Musterdokument LeWe Aktuell

Transcription

Musterdokument LeWe Aktuell
lewe aktuell
Das Hausmagazin der
Im Fokus:
Wohnen anders:
Familienpflege
Magazin
Werkstattrat
wirkt aktiv mit
Nummer 23 | Ausgabe 2.2015
Lesen Sie . . .
Impressum
Im Fokus
Betreutes Wohnen in Familien:
zu Besuch bei sozial
engagierten Menschen
und ihren Mitbewohnern
ab Seite 6
Magazin
Herausgeber:
Ledder Werkstätten
des Diakonischen Werkes
im Kirchenkreis Tecklenburg
gemeinnützige GmbH
Ledder Dorfstraße 65
49545 Tecklenburg
Telefon 05482 72-0
Fax 05482 72-138
[email protected]
www.ledderwerkstaetten.de
Verantwortlich für den Inhalt:
Ralf Hagemeier
Geschäftsführung
Mitarbeitergespräch:
Der Werkstattrat
hat ein neues
Mitwirkungsmodell
entwickelt
Redaktion und Fotos:
Jörg Birgoleit
Telefon 05482 72-234
[email protected]
Mitarbeit:
Susanne Hielscher, Silke
Wöhrmann, Manfred
Mrugalla, Thorsten Pelster,
Heiner Hibbe
ab Seite 14
Magazin
Stromspar-Check:
wie Beschäftigte im
Ambulant Betreuten
Wohnen bares Geld
sparen
Seite 18
Magazin
Kleinkunst geht:
Unser zweiter
Varieté-Nachmittag
(im Bild Improtheater)
kam unglaublich
vielfältig daher
Seite 22
Gestaltung:
Melanie Kother
Telefon 05482 72-124
[email protected]
Erscheinungsweise:
vier Ausgaben pro Jahr
Auflage:
3.100 Exemplare
Konto:
Kreissparkasse Steinfurt
Konto 31 000 599
BLZ 403 510 60
Unser Titelfoto zeigt
den
Beschäftigten
Jens
Tennert mit seiner Grevener
Pflegefamilie, Jeannette und
Andree Heuel.
Das Editorialfoto zeigt
unseren Geschäftsführer
mit Landespräses Annette
Kurschus.
lewe aktuell 2.2015
Editorial
Wohnen in der Familie:
Das kann gut passen
W
ohnen bedeutet Intimität, Vertrautheit. Das
kennen wir alle, genießen es, schützen unsere
Privatsphäre und verwahren uns gegen Eingriffe.
Eine Menge Menschen mit Behinderungen haben
es auch an dieser Stelle schwerer. Vielleicht können
sie ihren Alltag nicht allein strukturieren, kommen
mit ihrem Haushalt nicht zurecht, brauchen Hilfe
beim Einkaufen oder grundlegenden Dingen wie
Hygiene oder Essen und Trinken.
Darum machen wir Wohnangebote, die das
notwendige Maß an Hilfen und täglicher
Unterstützung, wenn nötig rund um die Uhr,
vorhalten. Und zugleich ein Maß an Intimität und
Vertrautheit wahren, was eigenes Wohnen im
Grunde wertvoll macht. Ein Spagat, der umso
besser gelingt, je zielgenauer eine Wohnform für
die Person formuliert ist: Was braucht sie heute und
was nicht? Was kann sich morgen bei ihr verbessern
und wo wird ihre Selbstständigkeit nachlassen?
B
etreutes Wohnen in Familien (BWF) ist eine
Nische in unserem Wohnangebot, wenig
bekannt und doch mit langer Tradition. Gastfamilien
im Tecklenburger Land sind bereit, sich in hohem
Maße zu engagieren. Sie nehmen einen Menschen
dauerhaft bei sich auf, Inklusion findet quasi
permanent statt. Das verlangt Respekt. lewe aktuell
hat drei aufnehmende Familien besucht: Was
motiviert sie, mit Menschen mit Behinderungen
zusammen zu wohnen? Was bedeutet das
für die Klienten? Für ein Interview haben wir
Thomas Knüpffer gewinnen können. Der BWFProduktverantwortliche beim LWL in Münster liefert
Zahlen und blickt auf die Entwicklung.
lewe aktuell 2.2015
E
ine effektive Form der Mitwirkung hat unser
Werkstattrat für Menschen mit geistigen
Behinderungen entwickelt: das Mitarbeitergespräch.
Wir organisiert das der Werkstattrat? Welche
Fragen stellt er den neuen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern? Welchen Nutzen bringt das dem
Vertretungsgremium und was bedeutet es für die
Qualität unserer Einrichtung?
Gleich zwei Mal geht´s um Strom in dieser Ausgabe:
Unser Elektroprüfer-Team blickt auf eine Dekade
erfolgreicher Arbeit zurück und leistet seinen Beitrag
zur Arbeitssicherheit. Und lewe aktuell war beim
„Stromspar-Check“ der Caritas dabei: Klienten im
Ambulant Betreuten Wohnen können mit ein paar
Tipps und der richtigen Technik eine Menge Geld
sparen.
Viel Spaß beim Lesen und einen erholsamen Urlaub,
wo immer Sie ihn verbringen!
Herzlichst,
Ihr
Ralf Hagemeier
Geschäftsführung
Aktuelles
LeWe präsent auf Messe
„Blickpunkt Ibbenbüren“
Ibbenbüren. „Blickpunkt Ibbenbüren
– die Wirtschaftsschau für Bauen und
Wohnen“: Zum vierten Mal lockte die
Erlebnisausstellung ihr Publikum mit
einem bunten Programm aus Unterhaltung und Information. Vom 14. bis
17. Mai präsentierten sich rund 150
Aussteller aus Ibbenbüren und dem
Kreis Steinfurt. Die Ledder Werkstätten waren in Halle 5 mit Ausbildungsangeboten für junge Leute, Eigenprodukten wie dem k-lumet und
frischem Kaffee in bester SamoccaQualität dabei.
Theaterprojekt: Grundschüler
im Wohnbereich Westerkappeln
Westerkappeln. Schöne Kooperation mit der
Offenen Ganztagsgrundschule (OGGS) Westerkappeln: Über fünf Wochen, jeweils freitags, haben drei Bewohnerinnen und Bewohner aus dem
Wohnbereich Westerkappeln mit Dritt- und Viertklässlern ein kleines Theaterstück eingeübt. Am
Freitag, 20. März, wurde der „Bus der Emotionen“
im Wohnbereich aufgeführt. Wie kam die Kooperation zustande? Fünf Studenten der Saxion Hogeschool im holländischen Enschede hatten mit
den Bewohnern und den Schülern der OGGS,
die die Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (WeSpE) betreibt, geprobt. Die
angehenden Sozialpädagogen erarbeiteten im
vergangenen Semester ein Projekt in Theorie und
Praxis, das musische Aspekte, aber auch die Vernetzung mit einer Kommune oder Einrichtung beinhaltet. Unser Mitarbeiter Stephan Haarlammert,
ebenfalls Student in Enschede, gewann die WeSpE, die am Schulzentrum aktuell über 160 Grundschüler betreut, als Partnereinrichtung. Geprobt
wurde abwechselnd im Haus der WeSpE oder im
Wohnbereich, weshalb die Schüler über die Zeit einige weitere Bewohner kennengelernt haben. Die
Studenten Sarah Dreiskemper, Franziska Overmeyer, Nadine Hoof, Jana Eggenkämper und Stephan Haarlammert haben ihr Projekt namens „inklusiv-kreativ“ an der Uni in Enschede vorgestellt.
Stapenhorster sammeln wieder Müll mit
Schützenverein Exterheide-Meesenburg
Lengerich. Müllsammelaktion der Exterheide-Meesenburger Schützen: Zum 29. Mal machte sich der
Verein am 2. April auf, achtlos entsorgten Abfall in der Landschaft zwischen Lengerich und Leeden aufzusammeln. Mehr als 50 kleine und große Helfer gingen, begleitet von sechs Treckergespannen, durch
die Bauernschaft. Darunter wie in jedem Jahr Beschäftigte und Mitarbeiter von Gut Stapenhorst, die zur
Nachbarschaft gehören. Nach getaner Arbeit traf sich die große Schützenfamilie bei der Majestät Heinz
Wetter zu Bratwurst, Bier und frisch gebackenem Brot.
lewe aktuell 2.2015
Aktuelles
AZAV-Überprüfungsaudit erfolgreich absolviert
Tecklenburg-Ledde. Wir sind „Anerkannter Bildungsträger für Maßnahmen der Arbeitsförderung“. Seit
März 2013 ist der Berufsbildungsbereich (BBB) nach
AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung
Arbeitsförderung gemäß Sozialgesetzbuch III von
2012) zertifiziert. Dieses für alle Werkstätten verpflichtende Zertifikat ist jährlich von unabhängiger
Stelle nachzuprüfen. Im Auftrag des TÜV-Nord hat
Lutz Strenger (2. v. r.) unsere Leistungsfähigkeit turnusgemäß am 23. April überprüft. Der Auditbericht:
„Die LeWe bieten vielfältige Beschäftigungs- und
Qualifizierungsangebote für Menschen mit Behinderungen an. Das Unternehmen ist seit 2013 erfolgreich nach der AZAV zertifiziert. Einmal jährlich wird
dieses Zertifikat in einem Überwachungsaudit überprüft. Die diesjährige Überprüfung ließ eine sehr
gute Vorbereitung, Systematik und Nachverfolgbarkeit in allen eingesehenen Prozessen erkennen.
