März 2007 - Leipziger Buchmesse
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März 2007 - Leipziger Buchmesse
März 2007 · Bücherbrief-»Extra« Leipziger Bücherbrief Liebe Leserinnen und Leser, nur noch wenige Wochen, dann treffen sich in Leipzig wieder Verleger und Buchhändler, Autoren und Lesehungrige. Wenn Ihnen in einer der von literarischen Nachschwärmern besetzten Cafés und Bars plötzlich auf Finnisch, Lettisch oder Slowenisch zugeprostet wird – wundern Sie sich nicht. Länder und Regionen aus ganz Europa nutzen Leipzig zunehmend selbstverständlich als Schaufenster für ihre literarische Neuproduktion. Egal ob Ost, West, Nord oder Süd – dass die Messe ein ideales Einfallstor zum deutschsprachigen Markt ist, hat sich herumgesprochen. Auswärtige Kulturarbeit, Imagepflege und Geschäft – die Leipziger Buchmesse zeigt, dass diese Rechnung sehr gut aufgehen kann. Darüber hinaus bietet sie professionellen Literaturvermittlern gerade aus kleineren Sprachräumen die Chance, sich durch die persönlichen Kontakte zu ihren Kollegen in anderen Ländern in ein wachsendes Netzwerk einzubringen. Die aktuelle Ausgabe des Leipziger Bücherbriefs soll Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf die Höhepunkte des internationalen Programms der Buchmesse geben, das dank der Unterstützung durch das Auswärtige Amt und weitere Partner abermals kräftig aufgestockt werden konnte: Unser »Autorenspecial« widmet sich zum achten Mal drängenden Fragen der europäischen Integration. Die Reihe »Kleine Sprachen – große Literaturen«, die in diesem Jahr ein kleines Jubiläum feiert, verheißt spannende Entdeckungen. Im Rahmen des Projekts »European Borderlands« werfen wir einen Blick auf die Literatur aus Ländern entlang der EU-Ostgrenze. Schließlich wird Slowenien den Reigen umfänglicher Präsentationen von Ländern des ehemaligen Jugoslawiens mit einem auf drei Jahre angelegten Schwerpunktprogramm eröffnen. Dass literarische Übersetzer – ob beim Preis der Leipziger Buchmesse oder beim bislang wohl größten Treffen von Übersetzern deutschsprachiger Literatur – auch diesmal im Rampenlicht stehen, ist ein gutes Zeichen. Fremde Literaturen lernen wir im Sprachgewand ihrer Übersetzung kennen. Verständigung setzt Verstehen voraus. In Leipzig wird nicht nur übers Zusammenwachsen Europas geredet: Hier wird es gelebt. Egal, welche Sprachen Sie sprechen – ich lade Sie herzlich ein, dabei zu sein. Auf bald, Ihr Oliver Zille Direktor der Leipziger Buchmesse West-östliche Spiegelungen Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung Der mit 15.000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht in diesem Jahr erstmals zu gleichen Teilen an zwei Autoren, deren Werke sich gegenseitig zu spiegeln scheinen: Ausgezeichnet werden der russische Philosoph Michail Ryklin und der deutsche Publizist Gerd Koenen. Verliehen wird der Preis zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am 21. März. Die Laudatio wird die Russland-Korrespondentin der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, Kerstin Holm, halten. Gewürdigt wird Michail Ryklin für sein 2006 in Deutschland erschienenes Buch »Mit dem Recht des Stärkeren«, in dem er sich kritisch mit der »russischen Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie« auseinandersetzt. Michail Ryklin, geboren 1948 im sowjetischen Leningrad, studierte Philosophie und Ästhetik in Moskau und promovierte 1978 mit einer Arbeit über Claude Lévi-Strauss und JeanJacques Rousseau. Heute ist Ryklin Professor am Institut für Philosophie der Moskauer Akademie der Wissenschaften. Er ist Herausgeber und Übersetzer u. a. von Gilles Deleuze, Jacques Derrida, Michel Foucault, Roland Barthes und Theodor