dopingfälle im Pferdesport – weder bei Pferden, noch
bei Reitern. Die Olympischen Spiele von Hongkong 2008 waren geprägt durch mehrere Dopingfälle, bei denen vor allen Dingen die
Substanz Capsaicin nachgewiesen wurde. Beteiligt war auch der
deutsche Reiter Christian Ahlmann, was zu erheblichen Verwicklungen innerhalb des deutschen Verbandes führte und die Übertragung
von Springsportveranstaltungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeitweilig in Frage stellte. Auch bei den Olympischen Spielen in
Athen 2004 war es zu mehreren Dopingfällen gekommen, an denen
unter anderem deutsche Reiter beteiligt waren. Gerade nach den
Spielen von Hongkong war den Reitsportverbänden zum Teil Kungelei mit den Reitern vorgeworfen worden, aber auch mangelnder
Wille, das Dopingproblem effektiv anzugehen.
In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Damit soll nicht die
Aussage verbunden sein, dass Doping im Pferdesport derzeit keine
Rolle mehr spielen würde. Es haben sich in den letzten Jahren vor
allem die Regelwerke komplett geändert, die Sanktionen wurden
verschärft und andere Beteiligte wie Tierärzte – als permitted treating veteriniarian und als official veterinarian – wurden stärker eingebunden.
Der Tätigkeitsbericht des Tribunals der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) weist für das Jahr 2012 bei 3877 Proben acht
Dopingfälle auf, e ensoviele Medikationsfälle und insgesamt 16 im
sogenannten Fast-Track-Verfahren abgearbeitete Fälle. In Deutschland waren bei insgesamt 2151 Proben 18 Proben positiv, wobei
sechs dem Tatbestand Doping zugeordnet wurden. Relativ auffällig
ist international die Verteilung der Dopingvergehen auf die verschiedenen Disziplinen. So weist der Springsport im Jahre 2012 vier Dopingvergehen aus, Dressur, Vielseitigkeit und Fahren lediglich einen
Fall und das Voltigieren gar keinen. Weit vorne liegt der Bereich des
Distanzreitens mit insgesamt zehn Dopingfällen, wobei die Mehrzahl aus der sogenannten Gruppe VII stammt, der die nationalen
Vereinigungen des Mittleren Ostens angehören. Die FEI hat inzwischen eine Art runden Tisch initiiert, um das Problem zu lösen.
Möglichkeiten der Dopingbekämpfung
Doping im Pferdesport kann einerseits durch privates Verbandsrecht, also vor allem Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
(FN) und der FEI bekämpft werden, aber auch durch internationale
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
57
Spektrum
Während einer Veranstaltung, die gemäß
Leistungsprüfungsordnung durchgeführt wird, kann jederzeit
eine Medikamentenkontrolle erfolgen.
Foto: IrisArt/fotolia.de
Rechtsetzung, vor allen Dingen Völkerrecht und wiederum nationales staatliches Recht.
Internationales Recht
Das UNESCO-Übereinkommen gegen Doping trat am 1. Februar 2007 in Kraft, es haben bis heute 173 Staaten ratifiziert
(www.unesco.de/sport.html). Das Zustimmungsgesetz Deutschlands trat am 30. März 2007 in Kraft. Das UNESCO-Übereinkommen
gegen Doping sichert letztlich den privatrechtlichen Welt-AntiDoping-Code (WADA-Code) auf völkerrechtlicher Ebene ab, ohne
jedoch Bestimmungen speziell für den Tiersport zu enthalten. Der
Vertrag von Lissabon hat den Tierschutz und den Sport aufgenommen. Daneben existieren EU-Richtlinien unter anderem zur Schaffung eines Gemeinschaftscodexes für Tierarzneimittel.
Nationales Recht
Sichtet man die nationalen Rechte verschiedener Staaten, so finden
sich Bestimmungen, die Doping im Pferdesport bekämpfen können,
im Tierschutzgesetz, nationalen Sport- und Anti-Doping-Gesetzen,
aber auch in Arzneimittel- und Betäubungsmittelgesetzen. Bei den
verschiedenen nationalen Tierschutzgesetzen findet man in der Regel keine eigene Liste der verbotenen Substanzen, sondern häufig
abstrakte Definitionen, deren Anwendung eine Einzelfallprüfung
erfordert, die zu erheblicher Rechtsunsicherheit führt. Oft sind unklare Verweise auf Verbandslisten zu finden, wie auch im deutschen
Tierschutzgesetz (§ 3 Nr. 1b). Insgesamt muss auch im deutschen
Tierschutzrecht von einem offensichtlichen Vollzugsdefizit bei der
Dopingbekämpfung ausgegangen werden. Bei den nationalen Sportund Anti-Doping-Gesetzen sind unter anderem in Österreich eigene
Vorschriften für Tiere zu finden, daneben ist allerdings auch das Tierschutzgesetz anwendbar. Auch Frankreich hat im Anti-Doping-Gesetz eigene Vorschriften für Tiere und verdrängt damit weitgehend
die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes.
Verbandsrecht
Nach wie vor und zu Recht liegt der Schwerpunkt der Dopingbekämpfung bei den Sport organisierenden Verbänden und den nationalen (Nationale Anti Doping Agentur, NADA) und internationalen
Anti-Doping-Organisationen, (Welt Anti Doping Agentur, WADA).
Verbandsrecht in nationalen und
internationalen Federationen
Zuständig für den Erlass von Dopingregeln im Pferdesport sind die
nationalen und internationalen Federationen, FN und FEI. Beide
Verbände erfassen im Pferdesport sowohl das Doping des Pferdes als
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
auch das Doping des Reiters. Die hierzu erlassenen Regeln (FN: Anti-Doping- und Medikamentenkontrollregeln, ADMR; FEI: Equine
Anti-Doping and Controlled Medication Regulations, Anti-Doping
Rules for Human Athletes) lehnen sich eng an den WADA-Code an.
Dieser hat 2004 den Anstoß gegeben, Anti-Doping-Regeln weltweit
und sportartübergreifend zu vereinheitlichen. Obwohl der WADACode nur entsprechende Regeln für den Tiersport fordert, haben
sich beide Verbände dazu entschieden, sehr stark am WADA-Code
orientierte eigene Regelwerke zu erlassen. Dies hat den Vorteil, dass
die auch zu anderen Sportarten ergangenen rechtlichen Entscheidungen auf den Tiersport anwendbar sind und nicht ausschließlich
Juristen, die im Pferdesport besonders bewandert sind, Entscheidungen treffen. Dies kann die Rechtsfindung durchaus objektivieren.
Doping und Medikation werden unterschieden
Sowohl nationale als auch internationale Regelwerke unterscheiden
den Tatbestand des Dopings von dem der Medikation, soweit es um
verbotene Substanzen in Pferden geht. Die Unterscheidung hat weitreichende Bedeutung, unter anderem für das Maß der Sanktionen,
aber auch für den Verfahrensverlauf und die Zuständigkeiten.
Als Dopingsubstanzen sollen generell Substanzen angesehen
werden, die im Pferd schlicht nichts zu suchen haben. Medikationssubstanzen sollen dagegen therapeutisch zwischen den Turnieren
zu Recht eingesetzt werden, dürfen jedoch auf dem Turnier nicht
mehr nachweisbar sein. Was in der Theorie einfach ist, bringt in der
Praxis natürlich enorme Abgrenzungsschwierigkeiten mit sich. Die
Frage, welche Substanzen im Pferd sinnvollerweise zu Therapiezwecken eingesetzt werden, ist schon national nicht einheitlich zu
beantworten, international häufig stark umstritten. Grund sind auch
völlig unterschiedliche „Behandlungskulturen“ der Tierärzte verschiedener Länder. Letztlich muss das für den Rechtsanwender zu
der Einsicht führen, dass Doping das ist, was nach Maßgabe der für
die Listenaufstellung Verantwortlichen (z. B. List Group der FEI) auf
der Dopingliste steht, und Medikation das, was auf der Medikationsliste geführt wird.
Die Bedeutung dieser Unterscheidung zeigt sich beim Blick auf
die Sanktionen. Der Nachweis einer Dopingsubstanz führt regelmäßig zu einer Zweijahressperre, soweit der Athlet nicht nachweisen
kann, wie die Substanz in das Pferd gelangt ist und dass er hieran
keine Schuld trägt. Beim Auffinden von Medikationssubstanzen gibt
es ein deutlich flexibleres Strafmaß bis hin zu lediglich einer Verwarnung. International kommt es bei Medikationsfällen regelmäßig nur
zu einem sogenannten Fast-Track-Verfahren, hierbei handelt es sich
um ein internes Verwaltungsverfahren innerhalb des Legal Departments der FEI. Der Reiter wird vom Turnier disqualifiziert und muss
die Siegprämien und alle gewonnenen Preise etc. zurückerstatten.
