Das Ende des Blindflugs
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Das Ende des Blindflugs
PROFI ELEKTRONIKAcht Parallelfahrhilfen im profi-Test: Das Ende des Blindflugs G eradeaus fahren mag für einen geübten Schlepperfahrer noch eins der geringeren Probleme sein. Doch was macht er im hügeligen Gelände oder bei Nacht, wenn eine Spur gerade und in richtigem Abstand sein soll? – Hierbei kann er jetzt die Satelliten-Navigation nutzen. Acht ParallelfahrSysteme sind derzeit auf dem deutschen Markt: ■ Parallel Tracking System von John Deere, ■ Swath XL von LH-Agro, ■ GPS Guidance von Outback, ■ Tracs Palm Data Logger von Racal, ■ Marker von RDS, ■ PalmNav von Satcon, ■ LB-5 Smartbar von Starlink und ■ AgGPS Parallel Swathing von Trimble. Die meisten Systeme verwenden eine Leiste mit farbigen Leuchtdioden, die entweder auf der Motorhaube oder über dem Armaturenbrett montiert wird. John Deere nutzt den Monitor seines Greenstar-Bordcomputers. Satcon hat eine Navigationshilfe für den Palm-Rechner entwickelt. Auch RDS verwendet einen LCD-Bildschirm. Dieser ist mit acht Zoll verhältnismäßig groß und hat für die Richtungsorientierung perspektivische Linien hinterlegt. Bis auf das System von Satcon arbeiten alle Parallelfahrhilfen mit einem Korrektursignal über Im Blindflug und mit minimaler Überlappung über das Feld - das ist kein Traum mehr. Die getesteten Systeme erlauben das, mit unterschiedlichen Genauigkeiten. Ohne Fahrgassen erfordert das Anschlussfahren vom Fahrer viel Konzentration. Deshalb wird beim Düngen, beim Pflanzenschutz im Vorauflauf oder mit breiten Ackergeräten meist zu stark überlappt. Doch damit kann Schluss sein, wenn Sie eine satellitengeführte Parallelfahrhilfe einsetzen. In einem Vergleichstest haben die profi-Redakteure Dr. Anja Böhrnsen und Wilfried Holtmann acht solche Systeme geprüft. Satellit oder Küstenfunk, um eine höhere Genauigkeit für das Positionssignal zu erreichen. Dies schlägt sich dann auch in einem deutlich höheren Preis nieder: Das PalmNav von Satcon ist mit Abstand die kostengünstigste Navigationshilfe. Beachten sollten Sie beim Preisvergleich die Zusatzfunktionen. Denn die meisten unterstützen nicht nur das Fahren parallel zu geraden Spuren, sondern auch parallel zu gebogenen Linien. Nützlich ist außerdem die Funktion „Markierungspunkt setzen“. Diese unsichtbaren „Pfähle“ können Sie später mit der GPS-Ortung und der Positionsanzeige wiederfinden, wenn Ihnen auf dem Feld die Spritzbrühe ausgeht. Einige Systeme können darüber hinaus auch die gefahrenen Spuren zusammen mit zusätzlichen Informationen (wie z.B. ausgebrachte Düngermenge) zur Dokumentation speichern. Bei unserem Vergleich der Parallelfahrhilfen haben wir nur das Parallelfahren und das Wenden bei Tag und bei Nacht getestet. Dazu hatten wir die acht Parallelfahrhilfen auf unterschiedlichen landwirtschaftlichen Fahrzeugen aufgebaut. Sehr gute Noten erhielt bei unserem Genauigkeitstest das System von John Deere. Das Navigieren mit GPS-Ortung gelang uns als Testfahrer so gut, dass alle Messwerte nicht mehr als 50 cm nach links oder rechts von der Ideallinie abwichen. Die Hälfte der gemessenen Abweichungen war sogar kleiner als 15 cm. Um einiges größer war die Bandbreite der Abweichungen bei LH-Agro, Starlink und Trimble. Diese haben wir aber immer noch mit gut bewertet, weil bei der Hälfte aller Messwerte der Ver- So haben wir getestet: Parallelfahrhilfen bei Licht und