W. Adorno. Gerd Koenens Buch »Der Russland-Komplex« widmet sich der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Es beruht wesentlich auf den Forschungen und Einsichten aus der früheren Zusammenarbeit und kritischen Auseinandersetzung mit Lew Kopelew, dem das Werk posthum gewidmet ist. Gerd Koenen, geboren 1944 in Marburg, studierte Romanistik, Geschichte und Politikwissenschaften in Tübingen, arbeitete als Redakteur bei der »Kommunistischen Volkszeitung« und beim Frankfurter »Pflasterstrand«. Von 1993 bis 1996 war er am Projekt »West-östliche Spiegelungen« von Lew Kopelew beteiligt. Heute lebt und arbeitet Koenen als Historiker und Publizist in Frankfurt/Main. Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 21. März, 20 Uhr, Verleihung im Gewandhaus Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Die russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie. Suhrkamp 2006 www.leipziger-buchmesse.de Gerd Koenen: Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900–1945. C.H. Beck 2005 György Dalos Autorenspecial 2007 Ungarn Nachdem die EU-Osterweiterung mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien ein Etappenziel erreicht hat, sieht sich das größer gewordene Europa mit längst überwunden geglaubten Problemen konfrontiert: Während in nicht wenigen Mitgliedstaaten der Union Wahlkämpfe wieder zunehmend mit nationalistischen Themen geführt werden, hat sich vor allem im Westen eine gewisse Ernüchterung bezüglich der europäischen Idee breit gemacht. Im Autorenspecial der Leipziger Buchmesse kommen sechs Autoren aus Ungarn, Italien, Polen, Irland, Bosnien und Deutschland mit ihren ganz persönlichen Erlebnissen, Einsichten und Analysen zu Wort. Nach der Buchmesse sind ihre Essays wie immer in einem Sonderheft der Zeitschrift »Sprache im technischen Zeitalter« nachzulesen. Das Programm in Zusammenarbeit mit dem LCB Mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts Donnerstag, 22. März 2007 p 13 Uhr: Essay Antje Rávic Strubel (Deutschland) Moderation: Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau p 14 Uhr: Essay György Dalos (Ungarn) Moderation: Thomas Geiger, LCB p 15 Uhr: Essay Antonio Moresco (Italien) Moderation: Maike Albath, Deutschlandfunk Foto Doris Poklekowski Sonntagsreden und Alltagsprobleme – Europa zwischen politischer Folklore und nationalem Populismus »Ich glaube nicht, dass die private Futurologie, die an den Küchentischen der Dissidenten entstand, ein bloßer intellektueller Zeitvertreib war.« In seinen Büchern schlägt György Dalos Brücken in Europa – zwischen Ost und West, Nationen, Religionen, Literatur und Geschichte, Vergangenheit und Gegenwart. »Er ist kein Hasser, sondern ein Helfer. Aus solchem Holz werden Demokraten geschnitzt, freie, tolerante Leute, die aus ihrem Nirgendwo eine Kraft gemacht haben.« Hermann Kurzke, FAZ György Dalos, als Kind jüdischer Eltern 1943 in Budapest geboren, studierte Geschichte in Moskau und arbeitete anschließend als Museologe in Budapest. 1968 wurde er zu sieben Monaten Haft verurteilt und mit Publikationsverbot belegt. 1984 erhielt er ein Stipendium des DAAD und arbeitete an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen, seither immer häufigere Aufenthalte in Deutschland und Österreich. Von 1995 bis 1999 leitete Dalos das Ungarische Kulturinstitut in Berlin, bis 2002 war er Präsident der Berliner Akademie der Künste. Heute lebt György Dalos als freier Autor und Mitherausgeber der Wochenzeitung »Freitag« in Berlin. Balaton Brigade. Erzählung, Rotbuch 2006 Der Aufstand in Ungarn. C. H. Beck 2006 Ungarn in der Nussschale. Geschichte meines Landes. C. H. Beck 2004 Freitag, 23. März 2007 p 11 Uhr: Lesung Antje Rávic Strubel (Deutschland) Moderation: Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau Glenn Patterson Irland p 12 Uhr: Lesung György Dalos (Ungarn) p 13 Uhr: Essay Antonio Moresco (Italien) Moderation: Maike Albath, Deutschlandfunk p 14 Uhr: Essay Wojciech Kuczok (Polen) Moderation: Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung p 15 Uhr: Essay Saša Stanišić (Bosnien/Deutschland) Moderation: Dieter Heß, Bayerischer Rundfunk p 16 Uhr: Diskussion Ingo Schulze, György Dalos, Saša Stanišić Moderation: Dieter Heß, Bayerischer Rundfunk Samstag, 24. März 2007 p 11 Uhr: Lesung Saša Stanišić (Bosnien/Deutschland) Moderation: Dieter Heß, Bayerischer Rundfunk p 12 Uhr: Lesung Wojciech Kuczok (Polen) Moderation: Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung p 13 Uhr: Essay Glenn Patterson (Irland) Moderation: Bernhard Robben p 14 Uhr: Lesung Glenn Patterson (Irland) Foto Bobby Hanvey Moderation: Thomas Geiger, LCB »Man muss sich entscheiden: Entweder läuft man rum und bemitleidet sich selbst, oder man spielt die Sache runter, so wie wir das tun.« Der Schriftsteller Glenn Patterson gehört zu jener Generation, die jenseits aller Normalität während des blutigen Terrors der 70er Jahre in Nordirland aufgewachsen ist. Seine Bücher tauchen tief in die Traumata und Hoffnungen der von den »Troubles« geprägten nordirischen Gesellschaft ein. »Patterson ist ein bestechend diskreter Autor mit Gespür für die Macht des Unausgesprochenen.« Joseph O’Connor, The Guardian Glenn Patterson, geboren 1961 in Belfast, studierte an der University of East Anglia bei Angela Carter und Malcolm Bradbury Creative Writing. Nach seinem Studium lebte er zunächst in Manchester, kehrte aber 1988 wieder nach Nordirland zurück. Sein erster Roman »Burning Your Own« wurde mit dem Betty Task Award und dem Rooney Prize for Irish Literature ausgezeichnet. Patterson war Writer in Residence an der University of East Anglia, an der University of Cork und der Queen’s University in Belfast. Glenn Patterson lebt mit seiner Familie in Belfast. Moderation: Bernhard Robben 22.–24. März, Café Europa, Halle 4, Stand D 505 I www.lcb.de Gefährliches Gedächtnis. Roman, Kiepenheuer & Witsch 2007 Hausnummer 5. Roman, Kiepenheuer & Witsch 2004 Die blaue Bar. Roman, Goldmann 2000 Antonio Moresco Polen Italien »Es ist klar, dass man die Wärme nur empfinden kann, wenn man die Kälte kennt, allein für sich funktionieren diese Zustände nicht.« Foto Leonardo Cendamo/Grazia Neri Foto Ekko von Schwichow Wojciech Kuczok »Die Realität ist nicht realistisch.« Unter der beeindruckenden Zahl guter junger Autoren in Polen gilt Wojciech Kuczok, der bereits mit Witold Gombrowicz oder Thomas Bernhard verglichen wurde, als herausragender Stilist. »Kuczok ist der stilsicherste, musikalischste und leidenschaftlichste Schriftsteller, den die polnische Literatur zur Zeit zu bieten hat.« Jaroslaw Piwowarski, Tagesspiegel Obwohl er sich erst spät dem Schreiben zuwandte, gilt Antonio Moresco heute als Vorbild und unbestrittener Wegbereiter für die jüngere italienische Literatur. »Antonio Moresco ist die italienische Fusion von Thomas Pynchon und Don DeLillo, er ist einer der Gründerväter der neuen Literatur Italiens nach der sogenannten Postmoderne.