For Tomorrow Ich hoff´ auf morgen
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For Tomorrow Ich hoff´ auf morgen
For Tomorrow Ich hoff´ auf morgen Die Geschichte und Gedichte der Hilda Stern Cohen die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden in ihren eigenen Worten an Originalschauplätzen erzählt Erscheinungsdatum des Videos: Herbst 2009 For Tomorrow / Ich hoff´ auf morgen ist eine 85 minütige Videoproduktion, die an Originalschauplätzen in Deutschland, Polen, Österreich und den USA gedreht wurde. Mit Gail Rosen (Geschichtserzählerin) und Elizabeth Bolton (Mezzosopran und Rabbi). Während der letzten sechzig Jahre wurden viele bewegende Filme und Fernsehprogramme über den Holocaust gedreht. Da das Geschehene zeitlich schon in die Ferne gerückt ist, finden junge Generationen und Zuschauer zunehmend keine Verbindung mehr zum Geschehenen und können sich nicht vorstellen, was damals passiert ist. Das gilt sowohl für ein jüdisches als auch für ein nicht-jüdisches Publikum. Dennoch sind die Erfahrungen des Holocaust auch in der heutigen Welt noch präsent. Sie äußern sich in ethnisch und religiös motivierter Familie Stern, Nieder-Ohmen, um 1935 Gewalt und Grausamkeit, die noch immer die Schlagzeilen beherrschen. Hilde Stern, Gmunden, Oberösterreich, 1945 Durch Kunst, so glauben wir, kann das Problem des Informationsdefizites in Bezug auf geschichtliches Vorstellungsvermögen in kommenden Generationen überwunden werden. Durch Kunst – in diesem Fall die Kunst des Geschichtenerzählens, der Poesie und Musik – erreichen wir die Herzen der Menschen. Wir versetzen sie in die Lage, sich vorzustellen, wie ein einziger Mensch mit der nackten, grausamen Wahrheit umging und es schaffte, zu überleben und das Erlebte durch die Kraft des Dichtens und religiösen Glauben zu verarbeiten. Die Videoproduktion stellt Gail Rosen und ihre dramatischen Erzählungen in den Mittelpunkt. Sie erzählt das Leben von Hilda Stern Cohen, die den Holocaust überlebt hat, einer Dichterin, einer jüdischen Erzieherin. Ihr bemerkenswertes Leben reicht von einer idyllischen Kindheit in einem ländlichen Dorf in Deutschland, den Schrecken im Ghetto Litzmannstadt (Łódź) und Auschwitz, dem Übergangsstadium im Lager für Displaced Persons in Österreich bis hin zu einer Erlösung, die sie in Spiritualität fand und eine zurückerlangte jüdische Identität in Amerika nach dem zweiten Weltkrieg. Ihr Ehemann, Dr. Werner Cohen, sagte kürzlich: „Hilda hat eine Stimme aus dem Inferno heraus geschaffen, die die Stellung der Opfer beleuchtete und das, wofür sie standen sowie die Stellung der Unterdrücker und wofür sie standen. Wer waren die Opfer, für die Hilda gesprochen hat? Es waren normale Menschen mit durchschnittlichen Ansichten und Zielen. Es waren gute Menschen. Wer waren die Widersacher? Es waren Beauftragte derjenigen, deren höchstes Ideal die Verwirklichung absoluter Macht war, ganz und gar jenseits jeder Moralvorstellung.