copyright - Engelsdorfer Verlag

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Kurt Blaser
Mörder
als Passion
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Thriller
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Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2016
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Bibliografische Information durch die
Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
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ISBN 978-3-96008-274-3
Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag
Alle Rechte beim Autor
Lektorat: Frau Gellwitzki-Müller
Buch in schweizerischer Rechtschreibung
Coverbild: Crown of Torns and Nails with Mallet © Gino Santa Maria
(FOTOLIA)
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
12,00 Euro (D)
„Jeder Mensch hat seine dunklen Seiten.
Nur die meisten wissen es zum Glück nicht.“
Kurt Blaser.
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Er strich der Maria fast liebevoll über ihre schulterlangen, blonden, gestreckten Haare. Seine Hände waren fast schrumpelig, wie ein zusammengedrücktes Papier, obschon es junge Hände waren. Die Fingernägel waren
mit schwarzen Streifen versehen, die besonders gut zur Geltung kamen, da
die Nägel strahlend weiß waren. Für einen Mann ungewöhnlich. Was aber
auch zeigte, dass er eben ein ungewöhnliches Geschöpf war. Ein Mann,
der kaum in ein normales Dasein passte. Aber das er auch so wollte, oder
dahin geprägt wurde.
Das Mädchen war auf einer Liege angebunden und ihre Hände am Rücken gefesselt. Sie war fast nackt, trug nur ein sehr knappes Höschen,
welches blau/weiß geblümt war und einen ebensolchen Büstenhalter. Die
schönen, langen Beine waren in der Höhe der Knöchel mit Klebeband
zusammengeklebt. Das hübsche, längliche Gesicht war vor Angst verzehrt.
Ihre Augen schienen, wie wenn sie jemand herausgedrückt hätte, weit
aussen zu sein und aus ihnen strahlte blankes Entsetzen, Entsetzen, welches nur jemand haben konnte, der um sein Leben fürchtete.
Der Kellerraum, in dem das Mädchen auf einer Pritsche lag, war karg
und ungemütlich kalt. Die Decke und die Wände waren nicht gestrichen,
sondern nur unsachgemäss abgerieben. Teilweise war noch der steinige
Beton zu sehen. In der Mitte an der Decke hing eine Lampe, das heisst, es
war nur eine Birne in einer Fassung, was das karge, schwache Licht noch
karger erscheinen liess. Fenster waren keine vorhanden, was den Raum
noch unpersönlicher machte. Die mächtige Holztüre war grau gestrichen,
wobei ihre Farbe teilweise schon weggeblättert war, was zeigte, dass sie
schon recht alt war. Unter der Türfalle war ein Schloss montiert, wo die
Türe abgeschlossen, beziehungsweise aufgeschlossen werden konnte. An
der einen Wand stand ein Gestell mit Fächern, in denen verschiedene
Sachen waren, unter anderem Klebebänder, Schnüre, Seile und Elektroka5
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bel. In einer Ecke stand eine weitere Liege, die wie ein Bett aussah. Darauf
lag zusammengeknüllt eine leichte Decke und ein Kissen.
„Es tut mir leid, mein hübsches, kleines Mädchen, aber ich muss dich
töten, weil ich töten muss. Das ist so in mir innen. Leider kann ich dagegen
nichts tun.“ Er strich ihr weiterhin, liebevoll über die Haare. Sie wälzte sich
angstvoll auf der Pritsche herum und wollte schreien, aber sie konnte
nicht, da ihr Mund verklebt war. „Ich weiß, du hast mir nichts getan und es
war Zufall, dass ich dich dort in diesem Tanzschuppen kennengelernt
habe. So ist es eben im Leben: Zufälle prägen es an allen Ecken und
Enden. Manchmal sind sie gut, manchmal auch nicht. Für dich war es
nicht gut, dass du mich zufällig getroffen hast, denn es wird dich das
Leben kosten, zufällig, ein Leben, welches für dich kaum begonnen hat.“
Er strich ihr nun auch über die Beine vom Bauch hinunter zu den Füssen.