« Guiseppe Genna, Financial Times Wojciech Kuczok, geboren am 18. Oktober 1972 in Chorzów, wuchs in Oberschlesien auf und studierte an der Schlesischen Universität in Kattowitz. Er arbeitete zunächst journalistisch und debütierte 1996 als Schriftsteller. Bekannt wurde Kuczok als Lyriker, Prosaist und Filmkritiker. Für seinen ersten Roman »Gnój« erhielt er 2004 die begehrteste polnische Literaturauszeichnung, den Nike-Preis. Anschließend verfasste er das Drehbuch zu dem Film »Pregi« (Striemen) von Magdalena Piekorz, der 2004 den »Goldenen Löwen« des Filmfestivals in Gdynia erhielt und für den »Oscar« nominiert wurde. Wojciech Kuczok lebt als freier Autor, Filmkritiker und Sportfeuilletonist in Krakau. Antonio Moresco, 1947 in Mantua geboren, driftete wie viele seiner Altersgenossen nach den Unruhen von 1968 eine ganze Dekade in extremistische Gruppierungen ab; Aktionen in ganz Italien bescherten ihm Prozesse und Haftstrafen. Mit 30 Jahren kehrte er nach Mailand zurück, wo er heute lebt. Die Entstehungsgeschichte seines großen Romans »Aufbrüche« (»Gli escordi«) erstreckt sich über 15 Jahre; Moresco begann 1984, vier Jahre benötigte er für den Entwurf, elf für die Überarbeitung. Die deutsche Ausgabe ist die weltweit erste Übersetzung aus Morescos Werk überhaupt; Ragni Maria Gschwend erhielt dafür 2006 den Preis der Leipziger Buchmessse. Dreckskerl. Eine Autobiografie. Roman, Suhrkamp 2007 Antje Rávic Strubel Saša Stanišić Deutschland Bosnien/Deutschland »Die Zukunft ist eine Wurzel aus der Erinnerung.« »Wäre ich ein Fähigkeitenzauberer, würde ich uns die Fähigkeit geben, Ansichten zu tauschen wie Panini-Sammelbildchen.« Foto Peter von Felbert Foto Zaia Alexander Im Kreis der Gespenster. Erzählungen, Suhrkamp 2006 Aufbrüche. Roman, Ammann 2005 Canti del caos. Seconda parte. Rizzoli 2003 L’invasione. Rizzoli 2002 In ihren Romanen, die weit hinter die Daten der eigenen Biografie zurückgehen, zeigt sich Antje Rávic Strubel als Meisterin der geheimnisvollen Maskierung – nichts ist gewiss, vieles mysteriös. Ihre Bücher kreisen um Fremdsein und Nähe, um die Frage, wie durch die Wahrnehmung des anderen das eigene Ich ergründet wird. »Ost-West-Friktionen sind Strubels großes Thema. Jedem wird dabei sein spezifisches Geheimnis belassen – man könnte ihren Blick gerecht nennen.« Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau Wie erlebt ein Kind den Bosnienkrieg? Wo verläuft die Grenze zwischen Spiel und Ernst? Mit seinem gefeierten Debüt hat Saša Stanišić einen überbordenden, tragikomischen Roman über Heimat und Fremde, den Verlust des Vertrauten und das unzerstörbare Vertrauen in das Erzählen geschrieben. »Die Welt steht Kopf in diesem Roman. Und sie steht auf einem klugen Kopf. Von diesem Schriftsteller haben wir, wie es Großkritiker gern voraussagen, viel zu erwarten.« Die literarische Welt Antje Rávic Strubel wurde 1974 in Potsdam geboren und wuchs in Ludwigsfelde auf. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Buchhändlerlehre und studierte Amerikanistik, Psychologie und Literaturwissenschaften in Potsdam und New York, wo sie am Wings-Theater als Beleuchterin arbeitete. Die begeisterte Motorrad- und Skifahrerin, Tangotänzerin und Kanutin lebt heute als freie Autorin und Kritikerin in Berlin. Für ihr Werk erhielt sie unter anderem die RoswithaMedaille der Stadt Gandersheim, den Förderpreis des Bremer Literaturpreises und den Marburger Literaturpreis. Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad im heutigen Bosnien-Herzegowina geboren und kam als 14-Jähriger mit seiner Familie auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Nach Schulzeit und Abitur in Heidelberg studierte er an der Universität Heidelberg Deutsch als Fremdsprache und Slawische Philologie. Seit 2004 studiert er Prosa, Dramatik und Neue Medien am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Für sein Debüt »Wie der Soldat das Grammofon repariert«, das 2006 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, wurde er mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises ausgezeichnet. Derzeit ist Stanišic Stadtschreiber in Graz (A). Kältere Schichten der Luft. Roman, S. Fischer 