BUFFALO BUNCH - French Affairs

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BUFFALO BUNCH - French Affairs
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BUFFALO BUNCH - French Affairs
Contributed by Nicole Ankelmann
Tuesday, 31 July 2001
Last Updated Tuesday, 23 September 2008
The Day after. Es ist Loveparade-Sonntag. Nur mühsam haben wir uns aus dem Bett gequält und das nicht allzu spät,
schließlich mussten wir bis Mittag ausgecheckt haben.
Der Interviewtermin mit Play Paul und Raw Man aka The Buffalo Bunch ist jedoch erst für zwei Uhr angesetzt. Die Zeit
vertrödeln wir uns damit, in der Sonne zu sitzen und noch paar Kraftreserven ans Tageslicht zu holen. Als wir, wie
verabredet, im Hotel "Unter den Linden" eintreffen, sehen unsere beiden französischen Gesprächspartner allerdings
nicht weniger geplättet aus. Wie sie uns leidvoll mitteilen, haben sie die Nacht zuvor noch bis sechs Uhr an den
Turntables der Pfefferbank verbracht und mussten heute morgen sogar noch eine Stunde vor uns ihr Hotelzimmer
räumen. Auch die Parade hat natürlich ihre Spuren hinterlassen. Es war ihr erstes Mal und sie zeigen sich
diesbezüglich nachhaltig beeindruckt. Präsentiert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk gab es 2001 erstmalig
einen französischen Wagen, auf dem unter anderem unsere Gegenüber ihre Scheiben drehten. All die positiven
Eindrücke dieses Erlebnisses und der mangelnde Schlaf haben Paul und Romain sichtlich geschafft. Nach einer Runde
echten Bedauerns kommen wir dann aber langsam ins Gespräch.
Von Verwandtschaften...
Betrachtet man die französische Houseszene könnte man meinen, Frankreich hätte die Größe einer Briefmarke und
Paris sei flächenmäßig auch nur ein Stecknadelkopf. Hier kennt jeder jeden, alle arbeiten irgendwie und irgendwo mal
zusammen und im Falle von Buffalo Bunch und Daft Punk geht diese Verbundenheit sogar noch einen Schritt weiter.
Play Paul heißt im echten Leben Paul de Homem-Christo und an dieser Stelle dürfte wirklich jedem, der sich in der
French-House-Szene auch nur ein bisschen auskennt, auffallen, dass er den selben Nachnamen trägt wie Daft Punks
Guy-Manuel. Was schließen wir also daraus? Richtig, Paul und Guy-Manuel sind Brüder. An dieser Stelle ist es Paul
allerdings wichtig zu betonen, dass Buffalo Bunch nicht vom Erfolg Daft Punks profitieren und das auch nicht wollen. "Die
meisten Leute, die uns als DJ-Team buchen, wissen gar nicht, dass Guy-Manuel und ich Brüder sind. Erst, wenn sie
auf den Verträgen oder bei der Abrechnungen meinen Nachnamen lesen, werden sie stutzig." Und eigentlich haben Play
Paul und Raw Man Vitamin B auch gar nicht nötig. Schließlich sind ihre bisherigen Produktionen auch ohne dieses
Hintergrundwissen beim Publikum stets gut ankommen. 1998 erschien auf Scratché, einem Sublabel von Thomas
Bangaltars Label Roulé, ihre erste Eigenproduktion "The Buffalo Club". Diese schrieb zudem insofern Geschichte, als
dass sie die einzige Veröffentlichung auf Scratché blieb, da das Label seinen Betrieb kurz darauf wieder einstellte. Ein
Grund dafür mag gewesen sein, dass sich diese Produktion stilmäßig eigentlich kaum von den auf Roulé erschienen
Tracks unterschied und man daher auf ein Sublabel auch direkt verzichten konnte. Das nächste Buffalo-Bunch-Release
"Music Box/T.I.T.T.S" erschien dann auf Guy-Manuels Crydamoure Label und unser ehemaliger Mitarbeiter Sven
Schäfer schrieb 1999: "Ich glaube ja, dass sich hinter diesem Duo Daft Punk verstecken, denn die Pseudonyme Play
Paul & Raw Man denkt sich doch sonst kein Mensch aus." Tja, lieber Sven, nur knapp die Wahrheit verfehlt. Zwei
Klassiker der Remixgeschichte produzierte das Duo im Jahr 2000 mit der B-Seite von "If I Ever Feel Better" der
französischen Gitarrenband Phoenix und 2001 dann mit ihrer Interpretation von Modjos "Chillin‘". Ebenfalls 2000
erblickte ein weiteres Projekt Raw Mans das Licht dieser Welt. Unter "We In Music" releaste er "Now That Love Has
Gone" in unzähligen Versionen und Buffalo-Bunch-Remixen auf dem gleichzeitig ins Leben gerufenen Label We Rock