Eine weitere Sanktion erfolgt jedoch nicht. Das Fast-Track-Verfahren
ist nur bei bedeutenden Veranstaltungen wie Olympischen Spielen
und Weltreiterspielen ausgeschlossen sowie im Falle der Anwendung mehrerer Substanzen und bei Wiederholungstätern innerhalb
von vier Jahren. Schwierig für Reiter, die sowohl national als auch
international starten, ist die Uneinheitlichkeit der Listen verbotener
Substanzen. Die FN veröffentlicht dazu auf ihrer Homepage eine
Übersicht über Anti-Doping- und Medikationslisten des nationalen
und des internationalen Pferdesports. Daraus ergibt sich beispielsweise, dass Sucralfate nach dem Regelwerk der FEI erlaubt, jedoch
nach dem Regelwerk der FN verbotene Substanzen gemäß Liste Anhang 2 (Medikation) sind.
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Fehlentscheidungen
Adressat der Sanktionen
Soweit es um verbotene Substanzen im Körper des Reiters geht, ist
der Adressat selbstverständlich der Reiter selbst. Verantwortlich
bei einem Nachweis verbotener Substanzen im Pferd ist nach inter­
nationalem Reglement regelmäßig die sogenannte „person responsible“. Dabei handelt es sich grundsätzlich um den Athleten, der das
Pferd reitet, darauf voltigiert oder fährt. Daneben können Eigentümer und sonstiges unterstützendes Personal wie Pfleger, Trainer und
Tierärzte als zusätzliche verantwortliche Personen angesehen werden, jedenfalls soweit sie auf der Veranstaltung anwesend sind oder
eine erhebliche Entscheidung über das Pferd treffen. Auch die FN
sucht über den Begriff der verantwortlichen Personen die Beteiligten
an die Regeln zu binden. Diese Fixierung auf die „person responsible“ soll sicherstellen, dass der Reiter für sein Pferd Verantwortung
trägt im Sinne anerkannter Grundsätze des Horsemanship. Diese
Verantwortlichkeit muss selbst bei Strukturen wie im Distanzsport
bestehen bleiben, in denen Reiter wie bei Galopprennen kurzfristig
auf Pferde gesetzt werden.
Für jeden Einzelnen der Genannten muss jedoch sicher gestellt
werden, dass er auch von dem Regelwerk der Verbände erfasst ist,
da es sich um rein privatrechtliche Regeln und nicht um Gesetze
handelt. Gesetze würden in einem bestimmten Territorium aus sich
heraus Geltung beanspruchen, ohne dass die Adressaten sich diesen Regeln unterwerfen oder sie anerkennen. Bei privaten Regeln ist
dies jedoch gänzlich anders. Alle Reiter haben in irgendeiner Form
Lizenzen bzw. Reitausweise und müssen bei den Verbänden registriert sein, wobei sie sich jeweils den Regeln für einen bestimmten
Zeitraum unterwerfen. Gleiches gilt inzwischen auch für Tierärzte
im internationalen Bereich, die als sogenannte „treating vets“ auf
Turnieren agieren wollen. Bei Eigentümern kann unter Umständen
allein durch die Teilnahme ihres Pferdes an einem Wettkampf von
einer schlüssigen vertraglichen Verpflichtung ausgegangen werden.
Bei Pflegern und Trainern ist dies häufig schwieriger, jedenfalls soweit Akkreditierungen etc. fehlen. Der WADA-Code wurde dahingehend geändert, dass auch die sogenannte Entourage erfasst wird,
also sonstige Beteiligte neben dem Reiter, Fahrer und Voltigierer. So
soll vermieden werden, dass beispielsweise Tierärzte Alibiaussagen
zugunsten des Reiters vornehmen, weil sie selbst nicht mit eigenen
Medikamentös verschleierte Muskel-,
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Spektrum
Sowohl im Training als auch auf dem Turnierplatz werden
Bundeskaderpferde kontrolliert.
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Sanktionen rechnen müssen. In der Vergangenheit gab es relativ
häufig unwahre Geschichten über Behandlungen, von denen der
Reiter angeblich nicht wusste – mit dem Ziel, diesen zu entlasten.
Trainingskontrollen
Anders als wohl in allen sonstigen Sportarten gibt es im globalen Pferdesport nur sehr vereinzelt Trainingskontrollen (bekannt sind noch
Trainingskontrollen in Frankreich bei Pferden). Im deutschen Pferdesport hat sich diese Situation im Jahr 2012 insoweit geändert, als alle
Bundeskaderpferde einem Trainingskontrollsystem unterliegen. Verantwortlich hierfür ist die NADA, die eine eigene Veterinärin angestellt
und einen eigenen Standard für Trainingskontrollen entwickelt hat.
Gegenstand von Trainingskontrollen ist die sogenannte Trainingskontrollliste, es handelt sich letztlich um eine im Vergleich zur Dopingliste
noch weiter reduzierte Liste. Auf der Liste finden sich unter anderem
Stimulantia, Sedativa und Narkotika, anabole Substanzen, Hormon­
antagonisten und Modulatoren. Als verbotene Methoden aufgeführt
sind zusätzlich Blutdoping und künstliches Verbessern der Aufnahme,
des Transports oder der Freisetzung von Sauerstoff.
Mit der Einführung eines derartigen Trainingskontrollsystems hat
die FN insoweit Neuland betreten, als offensichtlich keine andere
nationale Federation innerhalb der FEI ein solches Unternehmen
bisher in Angriff genommen hat. Das Regelwerk der FEI sieht für nationale Verbände keinen Zwang vor, Trainingskontrollen einzuführen, allerdings ausdrücklich die Möglichkeit, etwas Entsprechendes
zu installieren. Ein eigenes Trainingskontrollsystem hat die FEI bisher nicht geschaffen.
Von der Probenentnahme bis zur Strafe
Auf Turnieren kann jederzeit eine Medikationskontrolle durchgeführt werden. Hierbei wird grundsätzlich versucht, sowohl Urin als
auch Blut zu entnehmen. Soweit das Pferd innerhalb einer vorgegebenen Wartezeit nicht uriniert, wird lediglich eine Blutprobe genommen. Die Probe wird anschließend aufgeteilt auf mehrere Behälter,
die versiegelt und in einer Kühlkette an ein akkreditiertes Labor gesendet werden. Kommt es zu einer positiven Analyse, wird zunächst
die Anti-Doping-Organisation benachrichtigt, das heißt FN oder FEI
(NADA bei Trainingskontrollen). Dann wird zunächst intern kontrolliert, ob gegebenenfalls eine Ausnahmegenehmigung vorlag oder ob
es eine Abweichung von Standards für Kontrollen gab, anschließend
wird der Verantwortliche informiert. Dieser hat die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist eine Analyse der B-Probe zu beantragen. Diese kann nach dem Regelwerk der FEI generell, nach dem
der FN ausnahmsweise in einem anderen Labor erfolgen als dem,
das die A-Probe analysiert hat. Bestätigt das Ergebnis der B-Probe die
A-Probe, so liegt der Nachweis einer verbotenen Substanz vor. Ergibt
die Analyse der B-Probe jedoch kein positives Ergebnis, ist das Verfahren beendet, soweit der Verband nicht mit anderen Mitteln den
Nachweis eines Vergehens belegen kann. Im Falle des Nachweises
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
von Dopingsubstanzen schließen FN und FEI die Reiter und auch die
Pferde mit sofortiger Wirkung von der Teilnahme an Turnieren aus,
sie werden vorläufig suspendiert.
Je nachdem, ob eine Doping- oder Medikationssubstanz gefunden wurde, teilt sich bei der Zuständigkeit der FEI das weitere Verfahren auf. Soweit es sich um den Nachweis einer Doping­substanz
handelt, ist der Fall dem Tribunal der FEI vorzulegen, das mit sieben
Richtern besetzt ist, den einzelnen Fall aber in der Regel mit einem
Gremium von drei Richtern entscheidet. Handelt es sich lediglich
um den Nachweis einer Medikationssubstanz, kommt es zu dem genannten Fast-Track-Verfahren. Das Tribunal der FEI befasst sich mit
derartigen Fällen nur, soweit einer der Ausnahmefälle vorliegt, die
ein Fast-Track-Verfahren ausschließen – eine Probe anlässlich der
Olympischen Spiele oder Weltreiterspiele sowie im Falle der Anwendung mehrerer Substanzen und bei Wiederholungstätern innerhalb
von vier Jahren.
