Tomahawk mit dem Album und Fresh N Frisk in der Zuger

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Tomahawk mit dem Album und Fresh N Frisk in der Zuger
Donnerstag, 11. Oktober 2007 / Nr. 235
K U LT U R 31
NNeue Zuger Zeitung
NACHRICHTEN
Österreicher ehren
schottische Autorin
Frankfurt – Die schottische Autorin
A. L. Kennedy erhält den mit 25 000
Euro (41 700 Franken) dotierten Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2007. Kennedy sei
«eine der wichtigsten und originellsten Stimmen der zeitgenössischen
Literatur», erklärte die österreichische Kulturministerin Claudia
Schmied. Den Würdigungspreis erhält Michael Köhlmeier, der sich mit
seinem Roman «Abendland» derzeit
grosser Beliebtheit erfreut. Für Kinderlyrik wurde Gerda Anger-Schmidt,
für Literaturkritik Franz Josef Czernin
ausgezeichnet. (sda)
Exportförderung
für Zuger Filmer
Bern – Swiss Films will zwei Schweizer Spielfilme und fünf Dokumentarfilme im Ausland in die Kinos bringen. Exportförderung gibts für:
«Breakout» in der Tschechischen Republik und der Slowakei, «Vitus» in
Spanien, «Bruno Manser – Laki Penan» des Zuger Filmers Christoph
Kühn sowie «Heimatklänge» in
Deutschland, «A Crude Awakening –
The Oil Crash» in Grossbritannien,
«Retour à Gorée» und «Zeit des Abschieds» in Frankreich. (sda)
Literaturnobelpreis
Italiener oder
Südkoreaner?
sda. Spieler setzen bei ihren Wetteinsätzen für die Vergabe des Literaturnobelpreises von morgen vor allem auf
Claudio Magris aus Italien. Experten
favorisieren eher Ko Un aus Südkorea
oder die US-Autoren Don DeLillo und
Philip Roth.
Sie würden mit einem Händedruck
von Schwedens König und derzeit zehn
Millionen Kronen (1,8 Millionen Franken) geehrt.
Der südkoreanische Lyriker Ko Un
gilt schon seit Jahren als einer der
Top-Favoriten auf der ersten «Langen
Liste» und auch auf der «Kurzen Liste»
mit fünf Namen für die Endauswahl.
Frauen mit Chancen
Sollte der Preis am Donnerstag an
eine Frau gehen, werden vor allem der
in Frankreich lebenden Algerierin Assia
Djebar und der Kanadierin Margaret
Atwood Chancen eingeräumt.
Die Lyrikerin Friederike Mayröcker
aus Österreich sowie die in Rumänien
geborene und in Deutschland lebende
Autorin Herta Müller, beide in den
letzten Jahren immer wieder genannt,
gelten wegen der Ehrung für ihre
deutschsprachige Kollegin Elfriede Jelinek im Jahr 2004 als wenig aussichtsreich.
Diese Rapper etablieren in Zug ein Hip-Hop-Label (mit Künstlernamen): Just-this (links), Frisko, Freshe, Tomahawk, Mürg und Cake.
BILD MARTIN HEIMANN
Hip-Hop
Zuger Zucker-Rapper legen vor
MC Tomahawk lässt auf seinem ersten Langspielalbum
gute Reime hören. Seine Kollegen Fresh n Frisk überraschen mit fetten Beats.
V O N M A R K U S M AT H I S
Zwei
gekreuzte,
schartige Streitäxte
sind sein Emblem:
Doch Thomas Murer
alias MC Tomahawk
macht nicht den Eindruck eines wütenden Kriegers. Eher ist
er ein abgeklärter
Rapper, der den Anfang der Schweizer
Mundart-Rap-Welle miterlebt hat: «Seit
zehn Jahre mach ich das nun schon», sagt
er vor der Taufe seines neuen Albums.
Früher rappte er fernsehtauglich mit
zwei Luzernern in der Gruppe 3-Säch-
ser, vergangenes Jahr bildete er mit zwei
Freunden die Crew Zuger Shuger. Mit
dem Tonträger «Maa vo de Schtund»
legt er nun wieder eigenes Material vor.
ein. «Es soll abwechslungsreich sein»,
sagt er zu den Anforderungen an den
eigenen Musikmix.
Sound mit Tiefe
Zusammen mit anderen Rappern ist
Leben in Steinhausen
Auf seinem zweiten Soloalbum er- MC Tomahawk dabei, das Hip-Hop-Lazählt Tomahawk auf 21 Tracks über sich bel Yaheard zu etablieren und so die
und sein Leben. Über seine Kindheit in Zuger Rap-Szene landesweit bekannt zu
Steinhausen («chlises Dorf») plaudert machen. Tomahawks Album ist die dritte Veröffentlichung
er, wie er zum Rap
von Yaheard. Und die
fand, über Liebe,
MC Tomahawk hat ein
vierte folgt sogleich –
Freundschaft
und
von Tomahawks ZuKampfkunst.
Das
Talent für unaufgeregten
ger-Shuger-Kollegen
sind zwar ziemlich
und entspannten Hip-Hop.
Manuel Hosang alias
alltägliche Themen.