Dunkelheit Die GPS/DGPS-Antennen der Systeme befestigten wir mittig auf dem Schlepperdach oder dem Einspülbehälter der Spritzen. Als Arbeitsbreite bei unseren Messungen wählten wir zehn Meter. Alle Einstellungen, welche die Empfindlichkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit der Anzeige beeinflussen, änderten wir in der Regel nicht, sondern ließen sie so wie vom Hersteller empfohlen. Um herauszufinden, wie genau die Systeme arbeiten, mussten wir den Abstand zwischen den Fahrspuren messen. Dazu haben wir mit zwei Testfahrern in einen frisch geeggten Acker jeweils sechs sichtbare Spuren hineingefahren. Dabei nutzten wir jeweils die erste Spur, um die Anfangs- und Endpunkte mit den Systemen zu erfassen, durch welche die Navigationshilfen dann automatisch eine imaginäre Gerade legen. Parallel zu dieser ersten Geraden wurde anschließend navigiert. Gemessen haben wir vier Fahrgassenabstände (zwischen der zweiten und der sechsten Spur) an jeweils vier Messpunkten, sodass wir pro System 32 Messwerte für die Auswertung hatten. Aus den Messwerten berechneten wir die Differenzen zur 10-m-Sollspur. Eine negative Differenz bedeutet eine satz mit Überlappung der Arbeitsbreite (negative Abweichung) nicht oder nur selten größer als 50 cm war und die unbehandelten Streifen (positive Abweichung) hier in der Regel deutlich schmaler ausfielen. Total durchgefallen ist keins der Systeme, auch wenn die Abweichungen bei den Systemen von Outback, Racal, RDS und Satcon teilweise schon erheblich waren. Beim RDS-„Marker“ hatten wir Probleme, das Egnos-Korrektursignal durchgehend zu empfangen. Stattdessen holte sich der Empfänger die Daten von einem der amerikanischen WAAS-Satelliten. Diese sind wegen der auf Nordamerika ausgerichteten Konstellation der Satelliten in Europa weniger präzise. Deshalb sprang der Monitor zwischen durch auch immer wieder auf Alarm, was uns fast zur Verzweifelung brachte. Leider konnten wir den Status des GPS- und des DGPS-Signals nicht über das Arbeitsmenü abrufen. Dafür muss man beim Start des Rechners in den Konfigurationsmodus Genauigkeit der Parallelfahrhilfen Outback und RDS schnitten wegen Problemen mit dem Korrektursignal nicht so gut ab. Grafik: Tovornik Überlappung z.B. beim Düngen oder Spritzen, eine positive Differenz hätte einen unbehandelten Streifen zur Folge. Um die Messwerte deuten zu können, bestimmten wir die maximalen Abweichungen (nach rechts und links), den mittleren Wert und den mittleren wechseln, wofür man drei Hände braucht. Ähnlich erging es uns auch mit dem Outback-System. Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir unsere Messungen durchführten, war offenbar die Omnistar-Satellitenkorrektur nicht freigeschaltet. Zumindest bekamen wir mit dem Gerät keinen Empfang auf der entsprechenden Frequenz. Deshalb wechselten wir in den WAAS-Modus, im festen Glauben, wir könnten darüber den europäischen Egnos-Satelliten empfangen. Diese beiden Parallelfahrhilfen haben wir trotz schlechterer Messwerte bei unserem Genauigkeitstest noch mit einer „0“ (durchschnittlich) beurteilt. Das Satcon-System ist nur für geübte und konzentrierte Fahrer geeignet, die auch ohne Navigationshilfe gut geradeaus fahren und den Abstand zur letzten Spur schätzen können. Denn erstens werden Schlenker in der ersten Spur gnadenlos bis zur letzten Spur weitergereicht. Zweitens ist die Anprofi 111 Nr. 12/01 Bereich mit 50 Prozent aller Spurabweichungen. Die