National wird das Verfahren in Pferdefällen durch die Disziplinarkommission der FN geführt. Weil beide „Gerichte“ Vereinsgerichte
sind, handelt es sich letztlich nicht um rechtsprechende Tätigkeit,
sondern um exekutives Handeln der Verbände selbst. Konsequenz
hat das für den weiteren Rechtsweg: Es wäre unzulässig (und ist auch
nicht angestrebt), den Rechtsweg zu ordentlichen oder Schiedsgerichten auszuschließen.
Innerhalb der genannten Verfahren werden durch die zuständige Disziplinarkommission oder das Tribunal der FEI Strafen ausgesprochen. Die Höhe des Strafmaßes beträgt bei Nachweis einer
Dopingsubstanz regelmäßig zwei Jahre, kann jedoch aufgrund außergewöhnlicher Umstände reduziert werden. Hierzu muss der
Verantwortliche nachweisen, wie die verbotene Substanz in den Organismus des Pferdes gelangt ist und dass er hierbei nicht grob gegen
die Sorgfaltspflicht verstoßen hat. Ohne den Nachweis, wie die Substanz in das Pferd gelangt ist, kann das Verschulden des Verantwortlichen nicht berücksichtigt werden. Denn in dem Fall fehlt es schon
an jeder Tatsachengrundlage, um ein eventuelles Verschulden zu
prüfen. Bei Wiederholungstätern erhöht sich das Strafmaß deutlich.
Pferde werden in dem Verfahren selbstverständlich nicht bestraft,
weil sie rechtlich als Tiere nicht verantwortlich sind. Sie werden jedoch national und international gesperrt, nach den Regeln der FEI
für sechs Wochen, nach FN-Regelwerk bei Nachweis einer Dopingsubstanz oder Anwendung einer verbotenen Methode regelmäßig für
acht Wochen. Soweit eine anabole Substanz gefunden wird, beträgt
die Dauer des Ausschlusses des Pferdes dagegen sechs Monate.
Der Dopingprozess
Im Dopingprozess sind es häufig beweisrechtliche Fragen, die darüber entscheiden, ob ein Sportler sanktioniert wird. Nachdem sich in
der Vergangenheit einige juristische Hardliner von der Idee automa-
© Okainara / iStockphoto
tischer Strafen zur Bekämpfung von Doping verabschieden mussten,
sind zwei Ebenen zu unterscheiden: Der Nachweis eines Dopingvergehens und der Nachweis des Verschuldens des Sportlers. Beide
Nachweise müssen kumulativ vorliegen, damit ein Sportler gesperrt
werden kann. Dieses Verschuldenserfordernis liegt letztlich auch
dem WADA-Code und den ihm nachgebildeten Regelwerken von FN
und FEI zugrunde.
Das normale Dopingvergehen – nämlich das Vorhandensein
einer verbotenen Substanz im Körper des Pferdes – ist ein Verstoß
gegen Anti-Doping-Bestimmungen. Es ist die persönliche Pflicht
einer jeden verantwortlichen Person, dafür zu sorgen, dass keine
verbotenen Wirkstoffe im Körper des Pferdes sind. Für den Beweis
des Vorhandenseins einer verbotenen Substanz im Körper des Pferdes ist der Verband verantwortlich. Dieser Beweispflicht kommt der
Verband durch den Nachweis einer positiven A- und/oder B-Probe
nach. Das Beweismaß – also der Grad an Überzeugung des Gerichts,
der notwendig ist, damit der Beweis einer streitigen Tatsache gelingt
– ist dahingehend geregelt, dass der Verband überzeugend darlegen
kann, dass ein Verstoß gegen Anti-Doping- und Medikationskontrollregeln vorliegt. Dabei ist die Schwere des Vorwurfs zu berücksichtigen. Um diese Anforderung zu erfüllen, muss wahrscheinlicher
sein, dass ein Verstoß vorliegt, als dass er nicht vorliegt. Es muss jedoch nicht jeder vernünftige Zweifel ausgeschlossen werden. Dieses
Beweismaß ist letztlich dem WADA-Code entnommen und in den
Regelwerken beider Reitsportverbände umgesetzt.
Analysieren akkreditierte Labors die Proben, wird vermutet, dass
diese die Analyse gemäß den Laborstandards durchführen sowie
dass die Proben entsprechend gelagert und aufbewahrt wurden. Diese Vermutung kann die verantwortliche Person widerlegen, indem
sie nachweist, dass eine Abweichung vom Laborstandard stattgefunden hat, die nach vernünftigem Ermessen ein von der Norm abweichendes Analyseergebnis verursacht haben könnte. Die Abweichung
vom Verfahren muss also möglicherweise kausal für das Ergebnis
sein, eine rein formale Betrachtung genügt nicht.
Hat der Verband den Beweis eines Dopingvergehens geführt,
so ist es Sache der verantwortlichen Person, auf einer ersten Stufe
nachzuweisen, wie die verbotene Substanz in das Pferd gelangt ist.
Für diesen Nachweis gilt zugunsten der verantwortlichen Person ein
geringeres Beweismaß als für den Verband beim Nachweis des Dopingvergehens: Die verantwortliche Person muss beweisen, dass die
Wahrscheinlichkeit, dass die Substanz auf einem bestimmten Weg ins
Pferd gelangte, mindestens gleich hoch ist wie die Wahrscheinlichkeit
eines anderen Weges. Diese Regel, die wiederum dem WADA-Code
nachgebildet ist, war ursprünglich für den Humansport gedacht.
Hintergrund ist die Annahme, dass natürlich der Sportler dem Inhalt
seines Körpers näher ist, als der den Sport organisierende nationale
und der internationale Verband. Das ist beim Nachweis von verbotenen Substanzen in Pferden ebenfalls anzunehmen. Jedoch muss hier
berücksichtigt werden, dass sich die Pferde nicht 24 Stunden in der
Obhut der verantwortlichen Personen befinden und auch die Organisations- und Managementanforderungen an die verantwortliche
Person danach differieren, ob diese den Sport als Amateur (Unterbringung des Pferdes in einem Pensionsbetrieb) oder als professioneller Reiter (Unterbringung des Pferdes im eigenen Stall) betreibt.
Gelingt es dem Sportler nicht, mit dem genannten Beweismaß nachzuweisen, wie die verbotene Substanz in das Pferd gelangt ist, so verbleibt es bei der Regelsperre von zwei Jahren. Das Verschulden des
Sportlers kann nicht berücksichtigt werden, weil schon eine Tatsachengrundlage für die Prüfung des Verschuldens komplett fehlt.
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Spektrum
Auf dieser Ebene sind in zahlreichen Dopingverfahren die größten Schwierigkeiten festzustellen. Trägt eine verantwortliche Person
eine Kontamination von Futter oder ähnliches vor, ist es erforderlich, dass die verantwortliche Person nicht nur nachweist, dass ein
bestimmtes Futter kontaminiert ist, sondern auch, dass das Pferd
gerade mit dem kontaminierten Futter gefüttert worden ist. Hierzu
kann nur der dringende Rat gegeben werden, genau darüber Buch
zu führen, welche Chargen von Futter genutzt wurden und auch die
entsprechenden Belege und Kennzeichnungen der Futtersäcke etc.
aufzubewahren. In der Vergangenheit hat es zahlreiche derartige
Verfahren gegeben, die zum Teil zu erheblichen Kosten sowohl auf
Seiten des Verbandes als auch auf Seiten des Reiters geführt haben.
In Einzelfällen wurde eine Verunreinigung von Pferdefutter z. B.
durch Ractopmine im FEI Verfahren 2009/25 jedoch durchaus erfolgreich nachgewiesen.
Ist der Nachweis geführt, wie die Substanz in das Pferd gelangt ist,
muss das Verschulden des Athleten berücksichtigt werden. Trifft ihn
gar kein Verschulden, so kann von einer Sperre abgesehen werden.
Trifft ihn kein signifikantes Verschulden, so kann die Sperre herabgesetzt werden. Sie beträgt dann aber immer noch mindestens die
Hälfte der sonst zu verhängenden Sanktion bei Anwendung des Regelstrafmaßes von zwei Jahren, also mindestens ein Jahr. Eine derartige Untergrenze enthalten die Vorschriften der FN nicht.
Weiterhin kann die Strafe milder ausfallen, wenn die verantwortliche Person den Verband beim Nachweis des Dopingvergehens
maßgeblich unterstützt sowie bei einem Geständnis vor der Probenentnahme. In besonderen Fällen kann auch eine höhere Strafe mit
einem Höchstmaß bis zu vier Jahren festgesetzt werden.
