- Christliches Zentrum Buchegg

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Wenn Beziehungen von Ängsten bedroht werden
Hauptgedanken der Predigt vom 20. Juli 2014
Predigerin:
Susanne Kuttruff
Ort:
Christliches Zentrum Buchegg
Bibeltext:
1. Mose 3,6 - 19
Ich möchte heute über Beziehungen sprechen. Ein Thema, das uns sicher alle beschäftigt, weil
wir alle in irgendeiner Form in Beziehungen stehen. Ich habe mich gefragt: Was braucht es
denn, dass Beziehungen gut sind? Oder, wie könnten Beziehungen besser werden? Habt ihr
auch schon gemerkt, dass Beziehungen nicht von selbst gut sind? Viele Menschen tun sich sehr
schwer auf dem Gebiet der Beziehungen. Sie erleben niemals wirklich tiefe Nähe in
Beziehungen. Weshalb gibt es überhaupt Beziehungsprobleme? Wo haben diese überhaupt
begonnen? Um auf all diese Fragen Antworten zu finden, müssen wir weit zurückgehen. Bis zu
den ersten Menschen, zu Adam und Eva. Denn ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir heute
Beziehungsprobleme haben. Wir kennen die Geschichte, wie Gott das ganze Universum
geschaffen hat. Gott schuf Adam und stellte ihn in den Garten Eden, ins Paradies. Er hatte alles,
was man sich nur wünschen konnte. Aber da gab es ein Problem. Adam war alleine. Alle Tiere
um ihn herum hatten Partner, aber für ihn gab es kein gleichwertiges Gegenüber. So hat Gott
Eva geschaffen. Wir lesen in 1. Mose 2,21: „Da liess Gott, der HERR, Adam in einen tiefen Schlaf
versinken. Er entnahm ihm eine seiner Rippen und schloss die Stelle wieder mit Fleisch. Dann
formte Gott, der HERR, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte.“ Eva wurde also
aus der Rippe von Adam geschaffen, und Adam wurde aus Staub geschaffen. Wir sehen hier
eine wichtige Symbolik. Gott schuf Eva aus einer Rippe von Adam, was so viel bedeutet, dass sie
ihm gleich gestellt war. Sie soll eine gleichwertige Partnerin sein. So lief zu Beginn alles
wunderbar für Adam und Eva. Sie lebten in einer perfekten Welt. In ihrer Beziehung kannten sie
weder Betrug noch Lügen noch Manipulation noch Machtkämpfe oder Eifersüchteleien. Sie
kannten keine Scham, sie kannten keine Schuldgefühle, sie kannten keine Angst, sie kannten
auch den Tod nicht. Sie hatten eine perfekte Beziehung miteinander und mit Gott, bis eines
Tages die Schlange Eva verführte. Die Schlange ist ein Bild für Satan. Sie hat Eva angelogen und
Gott in Frage gestellt. Das ist immer dieselbe Taktik des Feindes. Die Schlange fragte Eva: „Hat
Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum Früchte essen dürft?“ Dabei hatte Gott etwas
ganz anderes gesagt. Er hat gesagt, dass sie von jedem Baum essen dürften, aber vom Baum
der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollten sie nicht essen, denn an dem Tag, an dem sie
davon essen würden, müssten sie sterben. Dieses Gebot zu halten, nur von einem Baum nicht
essen zu dürfen, wäre ja eigentlich einfach gewesen. Aber das Ziel der Schlange war ganz klar.
Sie wollte einen Keil zwischen Gott und die Menschen treiben, und das ist ihr leider gelungen.
Sie belog Eva in 1. Mose 3,4: „Ihr werdet nicht sterben“, zischte die Schlange. Gott weiss, dass
eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom
Bösen unterscheiden können.“ Hier sehen wir den Ursprung aller Verführung. Jeder von uns will
doch selber Gott sein. Ich will mein Leben selber in die Hand nehmen können, ich will nicht
fremdbestimmt sein. Satan verleitet uns immer wieder, es selber besser wissen zu wollen als
Gott, was wirklich gut ist für uns. Wenn wir darauf reinfallen, machen wir uns selbst zu Gott.