Alle am Prozess der Beruflichen Bildung Beteiligten
zeigen hohes fachliches, innovatives und systemorientiertes Denken und Handeln auf.“
Angehörigennachmittag und Themenabend gut besucht
Ledde/Ibbenbüren. Sich den Arbeitsplatz des Angehörigen anschauen, andere Eltern oder Betreuer kennenlernen, Infos aus erster Hand bekommen:
Die Angehörigennachmittage in den
beiden Arbeitsbereichen für schwerstund mehrfachbehinderte Menschen
(AB SMB) erfreuen sich wachsender
Beliebtheit. Über 40 Personen hatten
sich zum 21. Mai im AB SMB Ledde angemeldet. Eltern und Betreuer
zeigten sich immer wieder angetan
von den Möglichkeiten dieses vor drei
Jahren neu gestalteten Bereiches, berichtet Ilka Steinigeweg. Als zuständige Bereichsleitung begrüßte sie die
Gäste. Für Gespräche zur Verfügung
standen auch Angelika Narendorf vom
Sozialen Dienst und Physiotherapeutin Anne Eggemeier aus der hauseigenen Praxis vita p lus in Ladbergen.
Ebenfalls (mit über 100 Gästen) gut besucht war der alljährliche Themenabend für Eltern, weitere Angehörige und Betreuer. Am 20. Mai referierte Katja Alfing (Referentin Wohnen und Beratung in der Behindertenarbeit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe) zum Thema „Pflegegesetz SGB XI – Relevanz für die
Eingliederungshilfe“ in der Betriebsstätte Maybachstraße.
lewe aktuell 2.2015
Im Fokus
Betreutes Wohnen in Familien:
vertraut, privat, rund um die Uhr
Jens Tennert ist tagsüber in unserer Betriebsstätte Maybachstraße in Ibbenbüren beschäftigt. Sein Zuhause hat
er bei Jeannette und Andree Heuel in Greven. Seit zwei Jahren lebt er in seiner Pflegefamilie.
„Er redet einfach mehr, manchmal in Sätzen, oder?!“
„Ja, ist mir auch aufgefallen. Und er zieht sich selbst
an. Selbst essen tut er auch, wenn ich ihm das Brot
klein schneide.“ „Klar, das braucht alles viel Zeit.“
„Macht doch nichts, ihm geht´s echt gut!“ Jeannette und Andree Heuel unterhalten sich ganz offen,
während sie Jens Tennert beobachten.
Was geht, was nicht? Jens Tennert lacht laut, wie
zur Bestätigung, und spricht einige der gehörten
Worte nach. Dann erkundet er mit seinem Rollstuhl
wieder mal den kleinen, umfriedeten Garten. Eine
nette Familie – keine pädagogischen Profis – mit
einem behinderten Menschen, der offensichtlich
kleine persönliche Fortschritte macht und sich wohl
fühlt. In einer sehr vertrauten Umgebung, in der privaten Situation eines hübsch renovierten Siedlungshauses.
Jens Tennert ist beschäftigt in unserem Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Nach Feierabend, an den Wochenenden,
immer dann, wenn er die Werkstatt verlässt, ist die
Familie von Jeannette und Andree Heuel sein Zuhause. Vor zwei Jahren hat ihn das Grevener Ehepaar aufgenommen im Rahmen des Betreuten Wohlewe aktuell 2.2015
Im Fokus
ZUM THEMA
Besonderes Wohnangebot mit wachsender Tendenz
Das Betreute Wohnen in Gastfamilien/Familienpflege (BWF) ist eine besondere Form des Ambulanten
Betreuten Wohnens im Rahmen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen gemäß Sozialgesetzbuch XII. Es bietet erwachsenen behinderten Menschen eine ihren Bedürfnissen entsprechende,
familienbezogene individuelle Betreuung. Der Klient findet – statt der sonst möglicherweise erforderlichen Hilfe im Stationären Wohnen – Aufnahme in einer Gastfamilie.
In Westfalen-Lippe, Einzugsgebiet des LWL, waren mit Stand Februar 56 professionelle Familienpflegeteams im Einsatz. Sie bringen
Klienten und Familien zusammen,
beraten und begleiten die Entwicklung
von der Aufnahme
in die Familie bis
zum Erreichen definierter Ziele. Aktuell
kümmern sich die
Teams um 514 Klienten in 460 Gastfamilien in Westfalen-Lippe. Bis Ende
2016 möchte der
LWL nach eigenen
Angaben die Marke
von 580 Klienten erreichen.
Für
BWF-Teams
kommen Träger von
Einrichtungen der
stationären Behindertenhilfe in Frage, die durch ihre
fachliche Kompetenz und wirtschaftSilke Wöhrmann, unsere zuständige Mitarbeiterin für das Angebot Betreutes
liche Situation in der
Wohnen in Familien. Von ihrem Lengericher Büro aus begleitet sie die Klienten
Lage sind, professiund ihre Pflegefamiien, kümmert sich um Anträge oder Urlaubsvertretungen.
onelle Betreuung zu
leisten.
Wichtig: Der Träger
muss gewährleisten, dass BWF ein Element im Gesamtangebot der Betreuung darstellt und mit anderen Wohnangeboten eng und durchlässig vernetzt sind. Die Vorbereitung und Auswahl der Gastfamilien leistet ausschließlich das BWF-Team.
lewe aktuell 2.2015
Im Fokus
nens in Familien (BWF). Dieses Nischenangebot
zwischen Stationärem Wohnen und Ambulant Betreuten Wohnen kann für ausgewählte Personen in
der passenden Pflegefamilie ein hohes Maß an sozialer Integration bedeuten.
BWF gehört organisatorisch zu unserem Ambulant
Betreuten Wohnen und wird von Mitarbeiterin Silke
Wöhrmann begleitet. Die Heilerziehungspflegerin
kümmert sich aktuell um zehn Klienten, die in Gastfamilien in Lotte, Mettingen, Hörstel, Ibbenbüren,
Saerbeck, Greven oder Emsdetten leben. Personen
zwischen 20 und 50 Jahren mit geistigen und psy-
chischen Behinderungen. Deutschlandweit nutzen
etwa 2500 Personen in fast allen Bundesländern
BWF.
BWF, früher Familienpflege betitelt, ergibt sich durchaus häufiger aus persönlichen Bezügen: Jens Tennert ist ein Onkel von Jeannette Heuel, den sie seit
ihrer Kindheit kennt, als er noch mit seiner Mutter Elli
auf dem Hof bei Berlin lebte, wo die kleine Jeannette oft zu Besuch war. Jahrzehnte später wurde Elli
Tennert schwer krank; die Heuels holten beide zu
sich nach Greven. Die alte Dame starb vor Jahren.
Wo sollte Jens hin? Die Heuels entschlossen sich,
Michael Spellmeyer (rechts) lebt seit 2012 in der Familie von Rudolf Cirkel in Ibbenbüren. Er fühlt sich auf
dem umgenutzten Bauernhof wohl. Zur Pflegefamilie gehört außerdem auch noch ein Pflegekind.
lewe aktuell 2.2015
Im Fokus
ZUM THEMA
BWF – wie geht das und was tun wir?
Vom Stationären Wohnen mit durchgehender Begleitung (zirka 200 Plätze) über das Hausgemeinschaftskonzept bis zum Ambulant Betreuten Wohnen (200 Plätze) reicht die Bandbreite unserer
Wohnangebote. Das BWF mit aktuellen zehn Klienten ist da eine Nische.
Betreutes Wohnen in Familien haben wir seit vielen Jahren im Leistungsspektrum. „Familienanaloge
Unterbringung“ nennen das die Fachleute. Der Klient bekommt eine sehr individualisierte Hilfeleistung, denn er lebt permanent in der Familie.
Auf deren Seite setzt das entsprechenden Wohnraum, soziales Engagement und das personenbedingt
nötige Zeitbudget für den Klienten, allerdings keine pädagogische Ausbildung, voraus. Mitarbeiterin
Silke Wöhrmann steht als Ansprechpartnerin zur Seite. Sie visitiert die Familien, wickelt Antragsverfahren ab oder kümmert sich um Kurzzeitpflege, denn der Gastfamilie stehen 28 Tage Jahresurlaub
bei Fortzahlung der Leistungen zu. Für die Aufnahme bekommt sie ein Betreuungsgeld, das sich inklusiv der Kosten für die Unterbringung auf rund 1000 Euro monatlich beläuft.