Music. Auch diese Symbiose aus Filter-Vocal-Parts, einer kreischenden E-Gitarre und dem typischen French-HouseSound schlug in den Clubs ein wie ein Bombe. Arbeiten Paul de Homem-Christo und Romain Séo nicht gerade
gemeinsam an neuem Material, so widmen sie sich möglicherweise gerade anderen Side-Projekten oder ihren SoloProduktionen. Derer erschienen bisher zwar erste zwei, Play Pauls "Spaced Out" und Raw Mans "Lovers/Number 7" –
überraschenderweise auch auf Crydamoure – doch bei soviel Arbeitseifer können wir davon ausgehen, dass uns noch
mehr ins Haus stehen. Da wir von all den Gemeinschaftsarbeiten und Projektnamen mitterweile ein wenig verwirrt sind,
wollen wir uns den Werdegang Buffalo Bunchs und die daraus resultierenden Ver- und Entwicklungen doch nochmal von
Paul genauer erklären lassen. "Ich war Schlagzeuger in diversen Rock-, Trash- und Indie-Metal-Bands. Damals spielten
Romain und ich in zwei verschiedenen Bands. Ab und zu hatten wir auch mal gemeinsame Auftritte, Romain an der
Gitarre und ich eben am Schlagzeug. Irgendwann habe ich mir, nach dem Vorbild meines Bruders, dann ein paar
‚Maschinen‘ gekauft und versucht, alleine damit Musik zu machen. Romain tat das Gleiche. Schließlich setzten wir uns
zusammen und versuchten, House zu produzieren. Bald darauf erschien dann auch schon ‚The Buffalo Club‘ auf
Scratché." Den Bezug zur Rockmusik haben Play Paul und Raw Man bis heute nicht verloren und so ist aus ihren
Produktionen und Remixen die Rockattitude stets stark herauszuhören. Interessant ist vielleicht auch noch die
Tatsache, dass Paul der Mann am Bass bei "Big Booya" von Jess & Crabbe (Fiat Lux) war und auch sonst die privaten
Musikinteressen noch eindeutig in die Richtung handgemachter Musik gehen. An dieser Stelle schweift das Gespräch ein
wenig ab. Man erinnert sich an die Zeiten, als die ganze French-House-Posse noch in jugendlichem Leichtsinn auf
Skateboards am Eiffelturm herumfuhr und dort erste Freundschaften schloss. So entsteht Musikgeschichte. Nur
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mühsam lenken wir die Unterhaltung wieder in die richtige Richtung.
...und Freundschaften
Auf der Suche nach Infos über Buffalo Bunch mussten wir im Vorfeld feststellen, dass im Internet recht wenig zu finden
war. Lediglich auf einer Site, die sich "D@ft Crew" (www.daftcrew.fr.st/artists/thebuffalobunch.htm) nennt, wurden wir
fündig. Offensichtlich weiß keiner so recht, woher die Macher dieser Homepage ihre Informationen beziehen, dennoch
scheinen sie immer auf dem Laufenden zu sein. Während sich Pauls Bruder mit Thomas Bangaltar und dem Daft Club
innovativ im Netz präsentiert, ist ihm selbst dieses Thema ziemlich schnuppe. "Auch hier folgen wir der alten
Rockattitude und finden Computer einfach doof. Wir interessieren uns nicht dafür und es ist uns auch egal." Immerhin
fanden wir so heraus, dass Paul kürzlich einen Remix für eine ebenfalls französische Band namens Friendsheap
produziert hat. Dies ist auch eine Information, von der keiner weiß, wie sie auf die Homepage gelang, die aber dennoch
richtig ist. Darauf angesprochen erklärt uns Paul: "Der Bassist von Friendsheap ist ein sehr guter Freund von mir." Das
überrascht uns nicht wirklich. Netterweise werden wir an dieser Stelle auch direkt mit einer Promo bedacht und zeigen
uns zu Hause von den extrem pumpenden Grooves und den gesampleten Friendsheap-Vocals auf der B-Seite ehrlich
beeindruckt. Dabei sollten wir jedoch nicht verpassen darauf hinzuweisen, dass eigentlich schon die A-Seite mit Radio
Edit und einer A-Capella-Version (damit wir das nächste Mal im Club auch schön mitgrölen können) zum Kauf
animieren. Und auch ein kommendes "We In Music"-Album bleibt auf der D@ft-Crew-Seite nicht unerwähnt. Wie uns
Raw Man verrät, kommt zunächst jedoch erstmal eine 12" in die Läden. Hierfür hat übrigens niemand geringeres als
Benjamin Diamond die Vocals eingesungen. Selbstverständlich hat Romain auch hiervon eine Promo zur Hand und
diese überzeugt uns mit ihren uplifting Beats und einer enormen Hitqualität ebenso wie die Friendsheap-Scheibe Pauls.
