Energiewende in Deutschland

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Energiewende in Deutschland
Energiewende in Deutschland
Argumentation unter physikalischen und
gesellschaftlichen Gesichtspunkten
in Form einer Podiumsdiskussion
in der 8. Jahrgangsstufe
Schriftliche Hausarbeit
zum Zweiten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien
im Fach Physik
vorgelegt von
StRef Sebastian Bauer
München, den 07.11.2011
Inhalt
Inhalt .............................................................................................................. 2
1.
Einleitung ................................................................................................ 4
2.
Vorbemerkung ........................................................................................ 6
2.1.
2.2.
3.
Didaktik und Methodik ......................................................................... 11
3.1.
3.2.
3.3.
3.4.
3.5.
3.6.
4.
Lehrplanbezug ................................................................................. 6
Aktueller gesellschaftlich-politischer Bezug ................................... 9
Frontalunterricht........................................................................... 13
Expertenvorträge (und Schülerfragen) ......................................... 14
Computerrecherche / Gruppenarbeit .......................................... 15
Exkursion ....................................................................................... 15
Podiumsdiskussion ........................................................................ 16
Lernziele ........................................................................................ 17
Durchführung des Projekts ................................................................... 20
4.1.
4.2.
4.3.
4.4.
4.5.
4.6.
4.7.
4.8.
4.9.
4.10.
4.11.
Vorbereitung im Unterricht vor Projektbeginn ............................ 20
Auswahl der Gruppen ................................................................... 22
Gastredner .................................................................................... 24
Zeitplan.......................................................................................... 25
Einteilung der Schülergruppen ..................................................... 26
Fächerübergreifende Zusammenarbeit ........................................ 27
Exkursion ....................................................................................... 28
Recherche...................................................................................... 29
Erstellung der Gruppenposter ...................................................... 30
Podiumsdiskussion ........................................................................ 31
Evaluationsfragebogen ................................................................. 34
5.
Kritische Betrachtung ........................................................................... 37
5.1.
5.1.1.
5.1.2.
5.2.
5.3.
5.4.
6.
Ergebnisse ..................................................................................... 37
Interessensgruppen ...................................................................... 38
Gruppe „Presse“ ............................................................................ 40
Motivation der Schüler ................................................................. 41
Ergebnisse der Evaluation ............................................................. 43
Verbesserungsvorschläge ............................................................. 46
Anhang .................................................................................................. 48
6.1.
6.2.
6.3.
6.4.
6.4.1.
6.4.2.
6.4.3.
6.4.4.
6.5.
6.6.
6.7.
6.8.
6.9.
Quellenangaben ............................................................................ 48
Email an die Gastredner ................................................................ 51
Handzettel an die D- und Geo-Lehrer ........................................... 53
Material für die Schüler ................................................................ 54
Aufgabe zur Wärmekapazität ....................................................... 55
Vorbereitung auf Podiumsdiskussion ........................................... 56
Bücherliste .................................................................................... 57
Projektbeschreibung und Positionspapiere .................................. 58
Argumente Pro und Contra Kernenergie ...................................... 70
Kurzberichte der Pressegruppe .................................................... 71
Poster der Schülergruppen ........................................................... 77
Zeitungsbericht über das Projekt .................................................. 80
Freitext-Antworten der Evaluationsfragebögen ........................... 81
1. Einleitung
4
1. Einleitung
Im Gegensatz zu unseren französischen Nachbarn, die knapp 80% ihres
Stroms mittels Kernenergie erzeugen, stehen die Deutschen der Atomkraft
schon lange skeptisch bis ängstlich gegenüber. Der letzte Leistungsreaktor
hierzulande (Neckarwestheim 2) wurde von 1982 bis 1989 gebaut. Seit
dem Reaktorunfall 1986 im ukrainischen Tschernobyl ist der Widerstand in
der deutschen Bevölkerung so groß, dass sich kein Stromerzeuger und keine Regierung getraut hat, den Bau eines weiteren Kernkraftwerks voranzutreiben.
Neben den Sicherheitsbedenken gibt es viele andere Gründe, die gegen
den Betrieb von Kernkraftwerken sprechen. Glaubt man Bürgerinitiativen
und Umweltorganisationen, dann ist Atomstrom gesamtwirtschaftlich gesehen keineswegs billiger als anderweitig erzeugter Strom. Erst die zum
Teil versteckten steuerlichen Subventionen wie beispielsweise die Risikoübernahme im Falle eines Super-GAUs durch den Staat machen den Betrieb eines Atomkraftwerks rentabel. Die Endlagerung der atomaren Abfälle ist nach wie vor ungelöst, und die Uranvorräte reichen maximal für die
nächsten 80 Jahre.
Trotzdem gab es zumindest in der Vergangenheit offensichtlich gute Gründe für den Bau von Kernkraftwerken. Da das Endlagerproblem unabhängig
von der Restlaufzeit der Reaktoren existiert, und nachdem die bereits gebauten deutschen Kernkraftwerke inzwischen abgeschrieben sind und
wirklich billigen und CO2-armen Strom erzeugen, ist die Frage ob bzw.
wann man die Atomkraftwerke abschaltet nicht so einfach zu beantworten.
1. Einleitung
5
Aus aktuellem Anlass ist diese Frage heute (Mitte 2011) wieder in aller
Munde. Gerade erst hatte die schwarz-gelbe Regierungskoalition die Restlaufzeit der Atomkraftwerke verlängert, um mehr Zeit und Geld für die
Entwicklung regenerativer Energien zur Verfügung zu haben und die
stromhungrige Wirtschaft zu schonen, da bringt ein Erdbeben mit einer
Tsunami-Flutwelle im weit entfernten Japan alles durcheinander. Was keiner für möglich hielt, geschieht 25 Jahre nach Tschernobyl ein zweites Mal:
Ein katastrophaler Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, eine Kernschmelze mit Austritt großer Mengen an radioaktivem Material, ein Unfall der
höchsten Stufe 7 auf der INES-Skala. Doch diesmal in einem modernen Reaktor in einem hochtechnologischen Land.
Die Politik in Deutschland muss reagieren. Kann ein vergleichbarer Unfall
in einem deutschen Kernkraftwerk passieren? Ist es vor diesem Hintergrund verantwortbar, weiter auf die Kernenergie zu setzen? Kann der Ausstieg entgegen den zuvor gemachten Aussagen doch beschleunigt werden?
Welches Risiko will sich die deutsche Bevölkerung leisten zugunsten ihres
Wohlstands?
Diese Fragen will kein Politiker alleine beantworten müssen, also muss eine unabhängige Kommission her. Besetzt mit Vertretern aller Parteien,
aller relevanter wissenschaftlicher Disziplinen und gesellschaftlichen
Gruppen, der Kirchen und der Industrie, mit jeweils unterschiedlichen Positionen zur Kernenergie. Diese Ethikkommission soll nun einen gesellschaftlichen Konsens zum Ausstieg aus der Atomenergie und zum Übergang zu erneuerbaren Energien erarbeiten. Da werden sie wohl einiges zu
diskutieren haben.
Welche Argumente für und gegen die Kernenergie gibt es? Was spricht für,
was gegen einen schnellen Ausstieg? Wem ist welches Argument aus welchem Grund am wichtigsten? Die Antwort kann kein einfaches JA oder
NEIN sein, die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern besteht aus Graustufen. Die Politik ist voll solcher schwieriger Entscheidungen, bei denen man
es niemandem Recht machen kann. Warum lernt man so etwas nicht in
der Schule? Ja, warum eigentlich nicht?
2. Vorbemerkung
6
2. Vorbemerkung
Diese Hausarbeit beschreibt ein fünfwöchiges Projekt im Physik-Unterricht,
das ich im Rahmen meines Referendariats Ende des Schuljahres 2010/2011
mit einer naturwissenschaftlichen 8. Klasse des Viscardi-Gymnasiums Fürstenfeldbruck durchgeführt habe. Als Thema wählte ich die „Energiewende
in Deutschland“. Die Schüler sollten sich während des Projekts die Position
eines Mitglieds der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung
aneignen und am Ende diese Position in einer Podiumsdiskussion vertreten.
2.1. Lehrplanbezug
Im Physik-Lehrplan der 8. Jahrgangsstufe [4][5] ist das zentrale Thema
„Energie“. Neben den verschiedenen Energieformen und dem Prinzip der
Energieerhaltung ist insbesondere die Umwandlung verschiedener Energieformen von Bedeutung. Während die elektrische Energie und die Erzeugung von Strom aus Bewegung (Generator) erst in der 9. Jahrgangsstufe
behandelt wird [6], gibt der Lehrplan doch bereits in der 8. Jahrgangsstufe
an mehreren Stellen die Gelegenheit, das Thema Energieversorgung ausführlich zu behandeln:
 Ph 8.1 „Die Energie als Erhaltungsgröße“: Hier werden unter anderem
„Leistung und Wirkungsgrad“ definiert, welche später beim Vergleich
2. Vorbemerkung
7
verschiedener Kraftwerkstypen bezüglich dieser Größen wiederholt
und vertieft werden können.
 Ph 8.2 „Aufbau der Materie und Wärmelehre“: Die Speicherung von
Energie in Form von Wärme sowie beim Phasenübergang von flüssigem Wasser in gasförmigen Wasserdampf und die Volumenänderung
bei Temperaturänderung können mit Wärmekraftmaschinen demonstriert und illustriert werden. Diese sind einfache Modelle für Turbinen
in Wärmekraftwerken, die für den Großteil der elektrischen Energieerzeugung verantwortlich sind.
 Ph 8.3 „Elektrische Energie“: Ein Unterpunkt dieses Themenbereichs
ist der Einblick in die Energieversorgung, wobei besonders auf den
verantwortungsbewusste Umgang mit Energie und die Zukunftsperspektiven der Energieversorgung eingegangen werden soll.
 Ph 8.4 Im Profilbereich des Lehrplans werden einige Anregungen gegeben, von denen die Bereiche „Energietechnik / Kraftwerke“ sowie
„Physik und Technik in der Gesellschaft“ gut zum Projektthema passen. Projektunterricht wird explizit empfohlen, um den Schülern Kompetenzen zu vermitteln beim Umgang mit Informationen, bei der Arbeit im Team und bei der Präsentation von Ergebnissen.
Da es sich bei der Energiewende in Deutschland um ein gesellschaftlichpolitisches Thema handelt, das großes öffentliches Interesse erfährt, werden viele weitere Schulfächer berührt, und es ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für fächerübergreifende Zusammenarbeit. So sind beispielsweise
die Abhängigkeit Deutschlands von Primärenergieträgern aus verschiedenen Ländern (z.B. Kohle aus Polen und Südafrika, Erdöl aus Russland und
Norwegen, Uran aus Kanada und Australien) [18] oder die möglichen
Standorte eines Endlagers für Brennelemente sowie deren geologische
Beschaffenheit Themen mit Bezug zum Geographieunterricht [11][12][13].
Die ethische Verantwortung bei der Nutzung einer potentiell gefährlichen
Technologie gegenüber den direkten Anwohnern von Kernkraftwerken,
aber auch gegenüber umliegenden Ländern und nachfolgenden Generationen, passt in den Religions- und Ethikunterricht [15][16][17]. Die Methode der Podiumsdiskussion sowie die zuvor zu leistende Recherchearbeit
sowie die Aufbereitung der gefundenen Informationen hingegen ist dem
2. Vorbemerkung
8
Fach Deutsch zuzuordnen [8][9][10]. Erfolgt die Recherche im Internet, so
wird damit auch ein Thema aus dem Informatikunterricht (im Rahmen des
Fachs Natur und Technik) gestreift [14]. In Chemie können im Profilbereich
des naturwissenschaftlichen Zweigs in der 8. Jahrgangsstufe die Kernenergie und Radioaktivität angesprochen werden [7].
Es sollen hier nur einige relevante Abschnitte der entsprechenden Fachlehrpläne kurz aufgezählt werden, wobei natürlich insbesondere die Themen der 8. Jahrgangsstufe relevant für fächerübergreifende Zusammenarbeit sind:
 C (NTG) 8.4 Profilbereich: Energie – Radioaktivität und Kernenergie
 D 8.1 „Informieren: Informationen und Ergebnisse gegliedert vortragen und veranschaulichen, Printmedien und neue Medien heranziehen“; „Argumentieren: Standpunkte und Meinungen entwickeln
und begründet vertreten; Appellieren; Diskussionen führen, sich konstruktiv beteiligen; Rollen einnehmen“
 D 8.2 eigener Standpunkt; begründete Stellungnahme
 D 8.5 Medien nutzen und reflektieren (Zeitung und Webseiten)
 D 9.1 Diskussionen leiten und moderieren; Notizen zu Vorträgen anfertigen
 D 9.2 unterschiedliche Sachtexte zu einem Thema auswerten und zusammenfassen
 D 9.5 Internetrecherche
 Geo 7.4 Standortfaktoren und Strukturwandel in der Industrie
 Geo 7.5 Kooperationen in Europa: Sicherung der Energieversorgung
 Geo 8.2.1 Orient (Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten): Entwicklungsfaktor Erdöl/Erdgas; Spannungsraum der Weltpolitik
 Geo 11.3.2 Rohstofflagerstätten und deren Nutzung
 NuT 7.2.1 Informationsbeschaffung im Internet
 K 8.1 Verantwortung für die Schöpfung in einem Anwendungsbereich,
z.B. Umwelt
2. Vorbemerkung
9
 Ev 8.1 verantwortliches Verhalten gegenüber der Schöpfung, ggf. im
Rahmen eines Projekts
 Eth 8.3 Ethisch argumentieren
 Eth 8.4 Umweltethik
Nicht zuletzt erfüllt die Projektarbeit auch direkt einige übergeordnete Ziele des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags [1][2]: Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Selbständigkeit, Ausbildung einer
Persönlichkeit, soziales Engagement, Ermöglichung der Teilnahme an öffentlichen Diskussionen.
Für den Profilbereich des Physikunterrichts der 8. Jahrgangsstufe am naturwissenschaftlich-technischen Gymnasium (NTG), in dessen Rahmen das
Projekt stattfand, gibt der Lehrplan keine genaue Stundenzahl vor [5]. Da
für den übrigen Stoff, der auch im sprachlichen Gymnasium (SG) gelehrt
wird, 56 Schulstunden veranschlagt werden, und das NTG 3 Wochenstunden gegenüber den 2 Wochenstunden des SG hat, könnten dem Profilbereich bis zu 28 Schulstunden zugeschrieben werden. Allerdings wird in
der Praxis ein Teil dieser Stunden zur Vertiefung sowie für Schülerübungen
genutzt. Am Ende des Schuljahres standen nach Abschluss des übrigen
Stoffs noch knapp 5 Wochen (16 Unterrichtsstunden) allein für das Projekt
zur Verfügung. Die Zeiteinteilung wird in Abschnitt 4.3 näher erläutert.
2.2. Aktueller gesellschaftlich-politischer Bezug
Am 11. März 2011 fand vor der Küste von Japan ein schweres Erdbeben
mit einer darauffolgenden Tsunami-Flutwelle statt, das einige Atomkraftwerke in der Umgebung des Epizentrums in Mitleidenschaft zog. Speziell
die Anlage Fukushima Daiichi (Fukushima I) mit sechs Kraftwerksblöcken,
von denen drei zum Zeitpunkt des Bebens in Betrieb waren, war betroffen.
Die Atomreaktoren fuhren zwar wie vorgesehen herunter, allerdings wurden die Notstromaggregate durch den Tsunami beschädigt, so dass nach
wenigen Stunden kein Strom mehr zum Betrieb der Pumpen für die Küh-
2. Vorbemerkung
10
lung der Brennstäbe in den Reaktoren und Abklingbecken zur Verfügung
stand. Die Wärmeentwicklung führte zum Verdampfen des Kühlwassers,
an den glühenden Brennstäben kam es dann zur Wasserstoffbildung und in
der Folge zu einigen Knallgasexplosionen, die die Reaktorgebäude teilweise zerstörten. Die Kühlung konnte in den folgenden Tagen nicht wieder in
Gang gesetzt werden bzw. nur notdürftig mit Meerwasser und über Wasserwerfer und Löschhubschrauber erfolgen. In den Reaktoren 1-3 konnten
eine Kernschmelze und der Austritt von radioaktivem Material nicht verhindert werden [19].
Das Ausmaß der Katastrophe wurde erst nach und nach deutlich, als in den
Medien wochenlang über die Kühlversuche an den Reaktoren und die
Strahlenbelastung der Umgebung berichtet wurde. Die Weltöffentlichkeit
war schockiert, dass in einem hochtechnisierten Land wie Japan und in
einem modernen Atomkraftwerk wie Fukushima ein Unfall der Höchststufe 7 auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse
(INES) stattfinden kann, also eine Katastrophe der gleichen Größenordnung wie 1986 in Tschernobyl.
In der Folge flammte in Deutschland die Diskussion um die zukünftige
Energieversorgung wieder auf. Während die rot-grüne Regierung im Jahr
2000 den Ausstieg aus der Kernenergie durch die Festschreibung einer
Höchstlaufzeit von 32 Jahren ab Inbetriebnahme für die deutschen Kernkraftwerke beschlossen hatte, war gerade erst 2010 diese Restlaufzeit von
der schwarz-gelben Koalition um 8-14 Jahre (je nach Alter des AKW) verlängert worden [20][21]. Nach Fukushima beschloss die Bundesregierung
quasi über Nacht eine temporäre Abschaltung der sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke („Moratorium“) und setzte eine Ethikkommission
ein, die die technischen und ethischen Aspekte der Kernenergie prüfen,
einen gesellschaftlichen Konsens zum Atomausstieg vorbereiten und Vorschläge für den Übergang zu erneuerbaren Energien erarbeiten sollte [22].
Da das Thema in Deutschland ein derart breites gesellschaftliches Interesse erfuhr, wurde es auch im Unterricht in den unterschiedlichen Fächern
besprochen. Siehe hierzu auch Abschnitt 4.1.
3. Didaktik und Methodik
11
3. Didaktik und Methodik
Die zentrale Idee des Projekts, die bereits Ende 2010 entstand, also vor
dem Erdbeben in Japan, war, verschiedene Organisationen und Interessensverbände anzuschreiben und um für Schüler geeignetes Informationsmaterial zu bitten. Die Schüler könnten daraus dann die verschiedenen
Positionen ablesen und gegenüberstellen und ggf. stellvertretend nachspielen. Bei einem länger dauernden Projekt in einer höheren Jahrgangsstufe wäre es auch denkbar, die Schüler selbst bei den verschiedenen Interessensverbänden anfragen zu lassen. Aufgrund der aktuellen Ereignisse
bot es sich an, die Schüler vor eine ähnliche Aufgabe zu stellen wie die von
der Bundesregierung einberufene Ethikkommission. Sie sollten die Rolle
von Experten übernehmen und ihre zum Teil gegensätzlichen Positionen in
einer öffentlichen Diskussion vertreten.
Aufgrund des begrenzten zeitlichen Rahmens übernahm ich im Vorfeld die
Arbeit, passende Ansprechpartner in Parteien und Interessensverbänden
zu finden und anzuschreiben, und legte somit auch die an der Podiumsdiskussion teilnehmenden Gruppen fest (siehe Abschnitt 4.2). Dennoch wollte
ich offen bleiben für sinnvolle Alternativvorschläge seitens der Schüler. In
höheren Jahrgangsstufen und mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf ist es sicher sinnvoll, den Schülern diese Aufgabe zu überlassen.
Ich war überrascht über die Bereitwilligkeit der angeschriebenen Verbände, einen Sprecher an die Schule zu schicken, um den Schülern etwas zu
erzählen und Rede und Antwort zu stehen. Die bis zum Ende des Schuljahres noch zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden reichten gerade
3. Didaktik und Methodik
12
aus, um alle Experten einladen zu können und noch ein paar Gruppenarbeitsstunden dazwischen übrig zu haben.
In der Gruppenarbeit sollten die Schüler einerseits im Internet und in Büchern und Zeitschriften recherchieren nach Zahlenmaterial und anderen
Berichten, die ihre Argumente untermauern können, und andererseits ihre
Argumente in eine für eine Podiumsdiskussion nützliche Form bringen. Die
Resultate jeder Gruppe sollten dann auf einem Poster präsentiert werden.
Die Projektstunden ließen sich somit in die folgenden vier Typen einteilen,
die im Folgenden kurz charakterisiert werden sollen:
 Frontalunterricht:
 Expertenvorträge:
 Computerrecherche:
 Gruppenarbeit:
Außerdem gelang es mir, den letzten freien Termin für eine Besichtigung
des Kernkraftwerks Isar zu sichern, so dass wir mit der Klasse eine halbtägige Exkursion dorthin unternehmen konnten.
Die Podiumsdiskussion sowie die Evaluation und Nachbesprechung in der
letzten Stunde stellen natürlich noch einmal andere Unterrichtsformen dar
als die vier oben genannten.
Der Zeitplan für die Verteilung der Unterrichtsstunden findet sich in Abschnitt 4.3.
3. Didaktik und Methodik
13
3.1. Frontalunterricht
Hierunter sollen die Unterrichtsformen „Lehrervortrag“ und „LehrerSchüler-Gespräch“ zusammengefasst werden. Die meisten Physikstunden,
von Schülerübungen einmal abgesehen, bestehen zu einem großen Teil
aus diesen Formen. In letzter Zeit ist der Frontalunterricht in Verruf geraten. Er stellt die „altmodischste“ Art des Unterrichts dar, bei der die Schüler kaum Freiheit zu eigenen Entdeckungen haben und der Lehrer Stoff
und Tempo vorgibt. Er hat dennoch in einer gesunden Mischung verschiedener Unterrichtsformen seine Daseinsberechtigung. Denn viele Sachverhalte können/wollen die Schüler durch eigenständiges Ausprobieren nicht
ausreichend ergründen. Ein Hefteintrag, der alle nötigen Informationen
enthält für die spätere Vorbereitung auf Prüfungen, kann fast nur durch
Diktat oder Tafelbild des Lehrers zustande kommen. Natürlich sind die Motivation und dadurch der Lernerfolg durch stärker schüleraktivierende Methoden meist größer. Es gibt keine ideale Methode, mit der man alle Schüler gleichermaßen erreicht, deshalb ist guter Unterrricht durch Methodenvielfalt gekennzeichnet, so dass für jeden Schüler etwas dabei ist.
Für das Projekt war eine lehrerzentrierte Unterrichtsform für die Vorstellung des Themas und der „Spielregeln“ wichtig. Einige für alle Gruppen
wichtigen grundlegenden Informationen wurden gemeinsam besprochen,
zum Teil bereits vor Projektbeginn (Wärmekraftwerke; prinzipielle Funktionsweise von Kernkraftwerken; Gefahren radioaktiver Strahlung; Ablauf
der Katastrophe in Fukushima; Wasserkühlung, siehe Anhang 6.4.1), zum
Teil in den ersten Projektstunden bzw. den Recherchestunden (Stoffsammlung von Argumenten für und gegen die Kernenergie, siehe Anhang 6.5;
Strommix in Deutschland und der Welt; verschiedene Primärenergieträger
(Rohstoffe) und deren Herkunftsländer; Aufbereitung von Argumenten
und Quellen für die Podiumsdiskussion, siehe 6.4.2). Im Nachhinein würde
ich empfehlen, gerade die Sammlung von Argumenten und Zahlenbelegen
den Schülern in den einzelnen Gruppen zu überlassen.
3. Didaktik und Methodik
14
3.2. Expertenvorträge (und Schülerfragen)
Damit die Schüler nicht alle Informationen aus einer Hand erhielten und
sich besser in die Rollen hineinversetzen konnten, die sie in der Podiumsdiskussion zu spielen hatten, lud ich Vertreter der entsprechenden Interessensgruppen (siehe 4.2 und 4.3) ein. Was die Gastredner den Schülern erzählen sollten, überließ ich ihnen selbst, ich gab ihnen lediglich Anregungen, wie sie dem Emailtext meiner Anfragen an die Interessensgruppen in
Anhang 6.2 entnommen werden können. In Telefonaten und kurzen Besprechungen vor den jeweiligen Unterrichtsstunden lernte ich die Experten
vorher kennen und besprach mit ihnen den Ablauf der Stunde. Mir war
wichtig, dass sie mit einem kurzen „Vortrag“ beginnen konnten, der dem
Alter der Schüler entsprechend (14-15 Jahre) nicht zu anspruchsvoll oder
langweilig war, in dem sie sich und ihre Gruppe vorstellten und ihre Position, gerade auch mit aktuellem Bezug auf Fukushima und die Zukunft der