Ergebisse sind in der Grafik dargestellt. Soweit unsere Versuche bei Tageslicht. Da der Fahrer am Tag noch genügend Orientierungspunkte in der Landschaft findet, braucht er sich nicht vollständig auf die Satelliten-Navigationshilfe verlassen – soll er auch gar nicht. Wie groß die Hilfe durch ein solches Parallelfahrsystem wirklich ist, findet man aber nur heraus, wenn man ausschließlich nach der Anzeige fährt. Und das geht am besten bei Dunkelheit. Aufgabe für die zwei Fahrer war bei unserem Nacht-Versuch, nach dem Setzen der Anfangs- und Endpunkte die Scheinwerfer am Fahrzeug auszuschalten, bei Dunkelheit zu wenden und mit Hilfe der Anzeige in der zweiten Spur parallel zur ersten geradeaus zu fahren. zeige so klein und das GPS mit einem Hertz so träge, dass man sich darauf nicht ausschließlich verlassen kann. Man braucht also unbedingt weitere Orientierungsmöglichkeiten, wie noch vorhandene Stoppeln oder Bäume am Feldrand. Dies zeigte auch unser Nachtfahrtest sehr deutlich. Mit der kleinen Palm-Anzeige hatten wir im Dunkeln keine Chance, dort anzukommen, wo wir eigentlich hätten ankommen sollen. Die zwei Testfahrer fuhren mit hochkonzentriertem Blick auf das Display nur noch in Schlangenlinien über den Acker. Ebenfalls sehr anstrengend war in der Nacht das Navigieren mit dem John Deere-System, das am rechten B-Holm der Kabine platziert war. Man musste den Kopf ständig nach rechts drehen, was dazu führte, dass unsere Lenkeinschläge für die Richtungskorrektur meist viel zu hektisch und zu groß waren. Deutlich besser geeignet sind bei Nachteinsätzen die Lichtleisten mit Leuchtdioden, PROFI ELEKTRONIKwobei es hier Geschmackssache ist, ob diese in der großen Ausführung auf der Motorhaube oder als kleine Variante über dem Armaturenbrett sitzt. Wichtig für die Orientierung ist aber eine Anzeige für die aktuelle Fahrgassennummer, und sehr hilfreich ist auch, wenn beim Wenden die Entfernung zur nächsten Fahrgasse in Metern und Zentimetern abzulesen ist. Damit man die Anzeige an alle Lichtverhältnisse anpassen kann, muss man die Lichtstärke dimmen können. Dies war bei allen Systemen möglich. Jedoch sind bei LHAgro die Leuchtdioden nachts auch in der dunkelsten Stufe noch zu grell. Gut gelöst ist das Dimmen der Anzeige bei John Deere und bei Starlink. Hier kann während der Fahrt per Tastendruck ohne Blättern in irgendwelchen Untermenüs die Anzeige heller oder dunkler eingestellt werden. Das Wenden nach Anzeige ist etwas gewöhnungsbedürftig, klappte dann aber mit der Lichtleiste von Trimble und dem John Deere System sehr gut. Bei Trimble muss der Fahrer mit dem Hineinlenken in die nächste Fahrgasse beginnen, sobald der Fahrgassenzähler die nächste Spur anzeigt. Die Leuchtdioden wandern dann vom Rand in die Mitte, bis die korrekte Position wieder erreicht ist. Bei John Deere wechselt die Anzeige in den Wendemodus und zeigt eine sich drehende Gerade und einen kleinen Schlepper, der das Ziel, die nächste Fahrgasse darstellt. Hat man dieses kleine Schleppersysmbol erreicht, springt die Anzeige wieder in den Parallelfahrmodus. Gerade beim Wenden ist es wichtig, dass die Anzeige nicht zu träge ist, weil man sonst leicht an der nächsten Spur vorbei fährt. Andererseits irritiert eine zu hektisch reagierende Anzeige den Fahrer. Die Reaktionsempfindlichkeit kann man durch geschickte Wahl der Antennenposi- tion auf dem Schlepperdach beeinflussen: Befindet sich diese vor (oder nahe) der