2007 Tupolew 134. Roman, C.H. Beck 2004 Wie der Soldat das Grammofon repariert. Roman, Luchterhand 2006 * * Dichteste Dichtung pro m 2 Slowenien auf der Leipziger Buchmesse Slowenien, die kleine Republik zwischen Alpen und Adria, hat nur zwei Millionen Einwohner – und ist doch ein ungeheuer reiches Literaturland, in dem sich über Jahrhunderte slawische, romanische und germanische Einflüsse wie in einem Schmelztiegel vermischten. Nicht ohne Stolz preisen die Slowenen die hohe Anzahl von »Dichtern pro Quadratmetern« – eine Maßeinheit, die augenzwinkernd auf wache Leser und einen äußerst lebendigen Buchmarkt verweist. Von der Formenvielfalt dieser Literaturszene wird sich nun auch das Leipziger Publikum überzeugen können: In den kommenden drei Jahren beteiligt sich Slowenien mit einer um das Fünffache erweiterten Stand-Präsentation und einem umfangreichen Kulturprogramm an der Buchmesse. Programm-Highlights Schwerpunktpräsentation Slowenien Ljubljana Lounge I + II Zeitgenössische Literatur aus Slowenien, vorgelesen von Studenten des DLL. Anschließend slowenische Evergreens und Superhits mit DJ Podli alias Gregor Podlogar. 21. März, 21.00 Uhr, Horns Erben Josef Haslinger präsentiert junge slowenische Literatur im Rahmen der Langen Leipziger Lesenacht. Anschließend all mixed up mit DJ Podli. 22. März, 23.00 Uhr, Moritzbastei, Ratstonne I www.ljubljanalounge.de Literarische Netzwerke Diskussionen Rund ein Dutzend Autoren verschiedenster Generationen – von Drago Jančar (*1948) über Brina Svit (*1954) bis zu Aleš Šteger (*1973) – werden auf den Messe-Foren und im Rahmen des Festivals »Leipzig liest« auftreten. Dabei sind keine missionierenden Monologe mit steil emporgerecktem Zeigefinger zu erwarten; der Charme der Präsentation besteht im Gegenteil darin, dass sich Slowenien gleichermaßen als Gast und Gastgeber begreift. Man sucht den Dialog, will am europäischen Netzwerk der Literaturen arbeiten – ohne Scheuklappen über Sprach- und Mentalitätsgrenzen hinweg. Leipzig ist dafür ein historisch erprobter und geografisch ausgezeichneter Ort. Germanen und Slawen – Das Salz der Sprachen. Mit Gabriele Leupold, Irena Samide, Andreas Tretner und Ludwig Hartinger. 22. März, 12.30 Uhr Philosopie und Pivo Prominente wie kenntnisreiche Fährleute sorgen für den Transport neuer und neuester slowenischer Literatur: Autoren wie Josef Haslinger, Karl-Markus Gauß, Durs Grünbein und Kevin Vennemann gehören ebenso dazu wie »Literaturen«-Chefredakteurin Sigrid Löffler oder namhafte Übersetzer, Wissenschaftler und Filmemacher. Rechnen Sie mit Überraschungen für alle Sinne: Ein leibhaftiger »Tatort«Kommissar wird aus dem Werk des großen, hierzulande noch zu entdeckenden Slowenen Florjan Lipuš lesen, der Verleger Lojze Wieser mit kulinarischen Köstlichkeiten aufwarten. Zeitgenössische Fotografie zeigt der Gemeinschaftsstand der Gäste. Eine Sondernummer der Zeitschrift »Edit« präsentiert 14 der interessantesten Stimmen der jungen slowenischen Szene. Und auch Leipzig hat einige seiner stimmungsvollsten Lese-Orte für die Begegnung mit Slowenien reserviert: Die Kuppelhalle der Verkehrsbetriebe, hoch über den Dächern der Stadt, oder den Lesesaal der Bibliotheca Albertina, wo die Philosophen Mladen Dolar und Slavoj Žižek aufeinander treffen. Wenn sich »Horns Erben«, der holzgetäfelte Schankraum einer ehemaligen Wermut-Destille, bei korrektem slowenischem DJing und reichlich fließendem Union-Pivo, zur »Ljubljana Lounge« wandelt, werden die weitgereisten Gäste und ihr Leipziger Publikum das tun, worauf sie sich traditionell gut verstehen: gemeinsam feiern. Gemeinschaftsstand Slowenien: Halle 4, Stand C 501 I www.slolit.si Wo bleibt nun Mitteleuropa? Realität, Imagination, Sehnsucht. Mit Boris Pahor, Drago Jančar und Karl-Markus Gauß. 23. März, 11.30 Uhr Literarischer Erfolg jenseits und diesseits der Muttersprache. Mit Brina Svit, Feridun Zaimoglu, Marica Bodrozic und Navid Kermani. Moderation: Sigrid Löffler. 