Internet World 10/99
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Internet World 10/99
praxis domains Dem Rock Netz unter den geschaut Im Internet ist zwar vieles anonym, doch Domain-Namen und IP-Nummern sind registriert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Whois versteckte Informationen sichtbar machen. 왎 Das Domain-Name-System (DNS) bietet bei Recherchen über Personen- oder Unternehmensdaten im Internet eine Art Notbehelf. Wer mit einem Domain-Namen im Netz aktiv ist, ist auch in der Datenbank des entsprechenden NIC aufgeführt. Die NICs stellen in ihren öffentlich zugänglichen Datenbanken die wichtigsten Daten über die Inhaber der Domains bereit – gemäß dem Abfrage-Protokoll heißen diese Datenbanken auch Whois-Datenbanken. Whois ist ein Verzeichnisdienst, dessen Client-ServerTransaktionen auf TCP basieren. Festgelegt wurde dieses Protokoll im InternetStandard RFC954. Whois-Abfragen über die Formulare der NICs sind sehr einfach gehalten, für umfangreichere oder detailliertere Anfragen sind sie kaum zu gebrauchen. So ist es zum Beispiel nicht ohne weiteres möglich, herauszufinden, welche weiteren Domains der Besitzer einer Domain noch registriert hat. Um eine Whois-Anfrage an einen Server zu richten, gibt es verschiedene Methoden. Die bereits angesprochenen Abfragemasken sind sehr einfach gehalten. Bei der DENIC beispielsweise erhält der Fragende nur einen Bruchteil der Informationen, die über eine Domain oder eine Person tatsächlich in der RIPE-Datenbank enthalten sind. Eine Verfeinerung der Suche mit Hilfe von Parametern ist bei der DENIC überhaupt nicht möglich. Profis recherchieren deshalb bei der Suche nach Domain- oder Netzwerkinformationen gleich direkt beim RIPE (Réseaux IP Européen), wo alle DNS-Daten für den europäischen Bereich gesammelt werden. 78 internet world oktober ’99 Auch das RIPE bietet ein Web-Interface, jedoch verbirgt sich hinter dessen unscheinbarer Eingabemaske eine mächtige, echte Whois-Abfrage (http://www.ripe. net/db/whois.html). Neben dem Web-Interface bietet das RIPE noch andere Zugriffsarten, um Anfragen an die Datenbank zu richten. In der Dokumentation werden fünf Varianten angegeben: WWW, WhoisClient, WAIS, Telnet und eMail. Die Abfragen über eMail und Wais wurden mittlerweile eingestellt, Wais wurde aber durch eine Gimps-basierte Suche ersetzt (http://www.ripe.net/cgi-bin/ripedbsearch). Beim Web-Interface und bei einem separaten Whois-Client können Sie praktisch die gleichen Abfrage-Optionen anwenden. Die Kanzler-Suche. Wie sieht nun eine typische Recherche in der RIPE-Datenbank aus? info Suchoptionen beim RIPE-Whois Option Funktion -a Suche in allen Datenbanken -F Rohausgabe (setzt -Fr voraus) -h Suche auf anderem Whois-Server -i Inverse Suche -k Verwendung mit Telnet-Interface -L Finden von weniger spezifischen Treffern -m Finden von spezifischeren Treffern (1.Ebene) -M Finden von spezifischeren Treffern -p Verbindung mit abweichendem Port (Whois:43) -r Rekursive Suche abschalten -s Suche in Datenbanken mit der Quelle „source“ -S unterdrückt redundante Informationen -t Fordert Vorlage für das Objekt vom Typ „type“ -T Sucht nur nach Objekten des Typs „type“ -HELP „HELP & HOWTO“-Dokument Wir wollten wissen, ob die Domain gerhardschroeder.de tatsächlich dem deutschen Kanzler gehört. Dazu haben wir im Web-Interface zunächst den Domain-Namen eingegeben. Ausgegeben werden nun drei Objekte: das Domain-Objekt sowie alle Personen-Objekte, auf die im DomainObjekt ein Verweis steht. Der Verweis erfolgt in Form von praxis domains info RIPE-Handles, die als Kürzel für ein Personen-Objekt stehen. Die Überraschung: Das Handle in der Zeile admin-c, „TV721RIPE“ verweist nicht auf den Bundeskanzler und offensichtlich auch nicht auf einen Namensvetter. Das weitere Handle verweist auf den Provider, der die Domain registriert hat, hier Puretec. Interessant ist nun die Frage, ob der Inhaber der Kanzler-Domain auch noch andere Domains besitzt. Der Befehl für die Invers-Suche sieht folgendermaßen aus: -i admin-c TV721-RIPE Die Invers-Suche mit „-i“ kann übrigens nur mit den folgenden Attributen angewandt werden: admin-c, tech-c, zone-c, notify, origin, mntby, author Es kann durchaus vorkommen, daß der Gesuchte noch mehr Domains besitzt, die aber nicht angezeigt werden. In der Praxis haben nämlich viele Domain-Inhaber mehrere RIPE-Handles – es könnten also noch andere Domains unter anderen Handles vorliegen. Ursache dafür ist in der Regel, daß ein neuer Provider bei einer Domain-Registrierung meist auch ein neues Handle anlegt. Um weitere RIPEObjekte zu finden, die zu einer Person gehören, müssen Sie nach Begriffen oder Zeichenketten suchen, die vermutlich auch in den