Hilfreiche Links
www.unesco.de/sport Unter www.pferd-aktuell.de
werden im FN-Shop unter „Broschüren, Formulare, Verträge“ unter dem Stichwort „Fairer Sport“ viele Informationen zum Herunterladen oder Bestellen angeboten.
Unter www.fei.org können Informationen der FEI zum
Thema Dopingkontrolle für Reiter oder Fahrer unter
„Your role: Athletes“ und „Athlete Doping Control“
nachgelesen werden.
Standards zur Medikationskontrolle bei Pferden in
Trainingsphasen sind zu finden unter
www.nada-bonn.de, Stichwort Doping-Kontroll-System,
Medikationskontrollen bei Pferden.
Rechtsschutz
Da es sich bei beiden Verbänden um Vereine handelt, stellen Strafen, welche die im Verband zuständigen Instanzen aussprechen,
letztlich keine Rechtsprechungstätigkeit dar, sondern sind verbands­
exekutives Handeln. Die Folge ist, dass die Sanktionierten das Recht
haben, die Sanktion durch ein Gericht überprüfen zu lassen. Dieses
kann ein ordentliches, das heißt staatliches Gericht sein, oder aber
ein echtes unabhängiges Schiedsgericht im Sinne der deutschen
Zivilprozessordnung oder des New Yorker Übereinkommens über
Schiedsgerichtsbarkeit. Voraussetzung für die Zuständigkeit eines
Schiedsgerichts ist der Abschluss einer Schiedsvereinbarung zwischen Verband und Sportler, die dann den Weg vor staatliche Gerichte ausschließt.
National
Wird bei einem Reiter eine verbotene Substanz nachgewiesen, so
spricht die FN selbst keine Sanktion aus, sondern hat die Zuständigkeit zur Verhängung einer Sanktion auf das Deutsche Sportschiedsgericht übertragen. Dieses setzt auf Antrag des Verbandes eine Strafe
fest. Gegen die Entscheidung des Deutschen Sportschiedsgerichts,
bei dem es sich um ein echtes unabhängiges Schiedsgericht handelt,
hat der Sportler die Möglichkeit, den Court of Arbitration for Sport
(CAS) in Lausanne anzurufen.
Wird auf einem Turnier eine verbotene Substanz der Liste 1 (Doping) oder Liste 2 (Medikation) gefunden, so wird zunächst der
Verantwortliche von der FN selbst sanktioniert – unter Zuständigkeit ihrer Disziplinarkommission. Dagegen hat der Verantwortliche
die Möglichkeit, innerhalb des Verbandes das sogenannte Große
Schiedsgericht der FN anzurufen. Hierbei handelt es sich ebenfalls
um ein Vereinsgericht und trotz des Namens nicht um ein echtes
unabhängiges Schiedsgericht. Aus diesem Grunde muss wiederum
die Möglichkeit gegeben sein, dagegen unabhängige Gerichte anzurufen. Da die FN bisher nicht mit allen Reitern eine Schiedsvereinbarung geschlossen hat, sind die staatlichen Gerichte für eine
Überprüfung zuständig.
Wird bei den Bundeskaderpferden im Training eine verbotene
Substanz im Sinne der Liste 3 gefunden, ist zunächst wiederum die
Disziplinarkommission der FN zuständig, wogegen der Verantwortliche die Möglichkeit hat, das Deutsche Sportschiedsgericht anzurufen. Dessen Entscheidung ist wiederum vor dem CAS anfechtbar.
International
Wird unter internationalem Regelwerk eine Dopingsubstanz oder
eine für Reiter verbotene Substanz nachgewiesen, so ist das FEI
Tribunal für die Sanktionierung zuständig. Dagegen hat die verantwortliche Person die Möglichkeit, den CAS anzurufen. Bei Nachweis
einer Medikationssubstanz ist regelmäßig das Fast-Track-Verfahren
der FEI zu durchlaufen, Pferd und Reiter werden also lediglich disqualifiziert und alle Preise aberkannt. W
Informationen des Deutschen Sportschiedsgericht
stehen unter www.dis-sportschiedsgericht.de
Die Internetadresse des Court of Arbitration for Sport
lautet: www.tas-cas.org
Informationen über Trainingskontrollen in Frankreich
können abgerufen werden unter:
www.afld.fr/controle/controle/dopage-animal
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Über den Autor
Professor Dr. Jens Adolphsen ist Inhaber der Professur für
Bürgerliches Recht, nationales und internationales Zivilverfahrensrecht und Sportrecht an der Justus-Liebig-Universität
Gießen und Vorsitzender des Tribunals der FEI.
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Spiegel 2007; 10(I): 33-39
2 Jones EW et al:The current status
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Vet Sci 16(2) 153-57
3 NADA 140-901, FDA original approval,
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1,60 m möglich. Für die Sicherheit sorgen ein automatisches
Auffangsystem sowie ein spezieller Laufrahmen. Beim Umpumpen des Wassers vom Laufbecken
in den Wasservorratstank werden
Verunreinigungen aus dem Was-
ser gefiltert. Für eine hygienische
Reinigung lässt sich das Laufband vollständig hochklappen.
PHYSIO-TECH GmbH
Medizin- und
Sportgerätetechnik
www.physio-tech.com
Ab September 2013 verfügbar – der neue EXAMION® DR 1012 WiFi
Das kabellose DR-System im Format 25 × 30 cm für Ihre digitalen
Röntgenaufnahmen am Pferd!
Durch seine ultrakompakte und
extrem leichte Bauweise ist die
Mobilität speziell im Außeneinsatz gesichert. Profitieren
auch Sie von brillanten digitalen
Röntgenaufnahmen.
Mit dem EXAMION® DR 1012
WiFi ist es ein Leichtes, qualitativ hochwertige Röntgenbilder
zu erstellen. Dieser Detektor
verfügt über die Vorzüge unserer
DR-Systeme und ist für den
Pferdetierarzt im Außeneinsatz
64
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
eine unvergleichlich praktische
Alternative. Nach der Belichtung übermittelt der Detektor
das Röntgenbild digital an
die Aufnahmekonsole. In nur
wenigen Sekunden wird dieses
auf dem Bildschirm der Konsole
angezeigt und kann im speziell
hierfür entwickelten „Pferdemodus“ der EXAMION® AQS Software befundet bzw. bearbeitet
werden. Darüber hinaus können
Röntgenbilder unkompliziert
und schnell an einen Drucker,
ein PACS oder andere Zielgeräte
gesendet werden.
Maximale Flexibilität!
Lernen Sie auch unser
Angebot an EXAMION®
Röntgengeneratoren
kennen. So ist beispielsweise der EXAMION®
PX 20 HF Battery der
optimale tragbare Röntgengenerator für mobile
radiologische Anwendungen bei Pferden. Das geringe
Gewicht mit Duallaserpeilung
und acht Speicherfunktionstasten machen diesen portablen
Röntgengenerator zum perfekten
Begleiter in Ihrem Arbeitsalltag.
Der tragbare EXAMION®
PX 20 HF Battery ist Ihr
Röntgengenerator für
flexible Allround-Röntgenuntersuchungen bei
Pferden.
Sprechen Sie uns an,
wir freuen uns auf Sie!
EXAMION GmbH
Erich-Herion-Str. 37
70736 Fellbach
Tel. 0711 120002-0, Fax -22
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www.examion.de
Mobiles EKG
Televet erweitert seine Produktpalette um die „Mobile Option“
zur vollständigen Mobilität bei
der Echtzeitanalyse im Feld.
Das Televet 100 zeichnet sich
vor allem durch seine Vielseitigkeit aus. So kann es verwendet
werden als:
• stationäres EKG für Kleinund Großtiere (auch zur OPbzw. Intensiv-Überwachung),
• 24 Stunden Holter-EKG v. a.
beim Kleintier und
• Foetus- sowie BelastungsEKG vorwiegend beim Pferd.
Einige Anwendungen, z. B. Ausdauertests und Trainingsläufe,
konnten bisher nur schwer mit
einem EKG in Echtzeit überwacht werden, da die Übertragung zwischen EKG-Aufnahmegerät und PC bislang der
Reichweitenbeschränkung von
Bluetooth unterlag. Die Verwendung eines handelsüblichen
Handys ermöglicht Televet nun
eine unbegrenzte Reichweite
und vollständige Mobilität.
Die „Mobile Option“ verwendet das normale Televet EKGAufnahmegerät. Dies verbindet
sich über Bluetooth mit einem
Handy, das am Patienten oder
dem Reiter montiert ist. Das
Handy leitet die EKG-Daten in
Echtzeit über das Mobilfunknetz
an einen Server weiter, von dem
sich der PC die Daten wiederum in Echtzeit abholt. Falls die
Verbindung über das Mobilnetz
einmal abbricht, nutzt das System die SD-Speicherkarte des
Handys zur kontinuierlichen
Aufzeichnung des EKGs.