Bei den rot lackierten Fussnägeln blieb er mit der einen Hand stehen und
strich mit den Fingern darüber. „Das rot ist ja schön, aber es passt nicht
zum Sterben. Zum Sterben passt schwarz und weiss, das bringt ein Hineingleiten in das Dunkle am besten zum Ausdruck. Komm, wir ändern
das!“ Mit diesen Worten stand er auf und ging zum Gestell. Mit drei
Fläschchen und einem Lappen kam er zurück, zog den Stuhl zu den Beinen des Mädchens und schüttete aus dem einen Behälter Lösungsmittel auf
den Lappen. Fast zärtlich löste er damit die rote Farbe auf. Voller Angst,
aber auch schon fast neugierig, schaute ihm das Mädchen zu. Als die Nägel
keine Farbe mehr aufwiesen, küsste er sie einer nach dem anderen ab und
sagte: „Ich liebe solche Nägel und deine sind wunderschön. Jetzt geben wir
ihnen eine andere Farbe, dann sind sie noch schöner. Dann bin ich sicher,
fällt dir das Sterben viel leichter.“ Beim Wort „Sterben“ zuckte das Mädchen mit ihrem ganzen Körper zusammen und schlug den Kopf wie wild
umher. Trotz des Klebers hörte man leise Laute aus ihrem Mund. Mit dem
kleinen Pinselchen aus dem einen Fläschchen strich der junge Mann die
Nägel sorgfältig weiß. Dann wartete er, bis diese Farbe trocken war, und
malte anschliessend mit der schwarzen Farbe immer drei eher dickere
Striche von oben nach unten, so wie es bei seinen Fingernägeln auch war.
„Einfach schön. Macht mich irgendwie fast scharf. Aber keine Angst,
meine Liebe, ich vergewaltige dich nicht. Dafür bist du mir zu viel Wert.
Du sollst als Jungfrau sterben. Das bist du doch noch, oder?“
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Sie nickte mit dem Kopf. „Schauen wir doch mal, ob das stimmt.“ Mit
diesen Worten ging er mit einer Hand unter das Höschen und steckte
einen Finger in ihre Vagina. „Ja tatsächlich, das stimmt. Alle Achtung. In
der
heutigen Zeit ist das schon fast ein Wunder. Bravo.“ Er nahm die Hand
wieder hoch und klatschte. „Eigentlich hätte ich dir ganz gerne die Unschuld genommen und dich geliebt. Wenn du das vorher getan hättest,
müsstest du vielleicht nicht sterben. Aber mich, den Messy König, weist
man nicht ab. Schon meine Mutter hat mir immer gesagt, dass ich eine
besondere Gabe habe, nämlich mit meinen Gedanken, die Welt zu verändern. Sie hat, wenn etwas Besonderes auf der Welt geschehen ist, immer
gesagt, ‚das warst du mit deinen Gedanken, mein lieber Messy, das warst
du‘. Hörst du mir überhaupt zu? Du hast mir zuzuhören.“ Wütend riss er
dem Mädchen das Klebeband vom Mund und zog sie mit aller Kraft an
den Haaren. Vor Schmerzen schrie sie laut auf und schlug mit dem Kopf
hin und her. „Das höre ich gerne, wie du vor Schmerzen schreist, das höre
ich bei allen Menschen gerne, aber auch bei Tieren, wie ich ihnen auch
gerne beim Sterben zusehe. Also hör mir zu!“ Er zog das Mädchen noch
einmal fest an den Haaren, sodass sie wieder laut aufschrie.
„Ich höre ja, ich höre ja, aber hör auf mich an den Haaren zu ziehen, hör
auf, bitte, bitte!“ Die Worte kamen stossweise aus ihrem Mund, als kämen
sie von ganz unten aus ihrem Körper.
„Gut, gut … Weil du mich aber abgewiesen hast, must du auf besondere
Art sterben. Es soll dir eine Ehre sein, für mich auf diese Art zu sterben.
Aber wie, das erfährst du dann schon.“
Bei dem Wort „Sterben“ zuckte das Mädchen jedes mal zusammen und
stammelte: „Ich will nicht sterben … sterben … ich will noch Leben.
Warum das, warum gerade ich … ich …“ Sie wälzte ihren Körper auf der
Liege hin und her, obschon das kaum ging, da sie angebunden war.
„Das habe ich dir doch vorhin erklärt, hörst du nicht zu?“ Er zog ihr
noch einmal an den Haaren. „Hast du Durst? Möchtest du etwas trinken?“,
fragte er unvermittelt.
Sie nickte so gut es ging, mit dem Kopf.
Er ging zum Gestell und brachte eine Flasche Wasser zurück. Er öffnete
sie und drückte sie ihr an den Mund. Gierig versuchte das Mädchen zu
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trinken. Aber er hielt die Flasche so schräg, dass nichts herauskam. „So,
das muss genügen“, sagte er barsch und nahm die Flasche weg.