deutschen Energiepolitik, darlegten. Der Rest sollte aus der Beantwortung
von Schülerfragen und einem lockeren Gespräch zwischen Gast und Schülern bestehen. Damit die Schüler sich auch aktiv beteiligten, hatte jeweils
die Schülergruppe, die in der Podiumsdiskussion später den entsprechenden Standpunkt des Gastredners zu vertreten hatte, die Aufgabe, sich bereits vor der Stunde ein paar Fragen auszudenken. Die meisten Vortragenden brachten den Schülern schriftliches Material mit; der Vertreter der
Stadtwerke FFB bereitete sogar einen Powerpoint-Vortrag vor.
Da auf die Expertenvortragsstunden meist die Pause folgte, hatte die jeweils zugehörige Schülergruppe noch die Möglichkeit, sich „unter vier Augen“ mit „ihrem“ Experten zu unterhalten und ggf. für spätere Nachfragen
dessen Emailadresse zu erfragen.
Eine eigene Pressegruppe (siehe Abschnitt 5.1.2) hatte die Aufgabe, einen
kurzen Bericht über jeden Vortrag zu schreiben. Ich stellte ihnen hierzu
auch eine Videokamera aus der Physiksammlung zur Verfügung.
3. Didaktik und Methodik
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3.3. Computerrecherche / Gruppenarbeit
Ein großer Teil des Projektzeitraums bestand aus selbständiger Arbeit der
Schüler in ihren Gruppen. Einige Stunden fanden im Computerraum statt,
wo die Schüler die Möglichkeit hatten, im Internet nach Zitaten, Zahlen,
Diagrammen und weiteren Argumenten für den Standpunkt ihrer Interessensgruppe zu recherchieren. Als Zielvorgabe hatten die Schüler lediglich
die „Ausrüstung“ eines Sprechers aus ihrer Runde mit Argumenten und
unterstützendem Material für die Podiumsdiskussion, sowie das schriftliche Fixieren ihrer Argumente auf einem Poster.
Neben der Quelle Internet stellte ich den Schülern eine Reihe von Büchern
und Broschüren zu den Themen Kernenergie, Tschernobyl, Stromerzeugung und alternative Energien zur Verfügung. Die Literatur lag im Klassenzimmer aus, und die Schüler konnten sich Bücher bis zur nächsten Unterrichtsstunde ausleihen und nach Hause mitnehmen.
Während der Recherchearbeit beschränkte ich mich darauf, den Schülern
Fragen zu beantworten oder Tipps zu geben, sowie zu kontrollieren, dass
sie nur themenbezogene Webseiten ansurften. Mit jeder Gruppe setzte ich
mich einmal zusammen um mir ihren Fortschritt zeigen zu lassen.
3.4. Exkursion
Zur Motivation der Schüler, und damit diese persönlich einen Einblick in
den Betrieb eines Kernkraftwerks erhalten und vielleicht auch ein wenig
die Scheu vor einer abstrakten Gefahr der „Verstrahlung“ verlieren konnten, besuchte ich mit ihnen eine kerntechnische Anlage. Es erschien näher
am Thema und didaktisch sinnvoller, etwas über Leistungsreaktoren zu
erfahren und nicht den Sonderfall eines Forschungsreaktors zu betrachten,
deshalb fiel die Wahl auf das KKW Isar [23].
3. Didaktik und Methodik
16
3.5. Podiumsdiskussion
Den Höhepunkt des Projekts stellte die Podiumsdiskussion in der vorletzten Stunde dar. Die rhetorisch-methodische Vorbereitung auf die Diskussion überließ ich größtenteils den Deutschlehrern der Klassen, mit denen ich
mich im Vorfeld des Projekts abgesprochen hatte. Sie waren gerne bereit,
in jeweils einer Doppelstunde mit den Schülern den Ablauf einer Diskussionsrunde zu besprechen und an einem Beispiel durchzuspielen.
Ich konzentrierte mich in den Recherchestunden darauf, die Schüler bei
der fachlichen Auswahl ihrer Argumente zu unterstützen sowie ihren Blick
zu schulen, Lücken in der gegnerischen Argumentation zu finden und auszunutzen.
Um die eigenen Argumente zu ordnen und sich für Gegenargumente zu
wappnen, stellte ich den Schülern eine Möglichkeit vor, diese strukturiert
aufzuschreiben (siehe Anhang 6.4.2). Aus den Aufzeichnungen für die Podiumsdiskussion sollten sich dann auch schnell Poster für die Schulaula
erstellen lassen.
Für den äußeren Rahmen der Podiumsdiskussion gibt es verschiedene
Möglichkeiten. Soll es eine öffentliche Veranstaltung werden? Könnte sie
außerhalb der Schulzeit stattfinden, ggf. am Abend, so dass die Eltern zuschauen können? Wäre das unfair den freiwilligen Gruppensprechern gegenüber? Sollten zumindest die Parallelklassen als Zuschauer eingeladen
werden? Trauen sich die Schüler ohne Publikum mehr, oder motiviert gerade die Anwesenheit von Mitschülern oder Eltern? In welchem Raum
kann die Diskussion stattfinden? Ich entschied mich für eine Doppelstunde
während der Schulzeit im Mehrzweckraum der Schule, der genügend Zuschauerplätze bot, dass einige Parallelklassen eingeladen werden konnten.
Die erste Viertelstunde diente zur Vorbereitung: Schulbänke und Stühle für
das Diskussionspanel, Namenskärtchen, Papier, Stift, Wassergläser für die
Redner. Die nicht an der Diskussion teilnehmenden Schüler wurden in die
ersten beiden Reihen des Hörsaals platziert, in der Nähe ihres Sprechers,
so dass sie diesen während der Diskussion noch „coachen“ konnten. Ein
3. Didaktik und Methodik
17
Mitglied aus der Pressegruppe erhielt die Videokamera zur Aufzeichnung
der Diskussion.
Außerdem war eine Zeitungsreporterin eingeladen, die ich in Empfang
nahm und den Schülern vorstellte. Sie blieb nach der Diskussion noch zehn
Minuten, um ein paar Schüler zu interviewen. Ihr Artikel ist im Anhang 6.8
zu finden.
3.6. Lernziele
Mit dem Projekt wurden die folgenden Lernziele verfolgt. Dabei ist zu betonen, dass die aufgeführte Liste eher ein Maximal- als ein Minimalziel
darstellt. Dadurch, dass die Schüler in verschiedenen Gruppen und teilweise individuell im Internet recherchiert haben, werden sie unterschiedliche
Schwerpunkte gesetzt und verschiedene Themen vertieft haben.
Fachliche Ziele:
 Funktionsprinzip eines Atomkraftwerks
Die Schüler wissen, dass es sich bei Atomkraftwerken auch „nur“ um
Wärmekraftwerke handelt, bei denen die Wärme von einer nuklearen
Kettenreaktion erzeugt wird. Sie wissen von getrennten Wasserkreisläufen und wozu die Kühltürme bei Wärmekraftwerken dienen. Sie
wissen, dass bei Abschaltung eines AKWs die Brennstäbe noch lange
gekühlt werden müssen, und welche Probleme (am Beispiel von
Fukushima) ein Ausfall der Kühlung darstellt. Sie haben von den Sicherheitsmaßnahmen moderner AKWs gehört und können kritische
Fragen stellen, was die Sicherheit gegenüber Naturkatastrophen oder
terroristischen Anschlägen betrifft.
 Realistische Abschätzung der Gefahren radioaktiver Strahlung
Die Schüler wissen um die lange Halbwertszeit radioaktiver Abfälle
und die Notwendigkeit der sicheren Endlagerung. Sie sind sich dessen
bewusst, dass es unterschiedliche Arten von Strahlung mit unterschiedlichem Gefahrenpotential gibt. Sie wissen, dass es einen Unter-
3. Didaktik und Methodik
18
schied macht, von außen einer Strahlung ausgesetzt zu sein oder ein
strahlendes Isotop zu inkorporieren. Sie hinterfragen ungenaue Formulierungen in den Medien (z.B. „die Umgebung wurde verstrahlt“).
 Anwendung physikalischen Wissens im Alltag
Die Schüler entwickeln ein Bewusstsein dafür, dass die im Physikunterricht erworbenen Kenntnisse in vielen Bereichen des alltäglichen
Lebens eine Rolle spielen und beim Verständnis von Medienberichten
hilfreich sein können, z.B. physikalische Einheiten von Energie und
Leistung. Im Idealfall entdecken sie, dass Physik Spaß macht.
 Abwägung Technik – Wirtschaft – Ethik
Den Schülern ist bewusst, dass technische Neuerungen und der damit
einhergehende Fortschritt und wirtschaftliche Wohlstand gegebenenfalls negative Konsequenzen für die Umwelt oder ein Sicherheitsrisiko
für Anwohner oder gar die Bevölkerung in großen Gebieten haben
kann, und dass die Abwägung der Interessen von großen Konzernen,
der Gesamtwirtschaft und der Bevölkerung ein wichtiges politisches
Thema ist, das nicht einfach zu lösen ist (vgl. auch [4]).
Allgemeine Ziele:
 Recherche:
Die Schüler üben die Recherche im Internet und Informationsbroschüren. Sie erkennen die Wichtigkeit, gefundene Informationen auf
den wesentlichen Kern zu reduzieren, um sie besser strukturieren zu
können.
 Sicherer und kritischer Umgang mit Informationen aus den Medien
Die Schüler lernen, die Qualität von Informationsquellen kritisch zu
beurteilen und ihre Argumente mit Zahlenmaterial und Quellenangaben zu belegen. Sie sind sich dessen bewusst, dass es bei manchen
Fragen kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, sondern dass es für beide Positionen gute Argumente gibt und je nach Gewichtung dieser Argumente die Entscheidung anders ausfallen kann. „Sie werden damit
auf ihre spätere Rolle als verantwortungsbewusste Bürger in einer
von Individualisierung und Wettbewerb bestimmten Gesellschaft
vorbereitet.“ [2]
3. Didaktik und Methodik
19
 Argumentation:
Die Schüler üben, eine fremde Position zu verstehen und zu vertreten
und sich in einer Diskussion durchzusetzen. Die Diskussion soll ihre
„Fähigkeit zur Konfliktlösung fördern“ und ihre „Bereitschaft wecken,
sich in andere hineinzuversetzen“ [3]. Sie erkennen die Notwendigkeit, ihre Argumente zu gewichten und zu ordnen.
 Teamarbeit
In der Arbeit im Team üben die Schüler die Aufteilung verschiedener
Aufgaben auf die Teammitglieder sowie die Einteilung ihrer Zeit bis
zur vollständigen Erfüllung der Aufgabe.
Nur wenige dieser Ziele können mit Hilfe eines kurzen (in weniger als einer
Schulstunde zu bearbeitenden) Evaluationsfragebogens überprüft werden.
Bei den meisten Zielen handelt es sich ohnehin um mittel- bis langfristige
Ziele, die nur durch regelmäßiges Training z.B. in ähnlichen Projekten erreicht werden können. Meine Beobachtungen, wie sich die Schüler in der
Gruppenarbeit und der Podiumsdiskussion geschlagen haben, sind in Abschnitt 5 zusammengefasst. Die Ergebnisse der Evaluation stehen dabei in
Abschnitt 5.3 sowie ausführlich im Anhang 6.9.
4. Durchführung des Projekts
20
4. Durchführung des Projekts
4.1. Vorbereitung im Unterricht vor Projektbeginn
Aufgrund der Nuklearkatastrophe von Fukushima in der Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 [19] wurde das Thema in nahezu
jedem Fach angesprochen. Am 17.3. hielt ich in der Klasse eine Physikstunde über Aufbau und Funktionsweise von Kernkraftwerken und beantwortete Schülerfragen über Radioaktivität und die Ereignisse in Fukushima.
Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Siedewasserreaktor&oldid=119839945
4. Durchführung des Projekts
21
Ich zeichnete als einfaches Beispiel das Schema eines Siedewasserreaktors
an die Tafel und erläuterte die verschiedenen Bestandteile, wobei ich besonders Wert legte auf die Unterscheidung zwischen potentiell radioaktiv
belastetem Primärkreislauf und davon getrenntem Kühlkreislauf, sowie
grundsätzlich auf die Notwendigkeit der Kühlung und die Funktionsweise
derselben in einem Kühlturm (Bezug zur Wärmelehre: Verdampfungswärme). Außerdem besprach ich kurz das Zustandekommen der Kettenreaktion sowie die Rolle des Moderators (Wasser) und der Steuerstäbe, insbesondere im Falle einer Notabschaltung des Reaktors. Die Nachwärme der
Brennstäbe und die Notwendigkeit der weiteren Kühlung (und die dafür
notwendige Energiezufuhr bei heruntergefahrenem Reaktor) waren ein
weiterer wichtiger Punkt, um das Problem in Fukushima zu verdeutlichen.
Die Gefahren radioaktiver Strahlung und die Einteilung in α-, β- und γStrahlen waren bereits aus einer Chemiestunde zum Thema Fukushima
bekannt. Auf Fragen der Schüler hin erzählte ich noch ein wenig über den
Unterschied zwischen kurzzeitiger Bestrahlung von außen und der Inkorporation strahlender Elemente, die in bestimmten Fällen (z.B. Iod) bis zum
Zerfall im Körper bleiben können und vor Ort großen Schaden anrichten
können. Außerdem verglich ich verschiedene natürliche und künstliche
Strahlenbelastungen und –dosen, wie z.B. Radon im Keller, eine Röntgenuntersuchung oder einen Transatlantikflug und wies hin auf die Bedeutung
der Dauer der Bestrahlung.
Bei der Vorstellung von Wärmekraftmaschinen griff ich das Thema Kernkraftwerk später erneut kurz auf, und in einer Übungsstunde zur Wärmekapazität stellte ich eine Aufgabe zur Kühlung des Reaktors in Fukushima
mit Hilfe von Meerwasser, das mit dem Hubschrauber abgeworfen wird
(siehe Anhang 6.4.1).
4. Durchführung des Projekts
22
4.2. Auswahl der Gruppen
Als gesellschaftliche Gruppen, die die Schüler in der Podiumsdiskussion
vertreten sollten, boten sich an:
 Parteien / Politiker
 Stromerzeuger
 Umweltorganisationen
 Unabhängige Wissenschaftler
 Kirchen / religiöse Vereinigungen
Ich entschied mich dagegen, religiöse Gruppen selbst als Vorschlag anzugeben, da ich die Diskussion nicht zu sehr in Richtung Philosophie, Ethik
und Theologie driften lassen wollte und den Schülern der 8. Jahrgangsstufe
dies auch noch nicht zutraute. Wäre der Vorschlag jedoch später von den
Schülern gekommen, so hätte ich der Bildung einer weiteren Gruppe gerne
zugestimmt und wäre gespannt auf das Ergebnis gewesen.
Während die Positionen der großen Stromerzeuger und der Umweltorganisationen ziemlich eindeutig „pro“ und „contra“ Kernenergie zugeordnet werden können, ist dies bei den politischen Parteien (insbesondere
der Regierungskoalition) und unabhängigen Wissenschaftlern schwieriger.
Deshalb teilte ich die Wissenschaftler in zwei Gruppen „kernkraftbefürwortend“ und „kernkraftkritisch“ auf, und die Parteien in „Regierungskoalition“ und „rot-grün“. Die rot-grüne Koalition hatte im Jahr 2000 den
Atomausstieg beschlossen [24], die Regierungskoalition kurz vor Fukushima die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke [25]. Durch den Druck der
öffentlichen Meinung sahen sich CDU/CSU und FDP jedoch genötigt, ihren
Kurs zu ändern und ebenfalls einen raschen Atomausstieg zu befürworten.
Dies versprach daher die „spannendste“ Gruppe zu werden, da sie in einer
Diskussion Argumente beider Seiten abwägen müsste und ggf. in Erklärungsnot geraten würde, wenn die Diskussionsgegner ihr vorwerfen würden, die Situation zuvor verkannt zu haben bzw. ihr Fähnchen nur nach
dem Wind der öffentlichen Stimmung zu drehen.
4. Durchführung des Projekts
23
Das Ergebnis des Projekts sollte nicht nur die Podiumsdiskussion sein, sondern auch eine Posterwand, die noch eine Weile in der Aula stehen könnte. Damit diese Wand nicht nur aus Listen von Pro- und Contra-Argumenten bestünde, sondern auch aus Berichten und Bildern über die Gruppenarbeit und die Gastredner, sollte eine Schülergruppe die Rolle der
Presse übernehmen. Ihre Aufgabe war es, wöchentlich kurze Berichte über
die Aktivitäten dieser Woche zu schreiben und an die Mitschüler auszuteilen. Außerdem sollte ein Mitglied dieser Gruppe am Ende die Podiumsdiskussion als unabhängiger Moderator leiten.
Um die Diskussion am Ende spannender zu machen und die Schüler etwas
zur Konkurrenz anzustacheln, stellte ich die Spielregel auf, dass sich die
Gruppen untereinander nicht austauschen sollten. Lediglich die Pressegruppe durfte in der Gruppenarbeitsphase den anderen über die Schulter
schauen, sie interviewen und darüber berichten. Natürlich waren die
Gruppen gegenüber den „Reportern“ nicht besonders kooperativ, damit
ihre Diskussionsgegner nicht frühzeitig ihre Argumente in die Hände bekamen.
Die Gruppen, die nun für die Schüler zur Wahl standen, waren:
 „Greenpeace“ (stellvertretend für Umweltorganisationen)
 „kernkraftkritische Wissenschaftler“
 „rot-grün“
 „Presse“
 „schwarz-gelb“
 „kernkraftbefürwortende Wissenschaftler“
 „Stromerzeuger“
Wie bereits erwähnt waren dies zunächst lediglich Vorschläge. Zwar wollte
ich alle diese Gruppen vertreten haben, aber die Schüler hätten noch weitere Gruppen erfinden und gründen können. Dazu kam es jedoch nicht.
Bei einer Klassenstärke von 24 bestand jede der oben aufgeführten Gruppen aus 3 bis 4 Schülern, eine gute Zahl für Gruppenarbeit.
Die Spielregeln, möglichen Gruppen und einen Zeitplan teilte ich den Schülern in der ersten Projektstunde aus (siehe Anhang 6.4.4).
4. Durchführung des Projekts
24
4.3. Gastredner
Ich wollte möglichst jede Schülergruppe mit Material „direkt von der Quelle“ versorgen. Im Falle der beiden Wissenschaftlergruppen waren dies einige Bücher, die ich ihnen zur Verfügung stellte (siehe Anhang 6.4.2), sowie persönliche Beratung in der Gruppenarbeitsphase. Für die Gruppen
Greenpeace, Stromerzeuger, sowie die politischen Parteien suchte ich
nach lokalen Vertretern.
Ich wählte Greenpeace als repräsentatives und bekanntestes Beispiel für
eine Umweltinitiative und schrieb eine Email an die Münchner Zentrale,
auf die ich schnell eine Antwort erhielt. Es meldete sich Herr A. D., der seit
vielen Jahren ehrenamtlich für Greenpeace arbeitet und in München auf
einem Bürgerradio regelmäßig Sendungen über Greenpeace-relevante
Themen gestaltet. Er war sehr an dem Schülerprojekt interessiert und gerne bereit, den Schülern in einer Stunde Rede und Antwort zu stehen.
Während E.ON als Betreiber der Kernkraftwerke Isar I und II bei der Exkursion natürlich als Informationsquelle für die Schülergruppe „Stromerzeuger“ zur Verfügung stehen würde, wollte ich zusätzlich einen persönlicheren lokalen Bezug herstellen („woher kommt eigentlich der Strom aus
unserer Steckdose?“) und schickte eine Email an die Stadtwerke Fürstenfeldbruck. Auch hier erhielt ich ein positives Echo, und der Vertriebsbereichsleiter A. W. meldete sich für einen Gastvortrag vor den Schülern.
Seitens der Politik entschied ich mich, nur die beiden großen Parteien (CSU
und SPD) zu fragen. Ich erfuhr, dass ein Lehrer im Kollegium, M. S., Bezirksvorsitzender der SPD ist. Er stellte sich ebenfalls sofort zur Verfügung vor
den Schülern zu sprechen. Um einen Vertreter der CSU zu finden, schrieb
ich eine Email an das Büro der Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises
Fürstenfeldbruck. Da es ihr persönlich nicht möglich war, einen der von
mir vorgeschlagenen Termine wahrzunehmen, leitete sie meine Anfrage
weiter, und es meldete sich schließlich Herr R. B., der Landtagsabgeordnete des Stimmkreises Fürstenfeldbruck-Ost, ehemaliger Landwirtschaftsund Europaminister und aktuell Vizepräsident des Bayerischen Landtags.
4. Durchführung des Projekts
25
Schließlich erklärte sich noch ein befreundeter Philosophie- und Theologiestudent, J. G., bereit, etwas über die ethischen Gesichtspunkte und die
Risikoabwägungen der Kernkraft zu erzählen.
Mit den Gastrednern und den durch sie abgedeckten Themen war ich
größtenteils sehr zufrieden. Die Schüler gewöhnten sich zunehmend an die
Situation und hatten gegen Ende des Projekts viel weniger Scheu bzw.
mehr Erfahrung darin, Fragen zu stellen.
Gegebenenfalls könnte man auch einen Vertreter einer Kleinpartei einladen. Leider gibt es die obskure „Naturgesetz-Partei“ nicht mehr; es wäre
interessant, die Reaktion der Schüler auf sehr esoterische Theorien ohne
wissenschaftliches Fundament zu sehen bzw. die Antworten eines solchen
Vertreters auf kritische Schülerfragen zu hören. Aber vielleicht würde auch
die Partei bibeltreuer Christen, Die Violetten, Die Tierschutzpartei oder Die
Piratenpartei einen interessanten Kontrast bilden.
4.4. Zeitplan
Das Projekt wurde am Ende des Schuljahres im Zeitraum 29.6.-28.7.2011
durchgeführt, in insgesamt 15 Unterrichtsstunden sowie einer halbtägigen
Exkursion.
Den fünf Gastrednern wurde die Terminwahl zwischen allen Unterrichtsstunden zwischen dem 1.7. und 20.7. freigestellt. Glücklicherweise kam es
zu keinen Terminkollisionen. Vor den Stunden am Mittwoch und Freitag
lag entweder die Pause oder hatte ich eine Freistunde, so dass ich die Gäste in Empfang nehmen konnte und etwas Zeit hatte, mich mit ihnen zu unterhalten und sie auf die Klasse einzustimmen.
Der Exkursionstermin stand bereits zu Anfang des Projekts fest; es war der
letzte freie Führungstermin für dieses Schuljahr.
Die Podiumsdiskussion legte ich auf die letzte Schulwoche in eine Doppelstunde. Die letzte Unterrichtsstunde nach der Podiumsdiskussion wurde
4. Durchführung des Projekts
26
zur Nachbesprechung und zum Aufstellen der Posterwand im Schulhaus
genutzt, hauptsächlich aber zum Ausfüllen der Evaluationsfragebögen.
Es blieben sieben Stunden übrig. Die Stunde direkt vor der Podiumsdiskussion diente zur Fertigstellung der Poster sowie der Festlegung des Gruppensprechers für das Diskussionspanel. Zwei Stunden am Anfang des Projekts verwendete ich für einführende organisatorische Angelegenheiten
wie die Vorstellung und Diskussion des Themas, eine erste Stoffsammlung
und die Einteilung der Gruppen. Für die übrigen vier Stunden reservierte
ich den Computerraum, so dass die Schüler hier die Möglichkeit hatten, in
ihren Gruppen selbständig im Internet nach Argumenten und Zahlenmaterial zu recherchieren.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Projektstunden:
Mi
29.6.
Gruppeneinteilung
06.7.
Greenpeace
13.7.
/ Computerraum
20.7. Doppelstunde
/ Stadtwerke FFB
27.7. Doppelstunde
Podiumsdiskussion
Do
30.6.
Energiemix,
Kraftwerkstechnik
07.7.
Argumente
/ Computerraum
14.7.
Ethik & Risiko
21.7. ganzer Vormittag
Exkursion KKW Isar
28.7. Evaluation &
Nachbesprechung
Fr
01.7.
/ Computerraum
08.7.
SPD-Politiker
15.7.
CSU-Politiker
22.7.
Poster-Fertigstellung
–
4.5. Einteilung der Schülergruppen
In der ersten Projektstunde teilte ich den Schülern die „Spielregeln“ aus
(siehe Anhang 6.4.4) und stellte die einzelnen Gruppen aus Abschnitt 4.2
kurz vor, auf die sich die Schüler aufteilen sollten. Die Aufteilung nahmen
wir erst in der zweiten Projektstunde vor, so dass die Schüler einen Tag
Zeit hatten, sich für eine Gruppe zu entscheiden und mit ihren Freunden
abzusprechen.
4. Durchführung des Projekts
27
Im Lehrer-Schüler-Gespräch sammelten wir stichpunktartig erste Argumente für und gegen die Kernenergie (siehe Anhang 6.5), ohne diese ausgiebig zu diskutieren. Dies sollte später in den einzelnen Gruppen geschehen. Wir stellten aber bereits fest, welche Gruppe sich voraussichtlich auf
welche Hauptargumente stützen würde.
Die Gruppeneinteilung am zweiten Projekttag verlief überraschend harmonisch. Die Schüler schlugen keine weitere Interessensgruppe vor, sondern verteilten sich auf die vorgegebenen. Vielleicht hätte man mit etwas
mehr Zeit die Schüler zunächst ein wenig nach Argumenten suchen und
dann selbst Gruppen bilden lassen können.
4.6. Fächerübergreifende Zusammenarbeit
Von den Schülern erfuhr ich bereits im März, dass sie im Chemieunterricht
aus aktuellem Anlass der Katastrophe in Fukushima die unterschiedlichen
Arten radioaktiver Strahlung besprochen hatten.
Im Gespräch mit den Deutschlehrern der Klassen stellte sich heraus, dass
diese bei der Behandlung der begründeten Stellungnahme bereits als Vorgriff auf die 9. Jahrgangsstufe das Thema „Diskussion“ angeschnitten hatten. Sie waren gerne bereit, in einer weiteren Doppelstunde mit den Schülern Diskussionstechniken zu besprechen und an einem Beispiel zu üben.
Die Geographielehrer signalisierten Interesse, hatten aber leider dann keine Zeit für eine Unterrichtsstunde über ein nicht in den Lehrplan passendes Thema (Uranlagerstätten / geologische Bedingungen an ein Endlager).
Die Religions- und Ethiklehrer der Klassen hatte ich nicht mit einbezogen,
da es bei zwei geteilten Klassen in drei geteilten Fächern einen enormen
Organisationsaufwand bedeutet hätte, alle unter einen Hut zu bekommen.
Dieser wäre in keinem Verhältnis gestanden zum Beitrag, den die Fächer
zum Projekt hätten leisten können. Stattdessen hatte ich ja einen Philosophie- und Theologiestudenten für einen Vortrag zum Thema Ethik und
Verantwortung gewinnen können.
4. Durchführung des Projekts
28
4.7. Exkursion
Die von E.ON angebotene Führung am Kernkraftwerk Isar besteht aus einem Film und einem Vortrag über die Kernenergie und das Kernkraftwerk