Der Reiter kann mit dem
Handy zudem Marker setzen,
die im EKG angezeigt werden.
Weiterhin werden auch GPSDaten (Ort, Geschwindigkeit)
vom Handy in den EKG-Datenstrom integriert, was wiederum
neue Analysen ermöglicht. So
unterstützt die Televet Mobile
Option als Standard z. B. die
Darstellung von Herzrate über
Geschwindigkeit.
Weitere Informationen
erhalten Sie unter
www.televet.de
oder bei der Firma Selectavet
Dr. Otto Fischer GmbH
Tel. 08063 80480
PEGASUS MOBIL – Praxissoftware Smartphone-App in neuem Design
Das Praxissoftware Smartphone-App PEGASUS MOBIL
gibt es jetzt mit neuer Benutzeroberfläche. Noch komfortabler,
intuitiver und einfacher in der
Bedienung! PEGASUS MOBIL
ist die optimale Lösung für Tierärzte mit Großtier- und Pferdepraxis, um Behandlungen direkt
vor Ort aufzuzeichnen.
Die Vorteile:
• Sie haben die Kunden- und Patientendaten immer zur Hand.
• Den Arzneimittel-Anwendungs- und Abgabebeleg und
das Bestandsbuch erstellen
Sie vor Ort und schicken Sie
per Mail an den Kunden.
• Sie erfassen Leistungen nur
einmal und vermeiden
dadurch Übertragungsfehler.
• Sie können SmartphoneFotos von Behandlungen
direkt einbinden.
Die Praxissoftware PEGASUS
wurde von der Tierärztlichen Verrechnungsstelle Niedersachsen in
enger Zusammenarbeit mit Veterinärmedizinern entwickelt und
ist seit vielen Jahren in den Praxen
und Kliniken unserer Mitglieder
erfolgreich im Einsatz. PEGASUS
und PEGASUS MOBIL sind nur
erhältlich für Mitglieder der tvn.
Als Mitglied in der tvn haben Sie
viele Vorteile:
• Wir stellen Ihnen die Praxissoftware PEGASUS und das Smartphone-App PEGASUS MOBIL
zur Verfügung und schulen
Sie vor Ort in der Anwendung.
Unser hauseigener Support hilft
kompetent und zuverlässig.
• Abrechnung von tierärztlichen Leistungen
• Fakturierung, Mahnung,
Inkasso
• 80 % Vorfinanzierung
Weitere Informationen:
Tierärztliche Verrechnungsstelle
Niedersachsen r.V.
Danziger Straße 1, 31008 Elze
Tel. 05068 9307-0
Fax 05068 9307-80
[email protected]
www.tvn-elze.de
Vitamin E der Firma Navalis – beugt Belastungsmyopathien vor
Bei erhöhter Leistung steigt die
oxidative Stressbelastung bzw.
die Produktion freier Radikale
beim Pferd stark an. Gleichzeitig
reichen die körpereigenen
Speicherkapazitäten an Antioxidantien situationsbedingt
nicht mehr aus, um den Mehrbedarf auszugleichen. Zum
Schutz vor Belastungsmyopathien sollte eine Supplementierung mit Vitamin E erfolgen.
orthosal® VITAMIN E enthält als erstes hochdosiertes
Vitamin-E-Monopräparat aus-
schließlich natürliche α-, β-, γund δ-Tocopherole. Im Vergleich zu den üblichen synthetischen Verbindungen verfügt
das Präparat über eine mindestens doppelt so hohe antioxidative Wirkung, ist zudem viel
verträglicher und wird besser
angenommen.
Vitamin E gilt als das wichtigste fettlösliche Antioxidans
im Organismus. Als Bestandteil
jeder Zellmembran verhindert
es oxidative Prozesse wie sie
durch Entzündungen oder hohe
Stoffwechselentgleisungen
entstehen können, die zur Zerstörung der Zelle führen, und ist
damit für die Zellwandintegrität
unerlässlich.
Weitere Anwendungsgebiete
von orthosal® VITAMIN E:
• Ausgleich eines Vitamin-EMangels
• Steigerung der Fruchtbarkeit
bei Stute und Hengst
• Förderung der Fohlengesundheit und Stärkung des
Immunsystems durch Antikörpertransfer über die Milch
• Begleitend
bei Hufrehe
(EMS/ECS)
• Verbesserung des
Immunstatus
• Therapie­
begleitend bei EMS
Weitere Informationen
zum Präparat sowie zur
Dosierung von orthosal®
VITAMIN E finden Sie unter
www.navalis-vet.de
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
65
marktplatz
Die Verantwortlichkeit für die Texte und Bildrechte liegt ausschließlich bei den werbenden Unternehmen.
COMPOSE® 2x: Futterzusatz für ängstliche oder leicht
erregbare Pferde – jetzt brandneu in Deutschland!
Wer kennt sie nicht, Stresssituationen für Pferde, z. B. beim
Verladen, in fremder Umgebung
oder beim ersten Ausritt.
COMPOSE® 2x ist ein sehr
wirksames, beruhigendes Futterkonzentrat zur kurzfristigen oder
dauerhaften Anwendung. Es
enthält wichtige Nährstoffe zur
Regulierung der Nervenfunktion
wie Magnesium, L-Tryptophan
als essenzielle Aminosäure und
Thiamin (Vitamin B1).
L-Tryptophan ist Grundstoff
einer Substanz, die die Signalübertragung im Gehirn beeinflusst
und in herkömmlichem Futter nur
geringfügig enthalten ist. Thiamin
ist wichtig für den Energiestoffwechsel und beugt Unruhe und
Hyperaktivität vor. Magnesium
unterstützt die Funktion von
Nervensystem und Muskeln.
Erhältlich in Packungen von
0,5 und 2 kg bei Ihrem Tierarzt.
Kontakt:
Frau Karen Zetsche
Tel. 040 86629225
[email protected]
Erfolgreiche Langzeitbehandlungen mit dem PM Pferde-Schwinglifter
Im Juli 2013 wurde der bisher
längste Einsatz des PM PferdeSchwinglifters erfolgreich abgeschlossen. Über sechs Monate
wurde das Rehepferd flexibel
entlastet und damit nicht nur
gerettet, sondern Folgeschäden
der Rehe minimiert. Mit sichtlichem Wohlgefühl konnte es
sich in der Box frei bewegen und
sogar hinlegen.
„Für manche Fälle ist es die
einzige Behandlungsmöglichkeit“, sagen Tierärzte und Tierkliniken zu ihren Erfahrungen
mit dem PM Pferde-Schwinglifter in der Behandlung von
akuter Hufrehe, Frakturen und
Sehnenverletzungen. „Aber
auch bei einfacheren Fällen
verbessern sich die Heilungschancen deutlich.“
Das Erfolgsrezept ist die
gleichmäßige, federnde Teilentlastung. Während sich das Pferd
wie gewohnt in der Box bewegt,
wird das Eigengewicht um 50
bis 200 kg reduziert, was individuell eingestellt und jederzeit
angepasst werden kann. Dies
ist möglich durch die federnde
und frei drehbare Einpunktaufhängung an gleitenden Trägern
und durch das schonende,
flexibel einstellbare Gurtsystem.
Das beugt Problemen wie Belastungsrehe, Verdauungsstörungen
oder Druckstellen wirksam vor.
Der patentierte PM PferdeSchwinglifter wird seit 2009 in
namhaften Pferdekliniken im
In- und Ausland erfolgreich
eingesetzt. Das Bild zeigt Ronja,
die 2010 in der Pferdeklinik
Burg-Müggenhausen behandelt
wurde. Die mobile Version zum
Mieten ermöglicht Behandlungen von nicht transportfähigen
Pferden in allen Stallungen,
auch „zuhause“ vor Ort.
Weitere Informationen
zum PM Pferde-Schwinglifter,
zu Standorten, Referenzen
und Videos finden Sie unter
www.Pferde-Schwinglifter.de
Michael Puhl GmbH
Prof.-Peter-Wust-Str. 32a,
66679 Losheim am See
Tel. 06832 475
Warmblood Fragile Foal Syndrome (Ehlers-Danlos-Syndrom)
Das Warmblood Fragile Foal
Syndrome (WFFS) ist eine erbliche Bindegewebsschwäche,
die sich bereits direkt nach der
Geburt des Fohlens bemerkbar
macht. Die Symptome sind vergleichbar mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom beim Menschen.