„Wasser, Wasser …“, stammelte das Mädchen.
„Kannst du haben“, sagte er hämisch und hielt ihr dir Flaschenöffnung
kurz vor den Mund. Wiederum versuchte sie heranzukommen, was er
natürlich verhinderte. Man sah ihm an, dass es ihm grösste Freude machte,
das Mädchen so zu quälen. „Warum trinkst du nicht, trink doch“, fügte er
mit sarkastischer, vor Freude fast kreischender Stimme, hinzu. „Hast du
auch Hunger? Du hast Hunger, das weiß ich. Das sehe ich deinem Mund
an. Der schreit förmlich nach essen. Obschon ich sonst alles weiß, aber
was du gerne isst, habe ich in der kurzen Zeit nicht herausgefunden. Hast
du gerne Fleisch, oder isst du keines? Bist du eine Gemüse- und Früchtefresserin, wie ja heute viele von euch jungen Menschen. Ich, ich kann das
nicht, ich brauche Fleisch, viel Fleisch. Das gibt mir Kraft um jemanden zu
töten. Darum muss ich jetzt etwas zum Essen haben, damit ich die Kraft
habe dich umzubringen.“ Er stand auf, ging zum Gestell und kam mit
einer dicken, schwarzbraunen Wurst, der man das viele Fett geradezu
ansah. Er blieb stehen, biss herzhaft ein großes Stück ab und kaute es
genüsslich, was man sogar gut hören konnte. „Möchtest du auch etwas,
mein schönes Fräulein?“ Noch immer kauend hielt er ihr die Wurst an den
Mund. Sie schnappte heftig danach, aber immer, wenn sie fast daran war,
zog er die Wurst zurück. „Sie riecht sehr gut, gell. Sie ist auch sehr gut.“
Mit diesen Worten biss er wieder einen kräftiges Stück ab und kaute genüsslich weiter. Ah, du möchtest doch gern etwas. Gut hier.“ Es biss ein
winziges Stück, welches kaum erkennbar war ab und hielt es dem Mädchen
an die Lippen. Dieses versuchte gierig es zu erhaschen, aber er rieb es nur
über ihre Lippen und zog es immer wieder zurück. Das Spiel schien ihn zu
entzücken, denn er strahlte über das ganze Stück, als hätte er eine Sonne in
sich. Plötzlich schob er ihr aber doch das winzige Stückchen schnell in den
Mund, sodass sie es vor lauter Überraschung gleich verschluckte. „Nicht
so. Du hättest es langsam essen sollen. Zur Strafe gibt es jetzt nichts mehr,
ich esse ich die Wurst selber“, brüllte er sie an. Zugleich zog er ihr wieder
heftig an den Haaren, sodass sie aufschrie. „So jetzt muss ich schlafen
gehen, sonst habe ich morgen nicht die Kraft dich zu töten und ich muss
dich töten, sonst gehe ich selber zugrunde, weil das einfach so in mir ist.“
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Beim Wort „töten“ schrie das Mädchen laut auf. „Nein … nein … nein
… Ich will noch Leben … Leben … Nein … nein … nein …“ Die Laute
waren kaum verständlich.
„Da kannst du jammern, wie du willst, aber es muss sein.“ Herzlos kamen die Worte aus seinem Mund, zugleich schlug er ihr mit der einen
Hand fast brutal auf den Bauch, sodass das Mädchen aufschrie. „Ich gehe
jetzt nach oben zum schlafen. Ich bin großzügig und verklebe dir den
Mund nicht. Sonst musst du gefesselt bleiben. Ich weiß, du kannst so nicht
so gut schlafen, aber ab Morgen kannst du genug schlafen, wenn du tot
bist.“ Er stand auf und zog den Stuhl beiseite. „Übrigens versuche nicht,
dich zu lösen. Auch wenn du das könntest, hier kommst du nicht raus. Es
gibt keine Fenster und die Tür ist zweifach abgeschlossen. Und dann
müsstest du noch an mir vorbeikommen und ich habe einen leichten
Schlaf. Also schone deine Kraft eher für das Sterben, denn das wird
schmerzhaft sein.“ Er ging zu dem in einer Ecke stehenden Bett und nahm
die dort
liegende Decke. Er kam zurück und legte diese über sie. „Du siehst, ich
kann auch nett sein. Es ist nämlich kühl hier. Schlaf gut!“ Mit diesen
Worten ging er zur Tür, schloss sie auf und löschte das Licht.