Isar, einem kleinen Imbiss (Brezeln und Getränke) und einer Rundfahrt
über das Gelände mit einem Zwischenhalt am Kühlturm. Die Reaktorgebäude kann man im Normalfall (insbesondere mit Schülern der Unter- und
Mittelstufe) nicht von innen besichtigen.
Für die Anfahrt mieteten wir einen Bus eines örtlichen Unternehmens, da
das Kernkraftwerk einige Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt liegt
und die Rundfahrt durch das Betriebsgelände so mit dem eigenen Bus erfolgen kann. Den Schülern war die Fahrtdauer von knapp 90 Minuten zwar
zu lang, sie benahmen sich aber brav.
Zur Zeit unseres Besuchs waren beide Blöcke des Kernkraftwerks nicht in
Betrieb. Isar I war nach den Vorfällen in Fukushima am 15. März 2011 vorübergehend für Sicherheitsprüfungen heruntergefahren worden; Ende
Mai wurde von den Umweltministern der Länder und des Bundes beschlossen, Block 1 dauerhaft stillzulegen. Isar II war in den letzten beiden
Juliwochen aufgrund des jährlichen Brennelementwechsels und der damit
einhergehenden Wartungsarbeiten nicht am Netz. So gab es leider am
Kühlturm nicht viel zu sehen, kein fließendes Wasser und keinen aufsteigenden Wasserdampf.
Sowohl der Vortrag als auch der „Werbe“film waren informativ und von
hoher Qualität und kamen bei den Schülern gut an. Da sich die Schüler in
den letzten Wochen ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hatten, stellten
sie viele Fragen, die ihnen der E.ON-Vertreter ausführlich beantwortete.
In Gesprächen, die ich mit den Schülern auf der Rückfahrt im Bus führte,
hatte ich den Eindruck, dass die Schüler die Exkursion informativ und interessant fanden, aber enttäuscht waren, dass sie nicht mehr vom Reaktor
sehen konnten, und dass die Führung im Vergleich zur Fahrt so kurz war
bzw. die Exkursion ihnen insgesamt zu lange dauerte. Das gleiche geht
auch aus den Antworten hervor, die die Schüler im Evaluationsfragebogen
gaben (vgl. Abschnitt 4.10).
4. Durchführung des Projekts
29
4.8. Recherche
Anscheinend sind die Schüler bereits aus anderen Fächern die selbständige
Recherche im Internet gewohnt. Jedenfalls hatten in der ersten Recherchestunde im Computerraum manche Schüler bereits die Suchmaschine
oder den ersten Wikipedia-Artikel geöffnet, noch bevor ich die Klasse begrüßt hatte.
Während einige Schüler eine gute Arbeitshaltung an den Tag legten und in
ihrer Gruppe die Aufgaben offensichtlich gut verteilt hatten, waren andere
weniger motiviert oder weigerten sich, im Team zu arbeiten.
Von der Pressegruppe kam viel Initiative. Die Schülerinnen kamen selbst
auf die Idee, die Expertenbesuche mit einer Kamera zu filmen und die einzelnen Schülergruppen zu ihrer Recherchearbeit mittels eines kleinen Fragebogens zu befragen.
Eine Erkenntnis meiner eigenen Evaluationsbögen am Ende des Projekts
war, dass sich die meisten Gruppen außerhalb der Physikstunden nicht
zusammensetzten, sondern die gesamte Projektarbeit im Unterricht erledigten. Jedoch fand dafür zu wenig Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern statt; die meiste Zeit saß jeder vor seinem eigenen Rechner. Erst in der letzten Stunde vor der Podiumsdiskussion, als es auch die
Poster fertigzustellen galt, wurde diesen Gruppen der Ernst der Lage bewusst. Dies führte bei der „Regierungskoalition“ dazu, dass sich lange kein
freiwilliger Sprecher fand.
Die Bücher, die ich am Anfang jeder Stunde auf dem Pult auslegte, wurden
von den Schülern kaum genutzt.
Es empfiehlt sich, genaue Ziel- und Zeitvorgaben zu machen und mit jeder
Gruppe einen einzelnen Termin, ggf. am Nachmittag, zu vereinbaren, um
den Zwischenstand zu besprechen.
4. Durchführung des Projekts
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4.9. Erstellung der Gruppenposter
In der vorletzten Woche erhielten die Schüler farbiges Tonpapier zur Erstellung der Poster. Größtenteils erledigten sie diese Arbeit erst am letzten
Tag vor der Podiumsdiskussion. Die einzelnen Poster sind im Anhang 6.7
noch einmal vergrößert zu sehen.
In dieser Poster-Stunde war ich unter anderem damit beschäftigt, für die
Pressegruppe die Gruppenfotos auszudrucken, daher konnte ich mich
nicht um die übrigen Gruppen kümmern. Die Poster entsprechen leider
nicht meinen Erwartungen; sie enthalten größtenteils die Argumente, die
wir in der ersten Stunde bereits gesammelt hatten, oder die von den Experten genannten. Nur auf dem Greenpeace-Poster sind einige zusätzliche
Fakten zu finden, die offensichtlich aus eigener Recherche stammen. Allerdings haben sich alle Gruppen Mühe gegeben, das Poster zumindest mit
einem Bild zu verschönern. Gewünscht hätte ich mir, dass die Poster neben den eigenen Argumenten auch Gegenargumente sowie mögliche Antworten auf diese Gegenargumente enthalten, so wie es für die Podiumsdiskussion hilfreich wäre. Allerdings ist das für eine 8. Klasse schon eine
sehr hohe Erwartung, und dafür hätte ich mich wirklich mit jeder Gruppe
allein zusammensetzen müssen.
Mit der Arbeit und dem Poster der Pressegruppe bin ich sehr zufrieden;
dazu mehr in Abschnitt 5.1.2.
4. Durchführung des Projekts
31
4.10. Podiumsdiskussion
Die Podiumsdiskussion verlief wie geplant. Sowohl ich als auch die Schüler
waren sehr zufrieden, die anwesende Italienisch-Kollegin und die Zeitungsreporterin lobten die Schüler für ihre gute Arbeit und waren beeindruckt
vom hohen Niveau und der Anzahl verschiedener Argumente, die die Schüler in der Diskussion austauschten.
Wie vereinbart, leitete Maria (Moderation) die Diskussion ein mit einer
kurzen Vorstellungsrunde, in der jeder Teilnehmer seine Gruppe und deren Position mit einer kurzen Begründung nannte. Dann ließ sie Sabrina
(Greenpeace) ihren Standpunkt etwas genauer darlegen, dass keine Versicherung bereit sei, das Risiko eines Super-GAUs zu versichern, woraufhin
Andi N. (kernkraftbefürwortende Wissenschaftler) gleich konterte, dass bei
einem zu schnellen Ausstieg ggf. Strom aus noch unsichereren AKWs aus
dem Ausland eingekauft werden müsse. Die Moderatorin hakte nach, ob
denn der Strombedarf nicht auch anders gedeckt werden könne, was
Andi R. (kernkraftkritische Wissenschaftler) sogleich zu bejahen wusste:
Die Abschaltung der sieben ältesten deutschen AKWs im Zuge des Moratoriums sei kein Problem gewesen, auch ohne Stromzukäufe, da Deutschland
momentan über seinen Bedarf hinaus Strom produziere. Sogleich wollte
Emily (Stromerzeuger) wissen, woher er denn seine Information habe, dass
momentan kein Strom aus dem Ausland zugekauft werde.
In dieser Art und Weise lief die Diskussion zügig weiter, wobei natürlich
manche Fragen nicht erschöpfend beantwortet wurden und sich die Schüler häufig an unwichtigen Details oder lustigen Versprechern aufhielten, so
zum Beispiel ob ein Endlager in der Antarktis denkbar wäre, und was denn
die armen Eisbären (!) dazu sagen würden, oder ob die AKWs gegen einen
Anschlag von Touristen sicher wären.
Nach einer halben Stunde, legten wir eine dreiminütige Pause ein, in der
die Diskussionsteilnehmer Gelegenheit hatten, sich mit ihrer Gruppe auszutauschen.
Eine Viertelstunde vor Ende der zweiten Stunde unterbrach ich die Diskussion und bat die Teilnehmer um jeweils ein Schluss-Statement. Das hatten
4. Durchführung des Projekts
32
wir nicht geübt, und das wurde auch deutlich: Die Schüler wiederholten im
Prinzip eines ihrer Hauptargumente vom Anfang der Diskussion und gingen
in keiner Weise auf die anderen Teilnehmer ein. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sie z.B. noch einmal mit ihrem „Lieblingsgegner“ abrechnen
und ihn der Lüge oder Unkenntnis bezichtigen oder eines seiner Hauptargumente widerlegen und damit zeigen, wer die Diskussion gewonnen hat.
Positiv war auf jeden Fall die Menge der angeführten Argumente. Auch
wurden einige Zahlen und Fakten erwähnt, die wir zuvor nie besprochen
hatten und die somit aus der Internetrecherche stammen, z.B. die Kosten
eines Castor-Transports, oder dass Atommüll vor der Küste von Russland
im Meer versenkt wurde, oder ob irgendwelche AKWs den Absturz eines
A380 aushalten würden.
Am Ende ließen wir jeden der Zuschauer ein kurzes Meinungsbild abgeben.
Vor der Diskussion hatten die Mitschüler den Arbeitsauftrag bekommen,
sich zu merken (oder mitzuschreiben), welches Argument von welchem
Diskussionsteilnehmer sie am meisten überzeugt oder überrascht hat. Die
meisten „Fans“ hatte Andi R., da er sehr eifrig und schlagfertig, zum Teil
auch bewusst unfair diskutiert hatte und immer wieder neue Argumente
aus dem Ärmel zaubern konnte. Überhaupt waren die Zuschauer allesamt
auf der Seite der Atomkraftgegner. Mit dazu beigetragen hat wahrscheinlich, dass Martin („Regierungskoalition“), der nach meinem Plan eigentlich
eher zu den Befürwortern hätte zählen sollen, auch ausschließlich gegen
die Atomenergie argumentierte, und es somit 4:2 stand anstatt 3:3. In
meinen Augen haben sich allerdings Andi N. und Emily in dieser nahezu
aussichtslosen Situation wacker geschlagen und einige sehr fundierte Argumente angeführt, die von den Atomkraftgegnern nie widerlegt wurden.
Das ist allerdings in der Hitze des Gefechts den Zuschauern kaum aufgefallen und wurde auch von den beiden Atomkraftbefürwortern nicht moniert.
Sie haben sich von Andi R. und seinen z.T. unfreiwilligen Ablenkungsmanövern einschüchtern lassen und kamen nicht oft genug zu Wort. Besonders
gegen Ende der Diskussion wurden Argumente nicht mehr beantwortet,
sondern es wurde einfach mit einem völlig anderen Argument gekontert.
Hier könnte man mit den Schülern noch üben, auf der Meta-Ebene vom
4. Durchführung des Projekts
33
Diskussionsgegner einzufordern, dass er die eigene Frage beantwortet anstatt ein neues Thema anzuschneiden.
Während die Moderatorin den Einstieg professionell gestaltete, geriet sie
im Folgenden schnell in den Hintergrund, meldete sich kaum noch zu Wort
und konnte sich nicht mehr ordnend durchsetzen. Dies kritisierten auch
einige Mitschüler auf dem Evaluationsfragebogen. Der Diskussion hätte
zwischendurch eine etwas strengere Moderation nicht geschadet, aber sie
glitt trotzdem nicht ins Chaos ab.
Leider reichte die Zeit nicht, die Diskussion anhand von Videoausschnitten
in einer Folgestunde zu analysieren. Dies wäre sicher spannend gewesen
und ein guter Ansatzpunkt für engere Zusammenarbeit mit den DeutschKollegen.
Am Ende erhielten die Redner einen wohlverdienten Applaus sowie eine
Tafel Schokolade; die Schüler räumten die Bänke wieder in die ursprünglichen Klassenzimmer zurück, und die Zeitungsreporterin blieb noch mit ein
paar Schülern zurück, um sie über die der Diskussion vorausgegangene
Projektarbeit zu interviewen.
4. Durchführung des Projekts
34
4.11. Evaluationsfragebogen
In der letzten Stunde erhielten die Schüler einen Fragebogen. Die erste
Seite bestand aus kurzen Aussagen, die mit Kreuzchen zu bewerten waren
(5 Abstufungen zwischen „trifft voll zu“ und „trifft überhaupt nicht zu“):
 Ich fand das Thema interessant
 Ich habe mit meiner Familie daheim darüber diskutiert
 Ich habe bei der eigenen Recherche im Internet viel über das Thema
dazugelernt
 Ich hätte mir mehr Informationen / Anleitung (z.B. in Form von konkreten Hefteinträgen) vom Lehrer gewünscht
 Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema habe ich von der
Exkursion mehr gehabt
 Im Laufe des Projekts haben sich mir neue Fragen gestellt / sind mir
neue Probleme bewusst geworden
 Im Jahr 1980 (mit dem damaligen Wissensstand) wäre ich Atomkraftgegner gewesen
 Meine Haltung gegenüber der Atomkraft hat sich geändert
- seit Pfingsten (durch die Arbeit am Projekt)
- seit Anfang des Schuljahrs (durch Berichte aus Japan)
 Der im Unterricht behandelte Stoff der Wärmelehre war für das Verständnis des Funktionsprinzips eines Wärmekraftwerks (auch Atomkraftwerk) hilfreich
 Ich habe ein Gefühl dafür bekommen, wie viel z.B. 1 Megawatt oder 1
kWh sind
- im Unterricht vor Pfingsten
- durch die Beschäftigung im Rahmen des Projekts
 Die Zeit für das Projekt war zu lang
 Ich würde mir in der Schule mehr Projekte wünschen (Themenvorschläge?)
 Die Berichterstattung in der Presse bezüglich Kernkraft ist …
(5 Stufen von „einseitig pro“ über „neutral“ bis „einseitig contra“)
4. Durchführung des Projekts
35
Schließlich sollten die Schüler ihren Standpunkt zum Thema Atomausstieg
vor und nach dem Projekt vergleichen. Zur Auswahl standen fünf Positionen: Sofortausstieg / Ausstieg vor 2022 / Ausstieg bis 2022 / langsamerer
Ausstieg / Neubau moderner AKWs.
Die Multiple-Choice-Fragen im ersten Abschnitt sollten nicht nur die subjektive Meinung der Schüler abfragen, sondern auch einen Eindruck vermitteln, ob sich die Schüler so für das Thema interessiert haben, dass es sie
außerhalb der Schulzeit beschäftigt hat. Dazu dient beispielsweise die
zweite Frage (Diskussion mit Familie). Da sich vermutlich alle Schüler mehr
Projekte wünschen, weil es eine Abwechslung zum Schulalltag bedeutet
und weniger Lernstress, und für einige auch ein ruhiges Zurücklehnen,
während ein Mitschüler die ganze Arbeit macht, ist die Zusatzfrage nach
einem Themenvorschlag besonders wichtig.
Mich hat besonders interessiert, ob sich durch die Beschäftigung mit dem
Thema bei den Schülern die Meinung über die Sicherheit und die Gefahren
der Atomkraft geändert hat, da die Berichte in den Medien oft sensationslustig sind und ungenaue Begriffe wie die „Verstrahlung“ enthalten, die im
Großteil der Bevölkerung zu einer Verunsicherung führt. Hierfür wäre es
besser gewesen, ganz am Anfang der Unterrichtssequenz die gleichen Fragen zu stellen.
Ebenfalls von Interesse war, ob die Schüler im regulären Unterricht anhand
von Beispielen die Größenordnungen von Energie- und Leistungseinheiten
wie MW und kWh verinnerlicht haben, und ob die selbständige Beschäftigung mit Stromverbrauchszahlen und Kraftwerksleistungen dabei hilft,
oder ob sie solche Zahlenangaben einfach überlesen ohne sie zu hinterfragen. Hierzu wäre es ebenfalls aussagekräftiger gewesen, den Schülern
einmal zu Beginn des Projekts und einmal danach eine kleine Aufgabe zu
stellen.
Im zweiten Abschnitt des Fragebogens ging es um die Bewertung der eingeladenen Interessensvertreter. Die Fragestellung lautete: „Bitte gib eine
kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Sprecher. Zum Beispiel: Waren sie sympathisch, glaubwürdig, kompetent? Haben sie deine
Meinung beeinflusst?“
4. Durchführung des Projekts
36
Der dritte Abschnitt des Fragebogens beschäftigte sich mit der Podiumsdiskussion. Zunächst sollten die Schüler ihren Gesamteindruck schildern
und anschließend die einzelnen Gruppensprecher bewerten (Fragestellung: „Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Diskussionsteilnehmer. Zum Beispiel: Waren sie gut vorbereitet? Haben sie viele Argumente beigetragen? Wer war für dich am überzeugendsten? Warum?“).
Der vierte Teil des Fragebogens bestand aus allgemeinen Fragen, die mit
freiem Text zu beantworten waren. Sie sollten zeigen, was die Schüler aus
der Projektarbeit mitgenommen haben:
 In welchen Fächern wurden heuer Themen behandelt, die mit dem
Projekt zu tun haben? Um welches Thema handelte es sich jeweils?
 Nenne je bis zu 3 Argumente pro/contra Kernenergie, die du erst
während des Projektes kennengelernt hast bzw. jetzt unter völlig
neuem Licht siehst.
 Wenn ich Bundeskanzler/in wäre, würde ich …
 Wenn ich Chef von E.ON wäre, würde ich …
 Wenn ich von daheim ausgezogen bin und eine eigene Wohnung habe, werde ich …
Der letzte Teil des Fragebogens gab den Schülern Gelegenheit, Kritik und
Anregungen loszuwerden:
 Am besten gefallen hat mir …
 Am schlechtesten gefallen hat mir …
 Anders machen würde ich …
 Kritik / Lob / Noten / Zeugnisbemerkung für Herrn Bauer
Die Ergebnisse des Multiple-Choice-Teils der Evaluation stehen in Abschnitt 5.3, die Antworten auf die Freitext-Fragen im Anhang 6.9.
5. Kritische Betrachtung
37
5. Kritische Betrachtung
5.1. Ergebnisse
Ich bin insgesamt mit dem erzielten Ergebnis sehr zufrieden. Zwar habe ich
eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen gesammelt (siehe Abschnitt 5.4), allerdings wäre es utopisch, alle davon verwirklichen zu wollen, wenn man nicht die dreifache Zeit in ein derartiges Projekt investieren
kann.
Von den beiden unabhängigen Beobachtern der Podiumsdiskussion, der
Italienischlehrerin und der Zeitungsreporterin, sowie vom Kollegen, der
uns auf der Exkursion begleitete, habe ich sehr positives Feedback geerntet. Zum großen Teil führe ich dies jedoch auf die für diese Jahrgangsstufe
sehr gute Arbeitsmoral der Klasse zurück.
Da das Projekt in den letzten Wochen des Schuljahres stattfand und somit
erste Ergebnisse der Gruppenarbeitsphasen erst nach Notenschluss sichtbar wurden, wurde auf eine Bewertung der Schülerleistungen verzichtet.
Umso bemerkenswerter ist die Motivation, mit der die Schüler mitarbeiteten.
Der Erfolg des Projekts lässt sich einerseits an der beobachteten Motivation der Schüler messen (unter anderem durch ihre Bewertung im Evaluationsfragebogen), andererseits an der Qualität der Poster und der Podiumsdiskussion, und schließlich daran, ob die Schüler die gesteckten Lernziele (Abschnitt 3.6) erreicht haben. Letzteres geschah anhand von Beobachtungen der Schüler im Verlauf des Projekts (folgende Abschnitte
5. Kritische Betrachtung
38
5.1.1 und 5.1.2). Wie bereits erwähnt, kann nicht erwartet werden, dass
alle Schüler alle Lernziele erreichen – dazu reicht die Zeit des Projekts bei
weitem nicht aus, und viele der Lernziele sind langfristiger und fächerübergreifender Natur.
5.1.1. Interessensgruppen
Das Lernziel „Funktionsprinzip eines Atomkraftwerks“ wurde mindestens
von einigen Schülern erreicht. Dies war anhand der Fragen zu erkennen,
die sie dem E.ON-Besucherführer nach seinem Vortrag zum Thema Sicherheit von Kernkraftwerken stellten.
Das zweite Lernziel „Realistische Abschätzung der Gefahren radioaktiver
Strahlung“ wurde wahrscheinlich noch von keinem Schüler vollständig erreicht. Es ist auch das anspruchsvollste, liegt mir aber sehr am Herzen. Die
Überprüfung dieses Lernziels kann eigentlich nur in Form einer ausführlicheren Testaufgabe geschehen. Allerdings sind mir im Verlauf der Podiumsdiskussion noch viele Formulierungen der diskutierenden Schüler aufgefallen, die auf Fehlvorstellungen im Bereich der Radioaktivität hinweisen. Da Kernphysik aber ein Thema der 9. Jahrgangsstufe ist, werden die
Schüler es im folgenden Schuljahr ausführlich lernen, und zum jetzigen
Zeitpunkt ist noch nicht mehr zu erwarten.
Das Lernziel „Anwendung physikalischen Wissens im Alltag“ ist von einigen
Schülern erreicht worden. In der Podiumsdiskussion wurde der durchschnittliche Energieverbrauch in Deutschland mit der installierten Kraftwerksleistung verglichen, wofür ein sicherer Umgang mit den entsprechenden physikalischen Einheiten nötig ist.
Das letzte fachliche Lernziel „Abwägung Technik – Wirtschaft – Ethik“ wurde von einem großen Teil der Schüler erreicht. In der Retrospektive hätte
ich es eher umgekehrt formulieren sollen. Den Jugendlichen ist teilweise
noch nicht bewusst, welche negativen gesellschaftspolitischen Folgen ein
wirtschaftlicher Abschwung haben kann und dass der Politik oft juristisch
die Hände gebunden sind und sie nicht einfach über die Einnahmen von
privaten Konzernen entscheiden kann.
5. Kritische Betrachtung
39
Das Lernziel „Recherche“ wurde von den verschiedenen Schülergruppen
unterschiedlich gut erreicht. Zum Teil wurde das papierne Informationsmaterial nicht genutzt, zum Teil wurden vollständige Webseiten ausgedruckt – aber es konnte auch beobachtet werden, wie Schüler den Text
von Webseiten kürzten, sich einen eigenen Stichwortzettel zusammenbastelten oder in einem längeren Ausdruck Passagen mit Leuchtstift markierten. Was ich vermisste, war eine sichtbare Vorbereitung auf Gegenargumente. Die Schüler sammelten hauptsächlich Argumente FÜR ihre Position
anstatt sich anzusehen, was die Gegenseite in petto haben könnte.
Das Lernziel „Sicherer und kritischer Umgang mit Informationen aus den
Medien“ wurde teilweise erfüllt. Die Mitglieder des Diskussionspanels
wussten um Gegenargumente gegen ihre Position und gestanden meist
ein, dass ihre Position darauf beruht, dass sie ihre Argumente für wichtiger
hielten, ohne die Gegenargumente vollständig ignorieren zu können. Manche Argumente wurden durch Zitate von Studien belegt, wobei man den
Vergleich der Verlässlichkeit widersprüchlicher Studien in der 8. Jahrgangsstufe noch nicht voraussetzen kann. Die meisten Diskussionsteilnehmer
hatten noch nicht verinnerlicht, bei einem Angriff auf ihre Position den
Gegner zuerst nach der Quelle für seine Behauptung zu fragen.
Das Lernziel „Argumentation“ war für die verschiedenen Gruppen unterschiedlich leicht zu erfüllen. Am schwierigsten war es wohl für die „Regierungskoalition“, denn das Hin und Her mit Laufzeitverlängerung und
Atomausstieg ist kaum anders zu begründen als mit der Furcht davor,
Wählerstimmen zu verlieren. Die Gruppe konnte sich nicht in diese Situation hineinversetzen, sondern vertrat stattdessen eine konsequent kernkraftkritische Position. Während sich bei den übrigen kernkraftkritischen
Diskussionsteilnehmern die zu vertretende Meinung mit der persönlichen
Meinung der Schüler decken dürfte, war es bei den Vertretern „Stromerzeuger“ und „kernkraftbefürwortende Wissenschaftler“ nicht möglich zu
sagen, ob sie ihre Rolle nur spielten oder selbst dieser Meinung waren.
Somit haben Andi N. und Emily dieses Lernziel wohl erfüllt.
In der „Teamarbeit“ haben sich alle Gruppen geübt, in manchen Fällen
wurde unter TEAM aber das Prinzip „Toll, Ein Anderer Macht’s“ verstanden. Wenn zwei von drei Teammitgliedern aufgrund von anderen schuli-
5. Kritische Betrachtung
40
schen Veranstaltungen nicht anwesend waren, fühlte sich der anwesende
Schüler alleingelassen und nicht dafür zuständig, an der Stoffsammlung
weiterzuarbeiten. Andere Gruppen wie z.B. „Greenpeace“ arbeiteten sehr
gut zusammen und fingen bereits früh mit ihrem Poster an, so dass sie keinerlei Zeitprobleme hatten.
5.1.2. Gruppe „Presse“
Diese Gruppe stellt einen Sonderfall dar, da sie weniger eigene Internetrecherche betrieb (außer am Anfang, um kurze Artikel über Tschernobyl
und Fukushima zu schreiben), sondern die Mitschüler bei ihrer Arbeit beobachtete und diese dokumentierte. Dabei hatte es die Pressegruppe nicht
leicht, denn die übrigen Gruppen kooperierten nur unzureichend. Beispielsweise entwarf die Pressegruppe einen kleinen Fragebogen zum aktuellen Stand der Recherche:
 Meint ihr, dass ihr nächsten Mittwoch gut argumentiert?
 Denkt ihr, dass ihr gute Argumente habt?
 Seid ihr gut vorbereitet?
 Habt ihr bisher etwas gelernt?
 Wie oft habt ihr euch dafür getroffen?
Einige Gruppen vergaßen die Beantwortung des Fragebogens komplett,
andere antworteten sehr einsilbig („ja“/„nein“).
Auch um Fotos von allen Gruppen zu schießen, brauchten sie die Hilfe der
Lehrkraft, da sich einige Jungs sehr fotoscheu stellten.
Die Pressegruppe stellte eine große Selbständigkeit und Kreativität unter
Beweis. Die Fragebögen und Gruppenfotos waren ihre Idee, und die wöchentlichen Berichte, die sie verfasste (siehe Anhang 6.6), entstanden ohne Zutun oder Rücksprache mit mir (wobei ich mir das manchmal gewünscht hätte). Hierbei ist besonders die gute Idee hervorzuheben, die
Gastvorträge in Form von fingierten Interviews wiederzugeben.
Das Vorhaben der Pressegruppe, eine Videodokumentation über die Recherchearbeit und alle Gastvorträge anzufertigen, scheiterte leider an der
5. Kritische Betrachtung
41
technischen Ausrüstung. Hier sollte man sich im Vorfeld um eine funktionierende Videokamera sowie die Überspielmöglichkeiten auf den Computer kümmern.