Die Haut ist extrem überdehnbar und lässt sich weit vom
Körper ablösen. An dünneren
Hautstellen, z. B. an den Gelenken, reißt sie oft schon bei
leichten Berührungen.
Die Gelenke sind überstreckbar,
am deutlichsten ist dies bei den
Fesselgelenken zu sehen. Be-
66
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
troffene Fohlen können daher
meist nicht normal stehen. Aufgrund der schlechten Prognose
werden Fohlen mit WFFS kurz
nach der Geburt euthanasiert.
Nicht alle Fohlen kommen
nach der normalen Trächtigkeit
zur Welt, auch Frühgeburten und
Aborte aufgrund von WFFS sind
bekannt. WFFS wird autosomalrezessiv vererbt. Das bedeutet,
dass ein Fohlen nur erkrankt,
wenn es je ein betroffenes Gen
von Vater und Mutter erhalten
hat. Es müssen also sowohl
Vater- als auch Mutter­tier das
mutierte Gen tragen. Trägertiere
selbst sind klinisch unauffällig,
geben die Erbanlage jedoch mit
einer Wahrscheinlichkeit von
50 % an ihre Nachkommen
weiter. Bei der Verpaarung von
zwei Trägern besteht die Gefahr,
dass die Nachkommen von der
Erkrankung betroffen sind (25%).
Der Gentest ist hier die einzige
Möglichkeit eine solche Anpaarung zu vermeiden. Betroffen
sind Warmblüter aller Rassen,
die Trägerfrequenz liegt bei
knapp 9 %.
Die für WFFS verantwortliche Mutation wurde von der
Arbeitsgruppe um Dr. Nena
J. Winand an der Cornell University gefunden. LABOKLIN
konnte die exklusive Lizenz für
den WFFS-Gentest erwerben
und besitzt somit das alleinige
Untersuchungsrecht in Europa.
[email protected]
www.laboklin.de
R+V Allgemeine Versicherung AG:
Versicherungen für Pferd und Reiter
Die Tierleben-Versicherung für
Pferde sichert den Wert Ihres
Pferdes, wenn es z. B. durch einen Unfall oder eine Krankheit
zu Schaden kommt.
Zur Absicherung bestehen
verschiedene Möglichkeiten:
• Allgefahrendeckung: Bei Tod
oder Nottötung des Pferdes
infolge einer Krankheit oder
eines Unfalls erhalten Sie die
vereinbarte Versicherungssumme.
• Unfalldeckung: Wenn Sie den
Versicherungsschutz aus-
schließlich auf die Gefahren
eines Unfalls begrenzen
möchten.
Je nach Verwendungszweck des
Pferdes können Zusatztarife
gewählt werden:
• Dauernde Unbrauchbarkeit
zum Reiten oder Fahren bzw.
dauernde Zuchtuntauglichkeit
• Fahrprüfungen
• Vielseitigkeit
• Distanzritte
• Schleifen und Fahren von
Langholz
• Baustein Kolik-Operationskosten-Versicherung
Gebührenordnung für Tierärzte
bis zur vereinbarten Entschädigungsobergrenze übernommen.
Verschaffen Sie sich einen
Überblick: www.ruv.de/de/
privatkunden/tierversicherung/
pferdelebenversicherung/index
jsp?WT.mc_id=01-1034-309
20120322
Die Operationskosten-Versicherung kann als Baustein in
Verbindung mit der Allgefahrenoder Unfalldeckung sowie als
Einzelvertrag abgeschlossen
werden. Falls eine Operation unter Vollnarkose in einer Tierklinik
stattgefunden hat, werden die
Kosten für tierärztliche Leistungen, Medikamente und die Nachsorge in der Klinik unabhängig
vom abgerechneten Satz der
Sprechen Sie mit uns!
Ulrike Seim, Raiffeisenplatz 1
65189 Wiesbaden
Tel. 0611 5339662
[email protected], www.ruv.de
Weidehygiene ab sofort auch mit Kalkstickstoff-Kali-Dünger
Einen neuen und besonders
für Pferdeweiden geeigneten
NK-Dünger hat die AlzChem AG
entwickelt. Seit Jahrzehnten hat
sich der Dünger KalkstickstoffPerlka bereits zur Verbesserung
der Weidehygiene bewährt.
Denn nach dem Ausstreuen
des Düngers treten im Boden
kurzfristig Umsetzungsprodukte
auf, die für die Infektionslarven
vieler Weideparasiten nicht
verträglich sind. Eine Kalkstickstoff-Düngung im zeitigen
Frühjahr regt daher nicht nur
den Graswuchs an, sondern
dezimiert zugleich die überwinternden Larven von Blut-,
Magen-, Darm- und Lungenwürmern. Diese Düngungsmaßnahme sichert den Erfolg einer
medizinischen Entwurmung ab,
denn die Pferde infizieren sich
auf der Weide nicht so rasch
wieder neu. Als lästig wurde von
manchen Anwendern jedoch
empfunden, dass meist in
einem zweiten Arbeitsgang
auch noch mit Kalium gedüngt
werden muss. Daher produziert
AlzChem ab sofort einen NKDünger mit 15 % Stickstoff und
18 % wasserlöslichem Kalium.
Der Stickstoff liegt in Form
des bewährten KalkstickstoffPerlka vor. Neben Stickstoff und
Kalium enthält der neue Dünger
„Perlka NK“ weiterhin16 %
wasserlösliches Calciumoxid.
Durch den hohen Anteil an
wasserlöslichen Bestandteilen
ist „Perlka NK“ besonders reaktionsfreudig und löst sich rasch
auf. Die für Weideflächen wichtigen Nährstoffe Stickstoff, Kali
und Calcium können jetzt in
einem Arbeitsgang verabreicht
werden.
Der neue Dünger wird über den
Agrarhandel vertrieben und in
600-kg-BigBags ausgeliefert.
Weitere Informationen:
www.alzchem.de
Endlich – kabelloses Röntgen mit dem Leonardo DR mini
Die Oehm und Rehbein GmbH
aus Rostock hat eine der weltweit kleinsten und leichtesten
Kofferlösungen mit nur 9,5 kg
für portables, digitales Röntgen
auf den Markt gebracht. Mit
dem formschönen, aber dennoch robusten und platzsparenden Leonardo-DR-mini-Koffer
kann kabellos und im AkkuBetrieb geröntgt werden. Ein
eingebauter Laptop mit hoher
Bildschirmauflösung sowie die
integrierte Befundungs- und
Akquisitionssoftware dicomPACS® DX-R garantieren eine
ausgezeichnete Bilddarstellung.
Die intuitive Software macht
manuelle Eingaben der Röntgenparameter am Röntgengerät
(bei integriertem Generator)
unnötig und ermöglicht auch
ungeschultem Personal eine unkomplizierte Handhabung. Der
im Koffer integrierte, kabellose
DR-Detektor wiegt nur ca. 1,5 kg
und ermöglicht auf Grundlage
einer hohen Auflösung von ca.
4 Lp/mm unschlagbare Bildqualität. Seinen Einsatz findet der
Koffer in der ambulanten und
stationären Radiologie, z. B. bei
Pferde- oder Tierkliniken, der
mobilen Hauspflege, aber auch
in der maritimen und Rohstoffe
abbauenden Industrie. Besonderer Vorteil: Der Leonardo DR
mini kann auch in Gemischtpraxen sinnvoll eingesetzt
werden, ohne dass ein zusätzliches digitales Röntgensystem
benötigt wird. Neben dem
Grundpaket bietet er noch viele
weitere optionale Komponenten bzw. ein breites Angebot an
Zusatz-Accessoires. Dazu zählen
z. B. Schutzhüllen mit und ohne
integriertem Raster.
Weitere Informationen:
Oehm und Rehbein GmbH
Neptunallee 7c, 18057 Rostock
Tel. 0381 36600500
Fax 0381 36600555
[email protected]
www.oehm-rehbein.de
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
67
marktplatz
Die Verantwortlichkeit für die Texte und Bildrechte liegt ausschließlich bei den werbenden Unternehmen.
Der THERZ-Sattel
Der neue, ergonomisch
geformte THERZ-Sattel ist in
Zusammenarbeit von DIPOPferdeosteotherapeuten und
Sattelherstellern entwickelt
worden. Um den anatomisch
korrekten Sitz des Sattels zu gewährleisten, wird er ausschließlich von DIPO-zertifizierten
Sattelexperten angepasst.
Stabiles Kernstück des
THERZ-Sattels ist der mit Längsund Quergurten bespannte
Holz-Stahlfederbaum, der sich
auch bei größerer Belastung
nicht verformt, da er dem Reiter
den optimalen Sitzpunkt vorgibt. Dieser Punkt liegt dort, wo
das Pferd den Reiter am besten
tragen kann – auf Höhe des
zwölften Brustwirbels.