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Am nächsten Morgen kam er gegen neun Uhr hinein und schob ein kleines Tischchen mit, auf dem alles für ein Frühstück bereitstand: Kaffee,
Milch, Brot, Butter, Konfitüre, aber auch Ei und Schinken. Er stellte es
neben die Liege und setzte sich auf den Stuhl. „Ha, mein Mädchen, Frühstück kommt“, sagte er zum Mädchen und steckte sich dazu ein Stück
Schinken in den Mund. Dazu schenkte er sich Kaffee ein. „So komm,
kannst mitessen. Du hast doch sicher Hunger. Du hast ja kaum etwas zum
Nachtessen gegessen“, bemerkte er mit sarkastischer Stimme. „Ich wollte
dir mehr geben, aber du wolltest ja nicht“, fügte er noch grinsend bei.
Offenbar bemerkte er erst jetzt, dass sich das Mädchen nicht mehr rührte.
Erregt sprang er auf und schüttelte ihren Kopf. Er fürchtete, dass sie tot
sei und er um das Vergnügen des Tötens gekommen sei. „Wach auf, tu mir
das nicht an. Ich will dich töten, ich will es, ich will es, wach auf, hörst du
wach auf!“ Er schüttelte sie noch stärker. „Wach auf, komm wach auf …
Du bekommst auch etwas zu essen.“ Er stand auf und lief verzweifelt hin
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und her, dann ging er wieder zu ihr und hielt ihr ein Stück Brot vor den
Mund. „Komm, iss und zum Trinken gibt es auch.“ Erregt schüttelte er sie
am ganzen Körper. Man sah ihm an, dass er sich um die Früchte seines
Lohnes betrogen sah. Als er sich etwas beruhigt hatte, ging er hin und hielt
eine Hand an den Hals des Mädchens. „Nein. Tod scheint sie nicht zu
sein.“ Er lief wieder etwas umher, dann ging er zu ihr und schrie sie an:
„Spiel mir nicht etwas vor, du kleines Luder. Mach das nicht mit mir, hörst
du, mach das nicht mit mir.“ Er schüttelte sie heftig, aber das Mädchen
regte sich nicht. Er ging zum Gestell und holte eine Flasche Wasser.
Plötzlich vorsichtig geworden, hielt er dem Mädchen die Flasche an den
Mund und flößte ihr etwas Wasser hinein. Nach einiger Zeit fing sie an zu
schlucken und zu husten. „Wo, wo bin ich … wo bin ich?“ Ihr wurde das
Ganze jetzt wieder bewusst, denn sie fing an zu weinen. „Was wollen Sie
von mir? Ich habe Ihnen doch nichts getan. Warum das?“ „Ich glaube, das
habe ich dir gestern genug erklärt, also was soll‘s, spiel mir nicht etwas vor.
Es nützt dir nichts, gar nichts. So, jetzt wollen wir Frühstücken.“ Er setzte
sich an den Tisch und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Nachdem er
einen Schluck getrunken hatte, fragte er: „Willst du auch eine Tasse Kaffee?“
Natürlich nickte das Mädchen heftig mit dem Kopf und bettelte mit
schriller Stimme.
„Gut, also ich will nicht so sein.“ Er hielt ihr die Tasse an den Mund.
Gierig trank sie und er ließ sie sogar alles austrinken. Dann drehte er sie
um, löste die Handfesseln und drückte ihr ein Stück Brot in eine Hand.
Das Mädchen aß viel zu schnell, was aber nicht verwunderlich war, da sie
vorher lange Zeit kaum etwas gegessen hatte.
„Heh, heh, nicht so schnell, sonst bekommst du Magenschmerzen. Und
das willst du ja nicht. So schnell töte ich dich nicht. Also ist es doch besser,
wenn du nicht Beschwerden hast.“ Er drückte ihr auch noch ein Stück
Schinken in die Hand. „Oder bist du etwa Vegetarierin?“
Sie schüttelte energisch den Kopf und nahm sofort das Fleisch blitzschnell in die Hand, als hätte sie Angst, dass er es ihr wieder wegnehmen
würde und schob es hastig in den Mund.
Danach gab er ihr noch etwas mehr. Offenbar war ihm der Schock in die
Beine gefahren, dass sie weg gewesen war. Er wollte ja nicht um sein
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Vergnügen kommen, das Mädchen zu töten, nein das wollte er gar nicht.