Die Lernziele, die die Pressegruppe beobachtbar erreicht hat, sind „Recherche“ und „Teamarbeit“. Da sich Maria in der Podiumsdiskussion als
Moderatorin nicht durchsetzen konnte, ist in ihrem Fall das Lernziel „Argumentation“ noch nicht vollständig erreicht.
5.2. Motivation der Schüler
Die Motivation der Schüler war während der Gruppenarbeitsphasen des
Projekts wie zu erwarten höher als in herkömmlichen lehrerzentrierten
Unterrichtsstunden. An die Gastvorträge mussten sich die Schüler erst gewöhnen. Beim ersten Vortrag von A. D. (Greenpeace) machten es sich einige Schüler noch gemütlich und ließen sich berieseln. Nachdem sie aber mit
der eigenen Recherche angefangen hatten, ergaben sich offensichtlich
Fragen, die sie den nächsten Rednern stellen konnten. Zum Teil wurden
auch die Argumente des einen Vortragenden dem nächsten als provozierende Frage gestellt oder die gleiche Frage bei verschiedenen Vortragenden ausprobiert.
Bei den beiden Mädchengruppen („Greenpeace“, vor allem aber „Presse“)
merkte man deutlich, dass sie sich vom Thema und der abwechslungsreichen Tätigkeit anspornen ließen. In der Pressegruppe konnten die Schülerinnen ihre sprachlichen und sozialen Fähigkeiten einmal in einem anderen
Kontext zeigen und genossen diese Gelegenheit.
Bei den Jungen gab es einzelne Schüler, die im normalen Unterricht schon
mit möglichst geringem Arbeitsaufwand lediglich ein Minimalziel anstreben und diese Haltung auch während des Projekts beibehielten.
Ansonsten war zu beobachten, dass die Motivation der Schüler größer
war, wenn sie in ihrer Wunschgruppe arbeiten konnten. Die Gruppen
„kernkraftbefürwortende Wissenschaftler“ und „Stromerzeuger“ hatten
5. Kritische Betrachtung
42
jeweils eine treibende Kraft und zwei unauffällige Vasallen, die lieber in
einer anderen Gruppe gewesen wären.
Anfangs hatten die Schüler etwas Lampenfieber vor der Diskussionsrunde,
besonders als bekannt wurde, dass ihre Mitschüler als Zuschauer eingeladen waren. Doch während der Diskussion war von einer eventuellen Unsicherheit nichts zu bemerken. Die Schüler schienen das Publikum vergessen
zu haben und führten eine engagierte, hitzige Debatte und hatten richtig
Spaß daran.
Es sollte hervorgehoben werden, dass die Podiumsdiskussion am vorvorletzten Schultag stattfand, und ein großer Teil der Vorbereitungsstunden in
der notenfreien Zeit lag, die außerdem von zahlreichen Schulveranstaltungen gekennzeichnet ist. Während dies in meinen anderen Klassen deutlich
zu spüren war, arbeiteten die Schüler der Projektklasse selbständig an ihrem Projekt, und die Unterrichtsstunden wären regelrecht entspannend
gewesen, wenn nicht organisatorisch so viel zu erledigen gewesen wäre.
5. Kritische Betrachtung
43
5.3. Ergebnisse der Evaluation
5
4
3
2
1
Thema interessant
11 11
1
1
0
mit Familie daheim darüber diskutiert
5
1
12
3
3
bei Internetrecherche dazugelernt
11
9
3
1
0
mehr Infos vom Lehrer gewünscht
1
1
5
9
8
durch Projekt von Exkursion mehr gehabt
10
9
4
1
0
neue Probleme/Fragen bewusst geworden
7
11
4
1
1
1980 wäre ich Atomkraftgegner gewesen
8
4
1
1
6
durch Projekt Haltung zur AK geändert
4
8
2
6
3
durch Fukushima Haltung zur AK geändert
8
9
2
2
3
Wärmelehre für AKW-Verständnis hilfreich
6
5
6
5
2
durch Unterricht Gefühl für MW / kWh
5
7
9
3
0
durch Projekt Gefühl für MW / kWh
7
5
6
5
1
Zeit für Projekt zu lang
0
0
1
6
15
wünsche mir mehr Projekte
15
4
3
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0
2
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-1 -2
1
3
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5
4
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2
1
Standpunkt Ausstieg vor Projekt
4
8
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5
2
Standpunkt Ausstieg nach Projekt
3
7
11
1
2
2
1
0
-1 -2
-3
2
6
11
2
1
Berichterstattung Presse pro/contra (+/-)
Standpunkt Ausstieg Differenz
2
Mögliche Projektthemen:
Aktuelle Themen / Raumfahrt / Computer / CO2-Belastung der Umwelt im Allgemeinen /
Natur / Umweltverschmutzung / Persönlichkeiten etc. / Raumfahrt u. Technik / alles
Offensichtlich hatten die Schüler starkes Interesse am Projektthema, bei
einigen ging es sogar so weit, dass sie privat daheim mit der Familie darüber diskutiert haben. Dies ist bereits ein Teil des Lernziels „Anwendung
5. Kritische Betrachtung
44
physikalischen Wissens im Alltag. Die Schüler arbeiten gerne allein oder im
Team, ohne dass der Lehrer ihnen Informationen vorgibt. Dies betrifft die
Lernziele „Recherche“ und „Teamarbeit“. Durch die eigenständige Beschäftigung mit dem Thema lernen sie nach eigener Einschätzung dazu,
werden sich neuer Probleme bewusst und können dieses erworbene Wissen dann bei der Exkursion zum Atomkraftwerk anwenden. Ganz unnütz
ist der Physikunterricht aber nicht, denn dass die Wärmelehre etwas mit
der Funktionsweise von AKWs zu tun hat, ist etwas über der Hälfte der
Schüler klar. Die Frage, ob man im Jahr 1980 mit dem damaligen Wissensstand Atomkraftgegner gewesen wäre, scheint die Schüler zu polarisieren.
Immerhin über ein Drittel ist wohl der Meinung, dass das Risiko der Atomkraft heutzutage anders gesehen wird als damals. Insbesondere die Ereignisse in Fukushima haben bei vielen Schülern dazu geführt, dass sie sich
stärker für das Thema interessieren und ihre Meinung geändert haben. Um
ein Gefühl für physikalische Zusammenhänge und Größen zu bekommen,
sind lehrerzentrierter Unterricht oder eigene Recherche wohl etwa gleich
gut geeignet. Die Projektarbeit hat die Schüler nicht gestresst oder gelangweilt, sie wünschen sich häufiger Projekte und halten einen Monat
auch nicht für zu lang, sich mit einem Thema eingehend auseinanderzusetzen. Die Berichterstattung in der Presse halten die Schüler überraschenderweise für ziemlich neutral. Durch die Projektarbeit haben die
Schüler offensichtlich erkannt, dass ein plötzlicher Ausstieg aus der Kernenergie auch seine Probleme mit sich bringt. Ein großer Teil ist nun der
Meinung, dass der aktuelle Ausstiegszeitplan der richtige ist. Dabei haben
aber auch viele, die zuvor für eine längere Laufzeit waren, ihre Meinung
zugunsten des aktuellen Plans geändert. Zwei Schüler scheinen entweder
ein großes Vertrauen in die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke zu haben
oder eine große Sorge betreffend der globalen Erwärmung, so dass sie sowohl vor als auch nach Durchführung des Projekts dafür sind, dass neue
Kernkraftwerke gebaut werden.
Die Freitext-Antworten, die nicht statistisch ausgewertet werden können,
sind in Anhang 6.9 zu finden.
5. Kritische Betrachtung
45
Thema interessant
bei Internetrecherche dazugelernt
mit Familie darüber diskutiert
15
15
15
10
10
10
5
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0
0
ja
nein
0
ja
mehr Infos vom Lehrer
nein
ja
von Exkursion mehr gehabt
neue Probleme/Fragen
15
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15
10
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10
5
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0
ja
nein
0
ja
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ja
Haltung zur AK geändert
1980 Atomkraftgegner
15
10
10
10
5
5
5
durch Projekt
durch Fukushima
0
ja
nein
15
0
ja
Gefühl für MW / kWh
15
nein
ja
Zeit für Projekt zu lang
15
10
10
10
5
5
5
0
0
ja
0
ja
nein
Berichterstattung Presse
nein
ja
Standpunkt Ausstieg
15
15
10
10
nein
w ünsche mir mehr Projekte
15
durch Unterricht
durch Projekt
nein
Wärmelehre hilfreich
15
0
nein
nein
Standpunkt vorher/nachher
15
vor Projekt
nach Projekt
10
5
5
5
0
0
pro
neutral
contra
Sofortausstieg
AKWNeubau
0
früher
k.Ä.
später
5. Kritische Betrachtung
46
5.4. Verbesserungsvorschläge
Die folgenden Verbesserungsvorschläge habe ich im Laufe des Projekts
gesammelt. Es wird mit Sicherheit nicht möglich sein, alle Ideen umzusetzen oder an alle Eventualitäten zu denken. Ich kann mir aber gut vorstellen, in Zukunft ähnliche Projekte durchzuführen, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren und dabei etwas mehr Routine zu entwickeln.
 Kollision mit anderen Projekten/Terminen: Bei der Einteilung der
Schüler in Gruppen und der Bekanntgabe des Terminplans sollten die
Schüler darauf hingewiesen werden, selbst darauf zu achten, wann
sie „dienstlich verhindert“ sein werden, und dass nie alle Gruppenmitglieder gleichzeitig abwesend sind. Das anwesende Gruppenmitglied muss alle nötigen Arbeitsmaterialien dabeihaben.
 Wenn mehr Zeit ist: ggf. die Schüler nach einer Sammlung von
Pro/Contra-Argumenten selbst Gruppen definieren lassen.
 Den Schülern die Organisation von Gastrednern überlassen.
 Wenn eine Gruppe für die Dokumentation zuständig ist, müssen die
anderen Gruppen diese bei ihrer Tätigkeit unterstützen (Fragebögen
ausfüllen, Interviews geben, sich fotografieren lassen, etc.).
 Wenn mehrere Stunden für Recherche und Gruppenarbeit geplant
werden, sollten Zwischenziele festgelegt werden. Beispielsweise muss
jede Gruppe nach einer Woche eine Liste ihrer wichtigsten drei Argumente mitsamt Beispielen, Quellen, Zahlenmaterial abgeben.
Wenn die Schüler im Unterricht nicht fertig werden, müssen sie sich
nach der Schule privat treffen oder sich die Aufgabe aufteilen, dass
jeder daheim seinen Teil erledigen kann.
 Mit jeder Gruppe oder jedem Sprecher sollte vor der Diskussion mindestens ein Einzeltreffen stattfinden, um deren/dessen Argumente
5. Kritische Betrachtung
47
durchzugehen und einen kurzen argumentativen Schlagabtausch zu
üben.
 Die Zusammenarbeit mit dem Deutschlehrer kann intensiver sein:
Wenn möglich die Deutschstunde zum Thema Diskussion besuchen
und dafür sorgen, dass der Deutschlehrer bei der Podiumsdiskussion
anwesend ist.
 Frühzeitig eine Videokamera organisieren und mit der Pressegruppe
deren Bedienung üben.
 Dafür sorgen, dass die Schüler im Computerraum nicht zu viele Rechte haben (Druckerbenutzung, Nachrichtendienst etc.). Vorher testen,
ob der Drucker funktioniert. Mit den Schülern ausmachen, wann wer
wie viel drucken darf.
 Ggf. vor der Podiumsdiskussion einige Ausschnitte aus Fernsehdiskussionen zusammen anschauen, analysieren und kritisieren lassen. Dabei üben: Wie würde ich auf dieses Argument am besten reagieren?
 Wie endet Podiumsdiskussion? Mit den Schülern Schlussworte üben.
 Mit den Schülern üben: Wie grenze ich meinen Standpunkt von dem
anderer Gruppen ab? Es gibt nicht nur Pro/Contra, sondern verschiedene Gründe, warum man dafür oder dagegen ist. Nur weil eine andere Gruppe das gleiche Ziel hat wie ich heißt das nicht, dass ich nicht
mit ihr streiten kann.
 Nach der Podiumsdiskussion mindestens zwei Stunden vorsehen für
eine Analyse von kurzen Videoausschnitten und Nachbesprechung.
 Als Kontrast evtl. einen Vertreter einer etwas esoterischen, unwissenschaftlichen Gruppe einladen. Leider gibt’s die Naturgesetz-Partei
nicht mehr, aber vielleicht tun’s auch die Partei bibeltreuer Christen,
Die Violetten, Die Tierschutzpartei, Die Piratenpartei o.ä.
 Wenn ohnehin keine Führung durchs Reaktorgebäude möglich ist,
evtl. anstelle der Exkursion einen Spezialisten an die Schule einladen,
der dort den Film zeigt und einen Demo-Brennstab dabei hat.
 Evtl. Führung in Garching oder anderem AKW.
6. Anhang
48
6. Anhang
6.1. Quellenangaben
Alle Internetquellen waren am 1.11.2011 wie unten angegeben erreichbar.
[1] Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen
(BayEUG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 31. Mai 2000
(GVBl S. 414, ber. S. 632, BayRS 2230-1-1-UK), zuletzt geändert durch
Gesetz vom 20. Juli 2011 (GVBl S. 313)
http://by.juris.de/by/gesamt/EUG_BY_2000.htm
[2] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Lehrplan
für das Gymnasium in Bayern, München, 2003 –
Teil I: Das Gymnasium in Bayern
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26350
[3] ebd., Teil III – Jahrgangsstufe 8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26268
[4] ebd., Fachprofil Physik
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26382
[5] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Physik 8. Jahrgangsstufe G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26437
6. Anhang
[6] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Physik 9. Jahrgangsstufe G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26438
[7] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Chemie (NTG) 8. Jahrgangsstufe G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26448
[8] ebd., Fachprofil Deutsch
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26358
[9] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Deutsch 8. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26272
[10] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Deutsch 9. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26241
[11] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Geographie 7. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26303
[12] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Geographie 8. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26283
[13] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Geographie 11. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26547
[14] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Natur und Technik 7. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26436
[15] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Ethik 8. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26271
49
6. Anhang
50
[16] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Kath. Religionslehre 8. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26269
[17] ebd., Jahrgangsstufenlehrplan Ev. Religionslehre 8. Jgst. G8
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26270
[18] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Kurzbericht „Verfügbarkeit und Versorgung mit Energierohstoffen“, 2006
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/E/energierohstoffberich
t,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf
[19] Wikipedia-Artikel „Nuklearkatastrophe von Fukushima“
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Nuklearkatastrophe_von_Fukushima&oldid=95327106
[20] Wikipedia-Artikel „Atomausstieg“
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Atomausstieg&direction=prev&oldid=95489581
[21] Wikipedia-Artikel „Atomgesetz (Deutschland)“
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Atomgesetz_(Deutschland)&oldid=95107562
[22] Wikipedia-Artikel „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“ http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ethikkommission_
f%C3%BCr_eine_sichere_Energieversorgung&oldid=94603788
[23] E.ON, Besucherinformationen Kernkraftwerk Isar
http://www.eon-kernkraft.com/pages/ekk_de/
Standorte/Isar/Infozentren/index.htm
[24] Wikipedia-Artikel „Atomausstieg“
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Atomausstieg&direction=prev&oldid=95489581
[25] Wikipedia-Artikel „Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke“
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Laufzeitverl%C3%A4ngeru
ng_deutscher_Kernkraftwerke&oldid=94563330
6. Anhang
51
6.2. Email an die Gastredner
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Physiklehrer am Viscardi-Gymnasium Fürstenfeldbruck und werde
dort mit einer achten Klasse im naturwissenschaftlichen Zweig im Rahmen
des Physikunterrichts ein Projekt durchführen zum Thema „Energiewende
in Deutschland“. Aktueller Anlass ist der Super-GAU nach dem Erdbeben
und Tsunami in Japan sowie die Reaktion der Politik und Gesellschaft in
Deutschland. Die Schüler sollen in Gruppen die Positionen verschiedener
gesellschaftlicher Gruppen recherchieren, analysieren und auf Posterwänden darstellen, sowie als Abschluss in einer Podiumsdiskussion diese Positionen vertreten und quasi die Arbeit in der Ethikkommission nachstellen.
Hierzu würde ich gerne jemanden von (…) an die Schule einladen, um dort
mit meinen Schülern ins Gespräch zu kommen. Der zeitliche Rahmen würde eine (maximal zwei) Schulstunde(n) (45min) am Vormittag betragen. Ich
hoffe Sie können mir weiterhelfen und mich an jemanden vermitteln, der
an einem Vormittag im Juli (mögliche Termine siehe unten) vorbeikommen
könnte.
Weitere Informationen zu meinem Projekt:
Folgende Gruppen sind geplant:
- Energieerzeuger/Industrie
- Parteien: Regierungskoalition
- Parteien: rot/grün (erstes Ausstiegsgesetz)
- kernkraftkritische Wissenschaftler
- kernkraftbefürwortende Wissenschaftler
- Umwelt-/Bürger-Organisationen (z.B. Greenpeace)
- Presse
Es handelt sich um 24 SchülerInnen, 17 Jungen und 7 Mädchen, d.h. die
einzelnen Gruppen werden jeweils aus 3-4 SchülerInnen bestehen.
Die SchülerInnen sollen weitgehend eigenständig (z.B. im Internet) recherchieren.
Ich möchte mindestens zwei Politiker der großen Volksparteien in die
Schule einladen sowie einen Vertreter der Umweltinitiativen (z.B. Greenpeace). Im Gespräch mit diesen sollen die SchülerInnen die Standpunkte
6. Anhang
52
der entsprechenden Gruppen kennenlernen und genauer erörtern. Die
Position der Stromerzeuger können sie bei einer geplanten Exkursion zum
Kernkraftwerk Isar/Ohu mit diesen diskutieren.
Da die Zielgruppe Achtklassler (Altersgruppe 14-15 Jahre) sind, sollten die
Ausführungen der Vertreter altersgemäß verständlich und interessant sein.
Ich werde die Schüler auf den Besuch vorbereiten, so dass sie einige Fragen bereits formuliert haben und kritisch nachhaken können. Es schadet
aber sicher nichts, wenn der Gast eingangs sich und seine Organisation
vorstellt und die Ereignisse dieses Jahres sowie die Position seiner Gruppe
kurz vorträgt.
Mögliche Termine:
(…)
Meine Kontaktdaten:
(Privatadresse)
(Adresse des Gymnasiums)
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir im Laufe der Woche Rückmeldung
geben könnten - gerne auch lediglich eine Telefonnummer, unter der ich
eine Person erreiche, die mir weiterhelfen kann.
Vielen Dank,
mit freundlichen Grüßen,
Sebastian Bauer
6. Anhang
53
6.3. Handzettel an die D- und Geo-Lehrer
An die Deutsch- und Geographielehrer der 8.Klassen
Ich habe vor, nach den Pfingstferien mit den naturwissenschaftlichen Teilen der Klassen
8b / 8c in Physik ein Projekt zum Thema „Energiewende“ durchzuführen.
Die Schüler sollen sich Informationen zu den Standpunkten von verschiedenen Interessensgruppen (Parteien, Wissenschaftler, Wirtschaft/Energieerzeuger, Umweltverbände,
Kirchen) zu den Themen Kernkraft, Sicherheit der deutschen AKWs, Ausstieg aus der
Kernenergie, Umstieg auf erneuerbare Energien, CO2-Ausstoß besorgen (dabei ggf. auch
Vertreter einiger Interessensgruppen interviewen), diese Standpunkte auf Posterwänden zusammenfassen und dann in einer Art Podiumsdiskussion eine Debatte nachstellen, wie sie beispielsweise in der Ethik- oder Sicherheitskommission stattgefunden haben könnte.
Da das Thema Energieversorgung und Rohstoffe auch in Geographie relevant ist und die
Schüler bei der Vorbereitung auf eine Podiumsdiskussion sicher fachkundige Unterstützung durch den Deutschlehrer gebrauchen könnten, wollte ich fragen, ob Sie Interesse
haben, sich an dem Projekt zu beteiligen, und ggf. Ideen, wie man das ganze sinnvoll
fächerübergreifend aufziehen kann.
Ich mache so etwas zum ersten Mal und würde mich über Hilfe und Anregungen freuen,
da ich meine Seminararbeit über das Projekt schreiben möchte.
Mit freundlichen Grüßen,
Sebastian Bauer
An die Deutsch- und Erdkundelehrer der 8.Klassen
Das Energiewende-Projekt ist mittlerweile angelaufen, und ich bin sehr zufrieden mit
dem allgemeinen Interesse und dem Eifer, mit dem die Schüler daran arbeiten und die
eingeladenen Experten befragen. Zur Information lege ich Ihnen die bisher an die Schüler ausgegebenen Materialien mit ins Fach.
Bisher waren Herr D. von Greenpeace und Herr S. als Vertreter der SPD zu Besuch. Diese
Woche kommt Herr B. von der CSU sowie Herr G., ein Doktorand der Philosophie mit
Spezialgebiet Sozialethik, der sich eingehend mit der ethischen Komponente der Kernenergie befasst hat. In der nächsten Woche steht dann noch ein Besuch eines Vertreters
der Stadtwerke FFB und die Exkursion zum AKW Isar/Ohu an.
Als Beitrag der Deutschlehrer könnte ich mir folgendes vorstellen:
Die Schüler sammeln bislang fleißig Informationen zum Thema aus dem Internet; ab
nächster Woche stelle ich ihnen auch noch einige Bücher, Zeitschriften und Prospekte
zur Verfügung (siehe Bücherliste). Um sich auf die Podiumsdiskussion am Mittwoch, den
27.7. vorzubereiten, sollten sie die gesammelten Fakten und Daten in eine geeignete
6. Anhang
54
Form bringen. Ich habe ihnen eine dreispaltige Aufteilung (siehe Anlage) vorgeschlagen,
in der sie gegnerische Argumente sammeln und sich geeignete Gegenargumente oder –
fragen überlegen. In der dritten Spalte sollten sie verlässliche Quellen, Studien, Zahlenmaterial notieren, so dass sie sich in der Diskussion darauf berufen können.
Wenn es die Möglichkeit gibt, so eine Diskussion (ggf. zu einem anderen Thema) mitsamt Vorbereitung darauf im Deutschunterricht einmal zu üben, wäre das sehr hilfreich.
Oder wenn die Deutschlehrer der Klassen den beteiligten Schülern anbieten können, mit
ihnen ihr gesammeltes Material einmal durchzusprechen.
Mir geht es darum, dass in der Diskussion nicht nur die bereits am Anfang des Projekts
von den Schülern gesammelten Pro- und Contra-Argumente (siehe Anlage) aufeinanderprallen, sondern dass die Schüler versuchen, die Argumente des Gegners jeweils zu widerlegen oder ihn aus dem Konzept zu bringen, indem sie ihn nach Beweisen für seine
Thesen fragen. Außerdem sollten die Schüler sich darauf vorbereiten, dass ihre Argumente ebenfalls kritisch hinterfragt werden, indem sie bei Recherche und Vorbereitung
bereits Wert darauf legen, sie mit entsprechendem Material belegen zu können.
Natürlich werde ich versuchen, das in den Gruppenarbeitsstunden, die mir noch bleiben,
mit den einzelnen Gruppen zu besprechen. Aber was Argumentation und Rhetorik betrifft, kann ich den Deutsch-Kollegen sicher nicht das Wasser reichen  Außerdem schadet es nicht, wenn die Schüler es von mehreren Seiten zu hören bekommen.
Ein weiterer wichtiger Punkt wäre der grundsätzliche Ablauf einer Podiumsdiskussion.
Die Schüler sollten wissen, dass sie grundsätzlich von einem Moderator das Wort erteilt
bekommen, sich aber auch gegen falsche oder unfaire Argumente der Gegenseite vehement wehren müssen.
Im Fach Erdkunde wären die Themen Uranvorkommen / Uranförderung sowie geologische Bedingungen an ein potentielles Atommüll-Endlager von Interesse. Auch die Unterschiede in der Energieversorgung verschiedener Staaten, oder der ungleiche Energiekonsum (Nord-Süd-Gefälle) sind relevante Themen.
Sehr gerne würde ich mich einmal mit Ihnen allen für ein paar Minuten zusammensetzen. Hätten Sie am Mittwoch (13.7.) in der großen Pause Zeit? Dann könnten wir uns im
Lehrerzimmer treffen.
Mit freundlichen Grüßen,
Sebastian Bauer
6.4. Material für die Schüler
Die folgenden Seiten enthalten Arbeitsblätter, die die Schüler im Zusammenhang mit dem Projekt erhalten haben.
Die Positionspapiere für die verschiedenen Interessensgruppen (6.4.4) haben jeweils nur die Schüler der entsprechenden Gruppe bekommen.
6. Anhang
55
6.4.1. Aufgabe zur Wärmekapazität
Da ihr gerade bei Herrn Bauer im Unterricht alles über die Wärmekapazität von
Wasser gelernt habt, bittet euch die japanische Regierung, als Experten bei der
Kühlung des verunglückten Kernkraftwerks Fukushima I-1 mitzuhelfen.
Ihr sollt berechnen, wie oft der Löschhubschrauber pro Stunde Wasser holen und
über dem Reaktorgebäude ablassen muss, damit die Abwärme der Brennstäbe
abgeführt wird und nicht zum Schmelzen des Sicherheitsbehälters führt.
Hierzu habt ihr folgende Informationen zur Verfügung:

Der Reaktorblock Fukushima I-1 liefert normalerweise 460 MW elektrische Leistung. Eine Leistung von 1 W (Watt) bedeutet eine Energiemenge
von 1 Joule pro Sekunde.

Das Kernkraftwerk hat einen Wirkungsgrad von etwa 30%. Das heißt, von
der Wärme, die es eigentlich produziert, werden nur 30% in elektrische
Energie umgewandelt. Die thermische Leistung des Kraftwerks ist also
deutlich höher als die oben angegebenen 460 MW.

Nach dem Abschalten produziert der Reaktorkern „nur noch“ ca. 1% der
Wärme, die er während des Betriebs liefert. Dies ist die Abwärme, die es
nun zu kühlen gilt.

Ein Löschhubschrauber kann bei einem Flug etwa 7,5 Tonnen Wasser
transportieren.
Überlegt euch zunächst selbst, wie ihr vorgehen müsst, um die obige Frage zu
beantworten. Welche Informationen fehlen euch noch? Könnt ihr ggf. selbst
sinnvolle Annahmen und Abschätzungen treffen?
Am Pult liegt eine Reihe von Umschlägen mit Tipps zur Lösung der Aufgabe:
A) Welche Formel muss ich für die Wasserkühlung verwenden?
B) Wie berechne ich die Abwärme, die vom Wasser aufgenommen werden
muss?
C) Welche Temperaturdifferenz muss ich in die Formel einsetzen?
D) Was ist die Wärmekapazität von Wasser?
E) Wie gut können die Löschhubschrauber zielen?
F) Was passiert, wenn das Wasser verdampft?
6. Anhang
56
6.4.2. Vorbereitung auf Podiumsdiskussion
Argument
Erstes Argument
der Gegenseite
Zweites Argument
der Gegenseite
Reaktion
Quellen
 Wie reagiere ich darauf?
 Wie kann ich es widerlegen
/ abschwächen?
 Welche Gegenfrage
kann ich stellen?
 Wie demonstriere ich,
dass der Gegner keine Ahnung hat?
 Zahlen, Tabellen,
Daten, Fakten, Diagramme
 Woher / von wann
stammen die Daten?
 Zitate von Experten
…
…
(unfair, aber möglich:
falsche (ungedeckte)
Behauptungen)
6. Anhang
57
6.4.3. Bücherliste
Buchtitel
Inhalt
Klima
globale Erwärmung, CO2, zukünftige Energieversorgung
Energie
Energiequellen, Energieversorgung, Kraftwerkstypen
energiezukunft (Zeitschrift)
Fahrplan Atomausstieg, Ökostrom, energieeffiziente
Gebäude
Kernenergie im nachhaltigen Energiemix
(Heftchen)
Werbung für Kernkraft
Basisthema Strom - Erneuerbare Energie
regenerative Energieerzeugung, Kraftwerke
Erneuerbare Energien - Bayer. Staatsministerium
Kernenergie - KernreaktorFernüberwachung Bayern
Entwicklungsstand und Zukunft erneuerbarer Energien
Umwelterklärung 1998 Kernkraftwerk Isar
Kernkraft = Umweltschutz
Kernenergie klar und verständlich
Nutzen der Kernkraft
Strom - Energie für heute und morgen
Stromerzeugung, Blick in die Zukunft (von 1977)
Kernenergie im Unterricht
viele technische Daten, Zahlen, Diagramme
Sind unsere Energieprobleme lösbar?
Gespräch mit Kernforscher von 1981
Energietechnik für morgen
Energiereserven und Kraftwerke, von 1979
Die Endlagerung radioaktiver Abfälle in
Deutschland
Konzepte für die Endlagerung, 2003
Sicherheit der Kernkraft
Kernenergie in Deutschland - Jahresbericht 1998
Aufbau und Funktionsweise eines typischen Atomkraftwerks
Viele Zahlen und Diagramme zu jedem einzelnen
deutschen AKW
Tschernobyl - Der Reaktorunfall
Unfallhergang und Folgen
Kernkraftwerke Gundremmingen
Werbung, technische Details (Zahlen)
Entsorgung von Kernkraftwerken - Eine
gelöste Aufgabe
Rückbau und Endlagerung, von 1998
Kernenergie - Standorte (Poster)
kerntechnische Anlagen in Deutschland, von 1998
Radioaktivität und Strahlenschutz
siehe Titel; sehr gut und ausführlich
Kernenergie Basiswissen
alles Wissenswerte über Kernenergie
Kernenergie - Argumente gegen einen
Ausstieg (Heftchen)
siehe Titel
Druckwasserreaktoren von Siemens
Technik zwischen Vernunft und Ideologie
Umwelt und Verantwortung
Medienwelt und Wirklichkeit
Plädoyer für Atomkraft und gegen ideologisch geprägte Atomkraftgegner
Vorteile der Kernenergie gegenüber anderen Formen der Stromerzeugung
mangelnde Neutralität der Presse beim Thema
Atomkraft
6. Anhang
58
6.4.4. Projektbeschreibung und Positionspapiere
Projekt „Energiewende in Deutschland“
Beschreibung
Der diesjährige Super-GAU in den Kernkraftwerken in Japan hat in Deutschland
zu einem erneuten Aufflammen der Diskussion über die Zukunft der Energieversorgung geführt. Nachdem der mittelfristige Ausstieg aus der Kernenergie von
der rot-grünen Regierung im Jahr 2002 beschlossen und mit den stromerzeugenden Unternehmen vereinbart wurde, hat die schwarz-gelbe Koalition 2010 die
Restlaufzeiten der Kernkraftwerke zum Teil erheblich verlängert (um bis zu 14
Jahre für die jüngeren Reaktoren). Dies stieß bereits auf großen Widerstand von
Umweltgruppen und in der Bevölkerung. Nach den Ereignissen in Japan wurde
das Atomgesetz nun erneut novelliert, und die Kernreaktoren sollen nun deutlich
früher (bis zum Jahr 2022) nach und nach vom Netz genommen werden.
Es gibt viele verschiedene Gründe für und gegen die Stromerzeugung in Kernkraftwerken. Jede gesellschaftliche Gruppe vertritt natürlich ihre eigenen Interessen und hält die Argumente der Gegenseite für weniger relevant. Durch das
Unterrichtsprojekt sollen die unterschiedlichen Standpunkte nachvollzogen und
gegeneinander aufgewogen werden, so ähnlich wie es die Politiker oder die von
der Regierung berufene Ethikkommission tun müssen.
Am Ende des Projekts steht eine Podiumsdiskussion, in der die verschiedenen
gesellschaftlichen Gruppen repräsentiert werden sollen, wie sie ihre Argumente
austauschen. Außerdem sollen die Argumente auf Posterwänden zusammengefasst werden, die Anfang des nächsten Schuljahres in der Schule ausgestellt werden können.
Gruppen (jeweils 3-4 Schüler/innen)
 Stromerzeuger/Industrie
(pro Kernenergie, da die KKW bereits stehen und billig Strom erzeugen)
 Parteien: Regierungskoalition
(ambivalente Position: zuerst Laufzeitverlängerung, jetzt neues Ausstiegsgesetz)
 Parteien: rot/grün
(contra Kernenergie: erstes Ausstiegsgesetz)
 kernkraftkritische Wissenschaftler
(konzentrieren sich auf Risiken der Kernkraft und Chancen erneuerbarer Energien)
 kernkraftbefürwortende Wissenschaftler
(konzentrieren sich auf Vorteile der Kernkraft und Probleme erneuerbarer Energien
sowie die Problematik des Klimawandels / CO2-Ausstoß von fossilen Energieträgern)
 Umwelt-/Bürger-Organisationen (z.B. Greenpeace)
(contra Kernenergie; allerdings auch contra fossile Energie!)
 Presse
(neutral, bzw. unmittelbare Sorgen der Bevölkerung; Sonderregeln siehe Rückseite)
6. Anhang
59
„Spielregeln“
Es gibt während des Projekts vier Arten von Unterrichtsstunden:
 „Frontalunterricht“:
Einige Themen werden in „normalen“ Unterrichtsstunden gemeinsam erarbeitet,
z.B. die Energieversorgung in Deutschland sowie unterschiedliche Kraftwerkstypen
 Computerrecherche:
Im Computerraum habt ihr Gelegenheit, Material zu den Standpunkten eurer Gruppen zu suchen (Zahlen, Diagramme, Zeitungsartikel, Interviews, Broschüren, …) – ein
Teil der Recherche soll aber auch daheim stattfinden (Hausaufgabe!)
 Gruppenarbeit:
Die einzelnen o.g. Gruppen bereiten sich auf die Diskussion vor, indem sie Argumente erarbeiten, Gegenargumente suchen und widerlegen, Ergebnisse ihrer Recherchen sortieren und besprechen, die wichtigsten Positionen auf Postern festhalten, …
 Expertenvorträge:
Vertreter der o.g. gesellschaftlichen Gruppen kommen an die Schule und stehen
euch Rede und Antwort. Für diese Besuche sollte sich speziell die entsprechende
Schülergruppe gut vorbereiten: Vorher Fragen überlegen! Aber auch „gegnerische“
Gruppen können bereits Gegenargumente ausprobieren und kritisch nachhaken. Die
Gäste stehen euch ggf. auch später noch per Email oder telefonisch zur Verfügung.
In der Vorbereitungsphase sollen sich die einzelnen Gruppen nicht austauschen, sondern
versuchen, ihre Argumente „geheim“ zu halten, damit sich ihre „Gegner“ nicht gezielt
darauf vorbereiten. Jede Gruppe sollte einen Sprecher wählen, der sie bei der Diskussion
am letzten Tag vertritt. Allerdings sollen die übrigen Gruppenmitglieder nicht untätig
sein, sondern diesen Sprecher während der Diskussion mit Material versorgen oder beraten („einsagen“).
Die Presse-Gruppe hat jedoch eine besondere Rolle: Sie vertritt keine eigene Pro- oder
Contra-Position, sondern verhält sich neutral. In der Diskussionsstunde ist sie für die
Moderation zuständig. In der Vorbereitungsphase dürfen und sollen die Pressemitglieder von Gruppe zu Gruppe wandern (sie sind damit die einzigen, die einen Überblick
haben, was die anderen tun) und den Arbeitsfortschritt dokumentieren. Hierzu können
Mitglieder der anderen Gruppen interviewt werden. Einmal in der Woche sollen sie einen kleinen „Zeitungsartikel“ herausbringen, den alle Gruppen bekommen, in dem sie
über das, was sie gehört haben, berichten. Dazu gehören auch Berichte von der Exkursion oder den einzelnen Experten besuchen. Diese wöchentlichen Berichte sollen für die
übrigen Gruppen die einzige Informationsquelle über die Arbeit der „gegnerischen“
Gruppen darstellen. Das Poster der Pressegruppe soll neben den wöchentlichen Berichten auch Fotos enthalten. Schön wäre auch eine Filmdokumentation (vor allem von der
Diskussionsstunde).
Zeitplan
Mi
Do
Fr
29.6. 3.Std.
Gruppeneinteilung
30.6.
Kraftwerkstechnik
01.7. /
Raum 227E
06.7. 4.Std.
Greenpeace
07.7. /
Raum 182E
08.7. /
SPD-Politiker
13.7. 3./4.Std.
(halbe Klasse)
14.7.
Ethik, Risiko
15.7. /
CSU-Politiker
20.7. 3./4.Std.
Stadtwerke FFB
21.7. ganzer Tag
Exkursion KKW
22.7.
PosterFertigstellung
27.7. 3.+4.Std.
Podiumsdiskussion
28.7. Feedback /
Besprechung
–
6. Anhang
60
Emily, Philip, Alex B.
STROMERZEUGER
Ihr seid ein deutscher stromerzeugender Großkonzern. Ihr betreibt
neben einiMi 3. Std.
gen Kohle-, Erdgas-, Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken auch Kernkraftwerke.
Als diese in den 80er Jahren gebaut wurden, hat der Staat dies massiv finanziell
und steuerrechtlich gefördert. Die hohen Entwicklungs- und Baukosten haben
sich über die Jahre durch die Einnahmen aus dem Stromverkauf wieder hereingespielt, und inzwischen handelt es sich bei den alten Kraftwerken um eure
Goldesel: Im Vergleich zu den Personal- und Instandhaltungskosten sind die Einnahmen deutlich höher. Der Strom aus allen anderen Kraftwerkstypen ist teurer.
Solange in eurem Strommix ein deutlicher Anteil Atomstrom ist, könnt ihr den
Strom relativ billig verkaufen und euch so gegen eure Mitbewerber am Markt
durchsetzen. Dürftet ihr nur noch andere Kraftwerkstypen verwenden, müsstet
ihr den Strompreis erhöhen, um keinen Verlust zu machen. Dann ist euer Strom
teurer als der von Konkurrenten aus dem Ausland, z.B. Russland oder Frankreich.
Eins eurer Rechercheziele könnten die Energiekosten für verschiedene Kraftwerkstypen sein. Wie viel kostet eine Kilowattstunde Strom aus Kernkraftwerken, wie viel kostet die gleiche Energiemenge, wenn sie aus Kohle- oder Windkraftwerken kommt? Wie viel ist überhaupt eine Kilowattstunde – was kann man
mit dieser Energiemenge beispielsweise anstellen? Wie hoch ist der Energiebedarf einer typischen Familie in Deutschland, wie hoch ist der Energiebedarf von
ganz Deutschland? Wie stehen wir im Vergleich da mit armen Ländern in Afrika
oder mit den USA?
Ihr solltet euch näher mit der Funktionsweise von Kernkraftwerken beschäftigen,
um den Kernkraftgegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Deutsche Kernkraftwerke gehören zu den sichersten der Welt. Beweist euren Gegnern: Katastrophen wie in Japan können aufgrund besserer Sicherheitsvorkehrungen bei
uns gar nicht auftreten. Es gibt längst Konzepte für noch sicherere Kraftwerksarten („Europäischer Druckwasserreaktor“ EPR, sowie sog. Generation IV Kernkraftwerke), aber in Deutschland verbietet die öffentliche Meinung leider den
Neubau von Kernkraftwerken.
Was ihr ungern verratet: Der Bau eines neuen Kernkraftwerks ist heute wirtschaftlich nicht rentabel. Die Steuererleichterungen von früher werden schon
lange nicht mehr gewährt. Das ist auch der Hauptgrund, warum schon seit über
20 Jahren kein neues Kernkraftwerk in Deutschland mehr gebaut wurde. Das
Risiko eines GAUs wird von keiner Versicherungsgesellschaft abgedeckt, weil
niemand in der Lage wäre, derartige Kosten zu übernehmen. Das bedeutet, der
deutsche Staat (bzw. alle Bürger) haften im Falle eines Unfalls.
Ihr solltet euch auch mit der Urangewinnung und –anreicherung sowie mit der
Zwischen- und Endlagerung der abgebrannten Kernbrennstäbe beschäftigen.
Nach eurer Meinung sollte es kein Problem sein, endlich eine sichere Endlagerstätte zu finden, wenn nicht immer die ortsansässigen Bürger dagegen protestieren würden. Eine Alternative wäre natürlich auch die Wiederaufarbeitung der
Brennstäbe. Da es in Deutschland (auch wieder aufgrund von Bürgerprotesten)
6. Anhang
61
keine Wiederaufarbeitungsanlage gibt, müssen die Brennstäbe dazu nach Frankreich transportiert werden.
Überhaupt ist Frankreich aus eurer Sicht das Musterbeispiel schlechthin: Dort
wird fast 90% des Stroms in Kernkraftwerken produziert, und die Bevölkerung
scheint nichts dagegen zu haben.
Bei einer Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland muss der Strom irgendwo anders herkommen. Am günstigsten käme es, wenn man einfach überschüssigen Atomstrom aus Osteuropa einkauft. Die Kraftwerke dort sind natürlich nicht auf deutschem Sicherheitsstandard. Wenn ihr andere neue Kraftwerke
bauen müsst, gibt es viele Möglichkeiten. Erkundigt euch über Vor- und Nachteile verschiedener Kraftwerkstypen. Die regenerativen Energien sind noch nicht
rentabel genug – der Strom würde schnell teurer werden, und ihr wärt im Wettbewerb den anderen Stromerzeugern (auch aus dem Ausland) unterlegen. Außerdem gibt es viele andere Nachteile, die erst noch gelöst werden müssten:
Sonnen-, Wind- und Wasserkraftwerke können nicht überall gebaut werden, da
an einigen Orten einfach nicht lange genug die Sonne scheint, der Wind nicht
stark genug weht oder kein Berg eine natürliche Höhendifferenz zwischen zwei
Wasserreservoiren zur Verfügung stellt. Außerdem kann man sich nicht auf regenerative Energien allein verlassen; man kann nur zu bestimmten Zeiten Strom
erzeugen (wenn die Sonne scheint, wenn Wind geht…). Da Strom nicht gespeichert werden kann (Strom ist fließende Ladung!), ist es schwierig, viele Kraftwerke mit schlecht regelbarer Leistung zu betreiben. Ein gewisser Anteil an
schnell an- und abschaltbaren Kraftwerken (meist sind dies Erdgaskraftwerke
und Wasserspeicherkraftwerke) ist nötig zur Beherrschung von Strombedarfsspitzen, z.B. zur Mittagszeit, wenn alle ihren Herd anschalten.
Das Stromnetz ist bisher noch nicht dafür ausgelegt, große Mengen von Strom
z.B. von Offshore-Windkraftwerken in der Nordsee bis nach Bayern zu transportieren. Die Stromeinspeisung vieler Kleinsterzeuger (Solaranlagen auf privaten
Hausdächern) ist auch ein großes logistisches Problem und erfordert ein völlig
neuartiges, intelligentes Stromnetz. Schließlich muss immer gerade so viel Strom
erzeugt werden, wie insgesamt benötigt wird. Wenn ein Großteil der Stromerzeugung dezentral geschieht, muss eine Steuerzentrale den einzelnen Stromerzeugern ein Signal geben können, ihre Stromproduktion kurzzeitig zu drosseln
oder wieder hochzufahren. Derartige Rieseninvestitionen, die nicht unmittelbar
höhere Gewinne versprechen, wollt ihr natürlich zunächst vermeiden.
Recherchiert auch die Gründe, warum die Stromindustrie einen Kompromiss mit
der Politik eingegangen ist, der bereits 2002 in einen Atomkonsens (erstes Atomausstiegsgesetz von rot/grün) gemündet hat.
Mögliche Recherche:
Wikipedia-Stichworte: Energieversorgungsunternehmen, Energieversorgung,
Kernkraft, Stromnetz, Stromerzeugung, Stromkennzeichnung, Uranwirtschaft,
Europäischer Druckwasserreaktor, Transmutation
Webseiten der Energieversorgungsunternehmen
6. Anhang
62
REGIERUNGSKOALITION
Lukas, Julian P., Martin, Moritz
Ihr seid Mitglieder der aktuellen Bundesregierung
Als konserMiaus
3. CDU/CSU/FDP.
Std.
vativ-liberale Koalition ist euer Hauptziel, die Bedingungen in Deutschland möglichst günstig für die Wirtschaft zu gestalten, so dass Arbeitsplätze geschaffen
werden, Löhne und Gehälter sowie mit den Einnahmen der Konzerne auch die
Steuereinnahmen steigen, damit der Staat seine Aufgaben besser wahrnehmen
kann und der allgemeine Wohlstand steigt.
Ihr seid zwar auch der Meinung, dass die Kernenergie einige Nachteile mit sich
bringt, in erster Linie die hochradioaktiven Abfälle, dass sie aber zum jetzigen
Zeitpunkt ein notwendiges und vertretbares Übel ist im Vergleich zu den Alternativen. Ein sofortiger Ausstieg aus der Kernenergie ist kaum möglich, da sie nahezu 30% des Strombedarfs deckt. Eventuell könnte der fehlende Strom aus dem
Ausland eingekauft werden, das wäre dann aber zum Teil Atomstrom aus Frankreich, oder, noch schlimmer, aus unsicheren Kernkraftwerken aus Osteuropa.
Das kann niemand wollen. Regenerative Energien sind die Zukunft, aber die ferne
Zukunft. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sie nicht rentabel genug, ein Umstieg würde
den Strompreis in die Höhe treiben und so der Wirtschaft schaden. Ein Problem
ist auch, dass das Stromnetz nicht auf eine dezentrale Speisung aus vielen kleinen Kraftwerken und Solarzellen ausgelegt ist. Eine denkbare Möglichkeit wäre,
mehr Strom in Braun- und Steinkohlekraftwerken zu erzeugen. Allerdings hat sich
Deutschland verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß massiv zu senken, und dieses Klimaschutzziel wäre dann nicht zu erreichen. Das Risiko und die Kosten der globalen Erwärmung seht ihr als größer an als die Probleme der Kernenergie.
Aufgrund dieser Überlegungen habt ihr nach Übernahme der Regierungsverantwortung nicht lange gezögert, und die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke nach
dem Atomausstiegsgesetz der rot-grünen Regierung 2002 deutlich verlängert.
Dies sollte den Energieerzeugern die Möglichkeit geben, eigenverantwortlich und
im eigenen Interesse Erforschung und Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben mit eigenen Mitteln und weniger Zeitdruck. Außerdem war so die Chance
größer, die Klimaschutzziele zu erreichen und den Strompreis niedrig zu halten.
Dann aber kam Fukushima. War die Bevölkerung über die Laufzeitverlängerung
schon verärgert, so drohten nun für die nächsten Landtagswahlen massive
Stimmenverluste, wenn nicht reagiert würde und Konsequenzen gezogen würden. Und, zugegeben, dass in einem Industriestaat wie Japan, welcher Atomkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards betrieb und um die Gefahren durch
Erdbeben und Tsunamis wusste, eine ähnliche Katastrophe wie 1986 in Tschernobyl passieren kann, hat euch auch zu denken gegeben. Offensichtlich gibt es
doch einige Risikofaktoren, die bei der Auslegung der Kernkraftwerke nicht oder
unzureichend berücksichtigt wurden, und unter dieser Voraussetzung kann man
die eigene Position zur Kernenergie durchaus noch einmal überdenken.
Um ein Zeichen zu setzen, dass etwas getan wird, wurde schnell ein Moratorium
ausgesprochen und die ältesten Reaktoren der Bundesrepublik vorübergehend
heruntergefahren. Da es sich bei der Entscheidung für oder gegen die Kernenergie um ein komplexes Problem mit weitreichenden Folgen für die Gesellschaft
handelt, habt ihr eine politisch unabhängige Expertenkommission ins Leben ge-
6. Anhang
63
rufen, die die Risiken der Kernenergienutzung und konkret der deutschen Kernkraftwerke abschätzen und euch dann eine Empfehlung geben soll.
Informiert euch über die politischen Entscheidungen der Regierungskoalition
bezüglich Laufzeitverlängerung, Moratorium und Ausstiegsgesetz. Wie hat sich
der Standpunkt der Parteien seit dem Bau der ersten Kernkraftwerke in Deutschland geändert? Welchen Einfluss haben öffentliche Meinung, Presse, Ereignisse
im Ausland (insbesondere Störfälle und Unfälle in Kernkraftwerken wie z.B. Sellafield, Three Mile Island, Tschernobyl)? Stehen die Regierungsparteien geschlossen hinter der Bundesregierung, oder gab es immer schon auch aus den eigenen
Reihen kritische Stimmen? Sind die Wähler von CDU/CSU/FDP grundsätzlich der
Kernkraft gegenüber aufgeschlossener als die Wähler der Oppositionsparteien?
Warum hat gerade in Deutschland die Anti-Atomkraft-Bewegung derartigen Zulauf? In anderen Ländern (z.B. Frankreich) scheinen sich die Leute weniger Sorgen zu machen. Wird nicht auch viel Panikmache betrieben?
Folgende Kritik müsst ihr euch wahrscheinlich anhören – wappnet euch dagegen!
 Kernkraft war schon immer deutlich unsicherer als von den Betreibern behauptet;
die Regierungskoalition hat das erst jetzt eingesehen. Die Kernkraftgegner hatten
seit je her recht.
 Das Atom-Moratorium war eine Schnellschussreaktion kurz vor den Wahlen und hat
keinen wirklichen Sinn – ein gerade erst abgeschaltetes Kernkraftwerk ist aufgrund
der Abwärme und daher nötigen Kühlung der Brennstäbe noch genauso gefährlich
wie ein Kraftwerk im Betrieb, das hat man in Japan gesehen. Ein Ausstieg sollte
wohlüberlegt erfolgen und auf Sicherheitsabwägungen beruhen. Populäre kurzfristige Abschaltungen einiger alter Kraftwerke kosten in erster Linie Geld. Einen großen
Sicherheitsgewinn hat man dadurch nicht.
 Vor einigen Wochen liefen kurzzeitig aufgrund von Wartungsarbeiten nur 4 der 17
deutschen Atomkraftwerke. Entgegen allen früheren Beteuerungen von Energiewirtschaft und Regierung hat das doch funktioniert, ohne dass es zu Stromausfällen gekommen ist – wozu brauchen wir also überhaupt so viele Atomkraftwerke?
Überlegt euch weitere mögliche Argumente eurer Gegner und wie ihr darauf
antworten könnt. Überlegt euch auch, welche unbequemen Fragen ihr euren
politischen Gegnern stellen könnt, um aus der Defensivrolle herauszukommen.
Sie sollen euch beispielsweise erklären, wie sie sich einen kurzfristigen kompletten Umbau der Stromversorgung ohne Versorgungsengpässe, Stromkäufe aus
Osteuropa und erhöhten CO2-Ausstoß vorstellen. Auch die Form, in der von der
früheren rot-grünen Regierung die erneuerbaren Energien gefördert wurden
(Erneuerbare-Energien-Gesetz), lässt sich kritisieren. So könnte man das Geld,
das zur Förderung von kleinen Solaranlagen auf privaten Dächern eingesetzt
wird, mit viel größerem Kosten-Nutzen-Verhältnis einsetzen, wenn man dafür
Windparks baut. Man könnte deutlich mehr umweltfreundlichen Strom fürs gleiche Geld erzeugen.
Mögliche Recherche:
Wikipedia-Stichworte: Laufzeitverlängerung, Atom-Moratorium, Atomgesetz (Deutschland), Strompreis
Bericht der Ethikkommission (Wiki: Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung)