anderen Objekten vorkom- URLs Whois im Internet Download-Area der Internet World http://www.internetworld.de Liste aller Whois-Server und Infos ftp://sipb.mit.edu/pub/whois/whoisservers.list DOS Kommandozeilen-Whois-Client http://www.kiraly.com/software/ftp/ internet/ NetTerm: Telnet/Terminal-Programm http://www.netterm.com/index.html Windows Netz-Utility mit Whois-Client http://www.ping.be/cyberkit/ RIPE-Whois-Dokumentation http://www.ripe.net/docs/ripe-157.html Whois beim RIPE http://www.ripe.net/db/whois.html Whois bei der ARIN http://www.arin.net/whois/ Whois bei der APNIC http://www.apnic.net/apnic-bin/whois.pl 80 internet world oktober ’99 men. Die Kombination von Vor- und Nachnamen ist eine gute Methode, um möglichst alle Personenobjekte zu finden. Ein anderer guter Such-Kandidat aus dem bisher gewonnenen Personen-Objekt wäre auch die eMail-Adresse. Wenn Sie auch noch wissen wollen, wer den Server betreibt, auf dem die SchröderHomepage residiert, müssen Sie zunächst mit ping www.gerhardschroeder.de die IPNummer ermitteln. Mit dem Ergebnis 195.20.225.20 können Sie nun eine neue Whois-Abfrage starten, um zu erfahren, welchem Provider dieser Adreßbereich zugeordnet ist. Alternative Clients. Anstelle des WebInterfaces können Sie auch einen eigenständigen Whois-Client verwenden. Das traditionelle Kommandozeilen-Utility dafür ist „whois“ aus dem Unix-Bereich. Sie können damit direkt Whois-Anfragen im selben Format stellen, wie wir es oben für die WWW-Abfrage gezeigt haben. Für DOS/Windows gibt es ein entsprechendes Äquivalent (siehe URL-Kasten), das Sie in der DOS-Eingabeaufforderung benutzen können. Bei der Verwendung eines solchen Whois-Client sind einige Besonderheiten in der Syntax zu beachten. Das von uns vorgeschlagene Programm ist auf den Whois-Server von InterNIC voreingestellt, jeder andere Server – wie der von RIPE – muß explizit mit dem Parameter „-h“ aufgeführt werden. Zudem müssen bei vielen Whois-Clients die Suchoptionen in Anführungszeichen angegeben werden. Unser vorheriges Beispiel muß in der DOS-Befehlszeile also lauten: whois.exe -h whois.ripe.net “-i admin-c TV721-RIPE” Eine seitenweise Ausgabe erreichen Sie durch den Anhang des Filters |more Die Verwendung des KommandozeilenClient ist unter anderem für die direkte Ausgabe in eine Textdatei nützlich. Diese sieht wie folgt aus: whois.exe -h whois.ripe.net “-i admin-c TV721-RIPE” > c:\domains.txt Auch per Telnet können Sie die RIPEDatenbank befragen. Hier sind die Möglichkeiten allerdings sehr beschränkt – so lassen sich nicht alle bekannten Befehlsoptionen einsetzen. Zunächst bedarf es eines geeigneten Telnet-Client – der von Windows beispielsweise ist ungeeignet. RIPE-Objekte Bei der „RIPE Network Management Database“,kurz„die RIPE-Datenbank“,handelt es sich keinesfalls um „Gelbe Seiten“. Ausdrücklich weist das RIPE darauf hin,daß diese Daten zum Zweck des Netzwerkbetriebs dienen, um etwa bei technischen Problemen eine Kontaktperson zu erreichen. Leider wird mit der Datenbank immer wieder Mißbrauch betrieben, etliche Provider nutzen die Daten offenbar als Fundgrube für ihre Kundenaquise.Die RIPE-Datenbank führt Einträge in den folgenden Kategorien: 앫 Zuordnung des IP-Adressraums (IP Adress Registry), 앫 Domain-Namen (Domain Registry), 앫 Routing Richtlinien (Routing Registry), 앫 Kontakt-Informationen (Details zu Personen, die in RIPE-Einträgen vorkommen). Diese Einträge werden „Objekte“ genannt. Die Objekte bestehen aus Attributen wie etwa „domain“,„descr“,„admin-c“ usw. Eine Telnet-Verbindung mit RIPE erfordert nämlich eine Änderung der Terminal-Einstellungen, nach LF (Line feed) muß ein CR (carriage return) gesetzt werden und ein lokales Echo aktiviert sein. Gut geeignet für solche Zwecke ist Net Term 4.2 Als sehr brauchbare Whois-Utilities haben sich etliche Windows-Clients erwiesen (siehe auch IW 5/99, S. 72). So enthalten die meisten multifunktionalen InternetTools einen Whois-Client – mit diesem können Sie dieselben Befehle wie im WebInterface von RIPE absetzen. InterNIC. Recht bescheiden sind die Recherchemöglichkeiten beim zu NetworkSolutions gehörenden InterNIC. Ob mit Whois-Client (whois.internic.net), Telnet oder WWW (http://www.networksolu tions.com/cgi-bin/whois/whois/), Sie können stets nur nach einzelnen Zeichenketten suchen. Immerhin lassen sich mit Hilfe eines „*“ Wildcard-Suchen durchführen. Wenn Sie eine Whois-Auskunft über eine IP-Adresse benötigen, die sich außerhalb des RIPE-Bereichs befindet, müssen Sie es entweder bei der American Registry for Internet Numbers (ARIN) versuchen, die für Amerika und das südliche Afrika zuständig ist, oder aber beim Asia Pacific Network Information Center (APNIC). = Wolfgang Miedl