Das ist der eigentliche Sündenfall des Menschen. Das ist die Zielverfehlung des Menschen. Eva
ist voll auf die Schlange reingefallen. In 1. Mose 3,6 - 13 lesen wir: „Die Frau schaute den Baum
an. Er sah schön aus! Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden! Sie
pflückte eine Frucht, biss hinein und reichte sie ihrem Mann, und auch er aß davon. Plötzlich
gingen beiden die Augen auf, und ihnen wurde bewusst, dass sie nackt waren. Hastig flochten sie
Feigenblätter zusammen und machten sich einen Lendenschurz. Am Abend, als ein frischer Wind
aufkam, hörten sie, wie Gott, der Herr, im Garten umherging. Ängstlich versteckten sie sich vor
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ihm hinter den Bäumen. Aber Gott rief: "Adam, wo bist du?" Adam antwortete: "Ich hörte dich im
Garten und hatte Angst, weil ich nackt bin. Darum habe ich mich versteckt." "Wer hat dir gesagt,
dass du nackt bist?", fragte Gott. "Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?" "Ja",
gestand Adam, "aber die Frau, die du mir gegeben hast, reichte mir eine Frucht - deswegen habe
ich davon gegessen!" "Warum hast du das getan?", wandte der Herr sich an die Frau. "Die Schlange
hat mich dazu verführt!", verteidigte sie sich.“ In den nachfolgenden Versen lesen wir von den
Konsequenzen. Sie mussten das Paradies verlassen, und das Leben wurde ab diesem Zeitpunkt
für die Menschheit beschwerlich. Wir haben hier eine faszinierende Geschichte, die gespickt ist
mit geistlichen Wahrheiten. Unter anderem sehen wir hier die drei grundlegenden Ängste, die
Beziehungen bedrohen.
Die erste Angst, die wir hier sehen, ist die Angst, blossgestellt zu werden. Deshalb gehen wir
auf Distanz. Weil wir alle Dinge in unserem Leben haben, die wir an uns selbst nicht mögen und
die wir lieber vor anderen verborgen halten. Du möchtest, dass die anderen auf keinen Fall
deine Macken, deine Versagen sehen könnten. Deshalb gehen wir auf sichere Distanz. Und dann
wundern wir uns, warum wir keine tiefen Beziehungen haben. Aber aus Angst können wir gar
keine Nähe zulassen. Nackt sein heisst, ungeschützt sein. Es bedeutet verletzbar zu sein, es
bedeutet, dass du nichts mehr verbergen kannst. Davor fürchten wir uns, gehen deshalb lieber
auf Distanz. Deshalb leben viel zu viele Menschen mit Geheimnissen und Verletzungen. Sie
verstecken ihren inneren Schmerz hinter Masken. Dieses auf Distanzgehen geschieht in drei
Phasen. Wir sehen hier, es begann mit Scham. Scham bedeutet immer, dass wir verlegen
werden. Dort wo Scham ist, finden wir auch immer Angst. Angst gedemütigt zu werden, Angst
blamiert zu werden. Dann beginnen wir, als zweites, Dinge abzudecken. Weil sie sich schämten,
hatten sich Adam und Eva mit Feigenblättern abgedeckt. Wie verdecken wir unsere Scham? Es
gibt Menschen, die machen es mit Humor. Sie spielen den Clown und halten so alle auf sichere
Distanz. Andere machen es mit Äusserlichkeiten. Man trägt die perfekten Kleider, sagt immer
das Richtige und täuscht so ein perfektes Image vor. Doch dahinter herrscht oftmals blankes
Chaos. Wieder andere Menschen verstecken sich hinter einer Online-Fassade. Wenn man auf
Facebook liest, was sie so machen, könnte man meinen, ihr Leben sei schlichtweg perfekt. Aber
wie sieht es in ihrem realen Leben wirklich aus? Wir müssen aufhören so zu tun, als ob unsere
Leben perfekt sind. Drittens bleibt uns nichts übrig, als dass wir auf Distanz gehen. Damit
beginnen die Probleme in Beziehungen erst.