Aktuelle Berichte über die Abstimmung im Bundestag am 30.6.11
6. Anhang
64
Patrick, Lorenz, Timo, Andi R.
KERNKRAFTKRITISCHE WISSENSCHAFTLER
4. Std.
Ihr seid Naturwissenschaftler oder Ingenieure, habtMialso
Physik, Chemie, Biologie,
Geologie, Medizin, Elektrotechnik oder Maschinenbau studiert. Evtl. arbeitet ihr als
Berater der Industrie oder Politik, aber vielleicht hat euer Arbeitsplatz auch gar
nichts mit Kernkraft zu tun, sondern ihr engagiert euch privat in diesem Bereich, weil
ihr findet, dass die Bevölkerung häufig unzureichend und vielleicht sogar falsch informiert wird. Ihr tretet aktiv für die atomare Abrüstung ein und seht den Atomausstieg als logische Konsequenz, da die Risiken der Kernenergie für die Menschheit
einfach zu groß sind. Obwohl der Mensch es geschafft hat, diese Energiequelle zu
„zähmen“, ist er selbst der größte Risikofaktor. Keine technische Anlage kann 100%
fehlerfrei und sicher gebaut werden, und der potentielle Schaden bei einem Unfall in
einem Kernkraftwerk steht in keinem Verhältnis zu einem noch so kleinen Risiko. Die
meisten bisherigen Unfälle in Kernkraftwerken sind zurückzuführen auf menschliches Versagen oder unzureichende Einschätzung möglicher natürlicher Risiken.
Der reguläre Betrieb von Kernkraftwerken macht euch weniger Sorgen. Ihr versteht
genug von der Materie, dass ihr euch sicher seid, dass dabei extrem wenig Strahlung
an die Umgebung freigesetzt wird – weniger als der natürliche Hintergrund in manchen Gebieten ausmacht, womit also Menschen und Tiere seit Urzeiten zurechtkommen. Das Problem sind Störfälle und unvorhergesehene Katastrophen, wie das
Erdbeben und der Tsunami in Japan. Es heißt, AKWs seien sicher gegenüber jedem
denkbaren Unglücksfall, allerdings wurden dabei offensichtlich einige durchaus realistische Szenarien nicht berücksichtigt. Ihr zweifelt somit auch daran, ob deutsche
Kernkraftwerke wirklich vor allen (hierzulande möglicherweise sehr seltenen, aber
nicht unmöglichen) Naturkatastrophen gefeit sind. Allgemein bekannt ist ja, dass die
meisten AKWs einen (z.B. im Rahmen eines Terrorangriffs gezielten) Absturz einer
großen Passagiermaschine nicht überstehen würden. Vor diesem Hintergrund mahnt
ihr dringend Nachbesserungen oder Stilllegung der betroffenen Anlagen an.
In den USA beispielsweise stehen im Großraum San Francisco, wo in den nächsten
30 Jahren mit über 95%iger Wahrscheinlichkeit „The Big One“ erwartet wird, das
nächste verheerend große Erdbeben, einige Kernkraftwerke, die nicht notwendigerweise auf derart große Erdbeben ausgelegt sind – tickende Zeitbomben.
Informiert euch über die Atomkatastrophen der Vergangenheit – Sellafield, Three
Mile Island, Tschernobyl, Fukushima – und die Folgen für die Umgebung und die
Bevölkerung. Malt euch entsprechende Szenarien im stark besiedelten Mitteleuropa
/ Deutschland aus. Welche Katastrophenschutzmaßnahmen würden im Falle eines
Super-GAUs in Deutschland ergriffen werden? Sind die Industrieländer darauf überhaupt vorbereitet? Wie kann man sich vor radioaktiver Strahlung schützen? Was
sind überhaupt die Gefahren radioaktiver Strahlung? Im Gegensatz zu manchen hysterischen und schlecht informierten Mitbürgern kennt ihr den Unterschied zwischen
der Bestrahlung von Lebensmitteln zur Bekämpfung von Mikroorganismen (bei der
die Lebensmittel lediglich der Strahlung eines radioaktiven Präparats ausgesetzt
werden) und den selbst strahlenden Pilzen und Milchprodukten nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 (wo radioaktive Elemente durch Regen in der
Umgebung verteilt wurden und in den Nahrungskreislauf gelangten).
Neben dem „Restrisiko“ ist das eigentlich größere Problem der Kernenergie die nach
wie vor weltweit ungelöste Frage der Endlagerung der radioaktiven Abfälle. „Abge-
6. Anhang
65
brannte“ Brennelemente strahlen noch Tausende bis Millionen von Jahren und werden bislang von Zwischenlager zu Zwischenlager transportiert, aber ein sicherer Endlagerstandort wurde immer noch nicht gefunden. Selbst bei Wiederaufarbeitung der
Brennelemente bleiben noch Abfälle übrig. Zu häufig hört man von Skandalen, wie
manche Länder mit ihrem Atommüll umgehen (z.B. Einleitung ins Meer), und auch
Deutschland ist keineswegs unschuldig, da wir viel Atommüll exportieren.
Ihr seid euch durchaus bewusst, dass es nicht so ohne weiteres möglich sein wird,
die Stromversorgung in Deutschland auf erneuerbare Energien umzustellen. Dass
dies die einzige vernünftige Alternative zur Kernenergie ist, ist klar: Im Angesicht des
drohenden Klimawandels und den knapper werdenden Ölvorräten möchte niemand
den Anteil der fossilen Brennstoffe am Strommix vergrößern. Im Gegenteil: Langfristig sollte auch dieser zurückgehen, bzw. sollten, wo möglich, vorhandene Kohlekraftwerke durch effektivere ersetzt werden, die mit Kraft-Wärme-Kopplung einen
deutlich höheren Energienutzungsgrad haben. Das angestrebte Ausstiegsdatum
2022 seht ihr als sportlich, aber durchaus realistisch an. Bemängelt werden könnte
vielleicht, dass sich die Politik noch keine konkreten Gedanken über den Ersatz der
Kernenergie gemacht hat, sondern als erstes ein Ausstiegsdatum festgelegt hat.
Doch ihr seid optimistisch, dass nun – auch mit Hilfe von entsprechenden Forschungsinvestitionen aus Steuergeldern – ein Innovationsschub erfolgen kann, der
bis zum Jahre 2022 die erneuerbaren Energien wettbewerbsfähig macht. Oder der
Strompreis steigt ein wenig, aber die Bevölkerung und Industrie wird nicht protestieren, dazu ist der Atomausstieg zu wichtig, das muss er uns wert sein. Recherchiert
nach Meinungen und Aussagen von Wissenschaftlern und Industrievertretern, wie
diese sich den Ausbau der erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren vorstellen.
Welche Probleme sind noch zu lösen, und wie können diese angegangen werden?
Mögliche Stichworte sind Grundlast / Spitzenlast, Transport und Speicherung von
elektrischer Energie, dezentrales / intelligentes Stromnetz, Energiesparen, KraftWärme-Kopplung, Wärmedämmung.
Durchaus kritisch seht ihr einige der von der Politik in die Wege geleiteten Förderprojekte. Manche Gelder könnten an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. So
sind durch die Förderung von Solarzellen auf privaten Hausdächern Millionen von
Euro für die nächsten Jahrzehnte gebunden: Die Politik garantiert den privaten
Stromerzeugern einen Abnahmepreis pro Kilowattstunde Energie, die über dem aktuellen Strompreis liegt, und bezahlt diesen aus Steuergeldern. Der gleiche Geldbetrag in Windenergie investiert würde deutlich mehr Strom liefern.
Ihr solltet euch mit Zahlen, Daten, Diagrammen etc. bewaffnen, mit denen ihr Fragen zur Sicherheit von Kernkraftwerken, zur anfallenden Menge an strahlenden Abfällen und deren Langlebigkeit, zur Möglichkeit der Wiederaufarbeitung, zu für den
Menschen gesundheitsgefährdenden Strahlungsdosen, zu Störfällen an deutschen
Kernkraftwerken etc. beantworten könnt. Ebenso solltet ihr wissen, welche regenerativen Energien in Deutschland das größte Potential haben, wie die Ausbaupläne für
die Zukunft aussehen könnten, und welche Probleme (Stromnetz) auf dem Weg
dorthin noch gelöst werden müssen.
Mögliche Recherche:
Wikipedia-Stichworte: Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen, Sicherheit von
Kernkraftwerken, Wiederaufarbeitung, Radioaktiver Abfall, Erneuerbare-EnergienGesetz, Stromnetz, Dezentrale Stromerzeugung
6. Anhang
KERNKRAFTBEFÜRWORTENDE WISSENSCHAFTLER
66
Andi N., Emre, Julian R.
Ihr seid Wissenschaftler, habt (Kern)physik, (Nuklear)medizin, oder eine andere Na3. Std.
tur- oder Ingenieurswissenschaft studiert und arbeitet als Mi
Berater
der Industrie und
Politik in diesem Bereich. Vielleicht habt ihr sogar eure Diplom-/Master-/Doktorarbeit an einem Forschungsreaktor geschrieben und dabei regelmäßig mit radioaktiven Elementen gearbeitet. Ihr wisst, dass diese für den Menschen gefährlich sind,
dass allerdings problemlos damit gearbeitet und geforscht werden kann, solange
man Sicherheitsbestimmungen einhält und sorgfältig arbeitet. Sowohl in den Forschungslabors als auch in Kernkraftwerken werden die Strahlungslevels genauestens
überwacht, und die Mitarbeiter tragen Dosimeter mit sich herum, die aufzeichnen,
welcher Strahlenbelastung sie ausgesetzt waren. Unfälle, bei denen Personen erhöhte Strahlungsdosen abbekommen haben, sind extrem selten. Im Normalfall beträgt
die Belastung eines Mitarbeiters in einem AKW deutlich weniger als die von beispielsweise Astronauten, Berufspiloten, Flugbegleitern und Vielfliegern (energiereiche kosmische Strahlung in Reiseflughöhe, wo die filternde Wirkung der unteren
Atmosphärenschichten fehlt), oder auch von Menschen, die in bestimmten Regionen
mit erhöhter natürlicher Radioaktivität wohnen (z.B. Bayerischer Wald) oder aufgrund chronischer Erkrankungen regelmäßiger Röntgenuntersuchungen bedürfen.
Die Angst der Bevölkerung vor „Verstrahlung“ ist in den meisten Fällen nicht gerechtfertigt. Gefährlich sind in den Körper aufgenommene (inkorporierte) AlphaStrahler, d.h. radioaktive (unter Aussendung von Alpha-Strahlen zerfallende) Isotope
von Elementen, die der Körper in seine Zellen einbaut. Diese können als Zerfallsprodukt von anderen radioaktiven Elementen entstehen. Der bekannteste Vertreter ist
Iod-131, welches sich in der Schilddrüse anreichern kann. Die Aufnahme von radioaktiv strahlenden Elementen durch die Nahrung muss also unbedingt vermieden
werden. Hingegen sind z.B. bestrahlte Lebensmittel ungefährlich, da sie selbst nicht
„aktiviert“ werden. Die Strahlung tötet lediglich Keime ab. Ebenso wenig muss man
Angst vor „verstrahlten“ Menschen haben. Diese leiden evtl. unter Verbrennungen,
Schädigungen ihres Erbguts, inneren Blutungen, Haarausfall, Durchfall etc., strahlen
aber nicht selbst. Somit ist die „Strahlenkrankheit“ nicht ansteckend.
Vieles was in der Presse über die Gefahren der Kernkraft zu lesen ist, ist reine Panikmache. Die häufigen „Störfälle“ von Kernkraftwerken sind eher ein Zeichen hoher
Sicherheit: Bei den kleinsten Unregelmäßigkeiten im Betrieb schaltet sich das Kraftwerk zur Sicherheit ab. Die Mengen an ausgetretener Strahlung sind minimal und
nicht gesundheitsschädlich. Sucht nach Listen von meldepflichtigen Störfällen deutscher Kernkraftanlagen und überprüft diese Aussagen kritisch.
Ihr seid nicht unbedingt begeisterte Verfechter der Kernenergie, sondern seid euch
durchaus ihrer Probleme bewusst. Allerdings steht ihr genauso kritisch den übrigen
Arten der Energieerzeugung gegenüber, die zum Teil deutlich mehr Todes- und
Krankheitsopfer zu beklagen haben (Kohlebergbau), wichtige Rohstoffe für die chemische Industrie einfach verfeuern (Erdöl), die globale Erwärmung beschleunigen
(alle fossilen Brennstoffe), große Flächen in der Landschaft verbrauchen (Wasserkraft, Solarkraft, Windkraft, Braunkohlebergbau), Entwicklungsländer ausbeuten und
die dortigen Bauern animieren, Energiepflanzen statt Nahrungsmittel anzubauen
und dafür weiter Regenwälder abzuholzen (Biomasse), im Herstellungsprozess energieaufwändig und giftig sind (Solarzellen), oder nicht in großem Maßstab bzw. in
vielen Regionen überhaupt nicht wirtschaftlich einzusetzen sind (Geothermie, Gezeiten, Wasser-, Solar-, Windkraft).
6. Anhang
67
Da Transport und Speicherung elektrischer Energie noch große Probleme darstellen,
ist es nicht ohne weiteres möglich, die Grundlast der Energieversorgung allein aus
regenerativen Energiequellen zu bestreiten; ebenso wenig können kurzfristige Spitzenlasten rein regenerativ erzeugt werden, da z.B. Wind und Sonne nicht nach Belieben rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
Eure Argumentation für die Kernenergie basiert also weniger auf den Vorteilen, die
sie bietet, sondern eher auf den Nachteilen oder noch zu lösenden Problemen der
alternativen Energieversorgung. Langfristig wäre ein Ausstieg aus der Kernenergie
bzw. eine starke Reduktion ihres Anteils am Strommix zu begrüßen, aber kurzfristig
sollten die ersten Schritte aus dem Umbau des Stromnetzes (Dezentralisierung; intelligente Netze, die flexible Stromeinspeisung von Kleinsterzeugern ermöglichen),
der Förderung energiesparender Technologien (Wärmedämmung, Energiesparlampen, energiesparende Haushaltsgeräte, geringer Standby-Verbrauch von Unterhaltungselektronik, Kraft-Wärme-Kopplung bei Heizkraftwerken) und der weiteren Erforschung regenerativer Technologien bestehen, die zum Ziel haben, ihren Wirkungsgrad zu erhöhen und sie wirtschaftlich rentabel zu machen.
Viele Fördergelder der Politik könnten an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. So sind durch die Förderung von Solarzellen auf privaten Hausdächern Millionen von Euro für die nächsten Jahrzehnte gebunden: Die Politik garantiert den privaten Stromerzeugern einen Abnahmepreis pro Kilowattstunde Energie, die über dem
aktuellen Strompreis liegt, und bezahlt diesen aus Steuergeldern. Der gleiche Geldbetrag in Windenergie investiert würde deutlich mehr Strom liefern.
Deutschland sollte nicht das Risiko eingehen, Fachkräfte im Bereich Kernphysik ans
Ausland zu verlieren. Wenn die Berufsaussichten für dieses Berufsfeld durch den
Ausstieg aus der Kernenergie immer schlechter aussehen, werden nur noch wenige
Studenten sich für das Fach interessieren bzw. bei Interesse eher ins Ausland abwandern. Doch selbst zum Abbau der Kernkraftwerke und in Firmen wie Siemens,
die Kernkraftwerke entwerfen und bauen (wenn auch nicht in Deutschland), sind
diese Fachkräfte nötig. Außerdem gibt es neben den Hochleistungskernkraftwerken
zur Stromerzeugung auch noch einige Forschungsreaktoren, deren Betrieb der
Grundlagenforschung (Aufbau der Materie), Materialforschung (Neutronenbeschuss
von Materialien als „Durchleuchtungstechnik“) sowie als Therapie in der Medizin
(Tumorbehandlung) dient. Stellt auch hier Nachforschungen an, inwiefern diese Forschungseinrichtungen von dem Atomausstieg betroffen sind oder nicht. Beispiele:
FRM-II in Garching, Forschungszentrum Jülich. Wofür dienen sie? Welche Gefahr
geht von ihnen aus? Wie viel Abfall fällt an? Werden sie auch abgeschaltet?
Ihr solltet euch mit Zahlen, Daten, Diagrammen etc. bewaffnen, mit denen ihr Fragen zur Sicherheit von Kernkraftwerken, zur anfallenden Menge an strahlenden Abfällen und deren Langlebigkeit, zur Möglichkeit der Wiederaufarbeitung, zu für den
Menschen gesundheitsgefährdenden Strahlungsdosen, zu Störfällen an deutschen
Kernkraftwerken etc. beantworten könnt.
Mögliche Recherche:
Wikipedia-Stichworte: Erneuerbare-Energien-Gesetz, 1000-Dächer-Programm, Stromnetz,
Dezentrale Stromerzeugung, Forschungsreaktor, Globale Erwärmung
Zu allen euch wichtig erscheinenden erneuerbaren Energien: Probleme?
Globale Erwärmung: Warum ist es so ein großes Problem, wenn es etwas wärmer wird?
Probleme der dezentralen Stromversorgung
6. Anhang
68
GREENPEACE
Stefanie, Samantha, Sabrina
Ihr seid in eurer Freizeit ehrenamtliche Mitarbeiter von Greenpeace, dem WWF,
Bund Naturschutz oder ähnlicher Gruppen und Vereine.
DaStd.
es euch ein HerzensanMi 4.
liegen ist, investiert ihr viel Zeit in Projekte dieser Gruppe (im Folgenden wird stellvertretend nur noch Greenpeace genannt). „Nebenbei“ übt ihr aber einen regulären
Beruf aus, der höchstwahrscheinlich weder etwas mit Umweltschutz noch etwas mit
Kernenergie zu tun habt, ihr seid also Laien auf dem Gebiet. Allerdings interessierte
und informierte Laien! Eure Informationen erhaltet ihr aus der Presse, dem Internet,
zum Teil aus Sachbüchern (weil ihr euch ja privat dafür interessiert) sowie natürlich
größtenteils von Freunden und anderen Greenpeace-Mitarbeitern. Das ist vielleicht
eine etwas einseitige und ideologisch gefärbte Informationsquelle, allerdings vertraut ihr euren Freunden mehr als der Politik, der Industrie (besonders den internationalen Großkonzernen) und dem, was man manchmal so im Fernsehen sieht.
Die Arbeit von Greenpeace ist wichtig, da erschreckend wenige Leute sich Gedanken
darüber machen, wo ihr Essen, ihre Kleidung, ihr Strom, ihr Luxus eigentlich herkommen und wer dafür leiden oder sterben muss oder ausgebeutet wird – und welcher Raubbau an der Natur betrieben wird. Die Information der Bevölkerung ist für
euch eine der Hauptaufgaben und euer Hauptanliegen. Das Gespräch mit den Leuten auf der Straße ist einerseits deprimierend, wenn es viele Leute überhaupt nicht
interessiert; andererseits ist jeder, den man zum Nachdenken bringt und der seine
Lebensweise vielleicht ein klein wenig ändert ein Schritt in die richtige Richtung.
Manchmal kann auch der einfache Bürger etwas Großes verändern, so zum Beispiel
bei der Verhinderung des Baus der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf.
Die meisten Argumente der Verfechter der Atomenergie sind in euren Augen Verblendung; in Wahrheit geht es den Konzernen nur ums Geld, und die bestehenden
Kernkraftwerke möglichst lange weiterlaufen zu lassen bringt den Betreibern deutlich mehr Geld als eine schnelle Umrüstung auf erneuerbare Energien – bei der außerdem die Gefahr besteht, dass viele lokale Kleinerzeuger plötzlich als Konkurrenten auftreten. Die Kernkraft wäre eigentlich gar nicht so billig, wenn sie nicht durch
Steuererleichterungen und die Übernahme des Risikos von Unfällen und Endlagerung durch den Staat (also letztlich uns alle) massiv subventioniert würde.
Zum Thema Risiko:
Die Kernkraftwerksbetreiber behaupten immer wieder, die Technik sei sicher, Störfälle selten und Unfälle unwahrscheinlich (das Risiko sei so gering, dass es statistisch
nur einmal in zigtausend Jahren zu einem Unfall kommen sollte). Doch die Erfahrung
zeigt, dass an diesen Behauptungen etwas faul sein muss. In den letzten 50 Jahren
ist es zu mehr als zwei schweren Unfällen gekommen (recherchiert neben Fukushima und Tschernobyl nach weiteren Unfällen). Für jedes Kernkraftwerk gibt es lange
Listen von meldepflichtigen Störfällen in der Vergangenheit, die zum Teil zum Herunterfahren der Anlage führten und teilweise sogar zum Austritt radioaktiven Materials
in die Umgebung. Diese Störfälle können ebenfalls im Internet nachgelesen werden,
da sie veröffentlicht werden müssen. Allerdings hängen die Kraftwerksbetreiber und
die Politiker dies nicht an die große Glocke sondern verharmlosen sie eher.
Gegenüber den Anwohnern und überhaupt allen Menschen auf der Erde ist der Betrieb von Kernkraftwerken und die Gefährdung durch austretende Strahlung unverantwortlich. Es gibt Studien über erhöhte Kinderkrebsraten in den Gegenden rund
um AKWs, und dennoch wird die Bevölkerung darüber nur unzureichend informiert.
Natürlich haben die Großkonzerne kein Interesse daran, dass solche Informationen
6. Anhang
69
einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden, deshalb ist es eure Aufgabe, die Leute
darauf hinzuweisen und zu mobilisieren, gegen die Atomkraft auf die Straße zu gehen oder in den nächsten Wahlen eine bessere Wahlentscheidung zu treffen.
Zum Thema Endlagerung:
Euch ist schleierhaft, wie Politik und Industrie angesichts der weltweit immer noch
nicht gelösten Frage der sicheren Endlagerung oder Beseitigung hochradioaktiven
Atommülls, der noch für Jahrtausende bis Jahrmillionen gefährlich ist, überhaupt
Atomkraftwerke bauen konnte, geschweige denn wie sie weiterhin an deren Betrieb
festhalten können. Ihr zweifelt an der Sicherheit der Zwischenlager in den Kraftwerken und den provisorischen Lagern in Salzstöcken sowie an der Robustheit und Ungefährlichkeit von Castor-Behältern zum Transport von Atommüll. Ihr protestiert
gegen Castor-Transporte quer durchs Land, um den strahlenden Müll nach Frankreich zur Wiederaufarbeitung zu bringen oder in andere Länder, die ihn womöglich
im Meer versenken oder in anderen unsicheren Lagern bunkern. Was, wenn solches
Material skrupellosen Terroristen in die Hände fällt? Kann man aus Atommüll nicht
auch Atombomben, oder zumindest „schmutzige Bomben“ bauen? Wie wird gewährleistet, dass sich niemand an den abgebrannten Brennstäben „bedienen“ kann?
Es ist typisch für die moderne Gesellschaft, sich keine Gedanken um die Probleme zu
machen, die sie den nachfolgenden Generationen aufhalst. „Nach uns die Sintflut“
ist die Devise. Wenn ich heute große Gewinne scheffeln kann, und mich morgen
damit auf die Bahamas absetzen kann, was kümmern mich dann die Probleme von
übermorgen? Die Generationengerechtigkeit ist ein wichtiger Punkt, den ihr den
Menschen bewusst machen wollt. Wir können nicht in dem aktuellen Tempo die
Rohstoffe der Welt verbrauchen und gefährlichen Müll und Abgase erzeugen, die
den Planeten und die Atmosphäre vergiften, sondern sollten uns darum kümmern,
dass die Erde auch für unsere Enkel noch bewohnbar sein wird.
In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie
nicht einfach durch den Bau neuer Kohlekraftwerke ausgeglichen wird. Ein mindestens genauso großes Problem der Menschheit ist nämlich der Klimawandel, den es
durch Reduktion des CO2-Ausstoßes so gut es geht noch abzuschwächen gilt. Euch ist
daher wichtig, dass in den Ausstiegsgesetzen oder zumindest im Zuge der Gesetzgebung die Weichen gestellt werden für eine echte Energiewende hin zu erneuerbaren
Energien. Zu einer Stromversorgung, die innerhalb von wenigen Jahrzehnten völlig
ohne fossile Energieträger und CO2-Ausstoß auskommen wird. Dass dies prinzipiell
möglich ist, davon seid ihr überzeugt, ihr habt es auch schon von verschiedenen Seiten gehört. Vielleicht solltet ihr euch aber doch noch etwas genauer damit beschäftigen und ein paar zitierfähige Quellen und Expertenmeinungen suchen. Auf jeden
Fall muss aber der politische Wille da sein, entsprechend Geld in die Erforschung der
nötigen Technik und den Aufbau einer alternativen Energieversorgung zu investieren, und hierzu muss der Druck aus der Bevölkerung kommen. Deshalb steht ihr regelmäßig auf der Straße und versucht die Bevölkerung zu überzeugen.
Mögliche Recherche:
Wikipedia-Stichworte: Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, Deutsches Kinderkrebsregister, Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen
Weitere Themen: Subvention der Kernkraft, Klimawandel, CO2-Ausstoß verschiedener Kraftwerke, konkrete (Zeit)Pläne zum Umbau der Energieversorgung, warum ist die Verbrennung
von Biomasse CO2-neutral, die von Kohle nicht?
6. Anhang
70
6.5. Argumente Pro und Contra Kernenergie
PRO