Auch er aß mit und da sah die Szene plötzlich fast friedlich aus. Zwischendurch rieb sie sich die Hände. Die Arme waren dort, wo sie zusammengebunden waren, wund geworden. „Oh, hast du dich verletzt? Das tut mir
leid, zeig!“, sagte er und nahm einen Arm in eine seiner Hände. Aber er
ging nicht etwa sorgsam damit um, sondern rieb extra stark daran herum,
damit es dem Mädchen wehtun musste. Man sah es ihm an, dass es ihm
Freude machte, ihr Schmerzen zuzubereiten. Mit einem Ruck entzog sie
ihm die Hand. Heuchlerisch sagte er:
„Tut es etwa weh? Oh, das tut mir leid … So, jetzt will ich eine Zigarette
rauchen. Das mache ich immer nach dem Frühstück. Einfach so da sitzen
und das Leben genießen. Ich hoffe, du hast es bis jetzt auch genossen,
denn jetzt bist du fertig mit dem Leben genießen, so leid das mir tut, aber
es ist vorbei …“ Er wirkte plötzlich etwas nachdenklich. „Vielleicht hast
du Glück und kannst eine Art Leben, wie weiss ja niemand, da oben
weiterführen.“ Er zeigte mit einer Hand nach oben.
Bei diesen Worten schrie das Mädchen wieder auf. Sie drehte ihren Körper wie wild herum und versuchte aufzustehen, was nicht ging, da ihre
Füsse noch gefesselt waren.
Er ging zum Gestell und kam mit Zigaretten, einem Anzünder und einem Aschenbecher zurück. Auf dem Frühstückstischchen machte er platz,
damit er alles hinstellen konnte. Dann setzte er sich wieder auf den Stuhl,
nahm einen Glimmstängel in den Mund und zündete ihn an. Genüsslich
zog er denn Rauch in sich hinein und wieder hinaus. Mit Absicht stieß er
ihn dem Mädchen ins Gesicht und sie musste Husten. „Willst du auch
eine?“ Er hielt ihr eine Zigarette an den Mund, nahm sie aber sofort mit
den sarkastischen Worten „Nein, du darfst ja noch gar nicht rauchen. Du
bist ja noch zu jung und das tut deinem Leben nicht gut“, wieder weg.
„Nein, du hast doch hoffentlich noch nicht geraucht, oder? Sonst müsste
ich dir Prügel geben.“ Er hob drohend die Hand.
Das Mädchen schüttelte panisch den Kopf und schrie „nein … nein.“
„Ist ja gut, ist ja gut!“ Er zog genüsslich an der Zigarette. Als er sie fast
fertig geraucht hatte, nahm er den Stummel und drückte ihn auf einem
Oberschenkel des Mädchens aus. Dieses schrie laut auf und versuchte das
Bein wegzudrehen, was ihr nicht gelang, da die Beine ja gefesselt waren.
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„Mach doch nicht so ein Theater. So weh tut das bisschen Glut sicher auch
nicht.“ Mit diesen Worten drückte er den Stummel noch einmal kräftig aus
und grinste dazu über das ganze Gesicht. Abschließend lehnte er sich auf
dem Stuhl gemütlich hin, zündete sich noch mal eine Zigarette an und
schaute genüsslich an die Decke. Nachdem er den Stängel fertig geraucht
hatte, sagte er: „So, jetzt muss ich noch einiges erledigen. Jetzt sollte es dir
ja gut gehen. Du hast ja getrunken und auch gegessen. Aber leider muss ich
dir die Hände wieder fesseln, sonst machst du mir noch Dummheiten. Ich
komme dann später wieder, dann tun wir, was wir tun müssen.“ Er drehte
sie auf den Rücken und fesselte dort mit Klebeband ihre Hände. „Den
Mund lasse ich dir frei. Du siehst, ich bin großzügig.“ Er ging zu ihren
Beinen und strich über die Wunde, die er ihr mit dem Ausdrücken der
Zigarette beigebracht hatte. „Tut das noch weh? Es tut mir leid, aber es
war sonst nichts da, wo ich das Ding hätte ausdrücken können.“ Mit einem
zynischen Lächeln sprach er diese Worte aus.“ Eine Flasche mit Wasser
lasse ich dir da.“ Er stellte sie neben das Bett auf den Boden. Auch diese
Aussage war bösartig, da er genau wusste, dass sie mit gefesselten Händen
nicht trinken konnte. Plötzlich sagte er, indem er auf die Liege schaute:
„Was hast du da gemacht? Auf die Liege gepisst? Schweinerei das. Warum
hast du nichts gesagt? Ich hätte dir einen Nachttopf gebracht oder wäre
mit dir auf das WC gegangen. Eigentlich sollte ich dich strafen, aber ich
lasse es sein. Du bist ja selber schuld, dass du jetzt in der Pisse liegst, ganz
selber schuld.“ Er machte sich zum Gehen bereit: „Musst du vielleicht jetzt
noch?“ fragte er scheinheilig.