Am 27. April haben sich 56 BWF-Teams aus Westfalen-Lippe zur Jahrestagung in der LWL-Klinik Lengerich getroffen. Wir waren vor Ort Organisator der Veranstaltung. Weitere Infos bei Silke Wöhrmann
(Telefon 01761 720-1077).
ihn aufzunehmen. Das funktioniert gut: Der Bungalow ist barrierefrei umgebaut und die Lebenshilfe Greven schickt sporadisch eine stundenweise
Betreuung, wenn das Ehepaar mal etwas zu zweit
unternehmen möchte. Heute ist Silke Wöhrmann
da, um den Zeitraum für einen geplanten Urlaub zu
besprechen. Urlaub steht Pflegefamilien zu und die
Verhinderungspflege ist zu organisieren.
„Wir können hier sehr personenbezogen arbeiten
und eine große Kontinuität bieten“, beschreibt Rudolf
Cirkel den Alltag mit seinem Mitbewohner: Seit 2012
nutzt Michael Spellmeyer unser BWF und lebt auf
dem umgenutzten Bauernhof Cirkel in Ibbenbüren.
Zur Familie – als solche bezeichnen sich hier alle –
gehört auch Pflegesohn Jason, der gerade von der
Schule kommt. Treffpunkt ist die große Küche, wo
die anderen schon beim Mittagessen sitzen. Rudolf
Cirkel hat Eintopf gekocht und nun wird über den
Tag und das, was nachmittags anliegt, geredet.
Das Geld, das die Familie für die Betreuung bekomme, sei Nebensache gewesen, als er sich mit
seiner Partnerin zur Aufnahme entschlossen habe,
berichtet er. „Wir wollten eine Wohngemeinschaft
für Menschen in einer besonderen Lebensituation
gründen. Platz genug haben wir ja hier.“ Michael
lewe aktuell 2.2015
Spellmeyer hat ein neues, dauerhaftes Zuhause gesucht. Das Engagement der Familie Cirkel schafft
ein verlässliches Umfeld für den heute 52-Jährigen,
der sich wohl fühlt auf dem Hof.
Hat BWF ein Alleinstellungsmerkmal? Ja, insofern
als dass andere Wohnangebote nicht diese besonderen sozialen Bezüge bieten können. Mit der
sorgfältig ausgewählten, „passenden“ Gastfamilie
erschließt sich dem Klienten im besten Fall „automatisch“ der Zugang zu deren Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Kollegen. Umgekehrt wird der
Klient durch seine alltägliche Präsenz als normaler
Teil der Familie wahrgenommen. Inklusion wird nicht
erzeugt, sondern geschieht einfach.
Welche Eigenschaften braucht nun eine Pflegefamilie, um einen Menschen mit Behinderung dauerhaft
bei sich aufnehmen zu können? Toleranz sei wichtig, betont Cirkel. Und Einfühlungsvermögen in die
Lebenssituation des neuen Klienten, die sich mit
dem Umzug beispielsweise aus einem Wohnheim
natürlich gravierend ändere. Lebenserfahrung sei
hilfreich, ebenso sicherlich Erfahrung mit eigenen
Kindern, die aber nicht zwingend sei. Die rein fachliche Qualifikation sei im BWF keine Voraussetzung,
wobei natürlich die Fähigkeit zur Organisation und
Im Fokus
ZUM THEMA
Historie der Familienpflege reicht weit zurück
Die historischen Wurzeln der Familienpflege datiert die Fachliteratur (Herausgeber Michael Konrad,
Jo Becker, Reinhold Eisenhut: „Inklusion leben“, Freiburg 2012) auf den Beginn des 20. Jahrhunderts.
Einige „Heilanstalten“, die Vorläufer der heutigen psychiatrischen Fachkliniken, richteten damals regelrechte Familienpflege-Kolonien in ihrer unmittelbaren räumlichen Umgebung ein.
Dies aber nicht unbedingt als eine planvolle Alternative zu bisherigen hospitalen Versorgungsformen,
sondern eher als eine notwendige Reaktion auf die Überbelegung: Der Verbleib behinderter Menschen in der Großfamilie des fortschreitenden Industriealisierungsprozesses wurde zumindest in den
Städten zunehmend schwieriger. Wohnraum war äußerst knapp und Arbeits- und Wohnort waren nun
in der Regel getrennt. Alternative Möglichkeiten der Betreuung gab es nicht.
Während der Zeit des Nationalsozialismus und bis in die 1980er Jahre gab es zunächst regimebedingt
keine und nach dem Krieg nur wenige Initiativen moderner Familienpflege und selbst danach begegnete die psychiatrische Fachwelt dieser vermeintlich antiquierten Form der Versorgung in der „bürgerlichen Familie“ vielfach skeptisch und distanziert. Tatsächlich sah Familienpflege über Jahrzehnte
praktisch oft so aus: Menschen mit Behinderungen kamen auf Anforderung auf Bauernhöfe, wo sie
mitarbeiteten und dafür Kost, Logis und ein Taschengeld, aber keineswegs immer echten Familienanschluss, erhielten. Fachliche Begleitung erfolgte gar nicht oder sporadisch.
In den 1990er Jahren entstanden beispielsweise in Süd-Württemberg Initiativen, die dieses Bild
grundlegend revidierten, Menschen mit geistigen Behinderungen in sorgfältig ausgewählte Gastfamilien vermittelten und diese dann professionell und kontinuierlich begleiteten. Der LWL verabschiedete
2002 eigene BWF-Richtlinien, woraufhin immer mehr Träger in NRW ein Angebot installierten, was
wiederum durch den Trend zur Ambulantisierung und Kostenersparnis befördert worden sein dürfte.
Insgesamt ist bis heute ein Aufwärtstrend bei der Zahl der Klienten zu konstatieren.
Zugewandtheit grundlegend seien. Wie bei den
Heuels in Greven, die das intuitiv Richtige tun, weil
sie „ihren“ Jens einfach gerne mögen.
Ortswechsel: Andre Loheide ist heute 36 Jahre alt
und nennt Maria Loheide „Mutti“: Mit einem Jahr hat
sie ihn als Pflegekind aufgenommen und mit Erreichen der Volljährigkeit ins BWF übernehmen können. Im Laufe von fast 50 Jahren hätten drei weitere
Pflegekinder und vier eigene Kinder das Saerbecker
Eigenheim durchlaufen, berichtet Maria Loheide.
Die ältere Dame darf man als echten Profi für Familiepflege und Familie ansich bezeichnen. Zeitweise
waren Zivildienstleistende im Hause, um die ganze
Logistik des Alltags mit so vielen Personen zu bewältigen.
Vor ein paar Jahren ist im Garten ein schmucker
Neubau entstanden, wo Andre sein Appartment in
Dachgeschoss hat und weitgehend selbstständig
lebt. Die Arbeit mit Holz in unserer Betriebsstätte
10
Settel gefällt ihm und den Kaffee nach Feierabend,
mit „Mutti“, genießt er sehr. Dann wird viel geredet
über die Arbeit und anderes.
Pflegekinder und BWF-Klienten zu haben ist für Maria Loheide vollkommen normal. Schon ihre Mutter
habe Pflegekinder gehabt, erzählt die Saerbeckerin,
die für ihr soziales Engagement an vielen weiteren
Stellen im Ort mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.
Jens Tennert, Michael Spellmeyer und Andre Loheide – drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten
in drei vollkommen unterschiedlichen Pflegefamilien.
Gleich ist allen drei Klienten, dass sie von der Lebenssituation einer verlässlichen sozialen Gemeinschaft profitieren und tägliche „Normalität“ erfahren.
Gut vorbereitet und begleitet durch unsere Fachleute
kann BWF als Wohnform ein hohes Maß an AlltagsInklusion generieren und auch für die Pflegefamilien
gewinnbringend wirken.
lewe aktuell 2.2015
Im Fokus
Andre Loheide mit seiner Pflegemutter, Maria Loheide. Andre kam als kleines Kind in die Familie
und wuchs mit weiteren eigenen Kindern und mehreren Pflegekindern auf. Tagsüber geht
er mit dem Werkstoff Holz in unserer Lengericher Betriebsstätte Settel um.
Vom 11. bis 27. Juli
haben wir Sommerpause!
Ihnen und Ihrer Familie wünschen wir
eine schöne Ferienzeit!
Viele Grüße aus dem
Café Samocca und Visavis-Samocca
Café Samocca
Visavis Samocca
Münsterstraße 14
49525 Lengerich
Telefon 05481 305631
Wielandstraße 24
49525 Lengerich
Telefon 05481 3049895
www.ledderwerkstaetten.de
www.ledderwerkstaetten.de
Ledder Werkstätten gemeinnützige GmbH
lewe aktuell 2.2015
Ledder Werkstätten gemeinnützige GmbH
11
Fünf Fragen an . . .