Schleppervorderachse, reagiert das System sehr sensibel auf Lenkeinschläge. Bei weiter hinten angebrachter Antenne zeigt die Anzeige einen Fahrfehler erst später an. In den Konfigurationsmenüs der Systeme kann man außerdem die Stufenbreite für die Leuchtdioden bzw. das Anzeigeraster (bei RDS) festlegen. Wir hatten diese auf 50 Zentimeter eingestellt. Ein weiterer Trick ist, eine Voreilung anzugeben, also gewissermaßen die Antenne virtuell nach vorne zu verlegen, ohne die Position auf dem Dach dabei verändern zu müssen. Eine solche „look ahead“-Funktion in Sekunden bieten LH-Agro und Trimble. Bei John Deere kann man den Abstand der Antenne zur Lenkachse in Zentimetern eingeben. Outback gibt drei Stufen für die Sensibilität der Anzeige vor. Wie wir in diesem Praxistest feststellten, Technische Daten im Vergleich Parallelfahrhilfen mit Satellitennavigation Preis *)/DGPSJahresgebühr Parallelfahren, Signalton, fünf 16 000 DM/ Ausgangsspuren speichern, Fläche 2 200 DM berechnen, Spuren zählen, Marker setzen LH-Agro: Große Lichtleiste mit farbigen Handterminal mit Funktions- externer 5-Hz-Empfänger, Parallelfahren, Konturfahren Swath XL 2.10 Leuchtdioden, Montage über dem tasten und LCD-Anzeige (s/w), Landstar-Satellitenkorrektur (z.B. Vorgewende oder Kreisregner) 13 900 DM/ Armaturenbrett PCMCIA-Speicherkarte Spuren speichern, Alarmmeldungen 1 600 DM anzeigen, Spuren zählen Outback: Outback's Farbige Leuchtdioden im Bedien- Funktionstasten und zwei 5-Hz-Empfänger in der Parallelfahren, Konturfahren, 8 700 DM/ GPS Guidance computer integriert, Montage mit Zeilen LCD-Anzeige (s/w) Antenne integriert, Omni- Marker setzen, 1 500 DM Saugnapf an Frontscheibe star-Satellitenkorrektur Spuren zählen Racal: Tracs Palm Große Lichtleiste mit farbigen Palm-Taschencomputer externer 5-Hz-Empfänger, Parallelfahren, Marker setzen, 10 500 DM/ Data Logger 4.5 Leuchtdioden, Montage auf der Landstar-SatellitenSpuren speichern, Spuren zählen 1 600 DM Motorhaube korrektur RDS: Marker 4.1 8-Zoll-LCD-Bildschirm (s/w), Funktionstasten unter dem 5-Hz-Empfänger in der Parallelfahren, Marker setzen, 15 100 DM/ Montage über dem Armaturenbrett Monitor Antenne integriert, Egnos- Spuren speichern, Spuren zählen, keine Gebühr Satellitenkorrektur Fläche messen, Ausbringmengen protokollieren Satcon: PalmNav 1.9 3-Zoll-Palm-Bildschirm (s/w), Palm-Taschencomputer 1-Hz-GPS-Maus, kein Konturfahren, Spuren speichern, 3 700 DM/ Montage mit Saugnapf an der Korrektursignal Flächen messen keine Gebühr Frontscheibe Starlink/Goodsoil: Große Lichtleiste mit farbigen Fernbedienung mit drei externer 10-Hz-Empfänger, Parallelfahren, Flächen messen, 13 500 DM/ LB-5 Smartbar Leuchtdioden, Montage auf der Tasten Küstenfunk-Korrektur Vorgewende erfassen, keine Gebühr Motorhaube Marker setzen Trimble/Geo-konzept: Kleine Lichtleiste mit farbigen Handterminal mit Funktions- 10-Hz-Empfänger in der Parallelfahren mit und ohne 13 000 DM / AgGPS Parallel Leuchtdioden, Montage über dem tasten und zwei Zeilen LCD- Antenne integriert, Omni- Vorgewende, Konturfahren 1 500 DM Swathing Armaturenbrett Anzeige (s/w) star-Satellitenkorrektur (z.B. parallel oder kreisförmig), Marker setzen, Spuren zählen, Flächen messen, Signalton, Spuren speichern Hersteller/Vertrieb: System John Deere: Greenstar – Parallel Tracking System Spuranzeige Bedienung GPS/DGPSEmpfänger 3-Zoll-LCD-Bildschirm (s/w) im Funktions- und Zahlentasten 5-Hz-Empfänger in der Bediencomputer