Das geschmiedete Kopfeisen
übernimmt als Teil des Sattelbaums die Druckverteilung des
Reitergewichts im vorderen
Drittel der Sattellage. Die Orte
des Kopfeisens weisen leicht
vom Pferdekörper fort, um sich
nicht in dessen Muskulatur
bohren zu können.
Des Weiteren
wird der Sattel
ausschließlich
mit punktuell
angehefteten,
französischen
Sattelkissen
gefertigt. Diese
sind mit Naturwolle gefüllt und werden
komplett mit Filz ummantelt.
Dadurch passen sie sich der
bewegenden Muskulatur und
kleinen Asymmetrien des Pferdes optimal an.
Der THERZ-Sattel ist
mit drei Kurzstrupfen
ausgestattet und bedingt
daher einen Langgurt.
Dieser ist anatomisch
funktioneller als ein
Kurzgurt, da er den
Pferdekörper besser
umschließt. Dies sorgt
zusätzlich für eine
präzise Positionierung des
Sattels auf dem Pferderücken.
Weitere Informationen unter:
www.THERZ.de
POWERGRAS – das bessere Futter
Bis vor 25 Jahren führten wir
einen traditionellen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdehaltung. Eines unserer Pferde
litt damals schon an einer
Heustauballergie, die absolut
staubfreies Füttern erforderlich
machte. Also stellte sich die
Frage nach einer Alternative
zum Heu. Da die Grassilagen
auf dem damals verfügbaren
Markt alle zu nass und zu
eiweißreich waren, kamen sie
als Pferdefutter nicht in Frage.
So entstand die Idee, selber
eine Heulage zu produzieren,
die den Bedürfnissen unseres
Pferdes gerecht wurde.
Mit dem Anbau ausgesuchter Gräser sowie einem einzigartigen Produktionsverfahren
entstand unser POWERGRAS,
eine Heulage, die zu 90 % mit
frischem Gras identisch ist.
Es zeichnet sich durch einen
hohen Trockensubstanz- und
Rohfaseranteil sowie einen
geringen Eiweiß- und Fruktangehalt aus. Durch die schonende Mahd bleibt die Struktur des
Grashalmes erhalten, was eine
längere Zeit für die Futteraufnahme sowie die Anregung der
Speichelproduktion bedingt –
so ist das Pferd in der Lage, sein
Futter optimal zu verwerten.
Ein großes Problem in Heulagen ist das Clostridium botulinum. Es kann durch Sand oder
tote Tiere (Maus) in das Futter
gelangen. Seit Beginn der Herstellung von POWERGRAS setzen wir Nitrite ein, welche die
Ausbreitung des Clostridium
botulinum weitgehend verhindern.
Mit POWERGRAS werden
beste Ergebnisse bei staubempfindlichen Pferden erzielt,
zudem ist es einfach in der
Handhabung – davon konnten
sich in nunmehr 25 Jahren viele
Pferdebesitzer überzeugen.
Sollten Sie noch Fragen zu
POWERGRAS haben, stehen wir
Endo-Tech-Hamburg
Die Firma Endo-Tech-Hamburg
Bernd Grönhagen e.K. empfiehlt
sich bei Fragen für flexible
Endoskope.
Seit 35 Jahren erfahren in
Reparaturen und Gerätebau.
Videoendoskope für den
Veterinär- und Industriebereich werden im eigenen Hause
gefertigt.
68
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
Nach Absprache erfolgt die
Fertigung von Sondergeräten
und Prototypen.
Neben Gerätefertigung und
Reparaturen wird der Handel
mit gebrauchten Endoskopen
und Zubehör betrieben.
Die Firma befindet sich südlich von Hamburg direkt an der
Autobahnabfahrt Maschen.
Für weitere Informationen
stehen wir Ihnen gern zur
Verfügung: ETH Bernd
Grönhagen, Brunskamp 7
21220 Seevetal/Maschen
Tel. 04105 580584
Fax 04105 580586
[email protected]
[email protected]
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Ihnen gerne mit Rat und Hilfe
zur Verfügung!
Herstellung und Vertrieb:
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29525 Uelzen
Tel. 0581 15635
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Medikationskontrolle beim Pferd
Die Toxikologie bildet seit Jahrzehnten einen Schwerpunkt
unseres Analysenangebots. Im
LADR-Verbund verfügen wir
somit über ein akkreditiertes
Labor, welches hohe Standards
benutzt und strengen Richtlinien unterliegt. Dass dies so
bleibt, gewährleisten wir durch
regelmäßige interne und externe Qualitätskontrollen. Durch
konsequente Weiterentwicklung
der Methoden können wir zügig
auf sich ändernde Fragestellungen und neue Substanzen
reagieren. Die Aufträge sind
sowohl klinischer als auch forensischer Natur. Für den Nachweis von Medikamenten oder
Betäubungsmitteln kommen
modernste analytische Technologien wie Immunoassays,
chromatographische und mas-
senspektrometrische Verfahren
zum Einsatz. Darüber hinaus erhalten Sie bei uns kurze Befundlaufzeiten und eine individuelle
fachliche Beratung.
Unsere Analytik beinhaltet
ein umfangreiches Paket zum
Teil kostenfreier Serviceleistungen. Unser zertifizierter
Kurierdienst bietet eine flexible
Probenabholung. Das erforderliche Entnahme- und Versandmaterial erhalten Sie bei
unserem Partner, der ISG
Intermed Service GmbH & Co.
KG unter Freecall 0800 0850-113
Ein starker Verbund
LADR ist ein ärztlich und inhabergeführter Laborverbund mit
bundesweit über 120 Laborärzten, Mikrobiologen und
Naturwissenschaftlern. Im
Interesse unserer Einsender, Pa-
tienten und ärztlichen Kollegen
erbringen wir regional labormedizinische und analytische
Dienstleistungen. Wir stehen für
eine individuelle persönliche
Beratung und Erreichbarkeit in
allen Fragen der Labormedizin
seit über 65 Jahren.
LADR GmbH
Medizinische
Versorgungszentren
Dr. Kramer & Kollegen
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EQUIVET – hochwertige Ergänzungsfuttermittel für Pferde
exklusiv beim Tierarzt erhältlich
Pferde sind seit jeher besondere
Tiere und nicht selten die besten
Kameraden für den Menschen.
Sie wollen bestmöglich versorgt
werden und verlassen sich auf
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das Beste und versorgen sie
bedarfsgerecht mit den notwendigen Vi­taminen, Spurenelementen und Mineralstoffen.
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optimal aufeinander abgestimmt und entsprechen in der
Zusammensetzung stets dem
neuesten Stand der veterinärmedizinischen Ernährungswissenschaft.
EQUIVET – hochwertige
Ergänzung der Pferdefütterung
für jeden Anspruch!
Sport- und Hochleistungspferde
haben einen erhöhten Bedarf an
Vitamin E, Selen und Lysin.
die umgehend ersetzt werden
sollten, damit die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.
EQUIVET Vitamin E liquid
schützt effektiv die empfindlichen Muskelfasern vor der Zerstörung durch Schadsubstanzen
und optimiert den Muskelstoffwechsel. Körperliche Belastbarkeit, die Leistungsbereitschaft
und die Rittigkeit werden nachhaltig verbessert.
Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass EQUIVET Gammasterol nachhaltig den Muskelaufbau mit einem hohen Gehalt an
Reiskeimöl, Gammoryzanol und
Vitamin E unterstützt.
Arbeitende Pferde verlieren
über den Schweiß Elektrolyte,
EQUIVET Electrolyte sind in
der Zusammensetzung dem
Schweiß des Pferdes nachempfunden und damit hervorragend zur Substitution geeignet.
Wasser ist dabei stets zur freien
Aufnahme anzubieten.
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pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
69
marktplatz
Die Verantwortlichkeit für die Texte und Bildrechte liegt ausschließlich bei den werbenden Unternehmen.
Die erfolgreiche Behandlung
von Erkrankungen am Bewegungsapparat von Sportpferden
sowie die Regeneration nach
einer Operation hängt entscheidend vom nachfolgenden
Therapie- und Trainingsmanagement ab.
Als Partner von Tierärzten
und Pferdebesitzern hat sich
die Kathmann Vital GbR seit
2005 auf die Rehabilitation von
Pferden spezialisiert.
In Vechta-Holtrup werden
Pferde aller Rassen, Sportdisziplinen und Altersklassen
– aus der Region sowie aus
dem europäischen Ausland –
trainiert oder rehabilitiert.