Billiger Strom (KKW sind bereits abgeschrieben)

Deutsche KKW sind sicherer als viele ausländische

Kein CO2-Ausstoß bei Stromproduktion

Stromproduktion unabhängig von Sonne, Wind, etc.  Grundlast

Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus politisch unsicheren Regionen

Erhalt von Arbeitsplätzen und Know-How in Kernphysik und -technik

Hohe Leistung auf kleinem Raum (ca. 1 GW; zum Vergleich: Windrad
ca. 1 MW)

Energiedichte: Geringe Menge an Brennstoff liefert große Menge an
Energie

Reichweite der Uranvorräte (je nach Technik der Reaktoren) bis zu 200
Jahre
CONTRA

Ausmaß von potentiellen Katastrophen

Unzureichende Sicherung der bestehenden Reaktoren gegen unvorhergesehene Katastrophen (Erdbeben, Tsunami, Flugzeugabsturz, Terroranschlag)

Problem der Endlagerung ungelöst

Strahlende Abfälle bleiben über Tausende von Jahren gefährlich

Uranabbau ist umweltschädlich und nicht CO2-neutral

Abhängigkeit von uranabbauenden Nationen

Nur Subventionen der Kernkraft haben zur Wirtschaftlichkeit geführt
(z.B. Versicherungsproblem)

Einige Kernbrennstoffe sind kernwaffenfähig  Gefahr durch Terroristen oder Schurkenstaaten