integriert, Monta- neben und unter dem Monitor Antenne integriert, Starfirege am Kabinenholm vorne rechts Satellitenkorrektur *) Preis ohne Mehrwertsteuer profi 112 Nr. 12/01 Funktionen Plus und Minus im Vergleich So beurteilt profi die Parallelfahrhilfen John LH- Out- Racal RDS Satcon Star- TrimDeere Agro back link ble Einbau o o o o + – o ++ – + o + Bedienung o1) –1) + +1) Bedienungsanleitung + o + – Tastatur +1) o + +1) Menüführung + o o o Display dimmen + + + – Erste Leitspur aufzeichnen Einsatz ++ + + +/– 2) Lesbarkeit der Anzeige ++ + + + Geradeaus navigieren ++ o + o Wenden o + + – Navigieren bei Nacht ++ + o3) o Gemessene Genauigkeit ++ + + – Stabilität des Systems Bewertung: ++ = sehr gut; + = gut; 0 = durchschnittlich; – – = weist erhebliche Mängel auf Platzbedarf Materialbedarf Montage Position der Anzeige + + + o o o – o + + + o o o + + + o o + o + +1) o – o o o – + o o o + + +1) o – o + + – + + o – + + o – o ++ – –– o + o3) o + + – + o + – = weist Mängel auf; 1) bisher nur in englisch; 2) Palm-Bildschirm schlecht lesbar; 3) Empfang des Korrektursignals zeitweise gestört. sind aber nicht nur die Software-Einstellungen und die mittige Positionierung der Antenne wichtig. Insbesondere ist auch Improvisation gefragt, wenn es darum geht, die Anzeigen, Rechner und Terminals sicher einzubauen und richtig zu platzieren. Gerade wenn schon mehrere Bordcompu- ter und Schaltkästen in der Kabine sind, erfordern die Installation und die Spannungsversorgung Fantasie, handwerkliches Geschick und ein gut sortiertes Lager. Bis auf Outback und Racal nahmen die Firmen die Montage in unserem Vergleich selbst vor. Das bieten sie auch der Praxis an. Für welches Gerät sollten Sie sich jetzt entscheiden? – Wer seine Parallelfahrhilfe auch nachts einsetzen will, sollte die Lichtleisten den Monitoren vorziehen. Das System von John Deere ging als Sieger aus dem Test hervor. Ebenfalls überdurchschnittlich war die Trimble-Technik. Im Mittelfeld lagen die Geräte von LH-Agro, Outback und Starlink. Das RDS-Gerät schnitt wegen GPS-Empfangsproblemen weniger gut ab. Beim System von Racal war die Genauigkeit in Ordnung, Abzüge gab es wegen der Bedienung. Das unkorrigierte GPS und ein überforderter Palm-Bildschirm verbannten das Satcon-System auf den letzten Platz. Doch durchgefallen ist keiner. Bei Preisen um 15 000 DM werden Sie sich fragen, ob Sie solch eine Investition wieder hereinfahren können. Bei hohen Auslastungen in der Bodenbearbeitung rechnet es sich noch am ehesten. Und wer kann im Hügelland schon gerade drillen, wenn er das Feldende nicht sieht? Auch hier kann ein gutes Parallelfahrsystem Geld sparen, indem Keile vermieden werden. Allein durch Mitteleinsparungen werden Sie beim Düngen oder Spritzen aber Mühe haben, dass sich solch ein Systeme rechnet. Allenfalls die Zusatzfunktionen zur Spuraufzeichnung können dann dafür sprechen. Ob die Landwirte den Lohnunternehmern die zweifellos höhere Präzision honorieren, sei dahingestellt. Einzelbewertung auf den Folgeseiten So bewerten Praktiker die Parallelfahrhilfen: Ganz nützlich bis sehr hilfreich D ie acht verschiedenen Systeme waren fünf Wochen lang auf insgesamt sechs verschiedenen Fahrzeugen des Lohnunternehmens Kuhlmann in 27801 Neerstedt montiert. Dadurch konnten unterschiedliche Fahrer die Parallelfahrhilfen im praktischen Einsatz bei der Ungrasbekämpfung auf Stoppeln, bei der Vorauflaufbehandlung auf Raps- und Wintergersteflächen, bei