“ Hildas Leben gibt uns also einen Blick auf das, was als Anstand und Würde, Gutherzigkeit und Moral bezeichnet wird. Es erinnert uns daran, wie eben dies in einer Welt – sogar in einer Welt umgeben vom Bösen und der Zerstörung – erreicht werden kann. Gail Rosen erzählt die Geschichte von Hilda Stern Cohen in einer Reihe unterschiedlicher Kapitel, die mit gesprochenen und gesungenen Gedichten auf Hebräisch und Englisch untermalt werden. Als weitere Untermalung dienen zehn Lieder von William Gilcher, gesungen auf Deutsch von Rabbi Elizabeth Bolton, begleitet von Klavier- oder Flötenspiel. Die Orte der Videoaufnahmen stimmen mit den Kapiteln in Hildas Leben, wie sie von Gail Rosen erzählt werden, überein: 1. Kindheit in Nieder-Ohmen in Hessen (aufgenommen auf dem Dorfplatz und in der Schule, die sie besuchte) 2. Ausbildung an der Israelitischen Lehrbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg (aufgenommen im Schulgebäude, das immer noch als Schule genutzt wird und in den 1930er Jahren ILBA beherbergte) 3. Frankfurt vor der Deportation nach Osten (aufgenommen in der Nachbarschaft und in dem Mehrfamilienhaus, in dem die Familie Stern damals lebte) 4. Leben im Ghetto Łódź in Polen (aufgenommen sowohl in den Straßen in Łódź als auch in den Räumen, in denen Hilda und ihre Familie lebten) 5. Überleben in Auschwitz-Birkenau (aufgenommen im Museum und an der Gedenkstätte) 6. Erfahrungen im Lager für Displaced Persons in einer idyllischen Umgebung in Gmunden in Österreich (aufgenommen mit Blick auf die wunderschönen Seen Oberösterreichs) 7. Schaffung eines neuen Lebens in Baltimore, USA (aufgenommen in ihrem Haus) Teil des Dramas ist die Tatsache, dass Hildas Muttersprache Deutsch war. Die Sprache, die von den Unterdrückern benutzt und missbraucht wurde. Deutsch war die Sprache ihrer Kindheit, ihrer Träume und Alpträume – und ihrer außergewöhnlichen Poesie. Sie drückte den Schmerz in einem ihrer originellen Gedichte aus: „Genagelt ist meine Zunge an eine Sprache, die mich verflucht“ Hilda kam als junge Frau nach Amerika – sie war erst 23 Jahre alt, als sie 1947 in Baltimore ankam. Sie begann ihr neues Leben in einem neuen Land, sie gab die Sprache ihres tiefsten Ausdrucksvermögens auf und damit eine Laufbahn als Dichterin. Die Welt hat eine große Schriftstellerin in deutscher Sprache verloren. Ihre gesammelten Dichtungen und Prosawerke wurden 2003 unter dem Titel Genagelt ist meine Zunge – Lyrik und Prosa einer Holocaust-Überlebenden in Deutschland veröffentlicht. Herausgeber des Werkes ist die Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Universität Gießen in Zusammenarbeit mit der Ernst-Ludwig Chambré Stiftung in Lich. Gleichzeitig hat das GoetheInstitut eine Website mit Gedichten von Hilda Stern Cohen erstellt. (www.goethe.de/cohen). Ihr Werkes wurde 2008 in den Vereinigten Staaten von der Dryad Press unter dem Titel Words that Burn Within Me:Faith, Values, Survival veröffentlicht. Bearbeitet wurde das Werk von Werner V. Cohen, Gail Rosen und William Gilcher. Seit der Veröffentlichung der Bücher und der Website fand das Werk internationale Beachtung und wurde sowohl im Radio von Iris Berben dargeboten als auch als Wanderausstellung vom Hessischen Rundfunk präsentiert. Hildas Poesie wurde auch in der Reihe The Poet and the Poem from the Library of Congress als Audio Feature hergestellt und im Radio ausgestrahlt. Gail Rosen stellte die Geschichte, die sie erzählt, aus den Interviews mit Hilda Stern Cohen zusammen. Hilda Stern Cohen gab diese ausführlichen Interviews in den Jahren vor ihrem Tod 1997. Hildas Gedichte und ihre täglichen Gebete haben bei der Darstellung einen großen Stellenwert, denn beides war ein wichtiger Bestandteil in Hildas Hilda