"We In Music" erscheint wieder auf "We Rock Music" und ist damit immerhin schon die zweite Veröffentlichung des
Labels. Warum bisher noch nicht mehr releast wurde, erklärt Romain wie folgt: " Irgendwie haben wir nie jemanden
gefunden, der ähnliche Musik produziert. Wir haben eine Menge Sachen zugeschickt bekommen, aber es war nichts
dabei, was in das Programm passte." Aus einem ähnlichen Grund wechselte man nach der ersten Veröffentlichung auf
Thomas Bangaltars Label Scratché/Roulé wohl auch zu Crydamoure. "Klar erscheint auf beiden Labels Housemusik, die
für viele Leute ähnlich klingen mag. Dennoch sind die Unterschiede zwischen Crydamoure- und Roulé-Releases groß.
Man muss nur genau hinhören." French House ist eben nicht French House. Aber dass Buffalo Bunch zur großen
French-House-Familie gehören, ist unbestreitbar. Betrachtet man die Liste ihrer Remixaufträge, fällt auf, dass sie
insbesondere Tracks anderer franösischer Acts, die Jungle Brothers mit "Breakin‘ You" einmal ausgenommen,
bearbeitet haben. "Die Kontakte entstanden in erster Linie dadurch, dass alle Freunde Daft Punks sind, sie ‚The Buffalo
Club‘ mochten und irgendwann einfach mal für einen Remix anfragten. Außerdem konnten sie uns bezahlen," lacht
Romain. "Modjo sind allerdings auch Freunde von uns. Romain Tranchart war Gitarrist bei der Rockband, bei der auch
ich einst spielte." Die Frage, was ihnen wichtiger sei, Producing oder DJing, lässt die beiden einstimming lachen und
antworten: "Produzieren auf jeden Fall. Wir sind wirklich ganz schlechte DJs." Naja, so schlecht war ihr gestriger Auftritt
im Pfefferbank ja nun auch wieder nicht. Vielleicht nicht innovativ, aber stimmungsmäßig machen die zwei schon was her.
Immerhin hat es gereicht, um den Laden von 2:00 Uhr bis 6:00 Uhr bei Laune zu halten. Â Vielleicht war es aber auch ihr
sonniges Gemüt, das sich auf die Gäste so positiv ausgewirkt hat. Man weiß es ja nicht. Abschließend möchten wir
schon noch wissen, was Paul, als Bruder des großen Guy-Manuel, vom Daft-Punk-Zweitling "Discovery" hält. "Anfänglich
war ich enttäuscht, ja, fast angeekelt. Es war längst nicht so innovativ wie ‚Homework‘ seiner Zeit. Mittlerweile habe ich
meine Meinung aber geändert. Man muss es einfach ein paar mal gehört haben, um es lieben zu lernen." Nun, da ging
es uns ähnlich.
Leider müssen wir die Diskussion an dieser Stelle abbrechen. Die Zeit drängt, denn um 17 Uhr geht Pauls und
Romains Flieger nach Paris und noch haben wir kein einziges Foto geschossen. Als Location entschließen wir uns für
das Haus der Kulturen der Welt, die sogenannte "Schwangere Auster". Geduldig lassen die beiden die ganze Session
über sich ergehen und haben selbst dabei immer noch einen Witz und die eine oder andere Anekdote parat. Nach
diesem Treffen steht eindeutig fest, dass wir noch viel Innovatives und eine Menge Floorfiller von den Herren Play Paul
und Raw Man zu erwarten haben – unter welchem Pseudonym auch immer. Â
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