. . . Thomas Knüpffer
Herr Knüpffer, wie sieht Ihr Arbeitsbereich beim
LWL aus und welche Aufgabe hat der LWL innerhalb des Netzwerkes Betreutes Wohnen in Familien
(BWF)?
Der LWL - als überörtlicher Träger der Sozialhilfe
- ermöglicht Menschen mit wesentlichen Behinderungen das Wohnen in einer Gastfamilie, indem er
die Kosten trägt, wenn alle Voraussetzungen erfüllt
sind. Gleichzeitig wirkt der LWL aktiv bei der inhaltlichen und strukturellen Gestaltung des BWF mit.
Konkret heißt das zum Beispiel, das BWF bei Einrichtungsträgern bekannt zu machen, weitere BWFTeams zu gewinnen, Abläufe und Verfahren zu vereinfachen. Außerdem kümmert sich der LWL um
die leistungsrechtlichen Rahmenbedingungen. Die
Aufgabe im BWF ist insgesamt also eine Mischung
aus der Anwendung des Sozialhilferechts und dem
Balancieren von fachlichen und ökonomischen Erwägungen.
Mein Arbeitsplatz ist der Sachbereich „Wohnangebote für Menschen mit Behinderungen“. Meine Kollegen und ich sind für die 27 LWL-Mitgliedsregionen
zuständig. Wir sind dort jeweils Ansprechpartner für
die Träger von ambulanten und stationären Wohnangeboten, sind gemeinsam mit kommunalen Partnern vor Ort in der nachhaltigen Sozialplanung aktiv
und helfen dabei, politische Zielsetzungen, die die
Situation von Menschen mit Behinderungen verbessern sollen, umzusetzen. In dieser Funktion bin ich
für zwei Städte im Ruhrgebiet zuständig.
Daneben bin ich – mit ähnlicher Zielsetzung - Ansprechpartner für alle grundsätzlichen Angelegenheiten im BWF für ganz Westfalen-Lippe. Diese
Aufgabe nennt sich bei uns „Produktverantwortung“
– klingt etwas technisch. Inhaltlich ist hier alles
zu finden, was ich oben als Aufgabe beschrieben
habe.
Thomas Knüpffer, Produktverantwortlicher für Betreute
beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Auf
27. April begrüßte er 56 BWF-Teams in der LW
gangenen Jahre zeigt aber einen klaren Aufwärtstrend. Die Zahl der Menschen in Gastfamilien hat
sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. BWF ist
nach meiner Überzeugung ein wichtiger Baustein in
der Palette der Wohnhilfen. Ich bin sicher, dass sich
in den nächsten Jahren weitere Menschen mit Hilfebedarf dafür entscheiden, Anschluss an eine Familie
zu finden.
Welchen Stellenwert nimmt das BWF aus Ihrer Sicht Genießt das BWF für die Klienten einen besonderen
angesichts der Bandbreite der Wohnangebote ein? Stellenwert? Sind das besondere Beziehungen zu
ihren Pflegefamilien und umgekehrt?
Bleibt es eine spezielle Nische?
Das BWF ist mit zurzeit rund 510 Menschen in Gastfamilien in Westfalen-Lippe ein kleiner Bereich. Der
LWL trägt die Kosten für rund 23.000 Menschen in
stationären Wohnformen und für rund 24.000 Menschen im Ambulant betreuten Wohnen. Der Begriff
„Nische“ ist also richtig. Die Entwicklung der ver12
Klares „Ja“. Aus den Jahresberichten der BWFTeams, aus Kontakten vor Ort oder wenn ich mit
BWF-Klienten unmittelbar ins Gespräch komme erfahre ich immer wieder von außergewöhnlichen und
eindrucksvollen Verbindungen. Das BWF bietet beteiligten Menschen einen enormen Fundus für Entwicklungen. Für den Mensch mit Behinderung könlewe aktuell 2.2015
Fünf Fragen an . . .
nen im BWF Kontakte
entstehen, die weit
übers BWF als Maßnahme hinaus tragen
und stützen können.
Aber auch Beteiligte des Familien-Systems (erwachsene
Kinder,
Nachbarn,
Freunde) werden im
Zuge des BWF viele
Möglichkeiten für Begegnungen geboten.
Es passiert durchaus, dass sich Skepsis auflöst und sich
Ansichten über „Behinderte“ nachhaltig
ändern. Im BWF passiert gesellschaftliche
Inklusion ganz nebenbei.
Der historische Vorläufer des BWF hat
es Wohnen in Familien (BWF)
einen durchaus auch
f der Jahrestagung am
zwiespältigen
HinWL-Klinik in Lengerich.
tergrund: Früher gab
es Menschen mit Behinderungen, die auf
Bauernhöfen lebten und arbeiteten und mitunter
ausgebeutet wurden. Gibt es solche Klischees noch
in den Köpfen? Sind die Hürden eigentlich hoch, um
Pflegefamilie werden zu können?
Unmittelbar in Gesprächen sind mir Vorbehalte
zum BWF, die aus dieser Phase in den 50er Jahren stammen, noch nicht begegnet. In der Literatur
zum BWF („Inklusion leben“ von Michael Konrad,
Jo Becker, Reinhold Eisenhut, Lambertus-Verlag
2012) gibt es Hinweise zur Geschichte. Unfaire Bedingungen entstanden bei der Kopplung von Arbeit
und Betreuung in dieser Zeit schon dadurch, dass
Beschäftigte nicht rentenversichert waren und sie
so trotz umfangreicher Tätigkeit später von Sozialhilfe abhängig blieben. Heute undenkbar.
Ich erlebe häufig, dass diese Form der Wohnhilfe
gar nicht bekannt ist. Selbst von langjährig in der
Eingliederungshilfe tätigen Mitarbeitern habe ich
lewe aktuell 2.2015
schon ein erstauntes „Wie? Sowas gibt’s?“ gehört.
Es existiert ganz bewusst keine Anforderung an die
fachliche Qualifikation an eine Gastfamilie. Es ist
auch nicht erforderlich, dass Familien zunächst einen „Gastfamilien-Kursus“ oder so absolvieren. Im
BWF geht es im Unterschied zur Vollzeitpflege im
Rahmen der Jugendhilfe um erwachsene Menschen.
Der Klient, wenn notwendig mit seinem rechtlichen
Betreuer, handelt eigenverantwortlich und hat auch
ein eigenes Kündigungsrecht.
Die Zuordnung (welcher Klient passt in welche Familie?) ist ein wesentliches Qualitätskriterium im
BWF. Die Anbahnung, Auswahl und Feststellung der
Eignung einer Gastfamilie wird von den BWF-Fachteams vor Ort begleitet. Ebenso die Vermittlung von
geeigneten Klienten an Gastfamilien. So ein BWFTeam gibt es ja seit vielen Jahren auch bei den Ledder Werkstätten. Die Teams gehen mit Sorgfalt vor
und würdigen alle relevanten Aspekte und individuellen Strukturen sowohl bei Klienten als auch Gastfamilien. Wird vom BWF-Team die Eignung bejaht,
kann grundsätzliche jede Familie Gastfamilie werden.
Stationär, Ambulant, Hausgemeinschaftskonzepte,
BWF: Wie sehen Sie die Zukunft der Wohnformen?
Bedeutet Inklusion, Menschen mit Behinderungen
alle Möglichkeiten anzubieten?
Ja! Menschen mit Behinderungen sollen, wie nicht
behinderte Menschen auch, die Möglichkeit haben,
möglichst frei zu wählen, wie, wo und mit wem sie
wohnen wollen. Diese Forderung aus Artikel 19
der UN-Behindertenrechtskonvention macht deutlich, dass es eine Angebotsvielfalt geben muss. Ich
glaube, dass man noch mehr „Mobilität“ zwischen
verschiedenen Wohnformen braucht. Was heute für einen Menschen gut und richtig ist, kann in
zwei Jahren anders aussehen. Für mich erschließt
sich Eingliederungshilfe immer dann, wenn man sie
nicht als „statisch“ begreift („endlich haben wir den
richtigen Platz gefunden“), sondern immer zielorientiert denkt. Wohnhilfen der Eingliederungshilfe sind
schließlich Teil der Sozialhilfe. Die soll grundsätzlich
so weit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr
zu leben. Ich persönlich glaube, dass dieser Gedanke, auch mit Wohnformen, in denen Menschen
selbstständiger leben können, deutlicher in Erscheinung treten könnte.
13
Magazin
Pflichttermin Mitarbeitergespräch: Werkstattrat
entwickelt ein eigenes Mitwirkungsmodell
Behinderungen und intern wechselnde
Fachkräfte haben diesen Termin auf ihrem
Plan. Effekte: Alle Neuen nehmen die Interessenvertretung wahr und der Werkstattrat
bekommt die Gelegenheit, sich ein Bild zu
machen. Und damit eine aktivere Rolle in
Fragen der langfristigen Personalentwicklung.
Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? Der Ablauf ist exakt festgelegt und
vereinbart: Mitarbeitergespräche finden
während der Probezeit der Aspiranten oder
in den ersten Wochen der neuen inhaltlichen
Tätigkeit statt. Die Person bekommt rechtzeitig eine schriftliche Einladung. Mit dem
jeweiligen Vorgesetzten ist der Termin bereits abgestimmt. Der Werkstattrat kümmert
sich nun um den Raum (Barrierefreiheit mit
Blick auf körperbehinderte WR-Mitglieder;
Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden während ihrer
möglichst in Arbeitsplatznähe der Person).
Probezeit von einem Werkstattrat-Team (rechts) zu einem
Teilnehmer des Gespräches, Dauer, einlaKennenlerngespräch mit vorbereiteten Fragen eingeladen.
dendes Ambiente, mögliche Terminkollisionen – alles Dinge, die er vorab klärt.
Seit 2008 ist Susanne Hielscher Vorsitzende des
Den Termin nimmt eines der beiden festen
Werkstattrates für Menschen mit geistigen Behin- Interview-Teams wahr. Diese Teams bestehen aus
derungen. Sie und ihre acht Mitstreiter setzen sich jeweils zwei Personen, die sich in ihren Fähigkeiten
vielfältig ein für ihre Kolleginnen und Kollegen, sind der Gesprächsführung und des schriftlichen NachSprachrohr, Interessenvertretung und manchmal haltens (als Ergebnis einer entsprechenden Ausauch „Kummerkasten“ für private Dinge. Seit 2012 bildung) ergänzen. Gesprächsziel sei immer, den
nutzt der Werkstattrat ein neues Instrument
der Mitwirkung: die Mitarbeitergespräche.
Was hat es damit auf sich?
Mitwirkung in Behinderteneinrichtungen
schreibt die Werkstättenmitwirkungsverordnung (WMVO) vor: Darin steht zum
Beispiel, dass die Werkstattleitung den
Werkstattrat über Einstellungen und Versetzungen des Fachpersonals zu unterrichten hat. Das war dem Werkstattrat aber
zu wenig. Zunächst initiativ, unterstützt von
der ebenfalls gesetzlich vorgeschriebenen
und assistierenden Vertrauensperson (aus
der Mitarbeiterschaft), später dann auch
kooperativ mit der Geschäftsführung, wurde ein weiterführendes Modell entwickelt:
Mitarbeitergespräche gibt es seit dem
Sommer 2012. Ausnahmslos alle neu einGemeinsam hat der Werkstattrat für Menschen mit geistiger Begestellten Fachkräfte im Gruppendienst
hinderung einen Fragenkatalog entwickelt. Gut vorbereitet gehen
der Werkstatt für Menschen mit geistigen
die beiden Teams in die Mitarbeitergespräche.
14
lewe aktuell 2.2015
Magazin
ZUM THEMA
Warum Mitarbeitergespräche?
Von der Personalentwicklung im Gruppendienst
betroffen sind Beschäftigte täglich und unmittelbar. Das Modell lässt sie im internen Kommunikationsprozess tatsächlich und verbindlich erkennbarer werden. Das in der WMVO garantierte
Recht auf Mitwirkung versetzt den Werkstattrat
in die Lage der strukturierten Einbeziehung in
Personalentscheidungen.
Das Modell verbessere den Prozess der Personalfindung, sagt Ralf Hagemeier. Im Verfahren
fest installiert sei die Rückmeldung an die Einrichtungsleitung in Form eines Auswertungsgespräches, das nach einem selbstgewählten,
festgelegten Fragemuster verlaufe. Das sei auch
wichtig zur verlässlichen Vorbereitung für den
Werkstattrat. Dieses Gespräch sei das einzige
Feedback an Leitung, während die Dokumentation des tatsächlichen Gesprächsverlaufes im
Eigentum des Werkstattrates bleibe, erklärt der
Geschäftsführer. Hagemeier: „Personalauswahlverfahren werden qualifiziert. Welchen Mitarbeiter suchen wir und was wird tatsächlich an Personal gebraucht?“
Seit 2001 schreibt die WMVO Arbeit, Wahlverfahren, Pflichten und Rechte des Werkstattrates
fest. Im LeWe-Geschäftsbericht taucht die damalige Beschäftigten-Vertretung erstmals 1983
auf. Als „Werkstattrat“ firmiert das Gremium seit
1993.
vorbereiteten Fragenkatalog abzuarbeiten, erklärt
Hielscher. Wichtig seien formale Essentials wie die
Begrüßung mit Handschlag, die Anrede per „Sie“,
das Angebot, Platz zu nehmen oder stets den Blickkontakt zu halten. Und dann werde es konkret, etwa
so: „Was haben Sie für eine Ausbildung gemacht?
Warum haben Sie sich bei den Ledder Werkstätten
beworben? Was meinen Sie, welche Fähigkeiten
braucht man, wenn man mit behinderten Menschen
arbeitet?“
Der Fragenkatalog ist mit der Vertrauensperson
entwickelt worden. Er gibt den Teams, Menschen
mit geistigen Behinderungen, Sicherheit in der Kommunikation mit einer vielleicht vollkommen fremden
lewe aktuell 2.2015
Person. Dass kein Mitarbeitergespräch wie das andere sei und die Zeitvorgabe zum Beispiel im Fall
gegenseitiger Sympathie aus dem Ruder laufe, gibt
Hielscher gerne zu. Aber: Am Ende stünden Antworten auf klar umrissene Fragen.
Hier liegt der Unterschied zu anderen Formen der
Mitwirkung. Wenn beispielsweise Werkstatträte an
Bewerbungsgesprächen mit Leitung teilnehmen,
die sprachlich und inhaltlich auf anderer, fachlicher
Ebene laufen, muss das nicht zielführend im Sinne
der Mitwirkung sein: Sie trauen sich vielleicht nicht,
selbst etwas zu fragen, weil es ihnen viel zu profan
erscheint. Hielscher: „Wir hätten dort zu wenig Zeit
und Raum für unsere Fragen.“
Die Aufgabenverteilung in den Interviewteams sei
klar geregelt, berichtet sie. Einer frage, einer schreibe. Schulungen, immer wieder Schulungen, Workshops, der Besuch von Fachvorträgen auf der Werkstätten:Messe in Nürnberg, viele Diskussionen hinter
verschlossener Tür, Input durch die Vertrauensperson – es war ein weiter Weg bis zum fertigen Konzept. Inzwischen weit über ein Dutzend neue oder
intern wechselnde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
haben sich seit 2012 dem Gespräch gestellt. Und
auch der Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen ist durch Petra Keller
dabei. Als Werkstatträtin vertritt sie die Interessen
von über 70 Beschäftigten und gehört zu einem der
beiden Interviewteams.
Susanne Hielscher (Vorsitzende) und Michael Otte
(Vertreter, links) haben regelmäßig Termine mit Rudolf
Schönrock (Geschäftsleitung Werkstatt für
geistig behinderte Menschen).
15
Magazin
Sicherheit geht vor: Elektroprüfer
sind seit zehn Jahren unterwegs
Mitarbeiter und Elektrotechniker Markus Aulkemeier (rechts) mit der aktuellen Elektroprüfer-Gruppe. Zehn Jahre „Prüfung ortsveränderbarer Elektrogeräte“ haben die Männer am 23. April im Lengericher Samocca beim gemeinsamen
Mittagessen Revue passieren lassen. Inzwischen kommen ihre Aufträge auch von außerhalb der Werkstatt.
Zehn Jahre Prüfung ortsveränderbarer Elektrogeräte: 2005 haben wir damit begonnen, werkstattund wohnbereichsweit „alles mit Stecker“ in regelmäßigen Abständen selbst zu prüfen und kommen
damit einer gesetzlichen Auflage nach. Zum Start
war eine durchaus umfangreiche Unterweisung der
Beschäftigten, die diese Aufgabe inzwischen komplett selbstständig leisten, notwendig: Markus Aulkemeier, Bereichsleitung der Betriebsstätten an der
Glücksburger Straße in Ibbenbüren und von Haus
aus Elektrotechniker, hat bis heute in mehreren Ausbildungsgängen 18 Prüfern das notwendige Fachwissen vermittelt.
Ein halbes Jahr dauere so eine Ausbildung. Der
wöchentliche Unterricht sei umfassend, aber auch
16
werkstatt-spezifisch, berichtet Aulkemeier, der unter den Prüfern auch Beschäftigte mit den früheren
Berufsbildern Elektroinstallateur und -techniker hat.
Inzwischen finden jährlich Auffrischungsschulungen
auch durch externe Kräfte statt.
Widerstand des Schutzleiters, Differenzstrom, Schäden am Kabel und natürlich der Blick aufs Gerät:
Die Elektroprüfer schauen genau hin und messen
exakt. Dafür wurden zwei professionelle Prüfgeräte
angeschafft, die permanent im Einsatz sind. Das
wiederum liegt ganz einfach daran, dass an den insgesamt mehr als 40 LeWe-Standorten über 5000
ortsveränderliche elektrische Geräte in Gebrauch
sind, die Arbeit für die Prüfer also nie abreißt. Etwa
40 Geräte am Tag könne man durchmessen, belewe aktuell 2.2015
Magazin
richtet Bernd von der
Assen, Beschäftigter
und seit Anfang an im
Projekt.