und Werner Cohen, 1991 Leben. Gail Rosen erzählte die Geschichte schon in den Vereinigten Staaten, in Israel, in Polen, sowie auch in Deutschland, einschließlich Nieder-Ohmen, dem hessischen Dorf, wo Hilda Stern im Jahre 1924 geboren wurde. Nieder-Ohmen (Mücke), Hessen, 2003. Gail Rosen und Werner V. Cohen. Foto von Eve Rennebarth Erzählerin: Gail Rosen Produzenten: William Gilcher und Gail Rosen Videografie und Schnitt: Eve Rennebarth Berater: Dr. Werner V. Cohen Text: Gail Rosen, basiert sowohl auf Interviews mit also auch Gedichten und Prosa von Hilda Stern Cohen Musik: William Gilcher Dargeboten von: Elizabeth Bolton, Mezzosopran; Thomas Moore (Klavier) und Anna Gilcher (Querflöte). Hilda Stern Cohen (1924-1997) Im Jahre 1945 kam Hilda Stern als Flüchtling nach Österreich, wo sie auf ihre Ausreise in die Vereinigten Staaten wartete. Die 21 jährige Deutsch-Jüdin hatte ihre Eltern und Großeltern verloren, aber sie überlebte das Ghetto in Łódź und Auschwitz. Während Hilda in einem Lager für Displaced Persons auf ihr Visum für die Vereinigten Staaten wartete, schrieb sie ihre Gedichte und ihre Gedanken auf. Ihr Ehemann, Werner V. Cohen, entdeckte die verblassten Notizbücher nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahre 1997 in Baltimore. Ihre gesammelten Gedichte und Erzählungen wurden im September 2003 in Deutschland veröffentlicht und im Herbst 2008 in den Vereinigten Staaten. Gail Rosen Gail Rosen ist Geschichtenerzählerin, Beraterin und Lehrerin. Ihre Arbeit führt sie in unterschiedliche Arbeitsumgebungen. Sie erzählt Geschichten, die sich mit der „Großen Frage nach dem Sein“ beschäftigen, Geschichten über Leben und Tod, Zweck und Verzweiflung, Trauer und Trost. Sie ist Gründerin der „Healing Story Alliance“, einer Interessensgruppe innerhalb des „National Storytelling Network.“ Eve Rennebarth Eve Rennebarth lebt in Berlin und arbeitet als Filmemacherin, Editor, Fotografin und Kunsttherapeutin. Sie ist bekannt für ihre Projekte zum Thema Frieden und Versöhnung. William Gilcher William Gilcher arbeitet sowohl an Video- und Audioproduktionen, an Internetproduktionen für das Goethe-Institut in Nordamerika, als auch an unabhängigen Projekten. Bevor er seine Arbeit beim Goethe-Institut begann, arbeitete er an der Universität Maryland, wo er als Autor und Produzent u.a. eine Filmversion von Samuel Beckett’s Stück Endspiel produzierte. William Gilcher, Gail Rosen, Werner Cohen in Grünberg, Hessen (in der Nähe von Nieder-Ohmen) 2003. Foto von Eve Rennebarth Weitere Informationen über Hilda Stern Cohen und ihre Gedichte finden Sie unter: www.HildaStory.org www.goethe.de/cohen Frühling Ein dünner Staub, von blauem Wind getragen, hängt vor dem Fenster, das ich lang vergaß, die Stengel und die Weidenkätzchen sagen daß ich zu lang in Winterhäusern saß. Lass' mich hinaus; damit der Staub verschwindet, damit der Wind die Stuben lüften kann, damit das Seichte neue Tiefen findet und neue Fülle, was so leer begann. – Hilda Stern Cohen, Baltimore, 20.09.1949 Diese Videoproduktion wurde durch Unterstützung des Goethe-Instituts Washington ermöglicht. Inhalte copyright © 2009 William Gilcher und Gail Rosen. Gedichte copyright © 2003-2009 Werner V. Cohen and Estate of Hilda Stern Cohen. Familienfotos mit freundlicher Genehmigung von Werner V. Cohen. Sonstige Fotos © Eve Rennebarth.