Uranvorkommen sind auch begrenzt im Gegensatz zu regenerativen
Energien

Große zentrale Kraftwerke sind nicht mehr zeitgemäß
6. Anhang
71
6.6. Kurzberichte der Pressegruppe
Tschernobyl
Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des AKW Tschernobyl. Noch bis zum
Abend des 26. April behauptet die Kraftwerksleitung, dass der Reaktorblock ganz geblieben sei. An den Folgen der Strahlung sind bis 2006 ca.
50000 bis 100000 Aufräumarbeiter gestorben. 540000 bis 900000 sind Invaliden. Außerdem sind bis heute in der Region um Tschernobyl zehntausende Kinder mit genetischen Schäden geboren worden.
Fukushima
Während in Tschernobyl nur menschliches Versagen die Ursache für den
Super-GAU war, kommen in Fukushima zwei Faktoren zusammen: Menschliches Versagen und eben auch Naturkatastrophen.
Vom 11. März ab 14:46:23 Uhr bis zum 16. März 2011 kommt es zu einer
Katastrophenserie. Das Erdbeben mit Stärke 9,0 auf der nach oben offenen
Richterskala dauert zwei Minuten. Der Tsunami mit einer Wellenhöhe von
13-15 m trifft das AKW um 15:30 Uhr. Dabei werden Block 1-4 schwer beschädigt. Im Block 2 und 4 kommt es daraufhin zu einer Kernschmelze, in
Block 1 und 3 kommt es zu einer teilweisen Kernschmelze. Die Region im
Umkreis von 20-30 km wird evakuiert. Bis heute können die Familien nicht
in ihre Heimat zurück und wohnen in Auffanglagern. Die Einsatzkräfte im
AKW befinden sich in einer fast hoffnungslosen Lage. Bis jetzt wurden zwei
von ihnen verletzt, als ihnen radioaktives Wasser in die Schuhe lief. Außerdem gelangt die Radioaktivität ins Meerwasser, was bedeutet, dass die
gesamte Küstengegend verstrahlt ist.
06.07.2011 – „Irgendjemand muss den Anfang machen…“
Das war die Ansage von A. D., er ist aktives Greenpeace-Mitglied und ist
von seiner Arbeit überzeugt:
Was erscheint Ihnen als wichtigstes zum Leben?
Meiner Meinung nach sind Luft/Sauerstoff, Wasser, Nahrung und Energie
am wichtigsten fürs Leben.
Was war denn der letzte ausschlaggebende Punkt zur Atomwende?
6. Anhang
72
Definitiv Fukushima. Es war vorher schon klar, dass das Uran und die Strahlung eine große Gefahr darstellen. Aber in der Atomlobby geht es um
Macht und Geld. Aber jetzt, da in Japan der Super-GAU passiert ist, denkt
man anders. Atomkraftwerke sind nicht versicherbar.
Was sind Ihrer Meinung nach die besten erneuerbaren Energien?
Eigentlich alle. Man muss nur immer schauen, welche Energieform wohin
passt.
08.07.2011 – „Ist Atomstrom zukunftstüchtig?“
Das war die Frage von Herrn S., der als Lehrer an unserer Schule tätig ist
und uns als SPD-Vertreter besuchte. Er ist auch von seiner Meinung überzeugt:
Wo meinen Sie kommt die Energie her, wenn die AKWs abgeschaltet sind?
Von Wind-, Wasser-, Solarenergie können wir die erneuerbare Energie bekommen.
Werden die Atomkraftwerke jetzt alle abgeschaltet?
Ja, aber nicht alle auf einmal. Die sieben ältesten sind schon aus, und die
anderen werden bis zum 31.12.2022 abgeschaltet sein.
Warum klappt es nun so schnell mit dem Ausstieg?
Der Knackpunkt war erstens Russland, Tschernobyl, und zweitens Japan,
Fukushima.
Was sagen denn die AKW-Betreiber (E.ON, RWE, ENBW, Vattenfall) dazu?
RWE will gegen das Gesetz Klage einreichen. E.ON eigentlich auch, und der
Rest hält sich bis jetzt raus.
Meinen Sie es nützt etwas, wenn Deutschland die AKWs abschaltet?
Nein, denn es gibt weltweit mehr als 400 Atomkraftwerke, und deshalb
gibt es immer ein Restrisiko, aber irgendjemand muss ja anfangen.
14.07.2011 – „Unsere Entscheidungen betreffen nicht nur uns, sondern
auch die Generationen nach uns…“
Das waren die „letzten Worte“ von Herrn G., einem Philosophen. Er hielt
uns einen Vortrag über die Verantwortung unserer Taten im Bereich
Atomkraft. Die Ethikkommission beriet sich über den Atomausstieg. Die
Frage war, ob es sinnvoll ist, Geld als höchstes Vergleichskriterium zu
6. Anhang
73
nehmen. Er meinte, wir sollten auch umrechnen, wie man andere Kriterien
in Geldmaßstäben bemerken kann.
15.07.2011 – „Sicher und nicht sicher ist relativ“,
so Herr B. von der CSU. Er ist erster Vizepräsident des bayerischen Landtags und studierter Rechtsanwalt.
Herr B., woraus bezieht Bayern heute wesentlich den Strom?
Wir beziehen ihn hauptsächlich aus Kernkraft. Bayern war nach dem
2. Weltkrieg das ärmste Bundesland Deutschlands. Das änderte sich, als
Pipelines verlegt, die erste Raffinerie in Ingolstadt gebaut wurde, und eben
auch als Kernkraftwerke gebaut wurden. Durch den billigen Strom haben
wir bis heute einen Wettbewerbsvorteil.
Was passierte dann nach Tschernobyl? Das kann die Regierung doch nicht
einfach so kalt gelassen haben.
Naja, eigentlich schon ziemlich. Man hat beschlossen, die sicheren Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Später mussten die Kraftwerksbetreiber
dann Abgaben an den Staat zahlen, mit denen die erneuerbaren Energien
gefördert wurden.
Was passierte dann nach Fukushima?
Wir waren alle überzeugt, dass man das Restrisiko nicht mehr völlig ignorieren kann. Also haben wir beschlossen, die Atomkraftwerke auszuschalten, damit somit auch das Restrisiko vollkommen ausgeschaltet ist. Somit
haben wir einen Ausstieg aus der Kernenergie und, das ist die Hoffnung,
einen Umstieg auf eine vergleichsweise günstige Ersatzenergie. Wir hoffen,
bis 2022 vollkommen aus der Atomenergie ausgestiegen zu sein.
Wie war das noch mal mit dem Ausstieg vom Ausstieg?
Als Rot-Grün an die Macht kam, wurde ein Deal gemacht: Abschalten, allerdings kein kostspieliges Nachrüsten. Dann kam die CSU und mit ihr ein
neuer Deal: Verlängerung, aber Nachrüstung. Einziges Problem: Die Grünen haben Gorleben aufgegeben, in der Hoffnung, dass ihnen irgendetwas
zum Thema Endlager einfällt. Nun stehen die risikoreichen Brennstäbe in
„Wellblechhütten“ neben den Reaktoren. Die CSU lässt Gorleben wieder
erforschen und sucht weitere Endlager. Dabei stellt sich die Frage, ob man
ein Endlager für immer will, oder eins für erst mal 100-200 Jahre. Denn
6. Anhang
74
vielleicht sind bis dahin neue Techniken verfügbar, die den Müll unschädlich machen können.
Wie steht es mit der Kernfusionsenergie?
Bei dieser Energie wird der Kern nicht gespalten. Allerdings ist das, wenn
überhaupt, erst in ferner Zukunft möglich. Glücklicherweise entsteht dabei
nur eine sehr kurzlebige Radioaktivität von höchstens 20-30 Jahren. Diese
Energie ist aber auch unglaublich teuer in der Entwicklung.
18.07.2011 – „Service vor Ort“
Das ist das Motto der Stadtwerke FFB, deren Vertreter heute bei uns war.
Die Stadtwerke sind Regionalversorger mit Wasser, Strom und Fernwärme.
Sie sind Mitglied im Verein „Ziel 21“, der 2000 gegründet wurde. Das Ziel
dieser Organisation ist es, bis 2021 weg von Atomkraft und fossilen Energien zu kommen und erneuerbare Energien auszubauen. Die Stadtwerke
haben ein Netzgebiet von ca. 18000 Verbrauchern. Sie betreiben einen
Strommix mit z.B. einem Blockheizwerk (seit 1990).
21.07.2011
7:50h: Treffen vor der Schule
8:00h: Eigentlich sollte der Bus schon da sein!
8:05h: Der Bus ist endlich da! Auf geht’s zu Ohu! Jetzt geht’s los!
9:00h: Wir befinden uns gerade im Bus. Stille. Totenstille.
9:30h: Wir sind endlich da!
9:40h: Endlich haben wir das Infohäuschen gefunden!
Ab 9:50h bis 11:00h: Essen und Vortrag: (Zusammenfassung)
 Der Atomausstieg kostet sehr viele Arbeitsplätze
 Block 1: komplett abgeschaltet
 Block 2: momentan stillgelegt
 Brennelement-Wechsel findet jährlich statt
 Ursache für Japans Katastrophenserie waren kaputte Wasserpumpen
 Die Brennstäbe werden entweder ausgetauscht oder versetzt
 Dabei kommt keine Strahlung nach außen, da über ihnen ca. 9-12m
Wasser ist
6. Anhang
75
11:00h – 12:00h: Kraftwerksbesichtigung (von außen)
12:30h: Die Fahrt geht wieder los
13:00h: Wir sind endlich wieder in der Schule! Ab nach Hause!
27.07.2011 – „Wir schwimmen auf sehr dünnem Eis!“
Heute wurde viel diskutiert, z.B. über Eisbären und Touristen, die sich später als Terroristen entpuppten. Und dass 2012 die Welt untergehen soll,
deshalb ist sowieso schon alles egal. Uns wurde auch erklärt, dass wir die
Wissenden ausschalten müssen (was auch immer das bedeuten soll).
Wir erfuhren von Greenpeace, dass Atomkraft gefährlich ist und es deshalb niemand mehr versichern will. Es wurde darüber diskutiert, wohin der
Atommüll gebracht werden soll. Die Stromerzeuger berichten, dass es erforscht werden kann. Die Wissenschaftler meinten darauf, dass man sichere Endlager bauen kann und diese vor Terroristen schützen muss. Die
schwarz-gelbe Koalition gab zu bedenken, dass man keine Lager mehr
bräuchte, wenn man aussteigt. Daraufhin vergewisserten uns die Stromerzeuger, dass man die Atomkraftwerke nicht abschalten müsste, weil sie
sicher wären.
Die rot-grüne Opposition beschuldigte die Stromerzeuger, weil sie die
Atomkraft für sicher halten und sagten, „wenn ihr Forschung wollt, dann
könnt ihr das Geld selbst finanzieren“.
Greenpeace versicherte uns, dass die Sicherheit wichtiger ist als der Strom,
denn je näher ein Ort an einem Atomkraftwerk liegt, desto höher ist die
Radioaktivität.
Rot-Grün erklärte, dass uns andere Länder folgen würden, wenn wir den
Anfang mit dem Ausstieg machen würden.
Danach folgte eine heftige Diskussion über ein Endlager in der Antarktis,
und was dann mit den Eisbären passiert.
Als wir das Thema dann abgeschlossen hatten, fingen wir an, über die Sicherheit bei Flugzeugabstürzen zu reden. Es wurde behauptet, dass ein
deutsches Atomkraftwerk dies „überleben“ würde. Darauf meinte dann
Greenpeace, dass in Japan behauptet wurde, dass die Kraftwerke Tsunamisicher seien. Daraufhin versicherten uns die Stromerzeuger, dass beim Bau
„gepfuscht“ wurde.
6. Anhang
76
Es wurde berichtet, dass alle 10000 Jahre ein AKW in die Luft geht, somit
alle 25 Jahre bei weltweit 400 AKWs.
Eine Frage von M. trat auf, ob man denn eine Bombe in ein Atomkraftwerk
„schmuggeln“ kann. Die Stromerzeuger gaben uns ein klares „geht nicht“
als Antwort. Die Wissenschaftler erklärten uns, dass in Deutschland die
Atomkraftwerke sicherer sind als in Japan. Die Stromerzeuger konterten,
dass Atomkraftwerke grundsätzlich sicher sind und man sie weiter betreiben könnte.
Greenpeace blieb bei seiner Meinung: „Atomkraft ist schlecht“.
Der atomkraftbefürwortende Wissenschaftler teilte uns mit, dass Atomkraft umweltfreundlich ist.
Das war’s von uns! Schöne Ferien!!!   
Eure Presse
6. Anhang
6.7. Poster der Schülergruppen
77
6. Anhang
78
6. Anhang
79
6. Anhang
80
6.8. Zeitungsbericht über das Projekt
Im Fürstenfeldbrucker Tagblatt (Münchner Merkur) vom Freitag, den
29.7.2011, wurde im Lokalteil auf Seite 3 über das Projekt berichtet:
6. Anhang
81
6.9. Freitext-Antworten der Evaluationsfragebögen
Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Sprecher. Zum Beispiel:
Waren sie sympathisch, glaubwürdig, kompetent? Haben sie deine Meinung beeinflusst?
A. D. (Greenpeace):
A)
B)
C)
D)
(*) Glaubwürdig
(**) Sehr nützlich
(*) Hilfreich
Gut gegliedert, nett, verständlich – ging
fast auf alle Fragen ein
E) Er war sehr sympathisch, glaubwürdig,
kompetent. Seine Meinung hat mich
kaum beeinflusst.
F) Der Vortrag war aufschlussreich, interessant
G) Ganz gut – informativ
H) Sehr intelligent, hat aber auch viele Sachen ausgelassen oder anders interpretiert
I) Gut erklärt
J) Hat meine Meinung zu 85% bestätigt;
kompetent
K) Sehr informationsreich und spannend
L) Zu lang
M) Uninformativ, zu lang
N) Uninformativ, zu lang
O) Gut, sympathisch, glaubwürdig
P) Meinung nicht beeinflusst, übertrieben
Q) Uninformativ, zu lang
R) Sympathisch, glaubwürdig, kompetent,
Meinung etwas beeinflusst
S) Sympathisch, aber hat meine Meinung
nicht beeinflusst
T) Etwas zu übertrieben freundlich
U) Nicht glaubwürdig, informativ
V) Das Thema gut erläutert, glaubwürdig;
hat meine Meinung nicht verändert oder
verstärkt
W) Gut, das Thema sehr gut erläutert, sehr
glaubwürdig
X) Etwas „schwammig“
M. S. (SPD):
A)
B)
C)
D)
Sympathisch
Weil er ein Lehrer an der Schule ist, hat
sich keiner so richtig getraut – aber guter Vortrag
E) Er war sehr sympathisch, glaubwürdig,
kompetent. Seine Meinung hat mich
kaum beeinflusst.
F) Aufschlussreich, er war sympathisch
G) Informationsreich
H) (*) Informativ mit Standpunkt auf dem
man gut aufbauen konnte
I) (*) Spannend erzählt
J) (**) Bestätigung meiner Meinung. Sehr
glaubwürdig.
K) (*) Sehr hilfreich und interessant
L) M) Wenig Informationen
N) Wenig Informationen
O) Gut, sympathisch
P) Freundlich
Q) Wenig Informationen
R) Sympathisch, glaubwürdig, kompetent
S) Ein bisschen schwammig, aber interessant / Meinung nicht beeinflusst
T) Sehr gute Ausführung
U) Glaubwürdig, Meinung ebenfalls ein
wenig beeinflusst
V) Sympathisch, kompetent; hat meine
Meinung noch verstärkt
W) Okay, kompetent
X) Sympathisch, glaubwürdig
6. Anhang
R. B. (CSU):
A)
B)
C)
D)
Ich war da nicht da
Bester Vortrag – überzeugend, nett, lustig
E) Er war sehr sympathisch, glaubwürdig,
kompetent. Seine Meinung hat mich
kaum beeinflusst.
F) G) Hat sich immer rausgeredet
H) Überzeugend, konnte alles kontern, der
beste Besuch
I) J) Glaubwürdig, kompetent
K) L) (*) Informativ
M) (*) N) (*) O) (*) P) Q) R) S) Ein bisschen schwammig, aber interessant / Meinung nicht beeinflusst
T) U) –
V) Einigermaßen glaubwürdig; das Thema
gut erläutert
W) Hat sehr gut die Meinung vertreten und
Probleme geklärt
X) Glaubwürdig
82
J. G. (Ethik):
A)
B)
C)
D)
E)
Sympathisch
Ich war da nicht da
Eher nicht so hilfreich
Kompliziert, aber verständlich
Er war kompetent, aber seine Glaubwürdigkeit verlor er in meinen Augen
durch das ständige Grinsen.
F) Nicht so viel Info als andere
G) Dauergrinser :D
H) Schön das Thema von einer Seite zu sehen mit wichtigen Informationen
I) Fand ich ziemlich sinnlos
J) Kompetent, glaubwürdig, hilfreich
K) Zeigte alles aus einem anderen Blickwinkel
L) M) N) O) P) Meinung beeinflusst
Q) R) S) Interessant, kompetent / Meinung beeinflusst
T) U) –
V) Nicht sehr überzeugend, etwas langweilig
W) Nicht sehr glaubwürdig und etwas langweilig
X) „Schwammig“
6. Anhang
A. W. (Stadtwerke FFB):
A)
B)
C)
D)
E)
Langweilig
Fand ich nicht sehr gut
War glaubwürdig, kompetent und meiner Meinung nach auch sehr interessiert
an unserem Projekt
F) G) Ganz gut
H) Wichtig für unser Thema [Gruppe: rotgrün], Vortrag war nicht so interessant
I) J) Kompetent, nicht 100% zum Thema gepasst
K) Nicht besonders informativ
L) Präsentation war gut, er etwas unbeholfen
M) Unsympathisch, unglaubwürdig, inkompetent
N) Gute Präsentation, unbeholfen
O) Gut
P) Q) Gute Präsentation, ein bisschen unbeholfen
R) Kompetent, Meinung kaum beeinflusst
S) (**) Überzeugend, aber langweilig /
Meinung nicht beeinflusst
T) (*) Zu lang und zu gelangweilt vorgetragen
U) (*) –
V) Langweilig und zu viele Daten und Fakten
W) Hat nicht viel Neues erwähnt
X) Zu viele Fachausdrücke
83
AKW Isar (Exkursion):
A)
B)
C)
D)
Eher langweilig
Viel zu lang – hab mir eigentlich was anderes unter dem Ausflug vorgestellt
E) Sehr interessant
F) Vortrag war zu lang
G) Ich wollte in das Kraftwerk und nicht ein
Gelaber anhören als Gegner
H) Zu lang, aber interessant
I) Sie haben mir bewusst gemacht, dass
ein Ausstieg Zeit und Geld benötigt
J) Glaubwürdig; ein zu langer Vortrag
K) Sehr interessant und umfangreich
L) Sehr guter Vortrag, sehr informativ
M) Guter Vortrag
N) Sehr guter Vortrag, mit Abstand das Beste!!
O) Hätte mehr vom AKW sehen wollen
P) Gut
Q) Ein bisschen langer Vortrag, informativ,
interessant
R) Glaubwürdig, kompetent, Meinung gestärkt
S) (**) Sehr interessant und überzeugend /
Meinung beeinflusst
T) (*) Sehr interessant, zu kurz
U) (*) Sympathisch, einigermaßen glaubwürdig, hat Meinung ein wenig beeinflusst
V) Interessant, hat meine Meinung etwas
zum Wanken gebracht
W) Sehr gut, nur leider nur von außen (im
Bus) betrachten dürfen
X) Zu viele Fachausdrücke, sonst ok
6. Anhang
Was war dein Gesamteindruck von der
Podiumsdiskussion?
84
Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die
Beiträge der verschiedenen Diskussionsteilnehmer. Zum Beispiel: Waren sie gut vorbeA) Passt schon
reitet? Haben sie viele Argumente beigetraB) (**) Lustig
gen? Wer war für dich am überzeugendsten?
C) Die Leute sind bei ihren Meinungen geWarum?
blieben. Es war lustig.
D) Klasse Idee, lustig
Sabrina (Greenpeace):
E) Teilweise chaotisch, aber auch lustig und
A) (*) Sie war ganz gut vorbereitet, hat aber
informativ
wenig gesagt
F) Ich war krank
B) (**) G) Informativ und sehr gut
C) (*) Gut vorbereitet, viele gute ArgumenH) Super Idee, die Schüler waren gut vorbete
reitet, !hastig!
D) Zurückhaltend, aber gute Argumente
I) Besser als erwartet
E) Hatte nur mittelviele Beiträge
J) Super, hat Spaß gemacht
F) K) Ziemlich umfangreich und spannend
G) Gut - zurückhaltend
L) Durcheinander, wenig Führung durch
H) Nicht viel geäußert, im Hintergrund
Presse [Diskussionsleitung]
I) M) Durcheinander, kaum Führung durch
J) Zu zurückhaltend
Moderator
K) Redete nicht allzuviel, aber dafür sinnN) Durcheinander, wenig Führung durch
volle Dinge
Moderator
L) Wenig Anteilnahme
O) Etwas lang, aber sonst gut.
M) Wenig Anteilnahme
P) War nicht da
N) Zu wenig Anteilnahme!
Q) Durcheinander, wenig Führung durch
O) Moderator
P) R) (**) Gelungen!
Q) Zu wenig Anteilnahme
S) (**) Die Podiumsdiskussion war sehr inR) Enthaltung
teressant, hat viel Spaß gemacht, aber
S) War gut vorbereitet, hat aber wenig Arich hatten den Eindruck, das Publikum
gumente vorgebracht
hat halb geschlafen
T) T) U) U) Na ja, ziemlich viele ThemaabweichunV) gen
W) Überzeugt, gut vorbereitet
V) Ich war nicht da
X) Gut vorbereitet, mittelviele Argumente
W) Lustig, überzeugend, einfach gut
X) (**) Lustig
6. Anhang
85
Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Diskussionsteilnehmer.
Zum Beispiel: Waren sie gut vorbereitet? Haben sie viele Argumente beigetragen? Wer war
für dich am überzeugendsten? Warum?
Andi R. (Wissenschaftler contra):
A) Hat viel gesagt (auch nicht so gute Sachen), war am überzeugensten
B) Gute Argumente
C) Gute Argumente, konnte gut diskutieren, ist teilweise vom Thema abgekommen
D) (**) – bin ich –
E) (*) War sehr bemüht, hat aber oft vom
Thema abgeschweift
F) (*) G) (*) Nur Scheiße geredet
H) Bemühte sich viel die Argumente zu widerlegen, aber zu unsachlich
I) J) Ist oft vom Thema abgewichen
K) Schweifte oft vom Thema ab und redete
manchmal ein paar sinnlose Sätze, aber
war sonst sehr gut
L) Sehr viele Argumente, unsachlich
M) Unsachlich, unrealistisch
N) Unsachlich, unrealistische Argumente!
O) Bisschen zu viel nachgefragt, sonst viele
Argumente
P) Q) Unsachlich, unrealistische Argumente
R) Enthaltung
S) Hatte ein Argument, und immer weiter
mit einem Argument genervt
T) U) V) W) Sehr überzeugend, sehr gut vorbereitet,
gute Argumente
X) Am überzeugensten, gut vorbereitet
Sebastian (rot-grün):
A) War auch ganz gut vorbereitet und hat
nicht so viel gesagt
B) Zurückgehalten
C) Gute Argumente
D) Unverständlich – an manchen Stellen
E) War sehr bemüht, hat aber oft vom
Thema abgeschweift
F) G) Ja… ging
H) (*) Sehr gute Argumente, immer höflich
und ruhig
I) (*) Rot-Grün hat am besten gearbeitet
J) (**) Der beste Teilnehmer (weil ich es
bin)
K) (*) Hat sich sehr gut eingesetzt
L) Schlagfertig
M) Schlagfertig
N) Schlagfertig mit guten Argumenten
O) P) Q) Schlagfertig, gute Argumente
R) Enthaltung
S) Falsche Daten, unglaubwürdig, aber
nicht sehr überzeugend
T) U) V) W) Gute Argumente
X) Überzeugt, gut vorbereitet
6. Anhang
86
Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Diskussionsteilnehmer.
Zum Beispiel: Waren sie gut vorbereitet? Haben sie viele Argumente beigetragen? Wer war
für dich am überzeugendsten? Warum?
Maria (Presse):
A)
B)
C)
D)
E)
Ganz gut
Kam gar nicht zu Wort
Gut vorbereitet
Hat selbst mehr diskutiert als moderiert
Hatte die Diskussion teilweise nicht unter Kontrolle
F) G) Ganz gut
H) Fehlte die Durchsetzungskraft, leitete
die Diskussion nicht
I) Gute Berichte / zur Diskussion wenig
beigetragen
J) Nicht durchsetzungsfähig genug
K) Sehr gut und hat gut moderiert
L) Zu wenig Moderation, zu leise
M) Zu wenig Führung, zu leise
N) Zu wenig Moderation
O) Gut vorbereitet
P) Q) Zu wenig Moderation, zu leise
R) Enthaltung
S) Wenig durchgesetzt, aber keinen Mist
beigetragen
T) U) Zu wenig Moderation, zu leise geredet
V) (*) W) (*) Moderation untergegangen, sehr leise
X) (**) -
Martin (schwarz-gelb):
A) War nicht so gut vorbereitet, hat wenig
gesagt
B) Auch zurückgehalten
C) Nicht sehr viel geredet
D) Unvorbereitet, aber gut gekontert
E) Hat nur selten was gesagt
F) G) Unwissend – Argumente frei aufgegriffen
H) Schlecht, hatte keine Ahnung vom Thema
I) Klang nicht sehr vorbereitet
J) Hat kaum teilgenommen
K) Hat sich sehr gut eingesetzt
L) (*) Eher wenig gesprochen, aber gute
Argumente
M) (*) Gute Argumente
N) (*) Wenige, aber qualitativ gute Argumente
O) (*) Sehr gut, gute Argumente
P) Q) Wenige, aber gute Argumente
R) Enthaltung
S) Hatte keine Ahnung, wenn er was sagen
sollte, hat er Fragen von anderen wiederholt
T) U) V) W) Nicht viele Argumente, nicht gut vorbereitet
X) Nun ja
6. Anhang
87
Bitte gib eine kurze Bewertung ab für die Beiträge der verschiedenen Diskussionsteilnehmer.
Zum Beispiel: Waren sie gut vorbereitet? Haben sie viele Argumente beigetragen? Wer war
für dich am überzeugendsten? Warum?
Andi N. (Wissenschaftler pro):
A) War nicht so überzeugend, hatte aber
viele Argumente
B) Keine guten Argumente
C) Teilweise gute Argumente, trotzdem
nicht überzeugend
D) Unverständlich – komisch
E) Hat kaum was gesagt
F) G) Uneinsehbar [uneinsichtig]
H) Verstand das Thema, hatte aber keine
überzeugenden Argumente
I) Haben ihre Stellung gut gehalten
J) War voll dabei
K) Gut eingesetzt und wusste gute Argumente
L) Immer gleiche Argumente
M) Immer das gleiche
N) Immer die gleichen Argumente
O) Gut vorbereitet
P) (*) Q) (*) Immer die gleichen Argumente
R) (**) Enthaltung
S) Gut vorbereitet, recht überzeugend,
aber nicht durchsetzungsfähig
T) U) V) W) Ging so
X) Vorbereitet
Emily (Stromerzeuger):
A) War ebenfalls nicht so überzeugend,
hatte wenig Argumente
B) War nicht zu Kompromissen bereit,
ziemlich einseitiger Blickwinkel
C) Nicht sehr überzeugend, keine guten Argumente
D) Gute Argumente waren nicht dabei –
behauptet etwas ohne Beweise
E) Hatte keine guten Argumente
F) G) Für mich Schmarrn, was sie aufzählte
H) Sagte fast nichts, verneinte nur und
wusste keine Fakten
I) Haben ihre Stellung gut gehalten
J) Hat auch nicht nachvollziehbare Behauptungen aufgestellt
K) Einigermaßen gut
L) Wenig Anteilnahme
M) Zu wenig Argumente
N) Zu wenig Anteilnahme!
O) Eher zurückgehalten
P) Q) Zu wenig Anteilnahme
R) Enthaltung
S) (**) Sup Gut vorbereitet
T) (*) U) (*) V) W) Sehr verbissen in ihre Meinung
X) Gut vorbereitet
6. Anhang
In welchen Schulfächern wurden heuer
Themen behandelt, die mit dem Projekt
zu tun haben? Um welches Thema
handelte es sich jeweils?
A) Kernspaltung (Chemie)
B) Chemie – Kernspaltung / Deutsch – Debatte
C) Physik, Deutsch (Debatte), Chemie
(Kernenergie)
D) Nach dem Unfall in Japan haben wir in
fast jedem Fach darüber geredet
E) Physik, Deutsch (Vorbereitung auf die
Diskussion), Chemie (chemischer Vorgang)
F) In Deutsch Debatten besprochen
G) In Deutsch ein wenig
H) In Chemie mit den Vorgängen einer
Kernspaltung
I) Nach Japan wurde es in jedem Fach kurz
angesprochen
J) Chemie (Atomkraft, Strahlung), Physik
(Atomkraft, Energie)
K) Deutsch – Debattieren, Chemie – …
L) D: Podiumsdiskussion
M) N) O) P) Q) R) Physik
S) Chemie (Aufbau von AKW und Funktionsweise), Deutsch (Fukushima)
T) U) Deutsch: Diskussion
V) Chemie (wie funktioniert ein AKW),
Deutsch (was passiert gerade in Japan?)
W) Deutsch: Vorbereitung auf Diskussion /
Chemie: Erläuterung der Brennstäbe
X) Deutsch (Debatte), Chemie (Kernenergie)
88
Nenne je bis zu 3 Argumente pro/contra Kernenergie, die du erst während des Projektes kennengelernt hast bzw. jetzt unter völlig neuem Licht siehst:
A) Uran ist schwer zu beschaffen / die Kosten
werden von Polizeischutz gezahlt
B) Umwelt (CO2-Ausstoß), Risiko, Energiegewinnung
C) Contra: Für Kosten kommen Steuerzahler auf
D) Gefahr / Schaden / Endlager // Sicherheit /
Nutzen / Leistung
E) Das Tiersterben / die illegalen Entsorgungen /
die erhöhte Krankheit im Umkreis eines AKWs
F) Pro: Manche AKWs auch sicher vor Flugzeugabstürzen / Contra: Manche auch nicht davor
sicher
G) Contra: Flugzeugabsturz / Pro: Castoren sehr
sicher / Contra: Einstellen der Forschung des
Endlagers
H) Die Leukämierate ist erhöht bei Atomkraftwerken / habe sonst alle Argumente gekannt
I) Pro: billig Strom / regelbar / immer da // Contra: Endlager / Erneuerbare Energien
J) Pro: hohe Sicherheitsstandards, große Leistung, finanztechnisch sinnvoll / Contra: Endlager, Terroranschläge, Atomstrom nicht CO2neutral
K) Tiersterben, illegale Entsorgung, Krankheiten
L) Kannte schon die, die genannt wurden
M) N) Kannte schon alle, die genannt wurden
O) P) Pro: mehr Strom, billiger Strom, kein CO2 /
Contra: Lagerung…
Q) Kannte schon alle, die genannt wurden
R) Unabhängig / sicherer als Ausland / leistungsstark // Atommüll / Restrisiko
S) Uran aus wirtschaftlich stabilen Ländern /
AKWs sind sicher
T) U) Nicht sicher / sicher / Atommüllendlagerung
nicht sicher
V) Das Endlagerproblem (contra) / billigster Strom
(pro) / Gefahr für die Bevölkerung (contra) /
umweltfreundlich (pro) / Gefahr vor Anschlägen -> sichere (contra)
W) Contra: Tiere sterben / Sicherheit wichtiger als
Strom / Lageproblem // Pro: billiger Strom /
nicht gefährlich / umweltfreundlich
X) Im Umkreis von AKWs ist Leukämieerkrankung
größer / Stromerzeuger sollen Erforschung von
Gorleben etc. bezahlen / „Touristen“ können
Flugzeug entführen [amüsanter Versprecher
von Andi R. in Podiumsdiskussion]
6. Anhang
89
Wenn ich Bundeskanzler/in wäre, würde ich Wenn ich Chef von E.ON wäre, würde ich
A) Atomkraftwerke abschalten
B) auf erneuerbare Energiequellen zurückgreifen
C) D) ein Endlager suchen und weiter forschen
(Gorleben)
E) bis 2022 von AKWs loskommen wollen
F) G) AKWs abschalten
H) die Atomkraft absetzen bis 2019, weil
dies das realistische Ziel ist
I) für den sicheren Ausstieg sorgen
J) den jetzigen Ausstieg durchsetzen
K) bis 2020 auf erneuerbare Energien umsteigen
L) Förderung der erneuerbaren Energien
M) AKWs früher abschalten
N) AKWs früher abschalten
O) eine Volksabstimmung machen über
Atomausstieg
P) mehr AKWs bauen
Q) die AKWs früher abschalten und die erneuerbaren Energien fördern
R) G8 abschaffen
S) Menschen pro/contra von AKWs aufzeugen und auf Entscheidung warten
T) AKWs abschalten
U) einen Ausstieg bis 2022 fordern (gibt es
schon)
V) mich mehr mit dem Thema auseinandersetzen
W) dafür sorgen, dass der Ausstieg schneller
geht und früher eintrifft und mehr erneuerbare Energie einsetzen
X) aus der Atomkraft so schnell wie möglich aussteigen
A) versuchen, durch andere Energien zu
profitieren
B) alle AKWs abschalten und mit meinen
Millionen Wind[kraftwerke] bauen
C) D) mich raushalten
E) die Politik verklagen
F) Solarpark / Windräder bauen
G) AKWs weiterlaufen lassen
H) möglichst lange die Atomkraft erhalten
und mit dem Überschuss erneuerbare
Energie finanzieren
I) auf erneuerbare Energien setzen
J) einen späteren Ausstieg wünschen
K) AKWs möglichst schnell abschalten
L) mehr in Forschung investieren (Kernfusion), nicht klagen
M) mich aufregen, dass die AKWs abgeschaltet werden
N) mich wegen der Abschaltung total aufregen!!
O) trotzdem für AKWs sprechen
P) AKWs bauen
Q) den Strom billiger und sicherer erzeugen
(erneuerbar)
R) in regenerative Energien investieren,
Endlager erforschen
S) allen versuchen zu zeugen, dass Atomkraft sicher ist (z.B. Film)
T) billiger werden
U) langsam auf erneuerbare Energien setzen
V) mir überlegen, ob ich nicht doch auf die
Restbevölkerung hören sollte
W) mir Sorgen machen um meinen Job
X) auf erneuerbare Energien setzen anstatt
auf AKWs
Wenn ich von daheim ausgezogen bin und L) eine eigene Wohnung habe, werde ich
M) N) darin wohnen
A) O) Energiesparlampen haben
B) weiterhin Strom verbrauchen
P) …
C) Q) darin wohnen
D) mich raushalten
R) dort wohnen
E) versuchen, Strom zu sparen
S) weiß nicht
F) erneuerbare Energie nutzen
T) dort wohnen
G) Solar[energie] nutzen
U) in einer eigenen Wohnung wohnen
H) mir ein klimafreundliches Haus bauen
V) mir Solarzellen aufs Dach bauen
I) Solarzellen anbringen
W) Solar[zellen] aufs Dach tun, Strom spaJ) versuchen, stromsparend zu leben
ren (Sparlampen)
K) Solarenergien, Strom allgemein sparen
X) Strom sparen
6. Anhang
Am besten gefallen hat mir:
A)
B)
C)
D)
E)
F)
G)
H)
Wissenschaftler contra
die Exkursion
die Arbeit in den Computerräumen
die Idee und die Umsetzung
die Exkursion
kein Unterricht und sehr spannend
die Zusammenarbeit in der Gruppe [rotgrün] und der Spaß, außerdem dass man
das Projekt in der Schule erledigte.
I) dass wir oft im Computerraum waren
und uns deshalb daheim nicht so vorbereiten mussten
J) die Exkursion
K) Ausflug ins AKW und die Diskussion
L) Exkursion
M) N) die Exkusion
O) P) Führung
Q) Exkursion
R) Ausflug
S) Das Projekt hat viel Spaß gemacht
T) AKW Ausflug
U) die Exkursion
V) das Projekt im Allgemeinen
W) die Diskussion, sie war sehr lustig und
das Beste; allgemein aber sehr gut
X) Gruppenarbeit
90
Am schlechtesten gefallen hat mir:
A)
B)
C)
D)
E)
F)
G)
Wissenschaftler pro
der Stadtwerkevertreter
der Vortrag im Atomkraftwerk
der Ausflug
Diskussion wurde ins Lächerliche gezogen
H) dass Schüler Schmarrn gemacht haben
I) Sie hätten uns am Anfang ein bisschen
mehr erklären sollen, was Sie mit dem
Projekt überhaupt meinen (Aufbau)
J) der Fragebogen der Presse
K) die Vorbereitung, da man so viel machen
musste
L) M) N) O) P) Die AKWs werden abgeschafft
Q) R) S) schwere Schulaufgabe
T) Stadtwerke Vortrag
U) die Einteilung der Gruppen [Stromerzeuger]
V) die schwere Schulaufgabe
W) der G. (langweilig)
X) Vortrag von A. D.
Anders machen würde ich:
M) N) mehr Gruppenarbeit
O) P) Q) R) S) T) U) V) bei Exkursion, wenn möglich auch in den
Reaktor gehen
W) X) -
A)
B)
C)
D)
E)
F)
G)
H)
I)
mehr AKWs bauen (sicherer)
Schulaufgabenfragen anders fragen
die Einteilung der Gruppen [Stromerzeuger]
J) K) nichts
L) nichts