23. März, 16.00 Uhr alle 3: Leipzig liest Forum International, Halle 4, Stand B 412 Lesung Leipzig liest: Slowenisch. Mit Boris Pahor (Triest), Drago Jančar (Ljubljana), Brina Svit (Paris) und Florjan Lipuš (Kärnten) 22. März, 21.00 Uhr, GfzK, Club weezie Slowenische Nacht der Philosophie und Literatur Mit Mladen Dolar, Slavoj Žižek, Durs Grünbein, Tomaž Šalamun und Aleš Šteger. Danach slowenischer Jazz mit dem Peter Mihelic Trio. 23. März, 21 Uhr, Bibliotheca Albertina Hoch über der Stadt – Internationale Lesung Mit Suzana Tratnik, Tomaž Šalamun, Antje Rávic Strubel, Vladimir Zarev, Anna Mitgutsch, Attila Bartis, Kevin Vennemann. Moderation: Lothar Müller. 24. März, 21 Uhr, LVB Kuppelhalle Edit – Sondernummer Slowenien Mit Bibliographie der Buchübersetzungen slowenischer Literatur ins Deutsche seit 1991. I www.editonline.de Unterwegs nach Europa Entdeckungen in 13 Sprachen Die kulturellen Dimensionen der Einigung Europas werden in Leipzig auf vielen Bühnen verhandelt. »Kleine Sprachen – große Literaturen«, das Programm europäischer Kulturinstitute und Botschaften zur Leipziger Buchmesse, wächst beinahe so schnell wie das neue Europa: Waren es zum Start 2003 ganze fünf, so sind es inzwischen 13 Länder, die Autorinnen und Autoren zu grenzüberschreitenden pTandemlesungen nach Leipzig holen. Viele von ihnen haben sich in ihrer Heimat bereits einen Namen gemacht, sind aber in Deutschland noch relativ unbekannt. Die meisten ihrer Texte wurden eigens für dieses Programm ins Deutsche übertragen und erleben in Leipzig ihre Premiere. Daneben werden im Messe-Forum die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Kulturaustausch« und eine Anthologie mit Gegenwartslyrik aus Flandern und den Niederlanden, übersetzt von jungen deutschen Dichtern, vorgestellt. Zur Halbzeit der Buchmesse steigt erstmals der große Lesemarathon von »Kleine Sprachen – große Literaturen« im Grassi-Museum. Kleine Sprachen – Große Literaturen Das Programm Donnerstag, 22. März 2007 p 11 Uhr: Niederländischsprachige Gegenwarts-Lyrik p 12.15 Uhr: Daniel Načinović, Kroatien; Dragan Velikić, Serbien p 13.30 Uhr: Pauls Bankovskis, Lettland; Wojciech Kuczok, Polen p 14.45 Uhr: Nach dem Krieg – Die Zeitschrift »Kulturaustausch« p 16.15 Uhr: Edo Popović, Kroatien; Dragan Velikić, Serbien Freitag, 23. März 2007 p 10.30 Uhr: Empfang – 5 Jahre »Kleine Sprachen – große Literaturen« p 12.15 Uhr: Mojca Kumerdej, Slowenien; Jozef Puškáš, Slowakei p 13.30 Uhr: Attila Bartis, Ungarn; Jaroslav Rudiš, Tschechien p 14.45 Uhr: Laima Muktupāvela, Lettland; Pavol Rankov, Slowakei p 16 Uhr: Zeleia Gregoriou, Zypern; Adrian Grima, Malta p 20.30 Uhr: Lesemarathon im Grassi-Museum Grenzgänger Mit Unterstützung der Allianz Kulturstiftung laden die Leipziger Buchmesse und das LCB erstmals sechs junge Autoren aus der Ukraine und Weißrußland ein. Die Lesungen und Diskussionsrunden stehen unter dem Motto »European Borderlands: Draußen vor der Tür?«. Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt soll Autoren und ihre Übersetzer, Verleger und Herausgeber von Literatur- und Kulturzeitschriften aus Ländern entlang der EU-Ostgrenze besser miteinander vernetzen und zu konkreten Kooperationen anregen. Gestartet wurde die Initiative während des Lemberger Literaturfestivals 2006. European Borderlands: Draußen vor der Tür? Moderation: Ilma Rakusa, Martin Pollack 24. März 2007, 15 Uhr, Café Europa, Halle 4, D505 I www.european-borderlands.org Die Vermessung der Welt Das bislang wohl größte Treffen von Übersetzern deutschsprachiger Literatur findet vom 18. bis 24. März 2007 im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) und auf der Leipziger Buchmesse statt. 