Die zweite Angst, die wir hier sehen ist die Angst, nicht akzeptiert oder angenommen zu
werden. Die Angst vor Ablehnung. Deshalb verteidige ich mich oder beschuldige ich andere um
selber gut dazustehen. Adam und Eva begannen sich zu verteidigen und andere zu
beschuldigen. Adam verteidigte sich: „Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von der Frucht
gegeben, deshalb habe ich davon gegessen.“ Das ist doch typisch Mensch. Wir schieben unsere
Schuld von uns auf andere. Adam beschuldigte hier eigentlich Gott. Aber auch Eva war nicht
bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ihre Ausrede war: Die Schlange hat mich verführt. Was
steckt dahinter? Es ist die Angst vor Ablehnung. Die Angst, nicht angenommen zu werden.
Wenn ich ständig davon reden muss, was bei den anderen nicht stimmt, offenbare ich damit nur
meine eigene Unzufriedenheit.
Wir sehen hier noch eine dritte Angst. Es ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Deswegen
werden wir fordernd oder erheben Ansprüche. Das Resultat von Adams und Evas Ungehorsam
war, das ihre Leben völlig ausser Kontrolle gerieten. Sie hatten ihr Leben in der Herrlichkeit
Gottes verloren. Wenn wir die Kontrolle verlieren, versuchen wir mit aller Macht die Kontrolle
irgendwie wieder an uns zu reissen. Je unsicherer du als Person bist, je mehr Ängste du
erträgst, umso grösser ist dein Bedürfnis, deinen Kopf durchzusetzen. Du versuchst deine
Ideen durchzubringen, und wenn das dir nicht gelingt, flippst du ganz einfach aus. Der Wunsch
alles im Griff zu haben, entspringt nicht unserer Stärke, sondern unserer Schwäche. Wir lesen
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in 1. Mose 3,16: „Da sagte Gott zu Eva: „Du wirst dich nach deinem Mann sehnen, aber er wird dein
Herr sein.“ Mit anderen Worten: ab jetzt gibt es Machtkämpfe zwischen euch. Ab jetzt werdet ihr
Konflikte haben. Das ist der Moment, wo der Krieg zwischen den Geschlechtern begann. In einer
Beziehung zu leben, wo man sich ständig konkurrenziert, macht wirklich keinen Spass.
Die Frage ist: Können wir denn diese Ängste überwinden? Was können wir tun, um nicht von
diesen Ängsten zerstört zu werden? Was ist das Gegenmittel, das uns von diesen Ängsten
befreien kann? Das Gegenmittel, das Angst überwindet, ist Liebe. Gottes Liebe ist das
Medikament, durch das wir Ängste überwinden können. Deshalb ist es so wichtig, dass wir
lernen, in Gottes Liebe zu leben. Oder anders ausgedrückt: Erfüllt von Gottes Liebe den anderen
begegnen. In 1. Joh. 4,18 steht: „Wenn die Liebe uns ganz erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst.“
Was vertreibt deine Angst? Dein Glaube oder dein Wissen? Nein, die Liebe vertreibt die Angst.
Wenn du frei werden willst von Ängsten, dann musst du es lernen, immer mehr von Gottes
Liebe erfüllt zu sein.
Wie ist es möglich, dass Menschen zuschauen wie ein Haus abbrennt und Angst haben,
hineinzugehen, aber eine Mutter, deren Kind noch im Haus ist, rennt hinein, um es zu retten?
Weil Liebe immer grösser ist als Furcht. Furcht wird immer mit Liebe überwunden. Deshalb ist
es so wichtig, dass wir ständig von Gottes Liebe erfüllt sind. Wie können wir es lernen, Tag für
Tag in dieser Liebe Gottes zu leben? Ich möchte dazu drei Schritte erwähnen. Wenn wir diese
täglich tun, werden wir eine ganz andere Qualität in unseren Beziehungen erleben.