„Ja, ja, sollte ich“, schrie sie und nickte verzweifelt mit dem Kopf. Offenbar hoffte sie, dass er mit ihr auf die Toilette ging.
Aber er ging zur Türe hinaus und kam mit einem flachen Nachttopf
zurück, zog ihr das Höschen herunter und schob das Gefäss unter ihren
Po. „So, jetzt mach deine Sache. Ich habe nicht ewig Zeit. Ich warte dort.“
Er zeigte auf das Bett und ging hin und setzte sich. Nach kurzer Zeit fragte
er barsch: „Bist du fertig? Ich muss gehen, ich habe noch einen Termin mit
einem anderen Mädchen.“ Damit stand er auf und ging zur Liege, hob
ihren Unterkörper an und sagte: „Siehst du, es ist doch gegangen. Man
muss nur wollen, dann geht alles.“ Er nahm den Nachttopf weg und zog
ihr das Höschen hoch. „Also, ich gehe jetzt. Machs dir bequem. Bis spä12
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ter.“ Mit diesen Worten entfernte er sich. Man hörte, wie er die Türe
sorgfältig abschloss.
Als er weg war, versuchte das Mädchen mit aller Kraft sich zu befreien.
Es gelang ihr aber nicht, denn die Klebstreifen gaben nicht nach und
ließen sich nicht lösen. Vor lauter Verzweiflung weinte sie zwischendurch
und schrie auch um Hilfe, obschon sie genau wusste, dass sie wahrscheinlich niemand hören würde. Zwischendurch blieb sie ermattet liegen.
Gegen Abend kam er zurück und setzte sich zu ihr. Er hatte einen Plastiksack bei sich, in dem sich etwas befand. Die Werbeaufschrift daran
zeigte, dass er in einem Baumarkt gewesen war. „Hattest du einen guten
Tag?“, fragte er voller Hohn.
Das Mädchen nickte mit dem Kopf. Was sollte sie anders tun. Sie wollte
ihn ja nicht provozieren.
„Ich hatte stress. Ich musste mich mit deiner Nachfolgerin abgeben und
das Wichtigste, ich musste die Dinge besorgen, mit denen ich dich töten
will. Verstehst du, das ist mir wichtig. Darum musste ich alles sorgfältig
auswählen. Das muss ja klappen, meinst du nicht auch? Sonst musst du
vielleicht lange leiden und das wollen wir doch nicht. Du siehst, wie human
ich bin, sehr human sogar … sehr human … ja human …“ Er schaute auf
den Körper des Mädchens und schien plötzlich ernst zu werden.
Beim Wort „töten“ hatte das Mädchen laut aufgeschrien und wälzte sich
immer noch angstvoll auf der Liege hin und her.
„Damit ich das richtig machen kann, muss ich deinen Kopf besser festmachen“, sagte er, stand auf und holte vom das Pflaster vom Gestell.
Obwohl das Mädchen den Kopf panisch hin und her schlug, zog er das
Pflaster über ihren Kopf und machte es unter der Liege fest, sodass der
Kopf nicht mehr gedreht werden konnte. Dann nahm er den Plastiksack
und holte einen grossen Hammer und einen grossen Nagel hervor. Genüsslich zeigte er beides dem Mädchen und sagte: „Das ist für alle, die
nicht an meine Fähigkeiten glauben, alles verändern zu können. Darum
muss ich deren Hirn zerstören, ja, das muss ich. Du hast auch nicht an
mich geglaubt und darum stirbst du jetzt als Erste auf diese Weise. Es tut
mir leid, für das schöne Mädchen, welches du bist, aber es muss sein.“ Er
ging zum Hinterkopf des Mädchens, das versuchte den Kopf zu drehen,
aber er hatte sie so stark angebunden, dass das nicht möglich war. Ihre
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