der Round up-Behandlung auf Grünland und beim Dungstreuen ausprobieren. Das Interesse der Fahrer war groß, von uns eins der Systeme auf ihren Schlepper oder ihre Selbstfahrspritze aufgebaut zu bekommen. Nachdem sie einige Erfahrungen sammeln konnten, beurteilten sie die Systeme insgesamt als ganz nützlich (aber nicht unbedingt notwendig) bis sehr hilfreich. Schwierigkeiten mit der Menüführung traten meist dann auf, wenn diese in Englisch war. Hier musste teilweise mehrfach nachgefragt werden. Die Anzeige war nach Meinung der Fahrer mit einer Ausnahme bei allen Systemen gut lesbar. Schlechte Noten bekam hier der Palm von Satcon. Bemängelt wurde außerdem die Größe des RDSMonitors und des Outback-Rechners. Als eine große Hilfe beim parallelen Geradeausfahren empfand der Fahrer der Dammann-Spritze das „AgGPS Parallel Swathing“ von Trimble mit der kleinen Lichtleiste über dem Armaturenbrett. Auch das Wenden mit Unterstützung der wandernden Leuchtdioden auf der Anzeige war nach einer kurzen Eingewöhnungszeit einfach. Das Parallelfahren und Wenden mit dem John Deere-System bereitete dem Fahrer eines MB-Trac 1000 mit aufgebauter 27-m-Spritze ebenfalls keine Probleme. Allerdings hat er als geübter Fahrer die profi 113 Nr. 12/01 Anzeige beim Geradeausfahren kaum gebraucht. Schwierig fanden die Fahrer des Unimog 1500 und eines zweiten MB-trac 1000 das Navigieren nach der Anzeige bei den Systemen von RDS und Satcon: Beim „Marker“ von RDS war diese zu unruhig, beim „PalmNav“ von Satcon dagegen zu träge. Ebenfalls zu unruhig war die Leuchtdioden-Anzeige des Outback „Guidance“-Systems beim Wenden. Kaum genutzt hat der Fahrer eines zweiten Dammann-Trac das System mit dem Palm-Rechner von Racal, weil er nicht mit der Stift-Bedienung des Palm-Rechners zurecht gekommen ist. Zudem ist hier die Menüführung in Englisch, und Palm-Kenntnisse sind Voraussetzung. Das beliebteste System war das von Trimble, weil es sehr kompakt ist und in den ohnehin überfüllten Kabinen am wenigsten Platz einnahm. PROFI ELEKTRONIKJohn Deere – Parallel Tracking System D as Parallelfahrsystem von John Deere besteht auf der Hardwareseite aus dem Greenstar-Terminal und einer GPS/DGPS-Antenne mit integriertem Empfänger. Die Software wird über eine PCMCIA-Karte auf den Rechner übertragen. Das John Deere-Terminal kann auch für die Überwachung von Schlepperfunktionen und zum Steuern von Geräten eingesetzt werden. John Deere bietet das Parallelfahren nur mit dem eigenen Dienst „Starfire“ an. Das John DeereTerminal in einem MB Trac. Es ist über Bus-Technik mit dem DGPSEmpfänger vernetzt, deshalb ist nur ein Kabel nötig. LH-Agro – Swath XL D ie Navigationshilfe Swath XL von Mid-Tech wird in Europa von der Firma LH-Agro vertrieben. Zu dem System gehören ein kleines Windows-CE-Handterminal mit PCMCIA-Laufwerk, eine Lichtleiste mit farbigen Leuchtdioden für die Anzeige, ein getrennter Hauptschalter für die Stromversorgung, eine Antenne und ein externer Empfänger. Anstatt des von uns verwendeten Racal-Empfängers kann LH-Agro auf Wunsch auch andere Empfänger liefern. Die Saugnapfhalterung hielt nur mit Panzerband und Kette . Antenne und GPS-Empfänger sitzen bei John Deere in einem stabilen Gehäuse. Die Anzeige war recht groß. Oben wird die Abweichung von der Ideallinie in Metern angezeigt. + Stabile Antennenhalterung + Nur ein Kabel für die Verbindung von Antenne und Terminal + Eindeutige Menüführung in deutscher Sprache + Speichern von bis zu fünf Referenzspuren + Hochauflösender Bildschirm mit scharfen Kontrasten ist bei allen Lichtverhältnissen gut lesbar – Monitor nicht im Blickfeld des Fahrers – Hintergrundbeleuchtung lässt sich komplett ausschalten – Navigieren bei Nacht nur mit viel Konzentration möglich + Bedienung mit vier Tasten + Die gefahrene Spur wird Links der Schalter , rechts der Win-CERechner. auf dem Monitor angezeigt und kann auch gespeichert werden + Abweichungen werden mit Ziffern und Pfeilen angezeigt + Warnmeldung bei Doppelbehandlung einer Fläche möglich – Tastatur des Handterminals nicht beleuchtet – Viele einzelne Bauteile – Nach jeder Stromunterbrechung muss Rechner neu hochfahren, Racal – Tracs Palm Data Logger Outback – GPS-Guidance D as „Outback’s GPS-Guidance“ ist ein kompaktes Gerät. Es beEin interessantes Konzept hat die Firma Racal: Ein Palm-Rechsteht nur aus dem Rechner und der Antenne mit integriertem ner nimmt hier die DGPS-Daten auf und steuert eine Lichtleiste. DGPS-Empfänger. Der Rechner hat eine Leuchtdioden-Anzeige zum Navigieren und eine kleine zweizeilige LCD-Anzeige für die Menüführung. Mit Hilfe des Systems von Outback kann man parallel zu geraden oder gebogenen Linien fahren sowie Markierungspunkte setzen und finden. Die Antenne und der Empfänger sind zwei getrennte Einheiten, sodass insgesamt vier Komponenten miteinander verkabelt und montiert werden müssen. Das so genannte Konturfahren ist mit der Racal-Software bislang nicht möglich. Dafür können die Fahrspuren aufgezeichnet und auch Hintergrundkarten geladen werden. Sehr einfach mit einem großen Saugnapf wird das Outback an der Frontscheibe montiert. Die Anzeige ist vor der Haube montiert. Links wird die Abweichung von der Ideallinie in Dezimetern angezeigt, rechts ist die Nummer der Spur. Weil das System unruhig war, setzten wir die Antenne vom Dach des Dammann-Trac in die Fahrzeugmitte – mit Erfolg. Fotos: Tovornik, Holtmann + Einfache Bedienung (allerdings in Englisch) + Die bogenförmige Leuchdioden-Anzeige hilft beim Wenden + Schnell zu montieren Ein Palm an der linken ASäule steuert die Lichtleiste von Racal. Die Magnete ersetzten die nicht brauchbaren Saugnäpfe. + Einfache Montage + Lichtleiste auf der Motorhaube gut im Blickfeld des Fahrers – Saugnäpfe der Palm-Halterung für den landwirtschaftlichen Einsatz unbrauchbar – Speichern der Punkte der Spur nicht ohne Anhalten möglich – Lichtleiste nicht wasserdicht – Zwischen Lenkrad und Frontscheibe muss Platz sein – Sicht nach vorne für kleine Fahrer eingeschränkt – Wahl eines falschen Korrektursignals möglich profi 114 Nr. 12/01 RDS – Marker Satcon – PalmNav D as Führungssystem „Marker“ von RDS besteht aus der GPS-AnDas System von Satcon besteht aus einem Palm-Rechner, einer tenne mit integriertem DGPS-Empfänger, einem Rechner mit DisHalterung mit 12-V-Versorgung und Saugnapf, einer GPS-Maus sokettenlaufwerk und einem 8-Zoll-Monitor mit Funktionstasten. In den Monitor sind perspektivische Linien eingebrannt. Stellvertretend für die Spuren des Fahrzeugs erscheinen immer zwei dunkle Balken. Als zusätzliche Führungshilfe kann zu Beginn der Arbeit das Feld umrundet werden, um die Feldgrenzen festzulegen. Der Kabelstecker war nicht sehr stabil. Die Kette erfüllte ihren Zweck. Die Linien sind fest eingezeichnet. Nicht im Bild ist der Rechner, den wir im Staufach unterbrachten. + Monitor bei allen Lichtverhältnissen gut lesbar + Gefahrene