Der erste Schritt ist: Ich entscheide mich jeden Tag, mein Herz Gott hinzugeben. Wir lesen in
Sprüche 4,23: „Mehr als alles andere, behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.“ Das
Herz ist das Symbol für das Zentrum unseres Seins, unserer Emotionen, unserer Gedanken.
Man könnte auch sagen: Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen unser
ganzes Leben. So ist es wichtig, dass du jeden Tag Gott deine Emotionen hingibst. Die
Gedanken, die dich negativ beeinflussen. Wenn du dich von deinen Ängsten trennen möchtest,
ist es wichtig, dass du nahe bei Gott lebst. Denn sobald du dich von Gott entfernst, nehmen
Dinge wie Unruhe, Sorge und Angst sofort zu. Es ist die vollkommene Liebe Gottes, die alle
Angst vertreibt.
Der zweite Schritt ist: Ich denke jeden Tag darüber nach, wie Gott mich liebt. Wir müssen jeden
Tag einen Moment stille werden und darüber nachdenken, was es heisst, dass Gott mich liebt.
Das zu wissen, ist von grösster Bedeutung. Wir müssen uns geliebt wissen, sonst können wir
die Liebe nicht leben. Ich habe mir vier Dinge aufgeschrieben, die bedeuten, dass Gott mich
liebt.
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Er hat mich völlig angenommen. Es wird immer Menschen geben, die dich ablehnen.
Aber Gott hat dich angenommen, so wie du bist.
Ich bin bedingungslos geliebt (Jesaja 54,10) Gottes Liebe ist immer beständig.
Mir ist vollkommen vergeben (Römer 8,1)
Ich bin äusserst wertvoll (1. Petrus 1,18+19) Wenn du Gott angenommen hast, bist du sein
geliebtes Kind. Das macht dich enorm wertvoll. Wert hängt auch davon ab, wieviel
jemand bereit ist für etwas zu zahlen. Welchen Preis hat Gott für uns bezahlt, damit wir
seine Kinder heissen dürfen? Jesus hat sein Blut gegeben, weil wir ihm so viel wert sind.
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Der dritte und letzte Schritt um es zu lernen, immer mehr in Gottes Liebe zu leben, ist: Ich bin
bereit, das weiterzugeben, was ich bekommen habe. Deshalb ist es so wichtig, mich immer
wieder daran zu erinnern, wie sehr Gott mich liebt. Ich kann nichts weitergeben, das ich selber
nicht habe. Aber wenn ich erfüllt bin von Gottes Liebe, dann kann ich anderen gegenüber auch
in dieser Liebe begegnen. Jesus sagte in Joh. 13,34: „Ich gebe euch ein neues Gebot, liebt
einander. Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.“ Wie hat er uns geliebt? Er hat uns
bedingungslos geliebt. Er hat uns angenommen, so wie wir sind. Er hat uns vergeben, ohne dass
wir es verdient hätten, und wir sind wertgeschätzt. Und genauso sollen wir anderen Menschen
begegnen. Einander annehmen, wie er uns angenommen hat. Vielleicht denkst du, dass du das
nicht schaffst. Dann schau nicht darauf, wie schlimm die anderen Menschen sind, sondern
konzentriere dich auf Gottes Liebe. Gib jeden Tag Gott dein Herz hin. Alle deine Emotionen, alle
deine Visionen, und erinnere dich daran, wie sehr er dich liebt. Dadurch werden wir immer
mehr fähig sein, in seiner Liebe zu leben und anderen diese Liebe weiterzugeben. Dann werden
wir auch den Ängsten, die Beziehungen bedrohen, die Stirn bieten können, und wir müssen
nicht mehr auf Distanz gehen. Wir müssen uns nicht mehr ständig verteidigen, um
angenommen zu sein. Weil wir erfüllt sind von der vollkommenen Liebe Gottes. (kk)
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