Nach seiner Prüfung
bekommt beispielsweise der mobile Tellerwärmer unserer Großküche ein gut sichtbares
Prüfsiegel und einen
Barcode, aus dem sich
bei der Wiederholungsprüfung alle Daten
auslesen lassen. „Gesperrt“-Aufkleber hat
er auch im Koffer und
ist berechtigt, beispielsweise den Toaster im
Wohnbereich mit brüchigem Kabel stillzulegen. Es gibt festgelegte
Prüfintervalle, die von
der Nutzungsintensitität der Geräte abhängen, und ein Archivierungsprogramm mit der
Liste aller vorhandenen
Bernd von der Assen im Kellergeschoss unter der Ledder Großküche. Gerade überprüft er einen Geschirrwärmer. Mehr als 5000 solcher ortsveränderbaren elektrischen
Geräte gibt es in den Ledder Werkstätten - viel Arbeit für die Geräteprüfer!
Mit zwei solcher Geräte der Marke „Secutest“ sind die
Elektrogeräteprüfer quasi permanent unterwegs. Das
setzt technische Kenntnis und Mobilität voraus.
lewe aktuell 2.2015
Geräte samt anstehender Wiederholungsprüfungen. Die Pflege dieser Datenbank
fürs gesamte Projekt hat wiederum einen
stundenweisen Computerarbeitsplatz in
der Betriebsstätte Schnieders generiert.
Weil die Elektroprüfer inzwischen über alle
nötigen Routinen und einiges Fachwissen
verfügen, machen die LeWe ein externes
Dienstleistungsangebot: Seit 2007 gehören
mehrere Kindertageseinrichtungen, Seniorenheime, eine Arztpraxis, eine Entsorgungsfirma oder eine Wohngemeinschaft
zu den Kunden. Einige aus dem Prüfteam
sowie Mitarbeiter absolvierten 2007 einen
Lehrgang zum deutlich aufwändigeren Testen sogenannter Festanlagen.
Bernd von der Assen meint zum Projekt
Stromprüfer: „Es ist eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle Arbeit, die vor Ort
immer positiv bewertet wird. Zur Sicherheit
der Geräte und der damit arbeitenden Personen.“
17
Magazin
„Stromspar-Check“ bringt ABW
bares Geld und Energiebewusstsein
„Man kann was für sich selbst sparen und man
spart Energie.“ Kerstin Ballmann erklärt, warum
sie und ihre Mitbewohner an der Großen Straße,
Anna Naumann und Björn Czayka, beim „Stromspar-Check“ mitmachen. Das bundesweite Projekt hat die Caritas Rheine nach Ibbenbüren
geholt. Drei Berater-Teams waren jetzt in zwölf
Wohnungen zu Gast, in denen 25 Beschäftigte
im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW) leben
und von ihren Fallmanagern begleitet werden.
Heiner Hibbe ist Fallmanager und kennt die Risiken, die die autarke Wohnsituation für Men-
Minus geraten sei. Konsequenz: Der Anbieter
stelle die Stromlieferung ein.
Das Caritas-Projekt erzielt echte Einspareffekte:
Kosten für Kochen und Betrieb elektrischer Geräte gehören zum Regelsatz der Grundsicherung. Strom- oder Gasenergie, die Kerstin Ballmann und die anderen am Herd, fürs Licht und
den Betrieb von Kühlschrank und Waschmaschine verbrauchen, müssen sie daraus selbst
zahlen. Strom zu sparen, macht für die Wohngemeinschaft doppelt Sinn: Zum einen werden
erzielte Guthaben nicht von ihrer Hilfeleistung
abgezogen. Zum anderen geht es um
sinnvollen Umgang mit Energie und
den persönlichen Beitrag zum Umweltschutz.
Die WG besprach alles mit Fallmanager Hibbe, der die Caritas anrief. Inzwischen waren Ulrich Karl und Robert Krupski an der Großen Straße.
Die Stromrechnung schauten sich die
Stromsparhelfer an, maßen die Kühlschranktemperatur, überprüften Glühbirnen, suchten Einspareffekte durch
Stand by-Schalter. Im Mai kamen sie
wieder und brachten Artikel im Wert
von bis zu 70 Euro mit. Energiesparleuchten, abschaltbare Steckerleisten
oder Durchflussbegrenzer für die Dusche zum Beispiel. Und Tipps für den
sparsamen Umgang mit Energie. Das
kostete Kerstin Ballmann und ihre Mitbewohner keinen Cent.
Augustjanska-Meier gibt den EinsparUnsere ABW-Fallmanager (hier im Bild: Heiner Hibbe, rechts)
effekt für die Wohnung Wochen späbegleiten auch Aktionen wie den „Stromspar-Check“.
ter mit über 300 Euro an. 100 Euro pro
Person klingt wenig, doch in Relation
schen mit oft schmalem Budget bedeuten kann. zum Hartz IV-Regelsatz (nur Empfänger der LeiIhnen drohe sogenannte Energiearmut, weil stung sind teilnahmeberechtigt) ist das viel. Das
sie dauerhaft mehr verbrauchten, als sie zu Trio spart jetzt aktiv Strom: Der Fernseher bleibt
bezahlen in der Lage seien. Das bestätigt Ka- aus, wenn keiner im Wohnzimmer ist. Licht in
rolina Augustjanska-Meier, Caritas-Anleiterin ungenutzten Räumen gibt es nicht mehr. Im
für den „Stromspar-Check“. Nachforderungen Kühlschrank lagern nur Lebensmittel, die zwindes Stromanbieters seien finanziell nicht mehr gend gekühlt werden müssen. Kerstin Ballmann:
darstellbar, wenn man über einige Monate ins „Wir haben einiges gelernt dadurch.“
18
lewe aktuell 2.2015
Magazin
Landespräses Annette Kurschus im
Rahmen der Kirchenkreis-Visitation zu Gast
Was für Arbeitszeiten haben Beschäftigte? Wechseln die Menschen
auch mal die Abteilung? Wer sind
Auftraggeber und
was ist der Anreiz
für Unternehmen,
die LeWe zu beauftragen? Wie eng ist
der Kontakt zu den
Kirchengemeinden
im
Tecklenburger
Land? Viele konkrete Fragen brachte Annette Kurschus
am Mittwoch, 15.
April, mit. Mit einer
20-köpfigen Delegation führte die
Landespräses über
eine ganze Woche
eine Visitation der
Landeskirche
im
Die Landespräses, Annette Kurschus (rechts), hat uns im Rahmen der landeskirchlichen
Kirchenkreis TeckVisitation besucht. Hier zeigt unsere Mitarbeiterin Meike Hagemann die Industriefilter,
lenburg durch.
die wir in der Textilabteilung in Ledde in großen Stückzahlen nähen.
Dass die leitende
Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen bei so einem Be- reich mit seiner produktionsorientierten Arbeit und
such der kirchlichen Praxis einer ganzen Region großen Aufträgen aus der Industrie.
auch die Diakonie unter die Lupe nimmt, versteht Später, beim Fachgespräch mit Geschäftsleitung,
sich von selbst. Über 200 Termine absolvierten die Susanne Hielscher als Vertreterin des WerkstatVisitatoren in Gemeinden, Kirchen, Einrichtungen trates und Mitgliedern des LeWe-Aufsichtsrates, ging
wie Kindergärten und Schulen, Unternehmerrunden es um diese Fragen: Sicherung der Produktqualität,
und an vielen weiteren Orten.
die Auftraggeber natürlich erwarten; Abwanderung
Sie wolle gerne etwas sehen von der Werkstatt, von einfacher Arbeit in Billig-Lohn-Länder; der enbetonte die Präses gleich bei der Begrüßung. Ge- orm wichtige und gewollte Sozialraumbezug einer
schäftsführer Ralf Hagemeier unternahm eine in- dezentral organisierten Einrichtung; Einbindung junformative Runde durch den neu gestalteten Café- ger Menschen etwa durch Freiwilligendienste und
Bereich, den ebenfalls neuen Arbeitsbereich für nachhaltige Personalentwicklung.
schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen und Etwas davon, was sich hinter der „Marke LeWe“ verdie Textilabteilung in Ledde. Damit bekam die The- berge, habe sie sehen können, sagte die Landespräologin gleich einen Einblick in die enorme Diversifi- ses zum Abschluss dieses Visitationstermins. Zum
zierung einer modernen Werkstatt für Menschen mit Abschied überreichte ihr Hagemeier das Fotobuch
Behinderungen: hier der Bereich der besonderen „Freiraum – Perspektive Mensch“ der BundesarBetreuung mit hohem Pflegeanteil und Personal- beitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschlüssel und der Aufgabe, Teilhabe durch Arbeit schen. Darin auch einige Aufnahmen von LeWe-Beäußerst kleinteilig zu gestalten. Dort der Textilbe- schäftigten.
lewe aktuell 2.2015
19
Magazin
Borussia Dortmund unterstützt
10. Integratives Fußballturnier
Tolle Unterstützung von den Profis: Borussia Dortmund hat uns 15 Karten für ein Heimspiel der nächsten Saison im Signal Iduna Park spendiert. Ende
Februar hatten wir unser Projekt „Fußballturnier“
beim BVB schriftlich vorgestellt. Innerhalb von 14
Tagen kam die erfreuliche Zusage der Abteilung
„Corporate Social Responsibility“ für das Kartenkontingent. Vielen Dank an den BVB! Die Freude
darüber beim Sieger unseres zehnten Integrativen
Fußballturniers war natürlich riesengroß.