In enger Zusammenarbeit
mit Tierärzten, Therapeuten
und Huforthopäden werden
Behandlungs- und Trainingspläne erstellt und durchgeführt.
Stationär oder ambulant. Das
Ziel ist stets die Erhaltung oder
Wiederherstellung der vollen
Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit.
Im Mittelpunkt steht dabei
das Aquatraining. Die schonende, kontrollierte Bewegung im
Unterwasserlaufband kühlt Entzündungen und Schwellungen,
massiert die Gliedmaße, regt
Lymphsystem, Durchblutung
und Stoffwechsel an und aktiviert somit den Heilungsprozess.
Die Pferde sind ausgeglichen,
das Wiederverletzungsrisiko ist
deutlich minimiert, Muskulatur
und Kondition werden erhalten/
aufgebaut. Die Rehabilitationszeit verkürzt sich und vereinfacht die Rückkehr in den Sport.
Verschiedene physikalische
Therapien runden das Therapiekonzept ab.
Details finden Sie unter
www.kathmann-vital.de
Foto: Kathmann Vital GbR
Therapie- und Traingsmanagement
von Sportpferden
Kathmann Vital GbR
Therapie- und Trainingszentrum für Pferde
Holtruper Str. 36, 49377 Vechta
Tel. 04447 855944
[email protected]
www.kathmann-vital.de
URKRAFT – die Leinmanufaktur: Speisequalität für Mensch & Pferd!
Die URKRAFT Leinmanufaktur
hat sich auf die schonende Kaltpressung von Leinsamprodukten spezialisiert und verpresst
ausschließlich Speiseleinsaat in
bester Lebensmittelqualität.
So entstehen zwei natürlich kaltgepresste Qualitätsprodukte:
LEINÖL und LEINKUCHEN,
welche beide für den menschlichen Verzehr geeignet sind.
Unter dem Markennamen
URKRAFT-LEINÖL-Spezial und
URKRAFT-LEINSAM kommen
sie als natürliche Ergänzungsfuttermittel für Pferde und
Ponys zum Einsatz.
URKRAFT-LEINSAM hat in
erster Linie positive Wirkungen
auf die Verdauung; dank seiner
spezifischen Schleimstoffe
(die in Leinöl nicht enthalten
sind), hilft der Leinkuchen,
eine stabile und abwehrstarke
Magen-Darmflora aufzubauen,
die Magen-Darm-Schleimhaut
zu pflegen und dadurch Verdauungsstörungen (wie Kotwasser,
Durchfall oder Koliken) vorzubeugen.
URKRAFT-LEINÖL-Spezial
fördert den allgemeinen Stoffwechsel und beinahe jedes Körpersystem kann die positiven
Eigenschaften nutzen, angefangen vom Herz-Kreislauf-System
bis hin zum Immunsystem.
Dank der essenziellen Fettsäuren (a-Linolensäure oder
kurz Omega-3), entwickelt das
Leinöl wahre Multitalente für
die Optimierung aller Lebensvorgänge.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann fordern Sie noch
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Ihre Fragen rund um
die Leinsam-/
Leinölfütterung
beantworten
wir Ihnen gern
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Aerosoltherapie für dämpfige Pferde mit dem RC-Animal-Chamber
Der RC-Animal-Chamber ermöglicht dämpfigen Pferden
die Aerosoltherapie mit Medikamentensprays. Dabei minimiert
die Inhalierhilfe Dosierung und
Nebenwirkungen von Kortison
und vereinfacht die Medikamentengabe.
Die chronisch obstruktive
Bronchitis (COB) – auch als
„Dämpfigkeit“ bekannt – ist die
häufigste Lungenerkrankung bei
Pferden: 8–10 % aller Pferde sind
betroffen. Die bislang übliche
Therapie – die systemische
Gabe von Kortison – kann mit
Nebenwirkungen verbunden
sein. Wird das Medikament
jedoch als Aerosol in Form
kleinster Tröpfchen verabreicht,
kann es deutlich niedriger
dosiert werden. Ermöglicht wird
Pferden die Aerosoltherapie mit
Medikamentensprays durch den
RC-Animal-Chamber. Die handliche Inhalierhilfe transportiert
das Medikament direkt an den
Ort der Erkrankung, wo es seine
Wirkung optimal entfalten kann.
Dabei wird die Deposition des
Wirkstoffs in der Lunge bei
minimaler Dosierung deutlich
erhöht und der Behandlungserfolg vergrößert. Nicht zuletzt
können die Nebenwirkungen
von Kortison auf diese Weise
erfolgreich vermieden werden.
Der RC-Animal-Chamber ist
einfach anzuwenden, pflegeleicht und ausgestattet mit
der patentierten Cross-ValveTechnology™ – ein Ventilsystem,
das eine Rückatmung in die
Kammer verhindert. Die Inhalationstherapie mit Medikamen-
tensprays kann vom Tierhalter
selbst einfach durchgeführt
werden.
Mehr Informationen unter: R. Cegla GmbH & Co. KG
Tel. 02602 92130
[email protected]
www.rc-animal-chamber.de
Neues kabelloses Röntgensystem für Pferdepraktiker
meiVET (die Veterinärabteilung
der medical ECONET GmbH
mit Sitz in Oberhausen/NRW)
stellt ein neues mobiles Röntgensystem für Pferdeärzte vor.
Das System besteht aus einem
kompakten, kabellosen Detektor
inklusive Bildakquisitionssoftware eines namhaften deutschen Herstellers sowie einem
tragbaren, batteriebetrieben
Hochfrequenz-Generator.
Die Kommunikation zwischen
Detektor, Generator und Computer funktioniert über Funk
bzw. WiFi und macht daher
jegliche Kabel überflüssig.
Das komplette System inklusive
Transportkoffer ist ab 39.000 €
zzgl. MwSt. erhältlich. Weitere
Informationen erhalten Sie
unter Tel. 0208 37789030 oder
[email protected]. Wir beraten
Sie gerne! Sollten Sie eine Vor-
Herausgeber und Verlag:
Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Postanschrift: 30130 Hannover
Adresse: Hans-Böckler-Allee 7
30173 Hannover, Tel. 0511 8550-0
Schriftleitung:
Dr. med. vet. Katja Roscher, Dipl. ECEIM
PD Dr. med. vet. Ingrid Vervuert
Verlagsleitung:
Klaus Krause
führung des Systems wünschen,
stehen wir Ihnen ebenfalls sehr
gerne zur Verfügung.
Als europäischer Marktführer vertreibt die medical
Econet GmbH seit 1997 weltweit
tragbare Röntgengeräte der
Marken Acoma bzw. Poskom
an Fachhändler und Tierärzte.
Durch die enge Zusammenarbeit mit Herstellern von digitalen Röntgendetektoren können
Marktbereich VeterinärMedien
Leitung:
Dr. med. vet. Ines George
Tel. 0511 8550-2426, Fax 0511 8550-2411
[email protected]
Anzeigenleitung:
Bettina Kruse
Tel. 0511 8550-2555, Fax 0511 8550-2406
[email protected]
Anzeigenverkauf:
Jessica Bönig, Tel. 0511 8550-2429
Malte Geers, Tel. 0511 8550-2445
Sonja Kenter, Tel. 0511 8550-2481
Fax 0511 8550-2406
[email protected]
Anzeigenabwicklung:
Ulf Schröder
Tel. 0511 8550-2521
Zur Zeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 48 der
Zeitschrift „Der Praktische Tierarzt“ vom 1.1.2013
Redaktion:
Dr. med. vet. Viola Melchers, Nadine Steiner
bildgebende Lösungen für fast
jeden Einsatzzweck angeboten
werden.
Kontakt:
Medical Econet GmbH
Im Erlengrund 20
46149 Oberhausen
Producing: Melanie Leitzke
Vertrieb/Abonnement-Service:
Tel. 0511 8550-2425
Fax 0511 8550-2405
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Bezug:
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„Der Praktische Tierarzt“ erhalten den
pferdefokus automatisch und kostenfrei.
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Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen
Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung
des Verlages strafbar.
Druck:
Grafisches Centrum Cuno GmbH
& Co. KG, Gewerbering West 27, 39240 Calbe
Gerichtsstand und Erfüllungsort: Hannover
pferdefokus – 5. Jahrgang, Nr. 7
71
Sie haben es
in der Hand,
Ihr Pferd bei
Gelenkentzündungen
vor Knorpelabbau
zu schützen.
Ihr Tierarzt berät Sie gerne über
den knorpelschützenden
Entzündungshemmer zur
Behandlung von Arthrosen
und Gelenkentzündungen
von Boehringer Ingelheim.
ABCD