Spuren und Ausbringmengen lassen sich zur Dokumentation protokollieren + Einfache Bedienung (allerdings in Englisch) – Hoher Platzbedarf und aufwendige Montage des Monitors – Lange Wartezeit, bis der Rechner eine neue Linie akzeptiert und diese als Führungs-Hilfslinie am Bildschirm anzeigt – Anzeige zu träge, sodass die Hilfslinien am Monitor zu abrupt verspringen – Steckverbindung des Antennenkabels nicht robust genug Starlink - LB-5 Smartbar wie der Software „PalmNav“. Es handelt sich nur im weitesten Sinn um eine Hilfe zum Parallelfahren, denn es arbeitet ohne DGPSKorrektur. Außerdem kann man keine geraden Linien als Referenzspuren speichern. Vielmehr dient es in erster Linie zum Aufzeichnen von Fahrspuren und zum Vermessen von Flächen. Der Palm-Rechner wird mit einer Saugnapfhalterung an der Frontscheibe befestigt. Das System zeigt die vorige Spur. Allerdings ist es träge und ungenau. Die GPS-Maus an der höchsten Stelle auf dem Einspülbehälter der Spritze. Von allen Antennen ist dies die kompakteste. + Geringer Platzbedarf und einfacher Einbau + Bedienung ohne Stift über Funktionstasten möglich + Vorletzte Spur wird mit der entsprechenden Arbeitsbreite angezeigt – Anzeige spiegelt bei fast allen Lichtsituationen – Nur mit zusätzlichen sichtbaren Orientierungspunkten in der Landschaft als Navigationshilfe zu gebrauchen – Nur Konturfahren möglich Trimble – AgGPS Parallel Swathing D as System „LB-5 Smartbar“ von Starlink wird in Deutschland Ialleln Deutschland vertreibt die Firma Geo-Konzept das „AgGPS Parvon der Firma Goodsoil angeboten. Es besteht aus der Lichtleiste Swathing“-System von Trimble. Die Anlage besteht aus einer für die Motorhaube, dem GPS-Empfänger, einer Antenne und einer Fernbedienung mit drei Tasten für die Bedienung. Sie können mit dem System parallel fahren, Flächen vermessen und Marker setzen. Auf der Haube des MB-Tracs wurde ein Blech aufgeklebt, auf der die Lichtleiste mit Magnetfüßen befestigt war. Diese Lösung ist absolut alltagstauglich. Ausschließlich mit diesen drei Tasten wird die LB-5 bedient. Mit Hilfe zweier farbiger Menütafeln ist dies nach einer kurzen Lernphase erstaunlich einfach gelöst. kleinen Lichtleiste für den Einbau über dem Armaturenbrett, einer DGPS-Antenne mit integriertem Empfänger und einem Handterminal. Auf Wunsch kann das System auch mit einer großen Lichtleiste für den Aufbau vorne auf der Motorhaube geliefert werden. Die Software ermöglicht jede Menge Zusatzfunktionen bis hin zum Vermessen von Flächen und Speichern von gefahrenen Spuren. Wie hier beim Trimble-Terminal bastelten wir Magnethalterungen, weil die Geräte sonst in der Schlepperkabine umherfliegen. Solche Halterungen sind „Zierlich, aber robust“ verbombenfest, merkten wir bei der Lichtleiste und das gibt über dem Armaturenbrett. Sicherheit. + Schnelles Umsetzen von Fahrzeug zu Fahrzeug möglich + Lichtleiste mit Leuchtdioden auf der Motorhaube gut sichtbar + Dimmen der Leuchtdioden einfach + Tasten der Fernbedienung beleuchtet + Kleine Lichtleiste angenehm bei der Arbeit + Referenzspur auch nach einem Neustart noch verfügbar + Gute und schnell reagierende Wendefunktion – Bedienung nicht ohne die mitgelieferte Menütafel möglich – GPS-Übertragungsrate kann durch Fehlbedienung unbeabsichtigt verstellt werden – Finden der richtigen Untermenüs schwierig – Beim Setzen der Spur unterschiedliche Meldungen – Keine Halterung für Terminal vorhanden profi 115 Nr. 12/01