Neun integrative Mannschaften mit über 50 Menschen mit Behinderungen traten am 13. Juni im
Stadion Ost an. 29 ehrenamtliche Helferinnen und
Helfer waren an diesem Tag auf dem Sportgelände der ISV dabei. Geschäftsführer Ralf Hagemeier
dankte Spielern und Helfern für ihren Einsatz und
überreichte Pokale und Preise an die Teams.
Integrativ Fußball zu spielen bedeutet: In den
sechsköpfigen Mannschaften sind jeweils maximal
ein Vereinsspieler und mindestens ein (meistens
aber mehr) Beschäftigter, also ein Mensch mit Behinderung, vertreten. Damit so ein großes Turnier
mit fast 100 Spielerinnen und Spielern reibungslos
übers Spielfeld geht, sind viele Hände nötig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten Zelte aufgebaut,
für Getränke gesorgt und die nötige Technik für die
Wertung installiert.
Nach 2014 erneut Turniersieger: Der Wohnbereich
Westerkappeln holte wieder den Wanderpokal.
20
20
Beim Benefizturnier im Sportfreunde-Team
am Ball: Uwe Spellmeyer (hinten), hier gegen
Ex-Werder Bremen-Profi Ivan Klasnic.
Nach der Vorrunde setzte heftiger Regen ein, sodass die Finals verkürzt wurden auf Elfmeterschießen. Turniersieger wurde nach 2014 zum zweiten
Mal der Wohnbereich Westerkappeln. Platz zwei
holten die „Holzwürmer“, Team unserer holzverarbeitenden Betriebsstätte Settel in Lengerich. Auf
Platz drei kam der Ibbenbürener Wohnbereich
Waldfrieden. Den Torjägerpokal überreichte der
Geschäftsführer an den Lengericher Daniel Stockhammer, der sechs Mal traf und sich auf eine Ballonfahrt beim LeWe-Erntefest am 27. September
auf Gut Stapenhorst in Lengerich freuen kann.
Fans der Sportfreunde Lotte, mit denen wir seit über
zwei Jahren erfolgreich kooperieren, kamen ebenfalls auf ihre Kosten: Der langjährige Lotter Spieler Henning Grieneisen trat als Tages-Trainer mit
dem Team „Sportfreunde Lotte“ – alles Menschen
mit Behinderungen – an. Am Abend dieses Tages
haben wir teilgenommen an einem Benefizspiel der
Auswahl Sportfreunde Lotte und einer Traditionsmannschaft mit ehemaligen Bundesliga-Profis wie
Ivan Klasnic (Ex-Werder Bremen) zugunsten der
Lotter Nachwuchsförderung. Im SF-Team aus Vereinsfunktionären und Sponsoren haben unser Beschäftigter Uwe Spellmeyer und Mitarbeiter Thorsten Pelster mitgespielt.
aktuell
1.2007
lewelewe
aktuell
2.2015
Magazin
Fußball: Saisonauftakt in Lotte und
Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft
Saisonauftakt für die LeWe-Kicker: Am 18. April hat der Deutschen Fußballmeisterschaft der Werkstätten:
der erste Spieltag der Regionalliga 4/Westfalen des Im Beckumer Jahn-Stadion liefen Sebastian Brink,
Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Andre Büker, Jörg Fübbeker, Alexander Holden, BeNordrhein-Westfalen (BRSNW) stattgefunden. Aus- sir Kantar, Daniel Kempkes, Adrian Meta, Ron Norrichter waren
kowski, Uwe
die Ledder
Spellmeyer,
M a r k u s
WerkstätVor mbr o ten mit den
Spor tfreuncke, Michael
den Lotte auf
Vorsthoven
Lotter Kunstund Manuel
Zischka auf.
rasen. Seit
über
zwei
Gemeldet
Jahren ist der
waren
die
Viertligist unSpieler, beser Kooperagleitet von
tionspartner.
den Trainern
Zehn MannTorsten Luschaften wabinski und
ren gemeldet
Harald Lamund traten jebers, erstweils vier Mal
mals
als
an, wobei auf
Mannschaft
leistungsge„ S p o r trechte Spielfreunde Lotpaarungen
te“.
geachtet wurDen NRWde. Für unEntscheid in
Mannschaftsposter für alle: Die Gastmannschaften freuten sich beim
sere zweite
Beckum
hatRegionalliga-Spieltag über Lotter Fanartikel. Inzwischen haben
Mannschaf t
ten
die
FreLeWe-Beschäftigte einen eigenen Fanclub gegründet.
lief es mit
ckenhorster
zwei UnentWerkstätten
schieden und zwei Niederlagen nicht so gut, doch gut organisiert. Begleitet wurde die Mannschaft von
der Spaß am gemeinsamen Kicken zählt schließ- unserem Projektverantwortlichen Fußball, Thorsten
lich. Für das richtige Umfeld und die gute Organi- Pelster, und Marco Prütz, der bei den Sportfreunden
sation war gesorgt: Der BRSNW stellte mit Daniel für Marketing, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit
Niewerth, Robin Linhard und Andreas Pietrasz rou- zuständig ist. Sportlich lief es nicht rund fürs LeWetinierte Schiris. Mit Marco Hansmann, Gerrit Nau- Team: 0:2 gegen die Werkstatt Herne/Castrop-Rauber, Jannyk Dauth, Jesse Weißenfels und Henning xel, 3:4 gegen die Freckenhorster Werkstätten und
Grieneisen hatten die Sportfreunde gleich fünf Pro- 4:5 gegen die Hellweg Werkstätten.
fis abgestellt, die Tipps und Autogramme gaben.
Der Weg zum DM-Finale führt über die LandesmeiWichtiger Teil unserer Kooperation mit den Sport- sterschaft. Zum Finalturnier vom 7. bis 10. Septemfreunden sind die Besuche aller Heimspiele in Lotte. ber in Duisburg treten 16 Landesmeister an. Die
Zum Match gegen Viktoria Köln am 17. April beispiels- Finalrunde wird organisiert von der Sepp Herbergerweise hatten sich fünf Beschäftigte in Eigenregie per Stiftung im DFB, dem Deutschen BehindertensportBus aufgemacht. Das Training der Ersten läuft seit verband, Special Olympics Deutschland und der
Ostern wieder auf Lotter Kunstrasen. Dieses Team Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinvertrat die LeWe wenig später auch in der Vorrunde derte Menschen.
lewe aktuell
lewe
aktuell 1.2007
2.2015
2121
Magazin
Varieté-Nachmittag Nummer zwei
sorgt für restlos besetzte Therapiehalle
Auch Auflage Nummer zwei, nach der Premiere im März 2014, war ein voller Erfolg:
Unser zweiter Varieté-Nachmittag am 3.
Mai überraschte das Publikum in der restlos gefüllten Ledder Therapiehalle mit einem
abwechslungsreichen Programm. Fast zwei
Stunden lang erlebten rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer ganz viel handgemachte Kleinkunst und Kultur von und mit
Menschen mit Behinderungen.
Den stimmgewaltigen Auftakt machte der
integrative Chor „Miteinander“ von Julia
Prigge und Marc Rogge: 30 Beschäftigte
und zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
hatten in mehreren gemeinsamen Proben
Geschäftsführer Ralf Hagemeier (links) und Heinz
zwei Songs für diesen Nachmittag vorbeBischoff (Freizeitverein) danken Eva-Maria Daudel für
reitet und trugen sie auf der professionell
ihre Spende. Das Geld fließt in neue Musikprojekte.
ausgeleuchteten „Bühne“ mit musikalischer
Begleitung vor. Fast schon akrobatisch: die
LeWe-Breakdancer um Daniele Spaziani. Aktuell unterschiedlichen Fähigkeiten, darunter auch eine
vier junge Männer und eine junge Frau üben alle Rollstuhlfahrerin, auf die Bühne bringt. Farbenfrohe
14 Tage mit ihrem Trainer, der auch für die Jugend- Kleider, glitzernde Pailletten und orientalische Musik
kunstschule Ibbenbüren und den TVI trainiert.
sorgen für exotisches Flair.