62 Übersetzer aus 33 Ländern erhalten damit die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen der deutschen Gegenwartsliteratur kennenzulernen und sich durch die persönlichen Kontakte zu Autoren, Verlegern und Kritikern, aber auch zu Kollegen in anderen Ländern in ein wachsendes Netzwerk einzubringen. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa und mit Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds realisiert. Pünktlich zur Buchmesse wird das LCB auch ein neues Web-Portal freischalten, das als weltweites Verzeichnis und Informationsdienst für Übersetzer deutscher Literatur rund um den Globus konzipiert ist. Was ist deutsch an der deutschen Literatur? Navid Kermani im Gespräch mit Übersetzern deutscher Literatur 22. März 2007, 15.00 Uhr, CCL, Saal 5 Die Vermessung der Welt. Aktuelle deutsche Literatur in Übersetzungen 23. März 2007, 12.00 Uhr, Glashallenforum, Magnolienallee I www.uebersetzercolloquium.de Cultura Catalana Samstag, 24. März 2007 p 11 Uhr: Christiana Avraamidou, Zypern; Gheorghe Craciun, Rumänien p 12.15 Uhr: Die Krähe, Griechenland; Jan Kaus, Estland p 13.30 Uhr: Zbigniew Mentzel, Polen; Jaroslav Pížl, Tschechien p 14.45 Uhr: Krisztián Grescó, Ungarn; Florin Lǎzǎrescu, Rumänien Sonntag, 25. März 2007 p 11 Uhr: Mikovaj Voziński, Polen; Olja Savičević Ivančević, Kroatien p 12.15 Uhr: Mojca Kumerdej, Slowenien 22.–25. März, Forum kleine Sprachen, Halle 4, Stand D 401 In diesem Jahr ist die katalanische Kultur Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Der Startschuss für den deutschlandweiten literarischen Auftritt Kataloniens fällt bereits in Leipzig. Am Stand des Instituts Ramon Llull und vielen Orten in der City finden Lesungen und Diskussionsveranstaltungen mit katalanischen Autoren statt. Zu den Höhepunkten gehören Auftritte der Dichterin Montserrat Abelló (*1918) und eine katalanische Nacht mit junger Literatur und Rumbarhythmen bis in den frühen Morgen. Literatur aus Katalonien Institut Ramon Llull, Halle 4, C 301; Schille-Theaterhaus, Gohliser Schlösschen, Tangomanie u.a. I www.llull.cat Nordlichter Mitten im Leben Israelische und deutsche Autoren im Dialog Seit Beginn von »Leipzig liest« vor 16 Jahren gehören die vom Club Bertelsmann initiierten »Jüdische Lebenswelten« in der Aula der Alten Nikolaischule zu den wichtigsten Reihen des Festivals. Als zur Buchmesse 2005 mit einem Festakt im Bundesverwaltungsgericht, viel Prominenz aus Politik und Kultur sowie einem ganzen Veranstaltungs-Reigen an 40 Jahre deutsch-israelischer Beziehungen erinnert wurde, war eine neue Reihe geboren, die der Club mit weiteren Partnern seither organisiert. Einer ihrer geistigen Väter wurde Shimon Stein, Botschafter des Staates Israel in Deutschland, der die besondere Atmosphäre von Leipzig bei seinen Besuchen in der Stadt längst lieben gelernt hat. Egal, ob Design, Film oder Literatur – Skandinavisches hat hierzulande Konjunktur. Nur folgerichtig, dass die Botschaften und Kulturinstitute aus Finnland, Schweden, Norwegen und Island auch 2007 mit einem »Nordischen Forum« in Leipzig aufwarten. Die Federführung für das Projekt liegt in diesem Jahr beim Berliner FinnlandInstitut. Mehr als ein Dutzend Autorinnen und Autoren präsentieren sich mit ihren neuesten Büchern – auf dem Messegelände und im Rahmen einer »Nordischen Literaturnacht« im Szene-Club »naTo«. Lesungen im Nordischen Forum 22.