Axel Corti Schalldämpfer 1989
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Axel Corti Schalldämpfer 1989
Axel Corti Schalldämpfer 1989: Gegen seine Existenzangst schreibt der Künstler immer wieder an, malt, macht Musik. Seine Schwäche kann immer zu seiner Stärke werden. Sein Leben ist mühsam, schmerzensreich, geschüttelt, gebeutelt. Aus einer Spannung, aus seiner Qual, aus seinem Leid an der Existenz will sich etwas verdichten, was möglicherweise Kunst genannt werden kann. Der Unsichere wird der Weise. Der Narr weiß mehr. Der Tänzer kennt den Weg. Der Musiker sagt das Wort. Das Ungewusste ist die neue Wahrheit. Das heißt aber Risiko. Aber wer nimmt ihn ernst, den Quäler seiner selbst? Wer hört ihm zu? Wer begreift ihn im Kasematten der Verwalter? Dass der Künstler spielerisch, ohne die Angst der Konvention – und das macht ihn ja gerade so verdächtig – möglicherweise sogar in zusammenhängenden Sätzen oder, verdammt noch mal, auch stammelnd, aber nie in aufgequollenen Floskeln präfabriziert dahergatscht. Wer begreift denn endlich in diesem Land, dass er an allen Tagen nach Quellen und Ressourcen bohrt und zu schürfen versucht. Dass der Künstler die mutigsten, die rücksichtslosesten – ja, meinetwegen und Gott sei Dank die unausgewogensten und also lebendigsten Gedanken in unser Leben einbringen kann. Der Künstler sollte sich ernst nehmen, er sollte das Anbieten den Callgirls überlassen, er sollte im korrumpierenden Umfeld mancher Publikationen nicht einmal eine Kontaktadresse aufgeben. Das bleibe den Huren überlassen Und die Mächtigen sollten in den Spiegel schauen, immer wieder, wenn sie merken dass die Kummerfalten ihrer absoluten Ungewissheit in die Indifferenz des Aspikgesichtes über zu schmelzen beginnen. Dann sollten sie wenigstens das kleinere Übel wählen. Dann noch lieber die Kümmernis, die Indifferenz des Aspikgesichts, das so viele sich angelebt haben. Kummer in Aspik mit seiner weichlichen, klebrigen Flucht in die Arroganz, die allemal aus der Unsicherheit kommt das ist keiner auf den man zugehen möchte. Der Humus eines Landes braucht seine Regenwürmer! Mag der Mächtige allemal ein Traktorist sein, ein vollautomatischer Motorpflug. Der Regenwurm ist allemal der Künstler. Der Humus eines Landes, eines kleinen noch viel schneller als eines großen, kann ersticken. Eine kleine Nation – ob das Wort nun angenehm ist oder nicht – hat nicht so viele Regenwürmer. Das Laub der Zeit fällt rasch, auch das der Legislaturperioden. Die neue Wirklichkeit – und das ist halt allemal die Kunst kann nur entstehen, wenn dieses Laub in den Boden gezogen wird, verdaut wird, nicht bloß wieder ausgespien wird, sondern auf die natürlichste Weise in das verwandelt wird, was empfindliche Kindergärtnerinnen das große Geschäft nennen. Die Regenwürmer machen es nie, das wirklich große Geschäft, aber sie machen ihr Kacka auf's Allerfruchtbarste. Wehe, den Würmern, die sich füttern lassen, die den ausgelegten Köder schnappen. Die Maulwürfe fressen schnell, aber die Verdauung der Maulwürfe geht hastig und nebenbei. Selten noch schuf ein mächtiger Maulwurf neuen Humus. Die Maulwürfe kacken ihres in unfruchtbare Ecken. Wer der Macht nachläuft, den holt sie ein.