MC Frisko und Reto
Aber Murer, der HipHop-Sendungen im Radio und Vorträge Müller alias MC Freshe. Als Duo Fresh n
in Schulen gestaltete, weiss sich ge- Frisk publizieren sie das Kurzalbum
wandt auszudrücken und hebt sich mit «Mier sind daaa!!» – der zur Silberscheiseinen Texten von der platten Ge- be gewordene Beweis ihrer Musikerexisbrauchs- und Befindlichkeitsprosa an- tenz. «Wir kriegten natürlich mit, dass
derer Mundart-Rapper ab. Auch hat er unser Kollege die ganze Zeit mit Aufnahein Talent für unaufgeregten und ent- men beschäftigt war», sagt Frisko, der
spannten Hip-Hop. Dabei setzt er viele viele Tracks vom MC Tomahawk als
Samples und überaus gerne Synthesizer Beatmaker gestaltet hat. «Deswegen
EXPRESS
Der Rapper Tomahawk und
das Duo Fresh n Frisk taufen
am Freitag ihre neue Alben.
Mit dem Label Yaheard
wollen sie Zuger Hip-Hop
landesweit bekannt machen.
wollten wir ebenfalls nicht untätig sein»,
sagt er.
Das war gut so. Denn Fresh n Frisk
überzeugen auf ihrem Erstling durch
ihre Musik. Die Reime harmonieren
schön mit den Rhythmen, die Bässe
wummern wunderbar, und der Sound
hat Tiefe. Kurz: Die Beats sind fett.
HINWEIS
Plattentaufe von Tomahawk und Fresh n Frisk:
Freitag, 22.30 Uhr, Galvanik Zug. Internet-Info:
www.yaheard.ch, www.mctomahawk.ch.
www.myspace.com/tomahawk
Galerie Carmen Weber, Zug
Andenken an die Aude in Abricot und Abendrot
Elisabeth Arpagaus zeigt
Farbmeditationen aus ihrer
französischen Wahlheimat.
Ebenso zart ist die Kunst von
Gerhard Wittner.
Ein wiederkehrender Gast im Kanton
Zug ist die Bündner Künstlerin Elisabeth Arpagaus (geboren 1957). An der
Kantonsschule Zug hat sie Kunst am
Bau realisiert und fürs Kunsthaus Zug
wollte sie vor wenigen Jahren Farbfeldinstallationen in der Lorzenebene errichten. Ausserdem stellt sie in der
Stadt Zug regelmässig aus, wie derzeit
bei Carmen Weber in der Altstadt.
Die Landschaft gibt die Farbe
Dort sind neue Gemälde und eine
Fotografie zu sehen, die Arpagaus in
ihrem Atelier in Südfrankreich geschaffen hat. Seit sieben Jahren arbeitet sie
direkt am Mittelmeer in der pyrenäennahen Region um Narbonne. Das Département heisst Aude – und genauso
luftig und weit wie der Name der
Gegend klingt, sind auch die Bilder, die
an diesem lichten Ort entstehen.
Für ihre Arbeiten nimmt sich Elisa-
diesem Sinn ist Elisabeth Arpagaus’
reduktive Kunst eine Malerei der Besinnung und der Entschlackung des Alltags vom Dauerrauschen moderner Ablenkungen.
Elisabeth Arpagaus fotografiert diese
Farbstimmungen auch und zieht die
Aufnahmen auf Metall auf. Ein Beispiel
solcher Wellenbilder, die eine grössere
Farbskala reflektieren als die Gemälde
und im Gegensatz zu ihnen auch Konturen ausweisen, ist ebenfalls in der
aktuellen Ausstellung zu sehen.
Farben der neuen Heimat: «Aude, 2007».
beth Arpagaus Zeit. Sie malt mit Pigmenten, die sie in der Natur findet. Aus
pulverisiertem Stein oder Blättern stellt
sie Farbe her und rührt sie mit natürlichen Bindemitteln selbst an.
Farbe schafft den Raum
Mit der gewonnenen Farbe schafft sie
Flächen und durch leicht im Ton changierende Farbfelder stellt sie Raum dar.
Arpagaus bannt gleichsam das Licht in
ihre Farbmeditationen, in denen sie
Schatten und Dunkel leise antönt und
Das Licht in der Farbe
Im Kabinett der Galerie sind einige
Aquarelle aus dem Spätwerk des Frankfurter Malers und Grafikers Gerhard
Gelbtöne, Orange, Rosa, Lila mit einem Wittner (1926–1998) ausgestellt – eine
Hauch von Blau und Grau verbindet. Freude für Freunde konkreter Kunst
Die oft pastellfarbenen Bilder vermit- und eine Herausforderung für andere
teln Stimmungen,
Besucher. Denn Wittdie sich während
ner bietet auf diesen
So luftig und weit, wie der
des Tageslaufs in
Bildern kaum ForName der Gegend klingt,
Luft und Wasser
men, sondern variiert
manifestieren.
auf zwei beinahe desind die Bilder, die an dieEbenso spiegeln sie
ckungsgleichen
sem lichten Ort entstehen.
die Ruhe, welche
Rechtecken
zwei
die Malerin beim
meist ähnliche FarbSchöpfungsprozess brauchte und die töne, die blau, beige oder gelblich sind.
nötig ist, um die Bilder zu würdigen. In Die Kombination lässt sich bei nahem
Hinsehen als Methode verstehen, um
das Licht in der Farbe zu zeigen. In
jedem Fall aber sind es innige Studien
mit zarten Farben.
M A R K U S M AT H I S
HINWEIS
Bis 4. November. Galerie Carmen Weber,
Seestrasse 15, Zug. Offen: Di–Fr 14–18.30 Uhr,
Sa/So 9–15 Uhr.
BILD CHRISTOF BORNER-KELLER
Elisabeth Arpagaus
BILD HANNA JARAY