–25. März, Halle 4, Stand C 401 Nordische Literaturnacht 23. März, 19 Uhr, naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46 I www.finnland-institut.de Begegnungen im Bildermuseum Stein ist es auch, der die Reihe am Messedonnerstag mit Hans-Ulrich Treichel, Professor am Deutsches Literaturinstitut Leipzig, eröffnet. Der Abend im hypermodernen Neubau des Bildermuseums verspricht spannend zu werden: Treichel hat Studenten seines Instituts gebeten, Werke junger israelischer Autoren zu lesen. In Gesprächen mit den israelischen Gästen wollen die angehenden Schriftsteller die Bücher dem Publikum nahe bringen. An zwei weiteren Abenden stellen Schriftsteller und Journalisten verschiedene Aspekte des Lebens in Deutschland und Israel zur Diskussion. Höhepunkte dürften hier die Begegnungen mit dem Schauspieler Michael Degen und den Schriftstellern Ralph Giordano und Louis Begley sein. Alle drei Autoren, dem Nazi-Terror knapp entkommen, haben neue Bücher im Gepäck, die – literarisch verarbeitet oder autobiografisch – Lebensbilanzen ziehen. Die traditonellen »Jüdischen Lebenwelten« stehen in diesem Jahr unter dem Motto »Nirgendwo und überall zu Haus. Überlebende des Holocaust«. Erwartet werden unter anderem Lily Bret, Chronistin heutigen jüdischen Lebens in New York, Georg Stefan Troller, Götz Aly, Michael Sontheimer, Martin Doerry, Arno Lustiger, Micha Brumlik und Michael Jürgs, der mit der Biografie der Künstlerin Eva Hesse eine aufregende deutsch-jüdische Geschichte erzählt. Das »Leipzig liest«-Publikum hat die Qual der Wahl. Sicher ist nur: An der Alten Nikolaischule führt auch 2007 kein Weg vorbei. Deutsch-Israelische Beziehungen 22.–24. März, Museum der bildenden Künste Jüdische Lebenswelten: »Nirgendwo und überall zu Haus«. Überlebende des Holocaust. 22.–24. März, Aula der alten Nikolaischule I www.leipzig-liest.de Größter Kinderliteraturpreis der Welt in Leipzig 2007 wäre Astrid Lindgren 100 Jahre alt geworden. Im Rahmen der der zahlreichen Feierlichkeiten auf der ganzen Welt ist der Astrid Lindgren Gedächtnispreis für Literatur zusammen mit den früheren Preisträgern Christine Nöstlinger und Ryôji Arai zu Gast auf der Leipziger Buchmesse. Der Astrid Lindgren Gedächtnispreis will Kinder- und Jugendliteratur weltweit fördern und die Rechte der Kinder auf globaler Ebene stärken. Er ist mit umgerechnet rund 540.000 Euro dotiert, was ihn zum zweitgrößten Literaturpreis der Welt nach dem Nobelpreis macht. Der Preis für das Jahr 2007 wird am 30. Mai in Stockholm verliehen. Mit Wolf Erlbruch, Peter Härtling, Benno Pludra, Binette Schroeder sowie der Internationalen Jugendbibliothek kommen fünf der diesjährigen Kandidaten aus Deutschland. Astrid Lindgren Gedächtnispreis für Literatur Halle 2, K 206 I www.alma.se Bücher für Goethe Die Leipziger Messe versendet die jeweils fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse 2007 nominierten Titel in den Sparten Belletristik und Sachbuch an 67 europäische Goetheinstitute und Bibliotheken. Zusätzlich liegt den Buchpaketen eine Hör-CD mit Hintergrundinformationen zum Preis und Leseproben der zehn ausgewählten Titel bei. Unterstützt wird das Projekt, das neue deutschsprachige Literatur im Ausland bekannter machen soll, durch das Auswärtige Amt, die Zentrale des Goetheinstituts in München sowie die Internetplattform Literaturport. I www.preis-der-leipziger-buchmesse.de I www.goethe.de I www.auswaertiges-amt.de I www.literaturport.de Herausgeber Projektteam Leipziger Buchmesse Leipziger Messe GmbH Postfach 10 07 20, 04007 Leipzig I www.leipziger-buchmesse.de Direktor: Oliver Zille g +49(0)341.6788241 k +49(0)341.6788242 i [email protected] Redaktion: Susanne Tenzler-Heusler g +49(0)341.6788184 k +49(0)341.6788182 i [email protected]