Wieder im Varieté-Programm: die Bauchtanzgrup- Schließlich die Impro-Aktiv-Werkstatt mit Verena
pe von Katja Jürkenbeck, die mehrere Choreogra- Jannaber und unserem Mitarbeiter Christian Flechfien vorführte und inzwischen zehn Frauen mit ganz sig, die auf Stichworte urkomische Szenen entwickelte und das Publikum hervorragend unterhielt. Große
Gefühle, munteres Beruferaten
oder der sportliche Wettkampf
in Zeitlupe – die IAW hat inzwischen ein Niveau erreicht, dass
selbst semiprofessionelle Improtheaterspieler im Publikum
begeisterte.
„Wir möchten unseren Akteuren
eine Bühne geben. Sie sind
heute ein ganz tolles Publikum“,
sagte Ralf Hagemeier zur Pause. Vor allem aber bedankte
sich unser Geschäftsführer bei
Eva-Maria Daudel, die aus Anlass ihres Geburtstags Geld gesammelt und die Summe selbst
auf 1000 Euro aufgestockt hatte. Die Spende überreichte die
Wow! Als die Breakdancer auftreten, staunt das Publikum. Gerade zeigt
Bielefelderin dem Freizeit- und
Daniele Spaziani, was er kann. Da sind selbst seine Jungs aus der LeWeKulturverein für weitere musikaTruppe (links) baff. Auch das übrige Programm kommt richtig gut an.
lische Projekte. Dankeschön!
22
22
leweaktuell
aktuell2.2015
1.2007
lewe
Menschen in der Werkstatt
Um Fußball dreht sich eine Menge:
Dennis Pauliks gründet SF Lotte-Fanclub
Früher Spieler bei Cheruskia Laggenbeck bis zur Töchterchen Leonie) in der gerade bezogenen IbB-Jugend, Jahre in der zweiten und dritten LeWe- benbürener Wohnung die Nummer eins. Über unser
Mannschaft, vielleicht kommende Traineraufgaben Ambulant Betreutes Wohnen wird er seit Jahren rein der E-Jugend von Schwarz-Weiß Esch, BVB-Fan gelmäßig begleitet. Mit weiterer Unterstützung der
mit Leibe und SeeFamilie ist der Alltag
le und nun die „Blue
damit gut organisiert.
Brothers“, SF LotteAktuell besonders im
Fanclub in Gründung:
Fokus steht für ihn der
Für Dennis Pauliks
Fanclub: Vor Jahren
dreht sich eine Menge
hatte Dennis Pauliks
um Fußball.
ein tolles Pokalfinale
2007 kam der heute
in Lotte erlebt. 2013
29-jährige Ibbenbübegann die Kooperation LeWe/SF Lotte mit
rener zu den Ledder
einer
PressekonfeWerkstätten. Als sogerenz in der Werkstatt
nannter „Quereinstei– er war begeistert.
ger“ mit gemischten
Der
eingefleischte
beruflichen VorerfahBVB-Fan fing auch
rungen: Nach dem Befür den Viertligisten
such der Helen-KellerFeuer, besuchte fortSchule in Ibbenbüren
an Heimspiele, lernte
brach er eine Lageviele Spieler persönristen-Ausbildung mit
lich kennen und gründer Zwischenprüfung
dete im April mit fünf
ab. Nicht weil er die
weiteren
BeschäfArbeit nicht geschafft,
tigten den eigenen
sondern weil er sich
Fanclub.
mit der Berufsschule
Die Geschäftsstelle
schwer getan habe,
in Lotte wurde konerzählt er. Anderthalb
taktiert, die StadionJahre bei der Spedizeitung berichtete im
tion Fiege in IbbenMai über das Projekt.
büren-Uffeln folgten.
Inzwischen sind neun
Der Job war befristet,
Daumen hoch: Dennis Pauliks hat einen eigenen
Fans an Bord und
sodass Dennis Pauliks
Fanclub für die Sportfreunde Lotte gegründet.
haben als „Blue Brotbald wieder bei der Arhers“ mit dem bereits
beitsagentur stand.
existierenden „Lotte
Dort habe ihm der Berater empfohlen, es mit der Werkstatt zu versuchen. Fanclub“ das Finale im Westfalenpokal gegen Verl
Für ihn heute die richtige Entscheidung: „Ich bin besucht.
hier gut aufgenommen worden, habe neue Freunde Vor drei Monaten hat Dennis Pauliks mit dem Fühgefunden. Und ich bin gerne draußen.“ Nach sei- rerschein begonnen. Wieder viel Theorie, die ihm
nem Praktikum im Elektrobereich der Betriebsstätte schwer falle; also müsse er viel üben, weiß er das
Maybachstraße entschied er sich nämlich für den einzuschätzen. Klappt die Prüfung, bedeutet das
Gartenbau und fährt heute jeden Tag mit seiner auch ein Stück neue Mobilität für das Fanprojekt.
Gruppe zu Kunden. Beetpflege, Hecken schneiden, Die Angelprüfung hat er schon bestanden und geht
Rasen sähen – Arbeit im Freien, mit viel Bewegung, mit unserem Freizeit- und Kulturverein, der mehrauch mit einfachen Maschinen, das liegt ihm.
mals jährlich Angelausflüge anbietet, an die heiAbends ist seine kleine Familie (Frau Christina und mischen Gewässer.
lewe
leweaktuell
aktuell1.2007
2.2015
2323
Drittes Samocca-Café in Ibbenbüren,
Abschied vom KvG-Kiosk in Mettingen
Ibbenbüren/Mettingen. Zum LeWe-Portfolio gehören hochwertige Arbeitsplätze in den Samocca-Cafés, die es seit 2006 in Lengerich und seit
2011 in Saerbeck gibt. Zehn beziehungsweise drei
Beschäftigte, begleitet von zwei beziehungsweise
einem Mitarbeiter, leisten an beiden Standorten die
Bandbreite der Tätigkeiten eines normalen Café-Betriebs. Wir sind Teil eines bundesweiten FranchiseNetzwerkes von Werkstätten der Samariter-Stiftung
Neresheim der Ostalb-Werkstätten (Baden-Württemberg) mit fast 20 Standorten. Das Konzept bietet
entsprechend geschulten Beschäftigten komplexe
Arbeitsplätze; das Publikum honoriert diese Arbeit
täglich durch hohe Frequenzen.
Deshalb haben wir uns entschlossen, ein weiteres
Café einzurichten: An der Bahnhofstraße 18 in Ibbenbüren sind wir seit Mai Mieter der ehemaligen Zum Schuljahresende haben wir den Kiosk an den KardiGaststätte „Schlägel und Eisen“. Im Laufe des Jahnal-von-Galen-Schulen abgegeben. Fast acht Jahre lang
res wird die Parterre analog zum Samocca-Café
war er auch ein schönes Stückchen Alltags-Inklusion.
Lengerich umgestaltet und mit 40 bis 45 Sitzplätzen ausgestattet. Den Umbau macht die LeWeHaustechnik, die etwa 20 Menschen mit Behinderungen vielfältig beschäftigt.
Zehn bis zwölf Beschäftigte werden dort voraussichtlich ab Winter 2015/2016 im Café-Betrieb arbeiten und
von zwei Fachkräften betreut. Die Gäste erwartet die gewohnt hochwertige Produktpalette mit Spezialitätenkaffees und kleinen Speisen in einem gepflegten Ambiente.
Aufgegeben haben wir mit Ende des Schuljahres den Kiosk an den Kardinal-von-Galen-Schulen in Mettingen. Ein personalintensives Konzept, seit März ein neuer Lieferant für die Schulmensa, die zunehmend
schwierige Personalfindung unter den Beschäftigten, divergierende Wünsche an das Sortiment – Gründe,
die in der Summe den Ausschlag dafür gaben, den Kiosk in neue Hände zu geben. Ganze Schülergenerationen haben dort über fast acht Jahre in ihrem Alltag ein Stück Inklusion erlebt.
800 Lebkuchen-Medaillen
zum Sommerfest 2015
Tecklenburg-Ledde. Unsere Beschäftigten feiern am Freitag,
28. August, Sommerfest in der Betriebsstätte Ledde. Von 10 bis
14.30 Uhr wird die Fläche hinter der Werkstatt zum bunten Rummelplatz: Auf der Bühne sorgt ein DJ für Musik. Wer mag, kann
sich mit Kollegen oder seiner Gruppe fotografieren lassen. Die
„Chill Area“ lädt mit Sofas und ruhiger Musik ein. Cocktails, kühle
Getränke, Pizza und Pommes werden serviert. Auf dem LeWeRummel erwarten der Boxautomat, „Hau den Lukas“ sowie Buden
mit Entenangeln und Armbrustschießen ihr Publikum. Zum Naschen und oder zur Erinnerung an ein tolles Sommerfest bekommen dieses Mal alle Gäste Lebkuchenmedaillen.
lewe aktuell 2.2015